Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       DIE ARBEIT DES INSTITUTS FÜR POLITIK UND SOZIALE FORSCHUNGEN
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       (IPSO), AMSTERDAM
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       Rob Milikowski
       
       1. Wirtschaft  - 2.  Parteigeschichte - 3. Staat und Demokratie -
       4. Arbeitsverhältnisse - 5. Frieden und Sicherheit - 6. Die Stel-
       lung der Frau - 7. "Die ökonomische Chronik" - 8. "Internationale
       Information (INFO)"
       
       Auf dem  26. Parteitag der CPN (Kommunistische Partei der Nieder-
       lande) im  Januar 1978  wurde beschlossen,  die wissenschaftliche
       Arbeit entschieden  zu erweitern und qualitativ zu verbessern. In
       diesem Sinne hat das IPSO (Instituut voor Politiek en Sociaal On-
       derzoek) in  dem verflossenen Zeitabschnitt eine Anzahl von Akti-
       vitäten entwickelt,  wenngleich diese den Bedürfnissen auf diesem
       Gebiet sicherlich  noch nicht gerecht werden. Vor allem, wenn man
       die zahlreichen  neuen Probleme  in Betracht zieht, mit denen die
       Arbeiterbewegung im  hochentwickelten Kapitalismus  zu tun  hat -
       Probleme, die  studiert werden  müssen,  die  Gegenstand  wissen-
       schaftlicher Diskussion sind und die eine weitere Entwicklung der
       marxistischen Theorie erfordern.
       Die  Entwicklung  wissenschaftlicher  Arbeit  auf  diesem  Gebiet
       stellt uns vor manche Schwierigkeiten, nicht zuletzt in bezug auf
       die organisatorischen  Formen, die dazu am besten geeignet wären.
       Bei einem  Überblick der  Forschungsgebiete, mit  denen sich  das
       IPSO in  der einen oder anderen Weise beschäftigt, wird sich zei-
       gen, daß auf dem einen Gebiet mehr Erfolge erzielt wurden als auf
       dem anderen.
       
       1. Wirtschaft
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       Die Forschung  über Fragen der kapitalistischen Wirtschaft sowohl
       im nationalen  als im  internationalen Rahmen richtet sich haupt-
       sächlich auf Fragen, die mit der Krise zusammenhängen:
       die Verschiebungen und Umstrukturierungen in der kapitalistischen
       Wirtschaft;
       die Auswirkungen auf die Tätigkeit des Staates;
       die Position  der Monopole  und die  Folgen  für  die  werktätige
       Klasse.
       In zunehmendem  Maße wird  dabei die  Aufmerksamkeit auf Beiträge
       zur Entwicklung einer Wirtschaftspolitik gelenkt, die von den In-
       teressen der  Arbeiterklasse  und  anderen  nichtmonopolistischen
       Schichten der  Bevölkerung ausgeht und die auf die Bekämpfung der
       Krise und  die Förderung der Schaffung von Arbeitsplätzen gerich-
       tet ist.
       Dazu wurde  im Juli 1978 ein "Plan für Arbeit und bessere Lebens-
       bedingungen, für  die Bekämpfung  der Wirtschaftskrise" 1) publi-
       ziert und  der Arbeiterbewegung  zur  Diskussion  vorgelegt.  Die
       Hauptelemente dieses Planes sind:
       Förderung der Arbeitsplatzbeschaffung durch:
       - Beibehaltung und Erweiterung der Massenkaufkraft;
       - Verkürzung der  Arbeitszeit (vor  allem durch  Einführung eines
       Fünf-Schichten-Systems, in  dem rund  um die Uhr gearbeitet wird,
       und Kürzung der Arbeitswoche (des Arbeitstages);
       - Schaffung   von    Arbeitsplätzen   im    öffentlichen   Dienst
       (Dienstleistungen und soziale Versorgung);
       - Förderung der  Wärme-Isolierung, der  Städteerneuerung, des so-
       zialen Wohnungsbaus und öffentlichen Verkehrs;
       - eine Industriepolitik, die die Erhaltung von Arbeitsplätzen si-
       chert;
       - eine Handelspolitik,  die auf die Erweiterung der Handelsbezie-
       hungen mit  den sozialistischen  Ländern und den Entwicklungslän-
       dern ausgerichtet ist.
       Der IPSO-Plan  stellt eine  quantitative Ausarbeitung  der Folgen
       einiger konkreter  Maßnahmen dar,  die in  diese Richtung zielen.
       Zugleich wird  umrissen, welche Wege die Finanzierung eines Plans
       zur Bekämpfung  der Arbeitslosigkeit zu gehen hat. Die Arbeitslo-
       sigkeit soll  durch die Schaffung von etwa 200 000 Arbeitsplätzen
       zurückgedrängt werden. (Einschränkung der Konzernprofite, Kapita-
       lexportsteuer, niedrigere Rüstungsausgaben, Einschränkung der ho-
       hen Einkommen.)  Bei der  Verwirklichung einer effektiven Bekämp-
       fung der Arbeitslosigkeit wird es unumgänglich werden, die Opera-
       tionen der Monopole und Banken einzuschränken.
       Dieser Plan bietet zugleich eine Alternative zu Auffassungen, die
       von rechtssozialdemokratischen  Wirtschaftswissenschaftlern geäu-
       ßert wurden. Er ist zum Gegenstand von Debatten in Gewerkschafts-
       kreisen und  unter Wissenschaftlern  geworden. Es  besteht jedoch
       ein Bedürfnis, die Auffassungen weiter zu vertiefen.
       Ein anderer  Aspekt der  Wirtschaftsforschung befaßt sich mit be-
       sonderen Branchen  und mit  den Konzernen. In diesem Zusammenhang
       wurde z.B.  eine Studie  über den  Schiffbau durchgeführt, wo die
       Arbeitsmöglichkeit Zehntausender  Arbeiter auf  dem Spiel  steht.
       Dabei konnten  auch Wege zur Lösung der Probleme gewiesen werden.
       Des weiteren  wurde eine  Studie über den Heineken-Konzern publi-
       ziert. 2)
       Das IPSO  hat der Lage in der Stahlindustrie große Aufmerksamkeit
       gewidmet wegen  des wichtigen Ranges, den dieser Wirtschaftszweig
       in der Wirtschaft einnimmt, aber vor allem auch deshalb, weil die
       Stahlindustrie in  unserem Land der Schauplatz harter Kämpfe ist.
       In diesem  Rahmen fand  im April 1978 eine Studienkonferenz statt
       mit Wirtschaftswissenschaftlern  und Betriebskadern  von Hoogoven
       (Stahl-Konzern), an  der  auch  sozialdemokratische  Betriebsräte
       teilnahmen. 3)
       In Anbetracht  dieser obengenannten  Aktivitäten des  IPSO messen
       wir den  Formen der  Zusammenarbeit mit  dem IMSF, die auf diesem
       Gebiet praktiziert  worden sind,  große Bedeutung  bei. Dies  be-
       trifft vor allem die gemeinsame Initiative des IMSF und des IPSO,
       die zur  Durchführung der  Europäischen Stahlkonferenz am 20./21.
       April 1979  in Amsterdam  führte, an der wissenschaftliche Insti-
       tute sowie  Mitarbeiter von Wirtschaftszeitschriften der kommuni-
       stischen Parteien  aus sechs  EWG-Ländern teilnahmen.  Gemeinsame
       wissenschaftliche Bemühungen  auf einem Gebiet, wo die Interessen
       einer so  großen Zahl von Arbeitern im Kampf gegen die Multis auf
       der Tagesordnung  stehen, erscheinen uns unentbehrlich. Das Mate-
       rial und die Analysen, die auf der Konferenz durch die Teilnehmer
       vorgelegt wurden,  bilden für das IPSO einen Beitrag zur Entwick-
       lung unserer  Auffassung über  die Stahlindustrie und einige mehr
       allgemeinere Aspekte der Wirtschaftskrise des Kapitalismus. Dabei
       mißt das IPSO auch dem Gedankenaustausch große Bedeutung bei, der
       auf der  Konferenz über die Probleme der Entwicklung von Lösungen
       durch die  Arbeiterbewegung  hinsichtlich  der  Krise  bestimmter
       Branchen geführt wurde.
       Was die Probleme anbelangt, die aus der heutigen wirtschaftlichen
       Integration in  der EWG  erwachsen, hat sich das IPSO in der Ver-
       gangenheit noch  mit einem anderen Aspekt beschäftigt, was seinen
       Niederschlag in  dem Bericht: "Die Niederlande und die japanisch-
       westeuropäischen Beziehungen" von Drs, C. Bakker 4) gefunden hat.
       
       2. Parteigeschichte
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       Mit dem  systematischen Studium  der Geschichte der CPN wurde vor
       etwa einem  Jahr ein  Anfang gemacht. Vor allem die 60-Jahr-Feier
       der CPN  hat dazu  besondere Anregungen gegeben; aus diesem Anlaß
       hat das IPSO im November 1978 ein Symposium durchgeführt. Es wur-
       den dabei  drei Vorlesungen über die Geschichte der CPN gehalten:
       1. "Die großen Linien in der Geschichte der CPN" (Marcus Bakkef);
       2. "Unsere  antikoloniale Tradition  und der Kampf in Indonesien"
       (Jaap Wolff);  und 3.  "Die Nachkriegsgeschichte  der CPN"  (Gijs
       Schreuders).
       Die Forschungsergebnisse wurden in der unregelmäßig erscheinenden
       Reihe "Hefte  zur Geschichte  der CPN" veröffentlicht. Inzwischen
       ist in  dieser Reihe  die zweite Nummer mit drei Studien erschie-
       nen. 5)
       Während bis jetzt beim Studium der Parteigeschichte der Nachdruck
       vor allem  auf der Periode vor dem Zweiten Weltkrieg lag, besteht
       die Absicht, in Zukunft den Perioden der Parteigeschichte größere
       Aufmerksamkeit zu  widmen, in  denen  der  Widerstand  gegen  die
       deutsch-faschistischen Besatzer  geführt wurde,  sowie der  Nach-
       kriegszeit (eine Periode, die inzwischen den größten Zeitraum des
       Bestehens der Partei umfaßt).
       Die Erforschung  der Parteigeschichte  stößt auf  eine Reihe  von
       Schwierigkeiten. Das  betrifft z. B. die Unterentwicklung der Ge-
       schichtsschreibung der Neuzeit in den Niederlanden überhaupt. Was
       die Geschichte  des Kommunismus in den Niederlanden anbelangt, so
       gibt es  nur vereinzelte Publikationen; wissenschaftliche Studien
       gibt es  kaum. In  letzter Zeit haben sich eine Reihe günstigerer
       Bedingungen für die Erforschung der Parteigeschichte ergeben. Das
       betrifft vor allem ein stark anwachsendes Interesse in der Partei
       für eine  unbefangene Erforschung  der Geschichte der CPN; es äu-
       ßert sich  außerdem in  der wachsenden Zahl von Studenten der Ge-
       schichtswissenschaft, die  sich diesem  Problem widmen.  Das IPSO
       beabsichtigt, sich  aktiv an  den Diskussionen zu beteiligen, die
       auch im  universitären Rahmen zu Aspekten der Geschichte der kom-
       munistischen Bewegung stattfinden.
       Dieses entspricht  unserer Meinung,  daß das  wachsende Interesse
       für die  Geschichte des Kommunismus mit dem Willen zusammenhängt,
       eine zeitgemäße Perspektive für den Sozialismus auszuarbeiten. Es
       ist klar,  daß die  Geschichte der CPN auch als Teil der interna-
       tionalen kommunistischen Bewegung studiert wird.
       
       3. Staat und Demokratie
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       Ein Schwerpunkt der Aktivitäten des IPSO liegt in der Erforschung
       von Fragen über  S t a a t  u n d  D e m o k r a t i e.
       Im vergangenen Jahr hat das IPSO mit der Arbeit auf diesem Gebiet
       begonnen. Bis  jetzt  haben  sich  die  Untersuchungen  auf  eine
       'Bestandsaufnahme' verschiedener  theoretischer  Ansätze  konzen-
       triert, wie die Frage nach dem Staat in der marxistischen Litera-
       tur angegangen worden ist. Dabei wurde insbesondere der Beziehung
       Staat/kapitalistische Wirtschaft  und den Ursachen der wachsenden
       Staatsintervention Aufmerksamkeit  gewidmet.  Die  Orientierungs-
       phase auf  diesem Gebiet  bezog sich besonders auf die Auffassun-
       gen, die  in der kommunistischen Bewegung mit dem Ziel entwickelt
       wurden, wachsenden  Einfluß auf  die Wirtschaftspolitik auszuüben
       und die Macht der Monopole zurückzudrängen. Mit eigenen theoreti-
       schen Studien auf diesem Gebiet muß erst noch begonnen werden. Es
       besteht die  Absicht, den  mit den  Problemen der Arbeitsrichtung
       "Staat und  Demokratie" zusammenhängenden  Fragen sehr  viel Auf-
       merksamkeit zu  schenken. Erste  Veröffentlichungen erscheinen im
       Laufe des  Jahres 1979.  Dies betrifft u.a. den Bericht über eine
       Studientagung zum  Thema "Der  Versorgungsstaat".  Weiterhin  er-
       scheint ein  Sammelband mit verschiedenen Beiträgen über die Auf-
       fassungen Althussers im Hinblick auf ideologische Staatsapparate.
       6) Eine dritte kleinere Studie, die kürzlich herausgegeben wurde,
       nimmt Bezug  auf den  Kampf um demokratische Rechte im Rahmen der
       EWG. 7)  In der  nächsten Zeit  wird vor allem eine Konzentration
       der Untersuchungen  auf die niederländischen Verhältnisse auf der
       Tagesordnung stehen. Dabei wird daran gedacht, die Frage nach den
       Beziehungen zwischen Basisdemokratie und repräsentativer Demokra-
       tie zu stellen.
       
       4. Arbeitsverhältnisse
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       Zu den  Forschungsgebieten, auf denen das IPSO schon eine gewisse
       Tradition hat, gehört der Komplex der Arbeitsverhältnisse und der
       Kampf der  Arbeiter um  deren Verbesserungen. Hier werden gemein-
       same Arbeiten  von Betriebs-  und Gewerkschaftskadern, Ärzten und
       Experten der  Sozialwissenschaft durchgeführt.  Im Jahre 1973 er-
       schien eine Studie "Moderne Ausbeutung, psychische Überbelastung,
       wachsender Krankenstand" unter Redaktion des Psychotherapeuten A.
       de Leeuuw.  8) In  dieser Studie  wird auf eine Anzahl neuer Pro-
       bleme hingewiesen,  die die Folgen der heutigen Ausbeutungsformen
       im hochentwickelten  Kapitalismus sind, insbesondere in den Bran-
       chen Chemie,  Metall usw.  Dabei wird eingegangen auf die psychi-
       sche Überbelastung, die in wachsendem Maße die Gesundheit der Ar-
       beiter auf  allen Ebenen  untergräbt. Im  Jahre 1974 erschien ein
       zweiter Bericht zu diesem Fragenkomplex. 9) Diese Studien erfreu-
       ten sich  eines starken  Interesses in  Gewerkschafts-, medizini-
       schen und  wissenschaftlichen Kreisen. Von hier aus ging auch ein
       deutlicher Impuls  zur  Meinungsbildung  bei  Gewerkschaftskadern
       aus, z.B.  in bezug  auf Systeme  der Dauerschichtarbeit in einer
       Anzahl von Branchen.
       Im Augenblick  führt das IPSO Untersuchungen auf folgenden Gebie-
       ten durch:
       - die gesellschaftliche Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung;
       - die Lage der etwa 1/2 Millionen Arbeiter, die aufgrund bleiben-
       der Gesundheitsschäden  auf Unterstützung nach dem W.A.O. (Gesetz
       über die Arbeitsunfähigkeit) angewiesen sind.
       Des weiteren  werden die  Folgen der  Automatisierung  erforscht.
       Auch hier besteht ein großer Untersuchungsrückstand, wenn man die
       Ausmaße in  Betracht zieht, in denen die Arbeiter mit diesem Pro-
       blem konfrontiert  werden. Für  das IPSO  wird es in Zukunft auch
       notwendig sein, diese Fragen aus mehr theoretischer Sicht anzuge-
       hen.
       
       5. Frieden und Sicherheit
       -------------------------
       
       Eine Arbeitsgruppe  des IPSO  beschäftigt sich  zur Zeit  mit dem
       wissenschaftlichen Studium der Fragen von Frieden und Sicherheit.
       Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen, die mit der Notwendigkeit zu-
       sammenhängen, seitens  der Niederlande  einen eigenen Beitrag zur
       Zurückdrängung der  atomaren Rüstung  und der Entspannung zu lei-
       sten. Das  Bedürfnis nach  einer derartigen  Studie hat durch die
       große Bewegung gegen die Neutronenbombe stark zugenommen, die die
       fortschrittlichen Menschen  keineswegs nur oberflächlich berührt.
       Demnächst wird ein Sammelband mit einigen ersten Studien auf die-
       sem Gebiet erscheinen. Darin wird u.a. eingegangen auf den Kampf,
       der in  den Niederlanden  gegen die Atombewaffnung geführt wurde,
       auf die Frage der Rechte der Wehrdienstpflichtigen und einige an-
       dere Themen.  Es wird notwendig sein, diese Untersuchungen in Zu-
       kunft weiter  auszubauen. Das beinhaltet sicherlich auch die Auf-
       gabe, die  Erfahrungen aufzuarbeiten,  die die Friedenskräfte ge-
       macht haben.
       
       6. Die Stellung der Frau
       ------------------------
       
       Bei der Erweiterung der Tätigkeiten des IPSO ist auch mit der Un-
       tersuchung der Bedeutung der Frauenbewegung und der gesellschaft-
       lichen Stellung der Frau begonnen worden. Hier tauchen zahlreiche
       neue Probleme  auf, die  studiert werden müssen, auch auf dem Ge-
       biet des ideologischen Kampfes.
       Im Rahmen  der Frauenbewegung ist in letzter Zeit eine bemerkens-
       werte Zahl  von Publikationen erarbeitet worden. Was unser Insti-
       tut angeht,  so werden wir uns vor allem mit Themen beschäftigen,
       die die  Beziehungen zwischen  den neuen aufgeworfenen Fragen des
       Kampfes und  den Zielsetzungen  der  Arbeiterbewegung  betreffen.
       Dies geschah  bereits in  einer Veröffentlichung über die Notwen-
       digkeit der  Arbeitszeitverkürzung aus  der Sicht des Kampfes für
       die Frauenbefreiung.  Im allgemeineren  Sinne handelt  es sich um
       Themen, die mit dem Verhältnis der Ziele des Feminismus zum Kampf
       für den  Sozialismus zu  tun haben.  Dieses Arbeitsfeld  des IPSO
       wurde kürzlich  mit einer Studientagung eröffnet mit dem Ziel, im
       Rahmen des Instituts zu einem ersten wissenschaftlichen Gedanken-
       austausch zu  kommen. Dabei  stellte sich heraus, daß es hier ein
       Bedürfnis nach  gründlicheren Untersuchungen  auf einer Reihe von
       Gebieten gibt. 10)
       Das IPSO  publiziert ferner  noch zwei  Vierteljahresschriften in
       begrenztem Umfang:
       
       7. "Die ökonomische Chronik"
       ----------------------------
       
       Mit dieser  Zeitschrift beabsichtigt das IPSO, einen periodischen
       Überblick der  wirtschaftlichen Entwicklungen in unserem Land und
       im internationalen  Rahmen zu  bieten. Es handelt sich hierbei um
       eine Darstellung der konjunkturellen Entwicklung der kapitalisti-
       schen Wirtschaft, die Untersuchung der Wirtschaftspolitik und de-
       ren Beurteilung im Licht der Interessen der Arbeiterklasse. Dane-
       ben wird  beabsichtigt, die tieferliegenden Strukturveränderungen
       in der  kapitalistischen Wirtschaft zu beleuchten. Die erste Num-
       mer der  "Ökonomischen Chronik"  erschien im  zweiten Vierteljahr
       des Jahres 1978. 11)
       
       8. "Internationale Information (INFO)"
       --------------------------------------
       
       Das Bulletin  für Internationale Information (INFO) enthält Über-
       setzungen von  Veröffentlichungen in erster Linie aus Zeitschrif-
       ten der  kommunistischen Parteien.  Es handelt  sich  hierbei  um
       Texte zu  Fragen, die  auch in unserem Land auf Interesse stoßen.
       Mit diesem  Bulletin verbindet  sich die  Absicht, einen beschei-
       denen Beitrag  zur Information  über Standpunkte sowie zum Gedan-
       kenaustausch im  Hinblick auf wichtige Fragen der internationalen
       kommunistischen Bewegung zu leisten. 12)
       Im Rahmen der Vertiefung der Kenntnisse über die Entwicklungen in
       den sozialistischen Ländern wurden u.a. zwei Vorlesungen mit San-
       dor Lakos, Direktor des Instituts für Gesellschaftswissenschaften
       beim ZK der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei, zum Thema
       "Die Räte-Republik  und die Entwicklung der Arbeitermacht" durch-
       geführt.
       Es gibt  noch einige andere Gebiete, auf denen Arbeitsgruppen des
       IPSO Aktivitäten  entfalten. Dies  betrifft u.a. die Energiefrage
       und die  Probleme der Großstädte. Hier konnte bereits in zahlrei-
       chen Teilbereichen ein bemerkenswerter Erkenntnisstand erarbeitet
       werden. Dies  gilt auch  für die  lebenswichtigen Fragen, die mit
       der Position  der Entwicklungsländer  im Kampf gegen den Neokolo-
       nialismus zusammenhängen.  Hier muß zugleich ein Rückstand aufge-
       arbeitet werden,  der als Folge der unwissenschaftlichen Methodik
       entstanden ist,  die früher  beim IPSO  auf diesem Gebiet prakti-
       ziert worden ist.
       Wenn die  Aktivitäten des  IPSO sich in letzter Zeit in verschie-
       denen Richtungen  erweitert und verbessert haben, so muß zugleich
       festgestellt werden,  daß dies  nicht problemlos vonstatten geht.
       Weiterhin brauchen  die verschiedenen Forschungsprojekte oft eine
       lange Anlaufzeit.  Auch organisatorische Schwächen zeigen sich in
       mannigfaltiger Art,  wobei wir  auf der Suche nach den geeigneten
       organisatorischen Formen  sind. Als Problem erweist sich auch die
       Erarbeitung von Langzeitprojekten.
       Zu den  günstigen Bedingungen  für die  Tätigkeit des IPSO gehört
       die Erfahrung,  die in  letzter  Zeit  auf  vielen  Gebieten  des
       Kampfes gemacht wurde. Vor allem wirkt sich auch die Tatsache po-
       sitiv aus,  daß eine  Reihe wissenschaftlicher Kräfte an den Uni-
       versitäten sich am Marxismus orientiert.
       Das IPSO arbeitet fast vollständig mit freiwilligen Mitarbeitern;
       es verfügt nur über zwei festangestellte Mitarbeiter.
       Vorsitzender des  Vorstandes der  Stiftung IPSO ist seit Dezember
       1977 Jaap Wolff, Mitglied des Exekutiv-Komitees der CPN.
       Zu den Tätigkeiten des IPSO gehört auch, einen Beitrag zur Ausar-
       beitung eines Programmentwurfs für einen Niederländischen Weg zum
       Sozialismus zu  leisten, wie es auf dem 26. Parteitag beschlossen
       worden ist.
       An der Entwicklung der Beziehungen mit anderen wissenschaftlichen
       Instituten wird seit dem 26. Parteitag gearbeitet; vorher bestan-
       den überhaupt  keine entsprechenden  Beziehungen. Angesichts  der
       Tatsache, daß  die eigenen Forschungsaktivitäten des IPSO sich in
       einer Aufbauphase  befinden, und  angesichts der Zeitprobleme und
       der einsetzbaren  Kräfte, vollzieht sich dies nur allmählich. Das
       IPSO sieht die Bedeutung solcher Verbindungen für die Partner vor
       allem darin,  sich den in der kommunistischen Bewegung erarbeite-
       ten Forschungsstand wechselseitig nutzbar zu machen.
       
       _____
       1) Für Arbeit  und bessere Lebensbedindungen, Plan zur Bekämpfung
       der Wirtschaftskrise. IPSO, Amsterdam, Juli 1978.
       2) Heineken. Serie: Betriebe, Nr. 1. IPSO, Amsterdam, April 1979.
       3) Die Stahlindustrie  und der  Kampf um  Arbeitsplätze. Material
       einer Konferenz. IPSO, Amsterdam, August 1978.
       4) Die Niederlande  und die  japanisch-westeuropäischen Beziehun-
       gen. Die Notwendigkeit einer selbständigen Politik. IPSO, Amster-
       dam 1978.
       5) Hefte zur  Geschichte der  Kommunistischen Partei  der Nieder-
       lande. Nr.  1 -  IPSO, Amsterdam, Februar 1979. Nr. 2 - IPSO, Am-
       sterdam, Februar 1979.
       6) Die Krise  des Versorgungsstaats.  IPSO, Amsterdam, 1979. Über
       Louis Althussers  Beitrag zur  marxistischen Staatstheorie. IPSO,
       Amsterdam, 1979.
       7) Eurorecht gegen Eurorechts. IPSO, Amsterdam, 1979.
       8) Moderne Ausbeutung, psychische Überbelastung, wachsender Kran-
       kenstand. Teil I - IPSO, Amsterdam, März 1973.
       9) Teil II - IPSO, Amsterdam, 1974.
       10) Die Lage der Frau und die Bedeutung der Frauenbewegung. IPSO,
       Amsterdam, März 1979.
       11) Ökonomische Chronik. Vierteljahresschrift. IPSO, Amsterdam.
       12) Bulletin für  internationale Information  (INFO). Vierteljah-
       resschrift. IPSO, Amsterdam.
       

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