Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 01/1978


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       ZUR AKTUELLEN ENTWICKLUNG DER VERBRAUCHERPREISE
       ===============================================
       UND ZUM PREISINDEX DER LEBENSHALTUNG
       ====================================
       
       Eberhard Dähne
       
       I. Aktuelle  Tendenzen der  Preisentwicklung in der BRD - II. Be-
       rechnungsmethoden des  Preisindex der  Lebenshaltung -  III. Pro-
       bleme der Preiserhebung
       
       I. Aktuelle Tendenzen der Preisentwicklung in der BRD
       -----------------------------------------------------
       
       Indizes der  Produktion und  des Auftragseingangs entwickeln sich
       widersprüchlich. Die  Auftriebstendenz ist  relativ schwach. Auch
       im Juni  1978 gab  es trotz  aller Umschulungsmaßnahmen , die den
       Arbeitsmarkt entlasten,  trotz der beträchtlichen Mittel, die für
       Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen -  häufig nach  der  Methode  "Vogel
       friß oder stirb" - eingesetzt wurden, den vielfältigen Techniken,
       vor allem  Frauen als Anspruchsberechtigte aus der Statistik ver-
       schwinden zu lassen, trotz abgeschobener Ausländer und hoher Dun-
       kelziffern immer  noch 984 000  amtlich registrierte  Arbeitslose
       und 231 000  Kurzarbeiter. Im  Vorjahr waren es im 2. Vierteljahr
       995 000 Arbeitslose und 238 000 Kurzarbeiter. 1) Es hat sich also
       wenig verändert;  ohne eine  grundlegende Veränderung  der  herr-
       schenden Politik wird sich auch wenig verändern.
       In all  dieser Düsternis  strahlt das  Preis-Licht um  so heller:
       "Mit einer Teuerungsrate von zuletzt ungefähr zweieinhalb Prozent
       ist die  Bundesrepublik zwar  noch nicht so weit wie die Schweiz.
       Da sich  dort die  Inflationsrate dem Nullpunkt nähert, lösen die
       Eidgenossen das  Amt des  Preiskommissars zum  Jahresende  auf...
       Aber immerhin,  auch  die  Bundesrepublik  kann  sich  mit  einem
       zweiten Rang  im internationalen  Vergleich vor  Österreich sehen
       lassen." 2)
       Tatsächlich läßt  sich seit  1975 eine  fortschreitende  Verlang-
       samung des Preisauftriebs für den Endverbrauch beobachten. Gegen-
       über dem ersten Halbjahr 1977 stieg der Preisindex der Lebenshal-
       tung für  alle privaten  Haushalte im ersten Halbjahr 1978 um 2,9
       Prozent. Im  Durchschnitt des  Jahres 1977 hatte der Anstieg noch
       3,9 Prozent und 1976 - mit dem Beginn des neuen Zyklus - noch 4,5
       Prozent gegenüber  dem jeweiligen  Vorjahr betragen  .1977 gab es
       auch zum  ersten Male  seit 1969  wieder  einen  Vierteljahresab-
       schnitt, in  dem ein Rückgang des Preisindex (1970 = 100) festzu-
       stellen war: Juli 1977  147,0, September 146,7.
       Der langfristige  Vergleich der  amtlich ausgewiesenen  Preisent-
       wicklung relativiert aber diese Erfolgsmeldungen.
       
       Tabelle 1:
       Daten zur Preisentwicklung a) in den Zyklen seit 1953.
       
                          1950 1953 1958 1963 1967 1971
                          1953 1958 1963 1967 1971 1975 1976 1977 1978
       Zahl der Jahre im
       Zyklus             (4)   5    5    4    4    4
       Zunahme des Preisindex d.
       Lebenshaltung im Jahres-
       durchschnitt        -    1,9  2,2  2,7  2,9  6,3  4,6  3,6  2,8
       Niedrigster
       Jahresanstieg      -1,7 +1,4 +1,1 +1,5 +1,3 +5,3           (6 Mo-
       Höchster                                                   nate)
       Jahresanstieg      +7,9 +2,5 +3,1 +3.5 +5,1 +6,9
       Zahl der Quartale im Jahresverlauf
       mit Indexverminderungen oder
       Stagnation         (7)  10    9    4    2    -    -    1    -
       Zahl der Monate im Jahresverlauf,
       in denen der Index rückläufig war
       oder stagnierte   (27)  21   18   12   10    2    2    3    -
       _____
       a) Preisindex der  Lebenshaltung  von  4-Personen-Haushalten  mit
       mittlerem Einkommen  des  alleinverdienenden  Haushaltsvorstandes
       (1958 = 100).
       Quelle: Zusammengestellt und  berechnet  nach:  Stat.  Bundesamt,
       Fachserie 17,  Reihe 7. Preise und Preisindizes der Lebenshaltung
       1976, S.  35: dass., Fachserie 17, Reihe 7, Preise und Preisindi-
       zes für  die Lebenshaltung  April  1978.  S.  43  f.:  Juni  1978
       (Eilbericht), S. 6 f.
       
       1978 wird  der Preisindex  der Lebenshaltung  für  alle  privaten
       Haushalte, der  im l.  Halbjahr 1978 um 0,1 Prozentpunkte stärker
       als der  Index für  Arbeitnehmerhaushalte mit mittlerem Einkommen
       anstieg, voraussichtlich  um die  drei  Prozent  zunehmen.  Diese
       wahrscheinlich niedrigste Steigerungsrare innerhalb des gegenwär-
       tigen Zyklus liegt aber immer noch beträchtlich über den niedrig-
       sten Steigerungsraten  der meisten  übrigen Zyklen. Eine Ausnahme
       bildet lediglich  die Periode  1972"1975, in  dem preissteigernde
       Sonderfaktoren ("Vietnam-Dollar-Schwemme",  Exportboom,  Energie-
       preiserhöhung) eine Rolle spielten. Trotz der gegenwärtig wirken-
       den Sonderfaktoren,  die den  Preisaufschwung dämpfen,  vor allem
       die deutliche  Verringerung der Importpreise aufgrund verschiede-
       ner Ursachen, liegt der Anstieg im gegenwärtigen Zyklus bedeutend
       höher als nach der Krise 1967. Das gilt selbst dann, wenn man die
       Erhöhung der  Mehrwertsteuer von 11 auf 12 und von 5,5 auf 6 Pro-
       zent berücksichtigt.
       Zu den Wirkungen der Mehrwertsteuererhöhung
       Die landläufig  vertretene  Auffassung,  daß  eine  Anhebung  des
       vollen Mehrwertsteuersatzes  um 1 Prozent auch den Preisindex der
       Lebenshaltung um l Prozent in die Höhe treibt, wenn die Unterneh-
       mer in der Lage sind, die Erhöhung auf den Endverbraucher weiter-
       zuwälzen, ist  - rein  rechnerisch -  falsch. Zunächst ist zu be-
       rücksichtigen, daß  ein beträchtlicher Teil des Warenkorbes nicht
       unmittelbar von einer Mehrwertsteuererhöhung betroffen wird, weil
       ein Teil  der enthaltenen  Güter und Diensleistungen nach § 4 des
       Umssatzsteuergesetzes von  der Mehrwertsteuer  befreit  ist  bzw.
       diese nicht  auf sie anwendbar ist (z.B. Kfz-Steuer). Dazu zählen
       (in Klammern die Wägungsanteile im gegenwärtig gültigen Warenkorb
       für alle privaten Haushalte 3)):
       - Mieten und ein Teil der Mietnebenkosten (126, 16)
       - Leistungen von Krankenhäusern und Ärzten (12, 21)
       - ein großer  Teil der  Dienstleistungen von Banken und Versiche-
       rungen (28, 30)
       - Teil der Leistungen der Bundespost (8, 76)
       - Teil des Luftverkehrs (0, 61)
       - Dienste von Kindergärten, Volkshochschulen, Theatern und Orche-
       stern (9, 84)
       - Kraftfahrzeugsteuer, Rundfunk-und Fernsehgebühren (11, 77).
       Dieses knappe  Fünftel des Warenkorbes wird nicht unmittelbar von
       einer Mehrwertsteuererhöhung  betroffen. Mittelbar vollzieht sich
       die Überwälzung  auf die Endkonsumenten aber doch. Neubauten z.B.
       sind mit  dem gestiegenen  Steuersatz belastet, was die Mieten in
       die Höhe treibt und längerfristig eine "Angleichungstendenz" auch
       der nicht betroffenen Mieten befördert.
       Für einen  großen Teil des Warenkorbes gilt nur der halbe Steuer-
       satz von gegenwärtig 6 Prozent. Das sind:
       - Nahrungsmittel, Kaffee,  Tee (ohne  fertige Getränke  aber ein-
       schließlich Milch) ohne Leistungen des Gaststätten- und Beherber-
       gungsgewerbes (218, 08)
       - Blumen,  Holz,   "Gedrucktes",  Rechtsanwaltsgebühren,   Kinos,
       Schwimmbäder (21, 12)
       - öffentlicher Nahverkehr  (einschließlich Taxis),  wenn die Ent-
       fernung weniger als 50 km beträgt (11, 92).
       Nach dieser  Überschlagrechnung 4)  ergeben sich also drei Blöcke
       unterschiedlicher Wirksamkeit einer Mehrwertsteuererhöhung:
       - Rund 20  Prozent des Warenkorbgewichtes für alle privaten Haus-
       halte werden  von einer  Mehrwertsteuererhöhung nicht unmittelbar
       betroffen;
       - auf rund  25 Prozent des Gewichtes entfällt ein Mehrwertsteuer-
       satz von 6 Prozent;
       - auf rund 55 Prozent der volle Satz von 12 Prozent.
       Daraus ergibt  sich für den Durchschnitt des gesamten Warenkorbes
       eine Steigerung  der Preisindexziffer für die Lebenshaltung aller
       privaten Haushalte  von 0,67  Prozent. Diese preissteigernde Wir-
       kung einer  Mehrwertsteuererhöhung wird allerdings durch die ver-
       breitete Praxis  - "wenn  schon Erhöhung,  dann kräftig" - weiter
       verstärkt. Angesichts  des hohen  Selbstbedienungsanteils im Ein-
       zelhandel sind  neue Preisauszeichnungen  sehr  arbeitsaufwendig,
       müssen also für die Unternehmer "lohnend" sein. Wenn man die Ent-
       wicklung der Einzelpreisindizes für die 9 Hauptgruppen des Waren-
       korbes betrachtet  (vgl. Tabelle  2), dann  ergibt sich u.E., daß
       die Mehrwertssteuererhöhung  vom 1.1.1978  einschließlich der er-
       wähnten Sonderzuschläge  bereits zum größten Teil auf die Endkon-
       sumenten weitergewälzt  wurde. Anders  ist es  z.B. schwerlich zu
       erklären, daß  etwa die  Nahrungs- und Genußmittelpreise in den 6
       Monaten des Jahres 1978 noch um 1,7 Prozent angestiegen sind, ob-
       wohl die saisonabhängigen Nahrungsmittel in ihren Meßziffern um 6
       Prozent zurückgegangen  sind, die  von  der  amtlichen  Statistik
       festgestellten Kaffeepreise  weiter rückläufig  waren,  Eier  und
       Konserven nach  den Feststellungen der Statistischen Ämter billi-
       ger wurden,  Tabakwaren im  Preis stagnierten  und die  landwirt-
       schaftlichen Erzeugerpreise  einem neuen Tiefstand zustreben, was
       auch im  Weltmaßstab gilt:  bei den  Rohstoffen für die Nahrungs-
       und Genußmittelindustrie  verringerten sich  die Preise am stärk-
       sten. 5)
       An dieser  Stelle einige  Anmerkungen zu den Auswirkungen der ge-
       planten erneuten  Erhöhung der  Mehrwertsteuer ab 1.7.1979. Daten
       über die  aktuellen Verbrauchsausgaben  aller privaten  Haushalte
       gibt es nicht. Orientiert man sich hilfsweise an dem Haushaltstyp
       2 der  laufenden Wirtschaftsrechnungen" "4-Personen-Arbeitnehmer-
       haushalt mit  mittlerem Einkommen  des Haushaltsvorstandes" - der
       im Januar  Ausgaben für  den privaten  Verbrauch von rund 2100 DM
       hatte 6), dann ergibt eine überschlägige Berechnung folgendes Re-
       sultat:
       Bei einer  unterstellten Steigerung  der Verbrauchsausgaben  um 5
       Prozent bis 1979 würde eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 6 auf
       6,5 Prozent  und von  12 auf 13 Prozent, die mit 0,6 bis 0,7 Pro-
       zent auf den gesamten Warenkorb durchschlägt, jährliche Mehrbela-
       stungen von  160 DM  bis 186 DM bedeuten. Je nach konjunktureller
       Situation und  dem herrschenden  "Preisklima" kann sich der durch
       die Mehrwertsteuererhöhung  ausgelöste "Preisschub" aber auch auf
       1 bis  1,5 Prozent  belaufen. Das  wären auf das Jahr umgerechnet
       265 DM  bis 397 DM Mehrausgaben. Diesen Erhöhungen stehen Steuer-
       minderungen gegenüber, die aber nach den bisher bekanntgewordenen
       Zahlen gerade  in der  hier beispielhaft durchgerechneten Einkom-
       mensgruppe niedriger wären als die Mehrausgaben infolge der Erhö-
       hung der Mehrwertsteuer. 6a)
       Nur Belastungen  durch die Mehrwertsteuererhöhung haben die Rent-
       nerhaushalte. Aufgrund  eines anderen  Warenkorbes ist ihre Bela-
       stung allerdings geringer als bei den übrigen Haushaltstypen. Für
       die im gegenwärtig gültigen Warenkorb enthaltenen Waren gilt:
       - Rund 23  Prozent des  Warenkorbgewichtes werden von einer Erhö-
       hung der Mehrwertsteuer nicht unmittelbar betroffen;
       - auf rund  37 Prozent  entfällt der  geplante Mehrwertsteuersatz
       von 6,5 Prozent;
       - auf rund 40 Prozent entfällt der volle Satz von 13 Prozent.
       Bei monatlichen  Verbrauchsausgaben von  rund 990  DM 7) bedeutet
       dies Mehrausgaben  von rund  6 DM im Monat und 72 DM im Jahr. Die
       Rentner wurden  gleichzeitig durch  die neuen Rentenanpassungsge-
       setze benachteiligt  und werden  durch die mit einiger Sicherheit
       eintretenden Erhöhungen  der kommunalen Gebühren infolge der Ein-
       nahmenminderung der  Gemeinden besonders  hart betroffen. Auch in
       diesen Punkten  wird also  deutlich, daß die geplanten "Reformen"
       zu Lasten  der einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen durchge-
       führt werden sollen.
       
       Zur Struktur der gegenwärtigen Preisentwicklung
       -----------------------------------------------
       
       Die gegenwärtig feststellbare Verlangsamung des Indexanstiegs be-
       trifft einen  großen Teil  der Güter und Dienstleistungen des Wa-
       renkorbes. Sie ist bei saisonabhängigen Nahrungsmitteln besonders
       ausgeprägt, deren  Preismeßziffern 8) sogar eine fallende Tendenz
       im Vergleich zum Vorjahr haben. Infolge des niedrigen Zinsniveaus
       steigen auch  die Wohnungsmieten gegenwärtig "nur" mit einer Rate
       von 3,1  Prozent, wobei aber bereits an dieser Stelle darauf ver-
       wiesen werden  muß, daß  ein Teil  des realen  Mietanstiegs durch
       zweifelhafte "Basiskorrekturen" des Statistischen Bundesamtes un-
       ter den  Tisch fällt. Bei den Hauptgruppen "Kleidung, Schuhe" und
       "Übrige Waren  und Dienstleistungen für die Haushaltsführung" lag
       der Tiefpunkt  des Preisanstiegs  bereits im Jahre 1976 (vgl. Ta-
       belle 2).
       
       Tabelle 2:
       Veränderungsraten des  Preisindex der Lebenshaltung für alle pri-
       vaten Haushalte (1970 = 100) insgesamt sowie für die 9 Hauptgrup-
       pen des Warenkorbes 1975 - Juni 1978.
       
                               Veränderung gegen Vorjahr in %  Index
                                                               Juni 78
                                       1975 1976 1977 1978 b)  (1970 =
                                                               100)
       Gesamtlebenshaltung              6,0  4,5  3,9  2,9     150,8
       Gesamtlebenshaltung ohne Saisonwaren und
       ohne Blumen, Kohle und Heizöl    5,9  4,1  4,1  3,4     148,7
       Nahrungs- und Genußmittel        5,3  5,1  5,0  1,7     147,3
       darunter: Saisonwaren            9,1 13,3  1,9 -6,0     178,0
       Kleidung, Schuhe                 5,1  3,4  4,5  4,9     153,8
       Wohnungsmiete a)                 6,5  5,1  3,4  3,1     148,9
       Elektrizität, Gas, Brennstoffe  10,5  6,6  1,1  2,2     181,6
       Übrige Waren und Dienstleistungen
       für die Haushaltsführung         6,4  3,4  3,5  4,0     145,8
       Waren und DL. für Verkehrzwecke,
       Nachrichtenübermittlung          6,3  4,7  2,3  3,6     160,0
       Waren und DL. für Körper- und
       Gesundheitspflege                7,2  4,8  4,3  4,1     160,4
       Waren und DL. für Bildungs- und
       Unterhaltungszwecke              6,0  3,8  2,6  2,4     142,5
       Persönliche Ausstattung; sonstige
       Waren und DL.                    4,0  3,2  4,6  3,0     142,8
       _____
       a) einschließlich Mietnebenkosten
       b) Durchschnitt aus  Januar bis  Juni 1978 gegenüber Durchschnitt
       der ersten 6 Monate 1977 (eigene Berechnung)
       Quelle: Zusammengestellt  und  berechnet  nach  Stat.  Bundesamt,
       Preise und  Preisindizes für  die Lebenshaltung, Juni 1978, S. 32
       ff.
       
       Die Entwicklung  innerhalb der  einzelnen Hauptgruppen  war recht
       differenziert. Eine  nicht unbeträchtliche  Rolle spielten  Waren
       und Dienstleistungen,  deren Preismeßziffern im letzten Jahr sta-
       gnierten. Zwischen dem April 1977 und dem April 1978 galt das für
       folgende Waren  (in Klammern  der Promilleanteil am Warenkorb für
       alle privaten Haushalte): 9)
       - Tabakwaren (25, 33)
       - Postdienste  (2, 67),  die allerdings seit 1970 weit überdurch-
       schnittlich,  von   67  Prozent   (Briefporto)  bis  275  Prozent
       (Postanweisung), angestiegen sind.
       - Ferngespräche (6, 09)
       - Rundfunk- und Fernsehgebühren (6, 14)
       - 6 weitere Waren aus verschiedenen Bereichen (1, 44)
       - Dienstleistungen der Versicherungen (26, 95)
       - Kfz-Steuer (5, 63).
       Zusammen handelt  es sich  hierbei also  um einen Warenkorbanteil
       von 74,25  Promille. Hinzu kommen Waren, deren Preismeßziffern im
       Vergleichszeitraum sogar zurückgegangen sind. Am deutlichsten ist
       dieser Rückgang bei den saisonabhängigen Nahrungsmitteln. Der In-
       dex betrug  hier im  Juni 1977  193,1 (1970 = 100), im April 1978
       171,5  10), er ist also um 11,2 Prozent gegenüber dem Höchststand
       des vergangenen  Jahres zurückgegangen. Preisrückgänge fanden al-
       lerdings nicht  nur bei  dieser Gütergruppe statt. Zwischen April
       1977 und  April 1978 gab es Verminderungen der Preismeßziffer bei
       (in Klammern der Warenkorbanteil) 11):
       - 27 Nahrungsmitteln (27, 28)
       - 2 Kaffeesorten (11, 72)
       - Dieselkraftstoff ringfrei (unbekannt) 12)
       - Lkw-Reifen (unbekannt)
       - 6 Waren aus dem Bereich der Körperpflege (1, 97)
       - 15 Waren  aus dem  Bereich "Bildung und Unterhaltung", wobei es
       sich überwiegend  um Güter  der Elektro-  und der optischen Indu-
       strie handelt.  Bei 12  Gütern sind sogar Rückgänge der Preismeß-
       ziffern unter  den Stand  von 1970 festzustellen (Warenkorbanteil
       der 12 Waren: 6,71 Promille). Waren, deren Preismeßziffer Zurück-
       gingen, hatten  also zusammen  einen Anteil von 47,68 Promille am
       Warenkorb für  alle privaten Haushalte. Stagnierende und rückläu-
       fige Preismeßziffern - soweit sie der Öffentlichkeit bekanntgege-
       ben werden  13) und die Wägungsanteile der betreffenden Waren be-
       kannt sind  - hatten  also  zusammen  einen  Warenkorbanteil  von
       121,93 Promille. Um ihr Gewicht zu verdeutlichen: Wenn alle übri-
       gen Güter und Dienstleitungen des Warenkotbs im Preis unverändert
       blieben,  dann   würde  eine  10prozentige  Preissteigerung  oder
       -senkung für die aufgezählten Waren eine Veränderung des gesamten
       Preisindex der Lebenshaltung um immerhin 1,2 Prozent bewirken.
       Über die weitere Entwicklung des Preisanstiegs im Jahre 1978 sind
       nur Spekulationen möglich. Der Jahresdurchschnitt - das Statisti-
       sche Bundesamt  berechnet ihn als einfaches arithmetisches Mittel
       aus den  Preisindexziffern der  12 Monate  - hängt u.a. davon ab,
       wie deutlich  ausgeprägt das "Sommerloch" des Preisanstiegs wird.
       Darunter ist  zu verstehen, daß in aller Regel der Preisindex der
       Lebenshaltung in  den Hochsommermonaten  langsamer als im übrigen
       Jahr ansteigt.  Von den 26 Quartalen mit Verminderungen oder Sta-
       gnation des  Preisindex der  Lebenshaltung im  Jahresverlauf seit
       1954 entfielen 17 auf den Zeitraum Juli bis September; von 68 Mo-
       naten mit Rückgängen oder Stagnation gegenüber dem Vormonat waren
       es 41. 14)
       Diese Tatsache ist nicht nur darauf zurückzuführen, daß in dieser
       Periode Kartoffeln,  Gemüse und  Blumen preiswerter  sind, daß es
       bei Mineralöl,  Kohlen und  dem seit  Anfang 1978 mit unbekanntem
       Gewicht in den Warenkorb eingeführten Pelzmantel ("Damen-Pelzman-
       tel, Swakara-Persianer,  ohne zusätzlichen  Pelzbesatz, Gr.  42")
       Sommerrabatt gibt. Zusätzlich spielen eine Rolle:
       - Faktoren, die  nicht das  Statistische Bundesamt  verantwortet,
       worunter fallen:  Ferienbesatz in  den  Verkaufsunternehmen,  der
       neue, höhere  Preisauszeichnungen einschränkt;  Vermietet  kommen
       nicht dazu,  neue Mieterhöhungen abzufassen und zu begründen; die
       Parlamentsferien verhindern,  daß CSU,  CDU, SPD  und FDP  Gebüh-
       renerhöhungen mit  sofortiger oder  sogar rückgreifender  Wirkung
       beschließen usw.
       - Faktoren, die das Statistische Bundesamt verantwortet, worunter
       u.a. fallen:  die nicht eindeutige Ausschließung von Räumungsver-
       käufen im  weitesten Sinne  in den  Erhebungsrichtlinien für  die
       Preisberichterstattung 15);  die einigermaßen anfechtbare Praxis,
       die Preise  von vorübergehend  fehlenden Waren  einfach nach  den
       Vormonatspreisen fortzuschreiben;  schließlich die  besonders dü-
       stere (weil  nicht transparente)  Praxis, die Preise der Versand-
       handelsunternehmen auf  zentraler, Wiesbadener Ebene in den Index
       einzuführen. Die  entsprechenden Kataloge  erscheinen im Frühjahr
       und im Spätsommer. 16)
       Ohne mathematische Ableitung soll am simplen Rechenbeispiel ange-
       deutet werden,  was die aufgezählten Tatsachen für die Errechnung
       des Preisindex  der Lebenshaltung bei Ermittlung von Jahresdurch-
       schnittswerten bedeuten.  Ein  Dreimonatsdurchschnitt,  ausgehend
       von einer Indexzahl 170,0, die auf 180,0 steigt, hat unterschied-
       liche Zwischenwerte:
       - Fall 1: 170,0 - 179,0 - 180,0
       - Fall 2: 170,0 - 171,0 - 180,0.
       Im Fall 1 beträgt die durchschnittliche Meßziffer aus den 3 Mona-
       ten 176,3, im Fall 2 nur 173,7.
       Solche extremen  Differenzen sind  bei weniger  hektischen Preis-
       sprüngen und  einem  12-Monats-Durchschnitt  nicht  möglich.  Sie
       spielen aber eine Rolle und beeinflussen den prozentualen Anstieg
       des Preisindex  der Lebenshaltung  im Jahresdurchschnitt. Das ist
       bei  Lohnauseinandersetzungen  vor  allem  in  Zeiten  steigender
       Preise zu berücksichtigen.
       
       Spitzenreiter des Preisauftriebs:
       ---------------------------------
       Preise für öffentliche Dienstleistungen
       ---------------------------------------
       
       Nur wenig  abgeschwächt hat sich der Preisauftrieb bei den kommu-
       nalen Dienstleistungen  und den Preisen für den öffentlichen Nah-
       verkehr. Im Zeitraum seit 1970 sind es lediglich die Preismeßzah-
       len für Theater- und Opernabonnements sowie die für Parkuhrgebüh-
       ren, die  hinter dem  Anstieg der Gesamtlebenshaltung zurückblie-
       ben. Alle  übrigen öffentlichen  Dienstleistungen  -  soweit  sie
       überhaupt Bestandteil  des Warenkorbes  sind - stiegen wesentlich
       stärket. Auch  zwischen April  1977 und April 1978 gab es nur we-
       nige Indexpositionen  in diesem  Bereich, die  geringer  als  der
       Preisindex der Lebenshaltung insgesamt anstiegen. In den von CSU,
       CDU, SPD und FDP regierten Rathäusern scheint angesichts der ver-
       langsamten Gesamtpreissteigerung  der  Grundsatz  vorzuherrschen:
       "Den Bürgern  kräftig in die Tasche greifen, weil's nicht so auf-
       fällt."
       Letzteres hängt  aber auch mit der Tatsache zusammen, daß die öf-
       fentlichen Dienstleistungen  im Warenkorb für alle privaten Haus-
       halte (aber auch in den übrigen Warenkörben) ein unerwartet nied-
       riges Gewicht  haben. Ohne  Strom und Gas, wo die Kommunen in der
       Regel nur  die Endverteiler  eines ansonsten von Monopolkonzernen
       beherrschten Mechanismus  sind und  ohne die aufgeführten Entsor-
       gungsleistungen, die  in den  Mieten enthalten sind, haben die in
       Tabelle 3  aufgeführten Leistungen  nur einen  Promilleanteil von
       19,50. Das  ist noch etwas weniger als der Wägungsanteil von Fla-
       schenbier (19,85).  Eine schlagartige Preissteigerung der mit ih-
       rem Gewicht  aufgeführten Leistungen  (ohne Strom  und Gas) um 50
       Prozent würde den Preisindex nur um ein Prozent ansteigen lassen.
       Der überdurchschnittliche Preisanstieg für öffentliche Dienstlei-
       stungen geht in letzter Konsequenz auf die ungenügende Finanzaus-
       stattung der Kommunen - ihren geringen Anteil am Gesamtsteuerauf-
       kommen - zurück. Ohne einen finanziellen Ausgleich wird die Steu-
       erreform" von  1979/80 mit der geplanten Abschaffung der Lohnsum-
       mensteuer und  der weiteren Erhöhung des Freibetrages für die Ge-
       werbeertragssteuer den  Druck in Richtung einer weiteren Erhöhung
       der kommunalen Gebühren verstärken.
       
       II. Berechnungsmethoden des Preisindex der Lebenshaltung
       --------------------------------------------------------
       
       Im Zusammenhang  mit der  Beschreibung von Momenten der aktuellen
       Preisentwicklung wurden bereits einige methodische Probleme ihrer
       Messung angesprochen.  Sie werden im folgenden dargestellt. Dabei
       ist auch  der Frage  nachzugehen, inwieweit  die gegenwärtig ver-
       wandten Meßinstrumente  zuverlässig sind, das heißt, den Preisan-
       stieg richtig ausweisen.
       
       Tabelle 3:
       Preisentwicklung ausgewählter  öffentlicher Dienstleistungen seit
       1970 und zwischen April 1977 und April 1978.
       
       Dienstleistung          Preisindex    Anstieg in %    %-Anteil am
                               1970 = 100    1970-   April   Warenkorb
                               im April      April   1977/78
                               1978          1978
       
       Wassergeld                 202,1       102,1     2,7    2,49
       Elektrizität               166,2        66,2     4,9   18,80
       Gas                        157,2        57,2     3,7    6,38
       Parkgebühr, 1 Std.         113,3        13,3    ±0,    unbekannt
       Einzelfahrschein für
       Omnibus od. Straßenbahn    199,8        99,8     7,4    2,88
       Mehrfahrtenkarte für
       Straßenbahn od. Omnibus    191,4        91,4     6,6   unbekannt
       Monatskarte für
       Straßenbahn od. Omnibus    186,9        86,9     6,7    0,40
       Bundesbahn, 10 km          160,0        60,0    33,3    0,05
       Bundesbahn, 15 km,
       Wochenkarte                172,2        72,2    19,3    0,26
       Schülermonatskarte, 20 km  223,8       123,8    34,3    0,19
       Bahnbus, 11 km             200,0       100,0    11,0   unbekannt
       Krankenhauspflegesatz,
       1 Tag                      270,1       170,1     4,7    1,88
       Theaterkarte, Tageskasse   156,0        56,0     4,6    0,50
       Theaterkarte, Abo.         141,1        41,1     1,4    0,58
       Operkarte, Tageskasse      154,1        54,1     7,5    0,39
       Operkarte, Abo.            144,1        44,1     6,3    0,47
       1 Doppelstd. Volkshoch-
       schule Lehrgangsgebühr     164,4        64,4     3,2    4,47
       1 Monat Kindergartenbesuch,
       ganztägig m. Verpflegung   174,8        74,8     1,8    3,43
       1 Besuch im Hallenbad      175,9        75,9     4,1    1,51
       Abwasserbeseitigung,
       1 cbm a)
       - kleine Menge             186,5        86,5     6,1   in Miete
                                                              enth.
       - größere Menge            187,2        87,2     6,6   in Miete
                                                              enth.
       Müllabfuhr (jährl.) a)
       - kleine Tonne             162,1        62,1     4,2   in Miete
                                                              enth.
       - große Tonne              159,0        59,0     4,1   in Miete
                                                              enth.
       Straßenreinigung (jährl.) a)
       - 2 x pro Woche            165,5        65,5     1,5   in Miete
                                                              enth.
       - 6 x pro Woche            172,0        72,0     1,5   in Miete
                                                              enth.
       Gesamtlebenshaltung        150,1        50,1     2,9   1000,00
       _____
       a) Januar 1972 = 100
       Quelle: Berechnet nach  Stat. Bundesamt,  Fachserie 17,  Reihe 7,
       Preise und Preisindizes für die Lebenshaltung, April 1978.
       
       Wir beschränken uns hier auf die Zusammenfassung wichtiger Ergeb-
       nisse einer  vom IMSF  vorgelegten Untersuchung 17), Ableitungen,
       Erklärungen und  Beweise der  hier vertretenen Thesen sind dieser
       Arbeit zu entnehmen.
       
       Auseinandersetzungen um den Preisindex der Lebenshaltung
       --------------------------------------------------------
       in Frankreich
       -------------
       
       Die Brisanz  der Preisindexziffer ist in vielen Ländern noch grö-
       ßer als bei uns, weil Lohnerhöhungen entweder für Teilgruppen der
       Lohnabhängigen oder  für diese  insgesamt direkt  an diese Index-
       ziffer anknüpfen. Am umstrittensten sind die amtlichen Berechnun-
       gen in Frankreich, wo sowohl die Löhne und Gehälter der Staatsbe-
       schäftigten als  auch die gesetzlichen Mindestlöhne direkt an den
       amtlichen Index gekoppelt sind. Indirekt werden aber - wie in der
       Bundesrepublik auch  - die  Löhne und  Gehälter aller übrigen Be-
       schäftigten und  der größte Teil der staatlichen Sozialleistungen
       von dieser  Indexziffer mitbestimmt.  Aus den  in der IMSF-Arbeit
       vorgelegten Texten - es handelt sich um Übersetzungen grundlegen-
       der methodischer  Artikel des  C.G.T.-Organs "Le  Peuple" -  geht
       u.E. hervor,  daß der  amtliche Index  so konstruiert ist, daß er
       manipuliert, ja  gefälscht werden  kann. Der amtliche I.N.S.E.E.-
       Warenkorb enthält  295 Einzelposten  mit entsprechend großem Ein-
       zelgewicht, die  im einzelnen nicht bekannt sind! Auch angesichts
       dieser Tatsache  erklärten die  in den  Gewerkschaften C.G.T. und
       C.F.D.T.  organisierten  Beschäftigten  des  Statistischen  Amtes
       (I.N.S.E.E.) im  Februar 1976,  "daß nur  noch einige wenige hohe
       Verantwortliche  wirklich  wissen,  wie  dieser  Index  berechnet
       wird". 18) Es gibt auch Hinweise darauf, daß es in Frankreich re-
       gelrechte "Indexwaren"  gibt, deren  Preise auf  Empfehlungen der
       Unternehmerverbände künstlich niedrig gehalten werden.
       Aufgrund dieser  Tatsache ist  es nicht  verwunderlich,  daß  die
       französischen Gewerkschaften  den amtlichen  eigene  Berechnungen
       gegenüberstellen. Das  gilt auch für eine Reihe von Familien- und
       Verbraucherverbänden. In  der Regel  wird dabei das amtliche Zah-
       lenmaterial zwar benutzt; es wird aber neu gruppiert, und den Be-
       rechnungen liegen  anders gewichtete,  realitätsnähere Warenkörbe
       zugrunde. Am  weitesten geht  dabei die  C.G.T., die einen regel-
       rechten "Konkurrenzindex"  der Lebenshaltung  vorlegt. Die C.G.T.
       verwendet dabei einen eigenen Warenkorb, der die Verbrauchsstruk-
       tur einer  4köpfigen Facharbeiterfamilie  im Pariser Großraum wi-
       derspiegeln soll,  erhebt die Preise mit eigenen Interviewern und
       führt auch die Berechnungen sowie u. U. notwendige Basiskorrektu-
       ren selbst durch. Dieser C.G.T.-Index wurde von den gewerkschaft-
       lich organisierten  Beschäftigten des  Statistischen Amtes in der
       oben zitierten Erklärung als das im Vergleich zum amtlichen Index
       bessere Instrument  bezeichnet.  Welche  beträchtliche  Differenz
       zwischen den  verschiedenen Berechnungen  bestehen, zeigt die um-
       seitige Übersicht.
       Die französische  Regierung ist bislang nicht auf die Forderungen
       der C.G.T.  und der übrigen Gewerkschaften eingegangen, gemeinsam
       ein allgemein  anerkanntes Meßinstrument der Preissteigerungen zu
       entwickeln.
       
                                    I.N.S.E.E.  C.G.T.  C.F.D.T.  F.O.
                                    amtlich
       Preisanstieg zwischen
       1970 = 100 und Dezember
       1975 in Prozent                +57,3     +84,0     +70,2   +68,5
       Preisanstieg vom Dezember 1974
       bis Dezember 1975 in Prozent    +9,0     +14,3     +12,4   +11,4
       _____
       Quelle: Eigene Berechnungen nach Le Peuple, No 985, März 1976, S.
       5.
       
       Französische Zustände in der Bundesrepublik?
       --------------------------------------------
       
       Diese Frage  muß aufgrund unserer Untersuchungen verneint werden.
       Es hat  sich kein  konkreter Anhaltspunkt  dafür ergeben, daß das
       Statistische Bundesamt  die gleiche  Rolle in der amtlichen Wirt-
       schafts- und Finanzpolitik spielt wie offensichtlich das entspre-
       chende französische  Amt, das  dort wie hier dem Innenministerium
       untersteht. Allerdings muß im Hinblick auf die in der Bundesrepu-
       blik geübten Methoden der Indexberechnung auf Fünferlei hingewie-
       sen werden:
       Erstens: Eine  Reihe von Punkten, die in der französischen Kritik
       eine Rolle  spielen, treffen auch für die Bundesrepublik zu. Dazu
       zählen:
       - preisanstiegsverschleiernde Basiskorrekturen  bei Qualitätsver-
       änderungen;
       - die enge Zusammenarbeit mit den Unternehmern bzw. ihren Vertre-
       tern bei der Warenauswahl und monatlichen Preisfeststellung;
       - eine gewisse Naivität gegenüber den in der  f r e i e n  Markt-
       wirtschaft geübten Praktiken;
       - eine Unterbewertung  der Mietausgaben  u. a. aufgrund eines un-
       terstellten Wohnstandards, der nicht mehr zeitgemäß ist.
       Zweitens: Eine  zwar behauptete, aber bislang nicht bewiesene Re-
       präsentativität der  errechneten Ziffern im Hinblick auf die ver-
       schiedenen sozialen  Bevölkerungsgruppen, die  Zeit und  Regionen
       der Bundesrepublik.
       Drittens: Eine  Vielzahl methodischer Festlegungen über das Erhe-
       bungsverfahren, die  jede für  sich nur von relativ geringer Aus-
       wirkung sind,  die aber in ihrer Summe eher in Richtung einer Un-
       tertreibung des Preisanstiegs wirken.
       Viertens: Eine  ausgesprochen defensive  Veröffentlichungspraxis,
       die erhebliche  Teile des  Warenkorbes mit  Geheimhaltung belegt,
       die Einführung der Versandhandelspreise in die Berechnungen nicht
       erläutert, aber  auch wichtige  methodische Fragen der Erhebungs-
       und Aufbereitungspraxis  nicht mehr  der öffentlichen  Diskussion
       zugänglich macht.
       Fünftens: Die  Zusammensetzung der das Statistische Bundesamt be-
       ratenden und kontrollierenden Gremien ist nicht repräsentativ für
       die relevanten  gesellschaftlichen Kräftegruppierungen in unserer
       Gesellschaft. Beispielhaft seien die entsprechenden Passagen über
       die Zusammensetzung  des Statistischen  Beirats aus  dem §  4 des
       "Gesetzes über  die Statistik  für Bundeszwecke" zitiert. Die Zu-
       sammensetzung dieses  Beirats deckt  sich "kräftemäßig"  auch mit
       der der  Fachausschüsse - so dem in unserem Zusammenhang interes-
       sierenden "Fachausschuß für Preis- und Lohnstatistik".
       "(1) Das Statistische Bundesamt erhält einen Beirat.
       (2) Der Beirat setzt sich zusammen aus
       1. dem Präsidenten des Statistischen Bundesamtes oder seinem Ver-
       treter im Amt als Vorsitzenden,
       2. je einen Vertreter der Bundesministerien, des Bundesrechnungs-
       hofes, der Bank deutscher Länder und der Bundesbahn,
       3. den Leitern der Statistischen Landesämter und ihren Vertretern
       im Amt,
       4. je einem Vertreter der kommunalen Spitzenverbände,
       5. sieben Vertretern  der gewerblichen  Wirtschaft und einem Ver-
       treter der Arbeitgeberverbände,
       6. drei Vertretern der Gewerkschaften,
       7. zwei Vertretern der Landwirtschaft,
       8. zwei Vertretern der wirtschaftswissenschaftlichen Institute.
       Im Falle  der Beschlußfassung haben die Vertreter gemäß Nummern 1
       bis 3 nur beratende Stimme." 19)
       Dazu ist  jeder Kommentar  überflüssig. Eine  Erläuterung und ein
       Hinweis: Die  unter 6.  genannten "Vertreter  der Gewerkschaften"
       setzen sich nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes aus einem
       Gewerkschaftsvertreter des  DGB sowie  aus  zwei  Vertretern  von
       Standesorganisationen, in  denen Lohnabhängige  organisiert sind,
       der DAG  und dem  Deutschen Beamtenbund,  zusammen. Warum ist die
       Statistik im  Hinblick auf  Arbeitsbedingungen, Vermögensverhält-
       nisse usw.  so lückenhaft?  Antwort:  Vgl.  §  4,  Absatz  2  des
       "Gesetzes über  die Statistik  für Bundeszwecke",  das in  seinen
       Grundlagen seit 1953 nicht mehr geändert wurde.
       In den  grundlegenden Aufsätzen  der Zeitschrift  "Wirtschaft und
       Statistik" ist  zwar nur einmal ein Hinweis darauf enthalten, daß
       der Statistische  Beirat massiv Einfluß auch auf die methodischen
       Grundlagen der  Indexberechnungen nimmt 20); anzunehmen ist aber,
       daß dies  häufiger der  Fall ist.  Unsere diesbezüglichen Zweifel
       könnten nur  ausgeräumt werden,  wenn die  Zusammensetzung dieses
       Gremiums ausgewogener wäre.
       Diese fünf  zusammenfassend aufgezählten Kritikpunkte am Preisin-
       dex der  Lebenshaltung dürfen nicht mißverstanden werden: Es ging
       den Verfassern  der IMSF-Studie  nicht darum  zu zeigen,  daß der
       Preisindex der  Lebenshaltung systematisch die reale Preissteige-
       rung in  der Bundesrepublik untertreibt. Es kam allein darauf an,
       ein zentrales  Instrument der  wirtschafts- und sozialpolitischen
       Auseinandersetzungen, das  in jeden Lohnkampf massiv hineinwirkt,
       darzustellen und  zu untersuchen.  Dabei wurde  allerdings  davon
       ausgegangen ,  daß sich die Untersuchungen des Statistischen Bun-
       desamtes -  wie jede andere wissenschaftliche Untersuchung auch -
       einer ständigen, auch methodischen Kritik stellen müssen.
       Auf eine weitere mögliche Fehldeutung ist zu verweisen. Eingriffe
       in die Indexbewegung durch die sogenannten "öffentlichen Hände" -
       zumindest der  Versuch dazu - sind gang und gäbe. "Als die Treib-
       stoffpreise am 17. März 1976, zwei Tage nach dem Stichtag für die
       Preiserhebung für den Monat März, erhöht wurden, war das kein Zu-
       fall: die Teuerung sollte erst im Aprilindex zum Ausdruck kommen,
       der in  der zweiten Maiwoche veröffentlicht wurde (wahrscheinlich
       fiel in  die Zwischenzeit  eine Lohnbewegung,  d. Verf.). Ähnlich
       verhielt es  sich mit  den Spitalkosten.  Sie sind im Index durch
       die Wiener  Spitalkosten für  die II. Klasse (jetzt Sonderklasse)
       vertreten. Ihre Erhöhung wurde über Veranlassung Kreiskys hinaus-
       geschoben, damit  der Index  zum damaligen  Zeitpunkt (Mai  1974)
       nicht über  die magische 10-Prozent-Teuerungsgrenze hinaussteigt.
       21) Diese  Indexkosmetik gab  Bürgermeister Gratz  in einem  Zei-
       tungsinterview offen zu. In den Bundesländern waren die Spitalko-
       sten schon  einige Zeit vorher hinaufgesetzt worden, was sich, da
       sie im Index nicht vertreten sind, nicht ausgewirkt hatte. Es sei
       daran erinnert,  daß sich  Handelsminister  Staribacher  mehrmals
       darum bemühte,  Preiserhöhungen beim  VW-Sparkäfer hinauszuschie-
       ben, weil  die Autos  im derzeitigen  Index nur durch den VW 1200
       vertreten sind,  während die  Preise für die VW-Mittelklassewagen
       und für andere Autos erhöht wurden." 22)
       Dieser Bericht  über Österreich,  Tagesnachrichten  von  der  In-
       dexfront - die VW-Manipulation ist sogar in die Statistische All-
       gemeinliteratur eingegangen  23) -,  ist angesichts des hohen Wa-
       renkorbanteils, auf den die öffentliche Hand direkt oder indirekt
       einen Preiseinfluß hat 24), ohne weiteres auch in der Bundesrepu-
       blik möglich.  Auch die  Praxis großer  Konzerne, ihre  Preise im
       allgemeinen erst  nach den  Lohnrunden zu  erhöhen, ist nicht nur
       darauf zurückzuführen, daß die Wirksamkeit einer "Lohn-Preis-Spi-
       rale" bewiesen  werden soll,  sondern auch  als Versuch zu sehen,
       Einfluß auf  den Verlauf des Preisindex der Lebenshaltung und da-
       mit auf die Lohnauseinandersetzungen zu nehmen.
       All dies  ist aber  nicht den  Statistischen Ämtern  anzukreiden,
       sondern widerspiegelt  nur die  großen  Einflußmöglichkeiten  des
       Staates und  der Monopolkonzerne  auf den Wirtschaftsprozeß sowie
       die große  Bedeutung der  Preisindexziffer für  die Lebenshaltung
       bei Lohnkämpfen.
       
       Zur Indexformel des Preisindex der Lebenshaltung
       ------------------------------------------------
       
       Wie verändert  sich das  Verbraucherpreisniveau für  verschiedene
       soziale Gruppen  bzw. für den Endverbrauch insgesamt in einem be-
       stimmten Zeitraum? Diese Aufgabe der amtlichen Preisstatistik ist
       schwierig zu  lösen. Es  gibt Tausende  von Waren  und Dienstlei-
       stungen ,  die in  den Endverbrauch  eingehen. Es ist aber unmög-
       lich, alle  diese Preise laufend in ihren Veränderungen zu erfas-
       sen. Sie haben auch unterschiedliche Bedeutung für die Lebenshal-
       tung: Eine  fünfprozentige Erhöhung  der Brotpreise  trifft einen
       Arbeiterhaushalt  stärker  als  eine  20prozentige  Erhöhung  der
       Preise für  Theaterkarten. Überhaupt hat der Endverbrauch je nach
       dem sozialen  Status des Haushalts und seiner Einkommenshöhe eine
       unterschiedliche Struktur.
       Aus diesen  Gründen müssen die Haushaltstypen ebenso wie die ver-
       brauchten Güter und Leistungen definiert werden. Es muß eine Aus-
       wahl getroffen, ein Warenkorb zusammengestellt werden. Der Waren-
       korb für  alle privaten  Haushalte, der sich aus zwei Erwachsenen
       und 0,7 Kindern zusammensetzt, umfaßt zum Beispiel 899 Güter- und
       Dienstleistungen, für  deren Kauf  1970   1293,61 DM  aufgewendet
       werden mußten.
       Die Messung  der Preisveränderungen erfolgt in der Bundesrepublik
       nach der sogenannten Laspeyres-Methode. 25) Es wird gemessen, wie
       sich die Preissumme eines unveränderten Warenkorbes, der der Ver-
       brauchsstruktur des  Basisjahres entsprechen  soll, zu  verschie-
       denen Zeitpunkten verändert. Zum Beispiel:
       
                         899
                         --
                         >   Preis Juni 1978 x Menge 1970
                         --
       Preisindex zum    1
       Zeitpunkt      = ---------------------------------- x 100 = 150,8
       Juni 1978         899
                         --
                         >   Preis 1970 x Menge 1970
                         --
                         1
       
       Der Index 150,8 zeigt also an, daß für die nach Art  u n d  Menge
       gleiche Auswahl von Gütern und Dienstleistungen im Juni 1978 50,8
       Prozent mehr  bezahlt werden mußte als im Durchschnitt des Jahres
       1970.
       Die vom  Statistischen Bundesamt  verwandte Formel  hat gegenüber
       allen sonst möglichen Indexformeln 26) folgende Vorteile: Solange
       an der Basis festgehalten wird, lassen sich ohne aufwendige Erhe-
       bungen von  Verbrauchsstrukturveränderungen monatlich  die Preis-
       veränderungen des  Warenkorbes errechnen. Die jeweils ermittelten
       Ergebnisse lassen  sich zeitlich  nicht nur auf das Basisjahr be-
       ziehen, sondern können auch untereinander verglichen werden, weil
       die Ausgangsbasis  konstant bleibt. Der Gesamtindex kann beliebig
       untergliedert werden,  und es  lassen sich Teilindizes berechnen.
       Der Nachteil  dieser Indexformel  liegt auf  der Hand. Der einmal
       aufgestellte Warenkorb muß über die Jahre hinweg konstant bleiben
       27) und läßt die zwischenzeitlich eingetretenen Veränderungen der
       Verbrauchsstruktur unberücksichtigt.
       Wegen des  relativ raschen Anstiegs der Realeinkommen in der Ver-
       gangenheit und  den deutlichen  Verbrauchsumschichtungen in Rich-
       tung (unterdurchschnittlich im Preis steigender) langlebiger Kon-
       sumgüter führte  das in  der Vergangenheit in der Regel dazu, daß
       der Preisindex  der Lebenshaltung des starren Warenkorbes dem In-
       dex, der  der aktuellen  Verbrauchsstruktur entsprach, etwas vor-
       auseilte. Das  könnte sich  in der Gegenwart - bei einem gewissen
       Sättigungsgrad der  Ausstattung mit  langlebigen Konsumgütern und
       nur noch  gering steigenden  Realeinkommen - verändert haben. Von
       uns durchgeführte Kontrollrechnungen brachten mangels detaillier-
       ter Unterlagen  aber  keine  eindeutigen  Ergebnisse.  Allerdings
       spricht die  bereits zitierte  Zusammensetzung des  Statistischen
       Beirats dafür,  daß ein Index auf der Basis eines neuen Warenkor-
       bes den Preisanstieg nicht geringer anzeigen dürfte. Man kann nur
       hoffen, daß das Statistische Bundesamt den Index des neuen Basis-
       jahres - vorgesehen ist 1976 - bald vorlegt; ebenso seine laufend
       durchgeführten Kontrollrechnungen. 28)
       
       Zu den Indexhaushalten und Warenkörben
       --------------------------------------
       
       Das Statistische Bundesamt berechnet gegenwärtig Indizes für vier
       verschiedene Warenkörbe,  die der  Verbrauchsstruktur - ermittelt
       aus den laufenden Wirtschaftsrechnungen 29) sowie aus der Einkom-
       mens- und  Verbraucherhebung von  1969 (im  Falle aller  privaten
       Haushalte) -  von 4  Haushaltstypen entsprechen  sollen. Außerdem
       wird ein  Index für "die einfache Lebenshaltung eines Kindes" be-
       rechnet, der  auf  fiktiven,  nicht  empirisch  ermittelten  Ver-
       brauchsausgaben an der unteren Grenze des Existenzminimums beruht
       (vgl. Tabelle 4).
       Die Kritik  an den  ausgewählten Haushaltstypen  und  Warenkörben
       läßt sich in folgenden Hauptpunkten zusammenfassen:
       - Bei der  Aufstellung des  Warenkorbes für  "alle privaten Haus-
       halte" fehlten  ausreichende. Unterlagen  über das Verbrauchsver-
       halten der  Selbständigenhaushalte. Diese  hatten sich nur unter-
       durchschnittlich an  den  Erhebungen  der  Einkommens-  und  Ver-
       brauchsstichprobe beteiligt.
       - Der Haushaltstyp "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt mit mittlerem
       Einkommen" ist  mit seinen Verbrauchsausgaben zwischen der oberen
       Grenze der  Arbeiterklasse und den lohnabhängigen Mittelschichten
       angesiedelt. In  den Warenkorb sind mittelschichtspezifische Ver-
       brauchsgewohnheiten in starkem Maße eingegangen. Die Ausgaben für
       den  tagtäglichen  Bedarf  erscheinen  untergewichtet.  Das  gilt
       (allerdings für  alle  Haushaltstypen)  auch  für  Wohnungsmieten
       (vgl. Tabelle  5), die  auch aufgrund  eines sehr niedrigen Wohn-
       standards nur  ein geringes  Gewicht haben;  zumal berücksichtigt
       werden muß,  daß in den Mietausgaben die Mietnebenkosten (Wasser,
       Entsorgung, Treppenhausbeleuchtung usw.) enthalten sind.
       - Nicht nur  beim "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt  mit mittlerem
       Einkommen", sondern  auch beim  "2-Personen-Haushalt von Rentnern
       und Sozialhilfeempfängern"  fallen in  den Warenkörben eine Viel-
       zahl von untypischen Ausgaben auf.
       Ein besonderes  Problem stellen die Genußmittelausgaben dar. Nach
       Meinung des Statistischen Bundesamtes sind die Aufzeichnungen der
       buchführenden Haushalte  hier unvollständig.  "Wie schon  bei der
       Aufstellung des  Index auf  Basis 1950 waren die von den buchfüh-
       renden Haushalten  angegebenen Beträge  für bestimmte Genußmittel
       zu erhöhen.  Vergleiche mit den Ergebnissen der Verbrauchssteuer-
       statistik hatten die allgemeine Erfahrung erhärtet, daß die Haus-
       halte bei diesen Positionen nicht alle Ausgaben aufzeichnen." 30)
       Beim Index  auf Basis 1958 wurden die Genußmittelausgaben um rund
       20 Prozent,  bei dem  mit Basis  1962 um  etwa 15 Prozent erhöht.
       Auch beim  gegenwärtig gültigen  Index 1970 = 100 "wurden die An-
       schreibungen der  Haushalte in  den Wirtschaftsrechnungen  als zu
       ungenau angesehen  und wie  bei den früheren Indexneuberechnungen
       in Anlehnung  an  die  Ergebnisse  der  Verbrauchssteuerstatistik
       durch Zuschläge  korrigiert." 31)  Das Ausmaß der Korrektur wurde
       allerdings nicht bekanntgegeben.
       Ein Vergleich zwischen den Anschreibungsergebnissen des "4-Perso-
       nen-Arbeitnehmerhaushalts mit  mittlerem Einkommen" nach den lau-
       fenden Wirtschaftsrechnungen und den korrigierten Ergebnissen des
       Warenkorbs für  diesen Haushaltstyp ergibt eine monatliche Diffe-
       renz von  40,28 DM,  also 71  Prozent. 32)  Daß u.U.  zu viel des
       Guten getan  wurde, zeigt der fiktive Verbrauch, der sich aus der
       Umrechnung der  im Warenkorb  enthaltenen Preisangaben in fiktive
       Realmengen (über die Preise des Jahres 1970  33)) ergibt.
       
       Tabelle 4:
       Überblick über  die wichtigsten Merkmale der gegenwärtig vom Sta-
       tistischen Bundesamt  berechneten Preisindizes für die Lebenshal-
       tung und die Entwicklung der Indizes bis 1977
       
                      Preisindex für die Lebenshaltung für
       
       Merkmale alle pri- Angest.- u. Arbeitnehmer- Renten- u. Einfache
                vaten     Beamten-    haushalte mit Sozialhil- Lebens-
                Haus-     haushalte   mittlerem     feempfän-  haltung
       Indizes  halte     mit höhe-   Einkommen     gerhaus-   eines
                          rem Ein-    a), b)        halten b)  Kindes c)
                          kommen a)
       Haushaltsmitglieder
                 2,7         4           4              2          1
       Zusammensetzung
       der Haushalte
               2 Erwach-   2 Erwach-   2 Erwach-    2 ältere    Ein Kind
               sene        sene        sene         Erwachsene  bis 18
               0,7 Kinder  2 Kinder    2 Kinder                 Jahre
       Monatliche Verbrauchs-
       ausgaben 1970 in DM
       - je Haushalt 1294    1996        1157          532         124
       - je Person    479     499         289          266         124
       Indexpositionen im
       Warenkorb      899     882         864          675         284
       Zahl der buchführenden
       Haushalte in den lfd. Wirt-
       schaftsrech-
       nungen 1970      -     393         342          154           -
       Entwicklung der Preis-
       indizes (1970 = 100)
       1971           105,3   105,4       105,1        104,7       105,2
       1972           111,1   111,1       110,7        110,6       111,8
       1973      ·    118,8   118,7       118,2        118,5       120,6
       1974           127,1   127,1       126,3        126,3       129,4
       1975           134,7   134,7       134,0        134,7       139,2
       1976           140,8   140,7       140,2        141,9       149,4
       1977           146,3   145,8       145,3        146,7       151,6
       _____
       a) Städtische Haushalte,  b) Haushaltungsvorstand ist  Alleinver-
       diener, c) Bedarfsstruktur 1965 für den Mindestunterhalt von Kin-
       dern im  1. bis 18. Lebensjahr, d) darunter mindestens 1 Kind un-
       ter 15 Jahren.
       Quelle: Statistisches Bundesamt,  Es  17,  Reihe  7,  Preise  und
       Preisindizes der  Lebenshaltung 1976, S. 4; Wirtschaft und Stati-
       stik (Wista), lfd.
       
       Tabelle 5:
       Anteile der Hauptgruppen an den Ausgaben für die Lebenshaltung im
       Jahre 1970  je Monat: Wägungsschemata (Warenkörbe) der Haushalts-
       typen im Bundesgebiet
       
       Hauptgruppen       Alle       4-Personen-  4-Personen 2-Personen-
                          privaten   Haushalte    Arbeitneh- Haushalte
                          Haushalte  von Ange-    mer-Haus-  von Renten-
                                     stellten und halte mit  und Sozial-
                                     Beamten mit  mittlerem  hilfe-
                                     höherem      Einkommen  empfängern
                                     Einkommen
                          DM          DM          DM          DM
                                %           %           %           %
       Nahrungs- und    431,16      533,28      426,05      233,26
       Genußmittel            333,30      267,15      368,35      438,14
       Kleidung und     130,39      199,12      118,11       37,35
       Schuhe                 100,79       99,75      102,11       70,16
       Wohnungs-        163,20      261,63      168,45      106,19
       miete                  126,16      131,07      145,64      199,46
       Elektrizität,     59,33       70,57       50,82       40,07
       Gas, Brennstoffe        45,86       35,35       43,94       75,26
       Übrige Waren und
       Dienstleistungen
       für die Haus-    146,95      193,84       98,63       42,53
       haltsführung           113,60       97,11       85,27       79,88
       Waren und Dienstleistungen für
       - Verkehrszwecke,
         Nachrichten-   136,31      282,54      118,13       20,09
         übermittlung         105,37      141,54      102,13       37,74
       - Körper- und     52,27      121,83       39,18       18,65
         Gesundheitspflege     40,41       61,03       33,87       35,03
       - Bildungs- und   78,55      157,15       79,45       22,75
         Unterhaltungszwecke   60,72       78,73       68,69       42,73
       Persönliche Aus-
       stattung; Sonstige
       Waren und         95,45      176,19       57,83       11,50
       Dienstleistungen        73,79       88,27       50,00       21,60
       Gesamtlebens-   1293,61     1996,15     1156,65       523,39
       haltung               1000        1000        1000        1000
       _____
       Quelle: Peter Danner,  Das Berechnungsverfahren  beim  Preisindex
       der Lebenshaltung,  in: Zeitschrift des Bayerischen Statistischen
       Landesamtes, 107. Jg. 1975, S. 28.
       
       Der 2,7-Personen-Haushalt  (2 Erwachsene  und  0,7  Kinder)  ver-
       brauchte z.B.  1970 monatlich 63,17 DM für alkoholische Getränke.
       Davon
       - 19,64 Liter Bier,
       - 1342 ccm Schnaps, also fast zwei Flaschen,
       - 3198 ccm  Wein verschiedenster Art, also mehr als 4 1/2 0,7-Li-
       ter-Flaschen,
       - weitere 11,59 DM für alkoholische Getränke in Gaststätten.
       Das Statistische  Bundesamt hat  es bisher nicht für nötig gehal-
       ten, die  Methoden und  Überlegungen seiner Zurechnung offenzule-
       gen. Es  erhebt sich  z.B. die Frage, ob der Konsum auf Betriebs-
       feiern, zu Repräsentationszwecken der Unternehmen usw. usf. ange-
       messen berücksichtigt  wurde. Dieses Informationsdefizit ist des-
       wegen fatal, weil die Genußmittelausgaben eine den Preisindex der
       Lebenshaltung dämpfende Wirkung haben und auch früher hatten, die
       Wirkung einer einigermaßen willkürlichen Erhöhung dieser Ausgaben
       also bekannt sein mußte. Während der Preisindex der Lebenshaltung
       für alle privaten Haushalte 1970 = 100 im Juni 1978 150,8 betrug,
       war der für Genußmittel nur auf 138,5 gestiegen. 34)
       Wenn das  bestehende Informationsdefizit von Seiten des Statisti-
       schen Bundesamtes  nicht aufgehoben  wird, könnte  in der Öffent-
       lichkeit  der   Eindruck  entstehen,   daß   hier   bewußt   eine
       "Indexbremse" in den Warenkorb eingebaut worden ist.
       
       Probleme der regionalen Repräsentativität des Preisindex
       --------------------------------------------------------
       
       Gegenwärtig gibt  es 118  Städte (einschließlich  Westberlin), in
       denen Preiserhebungen  durchgeführt werden.  35) Sie  sollen nach
       dem Anspruch  der "amtlichen Statistik" repräsentativ für das ge-
       samte Bundesgebiet  und Westberlin  sein: "Die  Auswahl der Waren
       und Leistungen und der Erhebungsorte erfolgte jedenfalls in einem
       Umfang, daß sie sowohl repräsentativ ist für die Preisentwicklung
       aller nicht  erfaßten Waren  und Leistungen als auch für nicht in
       die Preiserhebung einbezogenen Orte eines abgegrenzten Gebietes."
       36) Das  ist eine  reine Behauptung, weil der Umfang einer Stich-
       probe allein nichts über ihre Repräsentativität aussagt. Das Sta-
       tistische Bundesamt hat bisher kaum versucht, die Repräsentativi-
       tät der ausgewählten Orte zu begründen, geschweige denn zu bewei-
       sen.
       Hinzu kommt,  daß nur ein vergleichsweise geringer Teil der Waren
       und Dienstleistungspreise in allen 118 Indexgemeinden des Bundes-
       gebietes erfaßt  wird. Vollständige Unterlagen über die regionale
       Differenzierung der  Preiserhebung liegen  nicht vor.  Unsere Be-
       rechnungen ergaben, daß
       - lediglich in  22 Großstädten  der gesamte  Warenkorb Gegenstand
       der dezentralen Preisermittlung ist. (Berichtskreis K) 37)
       - In weiteren  64 Städten  mit 20 000  und mehr Einwohnern werden
       einschließlich der  Mieten Waren  in ihrer Preisentwicklung beob-
       achtet, die  gut  die  Hälfte  des  Warenkorbgewichtes  umfassen.
       (Berichtskreis G)
       - In 32  Städten mit  weniger als  20 000 Einwohnern wird nur ein
       gutes Drittel  des Warenkorbgewichtes  in seiner Preisentwicklung
       verfolgt. (Berichtskreis A)
       Die Begründung  für die Differenzierung der Preisbeobachtung nach
       Berichtskreisen ist entweder dürftig, ja verschleiernd, oder völ-
       lig überholt.  "Preise für  Waren der Bedarfsgruppen 'Bekleidung'
       und 'Hausrat' werden nur in Gemeinden mit 20 000 und mehr Einwoh-
       nern erhoben,  da diese Artikel überwiegend auch von der Bevölke-
       rung der  kleineren Gemeinden in den Städten gekauft werden." 38)
       Erstens sind  die Indexstädte  mit weniger  als 20 000 Einwohnern
       (Dörfer sind überhaupt nicht darunter) fast durchweg (etwa Ratze-
       burg, Einbeck,  Korbach, Wertheim, Deggendorf, Cham) regional be-
       deutsame, zentrale Orte eines größeren, auch historisch gewachse-
       nen Einzugsbereichs  - zum  Teil von  der nächsten Großstadt weit
       entfernt. Zweitens  beschränkt sich  das  Statistische  Bundesamt
       eben nicht auf die Gruppen "Bekleidung" und "Hausrat", die ja im-
       merhin auch  noch zu beträchtlichen Teilen im Berichtskreis G er-
       hoben werden.  Nahezu alle  Güter und  viele Dienstleistungen für
       den Verbrauchsbereich  (mit Ausnahme  von Kraftstoffen), der Kör-
       per- und  Gesundheitspflege, für  Bildung und  Unterhaltung sowie
       der persönlichen  Ausstattung werden  nur in  22 Großstädten  der
       Bundesrepublik in  ihrer Preisentwicklung  beobachtet. Selbst von
       den Nahrungs-  und Genußmitteln  werden noch  47 Indexwaren (ohne
       Verzehr in  Gaststätten) allein in 22 Großstädten der Bundesrepu-
       blik erhoben.  Darunter befinden  sich solche Allerweltswaren wie
       Kochhühner und  tiefgefrorene Brathähnchen,  wie Salz  und  Senf,
       Zwieback und  Knäckebrot, Dosensuppen  und Sauerkraut  in  Dosen,
       schließlich alle  drei Stellvertreterwaren  für Bohnenkaffee,  um
       nur einiges zu nennen.
       Eine andere angeführte Begründung ist völlig veraltet: "Für Waren
       mit geringer Preisfluktuation und solchen Waren, die in kleineren
       Orten nur beschränkt angeboten werden, wurden von den Berichtsge-
       meinden nur  diejenigen mit  mehr als  20 000 Einwohnern  zur Be-
       richterstattung herangezogen  (Berichtskreis G). Andere Waren mit
       verhältnismäßig konstanten  Preisen wurden  lediglich in  den  11
       Landeshauptstädten in  ihrer Preisentwicklung verfolgt (Berichts-
       kreis H)  ... Die Berichtskreise wurden jetzt insofern neu geord-
       net, als  der Berichtskreis H erweitert wurde zum Berichtskreis K
       mit insgesamt  22 Großstädten."  39)  Als  wenn  es  in  Korbach,
       Limburg oder Fritzlar (alles 'kleinere Orte') keinen Senf, keinen
       Bohnenkaffee, keine  tiefgefrorenen Hähnchen geben würde oder die
       Leute nach  Frankfurt oder Kassel führen, um beispielsweise einen
       Kunststoffeimer oder  Spaten zu erwerben, deren Preise ebenso wie
       Volkshochschul- und  Kindergartengebühren,  Fernsehapparatrepara-
       turpreise usw.  nur in 22 Großstädten der BRD aufgenommen werden.
       Die "geringe Preisfluktuation" (eine bemerkenswerte Wortschöpfung
       für Preissteigerungen)  und die  "Waren mit  verhältnismäßig kon-
       stanten Preisen"  mochten noch  einige Berechtigung gehabt haben,
       als die  "Preisbindung der  zweiten Hand" noch funktionierte. Als
       Begründung für  die Berichtskreiseinteilung  im Jahre 1973 konnte
       dieses völlig veraltete Argument aber gewiß nicht mehr gelten.
       Die Konsequenz  dieser Erhebungsmethoden  ist zunächst  eine Ein-
       schränkung der Aussagekraft des Preisindex der Lebenshaltung. Die
       Tatsache, daß etwa der Gruppenindex der "Waren und Dienstleistun-
       gen für  Bildungs- und  Unterhaltungszwecke" im Juni 1976 (1970 =
       100) in  Hessen 141,3  und im Durchschnitt der Bundesrepublik nur
       135,7 betrug  40), ließe  sich unter  der Voraussetzung, daß sich
       die Preise  für eine  Kinoeintrittskarte,  eine  örtliche  Tages-
       zeitung im Einzelverkauf und Abonnement (Berichtskreis A mit 5,12
       Promille Wägungsanteil  am Warenkorb bei 60,72 Promille insgesamt
       41) parallel  entwickelten - durchaus unterschiedlich darstellen.
       Nach der Repräsentativitätsbehauptung der amtlichen Statistik:
       - "Zwischen 1970  und Juni  1976 sind  die Verbraucherpreise  des
       Bildungs- und  Unterhaltungsbereichs in  Hessen um  5,4  Prozent-
       punkte stärker  als im  Durchschnitt der Bundesrepublik angestie-
       gen."
       Die den  realen Sachverhalt  darstellende Interpretation  müßte -
       von anderen Einschränkungen einmal abgesehen - lauten:
       - "Zwischen 1970  und Juni  1976 sind  die Verbraucherpreise  des
       Bildungs- und  Unterhaltungsbereichs in  Kassel und  Frankfurt um
       5,4 Prozentpunkte  stärker angestiegen  als  im  Durchschnitt  20
       nichthessischer Großstädte."
       Unsere Untersuchungen  haben außerdem  ergeben, daß durch die Art
       der Berichtskreisauswahl  Preisrückgänge, also  den  Anstieg  des
       Preisindex der  Lebenshaltung dämpfende  Entwicklungen,  systema-
       tisch übertrieben  werden. Nach  Berechnungen  des  Statistischen
       Bundesamtes hat der überproportional in den kleineren Städten an-
       gesiedelte selbständige Einzelhandel das höchste Preisniveau. 42)
       Preissteigerungen durch  die Vorlieferanten werden beim selbstän-
       digen Einzelhandel in der Regel sofort an die Verbraucher weiter-
       gegeben, während  Preissenkungen im  Einkauf wegen der geringeren
       Umschlagsgeschwindigkeit dieser  Vertriebsform und  der  im  Ver-
       gleich zu  den Großstädten  eingeschränkteren Konkurrenz wohl nur
       wesentlich  zögernder  als  Preissenkung  im  Verkauf  realisiert
       werden. Das  kommt aber  zum Beispiel beim Kaffee-und ähnlich bei
       vielen anderen  Waren - im Preisindex der Lebenshaltung nicht zum
       Ausdruck,  weil  die  Kaffeepreise  nur  in  21  Großstädten  der
       Bundesrepublik sowie in Westberlin erhoben werden.
       Einigermaßen unrepräsentativ  sind auch  die erhobenen  Preise im
       Gastgewerbe. Zusammen  mit  der  Indexposition  "Übenachtung  mit
       Frühstück" umfassen sie immerhin 39,51 Promille des Warenkorbes -
       4,41 Promille  mehr als  Frischfleisch -  für alle privaten Haus-
       halte. Aus dem Vergleich der Preiserhebung zur Ermittlung des Le-
       benshaltungsindex und  der seit  1959 jährlich im August durchge-
       führten Preiserhebung  für den  gleichen Wirtschaftsbereich zieht
       ein Autor des Statistischen Bundesamtes folgende Schlußfolgerung:
       "Neben der  jährlichen Erhebung  der Preise  für  Leistungen  des
       Gastgewerbes in mehr als 100 Gemeinden des Bundesgebiets wird mo-
       natlich im Rahmen der Verbraucherpreisstatistik eine Preisermitt-
       lung in  elf Großstädten  durchgeführt. Wegen  der schmalen Basis
       der monatlichen  Erhebungen können die Ergebnisse aus beiden Sta-
       tistiken nur beschränkt miteinander verglichen werden." 43)
       Nach dem  Anspruch der  amtlichen Statistik  müßte aber eine Ver-
       gleichbarkeit aus  beiden Erhebungen  gewährleistet sein.  Eigene
       Berechnungen für die Indexposition "Übernachtung mit Frühstück im
       Einbettzimmer" ergaben  Preissteigerungen  verschleiernde  Abwei-
       chungen zwischen beiden Erhebungen in den 70er Jahren.
       
       Tabelle 6:
       Preisentwicklung für  die Übernachtung  mit Frühstück  nach  ver-
       schiedenen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes.
       
       Zeitraum des          Preisindex für die  Gastgewerbeerhebung
       Preisvergleichs       Lebenshaltung       in 108 Gemeinden
                             in 11 Großstädten
                                    Preissteigerung in Prozent
       
       1970 - August 1976         40,8                45,6
       August 1973 - August 1976  15,0                20,9
       August 1975 - August 1976   3,5                 6,5
       _____
       Quelle: Berechnet nach  den Jahresveröffentlichungen  der FS  17,
       Reihe 7,  S. 12,  lfd.; Stat.  Jhb. 1977  für die  Bundesrepublik
       Deutschland, S. 478.
       
       Würde eine  solche Entwicklung  auch für  alle übrigen Positionen
       dieser Untergruppen  des Warenkorbes  zutreffen, dann  wären  die
       Auswirkungen auf  den Preisindex  der Lebenshaltung  nicht  unbe-
       trächtlich.
       
       III. Probleme der Preiserhebung
       -------------------------------
       
       "Die Festsetzung der Kleinhandelspreise ist, wie wir wissen, eine
       der schwächsten  Seiten der  Statistik, aber auch dies müssen wir
       mit dem  bekannten fröhlichen  Vertrauen darauf,  daß die  Fehler
       sich kompensieren, in Kauf nehmen." 44) So wurde in einer Abhand-
       lung formuliert,  die 1914,  also zu einer Zeit erschien, als die
       Preisstatistik noch in den Kinderschuhen steckte und die Methoden
       der Berechnung des Preisindex der Lebenshaltung sehr primitiv wa-
       ren. Bei aller Weiterentwicklung der Methoden, der Ausweitung des
       Warenkorbes und  seiner Fundierung  in Wirtschaftsrechnungen  der
       Haushalte hat  sich an dieser Situation nur wenig geändert. Dabei
       kommt gerade der Preisfeststellung, der Erfassung des den Meßzif-
       fern zugrunde  liegenden statistischen  Rohmaterials große Bedeu-
       tung zu.  "Am Beispiel  der Preisindizes: Für die Güte eines sol-
       chen synthetischen  Preisindex kommt es viel mehr auf eine effek-
       tive Erfassung  der Einzelpreise  und ihrer  Bewegung an  als auf
       eine minuziöse Gewichtung." 45)
       Diese Tatsache  wurde in  der amtlichen  Statistik zunächst  auch
       noch zugegeben:  "Die Erhebung  genauer und vergleichender Preise
       bleibt allerdings  in einer  Zeit, in  der Preise für die gleiche
       Ware von  Geschäft zu  Geschäft oft  in der gleichen Straße wech-
       seln, nach wie vor ein schwieriges Problem." 46)
       
       Ablaufschema der Preiserhebung und Indexberechnung
       
                        +-------------+
       Statistisches    ¦Statistisches¦    Das Stat.BA bestimmt die we-
       Bundesamt        ¦Bundesamt    ¦    sentlichen Berechnungsgrund
                        +-------------+    lagen. Indexhaushalte Waren
                              ^            körbe, Basisjahr, Berichtsge-
                              ¦            meinden und gibt die "Richt-
                              ¦            linien" für die P-Ermittlung
                              ¦            heraus.
                              ¦            Es stellt in Zusammenarbeit
                              ¦            mit den Automobilkonzernen
                              ¦            Qualitätsveränderungen fest.
                              ¦            Es führt in unbekanntem Um-
                              ¦            fang Versandhandelspreise
                              ¦            sowie die bundeseinheitlichen
                              ¦            Z-Preise in die Berechnungen
                              ¦            ein.
                              ¦            Die Landesmeßziffern für die
                              ¦            einzelnen Indexwaren werden
                              ¦            mit den Bevölkerungsanteilen
                              ¦            der Länder gewogen und zu
                              ¦            Bundesmeßziffern zusammenge-
                              ¦            faßt.
                              ¦
       10               +------------+
       Statistische     ¦Statistische¦     Die Stat.LA sammeln und prü-
       Landesämter      ¦Landesämter ¦     fen die Preismeldungen der
       zzgl West-Berlin +------------+     Gemeinden. Aus den Meldungen
                          ^ ^ ^ ^ ^        werden einfache Landesdurch-
                          ¦ ¦ ¦ ¦ ¦        schnittspreise errechnet,
                          ¦ ¦ ¦ ¦ ¦        gegebenenfalls "Basiskorrek-
                          ¦ ¦ ¦ ¦ ¦        turen" vorgenommen und die
                          ¦ ¦ ¦ ¦ ¦        Landesmeßziffern errechnet.
                          ¦ ¦ ¦ ¦ ¦        Bis zum 25. d. Monats an das
                         /  ¦ ¦ ¦ ¦        Stat. BA geleitet.
                       /    ¦ ¦ ¦ ¦        Die LA schulen die Preiser-
                      ¦     ¦ ¦ ¦  \       mittler und Sachbearbeiter
                      ¦     ¦ ¦  \   \     der Gemeinden.
                      ¦     ¦ ¦    \   \   Die LA Bayern, B.-Württem-
                      ¦     ¦  \     \   \  berg, Hessen, NRW und Nie
                      ¦     ¦    \     \   \ dersachsen errechnen PI auf
                      ¦     ¦      \     \   \ Landesebene.
                      ¦     ¦       ¦      \   \
       118            ¦     ¦       ¦        \   \
       Berichts-     12      30      16      28      32
       gemeinden  500000   100000- 50000-  20000-  weniger als
       im Bundes- und mehr 500000  10000   50000   20000
       gebiet, da-    ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Die Berichtsgemein
       von ... in     ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ den wählen Preiser-
       Städten mit    ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ mittler und Be-
       ... Einwoh-    ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ richtsstellen aus.
       nern           ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Sie übernehmen die
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Preismeldungen nach
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Prüfung in die
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Preiskartei, ergän
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ zen unter Umständen
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ fehlende Preise,
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ nehmen Korrekturen
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ vor und berechnen
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ teilweise Gemeinde
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ durchschnittsprei-
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ se.
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Diese sowie alle
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ erhobenen Einzel
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ preise werden bis
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ zum 18. d. Monats
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ an die LA weiterge-
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ leitet.
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦
       Preis-         O     O       O         O    O Die Preisermittler
       ermittler      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ stellen zwischen
       Zahl der       ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ dem 10. und 15. d.
       Berichts-      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Monats die Preise
       stellen je     ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ fest. Bei ihnen
       Gemeinde       ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ handelt es sich
       mindestens     ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ vorwiegend um Rent-
       ...            ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ ner und Pensionäre,
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ die gering entschä-
                      8     8       6         6    4 digt werden.
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ In Geschäften und
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Dienstleistungsein-
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ richtungen werden
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ monatlich die Prei-
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ se für die Indexwa-
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ ren ermittelt.
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Bei ihrer Auswahl
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ "sind die örtlichen
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ Kaufgewohnheiten
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ angemessen zu be-
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦ rücksichtigen."
                      ¦     ¦       ¦         ¦    ¦
       Berichts-  +---------------------------------+
       stellen    ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦ ¦
                  +---------------------------------+
       
       In den  folgenden Jahren  beschränkte man sich vorwiegend darauf,
       die Kritiken,  die im Zusammenhang mit der Definition und Einkom-
       menshöhe der  Indexhaushalte sowie der Zusammensetzung der Waren-
       körbe formuliert  wurden, zurückzuweisen.  Lediglich  1963  wurde
       noch einmal  das Verfahren  der Indexverknüpfung dargestellt, das
       bei Qualitätsveränderungen eine Rolle spielt. 47) In einem grund-
       legenden Aufsatz  von 1956,  der aufgelaufene  Kritik  beschwich-
       tigte, hieß  es nicht  ohne Selbstgefälligkeit: "Auf die Methoden
       der Preiserhebungen  wird in diesem Zusammenhang nicht näher ein-
       gegangen. Die  in den  Indexgemeinden in insgesamt bis zu 700 Ge-
       schäften (wo  liegt die untere Grenze? - d. Verf.) je Ware monat-
       lich durchgeführten  Preiserhebungen sind in einer solchen Breite
       angelegt, daß  eintretende Preisbewegungen  unbedingt erfaßt wer-
       den. (Die  Frage ist nur, ob sie richtig und repräsentativ erfaßt
       werden - d. Verf.) ... Aufgrund der Methodik und Organisation der
       Preiserhebungen und der laufenden Begutachtung und Kontrolle kann
       als sicher  gelten, daß die den Indexberechnungen zugrunde geleg-
       ten Preise  das bestmöglichste Material darstellen, das unter den
       gegebenen Umständen gewonnen werden kann." 48)
       Zu diesen  "gegebenen Umständen"  lassen sich Anmerkungen in zehn
       Kritikpunkten formulieren.
       1. Die in  den "Richtlinien zur Verbraucherpreisstatistik" formu-
       lierte Auflage  - "Bei  der Auswahl  der Berichtsstellen sind die
       örtlichen Kaufgewohnheiten  angemessen zu  berücksichtigen" 49) -
       kann auf  der Ebene  einer einzelnen  Gemeinde schwerlich erfüllt
       werden. Erstens  sind die  "örtlichen Kaufgewohnheiten" überhaupt
       nicht bekannt;  zweitens ist die Zahl der Berichtsstellen pro Ge-
       meinde so niedrig, daß eine Anpassung an die Kaufgewohnheiten nur
       eingeschränkt möglich  sein dürfte.  Zur Unrepräsentativität  der
       Ortsauswahl kommt also die der Berichtsstellen.
       In diesem  Zusammenhang ist  zu erwähnen,  daß die Auswertung der
       Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von 1962/63 u.a. auch ergab,
       daß vor allem die Haushalte mit höherem Einkommen einen beträcht-
       lichen Teil  ihrer Einkäufe über den Großhandel und andere billi-
       gere Einkaufsquellen abwickeln. 50)
       2. Die Warenbeschreibungen  lassen häufig  eine gewisse  Naivität
       gegenüber möglichen  Praktiken der Produzenten erkennen. Beispiel
       einer Warenbeschreibung: - Käsesahnetorte, Höhe 6 cm, Durchmesser
       etwa 28  cm." 51)  Was heißt  "etwa"? Etwa  auch 27  cm? Immerhin
       sinkt dann  die Fläche  von 616  qcm auf  573 qcm, also um rund 7
       Prozent. Oder  eine Warendefinition  lautete bis 1974 "Heringe in
       Tomatensauce in  Dosen zu 200 g". 52) Ohne daß darauf auch nur in
       einer Fußnote  verwiesen wurde, änderte sich das 1975 in "Heringe
       in Tomatensauce in Dosen zu 190-200 g". 53) Ein Teil der Herstel-
       ler war  offensichtlich dazu übergegangen, "klammheimlich" bis zu
       10 g  weniger (immerhin  5 Prozent)  in die Dosen einzupacken. Ob
       das von den Preisermittlern bemerkt wurde, ist zweifelhaft, zumal
       als Indexeinheit  hier "1  Dose" fungiert.  Beispiele dieser  Art
       gibt es  weit mehr. Werden derartige Veränderungen nicht bemerkt,
       dann wirken  sie als  den realen Preisanstieg verschleiernde Sen-
       kung des  Preisindex. Aus gesellschaftlichen Gründen gibt es hier
       keine Gegentendenz:  Es ist  kaum vorstellbar,  daß der Unilever-
       Konzern "klammheimlich" 10 g mehr in die Heringsdosen packt.
       3. Während in  der Regel  Rahmenwarenbeschreibungen  ohne  genaue
       Markenangaben bei  der Preisermittlung  verwandt werden, an einer
       einmal gewählten  Marke muß  dann allerdings  solange wie möglich
       festgehalten werden,  wird dieses Prinzip bei den Autos durchbro-
       chen. Hier  sind genau  die Marken  festgelegt. Nach Auskunft des
       Statistischen   Bundesamtes    handelt   es   sich   hierbei   um
       "vertrauliche Festlegungen". Dem steht aber entgegen, daß die je-
       weiligen Indexautos  in der Veröffentlichung des Bayerischen Sta-
       tistischen Landesamtes  auftauchen. Die  "Geheimniskrämerei"  des
       Statistischen Bundesamtes  54) hat  einen sachlichen Hintergrund.
       Wird doch  im Zusammenarbeit  mit den  Automobilkonzernen festge-
       stellt, was  von den jeweiligen Preiserhöhungen als "echte" Prei-
       serhöhung und was als Qualitätsverbesserung einzuschätzen sei.
       4. Probleme wirft auch die ungenaue Festsetzung der Erhebungszei-
       ten auf.  "Die Meldungen  sollen sich  auf den Preisstand vom 10.
       bis 15. des Berichtsmonats beziehen." 55) Soweit, so klar. Aller-
       dings wird  diese Klarheit sofort wieder beseitigt und der Termin
       weiter gesteckt:  "Nur bei  Gütergruppen, bei  denen es normaler-
       weise keine  kurzfristigen Preisschwankungen gibt, darf die Erhe-
       bung schon vor dem 10. stattfinden." 56) Davon sind lediglich die
       Saisonwaren ausdrücklich  ausgenommen. Hier ergeben sich folgende
       Fragen: Auch  am 5., 6. oder?, des Monats, u.U. noch in jeder Be-
       richtsgemeinde zu anderen Zeitpunkten? Das schränkt die zeitliche
       Repräsentativität der  Erhebung ein und könnte von bundesweit tä-
       tigen Handelsunternehmen  dazu benutzt werden, ohne eigene Einbu-
       ßen in die Bewegung des Preisindex der Lebenshaltung hineinzuwir-
       ken.
       5. Daß die  Möglichkeit eingeräumt wird, die Preise zum Teil auch
       vor der Monatsmitte aufzunehmen, hängt auch mit der geringen Zahl
       von Preisermittlern zusammen. In Frankfurt sind es z. B. nur vier
       Mann, die  diese Arbeit durchführen. Reflektionen über die Quali-
       tät des  Interviewernetzes (wieviel  Preise werden am Küchentisch
       fortgeschrieben?) sind  angesichts des  Zeitdrucks, unter der die
       Arbeiten durchgeführt  werden und  der Erhebungsmethoden durchaus
       angebracht, wurden  aber von Seiten des Statistischen Bundesamtes
       als wenig bedeutend eingestuft.
       6. "Schließlich werden die ("amtlichen" - d. Verf.) Preiserhebun-
       gen immer  in Zusammenarbeit  mit den  Händlern  vorgenommen.  Da
       diese -  zum Teil  zu Unrecht  - beschuldigt werden, den Preiszu-
       wachs organisiert  zu betreiben,  ist  anzunehmen,  daß  sie  die
       Preissteigerungen jener  Artikel,  die  Gegenstand  der  Erhebung
       sind, nicht  immer bekanntgeben." 57) Ein Auszug aus einer Kritik
       der C.G.T.  am französischen Index, die u.E. auch für die Bundes-
       republik zutrifft.  Hinzukommt, daß  ein erheblicher Teil der Be-
       richtsbögen -  das gilt  vor allem bei Kleidung, Schuhen, Möbeln,
       also komplexeren  Konsumgütern -  von den Unternehmern bzw. ihren
       Vertretern selbst  ausgefüllt werden  und von den Preisermittlern
       nur abgeholt  werden. Dann  - kann  es leicht  vorkommen, daß die
       Preisstatistik zu einer reinen Routineangelegenheit wird, die man
       am einfachsten  durch mechanische  Fortschreibung erledigt".  58)
       Wobei, so  kann man fortführen, ein Teil der zwischenzeitlich er-
       folgten Preiserhöhungen unter den Tisch fällt.
       7. Die Feststellung  von Qualitätsvetänderungen und ihre Verknüp-
       fung mit  der Preisentwicklung gehört zu den "haarigsten" Proble-
       men der  Preisstatistik, da  der Gebrauchswert  von Waren nur mit
       Hilfe von  Hilfskonstruktionen quantifiziert werden kann. Die un-
       genügende Berücksichtigung  von  Qualitätsverbesserungen  in  der
       Preisstatistik der  Bundesrepublik würde laut R. Krengel zu einem
       in der  Realität nicht  in diesem  Umfang vorhandenen Anstieg des
       Preisindex der  Lebenshaltung führen:  "Der Index  übertreibt  um
       jährlich ein  bis zwei  Prozent" 59),  was von E. Linhart für den
       Preisindex der Lebenshaltung bestritten wird. 60)
       Zwei Preisstatistiker aus der DDR kommen zu dem Ergebnis, daß die
       häufig angewandte  Methode des Statistischen Bundesamtes, bei der
       Neueinführung von  Waren eine  im großen und ganzen proportionale
       Entwicklung von Qualität und Preis anzunehmen, zu einer Verringe-
       rung der tatsächlichen Preissteigerungen führe. 61)
       Schließlich räumt  das Statistischen Bundesamt selbst ein, daß es
       hier bedeutende  Probleme gibt. Die Preisstatistiker "sind leider
       auch nicht  in der  Lage, die Höhe des Fehlers, der durch ungenü-
       gende Ausschaltung  von Qualitätsveränderung verursacht wird, ge-
       nau anzugeben.  Wenn sie  das könnten,  würden sie  ihn auch aus-
       schalten". 62)
       Häufig weicht das Statistischen Bundesamt hier aus, indem einfach
       die Preise  für das  alte und neue Gut miteinander verkettet wer-
       den. Beispiel:
       
       Tabelle 7:
       Verbraucherpreise für Waschmaschinen
       
       Zeitpunkt                   Alte Ausführung     Neue Ausführung
                                   Rührwerksystem      Trommelsystem
                                   DM    Meßziffer     DM    Meßziffer
       
       1958 Jahresdurchschnitt   584,17    100      (707,43)   100
       1961 Dezember             583,-      99,8     706,-      99,8
       1962 Januar                ausgeschieden      711,-     100,5
       _____
       Quelle: Wirtschaft und Statistik, H. 10/1963,5. 595.
       
       Es fand  also eine  Verbrauchsumschichtung von Waschmaschinen mit
       Rührwerk zu  Trommelwaschmaschinen statt.  Um die alte Preisreihe
       fortführen zu können, wurde für die neue Waschmaschine ein fikti-
       ver Basispreis errechnet. Es wurde angenommen, daß die Preiserhö-
       hung von  583 DM  auf 706 DM ( + 123 DM, + 21 Prozent) voll durch
       die bessere  Qualität der Trommelwaschmaschine abgedeckt sei. Ab-
       gesehen davon, daß der alte Typ Waschmaschine überhaupt vom Markt
       verschwand - der neue Typ also gekauft werden mußte ", bleibt die
       Hauptfrage, ob  der höhere  Preis der  neuen Maschine  voll durch
       eine Erhöhung  des Gebrauchswertes  abgedeckt war.  Das  ist  an-
       zuzweifeln.
       Beispiel Nr.  2: Werden  in einer Wohnung Lärmstoppfenster einge-
       baut, deren  Kosten anschließend  auf die  Miete umgelegt werden,
       dann geht das Statistische Bundesamt davon aus, daß es sich hier-
       bei um  eine reine  Qualitätsverbesserung handelt.  U.E. ist  das
       aber nicht  zulässig, weil dem Einbau eine ständige Verschlechte-
       rung der Wohnqualität durch wachsenden Straßenlärm vorausgegangen
       war.
       Ausführlich über  die vielfältigen  Bemühungen des  Statistischen
       Bundesamtes Qualitätsveränderungen  zu berücksichtigen, wenn sich
       dadurch der  Anstieg des  Preisindex der  Lebenshaltung abbremsen
       läßt, wurde  auf der  bereits erwähnten  Tagung des Statistischen
       Beirats am 7./8. Mai 1963 gesprochen. In dem im Anschluß an diese
       Tagung erschienenen Artikel wird sehr offen argumentiert.
       Denn selbst  "Fälle, in denen eine Qualitätsveränderung nicht er-
       kannt worden  ist, (werden) weitgehend dadurch ausgeglichen, wenn
       nicht manchmal  sogar überkompensiert, daß auch in den Fällen, in
       denen eine  Preiserhöhung zwar  nicht ganz,  aber als überwiegend
       durch Qualitätsverbesserung  begründet bezeichnet  wird (und  die
       Wahrscheinlichkeit für  die Richtigkeit  dieser Angabe  spricht),
       die Preiserhöhung in vollem Umfang als qualitätsbedingt herausge-
       rechnet wird". 63)
       Außerdem müsse  schließlich "bedacht werden, daß neben Qualitäts-
       verbesserungen, die  teilweise in  den Index  einfließen  können,
       auch Qualitätsverschlechterungen  unbemerkt  vorkommen  und  jene
       z.T. aufwiegen". 64)
       Hier wird im Grunde gesagt: Wenn die Angaben der Unternehmer über
       die qualitätsbedingten  Gründe von  Preissteigerungen nicht allzu
       plump sind,  dann hat überhaupt keine Preissteigerung stattgefun-
       den (wenn  "die Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit dieser An-
       gabe spricht"), was objektiv aber nicht durch eigene Untersuchun-
       gen geprüft  wird. 65) Im Hinblick auf die Qualitätsverschlechte-
       rungen wird  angedeutet, daß die Unternehmen darüber in der Regel
       nichts berichten.  Sie fallen  nur auf, wenn der Preis sinkt, was
       sehr selten der Fall ist.
       Es spricht  einiges dafür,  daß durch  die Art der Behandlung von
       Qualitätsveränderungen eine  ständige Tendenz  in Richtung  einer
       Senkung des Preisindex der Lebenshaltung wirksam wird.
       8. Auf der  Ebene der Berichtsgemeinden sind zwei weitere Festle-
       gungen zu  nennen, die dazu beitragen, den Preisindex der Lebens-
       haltung niedrig zu halten bzw. ihn hinter dem realen Preisanstieg
       hinterherhinken zu lassen.
       - Wenn ein  Gut vorübergehend  nicht im Angebot ist, "so kann der
       Preisermittler im  allgemeinen den zuletzt angegebenen Preis auch
       für den laufenden Monat nochmals einsetzen". 66)
       - Bei einem  Berichtsstellenwechsel oder quantitativen Änderungen
       einer Preisrepräsentante  oder einer  Änderung in  den  Handels-,
       Liefer- und  Zahlungsbedingungen  dürfte  die  Feststellung  ver-
       gleichbarer Vormonatspreise  im allgemeinen nicht schwierig sein.
       "Sollten in  diesen Fällen  dennoch einmal Informationen über die
       tatsächlichen Vormonatspreise  fehlen, kann  behelfsweise  unter-
       stellt werden, daß der vergleichbare Vormonatspreis' mit dem lau-
       fenden Preis  identisch ist,  daß also  keine echte Preisbewegung
       stattgefunden hat." 67)
       9. Probleme ergeben  sich auch  bei den  "Sonderangeboten".  Zwar
       klingt die  Anweisung  an  die  Preisermittler  recht  eindeutig:
       "Sonderangebote sind nur dann zu berücksichtigen, wenn es sich um
       genau die  gleiche Ware (mit unveränderter Qualität) handelt, auf
       die sich  der im letzten Monat in der betreffenden Berichtsstelle
       erhobene Preis  bezog. Bei der geringsten Abweichung muß der Son-
       derangebotspreis unberücksichtigt  bleiben." 68) Man vermißt aber
       doch präzise Hinweise etwa, daß bei verderblichen Nahrungsmitteln
       streng darauf  zu achten  ist, daß  das Verfallsdatum nicht näher
       gerückt ist. Unsere Frage, ob "es nicht eine Tendenz zur wachsen-
       den  Bedeutung  von  Sonderangeboten  ohne  Qualitätsverminderung
       (etwa der  , Winterschlußverkauf'  nach Weihnachten)" gäbe, wurde
       auf der  Ebene der Berichtsgemeinde (Frankfurt) und des Statisti-
       schen Landesamtes (Hessen) als Problem benannt, über das auch auf
       höherer Ebene  diskutiert  werde.  Beim  Statistischen  Bundesamt
       wurde das Problem aber als eher gering eingestuft. Da es sich bei
       diesen Waren  aber um  solche handelt, die nur im Berichtskreis G
       (teilweise nur  in "K") in ihrer Preisbewegung beobachtet werden,
       diese Art  von "Schlußverkäufen" aber in den großen Städten über-
       durchschnittliche, zunehmende  Bedeutung hat, wird auch in diesem
       Fall der Preisindex ein weiteres Mal "gedrückt".
       10. "Bei der Berechnung der Preismeßzahlen für den Preisindex der
       Lebenshaltung im  Bundesgebiet werden  die Meßzahlen  der  Länder
       durch Gewichtung mit den Anteilssätzen der Bevölkerungszahlen zum
       Bundesergebnis zusammengefaßt. Die behelfsmäßige Gewichtung durch
       Bevölkerungszahlen setzt  allerdings voraus, daß sie auch den An-
       teilen des  privaten Verbrauchs  entsprechen, denn letzterer wäre
       die zweckmäßige  Gewichtung. Mangels  geeigneter Zahlenunterlagen
       für die  einzelnen Waren und Leistungen des Warenkorbs muß darauf
       verzichtet werden,  zumal die Gewichtung mit Bevölkerungsanteilen
       der Länder als durchaus plausible Methode zu werten ist." 69).
       Die Kritik an dieser Vorgehensweise läßt sich in einem Hauptpunkt
       zusammenfassen. Die  Wägung mit  den Bevölkerungsanteilen  mag im
       Falle des Index für alle privaten Haushalte als Hilfskonstruktion
       angemessen sein.  Für die übrigen vom Statistischen Bundesamt be-
       rechneten Indizes  müßte, da  es für diese Haushaltstypen ja auch
       spezifische Warenkörbe  gibt, die  Wägung mit  den Länderanteilen
       der entsprechenden Haushaltstypen bzw. sozialen Gruppen erfolgen.
       Die Wägung  mit den Bevölkerungsanteilen der Länder ist auch des-
       halb problematisch,  weil etwa im Falle des Berichtskreises K nur
       ausgewählte Großstädte Berichtsgemeinden sind.
       
       Veränderungen bei den Indexberechnungen?
       ----------------------------------------
       
       Die Verfasser  der hier  in  kleinen  Ausschnitten  vorgestellten
       IMSF-Studie sind  sich dessen bewußt, daß es "unter den gegebenen
       Umständen" und  bei den  angewandten Methoden der Preisermittlung
       sehr schwierig  ist, ein  allseits anerkanntes  Meßinstrument der
       Preisentwicklung vorzulegen.  Vom Statistischen  Bundesamt dürfte
       man aber  unter diesen  Umständen erwarten, daß es seinen eigenen
       Berechnungen kritischer gegenübersteht und ihre methodischen Pro-
       bleme offener  als bisher  diskutiert. Außerdem scheint es an der
       Zeit, die öffentliche Diskussion über moderne Verfahren der Prei-
       serhebung zu führen.
       In diesem  Zusammenhang ist auch das Problem von Repräsentativer-
       hebungen zu  sehen, die  allerdings von  Seiten des Statistischen
       Bundesamtes u.a.  aus Gründen  des Arbeitsaufwandes skeptisch, ja
       ablehnend  eingeschätzt   werden.  Zu  ihren  Befürwortern  zählt
       Deneffe, der  früher die  preisstatistische Abteilung beim Stati-
       stischen Bundesamt geleitet hat.
       Während Deneffe  in einer  früheren Veröffentlichung  das Problem
       sehr vorsichtig  anspricht: "Von vornherein (läge) angesichts der
       außerordentlich großen  Zahl von  laufend sich vollziehenden Kau-
       fakten  die  Anwendung  des  Repräsentativverfahrens  nahe"  70),
       stellt er  wenig später  fest: "Eine  erhebliche Verbesserung der
       Methodik der Preisstatistik ist mit der Einführung eines angemes-
       senen Repräsentationsverfahrens  anstelle des jetzt praktizierten
       willkürlichen Auswahlverfahrens  möglich. Eine Systematik für die
       zufällige Auswahl  von Kaufkontrakten  für die einzelnen interes-
       sierenden Märkte und Sortimente aufzubauen, stellte bei den heute
       erreichten theoretischen Erkenntnissen und Auswahltechniken keine
       nennenswerte Schwierigkeit  dar. Es  ist hier nicht der Ort, Ein-
       zelheiten eines  solchen Erhebungssystems  für Kaufkontrakte  auf
       der Basis  einer zufallsgesteuerten Auswahl zu entwickeln; sicher
       ist, daß ein solches System mit einem zu rechtfertigenden Aufwand
       möglich ist und weit bessere Resultate der Preisstatistik liefern
       würde als bisher.
       Diese Daten  würden nämlich  nicht nur  aus Preisangaben, sondern
       auch aus  Angaben über  die Zahl  der Kaufkontrakte  und über die
       Mengen der  umgesetzten Güter (und Dienste) nach Art und Qualität
       bestehen und  damit im  zeitlichen und regionalen Vergleich wich-
       tige zusätzliche  Aufschlüsse liefern.  So könnte  dann für  jede
       Ware ein  Durchschnittspreis als  gewogenes arithmetisches Mittel
       mit  einer  den  Marktvorgängen  angemessenen  Mengengewichtigung
       (Umsätze statt  Einwohnerzahlen; d. Verf.) berechnet werden. Dar-
       über hinaus ließe sich der in diesem Zusammenhang meist noch aus-
       sagekräftigere häufigste  Preis (verstanden als derjenige, zu dem
       die größte  Menge gekauft,  oder auch  als derjenige,  zu dem die
       meisten Kaufkontrakte  abgeschlossen wurden) sichtbar machen. Au-
       ßerdem könnten  Streuungsangaben vermittelt  und schließlich auch
       die möglichen  Fehlerbereiche der  gewonnenen Zahlen genannt wer-
       den." 71)
       
       _____
       1) Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, 7/1978, S. 11.
       2) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.8.1978.
       3) Siehe: Wirtschaft und Statistik, 12/1973, S. 723 * ff. Anteile
       in Promille.
       4) Das Umsatzsteuergesetz und die inzwischen ergangene Rechtspre-
       chung sind kompliziert und lassen viele Ausnahmen zu, so daß ohne
       Spezialuntersuchungen eine  voll befriedigende Zuordnung der ein-
       zelnen Waren zu den verschiedenen Kategorien nicht möglich ist.
       5) Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.8.1978.
       6) Vgl. Statistisches Bundesamt. Fachserie 15, Reihe l, Einnahmen
       und Ausgaben ausgewählter privater Haushalte, Januar 1978, S. 6.
       6a) Nach Abschluß des Manusktipts wurden Daten aus der Tages- und
       Wirtschaftspresse  bekannt,  die  Einkommenssteuerentlastung  und
       Mehrwertsteuerzusatzbelastung gegenüberstellen  (vgl.  etwa  Han-
       delsblatt vom 31.7. 1978). Nach diesen Berechnungen des Bundesfi-
       nanzministeriums ergibt  sich  für  alle  Bruttoeinkommensgruppen
       eine jährliche  Steuerentlastung.   D i e s e  B e r e c h n u n-
       g e n    d e s    B u n d e s f i n a n z m i n i s t e r i u m s
       s i n d   f a l s c h.   Nach telefonischer Auskunft des Ministe-
       riums wurde  bei diesen Berechnungen die Auswirkung der Mehrwert-
       steuererhöhung auf  die Verbrauchsausgaben  einheitlich mit  0,55
       Prozent angesetzt.  Tatsächlich ist aber dieser Satz nach unseren
       Berechnungen nur für Verbrauchsausgaben an der unteren Grenze des
       Existenzminimums annähernd zutreffend. Nach den derzeitig gelten-
       den  Warenkörben  beträgt  die  Belastung  rein  rechnerisch  für
       Einkommensgruppen ab  etwa  15 000  DM  0,67  Prozent.  Wird  die
       Überwälzung  zu   weiteren  Preissteigerungen  benutzt,  ist  die
       Zusatzbelastung selbstverständlich  noch höher.  Insgesamt  führt
       das dazu,  daß der  Saldo aus  Lohnsteuerentlastung und rechneri-
       scher  Auswirkung  der  Mehrwertsteuererhöhung  (0,67%)  bei  den
       Verheirateten  (Steuerklassen   III/O,  III/l  und  HI/2  -  vgl.
       Handelsblatt vom  31.7.1978, S.  2) bei  einem Haushaltseinkommen
       zwischen 15 000 und 40 000 DM negativ ist.
       7) Im Januar 1978 hatte der Haushaltstyp 1: "2-Personen-Haushalte
       von Renten-und Sozialhilfeempfängern mit geringem Einkommen" Ver-
       brauchsausgaben von  938,17 DM. Vgl.: Einnahmen und Ausgaben aus-
       gewählter privater  Haushalte, Januar 1978, S. 6. Auch hier wurde
       eine 5prozentige Steigerung der Verbrauchsausgaben bis Mitte 1979
       unterstellt.
       8) "Die Statistik  der Verbraucherpreise ist wie die gesamte amt-
       liche Preisstatistik  in erster Linie auf den Nachweis von Preis-
       veränderungen abgestellt.  Deshalb sind  ihre wichtigsten  Ergeb-
       nisse Preisindizes  und  Preismeßzahlen  und  nicht  etwa  Durch-
       schnittspreise in absoluter Höhe." Statistisches Bundesamt, Fach-
       serie 17.  Reihe 7,  Preise und  Preisinidizes für die Lebenshal-
       tung, April 1978, S. 6.
       9) Ebenda, S.  20 ff.; Wägungsanteile nach: Wirtschaft und Stati-
       stik. 12/1973. S. 723 * ff.
       10) Berechnet nach: Preise und Preisindizes, April 1978. S. 34.
       11) Nach ebenda, S. 20 ff.; Wägungsanteile wie unter (9).
       12) Diese Waren wurden 1975 neu in den Warenkorb eingeführt. 1975
       wurde der  Warenkorb in vielen Positionen verändert, manche Waren
       fielen weg,  andere kamen  neu hinzu,  viele  Warenbeschreibungen
       wurden verändert,  ohne daß das Statistische Bundesamt jemals die
       veränderten Wägungsanteile  bekanntgegeben hätte.  Mündliche Vor-
       sprachen und  schriftliche Bitten,  Positionen des "neuen" Waren-
       korbs -  angesichts des Umfangs der Veränderungen handelt es sich
       darum -  bekanntzumachen, wurden  vom Statistischen Bundesamt ab-
       schlägig beschieden.  Dabei fragt man sich ohnehin, was z.B. Lkw-
       Reifen eigentlich  in einem Warenkorb für alle privaten Haushalte
       zu suchen haben.
       13) Zentral ermittelte  Einzelpreise -  so die für Zeitschriften,
       für Tabakwaren,  Pauschalreisen,  Leistungen  der  Versicherungen
       usw. usf.  unterliegen der Geheimhaltung. Nur einigen "Eingeweih-
       ten" des  Statistischen Bundesamtes  - den  betroffenen Konzernen
       aber vielleicht  auch  -  ist  bekannt,  wie  die  entsprechenden
       Indizes berechnet werden.
       14) Ausgezählt nach:  Preise und  Preisindizes, April 1978, S. 43
       ff.
       15) Vgl. Statistisches  Bundesamt, Richtlinien  zur  Verbraucher-
       preisstatistik, Wiesbaden, Januar 1973. S. 7.
       16) Außer einem  allgemeinen Hinweis - "Erst die Preisindizes für
       die Lebenshaltung  auf Basis  1970 werden genauso wie der Einzel-
       handelspreisindex auch  unter Verwendung  besonderer  Versandhan-
       delspreisreihen berechnet" (Wirtschaft und Statistik, 12/1973, S.
       693) -  hat es das Statistische Bundesamt bis heute nicht für nö-
       tig gehalten, auf die Methoden dieser "Verwendung" einzugehen.
       17) Vgl. Eberhard  Dähne und Jörg Dieckhoff, Die Preisindizes für
       die Lebenshaltung  und die Entwicklung der Preise, Eine kritische
       Auseinandersetzung mit den Berechnungen des Statistischen Bundes-
       amtes -  Bericht über  den Preisindex  der französischen  Gewerk-
       schaft CGT, Informationsbericht des IMSF Nr. 30, Frankfurt 1978.
       18) "Le Peuple", No 985, März 1976, S. 4 ff.
       19) Statistisches Bundesamt,  Hg., Das  Arbeitsgebiet der Bundes-
       statistik, Ausgabe 1976, Stuttgart-Mainz 1976, S. 337.
       20) Vgl. Wirtschaft  und Statistik,  10/1963, S.  5947, wo ausge-
       führt wird: "Schwierigkeiten ergeben sich auch vor allem dadurch,
       daß der  Einfluß erkannter Qualitätsänderungen gar nicht erst er-
       kannt werden.  Es wird  nun häufig  hervorgehoben, daß aus diesen
       Gründen die  Preisstatistik fehlerhaft  sein  muß;  entsprechende
       Hinweise u.a.  auf der  Tagung des Statistischen Beirats am 7./8.
       Mai 1963 haben die vorliegenden Ausführungen veranlaßt."
       21) Dadurch verändert sich auch der durchschnittliche Jahresindex
       - d. Verf.
       22) Kurt Weihs,  Zum neuen  Verbraucherpreisindex, Weg  und Ziel,
       Wien, H. 7/8 - 1976, S. 285.
       23) Vgl. H.  Swoboda, Knauers  Buch der  modernen Statistik, Mün-
       chen-Zürich 1971,5. 118.
       24) Siehe dazu auch: D.H. Bott, Der Anteil staatlich-admimstrier-
       ter Preise  am Preisindex  für die Lebenshaltung, Eine empirische
       Untersuchung für  die Periode 1950 bis 1973, Berichte der Kommis-
       sion für wirtschaftlichen und sozialen Wandel, Göttingen 1976.
       25) Vgl. E. Laspeyres, Hamburgische Warenpreise 1851 bis 1863 und
       die californisch-australischen  Goldentdeckungen seit  1848,  in:
       Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 3. Bd. 1864.
       26) Eine informative Übersicht über die verschiedenen Möglichkei-
       ten der Preisindexberechnung bei: W. Neubauer, Über die Konstruk-
       tion, den  Sinn und  die Zwecke von Preisindexzahlen, in: Umrisse
       einer Wirtschaftsstatistik,  Festgabe für Paul Flaskämpet zur 80.
       Wiederkehr seines  Geburtstages, hg.  von A. Blind, Hamburg 1966,
       S. 190-215.
       27) Wir hatten  bereits darauf  verwiesen, daß sich das Statisti-
       sche Bundesamt nicht streng an diese methodische Grundlage hält.
       28) Kontrollrechnungen erfolgen mit jeweils aktuellen Warenkörben
       nach dem sog. Paasche-Index.
       29) Insgesamt sind  über 800 Haushalte in diese Rechnungen einbe-
       zogen.
       30) Wirtschaft und Statistik, 8/1964, S. 438.
       31) Wirtschaft und Statistik, 12/1973, S. 695.
       32) Berechnet nach:  Statistisches Bundesamt,  Fachserie M, Reihe
       13, Einnahmen  und Ausgaben ausgewählter privater Haushalte 1970,
       S. 14.
       33) Preise und Preisindizes 1970, S. 64 ff.
       34) Preise und Preisindizes, Juni 1978, S. 10 f.
       35) Vgl. Statistisches Bundesamt. Richtlinien. Anhang.
       36) P. Danner,  Das Berechnungsverfahren  beim Preisindex für die
       Lebenshaltung, in: Zeitschrift des Bayerischen Statistischen Lan-
       desamtes, 107. Jg. 1975, S. 21.
       37) Es handelt  sich um  die folgenden Städte: Kiel, Lübeck, Ham-
       burg, Hannover,  Braunschweig, Osnabrück,  Bremen, Essen, Düssel-
       dorf, Aachen,  Frankfurt, Kassel,  Mainz,  Koblenz,  Saarbrücken,
       Stuttgart,  Karlsruhe,  Freiburg,  München,  Nürnberg,  Augsburg,
       Westberlin.
       38) Wirtschaft und Statistik, 11/1952, S. 443.
       39) Wirtschaft und Statistik, 5/1966, S. 334 f.
       40) Nach Hessisches  Statistisches  Landesamt,  Statistische  Be-
       richte, MI2-m6/77m,  S. 26, und Statistisches Bundesamt Fachserie
       17, Reihe  7, Preise  und Preisindizes  für die Lebenshaltung, S.
       19.
       41) Wirtschaft und Statistik, 12/1973,S 723 ff.
       42) Vgl. Wirtschaft und Statistik, 2/1964, S 82.
       43) Wirtschaft und Statistik, 8/1976, S. 481 f.
       44) K. Bittmann,  Arbeiterhaushalt und  Teuerung, Jena  1914,  S.
       149.
       45) Rolf Wagenführ, Statistik leichtgemacht, Bd. l, Einführung in
       die deskriptive Statistik. 6. Aufl., Köln 1971, S. 291.
       46) Wirtschaft und Statistik, 3/1949, S. 64.
       47) Wirtschaft und Statistik, 10/1963, S. 594-599.
       48) Wirtschaft und Statistik, 10/1956, S. 510.
       49) Richtlinien, S. 14.
       50) Wirtschaft und Statistik, 4/1966, S. 246.
       51) Detaillierte Warenbeschreibungen  werden in  den Monatsveröf-
       fentlichungen der entsprechenden Fachserie vorgelegt.
       52) Preise und Preisindizes, 1974, S. 49.
       53) Preise und Preisindizes, 1975, S. 49.
       54) Ähnlich auch  bei anderen  Waren, deren Preise zentral ermit-
       telt werden.  Insgesamt handelt  es sich  hierbei um einen Waren-
       korbanteil von gut 10 Prozent.
       55) Richtlinien, S. 8.
       56) Ebenda.
       57) LePeuple, No 888, März 1972.
       58) R. Wagenführ,  Lebenshaltungskosten und Lebenshaltungskosten-
       index, eine  Kritik der  amtlichen Indexziffern, in: Mitteilungen
       der Abteilung  Statistik  und  Wirtschaftsbeobachtung  des  Wirt-
       schaftswissenschaftlichen Instituts  der Gewerkschaften.  Nr. 10-
       11-12/1948, S. 42.
       59) R. Krengel in "Wirtschaftswoche" vom 9.10.1970, S. 377 ff.
       60) E. Linhart in "Wirtschaftswoche" vom 16.10.1970, S. 43 ff.
       61) G. Heske und B. Nieradt, Westdeutscher Preisindex für die Le-
       benshaltung nach  dritter Berechnungsumstellung aussagekräftiger?
       In: Statistische Praxis, Nr. 5/1965, S. 180 ff.
       62) Wirtschaft und Statistik, 10/1963, S. 595.
       63) Ebenda, S. 598 (Unterstreichung durch d. Verf.).
       64) Ebenda.
       65) Das Statistische  Bundesamt arbeitet  nicht mit  der Stiftung
       Warentest zusammen.
       66) Richtlinien, S. 16.
       67) Richtlinien, S. 17.
       68) Richtlinien, S. 7.
       69) Danner, Berechnungsverfahren, S. 30.
       70) P. Deneffe,  Artikel "Preisstatistik"  im Handwörterbuch  der
       Sozialwissenschaften, Bd. 8, Stuttgart 1964, S. 513.
       71) P. Deneffe, Zum Preisbegriff und zur Methodik der Preisstati-
       stik, in:  Umrisse einer  Wirtschaftsstatistik, Festgabe für Paul
       Flaskämper zur  80. Wiederkehr  seines Geburtstages,  a.a.O.,  S.
       188.
       

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