Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       INTEGRATION UND GEWERKSCHAFTSANALYSE
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       Zur Diskussion einiger gewerkschaftstheoretischer Ansätze
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       in der Bundesrepublik
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       Gert Hautsch / Klaus Pickshaus
       
       I. Einleitung  - II. Zur Entwicklung der Gewerkschaftsforschung -
       III. Funktionswandel  der Gewerkschaften ? Zu einer Literaturstu-
       die von  Evelies Mayer - IV. Gewerkschaften als "intermediäre Or-
       ganisationen"? Zur Gewerkschaftsanalyse des ISF: 1. Die These vom
       Autonomieverlust der  Gewerkschaften -  2. "Institutionalisierung
       des Klassenkampfes"  - 3.  Einkommenspolitische  Regulierung  der
       Klassenbeziehungen -  4. Gewerkschaftspolitische Perspektivlosig-
       keit -  5. Verselbständigung des "institutionellen" Ansatzes - V.
       Die "Vergesellschaftungstendenz" als Rahmen der Gewerkschaftsana-
       lyse (Frank Deppe).
       
       I. Einleitung
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       Seit Beginn  der siebziger  Jahre, und verstärkt seit 1975/76 hat
       in der  politischen Linken  der Bundesrepublik  die Diskussion zu
       Fragen der Gewerkschaftstheorie erheblich zugenommen. Zuvor hatte
       in ultralinken  und studentisch-intellektuellen Kreisen der soge-
       nannten "neuen  Linken" weithin  eine pauschale Ablehnung der Ge-
       werkschaften als  verknöcherte Bürokratien,  die nur  noch in der
       Niederhaltung  der  Arbeiterklasse  ihre  Aufgabe  sähen,  vorge-
       herrscht.
       Ursache für die Überwindung solcher Ansichten dürften die politi-
       schen Erfahrungen  vieler fortschrittlicher  Menschen, vor  allem
       die nach  den Septemberstreiks  1969 einsetzende Belebung der Ar-
       beiterbewegung gewesen  sein. Sie  führten die  Theorien von  der
       "Verbürgerlichung" der  Arbeiterklasse ad absurdum. Im Zuge einer
       solchen ideologisch-politischen  Entwicklung mußte  auch die Auf-
       merksamkeit für  die größte Massenorganisation der Arbeiterklasse
       wachsen.
       Die Situation  in der Bundesrepublik ist auch in Hinsicht auf die
       Gewerkschaften durch  eine Reihe  von Besonderheiten gekennzeich-
       net. In  unserem Land  hat sich  - anders als in den kapitalisti-
       schen Nachbarstaaten  - das  Prinzip der Einheitsgewerkschaft mit
       Industrieverbandsstruktur durchgesetzt.  Die  Gewerkschaften  der
       Bundesrepublik können  deshalb eine enorme organisatorische Kraft
       entfalten  und   stellen  für  die  Unternehmer  einen  ernst  zu
       nehmenden  Gegner   dar.  Noch   nie  war   im   kapitalistischen
       Deutschland   die   Arbeiterklasse   durch   eine   so   mächtige
       gewerkschaftliche Organisation  vertreten. Die  Folge  davon  ist
       auch, daß  vor allem  die großen Einzelgewerkschaften und der DGB
       einen weitverzweigten  Apparat benötigen  und auch  besitzen, daß
       sie erhebliche  finanzielle Mittel  zentralisieren und  teilweise
       eigene wirtschaftliche  Unternehmungen  betreiben,  darunter  die
       viertgrößte Privatbank der Bundesrepublik. 1)
       Eine Besonderheit  der Situation  in unserem  Land ist aber auch,
       daß dieses  mächtige Potential der Arbeiterbewegung die kapitali-
       stischen Verhältnisse  nicht durchgängig in Frage stellt, sondern
       sich de  facto weitgehend  als eine  systemerhaltende Kraft betä-
       tigt. Ausdruck  dessen ist auf der einen Seite die politische und
       organisatorische Schwäche  der Kommunistischen Partei und der üb-
       rigen linken  Kräfte, auf der anderen Seite die absolute Vorherr-
       schaft der  Sozialdemokratie bzw. der rechts-sozialdemokratischen
       Ideologie und Politik. Die Dominanz der SPD, die auch im Spektrum
       der "Sozialistischen  Internationale" auf  dem äußersten  rechten
       Flügel steht,  findet ihre Entsprechung in einer Gewerkschaftspo-
       litik, die  noch überwiegend - wenn auch keineswegs einheitlich -
       an der Doktrin von der "Sozialpartnerschaft" orientiert ist. Auch
       wenn die  DGB-Gewerkschaften 2) insgesamt keineswegs zum progres-
       sivsten Flügel  der internationalen  Arbeiterbewegung zu  rechnen
       sind, stellen sie im politischen Spektrum der BRD eine Kraft dar,
       von der  noch am  ehesten machtvolle  Impulse in Richtung auf die
       Vertretung sozialer  und ökonomischer  Interessen der Werktätigen
       oder wenigstens  zur Verteidigung  des Erreichten  gegen Angriffe
       von rechts erwartet werden.
       Diese Situation  ist historisch  neu. Seit  Ende des 19. Jahrhun-
       derts bis  zum Machtantritt  des deutschen Faschismus standen die
       Freien Gewerkschaften bzw. der ADGB rechts von der SPD. Nach 1949
       war das  sowohl programmatisch als auch politisch-praktisch umge-
       kehrt. Bei  entscheidenden politischen Fragen gingen fortschritt-
       liche Impulse  stärker von den Gewerkschaften aus: Bewegungen ge-
       gen Remilitarisierung, Anti-Atom-Bewegung, Protest gegen die Not-
       standsgesetze, Kampf  gegen Neofaschismus.  Die Hoffnungen vieler
       Linker, auch  fortschrittlicher Wissenschaftler,  auf die Gewerk-
       schaften als progressive politische Kraft sind deshalb keineswegs
       unbegründet.
       In den Gewerkschaften besteht eine stärkere und intensivere orga-
       nische Verbindung zwischen der Basis und der offiziellen Politik,
       als das  bei der SPD der Fall ist. Deshalb kommt hier die rechts-
       sozialdemokratische Politik  schneller und härter mit den prakti-
       schen Erfahrungen im Kapitalismus in Konflikt. Solche Erfahrungen
       aber sind  die Grundlage  für Diskussionen  um Neurorientierungen
       der Gewerkschaftspolitik,  um die  Notwendigkeit einer  autonomen
       Interessenpolitik auch  gegen den  Druck der herrschenden Instan-
       zen.
       Unter diesen Gesichtspunkten sind für die Gewerkschaftsforschung,
       die von marxistischem Anspruch ausgeht, vor allem folgende Fragen
       von Interesse:
       - Aufgrund welcher Bedingungen konnte die derzeitige Richtung der
       offiziellen Gewerkschaftspolitik  die Vorherrschaft  erringen und
       bis heute erhalten?
       - Welche Faktoren  können bewirken, daß klassenkämpferische Posi-
       tionen stärkeres Gewicht erlangen?
       Solche Überlegungen  können nicht  nur aus  einer Analyse der Ge-
       werkschaftsorganisationen selber gewonnen werden. Die Entwicklung
       in den  Gewerkschaften ist  wesentlich beeinflußt von politischen
       Prozessen, die  im sozialökonomischen Umfeld stattfinden. Wissen-
       schaftliche Untersuchungen über Gewerkschaftsprobleme stoßen des-
       halb aufprägen wie:
       - Welche Rolle  spielen die  Gewerkschaften im gesellschaftlichen
       und politischen System des heutigen Kapitalismus?
       - Welche Entwicklungen  der kapitalistischen  Gesellschaftsforma-
       tion wirken  sich auf  die Stellung  und die  Politik der Gewerk-
       schaften aus, und in welche Richtung geschieht das?
       - Wie sind  die derzeitigen DGB-Gewerkschaften vor diesem Hinter-
       grund einzuscharren,  und  welche  Entwicklungsperspektiven  sind
       möglich?
       Jede mit  marxistischem Anspruch  betriebene Untersuchung zur Ge-
       werkschaftsfrage hat  von einem starken, teilweise beherrschenden
       Einfluß der  "Sozialpartnerschafts"-Ideologie  auszugehen.  Damit
       unterscheiden sich  die  westdeutschen  Gewerkschaften  auch  von
       denen in  früheren Perioden  der deutschen Geschichte. Die Freien
       Gewerkschaften vor  dem 1.  Weltkrieg hatten  sich, wenn auch nur
       meist verbal,  weitgehend am  Marxismus orientiert und verstanden
       sich als Organisation, die letztlich ein anderes Gesellschaftssy-
       stem anstrebt.  In der Weimarer Republik gäbe es im ADGB zwar im-
       mer eine  "sozialpartnerschaftliche" Mehrheit,  doch stand dieser
       eine starke,  auf den  Klassenkampf orientierte Minderheit gegen-
       über; ein  Konflikt, der sich dann allerdings bis zur organisato-
       rischen Spaltung zuspitzte und die Kraft der Arbeiterbewegung ka-
       tastrophal schwächte.
       Vor dem Hintergrund dieser Traditionen verlangt die heutige ideo-
       logisch-politische Situation  der Gewerkschaften  erst recht nach
       einer genauen  Analyse. Ziel  der marxistischen Gewerkschaftsfor-
       schung ist  es deshalb,  einerseits die Ursachen für die Entwick-
       lung in  der BRD herauszufinden, und andererseits mögliche Alter-
       nativen hierzu und die Voraussetzungen für ihre Verwirklichung zu
       erforschen. Wissenschaftlich  ernst genommen  werden können dabei
       nur solche  Ansätze, die die Dialektik der objektiven und subjek-
       tiven Faktoren  berücksichtigen und  sich mit  der These vom Kom-
       plott der  - Arbeiterverräter -, die von den Kapitalisten und vom
       Staat bestochen seien, nicht zufriedengeben.
       Ein markanter  Einschnitt in der Entwicklungsgeschichte der west-
       deutschen Gewerkschaften  war die  Einrichtung der "Konzertierten
       Aktion" am 14.2.1967 nach dem Regierungsantritt der Großen Koali-
       tion. Damit waren die Gewerkschaften auch organisatorisch mit dem
       Staat und den Unternehmern in einem gesamtwirtschaftlichen Mecha-
       nismus indirekter  Regulierung zusammengefaßt.  An der Oberfläche
       mußte das  wie der  bewußte Versuch  der Gewerkschaftsführung zur
       Durchsetzung der  staatlichen Einkommenspolitik erscheinen, einer
       Politik, die  an den  Verwertungsbedürfnissen des Kapitals orien-
       tiert ist. Die "Konzertierte Aktion" führte dazu, daß die Gewerk-
       schaften von  vielen Linken als quasi-staatliche Organe begriffen
       wurden, die  eine eigenständige  - von staatlichen Vorgaben unab-
       hängige - Interessenpolitik nicht mehr betreiben konnten und dies
       auch nicht wollten.
       
       II. Zur Entwicklung der Gewerkschaftsforschung
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       Das Phänomen  der institutionellen Eingliederung von Gewerkschaf-
       tern auf allen Ebenen in staatliche Gremien ist schon seit länge-
       rem Gegenstand  marxistischer Untersuchungen.  So wurde  mit  der
       Herausarbeitung der Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalis-
       mus (SMK)  Mitte der  sechziger Jahre  auch nachgewiesen, daß die
       Integration der  Arbeiterklasse  und  ihrer  Massenorganisationen
       eine Bedingung für die Stabilität des kapitalistischen Systems in
       seiner heutigen  Form ist. 3) Die Ursachen wurden - basierend auf
       umfangreichen ökonomischen  Untersuchungen -  vor allem  auf zwei
       Ebenen analysiert: Einerseits erfordert der Entwicklungsstand der
       Produktivkräfte auch im Kapitalismus zentrale staatliche Regulie-
       rungen und zu diesem Zweck die gezielte Beeinflußbarkeit z.B. der
       Lohnsumme und die Beherrschung der Klassenkonflikte, andererseits
       erfordert die  Systemkonkurrenz mit dem Sozialismus die Zusammen-
       fassung und  Mobilisierung aller  relevanten Kräfte  der  Gesell-
       schaft für die Ziele des Imperialismus.
       Bemühungen um  die Indienstnahme der Gewerkschaften als Ordnungs-
       faktor wurden  als ein  zentraler Bestandteil des staatsmonopoli-
       stischen Herrschaftssystems  analysiert. Es  genüge  nicht  mehr,
       durch sozialpolitische und andere Manöver die Mehrheit der Arbei-
       terklasse an das bestehende System zu binden. Die Versuche gingen
       dahin, "bestimmte  Vertreter der Arbeiterklasse mit allen Mitteln
       für den Kampf gegen traditionelle reformistische Ansichten zu ge-
       winnen". 4)  Der in der BRD relativ weitgehende Erfolg dieser Be-
       mühungen wurde  hauptsächlich daraus  abgeleitet, daß es gelungen
       sei, maßgebliche  Gewerkschaftsführer durch  Privilegien  an  der
       Verteidigung des staatsmonopolistischen Systems zu interessieren,
       sei es  durch die  Einbeziehung in unternehmerische Teilentschei-
       dungen oder die Übertragung öffentlicher Funktionen, sei es durch
       die Bezahlung hoher Gehälter und Tantiemen.
       Unbestreitbar ist, daß solche Bemühungen seitens der herrschenden
       Klasse stattfinden  und teilweise  auch Erfolge hatten und haben.
       Aber solche Sachverhalte reichen zur Erklärung der Massenveranke-
       rung der  "Sozialpartnerschafts"-Ideologie nicht  aus. Zu  fragen
       bleibt, weshalb  in der  Arbeiterklasse und in den Gewerkschaften
       eine massenhafte  Bewußtseinshaltung entstehen  konnte,  die  die
       Verselbständigung bestimmter  gewerkschaftspolitischer Strömungen
       und der ihnen zuzurechnenden Funktionsträger sowie deren Ablösung
       von den Interessen der Mitglieder hinnehmen. Der ideologische und
       organisatorisch-politische Einfluß  rechter Gewerkschaftsfunktio-
       näre auf  das Verhalten  der Mitglieder ist sicherlich erheblich,
       jedoch kaum  der Hauptfaktor.  Außerdem gab  es in der Geschichte
       der BRD-Gewerkschaften  Beispiele für  die Überwindung von beson-
       ders rechten Positionen auch in personeller Hinsicht (z.B. Abwahl
       von Fette und vom Hoff).
       Trotz mancher  genannter Schwächen  und offengebliebener Probleme
       in den  Arbeiten auf  Grundlage der SMK-Theorie halfen die Ergeb-
       nisse der empirischen Untersuchungen der Integrationsprozesse bei
       der Beantwortung  der relevanten  Fragestellungen für die prakti-
       sche Gewerkschaftspolitik.  So wurden auf der Konferenz "Marx und
       die Gewerkschaften  heute" schon 1968 die Wirkung der Einkommens-
       politik, Reaktionen  und Diskussionen  in den  Gewerkschaften und
       Ansatzpunkte für  eine kampforientierte  Gewerkschaftspolitik un-
       tersucht. 5)
       Die neuen Entwicklungen im System des SMK, die zentrale Bedeutung
       der Integration der Arbeiterklasse und der Gewerkschaften für die
       Systemstabilität, veränderten nicht nur in der Nachkriegszeit die
       Bedingungen gewerkschaftlicher  Arbeit,  sie  reflektierten  sich
       auch in  den politisch-ideologischen  Strömungen in  der  Gewerk-
       schaftsbewegung. Diese  neuen Differenzierungen  wurden in  einem
       Aufsatz von Petschick/Schleifstein/Schlüter analysiert. 6) Stütze
       der Politik  der Systemstabilisierung  ist  danach  die  "sozial-
       integrationistische" Strömung  geworden, die  das kapitalistische
       Gesellschaftssystem uneingeschränkt  bejaht und  auf "systemüber-
       schreitende" Forderungen auch programmatisch verzichtet. Diese in
       den DGB-Gewerkschaften  noch dominierende  Strömung entstand  aus
       den  sozialdemokratischen   Reformismus  und   der   christlichen
       Soziallehre. Daneben  existiert  als  zweite  Hauptströmung  eine
       sozialistisch-reformistische, die  die Gegenwartsinteressen  auch
       in  kämpferischen  Konflikten  vertritt,  auf  Klassengegensätzen
       hinweist und die Gewerkschaften noch als Kampforganisationen ver-
       steht. Als  dritte Strömung werden die "marxistischen Kräfte" ge-
       nannt, die für eine konsequente Interessenvertretung, die Selbst-
       aktivität der  Gewerkschafter in den Betrieben und am Ort eintre-
       ten und die Integrationspolitik und die Sozialpartnerschaftsideo-
       logie in Theorie und Praxis bekämpfen.
       Mit der  Bildung der  SPD-geführten Bundesregierung  und dem Auf-
       schwung der Streikbewegung seit 1969 hatten in Gewerkschaftskrei-
       sen und  Zirkeln der politischen (intellektuellen) Linken Diskus-
       sionen über strategische Fragen des Klassenkampfes, die Rolle der
       Arbeiterklasse und  der Gewerkschaften, das Verhältnis von Reform
       und Revolution zugenommen. Mit diesen Problemen, insbesondere mit
       neoreformistischen und  neosyndikalistischen Auffassungen, setzte
       sich die  Konferenz des  IMSF  "Ökonomische  Theorie,  politische
       Strategie und Gewerkschaften" auseinander. 7)
       Eine wichtige  Rolle in der Diskussion um die Integration der Ge-
       werkschaften und  die daraus  abgeleiteten  strategischen  Fragen
       spielte die  Mitbestimmung in  kapitalistischen  Unternehmen.  In
       dieser Auseinandersetzung und den sich daraus ergebenden Untersu-
       chungen wurden  die zentralen  Momente gewerkschaftlicher Politik
       und Strategie unter gegenwärtigen Bedingungen sichtbar. 8)
       Seit den  Septemberstreiks 1969,  dem zentralen  Ereignis für die
       Belebung gewerkschaftspolitischer  und -theoretischer  Diskussio-
       nen,  hat   sich  die  sozialwissenschaftliche  Untersuchung  des
       Streikkampfes zum kontinuierlichen Bestandteil der Gewerkschafts-
       forschung entwickelt. Die erste und umfangreichste Analyse veröf-
       fentlichte das  IMSF 1969.  9) Ihr folgten im Rahmen der IMSF-Tä-
       tigkeit zahlreiche  weitere Arbeiten bis zu den Publikationen der
       Reihe "Soziale  Bewegungen - Analyse und Dokumentation des IMSF".
       10)
       Aber auch  an den  offiziellen, zum  Teil den Universitäten ange-
       schlossenen sozialwissenschaftlichen  Instituten konnte sich, be-
       dingt auch  durch politische  und personelle Veränderungen im Ge-
       folge der Studentenbewegung der sechziger Jahre, eine Streik- und
       Gewerkschaftsforschung etablieren.  Das  "Sozialwissenschaftliche
       Forschungsinstitut" (SO-FI) in Göttingen legte ebenfalls eine Un-
       tersuchung der  Septemberstreiks vor  11), die "Sozialforschungs-
       stelle" Dortmund,  eine Einrichtung  des Landes Nordrhein-Westfa-
       len, veröffentlichte unter dem Forschungsschwerpunkt "Industriel-
       ler Konflikt  und Partizipation"  Analysen  des  Streiks  in  der
       chemischen Industrie 1971 und des Metallarbeiterstreiks in Baden-
       Württemberg  1978.  12)  Vereinzelt  beschäftigten  sich  weitere
       Institutionen mit der Streikanalyse 13), mit politischem Anspruch
       unter  anderem  auch  verschiedene  Autoren  in  der  Zeitschrift
       "Probleme  des  Klassenkampfes",  insbesondere  ein  "Redaktions-
       kollektiv Gewerkschaften". 14)
       Besonders intensiv hat sich das Frankfurter "Institut für Sozial-
       forschung" (ISF)  auf den Bereich der Gewerkschaftsforschung kon-
       zentriert. Nach  der Literaturstudie  von Evelies Mayer 15) wurde
       1975 eine umfangreiche Studie zur tarifpolitischen Praxis der Ge-
       werkschaften, zu  ihren  Zielen  und  Durchsetzungsformen,  ihrem
       Selbstverständnis und  ihren innerorganisatorischen Voraussetzun-
       gen veröffentlicht,  die später  durch die Auswertung einer Funk-
       tionärsbefragung ergänzt wurde. 16) Hinzu kamen einzelne Fallstu-
       dien. 17)  Mit politischem  Anspruch wurden Ergebnisse dieser und
       auch anderer  Arbeiten von  Mitarbeitern des  ISF wie Otto Jacobi
       und Walther Müller-Jentsch und dem Oldenburger Professor Eberhard
       Schmidt als  Herausgeber in  der seit  1972  erscheinenden  Reihe
       "Gewerkschaften und  Klassenkampf" Kritisches  Gewerkschaftsjahr-
       buch" popularisiert.  18) 1975  wurde am ISF, ebenfalls gefördert
       durch   die    Deutsche   Forschungsgemeinschaft    (DFG),    die
       "Projektgruppe Gewerkschaftsforschung"  gebildet, die seitdem ne-
       ben einigen  theoretischen  Vorarbeiten  kontinuierlich  verglei-
       chende Analysen der Tarifbewegungen und Streiks in mehreren Indu-
       striebranchen veröffentlicht. 19)
       In den "Beiträgen zur Soziologie der Gewerkschaften", herausgege-
       ben von Joachim Bergmann, ist ein Querschnitt von solchen gewerk-
       schaftsanalytischen Arbeiten  enthalten, die  von demselben  oder
       einem ähnlichen theoretischen Ansatz wie die Autoren des ISF aus-
       gehen. 20)
       Es ist  nicht erstaunlich,  daß neben den zahlreichen empirischen
       Arbeiten, von  denen nur  ein kleiner  Ausschnitt genannt  werden
       konnte, auch  das theoretische  Interesse an der Funktionsbestim-
       mung der Gewerkschaften im heutigen Kapitalismus zunahm. Nach den
       Arbeiten von  N. Auerbach  und A.  Losowski in  den zwanziger und
       dreißiger Jahren hatte es lange keine geschlossenen Darstellungen
       der Marxschen  Gewerkschaftstheorie mehr gegeben. 21) In den Vor-
       arbeiten zu der Studie des ISF "Gewerkschaften in der Bundesrepu-
       blik" faßte  W. Müller-Jentsch seine Marx-Interpretation zusammen
       22), die  ebenso wie  die Schrift von Rainer Zoll 22a) von Kriti-
       kern als  syndikalistisch verengt  bezeichnet wurde. Ein Autoren-
       kollektiv der "Projektgruppe Klassenanalyse" trug ebenfalls wich-
       tige Aussagen von Marx und Engels zur Funktion der Gewerkschaften
       zusammen. 23)  Eine knappe  Darstellung von Georg Fülberth findet
       sich in der "Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung". 24)
       Frank Deppe  hat jüngst versucht, ausgehend von dem Marxschen Ge-
       werkschaftsverständnis die  Theorie zur Funktion der Gewerkschaf-
       ten im gegenwärtigen Stadium des Kapitalismus, des SMK, weiterzu-
       entwickeln. 25)
       Die Diskussion  gewerkschaftstheoretischer  Fragen  steckt,  auch
       wenn die  Fülle der  angeführten Literatur einen anderen Eindruck
       vortäuschen mag, noch in den Anfängen. 26) Im folgenden soll dis-
       kutiert werden,  welche theoretischen  Ansätze und teilweise auch
       empirischen Befunde sich bei der Analyse der gegenwärtigen Bedin-
       gungen gewerkschaftlicher  Politik als ergiebig und tragfähig er-
       weisen.
       Ausgespart bleiben  aus diesem  Überblick die Entwicklung des ge-
       werkschaftlichen  Selbstverständnisses,   der  gewerkschaftlichen
       Programmatik ebenso  wie die  Beiträge und  Diskussionen  in  den
       "Gewerkschaftlichen Monatsheften"  und die Ergebnisse der wissen-
       schaftlichen Tätigkeit  des "Wirtschafts- und Sozialwissenschaft-
       lichen Instituts" (WSI) des DGB. 27)
       
       III. Funktionswandel der Gewerkschaften?
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       Zu einer Literaturstudie von Evelies Mayer
       ------------------------------------------
       
       Eine der  ersten Arbeiten,  in denen  mit marxistischem  Anspruch
       versucht wurde,  neue Erscheinungen der Gewerkschaftspolitik wis-
       senschaftlich zu verallgemeinern und strategische Schlußfolgerun-
       gen zu ziehen, wurde von Evelies Mayer 1973 vorgelegt. 28) Bemer-
       kenswert ist,  daß die  Autorin darauf  verzichtet, eine genauere
       ökonomische Untersuchung  des heutigen Kapitalismus ihrer Analyse
       zugrunde zu  legen. Sie  setzt den  Abschluß einer  strukturellen
       Entwicklung zum  "organisierten Kapitalismus" als gegebene Tatsa-
       che voraus. Daraus leitet sie folgende Konsequenzen ab:
       "Die zunehmende Kapitalkonzentration und -zentralisation zerstört
       mit der  oligopolistischen Organisierung  der Märkte  die soziale
       Grundlage, an  der die  Ideologie eines sich selbst regulierenden
       Marktsystems anknüpfen  konnte, in doppelter Weise. Zum einen er-
       fordert dies  die Erweiterung  der staatlichen Bürokratie und die
       Differenzierung des  Instrumentariums, mit  dem steuernd  in  den
       ökonomischen Prozeß  eingegriffen werden soll. Zum anderen zwingt
       sie das  industrielle Proletariat,  seine Interessen überregional
       und organisiert durchzusetzen. Das um so mehr, als mit dem Bedeu-
       tungsverlust des  Parlaments ... die direkte Einflußnahme organi-
       sierter Kapitalinteressen auf die Staatsbürokratie zunimmt.
       In dem Maß, wie der Wirtschaftsprozeß auf eine dauerhafte politi-
       sche Regulierung  angewiesen ist,  entsteht ein hochorganisiertes
       kapitalistisches System,  in dem staatliche Interventionen in den
       Wirtschaftsablauf und  die Organisierung und Politisierung priva-
       ter Gruppeninteressen  sich gegenseitig  bedingen. Die  Verbände,
       unter ihnen die Gewerkschaften, erhalten einen quasi-öffentlichen
       Charakter. Ihre  Funktionen beziehen sich nicht mehr nur auf Aus-
       einandersetzungen in  einem gleichsam  vorstaatlichen  Freiheits-
       raum. Als  öffentliche Funktionen  sind sie auf die Beeinflussung
       der politischen  wie sozialen  Prozesse gleichermaßen gerichtet."
       29)
       Schon hier  wird deutlich,  daß der Ansatzpunkt von Mayer nur zum
       Teil dem  der SMK-Theorie  seit Mitte  der sechziger  Jahre  ent-
       spricht. Diese  hatten die  Herausbildung  von  produktions-  und
       marktbeherrschenden Strukturen  als ein äußerst widersprüchliches
       Ergebnis der  Entwicklungsgesetze der  kapitalistischen Produkti-
       onsweise insgesamt  analysiert. Das  Monopolkapital und  die Ver-
       flechtung seiner Macht mit der des Staates sind die privatkapita-
       listische "Antwort" auf Existenzbedingungen, die das Privateigen-
       tum an  Produktionsmitteln in  Frage stellen.  Beim heutigen Ent-
       wicklungsstand der  Produktivkräfte und  angesichts der  Spaltung
       der Welt in zwei antagonistische Systeme ist kapitalistische Pro-
       duktion nur noch als SMK möglich. Aber derartige Strukturen lösen
       die entstandenen  Widersprüche nicht,  sondern verlagern  sie auf
       andere Ebenen.  Dadurch werden  die Erfolge, auch die Integration
       der Gewerkschaften, notwendigerweise in Frage gestellt.
       Bei Mayer  scheint die Herausbildung des organisierten Kapitalis-
       mus  das   bruchlose  Ergebnis   der   Kapitalkonzentration   und
       -zentralisation zu  sein; ein  System, das aus sich selbst heraus
       nicht in Frage gestellt wird. Die staatlichen Regulierungsmaßnah-
       men ("Globalsteuerung") erscheinen als prinzipiell erfolgverspre-
       chend, sofern  es ihnen gelingt, die dafür notwendigen Vorausset-
       zungen (vor  allem eben  die Integration  der Gewerkschaften)  zu
       schaffen. Diese Annahme ist jedoch fragwürdig, weil die staatsmo-
       nopolistische  "Globalsteuerung"  die  entscheidenden  volkswirt-
       schaftlichen Kennziffern (Investitionen, Produktionen usw.) unter
       privatkapitalistischem Kommando  beläßt und  allenfalls  indirekt
       beeinflussen kann.
       Mayer begründet  die Notwendigkeit  der Einbeziehung  der Gewerk-
       schaften in  die staatliche  Regulierung u.a.  damit, daß zu hohe
       Löhne die  Inflation anheizen und die internationale Wettbewerbs-
       fähigkeit verschlechtern  würden. 30) Das trifft insoweit zu, als
       die Inflationsrate  für den  BRD-Imperialismus zur  strategischen
       Kennziffer für  den Erfolg  seiner außenwirtschaftlichen Expansi-
       onsbestrebungen  geworden   ist.  31)   Aber  die   Politik   der
       "Lohnleitlinien" wird  nicht von einem "objektiven" gesellschaft-
       lichen Gesamtinteresse  aus betrieben,  sondern im  Interesse der
       Durchsetzung der  o.g. Monopolstrategie. Deshalb ist eine erfolg-
       reiche "Einkommenspolitik"  (wie 1975/76)  zwar in  der Lage, die
       Verwertungsbedingungen des  Kapitals zu  verbessern, nicht jedoch
       den Volkswirtschaftsprozeß unter Vermeidung größerer Widersprüche
       zu lenken.  Ergebnis dieser Politik sind die anhaltende Massenar-
       beitslosigkeit, Bankrottwellen, verschärfte staatliche Repression
       usw., also insgesamt Faktoren, die den Erfolg der Integrationspo-
       litik in Frage stellen können.
       Nach Mayers  Analyse produziert das (heutige) kapitalistische Sy-
       stem Sachzwänge,  die den  Gewerkschaften gar  keine andere  Wahl
       lassen, als  aktiv an  der staatlichen Regulierung teilzunehmen -
       es sei denn, sie würden dem System prinzipiell den Kampf ansagen.
       Diese Überlegung  stützt sich  darauf, daß  die widerspruchsfreie
       Regulierung prinzipiell  möglich  sei.  Diese  Behauptung  wider-
       spricht aber  der praktischen  Erfahrung ebenso wie theoretischen
       Überlegungen: Die  "Globalsteuerung" ist  eine Struktur,  die dem
       kapitalistischen Privateigentum  widerspricht und  die ihm  durch
       den Druck  der äußeren  Verhältnisse aufgezwungen  wird. Sie  ist
       Ausdruck der  historischen Überlebtheit  des kapitalistischen Sy-
       stems.
       Diese innere Widersprüchlichkeit des staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus produziert immer wieder Konflikte mit den Interessen der
       Arbeiterklasse, die  die Gewerkschaften  zu irgendeiner  Form von
       Stellungnahme zwingen  (z. B. Rationalisierungen). Mayer macht es
       sich deshalb  zu einfach, wenn sie aus der herrschaftstechnischen
       Notwendigkeit einer  Einbindung der  Gewerkschaften schon den er-
       folgreichen Vollzug  dieser Politik  ableitet. Eine  Analyse  der
       Entwicklung der  inneren Widersprüche des SMK bietet die Möglich-
       keit, jene  Bruchstellen herauszufinden,  an denen  die staatlich
       regulierte Profitpolitik am schärfsten mit den Interessen der Ar-
       beiter und  Angestellten kollidiert,  und wo die Ansatzpunkte für
       eine stärkere gewerkschaftliche Interessenvertretung liegen.
       Mayers Argumentation  scheint die Annahme zugrunde zu liegen, daß
       es auf  kapitalistischer Grundlage  für bestimmte  Probleme immer
       nur eine  Lösungsmöglichkeit gibt. Nur so gibt die Einbindung der
       Gewerkschaften qua  "Sachzwang" einen Sinn. Dem ist jedoch zu wi-
       dersprechen. Der gewerkschaftliche Kampf ist in der Lage, dem Ka-
       pital bestimmte  Formen der Entwicklung aufzuzwingen oder ihm be-
       stimmte Formen  abzuschneiden, ohne  daß deswegen das Kapitalver-
       hältnis selbst  in Frage  gestellt werden würde. Auf dieser Ebene
       können die  Entwicklungsperspektiven der  Gewerkschaften  gesehen
       werden. Die  heutige, unmittelbare Alternative heißt nicht Anpas-
       sung oder Revolution, sondern Unterordnung unter die Profitinter-
       essen oder eigenständige Interessenpolitik.
       In gewisser  Form scheint  das auch  Mayer  zu  sehen,  wenn  sie
       schreibt, daß  fortschrittliche Gewerkschaftspolitik die Positio-
       nen, die  im Zuge  der Einbindung  der Gewerkschaften zugestanden
       werden sind,  ausnutzen könne,  um stärkeren Einfluß auf staatli-
       ches Handeln  auszuüben. Das stützt sich darauf, daß das staatli-
       che Handeln (nicht die Entwicklung des SMK!) in sich widersprüch-
       lich sei,  weil es  einerseits das  Wirtschaftswachstum, anderer-
       seits die  Loyalität der Bevölkerung zu garantieren habe. 32) Auf
       dieser Basis könnten Gewerkschaften "ihre Position in gesamtwirt-
       schaftlichen Planungsprozessen  offensiv nutzen  und die  Grenzen
       kapitalistischer Rationalität  an der Funktionsweise ihrer Insti-
       tutionen verdeutlichen.  Gerade wenn  sie sich  weigerten, blind-
       lings den...  Ergebnissen zentraler Steuerungsprozesse zu folgen,
       und gleichzeitig  versuchten, eine  Diskussion um Prioritäten und
       Zielsetzungen staatlicher  Wirtschaftspolitik zu entfachen, könn-
       ten sie  neue Impulse für die Aktualisierung von Klassenauseinan-
       dersetzungen geben". 33)
       Diese  Orientierung  ist  nur  scheinbar  differenzierter.  Fort-
       schrittliche Gewerkschaftspolitik kann sich nicht damit begnügen,
       die "Grenzen kapitalistischer Rationalität" (wo liegen diese?) zu
       "verdeutlichen". Real  bildet die  Grenze z.B. für Lohnerhöhungen
       nicht   die    kapitalistische    Rationalität,    sondern    das
       "Kräfteverhältnis der  Kämpfenden" (Marx). 33a) Eine an den Klas-
       seninteressen orientierte Gewerkschaftspolitik muß versuchen, auf
       dem Boden der bestehenden Verhältnisse (nicht jedoch in Unterwer-
       fung unter die Profitbedürfnisse des Kapitals) bestimmte Lösungs-
       wege durchzusetzen,  die Zugeständnisse  seitens des Kapitals und
       damit die  Sperrung der  reaktionärsten (den  Profitinteressen am
       direktesten entsprechenden)  Wege bedeuten. In jedem Fall geht es
       aber darum,  konkrete gewerkschaftspolitische Ziele auch wirklich
       durchzusetzen; beim  Kampf hierum  bildet sich Klassenbewußtsein.
       Eine Politik,  die das  Ziel hat,  die Erfolglosigkeit bestimmter
       Kampfziele zu demonstrieren, kann höchstens Resignation erzeugen.
       Entscheidender Mangel  an Mayers  Untersuchung bleibt  die  ober-
       flächliche ökonomische  Analyse, die  im wesentlichen die Behaup-
       tungen  der  bürgerlichen  Ökonomen  über  die  Tauglichkeit  der
       "Globalsteuerung" für bare Münze nimmt. Die Negierung der inneren
       Widersprüchlichkeit der Entwicklung des SMK verbaut den Blick auf
       die Widersprüchlichkeit der Einbindung der Gewerkschaften und auf
       die Ansatzpunkte  zur Überwindung dieser Struktur (die sich übri-
       gens in  den letzten  Jahren auch  in der Bundesrepublik deutlich
       zeigen).
       
       IV. Gewerkschaften als "intermediäre Organisationen"?
       -----------------------------------------------------
       Zur Gewerkschaftsanalyse des ISF
       --------------------------------
       
       Nach der  ersten, mehr überblickartigen Schrift von Evelies Mayer
       von 1973 erschien 1975 gleichfalls von Mitarbeitern des Frankfur-
       ter Instituts  für Sozialforschung  eine Studie  zur Funktion der
       Gewerkschaften, die zu den bisher detailliertesten Untersuchungen
       zählt. 34)  Aus diesem Grunde wird auf die Ergebnisse dieser For-
       schungsgruppe ausführlicher eingegangen.
       Ebenfalls ausgehend  von Veränderungen der gesellschaftlichen Re-
       produktionsbedingungen, für  die Bergmann  u.a, vor  allem in der
       staatlichen Einkommenspolitik  den wesentlichen  Indikator sehen,
       sollen die Funktionen gewerkschaftlicher Organisationen im gegen-
       wärtigen Kapitalismus  untersucht und  die  Widersprüche  gewerk-
       schaftlicher Politik  angemessen begrifflich  gefaßt werden.  Das
       Hauptproblem gewerkschaftlicher  Theoriebildung wird  in der Ver-
       schränkung von folgenden drei Fragestellungen bzw. Funktionen ge-
       sehen: "1.  Was leisten  die Gewerkschaften  für die ökonomischen
       Interessen ihrer  Mitglieder? 2.  Was leisten  die Gewerkschaften
       für die Emanzipation der Arbeiterklasse? 3. Welche Funktionen ha-
       ben Gewerkschaften  im spätkapitalistischen  System? Welches  ist
       ihr Beitrag zur Stabilität oder Instabilität dieses Systems?" 35)
       
       1. Die These vom Autonomieverlust der Gewerkschaften
       ----------------------------------------------------
       
       Die generelle These der Autoren besagt, daß die Gewerkschaften im
       Laufe historischer Veränderungen ihren autonomen Charakter einge-
       büßt haben:  "Im gegenwärtigen Kapitalismus können Gewerkschaften
       jedoch nicht  mehr als autonom handelnde Interessenorganisationen
       der Lohnabhängigen angesehen werden. Der Einfluß ihrer Tarifpoli-
       tik auf  den ökonomischen Gesamtprozeß ist heute ungleich größer,
       vor allem kalkulierbarer als früher." 36)
       Ähnlich wie  E. Mayer  behaupten Bergmann  u.a, mit Hinweisen auf
       Marx, daß  im Kapitalismus der freien Konkurrenz die Gewerkschaf-
       ten noch  autonom waren, ohne allerdings ihren Autonomie-Begriff-
       näher zu  definieren. Er  erscheint so lediglich als Beschreibung
       des Zustandes  vor dem "Sündenfall" der Integration in den weite-
       ren Entwicklungsphasen  der kapitalistischen Gesellschaft. Da je-
       doch die Arbeiterklasse wie auch ihre Organisationen Resultat der
       Entfaltung des  Kapitalverhältnisses zum gesellschaftlich bestim-
       menden Verhältnis  sind, unterlagen und unterliegen sie den kapi-
       talistischen Gesetzmäßigkeiten  auf jeder  Entwicklungsstufe  und
       können insofern nicht von vornherein als autonom gegenüber diesen
       betrachtet werden.  Frank Deppe, der in seiner Studie - Autonomie
       und Integration" diese Problematik behandelt hat, faßt den Zusam-
       menhang folgendermaßen:  "Die gewerkschaftliche  Organisation und
       Praxis - als die Form der kollektiven Reproduktionsinteressen der
       Arbeitskraft -  unterliegt also  bestimmten Gesetzen und Zwängen,
       die sie  nicht autonom  setzt, sondern die ihr durch Struktur und
       Bewegung der kapitalistischen Produktionsweise vorgegeben werden.
       Diesen Bedingungen  ihrer eigenen  Existenz kann  sie sich  nicht
       willkürlich und  subjektivistisch entziehen.  Damit ist  zugleich
       die Erkenntnis  einer prinzipiellen  Beschränkung gewerkschaftli-
       cher Autonomie  verbunden." 37) Deppe zeigt, daß der Nachweis der
       Notwendigkeit der  Gewerkschaften als  "Schutz- und  Abwehrkoali-
       tion", als  "Sammelpunkte des  Widerstandes"  der  Arbeiterklasse
       keineswegs mit  der  Bestimmung  ihrer  Autonomie  zusammenfällt.
       "Autonomie kann  sich nur  im Prozeß der Konstitution der 'Klasse
       für sich selbst' entwickeln - einem Prozeß, der mit der Aufhebung
       der 'Konkurrenz  der Arbeiter  unter sich' beginnt, sich fortent-
       wickelt in  den Kämpfen  für die  Erringung des Koalitionsrechtes
       zur 'Aufrechterhaltung der Assoziation' bis hin zur organisierten
       Repräsentanz der allgemeinen und vereinheitlichten Reproduktions-
       interessen der  Arbeit gegenüber dem Kapital und dem bürgerlichen
       Staat." 38)  Die Veränderungen, die Bergmann u.a. für Bedingungen
       und Inhalte  gewerkschaftlicher Politik  beschreiben, sind  nicht
       mit der These vom "Autonomieverlust" zufassen.
       Als neues  Moment der  "befestigten" gegenüber  der "klassischen"
       Gewerkschaft wird  die Einbindung  in die "Funktionszusammenhänge
       der spätkapitalistischen  Ökonomie" bezeichnet. 39) Grundlage ist
       ein objektiver  historischer Prozeß, der in einem Zitat von Franz
       Neumann charakterisiert  wird: "Geschichtlich  hat das Verhältnis
       von Staat und Gewerkschaften vier Stadien durchlaufen: vom Verbot
       über die  Duldung zur  Anerkennung und zur Inkorporierung der Ko-
       alitionen." 40) Bergmann u.a. bezeichnen diese Entwicklung in An-
       lehnung  an   den  konservativen   Theoretiker  Götz  Briefs  als
       "Befestigung" der Gewerkschaften.
       Der Veränderung der gesellschaftlichen Stellung und Bedeutung der
       Gewerkschaften liegen  drei Entwicklungsprozesse zugrunde: 1. Die
       Konzentration und Zentralisation der gewerkschaftlichen Organisa-
       tion als  Antwort auf den Konzentrationsprozeß des Kapitals, aber
       auch gefördert  durch staatliche  Eingriffe, läßt die Einheitsge-
       werkschaft zu  einem Machtpotentialwerden,  das die "klassischen"
       Gewerkschaften, zersplittert  in Richtungsgewerkschaften  und Be-
       rufsverbände, nie  besaßen. Zwar  wird gelegentlich  von Bergmann
       u.a. konzediert,  daß dieser Prozeß für die Erhaltung der Schlag-
       kraft der  gewerkschaftlichen Organisation  unumgänglich  gewesen
       ist, doch  wird die  Entwicklung insgesamt als Durchsetzung eines
       "bürokratischen Zentralismus",  als "Anhäufung von Entscheidungs-
       kompetenzen in  den Spitzen der Verbände" mit Einschränkungen der
       innergewerkschaftlichen  Demokratie   gewertet.  41)  An  anderer
       Stelle werden von Autoren des ISF die Durchsetzung des Industrie-
       verbandsprinzips und  der Zusammenschluß zur Einheitsgewerkschaft
       vorrangig als Momente einer "Konfliktverminderung" interpretiert.
       42)
       Durch die  eher organisationssoziologische  Sichtweise  wird  der
       Blick dafür  verstellt, daß  diese organisatorische Vereinheitli-
       chung auch  ein Moment  des Bildungsprozesses  der Arbeiterklasse
       reflektiert und  die Einheit  des Klassenhandelns zu fördern ver-
       mag. Die  Auseinandersetzungen in  der Weimarer  Republik und die
       Entstehung des  DGB nach  1945 zeigen,  daß die  Durchsetzung der
       Einheitsgewerkschaft mit  industriegewerkschaftlichem Organisati-
       onsprinzip keineswegs  spontan verlief,  sondern politischer  An-
       stöße bedurfte,  die in  den zwanziger  Jahren von den Linken und
       nach 1945 durch die Erfahrungen des antifaschistischen Widerstan-
       des gegeben wurden.
       Zuzustimmen ist  den Autoren,  daß das  damit entstandene gewerk-
       schaftliche Machtpotential  "auch in den Dienst von Ordnungsfunk-
       tionen treten kann". 43)
       
       2. "Institutionalisierung des Klassenkampfes"
       ---------------------------------------------
       
       Die   "Institutionalisierung    des   Klassenantagonismus",   die
       "institutionelle und  rechtliche Einfriedung  des Klassenkampfes"
       wird als zweite folgenreiche Entwicklung beschrieben. Mit dem Be-
       griff der "Institutionalisierung des Klassengegensatzes", den die
       Autoren von  dem Soziologen  Theodor Geiger übernehmen, soll ver-
       deutlicht werden, wie soziale Interessengegensätze entschärft und
       kanalisiert werden. 44)
       Der "Dauerkonflikt  zwischen Kapital  und Lohnarbeit" wird "durch
       Staat und  Öffentlichkeit anerkannt  und rechtlich  legitimiert",
       zugleich  aber  auch  durch  "Regeln  einer  kontrollierten  Kon-
       fliktaustragung" eingedämmt.  45) Die  weitgehende, durch  Gesetz
       und Arbeitsrechtsprechung  betriebene Normierung der Tarifausein-
       andersetzungen wird  als Tendenz  zur -  Verrechtlichung des  Ar-
       beitskampfes" bezeichnet.  46) In  theoretischen Überlegungen der
       "Projektgruppe Gewerkschaftsforschung" am Institut für Sozialfor-
       schung wird in Anlehnung an die Arbeiten von H. Weitbrecht insbe-
       sondere die  Tarifautonomie als  Prozeß der  Konfliktregelung und
       Normsetzung zwischen  Kapital und Arbeit definiert. 47) "Die all-
       gemeinste Funktion  der Tarifautonomie besteht darin, die der Ka-
       pitallogik entgegenwirkenden  Kräfte zu integrieren und den Kapi-
       talverwertungsprozeß störende  Momente einzudämmen."  48) Die Be-
       hauptung, daß durch die Tarifautonomie "der Klassenkampf auf spe-
       zifische Formen der Austauschbeziehungen zwischen Kapital und Ar-
       beit, auf  industrielle Beziehungen eingegrenzt werden" kann, wi-
       derspricht den  an anderer Stelle ausgebreiteten Fakten, die eine
       Einbindung der  Tarifauseinandersetzungen in  den staatlich regu-
       lierten Wirtschaftsprozeß und damit die politische Dimension die-
       ses Konflikts zwischen Kapital und Arbeit belegen. 49)
       Es fällt  auf, daß  die Tarifautonomie, das rechtliche System der
       Tarifverträge, oder  auch andere  soziale und  politische  Rechte
       selten oder nur am Rande als Resultate des Drucks und des Kampfes
       der Arbeiterklasse von den Autoren gesehen werden. Damit wird au-
       ßer acht  gelassen, daß  gerade in  der deutschen Geschichte ent-
       scheidende gewerkschaftliche  Rechte meist im Ergebnis zugespitz-
       ter Klassenauseinandersetzungen  von den Herrschenden zugestanden
       wurden (nach  1918 und  1945) und  dann im Prozeß der Veränderung
       der Kräfteverhältnisse  in ein  System  der  "Konfliktabsorbtion"
       verwandelt werden konnten. Es wird aber auch von den Autoren ver-
       nachlässigt, daß  im Rahmen solcher zugunsten des Monopolkapitals
       verschobenen  Kräftekonstellationen   soziale  Rechte  nicht  nur
       "umfunktioniert" sondern  sukzessive eingeschränkt  und  abgebaut
       werden. So  ist gerade  die Tarifautonomie insbesondere durch die
       reaktionäre Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in den fünf-
       ziger und  sechziger Jahren  zunehmend eingeengt  worden.  Ebenso
       kann  "das  Instrumentarium  der  staatlichen  Einkommenspolitik"
       nicht "als  notwendige Ergänzung  der Tarifautonomie im Spätkapi-
       talismus angesehen  werden" 50),  sondern als ihre folgenreichste
       Einschränkung durch  den Staat,  um die  kapitalistischen Verwer-
       tungsbedingungen zu verbessern.
       Die Spezifik  der Integrationspolitik  in der  Bundesrepublik be-
       steht ja  darin, daß  die Gewerkschaften  und die  Tarifautonomie
       prinzipiell anerkannt,  zugleich  aber  ihre  Handlungsspielräume
       eingeengt wurden.  Frank Deppe weist daraufhin, daß die Wirkungs-
       weise der "Verrechtlichung" und "Institutionalisierung" der Klas-
       senauseinandersetzung "nur  im Zusammenhang der Frage beantwortet
       werden (kann),  warum die Gewerkschaften die rechtliche und poli-
       tische Beschränkung  ihrer Handlungsautonomie letztlich hingenom-
       men haben". 51)
       Die rechtliche  Normierung der gewerkschaftlichen Handlungsbedin-
       gungen sowie  die institutionelle Einbeziehung von Vertretern der
       Arbeiterklasse und  der Gewerkschaften in Organe kapitalistischer
       Unternehmen und  in staatliche Gremien ist immer gekoppelt worden
       mit   der   Verpflichtung   auf   ein   "Gemeinwohl"   und   eine
       "sozialpartnerschaftliche  Zusammenarbeit",  um  eine  eindeutige
       Bindung der  Arbeitervertreter an  ihre Klasseninteressen zu ver-
       hindern.
       Für einen  Teilbereich der Einbeziehung von Vertretern der Arbei-
       terklasse und der Gewerkschaften in Organe bzw. die Leitung kapi-
       talistischer Unternehmen  in Form  der Mitbestimmung  wurden  von
       Marxisten ausführliche theoretische und empirische Untersuchungen
       vorgelegt, die sowohl die zugrunde liegenden objektiven Prozesse,
       den Umfang und die Ziele des rechtlichen Wirkungsmechanismus, die
       politischen Konzeptionen als auch die Funktion der institutionel-
       len Mitbestimmung  in der  sozialen Realität  des  Klassenkampfes
       analysieren. 52)
       Für die  Analyse der sozialen Regulierungsfunktion der Mitbestim-
       mung sind  auch die strukturellen Bedingungen des staatsmonopoli-
       stischen Kapitalismus,  vor allem  die Vergesellschaftung der Re-
       produktions- und  insbesondere der Leitungsprozesse, grundlegend.
       "Die Vergesellschaftung der Leitungsprozesse schafft aber die ma-
       teriellen Voraussetzungen  zur Hereinnähme von Vertretern der Ar-
       beiterklasse in  die Leitungsorgane  bzw. zur Schaffung von Orga-
       nen, die  durch Vertreter der Arbeiterklasse und des Kapitals be-
       setzt sind.  Wie die  bisherige Praxis  zeigt, ist die Reichweite
       und Einflußmöglichkeit  der so  zusammengesetzten Gremien ohnehin
       begrenzt, da sich die Zentren staatsmonopolistischer Macht dieser
       Art Kontrolle  entziehen. Diese Organe bieten jedoch die Möglich-
       keit, Kräfte  aus der Arbeiterklasse in die Tätigkeit der kapita-
       listischen Unternehmensleitung einzubeziehen, wenn die Mitbestim-
       mung integrationistischen  Fesseln unterworfen  werden kann.  Das
       gilt gleichermaßen  für überbetriebliche  und staatliche Gremien.
       Es besteht  auch hier die breite Möglichkeit der Einbeziehung von
       Vertretern der  Arbeiterklasse in ein System bürokratisch-kapita-
       listischer Kontrolle im Interesse des Gesamtsystems und der Inte-
       gration dieser  Vertreter in  dieses System."  53) Der  wachsende
       Grad der  Vergesellschaftung ist sowohl die materielle Vorausset-
       zung für  die Mitbestimmung  oder andere "Partizipationsformen" ,
       er bedingt  aber auch  das wachsende  Gewicht der Arbeiterklasse,
       dem durch solche Formen der Einbeziehung Rechnung getragen wird.
       Es hängt von der Klarheit der Strategie und Politik der Organisa-
       tionen der  Arbeiterbewegung und  der Entwicklung  des Kräftever-
       hältnisses ab, ob diese objektiven Möglichkeiten zur Stärkung der
       Positionen der  Arbeiterklasse genutzt  werden können oder ob sie
       als Bestandteil  der Integrationsstrategie zur Stabilisierung der
       Macht des Monopolkapitals dienen.
       Die empirische  Untersuchung des  IMSF ("Mitbestimmung als Kampf-
       aufgabe") zeigt,  daß nicht der institutionelle Rahmen, der juri-
       stisch fixiert  ist, das Entscheidende ist, sondern seine inhalt-
       liche  Ausfüllung.  Sowohl  die  Hinnahme  des  institutionellen,
       rechtlichen Rahmens  als absolute  und nicht  überwindbare Grenze
       des Handlungsbereiches  als auch  seine Betrachtung als Ausgangs-
       punkt zur  Erweiterung der  wirklichen Positionen  der  Arbeiter-
       klasse sind  in der  Realität als  unterschiedliche Typen gewerk-
       schaftlicher Interessenvertretung anzutreffen.
       Bei  Bergmann   u.a.  und   dann  auch   in  den   Arbeiten   der
       "Projektgruppe Gewerkschaftsforschung"  fällt auf, daß empirische
       Tatbestände  der  "Institutionalisierung"  und  "Verrechtlichung"
       sorgfältig und  zweifellos meist  zutreffend beschrieben  werden,
       daß man  dann jedoch bei der äußeren, formalen Seite der Probleme
       stehen bleibt.  Auf die Konsequenzen, zu denen die Weiterentwick-
       lung der  "Institutionalisierungsthese" in den Arbeiten der Auto-
       ren des  Instituts für  Sozialforschung bei  der Analyse sozialer
       Kämpfe führt, wird später noch eingegangen werden.
       Im Kern  weisen die  mit "Institutionalisierung"  und  "Verrecht-
       lichung" der  Klassenauseinandersetzungen  bezeichneten  Sachver-
       halte auf  ein erweitertes  Wirkungsfeld des bürgerlichen Staates
       im staatsmonopolistischen  Kapitalismus hin.  "Mit  der  völligen
       Herausbildung  des  staatsmonopolistischen  Kapitalismus...  läßt
       sich eine  breite, relativ  dauerhafte und  wirksame Bindung  der
       Arbeiterklasse und ihrer Organisationen an das System - wobei die
       bisherigen Methoden weiter angewendet werden - nur noch durch den
       Staat unmittelbar  mit den ihm gemäßen Integrationsmethoden einer
       staatlich-rechtlichen  Regulierung   der   Beziehungen   zwischen
       Kapital und  Arbeit erreichen.  Diese  verstärkte  Tätigkeit  des
       Staates und seines Rechts ist ein spezieller Ausdruck neuer Wech-
       selbeziehungen zwischen  Politik, Ökonomie und Klassenkampf." 54)
       Die staatlich-rechtliche Regulierung erfaßt auch die Bereiche, in
       denen die Klassenbeziehungen durch den ökonomischen Prozeß unmit-
       telbar geregelt wurden.
       Viele dieser  "Rechte" und "Institutionen" sind einerseits Ergeb-
       nis des  Drucks und des Kampfes der Arbeiterklasse und damit Kon-
       zessionen des Monopolkapitals und des Staates und können doch an-
       dererseits, solange das System als Ganzes nicht in Frage gestellt
       wird oder  werden kann, zu Institutionen der "Konfliktabsorbtion"
       und Systemstabilisierung  werden. In  den Arbeiten  auf Grundlage
       der SMK-Theorie  wird -  im Gegensatz zu der Konzeption von Berg-
       mann u.a.  und der  "Projektgruppe Gewerkschaftsforschung"  - der
       widersprüchliche Charakter dieser Prozesse hervorgehoben und dar-
       auf hingewiesen,  daß die  Integrationsstrategie und -politik der
       Monopolbourgeoisie keine eindimensionale Entwicklung darstellt.
       "Es erweist sich aber immer wieder, daß die auf ökonomischen Tat-
       sachen beruhenden  gesellschaftlichen Widersprüche  und Konflikte
       auf die Dauer stärker sind als die regulierende Rolle des bürger-
       lichen Rechts,  und darum müssen auch immer wieder 'härtere' Mit-
       tel angewandt werden." 55) In der "Mitbestimmungsstudie" des IMSF
       wird betont:  "Die Politik der Integration stößt aber kontinuier-
       lich an  die vor  allem an der Basis durchschlagenden und sich zu
       Konflikten entfachenden Widersprüche des Systems. Ihre notwendige
       Ergänzung vom  Standpunkt des Monopolkapitals muß die Politik der
       Integration deshalb in einer Politik der Repression gegenüber al-
       len politischen Kräften der Arbeiterklasse finden, die eine gegen
       das System gerichtete Politik vertreten. Diese Repressionspolitik
       kulminiert in juristisch-politischen Maßnahmen (z.B. KPD-Verbot),
       sie schließt  jedoch ebenso  die Meinungsmanipulation  und  poli-
       tisch-ideologischen Druck ein." 56)
       
       3. Einkommenspolitische Regulierung der Klassenbeziehungen
       ----------------------------------------------------------
       
       Als dritte  Entwicklung und  wichtige Komponente  für die Gewerk-
       schaftsanalyse wird von Bergmann u.a. die "staatliche Regulierung
       der Ökonomie" durch Fiskal-, Geld- und Kreditpolitik genannt, die
       unter Bedingungen  monopolistischer Konkurrenz notwendig geworden
       sei, um  wirtschaftliches Wachstum zu sichern, die Vollbeschäfti-
       gung zu  erhalten und inflatorischen Tendenzen entgegenzuwirken -
       also alles  Ziele, die  nicht erreicht werden konnten. 57) Ebenso
       kann die folgende Formulierung eines der Autoren, Walther Müller-
       Jentsch, nur  die Zielsetzung, nicht aber die Realität dieser Po-
       litik wiedergeben:  "Eine keynesianische  Wachstums- und  Vollbe-
       schäftigungspolitik erwies sich als unerläßlich, um das kapitali-
       stische Gesellschaftssystem  gegen  wirtschaftliche  Depressionen
       und soziale Krisen abzusichern." 58) Als Kern der staatsmonopoli-
       stischen Wirtschaftsregulierung  bildete sich  die  Beeinflussung
       der Klassenbeziehungen in Form der Einkommenspolitik heraus. "Mit
       der Etablierung einer staatlichen Einkommenspolitik wird die tra-
       ditionelle Form  des  institutionalisierten  Klassenkonflikts  um
       zwei entscheidende  Elemente erweitert:  erstens  beteiligt  sich
       nunmehr der  Staat als eigenständiger, kontinuierlich intervenie-
       render dritter Partner am Lohnbildungsprozeß; zweitens werden da-
       mit die  bislang zweiseitigen  Lohnverhandlungen explizit auf die
       Funktionsbedingungen des  ökonomischen Gesamtprozesses  bezogen."
       59)
       Die Einkommenspolitik  bedeutet  eine  politisch-rechtliche  Ein-
       schränkung der Tarifautonomie und des Handlungsspielraums der Ge-
       werkschaften. Vor  allem fixiert sie inhaltlich die gewerkschaft-
       liche Politik auf Leitlinien staatlicher Wirtschaftspolitik. Den-
       noch: auch  wenn die einkommenspolitischen Zielsetzungen durchge-
       setzt werden  konnten, kann  eine noch  so  ausgebaute  "moderne"
       staatsmonopolistische Regulierung nicht die Krisentendenz der ka-
       pitalistischen Entwicklung  aufheben. Darauf  wurde schon  in der
       Kritik an E. Mayer hingewiesen.
       Die Einkommenspolitik  kann nur voll wirksam werden, solange eine
       Unterordnung der  Gewerkschaften gesichert  ist. In den spontanen
       Massenaktionen im  September 1969 und im gewerkschaftlich organi-
       sierten Arbeitskampf in der Druckindustrie 1976 gelang es am ein-
       deutigsten, im Streik die staatlichen Lohnleitlinien zu durchbre-
       chen. Am Widerstand der Arbeiterklasse findet die Einkommenspoli-
       tik ihre  Grenzen. Die  Haltung zur staatlichen Einkommenspolitik
       und ihren  Institutionen (Konzertierte  Aktion)  wurde  zu  einem
       wichtigen und umstrittenen Diskussionspunkt innerhalb der Gewerk-
       schaftsbewegung, der  zentral mit  der Formulierung und Durchset-
       zung einer autonomen Politik zusammenhängt.
       Der allgemeinen  Feststellung von Bergmann u.a., daß "die Gewerk-
       schaftsvorstände... heute  nicht mehr umhin (können), die gesamt-
       wirtschaftlichen Folgen  ihrer Lohnpolitik  in Rechnung  zu stel-
       len", kann  sicherlich zugestimmt werden. 60) Doch die Schlußfol-
       gerung für  die Gewerkschaftspolitik  bleibt  sehr  abstrakt  und
       trifft nicht  die aktuelle spezifische Problematik: "Die Tatsache
       der Beeinflussung von ökonomischen Makrogrößen durch die Tarifpo-
       litik stellt  die Gewerkschaften  ständig vor  die  Entscheidung,
       ihre Politik den 'Spielregeln des kapitalistischen Systems' anzu-
       passen oder aber sie bewußt zu verletzen." 61)
       Die Verletzung  der Profit-"Spielregeln"  des Kapitals  war immer
       eine Voraussetzung,  um die  Reproduktionsinteressen der Arbeits-
       kraft zu  verteidigen. Die neue Dimension gewerkschaftlicher Auf-
       gabenstellung, die  sich aus  der staatsmonopolistischen Regulie-
       rung ergibt, betrifft zum einen den Tatbestand, daß der Lohnkampf
       sich nicht  mehr nur  auf die  Ebene der Auseinandersetzung Kapi-
       tal"Gewerkschaften beschränken  kann, sondern die staatlich-poli-
       tische Ebene mit umfassen muß. Dies begründet zum anderen und vor
       allem die Notwendigkeit der Formulierung und Durchsetzung von Al-
       ternativen zu  den einkommenspolitischen  Leitlinien und  der sie
       begründenden wirtschaftspolitischen Konzeption.
       Heinz Jung  hat darauf  hingewiesen, daß  die Wirksamkeit und der
       starke Einfluß  der staatsmonopolistischen  Einkommensregulierung
       auf das  faktische Verhalten der Gewerkschaften nicht nur aus der
       politischen Bindung  an die sozialdemokratisch geführte Bundesre-
       gierung erklärt  werden kann. "Vielmehr erreicht die ideologische
       Mystifikation des  Verhältnisses von  Lohnarbeit und  Kapital auf
       dieser objektiven Grundlage des staatsmonopolistischen Kapitalis-
       mus einen  neuen Wirkungsgrad,  die auch in der Fiktion der sach-
       neutralen Logik  der Wirtschaftsentwicklung  und der  sogenannten
       gesamtwirtschaftlichen Interessen  zum Ausdruck  kommt. Marxisten
       und progressive  Gewerkschafter wären  blind, wenn  sie nicht zur
       Kenntnis nehmen  würden, daß  damit nicht nur eine neue Grundlage
       der Reproduktion  reformistischer Vorstellungen  und Konzeptionen
       entstanden ist,  sondern daß sich gerade hieraus auch die Notwen-
       digkeit einer  konkreten antimonopolistischen  Wirtschaftspolitik
       ergibt, die  die grundsätzliche  Infragestellung des  Systems des
       staatsmonopolistischen Kapitalismus  auch in  einer konkreten, an
       den unmittelbaren Interessen anknüpfenden Politik ausdrückt." 62)
       Die Reproduktionsbedingungen der Arbeiterklasse und damit die ge-
       werkschaftlichen Kampfbedingungen  und -felder  werden nicht  nur
       durch die  staatliche Einkommenspolitik, sondern ebenso durch an-
       dere wirtschaftspolitische Entscheidungen (z.B. Beschäftigungspo-
       litik), durch  die Steuer-  und Technologiepolitik (Rationalisie-
       rung) und  andere Bereiche  staatlicher Politik beeinflußt. Zudem
       muß die  Reproduktion der Arbeitskraft nicht nur durch den Netto-
       lohn, sondern  auch durch  Institutionen  der  gesellschaftlichen
       Konsumtion  gewährleistet   werden,  die   wie   die   Bildungs-,
       Gesundheits- und  Sozialpolitik staatlich vermittelt sind. Diesen
       strukturellen Gegebenheiten wird nicht durch eine ausschließliche
       Orientierung  auf  die  Entwicklung  einer  betrieblichen  Basis-
       militanz der  Arbeiter Rechnung  getragen, wie  sie meist  in den
       Arbeiten von  Bergmann/Jacobi/Müller-Jentsch vorzufinden ist. 63)
       Durch eine  solche Basismilitanz  kann sicherlich  gegenüber  den
       Angriffen des  Monopolkapitals eine  wirksame Schranke  errichtet
       werden, wie Erfahrungen etwa der britischen Gewerkschaftsbewegung
       demonstrieren. Die  Entwicklung der  Militanz  der  betrieblichen
       Mitgliederbasis ist  gerade in  der Bundesrepublik auch der erste
       notwendige Schritt  zur Stärkung einer kampforientierteren, auto-
       nomen Gewerkschaftspolitik.  Dies drückt sich in den letzten Jah-
       ren vielfach  in innergewerkschaftlichen  Diskussionen und Orien-
       tierungen auf  die "eigene Kraft" aus. Zugleich widerspiegelt die
       ausschließliche betriebliche  und tarifpolitische Schwerpunktset-
       zung bei manchen Gewerkschaftern aber auch die Absicht, Konflikt-
       felder zur  Regierungspolitik auszuschalten  oder zu  verringern.
       Die sozialen Auseinandersetzungen der letzten Jahre, die Arbeits-
       kämpfe 1976  und 1978/79  zeigen eindringlich, daß die verstärkte
       tarifpolitische Aktivierung sich nicht von den gesellschaftspoli-
       tischen Kampffeldern  abtrennen läßt. Schon im Druckerstreik 1976
       wurde sichtbar,  daß die  ideologische Auseinandersetzung mit den
       Doktrinen der  staatlichen Wirtschaftspolitik  Voraussetzung  für
       die Mitgliedermobilisierung  und wirksame  Durchbrechung der ein-
       kommenspolitischen  Lohnleitlinien   war.  Die   Erfahrungen  der
       Streiks und  Aussperrungen 1978  belegen, daß die Entwicklung ge-
       werkschaftlicher Kampffähigkeit  - und nicht nur programmatischer
       Vorstellungen -  auch im  gesellschaftspolitischen und staatlich-
       rechtlichen Bereich notwendig ist, um einer Einschränkung gewerk-
       schaftlicher Kampfmöglichkeiten  zu begegnen und eine Veränderung
       des Kräfteverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit zu erreichen.
       Hinsichtlich der  strategischen  Konsequenzen  faßt  Frank  Deppe
       seine Kritik  an Bergmann u.a. zusammen: "Die Wiedergewinnung der
       gewerkschaftlichen Autonomie  kann daher weder ausschließlich auf
       der Ebene  der aggressiven  Lohnpolitik, spontaner  betrieblicher
       Streikaktionen, noch  auf der  Ebene der  Konstitution von Kernen
       einer 'sozialistischen  Opposition' in der Gewerkschaft erfolgen.
       Das gesamte System gesellschaftlicher und politischer Integration
       kann eben  nicht nur  als ein  Mechanismus der Selbstregulierung,
       der systemstabilisierenden Konfliktabsorbtion im Spätkapitalismus
       begriffen werden.  Vielmehr handelt es sich um Formen der System-
       regulierung, die  sowohl dem  ökonomischen  Widerspruchspotential
       als auch dem objektiven und subjektiven Reifegrad des Gegensatzes
       von Kapital  und Arbeit  Rechnung tragen. Die Entwicklung gewerk-
       schaftlicher Autonomie muß sich daher auf der Ebene der Auseinan-
       dersetzungen vollziehen,  die sowohl  durch den  kapitalistischen
       Vergesellschaftungsprozeß als  auch durch  die 'gesellschaftliche
       Macht', die  die 'assoziierte  Arbeit'  repräsentiert,  definiert
       wird." 64)
       Den zentralen  theoretischen Mangel  sieht Deppe im "Verzicht auf
       eine gesellschaftstheoretische,  kritische Reflexion der Integra-
       tionsproblematik" und  damit auch des Widerspruchsystems des heu-
       tigen Kapitalismus.  Grundaussagen der bürgerlichen Integrations-
       theorien 'Briefs' "Befestigung der Gewerkschaften" ebenso wie Th.
       Geigers "Institutionalisierung  des Klassenkampfes"  und die neo-
       keynesianische "Globalsteuerung"  werden für bare Münze genommen:
       "Der Gewerkschaftsanalyse  ist eine Vorstellung vom organisierten
       und institutionalisierten  Monopolkapitalismus vorausgesetzt, der
       sein inneres Widerspruchspotential - im ökonomischen wie im poli-
       tischen Bereich - im wesentlichen 'gebändigt' hat." 65) Mit einem
       solchen theoretischen  Ansatz von  Bergmann u.a, können weder die
       Konflikte und  sozialen Kämpfe in der gegenwärtigen Entwicklungs-
       phase des  Kapitalismus noch  die gewerkschaftspolitischen Konse-
       quenzen adäquat analysiert werden.
       
       4. Gewerkschaftspolitische Perspektivlosigkeit
       ----------------------------------------------
       
       Aus den  folgenreichen Entwicklungen  der "Konzentration und Zen-
       tralisation gewerkschaftlicher  Organisation", der "Institutiona-
       lisierung des  Klassenantagonismus" und  der  "staatlichen  Regu-
       lierung der  Ökonomie" wird  bei Bergmann  u.a. die  Schlußfolge-
       rungen gezogen,  daß gewerkschaftliche Praxis im Spätkapitalismus
       von zwei  Polen bestimmt  wird: "zum  einen von  den  Mitglieder-
       interessen, zum  anderen  von  den  Imperativen  der  Kapitalver-
       wertung". 66)  Das zentrale Problem der Gewerkschaften sei heute,
       "wie die  Vermittlung zwischen  den Interessen der Lohnabhängigen
       einerseits  und   dem  ökonomischen   Gesamtprozeß   andererseits
       geleistet wird". 67)
       Als "Vermittlungsorgane"  bestimmt auch  Müller-Jentsch in  einem
       späteren Aufsatz  die gesellschaftliche Funktion der Gewerkschaf-
       ten im  gegenwärtigen Kapitalismus:  "Ausgangspunkt ist,  daß Ge-
       werkschaften heute nicht mehr umstandslos als Interessenorganisa-
       tionen der  Arbeiterklasse begriffen  werden können.  Sie  lassen
       sich zutreffender als bürokratisch verfaßte, intermediäre Organi-
       sationen zwischen  Kapital und  Arbeit beschreiben. Ihre Interes-
       senvertretung beruht  auf der  pragmatischen Vermittlung zwischen
       Kapital- und  Arbeiterinteressen nach der Alltags-Maxime, die Kuh
       nicht zu  schlachten, die man melken will." 68) Auch wenn Müller-
       Jentsch feststellt,  daß die  Gewerkschaften den "bewußteren Teil
       der lohnabhängigen  Klasse" organisieren  69), geht er mit dieser
       Definition von  einer faktisch vollzogenen Integration aus. Trotz
       dieser -  an anderer Stelle schon kritisch beleuchteten - Voraus-
       setzung bleibt  jedoch selbst die begriffliche Bestimmung der Ge-
       werkschaften als "intermediäre Organisationen", als Institutionen
       zwischen Kapital  und Arbeiterklasse, höchst diffus. Um - die Wi-
       dersprüche gewerkschaftlicher  Politik in  angemessener Weise be-
       grifflich zu  fassen", die  durch die "unterschiedliche und teil-
       weise widersprüchliche Anforderung seitens der Mitglieder und der
       ökonomischen Lenkungsinstanzen"  bestimmt sind 70), unterscheiden
       Bergmann u.a. in der Gewerkschaftsanalyse zwischen zwei typischen
       Reaktionsweisen: der  "kooperativen" und  der "konfliktorischen".
       Dabei handele  es sich  primär um tarifpolitische Strategien, die
       jedoch die  Gesamtgewerkschaft prägten. "Kooperative Gewerkschaf-
       ten versuchen, die Mitgliederinteressen durch Anpassung ihrer ta-
       rifpolitischen Forderungen  und Strategien an die konjunktur- und
       wachstumspolitischen Erfordernisse  zu  realisieren.  Sie  passen
       ihre  Lohn-und  Tarifpolitik  unter  Abwägung  der  verschiedenen
       Teilinteressen den  ökonomischen  Konzessionsspielräumen  an  und
       lassen sich  - bei  institutionalisierter Einkommenspolitik - auf
       die Orientierungsdaten  und Leitlinien staatlicher Wirtschaftspo-
       litik ein." 71)
       "Kooperative" Gewerkschaftspolitik wirkt nicht nur an der Einkom-
       menspolitik mit, sie anerkennt das System der institutionalisier-
       ten Konfliktregulierung  und fördert den Integrationsprozeß. Eine
       wichtige Funktion  wird in  der Verhinderung  politischer Bewußt-
       seinsprozesse bei den Gewerkschaftsmitgliedern gesehen.
       Demgegenüber versuchen "konfliktorische" Gewerkschaften, "die ar-
       tikulierten Mitgliederinteressen  durch unmittelbare Umsetzung in
       tarifpolitische Forderungen  und Strategien  zu realisieren,  und
       lehnen eine Einbettung ihrer Lohnpolitik in die konjunkturpoliti-
       sche Wirtschaftssteuerung  ab. Bei  ihren Forderungen  werden sie
       wohl die  bestehenden Markt-  und Machtverhältnisse  in  Rechnung
       stellen, eine  Verantwortung für  den Gesamtzustand  der Ökonomie
       jedoch ablehnen."  72) Die  "konfliktorische" Strategie  operiert
       "in der  Regel an  der Grenze der Legalität" und nimmt "eine Ver-
       schärfung oder Herbeiführung von Krisensituationen in Kauf". 73)
       Nun betonen  Bergmann u.a.,  daß mit  diesem begrifflichen Schema
       keineswegs "eine  generell gültige  Typologie der Gewerkschaften"
       beabsichtigt sei. Beide Gewerkschaftstypen betrieben eine pragma-
       tische Politik  auf dem  Boden des  kapitalistischen Systems, bei
       beiden handele  es sich um "Ausdifferenzierungen der 'befestigten
       Gewerkschaft'" in der Phase staatlicher Regulierung der Ökonomie.
       74) Mit  dem Begriffsschema  "kooperativ-konfliktorisch" wird die
       gewerkschaftliche Praxis  jedoch nur  an der  Oberfläche, auf der
       Ebene von  Verhaltensweisen erfaßt. Es dringt nicht tiefer in die
       Erklärung der  jeweiligen "Reaktionsweisen"  und der inhaltlichen
       Bestimmung der  gewerkschaftspolitischen Strömungen ein. Die Ver-
       mutung, daß  es sich  "um eine  von den Verfassern 'von außen' an
       die Gewerkschaft  herangetragene Bestimmung"  handelt, wird  auch
       dadurch bekräftigt,  daß die praktische Ausgestaltung des Typus -
       konfliktorische Gewerkschaft" nicht genauer bestimmt wird. 75)
       Zweifel daran,  daß mit  dieser Typologisierung die reale gewerk-
       schaftliche Politik  und Praxis erfaßt werden kann, wird auch von
       anderen Autoren  geäußert. Rainer  Erd, der in der "Projektgruppe
       Gewerkschaftsforschung" am  Frankfurter Institut  für  Sozialfor-
       schung mitarbeitet,  kam in einer Analyse des Druckerstreiks 1976
       zu der  Schlußfolgerung: "Solche  Autoren (Bergmann  u.a., d.V.),
       die die  Tarifpolitik der westdeutschen Gewerkschaften als koope-
       rativ bezeichnen und den gewerkschaftlichen Streik als weitgehend
       funktionales ,  wenn auch  widersprüchliche Elemente enthaltendes
       Erfordernis für  die Etablierung  und Stabilisierung kooperativer
       Tarifpolitik interpretieren, muß der Streik in der Druckindustrie
       angesichts seines politischen, gegen die staatliche Einkommenspo-
       litik gerichteten Charakters zur theoretischen Neubesinnung anre-
       gen..." 76)
       Bergmann u.a.  hatten Streiks  als "Entwicklungsstufen einer sich
       herausbildenden Kooperation zwischen Gewerkschaften, Arbeitgeber-
       verbänden und Staat" im Rahmen der "kooperativen Gewerkschaftspo-
       litik" interpretiert. 77) Für "kooperative Gewerkschaften" sollen
       Streiks folgende  Funktionen haben: 1. Stabilisierung der gewerk-
       schaftlichen Verhandlungsmacht  durch Beweis  der Kampffähigkeit,
       2. Auflösung  objektiver, durch  inkompatible Anforderungen  ent-
       standene Problemlagen  und 3.  Stärkung der  Mitgliederbindung an
       die Organisation.  Dabei, so wird konzediert, können Streiks auch
       Lernprozesse über  den Klassencharakter  der Gesellschaft und den
       widersprüchlichen Charakter  "kooperativer Politik" auslösen. 78)
       Erd belegt  nun am Beispiel des Druckerstreiks 1976 die Unbrauch-
       barkeit dieser Typologisierung und unterstreicht, "daß dieser Ar-
       beitskampf die  Generalthese der  Autoren widerlegt. Im Gegensatz
       zu sämtlichen  bisher in  der Nachkriegsgeschichte  geführten ge-
       werkschaftlichen Streiks  war der  Arbeitskampf in der Druckindu-
       strie die  Auseinandersetzung um die Autonomie gewerkschaftlicher
       Tarifpolitik in  der schwersten  ökonomischen Krise seit 1929. Um
       die These  von Bergmann  u.a. in das Gegenteil zu verkehren, läßt
       sich behaupten,  daß der  Streik in der Druckindustrie ein Mittel
       zur Destruktion kooperativer Tarifpolitik und staatlicher Einkom-
       menspolitik war,  dessen längerfristige  Folge die  Rückgewinnung
       einer partiell radikalen Interessenvertretungspolitik sein kann."
       79) Erd  bezeichnet den  Arbeitskampf als  "politischen  Streik",
       weil er  sich "zur Durchsetzung einer Lohnerhöhung explizit gegen
       die staatlichen  Regelungsmechanismen der  Krisendämpfung (staat-
       liche Einkommenspolitik)  wandte, um  die Autonomie gewerkschaft-
       licher Tarifpolitik  zu bewahren".  80) Diese  Charakterisierung,
       die die "politische" Seite eher überbetont, wird in einer Analyse
       der "Projektgruppe  Gewerkschaftsforschung" übernommen,  um  dann
       allerdings wieder  die alte  These von  Bergmann u.a. aufzunehmen
       und den Druckerstreik als Beleg anzuführen, "daß eine kooperative
       Tarifpolitik  in  der  ökonomischen  Krise  partiell  kämpferisch
       werden kann". 81)
       Aber auch  in das Raster "konfliktorischer Politik" läßt sich der
       Streik nicht  einordnen. Nicht die bewußte "Verschärfung von Kri-
       sensituationen", sondern  alternative wirtschaftspolitische  Vor-
       stellungen zur  Krisenpolitik des Kapitals waren die ideologische
       Grundlage für  die langfristige  argumentative  Vorbereitung  des
       Lohnkonflikts, die  in beiden  Analysen -  sowohl bei Erd wie bei
       der "Projektgruppe  Gewerkschaftsforschung"  -  auch  registriert
       werden. Es  wird aber  nicht herausgearbeitet, daß die systemati-
       sche öffentliche  Auseinandersetzung  mit  den  Auffassungen  der
       staatlichen Wirtschaftspolitik  und die Darstellung gewerkschaft-
       licher Alternativforderungen eine Voraussetzung zur Mobilisierung
       und Durchbrechung der Lohnleitlinien war und insofern die politi-
       sche Dimension des Streiks wesentlich bedingte. 82) Hierin werden
       Ansätze einer  autonomen Gewerkschaftspolitik sichtbar, die nicht
       die "kapitalistische Rationalität" abstrakt negiert, sondern kon-
       krete, von den Interessen der Arbeiterklasse bestimmte Alternati-
       ven zur "Logik des Kapitals" beginnt durchzusetzen.
       Die Entscheidung  der Gewerkschaften  für eine "kooperative" oder
       "konfliktorische" Praxis  ist nach  Bergmann u.a. primär abhängig
       von zwei Determinanten: "1. Dem Zustand des ökonomischen Systems,
       seiner Krisensicherheit  und seinen Wachstumsraten, die letztlich
       den objektiven  Konzessionsspielraum des Systems bestimmen; sowie
       2. dem Reproduktionsniveau und subjektiven Erfahrungshorizont der
       Mitglieder." 83)  Seit 1969  konstatieren die Autoren eine zuneh-
       mende Krise  der "kooperativen Interessenvertretung". Indikatoren
       sind die  Verengung des  Lohnerhöhungsspielraums,  die  steigende
       Mitgliederunzufriedenheit in  Form von  inoffiziellen Streiks und
       das Wachsen  einer "innergewerkschaftlichen Opposition". 84) Pro-
       gnostiziert wird: Bei "krisenhafter Wirtschaftsentwicklung ist zu
       erwarten, daß  die Gewerkschaften gezwungen sind, die Tagesinter-
       essen ohne  Rücksicht auf  den Gesamtzustand  der Ökonomie...  zu
       vertreten". 85)
       Daß dieser  Automatismus zwischen  ökonomischer Krise  und  einer
       Krise der  "kooperativen" Politik  nicht besteht, beweist die ge-
       werkschaftliche Politik  in der  Wirtschaftskrise 1974/76. 86) In
       dem Nachwort  zur 1976  neu aufgelegten Studie müssen die Autoren
       eingestehen: "Diese  Entwicklung widerspricht  offensichtlich den
       in der  vorstehenden Analyse  behaupteten Krisentendenzen der ko-
       operativen  Gewerkschaftspolitik."  87)  In  dieser  Fehlprognose
       zeigt sich  ein grundsätzliches Problem des Ansatzes der Autoren,
       das durch  eine Diskrepanz  zwischen der Analyse der ökonomischen
       Entwicklung und  der subjektiven Vermittlung dieser Bewegung cha-
       rakterisiert ist.  Das führt dazu, daß sie kaum die konkreten hi-
       storischen Vermittlungen  angeben können,  an denen eine klassen-
       orientierte Politik  in den  Gewerkschaften ansetzen kann. Statt-
       dessen dominiert  die Hoffnung  auf eine  "innergewerkschaftliche
       Opposition".
       Die Problematik  der typologisierenden Unterscheidung von "koope-
       rativer" und  "konfliktorischer" Gewerkschaftspolitik  ist  ange-
       sichts der  Arbeitskämpfe der  letzten Jahre  offensichtlich auch
       von Bergmann u.a. registriert worden. Zumindest fällt auf, daß in
       den Analysen  der letzten Zeit diese Charakterisierung weitgehend
       ad acta gelegt wurde - allerdings begleitet von einem zunehmenden
       Verzicht auf  politische Kategorien, wie noch zu zeigen ist. Dies
       ist nur  ein weiteres Indiz für die Brüchigkeit des theoretischen
       Rahmens der  Gewerkschaftskonzeption der  genannten Autoren,  aus
       der keine realistische Perspektive einer autonomen Gewerkschafts-
       politik entwickelt  werden  kann.  Ebenso  willkürlich  und  ver-
       schwommen  wie   die  Unterscheidung  "kooperativ-konfliktorisch"
       angewandt wurde,  wird plötzlich  die Perspektive  einer "revolu-
       tionären  Gewerkschaft"   eingeführt,  die   "eine  bewußt  eman-
       zipatorische Praxis macht". 88) Die Autoren gestehen ein, daß sie
       über das  Konzept einer  "revolutionären Gewerkschaft"  -  offen-
       sichtlich die  Alternative zur "befestigten Gewerkschaft" - keine
       näheren Angaben machen können. 89)
       Sehr oberflächlich  wird auch  mit dem  Begriff der  "Mitglieder-
       interessen"  verfahren,   deren  konsequente   Vertretung  zur  -
       Wiedergewinnung  der   gewerkschaftlichen  Autonomie"   bei  kon-
       sequenter innergewerkschaftlicher  Demokratie  führen  soll.  90)
       "Mitgliederinteressen" werden im wesentlichen reduziert auf Lohn-
       und  Arbeitsplatzsicherung,   in  späteren   Aufsätzen  auch  auf
       "qualitative Interessen"  (Arbeitsbedingungen, Kontrolle  der Ar-
       beitsorganisation) erweitert. Der gesamte Bereich der erweiterten
       Reproduktion der  Arbeitskraft, der  im  wesentlichen  durch  die
       Staatstätigkeit vermittelt  wird und  auf dem die Erweiterung der
       gewerkschaftlichen Forderungs-  und  Aktionsfelder  beruht,  wird
       ignoriert. Gerade  hieran zeigt sich nach Meinung von Deppe, "wie
       die bloß  deskriptive und dazu noch höchst eingeengte Charakteri-
       sierung des  Autonomiebegriffs (Vertretung der Mitgliederinteres-
       sen) den  Zugang zum Begriff gewerkschaftlicher Autonomie auf der
       gegenwärtigen Stufe  kapitalistischer Entwicklung verbaut. Da die
       Verfasser letztlich  die gesamte  Problematik von Rechten der Ar-
       beiterklasse und  der Gewerkschaften, von staatlicher Sozialpoli-
       tik und  ökonomischer Steuerung nur als Moment der Systemstabili-
       sierung, der  'Institutionalisierung des Klassenkampfes', zu fas-
       sen vermögen, sind sie notwendig außerstande, eine Konzeption ge-
       werkschaftlicher Autonomie zu denken, die nicht nur von einem er-
       weiterten Interessen-  und Reproduktionsbegriff, sondern auch von
       der Entfaltung  gewerkschaftlicher Kampfkraft  auf der  Ebene des
       Betriebes  u n d  des Staates ausgeht, die - mit anderen Worten -
       die kapitalistischen  Vergesellschaftungsprozesse nicht  abstrakt
       negiert, sondern  die der  Vergesellschaftungslogik einen anderen
       Inhalt, nämlich das Klasseninteresse der Lohnabhängigen aufzwingt
       und sie  damit negiert.  In diesem Zusammenhang jedoch erhält der
       Begriff der  gewerkschaftlichen Autonomie  eine völlig andere und
       neue Bestimmung." 91)
       
       5. Verselbständigung des "institutionellen" Ansatzes
       ----------------------------------------------------
       
       In neueren,  zum Teil  schon erwähnten  Arbeiten der  Autoren des
       Frankfurter Instituts  für Sozialforschung  wird  die  These  der
       "Institutionalisierung des  Klassenkampfes" weiterentwickelt  und
       auf die Analyse aktueller Klassenkämpfe angewandt.
       Nach der  Aufgabenstellung der 1975 gebildeten "Projektgruppe Ge-
       werkschaftsforschung" sollen  die "Austauschbeziehungen  zwischen
       Kapital und  Arbeit zum  Gegenstand einer  umfassenden Prozeßana-
       lyse" gemacht werden. 92) Unter "Austauschbeziehungen" werden da-
       bei die  kollektive Konfliktregelung  auf der Ebene des Tarifver-
       tragssystems und auf der der betrieblichen Verhandlungsorgane be-
       griffen. Ziel ist die Entwicklung einer "Theorie der Austauschbe-
       ziehungen zwischen Kapital und Arbeit, die die am Konzept der in-
       dustriellen Beziehungen orientierte Theoriediskussion in den Ver-
       einigten Staaten und in England auf die materialistische Theorie-
       tradition zu beziehen sucht". 93)
       An  den   bisherigen  Theorien  der  "industriellen  Beziehungen"
       (Industrial Relations  System) aus dem angelsächsischen Raum wird
       vor allem kritisiert, daß der Interessengegensatz von Kapital und
       Arbeit entweder überhaupt nicht oder nur partiell und ausschnitt-
       haft als objektiv notwendiger wahrgenommen wird. 94) Ferner werde
       die "Machtasymmetrie  im Verhältnis von Kapital und Arbeit... nur
       bedingt thematisiert".  Zudem nähmen  die  theoretischen  Ansätze
       "ihre Gegenstände  immer schon  unter dem Aspekt der Regulierbar-
       keit" wahr. 95)
       Demgegenüber kommt  die "Projektgruppe Gewerkschaftsforschung" zu
       folgender Bestimmung: "Industrielle Beziehungen sind nur ein Aus-
       schnitt der kapitalistischen Klassenverhältnisse; das Klassenver-
       hältnis zwischen  Kapital und Arbeit geht in ihnen nicht auf. Bei
       den industriellen Beziehungen handelt es sich um jene Beziehungen
       zwischen Kapital  und Arbeit,  die über  den Arbeitsmarkt und die
       wirtschaftlichen bzw.  sozialpolitischen Organisationen der Klas-
       sen (Gewerkschaften,  Arbeitgeberverbände) vermittelt  werden. In
       ähnlicher Weise kann auch der industrielle Konflikt" nur als spe-
       zifischer Konfliktbereich  des umfassenden Klassenkampfes angese-
       hen werden." 96)
       Jedoch ist  die zentrale Fragestellung der Autoren des ISF einge-
       schränkt die  nach der Stabilität des für die Bundesrepublik cha-
       rakteristischen Systems "institutionalisierter Konfliktregelung".
       97) Dieses wird als "duales System" der "rechtlich-institutionel-
       len Trennung von Betriebsverfassung und Tarifautonomie" beschrie-
       ben, in  dessen arbeitsteiliger  Struktur sich  eine "funktionale
       Differenzierung der Konfliktverarbeitung" widerspiegele. 98)
       An bisherigen  marxistischen Analysen  wird die "Vernachlässigung
       institutioneller und  organisationsstruktureller Dimensionen, die
       auf die  Gewerkschaftspolitik bestimmenden Einfluß haben", kriti-
       siert. 99)  "Das heißt: Zur Erklärung konkreter Konfliktsituatio-
       nen und  Auseinandersetzungen reicht  der Rekurs  auf ökonomische
       Lage, Interessenpotential und Betroffenheit nicht aus." 100) Dies
       sei zwar  als Ausgangsbedingung  unabdingbar, zentral  sei jedoch
       die Frage  nach der "Filterwirkung" und der "Verarbeitung" dieser
       Fakten durch das "duale System".
       Auch wenn  Müller-Jentsch versucht,  die Kritik  an einer  "Über-
       schätzung institutioneller  Regelungen" an  andere Autoren (Weit-
       brecht, Streeck)  weiterzureichen,  da  diese  "sozio-ökonomische
       Rahmenbedingungen" vernachlässigten  101), so  wurde und  wird in
       den eigenen  Analysen deutlich,  daß der  Zusammenhang von ökono-
       mischen und  politischen Prozessen und von der Organisations- und
       Bewußtseinsentwicklung aufgelöst,  ja oft  sogar  verkehrt  wird.
       102)
       Die Reduzierung  sozialökonomischer und  politischer Prozesse auf
       organisationssoziologische und  institutionelle Momente fällt be-
       sonders bei  der Analyse  der sozialen  Kämpfe der  letzten Jahre
       (insbesondere von  1978) auf. Die Bewertung der "neuen Konflikte"
       erfolgt   ausschließlich    unter   dem   Blickwinkel,   ob   die
       "institutionelle Stabilität"  in der  BRD erhalten geblieben sei.
       Gegenüber einer  fiktiven These  einer linearen "Verschärfung der
       Klassenkämpfe" will  Müller-Jentsch den "sektionalen und partiku-
       laristischen Charakter  der gewerkschaftlichen Kämpfe" 1978 beto-
       nen, der  "noch weit  entfernt von  einer genuinen Klassenpolitik
       ist". 103)  Nun sind die feststellbaren Segmentierungs- und Frak-
       tionierungstendenzen innerhalb  der Arbeiterklasse aber nicht ur-
       sächlich Ergebnis  einer "institutionellen Filterung", sondern in
       erster Linie  aus der in der Krise verstärkten intrafraktionellen
       Klassenkonkurtenz zu  erklären, durch  die berufsbezogene und an-
       dere eingrenzende Elemente des Bewußtseins und des Kampfes geför-
       dert werden.  Auf diesen Sachverhalt und die sich daraus ergeben-
       den Probleme wurde in mehreren Analysen hingewiesen. 104) Vor al-
       lem wurden  aber auch die Momente der Vereinheitlichung, des all-
       gemeinen Klassenkonflikts  hervorgehoben, die insbesondere im ex-
       emplarischen Charakter  der Arbeitskämpfe  für die gesamte Arbei-
       terklasse sichtbar wurden.
       Der entscheidende Punkt ist jedoch, daß es Müller-Jentsch mit der
       eingeschränkten Frage  nach der "institutionellen Stabilität" we-
       der gelingt, die wesentlichen Erklärungsmomente noch die wichtig-
       sten Ergebnisse  der Arbeitskämpfe  1978 zu  erfassen. So erklärt
       die Feststellung, daß aufgrund der Krisen- und Rationalisierungs-
       auswirkungen "die Gewerkschaften unter Erwartungsdruck von seiten
       der Mitglieder"  gerieten, noch  nicht, warum  eine initiierende,
       mobilisierende Funktion  gerade von den Führungen einiger Gewerk-
       schaften wahrgenommen  wurde. 105) Ein relevanter, spontaner Mas-
       sendruck auf  die Organisation (wie 1969 oder 1973) war ja gerade
       nicht erkennbar;  vielmehr erforderte die Situation eine langfri-
       stige und konzeptionelle Vorbereitung der Mobilisierung durch die
       Gewerkschaften, um  die durch  die Krise verstärkten Entsolidari-
       sierungstendenzen zu  überwinden und  einheitliche Widerstandsak-
       tionen auszulösen. 106)
       Da Müller-Jentsch  die Untersuchung  der Entwicklung  des politi-
       schen Kräfteverhältnisses  und der  Strategie des Monopolkapitals
       ganz oder  weitgehend außer  acht läßt, gelingt es ihm nicht, die
       spezifische Konstellation  zur Auslösung der sozialen Kämpfe 1978
       zu analysieren.  Die Spezifik  bestand gerade  darin, daß auf dem
       Hintergrund der  Einengung des materiellen Manövrierraums das Mo-
       nopolkapital    bestimmte    Formen    der    Integrationspolitik
       s e l b s t  aufgekündigt hat und durch eine Verschiebung des so-
       zialökonomischen Kräfteverhältnisses  der Arbeiterklasse  und den
       Gewerkschaften neue  Konditionen aufzwingen  wollte. Dies  veran-
       laßte einige  Gewerkschaften zu  einem verstärkten  Rückgriff auf
       eine Mitgliedermobilisierung.  Damit gewannen auch in den Gewerk-
       schaften klassenautonome Kräfte ein größeres Gewicht.
       Müller-Jentsch hält  hingegen die  Interpretation der Politik des
       Kapitals 1977/1978  als "Generalangriff  auf die  Gewerkschaften"
       schlichtweg für falsch, ohne sich mit den in zahlreichen Analysen
       aufbereiteten Belegen  für einen  verstärkten  Konfrontationskurs
       (Mitbestimmungsklage, Null-Linie  in der  Tarifrunde 1978, Offen-
       sivaussperrungen, verstärkte  politische Angriffe auf die Gewerk-
       schaften usw.)  auseinanderzusetzen. 107)  Heinz Jung hat die Of-
       fensive des  Kapitals im  Zusammenhang mit  der Durchsetzung  der
       privatmonopolistischen Entwicklungsvariante  des SMK in den letz-
       ten Jahren interpretiert, auf deren Grundlage sich auch verstärkt
       politische  Rechtstendenzen   entfalten  konnten.  Offensichtlich
       wollte das  Monopolkapital unter Ausnutzung der disziplinierenden
       Wirkung der  Massenarbeitslosigkeit nunmehr  auch den offenen so-
       zialen Konflikt riskieren. 108)
       Es wurde schon in der Kritik an Bergmann u.a. darauf hingewiesen,
       daß die Integrationsstrategie des Kapitals nicht als eindimensio-
       nale Entwicklung zu betrachten ist, sondern in bestimmten Krisen-
       situationen sich  mit verstärkten  repressiven Momenten verbindet
       oder durch  sie ersetzt  wird. Allerdings wirkt der Kampf der Ar-
       beiterklasse auch  auf diese Strategiebildung des Monopolkapitals
       und des Staates zurück. Nach dem breiten Widerstand der Arbeiter-
       klasse in drei großen Streikaktionen 1978/79 wurde offensichtlich
       wieder verstärkt  auf integrative  Formen gegenüber  den  Gewerk-
       schaften orientiert,  was sowohl  im Tenor  des  "Mitbestimmungs-
       urteils" als auch in zahlreichen Angeboten zur Wiederbelebung der
       "Konzertierten Aktion"  zum  Ausdruck  kommt.  Diese  Bedingungen
       fördern wiederum  auch in den Gewerkschaften die Bestrebungen und
       Möglichkeiten  der  integrationistischen  Strömung,  neue  Formen
       einer Sozialpartnerschaftspolitik  zu entwickeln und insbesondere
       den in  den vergangenen  Jahren vergrößerten  Raum  für  autonome
       Interessenvertretung politisch und ideologisch einzugrenzen.
       Von Müller-Jentsch wird der "Widerstand" des Kapitals nur mit ei-
       ner  "Grenzüberschreitung   traditioneller  Gewerkschaftspolitik"
       durch die Wahrnehmung der "qualitativen Interessen" erklärt. 109)
       Sicherlich   spielt    die   Furcht   vor   Eingriffen   in   die
       "Dispositionsfreiheit der  Unternehmer" (O. Esser, BDA) durch die
       Tarifforderungen in der Druck-und Metallindustrie eine Rolle, sie
       kann jedoch  nicht die Offensive des Kapitals erklären. 110) Mül-
       ler-Jentsch kommt  in der  abschließenden Bewertung  zu der Fest-
       stellung, daß  trotz der "Veränderungen im Konfliktverhalten" die
       "duale Struktur  der  Interessenvertretung...  eine  erstaunliche
       Stabilität bewahrt  hat". Woher  er seinen  Maßstab bezieht, wird
       durch den Vergleich deutlich: - Zu den Ende der sechziger und An-
       fang der  siebziger Jahre  in Italien  und Frankreich, im Gefolge
       breiter Massenbewegungen, durchgesetzten Veränderungen der insti-
       tutionellen Vertretungsstrukturen in Form neuer betrieblicher und
       gewerkschaftlicher Basisorgane  gibt es  für  die  Bundesrepublik
       keine Parallele. Die funktionale Differenzierung der Konfliktver-
       arbeitung hat sich bislang als strukturell stabil erwiesen." 111)
       Nun mag  dieser Vergleich  erneut belegen, wie von "außen" Frage-
       stellungen und  Bestimmungen an die gewerkschaftliche Entwicklung
       in der  Bundesrepublik herangetragen  werden. Entscheidender noch
       scheint uns  zu sein,  daß der  selbst  gesteckte  Anspruch,  die
       "institutionelle Struktur" vor allem in ihrer "Filterwirkung" und
       "Verarbeitungsfunktion" von  "ökonomischer Lage, Interessenpoten-
       tial und  Betroffenheit" zu untersuchen, sich völlig verselbstän-
       digt hat.  So werden  die entscheidenden Veränderungen im Bewußt-
       sein von  Teilen der  Arbeiterklasse und  neue Momente in der ge-
       werkschaftspolitischen Entwicklung  überhaupt nicht  - auch nicht
       als Grundlage  für die  "institutionelle" Fragestellung  - unter-
       sucht. Der wesentliche Gesichtspunkt, daß in den sozialen Kämpfen
       1978 der  "soziale Konsens", der für Ideologie und Praxis der So-
       zialpartnerschaft und  von allen untersuchten Formen der Integra-
       tion bestimmend  ist, erstmalig in der Geschichte der BRD in grö-
       ßerem Umfang in Frage gestellt wurde, wird "vergessen".
       Warum dieses bisherige Modell sozialpartnerschaftlicher, institu-
       tionalisierter Konfliktregelung  in Frage  gestellt wurde, welche
       Perspektiven in dieser neuen Situation für die Gewerkschaftsbewe-
       gung liegen  und welche  Gegentendenzen sich entwickeln, wird von
       Müller-Jentsch nicht  analysiert. Untersuchungswert  wäre sicher-
       lich auch, ob und wie sich  i n n e r h a l b  des institutionel-
       len Rahmens  des "dualen  Systems" betrieblicher  und tariflicher
       Interessenvertretung neue Tendenzen - insbesondere in der Gewerk-
       schaftspolitik -  entwickeln, die  durch eine stärkere Einbindung
       der Betriebsräte  in eine  umfassende gewerkschaftliche Strategie
       Gefahren und  Schranken der juristischen und politischen Trennung
       von Betriebsrat  und Gewerkschaft überwinden und die Befriedungs-
       funktion der "Betriebsverfassung" neutralisieren können. 112)
       
       V. Die "Vergesellschaftungstendenz" als Rahmen
       ----------------------------------------------
       der Gewerkschaftsanalyse (Frank Deppe)
       --------------------------------------
       
       Als das  entscheidende Problem einer marxistischen Gewerkschafts-
       analyse erweist  sich die  Bestimmung der  Rolle und Funktion von
       Gewerkschaften in  den hochentwickelten  kapitalistischen Gesell-
       schaften. Erst  auf einer  solchen theoretischen Grundlage ist es
       möglich, aktuelle  Probleme einzuschätzen.  Perspektiven zu erar-
       beiten, Strategien wirklichkeitsnah zu diskutieren. An diesen Er-
       fordernissen scheitern  die bislang  geschilderten Analysen;  und
       zwar nicht  wegen noch ungenügender Forschungsintensität, sondern
       weil der  theoretische Ansatz ein Eindringen in die Probleme ver-
       baut.
       Vom ISF  werden zwar  die neuen, gegenüber früher veränderten Be-
       dingungen gewerkschaftlicher Existenz und Funktion analysiert und
       auf ihre  Folgen hin beschrieben. Gegenstand des Forschungsinter-
       esses ist  aber nurmehr der gesellschaftliche Überbau. Die Tatsa-
       che einer weitgehenden Einbindung westdeutscher Gewerkschaften in
       das Herrschaftssystem  wird als zwangsläufiges Ergebnis der kapi-
       talistischen Entwicklung  verabsolutiert.  Eine  fortschrittliche
       Perspektive wird  den Gewerkschaften als solchen nicht mehr zuge-
       sprochen.
       Voraussetzung für  eine Gewerkschaftstheorie,  die  marxistischen
       Kriterien standhält,  ist eine Analyse, die die heutige kapitali-
       stische Gesellschaft  insgesamt (also  Basis und Überbau) als Er-
       gebnis der Entwicklung der historisch-logischen Gesetzmäßigkeiten
       sowie in  ihrer  wechselseitigen  Beeinflussung  analysiert.  Die
       Theorie des  SMK ist unseres Erachtens allein in der Lage, die in
       dieser Hinsicht  gültigen Aussagen  und Erklärungen  der heutigen
       Phänomene zu  liefern. Wie eingangs schon geschildert, analysiert
       sie den  heutigen Kapitalismus  als das    w i d e r s p r ü c h-
       l i c h e  Ergebnis objektiver Entwicklungsgesetze.
       Auf der  einen Seite  herrscht nach  wie vor  das kapitalistische
       Privateigentum an  den Produktionsmitteln - mit allen Folgen, die
       schon Karl Marx analysiert hat. Andererseits haben die Produktiv-
       kräfte ein  Entwicklungsniveau erreicht,  das  schon  längst  die
       Sprengung der  Fesseln der  kapitalistischen  Produktionsverhält-
       nisse verlangt;  die private  Anwendung der Produktionsmittel ist
       ein Anachronismus geworden, der auch vom Kapitalismus selbst sei-
       nen  Tribut   fordert.  Dieser  "Tribut"  ist  die  Herausbildung
       g e s e l l s c h a f t l i c h e r   Formen auf  der  Basis  des
       Privateigentums an Produktionsmitteln. Das Monopol ist das Ergeb-
       nis dieser Tendenzen.
       Das Monopol ist gleichzeitig Ausdruck einer übergreifenden Verge-
       sellschaftungstendenz, die ebenfalls "eigentlich" dem Kapitalver-
       hältnis widerspricht.  Immer mehr gesellschaftliche Bereiche wer-
       den direkt  für die  materielle Produktion  relevant; das Monopol
       als ökonomisches und politisches Machtverhältnis verkörpert diese
       Tendenz. Die  Verschmelzung der  Macht der  Monopole mit  der des
       Staates im  SMK ist  Ausdruck des heute erreichten Niveaus dieser
       objektiven Entwicklung.  Was den heutigen Kapitalismus von dem zu
       Marx' Zeiten  unterscheidet, ist,  daß für  keinen relevanten Be-
       reich mehr  andere als gesellschaftliche Lösungen der Probleme in
       Frage kommen  - auch unter den Bedingungen der privatkapitalisti-
       schen Eigentumsverhältnisse.
       Dieses theoretische Grundkonzept bietet die Möglichkeit, die heu-
       tigen Erscheinungsformen  des Kapitalismus  voll anzuerkennen und
       zu akzeptieren,  gleichzeitig aber  auch ihre Widersprüchlichkeit
       und Perspektivlosigkeit zu begründen. Bei der Anwendung der Theo-
       rie auf ökonomische Teilfragen wurden in den letzten Jahren wich-
       tige Forschungsarbeiten  geleistet. Was  bisher weitgehend fehlt,
       ist die  Anwendung dieser Erkenntnisse auf gesellschaftliche Pro-
       bleme, die  über den  Bereich der  Ökonomie reichen. Konkret: wie
       kann man herausfinden, aufweichen Wegen und mit welchen Ergebnis-
       sen sich  die Veränderungen der ökonomischen Basis z.B. auf poli-
       tische Bewegungen  auswirken. Die  wichtigste Fragestellung zielt
       hierbei auf die Gewerkschaften.
       Erstmals hat  nun Frank  Deppe in  seinem jüngsten Buch 113) ver-
       sucht, die  bestehende Lücke  zu schließen, bzw. Anstöße für wei-
       tere Bemühungen hierzu zu geben. Er stellt fest, daß "die Behand-
       lung der  Gewerkschaftsfrage auf dem Boden der SMK-Theorie erheb-
       liche Lücken  und Defizite  auf(weist): Nach  wie vor  fehlt eine
       theoretische Durchdringung der Bedingungen für die Entstehung und
       die Auflösung  der verschiedenen Strömungen in der Gewerkschafts-
       bewegung, die oft nur beschrieben werden. Der gesamte Wirkungsme-
       chanismus des 'Eindringens bürgerlicher Ideologien' in die Arbei-
       terbewegung auf  der Basis  des Monopolisierungsprozesses und der
       Staatsintervention bleibt  oftmals unbegriffen.  Zugleich  fallen
       immer wieder  Unklarheiten und  Widersprüche bei  der Analyse der
       'gewerkschaftlichen Autonomie'  im Gesamtzusammenhang  der Arbei-
       terbewegung - namentlich bei der Analyse der Beziehungen zwischen
       Gewerkschaften und  politischen Parteien  der Arbeiterbewegung  -
       auf." 114)
       Deppes Untersuchung,  die hier  nur in  den Kernpunkten referiert
       werden kann, geht von der durch die SMK-Theorie analysierten Ver-
       gesellschaftungstendenz des  Kapitals aus:  "Der  kapitalistische
       Vergesellschaftungsprozeß hat  einen 'geschichtlichen  Reifegrad'
       erreicht, der  auch im  Interesse der  Sicherung der kapitalisti-
       schen Eigentumsverhältnisse, der weiteren Entwicklung der Produk-
       tivkräfte, in  zunehmendem Maße  gesellschaftliche  Lösungen  er-
       zwingt. Nur  der bürgerliche Staat kann solche allgemeinen Lösun-
       gen, die  immer auch  im Widerspruch zu Verwertungsinteressen von
       Einzelkapitalen bzw.  von  Kapitalfraktionen  stehen,  gewährlei-
       sten." 115)
       Diese Vergesellschaftungstendenz wirkt sich auch auf die Struktu-
       ren aus,  die nicht  direkt zum  politischen  Apparat  des  Herr-
       schaftssystems gehören, wohl aber gesellschaftliche Machtfaktoren
       sind: die Kapitalverbände 116) und die Gewerkschaften. Die Unter-
       nehmerverbände haben  einen enormen  Machtzuwachs  erfahren,  der
       nicht allein  aus der Abwehrfunktion gegen die erstarkten Gewerk-
       schaften begründbar  ist. Ihr  Wirken ist Ausdruck der Notwendig-
       keit des  bewußten Eingriffs  in gesellschaftliche  Abläufe;  sie
       sollen den  entscheidenden Einfluß des Großkapitals auf die Wirt-
       schafts-, Gesellschafts-  und Außenpolitik gewährleisten. Der po-
       litische Vergesellschaftungsprozeß  beschränkt sich nicht auf den
       "vorstaatlichen Bereich"  (Lobby usw.),  sondern durchdringt  das
       gesamte Herrschaftssystem. 117)
       Im gleichen  Rahmen wirken  die Gewerkschaften.  Hervorstechendes
       Merkmal ihrer  heutigen Stellung  ist die  Massenorganisation mit
       relativ stabilem  Mitgliederstamm und gesellschaftlicher Anerken-
       nung. 118) Wichtig ist, daß Deppe diesen Umstand nicht - wie etwa
       die ISF-Autoren  - "an  sich" schon  bewertet ("Ordnungsfaktor"),
       sondern zunächst  nur als  objektiven gesellschaftlichen Sachver-
       halt konstatiert,  dessen Ursachen zwar untersucht werden müssen,
       von dem jede Gewerkschaftspolitik jedoch auszugehen hat.
       Die Ursachen  für die  Herausbildung der  stabilen  Massengewerk-
       schaft werden  ebenfalls in  der Vergesellschaftungstendenz gese-
       hen. "Die  Arbeiterklasse ist die soziale Personifikation der ge-
       sellschaftlichen Produktivkraft  der Arbeit  und insofern  Träger
       des Vergesellschaftungsprozesses... Organisierung und kollektive,
       allgemeine Interessenvertretung  gegenüber dem  Kapital  und  dem
       bürgerlichen Staat  verwandeln  die  Ohnmacht  des  individuellen
       Lohnarbeiters   in    die       g e s e l l s c h a f t l i c h e
       M a c h t  der Organisation." 119)
       Die Entwicklung  der gesellschaftlichen Macht der Klasse begreift
       Deppe als  "die bewußte  Anwendung der Vergesellschaftungstendenz
       gegen das  Kapital". 120) Deshalb kann heute für die Gewerkschaf-
       ten nicht  die Verweigerung der Ausübung ihrer objektiven gesell-
       schaftlichen Rolle  zur Debatte  stehen; das  wäre nicht  nur un-
       realistisch, es  würde auch  dem Erfordernis einer Interessenver-
       tretung der  Mitglieder nicht gerecht. Die Frage, an deren Beant-
       wortung die  Politik der Gewerkschaften gemessen werden muß, lau-
       tet vielmehr: wie nimmt man die objektive Funktion wahr, wie rea-
       giert man  auf die Erfordernisse gesellschaftlicher Problemlösun-
       gen?
       Wenn es  den Gewerkschaften  gelingt, politische  Schritte durch-
       zusetzen, die  den Interessen  der Arbeiterklasse entgegenkommen,
       dann bleibt das kapitalistische System durchaus intakt, "und doch
       hat sich  in diesem System etwas verändert: Der Antagonismus zwi-
       schen der kapitalistischen Vergesellschaftungslogik (...) und den
       gesellschaftlichen  Bedürfnissen  der  Arbeiterklasse  tritt  als
       Machtkampf auf die Bühne der bürgerlichen Gesellschaft. Er greift
       verändernd in  die  Strukturen  dieser  Gesellschaft  ein.  Diese
       'beiden widerstreitenden  Logiken' bilden nach der Auffassung des
       italienischen Marxisten  und Sozialisten Lelio Basso zugleich die
       geschichtliche Struktur,  auf die sich die Strategie des Klassen-
       kampfes bewußt beziehen muß. Und diese antagonistische Logik gibt
       es in  der Tat  in der  kapitalistischen Gesellschaft: Es handelt
       sich um  die Logik  der Produktivkräfte. Der Kapitalismus ist bei
       Strafe seines  Unterganges gezwungen,  die Produktivkräfte  immer
       weiter zu  entwickeln, und  diese erlangen  so zunehmend  gesell-
       schaftlichen Charakter,  der sich  immer weniger mit den privaten
       Produktionsverhältnissen verträgt.  Das revolutionäre Handeln der
       Arbeiterklasse muß sich daher einfügen in diesen Prozeß der wach-
       senden Vergesellschaftung." 121)
       Vor dem  Hintergrund einer solchen Analyse werden gewerkschaftli-
       che Strategien  präziser faßbar. Der "Integrationismus" muß nicht
       mehr bloß  herrschaftstechnisch oder  verschwörertheoretisch  be-
       gründet werden, er ist aus den sozialökonomischen Strukturen her-
       aus erklärbar.  "Als, Integrationismus'  bezeichnen wir  zunächst
       einmal eine  gesellschaftspolitische Strategie, die in ihrem Kern
       darauf  abzielt,   die  'antagonistische  Logik'  von  Produktiv-
       kraftentwicklung  und  Produktionsverhältnissen,  von  Vergesell-
       schaftungsprozeß und  Profitprinzip, mit  dem Instrumentarium der
       klassenübergreifenden Konsensbildung  abzuschwächen und  in Über-
       einstimmung zu  bringen, um auf diese Weise das revolutionäre Po-
       tential des  Klassengegensatzes von  Kapital und Arbeit einzudäm-
       men." 122)
       Demgegenüber gewinnt die Gewerkschaftspolitik in dem Maß Klassen-
       autonomie, wie  sie die objektiven gesellschaftlichen Gesetze be-
       wußt im  Interesse der  Arbeiterklasse anwendet. Autonome Gewerk-
       schaftspolitik bedeutet  den Kampf  für politische  Maßnahmen, in
       denen die "Logik der Arbeiterklasse" bei der Lösung gesellschaft-
       licher Probleme  mit  zum  Tragen  kommt.  "Von  Klassenautonomie
       (kann) in  dem Maß  gesprochen werden, wie in den gewerkschaftli-
       chen Kämpfen  die allgemeinen  und einheitlichen  Interessen  der
       Lohnabhängigen als Klasseninteressen sich konkretisieren. Die Al-
       ternative besteht daher nicht zwischen der Realität der gefestig-
       ten Gewerkschaft'  und dem  Phantom der  'revolutionären  Gewerk-
       schaft'". 123)
       Gewerkschaftliche Autonomie  kann nach  diesem Verständnis  nicht
       einfach auf  die organisatorische  und politische Selbständigkeit
       der Gewerkschaften  gegenüber den politischen Parteien und staat-
       lichen Institutionen  reduziert werden, obwohl dies ein wichtiges
       Kriterium der Einheitsgewerkschaft ist. Der Autonomie-Begriff ist
       auch durch  die Postulierung  einer "Unabhängigkeit"  der gewerk-
       schaftlichen Basis gegen den "Apparat" oder die "Führung" fehlge-
       deutet. Er  erhält vielmehr  eine inhaltliche, nicht-formale Aus-
       weitung 124) und wird als umfassende Klassenautonomie verstanden,
       die sich  im Prozeß  der Vereinheitlichung  und Verallgemeinerung
       der Interessen der Arbeiterklasse entwickelt.
       Die Verteidigung  der Reproduktionsinteressen  der Arbeiterklasse
       muß von  dem prinzipiell  antagonistischen Charakter des Interes-
       sengegensatzes zwischen Kapital und Arbeit ausgehen, wenn sie die
       Unterordnung der  Interessen der Arbeiterklasse unter die kapita-
       listischen Gesamtinteressen  verhindern will. Im Kampf gegen eine
       solche Unterordnung  und in  der Auseinandersetzung mit den Inte-
       grationsstrategien entwickelt sich klassengewerkschaftliche Auto-
       nomie. Sie  bezieht damit  auch die  Gewerkschaftsbewegung in den
       Zusammenhang der antikapitalistischen Perspektive der Arbeiterbe-
       wegung ein.
       In dem  Maße, in  dem sich der gewerkschaftliche Kampf in die Ge-
       samtbewegung der  Arbeiterklasse einfügt, wird auch die traditio-
       nelle Trennung von ökonomischem und politischem Kampf überwunden.
       Das bedeutet  keine Verwischung der Funktionen von Gewerkschaften
       und politischen  Parteien der  Arbeiterklasse. Die Gewerkschaften
       vertreten die  Reproduktionsinteressen gegenüber  dem Kapital und
       dem Staat und organisieren dabei einen möglichst hohen Anteil der
       Arbeiterklasse, um  die Konkurrenz  zu überwinden und eine größt-
       mögliche gesellschaftliche  Macht zu repräsentieren. Diese Aufga-
       ben können  von keiner  anderen Organisation wahrgenommen werden.
       Die Einheitsgewerkschaft, in der ja verschiedene politische Strö-
       mungen (christliche, sozialdemokratische, sozialistische und kom-
       munistische) präsent sind, kann diese Aufgaben auch nur dann wir-
       kungsvoll wahrnehmen,  wenn sie  das einheitliche  Handeln  aller
       Mitglieder in  der praktischen Interessenvertretung herstellt. Je
       stärker jedoch  in der Entwicklung einer klassenautonomen Politik
       die gesellschaftspolitischen  "Gestaltungsfunktionen" der Gewerk-
       schaften in  den Vordergrund  treten, desto mehr "verringert sich
       die Distanz zwischen den gewerkschaftspolitischen und den partei-
       politischen Orientierungen und Entscheidungen". 125)
       "Einheitsgewerkschaftliche Autonomie  setzt daher  in der  Praxis
       einmal den  Erfolg selbständiger außer- bzw. vorparlamentarischer
       Mobilisierung und  Interessenvertretung voraus.  Zum ändern  kann
       sie sich  nur verwirklichen,  wenn der  Kampf um die Verbesserung
       der Reproduktionsbedingungen,  um die Kontrolle der Macht des Ka-
       pitals, um  die Demokratisierung der Gesellschaft sich im politi-
       schen Bereich,  im Kampf um die Veränderung des politischen Kräf-
       teverhältnisses umsetzt.  Es ist  zu vermuten, daß die politische
       Dynamik eines  solchen Prozesses  zugleich auf  die  existierende
       Parteienstruktur (vor  allem natürlich auf die innere Entwicklung
       der SPD, der die überwiegende Mehrzahl der aktiven Gewerkschafter
       angehört bzw.  anhängt) transformierend einwirken würde, denn die
       Veränderung des  Bewußtseins der  Lohnabhängigen, die eine solche
       Entwicklung zur  Voraussetzung hat und vorantreibt, kann sich na-
       türlich nicht  auf den Binnenraum gewerkschaftlicher Organisation
       und Praxis  beschränken. Diese spezifischen politischen Bedingun-
       gen -  d.h. die  im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern
       extrem schwache Position der politischen Kräfte der klassenbewuß-
       ten Arbeiterbewegung  - weisen  daher der Einheitsgewerkschaft in
       der BRD  eine besondere  Funktion für die Entwicklung des gesell-
       schaftlichen und  politischen Bewußtseins der Lohnabhängigen zu."
       126)
       Deppe ist  in der  Lage, mit seinem theoretischen Instrumentarium
       die Integrationsstrategie  der herrschenden  Klasse gegenüber den
       Gewerkschaften sowie  die Rolle der integrationistischen Strömung
       innerhalb der  Gewerkschaften einzuschätzen.  Die  weitestgehende
       Stufe der  Integration ist erreicht, wenn die Organisation in den
       Herrschaftsapparat eingegliedert  ist. "Der Integrationismus, der
       aus der  Arbeiterbewegung hervorgeht,  müßte unbegriffen bleiben,
       wenn er  lediglich als der politische Ausdruck des Hineindringens
       bürgerlicher Ideologien  in das Bewußtsein der Arbeiterklasse und
       die Politik  der Arbeiterbewegung  bestimmt würde.(...)  Die Wir-
       kungsweise solcher  Prozesse (kann)  nur dann richtig erfaßt wer-
       den, wenn die Frage beantwortet wird, welches die Voraussetzungen
       in den  Reproduktionsbedingungen und Bewußtseinsformen in der Ar-
       beiterklasse sind,  die in letzter Instanz dieses 'Hineindringen'
       bürgerlicher Ideologien  und Strategien ermöglichen. Die histori-
       sche und logische Grundlage des Integrationismus in der Arbeiter-
       bewegung ist  der Reformismus.  Der Integrationismus festigt sich
       in einem  Prozeß, in  dem die reformorientierte Tagespolitik' der
       Arbeiterbewegung, die sich auf dem Boden der herrschenden Ordnung
       vollzieht, sich  von dem sozialistischen Endziel' ablöst und ver-
       selbständigt." 127)
       Wenn  es   dem  Monopolkapital  gelingt,  durch  Monopolisierung,
       Staatseinmischung und  Integrationspolitik über  längere Zeit ge-
       sellschaftliche Lösungen  zu verwirklichen, die die "antagonisti-
       sche Logik"  obsolet erscheinen lassen, dann kann dies zu relativ
       stabilen sozialen  Verhältnissen führen.  Die Bundesrepublik  ist
       ein Beispiel  dafür. Die  Massenverankerung des  Integrationismus
       ist  dabei   nicht  allein   der  ideologische   Reflex  auf  die
       Verbesserung der  Lebensverhältnisse, sondern die Wirksamkeit ei-
       nes "spezifischen Typs bürgerlicher Hegemonie", der eine Konsens-
       bildung  bewirkte   und  sich   durch  die   "Verschmelzung   der
       'nationalen Frage'  mit dem  Antikommunismus und schließlich auch
       allen Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik festigte". 128)
       Erst diese  reaktionär-sozialpartnerschaftliche Konsensbildung  -
       und nicht  ursächlich Prozesse der Verrechtlichung, Bürokratisie-
       rung usw. - bewirkten den weitgehenden Verlust der Handlungsauto-
       nomie für  die Gewerkschaften.  Voraussetzung für  die Stabilität
       dieses Konsens ist aber ein entsprechender Spielraum der Monopol-
       bourgeoisie für  Zugeständnisse an  die Arbeiterklasse, d. h. die
       Kontinuität der  Kapitalakkumulation. Voraussetzung  ist außerdem
       die Dominanz  integrationistischer Kräfte  innerhalb der  Gewerk-
       schaften.
       Wird der  Verwertungsspielraum eingeschränkt, so verschärfen sich
       zahlreiche ökonomisch-soziale  Probleme (heute z.B. Rationalisie-
       rungen, Massenarbeitslosigkeit, Abqualifizierungen usw.), was die
       Integration erschwert.  Außerdem wird seitens des Monopolkapitals
       versucht, bestehende  Formen der  Integrationspolitik aufzukündi-
       gen. Die Verschärfung der Gegensätze zieht die Krise der integra-
       tionistischen Kräfte  in den  Gewerkschaften nach sich und belebt
       Diskussionen über  neue Orientierungen  der Politik.  Der Verlauf
       dieser Diskussionen  hängt nicht  zuletzt auch  davon ab, wie die
       Vertreter der  klassenorientierten Strömung in den Gewerkschaften
       es verstehen,  alternative Vorschläge  für die Lösung anstehender
       Probleme, d.h.  die Konkretisierung  der "antagonistischen Logik"
       zu leisten. Der aktuelle Ansatzpunkt der Betonung einer autonomen
       Politik in den innergewerkschaftlichen Diskussionen zeigt sich z.
       B. in  der Orientierung  auf die - eigene Kraft" der Gewerkschaf-
       ten, die - wie die Erfahrungen der letzten Jahre belegen - zu ei-
       ner Aktivierung tarifpolitischer Initiativen und der Stärkung der
       Kampffähigkeit beitragen kann. In dem Maße allerdings, in dem die
       gesellschaftspolitische Qualität  der kämpferischen  Auseinander-
       setzungen um  die Bedingungen der Einführung neuer Techniken, der
       Arbeitsplatzsicherung  und  Verbesserung  von  Arbeitsbedingungen
       sichtbar wurde  und die Entwicklung wirtschaftspolitischer Alter-
       nativen zur  Strategie des  Kapitals und Staates förderte, werden
       auch Gegentendenzen  innerhalb der Gewerkschaftsbewegung stärker,
       die eine kritischere Distanz zur offiziellen SPD- und Regierungs-
       politik und eine Stärkung klassenautonomer Kräfte verhindern wol-
       len.
       Es ist  ein Verdienst von Deppes Arbeit, daß sie die Verbindungs-
       glieder zwischen  der sozialökonomischen  Analyse des SMK und den
       politischen Analysen  zur  Gewerkschaftsfrage  aufdeckt  und  die
       Richtung zeigt,  in die  weiter geforscht werden muß. Denn natür-
       lich ist Deppes Buch keine abschließende Aussage, die alle Fragen
       beantwortet.
       Notwendig wäre  es z.B.,  neueste Ergebnisse  der SMK-Analyse auf
       wirtschaftspolitischem Gebiet  einzubeziehen. Die  Entwicklung in
       den hochentwickelten  kapitalistischen  Ländern  nach  der  Krise
       1974/75 hat  gezeigt, daß  es zwei Grundlinien staatsmonopolisti-
       scher Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik gibt, die sich an der
       unterschiedlichen Gewichtung  der kurzfristigen  Profitinteressen
       bzw. der längerfristigen Systeminteressen festmachen lassen. 129)
       Beide "Linien"  (die in  der Praxis  natürlich nie in reiner Form
       auftreten) sind  Varianten staatsmonopolistischer  Politik, d. h.
       der politische  Vollzug der  Profitinteressen der  Monopole.  Sie
       sind insofern nicht gleichzusetzen mit den bei Deppe diskutierten
       "antagonistischen Logiken". Trotzdem bedeutet die privatmonopoli-
       stische Entwicklungsvariante, wie sie in der BRD vorherrscht, den
       Frontalangriff auf  die Interessen  der Arbeiterklasse.  Auch die
       stärkere  Betonung  längerfristiger  Systeminteressen  zu  Lasten
       kurzfristiger Profitmöglichkeiten kommt den Reproduktionsinteres-
       sen der  Arbeiterklasse entgegen  . Andererseits  würde die  aus-
       schließliche Orientierung gewerkschaftlicher Forderungen auf sol-
       che staatliche Lösungen noch nicht die Gewinnung von Klassenauto-
       nomie bedeuten.  Diese Probleme  bedürfen noch genauerer Untersu-
       chungen.
       Ein anderes  Problem, auf  das Deppe hinweist, ohne schon ausrei-
       chende Antworten geben zu können, ist das Verhältnis zwischen den
       Gewerkschaften und  den politischen  Parteien der Arbeiterklasse,
       insbesondere der  kommunistischen Partei.  Je mehr die Vergesell-
       schaftungstendenzen die  Gewerkschaften  zwingen,  von  sich  aus
       fortschrittliche Problemlösungen  zu praktisch allen sozialökono-
       mischen Fragen  zu erarbeiten, desto schwieriger wird die theore-
       tische Abgrenzung ihrer Funktionen zu denen der politischen Orga-
       nisationen. Das  gilt besonders  für ein Land, in dem das Prinzip
       der Einheitsgewerkschaft besteht. Hier wird die politische Praxis
       "Lehrmeister" der  Wissenschaft sein  müssen, denn mit abstrakten
       Strukturanalysen wird  dem  Problem  bestimmt  nicht  beizukommen
       sein.
       Deppes Arbeit  zeigt, daß die SMK-Theorie als einzige in der Lage
       ist, die  Fragen, vor  die sich  die Gewerkschaftsforschung heute
       gestellt sieht,  wissenschaftlich fundiert  zu  beantworten.  Daß
       hier in der Vergangenheit Versäumnisse vorliegen, soll nicht ver-
       schwiegen werden.  Allerdings hängt  der Grad  der Verallgemeine-
       rung, den  die Praxis  in der Wissenschaft erfährt, auch vom Ent-
       wicklungsniveau dieser Praxis ab. Die Zuspitzung der Widersprüche
       und der  Klassenkämpfe, damit  verbunden auch  eine  Klärung  der
       Fronten, und  im Zuge  einer solchen Entwicklung die Stärkung der
       an den  Klasseninteressen orientierten Kräfte in den Gewerkschaf-
       ten war  eine Voraussetzung für die Vertiefung der Gewerkschafts-
       theorie. Von einigen der oben besprochenen Arbeiten sind wichtige
       Impulse für  die Intensivierung  der Forschung  auf diesem Gebiet
       gegeben worden,  auch wenn  die unzureichenden theoretischen Prä-
       missen ein  Durchdringen der Problematik verhinderten. Zweifellos
       wird die Fortsetzung der Arbeiten an marxistischer Gewerkschafts-
       analyse auch für die weitere Entwicklung der Gewerkschaften, ins-
       besondere für  die um  eine konsequente  Klassenpolitik  bemühten
       Kräfte von Bedeutung sein.
       
       _____
       1) Vgl. speziell zu letzterer Problematik: Jörg Goldberg, Gewerk-
       schaften als Unternehmer. Grenzen und Möglichkeiten ihrer gesell-
       schaftspolitischen Wirksamkeit; Diss. Köln 1974.
       2) Nur um diese geht es bei gewerkschaftstheoretischen Diskussio-
       nen mit  marxistischem Anspruch,  Spaltervereine wie der CGB oder
       Standesorganisationen à  la DAG  und DBB spielen keine Rolle, von
       Erscheinungen wie  der  ominösen  "Deutschen  Steuergewerkschaft"
       ganz zu schweigen.
       3) Autorenkollektiv, Imperialismus  heute, 1.  Aufl. Berlin 1965.
       Dieser Ansatz  wurde in  dem 1970  veröffentlichten Nachfolgeband
       'Der Imperialismus der BRD' weiterentwickelt.
       4) Imperialismus heute, a.a.O., S. 686; vgl. auch S. 691 f.
       5) Marxistische Studiengemeinschaft  Düsseldorf (Hrsg.), Marx und
       die Gewerkschaften heute, Frankfurt/Main 1969.
       6) Werner Petschick  u.a., Der  gewerkschaftliche Kampf der west-
       deutschen Arbeiterklasse,  in: Das Argument 62, Dez. 1970, S. 822
       ff.
       7) IMSF (Hrsg.),  Ökonomische Theorie,  politische Strategie  und
       Gewerkschaften, Frankfurt  1971. Hier  vor allem  das Referat von
       Josef Schleifstein,  Neoreformistische Theorien  und einige  Pro-
       bleme der  Strategie der Arbeiterbewegung, S. 56-74. Beispiel für
       das Aufleben  neoreformistischer Positionen  war die  starke Auf-
       nahme und  Diskussion von  Schriften von André Gorz gerade in Ge-
       werkschaftsverlagen und -publikationen. Bemerkenswert ist in die-
       sem Zusammenhang  auch die Tagung des Bundesvorstandes des DGB im
       März  1970  in  Bad  Kreuznach  zum  Thema  "Gewerkschaftstheorie
       heute", auf  der unter anderem Ernest Mandel referierte. Vgl. Re-
       ferate und  Bericht in: Gewerkschaftliche Monatshefte, H. 6/1970,
       S. 328 ff.
       8) Kurt  Schumacher,  Partnerschaft  oder  Mitbestimmung,  Berlin
       (DDR) 1967;  Frank Deppe  u. a., Kritik der Mitbestimmung - Part-
       nerschaft oder Klassenkampf, Frankfurt / Main 1969; IMSF (Hrsg.),
       Mitbestimmung als Kampf aufgäbe (Beiträge des IMSF 2), Köln 1971.
       9) IMSF (Hrsg.), Die Septemberstreiks 1969 (Beiträge des IMSF 1),
       Frankfurt/Main 1969.
       10) Neben der  Analyse der "Septemberstreiks" handelte es sich um
       folgende Einzelpublikationen:
       - Über die  Streiks in der chemischen Industrie im Juni/Juli 1971
       in einigen  Zentren der  Tarifbewegung in  Hessen  und  Rheinland
       (IMSF-Informationsbericht 7;  Verfasser J.H. v. Heiseler, M. Hei-
       seler, A. Leisewitz, Frankfurt 1972).
       - Streiks in  der Bundesrepublik 1966"1974 (Verfasser Kurt Stein-
       haus, Frankfurt/Main 1975).
       - Betriebsbesetzung  -  eine  Kampfform  zur  Sicherung  der  Ar-
       beitsplätze (IMSF-Informationsbericht  21; Verfasser H. Bär u.a.,
       Frankfurt/Main 1976).
       - Der  Arbeitskampf   in  der  Druckindustrie  im  Frühjahr  1976
       (Soziale Bewegungen  I; Verfasser B. Güther, K. Pickshaus, Frank-
       furt 1976).
       - Tarifbewegungen und  Arbeitskämpfe 1976/77  (Soziale Bewegungen
       III; Verfasser K. Pickshaus u.a., Frankfurt/Main 1977).
       - Stahlkrise an  der Saar  - ein  Kampf um Arbeitsplätze (Soziale
       Bewegungen IV;  Verfasser A.  Lenhardt, G.  Weiß,  Frankfurt/Main
       1978).
       - Arbeitskämpfe '77  (Soziale Bewegungen  V; Verfasser G. Hautsch
       u.a., Frankfurt/Main 1978).
       - Streik und  Aussperrung 1978  (Soziale Bewegungen VI; Verfasser
       K. Pickshaus,  W. Roßmann,  Frankfurt/Main 1978).  Auf die Ergeb-
       nisse dieser  Analysen stützen  sich u.a.  die diesem Artikel zu-
       grunde  liegenden  Überlegungen  zur  Gewerkschaftstheorie.  Vgl.
       auch: Von  "Die Septemberstreiks '69" zu "Soziale Bewegungen, in:
       10 Jahre  IMSF - Marxistische Forschung für die Arbeiterbewegung,
       Frankfurt/Main 1978, S. 26-31.
       11) Michael Schumann, Frank Gerlach, Albert Gschlössl, Petra Mil-
       hoffer, Am  Beispiel der Septemberstreiks. Anfang der Rekonstruk-
       tionsperiode der Arbeiterklasse? Frankfurt/Main 1971.
       12) Willi Dzielak,  Wolfgang  Hindrichs,  Helmut  Markus,  Verena
       Stanislawski, Wolfram  Wassermann, Belegschaften und Gewerkschaft
       im Streik,  Am Beispiel  der chemischen  Industrie, Frankfurt/New
       York 1978;  und Willi Dzielak, Wolfgang Hindrichs, Helmut Markus,
       Den Besitzstand  sichern! Der Tarifkonflikt 1978 in der Metallin-
       dustrie Baden-Württembergs, Frankfurt/New York 1979.
       13) Institut zur  Erforschung sozialer Chancen, Die Tarifbewegung
       1976 in der Druckindustrie, Köln 1976.
       14) In  der  Zeitschrift  "Probleme  des  Klassenkampfes"  (West-
       berlin), sowie  in  deren  Vorläufer  -  Sozialistische  Politik"
       (Hefte 1-10)  wurden zu  Fragen der Gewerkschaftstheorie und ver-
       wandter Gebiete  Artikel von  Autoren mit  variierenden theoreti-
       schen Ansätzen  veröffentlicht, die  im analytischen  Grundmuster
       jedoch übereinstimmen.  Als erstes  erschien in SOPO 6-7/1970 von
       Wolfgang Müller und Christel Neusüß "Die Sozialstaatsillusion und
       der Widerspruch  von Lohnarbeit  und Kapital".  Ein  "Redaktions-
       kollektiv Gewerkschaften"  brachte in  PROKLA 2/1972  "Thesen zur
       Gewerkschaftsanalyse" heraus sowie in PROKLA 13/1974 "Bedingungen
       sozialistischer Gewerkschaftspolitik"  (weitere Artikel in PROKLA
       3/72,  4/72,  5/72,  8-9/73,  10/73  und  19"21/75).  Schließlich
       schrieben Bernhard  Blanke, Ulrich Jürgens und Hans Kastendiek in
       PROKLA 14-15/1974  "Zur neueren marxistischen Diskussion über die
       Analyse  von   Form  und   Funktion  des   bürgerlichen  Staates"
       (dieselben  Autoren  veröffentlichten  1975  auch  ein  Buch  zum
       Thema). Alle  diese Ansätze  gehen von  der "Staatsableitung" aus
       der Warenproduktion  aus. Die  rigideste  Position  enthielt  der
       Aufsatz von  Müller/Neusüß, die  jede Art  von gewerkschaftlicher
       Forderung an den Staat für illusionär und gefährlich und die Zer-
       schlagung des  Staates als  einzig legitimes Ziel erklärten. Ähn-
       lich, wenn  auch etwas  differenzierter,  argumentierten  Blanke/
       Jürgens/Kastendiek, die  gleichzeitig einen  Funktionswandel  der
       Gewerkschaften  in   staatsähnliche  Repressionsorgane   glaubten
       erkennen zu  können. Das "Redaktionskollektiv Gewerkschaften" be-
       trachtete die  zyklischen Krisen als das Medium zur Durchbrechung
       der "Sozialstaatsillusion" und des Reformismus. Auf diese theore-
       tischen Arbeiten  wird hier  nicht weiter  eingegangen, weil  sie
       schon Jahre zurückliegen, vor allem aber weil sie so abstrakt an-
       gelegt sind,  daß Fragen  zu den  aktuellen Problemen der Gewerk-
       schaftstheorie gar  nicht gestellt,  geschweige denn  beantwortet
       werden. Einen Beitrag zu den Diskussionen, die heute geführt wer-
       den müssen, stellen sie nicht dar.
       15) Evelies Mayer,  Theorien zum Funktionswandel der Gewerkschaf-
       ten, Frankfurt/Main 1973.
       16) Joachim Bergmann/Otto  Jacobi/Walther Müller-Jentsch, Gewerk-
       schaften in  der Bundesrepublik  I, Frankfurt/Köln  1975; Joachim
       Bergmann/Walther Müller-Jentsch,  Gewerkschaften in der Bundesre-
       publik, Bd.  2: Gewerkschaftliche  Lohnpolitik im  Bewußtsein der
       Funktionäre, Frankfurt/Main 1977.
       17) Dietrich Hoß,  Die Krise  des "Institutionalisierten Klassen-
       kampfes". Metallarbeiterstreik  in Baden-Württemberg 1963, Frank-
       furt/Köln 1974;  Rainer Deppe/Richard Herding/Dietrich Hoß, Sozi-
       aldemokratie und Klassenkonflikte, Frankfurt/New York 1978.
       18) Otto Jacobi/Walther  Müller-Jentsch/Eberhard Schmidt, Gewerk-
       schaften und  Klassenkampf" Kritisches  Jahrbuch,  Frankfurt/Main
       1972 (jährlich bis 1975), dann: Kritisches Gewerkschaftsjahrbuch,
       Berlin (West) 1978 ff.
       19) Projektgruppe Gewerkschaftsforschung,  Die Austauschbeziehun-
       gen zwischen Kapital und Arbeit im Kontext der sozio-ökonomischen
       Entwicklung, Zwischenbericht  1976 -  Erster  Teil:  Theoretische
       Vorarbeiten und Zweiter Teil: Methodische Vorarbeiten, Empirische
       Analysen, Frankfurt/Main  1976; dies., Tarifpolitik unter Krisen-
       bedingungen,  Frankfurt/Main   1977;  dies.,  Tarifpolitik  1977,
       Frankfurt/New York 1978.
       20) Joachim Bergmann  (Hg), Beiträge  zur Soziologie  der Gewerk-
       schaften, Frankfurt/Main 1969.
       21) N. Auerbach,  Marx und die Gewerkschaften, Berlin und Leipzig
       1922, und A. Losowski, Marx und die Gewerkschaften, Zürich 1934.
       22) Walther Müller-Jentsch, Materialien zur Gewerkschaftstheorie,
       in:  Gesellschaft.  Beiträge  zur  Marxschen  Theorie  3,  Frank-
       furt/Main 1975, S. 27 ff.
       22a) Das Buch  von Rainer  Zoll (Der  Doppelcharakter der Gewerk-
       schaften, Frankfurt/Main  1976) ist ein extremes Beispiel für das
       dogmatische Verfahren,  Marx-Zitate als  Etikett der heutigen Re-
       alität zu  benutzen. Er  referiert Aussagen von Karl Marx zur Ge-
       werkschaftsfrage, stellt  daneben Beispiele  von heute und unter-
       stellt: So  ist es  immer noch.  Die Gewerkschaftsanalyse wird in
       Analogien aufgelöst.  Dieses "Verlängerungsverfahren" (W. Müller-
       Jentsch) hat  mit produktiver  Forschungsarbeit so  wenig zu tun,
       daß sich  eine eingehendere  Auseinandersetzung an  dieser Stelle
       erübrigt. Zur  Kritik von  Zolls Marx-Interpretationen vgl. Frank
       Deppe, Autonomie und Integration - Materialien zur Gewerkschafts-
       analyse, Marburg 1979, S. 99 ff.
       23) Die Arbeiten  des PKA  zur Gewerkschaftstheorie  werden  hier
       nicht berücksichtigt.  1976 erschien "Marxistische Gewerkschafts-
       theorie. Eine  Einführung", 1979 die Untersuchung "Gesellschafts-
       bewußtsein und  Gewerkschaften", außerdem eine Reihe von Artikeln
       in der  Zeitschrift "Beiträge zum wissenschaftlichen Sozialismus"
       (u.a. Hefte  17/1978 und  21/1979). Ähnlich  wie die  Autoren aus
       PROKLA geht das PKA von einer ahistorischen Betrachtungsweise der
       gesellschaftlichen   Entwicklung    aus.   Die    kapitalistische
       Gesellschaftsformation wird als ein sich auf immer gleicher Ebene
       reproduzierender   Kreislauf   betrachtet;   innere   qualitative
       Veränderungen (vor  allem der  Übergang zum  Monopolkapitalismus)
       werden bestritten.  Veränderte geschichtliche Existenzbedingungen
       z. B.  der Gewerkschaften sind daher kein Untersuchungsgegenstand
       (weshalb das  PKA auch  kein Wort zu den historischen Erfahrungen
       der Arbeiterbewegung verliert). Vielmehr werden - ähnlich wie bei
       Zoll -  Aussagen von  Marx  abstrakt  auf  die  heutige  Realität
       übertragen. Die  Gewerkschaftsgeschichte wird  als ein Prozeß der
       notwendigen  Höherentwicklung   des  Arbeiterbewußtseins   inter-
       pretiert, der  sich wiederum  aus der Erkenntnis entsprechend dem
       Ausmaß der  Entfaltung der  kapitalistischen Widersprüche speise.
       Auf diese  Weise wird  einem ideologischen Determinismus das Wort
       geredet:  die   Verschärfung  der   Widersprüche  müsse  zur  Ra-
       dikalisierung der  Arbeiterklasse nach  links führen.  Auf dieser
       Grundlage ist  eine Auseinandersetzung  mit verschiedenen ideolo-
       gisch-politischen Strömungen  innerhalb der  Gewerkschaften nicht
       mehr möglich:  Die jeweilige  Gewerkschaftspolitik erscheint  als
       Reflex der ideologischen Situation an der Basis. Das PKA ist des-
       halb nicht  in der  Lage, Orientierungen zur Gewerkschaftspolitik
       zu erarbeiten.  Allenfalls sieht man seine Aufgabe darin, den Ge-
       werkschaften die Problemkreise zu nennen, die sie bewältigen müß-
       ten. De facto wird die derzeit vorherrschende integrationistische
       Strömung in  den Gewerkschaften  beschönigt und entschuldigt. Das
       PKA hat zwar bei bestimmten Einzelfragen (z.B. Gewerkschaftsbüro-
       kratie) sektiererische Standpunkte vermieden, ist jedoch nicht in
       der Lage,  zu den heute anstehenden Fragen diskutierenswerte Ant-
       worten zu geben.
       24) Georg Fülberth,  Probleme der  Gewerkschaften in  der Theorie
       von Karl  Marx und  Friedrich Engels, in: F. Deppe u. a. (Hrsg.),
       Geschichte der  deutschen Gewerkschaftsbewegung, Köln 1977, S. 32
       ff.
       25) Frank Deppe, Autonomie und Integration, a.a.O.
       26) Die potentielle  politische Brisanz einer solchen notwendigen
       Diskussion wird  durch den  Konflikt um die "Geschichte der deut-
       schen Gewerkschaftsbewegung"  demonstriert, in  dem ein theoreti-
       scher Meinungsstreit  von interessierter Seite politisch funktio-
       nalisiert wurde,  um Kritik  an sozialpartnerschaftlicher Politik
       und Ideologie  in Geschichte  und Gegenwart  einzudämmen. Vgl. zu
       dieser Diskussion Frank Deppe/Georg Fülberth/Jürgen Harrer, Aktu-
       elle Probleme  der Geschichtsschreibung der Arbeiter- und Gewerk-
       schaftsbewegung (I  + II),  in: Blätter für deutsche und interna-
       tionale Politik, H. 4/1979, S. 488-498 und H. 5/1979, S. 569-596.
       27) Zur gewerkschaftlichen  Programmdiskussion vgl.  den  Beitrag
       von Frank  Deppe und  die Dokumente  in: IMSF (Hrsg.), DGB wohin?
       Dokumente zur  Programmdiskussion, eingeleitet  von Frank  Deppe,
       Frankfurt/Main 1978. (Zur Tätigkeit des WSI vgl. auch den Beitrag
       von Klaus Priester in diesem Band.)
       28) Evelies Mayer, Theorien..., a.a.O.
       29) ebenda, S. 17.
       30) ebenda, S. 114.
       31) vgl. hierzu  Heinz Jung,  Die privatmonopolistische  Entwick-
       lungsvariante des  staatsmonopolistischen Kapitalismus  der  BRD:
       Voraussetzungen, Inhalt, Perspektiven. Entwicklungstendenzen 1973
       bis 1978,  in: Marxistische  Studien, Jahrbuch  des IMSF  1/1978,
       Frankfurt/M. 1978, S. 9 ff.
       32) Evelies Mayer, Theorien..., a.a.O., S. 109.
       33) ebenda, S. 149 f.
       33a) Karl Marx,  Lohn, Preis und Profit, in: Karl Marx, Friedrich
       Engels, Werke Bd. 16, S. 149.
       34) Joachim Bergmann/Otto  Jacobi/Walther Müller-Jentsch, Gewerk-
       schaften in  der  Bundesrepublik.  Gewerkschaftliche  Lohnpolitik
       zwischen  Mitgliederinteressen  und  ökonomischen  Systemzwängen,
       a.a.O.
       35) ebenda, S. 16.
       36) ebenda, S. 18.
       37) Frank Deppe,  Autonomie und Integration, a. a. O., S. 91. Auf
       diese Studie wird noch ausführlich eingegangen werden...
       38) ebenda, S. 98.
       39) Bergmann u.a., a.a.O., S. 20.
       40) Franz Neumann,  Koalitionsfreiheit und Reichsverfassung, Ber-
       lin 1932, S. 3, zit. n. Bergmann u.a., a.a.O., S. 389 (Anm. 28 zu
       Kap. I).
       41) Bergmann u.a., a.a.O., S. 21 und 270 ff.
       42) Projektgruppe Gewerkschaftsforschung,  Die Austauschbeziehun-
       gen zwischen  Kapital und  Arbeit..., Erster  Teil, a.  a. O., S.
       119/120.
       43) Bergmann u.a., a.a.O., S. 22.
       44) Theodor Geiger,  Die  Klassengesellschaft  im  Schmelztiegel,
       Köln-Hagen 1949.
       45) Bergmann u.a., a.a.O., S. 23.
       46) ebenda, S. 24.
       47) Vgl. H. Weitbrecht, Effektivität und Legitimität der Tarifau-
       tonomie, Berlin (West) 1969.
       48) Projektgruppe Gewerkschaftsforschung,  Die Austauschbeziehun-
       gen..., Erster Teil, a.a.O., S. 27.
       49) ebenda, S. 26. Vgl. dagegen S. 165 ff.
       50) ebenda, S. 29.
       51) Frank Deppe, a.a.O., S. 85.
       52) Vgl. zum  Beispiel K.  Schumacher, Partnerschaft  oder Mitbe-
       stimmung, a.a.O.  und IMSF  (Hrsg.), Mitbestimmung  als Kampfauf-
       gabe, a.a.O.  Diese Untersuchungen werden von den Autoren des ISF
       nicht zur Kenntnis genommen.
       53) IMSF (Hrsg.), Mitbestimmung als Kampfaufgabe, a.a.O., S. 29.
       54) Autorenkollektiv, Spätkapitalismus  ohne Perspektive,  Frank-
       furt/Main, 1970, S. 229.
       55) ebenda, S. 232.
       56) Mitbestimmung als Kampfaufgabe, a.a.O., S. 38.
       57) Bergmann u.a., a.a.O., S. 24 ff., S. 117/8.
       58) Walther Müller-Jentsch,  Zum Verhältnis von Staat und Gewerk-
       schaften, in: Elmar Altvater u. a., Rahmenbedingungen und Schran-
       ken staatlichen  Handelns -  10 Thesen,  Frankfurt/Main 1976,  S.
       152.
       59) ebenda, S. 153.
       60) Bergmann u.a., a.a.O., S. 27.
       61) ebenda, S. 18.
       62) Heinz Jung,  Monopol - Wirtschaftskrise - Wirtschaftspolitik.
       Aktuelle Gesichtspunkte, in: IMSF (Hrsg.), Das Monopol - ökonomi-
       scher Kern  des heutigen  Kapitalismus, Frankfurt/Main  1976,  S.
       190.
       63) In einer  jüngeren Arbeit  sieht Müller-Jentsch auch wichtige
       Konfliktfelder in  der Auseinandersetzung um staatliche Reformpo-
       litik, das Mitbestimmungsgesetz sowie die staatliche Wirtschafts-
       politik, ohne  dies allerdings  genauer auszuführen. Walther Mül-
       ler-Jentsch, Die Neue Linke und die Gewerkschaften, in: Das Argu-
       ment 107, S. 27.
       64) Frank Deppe, a.a.O., S. 187.
       65) ebenda, S. 185.
       66) Bergmann u.a., a.a.O., S. 20.
       67) ebenda.
       68) Walther Müller-Jentsch,  Die Neue  Linke und die Gewerkschaf-
       ten, a.a.O., S. 25.
       69) ebenda, S. 17.
       70) Bergmann u.a., a.a.O., S. 11 und 28.
       71) ebenda, S. 28.
       72) ebenda.
       73) ebenda, S. 33 und 32.
       74) ebenda.
       75) Frank Deppe, a. a. O., S. 184.
       76) Rainer Erd, Der Arbeitskampf in der Druckindustrie 1976 - ein
       politischer Streik, in: Leviathan, H. 4/1976, S. 517.
       77) Bergmann u.a., a.a.O., S. 260.
       78) ebenda, S. 263.
       79) R. Erd, a.a.O., S. 518/9.
       80) ebenda, S. 520.
       81) Projektgruppe Gewerkschaftsforschung.  Die Austauschbeziehun-
       gen..., Zweiter Teil, a.a.O., S. 332/3.
       82) Vgl. hierzu  B. Güther/K.  Pickshaus, Der Arbeitskampf in der
       Druckindustrie  im  Frühjahr  1976,  Soziale  Bewegungen,  Frank-
       furt/Main 1976, S. 58 ff.
       83) Bergmann u.a., a.a.O., S. 29.
       84) ebenda, S. 317 ff., 321 ff. und 326 ff.
       85) ebenda, S. 31.
       86) Vgl. K.  Pickshaus, Krisenbedingungen  und Arbeitskämpfe. Zur
       Entwicklung sozialer  Kämpfe in der Bundesrepublik 1975 bis 1978,
       in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 1/1978, S. 242 ff.
       87) Bergmann u.a.,  a.a.O., 2.  Auflage Frankfurt/Main  1976,  S.
       420.
       88) Bergmann u.a., a.a.O., (1. Auflage) S. 34.
       89) ebenda. Auch  in keiner  anderen Publikation  dieser Autoren-
       gruppe wird dies erläutert.
       90) ebenda, S. 335.
       91) Frank Deppe, a.a.O., S. 186.
       92) Projektgruppe Gewerkschaftsforschung,  Die Austauschbeziehun-
       gen..., Erster Teil, a.a.O., S. V.
       93) ebenda, S. VI.
       94) ebenda, S. 15.
       95) ebenda, S. 16.
       96) ebenda.
       97) Walther   Müller-Jentsch   (Projektgruppe   Gewerkschaftsfor-
       schung), Neue  Konfliktpotentiale und institutionelle Stabilität.
       Die Austauschbeziehungen  zwischen Kapital und Arbeit in der Bun-
       desrepublik seit  dem Ende  der sechziger  Jahre, Referat auf dem
       19.  Deutschen   Soziologentag  in   Berlin  (West),  April  1979
       (vervielfältigtes Manuskript), S. 1.
       98) ebenda, S. 1/2.
       99) ebenda, S.  17. Dies trifft sicherlich auch in manchen Fällen
       zu.
       100) ebenda, S. 4.
       101) ebenda, S. 16.
       102) Wie die  organisationssoziologische Einengung  von Fragen zu
       einer rein  technokratischen Position  geraten kann, demonstriert
       Wolfgang Streeck, Gewerkschaften als Mitgliederverbände. Probleme
       gewerkschaftlicher Mitgliederrekrutierung,  in: Joachim  Bergmann
       (Hrsg.), Beiträge  zur Soziologie  der Gewerkschaften, a.a.O., S.
       72 ff.  Den Mitgliederzuwachs  der Gewerkschaften seit Beginn der
       siebziger  Jahre   erklärt   er   aus   den   Verwaltungsreformen
       (Umstellung auf  EDV-Kassierung etc.)  vieler Gewerkschaften  und
       dem "Übergang  zur sozial-liberalen  Koalition". S.  86 ff. Einen
       unmittelbaren Zusammenhang  mit der  anwachsenden  Streikbewegung
       und der  Aktivierung der  Tarifpolitik seit  1969 schließt er aus
       (S. 91).
       103) Müller-Jentsch, Neue Konfliktpotentiale..., a.a.O., S. 17.
       104) Vgl. Frank  Deppe, Zu  einigen Problemen  der Bestimmung des
       gegenwärtigen gewerkschaftlichen  und politischen Bewußtseins der
       Arbeiterklasse der  BRD, in:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des
       IMSF 1/1978, S. 305 ff. und K. Pickshaus / W. Roßmann, Streik und
       Aussperrung '78.  Hafen-Druck-Metall, Soziale  Bewegungen, Frank-
       furt/Main 1978, S. 28 ff. und S. 52 ff.
       105) Müller-Jentsch, Neue Konfliktpotentiale..., a.a.O., S. 14.
       106) Vgl. hierzu und zur Kritik an anderen Erklärungsversuchen K.
       Pickshaus / W. Roßmann, Arbeitskämpfe 1978: Ursachen - Probleme -
       Perspektiven, in: SOPO 46/1978, S. 16 ff.
       107) Vgl. Frank  Deppe, Autonomie...,  a. a.  O., S.  17 ff.  und
       Pickshaus/Roßmann, Arbeitskämpfe 1978, a. a. O., S. 20 ff. In den
       Analysen der  Projektgruppe Gewerkschaftsforschung  werden solche
       politischen Fragen generell vernachlässigt. Die Massenaussperrun-
       gen 1978/79 werden bei Müller-Jentsch nur am Rande erwähnt.
       108) Heinz Jung,  Die privatmonopolistische  Entwicklungsvariante
       des staatsmonopolistischen  Kapitalismus der  BRD, a.a.O.,  S. 49
       ff.
       109) Müller-Jentsch, Neue Konfliktpotentiale..., a.a.O., S. 15.
       110) Zur problematischen  Bewertung der "qualitativen" Tarifpoli-
       tik,  vgl.  Pickshaus/Roßmann,  Arbeitskämpfe  1978,  a.a.O.,  S.
       22/23.
       111) Müller-Jentsch, Neue Konfliktpotentiale..., a. a. O., S. 18.
       112) Vgl. hierzu  die Hinweise  bei Rolf  Geffken, Gewerkschaften
       und Arbeitsrecht, in: SOPO 44/1978, S. 56 ff.
       113) Frank Deppe, Autonomie..., a.a.O.
       114) ebenda, S. 143.
       115) ebenda, S. 157.
       116) Walter Simon  analysiert auf  der Grundlage des Monopolisie-
       rungsprozesses die  Funktion der Kapitalverbände im staatsmonopo-
       listischen Herrschaftssystem.  Auch für  die  Binnenstruktur  der
       Verbände weist  er die monopolistische Dominanz nach. Vgl. Walter
       Simon, Verbände  des Finanzkapitals.  Organisation und  Funktion,
       in: IMSF  (Hrsg.), Das  Monopol -  ökonomischer Kern des heutigen
       Kapitalismus, a.a.O.,  S. 108-113; ders. ausführlicher: Macht und
       Herrschaft der Unternehmerverbände. BDI, BDA und DIHT im ökonomi-
       schen und politischen System der BRD, Köln 1976.
       117) Frank Deppe, Autonomie..., a.a.O., S. 149 f.
       118) Ein Zustand,  der natürlich nicht "ewig" garantiert ist; of-
       fene Repression  gegen die  Arbeiterbewegung ist auch im heutigen
       Kapitalismus möglich,  setzt aber entscheidende politische Verän-
       derungen voraus.
       119) Frank Deppe, Autonomie..., a. a. O., S. 146.
       120) ebenda, S. 146.
       121) ebenda, S. 146 f.
       122) ebenda, S. 163.
       123) ebenda, S. 188.
       124) Wie man  trotz aller  demonstrierter Gelehrsamkeit  zu einer
       völlig inhaltsleeren  Bestimmung "vorstoßen"  kann, zeigt Gerhard
       Beier aus  Kronberg/Ts., der  Autonomie unter  anderem "auch  als
       sinngebende Vermittlung von 'Ordnungsfaktor und Gegenmacht'" ver-
       stehen will.  (vgl. G.  Beier, Elemente einer Theorie der gewerk-
       schaftlichen Entwicklung.  Autonomie, Funktion,  Struktur und Ak-
       tion, in:  Borsdorf u.a.  (Hrsg.), Gewerkschaftliche Politik: Re-
       form aus Solidarität, Köln 1977, S. 202).
       125) Frank Deppe, Autonomie..., a.a.O., S. 190.
       126) ebenda, S. 198.
       127) ebenda, S. 167.
       128) ebenda, S. 84 f.
       129) vgl. hierzu  insbesondere Heinz Jung, Die privatmonopolisti-
       sche Entwicklungsvariante..., a.a.O.
       

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