Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       GESAMTKAPITAL - MONOPOLE - STAAT
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       Gesichtspunkte des ökonomischen Mechanismus
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       im staatsmonopolistischen Kapitalismus
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       Heinz Jung
       
       1. Aktuelle  Fronten und Probleme - 2. Operationalisierte Kapita-
       lismustheorie: die  sozialökonomischen Sektoren  - 3.  Vergesell-
       schaftung und  Staatsaktivität -  4.  Wertgesetz  und  SMK  -  5.
       Aspekte der  geschichtlichen Entwicklung des SMK in Deutschland -
       6. Zur  Konzeption der  staatsmonopolistischen Komplexe - Anhang:
       Materialien zu den sozialökonomischen Sektoren in der BRD.
       
       1. Aktuelle Fronten und Probleme
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       Die Fragestellung  dieses Beitrages bezieht sich auf das Verhält-
       nis von  Staat und Monopolen im Rahmen des heutigen Kapitalismus.
       Insbesondere geht  es um  die Bestimmung  des Monopolkapitals als
       Sektor des  Gesamtkapitals und den Charakter der wirtschaftspoli-
       tischen Aktivitäten des Staates.
       Es ist  damit ein  Thema angeschlagen, dessen gesellschaftskriti-
       sche Implikationen  offensichtlich sind. Selbst wenn man sich mit
       der journalistischen  Fassung dieser Beziehung als ziemlich hand-
       fester 'Reparaturbetrieb  des Kapitalismus'  zufrieden gibt,  wie
       jüngst der  Hamburger Bürgermeister und SPD-Vorsitzende Klose 1),
       ist darin  dennoch massive  Kritik an  den in der BRD ideologisch
       vorherrschenden Marktwirtschaftsdoktrinen  eingeschlossen  .  An-
       statt einer  an  optimaler  Konsumentenversorgung  ausgerichteten
       marktwirtschaftlichen Wettbewerbswirtschaft stellt sich die Wirt-
       schaft der  BRD als hierarchisch strukturiertes Herrschaftssystem
       dar, das  durch monopolkapitalistische  Verwertungsinteressen ge-
       steuert wird.  Ist dies  die Realität, dann erweist sich auch die
       kapitalistische  Eigentumsideologie,   die  die  Rolle  der  Pri-
       vatinitiative und  des freien  Unternehmertums beschwört, für die
       zentralen Bereiche  der Wirtschaft  als durch Tatsachen nicht be-
       legbare Fiktion.  Sicher gilt  auch für bürokratisch-kapitalisti-
       sche Großorganisationen, seien sie staatlicher oder privatkapita-
       listischer Natur,  daß Egoismus  und Konkurrenzverhalten  die An-
       triebskräfte des  Privatinteresses bleiben,  aber mit der von der
       Markwirtschaftsideologie beschworenen Privatinitiative können sie
       schon kraft  der objektiven  Verwirklichungsbedingungen nur wenig
       gemein haben. Der Begriff des bürgerlichen Privateigentums erhält
       also mit dem monopolistischen Eigentum einen Sinngehalt, der sich
       vor allem auf vergesellschaftete Ausbeutungsverhältnisse bezieht.
       Die für  die Massen  bestimmte Ideologie muß diesen zentralen Be-
       reich der Realität ausblenden.
       Für den  Gang der  ökonomischen Debatten in der BRD der siebziger
       Jahre ist  das Versagen  der Globalsteuerung  zur Regulierung der
       kapitalistischen Wirtschaft  ein zentrales Datum. Zum einen schuf
       dies die Voraussetzung zum 'come back' des Neoliberalismus in neu
       aufgeputzter Form. Zum anderen sahen sich nicht wenige Träger der
       staatsmonopolistischen Reformkonzeption, die seitens der ökonomi-
       schen Theorie  vor allem von keynesianistischen Doktrinen geprägt
       worden waren,  bei der  Ursachenforschung veranlaßt, der Monopol-
       struktur Aufmerksamkeit  zu widmen und gegen die Abweichungen von
       den Erfordernissen  des Reproduktionsprozesses  gezielter und um-
       fassenderer staatsmonopolistischer  Strukturpolitik das  Wort  zu
       reden. Während  der Neoliberalismus  also Staat,  Außenwirtschaft
       und/oder Gewerkschaften  und Massenansprüche  als  Krisenursachen
       ortet, nimmt  die kritischere  staatsmonopolistische  Reformströ-
       mung, von der es fließende Übergänge zu demokratischen Konzeptio-
       nen gibt,  die Monopolstruktur  ins Visier.  Als Indiz dafür kann
       u.a. auch  die Anhängerschaft gelten, die die Memoranden zur Kri-
       tik der offiziellen Wirtschaftspolitik fanden. 2)
       Wird eine derartige Diagnose praktisch, muß sie nahezu zwangsläu-
       fig wesentliche Tabus der Wirtschaftspolitik und des Wirtschafts-
       systems berühren  und kann sich nicht mehr mit den Trostpflastern
       einer besseren  Wettbewerbspolitik oder  einer weiteren  formali-
       sierten Monopolkontrolle  zufrieden geben.  Die Logik  der Kritik
       muß vielmehr  zur antimonopolistischen  Fundierung von Demokrati-
       sierungspostulaten führen.
       Zwischen  diesen  Hauptfronten  antimonopolistischer  Kritik  und
       marktwirtschaftlicher Apologetik  des Monopolkapitals sind in den
       letzten Jahren  'Irrläufer' 3)  mit marxistischem Anspruch rührig
       geworden, die  antimonopolistische Kritik von ihren wissenschaft-
       lichen Grundlagen  her in  Frage zu  stellen suchen.  4) In ihren
       Grundaussagen hat  die monopolistische Struktur ebensowenig Platz
       wie bei den Neoliberalen. Es ist nicht verwunderlich, daß aus ih-
       rer Sicht  die staatliche Wirtschaftspolitik mehr als Situations-
       reflex denn  als Mittel  der herrschenden Klasse zur Durchsetzung
       ihrer Interessen  verstanden wird  und in  dieser Form willig von
       all jenen  als ideologisches  Muster aufgegriffen  wird, die  die
       derzeitige Regierung  aus dem Schußfeld antimonopolistischer Kri-
       tik heraushalten  möchten. Dies  trifft besonders  aufrechte SPD-
       Führer und einige Gewerkschaftsrepräsentanten zu, denen die Mono-
       polisierungsthesen zwar als Alibiargument für die Regierungspoli-
       tik bzw.  deren Versagen  gelegen kamen,  die aber auf jeden Fall
       eine politische  Konfrontation mit  dem Monopolkapital  vermeiden
       und die  deshalb eine  alternative Wirtschafts- und Sozialpolitik
       auf der  Ebene allgemeiner  Unverbindlichkeiten formuliert  sehen
       möchten. Sie  sind, insbesondere was die Orientierung der Gewerk-
       schaftspolitik betrifft,  bemüht, der notwendigen organischen Er-
       gänzung der  Tarifpolitik durch eine alternative Wirtschaftspoli-
       tik aus  dem Wege zu gehen. Vertreter syndikalistischer Basisori-
       entierungen, die  sich, weil  sie von  Parteien  und  Parlamenten
       nichts erwarten,  ausschließlich auf  Betriebs- und  Tarifpolitik
       konzentrieren, erscheinen diesen Kräften gegenwärtig als zeitwei-
       lige taktische Bundesgenossen.
       Auf diese  Zusammenhänge ist  deshalb aufmerksam  zu machen, weil
       aus ihnen hervorgeht, daß es bei der Monopoltheorie und ihrer An-
       wendung auf den heutigen Kapitalismus um mehr geht als um theore-
       tische Spitzfindigkeiten.
       Dies zeigt aber nicht nur die Betrachtung der unmittelbar die Ar-
       beiterbewegung angehenden  Fragen, sondern  auch die  Analyse der
       aktuellen Wirtschaftspolitik.  Wir wollen  dabei auf  zwei Fragen
       verweisen, die  im Sommer 1979 besondere Aktualität besitzen: Das
       Kernkraftwerksprogramm der  Bundesregierung und  die starken  Öl-
       preiserhöhungen. Beide  Komplexe sind nur dann von den Positionen
       freier kapitalistischer Konkurrenzwirtschaft zu analysieren, wenn
       man den  Tatsachen Gewalt antut. Beides sind für die westdeutsche
       Wirtschaft nun  auch keine  beiläufigen Randprobleme, sondern sie
       betreffen zentrale  Bereiche der  gesamten  Volkswirtschaft.  Die
       Verflechtung von Staat und Monopolen ist auf beiden Gebieten evi-
       dent, wenn  auch mit anderen Vorzeichen und Schwerpunkten . Macht
       auf dem  KKW- Sektor  staatliche Präsenz  und Finanzierung diesen
       erst für  die monopolistische  Kapitalverwertung flott, so ist es
       auf dem Gebiet der Ölversorgung die staatliche Abstinenz, die den
       Ölmonopolen das  Geschäft ermöglicht.  Beide Komplexe  stehen nun
       auch nicht unvermittelt nebeneinander, sondern sie sind auch Aus-
       druck monopolistischer  Konkurrenz an  volkswirtschaftlich beson-
       ders  neuralgischen   Knotenpunkten,  an  denen  sich  nicht  nur
       schlechthin die  ökonomische Stärke  von großen Kapitalen geltend
       macht, sondern  an denen das Monopol gesellschaftliche politische
       Gewalt mobilisiert,  um seine Interessen durchzusetzen. Dies sind
       nun freilich  nur besonders sichtbare Vorgänge für Strukturen und
       Prozesse, die auch in der übrigen Wirtschaft gang und gäbe sind.
       Die marxistisch-leninistische Monopoltheorie sieht dies nicht als
       zeitweilige Entgleisungen oder Fehlentwicklungen der kapitalisti-
       schen Marktwirtschaft  an, sondern als gesetzmäßiges Ergebnis der
       Entwicklung des  Kapitals als herrschendes Produktionsverhältnis,
       als Ausdruck  kapitalistischer Vergesellschaftung  auf hoher Stu-
       fenleiter. In dieser Sicht sind Monopole mit all ihren Attributen
       keine Zufälle.
       Ist aber das kapitalistische Monopol Ausdruck der Vergesellschaf-
       tung, dann  ist auch  kein Zurückschneiden  der  kapitalistischen
       Wirtschaft zur  freien Konkurrenz  denkbar, es sei denn, man faßt
       die völlig  utopische und reaktionäre Perspektive der Abschaffung
       der modernen  Großproduktion ins Auge. Logisch denkbar bleibt nur
       die Verstaatlichung, der Übergang vom Privatmonopol zum Staatska-
       pitalismus oder  die demokratischsozialistische Nationalisierung,
       die sich  ebenfalls des  Staates bedienen muß. Die erste Möglich-
       keit wäre  nur unter  äußerst extremen  Sonderbedingungen denkbar
       und würde  die Entmachtung des Monopolkapitals durch die nichtmo-
       nopolistische Bourgeoisie bedeuten, eine Situation, die keine hi-
       storische Wahrscheinlichkeit hat. Die zweite Möglichkeit bedeutet
       demgegenüber das  Ingangsetzen eines  gesellschaftlichen Verände-
       rungsprozesses, der  schon die Veränderung des sozialökonomischen
       Charakters des Staates einschließt. Bekanntlich ist dies die Per-
       spektive, auf  die die  antimonopolistische Strategie orientiert.
       Ihre Verwirklichung  stellte sich  also in der Eroberung und Kon-
       trolle der  'Kommandohöhen' der  Wirtschaft dar,  womit im  Über-
       gangsprozeß die  Kontrolle der übrigen privaten Wirtschaftssekto-
       ren möglich  wird und  eine sozialistische  Transformation in die
       Wege geleitet  werden kann. Es sind hier nicht nur die taktischen
       und strategischen  Bedingungen eines  solchen Prozesses zu erläu-
       tern, es  kommt vielmehr  nur darauf an, auf die Konsequenzen der
       Monopoltheorie für die Strategie des Kampfes um die Erringung ei-
       ner sozialistischen  Gesellschaft aufmerksam  zu machen.  Es  ist
       dies nicht  die Rückkehr  zum  vormonopolistischen  Kapitalismus,
       sondern die  bewußte Ausnutzung der Differenzierung der kapitali-
       stischen Wirtschaft  in einen monopolistischen und nichtmonopoli-
       stischen Sektor  für die  Überwindung der kapitalistischen Eigen-
       tums- und Ausbeutungsordnung.
       Deshalb heißt heute die Eigentumsfrage aufwerfen die Monopolfrage
       im Sinne antimonopolistischer Veränderungen stellen. 5) Dies gilt
       besonders für jene Bewegungen in der BRD, in denen spontaner Pro-
       test an  den Erscheinungsformen der heutigen Herrschaft der Mono-
       pole zum  Ausdruck kommt.  Dies gilt  konkret für die Umwelt- und
       KKW-Frage, aber  auch für die damit mitunter verknüpften Bewegun-
       gen für alternative Lebensformen usw. Sicher ist es richtig, uto-
       pische und  reaktionäre Momente  in diesen  Bewegungen  nicht  zu
       ignorieren. Aber  die Güte  einer auf marxistischer Analyse beru-
       henden Politik  mißt sich nicht an abstrakt richtiger Propaganda,
       sondern an  ihrer Fähigkeit,  jene Vermittlungsglieder  in diesen
       Bewegungen selbst  aufzuspüren, um Lernprozesse befördern und die
       Bewegungen in diesem Sinne beeinflussen zu können. Wer heute eine
       bestimmte Produktivkraftentwicklung  und -anwendung  für ein Übel
       hält, der  kommt ja  nicht umhin  - will  er sich  nicht zu einem
       Werkzeug monopolistischer  Konkurrenzinteressen machen  und seine
       Aktivität im Anreißen neuer Markte, Kapitalverwertungsgebiete und
       dementsprechender  staatlicher  Umverteilungsmaßnahmen  erschöpft
       sehen -,  sich auch  mit den  Konzernen und Finanzgruppen als ge-
       sellschaftlichen Machtgebilden  auseinanderzusetzen. Dies ja auch
       deshalb, weil ungezügelter Industrialismus kein abstrakter Prozeß
       ist, sondern  seine Betreiber Namen und Hausnummer - meist in der
       illustren Liste der etablierten Großunternehmen - haben. Er stößt
       aber auch ebenso auf die Rolle des Staates bei der Verwirklichung
       monopolistischer Interessen. Sicher sind für Aktivisten die hand-
       greiflichsten Erfahrungsmomente Polizei, Bespitzelungs- und Über-
       wachungsapparat und  Justiz. Es  ist aber nicht nur der traditio-
       nelle' Repressionsapparat,  dessen Fungieren  Einsichten  in  die
       Herrschaftsnatur gesellschaftlicher Verhältnisse vermitteln kann.
       Es geht  hier vielmehr auch um die ökonomische und administrative
       Potenz des  Staates, die bei der Durchsetzung ökonomischer Inter-
       essen wirksam wird, um die Verflechtung von Staats- und Privatka-
       pital, um  die Abstimmung und Abstützung der Aktionen von Konzer-
       nen und Staatsorganen usw.
       
       Einseitige Schlußfolgerungen
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       Die marxistisch-leninistische  Monopoltheorie ist  das wichtigste
       geistige Instrument, um auf der Grundlage der von Marx und Engels
       entwickelten politischen Ökonomie des Kapitalismus Struktur, Ten-
       denz und  reale Entwicklung des Kapitalismus unseres Jahrhunderts
       verstehen zu können. Sie ist insofern auch die Grundlage zur Ana-
       lyse der gegenwärtigen Entwicklungsphase der kapitalistischen Ge-
       sellschaftsformation, die  mit dem Begriff staatsmonopolistischer
       Kapitalismus (SMK) charakterisiert wird.
       Unseres Erachtens stellen sich bei der Anwendung der Monopoltheo-
       rie einige  Probleme, deren ungenügende Lösung zu einem einseiti-
       gen und  damit falschen  Verständnis der  Realitäten des heutigen
       Kapitalismus führen kann.
       1. Wird das Monopol und die monopolistische Struktur nicht im Zu-
       sammenhang und  in ihrer  Bindung an  das Milieu der kapitalisti-
       schen Warenproduktion gesehen, kommt es zu einer Tendenz der Ver-
       absolutierung der Monopolmacht. Die dem Monopol jeweils gesetzten
       Grenzen werden  ignoriert. Die  Widersprüche der kapitalistischen
       Produktionsweise, die sich als Disproportionen des Reproduktions-
       prozesses geltend  machen, werden  nicht mehr hinreichend auf die
       Bewegung des  Monopol- und Finanzkapitals bezogen bzw. mit dieser
       vermittelt.
       2. Wird bei der Untersuchung der Monopolstruktur ihre Verknüpfung
       und 'Zusammenfassung'  auf der  Ebene des Finanzkapitals - selbst
       ein Ausdruck  der Monopolisierung  - außer acht gelassen, ergeben
       sich theoretische  'Lücken' bei  der Begründung der relativen hi-
       storischen Kontinuität und Festigkeit der Monopolstruktur und des
       Charakters der monopolistischen Konkurrenz.
       3. Vor allem  in der aktuell-politischen Anwendung unterliegt die
       Kategorie des  Monopolpreises falschen Interpretationen. Die Vor-
       stellung, es  handele sich  immer  um  überdurchschnittlich  hohe
       Preise, wird der Realität nicht gerecht.
       4. Ein undifferenziertes  Verständnis der Grundcharakteristik des
       heutigen bürgerlichen  Staates als  'Staat der  Monopole' kann zu
       Fehleinschätzungen führen.  Dies gilt dann, wenn das Monopolkapi-
       tal nicht  als Sektor  des Gesamtkapitals  aufgefaßt wird und man
       nicht versteht,  daß auch  die staatliche Reaktion und Aktion auf
       Krisen und  Disproportionen des  Reproduktionsprozesses notwendi-
       gerweise im  Interesse des Monopolkapitals liegt, sich aber nicht
       in jedem Fall als Verlängerung der unmittelbaren ökonomischen In-
       teressen der  Monopole auf  die staatliche Ebene darstellen kann.
       Gleiches gilt  generell auch  für die Auffassung des wesentlichen
       sozialökonomischen Inhalts  des SMK als Vereinigung der Macht der
       Monopole und  des Staates zu einem einheitlichen Herrschafts- und
       Ausbeutungssystem. Dies ist zweifellos die Kernbeziehung der heu-
       tigen Klassenherrschaft  des Kapitals,  aber diese  Kernbeziehung
       realisiert sich  im allgemeinen  Milieu der bürgerlichen Klassen-
       herrschaft über die Lohnarbeit.
       Diese Probleme  sollen in  der weiteren  Darstellung  aufgenommen
       werden. Bevor einige theoretische Argumente weitergeführt werden,
       erscheint es nützlich, der sinnlichen Anschauung Rechnung zu tra-
       gen.
       
       2. Operationalisierte Kapitalismustheorie:
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       die sozialökonomischen Sektoren
       -------------------------------
       
       Die realen  empirischen Verhältnisse  der Wirtschaft der BRD sind
       durch das  Nebeneinander unterschiedlicher  historischer Entwick-
       lungsstufen des  Privateigentums, des  kapitalistischen Eigentums
       gekennzeichnet. Dem  entsprechen unterschiedliche Grade oder Stu-
       fen der  Vergesellschaftung der Produktion und der Wirtschaftstä-
       tigkeit. Sie  drücken sich  im unterschiedlichen  Umfang und  der
       Form aus,  die das  fungierende Einzelkapital  aufweist .  In den
       zentralen Bereichen der Wirtschaft mit hohem Vergesellschaftungs-
       grad fungiert  vorwiegend  Gesellschaftskapital  monopolistischen
       Charakters; die breite Basis der kapitalistischen Warenproduktion
       und -zirkulation  ist jedoch selbst in einem hochentwickelten ka-
       pitalistischen Land wie der BRD von kleinen und mittleren Kapita-
       len besetzt,  die überwiegend  als private Einzelkapitale organi-
       siert sind.  Daneben existiert  noch eine  nicht  unbeträchtliche
       Zone nichtkapitalistischer  Eigentümer. Ferner besteht ein staat-
       licher Sektor.  Schließlich wäre  auch ein statistisch allerdings
       in der  BRD kaum  ins Gewicht  fallender Sektor nichtkapitalisti-
       scher Genossenschaften  bzw. der  sogenannten freien  Gemeinwirt-
       schaft zu berücksichtigen.
       Die Wirtschaft  der BRD  gliedert sich somit in sozialökonomische
       Sektoren, deren  Grundlage unterschiedliche  historische Entwick-
       lungsgrade des  kapitalistischen  Produktionsverhältnisses  sind.
       Auf niedrigerem Niveau traf dies auch für den vormonopolistischen
       Kapitalismus zu,  für den die Landwirtschaft und Feudalstrukturen
       noch beträchtliches  Gewicht besaßen.  Aus dem  nichtkapitalisti-
       schen Sektor kommen unter diesen Bedingungen noch die Hauptwaren-
       massen, und  er ist - gemessen am Einsatz der Arbeitskräfte - der
       quantitativ umfangreichste  der Wirtschaft.  Gleichwohl ist unter
       solchen  Bedingungen   die  nichtkapitalistische  Warenproduktion
       nicht der herrschende Sektor, sondern der kapitalistische Sektor,
       der die  fortgeschrittenste Stufe  der Produktion verkörpert, von
       dem die Impulse zur Umgestaltung ausgehen und dessen Produktions-
       verhältnisse  im  Gesamtsystem  der  Produktionsverhältnisse  die
       herrschenden sind. Dies gilt auf einer höheren Stufe der Entwick-
       lung heute für das Verhältnis des monopolistischen zum nichtmono-
       polistischen Wirtschaftssektor.
       Die einzelnen  sozialökonomischen Sektoren  der Wirtschaft stehen
       nicht beziehungslos  nebeneinander, sondern sie fungieren als Be-
       standteile eines  einheitlichen wirtschaftlichen Gesamtprozesses.
       Es gibt somit keinen isolierten Reproduktionsprozeß der einzelnen
       Sektoren, sondern  diese sind  im Gesamtprozeß wechselseitig ver-
       flochten, ihre Einheiten stehen in Konkurrenzbeziehungen zueinan-
       der, die  sich über  die Märkte und auf anderen Feldern realisie-
       ren.
       Die Untersuchung  der Wirtschaft  unter dem  Gesichtspunkt  ihrer
       Gliederung nach  sozialökonomischen Sektoren  ist heute eine Form
       der Operationalisierung der Monopoltheorie bzw., allgemeiner aus-
       gedrückt, der  Theorie des  Monopolkapitalismus und der SMK-Theo-
       rie. Dies  ist die Voraussetzung ihrer Anwendung für konkrete an-
       timonopolistische Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik.
       Für uns ergibt sich die Frage, wie der monopolistische Sektor em-
       pirisch bestimmt  werden kann und welches Gewicht er heute in der
       BRD besitzt.  Im "Anhang"  zu diesem  Beitrag findet der interes-
       sierte Leser  Berechnungen bzw. Schätzungen, die das Ergebnis ei-
       ner umfassenden sozialstatistischen Analyse der westdeutschen Ge-
       sellschaft sind.  Diese Angaben  beziehen sich auf die jeweils an
       die einzelnen Sektoren gebundenen Arbeitskräfte bzw. Erwerbstäti-
       gen. Sie erfassen also nur einen Indikator des Gewichtes der ein-
       zelnen Sektoren. Von diesem Ansatz wird das Gewicht des groß- und
       monopolkapitalistischen Sektors  und ebenso  des staatlichen Sek-
       tors systematisch  zur gering angegeben, da Kommando über Kapital
       ja nicht  nur Verfügung  über Arbeitskräfte  ist, sondern  ebenso
       über Produktionsmittel,  die Kapitalgröße  - und damit der Anteil
       der einzelnen  Sektoren am  fungierenden Gesamtkapital  - hierbei
       jedoch nicht  erfaßt wird. Eine weitere systematische Unterbewer-
       tung ergibt  sich auch  aus dem  wesentlichen Erfassungskriterium
       'Unternehmensgröße nach Beschäftigten'. Konzernstrukturen und Be-
       teiligungs- und  Kontrollverhältnisse bleiben  dabei notwendiger-
       weise ausgeblendet.  Somit ist festzustellen, daß eine systemati-
       sche, wissenschaftlich  fundierte Bestimmung  der  sozialökonomi-
       schen Sektoren  der BRD noch aussteht. Unseres Erachtens sind die
       ermittelten Relationen  - bei aller notwendigen Einschränkung ih-
       rer Aussagekraft  - jedoch  vor allem  deshalb wichtig,  weil sie
       sich auf die Gesamtwirtschaft beziehen und nicht nur auf einzelne
       Teilbereiche.
       Sie machen  deutlich, daß  selbst in  der materiellen Produktion,
       dem Bereich der Mehrwert- und Profitproduktion, der groß- und mo-
       nopolkapitalistische Sektor,  an den quantitativen Relationen ge-
       messen, nicht absolut dominierend ist. Er ist nur dort auch quan-
       titativ absolut  dominierend, wo  entsprechend den  Anforderungen
       des Produktionsprozesses  ein sehr hohes Kapitalminimum erforder-
       lich ist  und das  Geschäft von vornherein nur von großen Gesell-
       schaftskapitalen betrieben werden kann. Dies verweist darauf, daß
       auch für  die BRD  mit einem  hochentwickelten Kapitalismus davon
       auszugehen ist, daß die Monopole im allgemeinen Milieu der Waren-
       produktion 6)  existieren und  monopolistische Tributerhebung ge-
       genüber den übrigen sozialökonomischen Sektoren nach wie vor eine
       wesentliche Rolle spielt. Dies gilt in noch stärkerem Maße, zieht
       man die Prozesse finanzkapitalistischer Umverteilung des Mehrpro-
       dukts, wie  sie besonders für die Landwirtschaft charakteristisch
       sind, in die Betrachtung ein.
       Was den  Beschäftigtenanteil betrifft, so ist auch der staatliche
       Sektor von  beachtlichem Gewicht. Aber sein Anteil ist selbst un-
       ter diesem  Kriterium relativ  gering im Bereich der Warenproduk-
       tion und  -zirkulation. Freilich  muß berücksichtigt  werden, daß
       nicht unbeachtliche  staatliche Aktivitäten  im Bereich  der  Ge-
       bietskörperschaften die  Herstellung der  gegenständlichen Bedin-
       gungen der  Produktion betreffen  und tatsächlich Aktivitäten der
       materiellen Produktion  sind. Insgesamt drückt sich im wachsenden
       Staatssektor die zunehmende Rolle des Staates für den Reprodukti-
       onsprozeß und die Sicherung der bürgerlichen Gesellschaft aus.
       Von Bedeutung ist auch der Sektor des Auslandskapitals - ein ver-
       tikaler Sektor,  allerdings mit  absolutem und  relativem Schwer-
       punkt in  den hochmonopolisierten  Bereichen. In  ihm drückt sich
       nicht nur  schlechthin der Grad der Internationalisierung der ka-
       pitalistischen Produktion  aus, sondern auch die Verflechtung des
       internationalen Kapitals,  das ökonomische  Gewicht, das die aus-
       ländischen Monopole und Kapitalgruppen in der westdeutschen Wirt-
       schaft als Basis ihre Einflußausübung besitzen.
       
       3. Vergesellschaftung und Staatsaktivität
       -----------------------------------------
       
       Wenn die Gliederung der Wirtschaft nach sozialökonomischen Sekto-
       ren für  die konkrete  Analyse unverzichtbar  ist, so besteht die
       Hauptaufgabe einer  solchen Analyse  zweifellos darin, die Bezie-
       hungen zwischen  den Sektoren  aufzudecken. Den  Beziehungen zwi-
       schen dem  staatlichen  und  dem  monopolkapitalistischen  Sektor
       kommt dabei die zentrale Bedeutung zu. Zu beachten ist ebenfalls,
       daß die  Gliederung der  Wirtschaft unter diesem Gesichtspunkt an
       den sozialökonomischen  Verhältnissen orientiert  ist, damit aber
       die generelle  Struktur des  Reproduktionsprozesses und der Wirt-
       schaft nicht  aufhebt, sondern sich in dieser realisiert. Sie ist
       deshalb nur  eine wesentliche Seite dieser Beziehungen. Die Glie-
       derung nach  sozialökonomischen Sektoren  besteht somit  in jedem
       Zweig, jeder Branche usw. der Wirtschaft.
       Aufmerksam zu machen ist auch darauf, daß unter dem Gesichtspunkt
       der sozialökonomischen  Sektoren, besonders  hinsichtlich der Be-
       ziehungen zwischen  staatlichem und privatem Sektor, das Verhält-
       nis von  Staat und Wirtschaft nur verkürzt und reduziert erfaßbar
       ist. Soweit der Umfang des fungierenden staatlichen Kapitals - im
       weiten Sinne  - ermittelt  wird, ergibt  sich daraus das Gewicht,
       das staatskapitalistische  Produktionsverhältnisse in  der  Wirt-
       schaft besitzen;  soweit sich die Erfassung an der Beschäftigten-
       zahl orientiert  - wie  in den  im Anhang  vorgelegten Zahlen  -,
       zeigt sich,  welcher Anteil der aktiven Bevölkerung zur Erfüllung
       der durch  den Staat  wahrgenommenen Aufgaben  mobilisiert wird -
       ein Indikator  für das Gewicht des Staates im sozialen und ökono-
       mischen Prozeß  des heutigen Kapitalismus. Es erschließt sich von
       daher allerdings  nicht die  Rolle, die  der Staat  als Umvertei-
       lungsorgan und  als administrative  Potenz in  und für  die Wirt-
       schaft ausübt.  Es kann auf dieser Grundlage auch noch keine Aus-
       sage darüber  getroffen werden,  welche Rolle der Staat als Organ
       der herrschenden  Klasse für  die Reproduktion  der Eigentumsver-
       hältnisse und damit der sozialökonomischen Sektoren ausübt.
       Die marxistisch-leninistische  Monopoltheorie analysiert die Ent-
       wicklung der  Monopolstruktur  oder  des  monopolkapitalistischen
       Sektors als  Ergebnis und  Moment der kapitalistischen Vergesell-
       schaftung. Monopol-  und Finanzkapital sind seit ihrer Geburt ge-
       genüber der  staatlich-politischen Macht nicht abstinent, sondern
       sie rufen  nahezu mit Naturnotwendigkeit die staatliche Interven-
       tion hervor. Deshalb treten Züge des staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus, der  Verflechtung von Monopol- und Staatsmacht über den
       traditionellen Bruderbund von Regierung und Börse 7) hinaus - als
       Personalunion, Verflechtung  der Bürokratien usw. -, schon im hi-
       storischen Übergang  zum Monopolkapitalismus  auf. Auch  dies ist
       eine gesetzmäßige Folge der Vergesellschaftung.
       Daraus kann jedoch nicht geschlußfolgert werden, daß sich der In-
       terventionismus dort  am intensivsten  und dauerhaftesten entwic-
       kelt, wo  der höchste  Vergesellschaftungsgrad existiert  und die
       Monopole ihre  unmittelbare Anlagesphären  haben. Historisch ent-
       wickelt sich vielmehr staatliche Regulierungstätigkeit 8) mit zu-
       erst im Agrarsektor, und dies ist auch heute jener Wirtschaftsbe-
       reich, den die staatmonopolistische Regulierung am dichtesten er-
       faßt hat  und wo  die Regulierung  sozialer und ökonomischer Pro-
       zesse am  engsten miteinander  verflochten ist.  An  der  anderen
       Seite der  Skala der  Formentwicklung des Wirtschaftsinterventio-
       nismus stehen jene Bereiche, deren Entwicklung von vornherein nur
       auf einem  hohen Niveau der Vergesellschaftung erfolgen kann, die
       hohe Kapitalmobilisierung bei langen Umschlagzeiten und beträcht-
       lichen Anlaufrisiken  erforderlich machen,  deren kapitalistische
       Rentabilisierung per  Produktionspreisbildung bzw.  aliquoter Be-
       teiligung am  Gesamtprofit den  Interessen größerer  Gruppen  des
       Privatkapitals gegenübersteht.  Sie werden  deshalb, wie z. B. in
       Deutschland das  Fernmeldewesen, das  Schienentransportwesen, die
       Anlagen des  Verkehrswesens (Häfen,  Straßen  usw.),  unmittelbar
       durch den  Staat entwickelt  und betrieben.  Damit  entsteht  für
       diese Bereiche  ein administratives  ökonomisches  Lenkungs-  und
       Leitungssystem, das  auf staatskapitalistischen Eigentumsverhält-
       nissen beruht.
       Diese zuletzt  genannte Form  des  Staatskapitalismus  entspringt
       nicht bestimmten  stofflichen Erfordernissen des Produktions- und
       Reproduktionsprozesses, sondern  jeweils bestimmten konkreten hi-
       storischen Situationen  und Konstellationen.  Dies zeigt der Ver-
       gleich mit  anderen Ländern, wo sich diese Bereiche privatkapita-
       listisch entwickeln.  Oder dies ergibt sich auch aus der wechsel-
       haften Entwicklung  dieser Bereiche  selbst, deren Privatisierung
       unter veränderten  Bedingungen immer  wieder auf der Tagesordnung
       gestanden hat.
       Wenn unter  Beachtung der angeführten Beispiele eine theoretische
       Verallgemeinerung getroffen  werden soll, so kann die Entwicklung
       staatlicher Wirtschaftsaktivitäten  - und  in diesem Zug die Ver-
       flechtung der  Interessen und der Macht von Staat und Monopolen -
       als Reaktion der herrschenden Klasse auf Disproportionen und Kri-
       senprozesse, auf internationale und innere Kräfteverhältnisse mit
       dem Ziel der Sicherung ihrer Klassenherrschaft und der Verwertung
       ihres Eigentums  gesehen werden.  Dies schließt nun freilich ein,
       daß die Bereiche der Wirtschaftstätigkeit auf hoher Stufenleiter,
       also mit einem hohen Vergesellschaftungsgrad, die Basis der enge-
       ren Symbiose  von Staat  und Monopolen  abgeben. Das  ergibt sich
       schon aus  der Bedeutung dieser Bereiche für den Gesamtprozeß un-
       ter ökonomischen,  politischen und  militärischen Gesichtspunkten
       und der  Interessenunmittelbarkeit bzw.  dem unmittelbaren  Über-
       greifen monopolistischer  Interessen auf den Staat. Jedoch gerade
       hier gilt,  daß der  Staat zeitweilige oder dauerhafte Komplemen-
       tärfunktionen nur  dann und  insoweit wahrnimmt,  wie der privat-
       wirtschaftliche und  privatmonopolistische Mechanismus an Selbst-
       regulierungsfähigkeit verliert,  d. h. Krisen und Disproportionen
       nicht auf  seine Weise bewältigen kann oder gegenüber der auslän-
       dischen Konkurrenz in starken Rückstand gerät.
       Die Notwendigkeit  des Eingriffs  ergibt sich  aber auch dann und
       dort, wo  die Verwertungs-  und Konkurrenzinteressen des Monopol-
       und Finanzkapitals  nicht direkt,  sondern indirekt  durch volks-
       wirtschaftliche Disproportionen  berührt werden - resultieren sie
       aus Überproduktion  oder aus 'Unterproduktion', beides nur unter-
       schiedliche konkrete  Ausdrücke  von  Disproportionen.  Derartige
       Disproportionen reflektieren sich in stärkerem Maße auf der Ebene
       finanzkapitalistischer Verwertungsinteressen,  die ja  nicht  auf
       einen bestimmten  Zweig der  Produktion oder  der Zirkulation fi-
       xiert, sondern übergreifender Natur sind. Deshalb sind auf dieser
       Ebene die  Interaktionen mit  dem Staat auch bedeutend intensiver
       als auf  der Ebene  des Durchschnitts  der Industriemonopole  be-
       stimmter Branchen.  Als immer wieder aktuelles Beispiel kann hier
       die Bauwirtschaft  angeführt werden,  die selbt  ja nur einen ge-
       ringen  Monopolisierungsgrad   aufweist  und  in  der  noch  eine
       'mittelständische' 9)  Struktur vorherrscht.  Sie ist  jedoch zum
       einen ein  Absatzmarkt für nahezu alle Industriebranchen, zum an-
       deren eines  der wichtigsten Gebiete finanzkapitalistischer Anla-
       gen. Der Staat ist hier nicht nur einer der größten Auftraggeber,
       womit er  den Baumarkt - darunter vor allem den Tiefbau - und das
       Bauvolumen wesentlich beeinflußt, sondern er übt auch über Förde-
       rungs- und Stimulierungsmaßnahmen verschiedenster Art Einfluß auf
       die private  Kreditnachfrage und  damit die  Verwertung des Geld-
       und Finanzkapitals  aus. 10)  Die Finanzierung  der  öffentlichen
       Bauinvestitionen wiederum  erfolgt zum  großen Teil über die Ver-
       schuldung der staatlichen Bauträger an das staatliche und private
       Bank- und  Finanzsystem. Die Verwertung nicht nur des industriel-
       len Monopolkapitals,  sondern auch des monopolistischen Bank- und
       Finanzkapitals wird  somit wesentlich durch die staatlichen Wirt-
       schaftsaktivitäten  beeinflußt,   die  direkt  und  indirekt  den
       Baumarkt betreffen.  Wird dies  beachtet, so ergibt sich für Maß-
       nahmen zur  Belebung der Baukonjunktur, die in den letzten Jahren
       abgewickelt wurden, eine ganz andere Klientel, als dies der erste
       Augenschein oder die Regierungspropaganda vermittelt.
       Eine ähnliche  Interessenverflechtung besteht für den Bereich der
       Automobilproduktion .  Es ist  dies im Kernbereich der Produktion
       einer der hochmonopolisiertesten Bereiche der westdeutschen Wirt-
       schaft.  Um  sie  gruppiert  sich  freilich  ein  Kranz  'mittel-
       ständischer' Zuliefer-  und Reparaturunternehmen,  bei dem beson-
       ders gut  die hierarchischen  Herrschaftsbeziehungen zwischen den
       sozialökonomischen Sektoren  nachgewiesen werden  können. Auf den
       ersten Blick  ist das  wesentliche Datum für die Marktentwicklung
       die Entwicklung  der primären  Masseneinkommen und diese scheinen
       durch staatliche  Aktivitäten kaum  beeinflußt. Fragt  man jedoch
       nach den  Faktoren, die  die Autonachfrage mitbestimmen, so stößt
       man nicht  zuletzt auf  Benzinpreise, Automobilsteuern  - und auf
       den Zustand  des Straßennetzes.  Wie man  die Rolle  der  Privat-
       motorisierung auch bewerten mag, so kommt man nicht umhin festzu-
       stellen, daß  der immense Ausbau des Straßennetzes, verbunden mit
       gewaltigen staatlichen Investitionen, dazu erst die Voraussetzung
       schuf. Die Entscheidung der staatlichen Verkehrspolitik, die sich
       in diese  Richtung orientierte,  bedeutete aber  gleichzeitig die
       Vernachlässigung öffentlicher Verkehrssysteme und die Vernichtung
       und Stillegung  staatlichen Kapitals,  z.B. im Eisenbahnwesen, in
       beträchtlichem Umfang.  Die  Privatmotorisierung  bedeutete  also
       eine mit  staatlichen  Aktivitäten  abgestützte  Veränderung  der
       stofflichen und wertmäßigen Proportionen des Reproduktionsprozes-
       ses im  Interesse vor  allem der  Monopole der Automobilindustrie
       und -  so maß  hinzugefügt werden - der Erdölkonzerne, deren Auf-
       stieg eng  an die  Motorisierung gebunden  war. Dieses  Feld soll
       hier nicht  weiter aufgeschlüsselt  werden. Es wird jedoch selbst
       auf dieser  Ebene der Darstellung gut sichtbar, daß staatsmonopo-
       listische Verflechtung  auch dort  eine zentrale Rolle spielt, wo
       sie sich  nicht unmittelbar und direkt auf den Produktionskomplex
       bezieht. Sie ergibt sich auch hier aus den Anforderungen des Ver-
       gesellschaftungsgrades der Produktion und Reproduktion.
       Betrachten wir schließlich noch jenen Bereich der staatlichen Ak-
       tivitäten, bei  dem der Einfluß monopolistischer Interessen nicht
       in Erscheinung zu treten, sondern der Staat auch auf ökonomischem
       Gebiet als Agent des Gesamtkapitals oder der Bourgeoisie als Gan-
       zes zu  agieren scheint.  Wir meinen  jene wirtschaftspolitischen
       Aktivitäten, die  sich nicht  auf bestimmte Sektoren und Branchen
       beziehen, sondern auf den Reproduktionsprozeß als Ganzes, also an
       der Entwicklung der 'Globalgrößen' ausgerichtet sind.
       In der  Tat geht es auf dieser Ebene mehr als auf den meisten an-
       deren Gebieten staatlicher ökonomischer Aktivitäten um die Beein-
       flussung der  Klassenverhältnisse, also im harten Kern um die Be-
       einflussung der Primärverteilung. Es kann also nicht die Interes-
       senvermittlung zwischen einzelnen Eigentümergruppen oder die Sti-
       mulierung der  Akkumulation einzelner Monopole und Monopolgruppen
       im Vordergrund stehen. Aber gleichwohl kann der bürgerliche Staat
       auch hier  unter den  gegebenen sozialökonomischen Strukturen nur
       eingeschränkt  als   ideeller  Gesamtkapitalist  fungieren.  Zwar
       schließt die  Sicherung der Reproduktions- und Eigentumsbedingun-
       gen auch  den kapitalistischen und nichtkapitalistischen Kleinei-
       gentümer in  diese Interessenspange  ein, wenn es etwa um die Be-
       grenzung der  Lohnquote geht - und diese Interessenspange besteht
       auch auf  vielen anderen Gebiet en -, aber in der Definition des-
       sen, was  die Interessen 'der' Wirtschaft sind, kommt ihm notwen-
       digerweise gegenüber dem Monopolkapital die Rolle einer schwäche-
       ren Komponente  zu. Die Herausbildung dieser Interessen ist übri-
       gens ein  Prozeß, der sich nicht erst auf staatlicher Ebene voll-
       zieht, sondern auf den davor und dazwischen gelagerten Stufen.
       Man kann  dazu anmerken,  daß es  eines der Merkmale des SMK ist,
       daß bei  der Verflechtung  der Macht der Monopole und des Staates
       der sogenannten  Verwissenschaftlichung'  der  Politik  oder  der
       Politikberatung eine beachtliche Rolle zukommt. Anzahl und Ausmaß
       derartiger Gremien,  Institute, Sachverständigengremien,  wissen-
       schaftlicher Beiräte  usw. ist  in der  BRD vor allem seit Beginn
       der sechziger  Jahre gewaltig  gewachsen. Es  kann hier von einem
       institutionellen System  des Interessentransports auf der wissen-
       schaftlichideologischen Ebene  gesprochen werden, in dem die pri-
       vate und  staatlich-öffentliche Komponente  eng  verbunden  sind.
       Dies gilt nicht nur für die Ebene der Ökonomie und Wirtschaftspo-
       litik, sondern  nahezu für alle für den gesellschaftlichen Prozeß
       im Sinne  der Bourgeoisie relevanten Wissenschaften, also vor al-
       lem für  jene, die unmittelbar die Produktivkräfte betreffen, die
       Natur- und  technischen Wissenschaften.  So sind  die technischen
       und wissenschaftlichen Experten, Kommissionen, Gutachten usw. für
       die Monopole und Wirtschaftsgruppen wichtige Instrumente, um ihre
       Interessen  in   staatlichen  Maßnahmen   um  zusetzen  oder  die
       staatlichen Maßnahmen  in ihrem  Sinne zu beeinflussen. Umgekehrt
       ist die  Parallelität dieser  'Stäbe' im  staatlichen Bereich das
       Gegenstück zum Vollzug der institutionellen Verschmelzung. Mitun-
       ter, wie z.B. beim Gorleben-Hearing oder generell bei der Debatte
       um das  Bonner KKW-Programm,  kommt dieser  Mechanismus unter die
       Scheinwerfer der  Öffentlichkeit, und es zeigt sich einem breite-
       ren Publikum,  daß ein  großer Teil dieser Experten seine wissen-
       schaftliche Unschuld längst an die ökonomischen Interessen verlo-
       ren hat.  Letztlich reflektieren sich darin die Widersprüche, die
       sich für  Anwendung und Entwicklung der Produktivkräfte unter der
       Herrschaft des  Monopolkapitals ergeben.  Dabei  kann  allerdings
       nicht übersehen  werden, daß die Dienstbarmachung und Entwicklung
       der Wissenschaft  den objektiven  Anforderungen  entspricht,  die
       sich aus  dem hohen  Grad der  Vergesellschaftung  ergeben.  Dies
       trifft auch auf die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu, ob-
       wohl die  ideologische und  apologetische Komponente hier von der
       Sache her eine größere Rolle spielt.
       In diesen Bereich gehen die traditionellen Funktionen der ideolo-
       gischen Stände  oder der  Ideologen-Fraktion der Bourgeoisie ein,
       allerdings in der zeitgemäßen, der Ära der wissenschaftlich-tech-
       nischen Revolution  entsprechenden Form,  daß für  das praktische
       Handeln ein Mindestmaß an rationeller Einsicht in die Prozesse zu
       vermitteln ist.
       Betrachtet man unter diesen Gesichtspunkten das Bonner Orakel der
       Wirtschaftspolitik, den  Sachverständigenrat zur Begutachtung der
       gesamtwirtschaftlichen Entwicklung  11) -  und neben diesem Groß-
       orakel gibt  es auf  allen Gebieten  viele kleinere  -, dann kann
       diese Interessenumformung  besonders gut  studiert  werden.  Sind
       diese Orakel  zum einen ideologischer Ausdruck der Interessen der
       Bourgeoisie in  ihrer heutigen durch die Monopolbourgeoisie domi-
       nierten Struktur, dann wirken sie auf der anderen Seite aktiv auf
       die Formierung  der Öffentlichkeit  für diese Interessen ein. Was
       aber nicht unwichtig ist, sie sind für die Akteure auf der Regie-
       rungsebene eine  sichere Meßlatte,  inwieweit sich  ihre Aktionen
       und Bestrebungen  in Übereinstimmung mit den Interessen der Mono-
       polbourgeoisie, d.h.  ihrer so  formulierten Hauptlinie, befinden
       oder nicht.  Es bedürfte  also für  die Regierungsvertreter  noch
       nicht einmal  der Dauerkontakte  mit den  Vertretern der Monopol-
       bourgeoisie und ihrer Verbände, um sich über deren Hauptlinie und
       Interessen klarzuwerden.  Die Grenzen der Machbarkeit dieser oder
       jener Variante  der Regierungspolitik werden also schon durch die
       Filter des wissenschaftlichen Beratungsapparates abgesteckt. Der-
       artige Verflechtungen, Vermittlungen, Mechanismen liegen der all-
       gemeinen Formulierung  der SMK-Theorie  zugrunde, daß  auf dieser
       Stufe der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsformation
       die Macht der Monopole und des Staates zu einem Mechanismus mono-
       polistischer Herrschaft verschmelzen.
       Kommt man  nach diesem Exkurs nochmals auf die Frage zurück, wie:
       sich auf  dieser Ebene die Interessen der Monopole als die Inter-
       essen 'der'  Wirtschaft durchsetzen,  dann muß  darauf  verwiesen
       werden, daß sich die 'Sachlogik' der Wirtschaft im Kern immer nur
       als das Entwicklungsbedürfnis ihres vom Standpunkt der Vergesell-
       schaftung fortgeschrittensten  Sektors ausdrücken  kann, daß  die
       Stellung am  Weltmarkt und die internationale Konkurrenzfähigkeit
       von der  Stärke des  'nationalen' Monokapitals  bestimmt wird und
       daß die  'Zukunftssicherung' via Modernisierung und Umstrukturie-
       rung der  Wirtschaft vor  allem von den Konzernen getragen werden
       muß. Dies sind hinreichende Kriterien und Prioritäten für die Do-
       minanz der Monopolinteressen im aktuellen Gang der Wirtschaftspo-
       litik, solange  diese  generell  die  Sicherung  der  'Marktwirt-
       schaft', des  Unternehmertums und  des Privateigentums  auf  ihre
       Fahne geschrieben  hat oder sich diesen, aus welchen Gründen auch
       immer, anpaßt.  Ein nicht  unwichtiges Indiz  ist dabei immer, in
       welche Richtung  sich der  staatliche Sektor  selbst bewegt,  vor
       allem  dort,   wo  der   Staat  als   kapitalistischer  oder  mo-
       nopolkapitalistischer Unternehmer  fungiert. Es  gibt hier in der
       BRD keine  von der  Bewegung des  Monopolkapitals losgelöste oder
       gar gegen  dessen Interessen  gerichtete Bewegung. Vielmehr folgt
       der Staat der marktwirtschaftlichen Wahrnehmung von Komplementär-
       funktionen und  der Bereitstellung  des staatlichen  Kapitals für
       finanzkapitalistischen Zugriff (Aktienverkauf, Bildung gemischten
       Eigentums usw.)
       
       4. Wertgesetz und SMK
       ---------------------
       
       Wenn der  monopolkapitalistische Sektor die im Rahmen des Gesamt-
       kapitals dominierende  Struktur ist, wenn sich auch empirisch für
       die einzelnen  sozialökonomischen Sektoren  unterschiedliche oder
       besser abgestufte  Akkumulations- und Kapitalverwertungsbedingun-
       gen ergeben,  wenn Staatskapital im Rahmen des Gesamtkapitals die
       Funktion relativ  entwerteten Kapitals ausübt, das durch Verzicht
       auf seinen  aliquoten Profitanteil die Verwertungsbedingungen des
       Privatkapitals hebt  und die notwendigen stofflichen Proportionen
       des Reproduktionsprozesses  sicherstellt; wenn  die  ökonomischen
       Aktivitäten des Staates in der Reaktion auf Krisen und Dispropor-
       tionen den Interessen des Monopol-und Finanzkapitals entsprechen;
       wenn sich  letztlich als  Ausdruck der Vergesellschaftungstendenz
       und der politischen Existenzbedingungen ein wachsender Umfang und
       eine historisch  zunehmende Intensität dieser staatlichen Aktivi-
       täten als  Ganzes ergibt; wenn sich diese Aktivitäten schließlich
       im staatsmonopolistischen Verbund über die den Aktionen des Staa-
       tes charakteristische  politisch-administrative Vermittlung  ent-
       falten, dann  sind in  diese Prozesse  Modifikationen der  ökono-
       mischen Gesetze und politökonomischen Kategorien der kapitalisti-
       schen Produktionsweise  eingeschlossen. Diese Konsequenz ist dann
       zu ziehen,  wenn der SMK nicht als zeitweiliges Phänomen oder als
       Merkmal des  Imperialismus unter  anderen angesehen wird, sondern
       als Entwicklungsphase  des Monopolkapitalismus/Imperialismus, als
       Ergebnis der  im Kapitalismus  wirkenden Widersprüche und der auf
       den Kapitalismus  in seiner historischen Niedergangsphase einwir-
       kenden Faktoren.
       Diese Probleme  sind in  der marxistischen Literatur der jüngeren
       Zeit ausführlich  diskutiert worden.  12) Wir  können uns deshalb
       hier auf die knappe Skizzierung nur einiger Probleme beschränken.
       Wichtig ist  vor allem die Fragestellung der modifizierten Durch-
       setzung des  Wertgesetzes im  SMK und das Verständnis des Wertge-
       setzes als Ausdruck der wesentlichen Zusammenhänge einer arbeits-
       teiligen Gesellschaft  von Privatproduzenten.  13) Das Wertgesetz
       als theoretische  Abstraktion führt das Gemeinsame und Vergleich-
       bare aller  Produkte menschlicher Arbeit auf die in ihnen verkör-
       perte und  vergegenständlichte menschliche  Arbeit, die abstrakte
       Arbeit zurück, die den Wert der Waren bildet. Ihre Wertgröße wird
       durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, also die unter
       Durchschnittsbedingungen erforderliche  Arbeitszeit bestimmt, wo-
       raus folgt,  daß dem  Austausch unterschiedlicher konkreter Waren
       in ihnen  vergegenständlichte Arbeit  gleichen Quantums  zugrunde
       liegt.
       Waren sind aber nicht nur Träger von Wert und Tauschwert, sondern
       auch von  Gebrauchswert, also  Eigenschaften zur Befriedigung von
       Bedürfnissen des  gesellschaftlichen Menschen.  Der Gebrauchswert
       wird durch konkrete Arbeit geschaffen. Unter diesem Gesichtspunkt
       ist die  Gesamtarbeit und  der gesamte  Arbeitskörper der Gesell-
       schaft ein  in sich  gegliedertes Ensemble unterschiedlicher kon-
       kreter Arbeiten.  Ihr Ergebnis  muß dem  jeweils vorhandenen  und
       letztlich durch  die Produktion geschaffenen Ensemble der gesell-
       schaftlichen Bedürfnisse  entsprechen, das  sich unter diesen Be-
       dingungen als Marktnachfrage darstellen muß. Als gesellschaftlich
       notwendig und damit den Bedingungen des Wertgesetzes entsprechend
       erweist sich  nur jene Produktion, die realisiert, verkauft wird.
       Der gesellschaftliche Zusammenhang der Produzenten kann sich also
       nur über  den Markt  herstellen. Der  Reproduktionsprozeß  stellt
       sich als  Einheit von  Produktion und  Zirkulation dar, eine Ein-
       heit, die sich vor allem dann geltend macht, wenn die Bedingungen
       von Produktion und Zirkulation auseinanderfallen und sich heraus-
       stellt, daß  die Gliederung  des Produktions-  und Arbeitskörpers
       und damit die Verteilung der Ressourcen nicht dem Wertgesetz ent-
       spricht.
       Unter Bedingungen  kapitalistischer Warenproduktion,  also  unter
       Verhältnissen, wo  die Arbeitskraft  Ware ist, die Wert und Mehr-
       wertproduktion im  Prozeß der produktiven Konsumtion der Arbeits-
       kraft durch  das Kapital erfolgt und Waren nicht mehr schlechthin
       Produkte von  Privatproduzenten, sondern von Kapitalen sind, ver-
       wandelt sich  der Wert in den Produktionspreis, und die Marktpro-
       duktionspreise werden  zum realen  Schwankungszentrum der  Markt-
       preise, die  sich unter dem Einfluß von Angebot und Nachfrage auf
       den Märkten bilden.
       Angebot und  Nachfrage sind allerdings keine beliebigen, zufälli-
       gen Bedingungen, obwohl sie sich im Einzelfall wie alle Gesetzmä-
       ßigkeiten im  Zufall durchsetzen.  Sie sind  Bewegungen, in denen
       und durch  die sich die gesamtgesellschaftliche Geltung des Wert-
       gesetzes durchsetzt,  in denen  sich Fehlverteilungen der gesell-
       schaftlichen Arbeit  signalisieren und  über die durch die Beein-
       flussung der Marktpreise Korrekturen der bestehenden Proportionen
       in die Wege geleitet werden. Gilt schon bei nichtkapitalistischer
       einfacher Warenproduktion,  sobald Waren-  und Geldwirtschaft ein
       relevantes Gewicht  erlangt haben,  daß die  Summe der Preise nur
       auf längere  Sicht gesehen  auch der Summe der Werte entspricht -
       das Zusammenfallen  von Wert  und Preis ist auch unter diesen Be-
       dingungen nur die Ausnahme -, so gilt dies auch für die kapitali-
       stische Warenproduktion  hinsichtlich der  Produktionspreise  und
       Marktpreise. Das  Wertgesetz ist  im Kapitalismus  nicht mehr  in
       reiner Form Regulator der Produktion und des Austausches, sondern
       weil Waren hier Produkte der Kapitale sind und die Bewegungen des
       Kapitals durch  den Profit reguliert sind, kann es nur in der mo-
       difizierten Form des Gesetzes der Durchschnittsprofitrate auftre-
       ten, wobei  unter Bedingungen  der freien Konkurrenz dem zugrunde
       liegt: Summe  des Profits  gleich Summe des Mehrwerts und gleich-
       große Kapitale  gleichgroßer Profit. Dies bedeutet nicht, daß je-
       dem Kapital  damit  ein  entsprechendes  Profitzertifikat  einge-
       schrieben wäre.  Es ist dies nur die Formulierung des allgemeinen
       Regulierungsprinzips der  kapitalistischen Wirtschaft,  das  sich
       durch die  vielfältigen Aktionen  der Einzelkapitale  aufeinander
       und gegeneinander durchsetzt.
       Mit  der  Durchsetzung  des  Monopols  als  beherrschender  Kapi-
       talstruktur setzt  sich vor  allem eine  Veränderung dieses Modus
       durch. Die  Monopole können einen höheren Profit durchsetzen, als
       ihnen nach  den Regeln  der freien  Konkurrenz  zukäme.  Insofern
       durchbricht das  Monopolkapital und die Monopolstruktur das - ge-
       genüber dem  reinen Wertgesetz  modifizierte -  Äquivalenzprinzip
       der Durchschnittsprofitrate. Aber es kann natürlich nicht den Zu-
       sammenhang aufheben, daß die lebendige Arbeit Quelle von Wert und
       Mehrwert ist, daß nur durch die Erhöhung der Ausbeutung der Mehr-
       wertanteil und  der Gesamtprofit  - gleicher  Umfang und  gleiche
       Struktur des  Kapitals vorausgesetzt  - erhöht  werden kann,  daß
       sich die Einheit des Reproduktionsprozesses im Drang zur Überein-
       stimmung von  Produktions- und  Nachfragestruktur  geltend  macht
       usw. Aber,  was wesentlich ist: Das Monopol führt zur Veränderung
       des Durchsetzungsmechanismus  des Profitstrebens und des ökonomi-
       schen Verkehrs- und Vermittlungmechanismus.
       Es modifiziert  sowohl die  Preiskonkurrenz auf  den Märkten  als
       auch die Konkurrenz um die Kapitalanlage. Abhängig von seiner po-
       litisch-ökonomischen Potenz,  also den  Möglichkeiten  der  poli-
       tisch-ökonomischen Machtentfaltung, zieht es einen überproportio-
       nalen Profitanteil  an sich,  wirkt  Kapitalentwertungsbewegungen
       entgegen, blockiert damit Ausgleichsbewegungen oder verzögert sie
       usw. Da es aber die durch das Wertgesetz bestimmten Zusammenhänge
       des Reproduktionsprozesses  nicht aufheben  kann, ist sein Wirken
       von einer Verschärfung gesamtwirtschaftlicher Disproportionen und
       von Krisenprozessen begleitet. Der spontane kapitalistische Regu-
       lierungsmechanismus ist  damit lädiert.  Natürlich gilt  generell
       für diesen spontanen Regulierungsmechanismus, daß die Herstellung
       von Gleichgewichtsproportionen  nur in  einem krisenhaften Anpas-
       sungsprozeß durchgesetzt  werden kann:  durch Entwertung und Ver-
       nichtung von Kapitalen. Aber mit der Dominanz von Monopolstruktu-
       ren werden  die Widersprüche  tiefer und  die  Anpassungsprozesse
       schleppender.
       Dies ist  einer der  Gründe, der  die staatlichen Aktivitäten auf
       den Plan  ruft. Wir beleuchten diese Frage hier nur unter dem Ge-
       sichtspunkt der  Wirksamkeit des Wertgesetzes unter diesen Bedin-
       gungen. Wie  schon an  anderer Stelle  betont, ist die Entstehung
       des Monopols  gesetzmäßiges Produkt  der kapitalistischen  Verge-
       sellschaftung. Dies  betrifft auch die staatlichen Wirtschaftsak-
       tivitäten auf  dieser Stufe. Von diesem Standpunkt ist die Durch-
       brechung der Regulierungsprinzipien des Wertgesetzes eine Notwen-
       digkeit und kein Zufall. Aber Durchbrechung des Wertgesetzes kann
       nicht die  Aufhebung seiner  gesamtgesellschaftlichen Wirksamkeit
       bedeuten. Daraus  folgt, daß  die Monopolstruktur als Bestandteil
       der Produktionsverhältnisse  und des  Reproduktionsprozesses  als
       Ganzes fungiert und in deren Gesetze und Widersprüche eingebunden
       bleibt.
       Bei den  staatlichen Wirtschaftsaktivitäten  ist der Zusammenhang
       von Wert und Preis noch stärker gelockert und stellt sich vorwie-
       gend nur  über die  stofflichen und  wertmäßigen Proportionen des
       Reproduktionsprozesses her.  Gerade dadurch  sind aber  auch  die
       Grenzen des politischen Vermittlungs- und Regulierungsmechanismus
       gezogen. Staatskapital ist Bestandteil des gesellschaftlichen Ge-
       samtkapitals. Es  fungiert allerdings als relativ entwertetes Ka-
       pital, das  sich mit  weniger Profit zufrieden gibt und damit die
       Verwertungsbedingungen des  Privatkapitals verbessert. Mausert es
       sich, unter  welchen Bedingungen auch immer, zur profitträchtigem
       Kapital, setzen  in aller Regel die Reprivatisierungsbestrebungen
       ein. Die öffentliche Finanzierung des Privatkapitals und die Her-
       ausbildung      staatsmonopolistischer      Eigentumsverhältnisse
       (gemischtes Eigentum)  muß im  gleichen Kontext  gesehen  werden.
       Staatlich mobilisiertes  Kapital gelangt  hier unmittelbar in die
       Verfügung des Privatkapitals, der Monopole oder auch der nichtmo-
       nopolistischen Kapitale,  und sichert dessen Verwertungs- und Ak-
       kumulationsfähigkeit.
       Staatliche Produktion  ist auf die Verwertungsbedürfnisse der Mo-
       nopole und  des Gesamtkapitals ausgerichtete Produktion. Unabhän-
       gig von  der konkreten Form ihrer Produkte sind diese Bestandteil
       des Ensembles  des Gesamtprodukts  der Gesellschaft,  die, sofern
       sie nicht  als Waren  in die Konkurrenz treten, dem Privatkapital
       als 'Naturgrundlage'  der gesellschaftlichen  Produktion erschei-
       nen. Der  Einsatz gesellschaftlicher Arbeit in diesem Bereich ist
       Wertproduktion und  Mehrwertproduktion - in anderer Form kann ge-
       sellschaftliche Arbeit  im Gesamtrahmen  der kapitalistischen Wa-
       renproduktion nicht  fungieren und  sich in ihrer gesellschaftli-
       chen Formbestimmung nicht materialisieren - mit modifizierten Re-
       alisierungsbedingungen. Soweit  die hier  erzeugte  Mehrwertmasse
       nicht durch  den Staat  bzw. das Staatskapital unmittelbar reali-
       siert wird,  geht sie,  über welche  Vermittlungsmechanismen auch
       immer, in  den Profitfonds  des Privatkapitals ein. Der Zusammen-
       hang stellt  sich über die stofflichen und wertmäßigen Proportio-
       nen des Reproduktionsprozesses her.
       Wenn also  auch das  Staatskapital und  im erweiterten  Sinne die
       Funktion des Staates als realer Gesamtkapitalist bzw. Gesamtmono-
       polist -  dieser Terminus muß deshalb so modifiziert werden, weil
       damit die Antriebskräfte und die Interessenspangen exakter gefaßt
       werden -  sich in Formen darstellen muß, die in weit höherem Maße
       als beim privatkapitalistischen Monopol die unmittelbaren Wertka-
       tegorien durchbrechen  und damit den Niedergangscharakter der ka-
       pitalistischen Warenproduktion ausdrücken, realisieren sich diese
       Formen nicht  außerhalb des  Gesamtrahmens des  Wertgesetzes.  Es
       kann deshalb  auch in  seiner staatmonopolistischen  Verflechtung
       keine ökonomische  Omnipotenz des  Staates geben.  Seine Regulie-
       rungstätigkeit kann  immer nur mehr oder weniger die Reaktion auf
       Disproportionen und  Krisen sein,  sie bleibt aber an die mit zu-
       nehmender Vergesellschaftung  wachsende  Widersprüchlichkeit  des
       spontanen Prozesses gebunden. Sie stellt zwar selbst die Synthese
       von Spontaneität  und Planmäßigkeit  dar, das  Gesamtsystem  wird
       aber gerade deshalb von den Widersprüchen des spontanen Prozesses
       durchdrungen, die  sich nun in spezifischer Form auf die staatli-
       che Ebene selbst verlagern. Sichtbarster Ausdruck dafür sind etwa
       die Wechselwirkungen von Inflation und staatlicher Finanzkrise.
       Für die  Monopolbourgeoisie ist die ökonomische Aktivität und Re-
       gulierungstätigkeit des  Staates auch  im  Rahmen  des  SMK  kein
       Selbstzweck. Der  ökonomische Bewegungsoder Regulierungsmechanis-
       mus des  SMK tritt  freilich jeweils als Produkt der historischen
       Entwicklung entgegen, dessen Tendenz zwar beeinflußt werden kann,
       dessen Auflösung  oder Umstrukturierung aber ebenso unmöglich ist
       wie die Rückkehr von der Großproduktion zur Kleinproduktion. Wenn
       betont wird, daß der ökonomische Mechanismus des zeitgenössischen
       Kapitalismus als  Einheit aufzufassen  ist, dann ergibt sich dies
       aus dem  Totalitätscharakter des  kapitalistischen Reproduktions-
       prozesses. Aber  es ist  dies eine Einheit widersprüchlicher Ele-
       mente und  Tendenzen, was auch mit dem Konzept der sozialökonomi-
       schen Sektoren  und den entsprechenden Eigentumsgrundlagen ausge-
       drückt wird.  Die Kategorien  des Monopols - monopolistische Kon-
       kurrenz, Monopolprofit,  Monopolpreis - sind die den Gesamtmecha-
       nismus dominierenden  Faktoren, die  mit  dem  Fortschreiten  der
       staatsmonopolistischen Entwicklung  ihre Wirksamkeit unter Einbe-
       ziehung der  staatlichen Vermittlungsmechanismen  entfalten. Aber
       die Grundlage  des Gesamtmechanismus  bleibt die  kapitalistische
       Warenproduktion, in deren Regulierung seine Zwecksetzung besteht.
       Hieraus ergeben sich zwei Schlußfolgerungen:
       1. Die  staatliche Intervention und der staatsmonopolistische Ka-
       pitalismus müssen  sich dann und dort entwickeln, wann und wo die
       Selbstregulierungsfähigkeit hinfällig wird.
       Die dabei entstehenden Formen und Mechanismen können nur dann und
       dort zurückgenommen werden, wo veränderte soziale und ökonomische
       Bedingungen und Strukturen der privatmonopolistischen Regulierung
       neue Möglichkeiten  erstehen lassen.  Dies ist gegenwärtig offen-
       sichtlich mit  dem neuen Monopolisierungs- und Internationalisie-
       rungsgrad der  Konzerne und Finanzgruppen der Fall. 14) Der Stel-
       lenwert der  staatsmonopolistischen Intervention für die Monopol-
       und Finanzbourgeoisie  und ihre  einzelnen Gruppen verändert sich
       also im historischen Prozeß.
       2. Die ökonomischen  Aktivitäten des Staates zielen, faßt man ih-
       ren sozialökonomischen  Inhalt, auf  die Beeinflussung des Repro-
       duktionsprozesses im Interesse der Monopole . Sie sind eine Form,
       in der  das System  der Kapitalverwertung  der Vergesellschaftung
       der Produktion  und den entsprechenden Anforderungen des ökonomi-
       schen und sozialen Prozesses Rechnung trägt. Der ökonomische Ver-
       flechtungsmechanismus von Staat und Monopolen realisiert sich vor
       allem dort, wo die Verlängerung privatmonopolistischer Kooperati-
       onslinien auf die Ebene des Staates erforderlich wird und den An-
       forderungen nach  zentraler oder  regionaler oder  branchen- oder
       komplexmäßiger Planung,  Lenkung und  Leitung entsprochen  werden
       muß. Dabei  können die durch das Wertgesetz strukturierten Zusam-
       menhänge zwar durchbrochen, aber nicht aufgehoben werden. Sie ma-
       chen sich  bei Verletzung  in Disproportionen und Krisen geltend.
       Dies drückt  aber nichts  anderes aus,  als daß  Monopolstruktur,
       staatliche und staatsmonopolistische Regulierung in den durch das
       Wertgesetz konstituierten  Gesamtrahmen der  kapitalistischen Wa-
       renproduktion gebannt  bleiben. Oder  anders ausgedrückt: der SMK
       erweist sich als Entwicklungsphase der kapitalistischen Produkti-
       onsweise und  Gesellschaftsformation in ihrem monopolkapitalisti-
       schen Stadium.
       Von diesem  theoretischen Verständnis  des SMK  können sich  auch
       seine konkreten Aktionen und Tendenzen in der Gegenwart erschlie-
       ßen. 'Reparaturbetrieb des Kapitalismus' kann der Staat nicht nur
       im Sinne  der unmittelbaren  Sanierung des  Monopolprofits  sein,
       sondern er  muß in  Ausübung seiner  Klassenfunktion auch auf das
       Gesamtkapital und die kapitalistische Warenproduktion betreffende
       Disproportionen und  Entwicklungsprobleme reagieren. Sein sozial-
       ökonomisches Wesen  als Staat der Monopole kann also nicht in je-
       der Maßnahme  und noch nicht einmal in der quantitativen Mehrzahl
       der Aktivitäten  in der  Erscheinung unvermittelt  zum  Vorschein
       treten. Hierin  liegt m.  E. auch eine der Ursachen, weshalb sich
       die Differenzierung des Gesamtkapitals kaum als entsprechende po-
       litische Fraktionierung  ausdrückt oder  dies nur  punktuell  der
       Fall ist.  Dies wiederum berührt auch die Interessenherausbildung
       der Arbeiterklasse  und ihrer  gewerkschaftlichen  Organisationen
       auf den  verschiedenen konkreten  Feldern.  Staatsmonopolistische
       Einkommens- (oder  genauer: Lohn-)Politik  betrifft nicht nur die
       Beziehungen von  Arbeiterklasse und  Monopolen, sondern  generell
       die Verteilungsverhältnisse zwischen Lohnarbeit und Kapital. Dies
       gilt auch  für nahezu  alle anderen  für die Reproduktion der Ar-
       beitskraft relevanten  Felder. Erscheint  in der bürgerlichen Ge-
       sellschaft der  Staat in  seiner mystifizierten Form als Ausdruck
       des Allgemeininteresses,  die seine  Grundfunktion als Instrument
       der Klassenherrschaft des Kapitals über die Lohnarbeit verschlei-
       ert, so verstärkt - oder man könnte auch sagen, verdoppelt - sich
       diese Mystifikation im SMK, weil sich sein sozialökonomischer In-
       halt als realer und ideeller Gesamtmonopolist in der Funktion als
       realer und ideeller Gesamtkapitalist verwirklicht.
       
       5. Aspekte der geschichtlichen Entwicklung des SMK in Deutschland
       -----------------------------------------------------------------
       
       Wenn auch erst nach dem zweiten Weltkrieg der umfassende Übergang
       zum staatsmonopolistischen  Kapitalismus stattgefunden  hat  oder
       erst in  dieser Periode  vom Eintritt  des Monopolkapitalismus in
       seine staatsmonopolistische  Phase gesprochen werden kann, so be-
       ginnt die  Geschichte des  SMK als Begleiterscheinung und Merkmal
       des Monopolkapitalismus  mit dessen  Geburt. Das Studium der Ent-
       wicklung dieser  Erscheinung ist deshalb auch für die Analyse der
       Gegenwart von  Interesse, in der der Entwicklungsgrad der kapita-
       listischen Gesellschaftsformation und seine spezifischen Merkmale
       mit dem  Begriff des  SMK ausgedrückt  werden. Dies gilt auch für
       die Grundprozesse  der monopolistischen Konkurrenz und ihres Ein-
       flusses auf die Bewegung des Gesamtsystems.
       Aus diesen  Gründen kann es nur der Verbesserung des analytischen
       Instrumentariums der zeitgenössischen Kapitalismustheorie dienen,
       wenn die  Ergebnisse der  wirtschaftsgeschichtlichen Forschung in
       die SMK-Debatte  einbezogen werden.  Wir möchten deshalb hier auf
       einige Fragestellungen  eingehen,  die  durch  die  neuere  wirt-
       schaftsgeschichtliche Forschung  der DDR aufgeworfen wurden, kön-
       nen dies allerdings nur punktuell tun, da eine umfassende Litera-
       turübersicht und  -kritik  Gegenstand  einer  gesonderten  Arbeit
       wäre. Das Aufgreifen einiger dieser Fragestellungen soll für eine
       stärkere Berücksichtigung  des historischen Aspekts plädieren und
       sich gegen  die geschichtslose Interpretation neuer Erscheinungen
       wenden. Dies  ist auch  deshalb in  stärkerem Maße  erforderlich,
       weil die  sozialgeschichtlich orientierte  Strömung der bürgerli-
       chen westdeutschen  Geschichtsschreibung auch für die SMK-Diskus-
       sion nicht  uninteressante Fakten und Auffassungen vorgelegt hat.
       15)
       Zuerst möchten  wir einige Fragen aufgreifen, die in der Untersu-
       chung von  Kurt Gossweiler  16) behandelt wurden. Es handelt sich
       um das  Monopolgruppenkonzept -  eine Anwendung  der marxistisch-
       leninistischen Monopoltheorie  ", das  für die Erklärung der Ent-
       wicklung des  Wilhelminischen Deutschland  und der Weimarer Repu-
       blik eine  zentrale Rolle  in marxistischen historischen Analysen
       spielt. Von  hier ausgehend  ist auch  immer wieder die Frage der
       Anwendbarkeit auf  den zeitgenössischen  Kapitalismus aufgeworfen
       worden, ohne allerdings überzeugende empirische Analysen, die mit
       den geschichtlichen  Interpretationen vergleichbar  wären, inspi-
       rieren und  bisher hervorbringen zu können. Entsprechende Ansätze
       wurden und  werden immer wieder gemacht, wenn auf der politischen
       Ebene Umorientierungen  im Kurs des SMK sichtbar werden und Frak-
       tionierungen in  der Monopolbourgeoisie sichtbar oder zu vermuten
       sind. (Beispiele: neue Ostpolitik, Atlantiker-Gaullisten/Europäer
       in der Adenauer/Erhard-Ära, Reformflügel und reaktionär-konserva-
       tiver Flügel  in der Phase der staatsmonopolistischen Reformpoli-
       tik.)
       Für die von Gossweiler untersuchte Periode 1914-1932 stellen sich
       ihm die Schwerindustrie und die neuen Industrien (Chemie, Elektro
       u.a.) als  "Kern zweier  industrieller  Hauptgruppierungen"  dar,
       "die durch  ihre imperialistischen  Grundinteressen eine  Einheit
       bildeten, sich  aber dennoch  gleichzeitig infolge ihrer gruppen-
       spezifischen Sonderinteressen  über Jahrzehnte  hinweg erbitterte
       Kämpfe um  die Vormachtstellung  im imperialistischen Deutschland
       lieferten". 17)
       Der Entgegensetzung  liegen unterschiedliche unmittelbare Verwer-
       tungs- und Akkumulationsinteressen zugrunde, die sich bis zur po-
       litischen Ebene, den Klassenbeziehungen, der Orientierung und dem
       Kurs des  imperialistischen Systems artikulieren. Gossweiler ver-
       weist gleichzeitig  auf die  der Herausbildung  stabiler Gruppen-
       strukturen entgegenwirkenden Faktoren: die Konkurrenz gleicharti-
       ger Unternehmen  innerhalb eines Industriezweiges, die Konkurrenz
       ungleichmäßiger Unternehmen innerhalb eines Industriezweiges, die
       Konkurrenz bestimmter  Wirtschaftsgebiete, die  Zugehörigkeit  zu
       Finanzgruppen , die Verflechtung mit ausländischen Finanzgruppen.
       18)
       In der  Sicht Gossweilers  kommt den  Monopolbanken gegenüber den
       Industriemonopolen eine führende Rolle zu: "Ihr allseitiges Enga-
       gement befähigt  sie nicht  nur, sondern  zwingt sie  dazu, stets
       solche Lösungen des Kampfes widerstreitender Gruppeninteressen zu
       suchen, die dem Gesamtinteresse der imperialistischen Bourgeoisie
       nahekommen." 19)  Sicher liegt hier der für die Verallgemeinerung
       problematische Punkt  - nämlich  in der führenden Rolle der Mono-
       polbanken und  in der Fassung des 'Gesamtinteresses' der imperia-
       listischen Bourgeoisie. Zweifellos formulieren sich auf der Ebene
       des  Finanzkapitals   -  das   nicht  identisch  mit  Bankkapital
       schlechthin ist - und der Finanzgruppen die Interessen eines grö-
       ßeren Teils  der Monopolbourgeoisie und die von vornherein in hö-
       herem Maße gegebenen Verflechtungen mit dem Staat und der Politik
       gewährleisten eine unmittelbarere Umsetzung zur Beeinflussung des
       Kurses des Gesamtsystems, ob aber das 'Gesamtinteresse' mehr sein
       kann als  die Resultante des im Konkurrenzkampf wirksam werdenden
       Kräfteverhältnisses und  die Umformung eben dieser Resultante auf
       der politisch-staatlichen  Ebene muß  m.E. prinzipiell bezweifelt
       werden.
       Dessen unbeschadet ist jedoch Gossweilers Fassung der Gruppenbil-
       dung auch von aktuellem Interesse: "Die Gruppenbildung in der Mo-
       nopolbourgeoisie erfolgt  also nicht nur um eine, sondern um zwei
       Achsen, erstens  um die Achse der sich aus den ökonomisch-techni-
       schen Produktions-  und Absatzbedingungen ergebenden spezifischen
       Industriezweiginteressen, zum  anderen um  die Achse  der aus fi-
       nanzkapitalistischen Verflechtungen  hervorgehenden  Interessen."
       20) Für die politischen Gruppierungen des Monopolkapitals hält er
       die so  gefaßten spezifischen  Interessen nur "in letzter Instanz
       und über mancherlei Vermittlungen" 21) für strukturbestimmend. Er
       ist der Ansicht, daß beide Linien - die er für die genannte Peri-
       ode untersucht  - zusammengehörten 22), Varianten der politischen
       Möglichkeiten des  deutschen Imperialismus darstellten, deren Re-
       alisierung und  Durchsetzung weniger von der unmittelbaren ökono-
       mischen Stärke der jeweils hinter ihr stehenden Monopole abhängt,
       "als von  der innen- und außenpolitischen Gesamtlage des jeweili-
       gen Imperialismus".  23) Deshalb  plädiert Gossweiler bei der Un-
       tersuchung der  konkreten Entwicklungsvariante,  die sich  durch-
       setzt, für  den Primat  der Untersuchung  der Gesamtsituation des
       Imperialismus.
       Von aktueller Bedeutung ist nach unserer Auffassung auch Gosswei-
       lers Darstellung  und Analyse  der Gruppierungen der Monopolbour-
       geoisie zu  den ökonomischen Aktivitäten des Staates und zur Ent-
       wicklung des  staatsmonopolistischen Kapitalismus. Er sieht gegen
       Ende des  ersten Weltkrieges  in dieser  Frage zwei Gruppierungen
       herausgebildet, die  sich in W. Rathenau und in H. Stinnes perso-
       nifizieren und  sich z.  T. mit  den genannten Hauptgruppierungen
       decken: Bei  Rathenau steht  die Entwicklung des SMK auf dem Pro-
       gramm, und  zwar als  eine Entwicklung  der Wirtschaft "mit Hilfe
       des Staates  zu einem rationell gegliederten und arbeitenden, von
       den Monopolen  mittels des  Staates zentral gesteuerten Apparat".
       24) Das  Programm von  Stinnes besteht demgegenüber in der Ableh-
       nung unmittelbarer  staatlicher Intervention  und im Plädoyer für
       die Marktwirtschaft.
       Bekanntlich verbündete  sich die Rathenau-Strömung mit dem refor-
       mistischen Flügel  der Arbeiterbewegung - dieser sah bei Rathenau
       ein sozialistisches Programm ", was dazu geführt hatte, diese Li-
       nie als  demokratische SMK-Linie  zu bezeichnen.  Gossweiler ver-
       weist jedoch  darauf, daß  sich Rathenaus  Linie erst  in der fa-
       schistischen   Wirtschaftspolitik    realisiert,   das   Adjektiv
       'demokratisch' also die Haupttendenz nicht wiedergibt. Er verwen-
       det statt  dessen, u.E.  sehr treffend,  das Begriffspaar  etati-
       stisch-antietatistisch.
       Worin besteht  nun die Grundlage dieser Strömungen? "Der Antieta-
       tismus der Schwerindustrie besteht keineswegs darin, das Eingrei-
       fen des Staates in die Wirtschaft zugunsten der Monopole oder die
       Vereinigung der  Macht der Monopole mit der Macht des Staates ab-
       zulehnen, sondern  richtet sich nur gegen bestimmte Formen dieser
       Vereinigung und  dieser Eingriffe,  gegen ihren  Ausbau und  ihre
       dauerhafte Fixierung  zu einem  institutionalisierten System,  in
       dem der Staat die Stellung eines zentralen Kontrolleurs, Planers,
       Koordinators und  Leiters einnimmt..."  25)  Diese  Position  der
       Schwerindustrie sei  der laissez-faire-Standpunkt des Rohstoffmo-
       nopolisten, der  seine Sonderinteressen mit der imperialistischen
       Expansion schlechthin  gleichsetzt. Demgegenüber werden die neuen
       Industrien zu  Vorkämpfern des  SMK in seiner etatistischen Vari-
       ante, weil  die Notwendigkeit  staatlicher Intervention  aus  dem
       Zwang zur  rationellen Ressourcen-  und Kapitalverwendung  resul-
       tiert, weil  die Planung  für die  Entwicklung der Produktivkraft
       Wissenschaft, für  die Bildung  qualifizierter Arbeitskräfte usw.
       erforderlich ist. 26)
       Die Auseinandersetzung  dieser Varianten  oder Linien durchzieht,
       wenn auch unter jeweils anderen Konstellationen, den von Gosswei-
       ler untersuchten Zeitraum. Für die Periode der relativen Stabili-
       sierung des  Kapitalismus setzt  sich die  antietatistische Linie
       durch: "Die  Entwicklung des  staatsmonopolistischen Kapitalismus
       schritt in dieser Zeit weiter voran, jedoch nicht auf dem Weg ei-
       nes Rathenau,  sondern auf  dem von  Stinnes gewiesenen Weg einer
       Gesetzgebung, die  der Expansion und der Profitsteigerung der Mo-
       nopole breitesten  Spielraum auf  Kosten der  Massen verschaffte,
       ohne daß  der Staat  selbst ständig lenkend in den Wirtschaftsab-
       laufeingriff." 27)
       Die genannten Varianten in der Entwicklung des SMK sind kein Spe-
       zifikum für  jene Periode,  als der  SMK noch als ein Merkmal des
       Monopolkapitalismus angesehen  werden konnte, sondern sie charak-
       terisieren auch  heute die Entwicklung des SMK und die Herausbil-
       dung entsprechender  Strömungen in  der Bourgeoisie  und Monopol-
       bourgeoisie. Sie  finden u.E. heute jedoch eine komplexere Grund-
       lage, als  sie Gossweiler  für seine  Untersuchungsperiode in den
       spezifischen Industriegruppeninteressen festmacht.
       Wichtige Fragestellungen zu dem uns hier interessierenden Komplex
       sind auch  in den  neueren Arbeiten,  die im Rahmen des Instituts
       für Wirtschaftsgeschichte  der AdW der DDR entstanden, entwickelt
       worden. 28)  Wenn wir  auch die von den Hauptautoren in Anlehnung
       an Jürgen Kuczynski vertretene Position nicht teilen, daß man den
       SMK durchgängig  für den gesamten Monopolkapitalismus nur als ein
       Merkmal ansehen müsse, demzufolge vom SMK als einer Phase des Mo-
       nopolkapitalismus nicht gesprochen werden könne, halten wir einen
       Teil der  aufgeworfenen kritischen Fragen hinsichtlich der Krite-
       rien der Periodisierung 29) für wichtig und legitim.
       Die Untersuchung des Verhältnisses Monopole-Staat erfolgt im Rah-
       men der  Untersuchung des  Verhältnisses von Wirtschaft und Staat
       im Imperialismus:  Dementsprechend wird  formuliert: "Als  Mittel
       zur Dämpfung  der Widersprüche  der kapitalistischen Reproduktion
       entwickelt sich die arbeitsteilige staatsmonopolistische Regulie-
       rung." "Staatsmonopolistische  Regulierung bezeichnet  einen Kom-
       plex von  Vorgängen und Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, die
       spontanen privat-kapitalistischen Regelmechanismen zu stärken und
       ihre (begrenzte)  Anpassung an  die sich ständig erweiternde Stu-
       fenleiter der Vergesellschaftung der Produktion zu unterstützen."
       30)
       Aufgrund des historisch-empirischen Materials vertreten die Auto-
       ren die  These, daß die Konzentration nicht nur dicht bis zum Mo-
       nopol führe, sondern mit Notwendigkeit auch die öffentliche Regu-
       lierung hervorrufe.  31) Und  weiter: "Wenn also die These formu-
       liert wurde, das Monopol fordere mit seinem Entstehen die Staats-
       einmischung heraus,  so muß man nun die These erweitern: Versuche
       der Staatseinmischung fordern die Einwirkung der Monopolvertreter
       auf die  Staatstätigkeit heraus.  Die Verflechtung  von Staat und
       Ökonomik erhält  mit dem  Entstehen des Monopolkapitals eine neue
       Qualität, aber diese neue Qualität muß sich nicht immer und über-
       all und sofort in stärkerer staatlicher Regulierung des Reproduk-
       tionsprozesses zeigen, sondern kann sich auch im Unterbleiben ob-
       jektiv notwendig gewordener Regulierung äußern." 32)
       In der  Sicht der  Autoren ist die Wechselwirkung von Selbstregu-
       lierungsfähigkeit der  Privatwirtschaft und staatlich-administra-
       tiver Regulierung  für die  Geschichte des  SMK ein wichtiger Ge-
       sichtspunkt. Vor  allem im  Bereich der  kleinen Warenproduktion,
       z.B. der Landwirtschaft, rufe die mangelnde Selbstregulierungsfä-
       higkeit schon  relativ früh die staatlich-administrative Regulie-
       rung auf  den Plan,  während z.B.  der Bergbau das Beispiel dafür
       ist, wie  Staatsunternehmen über verschiedene Stufen der Repriva-
       tisierung in  die  privatmonopolistische  Regulierung  einbezogen
       wurden. 33)  Gerade die wechselvolle Geschichte des deutschen Mo-
       nopolkapitalismus verweist  darauf, daß  man sich  auch heute vor
       einer  versimpelten  'eindimensionalen'  Betrachtung  (Vergesell-
       schaftungsdruck - Verstaatlichung - weiterer Ausbau des SMK usw.)
       zu hüten hat.
       Beenden wir  damit den  Exkurs in  die neuere  marxistische wirt-
       schaftsgeschichtliche Forschung zur Entwicklung des Verhältnisses
       von Monopolen  und Staat,  des SMK. Wir möchten den Leser nun mit
       einer Konzeption  der aktuellen SMK-Forschung bekannt machen , in
       der dem heutigen Entwicklungsstand des SMK Rechnung getragen wird
       und zwar  hinsichtlich der Herausbildung relativ dauerhafter mehr
       oder weniger  institutionalisierter Verflechtungen zwischen Staat
       und Monopolen; und in der ebenso das Problem der Monopol- und Fi-
       nanzgruppen und  der Schwerpunkte der monopolistischen Konkurrenz
       unter diesen Bedingungen eine Beantwortung erhält.
       
       6. Zur Konzeption der staatsmonopolistischen Komplexe
       -----------------------------------------------------
       
       Für weitere  Überlegungen zur  kategorialen Fassung  wesentlicher
       Erscheinungen des SMK und insbesondere der Verflechtung von Mono-
       pol- und  Staatsmacht ist  die Konzeption  der staatsmonopolisti-
       schen Komplexe  von Interesse, die in der sowjetischen Kapitalis-
       musforschung vor  allem von  einer Leningrader Autorengruppe ver-
       treten wird. 34) In gewissem Sinne erfolgt hier eine theoretische
       Verallgemeinerung jener  Erscheinungen, die  historisch zuerst im
       Militär-Industrie-Komplex aufgetreten  sind  und  dementsprechend
       auch zuerst  analysiert wurden. Die Autorengruppe sieht derartige
       Komplexe in mehr oder weniger entwickelter Form vor allem auf den
       Gebieten der  Atomwirtschaft, der Raumfahrt, der Umweltindustrie,
       der Forschung und Entwicklung, der Landwirtschaft usw. Wir halten
       es für  nützlich, die  Grundüberlegungen der Leningrader Autoren-
       gruppe auch in der weiteren SMK-Debatte in der BRD zu berücksich-
       tigen und stellen sie deshalb in kurzen Zügen vor.
       Diese Komplexe hätten - über den Militär-Industrie-Komplex hinaus
       - in  der Wirtschaft  entwickelter kapitalistischer Länder in den
       sechziger und  siebziger Jahren  eine zunehmende  Rolle  erlangt.
       "Die Bedingungen  für die  Formierung staatsmonopolistischer Kom-
       plexe entstehen dann, wenn sich die Notwendigkeit für tiefgehende
       und unmittelbare,  funktionelle Beziehungen  zwischen  dem  Staat
       (seinen Behörden)  und den  Konzernen (Monopolen)  auf bestimmten
       Gebieten der Tätigkeit ergibt." 35) Die damit entstehenden Bezie-
       hungen erschöpften  sich nicht  in der  staatlichen Beeinflussung
       der entsprechenden  Märkte, sondern  es entstünden Produktionsbe-
       ziehungen. Bestehende  und entstehende staatsmonopolistische Pro-
       duktionsverhältnisse seien  die allgemeine  Grundlage der Formie-
       rung, der Entwicklung und des Funktionierens dieser Komplexe.
       Als wichtigste  "institutionelle Elemente"  dieser  Komplexe  36)
       werden die  verschiedenen auf  diesem jeweiligen  Gebiet  tätigen
       staatlichen Behörden,  Verwaltungen, Zweige angesehen. Über diese
       Elemente realisiere  sich die  enge Bindung mit Einrichtungen für
       Wissenschaft und  Technik, mit  den Parlamenten und den bürgerli-
       chen Parteien  und Organisationen. Demgegenüber seien die Privat-
       monopole, ihre Gliederungen und Organe die "wichtigsten struktur-
       bildenden Elemente"  dieser Komplexe 37), wobei sich entsprechend
       der Anlagesphären  der Konzerne  ihre Einbindung (und ihr Engage-
       ment) in  unterschiedliche Komplexe  ergeben könnte. Dies bedürfe
       jeweils einer  konkreten Analyse.  Gleichfalls sei  auch ein Teil
       der kleinen  und mittleren Unternehmen in die jeweiligen Komplexe
       eingebunden.
       Der mit  den Komplexen  entstehende Verbund  monopolistischer und
       staatlicher Interessen  formuliere über Programme, Prognosen usw.
       seine Interessen  als allgemeine, im Interesse der Gesamtentwick-
       lung liegende  und übe entsprechenden Einfluß auf die Öffentlich-
       keit aus.  Betrachte man die Beziehung der beiden Seiten der Kom-
       plexe zueinander,  so müsse  per Saldo von nichtäquivalenten Aus-
       tauschbeziehungen gesprochen  werden, die  sich über eine Palette
       konkreter Felder  verwirklichten. Wesentlich ist, daß die entste-
       henden Beziehungen  nicht nur  zeitweiliger oder  vorübergehender
       Natur seien,  sondern langfristiger und kontinuierlicher Art. Sie
       realisierten sich  über die Gemeinsamkeit konkreter ökonomischer,
       ideologischer, technischer  und wissenschaftlicher  Aufgaben  und
       Interessen der  beteiligten Monopolvertreter  und  Staatsbeamten,
       über Ware-Geld-Beziehungen,  über in  ein System  von Kennziffern
       gefaßte Vertrags-,  Kontrakt- und  Regulierungsbeziehungen,  über
       technische und  funktionelle Abhängigkeiten  sowie staatliche Ga-
       rantien und nicht zuletzt über persönliche Beziehungen.
       "Der Komplex  tritt als eine monopolistische Vereinigung auf, die
       verschiedene Monopole  oder ihre  Firmen und  Unternehmen und die
       staatlichen Behörden  funktionell vereinigt."  38)  Dies  berühre
       vordergründig nicht  die bestehenden Eigentumsstrukturen, aber es
       finde eine wechselseitige Abtretung bestimmter Rechte und Pflich-
       ten statt.  In  gewissem  Sinne  handele  es  sich  also  um  ein
       "Kartell, das einige neue, tiefergehende Produktions- und kommer-
       zielle Verbindungen  aufweist". 39) Der Staat trete nicht nur als
       Finanzier auf,  sondern übernehme auch einen Teil anderer notwen-
       diger Funktionen  und Maßnahmen,  so daß  das Monopolkapital z.B.
       bei der Programmierung im Hintergrund bleiben könne.
       Die Komplexe  existieren  nicht  losgelöst  von  der  allgemeinen
       Struktur des  heutigen Monopolkapitalismus,  sondern stellten nur
       eine Erweiterung  und  Komplizierung  der  Struktur  des  Gesell-
       schaftskapitals dar. Sie stünden gemeinsam und neben "den indivi-
       duellen kapitalistischen  Unternehmen, monopolistischen  Vereini-
       gungen, Finanzgruppen  und stehen  mit ihnen in komplizierten Be-
       ziehungen". 40)  Sie seien  verhältnismäßig stabile Interessenge-
       meinschaften von  Monopolgruppen und staatlichen Verwaltungen auf
       konkreten Feldern  der Volkswirtschaft, und somit "neue Organisa-
       tionsformen des  Kapitals" 41), - Formen der Organisation staats-
       monopolistischen Kapitals  und der modernen kapitalistischen Pro-
       duktion" 42),  Ausdruck einer - weiteren Vertiefung der kapitali-
       stischen Vergesellschaftung". 43)
       Die Komplexe  seien gleichzeitig Formen der Konzentration und Mo-
       nopolisierung  sowie  der  Verstaatlichung  der  kapitalistischen
       Wirtschaft. In  ihrem Rahmen erfolge in konkreter Form die Verei-
       nigung von  Konkurrenz und  Planmäßigkeit. Zusammenfassend formu-
       liert die  Autorengruppe: "Die staatsmonopolistischen Komplexe...
       sind die  wichtigsten  Ketten-  oder  Bindeglieder  des  heutigen
       staatsmonopolistischen Systems,  die Organisationform des staats-
       monopolistischen Kapitals,  seine spezifische Form der Konzentra-
       tion, Zentralisierung  und seines  Funktionierens, die Fusion der
       Monopole... mit  der Staatsmaschine  und  die  dem  entsprechende
       Struktur... das  sind dialektische,  widersprüchliche Einheiten -
       geboren aus  der Synthese von Monopolisierung und Verstaatlichung
       des Wirtschaftslebens,  von Konkurrenz  und Planmäßigkeit...  Der
       Hauptunterschied der staatsmonopolistischen Komplexe zu vorherge-
       henden Organisationsformen  des Kapitals  besteht  offensichtlich
       darin, daß die aktive Teilnahme des Staatskapitals die unbedingte
       Voraussetzung ihres Funktionierens ist." 44)
       Sie seien  Elemente der  Produktionsverhältnisse des zeitgenössi-
       schen Kapitalismus  und stünden  kategorial zum  SMK wie das Ein-
       zelne zum  Allgemeinen -  vergleichbar der  Stellung der Monopole
       zum Monopolkapialismus.  Im System der Kategorien der politischen
       Ökonomie des Monopolkapitalismus stünden die Komplexe als konkre-
       tes Scharnier zwischen den Finanzgruppen und dem Staat. 45)
       Die Untersuchung,  welche konkreteren Konstellationen der Heraus-
       bildung dieser so skizzierten Komplexe zugrunde liegen, ob es ge-
       rechtfertigt ist,  die damit  erfaßten Beziehungen zwischen Staat
       und Monopolen  in den Rang einer neuen polit-ökonomischen Katego-
       rie zu  erheben oder  ob die bisher gebräuchlichen Fassungen aus-
       reichend sind,  hätte empirische Forschung und theoretische Über-
       legungen einzubeziehen. Die konkreten politischen Auseinanderset-
       zungen in  der BRD  um das KKW-Programm, um Umwelt- und Technolo-
       giefragen 46)  usw. machen  deutlich, daß mit den staatsmonopoli-
       stischen Komplexen  ein Problem von hoher Aktualität angesprochen
       ist. Für  die theoretische  Fragestellung  dürfte  von  Interesse
       sein, ob  nun auch mit der Konkurrenz dieser Komplexe, bei der es
       ja in  erster Linie  um die  Orientierung und die Prioritäten der
       staatlichen Aktivitäten und in der Konsequenz um die Richtung und
       die Proportionen  des Reproduktionsprozesses geht, die Konkurrenz
       der Monopol-  und Finanzgruppen  eine Modifizierung und Konkreti-
       sierung erfährt.  Dafür spricht  vieles. Schließlich ist auch die
       Frage aufzuwerfen,  wie  bei  einer  derartigen  Verdichtung  des
       staatsmonopolistischen Mechanismus  in den Komplexen eine antimo-
       nopolistische und alternative Wirtschafts- und Gesellschaftspoli-
       tik zu konkretisieren ist.
       
                                    ***
       
       Der Schwerpunkt  dieses Beitrages lag bei der Erörterung der öko-
       nomischen Beziehungen von Staat und Monopolen im SMK der BRD, und
       zwar unter  dem Blickwinkel,  daß der  monopolistische Sektor Be-
       standteil der  kapitalistischen Produktions- und Verkehrsverhält-
       nisse als Ganzes ist. Daraus ergibt sich, daß sich auch unter den
       Bedingungen des  SMK, also Bedingungen unmittelbarer Verflechtung
       von Monopolen und Staat, die ökonomischen Aktivitäten des Staates
       auf den  Reproduktionsprozeß als  Ganzes, seine  Disproportionen,
       Krisen usw.  beziehen müssen.  Sein sozialökonomisches  Wesen als
       Staat der Monopole realisiert sich also im Rahmen seiner Grundbe-
       stimmung als  realer und  ideeller Gesamtkapitalist. Freilich ist
       damit eine  Beziehung formuliert,  die sich  notwendigerweise  in
       diesem Widerspruch bewegt und im realen Gang der Entwicklung ihre
       Ausprägung in  den konkreten  Widersprüchen, Zielkonflikten  usw.
       der ökonomischen Aktivitäten des Staates erfährt.
       Sowohl die  Betrachtung der  realen Verhältnisse als auch der Ex-
       kurs zur historischen Entwicklung des Monopolkapitalismus und des
       SMK zeigen, daß die Monopolbourgeoisie ein widersprüchliches Ver-
       hältnis  zur   administrativen  und   institutionalisierten  Form
       staatsmonopolistischer Regulierung  entwickelt.  Welche  Strömung
       für die  Gesamttendenz bestimmend  wird, hängt  nicht nur von der
       Selbstregulierungsfähigkeit dieser  oder jener  Bereiche der Pri-
       vatwirtschaft ab, sondern von den ökonomischen, sozialen, politi-
       schen Existenzbedingungen  des jeweiligen  imperialistischen  Sy-
       stems.
       Angesichts des  mit der  wissenschaftlich-technischen  Revolution
       zunehmenden Vergesellschaftungsdrucks  und zunehmender Krisenten-
       denzen in  den internationalen ökonomischen Verhältnissen des Ka-
       pitalismus entsteht  für den SMK die Notwendigkeit der Weiterent-
       wicklung administrativer  und institutionalisierter Regulierungs-
       formen. Gleichzeitig wächst jedoch mit hohem Monopolisierungsgrad
       in gewisser  Weise die  Selbstregulierungsfähigkeit des monopoli-
       stischen Sektors;  oder anders  ausgedrückt:  das  Monopolkapital
       tendiert danach, den administrativen Eingriff in seine Domänen in
       Grenzen zu  halten, ihn  nur als zeitweiligen Notbehelf zu akzep-
       tieren und ihn dort, wo er verzichtbar erscheint, abzubauen.
       Dabei ist der Umstand zu berücksichtigen, daß der direkte und un-
       mittelbare  staatliche  Wirtschaftsinterventionismus  in  höherem
       Grad der Beeinflussung durch die sozialen und politischen Kräfte-
       verhältnisse - und damit auch der Politisierung - unterliegt, als
       dies bei 'marktwirtschaftlichen' oder indirekten Regulierungsfor-
       men der  Fall ist. Dies muß beachtet werden, wenn gegenwärtig für
       die BRD  von einer  privatmonopolistischen oder antietatistischen
       Entwicklungsvariante des SMK gesprochen wird.
       
       Anhang
       ------
       
       Materialien zu den sozialökonomischen Sektoren in der BRD
       
       Die nachfolgend  abgedruckten Angaben beruhen auf den Ergebnissen
       der Volks-,  Berufs- und  Arbeitsstättenzählungen 1970  und 1961.
       Entsprechende Angaben  für die  siebziger Jahre  können nicht ge-
       macht werden. Sie werden erst nach der nächsten Volkszählung 1980
       möglich sein. Grundlage der vorliegenden Schätzung ist die Erfas-
       sung der  Unternehmen nach  der Anzahl der Beschäftigten und nach
       Rechtsform.
       Weitere und  für ihre jeweilige Bezugsgrundlage auch exaktere An-
       gaben zum  Umfang des  groß- und  monopolkapitalistischen Sektors
       kann der interessierte Leser auch der Analyse von Angelina Sörgel
       zu den  Ergebnissen der  Monopolkommission  in  diesem  Band  von
       "Marxistische Studien" entnehmen.
       Tabelle 6  enthält Angaben zum Sektor des Auslandskapitals (einem
       'vertikalen' Sektor,  allerdings mit Schwerpunkt in der monopoli-
       sierten Großwirtschaft),  die sich  auf  ökonomische  Kennziffern
       stützen und die Struktur von 1976 erfassen.
       
       Tabelle 1:
       Anteil des  groß- und monopolkapitalistischen 1) und des staatli-
       chen Sektors an allen Lohnabhängigen 2) nach Bereichen des
       
                                       in Tausend
       Bereich des Reproduk-  Gesamt-  Groß- und  Kernbe-  staatlicher
       tionsprozesses         wirt-    monopol-   reich    Sektor
                              schaft   kap.       des mo-
                                       Sektor     nopol-
                                                  kap.
                                                  Sektors
       1. Bereich der materiellen
          Produktion 3)      14 105     4 660      2 644     1 368
          (darunter: verarbeitende
          Wirtschaft)        (9 964)   (4 049)    (2 229)     (150)
       2. Bereich der Geld- und
          Warenzirkulation 4) 3 337       578        281       227
       3. Bereich privater Dienst-
          leistungen 5)       1 917        99          6         -
       4. Bereich staatlicher
          Einrichtungen       3 147         -          -     3 147
       1.-4. Gesamtwirt-
          schaft             22 506     5 337      2 931     4 742
       
                                in v.H. aller Lohnabhängigen
       Bereich des Reproduk-  Gesamt-  Groß- und  Kernbe-  staatlicher
       tionsprozesses         wirt-    monopol-   reich    Sektor
                              schaft   kap.       des mo-
                                       Sektor     nopol-
                                                  kap.
                                                  Sektors
       1. Bereich der materiellen
          Produktion 3)       100,0      33,0       18,8       9,7
          (darunter: verarbeitende
          Wirtschaft)        (100,0)    (40,6)     (22,4)     (1,5)
       2. Bereich der Geld- und
          Warenzirkulation 4) 100,0      17,3        8,4       6,8
       3. Bereich privater Dienst-
          leistungen 5)       100,0       5,2        0,3
       4. Bereich staatlicher
          Einrichtungen       100,0       -          -       100,0
       1.-4. Gesamtwirt-
          schaft              100,0      23,7       13,0      21,1
       _____
       1) Groß- und monopolkapitalistischer Sektor Unternehmen über 1000
       Beschäftigte; monopolkapitalistischer  Sektor:  Unternehmen  über
       5000 Beschäftigte
       2) Arbeiter, Angestellte, Beamte
       3) Landwirtschaft, Bergbau, Energiewirtschaft, verarbeitendes Ge-
       werbe, Bau Wirtschaft, Verkehrs- und Nachrichtenwesen
       4) Handel, Kredit- und Versicherungswesen
       5) Dienstleistungen von  Unternehmen und  freien Berufen, private
       Haushalte
       Quelle: Beiträge des  IMSF 2, Klassen- und Sozialstruktur der BRD
       1950-1970, Teil  II: Sozialstatistische  Analyse,  Frankfurt/Main
       1974; ber. nach Tab. 3.0/10 und 3.1/11.
       
       Tabelle 2:
       Verteilung aller  Arbeiter, Angestellten  und Beamten auf sozial-
       ökonomische Sektoren 1970
       
       Sozialökonomische Sektoren               in Mio.   in v.H.
       
       1. Verlegerkapital und Privathaushalte    0,55       2,4
       2. Mittelschichten                        2,47      11,0
       3. Mittelschichten und kleines Kapital    3,14      13,9
       4. Mittleres Kapital                      6,27      27,9
       5. Groß- und Monopolkapital               5,34      23,7
          (darunter: Monopolkapital)            (2,90)    (13,0)
       6. Staat                                  4,74      21,1
       1.-6.                                    22,5      100,0
       _____
       Quelle: Beiträge des IMSF 2, Teil II, a.a.O., Abschnitt 3.1.2.2.
       
       Tabelle 3:
       Anteile der sozialökonomischen Sektoren an den Erwerbstätigen der
       gewerblichen Wirtschaft 1) in v.H.
       
              Sozialökonomischer Sektor                 1961     1970
       
       1.     Mittelschichten                           24,4     22,0
       2.     Kleines Kapital                           22,9     22,7
       3.     Mittleres Kapital                         22,2     23,1
       4.     Groß- und Monopolkapital 2)               24,7     26,6
              (darunter Kernbereich des
              Monopolkapitals 3)                        (-)     (14,8)
       2.-4.  Privatkapital                             69,8     72,4
       5.     Staat                                      5,8      5,6
       1.-5.  zusammen                                 100,0    100,0
       _____
       1) Wirtschaft ohne Landwirtschaft, Gebietskörperschaften, Organi-
       sationen ohne Erwerbscharakter, Sozialversicherungen.
       2) Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten.
       3) Unternehmen mit über 5000 Beschäftigten.
       Quelle: Beiträge des IMSF 2, Teil II, a.a.O., Tabelle 3.4/39.
       
       Tabelle 4:
       Anteil des  sozialökonomischen Sektors des Groß- und Monopolkapi-
       tals  1)   an  den   Erwerbstätigen  verschiedener  Bereiche  der
       gewerblichen Wirtschaft 2) in v.H.
       
              Bereiche der gewerblichen Wirtschaft     1961     1970
       
       1.     Bergbau und Energiewirtschaft            80,7     74,2
       2.     Verarbeitendes Gewerbe                   37,2     40,8
       3.     Baugewerbe                                7,2     10,4
       4.     Verkehrs- und Nachrichtenwesen            7,8      7,0
       5.     Handel                                    8,9     11,1
       6.     Kredit- und Versicherungsgewerbe         31,1     35,6
       7.     Private Dienstleistungen                  2,9      4,2
       1.-7.  Gewerbliche Wirtschaft                   24,7     26,6
       _____
       1) Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten.
       2) Wirtschaft ohne Landwirtschaft, Gebietskörperschaften, Organi-
       sationen ohne Erwerbscharakter, Sozialversicherungen.
       Quelle: Beiträge  des IMSF  2, Teil  II, a.  a. O.,  Tab. 3.4/31;
       3.4/32; 3.4/33; 3.4/34; 3.4/35; 3.4/36; 3.4/38; 3.4/39.
       
       Tabelle 5:
       Anteile der  sozialökonomischen Sektoren  an der aktiven Bevölke-
       rung 1) der BRD in v.H.
       
       Sozialökonomischer Sektor      1950   1961   1970
       
       1.    Mittelschichten          40,3   30,0   25,1
       2.    Privatkapital            47,7   54,9   56,9
       3.    Staat                    12,0   15,1   18,0
       1.-3. Gesamtwirtschaft
             (in Mio. Personen)      100,0  100,0  100,0
                                     (21,6) (27,1) (27,3)
       _____
       1) Alle Erwerbspersonen.
       Quelle: Beiträge des IMSF 2, a.a.O., Tabelle 6/1.
       
       Tabelle 6:
       Sektor des Auslandskapitals in der BRD-Wirtschaft (Stand 1976)
       
                          Anteile der Unternehmen mit unmittelbarer und
       Wirtschaftszweig   mittelbarer ausländischer Kapitalbeteiligung
                          an allen inländischen Unternehmen in v.H.
                            Bilanzsumme  Jahresumsatz  Beschäftigtenzahl
       
       Inländische Unternehmen
       des Produzierenden Gewer-
       bes und des Handels insge-
       samt                     14,7         15,9             9,9
       darunter:
        Chemische Industrie     26,2         27,5            23,0
        Mineralölverarbeitung   89,0         86,5            86,3
        Gewinnung und Verar-
        beitung von Steinen und
        Erden                   17,0         14,9            12,1
        Eisen- und Stahl-
        erzeugung               29,8         19,1            19,3
        NE-Metallerzeugung      37,5         22,6            25,5
        Stahl- und Leichtmetall-
        bau                     14,6          8,2            10,7
        Maschinenbau            16,4         18,4            15,8
        Straßenfahrzeugbau      26,4         26,1            24,7
        Elektrotechnik          25,8         24,6            20,4
        Herstellung von EBM-
        Waren                   13,1         10,7            11,7
        Holzverarbeitung         1,5          0,9             1,5
        Textilgewerbe            8,5          7,4             6,8
        Bekleidungsgewerbe       3,0          3,3             1,7
        Nahrungs- und Genuß-
        mittelgewerbe 1)        10,6         12,2            16,3
        Baugewerbe               2,2          2,9             1,7
        Handel                  12,0         12,5             6,8
       
                               in absoluten Zahlen
                              in Mrd. DM    in Mrd. DM        in Tsd.
       Inländische Unternehmen
       des Produzierenden Gewer-
       bes und des Handels insge-
       samt                     1340,4        2113,8          15 043,0
       darunter: Unternehmen mit
       unmittelbarer und mittel-
       barer ausländischer Kapital-
       beteiligung               196,6         335,5           1 495,9
       Unternehmen 2) mit aus-
       ländischer Kapitalbetei-
       ligung 3) in der gesamten
       Wirtschaft                293,5         351,3           1 593
       _____
       1) Ohne Tabakverarbeitung.
       2) Insgesamt sind  dies 6754  Unternehmen mit ausländischer Kapi-
       talbeteiligung.
       3) Die Gesamtsumme der unmittelbaren ausländischen Direktinvesti-
       tionen in  der Wirtschaft  der BRD wird mit 63 Mrd. DM angegeben.
       Nach dem Ursprungsland kommen 25,9 Mrd. aus den USA, 8,9 Mrd. aus
       den Niederlanden, 8,9 Mrd. aus der Schweiz, 5,1 Mrd. aus Großbri-
       tannien, 4,3 Mrd. aus Frankreich.
       Quelle: Monatsberichte der  Deutschen Bundesbank, Frankfurt/Main,
       April 1979, S. 36 ff.
       
       _____
       1) Vgl. Konkret, Monatszeitschrift, Hamburg, Nr. 12/1978, S. 8.
       2) Dies zeigt  etwa die Unterzeichnerliste der Memoranden, in der
       sich auch  die Namen von Mitarbeitern des Westberliner DIW finden
       (vgl. Memorandum  78, Alternativen  der Wirtschaftspolitik, Bund-
       Verlag, Köln 1978).
       3) So schreiben  F. Deppe,  G. Fülberth, J. Harrer zur Konstella-
       tion in  der aktuellen Diskussion um die Geschichte der deutschen
       Gewerkschaften: "Die  Formation der  Verteidiger des  Bestehenden
       ist in  der Bundesrepublik  besonders tief gestaffelt. Da gibt es
       Hauptinteressenten, Nebeninteressenten  und Irrläufer."  (diess.,
       Aktuelle Probleme  der Geschichtsschreibung der Arbeiter- und Ge-
       werkschaftsbewegung, Teil II, in: Blätter für deutsche und inter-
       nationale Politik,  Köln, Nr. 5 /1979, S. 596) Eine ähnliche Kon-
       stellation gibt  es auch  in der  aktuellen Krisen-, Monopol- und
       SMK-Diskussion -  nur haben es hier die Hauptinteressenten schwe-
       rer, ihre  Absichten zu verschleiern und ihre Position zu begrün-
       den.
       4) Zur Darstellung  und Auseinandersetzung  mit der  'linken' und
       rechten Kritik  an der Monopol- und SMK-Theorie vgl.: H. Jung, J.
       Schleifstein, Die Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus
       und ihre Kritiker in der Bundesrepublik, Frankfurt/Main 1979.
       Aus der  neueren marxistischen  Literatur der BRD, die sich eben-
       falls mit diesem Problem auseinandersetzt, sind folgende Titel zu
       beachten:
       W.M. Breuer, Zur Politischen Ökonomie des Monopols, Köln 1975; J.
       Huffschmid, Begründung  und Bedeutung  des Monopolbegriffs in der
       marxistischen politischen Ökonomie, in: Das Argument, Westberlin-
       Karlsruhe, Sonderheft  6, 1975; R. Katzenstein, Zur Frage des Mo-
       nopols, des  Monopolprofits und der Durchsetzung des Wertgesetzes
       im Monopolkapitalismus (in: ebenda); Braunsdorf/Löffler, Kapital-
       begriff und  Monopol, Westberlin 1976; IMSF (Hrg.), Das Monopol -
       ökonomischer Kern des heutigen Kapitalismus. Aktuelle und theore-
       tische Gesichtspunkte der marxistisch-leninistischen Monopoltheo-
       rie; Probleme  der materialistischen Staatstheorie; Staat und Mo-
       nopole (II),  Das Argument,  Sonderheft 16,  Westberlin-Karlsruhe
       1976.
       Eine systematisch  geordnete Zusammenstellung aller wichtigen Äu-
       ßerungen von Marx, Engels und Lenin zur Monopolproblematik findet
       sich in:  Marx, Engels, Lenin, Zur politischen Ökonomie des Kapi-
       talismus, herausgegeben von R. Katzenstein und H. Peter, Westber-
       lin 1977, S. 509-574.
       Unter den  neueren Arbeiten,  die die  Grundaussagen  der  marxi-
       stisch-leninistischen Monopoltheorie empirisch in der Analyse ei-
       nes mit  dem Finanzkapital verflochtenen Einzelkonzerns seit sei-
       ner Gründung  im 19.  Jh. bis heute herausarbeiten, sei verwiesen
       auf: Gert Hautsch, Das Imperium AEG-Telefunken. Ein multinationa-
       ler Konzern, Frankfurt/Main 1979.
       5) So schrieben Marx und Engels: "Mit einem Wort, die Kommunisten
       unterstützen überall jede revolutionäre Bewegung gegen die beste-
       henden gesellschaftlichen und politischen Zustände.
       In allen  diesen Bewegungen  heben sie die Eigentumsfrage, welche
       mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge,
       als die  Grundfrage der  Bewegung hervor." (Manifest der Kommuni-
       stischen Partei,  1848, in:  Marx/Engels, Werke  [MEW], Bd. 4, S.
       493.)
       6) "Dieses Monopol  ist ein  kapitalistisches, d.h.  ein Monopol,
       das aus  dem Kapitalismus erwachsen ist und im allgemeinen Milieu
       des Kapitalismus,  der Warenproduktion,  der Konkurrenz, in einem
       beständigen und  unlösbaren Widerspruch zu diesem allgemeinen Mi-
       lieu steht." (W. I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium
       des Kapitalismus, 1916, in: W. I. Lenin, Werke, Bd. 22, S. 281.)
       7) F. Engels,  Der Ursprung  der Familie, des Privateigentums und
       des Staates,  1884, in: MEW, Bd. 21, S. 167; W. I. Lenin, Der Im-
       perialismus, a. a. O., S. 225.
       8) Vgl. Helga  Nussbaum, Landwirtschaft  - staatliche Regulierung
       und Selbstregulierung  in einem nichtmonopolisierten Bereich, in:
       D. Baudis., H. Nussbaum, Wirtschaft und Staat in Deutschland Ende
       des 19. Jh. bis 1918/19, Berlin/DDR, 1978, S. 177 ff.
       9) Zur Kritik  des Begriffs  'Mittelstand' vgl.: H. Jung, Aspekte
       der sozialökonomischen  Analyse der  Mittelschichten in  der BRD,
       in: Sozialistische Politik, Westberlin, Nr. 46 (Dez. 1978), S. 50
       f. 10) Zu  diesem Komplex  seien die  aktuellen Strukturdaten für
       die BRD  angefügt; alle Zahlenangaben beziehen sich auf den Stand
       von Dezember 1978 bzw. auf das Jahr 1978:
       Das Volumen der von BRD-Kreditinstituten an inländische Nichtban-
       ken vergebenen  Kredite betrug  1199 Mrd. DM; davon gingen an in-
       ländische Unternehmen  und Privatpersonen  908 Mrd. DM und an in-
       ländische öffentliche Haushalte 229 Mrd. DM.
       Die Verschuldung  der öffentlichen Haushalte betrug insgesamt 372
       Mrd. DM  (Steuereinnahmen 1978: 293 Mrd. DM); die Kreditinstitute
       waren Gläubiger von 262 Mrd. DM. Der Anteil der Großbanken an der
       öffentlichen Schuld wird auf 70 Prozent geschätzt und der jährli-
       che Schuldendienst der öffentlichen Haushalte beläuft sich gegen-
       wärtig auf  über 30  Mrd. DM.  (Diese Angaben  nach:  Frankfurter
       Rundschau vom 17.3. 1979)
       Von den Krediten an Unternehmen und Privatpersonen waren 343 Mrd.
       Kredite für Wohnungsbau, davon 258 Mrd Hypothekenkredite auf Woh-
       nungsgrundstücke. Nach  dem durchschnittlichen  Sollzinssatz  für
       Hypokredite geschätzt (Dez. 1978 = 6,39 Prozent) ergeben sich für
       die Banken hieraus jährliche Zinseinnahmen von etwa 24 Mrd. DM.
       (Alle Angaben  nach:  Monatsberichte  der  Deutschen  Bundesbank,
       Frankfurt/Main, April  1979, Statistischer  Teil, S.  16, 18, 36,
       48, 56, 58, 59.)
       11) Vgl. Renate  Faust, Sachverständigenrat zwischen Keynesianis-
       mus und  Monetarismus. Zur Konzeption der Sachverständigengutach-
       ten seit  1964, IMSF-Informationsbericht  Nr. 30,  Frankfurt/Main
       1979.
       12) Vgl. die in Fußnote 4 angegebenen Titel.
       13) Vgl. H.  Jung, J. Schleifenstein, Die Theorie..., a.a.O., Ab-
       schnitt II/2.6: Monopol und Wertgesetz.
       14) Zu den  konkreten Bedingungen  in der  BRD, unter  denen sich
       diese Variante  durchsetzte und der Rolle, die dabei die interna-
       tionalen Konzerne spielten, vgl.: H. Jung, Die privatmonopolisti-
       sche Entwicklungsvariante des staatsmonopolistischen Kapitalismus
       der BRD,  in: Marxistische  Studien. Jahrbuch  des  IMSF  1/1978,
       Frankfurt/Main 1978, S. 9 ff.
       15) Vgl. zur  Beurteilung dieser Richtung: F. Deppe, G. Fülberth,
       J. Harrer,  Aktuelle Probleme der Geschichtsschreibung der Arbei-
       ter- und  Gewerkschaftsbewegung, Teil l, in: Blätter für deutsche
       und internationale  Politik, Köln,  Nr. 4/1979, S. 494 ff. sowie:
       Helga Nussbaum,  Was ist staatsmonopolistischer Kapitalismus, in:
       D. Baudis,  H. Nussbaum,  Wirtschaft und Staat in Deutschland vom
       Ende des 19. Jahrhunderts bis 1918/19, Berlin/DDR 1978, S. 39 ff.
       16) Kurt Gossweiler, Großbanken "Industriemonopole" Staat. Ökono-
       mie  und   Politik  des  staatsmonopolistischen  Kapitalismus  in
       Deutschland 1914-1932, Berlin-West 1975 (Berlin/DDR 1971).
       17) ebenda, S. 18.
       18) ebenda, S. 28 ff.
       19) ebenda, S. 34.
       20) ebenda, S. 35.
       21) ebenda, S. 52.
       22) ebenda, S. 53.
       23) ebenda, S. 56.
       24) ebenda, S. 84.
       25) ebenda, S. 85.
       26) ebenda, S. 85.
       27) ebenda, S. 311/12.
       28) Wir  verweisen   hier  auf:  Forschungen  zur  Wirtschaftsge-
       schichte, herausgegeben  von J.  Kuczynski und  H. Mottek, Bd. 9:
       Wirtschaft und Staat im Imperialismus. Beiträge zur Entwicklungs-
       geschichte des  staatsmonopolistischen Kapitalismus  in  Deutsch-
       land, herausgegeben  von Lotte Zumpe, Berlin/DDR 1976; Wirtschaft
       und  Staat   in  Deutschland.   Eine  Wirtschaftsgeschichte   des
       staatsmonopolistischen Kapitalismus vom Ende des 19. Jahrhunderts
       bis 1945.  in drei  Bänden, Bd. 1: Dieter Bausis, Helga Nussbaum,
       Wirtschaft und Staat in Deutschland vom Ende des 19. Jahrhunderts
       bis 1918/19, Berlin/DDR 1978.
       29) Dieter Baudis,  Helga Nussbaum,  Wirtschaft, a.  a. O., S. 22
       ff.
       30) ebenda, S. 37.
       31) ebenda, S. 75.
       32) ebenda, S. 118.
       33) ebenda, S. 120.
       34) Wir beziehen  uns hier auf: Gosudarstwenno-monopolistitsches-
       kije kompleksy.  Teoretitscheskije  i  metodologitscheskije  pro-
       blemy. Red. A.A. Djomin, N.W. Raskow, Isd. Leningradskogo Univer-
       siteta 1979 (russ.) - Übersetzung der Zitate durch den Verf.
       Während im  ersten Kapitel,  dessen Grundzüge  im folgenden refe-
       riert werden,  die theoretisch-methodologischen  Fragen behandelt
       werden, sind  die weiteren  Kapitel der  Darstellung und  Analyse
       einzelner Komplexe  gewidmet. Dabei  wird hauptsächlich  auf  die
       Verhältnisse in der BRD eingegangen. Die Kapitalismusforschung in
       Leningrad orientiert sich stark, was den konkreten Gegenstand be-
       trifft, an den Verhältnissen in der BRD. So sind von Mitarbeitern
       dieser Gruppe in der Vergangenheit einige monographische Arbeiten
       und Gesamtdarstellungen  des SMK  der BRD vorgelegt worden. (Vgl.
       zu den  Aktivitäten der Leningrader Imperialismusforschung: IMSF-
       Informationsbericht o.  Nr.:  Zur  Kapitalismusforschung  in  der
       UdSSR, Frankfurt/Main 1974)
       In der  BRD bekannt  geworden ist  vor allem  die Arbeit von S.I.
       Tjulpanow und  V.L. Scheinis,  Aktuelle Probleme  der politischen
       Ökonomie   des   heutigen   Kapitalismus,   Frankfurt/Main   1975
       (Leningrad 1973),  an die  sich auch  die hier  referierte Arbeit
       konzeptionell anschließt.
       35) ebenda, S. 8.
       36) ebenda, S. 14.
       37) ebenda, S. 15.
       38) ebenda, S. 20.
       39) ebenda, S. 21.
       40) ebenda, S. 23.
       41) ebenda, S. 24.
       42) ebenda, S. 26.
       43) ebenda, S. 26.
       44) ebenda, S. 29.
       45) ebenda, S. 30 ff.
       46) Von noch  weitergehender Brisanz  ist selbstverständlich  die
       Rolle und der Einfluß des Militär-Industrie-Komplexes. Ihn in den
       Blickpunkt der  progressiven und demokratischen Öffentlichkeit zu
       rücken, ist  auch in  der BRD  eine erstrangige Aufgabe der fort-
       schrittlichen Wissenschaft.
       

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