Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 01/1978


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       KRISENBEDINGUNGEN UND ARBEITSKÄMPFE. ZUR ENTWICKLUNG
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       SOZIALER KÄMPFE IN DER BUNDESREPUBLIK 1975 BIS 1978
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       Klaus Pickshaus
       
       I. Determinanten  der sozialen  Bewegung in  der Krise  - II. Die
       Streikentwicklung 1975  bis 1978  - III. Die Tarifbewegungen 1975
       bis 1978  - IV.  Arbeitskämpfe gegen  Arbeitsplatzvernichtung und
       Sozialabbau -  V. Eine neue Etappe sozialpolitischer Auseinander-
       setzungen
       
       Fünf  Tage  Arbeitskampf  in  den  Seehäfen  der  Bundesrepublik,
       Streiks und Aussperrungen in der Druckindustrie, Streiks und Aus-
       sperrung in  der Metallindustrie Baden-Württembergs, gleichzeitig
       Zuspitzung der  Tarifauseinandersetzungen in  neuen Bereichen wie
       der Bauindustrie  - begann  1978 nach Jahren krisenbedingter Ruhe
       eine Phase  harter sozialer Kämpfe in der Bundesrepublik? Hat die
       disziplinierende Wirkung  einer Reservearmee von fast 2 Millionen
       offener und  verdeckter Arbeitsloser nur vorübergehend die zu Be-
       ginn der  siebziger Jahre  neu gewachsene  Streikbereitschaft und
       Erfahrung dämpfen können?
       Nach dem Signal des Druckerstreiks 1976 zeigten schon die Gewerk-
       schaftstage im  Herbst 1977,  insbesondere der der IG Metall, der
       Gewerkschaft Holz und Kunststoff und der IG Druck und Papier, daß
       der Krisenschock  nicht eine  dauernde und allgemeine Lähmung der
       Widerstandskraft der  Arbeiterklasse  bewirken  konnte.  Vielmehr
       hatten das Erlebnis der Krise und ihrer Auswirkungen wie auch die
       insgesamt nicht  wenigen betrieblichen  und  tariflichen  Abwehr-
       kämpfe offensichtlich  bei Teilen der Arbeiterklasse zu einem An-
       stau des  Unmuts und  einer Aktivierung der Kampfbereitschaft ge-
       führt, die  angesichts der  aggressiven Offensive des Kapitals in
       der Tarifrunde 1978 in eine breite Gegenbewegung mündete.
       Eine Untersuchung  der Kampfbedingungen der Gewerkschaften in der
       Krisensituation und  die Auswertung  des Verlaufs, der Formen und
       der Resultate  der Abwehraktionen  und Arbeitskämpfe  der letzten
       Jahre kann  sicherlich helfen, empirisch gesichertes Material zur
       Beantwortung der Frage beizusteuern, ob sich in der gegenwärtigen
       Entwicklung der  Gewerkschaften stärker wieder Elemente einer von
       ihrer Funktion  als Kampforganisation bestimmten Programmatik und
       Praxis oder  einer als  Integrations- und Ordnungsfaktor verstan-
       denen Politik durchsetzen.
       
       I. Determinanten der sozialen Bewegung in der Krise
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       In der Krise verändern sich die Kampfbedingungen der Gewerkschaf-
       ten grundlegend.  Insbesondere die gewerkschaftliche Tarifpolitik
       ist in starkem Maße von der konjunkturellen Entwicklung abhängig.
       Daß über  einen Zeitraum  von mehr  als 20 Jahren kontinuierliche
       Reallohnsteigerungen von  jahresdurchschnittlich etwa 4-5% durch-
       gesetzt werden konnten, ist ja nicht nur der Existenz starker Ge-
       werkschaften, sondern  vorab den  günstigen Bedingungen der Kapi-
       talakkumulation, d.h. einer ungewöhnlich langen Periode kapitali-
       stischer Prosperität  in der  Bundesrepublik  zuzuschreiben.  Der
       während dieses  Zeitraums relativ große ökonomische Spielraum des
       Kapitals für  lohnpolitische Zugeständnisse  ermöglichte  es  den
       bundesdeutschen Gewerkschaften,  bei einer  erheblich  geringeren
       Mobilisierung gewerkschaftlicher  Kampfkraft  bessere  materielle
       Erfolge zu erzielen als die Gewerkschaften in anderen hochentwic-
       kelten kapitalistischen Ländern. 1) Die Grenzsituation zur sozia-
       listischen DDR  verstärkte dabei die Verhandlungsposition der Ge-
       werkschaften objektiv.
       Schon in der Krise 1966/67, vollends aber mit dem Eintritt in die
       bislang schwerste Wirtschaftskrise der BRD 1973/74 wird sichtbar,
       daß diese  Periode günstiger Akkumulations- und Verwertungsbedin-
       gungen beendet  ist. Dies  stellt die  Gewerkschaften vor  völlig
       neue Probleme.
       Die krisenhafte  Entwicklung in der Bundesrepublik, die sich seit
       Anfang der  siebziger Jahre  u.a. in  den ständig  steigenden Ar-
       beitslosenzahlen ausdrückte,  erreichte nach  einem  kurzen  Auf-
       schwung 1972/73  im Sommer 1975 ihren Tiefpunkt. Es handelte sich
       dabei um  eine mit Strukturkrisen verflochtene zyklische Überpro-
       duktionskrise, deren  Folgen, wie sich erwies, noch weit über die
       Jahre 1974-76 hinaus zu spüren waren. 2) Insbesondere die Massen-
       arbeitslosigkeit  prägt   weiterhin  trotz  konjunktureller  Auf-
       schwungtendenzen bis  heute entscheidend die soziale Lage und die
       Kampfbedingungen der Arbeiterklasse. Der Umfang der weit über die
       seit 1975 ca. 1 Million registrierten Arbeitslosen hinausgehenden
       tatsächlichen Arbeitslosigkeit beträgt nahezu 2 Millionen. 3) Die
       sozialpsychologische Funktion  dieser Reservearmee besteht in ih-
       rer Wirkung  als Entsolidarisierungs- und Disziplinierungsinstru-
       ment, indem u.a. durch die verschärfte Konkurrenz um den Arbeits-
       platz individuelle  Interessenorientierung und Verzicht auf akti-
       ves solidarisches  Verhalten gefördert  wird. Dieser  Druck  wird
       durch Unternehmer,  Massenmedien usw. noch ideologisch verstärkt.
       4) Die  Basis für  Entsolidarisierungsprozesse wird  auch dadurch
       vergrößert, daß  die Arbeitslosigkeit und andere Krisenauswirkun-
       gen die  verschiedenen Teile  der Arbeiterklasse  zeitlich und in
       der Intensität sehr unterschiedlich nach Betrieben, Branchen, Re-
       gionen, Berufsgruppen  und Altersgruppen betreffen. Um die in ei-
       ner solchen  Situation erschwerten  Bedingungen für  den  gewerk-
       schaftlichen Kampf  zu verstehen,  sollen einige wichtige Momente
       der Krisenstrategie des Großkapitals skizziert werden:
       Eine Hauptrichtung der gegenwärtigen Wirtschaftsstrategie ist die
       - zumeist durch staatliche Investitionshilfen geförderte - Ratio-
       nalisierung, um dem Druck auf die Höhe der Profite entgegenzuwir-
       ken. Zum einen wird durch "arbeitsorganisatorische" Maßnahmen die
       Arbeit intensiviert.  Zum anderen werden neue Technologien einge-
       führt, die zu Lohneinbußen, Dequalifikation, Veränderung der phy-
       sischen und  psychischen Arbeitsbelastung  führen und  vor  allem
       auch Arbeitskräfte freisetzen. Gleichzeitig werden wenig rentable
       Betriebe geschlossen.  Dies führt  zur Vergrößerung  der von  der
       Konjunkturentwicklung unabhängigen, "strukturellen" Arbeitslosig-
       keit und  stellt heute, wie die Entwicklung in der Druckindustrie
       und auch  der Metallindustrie zeigt, offensichtlich ein wesentli-
       ches soziales Konfliktfeld dar.
       Im Mittelpunkt  der Strategie  des Großkapitals steht seit Beginn
       der Krise  das Ziel,  unter Ausnutzung der disziplinierenden Wir-
       kung des  Arbeitsmarktes in  den  Tarifauseinandersetzungen  eine
       Senkung des Lohnniveaus und damit eine kräftige Erhöhung der Pro-
       fite durchzusetzen. Die zentrale Devise der Unternehmer und ihrer
       politischen Sachwalter besteht seit 1973/74 in der Forderung nach
       einer "deutlichen Korrektur der verzerrten Verteilungsrelationen"
       5), deren  Durchsetzung als  Voraussetzung für  eine Verbesserung
       der Konjunktur und der Arbeitsmarktlage bezeichnet wird.
       Diese Zielsetzung  ist ebenfalls Leitdoktrin der Wirtschaftspoli-
       tik der  SPD-FDP-Regierung. Mit den einkommenspolitischen Instru-
       menten, die schon unter der Großen Koalition in der letzten Krise
       1966/67 mit dem Stabilitätsgesetz geschaffen worden waren - Sach-
       verständigenrat,  Jahreswirtschaftsberichte  der  Bundesregierung
       und Konzertierte  Aktion -,  intervenierte der  Staat in  die Ta-
       rifauseinandersetzungen und  erschwerte die  Ausgangsposition der
       Gewerkschaften in jeder Lohnfunde.
       Jedoch nicht nur im ökonomischen, sondern auch im politischen und
       ideologischen Bereich  nutzte das Kapital die Krisensiruation für
       eine Offensive.  Von der Beschwörung eines "Gewerkschaftsstaates"
       über  Pläne   für  ein   gegen  die   Gewerkschaften  gerichtetes
       "Verbändegesetz" bis  zur Verfassungsklage  gegen das "Mitbestim-
       mungsgesetz" reicht  die Palette  von Versuchen, eine reaktionäre
       Veränderung   des   Kräfteverhältnisses   zu   erreichen.   Unter
       Ausnutzung der Arbeitslosigkeit soll jede aktive Verteidigung der
       Interessen  der  Arbeiter  und  Angestellten  verhindert  werden.
       Gleichzeitig werden  antikommunistische Kampagnen  angefacht,  um
       einmal von der krisen- und arbeitslosenfreien Realität der sozia-
       listischen Länder  abzulenken und  zum anderen  "eine  'Legitima-
       tionsbasis' für  repressive  politisch-juristische  Maßnahmen  zu
       erreichen  und   die  ideologischen  und  politischen  Kristalli-
       sationskerne des Widerstandes zu isolieren". 6)
       Offensichtlich war  insbesondere die  Verfassungsklage der Unter-
       nehmerverbände gegen  das "Mitbestimmungsgesetz"  vom Sommer 1977
       der Auftakt eines großangelegten Angriffs auf die gewerkschaftli-
       chen Positionen,  der den  Versuch einer  grundlegenden  weiteren
       Verschiebung des  Kräfteverhältnisses zugunsten  des Großkapitals
       zum Ziel hatte. Dies wurde in den Tarifkämpfen zu Beginn des Jah-
       res 1978  sichtbar, in  denen die  Unternehmerorganisationen ver-
       suchten, den Gewerkschaften eine Niederlage zu bereiten.
       Die Situation  der letzten Jahre stellt an die Gewerkschaftspoli-
       tik -  insbesondere in  politischer Hinsicht - höhere Anforderun-
       gen. Doch  stellt die  skizzierte objektive  Verschlechterung der
       gewerkschaftlichen Kampfbedingungen in der kapitalistischen Krise
       keine absolute Schranke für eine wirksame Verteidigung der Inter-
       essen der  Arbeiterklasse dar,  auch wenn zweifellos der ökonomi-
       sche Kampf der Gewerkschaften in die Defensive gedrängt wird. Die
       Entwicklung der  Arbeitskämpfe in  Frankreich oder Italien demon-
       striert, daß  krisenbedingte Einbußen  aufgefangen werden können,
       wenn im  politischen Kampf eine Mobilisierung möglich ist, insbe-
       sondere wenn starke politische Kristallisationszentren in Gestalt
       von kommunistischen  Massenparteien existieren.  7) Unter solchen
       Bedingungen einer  starken Arbeiterbewegung  kann diese Situation
       zu einer  politischen Polarisierung  mit einer Gegenoffensive der
       Arbeiterklasse führen.  So nahm  die Streikbewegung in Frankreich
       und Italien  während des synchronverlaufenden Krisenzyklus an In-
       tensität und  politischer Qualität zu. In Großbritannien ging sie
       nach  Bildung   einer  Labour-Regierung   und  dem  Abschluß  des
       "Sozialpaktes" stark  zurück, blieb aber noch auf einem bedeutend
       höherem Niveau als in der Bundesrepublik.
       
       Tabelle 1
       Streiks in einigen kapitalistischen Ländern 1974 bis 1977
                              (Streiktage in 1000)
       Land               1974         1975        1976         1977
       BRD               1 051           69          534           24
       Großbritannien   14 749        6 012        3 283        9 985
       Frankreich        3 377        3 870        5 001        3 666
       Italien *)      136 267 *)   190 324 *)   177 643 *)   110 438 *)
       _____
       *) Streikausfall nach Arbeitsstunden
       Quelle: Main Economic Indicators (Hrsg. OECD), Paris, Mai 1978
       
       Zur Erklärung der zumindest zeitweiligen Lähmung der Kampfaktivi-
       tät in  der Bundesrepublik  zu Beginn  der Krise können neben den
       skizzierten objektiven  Bedingungen folgende  subjektive Faktoren
       angeführt werden: 8)
       1. Zweifellos wirkt  sich hier  in erster  Linie die Schwäche der
       politischen   Widerstandskerne,   der   nichtintegrationistischen
       Kräfte in  der Arbeiterbewegung  aus, obwohl sie bei der Initiie-
       rung von Abwehrkämpfen eine hervorragende Rolle einnahmen; aller-
       dings besaßen  sie meist  nicht die  Kraft zur  Verbreiterung und
       Verallgemeinerung der Bewegung.
       2. Im Vergleich  zu den  anderen westeuropäischen Ländern erfolgt
       die "Beeinträchtigung  der Reallöhne,  des  Beschäftigungsstandes
       und staatlicher  Leistungen in  der Bundesrepublik tatsächlich z.
       Zt. auf  einem... relativ  hohen Niveau des individuellen Konsums
       und der sozialen Sicherung". 9)
       3. Auch die Krise 1974"76 wurde von der Mehrheit der Lohnabhängi-
       gen offensichtlich  als "Ausnahmesituation"  verstanden  und  als
       solche auch  von der Unternehmer- und Regierungspropaganda darge-
       stellt. Während  in anderen  kapitalistischen Ländern  schon  ein
       längerer Krisenprozeß  zu beobachten  war, ist die aktuelle Krise
       in dieser Schärfe erst die zweite in der Geschichte der Bundesre-
       publik, und  ein eineinhalb  Jahrzehnte dauernder  Aufschwung der
       fünfziger und sechziger Jahre bildet die Generationserfahrung der
       Mehrheit der Arbeiterklasse. Erst in den letzten Jahren nimmt das
       Bewußtsein zu,  daß es sich bei der Massenarbeitslosigkeit offen-
       sichtlich um  eine dauerhaftere  Realität in  der  Bundesrepublik
       handelt.
       Trotz einer  gewissen Desillusionierung  nach der  letzten  Krise
       1966/67 war  in den Gewerkschaften nach wie vor - begünstigt auch
       durch den  Boom Ende  der sechziger  Jahre - die Vorstellung vor-
       herrschend, daß  mit den  Instrumenten der  Globalsteuerung  eine
       krisenfreie Konjunkturentwicklung  möglich sei.  Politik und Pro-
       grammatik der Gewerkschaften waren auf eine Krise in keiner Weise
       vorbereitet. "Die  Zerstörung solcher  Illusionen durch die Wirk-
       lichkeit begünstigte  bei den Gewerkschaften zunächst eine erheb-
       liche Konzeptionslosigkeit  und Unsicherheit,  die  noch  dadurch
       verstärkt wurde,  daß die  Unternehmerverbände und die CDU/CSU zu
       einer bis  dahin beispiellosen  ideologischen Offensive gegen die
       lohn- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen der Gewerkschaf-
       ten antraten,  um unter Ausnutzung der allgemeinen Verunsicherung
       durch die  Krise eben  jene Niederlagen wieder auszugleichen, die
       das Kapital in den Auseinandersetzungen nach 1969 hatte hinnehmen
       müssen." 10).  Zudem war  die gewerkschaftliche Politik durch die
       Loyalität zur  sozialdemokratisch geführten  Bundesregierung  ge-
       lähmt, obwohl  deren ausschließlich auf Profitsicherung und Inve-
       stitionsförderung ausgerichtete  Wirtschaftspolitik immer  offen-
       sichtlicher in  Widerspruch  zu  allen  gewerkschaftlichen  Ziel-
       setzungen geriet.  Auch  wenn  der  DGB-Vorsitzende  Heinz  Oskar
       Vetter 1975  schon schrieb,  daß angesichts  des Übergreifens der
       Wirtschaftskrise auf die staatliche Reformpolitik "die Frage nach
       der Autonomie der Gewerkschaften einen neuen Stellenwert" erhält,
       so  wird   erst  in   der  letzten   Zeit  die   Nutzung  solcher
       "Möglichkeiten zur  autonomen  Aktion"  vor  allem  im  ureigenen
       gewerkschaftlichen Aufgabenfeld, der Tarifpolitik, erkennbar. 11)
       All diese  Faktoren prägen  den Verlauf der sozialen Auseinander-
       setzungen der  Jahre 1975 bis 1977. Es zeigt sich jedoch, daß die
       Entwicklung von  Abwehraktionen gegen die Abwälzung der Krisenla-
       sten auf  die Arbeiterklasse  nicht als  gradliniger Prozeß  ver-
       läuft, sondern  nach einer  Phase des  "Krisenschocks" zahlreiche
       betriebliche und  sich regional  ausweitende Bewegungen entstehen
       und auch  im tarifpolitischen  Bereich in mehreren Industriebran-
       chen wieder eine stärkere Mobilisierung bis hin zum erfolgreichen
       und politisch bedeutsamen Streik in der Druckindustrie zu vermer-
       ken ist.  Der Verlauf dieser Kämpfe schuf sicherlich auch Voraus-
       setzungen für das qualitativ höhere Niveau der sozialen Auseinan-
       dersetzungen, das  im Winter  und Frühjahr 1978 beobachtet werden
       konnte.
       
       II. Die Streikentwicklung 1975 bis 1978
       ---------------------------------------
       
       Der wesentliche  und empirisch  am ehesten  faßbare Indikator der
       Kampfbereitschaft der  Arbeiterklasse in  der Krise  ist die Ent-
       wicklung der  sozialen Bewegungen  und insbesondere  der  Streiks
       selbst. Diese  Entwicklung läßt sich nicht allein aus den Angaben
       der offiziellen  Statistik erschließen;  die sorgfältige  Analyse
       der Ursachen, der Triebkräfte und Träger der Arbeitskämpfe, ihres
       Verkaufs und  ihrer Ergebnisse  ist eine  unerläßliche Vorausset-
       zung, um  Veränderungen in  den Klassenbeziehungen, im Bewußtsein
       der Arbeiterklasse und in der Politik der Gewerkschaften zu beur-
       teilen.
       Dennoch vermittelt  die offizielle  Statistik ein erstes Bild der
       Entwicklungslinien und  Schwankungen der  Streikaktivität in  den
       letzten Jahren:
       
       Tabelle 2
       Streiks und Aussperrungen 1965 bis 1978
       
       Jahr        Beteiligte    Betriebe     Ausfalltage
                   (in 1000)                  (in 1000)
       1965            6            20           49
       1966          196           205           27
       1967           60           742          390
       1968           25            36           25
       1969           90            86          249
       1970          184           129           93
       1971          536         1 181        4 484
       1972           23            54           66
       1973          185           732          563
       1974          250           890        1 051
       1975           36           201           69
       1976          169         1 481          534
       1977           34            81           24
       1978, 1. Qu.  395           925        2 974
       _____
       Quelle: Statistisches  Bundesamt, Fachserie l, Reihe 4.3, Streiks
       und Aussperrungen, lfd.
       
       Nach der Krise 1966 / 67 bildeten die Septemberstreiks 1969 einen
       Einschnitt in  der jüngeren  Streik- und Gewerkschaftsgeschichte.
       Die Periode 1969 bis 1974 war geprägt durch einen starken Anstieg
       an Streiks,  eine Aktivierung  der Tarifpolitik  und erfolgreiche
       betriebliche und gewerkschaftliche Kämpfe. In dieser Zeit entwic-
       kelten Teile  der Arbeiterklasse  ein neues kämpferisches gewerk-
       schaftliches Selbstbewußtsein. 12)
       Obwohl schon  1973/74 der Konjunkturabschwung deutlich eingesetzt
       hatte und  die Arbeitslosenzahlen  stiegen, konnten zu Beginn des
       Jahres 1974  noch erfolgreiche  Lohnkämpfe im öffentlichen Dienst
       und in der Metallindustrie geführt werden. Sicherlich wirkte sich
       die beginnende  Krisenentwicklung 1974  insbesondere im öffentli-
       chen Dienst  noch nicht  so stark aus; zudem hatten die spontanen
       Streiks im  Sommer 1973  die Gewerkschaften  unter Handlungsdruck
       gesetzt. 98  Prozent aller Streikteilnehmer im Jahre 1974 entfal-
       len auf diese beiden Tarifkämpfe im ersten Quartal. 1975 erfolgte
       dann ein starker Rückgang der Streikaktivität, die sich auf klei-
       nere betriebliche  Abwehrkämpfe beschränkte.  (Allein 43  Prozent
       der Ausfalltage  gehen auf  einen mehrwöchigen  Streik bayrischer
       Fliesenleger gegen Akkordkürzungen zurück.)
       1976 bildete  mit einer siebenfachen Anzahl an Streiktagen gegen-
       über dem  Vorjahr einen ersten Höhepunkt während der Krisenjahre.
       Allerdings entfallen  über 90  Prozent der  Ausfalltage  auf  den
       Streik und  die Aussperrung  in der  Druckindustrie. 1977 ist ein
       erneuter starker Rückgang der statistisch registrierten Streiktä-
       tigkeit zu  verzeichnen. Ca. 40 Prozent der Ausfalltage entfallen
       auf einen  Streik bayrischer Steinbrucharbeiter, 22,5 Prozent auf
       den Bremer Zeitungsstreik.
       Den Höhepunkt  der Streikbewegung  der letzten Jahre bilden zwei-
       fellos die  Arbeitskämpfe in  der Druck-  und Metallindustrie  im
       Frühjahr 1978. Wegen der besonderen Bedingungen und der Bedeutung
       dieser Auseinandersetzungen  soll hierauf später ausführlich ein-
       gegangen werden.
       Im Vergleich  zur Krise  1966/67 liegt  in den letzten Jahren die
       offizielle Zahl  der Streikteilnehmer  etwas niedriger,  die Zahl
       der Ausfalltage allerdings höher.
       
       Tabelle 3
       Durchschnittliche jährliche Streikaktivität
       
       Jahre      Streikbeteiligte      Ausfalltage
       
       1966-68       93 594               147 305
       1975-77       79 854               208 685
       _____
       Quelle: Tab. 2, eigene Berechnungen
       
       Ausmaß und Qualität der Abwehrkämpfe gegen die Krisenauswirkungen
       lassen sich  anhand dieser offiziellen Daten jedoch nicht hinrei-
       chend vergleichen.  Die offizielle,  vom Statistischen  Bundesamt
       veröffentlichte Streikstatistik  vermittelt nur ein unvollständi-
       ges Bild der wirklichen Kampfaktivität in der Bundesrepublik. Ge-
       nerell werden  nur Streiks  erfaßt, an  denen mindestens zehn Be-
       schäftigte mindestens  einen Tag teilgenommen haben, oder die zum
       Ausfall von  mindestens 100  Arbeitstagen  geführt  haben.  Zudem
       hängt die Registrierung von der Meldung durch die Unternehmer ab.
       13) Betriebliche  oder außerbetriebliche Demonstrationen oder an-
       dere Aktionen von Belegschaften werden gar nicht einbezogen. Eine
       Registrierung aller  Arbeitskämpfe und  regelmäßige  Veröffentli-
       chung durch  andere Institutionen,  etwa die Gewerkschaften, gibt
       es bis  heute nicht.  Das Institut  für Marxistische  Studien und
       Forschungen versucht  seit Jahren, sämtliche, vornehmlich aus der
       Tages- und  Gewerkschaftspresse zugänglichen  Informationen  über
       Arbeitskämpfe systematisch  in seinem  "Archiv der sozialen Bewe-
       gungen" zu  sammeln. Ein Vergleich der offiziellen Zahlen mit den
       auf Grundlage dieses Archivs berechneten Mindestzahlen korrigiert
       das Bild  der Streikaktivität  während der  Krisenjahre beträcht-
       lich:
       
       Tabelle 4
       Offizielle Zahlen  und tatsächliche Mindestzahlen der Streikenden
       1975 bis 1977
       
                offizielle Zahlen     Mindestzahlen
                (in 1000)              (in 1000)
       
       1975          36                     55  14)
       1976         169                    589  15)
       1977          34                    226  16)
       _____
       Quelle: Tab. 2; eigene Berechnungen der IMSF.
       
       Die korrigierten  Angaben für  1976 ergeben  sich aus der Berück-
       sichtigung der  Warnstreikbewegung in  der Metallindustrie im Fe-
       bruar und  März, an der nach Angaben der IG Metall in Baden-Würt-
       temberg, Bayern  und Hessen  ca. 400 000 Beschäftigte teilnahmen.
       1977 fanden  eine Vielzahl von Warnstreiks während der Tarifbewe-
       gungen in  der Bau-,  Chemie- und Textilindustrie, im Brauereige-
       werbe und  Heizungshandwerk  Baden-Württembergs  statt.  Außerdem
       wurden von der offiziellen Statistik zahlreiche Arbeitskämpfe ge-
       gen Sozialabbau und Arbeitsplatzvernichtung nicht berücksichtigt.
       14) Der  Grad der  Mobilisierung und Kampfaktivität der Arbeiter-
       klasse war  somit 1977  bedeutend höher  als im Krisenjahr 1975 -
       ein Tatbestand, den die offizielle Statistik verschweigt.
       Schwerpunkte der  Streikaktivitäten während  der Krisenjahre 1975
       bis 1977  liegen in  der Metall-  und Druckindustrie,  wobei  der
       weitaus größte  Teil der  Ausfalltage auf die Druckindustrie ent-
       fällt. In  weitem Abstand  folgen danach  die Textil- und Beklei-
       dungsindustrie, die  holzverarbeitende Industrie  und  der  Indu-
       striebereich Gewinnung und Verarbeitung von Steinen und Erden.
       
       Tabelle 5
       Streikaktivität nach Branchen 1975 bis 1977
       
       Branche         Betriebe        Beteiligte        Ausfalltage
       
       insgesamt        1 763 (100%)   238 563 (100%)    626 057 (100%)
       Metallindustrie     98 (5,5%)   106 408 (44,4%)    34 257 (5,5%)
       Druckindustrie,
       Verlags- und
       Pressewesen        902 (51,1%)   67 512 (28,2%)   403 131 (64,4%)
       Textil- und Be-
       kleidungsindustrie  30 (1,7%)     4 213 (1,75%)     7 560 (1,2%)
       Holzverarbeitung    74 (4,2%)       917 (0,4%)      5 146 (0,8)
       Gewinnung und
       Verarbeitung von
       Steinen und Erden   26 (1,5%)       868 (0,4%)     17 410 (2,8%)
       _____
       Quelle: Tab. 2, eigene Berechnungen.
       
       Im ersten Vierteljahr 1978 sind gleichermaßen in erster Linie die
       Metall- und  Druckindustrie von Streiks und Aussperrungen betrof-
       fen, danach  - allerdings  nur durch  Streiks -  die Seehäfen. 75
       Prozent der Beteiligten und sogar 87 Prozent der Ausfalltage die-
       ses Zeitraums entfallen auf die Metallindustrie. Insgesamt gingen
       allein im  ersten Quartal fast fünfmal so viel Arbeitstage verlo-
       ren wie im gesamten Zeitraum 1975 bis 1977.
       
       Tabelle 6
       Streiks und Aussperrungen 1978, 1. Quartal
       
       Branche        Betriebe     Beteiligte/     Ausfalltage
                                   Betroffene
       
       insgesamt        925 (100%)  395 391 (100%)  2 974 128 (100%)
       darunter:
       Metallindustrie  222 (24%)   296 756 (75%)   2 588 767 (87%)
       Druckindustrie   567 (61%)    69 699 (17,6%)   252 261 (8,5%)
       Seehäfen *)       94 (10%)    18 978 (4,8%)     76 914 (2,6%)
       _____
       *) nur Streiks
       Quelle: Tab. 2, eigene Berechnungen.
       
       Es ist  bekannt, daß  die Bundesrepublik  im internationalen Ver-
       gleich zu den streikärmsten, allerdings im Verhältnis dazu zu den
       aussperrungsreichsten Ländern  gehört. Nach der ersten bundeswei-
       ten Aussperrung  1976 in der Druckindustrie wurde die Aussperrung
       im Frühjahr  1978 zu  einer bewußt  angekündigten und angewandten
       Angriffswaffe der  Kapital verbände. Insgesamt gingen in den Aus-
       einandersetzungen 1978  mehr Arbeitstage  durch  Aussperrung  als
       durch Streiks  verloren. Besonders krass ist dieses Verhältnis in
       der Druckindustrie,  wo 53 000  Streikausfalltagen  über  202 000
       Aussperrungstage gegenüberstehen.
       
       Tabelle 7
       Verhältnis von Streiks und Aussperrungen 1978, 1. Quartal
       
       Branche        Betriebe     Beteiligte/     Ausfalltage
                                   Betroffene
       insgesamt:
       Streiks          336         223 819         1 526 965
       Aussperrungen    616         231 005         2 028 766
       Metallindustrie:
       Streiks          146         179 388         1 373 113
       Aussperrungen     93         175 142         1 793 394
       Druckindustrie:
       Streiks           61          18 831            53 705
       Aussperrungen    516          52 527           202 419
       _____
       Quelle: Tab.  2, eigene  Berechnungen. (Differenzen  zwischen den
       absoluten Zahlen der Tabellen 6 und 7 ergeben sich aus Doppelzäh-
       lungen der Streik- und Aussperrungstage.)
       
       Uns interessiert hier in erster Linie der quantitative Aspekt der
       Entwicklung der  Arbeitskämpfe in den Krisenjahren. Es wird dabei
       sichtbar, daß nach einer ersten Phase der Lähmung die Streikakti-
       vität ein  Niveau erreicht,  das weit  über dem der Krise 1966/67
       liegt. Dieses  Niveau wird  vor allem  durch den höheren Grad der
       Organisiertheit, die  mobilisierende Rolle einiger Gewerkschaften
       charakterisiert. Im  Mittelpunkt steht  der traditionelle Bereich
       der Metallindustrie,  aber bedingt durch Strukturkrise und Ratio-
       nalisierungen werden jetzt auch weitere Branchen wie die Druckin-
       dustrie in  die Bewegung einbezogen. Die Entwicklung der Tarifpo-
       litik in  diesen Jahren,  der Abwehrkämpfe  gegen Sozialabbau und
       Arbeitsplatzvernichtung und  die  Bedingungen  und  Merkmale  der
       neuen Etappe  sozialpolitischer Auseinandersetzungen  1978 sollen
       in den folgenden Abschnitten untersucht werden.
       
       III. Die Tarifbewegungen 1975 bis 1978  18)
       -------------------------------------------
       
       Die Tarifbewegung 1974/75
       -------------------------
       
       In der  Tarifrunde 1974/75  kam die  disziplinierende Wirkung der
       Krise voll  zum Tragen.  Alarmiert durch  die lohnpolitischen Er-
       folge der  Gewerkschaften 1973/74 griff außerdem der Staat massiv
       mit Orientierungsdaten in die Tarifauseinandersetzungen ein. Wäh-
       rend die IG Metall unter Ausnutzung des noch fortwährenden Stahl-
       booms in  der Eisen- und Stahlindustrie mit 9% (plus einet einma-
       ligen Sonderzahlung  von DM 600,-) abschloß, akzeptierten die Ge-
       werkschaften danach die einkommenspolitischen Richtlinien der Re-
       gierung (6-6,5%).  Für die Gewerkschaftsmitglieder völlig überra-
       schend übernahm  die IG  Bau, Steine, Erden die Rolle eines Lohn-
       rundenführers und  stimmte schon am 15. Januar 1975 Einkommenser-
       höhungen von  6,6 Prozent  zu. Die  Vermutung, daß dieses Vorpre-
       schen auf  Absprachen u.a.  mit der  Bundesregierung beruhte, ist
       sicherlich nicht aus der Luft gegriffen.
       Die IG Metall schloß wenig später im Februar mit 6,7% ab und för-
       derte, indem  sie den regionalen Abschluß von Nordrhein-Westfalen
       auf alle  Tarifbezirke ausdehnte, die von den Unternehmern gefor-
       derte Zentralisierung der Lohnpolitik. Nachdem den Gewerkschaften
       des Öffentlichen Dienstes noch vor der Tarifrunde ein ungünstiges
       Schlichtungsabkommen aufgezwungen  werden konnte, akzeptierte die
       ÖTV nach Verhandlungen am grünen Tisch Lohn- und Gehaltsverbesse-
       rungen von 6% (plus einmalig DM 100,-). 19)
       Ohne jede  innergewerkschaftliche Willensbildung  oder  zumindest
       der Veröffentlichung  einer Forderung einigte sich die IG Chemie,
       Papier, Keramik während der Verhandlungen über einen Manteltarif-
       vertrag mit  den Unternehmern auf Lohn- und Gehaltserhöhungen von
       6,8%.  Gleichzeitig   wurde  die   gemeinsame  Einrichtung  eines
       "Unterstützungsfonds für arbeitslose Chemiearbeiter" beschlossen,
       "der freilich  nur wenigen zugute kommt, den Unternehmern Entlas-
       sungen erleichtert  und zudem  den gewerkschaftlichen Kampf gegen
       die kapitalistischen Rationalisierungsstrategien erschwert". 20)
       Auf Grund der Hoffnung der Gewerkschaften, die lohnpolitische Zu-
       rückhaltung würde  die Überwindung  der Krise  beschleunigen, war
       die Tarifrunde  1974/75 durch  eine  extreme  Zugeständnisbereit-
       schaft und  nahezu völlige  Ausschaltung  der  gewerkschaftlichen
       Mitgliedschaft charakterisiert.
       
       Die Tarifbewegung 1975/76
       -------------------------
       
       In der Tarifrunde 1975/76 wurde vollends sichtbar, daß die in der
       Krise veränderten  Kampfbedingungen grundlegend die Voraussetzun-
       gen für  die Tarifpolitik verändert haben und einen ungleich grö-
       ßeren Einsatz  gewerkschaftlicher Kampfkraft notwendig machen, um
       allein nur  noch eine  Sicherung der Realeinkommen durchzusetzen.
       Obwohl in  dieser Lohnrunde ein höherer Mobilisierungsgrad als im
       Vorjahr festzustellen  war, blieben die materiellen Resultate vor
       allem in den großen Tarifbereichen Stahl, Metall und Öffentlicher
       Dienst im Rahmen der vorgegebenen Lohnleitlinien.
       Vor den  Abschlüssen in  diesen Bereichen erstreikten im November
       1975   1200 Tischler  in 95 Handwerksbetrieben in Norddeutschland
       eine Lohnerhöhung  von  6,3%.  Die  Tischlergesellen  hatten  den
       Streik aus  Solidarität bis  zu einer  Woche ausgedehnt,  um auch
       Forderungen der  Lehrlinge nach Anhebung der Ausbildungsvergütun-
       gen und einem zusätzlichen Urlaubsgeld durchzusetzen.
       In der  Stahlindustrie legten über 20 000 Arbeiter am 12. und 14.
       November 1975  kurzfristig die Arbeit nieder. Dennoch brachte der
       Abschluß nur  eine Erhöhung der Einkommen um 5%. In den Tarifaus-
       einandersetzungen der  Metallindustrie wurde  eine  noch  größere
       Kampfbereitschaft sichtbar. Fast 500 000 Metallarbeiter beteilig-
       ten sich  im Februar  und März  1976 an kurzen Warnstreiks, davon
       200 000 in  Baden-Württemberg. In  einzelnen Tarifbezirken  wurde
       sogar die höchste Streikbeteiligung seit über zwei Jahrzehnten in
       der Metallindustrie  erreicht: In Hessen mit 31 000 und in Bayern
       mit 25 000  Streikenden. An den Arbeitsniederlegungen beteiligten
       sich auch  Belegschaften von  Betrieben, in  denen kurzgearbeitet
       wurde oder ein Arbeitsplatzabbau drohte. Die Feststellung der IG-
       Metall-Zeitung "Metall":  "Die  Metaller  bleiben  in  der  Krise
       kampffähig und  kampfwillig" entsprach  der Realität und signali-
       sierte eine Veränderung gegenüber der Lohnrunde im Vorjahr.
       Auch im  Öffentlichen Dienst,  vor allem in Postbetrieben, nahmen
       Zehntausende Beschäftigte an Arbeitsniederlegungen, Demonstratio-
       nen und Kundgebungen während der Tarifverhandlungen teil. Dennoch
       blieb das Mobilisierungsniveau hinter den Notwendigkeiten zurück.
       In der  Metallindustrie wurde mit 5,4% und im Öffentlichen Dienst
       mit 5%,  mindestens  jedoch  DM  85,"  monatlich  (Gesamtvolumen:
       5,3%)abge-schlossen. Diese  Ergebnisse reichten  kaum aus, um den
       Reallohn zu sichern.
       Höhepunkt der Tarifbewegung 1975/76 war der 13tägige Arbeitskampf
       in der Druckindustrie vom 2 8. April bis 13. Mai, der mit dem Er-
       gebnis einer durchschnittlichen Lohnerhöhung von 6,66% die bishe-
       rigen Lohnleitlinien  durchbrach. 21)  Schon während der Verhand-
       lungen und  Schlichtung war es zu einer umfassenden Warnstreikbe-
       wegung gekommen,  an der vom 31. März bis zum 26. April 1976 etwa
       12000 Arbeiterin  144 Betrieben teilnahmen. In einer Urabstimmung
       am 2  7. April sprachen sich 88,2% für einen Streik zur Durchset-
       zung der  9%-Forderung aus. Nachdem am 28. April der Arbeitskampf
       mit fast 16000 Teilnehmern in 48 Betrieben begonnen hatte, sperr-
       ten die  Druckunternehmer noch  am gleichen  Tag aus.  Von dieser
       Aussperrung, die  am 3. Mai wieder aufgehoben wurde, waren insge-
       samt 68807  Arbeiter in  713 Betrieben betroffen (von 145 000 ge-
       werblich Beschäftigten). 22) Nachdem der Streik vom 3. bis 5. Mai
       ausgesetzt, aber das damit beabsichtigte Vermittlungsgesptäch ge-
       scheitert war, begann am 6. Mai mit dem Totalstreik (70 000 Teil-
       nehmern) die  zweite Streikphase.  In einer dritten Phase, in der
       sich die Fraktionierung im Unternehmerlager verstärkte, wurde die
       Teilnahme auf  ca. 50 000 Streikende reduziert. Daß trotz alledem
       das materielle  Ergebnis des  Arbeitskampfes sich  in einem engen
       Rahmen bewegte, drückte sich auch in der abschließenden Urabstim-
       mung aus,  in der nur 55,7% dem Abschluß zustimmten. Entscheidend
       ist bei  der Beurteilung  sicherlich aber  die gesellschafts- und
       gewerkschaftspolitische Bedeutung des Streiks.
       Der Einsatz  aller Kampfmittel  bis hin  zur ersten  bundesweiten
       Aussperrung in  der Bundesrepublik  zeigt, daß das Kapital diesen
       Kampf in  seiner exemplarischen  Bedeutung begriffen  hatte.  Die
       massive Unterstützung  des Bundesverbandes  Druck durch  den  BDA
       weist auf  eine Zentralisierung  der Tarifstrategien  bei  dieser
       Kommandozentrale des  Monopolkapitals und auf den Übergang zu ei-
       ner härteten, auf Konfrontation angelegten Politik hin. Demgegen-
       über blieb  die Unterstützung  des DGB  und seiner  Einzelgewerk-
       schaften hinter den Erfordernissen zurück. Über die am 1. Mai de-
       monstrierte Solidarität  hinaus  wären  wirkungsvolle  Unterstüt-
       zungsaktionen notwendig gewesen.
       Ein weiteres  politisches Moment  dieses  Arbeitskampfes  besteht
       darin, daß  in der  Vorbereitung der Tarifbewegung bewußt von der
       Führung der  IG Druck und Papier eine offensive ideologische Aus-
       einandersetzung mit  den herrschenden  und  von  anderen  Gewerk-
       schaftsführungen teilweise  noch akzeptierten  wirtschaftspoliti-
       schen Doktrinen  ("höhere Gewinne = Investitionen = Schaffung von
       Arbeitsplätzen") geführt  worden war.  Dabei  waren  die  in  der
       Druckindustrie selbst  gesammelten Erfahrungen  (Vernichtung  von
       35 000 Arbeitsplätzen  von 1970  bis 1975)  der reale Hintergrund
       für die  Bestätigung und damit Wirksamkeit der gewerkschaftlichen
       Kritik.
       Der Streik  in der  Druckindustrie beweist, daß die Integrations-
       kraft staatsmonopolistischer  Einkommensregulierung ihre  Grenzen
       am Widerstand  der Arbeiterklasse findet. Ähnlich bedeutsame Aus-
       wirkungen hatten  die September-Streiks  1969. Der Unterschied zu
       1969 besteht  aber vor  allem in den geänderten Kampfbedingungen,
       aber auch darin, daß der Streik der Drucker und Setzer kein spon-
       taner, unabhängig  von der Gewerkschaftsführung und in Kritik und
       Korrektur zur  offiziellen  Tarifpolitik  geführter  Arbeitskampf
       war. Vielmehr  besteht die  spezifische  Bedeutung  des  Drucker-
       streiks darin,  daß erstmals seit Bestehen von SPD-geführten Bun-
       desregierungen eine Gewerkschaft geschlossen , d.h. von der Basis
       bis zur  Führung, um  ihre Unabhängigkeit  von den Leitlinien der
       Wirtschaftspolitik und  politischen Einflüssen  des  Großkapitals
       und des  Staates gekämpft  und sich  durchgesetzt hat. Dies macht
       eine Hauptkomponente  der politischen  Dimension des Streiks aus.
       "Wenn der  Arbeitskampf in  der  Druckindustrie  als  politischer
       Streik bezeichnet  wird, dann  ist damit  gemeint, daß er sich im
       Gegensatz zu  den  bisherigen  Arbeitskämpfen  der  Nachkriegsge-
       schichte (mit  Ausnahme des  Zeitungsstreiks von  1952 gegen  die
       Verabschiedung des  Betriebsverfassungsgesetzes) zur Durchsetzung
       einer Lohnerhöhung explizit gegen die staatlichen Regelungsmecha-
       nismen der  Krisendämpfung (staatliche Einkommenspolitik) wandte,
       um die  Autonomie gewerkschaftlicher  Tarifpolitik zu bewahren. "
       23)
       Aber auch  durch die Tatsache, daß die Druckindustrie zum ideolo-
       gischen Machtzentrum des Monopolkapitals gehört, erklärt sich die
       politische Verschärfung  der Auseinandersetzung  und die Aktuali-
       sierung von  grundsätzlichen Fragen wie "Pressefreiheit" usw. Der
       Einsatz fast des gesamten Medienapparates zugunsten der Unterneh-
       mer trug  zur Erschütterung  des Vertrauens in eine "Neutralität"
       der Massenmedien  bei und  provozierte in  Hannover und Frankfurt
       offensive Aktionen  der Streikenden  zur Durchsetzung  von Mitbe-
       stimmung und "Ausgewogenheit" in der Berichterstattung.
       Von weitreichender  gewerkschaftspolitischer  Bedeutung  ist  der
       durch den  Streik erbrachte  Beweis, daß  dort, wo in der gewerk-
       schaftlichen Praxis die Krisensituation und ihre sozialen Auswir-
       kungen auf  die Lohnabhängigen offensiv aufgegriffen werden, sich
       die Unzufriedenheit  und oft  nur latent  vorhandene Kampfbereit-
       schaft auch  in der  Krise bei bestehender Massenarbeitslosigkeit
       in erfolgreiche  Aktionen umsetzen  lassen. 24) Bei einer solchen
       Gewerkschaftspolitik erwiesen  sich die Erfahrungen des durch die
       technologische Rationalisierung beschleunigten Arbeitsplatzabbaus
       in der Druckindustrie nicht als ein Resignation bewirkendes, son-
       dern sogar aktionsförderndes Moment, als ein wichtiger Faktor der
       Streikbereitschaft auch für Lohnforderungen.
       Es ist  nicht verwunderlich, daß die Auswertung des Streiks schon
       unmittelbar nach  dem Arbeitskampf kontrovers verlief" allerdings
       nicht nach dem Schema "hier Basis und dort Führung oder Apparat".
       Der Hauptstoß der Kritik auch in der Gewerkschaftsbewegung und in
       der IG  Druck und Papier kam vielmehr von Kreisen, die der Bonner
       SPD-Baracke eng verbunden sind. Schon wenige Tage nach dem Streik
       hatte Gertraut  Witt im  SPD-Zentralorgan "Vorwärts" geschrieben:
       "Die zwei Wochen totalen Arbeitskampfes in der Druckindustrie ge-
       hören zu den sinnlosesten Ereignissen seit Bestehen der Bundesre-
       publik." 25)
       Unbegriffen blieb  die Bedeutung  des Druckstreiks teilweise auch
       von "linken" Kritikern, die, wie es in dem vor dem Gewerkschafts-
       tag der  IG Druck und Papier 1977 in Augsburg verteilten "Expreß"
       des Sozialistischen  Büros hieß,  den Streik  als Kampf  "an  der
       falschen Front"  bezeichneten. 26) Unbegriffen deshalb, weil die-
       ser Lohnstreik  als Katalysator  der angestauten  Unzufriedenheit
       der Druckarbeiter  in der  Entwicklung  einer  autonomen  Gewerk-
       schaftspolitik und  der Bewußtseinsbildung  einen notwendigen und
       unverzichtbaren Schritt gerade auch für die bevorstehenden Kämpfe
       an  der   "richtigen"  Front,   nämlich  zur  Sicherung  der  Ar-
       beitsplätze, darstellte. Wie nicht zuletzt der Augsburger Gewerk-
       schaftstag demonstrierte,  wurde von  der überwiegenden  Mehrheit
       der Mitgliedschaft  und der  Führung der  IG Druck und Papier die
       politische Bedeutung  und der Erfolg des Arbeitskampfes ausdrück-
       lich betont.
       
       Die Tarifbewegung 1976/77
       -------------------------
       
       In der  Tarifrunde 1976/77 ist in den Bereichen Stahl, Metall und
       Öffentlicher Dienst  wieder insgesamt  ein geringerer  Mobilisie-
       rungsgrad als im Vorjahr zu beobachten. Charakteristisch für 1977
       ist dabei  die Einbeziehung  neuer  Wirtschaftsbereiche  in  eine
       schärfere Konfrontation der Tarifgegner.
       Nachdem der in der Stahlindustrie angenommene Abschluß von 6% auf
       starke Kritik  gestoßen war  (37% der  Tarifkommissionsmitglieder
       votierten dagegen),  wurden in  der Metallindustrie  6,9% verein-
       bart. Obwohl  Baden-Württemberg eine traditionelle Vorreiterrolle
       bei den  regionalen Tarifverhandlungen  spielt und  auch  diesmal
       eine "Warnstreikhochburg"  war, wurde  in Nordrhein-Westfalen ein
       Leitabschluß vereinbart. Im Öffentlichen Dienst gelang es der Un-
       ternehmerseite demgegenüber,  das Abschlußniveau  wieder auf 5,3%
       zu drücken.
       Besonderer Konfliktstoff  entwickelte sich  in zwei  Branchen: in
       der Bauindustrie und in der Chemieindustrie. Die Tarifverhandlun-
       gen in  der Bauindustrie waren in der Vergangenheit in besonderer
       Weise durch  die extrem  sozialpartnerschaftliche Praxis  der  IG
       Bau, Steine,  Erden geprägt  gewesen. Die  Bauindustrie gehört zu
       den wenigen  Bereichen in  der Bundesrepublik, in denen es in den
       letzten 15 Jahren weder zu Warnstreiks während der Tarifauseinan-
       dersetzungen, noch  zu größeren  Arbeitskämpfen gekommen  ist. In
       den Tarifverhandlungen  waren weder eine willensbildende Mitglie-
       derdiskussion, noch  überhaupt ein  Beschluß der  Tarifkommission
       vor Beginn  der Verhandlungen  üblich. Um  so bemerkenswerter ist
       der in  den letzten  Jahren zu beobachtende "Klimawechsel". Schon
       1975 waren  die Verhandlungen  gescheitert, 1976  gab es erstmals
       wieder ein Schlichtungsverfahren. "Die Krise am Bau macht aus So-
       zialpartnern wieder  Gegner. Die als gesellschaftspolitisches Mo-
       dell so  viel gepriesene  Sozialpartnerschaft ist  angesichts der
       nachlassenden Baukonjunktur brüchig geworden." 27)
       In den  letzten 3  Jahren mußten  über 400 000 Arbeiter und Ange-
       stellte aus dem Baugewerbe ausscheiden. In der Lohnskala sind die
       Effektivverdienste im  Bauhauptgewerbe nach  Angaben der  Gewerk-
       schaft seit  1975 vom  7. auf den 20. Platz gesunken. Dies führte
       dazu, daß in besonderem Maße qualifizierte Facharbeiter abwander-
       ten. Nach Scheitern der Verhandlungen in der Schlichtung und nach
       der erstmaligen  Durchführung zahlreicher  Warnstreiks konnte ein
       Abschluß mit einem Gesamtvolumen von 7,2% durchgesetzt werden.
       Die Tarifbewegung  der Chemieindustrie  fand auf  dem Hintergrund
       eines Aufschwungs  der Branchenkonjunktur  statt.  Besonders  die
       Chemie-Großkonzerne BASF,  Bayer und Hoechst erzielten Rekordmar-
       ken in  bezug auf  Umsatz, Gewinne  und Investitionen. Während in
       den Bezirken  Hessen und Nordrhein 7% Einkommensverbesserung ver-
       einbart worden  waren, wurden  in Rheinland-Pfalz mit dem Schwer-
       punkt BASF nach dem Scheitern der Schlichtung erstmalig seit fast
       50 Jahren Streikvorbereitungen getroffen. 28) Höhepunkt der Mobi-
       lisierung bildete  eine Werksversammlung  der BASF mit ca. 20 000
       Teilnehmern und  die Urabstimmung  vom 23.  bis 25. Mai 1977, bei
       der sich  in der  BASF 83,4%  für einen  Streik aussprachen. Nach
       weiteren Warnstreiks  und einer politischen Intervention einigten
       sich IG  Chemie und  Unternehmerverband am 5. Juni auf Erhöhungen
       im Umfang von 7,24%.
       Einen dreiwöchigen  Arbeitskampf  mußten  die  Beschäftigten  des
       "Weser-Kuriers" und  der "Bremer  Nachrichten" im Juni 1977 gegen
       die Versuche  des Verlegers  führen, die  Tariferhöhungen auf die
       übertariflichen Zulagen  von Redakteuren  und Angestellten  anzu-
       rechnen. Hintergrund dieses bis zu diesem Zeitpunkt längsten bun-
       desdeutschen Zeitungsstreiks  war zugleich  der  wachsende  Unmut
       über die  autoritäre Betriebsführung  des  Verlegers  Meyer,  den
       wachsenden Arbeitsdruck  auch für  Angestellte und Redakteure und
       die Angst  um die  von Rationalisierung  bedrohten Arbeitsplätze.
       29)
       
       Die Tarifbewegung 1978 -
       ------------------------
       eine neue Etappe sozialpolitischer Auseinandersetzungen
       -------------------------------------------------------
       
       Da es  dem Kapital in den bisherigen Tarifrunden nicht in ausrei-
       chendem Maße  gelungen war,  eine deutliche Senkung der Lohnquote
       zugunsten der Profite durchzusetzen, wurde die Tarifrunde 1977/78
       von den Unternehmerverbänden mit besonderer Härte eröffnet. Davon
       zeugen sowohl ihre Forderung nach einer Lohnpause in der Stahlin-
       dustrie, als  auch ihre  frühzeitigen  Aussperrungsdrohungen  und
       -vorbereitungen. Aber  der Verlauf  der Tarifbewegung  zeigt, daß
       die Unternehmer  mit dieser  Strategie den  breitesten Widerstand
       der letzten  Jahre in der Gewerkschaftsbewegung provoziert haben.
       Zudem hat  sich aufgrund  der Rationalisierungswelle in verschie-
       denen Industriebereichen ein Konfliktpotential angestaut, das die
       Kampfbereitschaft förderte. Dies spielt als Hintergrund nicht nur
       in der  Druckindustrie, sondern  auch in  der Metallindustrie und
       den Seehäfen eine Rolle.
       Nachdem in der Stahlindustrie nach äußerst langwierigen Auseinan-
       dersetzungen bis  in den  Februar 1975  trotz  zahlreicher  Warn-
       streiks und  der Vorbereitung einer Urabstimmung nur ein Abschluß
       von 4%  erreicht wurde,  brachte der Arbeitskampf in den Seehäfen
       einen entscheidenden  Durchbruch für  die Lohnrunde.  Die Gewerk-
       schaft ÖTV  hatte für  die Seehäfen 9% Einkommensverbesserung und
       eine Anhebung der Schichtzulagen für die rd. 20 000 Beschäftigten
       gefordert. Außerdem  wurden neue  Eingruppierungsregelungen  ver-
       langt, die  den durch die technische Entwicklung gestiegenen Qua-
       lifikationsanforderungen und  neuen  Arbeitsbelastungen  Rechnung
       tragen. So  liegt z.B. der "Containerisierungsgrad" im Bremer und
       im Hamburger  Hafen inzwischen  bei etwa  25%. Bei einer auch da-
       durch erzielten Erhöhung des Umschlags wurde gleichzeitig die Be-
       schäftigtenzahl reduziert.  30) Als  in 7  Verhandlungsrunden und
       der anschließenden Schlichtung die Angebote der Unternehmer nicht
       über 5%  hinausgingen, rief  die ÖTV  für den  19. und 20. Januar
       1978 zur  Urabstimmung auf.  In der  Abstimmung sprachen sich von
       fast 15 000 Teilnehmern 97,12% für Kampfmaßnahmen aus. Am 25. Ja-
       nuar begann  in 7 Häfen (Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Brake, Em-
       den, Cuxhaven  und Lübeck)  ein geschlossen  geführter Streik. Es
       war seit 1896 der erste umfassende Streik in deutschen Häfen, ab-
       gesehen von einem Arbeitskampf 1951 im Hamburger Hafen. Durch die
       Solidarität der  ausländischen Brudergewerkschaften  konnte  wei-
       testgehend ein Streikbruch durch andere europäische Häfen verhin-
       dert werden.
       Ein Vermittlungsgespräch  unter der Leitung des Hamburger Bürger-
       meisters Klose  am 28. Januar ergab die Empfehlung, Löhne und Ge-
       hälter ab  Februar um  7% zu  erhöhen. Da die 7%ige Erhöhung sich
       nur auf  11 Monate bezog, bedeutete dies eine faktische Verbesse-
       rung von  6,4%. Die  ÖTV beschloß, ab Montag, den 30. Januar, den
       Streik auszusetzen  und empfahl für die Urabstimmung eine Annahme
       dieses Ergebnisses.  Überraschenderweise sprachen  sich in dieser
       zweiten Urabstimmung  am 30.  Januar von 15 348 Beteiligten 8 875
       Gewerkschafter, das  sind 55,8%,   g e g e n  die Annahme aus und
       nur 41,9%  für diesen  Abschluß. Nach  den Regelungen der ÖTV war
       damit das  Ergebnis abgelehnt,  und neue Verhandlungen mußten be-
       ginnen, die eine Verbesserung von 115 DM für den Monat Januar er-
       gaben. In  der letzten  Urabstimmung am  3. Februar stimmten dann
       75,7% für  eine Annahme.  Mit diesem Ergebnis von fast 7% war ein
       deutliches Zeichen  in dieser Tarifrunde gesetzt und wirksame Im-
       pulse für die weiteren Tarifbewegungen gegeben.
       In den meisten Tarifbezirken der Metallindustrie wurde von der IG
       Metall eine  8%ige Lohn-  und Gehaltsverbesserung  gefordert.  In
       vielen Fällen  wurden zusätzliche  Forderungen nach  Verbesserung
       der unteren  Lohnkategorien gestellt. Im Tarifbezirk Nordwürttem-
       berg-Nordbaden wurde  außerdem ein  Tarifvertragsentwurf zur  Be-
       sitzstandssicherung vorgelegt, ähnlich auch später im Tarifbezirk
       von Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Im Tarifbezirk Südwürt-
       temberg-Hohenzollern wurde  die Übernahme des Lohnrahmentarifver-
       trages II  (1973 in  Nordwürttemberg-Nordbaden mit  einem  Streik
       durchgesetzt) gefordert.  Der Tarifvertrag zur Besitzstandssiche-
       rung greift  die negativen  Folgen von Rationalisierungsprozessen
       für die  Einkommenssicherheit und  -höhe der  Arbeiter und  Ange-
       stellten auf und soll die ständigen Abgruppierungen durch die de-
       qualifizierenden Auswirkungen  technologischer Veränderungen ver-
       hindern. In  einer Broschüre der IG Metall zu diesem Tarifvertrag
       hieß es  dazu: "In der seit 1974 anhaltenden Krise stehen Entlas-
       sungen, betriebliche  Versetzungen und  teilweise Abgruppierungen
       im Vordergrund.  Dafür sind  neben konjunkturellen Gründen haupt-
       sächlich  strukturelle,   technologische  Gründe  ausschlaggebend
       (neue Fertigungsverfahren,  straffere Arbeitsorganisationen, neue
       Technologien) mit  der Folge  sprunghaft ansteigender Produktivi-
       tät." 31)
       Die Unternehmer  wehrten sich  gegen diese Forderungen aus durch-
       sichtigen, prinzipiellen  Gründen: "Die  Lohnkostenvorteile einer
       Rationalisierung, die  durch Entlassungen  und Abgruppierung  neu
       eingestellter Arbeitnehmer  entstünden, würden  auf  die  gesamte
       'Betriebskommune' umverteilt...  Die Arbeitgeber könnten kein In-
       teresse an  einer Humanisierung  und Rationalisierung  der Arbeit
       haben.. .  " 32)  Im Schlichtungsverfahren eskalierten die Unter-
       nehmer den  Konflikt, indem  sie der IG Metall Verfassungswidrig-
       keit der  Forderung nach kollektiver Absicherung gegen Abgruppie-
       rung vorwarfen.  Die breite Warnstreikbewegung und das eindeutige
       Ergebnis der  Urabstimmung in  Nordwürttemberg-Nordbaden am 7./8.
       März von  90,3% für Streik zeigte, daß die Forderungen eine große
       mobilisierende Wirkung  besaßen. Gleichzeitig wurde in Nordrhein-
       Westfalen eine  Urabstimmung durchgeführt, bei der sich 86,4% für
       einen Arbeitskampf aussprachen.
       Am 15.  März begann morgens in 63 Betrieben Nordwürttemberg-Nord-
       badens mit ca. 80 000 Beschäftigten der Streik. Am selben Tag be-
       schloß der Unternehmerverband, am 20. März in allen Betrieben mit
       über 1000  Beschäftigen, d.h.  zusätzlich in 30 nicht bestreikten
       Unternehmen, eine  Aussperrung durchzuführen.  Anfang April hatte
       sich die Streikfront auf 86 Betriebe mit 91 000 Beschäftigten er-
       weitert. Von der Aussperrung waren 78 Betriebe mit 146 000 Beleg-
       schaftsangehörigen betroffen. Nach drei Wochen Streik und zweiwö-
       chiger Aussperrung kam es am 3. April zu einer Einigung: es wurde
       eine Lohnerhöhung  von 5  Prozent zusätzlich  einer Pauschale von
       411 DM und ein Abgruppierungsschutz abgeschlossen. Der geforderte
       kollektive  Abgruppierungsschutz   wurde  nicht   erreicht.   Die
       tarifliche Eingruppierung des einzelnen Arbeiters oder Angestell-
       ten ist  für 18 Monate vollständig garantiert, danach findet eine
       begrenzte Verschlechterung  der Entlohnung  statt. In  einer  ab-
       schließenden Urabstimmung  sprachen sich  169 456 Mitglieder  für
       und 107 987  gegen die  Annahme des Vertrages aus. Mit 55,41 Pro-
       zent war damit die erforderliche Mehrheit erreicht.
       Die Folgen  der Rationalisierung  standen auch im Mittelpunkt der
       Tarifauseinandersetzungen in  der Druckindustrie, die eine enorme
       politische Brisanz  gewannen. Schon  seit 1975 hatte die IG Druck
       einen Tarifvertrag  zur Regelung  der sozialen  Folgen der  neuen
       Technik gefordert,  die die  Arbeitsplätze der traditionellen Be-
       rufsgruppe der  Setzer zu  vernichten und  die Arbeitsbedingungen
       insbesondere auch  der Journalisten  erheblich zu  verschlechtern
       drohte. 33) Ziel eines solchen Tarifvertrages über die Einführung
       und Anwendung  der elektronisch  gesteuerten Texteingabe und -ge-
       staltung war die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Aufrechterhal-
       tung beruflicher  Qualifikationen und die Gestaltung der Arbeits-
       bedingungen.
       Nachdem sich zuerst die Unternehmer geweigert hatten, in Verhand-
       lungen einzutreten,  kam es  dann nach  dem Lohnstreik  1976 Ende
       desselben Jahres  zu Tarifverhandlungen,  die sich  bis September
       1977 hinzogen.  Im Mai 1977 wurde von der IG Druck und Papier zu-
       sammen mit der HBV, dem Deutschen Journalistenverband und anderen
       der Entwurf  eines Tarifvertrages  über die  Einführung der neuen
       Techniken vorgelegt, dessen Hauptinhalte in folgenden Forderungs-
       komplexen bestanden 34):
       1. Sicherung der  Arbeitsplätze für  Schriftsetzer auch nach Ein-
       führung der neuen Techniken.
       2. Bezahlung der neuen Arbeiten nach Facharbeiterlöhnen.
       3. Schutz der  Journalisten vor  dem Zwang, berufsfremde Arbeiten
       der technischen Herstellung übernehmen zu müssen.
       4. Wirksamer Gesundheitsschutz,  vor allem  durch Arbeitszeitver-
       kürzung und Pausen für alle, die am Bildschirm arbeiten müssen.
       Ähnliche Forderungen  stehen auch  für die  anderen Facharbeiter-
       gruppen in der Druckindustrie an. Diese Forderungen unterscheiden
       sich prinzipiell  von  den  bisherigen  "Rationalisierungsschutz-
       abkommen", da  sie über  eine Sozialplanregelung  hinausgehen und
       eine  Mitbestimmung   übet  die   Quantität  und   Qualität   der
       Arbeitsplätze beinhalten. Die Haltung der IG Druck und Papier ist
       dabei nicht  von einer  "Technikfeindlichkeit" bestimmt,  sondern
       richtet sich  gegen die  aus dem  kapitalistischen Charakter  der
       technologischen   Rationalisierung    resultierenden    negativen
       sozialen  Folgen   für  die   abhängig  Beschäftigten.   Wie  die
       Diskussion auf  dem Gewerkschaftstag der IG Druck und Papier 1977
       zeigte, wird  zum Teil die Notwendigkeit erkannt, diese konkreten
       Forderungen mit  langfristigeren Schritten  der  Demokratisierung
       der Betriebe  und mit Eingriffen in den Profitmechanismus zu ver-
       binden. Da  technologische  Umwälzungen  auch  in  anderen  Wirt-
       schaftsbereichen bevorstehen  oder zum Teil schon längst begonnen
       haben (wie  etwa im  Büro- und  Verwaltungsbereich), wurden durch
       den Ausgang dieses Tarifkampfes Maßstäbe für alle anderen Gewerk-
       schaften gesetzt.
       Sowohl die  sieben Verhandlungsrunden, die im September 1977 end-
       gültig scheiterten, als auch die Schlichtung, die im November er-
       gebnislos verlief,  wurden von einer breiten Mobilisierung in den
       Betrieben begleitet. Bis zum 22. Dezember 1977 wurde nach Angaben
       der Gewerkschaft  in 15  3 Betrieben  gestreikt; insgesamt fielen
       18 099 Stunden aus. Beteiligt waren an diesen Aktionen 14 584 Be-
       schäftigte. Außerdem  wurden in 130 Betrieben Überstunden verwei-
       gert. Eine  komplizierte Situation entstand für die IG Druck Ende
       Januar 1978.  Nachdem die Unternehmer sich unter dem Eindruck der
       Warnstreiks verhandlungsbereiter zeigten, wurden in Beratungen am
       19. und  20. Januar  "Leitsätze" vereinbart,  auf deren Grundlage
       eine Verhandlungskommission am 23. und 24. Januar einen Tarifver-
       trag ausarbeiten  sollte. Schon in der Tarifkommission hatte eine
       Minderheit von  18 zu  28 Stimmen  Bedenken gegen  den Inhalt der
       "Leitsätze" geäußert.  Das Ergebnis  dieser Beratungen  entsprach
       aber in  keiner Weise  den ursprünglichen Forderungen der Gewerk-
       schaft und  stieß in  den Betrieben, in denen die Erwartungen in-
       zwischen sehr  stark gestiegen  waren, auf Kritik. Unter dem Ein-
       druck von  fast 60  Resolutionen und Warnstreiks in Frankfurt und
       Hamburg lehnten  die Tarifkommission  und am  3. Februar auch der
       erweiterte Vorstand  der IG  Druck und Papier das Verhandlungser-
       gebnis einstimmig ab. 35) Für die gewerkschaftliche Arbeitskampf-
       strategie bestand folgende generelle Problematik: Eine Eskalation
       des Drucks  auf die  Unternehmer bis  zum bundesweiten Streik wie
       1976 konnte  nur als  allerletztes Mittel  eingesetzt werden,  da
       dies trotz  der Sparbeschlüsse  des Gewerkschaftstages die finan-
       ziellen Kräfte  der IG  Druck schnell überschreiten würde und die
       uneingeschränkte Solidarität  des DGB  und  seiner  Einzelgewerk-
       schaften voraussetzte. Mit der schon auf dem Gewerkschaftstag ge-
       gebenen Orientierung  auf Schwerpunktstreiks  und der Möglichkeit
       betrieblicher Urabstimmungen  wurde eine flexible Strategie anvi-
       siert, die  bei minimalem Einsatz der Kräfte größtmöglichen Druck
       auf die  Unternehmerfront ermöglichte. Dies erforderte allerdings
       eine Geschlossenheit der Führung des Arbeitskampfes und Solidari-
       tät der nicht in den Kampf einbezogenen Teile der Mitgliedschaft.
       Ende Februar  trat der Arbeitskampf in seine entscheidende Phase.
       Da die  Unternehmer nicht bereit waren, auf der Grundlage der Ge-
       werkschaftsforderungen in  Verhandlungen einzutreten,  wurden  am
       27. Februar  in 5  Betrieben in  München, Kassel,  Düsseldorf und
       Wuppertal - begleitet von Warnstreiks in 25 Betrieben - Urabstim-
       mungen durchgeführt. Die Ergebnisse:
       Süddeutscher Verlag, München    83,1 Prozent
       Münchner Buchgewerbehaus        99,0 Prozent
       Dierichs, Kassel                80,9 Prozent
       RBD Rheinische Post, Düsseldorf 90,7 Prozent
       RBD Girardet, Wuppertal         91,4 Prozent
       Am 28.  Februar begann  in diesen  5 Betrieben  ein unbefristeter
       Schwerpunktstreik, der  vom Unternehmerverband am 2. März mit ei-
       nem Aussperrungsbeschluß beantwortet wurde, dem 12 Betriebe nach-
       kamen. Um den Druck auf die entscheidenden Kräfte im Unternehmer-
       lager, die großen Zeitungsverleger, zu erhöhen, wurde von der Ge-
       werkschaft mit  einem Proteststreik  in allen  Springer-Betrieben
       reagiert. Um die Gewerkschaft vor allem finanziell in die Knie zu
       zwingen, spitzten die Zeitungsverleger den Konflikt mit einer be-
       fristeten bundesweiten  Aussperrung vom  5. bis  7. März  (78 Be-
       triebe) zu.  Die IG  Druck weitete die Streikfront zeitweilig auf
       die Betriebe  des Heinrich Bauer-Verlages aus und führte in zahl-
       reichen Betrieben Urabstimmungen durch.
       Obwohl es  auf Initiative  der Gewerkschaft unter Vermittlung des
       Präsidenten der  Bundesanstalt für  Arbeit, Joseph Stingl, am 13.
       März in  Nürnberg wieder  zu ersten  Vermittlungsgesprächen  kam,
       hatten die Unternehmer schon die nächste Eskalationsphase mit ei-
       ner unbefristeten  bundesweiten Aussperrung ab 14. März beschlos-
       sen. In  über 500  Betrieben wurden  täglich über  30 000 Gewerk-
       schaftsmitglieder ausgesperrt, während durch den Streik in dieser
       Phase 6 Betriebe mit 2200 Streikenden betroffen waren.
       Wie schon  an anderer  Stelle ausgeführt  wurde, fielen durch die
       Aussperrungsmaßnahmen viermal  so viele Arbeitstage aus wie durch
       die Streiks.  36) Die  Streikfront blieb  während der ganzen Zeit
       geschlossen. Insbesondere  auf die Aussperrungen hatten viele Be-
       legschaften mit  anschließend hohen Urabstimmungsergebnissen rea-
       giert, um die Bereitschaft zu bekunden, jederzeit die Streikfront
       zu erweitern.  In  Hessen  war  es  in  Wahrnehmung  der  Verfas-
       sungsbestimmung über ein Aussperrungsverbot zu einer neuen offen-
       siven Aktionsform  gekommen:  Die  Belegschaft  der  "Frankfurter
       Rundschau" (Werk  1) weigerte  sich in  der Nacht vom 15. auf den
       16. März,  die Arbeitsplätze  zu verlassen  und hielt den Betrieb
       besetzt. Gleichzeitig  wurden während  der Betriebsbesetzung Not-
       zeitungen für  die Bevölkerung  produziert. Dies stellt eine neue
       Qualität des Arbeitskampfes dar, ebenso wie die vielfältige Soli-
       darität anderer  Gewerkschaften und  des DGB. Das Echo in der Öf-
       fentlichkeit  war   positiver  als   im  Arbeitskampf  1976.  Die
       "Stellvertreterfunktion" dieser  Auseinandersetzung für  die  zu-
       künftige Abwehr von Rationalisierungsfolgen wurde auch in den an-
       deren Gewerkschaften  verstanden. Die IG Druck und Papier hatte -
       unter Auswertung  der Erfahrung  von 1976  - die enorme Bedeutung
       einer intensiven  Öffentlichkeitsarbeit begriffen.  Fast in allen
       Zentren erschienen regelmäßig eigene Informationsblätter und Zei-
       tungen, vor allem während der Aussperrungstage.
       Nach drei  Wochen Arbeitskampf kam es am 19. März unter Einschal-
       tung von  Bundesminister Wischnewski  zu einem  Tarifvertrag, der
       mit Recht  als Meilenstein in der Tarifgeschichte der Bundesrepu-
       blik bezeichnet  werden kann. Zu den wichtigsten Bestimmungen ge-
       hören:
       - Schriftsetzer und  ihnen gleichgestellte  Beschäftigte erhalten
       für eine mehrjährige Übergangszeit ihre bisherige tarifliche Ent-
       lohnung, auch  wenn sich die Arbeitsbedingungen aufgrund der Ein-
       führung der Elektronik ändern.
       - Fachkräfte der Druckindustrie haben für acht Jahre nach Umstel-
       lung der  jeweiligen Tätigkeit  Anspruch auf  die vorrangige  Be-
       schäftigung mit  den neuen  Arbeiten im rechengesteuerten Textsy-
       stem.
       - Für alle  Bildschirmarbeiten schreibt der Tarifvertrag für jede
       Stunde fünf  Minuten Erholungszeit  oder alle  zwei Stunden  eine
       15minütige bezahlte Unterbrechung der Tätigkeit vor.
       - Der neue Tarifvertrag regelt ausführlich die technischen Bedin-
       gungen, die als Mindestanforderung im Sinne einer menschengerech-
       ten Gestaltung  von den Bildschirmen erfüllt werden müssen. Diese
       Regelungen haben große Bedeutung auch für Wirtschaftsbereiche, in
       denen bisher  unter schlechteren  Bedingungen  Bildschirme  schon
       eingesetzt wurden.
       - Redakteure dürfen nicht gezwungen werden, fremde Texte ohne Ab-
       änderung in Satz zu geben.
       - Viele Bestimmungen  des Betriebsverfassungsgesetzes sind präzi-
       siert oder erweitert worden. 37)
       
       Materielle Ergebnisse und veränderte Probleme der Tarifbewegungen
       -----------------------------------------------------------------
       
       Die lohnpolitischen Resultate der Tarifbewegung 1977/78 sind sehr
       bescheiden. Nur  der Tarifabschluß in den Seehäfen geht eindeutig
       über die  "Lohnleitlinien" des Sachverständigenrates und der Bun-
       desregierung hinaus.  Schon die bisherige Auswertung der Tarifbe-
       wegungen während  der Krisenjahre zeigt, daß generell die materi-
       ellen Ergebnisse gegenüber Anfang der siebziger Jahre stark redu-
       ziert wurden.  Betrug die  Steigerung der Tarifeinkommen 1970 bis
       1974 pro  Jahr zwischen 10 und 13 Prozent, so machte sie 1975 nur
       noch 8,5  Prozent, 1976   5,9  Prozent und 1977  6,8 Prozent aus.
       1978 dürfte  sie durchschnittlich wieder fast 2 Prozent unter der
       des Vorjahres liegen.
       Betrachtet man  die Realeinkommen  der Beschäftigten,  so stiegen
       diese 1975 nur noch um 1,2 Prozent, gingen 1976 leicht zurück und
       nahmen 1977 - auch aufgrund der geringeren Preissteigerungsrate -
       wiederum 1,8  Prozent zu.  1978 wird sich diese Entwicklung nicht
       wesentlich verändern.  Vergleicht man  damit die  Entwicklung der
       Arbeitsproduktivität, so  ist diese  in den letzten Jahren bedeu-
       tend schneller  gestiegen als  die realen  Arbeitseinkommen (vgl.
       Tab. 8).  38) Dadurch hat sich die Verteilungsposition der Arbei-
       ter und Angestellen, d.h. ihr Anteil am Volkseinkommen, erheblich
       verschlechtert. 1976  erreichte die  Nettolohnquote mit 41,5 Pro-
       zent den niedrigsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik
       
       Tabelle 8
       Reallöhne und Arbeitsproduktivität 1)
       
       Jahr     Reallohn     Arbeitsproduktivität 2)
       
       1973      +1,2              +4,6
       1974      +2,6              +2,4
       1975      +1,2              +0,8
       1976      -0,3              +6,6
       1977      +1,8;             +2,9
       _____
       1) Veränderung in % gegenüber dem Vorjahr.
       2) Arbeitsproduktivität berechnet als reales Bruttoinlandsprodukt
       je Erwerbstätigen.
       Quelle: Eigene Berechnungen auf Grundlage von Wirtschaft und Sta-
       tistik, lfd.
       
       Zum Schwerpunkt  der gewerkschaftlichen  Lohnpolitik hat sich die
       Verteidigung des  bestehenden sozialen  Besitzstandes entwickelt.
       Ohne Mobilisierung  war es  für einige  Teile der  Arbeiterklasse
       noch nicht  einmal möglich, die Realeinkommen zu sichern. Materi-
       elle Erfolge  in der  Tarifpolitik setzen unter den gegenwärtigen
       Bedingungen einen entschiedenen Einsatz gewerkschaftlicher Kampf-
       kraft voraus.  Zur Voraussetzung  erfolgreicher Lohnpolitik  wird
       aber auch  die Infragestellung  und Kritik  der einkommenspoliti-
       schen Ziele  und Argumente  des Monopolkapitals  und des Staates.
       Dies erfordert  von den Gewerkschaften "ein eigenes - theorerisch
       fundiertes -  wirtschaftliches Konzept...,  das konkrete,  durch-
       setzbare Alternativen  formuliert"  und  "der  scheinbar  wissen-
       schaftlich begründeten  unternehmerischen Propaganda"  Widerstand
       bietet. 39)  Damit wird die staatliche Wirtschaftspolitik stärker
       zum Gegenstand  der Klassenauseinandersetzung. Diese Bedingungen,
       die eine  engere Verbindung  von ökonomischen und politischen Mo-
       menten beinhalten, stellen an die Gewerkschaftspolitik höhere An-
       forderungen und erfordern die Verteidigung der gewerkschaftlichen
       Unabhängigkeit gegenüber der Regierungspolitik. 40)
       Die eigentlichen  Erfolge der  Arbeitskämpfe des  Frühjahrs  1978
       wurden nicht  auf lohnpolitischem  Gebiet, sondern im Bereich der
       Manteltarifpolitik errungen.  In der Abwehr von Folgen der Ratio-
       nalisierung und technischen Veränderungen konnten tarifvertragli-
       che Regelungen durchgesetzt werden, die trotz ihres Kompromißcha-
       rakters über  die bisherige  Rationalisierungsabwehr  hinausgehen
       und neue Wege gewerkschaftlicher Tarifpolitik aufzeigen.
       
       IV. Arbeitskämpfe gegen Arbeitsplatzvernichtung und Sozialabbau
       ---------------------------------------------------------------
       
       Arbeitskämpfe im  Rahmen  von  Tarifauseinandersetzungen  stellen
       eine organisierte Form der Klassenauseinandersetzung zwischen Ka-
       pital und  Arbeit dar, da ganze Teile der Arbeiterklasse und ihre
       Gewerkschaften mir  den Organisationen  des Kapitals konfrontiert
       sind. Die  Erfahrungen der  Kämpfe von  1976 und 1978 zeigen, daß
       hier sogar  die Kommandozentrale  des Monopolkapitals, die Spitze
       der BDA, den Einsatz der Unternehmer gegen die streikenden Arbei-
       ter und ihre Gewerkschaft koordinierte.
       Die Auseinandersetzung  zwischen Kapital und Arbeit findet jedoch
       nicht nur in Tarifkämpfen, sondern dauernd statt. Der Hauptkampf-
       platz ist  und bleibt  dabei der  Betrieb, denn  hier erfolgt die
       Ausbeutung der  menschlichen Arbeit, hier wird die Existenzgrund-
       lage für das Kapital geschaffen. Ständige Konfliktfelder sind die
       betriebliche Lohngestaltung, die Arbeitsbedingungen, die betrieb-
       lichen Herrschaftsverhältnisse  u.a.m. Betriebliche  Aktionen der
       Belegschaften bis hin zu Streiks sind ein wichtiger Indikator für
       den Grad der Klassenauseinandersetzung, für die Kampfbereitschaft
       und das  Bewußtsein der Arbeiterklasse. Mit der Krise, der Verän-
       derung der ökonomischen Lage und der Kampfbedingungen verschieben
       sich auch  die Konfliktbereiche. Sie sind stärker - ebenso wie in
       den Tarifauseinandersetzungen  - durch die Offensive des Kapitals
       und die  defensive Situation  der Arbeiter  und Angestellten  ge-
       prägt. Die  Verteidigung des  erreichten sozialen  Besitzstandes,
       der Arbeitsplätze  und der erkämpften Rechte tritt in den Vorder-
       grund.
       Die Angriffe  der Unternehmer  reichen von  offenen Lohnkürzungen
       und Abgruppierungen  über den  Abbau von  Zulagen,  Leistungsver-
       schärfungen, Disziplinierungen  von Betriebsräten und aktiven Ge-
       werkschaftern, willkürliche  Kurzarbeitsperioden, Sonderschichten
       statt Neueinstellungen bis hin zum offenen Bruch von Tarifverträ-
       gen und Betriebsvereinbarungen. Die tägliche Verteidigung der In-
       teressen gegen  die Angriffe  des Kapitals  ist eine unerläßliche
       Voraussetzung für  jeden weiteren  Kampf. Würden die Arbeiter "in
       ihren täglichen  Zusammenstößen mit dem Kapital feige nachgeben",
       sagte Marx,  "sie würden  sich selbst  unweigerlich der Fähigkeit
       berauben, irgendeine  umfassendere Bewegung  ins Werk zu setzen".
       41) Insbesondere die  Reaktion auf Maßnahmen der Arbeitsplatzver-
       nichtung - resignative Hinnahme oder aktive Gegenwehr - ist wich-
       tig für  die Entwicklung  der Kampfbedingungen in der Krise, auch
       im Bereich des Lohnkampfes. Je stärker die Gewerkschaften dem mit
       der Angst um den Arbeitsplatz verbundenen Druck (und seiner ideo-
       logischen Verstärkung  durch die  bürgerlichen Medien)  nicht nur
       argumentativ, sondern  durch aktive  Politik und konsequenten Ab-
       wehrkampf entgegenwirken,  desto eher  verbessern sich die Bedin-
       gungen des Kampfes auf  a l l e n  Feldern.
       
       Ursachen und Ausmaß der Aktionen
       --------------------------------
       
       Bei der Untersuchung von Aktionen gegen die Abwälzung der Krisen-
       lasten auf  die Arbeiterklasse sollen zwei Bereiche unterschieden
       werden: der  Bereich des  Sozialabbaus,  der  von  Lohnkürzungen,
       Streichungen von  Zulagen bis zu verschiedenen Maßnahmen der Lei-
       stungsverschärfung eine  ganze Palette von Möglichkeiten der Ver-
       tiefung der  Ausbeutung erfaßt, und der Bereich der Arbeirsplatz-
       vernichtung -  sei es durch Rationalisierungen, Produktionsverla-
       gerungen oder durch Teil- oder Totalstillegungen.
       Eine genaue  quantitative Erfassung  dieser Aktionen  ist aus den
       schon genannten  Gründen nicht  möglich. Die offizielle Statistik
       erfaßt auch  nicht die Ursachen und Anlässe der Streiks. Ein Teil
       der Aktionen  besteht nicht  in Streiks, sondern in betrieblichen
       und außerbetrieblichen  Demonstrationen  oder  einer  Kombination
       mehrerer Kampfformen.  Diese  Aktionen  sollen  mitberücksichtigt
       werden. Obwohl  das im  "Archiv der sozialen Bewegungen" des IMSF
       zusammengetragene empirische  Material über Arbeitskämpfe notwen-
       digerweise sehr unvollständig und eine exakte Abgrenzung der Kon-
       fliktursachen oft  sehr schwierig ist, lassen sich in der Auswer-
       tung doch bestimmte Entwicklungstendenzen erkennen. Absolute Zah-
       len etwa über Anzahl der Aktionen oder der Teilnehmer sind in al-
       len Fällen  als Mindestangaben  zu werten. Die Dunkelziffer nicht
       erfaßter Arbeitskämpfe  ist nach  aller Erfahrung  im Bereich der
       betrieblichen Aktionen besonders groß.
       Analysiert man die Entwicklungstendenzen der Konfliktursachen, so
       ist in der Krise die schon erwähnte deutliche Verschiebung gegen-
       über dem  Beginn der siebziger Jahre belegbar. Die Auswertung ei-
       ner "statistischen  Übersicht: Streiks  in der BRD 1970" des IMSF
       ergibt für  1970 folgende  Konfliktfelder betrieblicher  Streiks:
       42)
       
       Tabelle 9
       Relationen der Konfliktfelder 1970
       
       betriebliche Lohn-  Einstufung, Bewer-  Arbeitsbedingungen
       erhöhungen          tung etc.
       
            33,5%                 23%                   9%
       
       Lohn- u. Sozial- Entlassungen Mitbestimmung Diszipli- Rationa-
       abbau                                       nierung   lisierung
       
             8%              8%            4%        3,3%       0,4%
       
       (Da einige  Konfliktfelder wie  die offizielle Tarifbewegung hier
       vernachlässigt werden  konnten, ergibt  sich  eine  Differenz  zu
       100%)
       Auch wenn in einer Aktionsstatistik von 1977 teilweise andere Ka-
       tegorien benutzt  werden, ist  die Veränderung der Relationen un-
       übersehbar: 43)
       
       Tabelle 10
       Relationen der Konfliktfelder 1977
       
       Rationalisierung   Entlassungen   Mißachtung von Tarifverträgen
                                         und Betriebsvereinbarungen
       
              27%              24%                   21%
       
           Lohnabbau   Leistungsverschärfung   Disziplinierung
       
             4,5%               3%                    3%
       
       Stand 1970  noch der  Kampf um betriebliche Lohnerhöhungen an er-
       ster Stelle der Streikursachen, so ist es 1977 in über der Hälfte
       der Fälle  der Kampf  gegen Entlassungen  durch  Rationalisierung
       oder andere  Maßnahmen. Rationalisierungsprobleme  spielten  1970
       mit 0,4  Prozent eine  verschwindende, Entlassungen mit 8 Prozent
       eine geringe  Rolle. Die  betrieblichen Lohnbedingungen  (Einstu-
       fung, Leistungsbewertung,  etc.) standen  1970  an  zweiter,  der
       Kampf um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen noch an dritter
       Stelle. Die  Veränderung der Kampfbedingungen und der defensivere
       Charakter kommt  1977 auch darin zum Ausdruck, daß die Mißachtung
       von tarifvertraglichen  Bestimmungen  und  Betriebsvereinbarungen
       und der  Lohnabbau durch  die  Unternehmer  das  zweite  wichtige
       Kampffeld darstellen.  Im Vordergrund steht 1977 die Verteidigung
       der Arbeitsplätze und des erreichten sozialen Besitzstandes.
       Die Zahl  der Aktionsteilnehmer  hat in den Krisenjahren 1975 bis
       1977 ständig  zugenommen, insbesondere  im Kampf  gegen  Arbeits-
       platzvernichtung. Dies ist 1977 auch auf die großen Demonstratio-
       nen für  das Recht  auf  Arbeit  zurückzuführen,  aber  auch  die
       Streiks sind zahlreicher geworden.
       
       Tabelle 11
       Aktionen gegen  Arbeitsplatzvernichtung und  Sozialabbau 1975 bis
       1977
       
                                 1975  44)   1976  45)      1977  46)
                                 (Juni-
                                 Dezember)
       
       bekanntgewordene Aktionen    65          41           114
       bekanntgewordene Anzahl der
       Teilnehmer insgesamt   ca. 28 000 (58)               121 650 (63)
       darunter
       ...gegen Arbeitsplatz-
       vernichtung            ca. 20 000 (31)  34 000 (34)  117 650 (51)
       ... gegen Sozialabbau  ca.  8 000 (27)                 4 000 (12)
       _____
       (in Klammern  Anzahl der  Aktionen, bei  denen die Teilnehmerzahl
       bekannt wurde)
       
       Zu einigen Problemen der Aktionen gegen Arbeitsplatzvernichtung
       ---------------------------------------------------------------
       
       Die Vielzahl  der Aktionen unter jeweils sehr spezifischen Bedin-
       gungen macht  eine zusammenfassende  Auswertung schwierig. Inzwi-
       schen liegen  zu zahlreichen einzelnen Abwehrkämpfen und Bewegun-
       gen Dokumentationen und Analysen vor. 47)
       In einzelnen  Jahren gewannen  bestimmte Aktionen  und Bewegungen
       besondere Publizität. In den statistischen Überblicken wurde bis-
       her die  von örtlichen  über regionale zu zentralen Aktionen sich
       entwickelnde Bewegung der Gewerkschaftsjugend im Jahre 1975 gegen
       Jugendarbeitslosigkeit, Lehrstellenvernichtung  und  für  bessere
       Berufsausbildung nicht berücksichtigt. 48) An den dreizehn regio-
       nalen Demonstrationen  vom Februar  bis Oktober  1975 nahmen über
       100000 Menschen  teil, an der zentralen Kundgebung am 8. November
       1975 in  Dortmund mindestens  50000. Da  1975 die Politik des DGB
       und der  meisten Einzelgewerkschaften  noch weitgehend  durch den
       "Krisenschock" gelähmt  war, gewann diese erfolgreiche Mobilisie-
       rung durch die Gewerkschaftsjugend besondere Bedeutung.
       Breites  Echo   in  der  Öffentlichkeit  erhielt  der  Kampf  der
       150köpfigen Belegschaft  des Zementwerkes Seibel und Söhne in Er-
       witte gegen die Schließung des Betriebes. 49) Nach Proteststreiks
       besetzte die  Belegschaft vom  10. März  bis zum  2. Mai 1975 das
       Werk und  führte danach den Kampf als Streik fort. Trotz zahlrei-
       cher Probleme konnten in den sich anschließenden langwierigen ju-
       ristischen Auseinandersetzungen  Teilerfolge erzielt  werden. Der
       mit Streiks, Demonstrationen und einem Hungerstreik 1975 geführte
       Kampf der  Belegschaft des  Mannesmann-Werkes Demag  in  Kalldorf
       konnte die Stillegung nicht verhindern.
       1976 nahm die Zahl der Aktionen, die sich gegen Pläne von Konzer-
       nen zur  Rationalisierung, Produktionsverlagerungen,  Teilstille-
       gungen richtete,  zu. Bedeutsam  ist hier  etwa  der  langwierige
       Kampf der  Belegschaft des  Siemens-Werkes in  Bruchsal gegen Ar-
       beitsplatzreduzierungen und  der erfolgreiche  Kampf  der  Beleg-
       schaft des  Flugzeug- und  Rüstungskonzerns VFW-Fokker in Speyer.
       Schon 1976,  in stärkerem  Maße aber dann 1977, entwickelten sich
       gegen die Auswirkungen der Arbeitsplatzvernichtung durch die Kon-
       zerne regionale Bewegungen, Demonstrationen und Kundgebungen, die
       verschiedene betroffene  Belegschaften zusammenfaßten. Oft werden
       von den Massenentlassungen oder Betriebsstillegungen ganze Regio-
       nen berührt, insbesondere monostrukturierte und wirtschaftsschwa-
       che Gebiete  wie z.  B. das Saarland. Die Betroffenheit geht dann
       weit über  den Kreis  der Belegschaft  und der Angehörigen hinaus
       und erfaßt  große Teile  des Mittelstandes,  die  von  der  Kauf-
       kraftentwicklung der arbeitenden Bevölkerung abhängig sind. Diese
       Betroffenheit setzt  sich in  manchen Fällen  in Bereitschaft zum
       gemeinsamen Kampf  mit den  Belegschaften um. In Bruchsal organi-
       sierte die  IG Metall  eine Serie  von Veranstaltungen in der ge-
       samten Region,  allein 17  in 13  Orten im September 1976. Es ge-
       lang, Vertreter  der Kirchen  in die  Bewegung  miteinzubeziehen.
       Auch im  Saarland konnten  einige katholische  Geistliche für die
       Bewegung gegen  die Arbeitsplatzvernichtung  der Stahlkonzerne in
       Neunkirchen und Burbach gewonnen werden.
       Die Aktionen der Belegschaft von VFW-Fokker gegen die Vernichtung
       von 1000  Arbeitsplätzen wurden 1976 in Speyer von einer Bürgeri-
       nitiative unterstützt,  der zwei  Pfarrer  vorstanden  und  deren
       Breite von  den Kirchen  über viele  lokale Vereinigungen bis zur
       DKP reichte.  Die Bürgerinitiative gab eine eigene Zeitung heraus
       und organisierte  zusammen mit der IG Metall wirkungsvolle Aktio-
       nen.
       Gegen geplante  Massenentlassungen durch die Stahlkonzerne an der
       Saar fanden  1977 mehrere große Demonstrationen statt; am 1. März
       mit 5000, am 9. März mit 10000, am 26. Oktober mit 1000 und am 2.
       Dezember mit  5000 Teilnehmern. 50) Am 26. Januar 1977 führte die
       IG Metall in Hamburg eine Kundgebung mit 15 000 Teilnehmern unter
       folgenden Losungen  durch: "Für das Recht auf Arbeit, für die pa-
       ritätische Mitbestimmung,  gegen das  ungebrochene Entscheidungs-
       recht der  Konzerne über  das Schicksal  unserer Kollegen. .." In
       Bremen wurden  in einer  Kundgebung am  25. August 1977, ander 15
       000 Menschen teilnahmen, betriebliche Bewegungen auf den Werften,
       der Klöckner-Hütte  und  der  VFW-Werke  zur  Erhaltung  von  Ar-
       beitsplätzen zusammengefaßt. 51)
       Gemessen an  der Zahl  der Massenentlassungen und Betriebsstille-
       gungen ist  die Gesamtzahl  der Abwehraktionen  sicherlich  nicht
       groß. Bei  sehr vielen  Bewegungen fällt  die Langwierigkeit  der
       Auseinandersetzungen auf,  die in der Regel darauf zurückzuführen
       ist, daß  die Konzerne schrittweise ihre Pläne verwirklichen wol-
       len und bei Widerstand der Belegschaften immer wieder neue Versu-
       che unternehmen.  Gelingt es in solchen Fällen den Gewerkschaften
       nicht, ein  langfristiges Abwehrkonzept zu entwickeln und die So-
       lidarität der Belegschaften aller Werke eines Konzerns zu gewähr-
       leisten, endet  der Kampf  wie bei  Demag/Kalletal 1975 mit einem
       Mißerfolg. Eine  beispielhafte Solidarität  entwickelte sich zwi-
       schen der VFW-Fokker-Belegschaft in Speyer und den norddeutschen,
       vor allem den Bremer Belegschaften.
       In vielen  Fällen existieren  keine  Vorstellungen,  mit  welchen
       Kampfformen man der Vernichtung von Arbeitsplätzen begegnen kann.
       Oft reduziert sich die Reaktion auf öffentliche Proteste. Streiks
       werden angesichts  bevorstehender Betriebsschließungen  nicht für
       ein wirkungsvolles  Mittel gehalten,  obwohl sie  in den  letzten
       Jahren zugenommen  haben. Eine  längere Betriebsbesetzung, die in
       Frankreich und Italien zur allgemein akzeptierten und angewandten
       Kampfform gehört,  wurde bislang  nur bei Seibel in Erwirre ange-
       wandt. Häufig  werden verschiedene  Aktionsformen kombiniert. Bei
       VFW-Fokker in  Speyer wechselten  u. a.  folgende Formen einander
       ab: Demonstrationen  und Kundgebungen, Warnstreiks, Straßenaktio-
       nen, Ortsteilversammlungen, ein großes Fest vor den Werkstoren am
       1. Mai.  Zudem wurde der Betrieb 1976 ständig bewacht, um gegebe-
       nenfalls einen  Abtransport  von  Maschinen  zu  verhindern.  Die
       Frauen der Beschäftigten waren bereit, in einem solchen Falle den
       Betrieb zu besetzen.
       Auch bei Siemens in Bruchsal wurde über eine mögliche Betriebsbe-
       setzung diskutiert.  Die 170  Beschäftigten der  Hamburger  Firma
       Mittelhäuser und  Walter besetzten am 18. Februar 1977 nach einem
       Zusammenbruch des  Unternehmens für  mehrere Tage den Betrieb, um
       ihre Lohnansprüche durchzusetzen.
       Zumeist richtet  sich die  Aktivität der Betriebsräte ausschließ-
       lich auf  die Ausarbeitung  von Sozialplänen. Jedoch haben Forde-
       rungen nach  prinzipieller Verhinderung  von Entlassungen und die
       Entwicklung von Alternativvorstellungen zugenommen. Generell läßt
       sich feststellen,  daß neben  defensiven Momenten häufiger offen-
       sive Ziele und Losungen treten. Es wird häufig nicht mehr nur die
       sozialrechtliche Absicherung bei Arbeitsplatzverlust, sondern die
       Durchsetzung des  Rechts  auf  Arbeit  überhaupt  gefordert.  Der
       Betriebsrat von  VFW-Fokker in  Speyer forderte zur langfristigen
       Sicherung der  Arbeitsplätze auch  die Umstellung  des Werkes auf
       Friedensproduktion. Die  Praxis zeigt,  daß im Zuge der Auseinan-
       dersetzungen die  Einsicht in  den menschenfeindlichen  Charakter
       des monopolkapitalistischen  Systems wächst.  Das kapitalistische
       Wirtschaftssystem, die  "freie Marktwirrschaft", wird häufiger in
       den letzten  Jahren in Frage gestellt. Dies hat nicht nur politi-
       sche Bedeutung,  sondern auch  unmittelbar praktische. Die Infra-
       gestellung der  Unternehmerargumentation vom  "Wohl des Unterneh-
       mens", der  Logik des  Kapitals beseitigt  ideologische Barrieren
       für einen aktiven Abwehrkampf.
       Aktionen fanden  in der  Regel dort  statt, wo  die Belegschaften
       relativ hoch  organisiert waren  und oft auch schon über Kampfer-
       fahrung verfügten.  Die betrieblichen und regionalen Abwehrkämpfe
       wurden zumeist  von den  Ortsverwaltungen und  Bezirksgremien der
       Gewerkschaften unterstützt.  Gerade das Beispiel Speyer (VFW-Fok-
       ker), wo die IG Metall ein eigenes "Komitee zur Sicherung der Ar-
       beitsplätze" bildete und ab März 1976 mehrere Wochen täglich eine
       Zeitung herausgab,  zeigt, wie wirkungsvoll die Kraft der gewerk-
       schaftlichen Organisation  eingesetzt werden  kann. Dennoch fehlt
       eine größere  Zahl solcher  Beispiele notwendiger  und effektiver
       Koordinierung und  Unterstützung der  einzelnen betrieblichen Ak-
       tionen, insbesondere durch die Vorstände der Gewerkschaften. Auch
       stellt sich  die Frage  nach der  Ausnutzung von  Positionen  der
       Montanmitbestimmung, beispielsweise  zur Abwehr der Massenentlas-
       sungen in  der Stahlindustrie im Saarland. Obwohl von den Gewerk-
       schaften inzwischen beschäftigungspolitische Programme entwickelt
       wurden, fehlt  die Verbindung dieser Alternativpositionen mit den
       konkreten betrieblichen Bewegungen die Entwicklung einer einheit-
       lichen Abwehrstrategie.
       
       V. Eine neue Etappe sozialpolitischer
       -------------------------------------
       Auseinandersetzungen 52)
       ------------------------
       
       Die Bundesrepublik war während der Krisenjahre 1975 bis 1977 kei-
       neswegs eine  "Insel des sozialen Friedens", auch wenn die Inten-
       sität der Arbeitskämpfe gegenüber der Periode 1969 bis 1974 stark
       zurückgegangen war. Obwohl schon der Streik in der Druckindustrie
       1976 Veränderungen des "sozialen Klimas" und der Gewerkschaftspo-
       litik signalisierte,  waren die  Frühjahrskämpfe  1978  der  ein-
       schneidende Wendepunkt.
       Die ökonomische  Ausgangssituation -  Ausbleiben eines merklichen
       Konjunkturaufschwungs, anhaltende  Massenarbeitslosigkeit - hatte
       sich nicht  verändert. Neue Momente sind jedoch in zweierlei Hin-
       sicht feststellbar:
       Die schon  anfangs skizzierte  Politik des  Monopolkapitals  ver-
       folgte in  den Tarifauseinandersetzungen  1978 das  Ziel, den Ge-
       werkschaften einen  empfindlichen Schlag  zu versetzen, eine Neu-
       ordnung des sozialökonomischen Kräfteverhältnisses durchzusetzen.
       Dabei wurden  auch zumindest  vorübergehend die "Spielregeln" der
       Sozialpartnerschaft bewußt  verletzt. Ein  solcher Kurs  traf die
       Gewerkschaften insgesamt, einschließlich der Kräfte die eher eine
       sozialpartnerschaftliche Politik  befürworten. Vor diesem Hinter-
       grund ist auch der Boykott der Konzertierten Aktion durch den DGB
       als Reaktion  auf die  Verfassungsklage der Unternehmer gegen das
       "Mitbestimmungsgesetz" zu  erklären. Während  eine Ablehnung  der
       Konzertierten Aktion  bislang nur  in der  Gewerkschaft Holz  und
       Kunststoff und  der IG  Druck und  Papier eine  Mehrheit gefunden
       hatte, plädierten in dieser Situation einmütig der Gewerkschafts-
       tag der IG Metall im September 1977 und der Bundeskongreß des DGB
       im Mai 1978 für einen Boykott dieses Gremiums.
       Die provokatorische  Haltung der  Unternehmer zwang  die  Gewerk-
       schaften in  stärkerem Maße  als in  den letzten Jahren, sich zur
       Verteidigung der Interessen ihrer Mitglieder auf ihre Stärke, die
       Aktionsfähigkeit ihrer  Mitgliederbasis  zurückzubesinnen.  Diese
       Tendenz kam  auch auf  den Gewerkschaftstagen  im Herbst 1977 zum
       Ausdruck. Symptomatisch  und in mancher Hinsicht am bemerkenswer-
       testen ist  für diese  Konstellation die  Reaktion  der  IG  Bau,
       Steine und  Erden in  den Tarifrunden  1977 und 1978, in denen es
       erstmals seit  vielen Jahren zu umfangreichen Streiks kam. Die IG
       Bau, Steine, Erden war in der Vergangenheit eine besonders aktive
       Vertreterin sozialpartnerschaftlicher  Konzeptionen im  DGB.  Auf
       der Funktionärstagung  dieser Gewerkschaft  im September 1977 war
       sichtbar geworden,  daß Strömungen an Boden gewinnen, die stärker
       auf die Mobilisierungsfähigkeit der Basis setzen.
       Zum anderen:  Die offizielle  wirtschaftspolitische Ideologie und
       Integrationspolitik hat  offensichtlich erheblich  an Wirksamkeit
       eingebüßt. Die  seit Bestehen der Massenarbeitslosigkeit meistge-
       brauchte Formel der Kapitalvertreter und der Regierung "Profite =
       Investitionen =  Arbeitsplätze" geriet  in Widerspruch zur realen
       Erfahrung großer  Teile der  Arbeiterklasse. Waren  zu Beginn der
       Krise vorwiegend  Ausländer, Frauen  und andere  "Problemgruppen"
       der Arbeiterklasse  betroffen, so wurden nunmehr auch Kerngruppen
       der Arbeiterklasse,  die qualifizierten Industriearbeiter, in Ar-
       beitsplatz,  beruflicher  Qualifikation  und  Einkommen  bedroht.
       Diese Gruppen  verfügten über  mehr Kampferfahrung,  waren besser
       organisiert und  leichter zu  mobilisieren. Sie gehören, wie etwa
       die Schriftsetzer  in der  IG Druck  und Papier, zum Kern der ge-
       werkschaftlichen Organisation.
       Auch aufgrund  der in den Jahren der wirtschaftlichen Prosperität
       gewachsenen Ansprüche  reagierten viele Arbeiter besonders erbit-
       tert auf  die Angriffe  auf den erreichten sozialen Status. Diese
       Bedrohung schlägt  allerdings nicht  automatisch in  Kampfbereit-
       schaft um. Nur wo die Gewerkschaften diese Probleme offensiv auf-
       griffen, wo die wirklichen Zusammenhänge interpretiert und Alter-
       nativpositionen erläutert  wurden, waren diese "Handlungsimpulse"
       in Aktionen  umzusetzen. 53) Dann wirkte die Bedrohung des sozia-
       len Standards und der Arbeitsplätze nicht mehr als Streikhemmnis,
       sondern als  ein aktionsförderndes Moment. Dies zeigte sich schon
       im Lohnstreik 1976 in der Druckindustrie, als die Kampfmotivation
       der Beschäftigten  mehr als die konkrete materielle Forderung um-
       faßte. Triebkraft war ebenfalls der zunehmende Unmut über die so-
       ziale Unsicherheit  in der  krisengeprägten  Druckindustrie,  die
       Willkür und den wachsenden Arbeitsdruck durch die Unternehmer.
       Die anfangs  skizzierten Zusammenhänge  zeigen, daß die Arbeiter-
       klasse nicht  aus einer  offensiven Position  in die diesjährigen
       Tarifkämpfe gegangen ist. Ausschlaggebendes Moment war auch nicht
       der aktuelle und sich eigenständig entwickelnde Druck aus den Be-
       trieben, der der Unternehmeroffensive begegnete, sondern eine Mo-
       bilisierung der  Arbeiterschaft durch die gewerkschaftliche Orga-
       nisation und  ihre Führungen.  Größere spontane  Streikbewegungen
       wie die Septemberstreiks 1969 oder die Streiks im Sommer 1973 wa-
       ren in  den letzten  Jahren  unter  den  Krisenbedingungen  nicht
       sichtbar. Unter  erschwerten Kampfbedingungen  erhält der subjek-
       tive Faktor, insbesondere die Politik der Gewerkschaften, erhöhte
       Bedeutung. Die  sich während  der Streiks  entwickelnde Kraft der
       aktiven Mitgliedschaft war in der Lage, die eigene Gewerkschafts-
       führung an einigen Punkten weiterzutreiben (so nach 5 Streiktagen
       in der  zweiten Urabstimmung  in den  Seehäfen) oder vorschnelle,
       unzureichende Kompromisse  zu verhindern  (so Ende Januar 1978 in
       der Druckindustrie).
       Die Realität  und die  Erfordernisse des Arbeitskampfes entziehen
       einer Sozialpartnerschaftspolitik  in den  Gewerkschaften den Bo-
       den. Mit  "Sozialpartner"-Floskeln ist  die Mitgliederbasis nicht
       zu mobilisieren, sie werden zudem - wie in den Frühjahrskämpfen -
       von den  Unternehmern praktisch  widerlegt. Diese Bedingungen er-
       weitern die Möglichkeiten einer konsequenten, an der Realität des
       Klassenkampfes orientierten Gewerkschaftspolitik. Die Erfahrungen
       bestätigen auch,  daß ungeachtet  aller Differenzierungen die Ge-
       werkschaften als  die Interessenorganisationen der Arbeiterklasse
       anzusehen sind,  und nicht, wie von "undogmatischer Seite" neuer-
       dings nahegelegt,  als "bürokratisch verfaßte, intermediäre Orga-
       nisationen zwischen Kapital und Arbeit". 54)
       
       Defensive und offensive Momente
       -------------------------------
       
       Die Ergebnisse  der Tarifrunden  der letzten  Jahre  zeigen,  daß
       lohnpolitische Vorstöße  wie in  den Streikkämpfen  zu Beginn der
       siebziger Jahre nicht erreicht wurden. Trotz des Widerstandes der
       Arbeiterklasse ist vielfach noch nicht einmal oder nur knapp eine
       Sicherung der  Realeinkommen durchgesetzt worden. Die anfangs er-
       wähnte zunehmende  Härte der  Auseinandersetzung zwischen Kapital
       und Arbeit  wird auch darin sichtbar, daß die Streikkämpfe länger
       geworden sind  und die Unternehmer immer häufiger mit Aussperrun-
       gen - 1976 und 1978 in der Druckindustrie sogar bundesweit - rea-
       gierten.
       Hauptinhalt der  gewerkschaftlichen Forderungen in den zurücklie-
       genden Kämpfen war die Sicherung des Erreichten, des sozialen Be-
       sitzstandes und  der Arbeitsplätze.  Aus der Verteidigung des Er-
       reichten ist ein Umschlag zu offensiven Forderungen nach Erweite-
       rung demokratischer  und sozialer  Rechte  möglich,  insbesondere
       dann, wenn  die Streikkämpfe  wie im  Frühjahr 1978 an Breite und
       Intensität gewinnen.  Die  Ergebnisse  des  Tarifkampfes  in  der
       Druckindustrie etwa  gehen über  die sozialen  Rechte hinaus, wie
       sie bisher  in Tarifverträgen  und  im  Betriebsverfassungsgesetz
       festgelegt sind.  Damit wurde der Handlungsspielraum des Kapitals
       eingeschränkt.
       Auf einige  der in  den Frühjahrskämpfen 1978 sichtbar gewordenen
       neuen Momente  gewerkschaftlicher Politik  soll im folgenden aus-
       führlicher eingegangen werden. Die gesellschaftspolitische Dimen-
       sion dieser  Auseinandersetzung wurde auf beiden Seiten der Front
       gesehen, da die gewerkschaftlichen Forderungen nach Erhaltung von
       Arbeitsplätzen, Qualifikationen  und Einkommen  grundsätzlich der
       kapitalistischen  Logik  bei  Rationalisierungen  und  Einführung
       neuer Technologien  widersprechen. Die  rasante  Entwicklung  der
       neuen Technik,  die vom  Kapital als "Kriegsmittel" gegen die Ar-
       beiterklasse nicht nur in der Druckindustrie, sondern in absehba-
       rer Zeit  auch in  anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt werden
       wird, hat  die konkret  erfahrbaren Widersprüche zwischen Kapital
       und Arbeit  verschärft, die  Grenzen des  kapitalistischen  Wirt-
       schaftssystems sichtbar  gemacht und  damit den "über dem techni-
       schen Fortschritt liegende(n) Schleier gesellschaftlicher Neutra-
       lität aufgerissen". 55)
       Während in  den sechziger Jahren die Folgen der wissenschaftlich-
       technischen Veränderungen zeitweilig durch eine schnell wachsende
       Akkumulation des  Kapitals ausgeglichen werden konnten, existier-
       ten diese  Voraussetzungen in  den siebziger  Jahren nicht  mehr.
       Dies hat  in der gewerkschaftlichen Diskussion die Erkenntnis ge-
       fördert, "daß  der technische Fortschritt keineswegs widerstands-
       los hinzunehmenden  Sachzwängen, sondern  gesellschaftlichen,  in
       Klasseninteressen sich  ausdrückenden Gesetzmäßigkeiten unterwor-
       fen ist".  56) Diesen Umdenkungsprozeß drückt der Vorsitzende der
       IG Druck  und Papier,  Leonhard Mahlein,  selbstkritisch so  aus:
       "Sind wir  nicht selbst  zu euphorisch  diesem technischen  Fort-
       schritt nachgejagt;  obwohl man  wissen mußte,  daß sich dahinter
       recht handfeste  wirtschaftliche und ausschließlich kapitalorien-
       tierte Interessen verbergen? ... Die gewerkschaftliche Haltung zu
       Rationalisierung und  Technisierung ist  vor dem  Hintergrund der
       akuten Beschäftigungsprobleme und der diese verschärfenden Folge-
       wirkungen neu zu überdenken." 57)
       Während die  von den  Gewerkschaften  Ende  der  sechziger  Jahre
       durchgesetzten Rationalisierungsschutzabkommen  sich im wesentli-
       chen darauf  beschränkten, einen  finanziellen Ausgleich  für den
       Verlust des  Arbeitsplatzes zu  gewähren, d.h. also lediglich die
       Folgen zu  regeln, wird  nunmehr eine Einflußnahme auf den Prozeß
       der technischen  Rationalisierung selbst  angestrebt. An der Ent-
       wicklung dieser  neuen tarifpolitischen  Zielsetzung, deren  Kern
       sich folgendermaßen zusammenfassen läßt, hat die IG Druck und Pa-
       pier einen maßgeblichen Anteil: "Es geht uns nicht um einen Stop,
       sondern um eine sozialadäquate Kontrolle und Steuerung, erforder-
       lichenfalls um  eine zeitliche  Streckung des  Rationalisierungs-
       und Technisierungsprozesses...  Die Gewerkschaften müssen auf dem
       Wege der  tarifvertraglichen Garantien - unter Ausschöpfung aller
       Rechte der Betriebs- und Unternehmensverfassung - darauf drängen,
       den Rationalisierungs-  und Technisierungsprozeß  in Betrieb, Un-
       ternehmen und  Branche an  die Einhaltung bestimmter inhaltlicher
       und verfahrensmäßiger  Kriterien zu binden. Rationalisierungsmaß-
       nahmen dürfen  erst dann  eingeleitet werden,  wenn die  sozialen
       Folgen für  die Arbeitnehmer  abzusehen und  befriedigend  gelöst
       sind." 58)
       Nun konnten  diese Zielsetzungen  noch keineswegs in den im Früh-
       jahr 1978  erkämpften Tarifverträgen  durchgesetzt werden. Aller-
       dings bedeutet  trotz seines Kompromißcharakters der Tarifvertrag
       zur "Neuen Technik" in der Druckindustrie einen wichtigen Schritt
       in dieser  Richtung und  geht über  die Sozialplanregelungen  der
       bisherigen Rationalisierungsschutzabkommen  hinaus.  Er  bedeutet
       ein Stück  Kontrolle über  die Besetzung  der Arbeitsplätze, über
       die Arbeits-  und Entlohnungsbedingungen.  Hierin liegt  auch die
       "Qualität" dieser  über die  "klassische" Tarifpolitik hinausrei-
       chenden Inhalte. Lohnforderungen treffen immer auf den Widerstand
       des Kapitals,  da sie  seine Profite  einschränken. Der Lohnkampf
       ist nach  kapitalistischer Logik  jedoch nicht  illegitim, er ist
       die   Voraussetzung   zur   Durchsetzung   des   kapitalistischen
       Lohngesetzes. Kämpfe  um die  Besetzung  von  Arbeitsplätzen,  um
       Arbeitsbedingungen, d.h. um die Art und Weise der Nutzung der vom
       Unternehmer  gekauften   Wate  Arbeitskraft,   greifen  in  seine
       Verfügungsgewalt ein,  sind  nach  kapitalistischer  Logik  nicht
       legitim.  Daher  erklärt  sich  auch  der  harte  Widerstand  der
       Unternehmer gegen  jede inhaltliche  Ausweitung der Tarifpolitik.
       "Nach wie  vor ist  es für  die Unternehmer  eine  Grundsatzfrage
       ersten  Ranges,  ihre  Verfügungsgewalt  über  Arbeitsplätze  und
       Arbeitsbedingungen  soweit  wie  möglich  von  tarifvertraglicher
       Regelung  freizuhalten,   mindestens  aber   soviel  wie  möglich
       übertariflichen Spielraum  zu behalten." 59) Es sollte auch nicht
       übersehen werden,  daß die  Durchsetzung solcher Forderungen, die
       die unternehmerische  Autonomie in  Frage stellen,  neue wichtige
       Ansatzpunkte für  eine Vermittlung mit dem Kampf um demokratische
       Kontrolle  und   Mitbestimmung  auf   allen  Ebenen  bietet.  Der
       gewerkschaftlichen Forderung  nach Mitbestimmung  können so  neue
       Impulse und eine konkrete, nicht-sozialpartnerschaftliche Bestim-
       mung gegeben  werden, durch  die die  Mobilisierungsmöglichkeiten
       erhöht werden. 60)
       Forderungen nach Kontrolle des technischen Fortschritts durch die
       Arbeiterklasse, nach  menschenwürdiger Gestaltung  der Arbeitsbe-
       dingungen, nach Sicherung einer sinnvollen, qualifizierten Tätig-
       keit berühren  die Frage nach der gesellschaftlichen Stellung der
       Arbeiterklasse. Sie  gehen in  ihrer Wirkung über die ökonomische
       Sphäre hinaus  und bieten  neue Ansatzpunkte  zur Entwicklung von
       Klassenbewußtsein.
       Die durch  die  Rationalisierung  ausgelösten  sozialen  Probleme
       treffen die einzelnen Beschäftigtengruppen zumeist in sehr unter-
       schiedlicher Weise.  Daraus können  sich, wie die Erfahrungen der
       IG Druck und Papier zeigen, auch Konkurrenzsituationen und Entso-
       lidarisierungsprozesse ergeben.  Für die  Gewerkschaften  besteht
       daher im  Gegensatz zu  den meist unter einheitlichen Forderungen
       verlaufenden Lohnbewegungen die Aufgabe, die jeweils spezifischen
       Forderungen mit  den Fragen, die die allgemeine Betroffenheit der
       Arbeiter und  Angestellten sichtbar  machen, zu  vermitteln. Dies
       ist in  der Druckindustrie  zumindest in  der letzten Phase unter
       der Losung "Es geht um unsere Arbeitsplätze" und in der Metallin-
       dustrie "Sicherung  des  sozialen  Besitzstandes"  gelungen.  Die
       Durchsetzung der  tariflichen  Forderungen  für  den  Satzbereich
       wurde weit  über die IG Druck und Papier hinaus als exemplarische
       Auseinandersetzung begriffen,  die richtungsweisend  für die  ge-
       samte Gewerkschaftsbewegung  ist. Daß  dies sich in einer breiten
       Solidarität niederschlug, kennzeichnet auch das politische Niveau
       dieser Arbeitskämpfe.
       Die Dialektik  von defensiven und offensiven Momenten wird insbe-
       sondere auch  im breiten Widerstand der Gewerkschaftsbewegung ge-
       gen die  Aussperrungen deutlich.  Die Aussperrungen in der Druck-
       und Metallindustrie, mit denen die Gewerkschaften finanziell aus-
       geblutet und  in die  Knie gezwungen werden sollten, entwickelten
       sich für  die Unternehmer zu einem Bumerang. Es entstand die bis-
       lang stärkste  Bewegung gegen dieses Kampfmittel der Unternehmer,
       bei der die Betroffenen neue Einsichten und auch neue Kampfformen
       entwickelten. Es kam zu ersten, gegen die Aussperrung gerichteten
       Betriebsbesetzungen . Der Umschlag in offensive Elemente kam auch
       in der  vielerorts gezeigten Parole "Wer aussperrt, gehört einge-
       sperrt!" zum  Ausdruck. Entgegen  dem unternehmerischen Ziel, die
       streikenden Gewerkschaften zu isolieren, entwickelte sich während
       der Aussperrung  eine neue  Qualität an  Solidarität im DGB, aber
       auch in  Teilen der  Öffentlichkeit. Zugleich entstand dabei eine
       Bewegung gegen die Aussperrung und für die Erhaltung der demokra-
       tischen Rechte  der Gewerkschaften,  die zahlreiche Vermittlungs-
       glieder zur  demokratischen Bewegung  gegen die Einschränkung der
       Grundrechte, insbesondere  durch die  Berufsverbote, besitzt  und
       dieser wichtige  Impulse geben kann. Der Kampf gegen die Aussper-
       rung gewinnt  in der  Gewerkschaftsbewegung eine wichtige verein-
       heitlichende politische Funktion.
       Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die Forderung nach Verwirk-
       lichung des  Rechts auf  Arbeit. Die positive Resonanz von Forde-
       rungen nach  Erhaltung von  Arbeitsplätzen in  der Öffentlichkeit
       erwies sich  im Arbeitskampf  1978 in  der Druckindustrie,  der -
       auch aufgrund  verbesserter Öffentlichkeitsarbeit - eine breitere
       Sympathie und  Solidarisierung auslöste  als der  Lohnkampf 1976.
       Eine vom  11.  o.  DGB-Bundeskongreß  im  Mai  1978  beschlossene
       "Aktion Stop Arbeitslosigkeit" unter der Forderung nach dem Recht
       auf Arbeit  könnte bei  Vermittlung mit den praktischen Auseinan-
       dersetzungen eine  Vereinheitlichung der  zahlreichen  betriebli-
       chen, regionalen  und Branchenkämpfe  erreichen und  damit  große
       politische Brisanz und Durchschlagskraft entwickeln.
       
       _____
       1) Vgl. zum  Zusammenhang von Kapitalakkumulation, Kampfbedingun-
       gen und  Lohnentwicklung H. Schäfer, Lohn - Zu einigen Fragen der
       marxistischen Lohntheorie  und  Lohnpolitik,  Frankfurt  am  Main
       1973, S. 47 ff.
       2) Zum Charakter  und Verlauf  der Krise  vgl.  J.  Huffschmid/H.
       Schui (Hrsg.),  Wirtschaft im  Konkurs? Handbuch zur Wirtschafts-
       krise 1973-1976  in der  BRD, Köln  1976,  und  Autorenkollektiv,
       Wirtschaftskrise und  Wirtschaftspolitik, Beiträge  des  IMSF  4,
       Frankfurt am Main 1976.
       3) J. Goldberg/B.  Güther/H. Jung, Arbeitslosigkeit, Frankfurt am
       Main 1977, S. 23 ff.
       4) Vgl. zur  Bewußtseinsentwicklung den Beitrag von J. H. v. Hei-
       seler in diesem Band.
       5) BDA (Hrsg.), Jahresbericht 1975, Köln 1975, S. 35.
       6) H. Jung,  Thesen zu den Auswirkungen der Krise 1974/75 auf die
       westdeutsche  Arbeiterklasse,   in:  F.   Deppe   u.a.   (Hrsg.),
       Abendroth-Forum, Marburg 1977, S. 67/68.
       7) Vgl. G.  Fülberth, Thesen  zur westeuropäischen Sonderstellung
       der westdeutschen  Arbeiterbewegung in  der Krise  1973 ff.,  in:
       ebenda, S.  52 ff. Dieser Zusammenhang von ökonomischem und poli-
       tischem Kampf in der Krise wird von E. Schmidt, W. Müller-Jentsch
       u. a. systematisch ausgeblendet und statt dessen einer nichts er-
       klärenden These  vom "Versagen der Gewerkschaften" in der Bundes-
       republik das  Wort geredet. Vgl. diess. in: ebenda, S. 40 ff., S.
       62 ff., S. 121/22, S. 138/39.
       8) Vgl. G. Fülberth, a.a.O.
       9) Ebenda, S. 53.
       10) F. Deppe  u.a., Geschichte  der deutschen  Gewerkschaftsbewe-
       gung, Köln  1977, S. 427. Eine ausführliche Kritik der Krisenver-
       arbeitung in  den Gewerkschaften  findet sich bei F. Deppe, Inte-
       gration und  Autonomie, in:  Blätter für deutsche und internatio-
       nale Politik,  Nr. 1  und 2/1977,  S. 37  ff. und  150 ff. und W.
       Krüer-Buchholz, Gewerkschaften  in der  Defensive, in:  J.  Huff-
       schmid/H. Schui (Hrsg.), a.a.O., S. 419 ff.
       11) H.O. Vetter,  Gewerkschaftspolitik in  schwieriger Zeit,  in:
       Gewerkschaftliche Monatshefte 4/1975, S. 207.
       12) Vgl. K.  Steinhaus, Streiks  in der Bundesrepublik 1960-1974,
       Frankfurt am Main 1975, S. 43 ff.
       13) Nach §  17, Abs.  l des  Arbeitsförderungsgesetzes. Vgl.  zur
       Kritik der offiziellen Streikstatistik R. Kalbitz, Die Streiksta-
       tistik in  der Bundesrepublik,  in: Gewerkschaftliche Monatshefte
       8/1972, S. 495 ff.
       14) Vgl. Kämpfe  gegen die  Abwälzung der  Krisenlasten (Aktions-
       tabelle), in: Marxistische Blätter 1/1976, S. 111 ff.
       15) 400 000 Warnstreikteilnehmer  in der  Metallindustrie  Anfang
       1976, vgl.  Metall Nr.  5 v.  9.3.1976 und  Nr. 6  v.  23.3.1976;
       20 000 Warnstreikteilnehmer in der Stahlindustrie im Herbst, vgl.
       K. Pickshaus u.a., Tarifbewegungen und Arbeitskämpfe 1976/77, So-
       ziale Bewegungen  - Analyse  und Dokumentation  des IMSF,  Frank-
       furt/Main 1977, S. 16 ff.
       16) G. Hautsch  u.a., Arbeitskämpfe  1977, Soziale  Bewegungen  -
       Analyse und Dokumentation des IMSF, Frankfurt/Main 1978, 1. Kapi-
       tel und Aktionstabellen.
       17) Vgl. hierzu ausführlich Abschnitt IV dieser Ausführungen.
       18) Zu diesem  Abschnitt vgl.  K. Pickshaus,  Die Entwicklung der
       sozialen Auseinandersetzung  in der Bundesrepublik seit der Wirt-
       schaftskrise 1974/75, in: Blätter für deutsche und internationale
       Politik 4/1978, S. 475 ff.
       19) Vgl. G. Weiß, Die ÖTV, Marburg 1978, S. 195 ff.
       20) F. Deppe  u. a.,  Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewe-
       gung, a. a. O., S. 428.
       21) Vgl. zum  Folgenden B.  Güther/K. Pickshaus, Der Arbeitskampf
       in der Druckindustrie im Frühjahr 1976, Soziale Bewegungen - Ana-
       lyse und  Dokumentation des IMSF, Frankfurt am Main 1976, und die
       offizielle Analyse  der Gewerkschaft IG Druck und Papier - Haupt-
       vorstand, Analyse  des Arbeitskampfes 1976 in der Druckindustrie,
       Stuttgart 1977.
       22) Angaben in der Analyse der IG Druck, ebenda.
       23) R. Erd, Der Arbeitskampf in der Druckindustrie 1976 - ein po-
       litischer Streik,  in: Leviathan 4/1976, S. 520. Erd macht darauf
       aufmerksam, daß  dieser Arbeitskampf  eine  der  Grundthesen  von
       Bergmann/Jacobi/Müller-Jentsch, Gewerkschaften in der Bundesrepu-
       blik, Frankfurt/Köln  1975, S.  260 ff.,  widerlegt, nach der dem
       ökonomischen Streik  eine integrierende, "kooperative" Tarifpoli-
       tik stabilisierende Funktion zugeschrieben wird. Erd, der mit den
       kritisierten Autoren  zu derselben  Projektgruppe "Gewerkschafts-
       forschung" am  Frankfurter Institut  für Sozialforschung  gehört,
       hält dem  gegenüber, "daß  der Streik  in der  Druckindustrie ein
       Mittel zur  Destruktion kooperativer Tarifpolitik und staatlicher
       Einkommenspolitik war".  S. 519.  Die Streikdiskussion müsse nach
       diesen Erfahrungen  neu  geführt  werden.  Vgl.  zur  Kritik  von
       Bergmann/Jacobi/Müller-Jentsch: Nachrichten  zur Wirtschafts- und
       Sozialpolitik 1/1977, S. 18/19.
       24) Zur konkreten  Argumentation der  IG Druck  und  Papier  vgl.
       Güther/Pickshaus, a.a.O.,  S. 10  ff., und  IG Druck und Papier -
       Hauptvorstand, a.a.O., S. 23 ff.
       25) Der Vorwärts, 20.5.1976, S. 1.
       26) Express Nr. 10/1977, S. 1.
       27) Frankfurter Rundschau, 23.2.1977.
       28) Vgl. hierzu  den Beitrag von W. Schwarz, in: G. Hautsch u.a.,
       Arbeitskämpfe 1977, a.a.O.
       29) Eine  ausführliche   Analyse  in   ebenda.  Vgl.   auch   Al-
       berts/Herzog/Unger/Wilmersdorf, Zeitungsstreik, Hamburg 1978.
       30) Zum Hintergrund  des Hafenarbeiterstreiks vgl. die Ergebnisse
       einer Bremer Forschungsgruppe: Universität-Arbeiterkammer Bremen,
       kooperation Nr. 19/20/21 - 1977: Hafenarbeit in Bremen. Eine aus-
       führliche Analyse  dieses Arbeitskampfes wie auch der nachfolgen-
       den in Druck- und Metallindustrie findet sich bei K. Pickshaus/W.
       Roßmann, Streik und Aussperrung 1978, Soziale Bewegungen. Analyse
       und Dokumentation des IMSF, Frankfurt/M. 1978.
       31) IG Metall  Bezirksleitung Stuttgart, Tarifvertrag zur Besitz-
       standssicherungjanuar 1978.  Vgl. auch  E. Loderer,  in:  Gewerk-
       schaftliche Monatshefte 5/1978, S. 257 ff.
       32) Handelsblatt, 19.12.1977.
       33) Zu den  Problemen der  neuen Technik,  vgl. als Überblick: L.
       Peter, Neue  Technik und die Folgen ihrer kapitalistischen Anwen-
       dung, in: Marxistische Blätter 2/1978, S. 21 ff.
       34) Wortlaut dieses  Tarifvertragsentwurfes in:  Druck und Papier
       Nr. 12/4.  Juli 1977,5.  10/11. Zu den Einzelheiten der Tarifver-
       handlungen vgl.  die lfd. Ausgaben des Zentralorgans der IG Druck
       und Papier.
       35) Vgl. hierzu  Druck und Papier Nr. 4/1978, S. 9/10. Zu dem in-
       nergewerkschaftlichen Konflikt vgl. den Kommentar von Detlef Hen-
       sche, S. 3.
       36) Vgl. Abschnitt II.
       37) Dazu L.  Mahlein in: Gewerkschaftliche Monatshefte 5/1978, S.
       261 ff. und D. Hensche, Technische Revolution und Arbeitnehmerin-
       teresse, in:  Blätter für  deutsche  und  internationale  Politik
       4/1978, S. 413 ff.
       38) Informationen zur  Wirtschaftsentwicklung und Lage der Arbei-
       terklasse (Hrsg. IMSF), Nr. 2/1978, S. 7.
       39) L. Mahlein,  Gewerkschaftliche Tarifpolitik  1978, in:  Druck
       und Papier 4/1978, S. 4.
       40) Mit Problemen tarifpolitischer Grundsätze und gewerkschaftli-
       cher Taktik  beschäftigt sich  H. Schäfer, Probleme der Lohn- und
       Tarifpolitik im  Übergang zu  den achtziger Jahren, in: Das Argu-
       ment 109, S. 347 ff.
       41) Karl Marx,  Lohn, Preis  und Profit, in: MEW 16, Berlin 1968,
       S. 151 ff.
       42) Statistische Übersicht:  Streiks in  der BRD  1970, in:  IMSF
       (Hrsg.), Ökonomische  Theorie, politische  Strategie und  Gewerk-
       schaften, Frankfurt/Main 1971, S. 206-208.
       43) Arbeitskämpfe in der BRD 1977 - ein Überblick, in: G. Hautsch
       u.a., Arbeitskämpfe 1977, a.a.O. Hier auch das 1. Kapitel.
       44) Kämpfe gegen die Abwälzung der Krisenlasten (Aktionstabelle),
       a.a.O.
       45) Kämpfe zur Sicherung der Arbeitsplätze 1976/77, in: K. Picks-
       haus u.a., a.a.O.
       46) Vgl. Anmerkung 43.
       47) Vom IMSF  erschienen dazu folgende Arbeiten: H. Bär u.a., Be-
       triebsbesetzung - eine Kampfform zur Sicherung der Arbeitsplätze,
       Informationsbericht des  IMSF 21,  Frankfurt 1976; A. Lenhardt/G.
       Weiß, Stahlkrise  an der  Saar -  ein Kampf um Arbeitsplätze, So-
       ziale Bewegungen  - Analyse  und Dokumentation  des IMSF,  Frank-
       furt/Main 1978;  J. Huffschmid, Kämpfe gegen Arbeitsplatzvernich-
       tung in  Bremen 1977,  in: G.  Kautsch u.a.,  Arbeitskämpfe 1977,
       a.a.O.
       48) Vgl. P.  Katzer, Zur  Gewerkschaftsjugendbewegung -  Probleme
       und Entwicklungen seit Ende der sechziger Jahre, Soziale Bewegun-
       gen - Analyse und Dokumentation des IMSF, Frankfurt/Main 1977.
       49) Eine ausführliche  Analyse  einschließlich  der  juristischen
       Problematik und Dokumentation bei H. Bär u.a., Betriebsbesetzung,
       a.a.O.
       50) Vgl. A. Lenhardt/G. Weiß, Stahlkrise an der Saar, a.a.O.
       51) Vgl. G. Hautsch u.a., Arbeitskämpfe 1977, a.a.O.
       52) Vgl. zu  diesem Abschnitt  K. Pickshaus, Neue Aspekte gewerk-
       schaftlicher Kämpfe, in: Marxistische Blätter 3/1978, S. 27 ff.
       53) Vgl. H.  Kern, Betrieb als gewerkschaftliches Praxisfeld, in:
       Borsdorf u. a. (Hrsg.), Gewerkschaftliche Politik: Reform aus So-
       lidarität, Köln 1977, S. 342.
       54) So Walther  Müller-Jentsch, Die  Neue Linke  und die  Gewerk-
       schaften, in: Das Argument 107, S. 25.
       55) L. Peter, Neue Technik.... a.a.O., S. 27.
       56) Ebenda, S. 29.
       57) L. Mahlein,  Mündl. Rechenschaftsbericht  auf dem  11. o. Ge-
       werkschaftstag der IG Druck und Papier, Oktober 1977, S. 58.
       58) Ebenda, S.  59. Ausführlicher dazu: U. Zachert, Rationalisie-
       rung -  Stillegung -  Arbeitsplatzverlust: Möglichkeiten und Per-
       spektiven gewerkschaftlicher Gegenwehr, in: Gewerkschaftliche Mo-
       natshefte 5/77, S. 281 ff., und S. Balduin, Gewerkschaftliche Po-
       litik zur  Einflußnahme auf Arbeitsbedingungen und Beschäftigung,
       in: Gewerkschaftliche Monatshefte 6/1977, S. 345 ff.
       59) H. Mayr,  in: Werktage werden besser, Köln-Frankfurt 1977, S.
       8.
       60) E. Dähne/K.  Pickshaus/K. Priester,  Thesen  zum  politischen
       Stellenwert der "Humanisierungs"-Debatte für die Gewerkschaftspo-
       litik in  der Bundesrepublik,  in: Humanisierung  der Lohnarbeit?
       Argument-Sonderband 14, West-Berlin 1977, S. 166 ff.
       

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