Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       DAS INSTITUT FÜR ARBEITSMARKT- UND BERUFSFORSCHUNG (IAB)
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       Mira Maase
       
       1. Zur  Organisation -  2. Aufgabengebiete  und Schwerpunkte  der
       Forschungstätigkeit -3. Publikationsweise
       
       Das Institut  für Arbeitsmarkt-  und Berufsforschung (IAB), Nürn-
       berg, ist die zentrale Forschungsstelle der Bundesanstalt für Ar-
       beit. Es  wurde gegründet  im Jahre  1967. Seine Entstehung hängt
       unmittelbar mit  der Neuorientierung  in der staatlichen arbeits-
       marktpolitischen Konzeption  Mitte der  sechziger Jahre zusammen.
       Das Tempo der Produktionsstrukturveränderungen, die damit verbun-
       denen wachsenden  Strukturprobleme sowie  die zunehmende Verknap-
       pung der  Ware Arbeitskraft machten immer stärker eine umfassende
       staatliche Regulierung  der Anpassungsprozesse  auf dem  Arbeits-
       markt zur  Eingrenzung von Funktionsstörungen, zur Schaffung ver-
       wertungsadäquater -  mobiler und hinreichend qualifizierter - Ar-
       beitskräftestrukturen notwendig.  Die Arbeitsmarktpolitik,  lange
       Zeit bloßes  Anhängsel der Wirtschaftspolitik, sollte ihr Instru-
       mentarium von  Vermittlungs- und rein reaktiven, punktuellen Kor-
       rekturfunktionen ausrichten  auf stärkere  Früherkennung und Pro-
       phylaxe von  Arbeitsmarktstörungen, auf  aktive Steuerung der An-
       passungsprozesse im  Arbeitskräfteangebot. Mit  dem Arbeitsförde-
       rungsgesetz von  1969 wurde  der herkömmliche Aufgabenbereich der
       Arbeitsverwaltung  -  Arbeitslosenunterstützung,  Arbeitsvermitt-
       lung, Berufsberatung - erweitert um Maßnahmen der Fortbildung und
       Umschulung, Förderung  der beruflichen  und räumlichen  Mobilität
       der Arbeitskräfte  und strukturpolitische  Hilfen  zur  Schaffung
       bzw. Erhaltung von Arbeitsplätzen.
       Eine kontinuierliche  Grundlagenforschung und  Informationsaufbe-
       reitung über aktuelle und längerfristige Angebots- und Nachfrage-
       tendenzen wurde  dringend erforderlich. Zentrale Aufgabe des neu-
       gegründeten IAB  wurde nach  den Worten  seines Direktors  Dieter
       Mertens "Forschung  über langfristige  Strukturschwächen des  Ar-
       beitsmarktsystems mit  dem Ziel, der Bundesanstalt Grundlagen für
       vorbeugende vorausschauende  Maßnahmen auf  der Angebotsseite des
       Arbeitsmarktes zu liefern." 1)
       Das Arbeitsförderungsgesetz,  das die  im IAB  organisierte  For-
       schung bei  der  Bundesanstalt  für  Arbeit  institutionalisiert,
       steckt zugleich den Rahmen für die Forschungstätigkeit ab mit der
       Bestimmung, "Umfang und Art der Beschäftigung sowie Lage und Ent-
       wicklung des  Arbeitsmarktes, der Berufe und der beruflichen Bil-
       dungsmöglichkeiten im  allgemeinen und  in  den  einzelnen  Wirt-
       schaftszweigen und  Wirtschaftsgebieten, auch  nach der  sozialen
       Struktur, zu  beobachten, zu untersuchen und (die Ergebnisse) für
       die Aufgaben der Bundesanstalt auszuwerten." (§ 6, Abs. 1).
       
       1. Zur Organisation
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       Das IAB  hat den  Status einer Abteilung der Hauptstelle der Bun-
       desanstalt; sein  Leiter ist  Prof. Dieter  Mertens. Von den etwa
       100 Mitarbeitern  sind rund  35 Wissenschaftler  teils volkswirt-
       schaftlicher, teils  sozialwissenschaftlicher Orientierung, unter
       Beteiligung ingenieurwissenschaftlicher und betriebswirtschaftli-
       cher Fachrichtungen.
       Von selten der Selbstverwaltungsorgane der Bundesanstalt wird die
       Zusammenarbeit mit  dem IAB über Ausschüsse geregelt. Der Kontakt
       zu den  nachgeordneten Dienststellen ist durch Referenten für Ar-
       beitsmarkt- und  Berufsforschung bei  den Landesarbeitsämtern in-
       stitutionalisiert.
       Die IAB-Forschungsarbeit,  die ja  weitgehend durch die Erfüllung
       gesetzlich festgelegter  Aufgaben bestimmt ist, ist in erster Li-
       nie Auftragsforschung für die Zwecke der Bundesanstalt. Ihre For-
       schungstätigkeit ist  mit dem  Bundesarbeitsministerium abzustim-
       men; die Forschungsergebnisse müssen diesem vorgelegt werden. Mit
       den Organen  der Bundesanstalt  und dem  Bundesarbeitsministerium
       werden die  Hauptgebiete der  Forschung in etwa 5jährigem Abstand
       in Schwerpunktprogrammen  festgelegt und vom IAB dann in Projekte
       umgesetzt. Darüberhinaus  übernimmt das Institut in geringem Maße
       Vertragsforschung für andere öffentlich-rechtliche Institutionen,
       vor allem für Bundesministerien und die EG-Kommission.
       Beraten wird  das Institut  von einem interdisziplinären Sachver-
       ständigengremium von  sechs Wissenschaftlern,  die jeweils  einen
       bestimmten wissenschaftlichen Fachbereich betreuen, in Fragen der
       Planung, Abstimmung und Durchführung von Forschungsprojekten.
       Intern ist  das Institut  gegliedert nach  acht thematisch  abge-
       grenzten Arbeitsbereichen:
       1. Mittel- und  langfristige Vorausschau  (Leiter:  Dr.  Wolfgang
       Klauder).
       2. Kurzfristige Arbeitsmarktanalyse,  Querschnittsaufgaben  (Lei-
       ter: Dipl.-Volkswirt Lutz Reyher, Vertreter des Direktors).
       3. Soziologie (Leiter: Dr. Hans Hofbauer).
       4. Berufs-  und   Qualifikationsforschung   (Leiter:   Friedemann
       Stooß).
       5. Technologie und  Betriebswirtschaft (Leiter: Dipl.-Ing. Erhard
       Ulrich).
       6. Analytische Statistik,  Ökonometrie; Internationaler  Arbeits-
       markt (Leiter: Dr. Werner Karr).
       1. Dokumentation und  Information (Leiter:  Dipl.-Pol.  Gerd  Pe-
       ters).
       8. Koordinierung und  Organisation,  Regionalforschung,  Beiträge
       zur Forschungsumsetzung (Leiter: Hermann Joachim Schulze).
       Die meisten  der im  nächsten Abschnitt dargestellten Forschungs-
       schwerpunkte bzw.  der Projekte  lassen sich jeweils einem feder-
       führenden Bereich  zuordnen. Es ergeben sich aber auch eine Reihe
       von Querschnittsproblemen  in der Forschung bzw. Querschnittsauf-
       gaben, die  interdisziplinär und  bereichsübergreifend bearbeitet
       werden.
       
       2. Aufgabengebiete und Schwerpunkte der Forschungstätigkeit
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       Die Anbindung  bzw. Orientierung  des IAB  auf die Zwecksetzungen
       und Praxisanforderungen der zentralen arbeitsmarktpolitischen Be-
       hörde und  auf Leistung  von Orientierungshilfen  für die Öffent-
       lichkeit (wie  die Tarifparteien,  Interessierte in  Wissenschaft
       und Politik)  bringt für  das Institut über die unmittelbare For-
       schungsprojektarbeit hinaus ein breitgefächertes Aufgabenfeld mit
       sich; sie  beeinflußt aber auch den Charakter und die inhaltliche
       Schwerpunktsetzung der Forschungsarbeit.
       Die Hauptaufgabengebiete des Instituts werden - innerhalb des ge-
       setzlich bestimmten  Rahmens -  etwa fünfjährlich in Schwerpunkt-
       programmen festgelegt. Das wenig änderbare Gerüst des Forschungs-
       programms bilden  einmal die  sogenannten Standardprojekte,  d.h.
       laufend zu  aktualisierende bzw. regelmäßig wiederkehrende Dauer-
       projektarbeiten wie  langfristige Verlaufsanalysen  oder regelmä-
       ßige Berichte oder Prognosen zur sektoralen, regionalen, gruppen-
       spezifischen Beschäftigungslage  (Beispiele dazu bei der Darstel-
       lung der  Forschungsfelder); zum anderen eine Reihe von ständigen
       und forschungsbegleitenden  Aufgaben. Dadurch  werden allein zwei
       Drittel der Arbeitskapazität des Instituts gebunden, das verblei-
       bende Drittel  steht für die Entwicklung neuer Forschungsperspek-
       tiven zur  Verfügung. Dadurch  erklärt sich  auch wesentlich, daß
       sich seit den Anfängen des Instituts insgesamt kaum Veränderungen
       in den  Schwerpunkten der  Forschungsarbeit ergeben haben, allen-
       falls Neuakzentuierungen innerhalb der Schwerpunktfelder.
       Um die  Breite seines Aufgabengebiets zu verdeutlichen, aber auch
       um den  besonderen umsetzungs-  und praxisbezogenen Charakter der
       Institutsarbeiten hervorzuheben,  sollen vor  der Darstellung von
       Forschungsschwerpunkten einige  der    s t ä n d i g e n    u n d
       f o r s c h u n g s b e g l e i t e n d e n  A u f g a b e n  ge-
       nannt werden.  Darunter fallen  einmal  vielfältige    s t a t i-
       s t i s c h e   u n d   m e t h o d i s c h e    A u f g a b e n:
       z.B. die  Durchführung von  zum Teil  kontinuierlich  zu  wieder-
       holenden Eigenerhebungen zur Arbeitsmarkt- und Berufsanalyse; die
       Vorbereitung, Betreuung  und Auswertung  von  Großzählungen  (wie
       Mikrozensen,  Volks-   und  Berufszählungen);   Arbeiten  an  der
       Verbesserung des  statistisch-methodischen  Instrumentariums  für
       das IAB  und die Bundesanstalt; Aktualisierung ständig benötigter
       Bildungs- und  Arbeitsmarktdaten wie  Zeitreihen zu  Angebot  und
       Nachfrage von  Arbeitskräfte-  bzw.  Qualifikationsgruppen,  Aus-
       bildungsplätzen etc. Weiter gehören dazu umfangreiche  I n f o r-
       m a t i o n s-  und  D o k u m e n t a t i o n s a r b e i t e n:
       Hier sind  vor allem  zu nennen  die Forschungsdokumentation, die
       laufende und abgeschlossene Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der
       Arbeitsmarkt- und  Berufsforschung sowie  Nachbargebieten aus der
       Bundesrepublik  und  dem  deutschsprachigen  Ausland  erfaßt  und
       jährlich aktualisiert veröffentlicht (s. auch Publikationsweise);
       weiter   die   Literaturdokumentation   zur   Arbeitsmarkt-   und
       Berufsforschung, die Informationen über einschlägige Veröffentli-
       chungen  (Monographien  und  Zeitschriftenaufsätze)  liefert;  im
       Aufbau begriffen ist eine Institutionendokumentation zur Arbeits-
       markt- und Berufsforschung.
       Eine wichtige  Aufgabe im Rahmen der Tätigkeit des Instituts, die
       das IAB von esoterischen und praxisabstinenten Forschungseinrich-
       tungen abhebt, besteht im Bemühen um laufende Umsetzung und Wirk-
       sammachung der  Forschungsergebnisse für die arbeits-marktpoliti-
       sche Praxis.  Dazu gehört die Aufbereitung von Forschungsaussagen
       als Arbeitshilfen  für die  Beratungs- und  Vermittlungstätigkeit
       der Arbeitsämter  sowie für  die Zwecke  der Aus- und Fortbildung
       des Personals  der Bundesanstalt.  Beispielhaft für solche Umset-
       zungsbeiträge seien  hier angeführt die Herausgabe des "Handbuchs
       zu den ausbildungs-, berufs- und wirtschaftszweigspezifischen Be-
       schäftigungschancen (ABC-Handbuch)" als Arbeitsmittel für die Be-
       rufsberatung und  speziell für  Praktiker  gedachte  Veröffentli-
       chungsreihen mit  themen- und  problemorientierten Darstellungen.
       Auch die  "Überlegungen zu einer vorausschauenden Arbeitsmarktpo-
       litik" der  Bundesanstalt, ein beachtenswerter Diskussionsbeitrag
       für    einen    arbeitsmarktpolitischen    Handlungsrahmen    zur
       (Wieder)erlangung der  Vollbeschäftigung, in dem der Vollbeschäf-
       tigungspolitik absoluter  Vorrang eingeräumt  wird und eine Fülle
       von Vorschlägen  zur Sicherung  der Beschäftigungsbedingungen der
       Lohnabhängigen gebracht  wird, sind  wesentlich durch  die Arbeit
       des IAB zustande gekommen.
       Mit dieser Politikberatungsfunktion steht das IAB zwangsläufig im
       Spannungsfeld der  unterschiedlichen Klasseninteressen.  Man  muß
       davon ausgehen,  daß sich  infolge der gegebenen institutionellen
       Bindungen im  Konfliktfall eher  die Orientierung an der staatli-
       chen arbeitsmarktpolitischen  Gesamtlinie  oder  zumindest  deren
       Hinnahme gegenüber  anderen Positionen  dort arbeitender  Wissen-
       schaftler durchsetzt.
       Der Charakter  der Forschungsarbeit wird durch einen langjährigen
       IAB-Mitarbeiter selbst  als "angewandte  Forschung  mit  konkret-
       pragmatischer Absicht" beschrieben. Im Vordergrund stehen empiri-
       sche Untersuchungen,  die überwiegend  auf eigenen Erhebungen ba-
       sieren. Dabei  bemüht sich  das IAB  besonders um  längerfristige
       Verlaufsanalysen, die statt einer auf kurzfristige Oberflächenbe-
       trachtung und kurzgegriffene Rezeptelieferung zugeschnittene For-
       schung eine fundiertere, langfristige Strukturtendenzen und -pro-
       bleme herausarbeitende  Forschung versuchen. Daneben spielen auch
       die statistische  und ökonometrische Analyse und Methodenentwick-
       lung eine bedeutsame Rolle.
       Die Aufteilung  des komplexen  interdisziplinären Felds  der  Ar-
       beitsmarkt-  und   Berufsforschung  in   einzelne   überschaubare
       S c h w e r p u n k t g e b i e t e   wird im  IAB nach folgenden
       Problemfeldern vorgenommen:
       - Analyse der  längerfristigen  Zusammenhänge  zwischen  Bevölke-
       rungsentwicklung, Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt
       - Kurzfristige Arbeitsmarktanalyse, Arbeitszeitforschung
       - Untersuchungen über Ausbildungs- und Berufsverläufe
       - Berufsstruktur- und Qualifikationsforschung
       - Flexibilitätsforschung
       - Beobachtung und  Analyse der  technischen Entwicklung und ihrer
       Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
       - Regionale und internationale Aspekte des Arbeitsmarktes.
       Im Mittelpunkt des ersten Problemfeldes  L ä n g e r f r i s t i-
       g e   V o r a u s s c h a u   stehen quantitativ-ökonomische  Ar-
       beitsmarktprojektionen bis  zum Jahr 1990. Dieses Gesamtprognose-
       paket enthält  Vorausschätzungen für  das  Erwerbspersonenangebot
       nach Alter,  Geschlecht und  Berufen sowie  für den  Bedarf  bzw.
       Bestand an Arbeitskräften nach Wirtschaftszweigen und Berufen. In
       Variantenrechnungen wird  gezeigt,  wie  sich  eine  Beibehaltung
       konstanter Strukturen,  unterschiedliche Raten  des  Wirtschafts-
       wachstums  und  Strukturbrüche  auf  den  Arbeitsmarkt  auswirken
       würden. Diese  Projektionen sind  laufend zu  bearbeitende  Stan-
       dardprojekte.
       Interessant ist  die neuerdings  anvisierte Perspektive  der Ent-
       wicklung sogenannter  "Arbeitsmarkt-Scenarien". Es  soll schritt-
       weise über  die rein  quantitativen Arbeitsmarktprojektionen hin-
       ausgegangen werden  mit dem  Ziel, umfassende und alternative Zu-
       kunftsbilder des  Arbeitsmarktes zu  entwerfen, die  das Spektrum
       unterschiedlicher Entwicklungsmöglichkeiten  auf dem Arbeitsmarkt
       unter Berücksichtigung verschiedenartiger politischer Zielsetzun-
       gen und Maßnahmebündel und alternativer ökonomisch-gesellschafts-
       politischer Rahmenbedingungen aufzeigen. Damit könnte ein Progno-
       sebeitrag geliefert  werden, der  in der Diskussion um längerfri-
       stige Arbeitsmarktpolitik die ökonomischen und politischen Struk-
       turen und Rahmenbedingungen selbst zur Debatte stellt.
       Als Beitrag  für die Arbeitsplatzprojektion werden weiterhin Vor-
       ausschätzungen der sektoralen Produktivitätsentwicklung vorgenom-
       men. Ein Ziel ist dabei, Aussagen über das Tempo des Strukturwan-
       dels zu  gewinnen. So  wurde in  einem Projekt  unter Leitung von
       Wolfgang Klauder  eine empirische Testung der These versucht, daß
       sich der  Strukturwandel in  der heutigen  Wirtschaft ständig be-
       schleunigt. Das  sicherlich diskutierenswerte  Ergebnis  lautete,
       daß eine  ständige Beschleunigung  des wirtschaftlichen Struktur-
       wandels zumindest generell nicht nachzuweisen ist; das längerfri-
       stige Tempo des sektoralen Strukturwandels der Beschäftigung habe
       sich sogar in der Tendenz verlangsamt.
       Die  längerfristigen  Projektionen  und  Wirkungsanalysen  werden
       nicht zuletzt mit dem Ziel der Umsetzung in politische Handlungs-
       orientierung erarbeitet.  Die erwähnten "Überlegungen II zu einer
       vorausschauenden Arbeitsmarktpolitik"  sind ein Versuch, über das
       traditionelle Instrumentarium  hinaus neue mittel- und längerfri-
       stige Strategien  der Beschäftigungspolitik wie verschiedene Pro-
       gramme und Steuerungsinstrumente zur Schaffung von Arbeitsplätzen
       einzubringen.
       Die   k u r z f r i s t i g e n    A r b e i t s m a r k t a n a-
       l y s e n   und -prognosen von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
       gehören zu den traditionellen Kernaufgaben des IAB. Bedingt durch
       die Entwicklung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage der letzten
       Jahre wurde  ein besonderer  Schwerpunkt in der Strukturforschung
       zur Arbeitslosigkeit und in der Wirkungsanalyse arbeitsmarktpoli-
       tischer Maßnahmen gesetzt.
       Die verschiedenen neueren empirischen Untersuchungen zur Arbeits-
       losigkeit basieren  im wesentlichen auf einer zweistufigen Stich-
       probenerhebung von  registrierten Arbeitslosen  im Jahr  1974 und
       1975. In  den Analysen, die vor allem von Christian Brinkmann und
       Karen Schober-Gottwald durchgeführt wurden, geht es nicht um rein
       statistische globale  Aussagen zu  Bestands- und Entwicklungsgrö-
       ßen; sie  versuchen vielmehr  eine tiefergehende Untersuchung von
       Arbeitslosigkeitsstrukturen und  -verläufen  und  eine  differen-
       zierte Berücksichtigung  verschiedener Aspekte  von Arbeitslosig-
       keit. Im Mittelpunkt stehen die drei Problemkomplexe des berufli-
       chen Hintergrunds  - hier  wird z.B.  die berufliche  und soziale
       Herkunft der  Arbeitslosen, vorausgegangene Arbeitslosigkeitspha-
       sen und  der Einfluß  von Zusatzausbildung  auf das Arbeitslosig-
       keitsrisiko untersucht; - die Situation während der Arbeitslosig-
       keit -  vor allem  die z.T. gravierenden finanziellen und psycho-
       sozialen Belastungen bei fortdauernder Arbeitslosigkeit sowie die
       vielfachen Eigenbemühungen um Arbeitsaufnahme und die sukzessiven
       Anspruchsreduzierungen der  Betroffenen; - schließlich die Verän-
       derungen der Arbeitssituation bei einer anschließenden Wiederauf-
       nahme der  Beschäftigung -  hier lassen  sich für  einen Teil der
       Wiederbeschäftigten deutliche  Verschlechterungen der  Erwerbsbe-
       dingungen in  bezug auf Einkommen, berufliches und qualifikatori-
       sches Niveau  und Qualität  der  Arbeitsbedingungen  feststellen.
       Solche Ergebnisse  widersprechen sowohl  verbreiteten  Versuchen,
       Arbeitslosigkeit als  Ergebnis  überzogener  Ansprüche  oder  als
       freiwillige selbstverschuldete Arbeitslosigkeit diffamierend hin-
       zustellen; sie  widersprechen gerade  auch mit  den Hinweisen auf
       die vielfachen  Belastungen und  Risiken beruflichen Abstiegs der
       gegenwärtig zunehmend  verschärften restriktiven  Praxis der  Ar-
       beitsverwaltungen gegenüber Arbeitslosen.
       Interessant sind  in diesem  Zusammenhang auch  die vor allem von
       Franz Egle angestellten differenzierten Untersuchungen der Zusam-
       menhänge zwischen  Dauer, Quote  und Betroffenheit von Arbeitslo-
       sigkeit. Sie  deuten daraufhin,  daß sich hinter den eher verdec-
       kenden globalen  Bestands- und  Stromgrößen unterschiedliche Pro-
       blemkonstellationen und  Ungleich Verteilungen  ("Strukturalisie-
       rungen") des  Arbeitslosigkeitsrisikos verbergen:  So bildet sich
       z.B. neben  dem Problem  der  Langfristarbeitslosigkeit  für  be-
       stimmte  Gruppen  immer  deutlicher  das  Problem  der  Mehrfach-
       arbeitslosigkeit, einer  erzwungenen  Instabilität  der  Beschäf-
       tigung durch  kurze Phasen  der Anstellung  mit nachfolgender Ar-
       beitslosigkeit heraus.  Dieser Gefahr  für solche  Arbeitskräfte-
       gruppen, zu  ständigen Elastizitätspuffern  für die  Betriebe  zu
       werden mit  all den  gravierenden subjektiven und objektiven Aus-
       wirkungen, ist  von Seiten der Arbeitsmarktpolitik bislang so gut
       wie gar nicht Rechnung getragen worden.
       Eine Fülle  von empirischen Befunden bringen schließlich auch die
       Untersuchungen zu besonderen Personengruppen, die infolge der Be-
       schäftigungskrise besonderen  Problemen ausgesetzt  sind, wie die
       Beiträge über jugendliche Arbeitslose.
       Eine deutliche  Lücke, die auch von IAB-Vertretern als ein erheb-
       liches Defizit  in der Arbeitsmarktforschung gesehen wird, klafft
       dagegen bei  der Untersuchung  der Kapitalseite, den eigentlichen
       Disponenten über  Beschäftigung und  Arbeitslosigkeit.  Es  fehlt
       weitgehend an  Informationen bzw.  tief ergehenden  Analysen  von
       Entwicklung und  Struktur des  betrieblichen Arbeitsplatzangebots
       bzw. der Bestimmungsgründe kapitalseitiger Arbeitskräftenachfrage
       und der  Arbeitsmarktwirkungen betrieblicher  Beschäftigungspoli-
       tik.
       Dies verweist  zum einen auf ein generelles Defizit in der tradi-
       tionellen  bundesrepublikanischen  Arbeitsmarkt-  und  Berufsfor-
       schung, der  fehlenden krisentheoretischen  Fundierung, die  eine
       Vermittlung herstellen  könnte zwischen Arbeitslosigkeitsstruktu-
       ren bzw.  Beschäftigungskrise und der Krise in der Verwertung von
       Kapital. Hier äußert sich m.E. auch ein Dilemma, dem ein Institut
       wie das  IAB durch  seine Aufgabenzuweisung und forschungspoliti-
       sche Einbindung in den Rahmen staatlicher arbeitsmarktpolitischer
       Funktionen ausgesetzt  ist. Charakteristisch für diese offizielle
       arbeitsmarktpolitische Konzeption  ist die  Beschränkung auf  die
       Beeinflussung bzw.  Steuerung des Arbeitskräfteangebots, wohinge-
       gen Eingriffe  in die  privaten Kapitalverwertungsstrukturen  zur
       Sicherung und  Verbesserung der  Beschäftigung nachgerade  tabui-
       siert sind  bzw. als  unantastbare und  unbeeinflußbare  'Rahmen-
       bedingungen' akzeptiert  werden. Mit  dieser  Funktionsbestimmung
       der  Arbeitsmarktpolitik   konzentriert  sich   auch  deren  For-
       schungsbedarf auf  die Bedingungen  der Entwicklung und Steuerung
       der Ware  Arbeitskraft  unter  Aussparung  der  Untersuchung  der
       sogenannten Nachfrageseite,  also der  Kapitalstrukturen. In sol-
       chen Beschränkungen  zeigen sich  die  Grenzen  der  'Forschungs-
       autonomie'  solcher   Institute.  Allerdings  stellt  der  stell-
       vertretende Direktor  des IAB, Lutz Reyher, in einer Studie fest:
       "Die   Bestimmungsgrößen    betrieblicher   Arbeitsplatzangebote,
       arbeitsplatz- und  betriebsspezifischer Qualifikationsanforderun-
       gen und Flexibilitätsspielräume ... stellen in verschiedener Hin-
       sicht eine  zentrale Lücke  in der  Struktur der Arbeitsmarktfor-
       schung dar.  ... Hierin  kommt eine  auffällige Asymmetrie in der
       gesamten Arbeitsmarktforschung  zum Ausdruck,  die nur durch eine
       spürbare Schwerpunktverlagerung  überwunden werden  kann." 3)  Es
       ist abzuwarten,  wieweit diese  bereits vor  einigen Jahren geäu-
       ßerte Erkenntnis in der weiteren Arbeit des IAB zum Tragen kommen
       wird.
       Der Problemkreis   B e r u f   u n d    Q u a l i f i k a t i o n
       ist ein weiteres Kerngebiet der IAB-Forschung.
       Ein Schwerpunkt  liegt bei umfassenden und langfristig orientier-
       ten  U n t e r s u c h u n g e n  ü b e r  A u s b i l d u n g s-
       u n d   B e r u f s v e r l ä u f e   verschiedener Erwerbsperso-
       nengruppen, die  unter der Leitung von Hans Hofbauer durchgeführt
       werden. Dabei  werden vor  allem die folgenden Themen bearbeitet:
       Berufswahl und Berufsverläufe als Resultat der beruflichen Sozia-
       lisation, wie  z.B. die  Untersuchung über  Betriebs- und Berufs-
       wechsel männlicher  Arbeitskräfte nach  betrieblicher Ausbildung;
       Strukturdiskrepanzen zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem,
       wo die  Zusammenhänge zwischen  Ausbildung und Berufsverlauf bzw.
       der Übergang  insbesondere von der betrieblichen Berufsausbildung
       ins Erwerbsleben bearbeitet werden; weiter der Stellenwert beruf-
       licher Weiterbildung  im Berufsverlauf, wie z.B. die Untersuchung
       über Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen und Beschäftigungschan-
       cen, sowie  in jüngster  Zeit verstärkt Wirkungsanalysen über be-
       rufsvorbereitende Maßnahmen.
       Verstärkte Aufmerksamkeit wird dabei der Untersuchung solcher Ar-
       beitskräftegruppen gewidmet, die im kapitalistischen Produktions-
       system besonderen  Beschäftigungsrisiken bzw. Gefahren der Margi-
       nalisierung ausgesetzt  sind. So  liegen schon eine Reihe von Un-
       tersuchungen über Eingliederungs- und Berufsprobleme z.B. von Be-
       hinderten, Jugendlichen  - vor  allem solche  ohne Schulabschluß,
       Ausbildungsabbrecher oder  Sonderschulabgänger -,  Arbeitskräften
       ohne Berufsausbildung  sowie verschiedene Untersuchungen zur Pro-
       blematik der Frauenerwerbstätigkeit vor.
       Die IAB-Autoren  verbinden mit  solchen Untersuchungen das Inter-
       esse, aus  den Ergebnissen Hinweise für eine Verbesserung der ar-
       beitsmarkt- und  bildungspolitischen Praxis  abzuleiten, die  dem
       Ziel einer dauerhaften und befriedigenden beruflichen Integration
       unter Vermeidung  erzwungener Mobilität der Arbeitskräfte infolge
       beruflicher Fehlsteuerung  bzw. bornierter Ausbildung besser ent-
       spricht. Das  Bemühen um  Aufschlüsse aus langfristigen Verlaufs-
       analysen läßt sich schwer vereinbaren mit einer staatlichen poli-
       tischen Praxis,  die auf kurzfristige Bedarfsanpassung und rasche
       (statistische) Vermittlungserfolge ausgerichtet ist.
       Einen weiteren  Schwerpunkt stellt  die    B e r u f s s t r u k-
       t u r-     u n d    Q u a l i f i k a t i o n s f o r s c h u n g
       dar. Hier  werden einmal Untersuchungen zum Wandel der sektoralen
       und  beruflichen   Erwerbsstrukturen  angestellt,   die  auf  der
       Auswertung von Großzählungen basieren. Zum ändern werden Probleme
       des Übergangs  in die  Berufsbildung sowie  von der Berufsbildung
       ins Erwerbsleben untersucht.
       Einen wachsenden Raum nehmen hierbei in den letzten Jahren Arbei-
       ten zu  Problemen des  Ausbildungsstellenmarktes ein.  Zu  nennen
       sind hier  vor allem  die von  Hasso von Henninges durchgeführten
       Untersuchungen zur  Ausbildungsintensität von  Industriebetrieben
       oder zu  Bestimmungsgründen für  die Veränderungen  im Umfang der
       industriellen Facharbeiterausbildung.
       In der  Analyse der Zusammenhänge zwischen Bildungs- und Beschäf-
       tigungssystem lag  der Schwerpunkt bisher bei Beschäftigungschan-
       cen und  -risiken hochqualifizierter  Arbeitskräfte, zu denen Ar-
       beiten vor  allem von Klaus Parmentier und Manfred Tessaring vor-
       liegen.
       Ein besonderer Schwerpunkt in diesem Arbeitsfeld liegt bei Umset-
       zungsarbeiten der Qualifikations- und Berufsforschung für die Be-
       rufsberatung und Arbeitsvermittlung.
       Das "Handbuch  zu  den  ausbildungs-,  berufs-  und  wirtschafts-
       zweigspezifischen Beschäftigungschancen"  (ABC-Handbuch)  liefert
       eine umfassende  Darstellung  der  Beschäftigungsstrukturen  nach
       Ausbildungsabschlüssen, -richtungen, Berufen und Wirtschaftszwei-
       gen und  versucht damit  eine bessere  Fundierung für  die  Bera-
       tungstätigkeit zu schaffen.
       Die   E r f o r s c h u n g  d e r  b e r u f l i c h e n  F l e-
       x i b i l i t ä t   spielt im  IAB seit  jeher  eine  wesentliche
       Rolle. Als eigenständiges Forschungsgebiet ist sie entstanden aus
       der  Kritik   an  bedarfsprognostischen  Techniken  in  der  Bil-
       dungsökonomie der  sechziger Jahre, vor allem am sogenannten Man-
       power-Ansatz, der  den Qualifikations- bzw. Ausbildungsbedarf auf
       der Basis  von Trendextrapolationen  vorausschätzt und  dabei von
       eindeutigen (limitationalen)  Relationen zwischen  bestimmten Ar-
       beitsplätzen und bestimmten beruflichen Qualifikationen bzw. Aus-
       bildungsgängen ausgeht.
       Dieser unrealistischen Annahme hielten die Vertreter des Flexibi-
       litätskonzeptes entgegen,  daß vielmehr  von Unbestimmtheiten  in
       der Qualifikationsverwertung  und von Prognoseunschärfen auszuge-
       hen sei.  Sie verweisen  auf Flexibilitäts-  bzw.  Substitutions-
       spielräume bei  der Zuordnung von in Ausbildungsgängen erworbenen
       Qualifikationen zu beruflichen Tätigkeiten.
       Im Mittelpunkt  der bisherigen  Forschungsarbeit standen  bislang
       die Entwicklung von Methoden zur Beschreibung und empirische Ana-
       lysen zur Erfassung von Flexibilitäten in folgenden Dimensionen:
       Berufliche Substitution - Anpassung der Arbeitsplatzanforderungen
       an erworbene Kenntnisse bzw. Erfahrungen von Arbeitskräften z. B.
       durch Verwendung  von Arbeitskräften  einer bestimmten Qualifika-
       tion alternativ  auf verschiedenen Arbeitsplätzen. Hier wird v.a.
       die empirische  Ermittlung von Substitutionsmöglichkeiten und re-
       alisierten Substitutionsbeziehungen beispielsweise durch Untersu-
       chungen über alternative Besetzung von Arbeitsplätzen verfolgt.
       Berufliche Mobilität  - Anpassung  von Ausbildung und beruflicher
       Erfahrung an unterschiedliche Tätigkeiten bzw. Anforderungen z.B.
       durch Weiterbildung  und Umschulung etc. Zur Erforschung der Fle-
       xibilitäten von  Ausbildungsqualifikationen dienen  v.a. Analysen
       von Ausbildungs- und Berufsverläufen.
       Flexibilitätspotentiale - Aufzeigen optimaler Bedingungen für die
       Anpassung beider  Seiten. Hierzu  dienen v. a. Analysen über Dec-
       kungen und Verwandschaften von Ausbildungen und Berufen.
       Ein Schwerpunkt  bei der empirischen Erforschung von Flexibilitä-
       ten und  Substitutionsbeziehungen lag bislang im Bereich von Aus-
       bildung und Einsatz hochqualifizierter Arbeitskräfte.
       Auch berufliche Flexibilitätsforschung wird im IAB mit dem Inter-
       esse an  praktisch-politischer Verwertbarkeit  der Ergebnisse für
       arbeitsmarkt- und  bildungspolitische Strategien  verfolgt.  Ziel
       ist dabei  die Minimierung  von Umstellungs- bzw. Anpassungsfrik-
       tionen in den Angebots-Nachfrage-Bewegungen am Arbeitsmarkt. Dazu
       wurden eine  Reihe von Schlußfolgerungen mit progressiv nutzbaren
       Implikationen entwickelt, insoweit sie auf die Verhinderung einer
       einseitigen Überwälzung der Anpassungslasten des kapitalistischen
       Strukturwandels auf  die Arbeitskräfte und Verbesserung von deren
       langfristigen Verwertungschancen  abzielen. Ein  Beispiel ist das
       von Dieter  Mertens  entworfene  bildungspolitische  Konzept  von
       "Schlüsselqualifikationen", das  u.a. die Vermittlung breiter po-
       lyvalenter Grundlagenausbildungen  statt eng verwertbarer spezia-
       lisierter Arbeitskräftezurichtung, flexible Bildungswege und -ka-
       nons sowie Möglichkeiten zum "lebenslangen Lernen" vorsieht. Rein
       sachlich stehen  solche Schlußfolgerungen  im Gegensatz  zu einer
       arbeitsmarktpolitischen Praxis,  wie sie  etwa durch die Versuche
       einer verschärften  restriktiven Regelung der Zumutbarkeitsbedin-
       gungen im Rahmen der neuesten AFG-Novelle dokumentiert wird. Hier
       geht es  unter der Losung "Mobilitätsförderung" um politische Re-
       zepte zur  Strukturierung des  Arbeitskräfteangebots, die das Ri-
       siko  der  Qualifikationsentwertung  und  beruflichen  Statusver-
       schlechterung einkalkulieren;  die  Flexibilitätsforschung  läuft
       Gefahr, als  Instrument zur  Stützung einer Politik der Verbilli-
       gung von Arbeitskraft benutzt zu werden. Offensichtlich reagieren
       die IAB-Autoren, die in ihren wissenschaftlichen Überlegungen an-
       dersartige Vorstellungen  einer sinnvollen Flexibilitätsförderung
       vertreten, auf  solche politischen Konzepte mit äußerster Zurück-
       haltung in  ihren Stellungnahmen. Es ist vielleicht symptomatisch
       für die  Zwänge der  institutionellen Einbindung, daß solche wis-
       senschaftlichen Ergebnisse  nicht deutlicher in die arbeitsmarkt-
       politische Auseinandersetzung  eingebracht  werden,  wo  sie  mit
       Prinzipien staatlicher Arbeitsmarktpolitik in Widerspruch geraten
       müßten.
       Probleme und  Defizite in der Flexibilitätsforschung werden teil-
       weise von Seiten des IAB selbst angesprochen.
       Was die  Empirie anbetrifft, so liegt eine besondere Lücke in der
       Untersuchung der  Nachfrageseite. Analysen  der Struktur  des Ar-
       beitsplatzangebots, vor  allem aber der Bedingungen betrieblicher
       Arbeitskräftenachfrage und  der Entstehung  bzw. Vernichtung  von
       Arbeitsplätzen sind kaum vorhanden.
       Weiter hat  sich eine Annahme quasi unbegrenzter Anpassungsspiel-
       räume am  Arbeitsmarkt mit  der Krise der letzten Jahre als Trug-
       schluß erwiesen.  Von Seiten  der  sogenannten  Segmentationsfor-
       schung wurden zudem Hinweise für Arbeitsmarktspaltungen, struktu-
       relle Barrieren  für den  Arbeitsmarktausgleich ermittelt. Im IAB
       wird  die  Notwendigkeit  gesehen,  die  Flexibilitäts-  um  eine
       "Rigiditätsforschung" zu  ergänzen, die  Starrheiten im  Arbeits-
       markt, Engpässen  in den gesamtwirtschaftlichen wie innerbetrieb-
       lichen Anpassungen an Strukturwandel nachgehen soll.
       Es fehlt  ein theoretisches  Arbeitsmarktkonzept, in das die For-
       schungsergebnisse nach  ihrem Stellenwert eingeordnet werden kön-
       nen. Dies  Dilemma betrifft nicht allein das Nürnberger Institut;
       Lutz Reyher  stellt in einem Resümee der Arbeitsmarktforschung in
       der BRD  fest: "Das  Theoriedefizit ist...  nahezu universal.  An
       theoretischer Durchdringung  mangelt es  auf der  Seite  des  Ar-
       beitsangebots wie  auf der Nachfrageseite. Als besonders empfind-
       liche Lücke  wird auch  die mangelhafte  theoretische Grundlegung
       des Steuerungsprozesses gesehen." 4) Es ist allerdings zu fragen,
       inwieweit das konstatierte Theoriedefizit rein wissenschaftsimma-
       nente Ursachen  hat. Es  fehlt der von Reyber angesprochenen For-
       schung an  einer ökonomischen bzw. gesamtgesellschaftlichen Theo-
       rie, die  die zyklischen  Einflußgrößen auf  den Arbeitsmarkt als
       einer abhängigen  Variable der  Entwicklung der Kapitalverwertung
       bestimmt. Die  Kategorien der  Flexibilitätsforschung sind  nicht
       entsprechend aus  einer Analyse der Bedingungen realer Disponibi-
       lität der Ware Arbeitskraft entwickelt, sondern vielmehr aus aku-
       ten Steuerungsproblemen.  Die grundlegende  arbeitsmarkttheoreti-
       sche Sichtweise  im IAB  geht zwar von (partiellen) Unvollkommen-
       heiten im  Arbeitsmarktmechanismus aus, bestimmt aber die Barrie-
       ren für  den Arbeitsmarktausgleich  in außermarktwirtschaftlichen
       Elementen. Nach keynesianischer Tradition bedarf es so des Ansto-
       ßes durch  staatliche Steuerung und Regulierung, um die Wirkungs-
       weise marktwirtschaftlicher  Ausgleichskräfte zu  fördern bzw. zu
       ermöglichen; dies läuft letztlich auf die Annahme grundsätzlicher
       Stabilisierungsfähigkeit kapitalistisch produzierender Wirtschaf-
       ten hinaus.
       Erwähnt seien  noch die  weiteren Schwerpunktgebiete:  einmal die
       U n t e r s u c h u n g   d e r   t e c h n i s c h e n    E n t-
       w i c k l u n g  u n d  i h r e r  A r b e i t s m a r k t a u s-
       w i r k u n g e n;   hier sind  vor allem  Industriezweiguntersu-
       chungen zu  nennen, in denen auf Basis repräsentativer Erhebungen
       technisch-organisatorische Neuerungen  und die  Auswirkungen  auf
       Zahl  und   Qualifikation  der   Arbeitskräfte  ermittelt  werden
       (bislang für  die Zweige  Kunststoff-, Holz  Verarbeitung, Ernäh-
       rungsindustrie, Metallverarbeitung und Druckgewerbe).
       Forschung zu   r e g i o n a l e n   u n d   i n t e r n a t i o-
       n a l e n   A r b e i t s m a r k t a s p e k t e n   ist wesent-
       lich eine  Querschnittsaufgabe  für  alle  Arbeitsgebiete.  Neben
       Erfolgskontrollen regionaler  Wirtschaftsförderung und  der stän-
       digen Erarbeitung regionaler arbeitsmarktstatistischer Zeitreihen
       werden  Regionalaspekte   z.B.  bei  der  kurzfristigen  Arbeits-
       marktanalyse, der  beruflichen Bildungsförderung  u.ä. behandelt.
       Bei der  Internationalen Arbeitsmarktforschung soll ein künftiger
       Schwerpunkt auf  die Analyse der Auswirkungen internationaler Ar-
       beitsteilung gelegt werden.
       
       3. Publikationsweise
       --------------------
       
       Die regelmäßige Information über die Forschungsergebnisse und die
       Ergebnisse der  Dokumentationsarbeit des  IAB erfolgt  durch eine
       ganze Reihe  unterschiedlicher Veröffentlichungen.  Die  Vielfalt
       der Publikationsorgane  entspricht nicht  nur der Komplexität des
       Forschungs- und  Aufgabengebiets des  IAB, sondern trägt auch der
       Breite seines  Adressatenkreises Rechnung.  Das Institut ist ver-
       pflichtet zur  Information und  Veröffentlichung  nicht  nur  für
       Fachkreise in  Wissenschaft und  Forschung, sondern  auch für die
       Praxis der  Arbeitsämter, für  Fachleute in  Politik, Verwaltung,
       Verbänden, Unterrichtswesen und Publizistik. Die fünf wichtigsten
       Schriften sind: Die Vierteljahreszeitschrift  "M i t t e i l u n-
       g e n   a u s   d e r   A r b e i t s m a r k t-    u n d    B e-
       r u f s f o r s c h u n g",   in denen  vor allem die Forschungs-
       ergebnisse des  IAB, daneben  auch einschlägige  Arbeiten fremder
       Autoren veröffentlicht  werden. In den  "B e i t r ä g e n  z u r
       A r b e i t s m a r k t-   u n d   B e r u f s f o r s c h u n g"
       erscheinen längere  Untersuchungsberichte, Forschungsmonographien
       und Tabellen  werke. Die  Ergebnisse  der  Dokumentationsarbeiten
       werden veröffentlicht  in der  laufend  aktualisierten    "F o r-
       s c h u n g s d o k u m e n t a t i o n   z u r    A r b e i t s-
       m a r k t-  u n d  B e r u f s f o r s c h u n g",  die über For-
       schungsprojekte auf diesem Gebiet informiert; sowie in der  "L i-
       t e r a t u r d o k u m e n t a t i o n   z u r    A r b e i t s-
       m a r k t-  u n d  B e r u f s f o r s c h u n g",  die Nachweise
       und kurze  Inhaltsangaben  über  einschlägige  Veröffentlichungen
       liefert. Nicht  in erster Linie an den Forscher gerichtet ist die
       Broschürenreihe -   Q u i n t e s s e n z e n  a u s  d e r  A r-
       b e i t s m a r k t-  u n d  B e r u f s f o r s c h u n g",  die
       für Praktiker in Politik, Verwaltung, Unterricht usw. Forschungs-
       ergebnisse in problem- und themenorientierten Einzeldarstellungen
       knapp und  anschaulich zusammenfaßt.  Die  "M a t e r i a l i e n
       a u s  d e r  A r b e i t s m a r k t-  u n d  B e r u f s f o r-
       s c h u n g"   schließlich  sollen  der  Umsetzung  der  Arbeits-
       ergebnisse des IAB für die Praxis der Arbeitsämter dienen.
       Das IAB  verfügt über  eine große  Bibliothek, für die allein 700
       Periodika bibliographisch  verarbeitet und archiviert werden, so-
       wie über  Dokumentations -  und Statistikarchive.  Die Bibliothek
       und die  Datenbestände des  Instituts sind  grundsätzlich der Öf-
       fentlichkeit zugänglich.
       
       _____
       1) Dieter Mertens,  Rahmenvorstellungen für die Aufgaben des IAB,
       in: Mitteilungen  aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Heft
       1, 1968.
       2) Herbert Fenger, Arbeitsmarktforschung - Berufsforschung - Bil-
       dungsforschung. Versuch zur Bestimmung von Schwerpunkten, Abgren-
       zungen und Überschneidungsbereichen, in: Mitteilungen aus der Ar-
       beitsmarkt- und Berufsforschung, Heft 5, 1968.
       3) Lutz Reyher,  Lücken der  Arbeitsmarktforschung, Schriften der
       Kommission für  wirtschaftlichen und  sozialen Wandel,  Bd.  136,
       Göttingen 1976, S. 51.
       4) Lutz Reyher, a.a.O., S. 35.
       

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