Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       REGIONALE STRUKTURKRISEN IM STAATSMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS
       ===============================================================
       UND MARXISTISCHE RAUMÖKONOMIE. AM BEISPIEL DER RUHRGEBIETSKRISE
       ===============================================================
       
       Hermann Bömer
       
       I. Entwicklung  der Ruhrgebietskrise:  empirische Daten - II. Die
       staatlichen Maßnahmen  zur Dämpfung  der Krisenfolgen - III. Ele-
       mente einer  marxistischen  Theorie  räumlicher  (regionaler  und
       städtischer) Krisen - IV. Wesen und Erscheinungsformen der staat-
       lichen räumlichen Regulierung - V. Räumliche Vergesellschaftungs-
       prozesse und theoretische Auseinandersetzungen
       
       I. Entwicklung der Ruhrgebietskrise: empirische Daten
       -----------------------------------------------------
       
       "Seit Ende  der 50er  Jahre ist  durch das unterdurchschnittliche
       Wachstum der Stahlindustrie und die Rückbildung im Bergbau minde-
       stens einer halben Million Beschäftigten unmittelbar oder mittel-
       bar die  Erwerbsgrundlage entzogen  worden." 1)  Die Zahl der Be-
       schäftigten in  der eisenschaffenden  Industrie Nordrhein-Westfa-
       lens reduzierte  sich dabei  von Ende  1960 bis Ende 1978 um über
       86 000 und betrug im September 1978 noch 212 000 Personen. 2)
       Die Zahl  der Beschäftigten im Steinkohlenbergbau an der Ruhr ist
       seit 1957 um über 350 000 zurückgegangen, so daß 1978  143 000 im
       Bergbau beschäftigt waren. Die Anzahl der Schachtanlagen ging von
       140 (1957) auf 31 (1978) zurück.
       
       Tabelle 1:
       Die Entwicklung  des Steinkohlenbergbaus  im Ruhrgebiet  von 1957
       bis 1978 3)
       
                              1957   1960   1965   1970   1975   1978 1)
       
       Förderung (Mio. t 2)) 123,2  115,4  110,9   91,1   75,9   67,1
       Lagerbestände
       (Mio. t 2), 3))         0,9   11,0   13,5    0,7   14,2   15,6
       außerdem:
       Kohlereserve
       (Mio. t 2), 3,) 4))                   0,9    0,4          10,0
       Beschäftige
       (Anzahl)             496000 398000 307000 202000 160000 143000
       Schichtleistung
       unter Tage
       (t je Mann u. Schicht)  1,6    2,1    2,8    3,8    3,9    3,9
       Fördernde Schacht-
       anlagen (Anzahl)        140    122     90     56     35     31
       _____
       1) vorläufige Zahlen
       2) verwertbare Förderung
       3) Koks in Kohle umgerechnet
       4) Bundesgebiet insgesamt
       
       Trotz dieser  massiven Reduzierung  der Arbeitsplätze des Montan-
       sektors  sind  nach  wie  vor  48%  aller  Industriebeschäftigten
       (einschl. Bergbau)  im Bergbau, in der Eisen- und Stahlindustrie,
       in den  Gießereien, Ziehereien und Kaltwalzwerken oder der Stahl-
       verformung tätig. 4)
       Zahlreiche Städte speziell der Emscher- und Lippezone des Ruhrge-
       biets sind daher nach wie vor massiv monostrukturiert vom Bergbau
       abhängig:
       
       Tabelle 2:
       Anteil der Bergbaubeschäftigten an den Industriebeschäftigten 5)
       Stand 31.12.1976, in v.H.
       
       Kreise und kreisfreie Städte des Ruhrgebietes
       
       Mülheim             -
       Bochum              0,62
       Duisburg            7,06
       Essen              15,53
       Oberhausen         17,36
       Dortmund           20,99
       Herne              29,84
       Unna               31,06
       Gelsenkirchen      32,45
       Hamm.......        40,39
       Recklinghausen     42,99
       Wesel........      43,81
       Bottrop.......     68,56
       
       Das RWI schätzt die Zahl der Arbeitsplätze im Bergbau und der En-
       ergiewirtschaft für  1978 auf 190 000, das Gesamtvolumen des dar-
       auf aufbauenden  Energiekomplexes auf  ca. 350 000 Arbeitsplätze.
       6) Diese  Zahlen zeigen,  welche herausragende  Bedeutung in  der
       Vergangenheit und  ebenso in  der Zukunft  der Energiepolitik und
       Energiewirtschaft für  die Entwicklung des Ruhrgebiets zugekommen
       ist und auch weiter zukommen wird.
       Offensichtlich ist  die regionale  Strukturkrise des  Ruhrgebiets
       damit wesentlich  auf die  komplizierten  Entwicklungsbedingungen
       und Strategien  des Montankapitals  zurückzuführen. Im Verhältnis
       von Zweig- und Territorialstruktur der Produktion und des gesell-
       schaftlichen Lebens  ist die  Dominanz der Verwertungsbedingungen
       der im  wesentlichen sektoral strukturierten Konzerne offensicht-
       lich ein  Schlüsselproblem, das  eine ausgeglichene  territoriale
       Bewegung der kapitalistischen Produktionsweise verhindert. Natür-
       lich haben  in den Jahren seit 1957 Strukturveränderungen größten
       Ausmaßes im  Ruhrgebiet stattgefunden.  Insgesamt zeigt sich, daß
       die Investitionsgüterindustrien  heute ein  deutlich höheres  Ge-
       wicht als in der ersten Hälfte der 60er Jahre haben. - Die Abhän-
       gigkeit des  Reviers von  der Montanwirtschaft bleibt zwar beste-
       hen, aber  sie ist deutlich gesunken: Während 1957 etwa 5 5 % al-
       ler Erwerbstätigen  im Revier  im Montansektor  und in  den damit
       verflochtenen Wirtschaftszweigen  tätig waren,  sind es heute nur
       noch 37%."  7) Diese  Schlußfolgerung der Landesregierung muß je-
       doch teilweise  relativiert werden, weil der relative Anstieg der
       Investitionsgüterindustrien verdeckt,  daß diese  besonders  kon-
       junkturanfällig und außerdem sehr stark auf den Montansektor aus-
       gerichtet sind.
       In der  Zeit von  Mai 1970  bis April  1977 ging die Zahl der Er-
       werbstätigen in  der BRD  um 2,3 % zurück, im Ruhrgebiet um 7,9%.
       Die Zahl der Industriebeschäftigten ging in der BRD vom 30.9.1967
       bis 30.9.1976  um 4,5%, im Ruhrgebiet um 11,4% zurück. Von Januar
       1977 bis Oktober 1978 waren es in der BRD "0,5 %, im Ruhrgebiet -
       -4,0%! 8)
       Folglich ging  die ohnehin  schon  vergleichsweise  niedrige  Er-
       werbstätigenquote des  Ruhrgebiets (BRD in Klammern) von Mai 1970
       bis April 1977 von 38,9% (43,9%) auf 37,5% (42,1%) zurück.
       Während der  Abstand sich  bei der Erwerbstätigenquote der Männer
       von Mai 1970 von 57,8% (59,2%) auf 54,0% (55,5%) kaum veränderte,
       betrug die  Differenz bei  den Frauen  im Mai  1970  8,4 Prozent-
       punkte (BRD:  30,0%; Ruhrgebiet: 21,6%), im April 1977 immer noch
       7,2 Prozentpunkte (BRD: 30,0%; Ruhrgebiet: 22,8%). 9)
       Mit diesen wenigen Zahlen ist die typische Erwerbstätigenstruktur
       einer alten  schwerindustriellen Region skizziert. Trotz der ins-
       gesamt raschen Expansion des tertiären Sektors in den 70er Jahren
       ist damit  die weibliche  Erwerbstätigenquote im  Ruhrgebiet nach
       wie vor extrem niedrig. Die nach Wirtschaftsbereichen zusammenge-
       faßte Erwerbstätigenstruktur erklärt diese Situation teilweise:
       
       Tabelle 3:
       Erwerbstätige nach zusammengefaßten Wirtschaftsbereichen 1977 10)
       
                                                Anteile in %
                                    Bundesgebiet   Land NW   Ruhrgebiet
       
       Land- und Forstwirtschaft        6,0           2,8        1,3
       Produzierendes Gewerbe          44,8          50,9       53,1
       Handel und Verkehr              17,4          17,0       18,5
       Übrige Dienstleistungen         31,8          29,3       27,1
       
       Anzumerken bleibt, daß diese Ziffern für das Ruhrgebiet die teil-
       weise äußerst  starke intraregionale  Differenzierung,  das  Süd-
       Nord-Gefälle des  Ruhrgebiets, verdecken.  Denn ein  Großteil der
       Dienstleistungen ist im südlichen Ruhrgebiet konzentriert. Ferner
       wird ein  großer Teil der Dienstleistungen für das Ruhrgebiet vom
       Raum Düsseldorf,  dem sogenannten  Schreibtisch des  Ruhrgebiets,
       wahrgenommen. Insofern ist es nur bedingt richtig, das Ruhrgebiet
       relativ isoliert zu betrachten und zu analysieren. Denn die funk-
       tionale Arbeitsteilung fällt mit der territorialen Arbeitsteilung
       zwischen dem  Ruhrgebiet und der Rheinschiene überdeutlich zusam-
       men.
       Nach einem  starken  W a n d e r u n g s v e r l u s t  des enge-
       ren Ruhrgebiets  in den  60er Jahren (-258 900 von 1961 bis 1969)
       zeigte die erste Hälfte der 70er Jahre zunächst ein etwas günsti-
       geres Bild. "In den Jahren 1970 bis 1975 haben 1,5 Mill. Personen
       das Ruhrgebiet  verlassen, in  der gleichen  Zeit sind  1,4 Mill.
       Personen dazugezogen.  Da viele  der Abwanderer lediglich das Um-
       land aufgesucht haben, weist das Ruhrgebiet (in dieser konjunktu-
       rell günstigen  Zeit, H.B.)  einschließlich seinem  Umland  sogar
       einen Zuwanderungsgewinn aus." 11) Allerdings hat sich die Bevöl-
       kerung insgesamt von Mai 1970 bis April 1977 um 4,5% oder 228 500
       reduziert. Seit  1976 haben  die Wanderungsverluste  wieder stark
       zugenommen. Verglichen mit anderen Verdichtungsräumen oder schwa-
       chen Arbeitsmarktregionen sind die Wanderungsverluste des Ruhrge-
       biets mit  etwa 20 000 Personen pro Jahr "als unverändert hoch zu
       bezeichnen". 12)
       Das Ruhrgebiet  umfaßt ca.  17% der  Fläche Nordrhein-Westfalens,
       stellt ein  Drittel der  Wohnbevölkerung und  Erwerbstätigen, war
       jedoch im März 1979 mit mehr als 40% der  A r b e i t s l o s e n
       und nur  rund einem Viertel der offenen Stellen Problemregion Nr.
       l in  Nordrhein-Westfalen. Die registrierte Arbeitslosenquote be-
       trug im  Ruhrgebiet Ende  März 1979  6,4% (130 200). Auf eine of-
       fene Stelle kamen 6,8 Arbeitslose. 13/14)
       "Hinter diesen  Daten verbergen sich regional differenzierte Ent-
       wicklungen. So  lag die  Arbeitslosenquote  im  Durchschnitt  der
       letzten 3  Jahre (1976, 1977, 1978) jeweils Ende September in ei-
       nigen Arbeitsämtern  im Bundesgebiet  zwischen 1,3%  und 1,8%, im
       Bundesdurchschnitt bei 3,9%, im Landesdurchschnitt bei 4,5%, wäh-
       rend Gelsenkirchen  6,6%, Duisburg  6,3%, Bochum  5,8%,  Dortmund
       5,7%, Essen  5,6%, Hamm  5,5% und Recklinghausen 5,4% aufweisen."
       15)
       Im März 1979 waren in den Arbeitsamtsbezirken Gelsenkirchen 8,0%,
       Duisburg 7,6%, Bochum 7,0%, Dortmund 7,0% und Oberhausen 6,1% Ar-
       beitslose offiziell registriert.
       Diese Abkoppelung des Ruhrgebiets vom Bundes- und Landestrend er-
       folgte paradoxerweise  in einem  Zeitraum, in  dem die Investiti-
       onstätigkeit der  Industrie in Prozent des Landesdurchschnitts im
       Ruhrgebiet mit  104,3% (1970)  über 123,0%  (1972), 119,0% (1974)
       und 123,0%  (1976) weit  über dem  Durchschnitt lag. Dies ist nur
       durch die  kapitalintensiven  Rationalisierungsinvestitionen  er-
       klärbar, die vor allem im Montansektor und der Investitionsgüter-
       industrie realisiert wurden. 16)
       Die   S t r u k t u r    d e r    A r b e i t s l o s i g k e i t
       verweist darauf, daß die Unternehmen die Dauer der hohen Arbeits-
       losigkeit zu  einer massiven Auslesepolitik benutzt und damit die
       von ihnen beklagten "Problemgruppen" selbst geschaffen haben:
       Im September  1978 entfielen von 119 000 registrierten Arbeitslo-
       sen 34%  auf Angestellte;  54% hatten  keine  abgeschlossene  Be-
       rufausbildung; 32%  waren gesundheitlich eingeschränkt; 10% waren
       jünger als 20 Jahre; 23% waren 50 Jahre und älter; 25% waren län-
       ger als  ein Jahr  arbeitslos. Eine  Sondererhebung des Landesar-
       beitsamtes NRW  ergab, daß  von den  Ende Mai  1978 registrierten
       108837  Arbeitslosen  der  Arbeitsamtsbezirke  Hamm,  Oberhausen,
       Recklinghausen, Bochum,  Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen
       und Wesel  nur 9,9% aus den Wirtschaftsbereichen Metallerzeugung,
       Metallverformung und  Kohlenbergbau, dagegen  aber 16,1%  aus dem
       Handel, 10,5%  aus dem Baugewerbe und 63,5% aus den übrigen Wirt-
       schaftsbereichen kommen. 17)
       Es besteht also ein Widerspruch zwischen der sektoral sehr unter-
       schiedlichen wirtschaftlichen  Entwicklung und  der Struktur  der
       Arbeitslosigkeit nach  Wirtschaftsbereichen .  Offensichtlich hat
       eine weitgehende  Abkoppelung der wichtigsten Ursachen der Regio-
       nalkrise des Ruhrgebiets - der Krise der die Monostruktur prägen-
       den Montanindustrie  - von  den inzwischen  verfestigten Erschei-
       nungsformen dieser  Krise, die  teilweise in  ganz anderen  Wirt-
       schaftszweigen ihren  Niederschlag finden,  stattgefunden. Allge-
       meine und  besondere Krisenerscheinungen  sind außerdem  auf  das
       engste miteinander verflochten.
       
       II. Die staatlichen Maßnahmen zur Dämpfung der Krisenfolgen
       -----------------------------------------------------------
       
       "In den Jahren 1966 bis 1978 wurde der Steinkohlenbergbau in Nor-
       drhein-Westfalen insgesamt  mit ca.  15 Milliarden DM aus Bundes-
       und Landesmitteln  unterstützt. Allein das Land hat dabei ca. 5,6
       Milliarden DM zur Verfügung gestellt..." 18)
       
       Tabelle 4:
       Aufschlüsselung der  Landesmittel für  den Steinkohlenbergbau von
       1966 bis 1978 19)
       
       - Sozialleistungen                               948 Mio. DM
       - Stillegungshilfen                              836 Mio. DM
       - Absatzhilfen                                  1697 Mio. DM
       - Investitionshilfen ,                          1090 Mio. DM
       - Maßnahmen speziell zugunsten der Ruhrkohle AG  483 Mio. DM
       - Forschung und Entwicklung                      420 Mio. DM
       - sonstige Förderungsmaßnahmen                   101 Mio. DM
       (Der überwiegende Teil - und zwar ca. 90% - dieser Mittel ist dem
       Ruhrgebiet zugute gekommen.)
       
       1978 wurde  eine weitere Aufstockung der Investitionshilfe um 582
       Mill. DM  pro Jahr  von 1978  bis 1981 für den Steinkohlenbergbau
       beschlossen.
       Für das  Jahr 1979 stehen nach den Haushaltsplänen des Bundes und
       des Landes  dem Ruhrbergbau  weitere 2,7  Mill. DM  zu Verfügung.
       "Weitere energie-  (und umwelt-)politische Investitionen im Ruhr-
       gebiet im Rahmen einer Energiesicherungspolitik sind:
       - Ausbau der  Fernwärmeversorgung. Bund  und Land  fördern diesen
       Ausbau gemeinsam  im Rahmen des Programms für Zukunftsinvestitio-
       nen. Bisher  wurden im Ruhrgebiet 15 Einzelvorhaben mit einem In-
       vestitionsvolumen von  insgesamt 200  Mill. DM gefördert. Bis zum
       Jahre 1981 werden für den Ausbau der Fernwärmeversorgung über 400
       Mill. DM investiert.
       - Gewährung von  Bürgschaften durch  das  Land  für  verschiedene
       Zwecke der Energiewirtschaft" z.B.:
       - Haldenfmanzierungsbürgschaften für die Ruhrkohle AG
       - Kraftwerksfinanzierungsbürgschaften für die STEAG und die VEBA-
       Kraftwerke Ruhr AG
       Außerdem wirkt sich für Nordrhein-Westfalen, insbesondere für das
       Ruhrgebiet aus:
       die Ausgleichsabgabe nach dem 3. Verstromungsgesetz, die vom Ver-
       braucher erbracht  wird. Diese  Ausgleichsabgabe stabilisiert den
       Absatz des Ruhrbergbaus in der Steinkohleverstromung. Das Gesamt-
       aufkommen aus  der Ausgleichsabgabe  betrug 1978 ca. 2 Milliarden
       DM.
       Die Landesregierung  hat den LEP VI, Gebiete für flächenintensive
       Großvorhaben und Kraftwerksstandorte' erlassen." 20)
       Dieser Plan  weist unter  anderen 16 Standorte für Großkraftwerke
       aus. Die  Behauptung der  Landesregierung vom  "Vorrang  für  die
       Kohle" entspricht  allerdings nur  teilweise der Wahrheit, da der
       LEP VI  eben auch  Standorte für  Kernkraftwerke ausweist und die
       Landesregierung die  Sabotage der wichtigsten Kraftwerksbetreiber
       gegen den  weiteren Bau  von  Kohlekraftwerken  unterstützt  bzw.
       nicht wirkungsvoll bekämpft.
       R e g i o n a l e  W i r t s c h a f t s f ö r d e r u n g:  Nach
       Angaben der Landesregierung wurden im Ruhrgebiet nach § 23 Abs. 2
       Kohlegesetz in  den kreisfreien  Städten und  Kreisen des Ruhrge-
       biets von 1968 bis 1974 Investitionen von 21,76 Milliarden DM mit
       10% Investitionsprämie  gefördert. Von  1972 bis  1977 wurden zu-
       sätzlich  4,67   Milliarden  DM   Investitionen  mit   Hilfe  der
       "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung  der  regionalen  Wirtschafts-
       struktur" und  landeseigener Förderungsprogramme  mit 10-20% sub-
       ventioniert. Im Jahre 1979 stehen dafür 360 Millionen DM zur Ver-
       fügung. 21)
       Die   M i t t e l s t a n d s f ö r d e r u n g  beträgt 1979 ca.
       83,5  Millionen  DM.  Seit  1974  wurden  im  Ruhrgebiet  diverse
       K o n j u n k t u r p r o g r a m m e  einschl. des Zukunftsinve-
       stitionsprogramms in Höhe von knapp 2 Milliarden DM hauptsächlich
       im Bereich Infrastruktur, Stadtsanierung, Wohnungsmodernisierung,
       Wasserwirtschaft, Fernwärme und Verkehr getätigt.
       Mit dem   T e c h n o l o g i e - P r o g r a m m   E n e r g i e
       wurden Mittel bereitgestellt:
       - zur Verbesserung  der herkömmlichen  und der  Entwicklung neuer
       Kohlegewinnungs- und Veredelungsverfahren (1979: 75,6 Mill. DM);
       - zur Entwicklung  neuer Technologien zur Kohleverwendung (Kohle-
       druckvergasungsanlage, bisher  mit 56  Mill.  DM  subventioniert;
       Kohleverflüssigung,  insgesamt  mit  ca.  120  Mill.  DM  subven-
       tioniert; nukleare  Prozeßwärme zur  Kohlevergasung, THTR  300  -
       Hochtemperaturreaktor -,  insgesamt bislang  1,2 Mill. DM Subven-
       tionen) sowie  für das  Technologieprogramm  Wirtschaft  (innova-
       tionsfördernde Projekte).
       A r b e i t s m a r k t p o l i t i s c h e    M a ß n a h m e n:
       Die Hauptkompetenz liegt in diesem Bereich beim Bund und der Bun-
       desanstalt für  Arbeit. Nach  Angaben des  Landesarbeitsamtes 22)
       wurden allein  1978 über  die Arbeitsämter des Ruhrgebiets 1,7027
       Milliarden DM (ohne Kindergeld) ausgezahlt. Davon 198,1 Millionen
       DM für  berufliche Bildung,  57,5 Millionen  DM für die Förderung
       der Arbeitsaufnahme,  794,4 Millionen  DM  für  Arbeitslosengeld,
       252,9 Millionen DM für Arbeitslosenhilfe.
       Die Hauptaktivitäten  der Landesregierung  liegen auf  dem Gebiet
       der sogenannten Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. - Im Jahre
       1979 dürften  voraussichtlich rund  20 000 Plätze für Jugendliche
       im Land  insgesamt gefördert  werden, darunter in erheblichem Um-
       fang auch im Ruhrgebiet. Der Bewilligungsrahmen (Ansätze und Ver-
       pflichungsermächtigung) des  Landes zur  Bekämpfung der Jugendar-
       beitslosigkeit beträgt 1979 rund 620 Millionen DM" 23), davon ca.
       ein Drittel im Ruhrgebiet.
       W i s s e n s c h a f t   u n d   F o r s c h u n g:   Seit  1961
       wurden im  Ruhrgebiet 5  Universitäten und  Gesamthochschulen ge-
       gründet: Bochum  (1961), Dortmund  (1962), Duisburg (1972), Essen
       (1972), Fernuniversität-Gesamthochschule  Hagen (1974).  Die Stu-
       dentenzahl stieg  von 2000  (1960) auf  67 150 (1979). Der Anteil
       der im  Ruhrgebiet Studierenden  an der Gesamtzahl der nordrhein-
       westfälischen Studenten  stieg damit  von 2,8% im Jahre 1950 über
       18,3% im  Jahre 1970  auf z.Z. 23,2%. 24) An den Hochschulen sind
       1979 ca. 12 000 Arbeitskräfte beschäftigt. Bis Ende 1978 sind für
       die 5 Hochschulneugründungen über 3 Milliarden DM investiert wor-
       den, während  an laufenden Ausgaben für die Revier-Hochschulen im
       Jahre 1979 etwa 800 Millionen DM vorgesehen sind.
       Der Ausbau  der Forschung  außerhalb der  Hochschulen wurde eben-
       falls vorangetrieben: Unter anderem sind hier zu nennen die Berg-
       bauforschungs GmbH  Essen (1051 Mitarbeiter); das Rheinisch-West-
       fälische  Institut  für  Wirtschaftsforschung,  Essen;  die  For-
       schungsgesellschaft  für  Arbeitsphysiologie  und  Arbeitsschutz,
       Dortmund; die  Bundesanstalt  für  Arbeitsschutz  und  Unfallfor-
       schung, Dortmund; das Silikose-Forschungsinstitut, Bochum.
       V e r k e h r:  "Für das Wegenetz des ÖPNV im Ruhrgebiet (ohne S-
       Bahn) sind  von 1967  bis 1978  staatliche Zuschüsse  in Höhe von
       rund 1,8  Milliarden DM  geleistet worden." 25) Die Investitions-
       planung 1977  bis 1990  für den  Stadtbahnbau  sieht  im  Bereich
       Rhein-Ruhr ca. 9 Milliarden DM vor. 1990 sollen ca. 172 km Stadt-
       bahnstrecke in  Betrieb sein.  Für den Bau von S-Bahnen der Deut-
       schen Bundesbahn sind 3 Milliarden DM Finanzhilfen vorgesehen.
       Seit 1967 sind im Ruhrgebiet rund 175 km Autobahnen mit Kosten in
       Höhe von ca. 2 Milliarden DM neu gebaut worden. 26)
       Die Investitionen für den Neu-, Um- und Ausbau der Landstraßen im
       Ruhrgebiet betrugen  seit 1967  etwa 1,25  Milliarden DM. Für die
       kommenden Jahre  sind Investitionen in der gleichen Größenordnung
       vorgesehen. Für kommunale Straßenverkehrsprojekte wurden von 1967
       bis 1978 den Kommunen 1,5 Milliarden DM Zuschüsse gewährt, ebenso
       1,1  Milliarden   DM  Straßenbauzuweisung   zur  Erfüllung  ihrer
       Aufgaben aus der Straßenbaulast. Bund und Land haben für den Aus-
       bau der Wasserstraßen seit 1967 ca. 1,5 Milliarden DM aufgewandt.
       U m w e l t s c h u t z:  Auch im Bereich des Umweltschutzes sind
       die organisatorischen, gesetzgeberischen und finanziellen Maßnah-
       men des  Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes nicht unerheb-
       lich gewesen:  1962 wurde  in Nordrhein-Westfalen als erstem Bun-
       desland ein  Immissionsschutzgesetz verabschiedet. 1963 wurde die
       Landesanstalt für  Immissionsschutz (Essen) gegründet. Ein Immis-
       sionsschutzkataster  wurde  aufgebaut.  Bei  der  Bekämpfung  von
       Grobstaub, Ruß  und Schwefeldioxyd  wurden Erfolge  erzielt. 1975
       wurde für  alle 43  Siemens-Martin-Öfen der Eisen- und Stahlindu-
       strie die  Entstaubung angeordnet,  die bis  Ende 1979  bis auf 4
       Öfen abgeschlossen  ist. In Nordrhein-Westfalen werden "Luftrein-
       haltepläne" aufgestellt.  "Das Schwergewicht  der  Sanierungsmaß-
       nahmen der  Luftreinhaltepläne liegt im industriellen Bereich. So
       müssen allein  im Rahmen  der 1977  bzw. 1978 aufgestellten Pläne
       für das  Ruhrgebiet-West und  Ruhrgebiet-Ost ca.  400  Einzelmaß-
       nahmen an Kraftwerken, Kokereien, Hochöfen, Sinteranlagen, Stahl-
       werken, Gießereien und Chemieanlagen durchgeführt werden." 27)
       Die wichtigste  Form der staatlichen Subventionierung der Umwelt-
       schutzinvestitionen an  Industrieanlagen ist  neben der Förderung
       von Einzelprojekten  die Steuervergünstigung  nach §  7d  EinkStG
       (erhöhte Absetzungen  für Wirtschaftsgüter,  die dem Umweltschutz
       dienen). Im Rahmen des hierzu erforderlichen Bescheinigungverfah-
       rens wurden  im Jahre 1978 Bescheinigungen über ein Investitions-
       volumen von  ca. 359  Millionen DM erteilt. Hiervon entfielen auf
       Investitionen im Ruhrgebiet ca. 182 Millionen DM. 28)
       Insgesamt hat  sich zwischen  1963/64 und  1977 im Ruhrgebiet der
       Staubniederschlag um  mehr als die Hälfte verringert. Im gleichen
       Zeitraum haben  die Schwefeldioxydemissionen  um ca. 50% abgenom-
       men. Zwischen  1970 und  1977 konnten  die Feinstaubemissionen im
       Ruhrgebiet um 1/5 verringert werden.
       Der Lärmschutz steht dagegen vergleichsweise noch am Anfang. Ana-
       log zu  den  Luftreinhalteplänen  sollen  Lärmminderungspläne  in
       Nordrhein-Westfalen erarbeitet werden.
       W a s s e r v e r s o r g u n g:  Für den Ausbau des vorzüglichen
       Talsperrenwesens sind  seit 1963  86 Millionen DM, für die Abwas-
       serbeseitigung seit  1967  481 Millionen DM als Unterstützung für
       die Gemeinden,  den Ruhrverband,  die Emscher-Genossenschaft  und
       den Lippe-Verband  vom Lande zusätzlich bereitgestellt worden. In
       den nächsten 5 Jahren sind Abwasseranlagen mit Kosten in Höhe von
       etwa 500 Millionen DM geplant. 29)
       Auch im  Bereich der  A b f a l l w i r t s c h a f t  gibt es im
       Ruhrgebiet im großen und ganzen richtungweisende Konzeptionen und
       Lösungen. So  wird z.  B. in Herten vom Siedlungsverband Ruhrkoh-
       lenbezirk ein  Rohstoffrückgewinnungszentrum geplant  und gebaut,
       an dem sich auch das Land NRW mit ca. 35 Millionen DM beteiligt.
       S t ä d t e b a u,   F r e i z e i t    u n d    E r h o l u n g,
       W o h n u n g s b a u,  s o z i a l e  I n f r a s t r u k t u r:
       "Die städtebauliche  Situation des Ruhrgebiets ist gekennzeichnet
       durch seine  bergbaubedingte polyzentrische Siedlungsstruktur mit
       meist ungünstiger  Gemengelage von  Wohn- und Industriebereichen,
       die als  Folge früher Industrialisierung heute das Wohnumfeld oft
       beeinträchtigt." 30) Deshalb sind an zahlreichen Orten, besonders
       in  den   Stadtzentren  und   Nebenzentren,  Stadtumbaumaßnahmen,
       zunächst in  den 60er Jahren in der Regel als Kahlschlagsanierun-
       gen mit  anschließender hochverdichteter Bebauung, ergriffen wor-
       den. Auf Grund des Widerstandes gegen die Flächensanierungen wur-
       den in  jüngster  Zeit  verstärkt  Altbaumodernisierungsmaßnahmen
       durchgeführt. Aus  Städtebauförderungsmitteln hat  das  Land  die
       Verbesserung des  Freizeit- und  Erholungsangebotes im Ruhrgebiet
       seit 1969 mit ca. 211 Mill. DM bezuschußt.
       Betriebsverlagerung zwecks  Entflechtung von  Wohn- und  Gewerbe-
       bzw. Industriegebieten wurden von 1970 bis 1978 mit ca. 223 Mill.
       DM bezuschußt. Insgesamt wurden von Bund und Land Städtebauförde-
       rungsmittel in  Höhe von  1,226 Mrd.  DM von 1971 bis 1978 einge-
       setzt. Im Ruhrgebiet wurden von 1958 bis 1978  510 000 WE mit ca.
       13 Mrd. DM im sozialen Wohnungsbau gefördert.
       Von 1967 bis 1978 hat sich die Zahl der Heime der offenen Tür für
       Jugendliche vervierfacht,  und die  Zahl der  Jugendfreizeitheime
       stieg von knapp über 200 auf annähernd 350 Für Tageseinrichtungen
       für Kinder wurden von 1969 bis 1978 ca. 222,7 Mill. DM Investiti-
       onskosten aufgewandt.
       In der  Zeit von  1960 bis 1978 wurden im Ruhrgebiet insgesamt 40
       Krankenhausneu- bzw. Ersatzneubauten sowie Teilneubauten mit ins-
       gesamt 13179 Betten mit Unterstützung des Landes errichtet.
       Zur Förderung des Sportstättenbaus wurden seit 1960 vom Land Nor-
       drhein-Westfalen insgesamt rund 224 Mill. DM plus 34 Mill. DM für
       Großstadien bereitgestellt.  Darüber hinaus  wurden und werden im
       Ruhrgebiet noch Bundes- und Landesleistungszentren finanziert.
       Die   K u l t u r l a n d s c h a f t   R u h r g e b i e t   ist
       durch einige  wichtige  Investitionsobjekte  abgesichert  worden:
       Über eigenes Theaterangebot verfügen die Städte Dortmund, Bochum.
       Gelsenkirchen, Oberhausen, Essen, Duisburg und Recklinghausen als
       Sitz der  Ruhrfestspiele. Städtische  Orchester gibt  es in Duis-
       burg, Essen, Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen und Oberhausen sowie
       weitere Orchester  in Mari, Recklinghausen und Essen. Das Biblio-
       thekswesen ist  ebenfalls entwickelt  und erhält  durch die neuen
       Hochschulbibliotheken einen weiteren Aufschwung. 31)
       Die Maßnahmen  des Bundes  und des Landes Nordrhein-Westfalen be-
       züglich des  Ruhrgebiets wurden  deshalb so  relativ  ausführlich
       dargestellt, um  im folgenden  deutlich herausarbeiten zu können,
       warum trotz  dieser beträchtlichen  staatlichen  Aktivitäten  die
       heutige Krise des Ruhrgebiets nicht verhindert werden konnte. Die
       Erklärung hierfür  wird im folgenden Kapitel versucht werden. Ge-
       nerell liegt  sie in  dem nichtplanmäßigen Strukturwandel der ge-
       sellschaftlichen Produktion und ihrer territorialen Bewegungsform
       durch das  Lenkungsprinzip des Monopolgewinns. Der für die regio-
       nale Entwicklung  ausschlaggebende Faktor  ist die  Bewegung  der
       territorialen Produktionsstruktur,  die im wesentlichen durch die
       monopolistischen Kapitalverwertungsbedingungen determiniert wird.
       Es wird die Hypothese formuliert, daß die Unternehmen, die an der
       mit staatlichem  entwertetem Kapital unterstützten sektoralen und
       territorialen Kapitalwanderung  beteiligt sind,  einerseits nicht
       an einer  vollständigen Beseitigung der Folgen der Stagnation der
       dominierenden Branchen  interessiert sind,  weil eine  überdurch-
       schnittlich hohe Arbeitslosigkeit ein günstiges regionales Milieu
       für Branchen  mit unterdurchschnittlich guten Kapitalverwertungs-
       bedingungen ist,  daß andererseits die Restrukturierung einer Re-
       gion in  Form einer  nachträglichen Anpassungsplanung an staatli-
       cherseits geförderte sektorale und regionale Kapitalmobilität die
       Krise nicht  beheben kann,  weil das  Tempo der  Kapitalwanderung
       viel höher ist als das des Umbaus der regionalen Infra- und Sied-
       lungsstruktur sowie des Aufbaus einer neuen territorialen Produk-
       tionsstruktur.
       Das Volumen  und die  Struktur der  staatlich finanzierten Anpas-
       sungsinvestitionen ist andererseits verantwortlich dafür, in wel-
       chem Ausmaß die Krisenfolgen auf die Regionsbevölkerung abgewälzt
       werden. In  diesem Punkte  wiederum ist die Situation der Ruhrge-
       bietsbevölkerung relativ günstig im Vergleich zu den entsprechen-
       den alten Montanregionen der Europäischen Gemeinschaft (Saarland,
       Lothringen, Belgien,  Nordfrankreich sowie die verschiedenen Mon-
       tanregionen Großbritanniens).  Eine Theorie räumlicher Krisen hat
       daher auch  einen Erklärungsbeitrag  dafür zu leisten, warum sich
       die Ungleichmäßigkeit  der Entwicklung  auch im unterschiedlichen
       Verlauf und unter der unterschiedlichen Intensität regionaler und
       städtischer Krisen  niederschlägt, warum  schließlich das  Ausmaß
       der Abwälzung  der Krisenlasten auf die betroffenen Regionsbevöl-
       kerungen unterschiedlich  ist. Es  ist wahrscheinlich,  daß  eine
       Strategie des  beschleunigten Strukturwandels,  d.h. der staatli-
       chen Förderung  des Abbaus  von Arbeitsplätzen bei gleichzeitiger
       relativ ausgebauter sozialer Absicherung der betroffenen Arbeits-
       kräfte und  hohen Anpassungsinvestitionen, die Arbeitsproduktivi-
       tät der Beschäftigten so schnell erhöht, daß eine derartige Poli-
       tik in  Wachstumszeiten finanzierbar ist und gegenüber der inter-
       nationalen Konkurrenz  Vorteile verschafft.  Ein Indiz  für diese
       Strategie des  aktiven Strukturwandels  ist die Tatsache, daß al-
       lein von  1958 bis  1967 insgesamt ca. 16,3 Mrd. DM an Hilfen der
       öffentlichen Finanzwirtschaft  für den  Ruhrbergbau vergeben wur-
       den, davon  ca. 10,4  Mrd. DM  allein an Subventionen für den Ar-
       beitgeberanteil zur  Knappschaftsrentenversicherung (6,7 Mrd. DM)
       und an  Unterstützungen für  den Arbeitnehrneranteil  der  Knapp-
       schaftsrentenversicherung (3,7 Mrd. DM). 32)
       Im folgenden Abschnitt soll versucht werden, einige Aspekte einer
       Theorie regionaler  Strukturkrisen aus der marxistischen Raumöko-
       nomie abzuleiten.
       
       III. Elemente einer marxistischen Theorie räumlicher
       ----------------------------------------------------
       (regionaler und städtischer) Krisen
       -----------------------------------
       
       1. Grundelemente der räumlichen Dimension des
       ---------------------------------------------
       kapitalistischen Reproduktionsprozesses
       ---------------------------------------
       
       Die Integration  der Raumdimension in die Politische Ökonomie hat
       in doppelter Weise zu erfolgen: "Zum einen über die Naturbedingt-
       heit menschlicher  Arbeit, also  über die  Abhängigkeit jeglicher
       gesellschaftlicher Arbeit  von dem vorhandenen (und zunehmend ge-
       sellschaftlich geschaffenen,  H.B.) 'geographischen  Milieu'  33)
       und damit  den naturbedingten  Produktivkräften, zum anderen über
       die   R a u m s p h ä r e  bzw. den  W i r k u n g s r a u m  der
       gesellschaftlichen Arbeit, wie sie aus den je historisch spezifi-
       schen Kooperationsformen  resultieren... Die  entscheidende Frage
       ist nun, wie sich diese in den natürlichen und gesellschaftlichen
       Produktivkräften angelegten  allgemeinen räumlichen Determinatio-
       nen über  die formationsspezifische  Entwicklung  der  Produktiv-
       kräfte in  eine den  jeweiligen Produktionsverhältnissen adäquate
       territoriale Produktions- und Siedlungsstruktur umsetzen." 34)
       Der kapitalistische  industrielle  Produktionsprozeß  ist  wider-
       sprüchliche Einheit  von Arbeits-  und Wertbildungs-/Verwertungs-
       prozeß des Kapitals. Der kapitalistische Arbeitsprozeß weist zwar
       bestimmte Besonderheiten  auf -  er findet unter dem Kommando des
       auf das  begrenzte Profitziel  orientierten  Kapitals  statt  und
       unterscheidet  sich   deshalb  wesentlich   vom   sozialistischen
       Arbeitsprozeß -,  ist jedoch  als Arbeitsprozeß,  d.h. als Prozeß
       der Einwirkung  des Menschen  auf die  Natur vermittels Maschinen
       und Technologien,  bestimmten Natur-  und Technikgesetzen  unter-
       worfen, die  formationsunspezifisch wirken.  Deshalb muß zunächst
       die Analyse  der territorialen Arbeitsteilung und ihrer Organisa-
       tionsformen 35) vorgenommen werden.
       Die Höherentwicklung  der Verausgabung  der menschlichen Arbeits-
       kraft, deren Maß die zunehmende Fähigkeit ist, ein immer größeres
       absolutes und  relatives Mehrprodukt  zu erzeugen, führt über den
       Weg der fortschreitenden Vergesellschaftung des Reproduktionspro-
       zesses , d. h. über immer höhere Formen der Arbeitsteilung. Räum-
       liche Organisationsformen dieser Arbeitsteilung sind:
       - territoriale Spezialisierung
       - territoriale Komplexität
       - territoriale Kombination
       - territoriale Kooperation und Konzentration.
       Die verschiedenen Kommunikationssysteme und Transportsysteme sind
       die Adern, die sachlich und räumlich den Gesamtcharakter des aus-
       differenzierten Reproduktionsprozesses  realisieren.  Grundlegend
       ist  hierbei   die  Unterscheidung   von   "zwischengebietlichen"
       (interregionalen) und  "innergebietlichen" (intraregionalen) Ele-
       menten der Arbeitsteilung.
       Ausmaß und Struktur des Entwicklungsniveaus der territorialen Ar-
       beitsteilung sind  abhängig vom  Stand der Produktivkraftentwick-
       lung, die selbst wiederum von den Produktionsverhältnissen geför-
       dert oder gehemmt wird. So ist z.B. der mögliche Grad der Konzen-
       tration der  Produktion einer bestimmten Ware (Automobile) an ei-
       nem Standort  im Kapitalismus  nicht nur  abhängig von dem histo-
       risch variablen Gefüge von Kostendegression der Massenproduktion,
       Transportökonomie und  Bodennutzungsbedingungen, den  sogenannten
       raumdifferenzierenden Faktoren  36), sondern  auch  bestimmt  vom
       Stand  der  Konkurrenz  zwischen  den  Automobilkonzernen,  ihren
       verfestigten und  monopolisierten Absatzmärkten usw. Insofern ist
       die räumliche  Organisation des gesellschaftlichen Reproduktions-
       prozesses formationsspezifisch und prägt somit auch die konkreten
       Formen und Dimensionen der territorialen Arbeitsteilung und ihrer
       Organisationsformen. Die marxistische Grundthese "Nicht was, son-
       dern wie produziert wird, unterscheidet die verschiedenen Gesell-
       schaftsformationen" muß  dementsprechend auch bei der Analyse der
       räumlichen Bewegungsformen des Reproduktionsprozesses berücksich-
       tigt werden.  Zu jeder Produktionsweise gehört die Produktion von
       Gebrauchswerten und  damit auch  von Produktions-  und Siedlungs-
       strukturen. Produktionsweisen  mit industrieller Grundlage erzeu-
       gen überwiegend städtische Siedlungsstrukturen. Das Eigentümliche
       ist auch  hier die   F o r m  der Siedlungsstruktur, ihr interre-
       gionales Muster  (Größenstruktur,  Hierarchie)  und  die  interne
       Struktur der  einzelnen Städte  und Siedlungen. Die Form der Pro-
       duktion wiederum  entscheidet über  Prioritäten und  Proportionen
       der Produktion  und damit über die konkrete Gebrauchswertstruktur
       des gesellschaftlichen Gesamtprodukts. Während z.B. Brasilien als
       Entwicklungsland über  eine für  seinen Entwicklungsstand parasi-
       täre Pkw-Produktion  verfügt, deren Stellung im krassen Gegensatz
       zum niedrigen  Niveau der  Befriedigung der Grundbedürfnisse Nah-
       rung, Wohnung,  Bildung und  Gesundheit steht, ist der kubanische
       Produktionsapparat heute auf die Befriedigung dieser Grundbedürf-
       nisse ausgerichtet.  Die Struktur  des Outputs der Produktion ist
       folglich sehr  unterschiedlich, ebenso  die Standortstruktur  der
       Produktivkräfte und der Siedlungsstruktur.
       Für die  territoriale Betrachtungsweise ist nicht nur die Analyse
       des Produktionsprozesses  notwendig, sondern  die Betrachtung des
       Gesamtprozesses der  gesellschaftlichen Reproduktion  als Einheit
       von Produktions-,  Zirkulations-  und  Konsumtionsprozeß.  Läpple
       schlägt hier vor, die Kategorie des "gesellschaftlichen Gesamtar-
       beiters" zentral  zu nutzen.  37) Aus dieser Sicht betrachtet man
       nicht nur  die  Standortstrukturentwicklung  der  Industrie,  der
       Landwirtschaft und  der Verwaltungseinrichtungen, d.h. die Stand-
       ortstruktur der  Produktivkräfte (territoriale  Produktionsstruk-
       tur), sondern immer auch die an jedem Einzelstandort sich entwic-
       kelnde Siedlungsstruktur  einschließlich der  Standortsysteme der
       Zirkulation und  Konsumtion sowie der Art und Weise, des Ausmaßes
       und der  Dimensionen der  Nutzung der natürlichen Ressourcen, die
       Errichtung von  Anlagen zu ihrem Schutz bzw. zu ihrer erweiterten
       Reproduktion usw.
       Von besonderem  Interesse sind dabei zwei Problembereiche: einer-
       seits die Widersprüche zwischen der Dynamik der Produktionsstruk-
       tur und  der relativen  Trägheit der  Siedlungsstruktur, anderer-
       seits der  'feed back', den eine zur Produktionsstruktur dysfunk-
       tionale Siedlungsstruktur  auf deren  Dynamik  und  Produktivität
       ausübt.
       Alle Ökonomie  löst sich  letztlich auf in die Ökonomie der Zeit.
       38) Anders ausgedrückt: "Der gemeinsame Nenner der Einsparung al-
       ler Arten von Aufwendungen zur Erreichung eines bestimmten Resul-
       tats ist  die Zeit."  39) Dies gilt folglich auch für das Maß der
       Effektivität der  räumlichen  Verteilung  der  gesellschaftlichen
       (lebendigen und vergegenständlichten) Arbeit.
       Die zur  Erreichung eines  gegebenen Ziels erforderliche Minimie-
       rung des gesellschaftlichen Arbeitsaufwandes (begleitet von rele-
       vanten Arbeitszeitverkürzungen  und der  humaneren Gestaltung der
       Arbeitsbedingungen) bzw. - was nur ein anderer Ausdruck des Opti-
       mierungsproblems ist  - die Maximierung des Zielerreichungsgrades
       bei einem  gegebenen gesellschaftlichen  Arbeitsaufwand ist nicht
       das Ziel  der kapitalistischen Proportionierung des Arbeitaufwan-
       des, da  das Mehrwertgesetz  die Kapitalisten zur Minimierung der
       bezahlten Arbeitszeit,  nicht zur  Minimierung der Gesamtarbeits-
       zeit veranlaßt.  Dies führt  zum Verschleiß  der Arbeitskraft, zu
       Verschwendung von  Arbeitsvermögen in  Form von Arbeitslosigkeit,
       brachliegenden Produktionsanlagen  sowie zu  einer am  Profitziel
       orientierten räumlichen  Organisation des  gesellschaftlichen Le-
       bens.
       Das Wertgesetz in der einfachen Warenproduktion, das Produktions-
       preisgesetz bzw.  seine Modifikationen  durch die monopolistische
       und staatsmonopolistische  Weiterentwicklung des Kapitalismus ha-
       ben die  Konkurrenz der individuellen und nationalen Kapitale zur
       Voraussetzung. Entscheidungen  über die  Nutzung  der  räumlichen
       Ressourcen sowie  die räumliche  Struktur des  gesellschaftlichen
       Gesamtarbeiters fallen  daher nicht  nach  Maßgabe  gesamtgesell-
       schaftlicher Optimierungskriterien, sondern grundsätzlich spontan
       als Resultat  von an  Partialinteressen  orientierten  Einzelent-
       scheidungen. Der Anarchie der Produktion entspricht damit die An-
       archie der  Standortstruktur. Eine  hohe Wertschöpfung  muß daher
       nicht unbedingt  eine hohe  und qualitativ  gute reale Versorgung
       der Menschen  bedeuten, sondern kann z.B. mit überaus ungünstigen
       räumlichen Zuordnungen  von Produktion,  Zirkulation,  Dienstlei-
       stungseinrichtungen und  individueller Konsumtion verbunden sein,
       mit einer ungünstigen Rohstoffverwertung, hohen Wiederauf -arbei-
       tungskosten und hohem Transportaufwand.
       Der   g e b i e t s w i r t s c h a f t l i c h e  A u f w a n d,
       ein Maß  für die Effektivität der räumlichen Organisation des Re-
       produktionsprozesses, ist  der Aufwand,  "den ein  beliebiger Be-
       trieb oder  ein Produkt,  eine Einrichtung  oder auch die gesamte
       Wirtschaft eines  Gebietes durch den Bedarf an gebietswirtschaft-
       lichen Produktionsbedingungen  im Wirtschaftsgebiet  verursacht".
       40) Diese  Kategorie ist  formal vergleichbar mit dem Konzept der
       Berechnung der  Kosten einer Maßnahme, z.B. einer Stadtteilsanie-
       rung, nach dem  F o l g e k o s t e n p r i n z i p  oder mit dem
       Konzept der  positiven oder negativen "externen Effekte" betrieb-
       licher oder städtischer Investitionsmaßnahmen. Nur durch die kom-
       plexe Berechnung  der Gesamtkosten  (des gesamtgesellschaftlichen
       Arbeitsaufwands) kann  z.B. entschieden  werden, ob  der Bau  von
       1000 neuen Wohnungen - bei Einhaltung eines je nach dem Stand des
       gesellschaftlichen Reichtums möglichen qualitativen Standards so-
       wie bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Produktivität ver-
       schiedener Bauverfahren  - günstiger  auf der  grünen Wiese  oder
       aber durch  Verdichtung und Umprofilierung vorhandener Siedlungs-
       gebiete erfolgen kann, ob also eine extensiv oder intensiv erwei-
       terte  Reproduktion  der  Siedlungsstruktur  erfolgen  soll.  Ein
       Hauptaspekt der städtischen und regionalen Krisen im heutigen Ka-
       pitalismus besteht  daher darin, daß die profitorientierte Zirku-
       lation des  Mehrwerts verhindert,  daß eine  konsequente intensiv
       erweiterte Reproduktion der städtischen Substanz realisiert wird.
       41)
       Für den  industriellen Bereich  gibt es  zahlreiche Beispiele für
       eine hocheffektive, überwiegend intensiv erweiterte Reproduktion,
       die in  der Regel nach folgendem Phasenschema verläuft: monopoli-
       stische  Konkurrenz-Fusion-Programmbereinigung,   Spezialisierung
       der einzelnen Werke einschließlich Rationalisierung - allmähliche
       Ausrichtung der Infrastruktur auf die neue Standortstruktur sowie
       Anpassung der  städtischen Siedlungsstruktur.  Dieser Prozeß läßt
       sich sehr  gut z.B. an den Stahlkonzernen des Ruhrgebiets studie-
       ren (Krupp,  Hoesch, Thyssen  und Mannesmann), die nach der Fusi-
       onswelle Mitte  der sechziger  Jahre mangels  Möglichkeiten nicht
       hauptsächlich in neue Küstenwerke investierten - im Gegensatz zum
       Klöckner-Konzern und  den französischen Stahlkonzernen -, sondern
       den Hauptteil  ihrer Investitionen auf die Modernisierung, Ratio-
       nalisierung und  Kapazitätsausweitung der jeweils günstigsten al-
       ten Standorte konzentrierten.
       Die intensiv  erweiterte territoriale Reproduktion der Stahlindu-
       strie im Ruhrgebiet ist mit ein Hauptgrund dafür, daß die heutige
       Konkurrenzposition der  Stahlindustrie des  Ruhrgebiets  im  Ver-
       gleich zur  saarländischen,  luxemburgischen  und  lothringischen
       Stahlindustrie vergleichsweise günstig ist. 42)
       Am Beispiel  der Fried. Krupp Hüttenwerke 43) soll der Prozeß der
       intensiv erweiterten  Reproduktion und ihrer territorialen Bewäl-
       tigung kurz dargestellt werden.
       
       Tabelle 5:
       Roheisen- und Rohstahlerzeugung der Fried. Krupp Hüttenwerke
       
                                            Roheisenerzeugung
                                      Werk Rheinhausen   Werk Bochum
       1966
       Anzahl der Hochöfen                 7                  5
       Kapazität in Mill. t/Jahr           1,8                1,1
       1977
       Anzahl der Hochöfen                 5                  -
       Kapazität in Mill. t/Jahr           4,8                -
       Ziel
       Anzahl der Hochöfen                 3                  -
       Kapazität in Mill. t/Jahr           5,4                -
       
                                            Rohstahlerzeugung
                                      Werk Rheinhausen   Werk Bochum
       1966
       Anzahl der Anlagen 1)              11                 21
       Kapazität in Mill. t/Jahr           2,2                1,5
       1977
       Anzahl der Anlagen 1)               7                  7
       Kapazität in Mill. t/Jahr           5,5                1,2
       Ziel
       Anzahl der Anlagen 1)               3                  3
       Kapazität in Mill. t/Jahr           6,0                1,2
       _____
       1) LD-Konverter, Siemens-Martin-Öfen, Elektroofen.
       
       Für das  geplante Ziel ergibt sich eine im Durchschnitt zehnfache
       Produktionsleistung der  Einzelanlagen gegenüber  dem Ausgangszu-
       stand von  1966. Für den notwendigen Roheisentransport von Rhein-
       hausen nach  Bochum wurde die Bahnstrecke von der Bundesbahn voll
       elektrifiziert. Im  Zuge dieser  Rekonstruktion wurde  bei  einer
       fast 100prozentigen  Steigerung der Kapazitäten die Staubemission
       beider Werke auf ca. 30% des Ausgangswertes gesenkt. In einer Mo-
       dellrechnung wurden  die Investitionskosten  dieser Rundumerneue-
       rung mit 350 DM je Tonne Rohstahlkapazität bei hypothetischen Ko-
       sten von  500 DM je Tonne für ein neues Werk auf der grünen Wiese
       errechnet. "Der  Unterschied von  150 DM (t/Jahr) ist dadurch be-
       dingt, daß  bei dem  Ausbau... sehr weitgehend die vorhandene In-
       frastruktur mitbenutzt  werden konnte  und daß diese mit verhält-
       nismäßig geringem  Aufwand an die gestiegenen Leistungen angepaßt
       werden konnte." 44) Ein wichtiger Aspekt von typischen Auswirkun-
       gen der  intensiv erweiterten Reproduktion der territorialen Pro-
       duktionsstruktur kann  jedoch an diesem Beispiel nicht aufgezeigt
       werden: der  Prozeß der   R e k o n z e n t r a t i o n   und der
       damit verbundenen vollständigen Aufgabe der jeweils ungünstigsten
       Standorte und  damit einer in Hochkonjunkturzeiten durch Auslage-
       rung von  Teilproduktionen oder durch Zentralisation entstandenen
       komplexen  Konzernstandortstruktur.   Beispielsweise  fusionieren
       zwei Konzerne mit 10 bzw. 5 Produktionsstandorten. Durch die Kon-
       zentration der  verschiedenen Teilproduktionen  auf  die  jeweils
       günstigsten  Standorte  reduziert  sich  die  Zahl  der  intensiv
       erweiterten Standorte  z.B. auf  12, wobei das Produktionsvolumen
       insgesamt größer  sein mag  als vor  Beginn des "Bereinigungspro-
       gramms". Dies  ist der typische Fall einer intensiven Erweiterung
       der territorialen  Produktionsstruktur.  Bei  dem  Krupp-Beispiel
       sind die  gesellschaftlichen  Aufwendungen  für  Umschulung,  die
       Bereitstellung neuer  Arbeitsplätze, die  Milderung der  sozialen
       Folgen der  Arbeitslosigkeit (1978  war z.B. die Arbeitslosigkeit
       in Duisburg  und Bochum  doppelt  so  hoch  wie  im  Bundesdurch-
       schnitt), die Kosten der Neuausrichtung der regionalen Infra- und
       Siedlungsstruktur auf  die neue  Standortstruktur  der  Industrie
       kein Passivposten  in den  konzerninternen Wirtschaftlichkeitsbe-
       rechnungen derartiger  Umstrukturierungsmaßnahmen, auch  wenn sie
       oftmals ein  Mehrfaches der  Konzerninvestitionen betragen  haben
       mögen. 45)  Derartige intensiv  erweiterte  Umstrukturierungsmaß-
       nahmen sind  vielmehr  nur  mit  massiver  staatsmonopolistischer
       Finanzierung des siedlungsstrukturellen Umbaus möglich. Dies gilt
       freilich erst  recht für die Neuaufschließung von Standorten etwa
       an der  Küste, wie  es die Beispiele Klöckner, der französischen,
       belgischen, britischen  und italienischen  Konzerne  zeigen.  46)
       Dennoch ergibt  ein Vergleich  beider Reproduktionstypen - die in
       der Realität  natürlich nicht  in reiner  Form, sondern  gemischt
       auftreten -, daß zumindest für die Industrie mit hohem Anteil des
       fixen konstanten  Kapitals eine  intensiv erweiterte Reproduktion
       an  bereits   historisch  aufbereiteten   Standorten   einerseits
       betriebswirtschaftlich sehr kostengünstig, andererseits mit einem
       vergleichsweise niedrigeren  gebietswirtschaftlichen Aufwand ver-
       bunden ist.  Deshalb ist  der Begriff  der   t e r r i t o r i a-
       l e n   R a t i o n a l i s i e r u n g   47), der im Sozialismus
       eine  umfassende   Strategie  zur   Durchsetzung  der  räumlichen
       Komponente des  Gesetzes der Ökonomie der Zeit beinhaltet, außer-
       ordentlich wichtig  für das Verständnis der ökonomischen Effekti-
       vität der räumlichen Organisation des gesellschaftlichen Lebens.
       
       2. Die Spezifik territorialer Disproportionen,
       ----------------------------------------------
       Widersprüche und Krisen
       -----------------------
       
       Von territorialen  Krisen kann  im Kapitalismus  dann  gesprochen
       werden, wenn sich die räumlichen Verteilungsverhältnisse der ein-
       zelnen Elemente  des Reproduktionsprozesses  in ihren stofflichen
       und wertmäßigen  Dimensionen gegenüber den Erfordernissen des Re-
       produktionsprozesses als  disproportional (Überschuß oder Mangel)
       herausstellen. Die  wichtigsten Erscheinungsformen  territorialer
       Krisen sind:
       - regional konzentrierte Vernichtung von Kapital aufgrund fehlen-
       der Reinvestitionen (statt dessen regionaler Kapitalexport);
       - Zerstörung des  regionalen Reproduktionsprozesses durch Überbe-
       anspruchung   der   natürlichen   und   menschlichen   Ressourcen
       (Beispiel: Ruhrgebiet im letzten Drittel des 19.
       Jh.);
       - dauerhafte Nichtauslastung der sachlichen und menschlichen Pro-
       duktivkräfte sowie der Infrastruktureinrichtungen;
       - generelle Unterausstattung  der Regionen  mit Einrichtungen der
       sozialen Infrastruktur;
       - erzwungene Mobilität der Arbeitskräfte usw. 48)
       Die typische kapitalistische Form der relativen "Lösung" der Ter-
       ritorialkrisen ist die regional konzentrierte Kapitalvernichtung,
       die geographische  Zirkulation des Mehrwerts sowie die erzwungene
       Mobilität der Arbeitskräfte. Die  S p e z i f i k  der räumlichen
       Disproportionen und  folglich auch der Territorialkrisen liegt in
       dem "Trägheitsmoment der Territorialstruktur" begründet: im Akku-
       mulationsprozeß werden zwar immer auch neue Regionen erschlossen,
       neue Städte  gebaut und die bereits vorhandenen aufgrund der not-
       wendigen ungleichmäßigen  Entwicklung des  Akkumulationsprozesses
       ungleichmäßig reproduziert. Der Zeitraum der Erschließung und des
       Neubaus von  Regionen und  Städten ist jedoch wesentlich geringer
       als  die   Lebensdauer,  denn  die  Umschlagsgeschwindigkeit  der
       stofflichen Infrastruktureinrichtungen (allgemeine Produktionsbe-
       dingungen wie:  Verkehrsanlagen, Wasseraufbereitung  und -entsor-
       gung, Einrichtungen  für die  Qualifikation und  Reproduktion der
       Arbeitskräfte einschließlich  des Wohnungsbestandes)  liegt  zwi-
       schen 50 bis 100 und mehr Jahren. Aufgrund der zunehmenden Verge-
       sellschaftung der Produktion und des tendenziellen Falls der Pro-
       fitrate erfolgt  zweitens eine  zunehmende   I n f r a s t r u k-
       t u r i e r u n g   von immer  mehr Bereichen  des Reproduktions-
       prozesses; da  der fixe  Teil  dieser  Produktionsfonds  zunimmt,
       erfolgt eine  immer  langfristigere  räumliche  Fixierung  dieser
       Infrastrukturanlagen 49),  während gleichzeitig  die  potentielle
       räumliche Mobilität  der noch  unter der  Verfügung des  privaten
       Kapitals verbleibenden  speziellen Produktionsprozesse  ansteigt.
       "Wenn  die   wertmäßige  Umschlagszeit   der  (speziellen,  H.B.)
       Arbeitsmittel  sich   heute  dem  Fünfjahreszyklus  annähert,  so
       braucht es  wenig Phantasie,  um sich vorzustellen, welche Unzahl
       von Möglichkeiten  zum Entstehen  räumlicher Disproportionen sich
       allein aus dieser Ungleichmäßigkeit ergibt." 50)
       Das Kapital  ist folglich  in der  Lage, eine über Jahrzehnte und
       Jahrhunderte entwickelte Region innerhalb kurzer Zeit zu destabi-
       lisieren, wenn  die Konkurrenz  zu einer Kapitalvernichtung führt
       bzw. wenn  die speziellen Produktionsprozesse ganz oder teilweise
       demontiert und in anderen Gegenden der kapitalistischen Welt wie-
       der aufgebaut  werden. (Die dort ebenfalls notwendige Bereitstel-
       lung der allgemeinen Produktionsbedingungen und der Arbeitskräfte
       erfolgt zunehmend  als Ergebnis  der territorialen Konkurrenz der
       Staaten und Regionen, heute unter der Bedingung der staatsmonopo-
       listischen Finanzierung dieser Voraussetzungen.) Die Spezifik der
       territorialen Krise  ist dann  ebenfalls  ihr    D a u e r c h a-
       r a k t e r,   weil das  fixe konstante  staatliche Kapital nicht
       schlagartig vernichtet  werden kann.  Die Krisen  schleppen  sich
       über Jahrzehnte  hin, da es in der Regel nicht vorkommt, daß eine
       entwickelte Region,  in der das Kapital der jeweils dominierenden
       Branchen vernichtet wird, vollständig das territoriale Anlagefeld
       anderer Branchen  wird. Dafür  gibt es  vielfältige Gründe: unter
       anderem kommt  es in  der Regel  nicht zur  totalen Demontage der
       alten  Branchen,   und  zwar   dann  nicht,   wenn  es   sich  um
       monopolistische   Wirtschaftssektoren   mit   hoher   organischer
       Zusammensetzung  des   Kapitals  und   hohem  Anteil   des  fixen
       konstanten Kapitals  handelt. Diese  Monpole sind  nicht an einer
       weitgehenden Umprofilierung  und Neubesetzung - ihrer Region" in-
       teressiert, weil eine regional fixierte industrielle Reservearmee
       und bereits  "eingearbeitete" staatliche Apparate zu sehr günsti-
       gen Kapitalverwertungsbedingungen  der noch  vorhandenen Kapitale
       führen können.
       
       Tabelle 6:
       Schema der Kapitalstruktur einer Region
       
                               Werteinheiten  Umschlagszeit Beschäftigte
                                              in Jahren
       Gesamtkapital einer Region
       (staatliches und privates
       Kapital)                     1000           -            1000
       Kapital und Vermögen im Infra-
       strukturbereich (staatlich)
       und im Wohnungssektor         800          100            200
       Kapital im privaten Sektor    200          7 1/2          800
       - davon im Basissektor        100            5            400
       - davon im Nicht-Basissektor  100           10            400
       
       Eine Vernichtung  von nur  25 Kapitaleinheiten,  d.h. von nur 2,5
       Prozent des Gesamtkapitals, im Basissektor des regionalen Produk-
       tionskapitals 51)  zieht unter  sonst gleichbleibenden  Umständen
       eine Nichtauslastung  von ebenfalls  25 Einheiten im Nicht-Basis-
       sektor sowie  von 200 Einheiten im IS-Bereich nach sich. Die Zahl
       der Arbeitsplätze  würde theoretisch  um 250 zurückgehen, die Ar-
       beitslosenquote auf 25 Prozent steigen können. Praktisch wird die
       Arbeitslosigkeit nicht  auf dieses  Niveau steigen,  weil die Ar-
       beitslosen nicht  völlig als  Nachfrager ausfallen. Ihr Einkommen
       würde sich in der BRD um etwa 40"50 Prozent verringern.
       Für Produktionen,  die keine  hohe Infrastrukturierung der allge-
       meinen Produktionsbedingungen  zur Voraussetzung  haben, die aber
       dennoch regional stark konzentriert sind (z.B. die Uhrenindustrie
       im Schwarzwald  oder die Textilindustrie im Münsterland) kann die
       "Lösung" einer Branchenkrise ein sehr schneller Niedergang dieser
       Region mit  der erzwungenen Abwanderung der Bevölkerung sein. 52)
       Es ist  folglich zweckmäßig, von einem im Kapitalismus unlösbaren
       Widerspruch zwischen der Dynamik der Zweigstruktur der Produktion
       und den  Proportionalitätsinteressen der  Territorialstruktur der
       Produktion und des gesellschaftlichen Lebens zu sprechen. 53)
       Ein weiterer  territorialer Disproportions- und Krisentyp ist der
       der zu  schnell wachsenden neuen Regionen, d. h. eine nicht plan-
       mäßige Mischung  von extensiv und intensiv erweiterter territori-
       aler Reproduktion. Der Konkurrenz der Kapitale untereinander ent-
       spricht die Konkurrenz der Gebietskörperschaften bzw. der Staaten
       selbst. Um  neue Industrie anziehen zu können, werden massive In-
       frastrukturvorleistungen erbracht,  gerade auch in solchen Regio-
       nen, die  eine künftige  Entwicklungschance etwa  aufgrund  einer
       günstigen Lage  zum sich  schnell entwickelnden  kapitalistischen
       Welthandel aufweisen.  In Boom-Zeiten  werden in solchen Regionen
       aufgrund der Arbeitskräfteknappheit vor allem die innerregionalen
       Proportionalitätsbedingungen für  die Reproduktion  der  Arbeits-
       kraft verletzt.  In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit werden dann
       speziell die produktionsorientierten IS-Systeme weiter ausgebaut,
       es sei denn, die Qualität der haushaltsorientierten IS sei selbst
       ein wichtiger  Ansiedlungsfaktor. Dies  trifft zu  für Industrien
       und  Dienstleistungsunternehmen   ,  deren   Arbeitskräfte  hoch-
       qualifiziert sind  und damit  auch hohe  Einkommen erzielen.  Die
       Konkurrenz der Regionen untereinander erzeugt damit bei den alten
       Regionen "Abwehrinvestitionen"  im IS-Bereich,  die  entsprechend
       der ökonomischen  Leistungsfähigkeit ungleichmäßig  dimensioniert
       sind. Insgesamt  werden zu  viele Regionen und Städte aufbereitet
       bzw. erhalten. Damit wird gesellschaftliche Arbeit überproportio-
       nal verausgabt,  die dann  nicht entsprechend genutzt werden kann
       und folglich  brachliegt und  vernichtet wird. Es realisiert sich
       somit im Kapitalismus eine Gesetzmäßigkeit der Überproduktion von
       Produktionsstandorten, Regionen und Städten. 54)
       Ein anderer Aspekt des gleichen Mechanismus ist die Tatsache, daß
       der Kapitalaufwand für jeden einzelnen Produktionsstandort zu ge-
       ring ist, um ihn in seinen technisch möglichen Dimensionen zwecks
       Ausnutzung der Kostendegression zu entwickeln. Aufgrund der mono-
       polistischen Beherrschung  der Regionen erfolgt in der Regel auch
       keine komplexe Entwicklung der neuen Regionen. Suboptimale Kombi-
       nationsmöglichkeiten innerhalb  von Industrieregionen führen aber
       zwangsläufig zu  einer Überproportionierung  der  Transportarbeit
       zwischen den Regionen.
       Damit ist  nicht gesagt, daß alle Agglomerationen zu klein seien.
       Im Gegenteil: Die Produktionsentwicklung im Transportwesen ermög-
       licht gerade  eine riesige spontane Zusammenballung von Industrie
       und tertiärem Sektor bei gleichzeitiger Entleerung großer ländli-
       cher Gebiete.
       Ein ähnlich kostspieliger Prozeß findet innerhalb jeder einzelnen
       Region und  Stadt statt.  Das Ausufern  der Siedlungsstruktur der
       Metropolen, die rasche Expansion von Stadtteilen bei gleichzeiti-
       gem Niedergang  der alten  Stadtteile, die  Suburbanisierung, die
       räumliche   S e g r e g a t i o n   der Bevölkerung  entsprechend
       der Klassen-  und Schichtenstruktur  als Folge  der Konkurrenz um
       die Nutzung  des städtischen  Grund und  Bodens, die  funktionale
       Trennung der Daseinsfunktionen aufgrund des städtischen Grundren-
       tenmechanismus 55)  sind Erscheinungsformen der Dominanz der pri-
       vatkapitalistischen Interessen über den heute hochvergesellschaf-
       teten räumlichen Reproduktionsprozeß.
       
       3. Staatsmonopolistische Finanzierung der extensiven und
       --------------------------------------------------------
       intensiven Reproduktion territorialer Produktions- und
       ------------------------------------------------------
       Siedlungsstruktuten
       -------------------
       
       Es liegt  auf der  Hand, daß die gewaltigen Kosten für die infra-
       strukturelle Aufbereitung der neuen Industriegebiete, ihre Anbin-
       dung an  das vorhandene  Netz  der  Siedlungsstruktur  sowie  die
       "Verteidigunsinvestitionen" in den von hoher Arbeitslosigkeit be-
       troffenen alten Industriegebieten und Großstädten großenteils aus
       staatlichen Mitteln  finanziert werden. Die staatlichen Haushalte
       werden folglich  doppelt belastet.  Der gleiche Mechanismus setzt
       sich auch innerhalb der Stadtregionen durch. Während in den Städ-
       ten mit  hohem Aufwand und oftmals mit äußerst negativen sozialen
       Folgen Sanierungs-  und Erneuerungsinvestitionen getätigt werden,
       werden gleichzeitig durch den Bau von großspurigen Verkehrssyste-
       men die  Innenstädte auch  für das  Umland so gut erreichbar, daß
       sich die Investitionen bestimmter Teile der Industrie, des Gewer-
       bes, Handels  und Dienstleistungssektors  sowie der Wohnungswirt-
       schaft zunehmend  auf das  Umland konzentrieren  und hier  wieder
       hohe Folgeinvestitionen  erforderlich machen, so daß die kommuna-
       len Haushalte  doppelt belastet  werden und  schnell an ihre Ver-
       schuldungsgrenzen stoßen.
       Die kommunale und verstärkt die regionale und internationale Kon-
       kurrenz um  die Ansiedlung  von Großbetrieben,  Verwaltungen bzw.
       Forschungseinrichtungen treibt die jeweiligen Gebietskörperschaf-
       ten -  nur ein kleiner Teil kann sich diesem Wettbewerb überhaupt
       mit Aussicht auf Erfolg stellen - in einen verheerenden Subventi-
       onswettlauf, der unter den Bedingungen der hohen Arbeitslosigkeit
       eine Umschichtung  innerhalb der Haushalte in Richtung Industrie-
       förderung,  infrastrukturelle  Aufbereitung  von  Standorten  und
       Steuererleichterungen erzeugt, die nur durch eine Austerity-Poli-
       tik und zusätzliche Verschuldung zu finanzieren ist.
       Auch auf kleinräumiger Ebene ist dieser Konkurrenzprozeß nach wie
       vor voll  wirksam 56)  und führt  zwangsläufig zu  den  bekannten
       Überproduktionstendenzen und  der skizzierten Haushaltssituation.
       Es hängt dabei entscheidend von der Qualität des horizontalen und
       vertikalen Finanzausgleichs als einem Instrument der Abschwächung
       der territorialen  Konkurrenz ab, wie intensiv sich diese auch in
       Unterschieden des Lebensstandards niederschlägt. In den USA herr-
       schen diesbezüglich wesentlich schlechtere Bedingungen als in der
       BRD. 57)
       Insgesamt  erzeugt  damit  der  skizzierte  Krisenmechnismus  ein
       schnell wachsendes,  unübersichtliches und teilweise widersprüch-
       liches System  der staatsmonopolistischen Finanzierung der exten-
       siv und intensiv erweiterten territorialen Produktions- und Sied-
       lungsstrukturen. Die  in Abschnitt  II für  das Ruhrgebiet aufge-
       führten staatlichen Maßnahmen sind dafür Beleg.
       
       4. Wissenschaftlich-technische Revolution (wtR) 58) und
       -------------------------------------------------------
       raumstrukturelle Gesetzmäßigkeiten
       ----------------------------------
       
       Die Revolutionierung der Produktivkräfte wälzt den Arbeitsprozeß,
       die sektorale und räumliche Struktur des Produktions- und Konsum-
       tionsprozesses grundlegend um. Auch hier gilt es wieder, die for-
       mationsunspezifischen objektiven  Entwicklungsrichtungen des  Ar-
       beitsprozesses und  folglich auch  der Territorialstruktur analy-
       tisch von  den spezifischen, durch den staatsmonopolistischen Ka-
       pitalismus formbestimmten  Prozessen und ihren räumlichen Ausprä-
       gungen zu unterscheiden. Dabei sei die Hypothese aufgestellt, daß
       mit zunehmender absoluter und relativer Größe des gesellschaftli-
       chen Mehrprodukts,  das durch  die Produktivitätssteigerungen in-
       folge der wtR weiter steigt, der  F r e i h e i t s g r a d  bzw.
       die   G e s t a l t u n g s m ö g l i c h k e i t  der räumlichen
       Verteilung der  Produktivkräfte entsprechend den Bedürfnissen der
       Produzenten wächst. Dies hängt damit zusammen, daß bei wachsendem
       Wert der Produkte (gemessen in Arbeitsaufwand pro Gewichtseinheit
       Gebrauchswert) die Transportkosten einen zunehmend geringeren An-
       teil an  den Gesamtkosten  und damit  einen zunehmend  geringeren
       zwingenden Einfluß auf die Standortverteilung der Produktion aus-
       üben. Das  heißt, daß  eine gegebene räumliche Verteilung der Be-
       völkerung oder  eine (etwa  aus klimatischen  Gründen) erwünschte
       Umverteilung  immer   problemloser  mit  den  entsprechenden  Ar-
       beitsplätzen versorgt  werden könnte.  Wird dieser Prozeß der ge-
       sellschaftlichen Zuordnung  von Arbeitskräften,  natürlichen Res-
       sourcen und  Arbeitsplätzen jedoch nicht planmäßig beherrscht, so
       steigen die Möglichkeiten der Disproportionen ebenfalls an.
       Das Wachstum des Anteils der "fußlosen" Industrien und Beschäfti-
       gungssektoren im  Zuge der  industriellen  und  wissenschaftlich-
       technischen Entwicklung  führt jedoch zugleich zu einem rasch zu-
       nehmenden absoluten  Niveau des Austausches Mensch-Natur und wird
       deshalb als  Gesamtsystem immer abhängiger von einer vernünftigen
       Dimensionierung und  Zuordnung der einzelnen Daseinsfunktionen im
       gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß.  Man darf den zunehmenden
       Gestaltungsspielraum der  sektoralen und  räumlichen Struktur des
       Reproduktionsprozesses deshalb  nicht als  zunehmende Unabhängig-
       keit (im Sinne einer folgenlosen Willkürlichkeit) von der Bewirt-
       schaftung der  naturnahen Ressourcen  Wasser, Luft,  Energie  und
       sonstige Rohstoffe sowie der Fläche und des ökologischen Potenti-
       als interpretieren. Im Gegenteil: Die zunehmende Standortunabhän-
       gigkeit jeder Einzelproduktion entspricht einer umgekehrt propor-
       tional zunehmenden  Standortabhängigkeit  des  Gesamtsystems  der
       Produktivkräfte.
       Bei den  Arbeitsgegenständen findet  im Zuge  der wtR ein Größen-
       wachstum des  Verbrauchs von  naturnahen  Ressourcen  statt,  der
       teilweise erdgeschichtliche Dimensionen angenommen hat. Durch die
       Chemisierung werden  prinzipiell neue Werkstoffe erzeugt. Gleich-
       zeitig wachsen  die technischen Möglichkeiten der Nutzung lokaler
       Rohstoffe. Die  Rohstoffe (einschließlich Wasser, Luft und Boden)
       müssen zunehmend einer Mehrfachnutzung zugeführt werden. Die Aus-
       beutung der  Rohstoffe auf dem Meeresgrund und in den unwirtlich-
       sten Gegenden  der Erde (Alaska, Sibirien) wird in großem Maßstab
       in Angriff genommen.
       Es kommt  zur  Revolutionierung  aller  Arten  von  Arbeismitteln
       (Werkzeug-,  Kraft-,  Kraftübertragungsmaschinen,  Verkehrs-  und
       Kommunikationsmittel) und  zur  Entwicklung  völlig  neuer  Arten
       (Steuerungsmaschinen usw.). Die Elektronik als eine Hauptrichtung
       der wtR  im Bereich  der Arbeitsmittel ermöglicht tendenziell die
       Vollautomatisierung von Produktion, Lagerhaltung, Transport, Ver-
       waltung sowie  die Teilautomatisierung  von Konstruktion, Projek-
       tierung usw.  In der Landwirtschaft entwickelt sich mit den Fort-
       schritten der  Transport- und  Lagertechnik tendenziell ein Welt-
       markt für  alle Bereiche  und Stufen  der  Produktion  (Getreide,
       Fleisch, Gemüse, Blumen usw.).
       Durch umfassende  Bewässerungs- und Entwässerungsmaßnahmen, Melo-
       riation, Aufforstung usw. können und werden ganze Regionen in hi-
       storisch kurzen  Fristen umgestaltet  und komplex kultiviert. Die
       Biotechnologie eröffnet  die Perspektiven  der direkten  biologi-
       schen Produktion.
       Die menschliche   A r b e i t s k r a f t  als wichtigste Produk-
       tivkraft wird  im Prozeß der wtR sowohl hinsichtlich ihrer Fähig-
       keiten als  auch ihrer Reproduktionsanforderungen tiefgehend ver-
       ändert:
       - rasches zahlenmäßiges Wachstum der Weltbevölkerung;
       - Explosion des  Qualifikations- und Ausbildungsniveaus (bei sehr
       ungleicher räumlicher Verteilung);
       - wesentlich bessere Ernährungssituation in den entwickelten Län-
       dern;
       - wesentlich bessere  medizinische Versorgung in den entwickelten
       Ländern;
       - wesentlich verlängerte  Lebenserwartung; kürzere  Jahres-,  Wo-
       chen- und Tagesarbeitszeit; mehr Freizeit;
       - wesentlich bessere  Sport- und  Freizeiteinrichtungen; erstmals
       Urlaubsmöglichkeiten für  große Teile der arbeitenden Klassen und
       Schichten;
       - wesentlich bessere Versorgung mit Wohnraum pro Person;
       - wesentlich größere  Mobilität durch  Massenverkehrsmittel  ein-
       schließlich der Luftfahrt sowie der Individualmotorisierung.
       Als Ergebnis  dieser umfassenden  Veränderungen der  Arbeits- und
       Lebensbedingungen entwickeln  sich die  materiellen,  kulturellen
       und ökologischen Bedürfnisse sprunghaft. Gleichzeitig wachsen die
       objektiven und subjektiven Mitbestimmungs- und Demokratisierungs-
       bedürfnisse der  Arbeiterklasse als  Resultat und treibendes Ele-
       ment der Weiterentwicklung dieser Prozesse. 59) Daß sich aufgrund
       dieser aufgezählten  Tendenzen die Anforderungen an die räumliche
       Organisation des gesellschaftlichen Lebens sowohl im Produktions-
       als auch  im Konsumtionsbereich  grundlegend verändern, liegt auf
       der Hand.
       Diese neuen  Anforderungen des Produktionsprozesses an die Repro-
       duktion der Arbeitskraft und die aufgrund der neuen Möglichkeiten
       sprunghaft wachsenden Bedürfnisse erfordern die komplexe Prognose
       und Planung  von   t e r r i t o r i a l b e d i n g t e n  u n d
       u m w e l t b e d i n g t e n      B e d ü r f n i s k o m p l e-
       x e n.  60)
       Schon diese  Skizze der Dynamik der Produktivkräfte legt die Ver-
       mutung nahe,  daß auch neue Tendenzen der territorial-strukturel-
       len Entwicklung wirksam werden:
       Erstens: Entsprechend  der  zunehmenden  Infrastrukturierung  der
       Produktions- und  Reproduktionsprozesse  (wachsender  Anteil  des
       kollektiven bzw.  gesellschaftlichen Konsums)  wird es  durch die
       zunehmende  Standortunabhängigkeit   hochentwickelter  Produktion
       möglich und notwendig, die Proportionalitätsbedürfnisse der Regi-
       onsbevölkerung und  der anderen  regionalen Ressourcen  zunehmend
       mit den  zweiglichen Proportionalitätsbedingungen in Übereinstim-
       mung zu  bringen. Offensichtlich  ist der Typ des Industriekombi-
       nats in  Form von  "Wissenschaft-Technik-Industrie-Komplexen" die
       konkrete Vergesellschaftungsform  der Produktion,  die es am ehe-
       sten ermöglicht,  diese beiden Proportionalitätsanforderungen der
       Zweig- und  Territorialstruktur des  gesellschaftlichen Lebens in
       Übereinstimmung zu bringen. 61)
       Zweitens: Im  Zuge der wtR werden Forschung, Entwicklung, Manage-
       ment sowie die entsprechenden Hilfsdienste selbst zu einer Haupt-
       anlagesphäre der gesellschaftlichen Arbeit. Die räumlichen Formen
       der Lokalisation  der Forschungs- und Entwicklungsfunktionen wer-
       den damit  zu einem immer bedeutsameren Faktor für die Bestimmung
       der Entwicklungsfähigkeit  von Städten  und Regionen  sowie ihren
       inneren räumlichen Strukturen. 62) Wie die Darstellung der staat-
       lichen Maßnahmen  gezeigt hat,  hat die Plazierung von fünf neuen
       Hochschulen im  Ruhrgebiet seit  Beginn der 60er Jahre diesem ob-
       jektiven Entwicklungstrend zumindest Rechnung getragen.
       Drittens: Der dem Prinzip der sozialen Gerechtigkeit und der all-
       seitigen Entfaltung  der Persönlichkeit  aller  Gesellschaftsmit-
       glieder widersprechende   r ä u m l i c h e  A r b e i t s t e i-
       l u n g s t y p   n a c h   d e m    P r o d u k t i o n s z y k-
       l u s   (jeweilige räumliche  Konzentration der Produktionsphasen
       Forschung, Entwicklung  und Management  in den Metropolen; breite
       qualifizierte  Industrieproduktion  in  den  Mittelbereichen  der
       hochentwickelten   kapitalistischen   Länder;   Auslagerung   der
       hochstandardisierten Endmontage in die unterentwickelten Regionen
       der hochentwickelten  Länder  sowie  in  die  Entwicklungsländer;
       Auslagerung der  stark emittierenden  Grundstoffindustrie in  die
       abhängigen Zonen) kann als eine dem Monopolkapitalismus immanente
       raumstrukturierende Gesetzmäßigkeit gelten. 63)
       Die Durchbrechung  dieses reinen  Typs der heutigen imperialisti-
       schen Raumstrukturentwicklung  ist natürlich schon unter den heu-
       tigen Bedingungen  ein wesentliches Ziel des sozialen Kampfes der
       Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten in den hochentwickelten Län-
       dern des Kapitals ebenso wie das Ziel der Volksmassen in den Ent-
       wicklungsländern, die  sich nicht in die neue Abhängigkeit zu den
       "Blaupausenexporteuren", d.h.  in eine  neue Form des Neokolonia-
       lismus begeben  wollen. Innerhalb der hochentwickelten Länder be-
       deutet dies,  die Vernichtung  der Industrie in den Metropolen zu
       verhindern, Forschungs-  und Entwicklungszentren und Verwaltungen
       relativ gleichmäßig  über die nationale Siedlungsstruktur zu ver-
       teilen sowie  das Netz der zentralen Orte mit Versorgungsfunktio-
       nen auf  möglichst hohem  Niveau mit den objektiv notwendigen Ab-
       stufungen (Mindesteinzugsbereiche  für Spezialeinrichtungen) mög-
       lichst gleichmäßig  im Raum  zu streuen;  ferner die  gewachsenen
       Ballungsgebiete über  eine planmäßige interne intensiv erweiterte
       Reproduktion ihrer anarchischen Struktur zu entledigen.
       Viertens: Im  Zuge der  kapitalistischen Form der Internationali-
       sierung der Produktion unter dem dominierenden Einfluß der inter-
       nationalen Konzerne hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine
       starke   K ü s t e n o r i e n t i e r u n g  der Grundstoffindu-
       strie, zumeist  auf Kosten  hochentwickelter  alter  Industriege-
       biete, herausgebildet. Dabei sind gleichzeitig alte komplexe Ver-
       bundsysteme der  Produktion, so  z.B.  im  Rhein-Ruhr-Gebiet  der
       Kohle-Chemie-Verbund zerschlagen worden und durch den Petrol-Che-
       mie-Verbund in Nordwesteuropa ersetzt worden.
       Fünftens: Entsprechend  den Erfordernissen der intensiv erweiter-
       ten Reproduktion müssen im Zuge der wtR die vorhandenen Ballungs-
       gebiete, Städte  und Agglomerationen  rekonstruiert werden. Unter
       den Bedingungen der profitstimulierten  Ü b e r m o b i l i t ä t
       d e s   K a p i t a l s   besteht dabei  die gefährliche Tendenz,
       diesem Erfordernis  durch die Industrialisierung und Tertiärisie-
       rung der Ballungsrandzonen bzw. ländlichen Zonen in unmittelbarer
       Nähe der Ballungsgebiete auszuweichen und damit vor allem die Um-
       welt-, Verkehrs-  und Freizeitprobleme weiter zu verschärfen. Die
       S t a d t e r n e u e r u n g s p o l i t i k   steht  damit  vor
       der Aufgabe,  dem parallel erfolgenden Stadtrand-Wanderungsprozeß
       der Wohnbevölkerung, der teilweise durch die schlechten Wohn- und
       Wohnumfeldbedingungen, durch  die  Verdrängungsprozesse  aufgrund
       des Grundrentenmechanismus  v e r u r s a c h t,  durch die indi-
       viduelle Motorisierung  sowie die einseitige Förderung des Eigen-
       heimbaus   e r m ö g l i c h t   und verschärft wird, durch einen
       planmäßigen Stadtumbau  zu begegnen. Dieser stößt aber auf außer-
       ordentliche Schwierigkeiten,  weil eine umfassende Siedlungspoli-
       tik, die  alle wesentlichen  Determinanten der  Siedlungsstruktu-
       rentwicklung erfaßt, derzeit nicht möglich ist.
       Während das  Kapital bei  Krisen bzw. Akkumulationsproblemen auf-
       grund des wachsenden Kapitalminimums mit Konzentration, Zentrali-
       sation und Monopolisierung reagiert, entwickelt sich aufgrund der
       zunehmenden gesellschaftlichen  Kosten der disproportionalen ter-
       ritorialen Entwicklungen,  die zu einem großen Teil als zusätzli-
       che Ausgaben  bzw. verminderte Einnahmen in den staatlichen Haus-
       halten ihren  Niederschlag finden,  auch  auf  der  territorialen
       Ebene ein Bedarf an zunehmender staatlicher Planung, und zwar auf
       allen Ebenen.  Dieser Bedarf  wird durch  die territorialen Bewe-
       gungsformen der wtR enorm gesteigert.
       
       IV. Wesen und Erscheinungsformen der staatlichen
       ------------------------------------------------
       räumlichen Regulierung
       ----------------------
       
       Lenin hat  bei seiner Analyse des Monopolkapitalismus darauf ver-
       wiesen, daß die zunehmende Verschärfung des Grundwiderspruchs die
       Anpassung zum  Monopolkapitalismus und  SMK erzwingt.  Dieser sei
       die "vollständige   m a t e r i e l l e   Vorbereitung des Sozia-
       lismus, seine  unmittelbare  V o r s t u f e..., denn auf der hi-
       storischen Stufenleiter   g i b t  e s  zwischen dieser Stufe und
       derjenigen, die  Sozialismus heißt,   k e i n e r l e i    Z w i-
       s c h e n s t u f e   m e h r".   64)  Analog  zur  Herausbildung
       eines formellen Apparates der gesellschaftlichen Rechnungsführung
       in  Form  des  Bankapparates  hat  sich  in  der  Geschichte  des
       Monopolkapitalismus in  allen kapitalistischen  Hauptländern  ein
       f o r m e l l e r     A p p a r a t     d e r      f l ä c h e n-
       d e c k e n d e n   r ä u m l i c h e n    P l a n u n g    u n d
       R e c h n u n g s f ü h r u n g  herausgebildet.
       Die feudale Stadt wurde entsprechend den relativ stagnativen Pro-
       duktivkräften  streng  geplant.  Spontanes  Wachstum  der  Städte
       setzte erst  mit der  Manufakturperiode der kapitalistischen Ent-
       wicklung an den vorhandenen und an neuen Standorten ein. 65) Aus-
       gehend von  den aus Brandschutzinteressen und polizeilich-militä-
       rischen Interessen  gespeisten Fluchtlinien-  und Baubestimmungen
       über die Anfänge einer Wohnplanung, die aus hygienischen Interes-
       sen für  die Quartiere  der Arbeiterklasse erfolgen mußten, wurde
       die räumliche  und sektorale (Wohnen, Wasser, Verkehr) staatliche
       Planung schrittweise ausgedehnt. 66)
       Heute existiert in der BRD folgender räumlich relevante Planungs-
       apparat, der gesetzlich und institutionell weitgehend abgesichert
       ist:
       
       Institutionen / Projekte             Gesetzliche Grundlagen
       
       Auf der städtischen Ebene: 67)
       
       - Bebauungspläne; Flächennutzungs-   Bundesbaugesetz; Städtebau-
       pläne, Instrumente städtebaulicher   förderungsgesetz; Wohnungs-
       Erneuerungsmaßnahmen                 modernisierungsgesetz;
       - Wirtschaftsförderungsämter;        Baunutzungsverordnung;
       - Stadtteil- und Stadtentwicklungspläne
       
       Auf der Regionsebene: 68)
       
       - Regionalpläne                      Landesplanungsgesetze,
       (Gebietsentwicklungspläne)           Landesraumordnungsgesetze;
       - Landesentwicklungspläne            Landesplanungsgesetz;
       (z.B. Landesentwicklungsplan VI in
       NRW zur Sicherung von flächeninten-
       siven Großvorhaben);
       - Landesentwicklungsprogramme
       (z.B. Hessen '85, Nordrhein-Westfalen-
       Programm '75);
       
       Auf der Bundesebene: 69)
       
       - Bundesraumordnungsprogramm;        Bundesraumordnungsgesetz;
       - Bundesraumordnungsberichte;        Raumordnungsklauseln in den
       - Ministerkonferenz für Raumordnung; verschiedensten Fachpla-
       - Auf der EG-Ebene und Europarats-   nungsgesetzen;
       ebene:
       - EG-Regionalfonds;
       - Europäische Ministerkonferenz für Raumordnung
       
       Auf der Weltebene:
       
       - erste Informationskonferenzen
       (z.B. Habitat-Konferenz) 70)
       
       Festzustellen ist  als generelle  Tendenz die Zentralisierung der
       Kompetenzen für  die Festlegung  der  Flächennutzung  (deutliches
       Beispiel ist  der Landesentwicklungsplan VI in NRW, der bestimmte
       Teile der Bauleitplanung in die Kompetenz des Landes verlegt; als
       Extremfall gilt  hier die  Standortplanung für Kernkraftwerke und
       Wiederaufbereitungsanlagen und  Endlagerungsstätten, die  bereits
       heute Gegenstand internationaler Planung sind). Die Blockierungen
       und Gegenkräfte sind allerdings nicht zu unterschätzen. Die föde-
       ralistische Staatsstruktur  und das  kommunale Selbstverwaltungs-
       recht spielen dabei eine bedeutende Rolle.
       Wichtiger als  die direkten Raumplanungsgesetze sind für die kon-
       krete räumliche Entwicklung die Fachplanungen, die sich ebenfalls
       in einem  langen historischen  Prozeß herausgebildet haben. Raum-
       planung versteht sich daher immer mehr als Instrument der räumli-
       chen Integration  der Fachplanung.  Die wichtigsten  Bereiche der
       Fachplanungen sind:
       - Verkehrsplanung;
       - technische Infrastrukturplanung (Strom, Wasser, Gas), die teil-
       weise privat betrieben wird;
       - Planung der technischen Kommunikationsmittel (Post);
       - militärische Territorialplanung.
       Seit Mitte  der sechziger  Jahre sind  als neue zentralstaatliche
       Fachplanungen die  Bildungsplanung, Teile  der  Gesundheitswesen-
       Planung, die  Umweltplanung sowie  die Freizeit-,  Erholungs- und
       Landschafts- bzw.  Naturschutzplanung hinzugekommen  - Planungen,
       die übrigens gleichzeitig durch die Schaffung von speziellen Aus-
       bildungsgängen professionalisiert wurden.
       Im Unterschied zu den Flächenplanungen sind es die Fachplanungen,
       die nach  dem Ressortprinzip  auch unmittelbar  finanziell ausge-
       stattet sind.  Eine integrierte Fach- und Raumplanung findet noch
       nicht statt.  Den formalen  Anspruch, diese Integration zu reali-
       sieren, erhebt  die   E n t w i c k l u n g s p l a n u n g,  die
       sich seit  Mitte der  sechziger Jahre  ebenfalls auf allen Ebenen
       (Stadtentwicklungsplanung, Gebietsentwicklungsplanung, Landesent-
       wicklungsplanung, Bundesentwicklungsplanung  [noch  nicht  reali-
       siert!]) etabliert  hat, jedoch  eine wesentlich  schlechtere ge-
       setzliche Absicherung  genießt und  in ihrer Existenzberechtigung
       immer wieder bestritten wird. 71)
       Faktisch findet  jedoch selbst  ein Teil  der Fachplanungen  noch
       nicht in  wirklich integrierter Form statt (z.B. die Verkehrspla-
       nung), weil  sie in Form einer marktwirtschaftlich ausgerichteten
       staatlichen Planung  erfolgt, die dem Prinzip der Konkurrenz zwi-
       schen den  Verkehrsträgern huldigt und damit keine wirkliche Pla-
       nung des Gesamtsystems Verkehr leisten kann.
       Ein weiterer  Typ von  Planung  bzw.  Programmierung  mußte  sich
       zwangsläufig mit  dem Übergang von Wirtschaftssektoren und Regio-
       nen in  einen permanenten Krisenzustand sowie aufgrund sprunghaft
       gestiegenen Kapitalminimums  in den forschungsintensiven Branchen
       wie Luft-  und Raumfahrt, Energiewirtschaft und Computertechnolo-
       gie 72) entwickeln.
       Folge war  und ist die immer neue Herausbildung von branchenbezo-
       genen Programmen  und Politiken,  die sich  unter dem Oberbegriff
       "Industriepolitik" oder  "sektorale Strukturpolitik" zusammenfas-
       sen lassen:  Energiepolitik, Stahlpolitik  (auf EG-Ebene),  Luft-
       und Raumfahrtprogramme,  EDV-Programme, Werftenprogramm  und  die
       für die  Raumentwicklung außerordentlich  wichtige  Agrarpolitik.
       Eines der  wichtigsten Instrumente  dieser staatsmonopolistischen
       sektoralen Strukturpolitik ist die staatliche Konzentrations- und
       Fusionsförderung, die zur Herausbildung von "nationalen Einheits-
       konzernen" oder wenigen Monopolgruppen und in deren Gefolge durch
       eine "Flurbereinigung" und Rekonzentration der Produktion auf die
       profitabelsten Standorte  zu einer  grundlegenden  Umwälzung  der
       Territorialstruktur führt. Die RAG, Arbed, KWU, Siemens, MBB-VFW-
       Fokker sind  solche 'Einheitskonzerne'  mit entsprechenden Folgen
       für die Rekonzentration.
       Parallel hierzu  mußte  sich  zwangsläufig  die  regionale  Wirt-
       schaftspolitik (regionale  Strukturpolitik) entwickeln,  die  mit
       der "Gemeinschaftsaufgabe  regionale Wirtschaftsförderung"  einen
       im Grundgesetz  abgesicherten organisierten  nationalen Ausdruck,
       mit der  Bildung des EG-Regionalfonds (1975) einen ersten westeu-
       ropäischen Ausdruck gefunden hat. 73)
       Der in der Regierungserklärung von 1976 angekündigte Aufbau eines
       Informationssystems  für  sektorale  Prognosen  (Strukturbericht-
       erstattung), die  Vervollkommnung regionalisierter  Bevölkerungs-
       und Arbeitsmarktprognosen sowie die zunehmend explizite räumliche
       Bestandsaufnahme des  Forschungs- und  Technologiepotentials ein-
       schließlich der  Überlegungen zur  staatsmonopolistischen  Verge-
       sellschaftung von Forschungs- und Entwicklungsfunktionen (z.B. in
       Innovationsberatungsstellen  für   Klein-   und   Mittelbetriebe)
       komplettieren  damit  ansatzweise  das  räumliche  und  sektorale
       Berichtswesen und  Planungssystem auch über das "Eingemachte" des
       Kapitals, die  zentralen Bereiche  der unter  privater  Verfügung
       stehenden  Teile  des  Produktions-  und  Reproduktionsprozesses.
       Dieser Prozeß  ist z.B.  besonders weit  fortgeschritten  in  der
       Stahlindustrie, für  die es  bereits Investitionsmeldestellen auf
       EG-Ebene gibt,  während sie auf der OECD- und UN-Ebene in Planung
       sind. 75)  Die immer  vollständigere und  räumlich  ausgedehntere
       Schaffung der  materiellen und  informationellen  Voraussetzungen
       für   eine   an   gesamtgesellschaftlichen   Zielen   orientierte
       integrierte Planung  aller Seiten  des Reproduktionsprozesses ist
       damit das "spontane" Ergebnis der jeweils partiellen Reaktion auf
       zunächst als partiell erscheinende Planungserfordernisse.
       Aus dieser  Sicht wird  auch verständlich,  warum die Monopole in
       jüngster Zeit  verstärkt gegen  die  "Bürokratisierung"  und  das
       "Auswuchern des  Staates" polemisieren: Einerseits sollen die In-
       vestitionen schnell und jeweils entsprechend der wechselnden Kon-
       junkturlage flexibel  realisiert werden,  andererseits ist es je-
       doch notwendig,  bei der Integration neuer Großprojekte jeder Art
       in eine hochkomplexe Territorialstruktur alle wesentlichen Sekto-
       ren des  Reproduktionsprozesses (und die für sie zuständigen Pla-
       nungsinstitutionen) an  der Planung  zu beteiligen.  Daß dies  in
       krassen Gegensatz  zu den  Anforderungen der Konzernplanungen und
       auch einer  Konjunkturpolitik nach  optimaler Flexibilität gerät,
       ist offensichtlich.
       Die zunehmende  Integration der  drei  skizzierten  Planungstypen
       (Flächenplanung/Fachplanung/Industrie-  und  Regionalplanung)  zu
       einer wirklich  integrierten Planung  erfordert  schließlich  den
       Einbau der  F i n a n z p l a n u n g  in dieses Planungssystem.
       Es steht zu vermuten, daß das sozialistische Beispiel einer immer
       umfassenderen Integration  der Volkswirtschafts- und Territorial-
       planung einschließlich  der Ressourcenplanung  solche  Tendenzen,
       den staatsmonopolistischen  Regulierungs- und Planungsapparat auf
       allen Ebenen auszubauen, nicht unwesentlich beeinflußt, wobei ein
       großer Teil  der Planer, die im technischen Sinne mit dieser Pla-
       nung beschäftigt  sind, subjektiv  gegen den Mißbrauch dieser In-
       strumente im Monopolinteresse eingestellt ist.
       Die ökonomischen  und sozialen  Widersprüche der kapitalistischen
       Basis erlauben  dem Staat  kein einheitliches, widerspruchsfreies
       Konzept des  Eingriffs in  den territorialen  Reproduktionsprozeß
       als territorial-ökonomische  Form der Herrschaftssicherung. Folg-
       lich ist  der "Ressortegoismus",  die territoriale Konkurrenz der
       staatlichen Gebietseinheiten  sowie  das  Auseinanderklaffen  von
       physischer und  finanzieller Planung immer mehr als lediglich ein
       bürokratisches oder wissenschaftlich-technisches Problem. 76) Die
       sozialökonomischen Widersprüche reproduzieren sich im Staatsappa-
       rat selbst.  Betrachten wir z.B. nur diejenigen Widersprüche, die
       infolge der  'Bündnispolitik' entstehen, die die Monopole zur Er-
       haltung ihrer sozialen Basis gegenüber den Mittelschichten durch-
       zuführen gezwungen  sind. Dies  gilt etwa  hinsichtlich der  Woh-
       nungsbau- und  Verkehrspolitik, der extremen Förderung des Eigen-
       heimbaus usw. Durch die entsprechenden verkehrspolitischen Arron-
       dierungen werden  die  Reproduktionskosten  dieser  Arbeitskräfte
       einschließlich der  kommunalen Folgekosten  erhöht. Im  Gegensatz
       hierzu engt sich mit der Verschärfung der Stagnationstendenzen im
       Zuge der  allgemeinen  Krise  des  Kapitalismus  der  finanzielle
       Spielraum für  diese "Mittelstandspolitik" ein. Gleichzeitig wer-
       den durch  derartige Strategien  die Umweltprobleme  in den  Bal-
       lungsgebieten verschärft  und selbst zu einem Hauptanlagefeld des
       entwerteten staatlichen  Kapitals. Die  hierdurch verstärkte Bin-
       nenmarktorientierung der  staatlichen Aktivitäten steht jedoch in
       direktem Widerspruch  zu den Interessen der führenden Monopole an
       der Priorität der Außenexpansion. Die hohen sozialen Kosten einer
       derartigen Politik erhöhen die Defizite in den Haushalten der Ge-
       bietskörperschaften und  erzeugen dadurch eine ständige Diskonti-
       nuität in der staatlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik, die je-
       doch eine denkbar schlechte Grundlage für die geforderte Langfri-
       stigkeit der Infrastrukturplanung ist usw.
       Der Begriff  "Planung" erhält damit unter kapitalistischen Bedin-
       gungen einen  spezifischen Inhalt:  Im Gegensatz  zum Sozialismus
       bedeutet die  Beplanung eines  Gegenstandes, z.B. die Entwicklung
       einer Stadt,  nicht, daß damit auch die Leitung, Durchsetzung und
       die Kontrolle der Planung ermöglicht wird, eben weil die wichtig-
       sten Determinanten und Variablen (die privaten Investitionen, der
       Bodenpreismechanismus, die  Steuereinnahmen) nicht  direkt beein-
       flußt werden  können und sollen. Die räumliche Planung erhält da-
       mit  den  Charakter  von    A n g e b o t s p l a n u n g    bzw.
       V o r r a t s p l a n u n g  oder einer  k o m p e n s a t o r i-
       s c h e n  A n p a s s u n g s p l a n u n g.
       Im Bereich  der räumlichen  Entwicklung und Planung (und auch der
       Fachplanungen) ist die klassen- und schichtenspezifische Selekti-
       vität nicht  immer unmittelbar  ersichtlich, zumal die jeweiligen
       staatlichen Maßnahmen  immer auch  Ausdruck des aktuellen Kräfte-
       verhältnisses zwischen  den Klassen  sind. Einer abstrakten Netz-
       struktur von Autobahnen z.B. sieht man zunächst ihren Klassencha-
       rakter nicht  an. Selbst  in dem  frappierend offen  auf der Hand
       liegenden Fall  der ursprünglichen  Autobahnplanung für den Dort-
       munder Raum  77), die  vorsah, an jedes der Haupttore der Hoesch-
       Hüttenwerke eine Autobahn zu legen, findet man viele sozial moti-
       vierte Gründe  für eine derartige Straßenkonzeption (z.B. das Ar-
       gument, daß  durch die  direkte Ableitung  des Schwerlastverkehrs
       auf die Autobahnen die Verkehrssicherheit in den innerstädtischen
       Gebieten erhöht  und die  Lärmbelästigung,  Abgasbelästigung  und
       Überbeanspruchung der  innerstädtischen Straßen reduziert würde),
       wenn man  nicht an  weitergehende verkehrspolitische Alternativen
       denkt, etwa die administrative Verlagerung des Schwerlastverkehrs
       auf das  im Ruhrgebiet  besonders dichte  Schienennetz. Durch den
       breiten Widerstand der Bevölkerung konnte diese Maximalkonzeption
       inzwischen gestoppt  werden. Eine  generelle Neuorientierung  der
       Verkehrspolitik erfolgte jedoch nicht.
       Bei der  Analyse und Einschätzung von Infrastrukturplanungen, ih-
       rer Dimensionierung und Netzstruktur kommt es folglich darauf an,
       etwa die  Mobilitätsbedürfnisse klassen-  und schichtenspezifisch
       zu  untersuchen,   die  soziale  Verteilung  der  Zeit-  und  Fi-
       nanzbudgets einzubeziehen  und zu beurteilen, ob die Grundbedürf-
       nisse der  Arbeiterklasse und  ihrer Gruppen  (darunter auch  der
       Rentner, Kinder  jugendlichen, Behinderten usw.) auf hohem Niveau
       befriedigt werden  können oder  bei den  entsprechenden Planungen
       nicht berücksichtigt werden.
       Die objektiv  notwendigen Zentralisationstendenzen  im räumlichen
       Planungssystem, die  gleichzeitig immer  auch begleitet  sind von
       Tendenzen der  Rückverlagerung  von  Kompetenzen  (Dezentralisie-
       rung), gehen  jedoch nicht  einher mit  einer  zunehmenden  Demo-
       kratisierung und  Kontrolle der  Planungsentscheidungen  auf  den
       verschiedenen Ebenen.
       Auch im  Bereich der Entscheidungen über die Entwicklung der Pro-
       portionen der  Raumstruktur wird  sichtbar, daß  dieser Entschei-
       dungsprozeß zunehmend  nicht  von  den  Parlamenten  kontrolliert
       wird. Damit wird die Fiktion von der Gewaltenteilung im bürgerli-
       chen Staat und deren Kernstück, die angebliche Kontrolle der Exe-
       kutive durch die Legislative und der Abgeordneten durch ihre Wäh-
       ler, erneut  sichtbar. Da  die Betroffenheit  der "Planungs-  und
       Raumopfer" jedoch  zunimmt, entwickelt  sich notwendigerweise das
       Bedürfnis nach  mehr Mitbestimmung  und Kontrolle,  die  zunächst
       auch direkt  - an den Parlamenten vorbei - in Form von betriebli-
       cher Interessenvertretung und Bürgerinitiativen eine unmittelbare
       Beeinflussung der  Entscheidungen oder  die Abwehr  von negativen
       Folgen bereits  in der  Vergangenheit getroffener  Entscheidungen
       zum Ziel haben.
       Dabei läßt sich nicht die in demokratischen Bewegungen häufig an-
       zutreffende These  bestätigen, daß die Erfordernisse der Demokra-
       tisierung immer  mit der Durchsetzung von Dezentralisierungen der
       Entscheidungskompetenzen zusammenfallen.  Denn  Zentralisierungs-
       tendenzen resultieren  gerade im  Bereich der  Raumplanung  nicht
       selten aus  dem Erfordernis  der Ausschaltung  der  territorialen
       Konkurrenz sowie  dem Erfordernis der komplexen und langfristigen
       Planung von  Netzen. Bei  gegebenen Machtverhältnissen allerdings
       würde ein Kompetenzzuwachs etwa der Landes- und Bundesraumplanung
       gerade den Zugriff der stärksten Monopole erleichtern. Demokrati-
       sierung aller  staatliche Ebenen  und eine  den (sich  historisch
       verändernden) inneren  Sachnotwendigkeiten  entsprechende  Kompe-
       tenzverteilung zwischen  den verschiedenen Ebenen ist deshalb die
       Form, in  der die  scheinbare Unvereinbarkeit  von Demokratie und
       komplexen, langfristigen Planungserfordernissen aufgehoben werden
       kann. Die  außerordentlich breite Diskussion um die Tendenzen der
       Aushöhlung der  kommunalen Selbstverwaltung  kreist letztlich  um
       diesen Fragenkomplex,  der ihr  größtes theoretisches und politi-
       sches Problem darstellt.
       
       V. Räumliche Vergesellschaftungsprozesse
       ----------------------------------------
       und theoretische Auseinandersetzungen
       -------------------------------------
       
       Die territorialen  Krisen und  Disproportionen treten  weitgehend
       nicht unmittelbar als Resultat der "privatkapitalistischen Aneig-
       nung des  vergesellschafteten städtischen Raumes" in Erscheinung,
       sondern - dies gilt insbesondere für die kleinräumigen Krisen und
       Segregationsprozesse auf  der städtischen  Ebene - als Ergebnisse
       des mit  der Wahrnehmung "klassenneutraler, gemeinsamer" Interes-
       sen beauftragten mystifizierten bürgerlichen Staates. 78)
       Deshalb kommt es auch auf der theoretischen Ebene der Erklärungs-
       versuche des  Wesens der  territorialen Widersprüche und der Ent-
       wicklungsgesetzmäßigkeiten der Territorialstruktur zu ähnlich in-
       tensiven Auseinandersetzungen  wie z.B.  auf dem Gebiet der Tech-
       nik-Diskussion. Aus  der Analyse  des Mechanismus  der regionalen
       und städtischen  Krisen und  der Herausbildung eines entwickelten
       Systems der  staatlichen Beeinflussung der territorialen Entwick-
       lung lassen  sich folgende methodologische Schlußfolgerungen zie-
       hen:
       E r s t e n s:   Territoriale Widersprüche  sind von der gleichen
       Qualität wie  etwa sektorale  Widersprüche  bzw.  Disproportionen
       z.B. zwischen  den verschiedenen Abteilungen des Produktionsappa-
       rates; beide  resultieren aus  dem Grundwiderspruch der kapitali-
       stischen Produktionsweise und dem aus ihm resultierenden Klassen-
       widerspruch. Préteceille spricht in diesem Zusammenhang sogar vom
       "Grundwiderspruch der  Verstädterung  im  Kapitalismus"  als  dem
       "Widerspruch zwischen  der Notwendigkeit  einer wachsenden Verge-
       sellschaftung bei  der Nutzung von Raum zur erweiterten Reproduk-
       tion der  Produktivkräfte und  der privaten Nutzung dieses Raumes
       im Kapitalismus,  die von den zahlreichen und miteinander konkur-
       rierenden Forderungen  nach Verwertung  der verschiedenen Kapita-
       lien beherrscht ist". 79) Genausowenig, wie aus den Disproportio-
       nen zwischen  Abteilung I  und Abteilung  II  der  Produktion  im
       Wachstumsprozeß  des   Kapitals  ein  "Klassengegensatz  zwischen
       Wirtschaftssektoren" abgeleitet  werden kann, genausowenig dürfen
       aus räumlichen Disproportionen etwa zwischen den kapitalistischen
       Metropolen und  den Entwicklungsländern  oder zwischen  Stadt und
       Land in  den kapitalistischen  Hauptländern  -  Klassengegensätze
       zwischen Territorien"  geschlußfolgert werden.  Alle Theorien und
       politischen Konzepte,  die den  räumlichen  Widersprüchen  eigen-
       ständigen Charakter  zuweisen (Extremfall:  "Nord-Süd-Konflikt"),
       lenken damit  letztlich vom Klassencharakter der räumlichen Orga-
       nisation des  gesellschaftlichen Lebens  auf allen  territorialen
       Ebenen ab.  Kategorienpaare wie:  Zentrum-Peripherie, Metropolen-
       Hinterland, Agglomerationsräume-Entleerungsräume, Stadt-Land usw.
       sind daher oftmals Indiz für einen in den Raumwissenschaften weit
       verbreiteten "territorialen  Determinismus", der  sich analog zum
       "technologischen  Determinismus"   80),  der   die   bürgerliche,
       speziell die  kleinbürgerliche Technikdiskussion  weitgehend  be-
       herrscht, entwickelt hat.
       Ebenso und  aus den gleichen Gründen ist die Konvergenztheorie in
       den Raumwissenschaften  extrem weit  verbreitet.  Ihr  objektiver
       Nährboden ist  die "Konvergenz  der Erscheinungsformen" , die aus
       den Gesetzmäßigkeiten der Produktivkraftentfaltung resultiert.
       Häufig wird  von derartigen Theorien (z.B. der Polarisationstheo-
       rie 81), der Dualismus-Theorie oder den Dependencia-Ansätzen 82),
       in denen oftmals partiell marxistische Kategorien Verwendung fin-
       den, die  Ungleichheit des sozialökonomischen Entwicklungsniveaus
       der Staaten und Regionen in erster Linie aus Umverteilungsprozes-
       sen der  produzierten Werte  zugunsten der Metropolen, nicht aber
       aus der  hohen Produktivkraftentwicklung  und Wertbildung  in den
       hochentwickelten Regionen  selbst und  den Faktoren  erklärt, die
       eine schnelle  Produktivkraftentwicklung auch in kapitalistischer
       Form in  den unterentwickelten  Regionen behindern  und unmöglich
       machen.
       Methodologisch ist deshalb die Leninsche Analyse des Gesetzes der
       Ungleichmäßigkeit der  Entwicklung richtungweisend. Angewandt auf
       die internationalen  Beziehungen der kapitalistischen Staaten be-
       sagt dieses Gesetz, daß die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung das
       Resultat ungleichmäßiger  Produktivkraftentwicklung ist, die ver-
       festigt wird, weil die imperialistische Beherrschung der abhängi-
       gen Länder die Produktivkraftentwicklung in diesen Ländern insge-
       samt hemmt.  Erst  in  zweiter  Linie  vollzieht  sich  über  den
       "ungleichen Tausch",  die Verlängerung dieser Ungleichheit in der
       Zirkulationssphäre, ein  Umverteilungsprozeß von  gesellschaftli-
       chem Reichtum.  Analoges gilt  für die inneren territorialen Dis-
       proportionen in den einzelnen Ländern.
       Z w e i t e n s:   Die marxistische Raumökonomie ist auf das eng-
       ste mit  der marxistischen  Politischen Ökonomie verknüpft, deren
       Raumdimension 'lediglich' expliziert werden muß. Bei Marx und En-
       gels geschah dies zunächst teilweise kursorisch, z. B. in Engels'
       Schriften zur  Wohnungsfrage und  zur Lage der arbeitenden Klasse
       in  England,   später  systematisch  in  der  Grundrententheorie.
       "Lediglich explizieren"  heißt nicht,  daß die Aufdeckung und Er-
       klärung der  territorialen Widersprüche  und Disproportionen ohne
       eigene Forschungsanstrengungen  möglich wären.  Gemeint ist  hier
       vielmehr, daß  wir hierzu  keine "neue politische Ökonomie" brau-
       chen, sondern  daß wir vollständig auf dem Lehrgebäude der marxi-
       stischen Politischen  Ökonomie  einschließlich  der  Theorie  des
       staatsmonopolistischen Kapitalismus  aufbauen können.  Dabei läßt
       sich feststellen,  daß gerade  die Analyse  der Gesetzmäßigkeiten
       der räumlichen  Entwicklung des  heutigen Kapitalismus  zu  einer
       eklatanten Bestätigung  und streckenweise  eine Bereicherung  der
       SMK-Theorie führt.
       D r i t t e n s:   Größere Defizite bestehen nach wie vor bei der
       ausführlichen Analyse der historischen Entwicklung der Territori-
       alstruktur. Die  ungeheure Vielfalt  der sozialgeographischen Er-
       scheinungsbilder ist dabei nur auf der Grundlage einer konsisten-
       ten Theorie  als gesetzmäßiger  Prozeß im Sinne des dialektischen
       Determinismus darstellbar. 83) Dabei steckt der detaillierte For-
       schungsprozeß über  die Entwicklung einzelner Regionen über lange
       Zeiträume in  der Bundesrepublik noch weitgehend in den Anfängen.
       84)
       V i e r t e n s:   Eine ausführliche  Auseinandersetzung mit  der
       bürgerlichen raumbezogenen  Wirtschaftswissenschaft, die  in  der
       Tradition der  nachklassischen, tendenziell  immer mehr  formali-
       sierten Ökonomie  entstanden  ist  und  heute  unter  der  Rubrik
       "Regional Science"  Hunderte von Autoren und Abhandlungen umfaßt,
       steht noch weitgehend aus. Dieses schwerwiegende Defizit, das aus
       der explosionsartigen  Ausdehnung und  radikalen  Spezialisierung
       der Wirtschaftswissenschaften  resultiert, muß  Konsequenzen  für
       die Forschungsplanung  haben. H.  Lehmann 85),  der die  Entwick-
       lungstendenzen in den bürgerlichen Wirtschaftswissenschaften ana-
       lysiert hat,  weist daraufhin,  daß im  Zuge der  Spezialisierung
       ganze Wissenschaftszweige  entstanden sind,  z.B. die Praxeologie
       86), die Ökonometrie, die Betriebswirtschaftslehre usw., denen es
       nicht in  erster Linie oder überhaupt nicht um die Erklärung bzw.
       Rechtfertigung der  politisch-ökonomischen  Entwicklung  der  ge-
       samten bürgerlichen Gesellschaft geht, sondern um die Analyse von
       Detailprozessen, bestimmten  Segmenten oder  Ebenen der Realität,
       die in  planmäßiges 'rationales'  Handeln in der kapitalistischen
       Gesellschaft umgesetzt  werden soll.  Dabei werden wahre Erkennt-
       nisse produziert,  die in oftmals nur schwer zu identifizierender
       Weise mit apologetischen Aussagen vermischt sind. Die Unterschei-
       dung von zwei Grundtypen gesellschaftlicher Gesetze durch Bollha-
       gen 87),  den funktional-strukturellen und den genetischen Geset-
       zen, bietet  ein praktikables Abgrenzungskriterium für die Vermu-
       tung produktiver  wissenschaftlicher Erkenntnisse, die z. B. auch
       für die  sozialistischen Planungswissenschaften fruchtbar gemacht
       werden können:  Weite Teile  der Praxeologie, der Ökonometrie und
       des Operation Research, der Betriebswirtschaftslehre und auch der
       "Regional Science"  haben funktional-strukturelle Gesetzmäßigkei-
       ten und  ihre diversen  Untertypen zum  Gegenstand und werden für
       die Analyse  und praktische  Beherrschung gesellschaftlicher Pro-
       zesse nutzbar  gemacht. Dabei entgeht diesen Wissenschaftlern die
       historische Dimension  sowie die  Klassendimension der räumlichen
       Entwicklung nahezu vollständig. Wo die historische Dimension ein-
       gearbeitet ist  - so bei E. von Böventers umfassender Darstellung
       der  bürgerlichen  Raumwissenschaften  "Standortentscheidung  und
       Raumstruktur" 88)  -, geschieht  dies in  der Regel in Form eines
       "quasi-historischen Ansatzes"  in Anlehnung an die Stadientheorie
       von Rostow. 89)
       E. von  Böventer z.B. unterscheidet in seiner Entwicklungstheorie
       der Raumstrukturen drei Stadien:
       "a) Dominanz der  Landwirtschaft, Einrichtung von Regierungs- und
       Verwaltungssitzen, Entwicklung  anderer tertiärer  und sekundärer
       Funktionen der Wirtschaft";
       "b) Starkes Hervortreten der Industrie";
       "c) Überwiegen der Agglomerationseffekte".
       Diesen drei Entwicklungsstadien der Raum-, Landschafts- und Städ-
       testruktur ordnet  er bestimmte  Theorien und  Modelle zu, die in
       der Geschichte  der Raumwissenschaft  hervorgebracht worden sind:
       die Modelle  Thünens, Christallers  und Löschs  sowie Hoovers dem
       ersten Stadium; die Theorien von Alfred Weber, Palander und Isard
       sowie Theorien  des ausgleichenden  und kumulativen Wachstums dem
       zweiten Stadium  und schließlich  Agglomerations- und  Wachstums-
       theorien dem dritten Stadium. 90) Es bleibt einer intensiven Aus-
       einandersetzung mit  diesen einzelnen  Theorien vorbehalten, ihre
       formationsspezifischen Elemente  herauszuarbeiten und damit ihren
       rationalen Inhalt  zu dokumentieren und für die marxistische Ter-
       ritorialökonomie fruchtbar zu machen.
       F ü n f t e n s:   Parallel zur Herausbildung der staatsmonopoli-
       stischen Institutionen  und Instrumente  der  räumlichen  Planung
       entwickelt sich das theoretische Potential und die Professionali-
       sierung der  Analyse und  Bereitstellung von wissenschaftlich be-
       gründeten räumlichen  Leitbildern und  Instrumenten der Steuerung
       der Raumstrukturen.
       Bei der Herausbildung des wissenschaftlichen Instrumentariums zur
       im Kapitalismus  weitgehend formalen,  im Sozialismus auch zuneh-
       mend substantiellen  Beherrschung der räumlichen Entwicklung las-
       sen sich folgende Schwerpunkte beobachten:
       Da im bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb zumeist unterstellt wird,
       daß das  Versagen bestimmter  planerischer Instrumente  oder auch
       von erklärenden  Theorien nicht  in der  Organisation der Gesell-
       schaft bzw. in den theoretischen Grundaussagen über das Wesen der
       gesellschaftlichen Widersprüche  begründet liegt, sondern in Män-
       geln der  Informationsbeschaffung, zu wenig zeitlich und räumlich
       ausdifferenzierten Prognosen  bzw. Wirkungsanalysen von Planungs-
       instrumenten oder  der zu geringen Komplexität der mathematischen
       Modellierung der  funktionalen, strukturellen und sozialen Bezie-
       hungen und anderen Gründen, gibt es eine außerordentliche Konzen-
       tration von Forschungspotenzen auf die Entwicklung von hochforma-
       lisierten Prognose-,  Optimierungs- und  Simulationsmodellen, die
       technisch raffiniert ausgestattet werden. So sind etwa im Sonder-
       forschungsbereich 26  der Deutschen  Forschungsgemeinschaft  ver-
       schiedene Forschungsgruppen  mit der Entwicklung von Modellen be-
       schäftigt, die die räumlichen Entwicklungstendenzen, die Interde-
       pendenzen zwischen großräumiger und kleinräumiger Entwicklung so-
       wie die Optimierungserfordernisse der Raumstrukturen in rechenba-
       ren Modellen  widerzuspiegeln versuchen. 91) Dabei betont der Si-
       mulationsmodelltyp die marktmäßigen Anpassungsprozesse und eignet
       sich damit  eher dazu, die Wirkungen partieller Planungsmaßnahmen
       im Kapitalismus  zu simulieren und damit - was für die Demokrati-
       sierangsbemühungen nicht  unwichtig ist  -  die  Transparenz  der
       Wirkungen verschiedener  Maßnahmen der  Monopole und  des Staates
       herzustellen ("Frühwarnsystem" für territoriale Krisen und Wider-
       sprüche). Die  mit Hilfe  der linearen Programmierung arbeitenden
       Optimierungsmodelle (Thoss-Modell)  sind dagegen  eher  geeignet,
       optimale Zuordnungen  von räumlichen und sektoralen Strukturen zu
       berechnen und damit in zentral geplanten Volkswirtschaften Anwen-
       dung zu  finden, wobei nach dem Grad der planmäßigen Beherrschung
       der gesellschaftlichen Prozesse und nach dem Grad der gewünschten
       oder spontanen Selbstregulierung die Kombination beider Modellty-
       pen möglich und notwendig ist. 92)
       Da die  wissenschaftliche Entwicklung  im Kapitalismus und Sozia-
       lismus nicht unabhängig voneinander erfolgt, kann man heute davon
       ausgehen, daß  das theoretische  Instrumentarium für  eine umfas-
       sende Raumplanung  zunehmend  universell  vorhanden  ist.  Um  so
       schärfer treten  in den  kapitalistischen Ländern die Defizite in
       Erscheinung, die  einerseits auf  dem Gebiet  der Informationsbe-
       schaffung, hier vor allem infolge der Tabuisierung und Geheimhal-
       tung der  Informationen über  die wichtigsten  ökonomischen Daten
       (Profite, Investitionen,  langfristige Planungen) der Privatwirt-
       schaft als  dem Kernstück  des räumlichen Reproduktionsprozesses,
       andererseits  darin   begründet  liegen,   daß  diese  Kategorien
       (Investitionen, Arbeitsplätze  usw.) nicht zu direkten Aktionspa-
       rametern der Planung gemacht werden können, solange das Privatei-
       gentum an den wichtigsten Produktionsmitteln dies verhindert.
       Zum Schluß halten wir es für angebracht, darauf zu verweisen, daß
       eine ganze Reihe von Fragen, die im Rahmen der Analyse räumlicher
       Entwicklungsgesetze zu  untersuchen und  darzustellen  wären,  in
       diesem Beitrag  nicht behandelt  oder nur angedeutet werden konn-
       ten. Hier  konnte es nur darum gehen, räumliche Grundprozesse und
       Krisen und  die zu ihrer Analyse erforderlichen Kategorien im Zu-
       sammenhang  der  politökonomischen  Kapitalismusanalyse  auf  der
       Ebene des  staatsmonopolistischen Kapitalismus  zu entwickeln und
       darzustellen.
       Die Aufzählung  der in den Untersuchungsgegenstand einzubeziehen-
       den Fragen macht die Spannweite der Problematik deutlich und ver-
       weist auf  Schwerpunkte der  weiteren wissenschaftlichen  Arbeit.
       Hierzu  zählen   Fragen  wie:  die  Herausbildung  der  Raumtypen
       (Metropolen, ausführende Industrieregionen, ländliche Räume); die
       Industrialisierung der  Landwirtschaft und  ihre Auswirkungen auf
       die Siedlungsstruktur;  das Standortverhalten  des tertiären Sek-
       tors; die  Herausbildung der  Stadtregionen und der Städtebänder;
       die  sozialen   Bewegungen  in   den  Städten,  die  Stadtpolitik
       (Kommunalpolitik) u.a.  93); die  Orientierung der Gewerkschaften
       der Bundesrepublik auf die Raumordnungs-, Regional- und Kommunal-
       politik 94);  die Integration  von Umwelt- und Raumwissenschaften
       bzw. Umwelt-  und Raumpolitik;  die sozialkulturellen, sozialpsy-
       chologischen und  politischen Auswirkungen  der Ungleichmäßigkeit
       und Krisenhaftigkeit räumlicher Entwicklung.
       Schließlich konnten  die Probleme der Ausarbeitung einer alterna-
       tiven, an den Bedürfnissen der werktätigen Bevölkerung orientier-
       ten Raumpolitik  nur von  den Ansätzen her aufgezeigt werden. Ge-
       rade hierzu  hat sich aber nicht nur schon eine umfangreiche wis-
       senschaftliche Literatur entwickelt 95), sondern derartige Alter-
       nativvorstellungen und  -forderungen spielen in der sozialen Aus-
       einandersetzung eine  zunehmende Rolle.  Dies ist die Bewährungs-
       aufgabe progressiver Raumökonomie. Sie wird dieser Aufgabe jedoch
       nur dann gerecht werden können, wenn sie sich gleichlaufend ihrer
       theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen versichert.
       
       _____
       1) R. Brune,  U. Heilemann, H. Karrenberg, K. Löbbe, Überlegungen
       zu regionalpolitischen  Maßnahmen für  das Ruhrgebiet, Rheinisch-
       Westfälisches Institut  für Wirtschaftsforschung,  Essen, Mittei-
       lungen, Heft  1/1979, S.  5 (im  folgenden zitiert  als: R. Brune
       u.a., Überlegungen...).  Vgl. auch  die RWI-Studie:  Wirtschafts-
       strukturelle Bestandsaufnahme für das Ruhrgebiet - 1. Fortschrei-
       bung, Gutachten erstellt im Auftrag des Ministers für Wirtschaft,
       Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, des Sied-
       lungsverbandes Ruhrkohlenbezirk,  der Industrie-  und Handelskam-
       mern zu  Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Münster, (Bearbei-
       ter: R. Brune, H. Hennies-Rautenberg, K. Löbbe), Essen 1978.
       2) Politik für  das Ruhrgebiet. Leistungen des Landes. Hrsg. Lan-
       desregierung NRW, Mai 1979, S. 18 f.
       3) ebenda, S. 20.
       4) ebenda.
       5) R. Brune u.a., Überlegungen... S. 21.
       6) ebenda, S. 8.
       7) Politik für das Ruhrgebiet... S. 73.
       8) ebenda, S. 13 f.
       9) ebenda, S. 13.
       10) ebenda, S. 18.
       11) ebenda, S. 22.
       12) R. Brune u.a., Überlegungen... S. 3.
       13/14) Landesarbeitsamt Nordrhein-Westfalen,  Der Arbeitsmarkt im
       Ruhrgebiet, Düsseldorf 1979, S. 2.
       15) Politik für das Ruhrgebiet, S. 10.
       16) ebenda, S. 14.
       17) ebenda, S. 16.
       18) ebenda, S. 28.
       19) ebenda.
       20) ebenda, S. 29 f.
       21) ebenda, S. 33.
       22) Landesarbeitsamt  Nordrhein-Westfalen,  Der  Arbeitsmarkt  im
       Ruhrgebiet, Düsseldorf 1979.
       23) Politik für das Ruhrgebiet, S. 40.
       24) ebenda, S. 44.
       25) ebenda, S. 48.
       26) ebenda, S. 49.
       27) ebenda, S. 54.
       28) ebenda, S. 54.
       29) ebenda, S. 60.
       30) ebenda, S. 61.
       31) ebenda, S. 65.
       32) U. Sonnenschein, Die Industrie des Ruhrgebiets als Objekt der
       Strukturpolitik, Dissertation, Bochum 1970, Tab. 1.
       33) G. Schmidt-Renner,  Elementare Theorie  der ökonomischen Geo-
       graphie, Gotha/Leipzig 1966, S. 55.
       34) D. Läpple,  Gesellschaftlicher Reproduktionsprozeß und Stadt-
       strukturen, in:  M. Mayer, R. Roth, V. Brandes (Hrg.), Stadtkrise
       und soziale  Bewegungen. Texte  zur internationalen  Entwicklung,
       Köln/Frankfurt-Main, 1978, S. 33.
       35) Territorialplanung. Herausgegeben von R. Bönisch, G. Mohs und
       W. Ostwald, Berlin 1976, S. 25 ff. Dieses erste Lehrbuch der Ter-
       ritorialökonomie in  der DDR  bietet einen  systematischen  Über-
       blick. Vgl. auch die Rezession dieses Buches durch G. Streibelin:
       Wirtschaftswissenschaft, Heft 8/1977, S. 1249 ff.
       36) E. von  Böventer, Standortentscheidung und Raumstruktur. Ver-
       öffentlichungen der Akademie für Raumforschung und Landesplanung,
       Bd. 76, Hannover 1979, S. 9 ff.
       37) D. Läpple, a.a.O.
       38) K. Marx,  Grundrisse  der  Kritik  der  politischen  Ökonomie
       (Rohentwurf 1857-1858), Berlin (DDR), 1953, S. 89.
       39) Politische Ökonomie des Sozialismus und ihre Anwendung in der
       DDR, Berlin (DDR) 1969, S. 238.
       40) Gisela Lindenau,  Der gebietswirtschaftliche Aufwand. Planung
       und Leitung  der Volkswirtschaft,  Heft 22, Berlin (DDR) 1968, S.
       28.
       41) Vgl. R. Child Hill, Staatskapitalismus und städtische Finanz-
       krise in  den USA,  in: M.  Mayer, R.  Roth, V.  Brandes  (Hrsg.)
       Stadtkrise und soziale Bewegungen, a.a.O., S. 79-99.
       42) Dies muß jedoch nicht bedeuten, daß die Konzerne, die die Be-
       sitzer der in den zuletzt genannten Gebieten lokalisierten veral-
       teten Werke  sind, im  Konkurrenzkampf unterlegen sein müssen, da
       sie in  der Regel  auch über  neuerrichtete Küstenwerke verfügen.
       Falls es  ihnen gelingt,  die veralteten  Werke im Zuge des Davi-
       gnon-Planes stillzulegen,  kann sich  die internationale  Konkur-
       renzsituation schnell ändern.
       43) G. Meinshausen,  Konzentration und  Ausbau der  Roheisen- und
       Rohstahlerzeugung der  Fried. Krupp  Hüttenwerke. Bericht Nr. 546
       des Ausschusses für Anlagetechnik des Vereins Deutscher Eisenhüt-
       tenleute, in: Stahl und Eisen 97 (1977), Nr. 3, S. 110-117.
       44) ebenda, S. 116.
       45) So vorteilhaft  die Konzentration  der Rohstahlproduktion der
       Fried. Krupp Hüttenwerke auf das Werk Rheinhausen war, so proble-
       matisch waren die Auswirkungen auf den gesamten Duisburger Stand-
       ort, weil  Mannesmann und  Thyssen ebenfalls  ihre Produktion  in
       Duisburg konzentrierten.  Duisburg blieb  somit die Stadt mit der
       stärksten Luftverschmutzung  in Westeuropa.  Dies trug mit bei zu
       einer außerordentlich  hohen Abwanderungsrate.  Vgl. M. Walz, Die
       Bedeutung der räumlichen Konzentration der Industrie für die Ent-
       wicklungsplanung am  Beispiel der  (Nieder-)Rheinschiene. In:  J.
       Janssen, M.  Statz (Hrsg.)  Stadtentwicklungsprozesse in der BRD.
       Ausdruck der Ohnmacht von Stadt- und Regionalplanung, Köln 1979.
       46) Vgl. M.  Castells und  F. Godard,  Monopolville, Paris  1976.
       Vgl. ebenso H. Bömer, Internationale Kapitalkonzentration und re-
       gionale Krisenentwicklung am Beispiel der Montanindustrie und der
       Montanregionen der Europäischen Gemeinschaft, Dortmunder Beiträge
       zur Raumplanung Bd. 5, Dortmund 1977.
       47) C. Wurms,  Raumordnung und Territorialplanung in der DDR. Un-
       tersuchungen zur Entwicklung von Territorialstruktur, Planungsor-
       ganisation und  Raumwissenschaft in der DDR. Mit Beiträgen von M.
       Görg, W. Selke und D. Töpfer, Dortmund 1976.
       48) Vgl. hierzu: W. Linder, U. Maurer, H. Resch, Erzwungene Mobi-
       lität. Alternativen  zur Raumordnung,  Stadtentwicklung und  Ver-
       kehrspolitik, Köln/Frankfurt  a. M.,  1975; Bundesraumordnungsbe-
       richt 1974; 1978; Bundesraumordnungsptogramm 1975; Schriftenreihe
       des  Bundesministers  für  Raumordnung,  Bauwesen  und  Städtebau
       06.012, Raumordnungsprognose  1990. Bonn  1977; Arbeitskreis  ar-
       beitsorientierteRegionalwissenschaft, Für eine arbeitnehmerorien-
       tierre Raumordnungs-  und Regionalpolitik. Erklärung zur Raument-
       wicklung in  der Bundesrepublik Deutschland. Zusammengestellt von
       Klaus Brake, Köln 1979.
       49) Vgl. auch  H. Bömer und L. Schröter, Ursachenanalyse regiona-
       ler Krisenanfälligkeit. Zur Anwendung der Theorie der Überakkumu-
       lation /  Entwertung auf regionale Probleme. In: Gesellschaft für
       Regionalforschung, Seminarberichte 10, St. Jakob 1974.
       50) H.-J. Hermann,  Gemeinsamer Informationsbedarf von Umweltpla-
       nung und  Raumplanung, Diplomarbeit,  Universität Dortmund,  Abt.
       Raumplanung, Dortmund  1977, S.  137, vgl.  auch: R. Katzenstein,
       Technischer Fortschritt,  Kapitalbewegung, Kapitalfrxierung,  Ei-
       nige Probleme der Ökonomie des fixen Kapitals unter den gegenwär-
       tigen Bedingungen  der Vergesellschaftung  der Produktion im SMK,
       Berlin (DDR), 1971.
       51) Als Basissektor  wird in  der Regionalökonomie der Sektor be-
       zeichnet, dessen  Waren regional  exportiert werden. Der Nichtba-
       sissektor schafft  innerhalb der Region mit dem Infrastruktursek-
       tor die  Voraussetzungen für die Produktionsmöglichkeiten des Ba-
       sissektors. Vgl.  dazu etwa  F. Buttler, K. Gerlach, P. Liepmann,
       Grundlagen der Regionalökonomie, rororo Studium, Reinbek bei Ham-
       burg 1977.
       52) In den USA ist aufgrund der großen Flächen- und Naturressour-
       cen der Mechanismus der "Wegwerfstädte und -regionen" viel extre-
       mer ausgeprägt als im dichtbesiedelten Westeuropa.
       53) H. Bömer, L. Schröter, Ursachenanalyse..., a. a. O., S. 51.
       54) H. Bömer,  Internationale Kapitalkonzentration  und regionale
       Krisenentwicklung..., a.a.O., Kap. IV.
       55) H. Brede,  B. Dietrich,  B. Kohaupt,  Politische Ökonomie des
       Bodens und Wohnungsfrage, Frankfurt 1976.
       56) Für den  Bereich der Industrie- und Gewerbeflächen vgl. K.-D.
       Stark, Kommunale  Wirtschaftsförderung und Standortwahl von Indu-
       strie und  Gewerbe, Deutsches  Institut  für  Urbanistik,  Berlin
       (West) 1978.
       57) R. Child Hill, a.a.O.
       58) Vgl. eine  systematische Darstellung  bei M. Buhr, G. Kröber,
       Mensch, Wissenschaft,  Technik. Versuch  einer marxistischen Ana-
       lyse der wissenschaftlich-technischen Revolution, Köln 1977.
       59) Autorenkollektiv DDR-UdSSR (Tjulpanow u. a.), Kapitalistische
       Ausbeutung heute,  Berlin 1977, insbes. S. I. Tjulpanow, Die mar-
       xistisch-leninistische Mehrwerttheorie  und die  Gegenwart.  Vgl.
       auch E.  Weber, Kommunalpolitik  muß sich an den Bedürfnissen der
       werktätigen Bevölkerung  orientieren, In:  Grete Thiele  (Hrsg.),
       Kommunalpolitik, Gegenwart und Perspektive, Frankfurt 1975.
       60) Vgl. die  ausführliche Auseinandersetzung  mit diesen  in der
       sowjetischen Wissenschaft  entwickelten Kategorien bei H.-J. Her-
       mann, a.a.O.
       61) Die Lehre  von den  territorialen Produktionskomplexen in der
       UdSSR und die Bedeutung für die territoriale Produktionsorganisa-
       tion in der DDR, In: Beiträge zur territorialen Produktionsstruk-
       tur, Wissenschaftliche  Abhandlungen der  Geographischen  Gesell-
       schaft der DDR, Bd. 13, Leipzig 1976.
       62) Eine systematische  Darstellung der Standortanforderungen für
       Wissenschaftseinrichtungen findet  sich im Lehrbuch 'Territorial-
       planung', a.a.O.,  Kap. 4.  Empirische  Untersuchungen  über  die
       räumliche Verteilung  von Wissenschaftseinrichtungen  und anderen
       Sektoren des  tertiären Sektors in der Bundesrepublik finden sich
       bei:  L.  Krickau,  J.  Olbrich,  Regionale  Strukturpolitik  mit
       Dienstleistungsbetrieben von überregionaler Bedeutung am Beispiel
       von  Hauptverwaltungen   (Industrieunternehmen,  Banken,   Versi-
       cherung) und privaten Forschungseinrichtungen. Diplomarbeit, Uni-
       versität Dortmund,  Abt. Raumplanung, Dortmund 1978; vgl. auch J.
       Frerich,  R.   Pötzsch,  Tertiärer  Sektor  und  Regionalpolitik,
       Kommission für  wirtschaftlichen und  sozialen  Wandel,  Bd.  62,
       Göttingen 1975.
       63) Vgl. Schriftenreihe  des Bundesministeriums  für Raumordnung,
       Bauwesen und  Städtebau 06.010, Auswirkungen der europäischen In-
       tegration auf  die großräumige  Entwicklung in der Bundesrepublik
       Deutschland, Bonn  1976 sowie Nr. 06.021, Internationale Arbeits-
       teilung und  Raumentwicklung in  der Bundesrepublik  Deutschland.
       Szenarien zur  Regionalpolitik, Bonn  1978; F.  Fröbel. J.  Hein-
       richs, O. Kreye, Die neue internationale Arbeitsteilung. Struktu-
       relle Arbeitslosigkeit in den Industrieländern und die Industria-
       lisierung der Entwicklungsländer, Reinbek bei Hamburg, 1977.
       64) W.I. Lenin,  Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämp-
       fen soll. In: Lenin Werke, Bd. 25, S. 370.
       65) Vgl. etwa  K. Brake,  Das Verhältnis von Stadt und Land, hek-
       togr. Manu.,  Oldenburg 1978;  E. Bremer,  Funktion, Lokalisation
       und Gestalt  neuer Städte  in Deutschland  - unter besonderer Be-
       rücksichtigung der Wohnumwelt fünf neuer Städte in der BRD (NRW),
       Diplomarbeit, Dortmund 1977.
       66) C. Wurms, Materialien zum Seminar "Räumliche Organisation und
       gesellschaftliches System - Zur politischen Ökonomie der Raumpla-
       nung",  WS   72/73,  Universität   Dortmund,   Abt.   Raumplanung
       (hektographiert).
       67) Vgl. die  Stichworte 'Städtebau',  'Städtebauliche  Ordnung',
       u.a. in: Handwörterbuch der Raumforschung und Raumordnung, Akade-
       mie für  Raumforschung und  Landesplanung, Hannover, neueste Auf-
       lage.
       68) ebenda, Stichworte 'Regionalplanung', 'Landesplanung' u.a.
       69) ebenda,   Stichworte    'Raumordnungsgesetz   des    Bundes',
       'Raumplanung' u.a.
       70) 1976 fand  in Vancouver  (Kanada) die  UN-Konferenz "Habitat"
       ("Menschliche Siedlungen")  statt. Vgl.  den Nationalbericht  für
       die BRD, Der Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städte-
       bau, o.O. (Bonn), o.J. (1976).
       71) Die von H. Jung skizzierten beiden unterschiedlichen Entwick-
       lungsvarianten des  SMK werden  in diesem  Bereich sehr  deutlich
       sichtbar. Vgl. H. Jung, Die privatmonopolistische Entwicklungsva-
       riante des  staatsmonopolistischen Kapitalismus  der BRD: Voraus-
       setzungen, Inhalt, Perspektiven. Entwicklungstendenzen 1973-1979.
       In: Marxistische Studienjahrbuch des IMSF 1/1978, S. 9 ff.
       72) Vgl. hierzu:  Wirtschaftskrise und  Wirtschaftspolitik.  Bei-
       träge des IMSF 4, Frankfurt 1976, insbes. Kap. 2.4. Felder struk-
       turpolitischer Aktivitäten...
       73) Eine ausführliche Untersuchung der nationalen und supranatio-
       nalen  Raumordnungs-  und  Regionalpolitik  auf  westeuropäischer
       Ebene wird  in dem  Forschungsauftrag des  Bundesministeriums für
       Raumordnung, Bauwesen  und Städtebau  "Analyse  der  funktionalen
       Gliederung der  Raumnutzung Europas und ihre Auswirkungen auf na-
       tionale und supranationale Raumordnungspolitiken" von K. Kunzmann
       und G.  Rojann, Institut  für Raumplanung,  Universität Dortmund,
       vorgenommen (erscheint  demnächst in  der Schriftenreihe  des BM-
       Bau).
       74) Vgl. J.  Glaubitz, K. Marth, Strukturberichterstattung: Wirt-
       schaftliche Entwicklung  als ein  'Lern- und  Entdeckungsprozeß'.
       Kritische Würdigung  der von  den Forschungsinstituten  DIW, Ifo,
       IFW, HWWA  und RWI vorgelegten Vorberichte zur Strukturberichter-
       stattung, WSI-Mitteilungen, Heft 12/1977.
       75) Erklärung der IMB-Weltkonferenz für die Eisen- und Stahlindu-
       strie, Pittsburgh  1976, In: Schriftenreihe der IG Metall 74, Zur
       Situation bei Eisen und Stahl, Frankfurt 1977.
       76) Vgl. die  Kritik entsprechender Positionen durch F. Naschold,
       Alternative Raumpolitik.  Ein Beitrag  zur Verbesserung  der  Ar-
       beits- und Lebensverhältnisse, Kronberg/Ts. 1978.
       77) Verkehrsuntersuchung für die Hoesch-Hüttenwerke AG, Dortmund,
       IVV Aachen, 1971.
       78) D. Läpple, a.a.O.
       79) E. Préteceille, Städteplanung. Widersprüche der Stadtentwick-
       lung im  Kapitalismus, in:  Marxismus Digest  26,  Städtebau  und
       Städteplanung im Kapitalismus, Frankfurt 1976, S. 42.
       80) Vgl. eine  ausführliche Analyse des "technologischen Determi-
       nismus" in:  Internationales Autorenkollektiv,  Wissenschaftlich-
       technische Revolution und ideologischer Kampf, Frankfurt 1978.
       81) Adalbert Evers,  Fragen an eine korrigierte Raumordnungspoli-
       tik. Das  Bundesraumordnungsprogramm verheißt  ungleiche Entwick-
       lung und  Abhängigkeit. In: Stadtbauwelt, Nr. 47/1975; F. Butter,
       K. Gerlach, P. Liepmann, Grundlagen der Regionalökonomie, Reinbek
       bei Hamburg  1977, vertreten  explizit den  Ansatz der Polarisie-
       rungstheorie.
       82) Vgl. die  Kritik dieser  Ansätze bei  D. Läpple a.a.O., S. 25
       ff. Bei  den neomarxistischen  Analysen der Unterentwicklung wird
       damit die Ungleichheit und Unterentwicklung aus der Zirkulations-
       sphäre und  nicht aus den Widersprüchen der Produktionssphäre ab-
       geleitet. Dies  ist eine  interessante Parallele  zur  'Staatsab-
       leitung' der  gleichen Richtung (vgl. zur Kritik: R. Katzenstein,
       Zum Problem  einer marxistischen  'Staatsableitung', in:  Blätter
       für deutsche und internationale Politik, Heft 4/1975).
       83) Vgl. dazu  den ersten  Versuch von G. Schmidt-Renner, a.a.O.,
       ebenso K. Brake, a.a.O.
       84) Vgl. z.B.  Gert Zang (Hrsg.) Provinzialisierung einer Region.
       Zur Entstehung  der bürgerlichen  Gesellschaft  in  der  Provinz,
       Frankfurt a.M., 1978.
       85) H. Lehmann,  Entwicklungstendenzen in  den bürgerlichen Wirt-
       schaftswissenschaften. In:  E. Altvater  u. a.,  Materialien  zur
       Kritik der bürgerlichen Ökonomie, Gießen 1971, S. 80-103.
       86) O. Lange,  Politische Ökonomie.  Bd. 1 und 2, Frankfurt 1969,
       vor allem  Bd. 1,  5. Kapitel:  "Das Prinzip des rationalen Wirt-
       schaftens. Ökonomie und Praxeologie".
       87) P. Bollhagen,  Gesetzmäßigkeit und  Gesellschaft. Zur Theorie
       gesellschaftlicher Gesetze, Berlin (DDR) 1967.
       88) Vgl. Fußnote 36.
       89) Vgl. W.W. Rostow, Stadien wirtschaftlichen Wachstums, Göttin-
       gen 1960.  Eine ausführliche  Kritik der  Industriegesellschafts-
       theorie  im  Städtebau  leistet  Bruno  Flierl,  Industriegesell-
       schaftstheorie und Städtebau. Zur Kritik der bürgerlichen Ideolo-
       gie, Berlin 1973.
       90) E. von Böventer, a.a.O., S. 237 ff.
       91) Universität Dortmund,  Abteilung  Raumplanung,  "Kleinräumige
       Standortwahl und  interregionale Mobilität",  Teilprojekt A 6 des
       Sonderforschungsbereichs 26 der Deutschen Forschungsgemeinschaft;
       P. Velsinger,  M. Wegener, C. Schönebeck u.a., laufend. Vgl. auch
       A.G. Aganbegjan, Das System ökonomisch-mathematischer Modelle zur
       Berechnung der optimalen Produktions- und Territorialstruktur für
       die  Perspektivplanung.   In:  Gesellschaftlicher  Wohlstand  und
       Volkswirtschaftsplanung, Berlin (DDR), 1972.
       92) M. Wegener, Mensch-Maschine-Systeme für die Stadtplanung, Ba-
       sel und Stuttgart 1978.
       93) Vgl. etwa  die bei  M. Castells,  Die kapitalistische  Stadt.
       Ökonomie und  Politik der  Stadtentwicklung, Hamburg 1977, aufge-
       führte Literatur (S. 294 ff) sowie die weiteren Beiträge des Sam-
       melbandes "Stadtkrise und soziale Bewegungen" (Fußnote 2). Ferner
       H. See, Grundwissen einer kritischen Kommunalpolitik, Wirtschaft,
       Staat und kommunale Selbstverwaltung, Köln 1975.
       94) Als eine  der ersten Aktivitäten ist hier das Kommunalpoliti-
       sche Programm des DGB Frankfurt von 1974 zu nennen.
       95) Aufmerksam zu machen ist hier vor allem auf: Arbeitskreis ar-
       beitsorientierter Regionalwissenschaft. Für eine arbeitnehmerori-
       entierte Raumordnungs-  und Regionalpolitik.  Erklärung zur Raum-
       entwicklung in  der Bundesrepublik  Deutschland, zusammengestellt
       von K.  Brake, Köln  1979; F.  Naschold, Alternative Raumpolitik.
       Ein Beitrag zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensverhältnisse,
       Kronberg/Ts. 1978;  Soziale Probleme  der Städte  und die Politik
       der Kommunisten.  Bericht über  ein internationales  Seminar. In:
       Probleme des Friedens und des Sozialismus, Prag, Heft 6/1977.
       

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