Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 01/1978


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       DER AUFBAUPLAN DES "KAPITAL", DIE KONKURRENZFORMEN
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       UND DIE KRITIKER DER MONOPOLTHEORIE 1)
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       Winfried Schwarz
       
       I. Die  dialektische Lösung des Widerspruchs in der Werttheorie -
       II. Rosdolskys  Fehlinterpretation der  Marxschen Planänderung  -
       III. Konkurrenzform,  und Monopoltheorie  - IV.  Das "Kapital  im
       allgemeinen - als Einlösung der "allgemeinen Formel des Kapitals"
       - V.  Das -  "Kapital im  allgemeinen" unter  der Dominanz  eines
       neuen Strukturprinzips
       
       Die Vorarbeiten  von Karl Marx zum "Kapital" scheinen auf den er-
       sten Blick nur von theoriegeschichtlichem Interesse zu sein. Ins-
       besondere die  in den  letzten Jahren geführte Diskussion, ob das
       "Kapital im  allgemeinen", also jene Kategorie, auf deren Entfal-
       tung sich  die "Grundrisse" von 1857/58 ausdrücklich beschränken,
       in der  Folge um die Konkurrenz und andere Bestimmungen erweitert
       worden ist  oder nicht,  mag den Eindruck erweckt haben, als han-
       dele es  sich dabei  um eine reine Schrulle von anderweitig unbe-
       schäftigten "Marxologen".  Dennoch ist  die Klärung gerade dieser
       Frage von  aktueller methodologischer  Bedeutung,  nicht  zuletzt
       weil in  gegenwärtigen politisch-theoretischen Kontroversen , wie
       z.B. über  den Krisen- oder Monopolbegriff, sich immer wieder Po-
       sitionen finden, die sich durch eine entsprechende Interpretation
       der Struktur und des Aufbauplans des "Kapital" methodologisch ab-
       zusichern versuchen.  So wird  z. B. mit einem die Konkurrenz um-
       fassenden "Kapital  im allgemeinen"  gegen die Leninsche Imperia-
       lismustheorie argumentiert.  2) Indem  nämlich  die  freie,  eine
       gleich große  Durchschnittsprofitrate  erzeugende  Konkurrenz  im
       "Kapital" dargestellt  werde, das "Kapital" jedoch ausschließlich
       solche Bestimmungen,  und zwar  auf der gleichen logischen Ebene,
       enthalte, die  für die  gesamte Epoche des Kapitalismus allgemein
       gültig sind  (Kapital im  allgemeinen), sei  es falsch, innerhalb
       des Kapitalismus  eine bestimmte Entwicklungsetappe zu behaupten,
       die nicht von der freien Form der Konkurrenz, sondern von monopo-
       listisch dauerhaft  deformierter Konkurrenz  geprägt sei.  Soweit
       der zusammengefaßte Gedankengang der Kritiker der Monopoltheorie,
       mit dem  wir uns  im folgenden  auseinandersetzen  wollen.  Dabei
       werden wir  die Gelegenheit  nutzen, unsere eigene Auffassung von
       der Entwicklung  des Marxschen Aufbauplans für das "Kapital" vor-
       zutragen, eine Auffassung, die sich übrigens mit neueren Resulta-
       ten der  Marx-Engels-Forschung in  der DDR  und  der  Sowjetunion
       weitgehend deckt. 3)
       
       I. Die dialektische Lösung des Widerspruchs in der Werttheorie
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       Das "Kapital", in der Gesamtheit seiner 3 Bücher betrachtet, ent-
       hält sowohl  die inneren  Bewegungsgesetze  der  kapitalistischen
       Produktion als  auch deren widersprüchliche Durchsetzungsweise an
       der Oberfläche  der Erscheinung.  Die  durchgeführte  Vermittlung
       zwischen den  verschiedenen Ebenen  des Wertgesetzes  ist  gerade
       eine spezifische wissenschaftliche Leistung von Marx, die ihn ge-
       genüber den  bürgerlichen Klassikern  auszeichnet. Das zeigt sich
       besonders bei der Frage der Konkurrenz.
       Der Widerspruch  in der  Wertbewegung besteht  bekanntlich darin,
       daß in  der Konkurrenz  die Waren nicht zu ihrem Wert, sondern zu
       einem Kostpreis  plus einem  von der Größe des Kapitals und nicht
       von der  wirklich in ihnen vergegenständlichten Mehrarbeit abhän-
       gigen Durchschnittsprofit  - dem Produktionspreis - verkauft wer-
       den. Die  Ökonomen vor  Marx, die  auf der Arbeitswerttheotie be-
       standen, gerieten  immer wieder  in Widerspruch  zur Realität, da
       sie die  unterschiedlichen Geltungsebenen  des Wertgesetzes nicht
       auseinanderhalten konnten.  Die Lösung  des Widerspruchs  in  der
       Werttheorie war  überhaupt nur  möglich durch vorläufige Abstrak-
       tion von  der Konkurrenzbewegung  der  Kapitale,  um  die  innere
       Grundlage der  kapitalistischen  Produktion,  die  Wertbestimmung
       durch die  Arbeit, rein herausarbeiten zu können. Erst auf dieser
       Grundlage kann  nach der  Einbeziehung der Konkurrenzverhältnisse
       die Verkehrtheit  und Mystifikation der Erscheinungsformen an der
       Oberfläche, nämlich die scheinbare Wertbestimmung durch das Kapi-
       tal unabhängig von der Arbeit begriffen werden.
       Dieser Leistung  von Marx liegt seine besondere wissenschaftliche
       bzw. dialektische  Methode zugrunde,  die im  Kern darin besteht,
       die konkreten, verselbständigten Gestaltungen der Produktionsver-
       hältnisse nicht  einfach als gegebene zu analysieren, sondern auf
       ihren Ursprung  zu hinterfragen,  um das Konkrete aus der inneren
       Einheit seines  allgemeinen Gesetzes  genetisch zu entwickeln. 4)
       Die Darstellungsweise des "Kapital" folgt diesem Prinzip, vom Ab-
       strakten zum  Konkreten zu schreiten. Die Reihenfolge seiner öko-
       nomischen Kategorien bildet insgesamt einen Prozeß der stufenwei-
       sen Verkomplizierung, in dessen Verlauf die Verkehrung und Mysti-
       fikation der  inneren Bewegungsgesetze  des Kapitals an der Ober-
       fläche der Produktionsverhältnisse nachvollzogen werden.
       Wenngleich die  Ebene der Konkurrenz nur eine bestimmte Stufe un-
       ter anderen  in diesem  gesamten Darstellungsprozeß ist, so kommt
       ihr doch  eine besondere  Bedeutung zu,  weil die Verwandlung des
       Profits im Durchschnittsprofit nicht nur eine qualitativ formelle
       Verschleierung des  Kapitalverhältnisses bildet, sondern real und
       quantitativ die  Kapitalverwertung von  der wirklichen Ausbeutung
       der menschlichen  Arbeit losscheidet.  Fürs erste mag dieser Hin-
       weis auf  die herausragende  Rolle der  Konkurrenz  im  Marxschen
       "Kapital" genügen.  Wir werden  noch auf weitere Momente zu spre-
       chen kommen, die ihr zusätzliche Bedeutung verleihen.
       Diese Überlegungen setzen am vollendeten Werk von Marx an, an den
       überlieferten 3 Bänden des "Kapital". Es ist jedoch klar, daß die
       Vorarbeiten zum  "Kapital" wichtig  werden müssen,  wenn man  die
       Marxsche Methode, insbesondere seine Darstellungsweise der ökono-
       mischen Kategorien, untersuchen will. Denn dort ist die dialekti-
       sche Form  der Darstellung noch nicht vollendet, vielmehr besteht
       ein großer  Teil der  wissenschaftlichen Arbeit  von Marx  in den
       drei "Kapital"-Manuskripten  von 1857 bis 1865 darin, den inneren
       Gang der Kategorienentwicklung überhaupt erst zu erforschen.
       
       II. Rosdolskys Fehlinterpretation der Marxschen Planänderung
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       Zwei Arbeiten  haben gegen  Ende der sechziger Jahre die Aufmerk-
       samkeit der sich in der BRD und West-Berlin in neuem Maßstab ent-
       wickelnden Beschäftigung  mit der  ökonomischen Theorie  von Marx
       auf die  Vorarbeiten und  früheren Aufbaupläne  des "Kapital" ge-
       lenkt. Witali  S. Wygodskis  "Die Geschichte einer großen Entdec-
       kung", welche den Entstehungsprozeß der Theorie in ihren wichtig-
       sten Punkten - Wert- und Geldtheorie, Mehrwerttheorie und Theorie
       vom Durchschnittsprofit  und Produktionspreis  - nachvollzieht 5)
       und Roman  Rosdolskys "Zur  Entstehungsgeschichte  des  Marxschen
       'Kapital'" 6),  die einen  sehr ausführlichen  Kommentar  zu  den
       "Grundrissen" bildet,  jenem ursprünglichen  "Kapital"-Manuskript
       von 1857/58.
       Beide Autoren  zeigen, daß im Zentrum des ersten Darstellungsver-
       suchs von  Marx die  Kategorie des "Kapital im allgemeinen" steht
       bzw. daß der Rohentwurf nichts anderes ist als die Entfaltung des
       "allgemeinen Begriffs des Kapitals".
       Beide sind  sich aber  auch  über  die  inhaltliche  Veränderung,
       sprich Erweiterung  des "Kapital im allgemeinen" im "Kapital" ge-
       genüber den  "Grundrissen" einig. Diese Auffassung von der späte-
       ren Ausweitung  des "Kapital  im allgemeinen", die in modifizier-
       ter. Form  auch von V. Bader u.a. oder vom Projekt Klassenanalyse
       vertreten wird, halten wir für falsch.
       Der Aufbauplan  für das  erste von 6 Büchern über das ökonomische
       System, das "Buch vom Kapital", sah innerhalb dieses Buchs zuerst
       die Erörterung des "Kapital im allgemeinen " vor, das sich selbst
       wieder in drei Unterabschnitte teilte: "Produktionsprozeß des Ka-
       pitals, Zirkulationsprozeß  des Kapitals, Einheit von beiden oder
       Kapital und  Profit, Zins".  Sodann sollte die "Aktion der vielen
       Kapitalien aufeinander"  betrachtet werden - im Abschnitt von der
       Konkurrenz. Als  dritter war  der Abschnitt  über das Kreditwesen
       vorgesehen, als  vierter der  zum Aktienkapital. Auf das Buch vom
       Kapital sollten  5 weitere  Bücher folgen,  so daß sich folgender
       Aufbauplan für das Gesamtwerk ergibt.
       1. Kapital
       2. Grundeigentum
       3. Lohnarbeit
       4. Staat
       5. Internationaler Handel
       6. Weltmarkt. 7)
       Bekanntlich bleiben  die "Grundrisse"  in der Reichweite der Dar-
       stellung auf  den ersten Abschnitt des Buchs vom Kapital, nämlich
       das "Kapital  im allgemeinen", beschränkt. Die gelegentlichen Be-
       merkungen  über  die  Konkurrenz  tragen  dort  sämtlich  Verwei-
       sungscharakter und werden in der Systematik dem nachfolgenden Ab-
       schnitt zugeteilt.  In gleicher  Weise hat  Marx noch  in  seinem
       zweiten "Kapital"-Manuskript  von 1861/63, das er mit "Capital im
       Allgemeinen" überschrieb 8), jedenfalls soweit es die bisher ver-
       öffentlichten Hefte  betrifft, das  "Kapital im  allgemeinen" von
       der Konkurrenz  geschieden. Doch  im 18.  von insgesamt 23 Heften
       kommt es  laut Rosdolsky  zu einem "radikalen Bruch mit dem alten
       Einteilungsschema des Buches vom Kapital". Mit dem im Januar 1863
       niedergeschriebenen neuen  Planentwurf werde  "die Absicht  einer
       gesonderten Darstellung  der Konkurrenz, des Kreditwesens und des
       Aktienkapitals fallen  gelassen, dafür  aber der  vom 'Kapital im
       allgemeinen' handelnde  erste Abschnitt des I. Buches fortschrei-
       tend erweitert". 9)
       Das dritte  Kapitel des  "Kapital im  allgemeinen", der Abschnitt
       über Profit und Zins, werde zum dritten Buch des "Kapital" ausge-
       weitet, worin  der "wesentliche  Teil" von Konkurrenz, Kredit und
       Aktienkapital untergebracht  würden. Der  Rahmen des  "Kapital im
       allgemeinen"  werde   dadurch  erweitert,   der  der   Konkurrenz
       "hingegen eingeengt".  Bereits in  der Form  des Planentwurfs vom
       Januar 1863  komme diese  begriffliche Veränderung  zum Ausdruck.
       Denn dort  fänden sich  in einem  und demselben  "Abschnitt  III"
       sowohl die  "Verwandlung des Mehrwerts in Profit" - der ursprüng-
       liche Schlußteil des "Kapital im allgemeinen" - als auch Verhält-
       nisse der  Konkurrenz, nämlich  die "Verwandlung  des Profits  im
       Durchschnittsprofit". 10)
       Diese  formale   Einheit  von   "Kapital  im   allgemeinen"   und
       "Konkurrenz" ist  für Rosdolsky ein Hauptindiz dafür, daß die Un-
       terscheidung zwischen  beiden, die für den "Rohentwurf" konstitu-
       tiv war  und für  die "Theorien  über den  Mehrwert" bis Dezember
       1862 noch  galt, im  Januar 1863  aufgegeben worden ist, und zwar
       endgültig, da  das "Kapital" in dieser Hinsicht der neuen Gliede-
       rung folgt.  Der dritte  Band des  "Kapital" sei  der dritte  Ab-
       schnitt des  "Kapital im  allgemeinen", und  die Tatsache, daß in
       ihm Fragen  der Konkurrenz  - einschließlich des Handelskapitals,
       des Kreditwesens  und des  Grundeigentums - Platz gefunden haben,
       sei der  eindeutige Ausdruck  einer begrifflichen  Ausweitung des
       allgemeinen Kapitalbegriffs, welcher korrespondierend eine Einen-
       gung des ursprünglichen Abschnitts der Konkurrenz entspreche.
       Wir wollen  nun keineswegs  die Gegenbehauptung  aufstellen,  daß
       Marx den  ursprünglichen Abschnitt von der Konkurrenz unverändert
       gelassen hat.  Die Herstellung  der  allgemeinen  Profitrate  ist
       tatsächlich aus  ihm heraus-  und in die "allgemeine Untersuchung
       des Kapitals"  hereingenommen worden.  Insofern ist der Abschnitt
       wirklich eingeengt  worden "wenn  er, was  gar nicht  sicher ist,
       letztlich überhaupt noch als selbständiger Abschnitt im unmittel-
       baren Anschluß  an die drei Bücher des "Kapital" aufrechterhalten
       werden sollte.  Genauso falsch  wäre es,  den Abschnitt  über den
       Durchschnittsprofit im  dritten Buch  als den  ganzen, z. Zt. der
       "Grundrisse" bereits  in  dieser  Weise  geplanten  Konkurrenzab-
       schnitt zu  betrachten, um somit jegliche Planänderung abzustrei-
       ten. Dennoch sind die unleugbaren Änderungen am Abschnitt von der
       Konkurrenz kein  Beweis auch für Veränderungen des vorausgehenden
       "Kapital im allgemeinen".
       Die Hereinnahme von ursprünglich dem Abschnitt von der Konkurrenz
       zugedachten Bestimmungen des Kapitals in die "allgemeine Untersu-
       chung" heißt  unserer Meinung  nach nichts  anderes, als  daß die
       "allgemeine Untersuchung"  eben über das "Kapital im allgemeinen"
       hinausgeht und  mehr ist  als dieses. Am "Kapital im allgemeinen"
       im ursprünglichen  Sinne wollen  wir in  der Tat festhalten, zwar
       nicht als Strukturprinzip der gesamten Darstellung, aber als Teil
       des "Kapital".
       Wenn wir  auf der  Kontinuität "Kapital  im allgemeinen"  im  ur-
       sprünglichen begrifflichen  Sinn bestehen, so müssen wir anderer-
       seits auch die neue Gesamtgliederung erklären.
       Dies werden wir im Schlußteil dieses Aufsatzes tun. Doch zunächst
       zu den  Konsequenzen der  Aufbauplan-Interpretation für die Mono-
       poltheorie.
       
       III. Konkurrenzform und Monopoltheorie
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       So unterschiedlichen  Kritikern der Theorie vom Monopolkapitalis-
       mus wie  etwa dem  Projekt Klassenanalyse, E. Altvater, M. Wirth,
       Ch. Neusüß,  R. Ebbighausen oder D. Jordan 11) ist gemeinsam, daß
       sie sowohl  das Monopol  als bestimmendes  ökonomisches Struktur-
       merkmal des  gegenwärtigen Kapitalismus bestreiten als auch - da-
       mit zusammenhängend  - den  Begriff der historischen Niedergangs-
       phase des  Kapitalismus ablehnen.  Monopole werden  in dieser mit
       marxistischem Anspruch  auftretenden Kritik  nicht als historisch
       neue Qualität  des Kapitalverhältnisses,  sondern  als  zufällige
       Störungen der tendenziell freien Konkurrenz aufgefaßt, der freien
       Konkurrenz, welche  die dem  heute voll entwickelten Kapitalismus
       adäquate Durchsetzungsform der inneren Gesetze des Kapitals sei.
       Sicherlich -  um dies  nur anzumerken - liegt eine gewisse Ironie
       darin, daß  ausgerechnet aus  dieser Richtung, für die keine ein-
       zige Kategorie  des Marxschen "Kapital" der historischen Verände-
       rung innerhalb des Kapitalismus zugänglich erscheint, der Vorwurf
       des Dogmatismus  gegenüber den  Leninisten erhoben wird, die sich
       doch gerade  um eine  Weiterentwicklung der  Marxschen Theorie im
       Sinne der  Theoretischen Verarbeitung neuer kapitalistischer Phä-
       nomene auf dem Boden des "Kapital" bemühen.
       Tatsächlich behandelt  Marx im zweiten Abschnitt des dritten Ban-
       des des  "Kapital" die Konkurrenz als freie und uneingeschränkte,
       die in der Tendenz einen Ausgleich der Profitraten auf ein allge-
       meines Niveau  herbeiführt. Der  innere Drang nach maximaler Ver-
       wertung, der  bereits in der allgemeinen Formel des Kapitals G-W-
       G' von Marx analysiert wird, treibt jedes einzelne der vielen Ka-
       pitale in  den Konkurrenzkampf  mit anderen seinesgleichen um die
       national beschränkte  Mehrwertmasse. Jedes  Kapital versucht,  in
       die Anlagesphäre  mit der  höchsten Profitrate einzudringen - und
       eben diese  ständige Bewegung  führt im Resultat zur Ausgleichung
       der individuellen  Profitraten, verwandelt die Werte in Produkti-
       onspreise.
       Damit der  Ausgleich gelingt,  wird die freie Übertragbarkeit der
       Kapitale von  einer Branche  in die  andere unterstellt sowie ein
       Kräftegleichgewicht der Konkurrenten. "Die durchschnittliche Pro-
       fitrate tritt ein mit dem Gleichgewicht der Kräfte der konkurrie-
       renden Kapitale  untereinander." 12) Abstrahiert wird in der Dar-
       stellung von allen Beeinträchtigungen der freien Kapitalbewegung,
       um das  Gesetz rein  betrachten zu  können. Marx: "In der Theorie
       wird vorausgesetzt,  daß die Gesetze der kapitalistischen Produk-
       tionsweise sich  rein entwickeln. In der Wirklichkeit besteht im-
       mer nur Annäherung." 13)
       Dennoch handelt  es sich  nicht um ein fiktives Modell. Die freie
       Konkurrenz nur  als äußere Voraussetzung zu behandeln, um die Ge-
       setze des  Kapitals als  Theoretiker studieren  zu  können,  dies
       kreidet Marx in den "Grundrissen" gerade Ricardo an. 14) An jener
       Stelle fährt  Marx fort: "Aber diese Annäherung ist um so größer,
       je mehr  die kapitalistische  Produktionsweise entwickelt  und je
       mehr ihre  Verunreinigung und  Verquickung  mit  Resten  früherer
       ökonomischer Zustände beseitigt ist." 15) Oder an anderer Stelle:
       "Diese Ausgleichung  gelingt dem Kapital mehr oder minder, je hö-
       her die kapitalistische Entwicklung in einer gegebenen nationalen
       Gesellschaft ist." 16)
       Die freie Konkurrenz ist demnach keine rein logische Abstraktion,
       sondern eine reale Tendenz. - Die freie Konkurrenz ist die reelle
       Entwicklung des  Kapitals. ...  Der wechselseitige  Zwang, den in
       ihr die  Kapitalien aufeinander,  auf die  Arbeit etc. auswirken,
       (...) ist die freie, zugleich reale Entwicklung des Reichtums als
       Kapital." 17)  Aber sie  ist nicht  nur  eine  Realität,  sondern
       gleichzeitig  eine  historisch  hervorgebrachte.  In  seiner  Ge-
       schichte befreit  sich das  Kapital von feudalistischen Beschrän-
       kungen und  entwickelt sich  zur freien Konkurrenz hin. Die freie
       Konkurrenz ist  somit selber historisches Produkt der Entwicklung
       des Kapitalismus.  Sie ist  deshalb nach  Marx - und dies gilt es
       erst einmal  festzuhalten - ihrer Natur nach nicht nur eine logi-
       sche, sondern auch eine historische Kategorie.
       Im "Kapital" behandelt Marx die freie Form der Konkurrenz zugege-
       benermaßen nicht  in erster Linie deshalb, weil sie damals gerade
       die gegebene oder vorherrschende historische Form - etwa im kapi-
       talistisch hochentwickelten  England -  gewesen ist, sondern aus-
       schlaggebend für diese Darstellungsweise ist ihre logische Dimen-
       sion. In  der Theorie wird die freie Form der Konkurrenz betrach-
       tet, weil  sie am  meisten dem  Begriff des  Kapitals entspricht.
       "Die freie  Konkurrenz ist aber die adäquate Form des produktiven
       Prozesses des  Kapitals. Je weiter sie entwickelt ist, um so rei-
       ner treten die Formen seiner Bewegung hervor." 18)
       Was heißt  dies? Oder  warum ist  die freie  Form der  Konkurrenz
       überhaupt die adäquate Form des Kapitals?
       Zu verstehen ist die Marxsche Formulierung nur, wenn man sich die
       begriffliche Unterscheidung zwischen "immanenten Gesetzen der ka-
       pitalistischen Produktion"  und "äußerer  Bewegung der  Kapitale"
       19) bewußtmacht.  Gewissermaßen die  Instanz, welche  die inneren
       Gesetze des Kapitals in die äußere Realität umsetzt, ist die Kon-
       kurrenz. Dies soll heißen, daß sich die innere Natur des Kapitals
       in Abhängigkeit  von der Wucht durchsetzt, mit der die vielen Ka-
       pitale aufeinanderprallen.  Bei -  etwa  feudalistisch  -  einge-
       schränkter Konkurrenz verwirklichen sich die Gesetze des Kapitals
       nicht vollständig - äußern sich nur als "Tendenzen". 20)
       Vollständig real  können sie  nur bei freier, unbeschränkter Kon-
       kurrenz werden,  weil nur  dann der wechselseitige Druck der ein-
       zelnen Kapitale aufeinander maximal ist. Das heißt, nur dann gilt
       das Gesetz  der gleichen  Profitrate, nur  bei freiem Kräftespiel
       ist jedes  einzelne Kapital  "bei Strafe  des Untergangs"  (Marx)
       durch andere  Kapitale gezwungen, seiner inneren Verwertungsnatur
       vollständig zu  gehorchen -  sprich: sämtliche  Möglichkeiten der
       Kapitalverwertung optimal  auszunutzen. Auf  diese Weise  muß dem
       einzelnen Kapital  noch die Einhaltung seiner eigenen Gesetze als
       von fremdem  Kapital verursacht  erscheinen. Die  inneren Gesetze
       des Kapitals  verwandeln sich  in Zwangsgesetze  der  Konkurrenz:
       "Die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die im-
       manenten  Gesetze  der  kapitalistischen  Produktion  als  äußere
       Zwangsgesetze auf." 21)
       Oder: "Durch  sie wird  als äußerliche Notwendigkeit für das ein-
       zelne Kapital  gesetzt, was  der Natur  des Kapitals entspricht."
       22)
       Indem in  der Konkurrenz  jedes einzelne  Kapital nur  unter  dem
       Druck anderer  Kapitale handelt, realisieren alle Kapitale zusam-
       mengenommen doch  nichts Fremdes,  sondern nur ihre eigenen imma-
       nenten Gesetze.  Und obwohl  die Konkurrenz lediglich den eigenen
       inneren Gesetzen  zum Ausdruck  verhilft, ist sie doch erst deren
       Verwirklichungsinstanz.
       Wenn  aber  die  Konkurrenz  die  inneren  Gesetze  des  Kapitals
       "realisiert" oder  "exequiert" 23)  - "was in der Natur des Kapi-
       tals liegt, wird nur reell herausgesetzt" 24) -, dann ist sie of-
       fensichtlich nur  die   D u r c h s e t z u n g s f o r m   eines
       ihr vorgegebenen  Inhalts. Oder,  wie  es  in  den  "Grundrissen"
       heißt, "die Konkurrenz erklärt daher nicht diese Gesetze, sondern
       läßt sie  sehen, produziert sie aber nicht". 25) Daraus folgt für
       die Theorie,  daß die  immanenten Gesetze des Kapitals unabhängig
       von der Konkurrenz betrachtet bzw.  v o r  ihr dargestellt werden
       müssen, da  sie "auch  vor der  Konkurrenz und ohne Rücksicht auf
       die Konkurrenz  begreiflich" 26)  sind. Gleichzeitig  heißt dies,
       wie Braunsdorf/Löffler zu Recht gegen ein Zusammenwerfen der Kon-
       kurrenz mit dem "Kapital im allgemeinen" auf die gleiche analyti-
       sche Ebene  eingewandt haben,  daß die  Konkurrenz als  Durchset-
       zungsform eben dadurch bereits auf einer anderen, nämlich niedri-
       geren Abstraktionsebene liegt als die ihr in der Darstellung vor-
       ausgehenden Kategorien des Kapitals. 27)
       Diese Differenzierung der Abstraktionsebenen zwischen "Kapital im
       allgemeinen" und "Konkurrenz" kann übrigens als erstes denen ent-
       gegengehalten werden,  die den  im "Kapital"  behandelten Konkur-
       renzausgleich der  Profitraten auf  die prinzipiell  gleiche Dar-
       stellungsstufe wie  die vorausgehenden  Formbestimmungen verlegen
       wollen, um  aus der  Durchschnittsprofitrate ein für den gesamten
       Kapitalismus allgemein  notwendiges Gesetz im unmittelbar quanti-
       tativen Sinne zu machen, von der gleichen Allgemeingültigkeit wie
       etwa die Produktion von Mehrwert.
       Was mit  der Aufdeckung des unterschiedlichen Abstraktionsniveaus
       gewonnen ist,  ist dies, daß die Konkurrenz in ihrer im "Kapital"
       dargestellten freien  Form zwar  am meisten der inneren Natur des
       Kapitals entsprechen mag, daß aber, und darauf kommt es an, umge-
       kehrt mit  der inneren  Natur des  Kapitals noch  keineswegs  die
       freie Form der Konkurrenz gegeben ist.
       Die freie  Konkurrenz ist einerseits eine spezifische historische
       Form der  Aktion der  Kapitale aufeinander, und zwar eine solche,
       auf die  sich der historisch erstarkende Kapitalismus hin entwic-
       kelt. Andererseits  ist die  freie Konkurrenz, weil sie die imma-
       nenten Gesetze des Kapitals vollständig realisiert, die dem Kapi-
       talverhältnis begrifflich  oder logisch  am meisten entsprechende
       Bewegungsform. Letzterer  Umstand ist  dafür ausschlaggebend, daß
       in der  allgemeinen Analyse  der kapitalistischen Produktion, wie
       sie in den 3 Büchern des "Kapital" durchgeführt wird und die über
       die immanenten  Gesetze des  Kapitals oder über das ursprüngliche
       "Kapital im  allgemeinen" hinausgeht,  die  Konkurrenz  in  ihrer
       freien Form  behandelt wird. In der freien Konkurrenz bewegt sich
       das Kapital seinem Begriff gemäß.
       Aus der  logischen Übereinstimmung  der freien Konkurrenz mit der
       inneren Natur  des Kapitals ergibt sich ihre Darstellungsweise im
       "Kapital". Diese  logische Übereinstimmung bildet auch die Grund-
       lage oder den realen Ansatzpunkt für die dogmatische und unhisto-
       rische Verabsolutierung  der freien  Konkurrenz bei den Kritikern
       der Monopoltheorie.  Aus der  begrifflichen Adäquanz  folgt  aber
       keineswegs die  historische Unmöglichkeit  einer  Formveränderung
       der Konkurrenz  innerhalb des Kapitalismus. Legitim ist höchstens
       der Schluß,  daß andere Formen der Konkurrenz, etwa die monopoli-
       stische, dem  Kapitalbegriff weniger  adäquat sind,  weil sie als
       eingeschränkte Konkurrenz  die immanenten  Gesetze  des  Kapitals
       nicht vollständig  realisieren können,  zu  Verzerrungen  in  der
       Durchsetzungsweise der  Gesetze führen. Geändert hätten sich dann
       nicht die  immanenten Gesetze  des Kapitals,  geändert hätte sich
       deren Durchsetzungsform,  was allerdings  bedeutet, daß  sich das
       Kapital nicht  mehr vollständig  seinem Begriff gemäß bewegt. Die
       historische Unmöglichkeit  des Monopolkapitalismus kann mir jener
       Darstellungsweise der  Konkurrenz im  dritten Band  des "Kapital"
       aber nicht  begründet werden.  Dieser Irrtum entspringt aus einer
       einseitig logischen  Interpretation des Marxschen Hauptwerkes und
       führt zu  einem völligen  Unverständnis der historischen Entwick-
       lungsdynamik der kapitalistischen Produktionsweise.
       Zwar darf  der engere  Zusammenhang zwischen inneren Gesetzen des
       Kapitals und  der Konkurrenz  nicht zerrissen  werden. Solange es
       viele Kapitalien  gibt, gibt es ihre Wechselwirkung aufeinander -
       eine Wechselwirkung,  die den gesellschaftlichen Zusammenhang der
       durch das Privateigentum voneinander getrennten individuellen Ka-
       pitale erst  herstellt. Dies  ist ein  allgemeines Gesetz für die
       kapitalistische Produktionsweise  überhaupt, denn  "Kapital  exi-
       stiert und kann nur existieren als viele Kapitalien". 28)
       Jedes einzelne  der vielen Kapitale hat die gleiche innere Natur,
       nämlich den Drang nach unendlicher Verwertung des Wertvorschusses
       - unabhängig  von den Fähigkeiten, ihn zu realisieren; und daraus
       entspringt der  Kampf der Einzelkapitale um den größten Anteil am
       gesellschaftlichen Mehrwert  als notwendiges  Gesetz. Der Konkur-
       renzkampf geht  so weit, daß gegenwärtig noch das größte Monopol-
       kapital seinen  aus bevorzugter  Position im  Reproduktionsprozeß
       entstehenden Extraprofit  ständig gegen nationale und internatio-
       nale Konkurrenten  verteidigen muß, ja daß es ihn und seine indi-
       viduelle Monopolstellung sogar verlieren kann. Was indessen nicht
       gegen die Monopoltheorie spricht, die keineswegs die Dauerhaftig-
       keit des  einzelnen Monopols, sondern der monopolistischen Struk-
       tur als  solcher für  die Spät- bzw. Niedergangsphase des Kapita-
       lismus behauptet. 29)
       Andererseits darf  der Zusammenhang zwischen inneren Gesetzen und
       Konkurrenz nicht mechanistisch mißverstanden werden. Aus der all-
       gemeinen Natur  des Kapitals  geht die  Konkurrenz ihrerseits nur
       als   a l l g e m e i n e s   Bewegungsgesetz der vielen Kapitale
       hervor -  aber keineswegs  schon ihre  spezifische Form.  Aus den
       allgemeinen, immanenten  Gesetzen des Kapitals läßt sich wohl die
       Wechselwirkung der  individuellen Kapitale ableiten und ebenfalls
       die spezifisch historische Form der freien Konkurrenz als die dem
       Kapitalbegriff adäquate Gestalt begründen; die jeweils historisch
       reale Form  der Konkurrenz  oder der Durchsetzungsweise der imma-
       nenten Gesetze des Kapitals ist mit der allgemeinen Natur des Ka-
       pitals aber noch nicht gegeben. Die Form der Konkurrenz, ob freie
       oder verzerrte, hängt als wechselseitige Aktion der Kapitale auf-
       einander vielmehr  ab von der Struktur des gesellschaftlichen Ge-
       samtkapitals, d.h.  wieweit ein Kräftegleichgewicht innerhalb der
       Gesamtheit der  vielen aufeinander agierenden individuellen Kapi-
       tale besteht oder nicht.
       Wenn wir die Formveränderung der Konkurrenz auf eine Strukturver-
       änderung im gesellschaftlichen Gesamtkapital zurückführen wollen,
       so haben  wir damit  zugegebenermaßen weder das eine noch das an-
       dere schon  erklärt. Die  Strukturveränderung, sprich die Heraus-
       bildung der  monopolistisch bestimmten  Struktur des  Gesamtkapi-
       tals, darf  ihrerseits nicht  - zirkulär - wieder aus dem Konkur-
       renzkampf erklärt  werden. Sie  muß unabhängig von der Konkurrenz
       aus den immanenten Entwicklungsgesetzen der kapitalistischen Pro-
       duktion erklärt werden. Und gerade das hat Lenin durch die Anwen-
       dung der  Marxschen Akkumulationstheorie in seiner Imperialismus-
       schrift getan.
       Die historische  Gesamtentwicklung des  Kapitalismus stellt  sich
       bei Marx  dar einerseits als fortwährendes Größenwachstum des ge-
       sellschaftlichen Gesamtkapitals  und andererseits  - Hand in Hand
       damit -  als kontinuierliche  Entfaltung  des  gesellschaftlichen
       Charakters des  Produktionsprozesses. Der Akkumulationsprozeß der
       Kapitale entwickelt  aktiv die spezifisch kapitalistische, verge-
       sellschaftete Produktionsweise, die ihrerseits ein stets wachsen-
       des Kapitalminimum  als Voraussetzung unterstellt. Die freie Ent-
       faltung der  gesellschaftlichen Produktivkräfte  stieße  indessen
       bald an die Grenzen der individuellen Akkumulationskraft der pri-
       vaten Einzelkapitale,  wenn sich das Wachstum des gesellschaftli-
       chen Gesamtkapitals ausschließlich durch gleichmäßige Erweiterung
       der vielen  individuellen Kapitale  vollzöge. Anders  gesagt: Die
       gegebene Struktur  des Gesamtkapitals  -  die  Zersplitterung  in
       viele kleine  Einzelkapitale -  erlaubt die Produktivkraftentfal-
       tung nur  bis zu  einem gewissen Punkt, an dem sie in eine Fessel
       derselben umschlagen  müßte. Doch sie ändert sich. Zu der Akkumu-
       lation des  eigenen Mehrwerts  oder der  Konzentration im engeren
       Sinne tritt  - insbesondere  auf der  Grundlage des  entwickelten
       Kreditsystems - die Verwendung fremden Kapitals und die Zusammen-
       fassung bereits gebildeter Kapitale zu immer größeren Kapitalmas-
       sen. Diese Form der Kapitalakkumulation, die Zentralisation, wel-
       che über die entgegenwirkenden, dezentralisierenden Tendenzen do-
       miniert, geschieht sowohl durch Expropriation und Annexion schwä-
       cherer Kapitale  als auch  durch die  Verschmelzung von Kapitalen
       durch Aktiengesellschaften.
       Die Aktiengesellschaften sind als assoziierte Formen von privatem
       Kapital einerseits  die Reaktion  auf die gewachsene Stufenleiter
       der gesellschaftlichen  Produktion, andererseits die neue Gestalt
       der Eigentumsverhältnisse  zur aktiven Weiterentwicklung der Pro-
       duktivkräfte. Der grundsätzliche Widerspruch zwischen dem gesell-
       schaftlichen Charakter  der Produktivkräfte und dem privaten Cha-
       rakter der Produktionsverhältnisse wird dadurch nicht aufgehoben,
       aber vorübergehend  gelöst. Marx  charakterisiert die neue Eigen-
       tumsform im  Rahmen der  kapitalistischen Produktionsverhältnisse
       folgendermaßen: Das Aktienkapital erhält "direkt die Form von Ge-
       sellschaftskapital (Kapital assoziierter Individuen) im Gegensatz
       zum Privatkapital,  und seine  Unternehmungen treten  auf als Ge-
       sellschaftsunternehmungen im  Gegensatz zu  Privatunternehmungen.
       Es ist  die Aufhebung  des Kapitals  als Privateigentum innerhalb
       der Grenzen  der kapitalistischen  Produktionsweise selbst."  30)
       Und: "Aber  die Verwandlung  in die  Form der Aktie bleibt selbst
       noch befangen  in den kapitalistischen Schranken; statt daher den
       Gegensatz zwischen  dem Charakter des Reichtums als gesellschaft-
       licher und  als Privatreichtum  zu überwinden, bildet sie ihn nur
       in neuer Gestalt aus." 31) Für Marxist das Aktienkapital "die äu-
       ßerste Form, wozu die Aufhebung geht, die aber zugleich das ulti-
       mate Setzen des Kapitals in seiner ihm adäquaten Form" ist. 32)
       Bekanntlich hat später Engels noch weitergehende Formen der Asso-
       ziation des  Kapitals beschrieben,  die kapitalistischen  Trusts,
       die er  als "die zweite und dritte Potenz der Aktiengesellschaft"
       33) bezeichnete.  Denn "auf  einer gewissen Entwicklungsstufe ge-
       nügt auch  diese (einfache; W.S.) Form nicht mehr". 34) Aktienge-
       sellschaft schließt sich mit Aktiengesellschaft zusammen, es ent-
       steht eine  neue Qualität von Kapitalmacht. Die Strukturverschie-
       bung innerhalb  des gesellschaftlichen Gesamtkapitals ist mit ei-
       ner qualitativen  Kräfteverschiebung zugunsten jener großen Kapi-
       tale verbunden:  "In den  Trusts schlägt  die freie Konkurrenz um
       ins Monopol."  35) Es soll an dieser Stelle keine Auseinanderset-
       zung um  diese Bemerkungen von Engels, an denen Lenin unmittelbar
       anknüpfte, geführt werden; auch nicht um das Verhältnis beider zu
       Marx. Unabhängig  davon gilt es doch festzuhalten, daß schon Marx
       eine historische  Veränderung der Struktur des gesellschaftlichen
       Gesamtkapitals durch das Aktienkapital als Resultat des kapitali-
       stischen Akkumulationsprozesses  analysiert hat  und daß er diese
       Strukturveränderung als Ausdruck des sich historisch verschärfen-
       den Widerspruchs  zwischen privatkapitalistischen Produktionsver-
       hältnissen und gesellschaftlichen Produktivkräften begriffen hat.
       Die an  Marx und Engels orientierte Monopoltheorie geht also kei-
       neswegs durch  die Behauptung einer historischen Strukturverände-
       rung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals über die Marxsche Ana-
       lyse hinaus  und auch  nicht dadurch, daß sie die über die einfa-
       chen Aktiengesellschaften  hinausgehenden Vergesellschaftungspro-
       zesse der  Kapitale aus dem sogenannten Grundwiderspruch zwischen
       Produktivkräften und  Produktionsverhältnissen  erklärt,  sondern
       dadurch, daß  in ihrer Konzeption die Strukturveränderung des Ge-
       samtkapitals eine  neue Qualität  erreicht hat  und zu einer ent-
       scheidenden Modifikation des Verhältnisses der Kapitale unterein-
       ander geführt hat: Die großen Kapitaleinheiten erlangen eine dau-
       erhaft dominierende Position im gesellschaftlichen Reproduktions-
       prozeß gegenüber den kleineren, verwandeln sich in Monopole. Ihre
       Bewegungsform untereinander  und gegenüber  den übrigen Kapitalen
       ist nicht  mehr diejenige der freien Konkurrenz. Zwischen den Mo-
       nopolen ist die freie Aktion von Kapital auf Kapital in ihrer In-
       tensität gezügelt,  und im  Verhältnis zu  den anderen  Kapitalen
       wird die freie Wechselwirkung von Formen einseitiger ökonomischer
       Beherrschung überlagert.  Auf dieser Grundlage ist die allgemeine
       Profitrate, der  gleiche Profit  auf gleich großes Kapital, nicht
       mehr die  reale Tendenz  des Konkurrenzkampfes, sondern dies, daß
       das Monopolkapital  - auf Kosten der übrigen Kapitale - eine über
       das durchschnittliche Maß hinausgehende Verwertungsrate erzielt.
       Die Monopole  stehen demnach  nicht außerhalb  des  Wertgesetzes,
       sondern die Durchsetzungsform der immanenten Gesetze des Kapitals
       ist jetzt  die monopolistisch modifizierte Konkurrenz. Dieser ge-
       lingt nicht  mehr die  vollständige oder reine Realisierung jener
       Gesetze. So  wird nicht nur das Gesetz der gleichen Profitrate in
       seiner Geltung  eingeschränkt, sondern  die monopolistisch einge-
       schränkte Konkurrenz  ist auch  nicht mehr in der Lage, sämtliche
       Einzelkapitale zur  absoluten Entwicklung  der Produktivkräfte zu
       zwingen. Es  entsteht die Tendenz zur Stagnation, wodurch das Ka-
       pitalverhältnis immer  mehr seine  historische Legitimation  ein-
       büßt, die  es aus  seiner Rolle bezog, die optimale Entwicklungs-
       form der  materiellen Produktivkräfte zu sein. Das Kapital bewegt
       sich nicht  mehr vollständig  seinem Begriff  gemäß. Noch weniger
       ist dies im staatsmonopolistischen Kapitalismus der Fall, wo sich
       die immanenten  Gesetze des Kapitals überhaupt nur noch mit Hilfe
       der außerökonomischen Instanz durchsetzen können.
       Aus diesen  Gründen schließt der Übergang von durch individuelles
       Privateigentum geprägten  kapitalistischen Produktionsverhältnis-
       sen in  die höhere Vergesellschaftungsform des Aktienkapitals und
       danach zum  Monopol bis hin zum staatsmonopolistischen Kapitalis-
       mus trotz  ständig wachsender Stufenleiter der Produktion und des
       Kapitals keine lineare Höherentwicklung der Produktionsweise ein.
       Die relative Übereinstimmung der grundsätzlich im Rahmen von Pri-
       vateigentum  verbleibenden  kapitalistischen  Produktionsverhält-
       nisse mit dem wachsenden Vergesellschaftungsgrad der Arbeit durch
       die Herausbildung  neuer Formen  der  Produktionsvethältnisse  im
       Laufe  des  Akkumulationsprozesses  gelingt  vielmehr  nur  unter
       Preisgabe von  wesentlichen Grundeigenschaften (Lenin) des reinen
       Funktionsmechanismus der  ökonomischen Gesetze.  Mit anderen Wor-
       ten: Wir  leben gegenwärtig  in der historischen Niedergangsphase
       des Kapitalismus  und nicht  in der Zeit seiner höchsten Entwick-
       lungsblüte. Zu  Unrecht berufen sich daher die Kritiker der Mono-
       poltheorie in  ihrem exegetischen Nachweisversuch der freien Kon-
       kurrenz auf den Marxschen Satz: Je höher die kapitalistische Ent-
       wicklung in einem Land, desto besser gelingt die Ausgleichung der
       Profitraten.
       Die Entwicklungshöhe  der kapitalistischen  Produktionsweise wird
       falsch eingeschätzt, wenn man nur entweder die quantitative abso-
       lute Ausweitung des Kapitalumfangs betrachtet oder - genauso ein-
       seitig -  die wachsende  Vergesellschaftung der Produktion, nicht
       aber beide  Prozesse in  ihrer Einheit analysiert. Die Stärke des
       Kapitals muß  vielmehr stets  auf die  von ihm  getragene gesell-
       schaftliche Produktion bezogen werden. Dabei hat das Wachstum der
       Kapitale nicht  Schritt gehalten  mit der  Entfaltung der gesell-
       schaftlichen Produktivkräfte  der Arbeit. Trotz der Herausbildung
       neuer Bewegungsformen  hat  sich  der  Widerspruch  zwischen  der
       grundsätzlich privat  begrenzten  Kapitalmacht  und  dem  gesell-
       schaftlichen Charakter  der  Produktion  historisch  weiter  ver-
       schärft. Anders  gesagt: Trotz absoluter Größenausdehnung ist das
       Kapital relativ schwächer geworden. Dies ist der Sinn des berühm-
       ten Marx-Zitats:  "Solange das  Kapital  schwach  ist,  sucht  es
       selbst noch  nach den Krücken vergangnen oder mit seinem Erschei-
       nen vergehender  Produktionsweisen. Sobald  es sich  stark fühlt,
       wirft es  die Krücken weg, und bewegt sich seinen eignen Gesetzen
       gemäß. Sobald  es anfängt,  sich selbst als Schranke der Entwick-
       lung zu fühlen und gewußt zu werden, nimmt es zu Formen Zuflucht,
       die, indem sie die Herrschaft des Kapitals zu vollenden scheinen,
       durch Züglung der freien Konkurrenz, zugleich die Ankündiger sei-
       ner Auflösung  und der Auflösung der auf ihm beruhenden Produkti-
       onsweise sind." 36)
       Aus den  "immanenten Gesetzen  der  kapitalistischen  Produktion"
       (Marx), den Gesetzen des kapitalistischen Akkumulationsprozesses,
       muß und kann die Formveränderung der Konkurrenz in der geschicht-
       lichen Niedergangsphase der Produktionsweise erklärt werden. Marx
       hat im  "Kapital" nicht nur die freie Form der Konkurrenz als dem
       Kapital begrifflich  adäquate Bewegungsform der vielen Kapitalien
       dargestellt und  ihre historische  Realisierung mit  der Entwick-
       lungshöhe der  Produktionsweise korreliert, sondern er hat in der
       Akkumulationstheorie zugleich  die  historischen  Entwicklungsge-
       setze des Kapitals analysiert, die zur Aufhebung des Kapitals in-
       nerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise und zur
       Aufhebung der freien Konkurrenz führen.
       Die Kritiker  der Monopoltheorie  bestreiten zwar  nicht, daß die
       freie Konkurrenz  auch eine  historische Kategorie  ist; aber Ge-
       schichte gibt  es bei  ihnen nur  als permanente Höherentwicklung
       der kapitalistischen  Produktionsweise. Der  historische  Abstieg
       und Auflösungsprozeß  des Kapitalismus  wird ausgeblendet.  Darum
       kann bei ihnen die Konkurrenz nur als freie vorkommen. Allerdings
       sind sie  nicht nur, um wenigstens verbal mit Marx übereinzustim-
       men, gezwungen,  die Gegenwart  in kapitalistische  Hochblüte um-
       zuinterpretieren, sondern  sie begehen auch einen schwerwiegenden
       methodologischen Fehler,  wenn sie leugnen, daß das "Kapital" au-
       ßer den allgemein gültigen Bestimmungen der kapitalistischen Pro-
       duktionsweise auch ihre historischen Entwicklungsgesetze enthält.
       Damit zurück zur theoriegeschichtlichen Argumentationsweise...
       
       IV. Das "Kapital im allgemeinen" als Einlösung
       ----------------------------------------------
       der "allgemeinen Formel des Kapitals"
       -------------------------------------
       
       Alle Autoren, die Marx beim Vergleich zwischen fertigem "Kapital"
       und den  "Grundrissen" eine  Ausweitung des "Kapital im allgemei-
       nen" unterstellen,  sind meines  Erachtens zu leichtfertig im Um-
       gang mit  der dialektischen Methode. Denn in der Tat ist das Pro-
       blem schwerwiegend genug: Wenn die dialektische Darstellungsweise
       den materialistischen  Anspruch erhebt,  die  objektive  Struktur
       ihres Gegenstands  nur ideell  nachzuzeichnen (was das auch immer
       heißt), dann  darf es  nicht gleichzeitig  mehrere  verschiedene,
       gleichermaßen "richtige"  Gliederungen oder  Aufbaupläne des  Ge-
       samtwerks geben.
       Zugegebenermaßen  machen  es  sich  die  Autoren  unterschiedlich
       leicht mit  der Erklärung der Ausweitung. Rosdolsky gibt noch gar
       keine, Bader  u.a. sehen  im industriellen  Kapital  einen  abge-
       schlossenen Bereich  und erklären  auf diese Weise die Reichweite
       des  "Kapital  im  allgemeinen"  bis  einschließlich  zur  Durch-
       schnittsprofitrate, und  das Projekt  Klassenanalyse versucht so-
       gar, die Marxschen Vorarbeiten im Zusammenhang zu untersuchen, um
       die stufenweise  Überwindung der ursprünglich falschen Konzeption
       zu dokumentieren:
       Der neue  Aufbauplan  umfaßt  laut  Projekt  Klassenanalyse  aus-
       schließlich Bestimmungen des "Kapital im allgemeinen", allerdings
       nicht wie  die "Grundrisse"  nur das  "Kapital im allgemeinen als
       Abstraktion", sondern  darüber hinaus noch das "Kapital im allge-
       meinen" als "reelle Existenz". Mit letzterem ist nicht die "reale
       Bewegung der  Kapitalien - Konkurrenz und Kredit" - gemeint, son-
       dern ein  ihr vorgeordneter  Bereich - entsprechend der Zwischen-
       stellung des  zinstragenden Kapitals  als der - reellen Existenz"
       des -  Kapital im allgemeinen" zwischen dem "Kapital im allgemei-
       nen" und den "besonderen Kapitalien" in den "Grundrissen". 37)
       Die Marxsche  "Unklarheit" hinsichtlich  der reellen Existenz des
       "Kapitals im  allgemeinen" ,  nämlich lediglich  das zinstragende
       Kapital darunter  zu verstehen,  werde nun  in den "Theorien" bis
       zum Kapitel  "Revenue and  its sources"  (Heft  15)  schrittweise
       überwunden. Spätestens  dann habe  Marx erkannt,  daß zur reellen
       Existenz auch  noch die  Reproduktion des Gesamtkapitals 38), der
       Konkurrenzausgleich und  der Fall  der  Profitrate  gehören.  39)
       Nicht zu vergessen die spezifische Form der Verwertung des Grund-
       eigentums, also die Grundrente. 40) Und sogar die Hereinnahme der
       Akkumulation in  Buch I müsse auf jene neuen Einsichten zurückge-
       hen. 41)
       Wir sehen:  Es gelingt dem Projekt Klassenanalyse, mit einem ein-
       zigen  -   von  Marx   übrigens  seit   jener  Bemerkung  in  den
       "Grundrissen" nicht  mehr verwendeten  - Begriff, die Existenz so
       vieler neuer  Kategorien im Planentwurf von 1863 und im "Kapital"
       zu erklären, und zwar, ohne das "Kapital im allgemeinen" preisge-
       ben zu  müssen. Denn  das "Kapital"  sei erstens  das "Kapital im
       allgemeinen" als Abstraktion und zweitens als reelle Existenz.
       Diese Lösung,  so bestechend  elegant sie  in ihrer  Schlichtheit
       auch wirkt, ist jedoch inhaltlich und methodologisch nicht disku-
       tabel. Inhaltlich  - weil  so verschiedene ökonomische Kategorien
       wie Reproduktion  des Gesamtkapitals,  Konkurrenzausgleich,  Zins
       und Grundrente  sowie die Akkumulation nur mit blinder Gewalt un-
       ter einem  einzigen, so spezifischen Begriff wie "reelle Existenz
       des Kapital  im allgemeinen" zusammengepfercht werden können. Me-
       thodologisch -  weil es  mehr als  Unbekümmertheit gegenüber  den
       Prinzipien dialektischer  Darstellungsweise ausdrückt,  Marx  ein
       derartiges Durcheinander  in der  Anordnung der Kategorien zu un-
       tersrellen, daß  er die  als zusammengehörig betrachteten Momente
       der reellen  Existenz des "Kapital im allgemeinen" quer über alle
       drei Bücher  des - Kapital" verteilt hätte - sowohl mitten hinein
       in das  - Kapital im allgemeinen als Abstraktion" als auch dahin-
       ter.
       Als zweites  Beispiel für  die Interpretationsvielfalt  seien die
       Autoren von  "Krise und  Kapitalismus bei Marx 42) erwähnt. Diese
       sind gegenüber  Rodolsky zwar im Recht, daß "Kapital im allgemei-
       nen" und "allgemeine Untersuchung des Kapitals" begrifflich nicht
       zusammenfallen, und sehen auch richtig, daß der ursprüngliche Be-
       griff  der   Konkurrenz  für   die  endgültige   Darstellung   zu
       "unspezifisch" 43)  gewesen ist. Diese an sich richtigen Gedanken
       werden jedoch  falsch, wenn sie zur Rechtfertigung der Auffassung
       dienen sollen, daß das "Kapital im allgemeinen" im "Kapital" auch
       noch den  Ausgleichsprozeß der Profitrate einschließe. Die erwar-
       tete Erklärung  der Differenz zu den "Grundrissen" bleibt aus, es
       sei denn,  man gibt  sich mit  der Erläuterung zufrieden, daß mit
       dem Konkurrenzausgleich  das industrielle Kapital als "relativ in
       sich geschlossenes Teilsystem" 44) fertig entwickelt sei.
       Diese zwei Beispiele mögen genügen, die Interpretationswillkür im
       Umgang mit  dem "Kapital im allgemeinen" zu veranschaulichen. Die
       größte Akribie  in dieser  Beschäftigung ist  m. E. umsonst, wenn
       nicht das  "Kapital im allgemeinen" inhaltlich analysiert und auf
       seine notwendige  Funktion im  Gesamtsystem der kategorialen Dar-
       stellung untersucht worden ist. Diese Lücke wollen wir zu schlie-
       ßen versuchen,  indem wir  die Frage stellen: Gibt es für Marx in
       den "Grundrissen"  zwingende Gründe, das "Kapital im allgemeinen"
       mit dem  einfachen Profit,  also noch vor dem Durchschnittsprofit
       abzuschließen?
       Die Strukturanalyse  der "Kapital"-Kategorien zeigt, daß sich aus
       der  dialektischen  Fortentwicklung  des  Wertgesetzes  über  die
       dritte Bestimmung  des Geldes  hinaus 45)  sowohl in  den "Grund-
       rissen" als  auch im  "Kapital" ein gemeinsamer Ausgangspunkt der
       Kapitalanalyse ergibt:  Als erste  Bestimmung  des  Kapitals  er-
       scheint der  Wert, der  durch den Formenwechsel von Geld und Ware
       hindurch sich  verwertet. Dies ist die "allgemeine Formel des Ka-
       pitals -  G-W-G'" ("Kapital") oder die abstrakte Form des "allge-
       meinen Kapitalbegriffs"  ("Grundrisse").  In  diesem  notwendigen
       Ausgangspunkt ist  zugleich sowohl  der weitere  Gang der Analyse
       als auch  die Grenze  des allgemeinen  Kapitalbegriffs  klar  ab-
       gesteckt.
       Was die  Grenze betrifft, so liegt sie - allgemein gesagt - dort,
       wo die  "allgemeine Formel" eingelöst ist, und dies kann wiederum
       nur diejenige  Stelle der kategorialen Entwicklung sein, wo sämt-
       liche in  jener Formel  abstrakt enthaltenen Bestimmungen heraus-
       entwickelt sind,  so daß  weitergehende Konkretisierung  nur mehr
       durch Einbeziehung  zusätzlicher Momente noch möglich ist. Im nä-
       heren heißt  dies, daß  es darauf  ankommt, die Verwertungs- oder
       Kapitaleigenschaft durch Entwicklung der sie bestimmenden Momente
       zunächst einmal  so weit  zu begründen,  wie es  der Rahmen jener
       allgemeinen Formel  gestattet. Zuerst stellt sich das Kapital nur
       als Kreislaufprozeß  dar, innerhalb dessen ein Wertüberschuß her-
       vorgebracht wird (G-W-G'). Aber die nähere Betrachtung der Wider-
       sprüche dieses Verwertungskreislaufs stößt auf dessen innere Kon-
       turen: Das  Kapital ist  sowohl wirklicher  Produktionsprozeß von
       Mehrwert als auch gleichzeitig formenwechselnder Zirkulationspro-
       zeß. Dies  sind in  der Tat die beiden Prozesse, auf deren Grund-
       lage die  Verwertungsbewegung G-W-G' vor sich geht und worauf die
       Entstehung des  Kapitals beruht.  Folglich hat sich in deren Ana-
       lyse die von der allgemeinen Verwertungsformel ausgehende dialek-
       tische Darstellung hineinzubegeben.
       Indem wir  die beiden  - abstrakt in G-W-G' enthaltenen - verwer-
       tungsbestimmenden Momente  Produktionsprozeß und Zirkulationspro-
       zeß untersuchen, finden wir die bestimmte Verwertung, die das Ka-
       pital in  seinem Verwertungskreislauf  erzielt. Auf  diese  Weise
       stellen wir den Wertüberschuß fest, den das Kapital in seinem Ge-
       samtprozeß aus Produktion und Zirkulation hervorbringt, und jener
       ist durch  seine Beziehung auf das gesamte in Produktion und Zir-
       kulation engagierte  Kapital nicht mehr Mehrwert, sondern Profit.
       Allerdings ist  dieser Profit  als Frucht ausschließlich des Pro-
       duktions- und  Zirkulationsprozesses vom  Mehrwert  nur  nominell
       verschieden -  oder   e i n f a c h e r  Profit. Einfacher Profit
       ist er  deshalb, weil er außer dem Produktions- und Zirkulations-
       prozeß keine  weitergehende Bestimmung  repräsentiert. Zu  seiner
       Formbestimmung sind  lediglich jene  beiden Prozesse unterstellt,
       die, wie  wir wissen,  schon abstrakt  in der allgemeinen Verwer-
       tungsformel G-W-G' enthalten sind. Indem der einfache Profit aber
       ausschließlich aus  Bewegungsprozessen des  Kapitals  hervorgeht,
       die von  der allgemeinen  Formel umschlossen  werden, geht  seine
       Darstellung folglich selber nicht über den Rahmen des allgemeinen
       Kapitalbegriffs hinaus.
       Gerade hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen der ein-
       fachen Form  des Kapital-Profit-Verhältnisses und den nachfolgend
       konkreteren Bestimmungen  desselben. Da der Durchschnittsprofit -
       im "Kapital"  die nächste  Kategorie - schon mehr voraussetzt als
       bloß den  eigenen Produktions-  und Zirkulationsprozeß  des Kapi-
       tals, fällt er bereits aus dem allgemeinen Kapitalbegriff heraus.
       In der  Tat ist et - indem er Resultat der Konkurrenz ist - Folge
       der   g e g e n s e i t i g e n  Aktion der Kapitale aufeinander,
       die bereits  als fertige  Einheit von Produktions- und Zirkulati-
       onsprozeß auftreten.  Die Konkurrenz  wirkt zusätzlich auf dieje-
       nige Verwertung ein, soweit sie ausschließliches Ergebnis der ei-
       genen Produktions- und Zirkulationsbewegung ist - und deshalb ist
       der Durchschnittsprofit  nicht wie  der einfache  Profit immanent
       aus der  allgemeinen Formel  des Kapitals  ableitbar. Aus  diesem
       Grunde betrachten  wir den  einfachen Profit  als Schlußpunkt des
       allgemeinen Kapitalbegriffs  oder des  "Kapital im  allgemeinen".
       Die Einlösung  der allgemeinen Formel des Kapitals ist der Inhalt
       des "Kapital  im allgemeinen",  und der  einfache Profit ist sein
       Schlußpunkt, weil  weitergehende Konkretisierung  nur mehr außer-
       halb der Reichweite der allgemeinen Formel möglich ist. An diesem
       Punkt sind  in der  Tat sämtliche  in der  allgemeinen Formel ab-
       strakt enthaltenen  Prozesse auf ihren Einfluß auf die Verwertung
       des Kapitals  untersucht und dargestellt. Es handelt sich also um
       einen Schlußpunkt,  der schon notwendig mit seinem Ausgangspunkt,
       nämlich G-W-G', vorgegeben ist.
       Wenn allerdings  die Grenzen  des allgemeinen  Kapitalbegriffs in
       der - allgemeinen Formel des Kapitals - G-W-G"' vorbestimmt sind,
       dann ergibt sich für den Vergleich zwischen der Darstellungsweise
       der "Grundrisse" und des "Kapital" nur ein einziger Schluß: Indem
       beide Male  die Kapitalanalyse  denselben Ausgangspunkt hat, näm-
       lich die allgemeine Formel des Kapitals, spricht alles dafür, daß
       ein "Kapital  im allgemeinen"  im Sinne  der Einlösung  jener ab-
       strakt behaupteten  Verwertungsqualität des  Werts sowohl  in den
       "Grundrissen" als auch im "Kapital" wirksam ist.
       
       V. Das "Kapital im allgemeinen" unter der Dominanz
       --------------------------------------------------
       eines neuen Strukturprinzips
       ----------------------------
       
       Wenn wir die Wirksamkeit des ursprünglichen "Kapital im allgemei-
       nen" noch  in allen drei Büchern des "Kapital" nachweisen wollen,
       dann können  wir andererseits nicht die Augen davor verschließen,
       daß sich  der auf  die "Verwandlung des Mehrwerts in Profit" fol-
       gende Teil keineswegs nach der ursprünglichen Gliederung richtet,
       ja daß  überhaupt die  Unterscheidung zwischen "Kapital im allge-
       meinen" und  "Konkurrenz" oder  "Kredit" im  "Kapital" nicht mehr
       das formelle Einteilungskriterium der Gesamtdarstellung abgibt.
       Zwar wird  zunächst im  zweiten Abschnitt  des dritten Buches die
       Konkurrenz behandelt,  soweit sie den Profit in Durchschnittspro-
       fit ausgleicht.  Doch alles andere, was ursprünglich für den Kon-
       kurrenzabschnitt vorgesehen  war  -  periodische  Überproduktion,
       Krisen, Nachfrage und Zufuhr, disproportionale Produktion usw. -,
       wird ausgespart  und in  die "Spezialuntersuchung der Konkurrenz"
       verwiesen. Die systematische Darstellung nimmt völlig andere The-
       men in  Angriff, und zwar sowohl im Planentwurf von 1863, der üb-
       rigens nur  der Niederschlag der in den vorausgehenden drei Manu-
       skriptheften vorgenommenen  Untersuchungen ist, als auch im drit-
       ten Band  des "Kapital", der aus dem nächsten Manuskript von 1865
       stammt. Es  ist ein  einheitliches Prinzip der Kategorienentwick-
       lung erkennbar  - von  der "Verwandlung  des Mehrwerts in Profit"
       bis hin  zu den  "Revenuen und ihren Quellen". In der Überschrift
       "Kapital und  Profit" ist  es korrekt  ausgedrückt, obwohl  diese
       früher nur das  e i n f a c h e  Profitverhältnis bezeichnet hat-
       te; denn  nunmehr handelt  es sich  in den  Hauptetappen der Ent-
       wicklung des dritten Abschnitts tatsächlich um nichts anderes als
       um weitere Bestimmungen des Kapital-Profit-Verhältnisses.
       Durchschnittsprofit, Handelsgewinn, industrieller Profit und Zins
       sowie Grundrente  sind in  der Tat  alles spezifische  Formen des
       Profits ödet verschiedene Ausdrucksweisen des Kapital-Profit-Ver-
       hältnisses. Dabei  sind sie  nicht bloß  voneinander verschiedene
       Formen derselben  Einheit, sondern  solche, die alle in einem be-
       stimmten Entwicklungsverhältnis  zueinander stehen.  So haben wir
       bereits den  Durchschnittsprofit als - der Konkurrenz geschuldete
       - unmittelbare  Weiterentwicklung des einfachen Profits kennenge-
       lernt. Modifiziert - bzw. vermindert - wird dieser Durchschnitts-
       profit seinerseits  durch die  Hereinkunft des  Kaufmannskapitals
       46), welches  für seine Funktion im Gesamtreproduktionsprozeß der
       Kapitale den  üblichen Anteil  am Profit  verlangt, diesen  aber,
       weil  nicht   selber  an   der  Profitproduktion  beteiligt,  den
       produktiven Kapitalen entziehen muß. Auf diesem neuen Niveau spä-
       het sich der Durchschnittsprofit wiederum zum einen in den Unter-
       nehmergewinn und zum anderen - nach Maßgabe des allgemeinen Zins-
       satzes -  in den Zins. 47) Der Zins ist der Anteil am Profit, den
       das Leihkapital  beansprucht, welches  von seinem  Eigner an  die
       Produktiven als  Ware verkauft  wird, um nach gewisser Frist ver-
       mehrt zu ihm zurückzukehren. Die Vermittlung von Produktions- und
       Zirkulationsprozeß bei der Wertvermehrung, die im Kapital-Profit-
       Verhältnis noch  als "Erinnerung"  und bei  der allgemeinen  Pro-
       fitrate "schon  sehr verdunkelt"  48) wird,  ist im zinstragenden
       Kapital vollständig verschwunden.
       Schließlich wirkt  auch die  Grundrente begrenzend auf den Profit
       des Kapitals  ein, indem  durch sie der in der kapitalistisch be-
       triebenen Landwirtschaft  etc. gewonnene  Surplus-Profit dem Aus-
       gleichsprozeß der Profitraten vorenthalten wird. Mit dem Grundei-
       gentum will  sich  Marx  im  "Kapital"  daher  nur  beschäftigen,
       "soweit ein Teil des vom Kapital erzeugten Mehrwerts dem Grundei-
       gentümer anheimfällt",  49) Auch wenn im Plan von 1863 die Grund-
       rente erst  als Illustration  konzipiert und die Reihenfolge zwi-
       schen zinstragendem  und merkantilem Kapital noch keineswegs ein-
       deutig ist, so beweist doch das anschließend vorgesehene "Revenue
       and its  sources", welches die durchgeführte Ableitung sowohl der
       Zins- als  auch der  Grundrentenform des Profits unterstellt, daß
       die dialektische  Entwicklung der  allgemeinen Profitformen schon
       damals das Leitmotiv des dritten Abschnitts bilden sollte.
       Halten wir fest: Der dritte Abschnitt - Kapital und Profit" steht
       dem Titel  entsprechend im  Zeichen der dialektischen Entwicklung
       der Formen des Profits bzw. der dialektischen Fortentwicklung des
       Kapital-Profit-Verhältnisses. Sein  inneres Band ist im wesentli-
       chen das  Entwicklungsverhältnis der  verschiedenen  Profitformen
       zueinander. Indem  der Ausgangspunkt  der Ableitung, das einfache
       Profitverhältnis, seinerseits  als Resultat  der  Fortentwicklung
       ödet als die konkrete Einlösung der in der allgemeinen Formel des
       Kapitals G-W-G' ausgedrückten Verwertungseigenschaft zu begreifen
       ist, handelt  es sich im dritten Abschnitt nur um die Fortsetzung
       der in  den beiden  ersten Abschnitten vorgenommenen kategorialen
       Entwicklung, und  zwar so weit, bis im zinstragenden Kapital G-G'
       die "allgemeine Formel des Kapitals auf ein sinnloses Resümee zu-
       sammengezogen" ist. 50)
       Nachdem im  ersten Buch  der Produktionsprozeß und im zweiten der
       Zirkulationsprozeß des  Kapitals dargestellt worden sind, kann es
       im nächsten  Buch nur  um das  fertige Kapital gehen, das Einheit
       von Produktions-  und Zirkulationsprozeß  ist. Dem Titel "Kapital
       und Profit" entspricht daher auch der Titel "Gesamtprozeß der ka-
       pitalistischen Produktion".  Denn als Gesamtprozeß von Produktion
       und Zirkulation  ist das  Kapital profitproduzierendes,  wie  der
       Profit überhaupt  der bestimmte Wertüberschuß des als Einheit von
       Produktion  und   Zirkulation  auftretenden   Kapitals  ist.  Der
       e i n f a c h e   Profit wiederum ist der Wertüberschuß des Kapi-
       tals, der sich lediglich dessen eigener Produktions- und Zirkula-
       tionsbewegung verdankt,  der ausschließlich der Eigenbewegung des
       Kapitals selbst  entspringt - noch unabhängig von den Beziehungen
       mit anderen  Kapitalen. Er ist daher zugleich der Schlußpunkt des
       "Kapital im  allgemeinen", des  rein als  solches,  nämlich  ohne
       Rücksicht auf  die Aktion  der Kapitale  aufeinander betrachteten
       Kapitals. G-W-G'  ist realisiert,  wenngleich noch auf sehr hohem
       Abstraktionsgrad. Nur  diesen einfachen  Profit hatte  früher die
       Überschrift des dritten Kapitels gemeint, desjenigen Kapitels, in
       dessen Anschluß zur Konkurrenz der Kapitalien übergegangen werden
       sollte.
       Damals wie  jetzt hatte  Marx keineswegs die Absicht, bei der Be-
       trachtung des  einfachen  Kapital-Profit-Verhältnisses  stehenzu-
       bleiben. Die dialektische Entwicklungsmethode des Aufsteigens vom
       Abstrakten zum  Konkreten, die  in der schrittweisen Konkretisie-
       rung des  Kapitalbegriffs besteht, verlangt nachgerade die nähere
       und konkretere  Bestimmung des  Kapitals  über  die  Grenzen  des
       "Kapital im allgemeinen" hinaus. Weitergehende Bestimmung des Ka-
       pitals kann  aber, da  das Profitverhältnis die zuletzt erreichte
       Konkretisierungsstufe des  Kapitalbegriffs darstellt, nur heißen:
       weitergehende Bestimmung  von Kapital  und Profit.  Daß dazu  zur
       Konkurrenz übergegangen  werden mußte, war Marx damals schon klar
       gewesen -  und dies,  daß sich  an das  - Kapital im allgemeinen"
       oder an  das  einfache  Profitverhältnis  damals  wie  jetzt  die
       "Konkurrenz" anschließt,  wenn auch jetzt vermindert auf die Her-
       stellung der Durchschnittsprofitrate, macht in der Tat die Konti-
       nuität sämtlicher Aufbaupläne für das "Buch vom Kapital" aus. Die
       Geltung der  Unterscheidung zwischen "Kapital im allgemeinen" und
       "Konkurrenz" in  sämtlichen Darstellungsvarianten  bzw.  ökonomi-
       schen Manuskripten  erhebt diese von vornherein über den Rang ei-
       nes bloßen Arbeitsmodells des Forschungsprozesses hinaus. Die Be-
       trachtung von  Konkurrenzbeziehungen im  Anschluß an das einfache
       Profitverhältnis ist auch nach der Konkretisierung des Aufbaupla-
       nes für  den auf  das "Kapital  im allgemeinen" folgenden Bereich
       immer noch  notwendig, da  alle nachfolgenden  Kategorien die von
       der Konkurrenz  bewirkte allgemeine  Profitrate voraussetzen bzw.
       ihrerseits weitere Modifikationen derselben hervorrufen.
       Auf der  anderen Seite steht ebenso fest, daß der alte Aufbauplan
       mit seinem weiten und unstrukturierten Konkurrenzbegriff noch we-
       nig zu  tun hat  mit den einzelnen Entwicklungsstufen der katego-
       rialen Darstellung  im Anschluß  an den einfachen Profit, wie sie
       der Planentwurf  von 1863  enthält. Damals war sich Marx tatsäch-
       lich noch  nicht über  die Notwendigkeit jener Schritte im klaren
       gewesen, weder  darüber, daß  er die  Konkurrenz zunächst  nur so
       weit einbeziehen konnte, wie zur Weiterbestimmung des Profits er-
       forderlich, noch  daß er  sich überhaupt  im weiteren nur auf die
       Fortentwicklung   des   Kapital-Profit-Verhältnisses,   auf   die
       "allgemeinen  Formen  des  Kapitals"  im  Unterschied  zu  seiner
       "realen Bewegung" 51), beschränken würde.
       Aufgrund seiner  Konzentration auf  das "Kapital  im allgemeinen"
       war es für ihn noch nicht relevant, daß die stufenweise Konkreti-
       sierung des Kapitalbegriffs nicht anders als in der letztlich re-
       alisierten Weise  vorgenommen werden  kann. Aber über die Notwen-
       digkeit jener  kategorialen Weiterentwicklung des Kapital-Profit-
       Verhältnisses zuungunsten einer sofortigen Betrachtung der realen
       Konkurrenz- und  Kreditbewegung mußte  Marx spätestens dann Klar-
       heit erlangen,  als er zu konkreten Gedanken über die Fortsetzung
       der Darstellung  jenseits des  "Kapital im allgemeinen" gezwungen
       wurde. Also  nicht erst  bei der Niederschrift des neuen Planent-
       wurfs im Januar 1863 und wahrscheinlich auch nicht erst im Dezem-
       ber 1862  während der Arbeit am Text des "Dritten Kapitels. Kapi-
       tal und Profit". Möglicherweise hatte er schon in den "Theorien "
       die Darstellungsweise  präzisiert -  wofür einige  Bemerkungen in
       "Revenue and its sources" über den Profit und die allgemeine Pro-
       fitrate sprechen  52) -,  so daß er jenes Kapitel bereits mit der
       neuen Konzeption  im Kopf  anfangen konnte.  Vielleicht kann  die
       Veröffentlichung des  "Dritten Kapitels" aus dem zweiten ökonomi-
       schen Manuskript  diese Frage  klären. Unser  Hauptinteresse gilt
       indessen einer  anderen Frage,  nämlich derjenigen,  ob das  neue
       Strukturprinzip der  Darstellung das  frühere grundsätzlich  aus-
       schließt oder  ob es  ein gewisses  Koexistenzverhältnis zwischen
       ihnen gibt.
       Um aus  der Tautologie,  daß das "Kapital im allgemeinen" mit dem
       einfachen Profit  endet, weil  es mit  dem einfachen Profit enden
       muß, herauszukommen,  haben wir jene Kategorie inhaltlich festzu-
       legen versucht, und zwar als Einlösung der allgemeinen Formel des
       Kapitals. Darüber  hinaus müssen  wir aber jetzt begründen, warum
       trotz der  Kontinuität des "Kapital im allgemeinen" seit Dezember
       1862 ein  anderes Gliederungs-Kriterium  für das Buch vom Kapital
       ausschlaggebend geworden  ist. Wenn der mit "Kapital im allgemei-
       nen" bezeichnete  Kategorienbereich immer noch als solcher inner-
       halb der  drei Bücher  des "Kapitals"  existiert und  wirksam ist
       53), dann  müßte, da  das "Kapital  im allgemeinen" schon mit dem
       einfachen Profit  abschließt, im  "Kapital" tatsächlich  eine ge-
       wisse   Ü b e r s c h n e i d u n g   zweier verschiedener Struk-
       turprinzipien vorliegen;  des alten,  das von  der Unterscheidung
       zwischen dem  dreigliedrigen "Kapital  im  allgemeinen"  und  der
       "Konkurrenz" ausging,  mit dem  neuen, welches im ganzen nur drei
       verschiedene Darstellungsebenen kennt. Der Konflikt zwischen bei-
       den ist  jedoch offensichtlich  eindeutig zugunsten des letzteren
       gelöst. Den Grund dafür sehen wir aber in Folgendem:
       Nachdem durch  die konsequente  Fortsetzung des Aufstiegs vom Ab-
       strakten zum  Konkreten die  Kategorienabfolge im Anschluß an das
       einfache Profitverhältnis  nicht mehr  von dem,  dem "Kapital  im
       allgemeinen" korrespondierenden,  Begriff der  Konkurrenz gedeckt
       wird, indem  die Konkurrenz  überhaupt "nur  so weit, als die Be-
       trachtung der übrigen Themata erheischt" 54) betrachtet wird, hat
       die  Unterscheidung   zwischen  -  Kapital  im  allgemeinen"  und
       "Konkurrenz" den Anspruch auf das Strukturprinzip für die gesamte
       Darstellung zweifellos eingebüßt. Obwohl die Änderungen lediglich
       den Bereich  jenseits des  "Kapital  im  allgemeinen"  betreffen,
       tritt dadurch  die Tatsache,  daß das  einfache  Profitverhältnis
       noch Teil des "Kapital im allgemeinen" ist, neben dercharakteris-
       rischen Gemeinsamkeit  des einfachen  Profits mit den nachfolgen-
       den, nicht  mehr zum  "Kapital im  allgemeinen" gehörigen Formbe-
       stimmungen in den Hintergrund. Das wesentlich Gemeinsame zwischen
       dem einfachen Profit und den auf ihn folgenden Kategorien, das in
       der Eigenschaft besteht, Entwicklungsform des Kapital-Profit-Ver-
       hältnisses zu  sein, ist  aber zumindest  genauso verbindend  wie
       seine im  "Kapital im  allgemeinen" begründete  Gemeinsamkeit mit
       dem ersten und zweiten Buch. Alle auf das einfache Profitverhält-
       nis folgenden  Kategorien sind  nur Stufen  seiner  eigenen  Wei-
       terentwicklung; alles  sind Formbestimmungen  des als Einheit von
       Produktions- und Zirkulationsprozeß gesetzten Kapitals.
       Es ist  diese Gemeinsamkeit, die Marx dazu berechtigt, den einfa-
       chen Profit  zusammen mit  den nachfolgenden  Formbestimmungen in
       einem einheitlichen Abschnitt, der nur die Entwicklungsformen des
       Profits betrachtet,  unterzubringen, auch  wenn  die  Grenze  des
       "Kapital im  allgemeinen" mitten durch ihn hindurchgeht. Die Tat-
       sache, daß  das erste  und zweite  Buch samt dem ersten Abschnitt
       des dritten mit dem ursprünglichen "Kapital im allgemeinen" weit-
       gehend zusammenfallen,  wird nicht  mehr gliederungsrelevant. Auf
       diese Weise hat, wie Manfred Müller sagt, Marx die "Grundzüge des
       'Konkurrenz'-Kapitels organisch  mit dem  Kapitel 'Das Kapital im
       allgemeinen'" verbunden  55), so daß das "Kapital" im Unterschied
       zu  den  "Grundrissen"  nicht  nur  die  immanenten  Gesetze  des
       Kapitals enthält,  sondern auch  deren Durchsetzungsweise  an der
       Oberfläche der Erscheinung in allgemeinen Zügen thematisiert.
       Daß das "Kapital im allgemeinen" seit 1863 von einem neuen Struk-
       turprinzip dominierend  überlagert wird, ohne daß der mit ihm ge-
       meinte Kategorienbereich  als solcher  aus der  Gesamtdarstellung
       verschwunden wäre,  ist der  Grund dafür,  daß Marx jenen Begriff
       seither nicht mehr verwendet. Das "Kapital im allgemeinen" ist in
       der Tat  nicht mehr der Hauptstrukturgesichtspunkt der kategoria-
       len Entwicklung,  obwohl es  immer noch darin wirksam ist. Die im
       Planentwurf von  1863 zum  Ausdruck kommende Planänderung selber,
       die einsetzen  m u ß t e,  sobald der Bereich jenseits des "Kapi-
       tal im  allgemeinen" darstellungsrelevant  wurde, hat  nichts mit
       der Preisgabe  des "Kapital  im allgemeinen"  zu tun, sondern nur
       mit seiner  veränderten Gewichtung.  Sie läßt sich in der Tat mit
       dem unterschiedlich  weiten Vordringen  des  Darstellungsversuchs
       zum Konkreten hin erklären oder, wenn man so will, mit der unter-
       schiedlichen Reichweite  des  auf  Darstellungsweise  gerichteten
       Forschungsprozesses.
       
       _____
       1) Folgender Beitrag ist eine Kurzfassung wichtiger Gedankengänge
       aus einer  breiteren Untersuchung  des Autors  über die Marxschen
       Vorarbeiten zum  "Kapital",  insbesondere  über  die  Strukturge-
       schichte. Sie erscheint demnächst bei deb in Westberlin unter dem
       Titel "Vom Rohentwurf zum Kapital".
       2) vgl. die  Antikritik an den Kritikern der Monopoltheorie durch
       Braunsdorf/Löffler, Kapitalbegriff  und Monopol, Westberlin (deb)
       1976.
       3) vgl. Manfred  Müller, Auf  dem Wege  zum "Kapital", Westberlin
       (deb) 1979.  Ders., Zu einigen sowjetischen Forschungsergebnissen
       über die  Entstehungsgeschichte des  "Kapital", in:  Beiträge zur
       Geschichte der  Marx/Engels-Forschung und  -Edition  in  der  So-
       wjetunion und der DDR, Berlin 1978, S. 114 ff.
       4) vgl. Karl  Marx, Friedrich  Engels, Werke  (MEW) Bd. 26. 2, S.
       490
       5) Witali S.  Wygodski, Die  Geschichte einer  großen Entdeckung,
       Berlin 1967 (Moskau 1965).
       6) Roman  Rosdolsky,   Zur  Entstehungsgeschichte  des  Marxschen
       "Kapital", Frankfurt 1968.
       7) vgl. Planskizze im Brief an Lasalle vom 22.2.1858. in: MEW Bd.
       29, S.  551 und im Vorwort von "Zur Kritik der politischen Ökono-
       mie", in: MEW Bd. 13, S. 7.
       8) Karl Marx,  Friedrich Engels,  Gesamtausgabe (MEGA) Bd. II, 3.
       l, Berlin 1976, S. 4.
       9) Rosdolsky, a.a.O., S. 26.
       10) vgl. Plan  zum III.  Teil oder III. Abschnitt des "Kapitals",
       MEW Bd. 26.1, S. 390.
       11) vgl. Braunsdorf/Löffler, a.a.O.
       12) Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3, MEW Bd. 25, S. 872.
       13) a.a.O., S. 184.
       14) vgl. Karl  Marx, Grundrisse zur Kritik der politischen Ökono-
       mie (Grundrisse), Berlin 1953, S. 544.
       15) Das Kapital, Bd. 3, a.a.O., S. 184.
       16) a.a.O., S. 206.
       17) Grundrisse, S. 544.
       18) a.a.O.
       19) Karl Marx, Das Kapital. Bd. 1, MEW Bd. 23, S. 335.
       20) Grundrisse, S. 543.
       21) Das Kapital, Bd. 1, S. 618; vgl. auch S. 286.
       22) Grundrisse, S. 544.
       23) a.a.O., S. 683.
       24) a.a.O., S. 545.
       25) a.a.O., S. 450.
       26) a.a.O., S. 637/8.
       27) Braunsdorf/Löffler, a.a.O., S. 52.
       28) Grundrisse, S. 317.
       29) vgl. IMSF (Hrsg.), Das Monopol - ökonomischer Kern des heuti-
       gen Kapitalismus, Frankfurt 1976; darin insbesondere die Beiträge
       von J. Huffschmid, H. Jung und R. Katzenstein
       30) Das Kapital, Bd. 3, S. 453.
       31) a.a.O., S. 456.
       32) Grundrisse, S. 550.
       33) Das Kapital, Bd. 3, S. 453.
       34) MEW Bd. 19, S. 220.
       35) a.a.O.
       36) Grundrisse, S. 544/5
       37) a.a.O., S. 353.
       38) Damit beschäftigt sich das PKA unter dem Namen "Projektgruppe
       Entwicklung  des   Marxschen  Systems"  schwerpunktmäßig  in  dem
       "Theorien"-Kommentar: Der  4.  Band  des  "Kapital"?,  Westberlin
       1975.
       39) Diese beiden  Punkte stehen  zusammen mit dem Zins im Zentrum
       des Artikels:  Die Krise in der Theorie, in: Beiträge zum wissen-
       schaftlichen Sozialismus 4/76, S. 85 ff, insbes. S. 108-112.
       40) a.a.O., S. 111.
       41) vgl. Der 4. Band des "Kapital"?, a.a.O., S. 420-433.
       42) V. Bader,  T. Hagelstange  u.a., Krise  und Kapitalismus  bei
       Marx, Frankfurt 1975, 2 Bände.
       43) a.a.O., Band I, S. 106.
       44) a.a.O., S. 108.
       45) vgl. Helmut  Reichelt, Zur  logischen Struktur des Kapitalbe-
       griffs bei Karl Marx, Frankfurt/Wien 1970.
       46) "Bisher nur gehandelt vom produktiven Kapital. Es tritt jetzt
       Modifikation ein durch das Kaufmannskapital." (Marx an Engels, v.
       30.4.1868, in: MEW Bd. 32, S. 74).
       47) Dies, daß  die allgemeine  Zinsrate von  der allgemeinen Pro-
       fitrate eingegrenzt  und - trotz relativer Eigenbewegung - in ge-
       wisser Weise von dieser bestimmt wird, ist übrigens der entschei-
       dende Grund  dafür, die  Zinsform erst im Anschluß an den Konkur-
       renzausgleich zu  betrachten und nicht diesem vorauszusetzen, wie
       dies noch die "Grundrisse" vorgesehen hatten.
       48) MEW Bd. 26. 3, S. 447.
       49) Das Kapital, Bd. 3, S. 62.
       50) MEW Bd. 26.3, S. 446.
       51) a.a.O., S. 463.
       52) a.a.O., S. 451.
       53) Ob, warum  und seit  wann  das  erste  und  zweite  Buch  des
       "Kapital" über  die notwendigen  Mittelglieder zur  Ableitung des
       Kapital-Profit-Verhältnisses oder  das "Kapital  im  allgemeinen"
       hinausgehen -  dieser Frage  wird ausführlich  in meiner Untersu-
       chung "Vom  Rohentwurf zum Kapital" nachgegangen. Vgl. Anm. 1. Es
       betrifft hauptsächlich  die Abschnitte Arbeitslohn, Akkumulation,
       Reproduktion des ges. Gesamtkapitals.
       54) Marx an Kugelmann v. 6.3.1868, in: MEW Bd. 32, S. 539.
       55) Manfred Müller,  Auf dem  Wege zum "Kapital", Manuskriptseite
       158.
       

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