Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       WISSENSCHAFTLICH-TECHNISCHER FORTSCHRITT,
       =========================================
       NEUE TECHNIK UND ARBEITERBEWEGUNG *)
       ====================================
       
       Lothar Peter
       
       1. Technischer Fortschritt im Kapitalismus oder "dritte industri-
       elle Revolution"?  - 2.  Gegenwärtige Tendenzen der neuen Technik
       in der materiellen Produktion; - 3- Technische und arbeitsorgani-
       satorische Rationalisierung der Büroarbeit; - 4. Tendenzen in den
       sozialen Auswirkungen  der neuen Technik und Rationalisierung auf
       die Lohnabhängigen; - 5. Exkurs: Zur theoretischen Kontroverse um
       den Zusammenhang von technischem Fortschritt und Qualifikation; -
       6. Arbeiterbewegung und neue Technik.
       
       1. Technischer Fortschritt im Kapitalismus oder
       -----------------------------------------------
       "dritte industrielle Revolution"?
       ---------------------------------
       
       Die Entwicklung  des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in
       der Bundesrepublik ist gegenwärtig durch eine sprunghafte Zunahme
       neuer Technologien  sowohl in der materiellen Produktion als auch
       im nichtproduktiven  privaten oder  öffentlichen Bereich  des ge-
       sellschaftlichen Reproduktionsprozesses geprägt.
       Neben den Veränderungen der energetischen Basis der gesellschaft-
       lichen Produktion  - es  sei hier  auf den  wachsenden Anteil der
       Kernenergie an  der Energieversorgung  hingewiesen -  gehören die
       neuen Technologien  im Arbeitsprozeß zu den wichtigsten konkreten
       Erscheinungsformen des  wissenschaftlich-technischen Fortschritts
       in unserem Land.
       Diese neuen  Technologien beruhen  wesentlich auf  der  Anwendung
       steuernder, kontrollierender,  regelnder und informierender Funk-
       tionen der  Elektronik. Sie umfassen vor allem Produkte der Halb-
       leiter- und  Optoelektronik sowie der Speicher- und Sensorentech-
       nik. Unter diesen neuen Technologien kann die Mikroelektronik als
       die entscheidende, als Schlüsseltechnologie "mit der Funktion ei-
       ner echten Basisinnovation" 1) bezeichnet werden. Es handelt sich
       jedoch bei  der Mikroelektronik  auf ihrem heutigen Entwicklungs-
       stand technisch gesehen nicht um eine revolutionierende Errungen-
       schaft, um  eine tatsächlich  umwälzende Neuerung,  2) sondern um
       eine Weiterentwicklung  schon  jahrzehntelang  bekannter  wissen-
       schaftlich-technischer Gesetzmäßigkeiten und Funktionen.
       Wenn es  trotzdem gerechtfertigt  ist, von  einer neuen Stufe des
       wissenschaftlich-technischen Fortschritts  zu sprechen,  so  des-
       halb,  weil  durch  die  massenhafte  Überleitung  elektronischer
       Informations-, Steuerungs-  und Regelungsmittel  in  den  gesell-
       schaftlichen Arbeitsprozeß  empirisch eindeutige,  qualitativ und
       quantitativ relevante  Veränderungen ausgelöst  worden sind.  Sie
       beziehen sich  sowohl auf  die Arbeitsproduktivität  als auch auf
       die Entwicklung  der sachlichen  Momente des Arbeitsprozesses und
       nicht zuletzt auf die Stellung des Menschen im Arbeitsprozeß.
       Diese Veränderungen,  deren Anfang  vor etwa fünf bis zehn Jahren
       liegt, sind so enorm, daß sich der Vorsitzende der IG Metall, Eu-
       gen Loderer,  veranlaßt sah, von einer "dritten industriellen Re-
       volution" zu  sprechen. 3) Nach meiner Auffassung handelt es sich
       jedoch nicht um eine "dritte industrielle Revolution", sondern um
       eine neue  Stufe im Prozeß des wissenschaftlich-technischen Fort-
       schritts, dessen  ungehinderte Entfaltung innerhalb der Schranken
       des Privateigentums  der kapitalistischen Gesellschaft nicht mög-
       lich ist.
       Der Begriff  der "dritten industriellen Revolution" unterstellt -
       ähnlich wie die schon während der zwanziger Jahre von sozialdemo-
       kratischer Seite benutzte Formel der "zweiten industriellen Revo-
       lution", daß auf der Basis der gegebenen kapitalistischen Produk-
       tionsverhältnisse beliebig  viele Umwälzungen der Produktivkraft-
       struktur stattfinden  können, ohne  daß es  notwendigerweise  zur
       antagonistischen Zuspitzung  in der Beziehung der Produktivkräfte
       zu den  Produktionsverhältnissen kommen müsse. Zumindest legt der
       Begriff der  "dritten industriellen Revolution", wie er von Eugen
       Loderer dargestellt  wird, nicht  die Deutung  nahe, daß zwischen
       Produktivkräften und  Produktionsverhältnissen gesetzmäßige,  sy-
       stemhafte Zusammenhänge  bestehen und  ein bestimmtes  Niveau der
       Produktivkräfte und  der Vergesellschaftung der Arbeit bestimmter
       Eigentumsformen, also  bestimmter Produktionsverhältnisse bedarf,
       um sich weiterentwickeln zu können.
       Aber auch  der in  der marxistischen Diskussion häufig verwendete
       Begriff der  "wissenschaftlich-technischen Revolution" 4) ist zu-
       mindest vorerst  noch mit  zu vielen Unsicherheiten behaftet, als
       daß er ohne weiteres für die Analyse der gegenwärtigen Produktiv-
       kraftentwicklung als  theoretischer  Leitbegriff  dienen  könnte.
       Ohne hier  tiefer ins  Problem eindringen  zu können, sei nur auf
       einige Schwierigkeiten  hingewiesen,  die  mit  dem  Begriff  der
       "wissenschaftlich-technischen Revolution" verknüpft sind.
       Dem Begriff  fehlt die  erforderliche  Bestimmungsschärfe  seines
       zeitlichen Geltungsbereichs. Er trägt nicht zu einer präzisen Pe-
       riodisierung der Produktivkraftentwicklung bei. Da das Verhältnis
       zwischen "revolutionären"  und "nicht-revolutionären"  Phasen der
       kapitalistischen Produktivkraftgeschichte  nicht exakt  im Rahmen
       der Begriffsexplikation  bestimmt wird,  besteht die Gefahr einer
       Verflachung der  theoretischen Qualität  des Revolutionsbegriffs.
       Des weiteren  gibt der  Begriff der "wissenschaftlich-technischen
       Revolution", der  für die  Analyse des  Produktionsprozesses, vor
       allem seiner  "stofflichen" Seite  wichtige Erkenntnisse  vermit-
       telt, nicht  hinreichend Aufschluß über den Zusammenhang von Pro-
       duktivkraftentwicklung und sozialökonomischen Strukturveränderun-
       gen. Es bleibt unklar, inwieweit sich etwa wissenschaftlich-tech-
       nische Innovationen  unabhängig von und ungleichzeitig zu sozial-
       ökonomischen und  politischen Umwälzungen vollziehen können. Zwar
       läßt  das   den  Begriff   umgebende  theoretische   Konzept  der
       "wissenschaftlich-technischen Revolution"  keinen Zweifel  daran,
       daß eine Vollendung der "wissenschaftlich-technischen Revolution"
       nur in  den sozialökonomischen und politischen Entwicklungsformen
       einer sozialistischen  Gesellschaft möglich  ist, aber die Bezie-
       hung zwischen  Produktivkräften, Produktionsverhältnissen und po-
       litischem System bleibt auffällig vage. So ist zum Beispiel unge-
       klärt, inwieweit  die Qualifizierung  der gegenwärtigen Phase der
       Produktivkraftbewegung als  revolutionär mit jenen Anpassungspro-
       zessen und  Modifikationen der  kapitalistischen  Produktionsver-
       hältnisse vereinbar  ist, die zwar durchaus nicht die dem Kapita-
       lismus innewohnenden  Antagonismen lösen  können, aber  doch eine
       zeitlich und  qualitativ beträchtliche  Flexibilität für die wei-
       tere Entfaltung  produktiver Potenzen der Gesellschaft an den Tag
       legen.
       Aus diesen  und anderen, hier nicht näher zu beschreibenden Grün-
       den  scheint   es  mir  geraten,  solange  auf  den  Begriff  der
       "wissenschaftlich-technischen Revolution"  zu verzichten, wie die
       erwähnten Probleme nicht ausreichend geklärt sind, und statt des-
       sen die gegenwärtige Phase der Produktivkraftbewegung als kapita-
       listisch bestimmten  wissenschaftlich-technischen Fortschritt  zu
       bezeichnen.
       Die neue Stufe des technischen Fortschritts ist nicht durch revo-
       lutionierende wissenschaftliche  oder technische  Erfindungen ge-
       kennzeichnet, die plötzlich Umbrüche in der materiell-technischen
       Basis des  Produktionsprozesses hervorrufen,  sondern  durch  die
       Weiterentwicklung und  Verallgemeinerung schon länger vorhandener
       Technologien. So  ist die  allerdings in der Form eines Innovati-
       onsschubs erfolgende  Expansion der  Mikroelektronik das Ergebnis
       einer systematischen  Weiterentwicklung vor  allem der Transisto-
       rentechnik, deren  erste Produktgeneration  Anfang der  fünfziger
       Jahre wirksam  wurde. Das gilt auch für andere Faktoren der neuen
       Technik wie  beispielsweise für moderne Verbundtechniken, die die
       Vorzüge der  Mikroelektronik mit  denen synthetischer  Werkstoffe
       verbinden (Spritzgußverfahren  bei Bauteilen  elektronischer Pro-
       duktion). Ihre spektakulärste Vergegenständlichung findet die Mi-
       kroelektronik  in   den   sogenannten   "Mikroprozessoren"   oder
       "Minicomputern". Sie  haben als "job-killer" bereits traurige Be-
       rühmtheit erlangt;  denn unter  kapitalistischen Bedingungen  ist
       der technische Fortschritt, also auch die Mikroelektronik mit ih-
       ren immensen technischen Anwendungsmöglichkeiten, in erster Linie
       den Gesetzen und Verlaufsformen der kapitalistischen Akkumulation
       unterworfen 5).  Wie der  technische Fortschritt  im Kapitalismus
       überhaupt, so  hat folglich  auch die  Mikroelektronik den Zweck,
       "lebendige Arbeit"  durch "vergegenständlichte  Arbeit" zu erset-
       zen, um  die Arbeitsproduktivität  zu erhöhen  und damit das Ver-
       hältnis von  produziertem Mehrwert  und variablem  Kapital (Löhne
       und Gehälter)  zugunsten des  Kapitals zu  verändern. Die gesell-
       schaftlichen Produzenten, die Arbeiter und Angestellten, erfahren
       den wissenschaftlich-technischen Fortschritt als einen Prozeß, in
       dem einerseits  ihre "selbständige Produktionsfähigkeit gebrochen
       wird, andererseits mit der Entwicklung der Maschinerie auch tech-
       nologisch die  Bedingungen der Arbeit als die Arbeit beherrschend
       erscheinen und  zugleich sie  ersetzen, unterdrücken, überflüssig
       machen in ihren selbständigen Formen" 6).
       Aber die  Verdrängung "lebendiger  Arbeit" durch  Maschinerie und
       Technik zum  Zweck erhöhter Kapitalrentabilität ist für die kapi-
       talistische Entwicklung  allgemein charakteristisch.  Was die ge-
       genwärtige konkrete  Erscheinungsform dieses Prozesses von voran-
       gegangenen Phasen  der kapitalistischen Akkumulation seit Kriegs-
       ende unterscheidet,  ist die Tatsache, daß die heutigen Technolo-
       gien nicht  nur Arbeitskräfte freisetzen, wo sie in den verarbei-
       tenden Industrien angewandt werden, sondern gleichzeitig Arbeits-
       mittel -  einsparen" und  infolgedessen die Entwicklung der Inve-
       stitionsgüterindustrie dämpfen.  7)  Technische  Rationalisierung
       ist nicht  mehr wie in den fünfziger und sechziger Jahren mit ei-
       nem ebenso  breiten wie  steilen Investitionsboom verbunden; denn
       die modernen  Arbeitsmittel und  Technologien ermöglichen  enorme
       Kapazitätsausweitungen, ohne entsprechende arbeitsplatzschaffende
       Impulse in der Investitionsgüterindustrie auszulösen. Schließlich
       drosselt  der  technische  Fortschritt  den  Beschäftigungseffekt
       selbst noch dann, wenn nicht nur Rationalisierungs- und Ersatzin-
       vestitionen getätigt  werden, was zur Zeit allerdings überwiegend
       der Fall  ist, sondern es sich um "echte" Erweiterungsinvestitio-
       nen handelt.  Diesen Aspekt hat J. Huffschmid folgendermaßen prä-
       gnant beschrieben:  "Daß durch reine Rationalisierungsinvestitio-
       nen normalerweise  Lohnkosten  eingespart,  Arbeitskräfte  'frei-
       gesetzt' und Arbeitsplätze vernichtet werden, liegt auf der Hand,
       denn  eben   dies  ist  ein  wichtiger  Zweck  der  Rationalisie-
       rungsinvestitionen. Aber  auch beim Ersatz von ausscheidenden An-
       lagen werden  in der  Regel nicht die gleichen Maschinen, sondern
       modernere installiert,  deren Bedienung weniger Arbeitskräfte er-
       fordert. Allein  die reinen Erweiterungsinvestitionen, die zu dem
       bestehenden Produktionsapparat  neue Anlagen hinzufügen, schaffen
       Arbeitsplätze, allerdings  aufgrund der Anwendung neuer Technolo-
       gien ebenfalls  weniger als  bei,  am  Ausstoß  gemessen,  gleich
       großen Anlagen  früherer Jahre.  Die Verschiebung  der Strukturen
       der Investitionen  zugunsten der  Rationalisierungs- und  Ersatz-
       und zuungunsten der Erweiterungsinvestitionen bedeutet, daß immer
       mehr arbeitsplatzvernichtende  und  immer  weniger  arbeitsplatz-
       schaffende Produktionsanlagen  installiert werden und daß der Ar-
       beitskräftesaldo auch bei steigenden Investitionen negativ wird."
       8)
       
       2. Gegenwärtige Tendenzen der neuen Technik
       -------------------------------------------
       in der materiellen Produktion
       -----------------------------
       
       Untersucht man,  wie die  neue Technik im produktiven Bereich des
       Wirtschaftsprozesses in  der Bundesrepublik  angewandt und welche
       tatsächlichen Folgen  sie für die Arbeiter, Angestellten und wis-
       senschaftlich-technischen Kader  hat, so ist zunächst auf die in-
       dustrielle Fertigung  als Zentrum des Reproduktionsprozesses ein-
       zugehen.
       Entsprechend dem jeweiligen technischen Stand vollziehen sich das
       Vordringen und die Ausbreitung neuer Technologien, namentlich der
       Mikroelektronik, in  den einzelnen  Industriezweigen sehr  unter-
       schiedlich. In  diesem Prozeß  stehen zweifellos diejenigen Indu-
       striebereiche bzw.  -zweige an  der Spitze, die mit der Anwendung
       von Elektronik wegen der Gebrauchswerteigenschaften der durch sie
       erzeugten Produkte am engsten verbunden sind. Das gilt sowohl für
       die Abteilungen  der elektronischen  Industrie, wo die mikroelek-
       tronischen Bausteine hergestellt, als auch für die Industrien, wo
       sie -  wie etwa  im Elektrogerätebau - verarbeitet werden. Volks-
       wirtschaftlich ähnlich  wichtig wie  die elektronische  Industrie
       ist der Maschinenbau. Auch hier hat ein mikroelektronischer Inno-
       vationsschub eingesetzt, dessen langfristige Auswirkungen auf die
       Struktur dieses  arbeitsintensiven  Zweiges  (1977  über  1  Mio.
       Beschäftigte) 9)  überhaupt noch  nicht absehbar sind. Das trifft
       vor allem auf den Werkzeugmaschinenbau zu, wo automatisch gesteu-
       erte (numerical control) NC-Maschinen schon seit Anfang der sech-
       ziger Jahre  verwendet werden.  10) Ihrer Zunahme waren nicht nur
       ökonomisch wegen der hohen Anschaffungskosten, sondern auch tech-
       nisch insofern  Schranken gesetzt,  als sie für Kleinserienferti-
       gung nur  begrenzt geeignet waren. 1977 gab es in der Bundesrepu-
       blik ungefähr 5000 solcher Maschinen. Durch die Steuerung von NC-
       Maschinen durch  Mikroprozessoren wurde  im  Werkzeugmaschinenbau
       eine bedeutende  Veränderung ausgelöst. Die sogenannten (compute-
       rized numerical  control) CNC-Maschinen,  die seit einigen Jahren
       auf dem  Markt sind,  eignen sich  auch für Kleinserienfertigung.
       Sie haben eine wesentlich höhere Laufgeschwindigkeit, sind einfa-
       cher zu  bedienen und  kosten nicht  viel mehr  als  herkömmliche
       Werkzeugmaschinen. Die neue Technik entfaltet sich aber nicht nur
       in den  genannten Spitzenindustrien, wo das technische Niveau oh-
       nehin sehr hoch ist, sondern sie erobert auch industrielle Berei-
       che, die  traditionell durch  einen hohen Grad unmittelbarer Ein-
       wirkung der  menschlichen Arbeitskraft  auf Arbeitsmittel und Ar-
       beitsgegenstand, verbunden  mit hoher muskulärer und/oder psychi-
       scher Belastung  charakterisiert waren.  Betroffen sind davon zum
       Beispiel klassische  Fertigungstätigkeiten im  Fahrzeugbau,  aber
       auch repetitive Teilarbeiten in anderen Industriezweigen, wie vor
       allem der  Elektroindustrie. 1978 waren im Wolfsburger VW-Werk 85
       Industrieroboter im  Einsatz, die Fahrzeugteile schweißten, Pres-
       sen bedienten,  Hinterachsen hoben  und  einlegten  und  Karosse-
       rieteile beschichteten.  Handhabungssysteme, Sensoren  und  Indu-
       strieroboter verrichten  heute bereits  vielfältige Arbeitsopera-
       tionen, wie  Schweißen, Lackieren,  Materialbeschichtung und Sor-
       tieren von Werkstücken. Trotzdem ist die Anwendung von Industrie-
       robotern  noch  Neuland  des  wissenschaftlich-technischen  Fort-
       schritts. 1978  soll es  in der Bundesrepublik erst rund 520 ent-
       sprechende Maschinen  gegeben haben.  11) Die  jetzige Generation
       von Industrierobotern  und Handhabungssystemen ist technisch noch
       nicht ausgereift. Sie kann Toleranzen von ±1 mm noch nicht unter-
       schreiten und  ist auf  zusätzliche Zuführungshilfen  angewiesen.
       12) Die  zweite, gegenwärtig  schon erprobte Generation soll über
       eigene  "Sinnesorgane"  und  die  dritte  schließlich  über  eine
       "künstliche" oder  "apparative Intelligenz" verfügen. Obwohl also
       die Entwicklung  hier gerade  erst begonnen hat, scheint die Pro-
       gnose zulässig,  daß Industrieroboter noch in dem kommenden Jahr-
       zehnt, 1980-1990,  gerade in  arbeitsintensiven  Arbeitsprozessen
       eine wichtige Rolle spielen werden.
       (Auf Industriezweige  wie die  Uhren- und  die Druckindustrie sei
       hier nicht  näher eingegangen,  weil ihre Entwicklung relativ be-
       kannt ist  und hier  schon heute  der systematische  Einsatz  der
       neuen Technik  zu  tiefgreifenden  Strukturveränderungen  geführt
       hat.) 13)
       Zu ergänzen  wäre jedoch,  daß die Anwendung der neuen Technik in
       den Industrieunternehmen  nicht nur den Fertigungsbereich erfaßt,
       sondern inzwischen  immer mehr auch auf die Abteilungen der Lage-
       rung, des Transports, Verkaufs und des Personalwesens übergreift,
       die mit Hilfe moderner Daten- und Informationstechnik mit der ma-
       teriellen Produktion zu integrierten Systemen zusammengeschlossen
       werden. 14) Vom Zugriff der neuen Technik bleiben auch Arbeitsbe-
       reiche der verarbeitenden Industrie nicht verschont, die der Fer-
       tigung vorgelagert  sind und die man bisher für "immun" gegen die
       neue Technik  gehalten haben  mag. Daß dieses Vertrauen keine so-
       lide Grundlage mehr hat, beweist die Entwicklung beim technischen
       Zeichnen und  in der Konstruktion. Beide, durch relativ hohe Qua-
       lifikationen der  "lebendigen  Arbeit"  charakterisierten  Tätig-
       keitsfelder werden  zukünftig weitgehend durch sogenanntes compu-
       terunterstütztes Zeichnen  (CAD = Computer aided design) übernom-
       men werden  können. Nach  Angaben des IG-Metall-Funktionärs Horst
       Hinz, der  sich auf  amerikanische Quellen  stützt, sollen in den
       USA bis 1985 rund 90% aller technischen Zeichnungen durch CAD-Sy-
       steme hergestellt  werden. 15) Obwohl die Entwicklung in der Bun-
       desrepublik nicht  mit demselben  rasanten Tempo  verläuft,  wird
       sich mit  einer Phasenverzögerung  von schätzungsweise  zehn  bis
       zwanzig Jahren ein vergleichbarer Prozeß vollziehen.
       
       3. Technische und arbeitsorganisatorische Rationalisierung
       ----------------------------------------------------------
       der Büroarbeit
       --------------
       
       Der Vormarsch  der neuen  Technik bleibt nicht an den Grenzen der
       materiellen industriellen  Produktion stehen. Er dringt auch mas-
       siv in  den nichtproduktiven  Sektor, sei  er privat oder öffent-
       lich, vor  und unterwirft in zunehmendem Umfang Büro- und Verwal-
       tungsarbeiten  einem   technischen  und  arbeitsorganisatorischen
       Strukturwandel: "In  der materiellen Produktion schreitet die Au-
       tomation schon  seit den  letzten 10  bis 15 Jahren schnell, aber
       fast lautlos voran. Jetzt werden vor allem vor- und nachgelagerte
       Bereiche der  Produktion, Büros und Verwaltungen, Forschungs- und
       Entwicklungsabteilungen, aber  auch  Dienstleistungsbereiche  wie
       Gesundheitswesen, Handel, Banken und Versicherungen von der neuen
       Welle der Automation erfaßt. Inzwischen sind nämlich die Möglich-
       keiten einer  Automatisierung auch dieser Bereiche gewachsen. We-
       sentliche Voraussetzung ist, geistige Fähigkeiten standardisieren
       zu können  und sogenannte  intelligente und lernfähige Systeme zu
       entwickeln, die  diese Tätigkeiten  ausführen können. Die Grenzen
       sind noch nicht erreicht." 16)
       Auch Büro-  und Verwaltungsarbeit  unterliegt der  Ökonomisierung
       ihrer Produktionselemente, d.h. neue Technik und Rationalisierung
       verfolgen den Zweck, menschliche Arbeit durch technische und/oder
       organisatorische Mittel zu substituieren, die Leistung zu erhöhen
       und den Aufwand zu verringern.
       In höherem Maße als in der materiellen (industriellen) Produktion
       sind Leistungssteigerungen  in der  Büro-  und  Verwaltungsarbeit
       entweder auf nur arbeitsorganisatorische Maßnahmen oder auf Stra-
       tegien zurückzuführen, die technische und organisatorische Verän-
       derungen kombinieren.  Für die  Umstrukturierung nach der techni-
       schen Seite ist die Einführung von EDV und automatischer Textver-
       arbeitung  typisch.  Sie  ist  längerfristig  mit  einem  enormen
       "Freisetzungs"-Effekt verbunden. 17)
       Nach der  zunächst vertraulichen, inzwischen einer interessierten
       Öffentlichkeit zumindest in ihren Kernaussagen bekannt gewordenen
       Siemens-Studie "Büro  1990" können  in der Großindustrie etwa 30%
       der Bürotätigkeiten  "formalisiert", d.  h. vereinfacht und stan-
       dardisiert werden  (etwa durch Code-Ziffern, EDV-Formulare, Text-
       standardisierung usw.).  18) 25% der Büroarbeit lassen sich durch
       EDV automatisieren,  die entsprechenden Arbeitsplätze werden also
       abgebaut. In  Klein- und  Mittelbetrieben ist  das  Rationalisie-
       rungsreservoir naturgemäß größer, da die Arbeitsabläufe in dieser
       Betriebsgrößenklasse weniger  straff durchrationalisiert sind und
       die Arbeitsteilung nicht so weit fortgeschritten ist wie in Groß-
       betrieben. In Klein- und Mittelbetrieben sollen nach der Siemens-
       Studie 45%  der Tätigkeiten  formalisierbar und  25% direkt durch
       Technik ersetzbar  sein. Für die öffentliche Verwaltung errechnet
       die Studie noch umfassendere Rationalisierungsmöglichkeiten: Hier
       seien 72%  aller Tätigkeiten formalisierbar und 38% automatisier-
       bar. Die  Siemens-Studie repräsentiert  2,7 Mio. Angestellten-Ar-
       beitsplätze, also  mehr als ein Viertel aller Angestellten in der
       Bundesrepublik, deren  Zahl sich  auf rd. 9 Mio. beläuft. 19) Au-
       ßerdem nimmt  die Studie  für sich  in Anspruch,  auf die gesamte
       Struktur der Angestelltenarbeit in der Bundesrepublik übertragbar
       zu sein.  Was die Einsparung an Arbeitszeit anbetrifft, kommt die
       Studie zu  dem bemerkenswerten Schluß, daß - privater und öffent-
       licher Sektor zusammengenommen - bei konsequenter Automatisierung
       bis 1990  durchschnittlich ungefähr 40% des Arbeitsaufwandes ein-
       gespart werden können.
       In  Verbindung  mit  arbeitsorganisatorischen  Rationalisierungen
       kann die Einführung elektronischer Daten- und Textverarbeitung im
       Büro die  Arbeitsteilung weiter vertiefen und die Arbeitsleistung
       um ein  Mehrfaches steigern.  Ein relativ einfaches Beispiel sol-
       cher Formen  der Leistungsmaximierung ist die Auflösung sogenann-
       ter "Mischarbeitsplätze"  zugunsten der  Spezialisierung auf aus-
       schließlich eine  Funktion bei gleichzeitiger Einführung von Dik-
       tiergeräten, elektrischen Schreibmaschinen oder Schreibautomaten.
       Bei größeren Betriebseinheiten führen solche Veränderungen häufig
       zur Einrichtung zentraler Schreibdienste, die, vom Standpunkt des
       Kapitals oder  des Staates  betrachtet, die  leistungssteigernden
       Vorzüge des  technischen Fortschritts  und der Arbeitsteilung mit
       denen einer  beträchtlichen Kostensenkung  verbinden. 20) Der sy-
       stematischen Anwendung  der neuen  Technik in  der Büroarbeit und
       den Veränderungen  der Arbeitsorganisation  auf der  einen  Seite
       entspricht auf der anderen Seite die Perfektionierung von wissen-
       schaftlichen Methoden,  mit deren  Hilfe die menschliche Arbeits-
       kraft, die  "subjektiven Produktionsbedingungen"  optimal  ausge-
       schöpft werden  können. Das  geschieht  hauptsächlich  durch  die
       Übertragung von  Verfahren der analytischen Arbeitsplatzbewertung
       und "vorbestimmter  Zeiten", die  in der  materiellen  Produktion
       längst angewandt  werden, auf  Büro- und  Verwaltungstätigkeiten,
       und zwar  bis hin  zu den  relativ  anspruchsvollen  dispositiven
       Funktionen der  Sachbearbeiterebene sowie  des unteren  und teil-
       weise sogar  des mittleren Managements. 21) Vorgegebene Normzeit-
       werte für  jeden einzelnen Arbeitsschritt und Soll-Zeit-Standards
       verdichten  die  "Poren  des  Arbeitstages"  (Marx)  und  erhöhen
       gleichzeitig die  Kontrollierbarkeit der  einzelnen Angestellten,
       was wiederum  die Herrschaftsfunktion des betrieblichen Leitungs-
       systems deutlicher  hervortreten läßt.  Die Erreichung  maximaler
       bzw. optimaler  Leistungswerte setzt allerdings die systematische
       Erfassung funktional wichtiger Merkmale der Arbeitskräfte voraus.
       Deshalb bauen  vor allem  Großunternehmen Personalinformationssy-
       steme auf, die sowohl die von einem spezifischen Arbeitsplatz ge-
       stellten Anforderungen  als auch  die Qualifikationsmerkmale  und
       andere Daten  der Arbeitskräfte  speichern. Diese Informationssy-
       steme dienen  dann zur  Steuerung des  Personaleinsatzes nach dem
       berühmten Motto  des Vaters  der kapitalistischen  "wissenschaft-
       lichen Betriebsführung",  F.W.  Taylor:  "Der  richtige  Mann  am
       richtigen Platz".  Mit dem  von Siemens  entwickelten und  in der
       eigenen  Forschungsabteilung  erprobten  "Integrierten  Verarbei-
       tungs- und  Informationssystem für  Personaldaten" (IVIP)  lassen
       sich bis  zu 900 Merkmale pro Beschäftigtem erfassen. 22) Daß auf
       EDV-Basis beruhende  Personalinformationssysteme mit einer so um-
       fassenden Kapazität  gerade dazu  prädestiniert erscheinen,  auch
       als politisches  Machtinstrument Anwendung  zu finden,  und  zwar
       weit über  betriebliche Zusammenhänge  hinaus, ist  kaum von  der
       Hand zu weisen. 23)
       Der kapitalistische  Bedarf an systematischer Sondierung und Aus-
       schöpfung von  Rationalisierungsreserven  hat  inzwischen  selbst
       einen ansehnlichen  Zweig kapitalistischer  Dienstleistungsunter-
       nehmen auf  diesem Gebiet  hervorgebracht. Gemeint sind die zahl-
       reichen und offensichtlich florierenden Unternehmensberatungsfir-
       men, deren  Service immer  häufiger auch zum Zweck der Rationali-
       sierung der  Büro- und  Verwaltungsarbeit  in  Anspruch  genommen
       wird. So  hat sich kürzlich die Commerzbank die amerikanische Un-
       ternehmensberatungsfirma McKinsey  ins Haus  geholt, um  - wie es
       der Vorstand  der Commerzbank  ausdrückte -  "den Wirkungsgrad zu
       erhöhen und Personalreserven für expandierende Bereiche verfügbar
       zu machen". 24)
       Bei der  von McKinsey  praktizierten und  inzwischen berüchtigten
       Methode der  sogenannten  "Gemeinkosten-Wertanalyse"  handelt  es
       sich um  eine besonders  rigorose  Rationalisierungsmethode,  bei
       der, um  das Maß voll zu machen, die Beschäftigten zudem aufgeru-
       fen sind, sich an der Analyse und Funktionsbestimmung ihrer eige-
       nen Arbeitsplätze  zu beteiligen  und damit  faktisch ihre eigene
       berufliche Existenz zu untergraben.
       Von den eben skizzierten technischen und arbeitsorganisatorischen
       Rationalisierungsvorgängen bleibt auch die Verwaltung des öffent-
       lichen Dienstes  nicht verschont.  25) Mit der Übernahme analoger
       Mittel und  Verfahren der  Leistungsverdichtung, Pensum vergröße-
       rung und  Arbeitsintensivierung bestätigt  der  Staat  auf  seine
       Weise, daß  er ein  keineswegs  neutraler  Steuerungs-  und  Aus-
       gleichsmechanismus über  den Widersprüchen  der  kapitalistischen
       Gesellschaft ist. Indem der Staat in seinem unmittelbaren Funkti-
       onsbereich ebenfalls  durch Anwendung  der neuen  Technik und der
       erwähnten Rationalisierungsverfahren  den sozialen  Druck auf die
       öffentlich Bediensteten  verschärft, folgt  er jedoch  nur seiner
       wesentlichen ökonomischen Bestimmung. Sie besteht im Fall der Ra-
       tionalisierung speziell  darin, auch  durch extensive  Ausnutzung
       des technischen  Fortschritts und  der mit ihm verbundenen Formen
       der Vergesellschaftung  der Arbeit  im Arbeitsprozeß  staatlicher
       Funktionen zusätzliche  ökonomische Mittel  (über die  Verteilung
       des Sozialprodukts  hinaus) aufzubringen und sie der Akkumulation
       der großen Einzelkapitale zur Verfügung zu stellen.
       
       4. Tendenzen in den sozialen Auswirkungen der neuen Technik
       -----------------------------------------------------------
       und Rationalisierung auf die Lohnabhängigen
       -------------------------------------------
       
       Untersucht man  die Veränderungen, die sich aus dem gegenwärtigen
       Innovations- und  Rationalisierungsschub für  die  lohnabhängigen
       Beschäftigten ergeben,  so lassen sich folgende Punkte festhalten
       und folgende Tendenzen prognostizieren:
       1. Neue Technik  und Rationalisierung  bewirken eine  enorme Lei-
       stungssteigerung bzw.  Verkürzung der  zur Herstellung eines Pro-
       dukts oder zur Erbringung einer Leistung gesellschaftlich notwen-
       digen Arbeitszeit.  Das bedeutet  aber, zumal unter den gegebenen
       Bedingungen einer offensichtlich langanhaltenden Krise, in erster
       Linie nichts  anderes als  die massenhafte  Vernichtung  von  Ar-
       beitsplätzen. Das  Schicksal der  süddeutschen Uhrenindustrie und
       die Entwicklung  in der  Druckindustrie, wo die moderne Fotosatz-
       technik in  den vergangenen  Jahren Tausende  von  Arbeitsplätzen
       überflüssig gemacht  hat, haben in der Öffentlichkeit ein lebhaf-
       tes Echo gefunden. Was in diesen Industriezweigen teilweise schon
       Wirklichkeit geworden  ist, zeichnet  sich auch für andere Zweige
       ab. Dabei liegt der zu erwartende "Freisetzungs"-Effekt um so hö-
       her, je weiter der Stand der Produktivkräfte fortgeschritten ist.
       Vertreter der IG Metall rechnen damit, daß durch den Übergang von
       der Produktion  mechanischer zur  Produktion  mikroelektronischer
       Bauteile auf  je fünf "eingesparte" Arbeitsplätze nur ein neu ge-
       schaffener Arbeitsplatz  entfällt. 26)  Industriezweige, die sich
       traditionell durch  große "Fertigungstiefen"  und  differenzierte
       Qualifikationsprofile auszeichneten,  können  sich  längerfristig
       dem Vordringen  der neuen Technik nicht entziehen. Das gilt nicht
       nur für die Uhren- und Druckindustrie sowie die elektronische In-
       dustrie, sondern  auch, wie schon erwähnt, beispielsweise für den
       Maschinenbau. Die  IG-Metall-Zeitschrift "Der Gewerkschafter" be-
       richtete im Sommer 1978, daß die ersten 65 der von MAN bestellten
       ultramodernen  CNC-Drehmaschinen  65  Dreher  an  konventionellen
       Drehbänken ersetzen  können, weil sie genau die doppelte Leistung
       konventioneller Drehbänke erbringen. 27)
       Dem "Freisetzungseffekt" in der materiellen Produktion entspricht
       der Personalabbau  in anderen  Bereichen, ohne daß hier unbedingt
       immer die  neue Technik  wesentlich zum  Zuge käme. Vielmehr geht
       die arbeitsplatzvernichtende Wirkung z.B. im Handel, besonders im
       Einzelhandel, hauptsächlich  auf arbeitsorganisatorische Rationa-
       lisierungen und  systematisch betriebene "Personaleinsatzplanung"
       zurück. In  der Zeit  zwischen 1972  und 1977 sollen nach Angaben
       des "Wirtschafts-  und Sozialwissenschaftlichen Institutes" (WSI)
       des DGB  im Einzelhandel  ungefähr 106 000 Vollarbeitsplätze (bei
       gleichzeitiger beträchtlicher  Umsatzsteigerung) abgebaut  worden
       sein. 28)
       Diese Beispiele  illustrieren, daß  unter kapitalistischen Bedin-
       gungen und  zumal unter denen einer schweren Krise die einschnei-
       denste Folge  des wissenschaftlich-technischen  Fortschritts  die
       Vernichtung von  Arbeitsplätzen ist.  Da es sich dabei allerdings
       nicht um  eine relativ isolierte, technisch vermittelte Struktur-
       krise einzelner  Industriezweige handelt, sondern um den Ausdruck
       allgemeiner Verwertungsprobleme  des Kapitals, sind für absehbare
       Zeit keine  spürbaren positiven Veränderungen der Beschäftigungs-
       situation zu  erwarten. 29) Von den wenigen Zweigen der warenpro-
       duzierenden Gewerbe,  die 1978 im Vergleich zu 1977 noch eine zu-
       nehmende Beschäftigungstendenz  aufwiesen,  können  längerfristig
       kaum wirksame Impulse ausgehen, zumal da der Fahrzeugbau, von dem
       ein positiver  Beschäftigungseffekt ausging, inzwischen die Gren-
       zen der  Kapazitätsauslastung erreicht  hat und  fieberhaft  nach
       "arbeitssparenden" Innovationen  sucht. Auch  die hohen Erwartun-
       gen, die  in die  angeblich arbeitsplatzstiftende Eigenschaft der
       neuen Technik, namentlich der Elektronik gesetzt werden, erweisen
       sich bei eingehender Betrachtung als Beschwichtigungsversuch oder
       als Illusion,  die aus  der Abstraktion  von den kapitalistischen
       Bestimmungsfaktoren des  technischen Fortschritts  erwächst.  Ein
       vom Bundesministerium  für Forschung  und Technologie initiierter
       Gesprächskreis, der  sich mit  der "Modernisierung der Volkswirt-
       schaft" befaßte,  verkündete vor  einigen  Monaten  optimistisch:
       "Wenn auch  die voraussichtliche  Entwicklung des Arbeitsvolumens
       sich wegen der Vielzahl von Einflußfaktoren nicht zuverlässig ab-
       schätzen läßt,  so gilt  für die  Bundesrepublik Deutschland doch
       ohne Einschränkung, daß mit breiter Anwendung der Elektronik mehr
       Arbeitsplätze gegen den Sog des internationalen Wettbewerbs gesi-
       chert werden können als ohne Elektronik". 30)
       Demgegenüber gelangte  das Ifo-Institut  für Wirtschaftsforschung
       auf Grund  einer Untersuchung des Innovationspotentials in struk-
       turschwachen Wirtschaftsgebieten  für die  nächsten zehn Jahre zu
       genau entgegengesetzten  Ergebnissen. 31)  Bei seiner Analyse un-
       terschied das  Institut zwischen  der arbeitschaffenden  Funktion
       sogenannter "produkttechnischer"  Innovationen  (Erzeugung  neuer
       Produkte) einerseits  und der arbeitsplatzvernichtenden Funktion"
       produktionstechnologischer" Innovationen  (Automation, Elektronik
       im Produktionsprozeß  usw.) andererseits. Das Institut kam zu dem
       Schluß, daß  erstens die  arbeitsplatzvernichtenden  Innovationen
       quantitativ  überwiegen   werden,  und   zweitens  auch   da,  wo
       "produkttechnische" Innovationen zu erwarten sind, sich diese In-
       novationen hauptsächlich  in einem marktopportunen Formwandel des
       jeweiligen Produkts  erschöpfen, ohne  die  Schaffung  neuer  Ar-
       beitsplätze in  nennenswertem Umfang  zu induzieren. Eine ähnlich
       nüchterne Auffassung  vertreten auch  Experten der Gewerkschaften
       wie der  Automationsfachmann Günter Friedrichs von der IG Metall.
       Zu Recht  hat Friedrichs darauf hingewiesen, daß auch die Zunahme
       bestimmter Spezialistenkategorien  der neuen Technik, wie System-
       analytiker oder  Programmierer, die vor allem wegen des relativen
       Zurückbleibens der  Software-Entwicklung  hinter  dem  Stand  der
       hardware-Technik benötigt  werden, den  "Freisetzungseffekt"  der
       neuen Technik  keineswegs kompensieren können. 32) In einem ande-
       ren Zusammenhang  hat Günter Friedrichs außerdem betont, daß auch
       der tertiäre Sektor, der während der Hochkonjunktur jahrelang aus
       der materiellen Produktion (Landwirtschaft, Bergbau, verarbeiten-
       des Gewerbe) abwandernde Arbeitskräfte absorbiert habe, für über-
       schüssige Arbeitskräfte  nicht mehr  zur Verfügung  stehe, da  er
       selbst einer  stürmischen Modernisierung  und  Rationalisierungs-
       welle ausgesetzt sei. 33)
       2. Die Einführung neuer Technologien und das Vorantreiben von Ra-
       tionalisierungen führen  jedoch  nicht  nur  zum  Abbau  von  Ar-
       beitsplätzen, sondern  auch zum  Verlust von Qualifikationen, zur
       Entleerung von  Arbeitsinhalten und  zu neuen Belastungsformen am
       Arbeitsplatz. Selbst  das  Bundesministerium  für  Forschung  und
       Technologie, das die Rationalisierungsbemühungen der privaten Un-
       ternehmen materiell  und ideell  unterstützt, sonnte  nicht umhin
       zuzugeben: "Charakteristisch  für den  Einfluß der Elektronik auf
       einzelne Arbeitsplätze scheint zu sein, daß durch langjährige Er-
       fahrung erworbene  Fertigkeiten und  traditionelle  Berufsbilder,
       vor allem  im Bereich  der Feinmechanik  und  Metallverarbeitung,
       aber auch  einige handwerkliche  Fähigkeiten an Bedeutung verlie-
       ren. Dies kann als Abqualifizierung erfahren werden". 34)
       Zwar widerruft  das Ministerium  dieses Eingeständnis im nächsten
       Satz, indem  es gleichzeitig  ein Anwachsen  "prozeßunabhängiger"
       Qualifikationen (Abstraktions-  und Reaktionsvermögen, anhaltende
       Konzentrationsfähigkeit, Verantwortungs- und allgemeines Problem-
       bewußtsein usw.) voraussagt, ohne diese Prognose allerdings empi-
       risch erhärten zu können.
       Bisherige Studien  bestätigen jedoch,  daß  gerade  in  technisch
       fortgeschrittenen Industrien und Bereichen des Produktionsprozes-
       ses wie  im Maschinenbau,  beim Computerpersonal oder im Instand-
       haltungssektor sich  eine Polarisierung  in  der  Qualifikations-
       struktur abzeichnet. 35) Sie konzentriert Elemente hoher Qualifi-
       kationen bei einer relativ kleinen Gruppe von Beschäftigten, wäh-
       rend  das   Qualifikationsniveau  einer   breiten   Schicht   des
       "produktiven Gesamtarbeiters" sinkt oder zumindest stagniert. Ne-
       ben dem  Hinweis auf  konkrete Fälle,  die den  Zusammenhang  von
       neuer Technik und Dequalifikation belegen 36), sei auch daran er-
       innert, daß massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen in der ka-
       pitalistischen Krise  immer auch  Entwertung von  Qualifikationen
       einschließt. Die  fortgeschrittenen  Produktivkraftelemente  ver-
       nichten also unter kapitalistischen Grundverhältnissen sowohl Ar-
       beitsplätze als  auch Qualifikationen.  Wie wenig es sich hier um
       eine theoretische  Annahme handelt, beweisen die Arbeitskämpfe in
       der Druck-  und Metallindustrie 1978, wo der Kampf gegen den Ver-
       lust des  Arbeitsplatzes durch  neue  Technologien  zugleich  ein
       Kampf um den Erhalt von Qualifikationen gewesen ist. Der Bezirks-
       leiter der  IG Metall  Stuttgart, Franz Steinkühler, hat die Mei-
       nung geäußert,  daß in der Metallindustrie seines Bezirks 40% al-
       ler Arbeitsplätze von Abgruppierung bedroht seien, wobei die ent-
       scheidende Ursache im Einsatz von Mikroprozessoren liege. 37) De-
       qualifizierung durch  neue Technik  und Rationalisierung bedeutet
       jedoch nicht  nur Abgruppierung und damit Lohneinbußen, sie bein-
       haltet zugleich  die Zersetzung schöpferischer Momente der Arbeit
       sowie die  Verschärfung vor  allem einseitiger Belastungen physi-
       scher und  psychischer Art.  Den ökonomischen Einschränkungen der
       Reproduktionsbedingungen der  Arbeitskraft entspricht häufig eine
       Vertiefung der  Entfremdung der Arbeiter und Angestellten von ih-
       rer beruflichen Tätigkeit, die einhergeht mit einem rascheren Ge-
       sundheitsverschleiß. Auch dieser Gesichtspunkt sollte nicht über-
       sehen werden,  wenn es die Frage zu beantworten gilt, mit welchen
       Mitteln und  Zielen sich  die Lohnabhängigen  gegen die kapitali-
       stisch bestimmten  Folgen der  neuen Technik und Rationalisierung
       zur Wehr setzen müssen. :
       
       5. Exkurs: Zur theoretischen Kontroverse um den Zusammenhang
       ------------------------------------------------------------
       von technischem Fortschritt und Qualifikation
       ---------------------------------------------
       
       An dieser  Stelle scheint  es angebracht, jene Kontroverse wenig-
       stens zu streifen, die sich an der Frage der zukünftigen Qualifi-
       kationsentwicklung im Bereich der Automationsarbeit unter kapita-
       listischen Produktionsverhältnissen entzündet hat.
       Gegen die  bisher innerhalb der marxistisch orientierten oder be-
       einflußten Diskussion vorherrschende These einer Polarisierung in
       der Qualifikationsstruktur  technisch fortgeschrittener  Arbeits-
       prozesse hat  die Westberliner Projektgruppe "Automation und Qua-
       lifikation" seit einiger Zeit die Behauptung gesetzt, daß Automa-
       tion schon unter kapitalistischen Produktionsbedingungen zu einer
       allgemeinen Höherqualifizierung  der "lebendigen  Arbeit"  führe.
       Eine Höherentwicklung der Produktivkräfte schließe notwendig eine
       Höherqualifizierung der Produzenten ein. Da es sich bei der Auto-
       mation um  den am weitesten fortgeschrittenen Bereich der gesell-
       schaftlichen Gesamtarbeit handele, sei gerade hier nicht nur eine
       Revolutionierung der sachlichen Produktionselemente, sondern auch
       eine Umwälzung der menschlichen Tätigkeit, eine qualitative Stei-
       gerung der  produktiven Fähigkeiten und Fertigkeiten der Arbeits-
       kraft festzustellen:  "Automation also verdrängt den Menschen aus
       der Produktion.  Maschinen von  immer höheren Werten stehen immer
       weniger Menschen  gegenüber. Es  scheint deshalb zunächst so, als
       ob damit  der Mensch  jede Bedeutung für die Produktion verlieren
       würde. In Wirklichkeit bekommt er jedoch eine Bedeutung, die ein-
       malig ist  in der  Geschichte der  menschlichen Arbeit.  Die ent-
       scheidende Stellung  des produzierenden Menschen zwingt dazu, das
       Bild von  Automation als eines rein maschinellen technischen Vor-
       gangs zu  revidieren und  sie zu  begreifen als  Umwälzung beider
       Quellen der  Produktivität: der Maschine  u n d  der menschlichen
       Arbeit." 38)  Automation führe  mithin, wie auch der programmati-
       sche Titel des zitierten Aufsatzes verkündet, zur Höherqualifika-
       tion und zur Reunifikation von Hand- und Kopfarbeit.
       Die von  der Projektgruppe  prononciert vorgetragene These stützt
       sich mehr  auf Ergebnisse  einer teilweise scharfsinnigen und zu-
       treffenden theoretischen  und methodischen  Kritik  einschlägiger
       Studien zum  Thema als  auf solide empirische Befunde, die allen-
       falls in der Form illustrativer Hinweise auf Beispiele hochquali-
       fizierter anspruchsvoller  Automationsarbeit verstreut  über ver-
       schiedene Publikationen beigebracht werden.
       Die Auffassung  einer steigenden  Qualifikation durch  Automation
       ist nicht  neu. Sie hat bekannte Vorläufer zum Beispiel in Robert
       Blauners Industrieanalysen  oder in der Theorie der "neuen Arbei-
       terklasse", die  in den  Überlegungen von Serge Mallet oder André
       Gorz von  der fortschreitenden  Automation eine  Requalifizierung
       der Arbeitstätigkeit und die Entstehung des "polyvalenten Kollek-
       tivarbeiters" oder  "Arbeitertechnikers" erwartete. 39) Eine kri-
       tische Betrachtung  der von  der Westberliner  Projektgruppe ver-
       fochtenen Konzeption ergibt eine Reihe von Mängeln und Widersprü-
       chen, die  sie teilweise mit ihren berühmteren Vorläufern gemein-
       sam hat,  teilweise jedoch gleichsam neu produziert. Die Projekt-
       gruppe unterscheidet  nicht stringent  und eindeutig zwischen den
       o b j e k t i v e n   A n f o r d e r u n g e n   einerseits, die
       auf der  gegenwärtigen Stufe  der Vergesellschaftung  der Arbeit,
       der Komplexität  der Arbeitsprozesse und der technischen Beschaf-
       fenheit der  Produktionsmittel an  die Arbeitskraft gestellt wer-
       den, und  der   t a t s ä c h l i c h e n   E n t w i c k l u n g
       andererseits, den  die Qualifikationsstruktur unter den Bedingun-
       gen des  Produktionsprozesses als  Verwertungsprozeß  durchläuft.
       Wenn es auch richtig ist, daß ein krisen- und störungsfreier Pro-
       duktionsprozeß auf  hochentwickelter materiell-technischer  Basis
       eine umfassende  Grundausbildung und oft wissenschaftliche Spezi-
       alqualifikationen erfordert,  so ist  es aber ebenso richtig, daß
       unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen nur Teile des ge-
       sellschaftlichen "Gesamtarbeiters"  die erforderliche  Qualifika-
       tion auch  tatsächlich erhalten. Der Irrtum der Projektgruppe be-
       steht offensichtlich  darin, daß sie von der zunächst richtig er-
       kannten gesetzmäßigen  Tendenz einer Höherentwicklung der Produk-
       tivkräfte auf  das allgemeine Ansteigen der mit Automationsarbeit
       verbundenen Qualifikationen  schließt. Aber  der Widerspruch zwi-
       schen Produktivkräften  und Produktionsverhältnissen reproduziert
       sich in  der konkret-historischen  Bewegung  der  Produktivkräfte
       selbst: ebenso  wie der  Kapitalismus ständig neue produktive Po-
       tenzen, neue  effektivere Arbeitsmittel, Werkstoffe und Technolo-
       gien hervorbringt,  vergeudet und vernichtet er tagtäglich enorme
       Produktivkräfte. Was  für  die  Produktivkräfte  allgemein  gilt,
       trifft auch auf die Qualifikation als eines ihrer Momente zu. Der
       Entfaltung hoher  Qualifikationen, die  für die Beherrschung kom-
       plizierter verwissenschaftlichter  Produktionsprozesse  erforder-
       lich sind,  korrespondiert der  Verschleiß und die Entwertung vor
       allem solcher  Qualifikationen, die  überwiegend oder ausschließ-
       lich auf  enger empirischer  Basis beruhen  und auf spezielle Ar-
       beitsprozesse beschränkt  sind. Dieser Prozeß macht um hochmecha-
       nisierte oder automatisierte Arbeitsprozesse keinen Bogen. Es ist
       deshalb der  von W.  Rügemer an  der Projektgruppe geübten Kritik
       zuzustimmen, wenn  er schreibt:  "Aber offensichtlich verwechselt
       die Projektgruppe selbst etwas, nämlich die allgemeine und objek-
       tive Tendenz der Höherqualifikation des Gesamtarbeiterkörpers mit
       den innerhalb dieses erhöhten Gesamtdurchschnitts vermehrt vorge-
       henden Prozessen  der Dequalifizierung und Polarisierung. Es gibt
       eine 'kapitalismusspezifische' Durchsetzungsweise der Automation,
       und dies  widerspricht deswegen  noch nicht  der Höherentwicklung
       der Produktivkräfte  in allgemeiner Hinsicht." 40) Obwohl die von
       der Westberliner  Projektgruppe  kritisierten  Studien  in  einer
       Reihe von Punkten gewiß Mängel aufweisen, erscheinen ihre empiri-
       schen Ergebnisse  hinsichtlich der  Qualifikationsentwicklung  in
       automatisierten Arbeitsprozessen  so gut untermauert 41), daß sie
       sich durch  die bislang dürftigen empirischen Belege der Projekt-
       gruppe kaum erschüttern lassen.
       Überzeugender noch  als empirische wissenschaftliche Untersuchun-
       gen beweisen  aber Klassenkonflikte  wie die  in der Metall- oder
       Druckindustrie, daß  Automation und neue Technik als Verwertungs-
       mittel des  Kapitals für  breite Schichten der lohnabhängigen Be-
       schäftigten eine Zersetzung und Restriktion erworbener Qualifika-
       tionen verursachen. Wollte man wie die Westberliner Projektgruppe
       von einer  gleichsam naturwüchsigen  Anhebung und Erweiterung der
       Qualifikation durch Automation ausgehen, so liefe das theoretisch
       nicht nur  auf eine  Verabsolutierung der "stofflichen" Seite des
       Produktionsprozesses und  ein Ausblenden seiner ökonomischen Form
       hinaus, sondern  würde auch den Kampf der Arbeiterbewegung um den
       Erhalt erworbener  oder die  lohnmäßige  Kompensation  verlorener
       Qualifikationen als  Anachronismus erscheinen  lassen. Der  Kampf
       gegen Abgruppierung  oder technisch  vermittelte Liquidierung des
       Facharbeiterstatus wäre, wenn die Automation im Kapitalismus eine
       universelle Entfaltung  der produktiven Potenzen der menschlichen
       Arbeit erzeugen  würde, nur noch ein romantisch-rückwärts gewand-
       ter Akt der Vergeblichkeit. Eine solche Interpretation legen For-
       mulierungen der  Projektgruppe wie  die folgende  zumindest nahe:
       "Wo die  Widersprüche einer  gesellschaftlichen  Entwicklung  als
       praktische Eingriffsstellen  vom begrifflich-methodischen Instru-
       mentarium her  nicht erfaßbar gemacht werden können, muß die wis-
       senschaftliche Politikberatung  der Arbeitenden und ihrer gewerk-
       schaftlichen Organisationen  einen utopischen  und zugleich,  was
       die Kehrseite  davon ist,  defensiven Charakter  bekommen; ... Wo
       immer nur  die Auflösung der 'traditionell qualifizierten Fachar-
       beitertätigkeiten' (...)  als Sturz  in  den  Abgrund  beschworen
       wird, bleibt als politische Orientierung nur der Verweis auf eine
       alternative Arbeit  und die  Verteidigung von Besitzständen, mit-
       samt dem historisch zum Untergang Verurteilten." 42)
       Die Problematik  der Kritik liegt nicht darin, daß diese sich auf
       die Arbeiterbewegung bezieht - auch die Arbeiterbewegung kann, ja
       muß Gegenstand der wissenschaftlichen Kritik sein. Prekär ist die
       zitierte Auffassung der Projektgruppe deshalb, weil sie von einem
       marxistischen Ansatz  aus letztlich  und im wesentlichen auf das-
       selbe Argumentationsmuster  hinausläuft, das  auch von  der Seite
       des Kapitals  bemüht wird,  wenn sowohl  der Widerstand gegen den
       technischen Fortschritt  als bornierte Weltfremdheit abgetan wird
       als auch der gewerkschaftlichen "Schwarzmalerei" die rosigen Bil-
       der von  den menschenfreundlichen Möglichkeiten eines privatwirt-
       schaftlich determinierten  technischen Fortschritts  gegenüberge-
       stellt werden.
       Wollte man die Entwicklung der Qualifikationen vom Standpunkt der
       Verwertungslogik des  Kapitals aus betrachten, so wäre in der Tat
       jeder Widerstand  gegen den  Verschleiß von  Qualifikationen  ein
       Ausdruck der  Rückständigkeit, weil es der gesetzmäßigen Bewegung
       des Kapitals entspricht, den Wert der Ware Arbeitskraft möglichst
       weit zu senken, um den Lohnaufwand, das variable Kapital, verrin-
       gern zu  können. Insofern  haftet der  Position der Projektgruppe
       die Gefahr  einer Sichtweise  an, die sie in Widerspruch zu ihrer
       erklärten fortschrittlichen  politischen Zielsetzung geraten las-
       sen könnte.
       Der Gefahr  einer subjektiv gewiß ungewollten Übernahme der kapi-
       talistischen Verwertungslogik korrespondiert außerdem die Tendenz
       zur Vernachlässigung derjenigen Schichten der Lohnabhängigen, die
       weder an automatisierten Aggregaten arbeiten noch über Qualifika-
       tionen verfügen,  die ihnen auch nur kurzfristig ein halbwegs er-
       trägliches und  sicheres Reproduktionsniveau  gewährleisten könn-
       ten. Auch  wenn sich die Projektgruppe nicht die Aufgabe gestellt
       hatte, die Qualifikationen in gering technisierten Arbeitsprozes-
       sen zu untersuchen, so müßte bei einer Prognose, die Anspruch auf
       perspektivische Geltung und große theoretische Reichweite erhebt,
       die Existenz der niedrig qualifizierten Kategorien der Lohnarbei-
       ter unbedingt  berücksichtigt werden.  Durch die Verabsolutierung
       von Qualifikationsmerkmalen,  die einen hohen Grad an produktiven
       Fähigkeiten auf  wissenschaftlicher Grundlage  anzeigen, wird die
       Interessenlage der Gesamtheit der Lohnabhängigen theoretisch ver-
       zerrt widergespiegelt.  Die Projektgruppe kann so die von ihr an-
       gestrebte Funktion einer Politikberatung für die Arbeiterbewegung
       kaum erfüllen.
       Demgegenüber könnte  die von Franziska Wiethold vorgetragene Kon-
       zeption der  Qualifikationsentwicklung für  die gewerkschaftliche
       Praxis eine  wichtige Erweiterung  bewirken. Ausgehend  von einer
       Tendenz zur  Dequalifizierung, hervorgerufen durch Vertiefung der
       Arbeitsteilung sowie  den Einsatz moderner Technologien und Werk-
       stoffe, unternimmt sie den Versuch, den Qualifikationsbegriff von
       der objektiven  Interessenlage der  Lohnabhängigen aus neu zu be-
       stimmen. Wenn auch einerseits nicht zu bestreiten sei, daß im mo-
       dernen Arbeitsprozeß  herkömmliche Qualifikationen beständig ent-
       wertet und  zerstört würden,  so sei  andererseits jedoch festzu-
       stellen, daß an die Stelle verlorener Qualifikationen neue Anfor-
       derungen treten,  denen auf der Seite der Arbeitskraft zwar keine
       traditionell anerkannten  Qualifikationen entsprechen,  die  aber
       nichtsdestoweniger aus  einer an  der  gewerkschaftlichen  Praxis
       orientierten  Bestimmung  von  Qualifikation  nicht  herausfallen
       dürften: "Unbestritten ist, daß durch die vorher skizzierten Ten-
       denzen in der kapitalistisch geprägten Entwicklung von Arbeitsan-
       forderungen Gestaltungsspielräume  für den  einzelnen, Breite des
       Wissens, Kenntnis  über die stofflichen Seiten des Arbeitsprozes-
       ses abnehmen.  Aber gleichzeitig  entstehen andere, neue Anforde-
       rungen, die  sich wegen  ihrer anderen  Qualität einem Niveauver-
       gleich mit  den an Bedeutung verlierenden Anforderungen entziehen
       ... Damit wird ein Qualifikationsbegriff problematisch, der meist
       nur spezielle,  fachlich definierte  Kenntnisse im Unterschied zu
       anderen Kenntnissen  definierte. Diese  an Bedeutung  gewinnenden
       Anforderungen sind nicht auf einen bestimmten Arbeitsplatz zu be-
       schränken..." 43)
       F. Wiethold  hebt vor allem jene Anforderungen bzw. Qualifikatio-
       nen hervor, die aus der Vergesellschaftung des Produktionsprozes-
       ses erwachsen und die Tendenz zur materiell-technischen Homogeni-
       tät unterschiedlicher Arbeitsprozesse widerspiegeln. Es sind dies
       namentlich sogenannte "prozeßunabhängige" Qualifikationen wie die
       Fähigkeit zur  Kooperation, zur Systematisierung von Arbeitsvoll-
       zügen, zur  Kommunikation, aber auch Abstraktions- und Reaktions-
       vermögen sowie  Handlungsflexibilität. Im Unterschied zur projek-
       tiven und  selektiven Deutung  der Westberliner Forschungsgruppe,
       aber auch  im Unterschied  zu jener  Haltung, die sich, indem sie
       Dequalifizierung als  Resultat objektiven  technischen Sachzwangs
       hinnimmt, der  Logik des  Kapitals widerstandslos beugt, versucht
       F. Wiethold aus der Analyse der widersprüchlichen Realentwicklung
       der Qualifikationsstruktur  Ansatzpunkte für eine offensivere ge-
       werkschaftliche Politik auf diesem Kampffeld zwischen Kapital und
       Arbeit abzuleiten.  Dabei extrapoliert  sie  weder  die  Merkmale
       hochqualifizierter Automationsarbeit  einer zwar  wachsenden,  im
       Verhältnis zu  allen Automationsarbeitern  aber immer  noch  sehr
       kleinen Gruppe,  indem sie diese Merkmale für die Qualifikations-
       entwicklung aller  Automationsarbeiter verallgemeinert,  noch ak-
       zeptiert sie den Verlust spezifischer Qualifikationen als schein-
       bar unumstößliche  Begründung für die Wert- bzw. Preissenkung der
       Ware Arbeitskraft.  Sie bezieht  vielmehr die aus den technischen
       und organisatorischen Veränderungen des Produktionsprozesses sich
       ergebenden neuen Anforderungen an die Arbeitstätigkeit in die Be-
       stimmung der  Qualifikation und  damit im  weiteren Sinne auch in
       die Bestimmung  des Lohns  und der Arbeitsbedinungen vom Interes-
       senstandpunkt der  Lohnabhängigen ein:  "Auch hier  kann  gewerk-
       schaftliche Politik  einige Ansatzpunkte finden, um z.B. Eingrup-
       pierungs- und  Abgruppierungsstrategien der  Unternehmerseite und
       Eingruppierungsdefinitionen kritisch  unter die  Lupe zu  nehmen,
       statt sofort dem Argument niedriger und/oder sinkender Qualifika-
       tionsanforderungen zu  folgen. Denn vieles, was angeblich am kon-
       kreten Arbeitsplatz  an Qualifikation  und Arbeitsvermögen  nicht
       erforderlich ist,  wird trotzdem  im realen  Arbeitsprozeß - wenn
       auch nicht ständig sichtbar - abverlangt." 44)
       
       6. Arbeiterbewegung und neue Technik
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       Trotz der  seit 1974  andauernden Krise wird auch gegenwärtig von
       den Verbänden und Repräsentanten des Kapitals hartnäckig die Auf-
       fassung vertreten, daß die unbeschränkte unternehmerische Initia-
       tive bei  der Einführung neuer Technik eine notwendige Vorausset-
       zung des wirtschaftlichen Wachstums und steigender Arbeitseinkom-
       men darstelle.  Noch immer  gilt also  die These, daß technischer
       Fortschritt gleich  sozialem Fortschritt sei. Mit dieser Haltung,
       die man als den technologischen Zweck-Optimismus des Kapitals be-
       zeichnen kann,  geht eine  heftige Polemik  gegen die  angebliche
       Fortschrittsfeindlichkeit der  Gewerkschaften einher.  Hätten die
       Maschinenstürmer des  19. Jahrhunderts die Maschinen zertrümmert,
       wie Ernst  Günter Vetter in der FAZ schrieb, so seien die Gewerk-
       schaften heute  "Maschinenstürmer durch  die Hintertür".  45) Die
       von den  Gewerkschaften geforderten  Vereinbarungen liefen darauf
       hinaus, neue  Maschinen erst gar nicht zum Einsatz kommen zu las-
       sen. 46)  Aus mehreren Gründen ist die Argumentation des Kapitals
       unhaltbar. Sie  verschleiert erstens,  daß die Folgen des techni-
       schen Fortschritts  in unserer  Gesellschaft in  erster Linie von
       Struktur und  Verlauf der  kapitalistischen Akkumulation abhängig
       sind. Wenn negative Auswirkungen des wissenschaftlich-technischen
       Fortschritts abgeschwächt  werden, dann  letztlich niemals,  weil
       solche Gegenmaßnahmen  im Interesse  des Kapitals  lägen, sondern
       weil vor  allem die  Arbeiterbewegung sich  gegen die Vernichtung
       von Arbeitsplätzen,  gegen die Verschärfung des Arbeitstempos und
       gegen die Entwertung von Qualifikationen zur Wehr setzt.
       Die scheinbar dem Fortschritt verpflichtete Argumentation der Un-
       ternehmer enthält  zweitens die Behauptung, daß die gewerkschaft-
       liche Politik  eines  weiterreichenden  Rationalisierungsschutzes
       und der  Absicherung gegen  die negativen  Auswirkungen der neuen
       Technik zu  einer Gefährdung  der Arbeitsplätze  führe. Indem der
       technische Fortschritt  behindert werde,  blockierten die Gewerk-
       schaften den  Weg zur  Schaffung neuer  Arbeitsplätze.  47)  Wäre
       diese Behauptung zutreffend, dann hätte es vor den Tarifverträgen
       der IG  Druck und  Papier sowie  der IG Metall im Jahre 1978 kein
       "job-killing", keine  Abgruppierung und  keine Arbeitsintensivie-
       rung durch  die neue  Technik geben dürfen. Jeder Mensch, der die
       Entwicklung aufmerksam  verfolgt, weiß,  daß dies selbstverständ-
       lich nicht der Fall war. Man denke nur an die Uhrenindustrie oder
       an die  Druckindustrie, bei  der schon  im Zeitraum zwischen 1970
       und 1976   35 000  Beschäftigte ihren  Arbeitsplatz verloren. 48)
       Die Folgen des privatwirtschaftlichen Einsatzes der neuen Technik
       waren also  längst aktuell,  bevor die Gewerkschaften den Versuch
       begannen, auf  die technischen Bedingungen des Produktionsprozes-
       ses selbst  Einfluß zu  nehmen. Viel zu lange nämlich hatten sich
       auch die  Gewerkschaften unter  dem Eindruck einer scheinbar ewig
       währenden Prosperität  die Auffassung zu eigen gemacht, der tech-
       nische Fortschritt bewirke gleichsam naturgesetzlich eine Steige-
       rung des Lebensstandards der Arbeitnehmer. 49)
       Sind die  Gewerkschaften nun zu Maschinenstürmern und Feinden der
       Technik geworden,  weil sie  anfangen, dem  von der neuen Technik
       ausgehenden sozialen Druck Widerstand entgegenzusetzen? Die Frage
       läßt sich  unmißverständlich verneinen, obwohl die Unternehmer in
       der Öffentlichkeit  genau das Gegenteil suggerieren wollen. Nicht
       zufällig wird  gerade in den Gewerkschaften, die den Kampf um die
       soziale Problematik  neuer  Technologien  und  Rationalisierungen
       aufgenommen haben, die Unterscheidung zwischen den objektiv posi-
       tiven Möglichkeiten der modernen Technik einerseits und ihrer Um-
       kehrung für  die Zwecke der Kapitalverwertung andererseits beson-
       ders klar  herausgearbeitet. So schrieb kürzlich das Mitglied des
       geschäftsführenden Hauptvorstandes  der IG Druck und Papier, Det-
       lef Hensche: "Überflüssig zu betonen, daß die Gewerkschaften sich
       noch nie gegen den Einsatz technischer Neuerungen an sich gewandt
       haben. Neue  Technologien könnten  zu besseren Arbeitsbedingungen
       führen. Sie könnten dazu beitragen, die Arbeitszeit zu verkürzen.
       Sie könnten anspruchsvolle Arbeit erhalten. Sie könnten zu billi-
       gerer Produktion  und damit  zu besserer  gesellschaftlicher  Be-
       darfsdeckung beitragen. Sie könnten. Doch - die Verhältnisse, sie
       sind nicht  so. Die  Herrschaft des Profitprinzips verhindert es,
       technische Neuerungen  im Interesse  der Produzenten einzusetzen,
       also derer, die den technischen Fortschritt erarbeitet haben: der
       Arbeiter und Angestellten." 50)
       Die eben  zitierten Äußerungen  sind kein spontaner Einfall, son-
       dern stehen  in der  Tradition der  sozialistischen Arbeiterbewe-
       gung, die den technischen Fortschritt noch nie pauschal ablehnte.
       Für sie galt und gilt vielmehr die von Karl Marx wissenschaftlich
       begründete Erkenntnis, daß die Arbeiterklasse die Maschinerie von
       ihrer kapitalistischen  Anwendung  unterscheiden  müsse,  um  die
       wirkliche Ursache ihrer gesellschaftlichen Abhängigkeit bekämpfen
       zu können. 51)
       Wenn das Kapital heute notorisch versucht, die Gewerkschaften als
       Fortschrittsfeinde anzuprangern, dann besteht der wesentliche In-
       halt dieser Kampagne darin, die kapitalistische Zielsetzung tech-
       nischer Innovationen  zu verschleiern.  Weil es um möglichst hohe
       Kapitalrentabilität geht  und dafür  der Einsatz moderner Technik
       notwendig ist,  wird jede Einschränkung des Profits durch die Po-
       litik der  Gewerkschaften als Sabotage am Fortschritt denunziert.
       Aber die  Arbeiterklasse und die anderen lohnabhängigen Schichten
       bekämpfen ja nicht die numerisch gesteuerte Werkzeugmaschine, den
       Mikroprozessor oder  den Industrieroboter,  sondern die materiel-
       len, sozialen  und psychischen Folgen, die ein ausschließlich vom
       privaten Gewinnkalkül  diktierter Einsatz  der modernen Produkti-
       onsmittel für  die Betroffenen hervorruft. Die Tatsache, daß sich
       die gewerkschaftlichen Aktivitäten vorerst noch hauptsächlich auf
       die unmittelbare  Abwehr negativer  Konsequenzen neuer  Technolo-
       gien, neuer  Fertigungsverfahren und  veränderter  Arbeitsabläufe
       konzentrieren, macht  den noch  überwiegend defensiven  Charakter
       des Kampfes  an dieser  Frontlinie zwischen  Kapital  und  Arbeit
       deutlich.
       Die Bezeichnung  "defensiv" meint nicht im geringsten eine Herab-
       setzung der  etwa von  der IG Druck und Papier oder der IG Metall
       erreichten Ergebnisse.  Im Gegenteil - die Verteidigung des Fach-
       arbeiterstatus von  Schriftsetzern bei  Einführung elektronischer
       Textverarbeitung oder die Absicherung gegen extreme Abgruppierun-
       gen durch  die IG Metall stellt einen beträchtlichen Fortschritt,
       ja in gewisser Weise einen Durchbruch durch die Ideologie techni-
       scher Sachzwänge dar, zumal die tarifvertraglichen Ergebnisse nur
       durch Arbeitskampf  und Mitgliedermobilisierung  möglich geworden
       sind. 52) Es wäre im Interesse der Arbeiterklasse der Bundesrepu-
       blik erforderlich,  daß ähnliche tarifvertraglich bindenden Rege-
       lungen möglichst für alle Bereiche und Zweige des gesellschaftli-
       chen  Arbeitsprozesses  entsprechend  den  konkreten  Bedingungen
       durchgesetzt und festgeschrieben würden. Noch sind die tarifpoli-
       tischen Möglichkeiten keineswegs ausgeschöpft.
       So wichtig  also die  genannten gewerkschaftlichen  Abwehrerfolge
       einerseits sind, so darf andererseits ihre Wirkung wiederum nicht
       überschätzt werden;  denn obwohl  die Tarifverträge  der IG Druck
       und Papier  oder IG  Metall, die ja in erster Linie die härtesten
       Folgen der  kapitalistisch angewandten  neuen  Technik  abmildern
       sollen, unter  Umständen auch indirekt die Investitionsüberlegun-
       gen der  Unternehmen - vor allem bei Rationalisierungsinvestitio-
       nen -  beeinflussen mögen, so steht doch außer Zweifel, daß diese
       tarifvertraglichen Vereinbarungen  die  zentralen  Entscheidungen
       über Struktur,  Umfang und  Folgen des  technischen  Fortschritts
       nicht maßgeblich beeinflussen können.
       Die Dimensionen  der neuen Technik - im Zusammenhang mit dem pri-
       vaten Entscheidungsmonopol  des Kapitals über die Investitionen -
       übersteigen die Abwehrmöglichkeiten auch der besten tarifvertrag-
       lichen Regelung. Auch die offensivste Tarifpolitik vermag die ka-
       pitalistische Dynamik  der neuen Technik nicht unter Kontrolle zu
       bringen.
       Weil die  moderne Technik,  weil Automation  und Rationalisierung
       keine vermeidbaren Begleiterscheinungen der heutigen kapitalisti-
       schen Produktion  sind, sondern ein strukturelles Moment der Kon-
       kurrenz, die  das einzelne  Unternehmen zur ständigen Produktivi-
       tätssteigerung antreibt,  wird die neue Technik mehr oder weniger
       rasch alle Produktionsund Arbeitsbereiche ergreifen. Deshalb wird
       sich der  Arbeiterbewegung auch  immer  dringlicher  die  Aufgabe
       stellen, den  Kampf gegen  die direkten  Folgen  des  technischen
       Fortschritts mit  dem Kampf  um Einfluß auf die wesentlichen Ent-
       scheidungen über Mittel, Ziele und Folgen der modernen Produktiv-
       kraftentwicklung zu  verknüpfen. Die  von der  IG Metall erhobene
       Forderung, sogenannte  öffentliche  "Innovationsberatungsstellen"
       in der ganzen Bundesrepublik einzurichten, die vor allem die Ein-
       haltung staatlicher  Förderungskriterien bei technischen Neuerun-
       gen überwachen sollen, trägt gewiß der strukturpolitischen Bedeu-
       tung der  neuen Technik  theoretisch teilweise Rechnung. 53) Aber
       solche öffentlichen  Innovationsberatungsstellen, deren  Einrich-
       tung zur  Zeit überhaupt nicht absehbar ist, könnten im Interesse
       der Lohnabhängigen  ohnehin nur  dann wirksam werden, wenn es der
       Arbeiterbewegung - ausgehend von den Betrieben - gelingt, den da-
       für erforderlichen politischen Druck auszuüben.
       Neben der  extensiven Nutzung  gesetzlicher  Mitbestimmungsrechte
       nach dem Betriebsverfassungsgesetz und den Mitbestimmungsgesetzen
       sowie der  Erzwingung von  Tarifverträgen, die inhaltlich auf die
       Bedingungen des Arbeitsprozesses Einfluß nehmen, anstatt im nach-
       hinein lediglich  soziale Korrekturen vorzunehmen, wie es bei den
       Rationalisierungsschutzabkommen  nicht   selten  der   Fall  war,
       scheinen sich  gegenwärtig vor  allem Betriebsvereinbarungen  als
       Möglichkeit anzubieten,  um den spezifischen betrieblichen Bedin-
       gungen des technischen Fortschritts Rechnung zu tragen.
       Erfolgreicher Widerstand  gegen technische und arbeitsorganisato-
       rische Rationalisierungen auf betrieblicher Ebene setzt aber vor-
       aus, daß  die Betroffenen auf zu erwartende Konflikte vorbereitet
       und zu  gemeinsamem Handeln fähig sind. Zu einem wirksamen Mittel
       des gemeinsamen Handelns der Belegschaften und ihrer Organisatio-
       nen könnte  die praktische Ausgestaltung und Inanspruchnahme des-
       sen werden, was Heinz Oskar Vetter als "Frühwarnsystem" gegen die
       Willkür kapitalistischer  Unternehmensstrategien bezeichnet  hat.
       54) Ein  solches "Frühwarnsystem"  hätte die  Aufgabe, die Beleg-
       schaften rechtzeitig  über  bevorstehende  unternehmerische  Ent-
       scheidungen von  großer Tragweite  für  die  Sicherheit  der  Ar-
       beitsplätze, die Wahrung des sozialen Besitzstandes, das Qualifi-
       kationsprofil und  die Arbeitsbedingungen zu unterrichten, um sie
       so in  die Lage zu versetzen, gemeinsam mit ihren gewerkschaftli-
       chen Vertrauensleuten,  mit den  Betriebsräten  und  den  Gewerk-
       schaftsorganisationen Abwehrstrategien zu beraten und die notwen-
       digen Maßnahmen  für ihre  praktische Durchsetzung  zu ergreifen.
       Zwar wäre  das von  H.O. Vetter  skizzierte "Frühwarnsystem" kein
       "Gegenmanagement" zu den fungierenden Geschäftsleitungen, aber es
       könnte in  seiner Wirksamkeit  über die  verschiedenen gesetzlich
       eingeräumten Informationsrechte betrieblicher und gewerkschaftli-
       cher Interessenvertretungsorgane  hinausgehen. Wenn  ein  solches
       "Frühwarnsystem" den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Mit-
       bestimmungsträgern, den gewerkschaftlichen Mandatsträgern und Be-
       legschaften festigen  und die Informations- und Entscheidungspro-
       zesse der  betroffenen Lohnabhängigen auf eine breitere Grundlage
       stellen würde, könnte es sich zu einem betrieblichen Kristallisa-
       tionspunkt gewerkschaftlicher  Gegenmacht herausbilden.  Gewiß zu
       Recht hat deshalb der DGB-Vorsitzende die Vermutung geäußert, daß
       die Realisierung  seines Vorschlages  auf heftigen Widerstand der
       Unternehmer stoßen  werde; denn  die Aufrechterhaltung des "Herr-
       im-Hause"-Standpunkts gerade  auch in solchen Fragen, die die un-
       mittelbare Herrschaft  über den  Produktionsprozeß und damit über
       den Einsatz der Ware Arbeitskraft im Produktionsprozeß betreffen,
       gehört zum  ehernen Bestand kapitalistischer Unternehmenspolitik,
       wie auch  der längere Zeit geheimgehaltene "Tabukatalog" der Bun-
       desvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) nun in un-
       geschminkter Offenheit  bestätigt. 55)  Daß das Kapital und seine
       Organisationen zukünftig  unnachgiebig auf  Forderungen reagieren
       werden, die  eine "Humanisierung  der Arbeit"  - sei es durch Ar-
       beitszeitverkürzungen, sei  es durch arbeitsorganisatorische Ver-
       besserungen oder Änderungen des Arbeitszeitregimes - zum Ziel ha-
       ben, hat  die BDA einmal mehr demonstriert, als sie den Arbeitge-
       berverband der  nordrhein-westfälischen Bierbrauer  zwang,  einen
       bereits mit  der NGG  vereinbarten  Tarifvertrag  zurückzunehmen,
       weil dieser  Vertrag in  mehrfacher Weise gegen den "Tabukatalog"
       verstieß. Der  Vertrag sah für ältere Arbeiter Arbeitszeitverkür-
       zungen bis  zu 32 Wochenstunden vor und gestand den Betriebsräten
       Mitbestimmungsrechte bei der Maschinenbesetzung zu. 56)
       Ebenso wichtig  wie die  Fortentwicklung einer  Tarifpolitik, die
       sich nicht  auf Verteilungskonflikte beschränkt, und wie der Aus-
       bau von  gewerkschaftlichen Gegenmachtpositionen  bleibt aber  im
       Kampf gegen  die Rationalisierung  nach wie  vor die Durchsetzung
       der "klassischen"  Forderung nach  Arbeitszeitverkürzung mit  dem
       Ziel der  Einführung der  35-Stunden-Woche  bei  vollem  Lohnaus-
       gleich.
       Von einer  Verkürzung der Arbeitszeit ist trotz gegenteiliger Be-
       schwörungen der  Arbeitgeberseite relativ kurzfristig ein quanti-
       tativ  bedeutender   Abbau  der   Arbeitslosigkeit  zu  erwarten.
       Manchmal wird von den Unternehmern selbst zugegeben, daß eine Re-
       duktion der  Arbeitszeit zu  Neueinstellungen von  beträchtlichem
       Umfang führen  würde. Auf  die im  Rahmen einer  Ifo-Erhebung ge-
       stellte Frage,  welchen Beschäftigungseffekt  eine 5%ige Arbeits-
       zeitverkürzung nach  sich ziehen würde, antworteten die befragten
       industriellen Unternehmen,  daß sie die Belegschaften in der Pro-
       duktion durchschnittlich  um 3,1%  und in den Verwaltungen durch-
       schnittlich um 1,1% aufstocken würden. 57)
       Bei Arbeitszeitverkürzungen  ist allerdings  zu beachten, daß sie
       zwar zu  einer beträchtlichen  Abnahme des Erwerbslosenpotentials
       führen können,  daß sich aber längerfristig die durch das Profit-
       prinzip vorgegebene  Entwicklungsrichtung des  technischen  Fort-
       schritts auch  durch Arbeitszeitverkürzungen,  wie dringlich ihre
       Durchsetzung immer  ist, nicht  grundlegend verändern  läßt. Erst
       mit der Erringung von wirtschaftlichen und politischen Machtposi-
       tionen, von  denen aus die Gewerkschaften und andere demokratisch
       legitimierte Repräsentanten  der arbeitenden Bevölkerung alterna-
       tive Forderungen  zu den  Zielen des Kapitals gesamtgesellschaft-
       lich geltend machen können, wären Interventionen in zentrale Ent-
       scheidungsprozesse über  die Zielfunktionen,  die Verteilung  der
       Ressourcen und  die Folgelasten des technischen Fortschritts mög-
       lich.
       Mir scheint  es deshalb notwendig, daß sich die Arbeiterbewegung,
       besonders die  Gewerkschaften, verstärkt  der Wiederaufnahme oder
       Fortentwicklung gesellschaftlicher Alternativstrategien zuwenden,
       die den  gesamten Problemkomplex  der neuen  Technik systematisch
       einbeziehen. 58) Dabei denke ich zum Beispiel an die Belebung ei-
       ner nicht  an Sozialpartnerschaft gebundenen, auch überbetriebli-
       chen Mitbestimmungspolitik  oder an  die Konkretisierung von Vor-
       schlägen zur  demokratischen Investitionslenkung  und -kontrolle,
       wie sie  in der  Gewerkschaftsbewegung, aber  auch von Teilen der
       politischen Linken vorgetragen worden sind. 59) Allerdings lassen
       sich Mitbestimmung,  Investitionslenkung und -kontrolle über län-
       gere Dauer ohne Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen jener
       Unternehmen, bei denen das ökonomische und technische Hauptpoten-
       tial konzentriert  ist, kaum  aufrechterhalten. Aktueller denn je
       ist deshalb  die Verwirklichung  der Forderung  nach "Überführung
       von Schlüsselindustrien  und anderer markt-und wirtschaftsbeherr-
       schender Unternehmen  in Gemeineigentum, verbunden mit demokrati-
       scher Kontrolle"  60), wie  der 11. DGB-Bundeskongreß im Mai 1978
       in Hamburg bekräftigte.
       Im Rahmen alternativer demokratischer Reformkonzeptionen, die den
       gesamten Wirtschaftsprozeß  und alle  gesellschaftlichen Bereiche
       betreffen, wären  dann jene  Forderungen zu  verankern, die nicht
       nur eine  "soziale Abfederung"  der  krassesten  Folgen  moderner
       Technologien und Produktionsmethoden installieren wollen, sondern
       auf strukturelle  Veränderungen der gesellschaftlichen Funktionen
       der neuen  Technik im  Interesse der arbeitenden Bevölkerung zie-
       len.
       
       _____
       *) Dieser Beitrag schließt an den von mir verfaßten Beitrag "Neue
       Technik und  die Folgen ihrer kapitalistischen Anwendung" an, der
       in den "Marxistischen Blättern" 2/1978 erschien.
       1) Günter Friedrichs,  Drei Millionen  Arbeitsplätze fehlen,  in:
       Wirtschaftswoche Nr. 21/1977, S. 62.
       2) In diesem  Punkt unterscheidet sich meine Einschätzung von der
       Johanna Hunds,  die im Zusammenhang mit der Einführung von Mikro-
       prozessoren   von    "revolutionierenden    Veränderungen"    und
       "qualitativer Umwälzung"  spricht (vgl. Johanna Hund, Zur techno-
       logischen Entwicklung  und deren  sozialen Auswirkungen. Unveröf-
       fentlichtes Manuskript,  Oktober 1977, S. 4). Nach meiner Auffas-
       sung sind solche Kennzeichnungen Umwälzungsprozessen des gesamten
       Produktivkraftsystems vorbehalten, wie sie z.B. mit der industri-
       ellen Revolution des 18. /19. Jh. gegeben waren. Diese Kritik än-
       dert jedoch nichts daran, daß ich diesem Beitrag von Johanna Hund
       sowie ihrem  Aufsatz: Zur  gegenwärtigen technologischen Entwick-
       lung und  deren Auswirkung  auf die Beschäftigungslage, in: SOPO,
       46/1978 wichtige  theoretische Anregungen und zahlreiche konkrete
       Informationen verdanke.
       3) Eugen Loderer, Strukturelle Arbeitslosigkeit durch technologi-
       schen Wandel, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 7/1977, S. 410.
       4) Aus der  großen Zahl  von  Veröffentlichungen  zur  Frage  der
       "wissenschaftlich-technischen Revolution"  seien  hier  nur  bei-
       spielsweise erwähnt:  Autorenkollektiv, Die  gegenwärtige wissen-
       schaftlich-technische Revolution.  Eine historische Untersuchung,
       Berlin (DDR) 1972; Tontscho Trendafilov, Wissenschaftlich-techni-
       sche und soziale Revolution, Frankfurt/Main 1976; Internationales
       Autorenkollektiv,  Wissenschaftlich-technische   Revolution   und
       ideologischer Kampf, Frankfurt/Main 1978.
       5) Daß sich  die gesellschaftliche  Folge der technologisch ange-
       wandten Mikroelektronik  nicht unvermeidlich  in Arbeitslosigkeit
       äußert, sondern  ihre planmäßige  Einführung im Sozialismus viel-
       mehr ebenso  zu einer  Verbesserung der Arbeitsbedingungen wie zu
       einer Steigerung  der Produktivkraft der Arbeit führt, macht Ger-
       hard Merkel,  "Mikroelektronik  und  wissenschaftlich-technischer
       Fortschritt", in: Einheit, 12/1977, deutlich.
       6) Karl Marx,  Theorien über den Mehrwert, in: Marx/Engels Werke,
       Bd. 26.1, Berlin (DDR) 1971, S. 367.
       7) Vgl. den Aufsatz von Jörg Goldberg "Die Reproduktionsbedingun-
       gen des fixen Kapitals als Grundlage von Stagnationstendenzen" in
       diesem Band.
       8) Jörg Huffschmid,  Entkoppelung von  Konjunktur und  Beschäfti-
       gung. Eine  wirtschaftliche Zwischenbilanz  fünf Jahre  nach  der
       "Ölkrise", in:  Blätter für  deutsche und internationale Politik,
       1/1979, S. 77.
       9) Vgl. Johanna  Hund, Zur gegenwärtigen technologischen Entwick-
       lung... SOPO 46/1978, S. 43.
       10) Vgl. zum  folgenden VDI-Nachrichten,  Nr. 37/1977, Sonderbei-
       lage S. 40.
       11) Vgl. W.  Hanstein, Die Roboter kommen, in: Deutsche Volkszei-
       tung v. 27. Juli 1978.
       12) Vgl. Günter  Friedrichs, Rationalisierung  durch den  Einsatz
       von Mikroprozessoren  - Auswirkungen  auf Produktion  und Verwal-
       tung. Unveröffentlichtes Vortragsmanuskript, S. 8.
       13) Vgl. dazu Lothar Peter, Neue Technik..., a.a.O.
       14) Vgl. zum Beispiel Anton Safer, Rationalisierung im Angestell-
       tenbereich, in:  O. Jakobi/W.  Müller-Jentsch/E. Schmidt (Hrsg.):
       Gewerkschaftspolitik in  der Krise. Kritisches Gewerkschaftsjahr-
       buch 1977/78, West-Berlin 1978.
       15) Vgl. Horst Hinz beim Vorstand der IG Metall in einem Arbeits-
       papier vom  23. 5.  1978. Nach  Schätzungen des Batelle-Instituts
       muß in der Bundesrepublik 1990 mit 260 000 arbeitslosen Ingenieu-
       ren und  Naturwissenschaftlern gerechnet werden (vgl. Horst Hinz,
       Strukturwandel und mittlere Technologie aus der Sicht der Gewerk-
       schaften. Vortragsmanuskript vom 13. Juni 1978, S. 8.).
       16) Johanna  Hund,  Zur  gegenwärtigen  technologischen  Entwick-
       lung..., a.a.O., S. 45.
       17) Vgl. dazu  u.a. Ulrich Briefs, Der Wandel in den Büros - Aus-
       wirkungen von Krise und Arbeitslosigkeit auf die Angestellten und
       die Büroarbeit, in: WSI-Mitteilungen, 4/1977.
       18) Die Angaben der Siemens-Studie sind entnommen aus Horst Hinz,
       Arbeitspapier, a.a.O., S. 9.
       19) Einen guten Überblick über die Sozialstruktur der Bundesrepu-
       blik aus marxistischer Sicht gibt André Leisewitz, Klassen in der
       Bundesrepublik Deutschland heute, Frankfurt am Main 1977.
       20) Die Nixdorf  Computer AG rechnet vor, daß man mit ihrer Text-
       verarbeitungsmaschine Modell  8815  drei  Schreibkräfte  ersetzen
       kann. Bei einer Amortisierung des Automaten von ca. 6 Monaten und
       einem Anschaffungspreis  von 50 000  können pro  Jahr 105 000  DM
       Personalkosten (3x35 000  DM)  eingespart  werden.  (Vgl.  "Wirt-
       schaftswoche", 43/1978, S. 65.) Zu den Rationalisierungseffekten,
       die sich  aus einer  Kombination organisatorischer  Maßnahmen der
       Arbeitszerlegung  und   technischen  Mitteln   ergeben  vgl.  an-
       schaulich: Michael  Busse, Arbeit  ohne Arbeiter.  Wem nützt  der
       technologische Fortschritt?, Frankfurt am Main 1978, besonders S.
       129 ff.
       21) Vgl. dazu  Ulf Kadritzke,  Lohnarbeit und Angestellte. Verge-
       sellschaftungsformen der  Arbeit,  Rationalisierung,  Bewußtsein.
       Unveröffentlichtes Manuskript, Berlin 1979, S. 7 ff.
       22) Johanna  Hund,  Zur  gegenwärtigen  technologischen  Entwick-
       lung..., a.a.O., S. 45.
       23) Hier ist  vor allem  auf die beängstigenden Möglichkeiten des
       Datenmißbrauchs hinzuweisen.
       24) Mister McKinsey  auf leisen Sohlen in der Commerzbank, in: UZ
       v. 27.2.1979.
       25) Zur Rationalisierung  im öffentlichen  Dienst vgl. z.B. Klaus
       Düll/Dieter Sauer,  Gewerkschaftliche Monatshefte  2/1977, S.  97
       ff.
       26) Vgl. K.H.  Janzen, Der  Fortschritt darf nicht zu unseren La-
       sten gehen, in: Der Gewerkschafter, 5/1976, S. 10.
       27) Fortschritt für wen?, in: Der Gewerkschafter, 7/1978.
       28) Rationalisierung auf  dem Rücken der Beschäftigten im Einzel-
       handel, in: UZ v. 6.3.1979.
       29) Vgl. hierzu  Johanna Hund,  Zur gegenwärtigen technologischen
       Entwicklung..., a.a.O., S. 47; vgl. auch Justina Marx, Technik im
       Dienst des Kapitals, in: Einheit, 12/1977, S. 1364.
       30) Gesprächskreis "Modernisierung der Volkswirtschaft" beim Bun-
       desminister für  Forschung und  Technologie, Stand 20.12.1978, S.
       5.
       31) Vgl. zum  folgenden Johanna Hund, Zur gegenwärtigen technolo-
       gischen Entwicklung..., a.a.O., S. 37.
       32) Vgl. Günter Friedrichs, Rationalisierung..., a.a.O., S. 25.
       33) Vgl. Günter Friedrichs, Drei Millionen Arbeitsplätze, a.a.O.,
       S. 62.
       34) Gesprächskreis "Modernisierung  der Volkswirtschaft", a.a.O.,
       S. 6.
       35) Zu diesem  Ergebnis kommen z. B. Martin Baethge u.a., Produk-
       tion und  Qualifikation. Eine Vorstudie zur Untersuchung von Pla-
       nungsprozessen im  System der  beruflichen Bildung,  Berlin 1974.
       36) Günter Friedrichs  berichtet, daß  im Fall der Umstellung der
       Produktion von  Fernschreibern auf Elektronik von den Betroffenen
       Lohngruppeneinbußen bis zu vier Gruppen hingenommen werden mußten
       (vgl. G. Friedrichs, Rationalisierung..., a.a.O., S. 12).
       37) Vgl. Ulrich  Briefs, Neue Technologie als Herausforderung für
       die Gewerkschaften, in: Blätter f. deutsche u. internationale Po-
       litik, 10/1978,  S. 1188. In einem anderen Zusammenhang hat Franz
       Steinkühler die Tendenz zur Dequalifizierung durch die neue Tech-
       nik folgendermaßen resümiert: "Im allgemeinen kann man sagen, daß
       Rationalisierungsmaßnahmen zu  Dequalifizierung der Arbeit führen
       und damit  bei den geltenden Eingruppierungskriterien auch zu Ab-
       gruppierungen, also  zu weniger  Lohn. Wir stellen zweitens fest,
       daß sich  bei der Industriearbeit, was die Qualifikationsanforde-
       rungen angeht,  eine Polarisierung  ergibt. Ein Teil der Arbeiter
       wird höher  qualifiziert, und  der größere  Teil der Arbeiter be-
       kommt niedriger  qualifizierte Arbeiten.  Dazwischen entsteht ein
       so riesiges  Loch, das kaum mehr überbrückbar ist." (Zitiert nach
       Michael Busse, Arbeit ohne Arbeiter, a.a.O., S. 114.)
       38) Frigga Haug  u.a., Automation  führt zur  Höherqualifikation.
       Thesen über  Hand- und  Kopfarbeit, in:  Demokratische Erziehung,
       4/1975, S. 93.
       39) Vgl. zum  Begriff und  zur Theorie der "neuen Arbeiterklasse"
       Frank Deppe,  Hellmuth Lange  und Lothar  Peter (Hrsg.), Die neue
       Arbeiterklasse. Technische  Intelligenz und Gewerkschaften im or-
       ganisierten Kapitalismus, Frankfurt/Main 1970.
       40) Werner Rügemer,  Automation,  Qualifikation  und  subjektiver
       Faktor, in: Demokratischer Erziehung, 3/1977, S. 310.
       41) Vgl. zum Beispiel Horst Kern und Michael Schumann, Industrie-
       arbeit und  Arbeiterbewußtsein, 2  Bde., Frankfurt/Main  1970; O.
       Mickler, E. Dittrich und U. Neumann, Technik, Arbeitsorganisation
       und Arbeit, Frankfurt/Main 1976.
       42) Frigga Haug,  Hannelore May und Werner van Treeck, Produktion
       und Qualifikation  zwischen Unternehmerwillkür  und  alternativer
       Technik, in: Projektgruppe Automation und Qualifikation: Theorien
       über Automationsarbeit (Band 3), Berlin 1978, S. 82.
       43) Franziska Wiethold,  Technisch-organisatorische Veränderungen
       des Arbeitsprozesses  und Qualifikationsanforderungen,  in: Demo-
       kratische Erziehung, 1/1979, S. 102.
       44) Ebenda, S. 104.
       45) Gleichlautende Überschrift  eines Artikels  von Ernst  Günter
       Vetter in der FAZ vom 21.2.1978.
       46) Ernst Günter Vetter, Kampf gegen den Fortschritt, in: FAZ vom
       30.3.1978.
       47) Ebenda.
       48) Zur Entwicklung  in der  Uhrenindustrie vgl.  z.B. Horst Hinz
       in: Der  Gewerkschaftler 10/1975  und  1/1978;  vgl.  auch  Erich
       Mayer, Neue  Technologien und  ihre Folgen: Modellfall Uhren, in:
       Strukturelle Arbeitslosigkeit  und technischer Wandel, Schriften-
       reihe der  IG Metall  Nr. 72, Frankfurt a.M. 1977, S. 31-43. Nach
       Mayer sank  die Beschäftigtenzahl  in der Uhrenindustrie zwischen
       1970 und  1975 um 25%. Zur Entwicklung in der Druckindustrie vgl.
       Bernd Güther/Klaus  Pickshaus, Der Arbeitskampf in der Druckindu-
       strie im  Frühjahr 1976, Frankfurt/Main 1976 (Soziale Bewegungen.
       Analyse und Dokumentation des IMSF), S. 14.
       49) Selbstkritisch äußerte  sich zu  dieser Haltung  der  Gewerk-
       schaften z.B.  Leonhard Mahlein  auf dem 11. Gewerkschaftstag der
       IG Druck und Papier 1978; vgl. seinen Rechenschaftsbericht S. 58.
       50) Detlef Hensche,  Technische Revolution und Arbeitnehmerinter-
       essen, in:  Blätter  für  deutsche  und  internationale  Politik,
       4/1978, S. 413.
       51) Vgl. Karl  Marx, Das  Kapital, Erster  Band, in:  Marx/Engels
       Werke, Bd. 23, Berlin (DDR) 1972, S. 451 ff.
       52) Vgl. Klaus Pickshaus/Witich Roßmann, Streik und Aussperrung -
       78, Hafen,  Druck, Metall,  Frankfurt/Main 1978 (Soziale Bewegun-
       gen. Analyse und Dokumentation des IMSF).
       53) Vgl. Eugen Loderer, Strukturelle Arbeitslosigkeit durch tech-
       nologischen Wandel, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 7/1977, S.
       413 f.  Von der  Gewerkschaft HBV  wurden sog.  "Technologie-Auf-
       sichtsräte" für die Kontrolle neuer Technologien gefordert.
       54) Heinz Oskar Vetter, Erfahrungen mit dem Mitbestimmungsgesetz,
       in: Nachrichten  zur Wirtschafts-  und Sozialpolitik, 10/1978, S.
       13 ff.
       55) Vgl. Peter  Baumöller, Tabukatalog  - Konzernbremse gegen den
       sozialen Fortschritt, in: Deutsche Volkszeitung vom 1.3.1979.
       56) Vgl. dazu Gert Siebert, Edles Tarifgebräu läßt Unternehmerwut
       überschäumen, in: Nachrichten zur Wirtschafts- und Sozialpolitik,
       9/1978, S. 4.
       57) Vgl. Mitteilungen  aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung,
       Heft 2/1977, S. 293 ff.
       58) Vgl. dazu  die Überlegungen von Ulrich Briefs, Neue Technolo-
       gien als  Herausforderung für die Gewerkschaften, in: Blätter für
       deutsche und internationale Politik, 10/1978, S. 1179-1197.
       59) So  vor  kurzem  wieder  vom  Bezirk  Ostwestfalen/Lippe  der
       Jungsozialisten. Vgl. Herforder Thesen, besonders S. 58/59, West-
       berlin 1978.  Die Forderung nach "wirksamer Mitbestimmung der Ar-
       beiterklasse" und  "demokratischer Investitionskontrolle"  findet
       sich ebenfalls  im Parteiprogramm  der DKP,  das im Okt. 1978 be-
       schlossen wurde.
       60) Beschlüsse des  11.  ordentlichen  DGB-Bundeskongresses,  in:
       Nachrichten zur Wirtschafts- und Sozialpolitik, 7/1978, S. 13.
       

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