Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980


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       MODERNISIERUNG UND INTERNATIONALE ARBEITSTEILUNG
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       Zum Zusammenhang von staatsmonopolistischer Struktur- und
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       Modernisierungspolitik der Bundesregierung und fortschreitendem
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       Internationalisierungsprozeß unter besonderer Berücksichtigung
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       von Produktionsverlagerungen in die Dritte Welt
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       Dieter Boris/Rainer Falk
       
       I. Grundzüge  der Entwicklung des kapitalistischen Weltmarkts vom
       Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Beginn der siebziger Jahre -
       II. Neue  Elemente in der internationalen Arbeitsteilung seit Be-
       ginn der siebziger Jahre - III. Die Weltmarktposition der BRD und
       die Entwicklung  einer weltmarktorientierten Struktur- und Moder-
       nisierungspolitik  -   IV.  Umrisse  des  herrschenden  Konzepts:
       "Modernisierung der Volkswirtschaft" - V. Charakter und Durchset-
       zungsgrad einer  "neuen" Arbeitsteilung  zwischen der BRD und den
       Entwicklungsländern -  1. Internationale  Monopole als Träger der
       internationalen Arbeitsteilung  - 2.  Neue Tendenzen  in den  Im-
       port/Export-Beziehungen der Bundesrepublik mit der Dritten Welt -
       3. Hauptentwicklungslinien  westdeutscher Direktinvestitionen  in
       der Dritten  Welt -  4. Entwicklungstendenzen von Auslandsproduk-
       tion und  Auslandsbeschäftigung -  VI. Ausblick: Konsequenzen und
       Perspektiven - Tabellenanhang.
       
       "Manches von  den notwendigen  Umstrukturierungsprozessen und Um-
       strukturierungsinvestitionen führt  sicherlich zunächst  sogar zu
       eher mehr  Arbeitslosigkeit. Jedenfalls  sieht das gegenwärtig so
       aus; es mag (!) sich später wieder ändern." Helmut Schmidt, 1978
       
       Im folgenden  Beitrag soll  einigen Zusammenhängen  zwischen  den
       Prozessen des  weltwirtschaftlichen  Strukturwandels  und  seinen
       Ausprägungen und  Reaktionsformen in der BRD nachgegangen werden.
       Vor dem  Hintergrund der allgemeinen Voraussetzungen und Implika-
       tionen der  starken Weltmarktstellung der Bundesrepublik Deutsch-
       land ist  hier insbesondere  der Zusammenhang von neuen Tendenzen
       der internationalen  Arbeitsteilung und  den hierauf reagierenden
       Struktur- und  modernisierungspolitischen Konzepten der Bundesre-
       gierung, die eine überwiegend außenwirtschaftliche Begründung er-
       fahren haben, zu behandeln. In einer weiteren Konkretisierung und
       Spezifizierung des Themas sollen vor allem die außenwirtschaftli-
       chen Beziehungen  der Bundesrepublik Deutschland zur Dritten Welt
       beleuchtet werden.  Dabei wird  es vor  allem um die Frage gehen,
       inwieweit sich  bereits heute neue Elemente in der Arbeitsteilung
       zwischen der BRD und den Entwicklungsländern durchgesetzt haben.
       
       I. Grundzüge der Entwicklung des kapitalistischen Weltmarkts vom
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       Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Beginn der siebziger Jahre
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       Wesentliche Ursachen  für die  langanhaltende Prosperität und ra-
       sche Produktivkraftentwicklung  in der kapitalistischen Welt nach
       dem Zweiten Weltkrieg waren die massenhafte Kapitalentwertung und
       die Lohnsenkung während und in der Folge von Weltwirtschaftskrise
       und Weltkrieg;  beide Momente  verbesserten in allen kapitalisti-
       schen Staaten  die Bedingungen  der Mehrwertproduktion bedeutend.
       Auf der  anderen Seite  schuf die Realisierung dieser Warenmassen
       auf Grund  der aufgeschobenen  Nachfrage, der nicht vorgenommenen
       Neuinvestitionen und  der mit  der Produktivkraftentwicklung ein-
       hergehenden Produktdifferenzierung keine großen und kontinuierli-
       chen Probleme für den kapitalistischen Produktions- und Reproduk-
       tionsprozeß. Dieser Wachstumsprozeß in den meisten westlichen In-
       dustrieländern war auch die eigentliche Grundlage für einen funk-
       tionierenden und  sich überproportional  ausdehnenden  Weltmarkt,
       wie umgekehrt  dieser eine weitere Grundlage für die Aufnahme der
       die Binnenmärkte  überschreitenden Kapitalexpansion war. Neue po-
       litische Formen  und Überbauinstanzen  (wie z.B.  Weltbank,  IWF,
       GATT etc.) sicherten diese zunehmende Weltmarktverflechtung ab.
       Dem beschleunigten  Fortschreiten  der  Produktivkraftentwicklung
       entsprach im  nationalen Raum  die beständige Bedeutungsminderang
       der Primärproduktion (Landwirtschaft und Bergbau), im internatio-
       nalen Maßstab  der Rückgang des Anteils von Primärerzeugnissen im
       Welthandelsaustausch.  Bei   wachsendem  Weltmarkt   mußte   dies
       zugleich  bedeuten,  daß  die  komplementären  Handelsbeziehungen
       (Rohstoffe gegen  Fertiggüter)  zugunsten  des  sogenannten  Aus-
       tauschhandels (Fertigwaren - häufig derselben Branche und dersel-
       ben Produktgruppe - aus einem Land gegen Fertigwaren der gleichen
       Art aus dem anderen Land) an Bedeutung verloren. Was die Verände-
       rung der  Regionalstruktur der  Welthandelsströme angeht,  so war
       hiermit logischerweise  die Abnahme  der Bedeutung  der  Entwick-
       lungsländer und  die Zunahme der Bedeutung der entwickelten kapi-
       talistischen Länder  für den  Weltmarkt insgesamt die Konsequenz.
       Dies mußte  jedenfalls so lange so bleiben, wie die Produktions-,
       Verwertungs- und  Realisierungsbedingungen zwischen Entwicklungs-
       ländern und Industrieländern sehr unterschiedlich blieben und die
       Exportstruktur der  Entwicklungsländer sich nicht wesentlich ver-
       änderte. 1)
       Die zweite  zentrale Ebene  des weltwirtschaftlichen Strukturwan-
       dels nach  dem Zweiten  Weltkrieg bezieht sich auf die veränderte
       Form,  den  anderen  Zielbereich  und  die  Regionalstruktur  des
       K a p i t a l e x p o r t s.   Gegenüber bloßen Anleiheemissionen
       nahmen nun  die direkten  Anlagen von Produktivkapital im Ausland
       (Direktinvestitionen) sehr  an Bedeutung  zu. Dieser Metamorphose
       des Kapitalexports  von der internationalen Anleihe zur Direktin-
       vestition entsprach  die regionale und sektorale Verlagerung sei-
       ner Schwerpunkte.  Statt in die kolonialen und halbkolonialen Re-
       gionen - und hier in die extraktiven und landwirtschaftlichen Be-
       reiche -  zu fließen, gingen nun die Direktinvestitionen mehr und
       mehr in die hochentwickelten kapitalistischen Staaten und zielten
       hier auf  die Anlage  in den technisch fortgeschrittensten Berei-
       chen oder in den Wachstumsindustrien. Gleichwohl hat die absolute
       Bedeutung des Kapitalexports in die Entwicklungsländer noch zuge-
       nommen. Zudem kann man feststellen, daß viele Direktinvestitionen
       in den  Entwicklungsländern einen höheren Grad an Nichtersetzbar-
       keit aufweisen  als Direktinvestitionen  in den  kapitalistischen
       Industrieländern (z.B. Investitionen in bestimmten Rohstoffberei-
       chen).
       Sicherlich wird  man eine wechselseitige Beeinflussung von Außen-
       handelstendenzen und Tendenzen zur Internationalisierung der Pro-
       duktion annehmen  können, wobei  zweifellos die  Ebene der Waren-
       tauschbeziehungen eine  gewisse Vorreiterrolle  gespielt hat. Auf
       den Zusammenhang  zwischen den beiden Hauptebenen der internatio-
       nalen ökonomischen Beziehungen weist auch der Tatbestand hin, daß
       sektoral in  beiden Fällen  die technologisch fortgeschrittensten
       Güter und/oder  Investitionsgüter ein verhältnismäßig starkes Ge-
       wicht haben.
       
       II. Neue Elemente in der internationalen Arbeitsteilung
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       seit Beginn der siebziger Jahre
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       Gegen Ende  der sechziger Jahre mehrten sich die Anzeichen dafür,
       daß die seit dem Zweiten Weltkrieg auf dem kapitalistischen Welt-
       markt eingetretenen Tendenzen zum Stillstand kommen bzw. sich um-
       kehren würden. Neben der Brechung der absoluten ökonomischen Vor-
       herrschaft der  USA durch das Aufholen der EG und Japans (und die
       damit verursachten Währungsunruhen, die schließlich mit einer er-
       heblichen Modifikation  des Weltwährungssystems  endeten) war die
       neue Konstellation  auf dem Weltmarkt auch durch verstärkte Indu-
       strialisierungsschübe in einigen (relativ fortgeschrittenen) Ent-
       wicklungsländern bestimmt. Diese rasche industrielle Akkumulation
       vollzog sich  aber fast  niemals gegen  das ausländische Kapital,
       sondern erfolgte  regelmäßig unter  maßgeblicher Beteiligung  der
       transnationalen Konzerne,  die in  einigen Ländern schon seit den
       fünfziger Jahren  zu binnenmarktorientierten Industrieinvestitio-
       nen übergegangen  waren. In  einigen Ländern waren jedoch die ex-
       portorientierten Investitionen im industriellen Sektor von Anfang
       an bestimmend, vor allem im ostasiatischen Raum. Dieser Typus der
       abhängigen kapitalistischen Entwicklung - gleichgültig ob stärker
       binnenmarktorientiert (z.B. Brasilien) oder mehr exportorientiert
       (z.B. Singapur) - implizierte zugleich eine relativ starke Betei-
       ligung des  jeweiligen Staates und auch (häufig schwächer vertre-
       ten) der  nationalen Kapitale.  Dies ist  insofern  wichtig,  als
       hierdurch der  langfristige und  aus endogener Kapitalbildung ge-
       speiste Charakter  dieses Prozesses deutlich wird, der zweifellos
       keineswegs als  eine bloß  ephemere Schwindelblüte anzusehen ist.
       Die Tatsache,  daß die ausländischen Monopole den jeweiligen ein-
       heimischen Geld- und Kapitalmarkt verstärkt zur Ergänzung ihrer -
       Selbstfinanzierung" heranziehen,  unterstreicht  die  Behauptung,
       daß es  sich hier  um Strukturverschiebungen  der jeweiligen Ent-
       wicklungsländerökonomien handelt, die auch langfristige Bedeutung
       erlangen müssen.
       Durch die  und während der seit 1973/74 voll einsetzenden kapita-
       listischen Weltrezession sowie durch die parallel hierzu erfolgte
       sprunghafte Erhöhung  der Erdölpreise  wurden die  neuen Elemente
       der internationalen  Arbeitsteilung beschleunigt  freigesetzt und
       waren während  des restlichen  Zeitraums dieser  Dekade  deutlich
       sichtbar. Der seit 1970 ansteigende Anteil der Entwicklungsländer
       am Welthandel  ist ein  wesentlicher Indikator  für die Umkehrung
       der Haupttendenz  seit Ende des Zweiten Weltkrieges. So stieg der
       Welthandelsanteil der Entwicklungsländer von ca. 19% 1970 auf ca.
       27% im Jahre 1976 an, ein Anstieg, der direkt zu Lasten der kapi-
       talistischen Industrieländer  ging. 2)  Er ist  auf  verschiedene
       Faktoren zurückzuführen:   e i n m a l  natürlich auf den gestie-
       genen Erdölpreis und auf den - zumindest zeitweilig zu konstatie-
       renden - Anstieg des Preisniveaus auch anderer Rohstoffe (Kupfer,
       Kaffee, Weizen  etc.);   z u m   z w e i t e n  aber auch auf die
       sich sehr  rasch verändernde  Exportstruktur in  vielen  Entwick-
       lungsländern in  Richtung auf  eine wesentlich  größere Bedeutung
       industrieller Fertigwaren.  D r i t t e n s  wurde durch die Kri-
       sensituation die Konkurrenz enorm verschärft, und es scheint, als
       ob sich  auch hierdurch  die Position  der Entwicklungsländer  in
       mancher Hinsicht verbessert hat; der Zusammenbruch schwacher Pro-
       duzenten auf  den metropolitanen Binnenmärkten ging zum Teil auch
       zurück auf  einen verstärkten  Importdruck aus den einzelnen Ent-
       wicklungsländern.   V i e r t e n s  darf nicht vergessen werden,
       daß gerade  die Krisensituation  in den imperialistischen Ländern
       die Tendenz  zum Kapitalexport bedeutend verstärkt hat; wenn auch
       keine grundsätzliche Veränderung der Regionalstruktur in den pri-
       vaten Direktinvestitionsströmen aus den entwickelten kapitalisti-
       schen Ländern feststellbar ist, so kann allein aufgrund der abso-
       luten Größendimension dieser Kapitalexporte (zu denen die reinve-
       stierten Profite  hinzugezählt werden  müssen) durchaus von einer
       Abstützung und  Konsolidierung jener neuen Entwicklungstendenz in
       der internationalen Arbeitsteilung gesprochen werden.
       Nicht zufällig  reift in  dieser Periode die Forderung nach einer
       neuen Weltwirtschaftsordnung  aus, die  unter anderem eine rapide
       Steigerung des  Anteils der  Entwicklungsländer an  der Weltindu-
       strieproduktion enthält  und zugleich eine Öffnung der Märkte der
       entwickelten kapitalistischen Länder für Industrieexporte aus den
       Entwicklungsländern postuliert.  So enthalten  die  verschiedenen
       Elemente dieser  Konzeption  einer  neuen  internationalen  Wirt-
       schaftsordnung sowohl Züge einer "Fortschreibung" bereits im Gang
       befindlicher weltwirtschaftlicher Strukturwandelprozesse wie auch
       Momente einer  - aus ökonomischen und politischen Gründen notwen-
       digen -  eigenständigen, auf  größere ökonomische  Unabhängigkeit
       zielenden Industrialisierungspolitik  der Entwicklungsländer. Die
       verschiedenen Impulse  und Triebkräfte  jener neuen  Tendenz sind
       zumindest teilweise  einander entgegengesetzt.  Das  herkömmliche
       komplementäre  weltwirtschaftliche  Spezialisierungsmuster  (Aus-
       tausch von  Fertigwaren gegen  Rohstoffe) mußte auch im Interesse
       einer  höheren   Gesamtverwertung  der  transnationalen  Konzerne
       modifiziert werden  - eine  Modifikation, die  eine bestimmte Art
       und Reichweite von Industrialisierung der Länder der Dritten Welt
       nicht in Widerspruch zu den führenden Kapitalinteressen der impe-
       rialistischen Länder  bringen mußte. Andererseits entsprach diese
       ökonomische Tendenz  auch einem politischen Eingehen auf die For-
       derungen der  Entwicklungsländer nach verstärkter Industrialisie-
       rung und  ökonomischer Unabhängigkeit. Eben an diesem Punkte wer-
       den sich  auch in  Zukunft die Interessengegensätze deutlich dar-
       stellen und  aufeinanderprallen: Industrialisierung  in Abhängig-
       keit und  Unterordnung auf  höherer Stufe  in einer Komplementär-
       stellung zu  den kapitalistischen  Metropolen - oder Industriali-
       sierung mit  dem Ziel, notfalls auch unabhängig von den Reproduk-
       tionskreisläufen mit den kapitalistischen Metropolen sein zu kön-
       nen und  den Schwerpunkt der eigenen ökonomischen Reproduktion im
       Lande selbst zu haben.
       
       III. Die Weltmarktposition der BRD und die Entwicklung einer
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       weltmarktorientierten Struktur- und Modernisierungspolitik
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       Bis zum Beginn der siebziger Jahre war in der BRD von Strukturpo-
       litik kaum  die Rede;  viele Marktwirtschaftsideologen (im Gegen-
       satz zu  den "Praktikern") argwöhnen noch heute hinter diesem Be-
       griff  nur   eine   verkleidete   Umschreibung   von   vermehrtem
       "staatlichem Dirigismus".  3) Höchstens  im Zusammenhang  mit der
       Krise des westdeutschen Bergbaus oder dem Problem zurückgebliebe-
       ner Regionen wurde der Begriff gelegentlich benutzt. Zwar kam der
       Begriff seit Beginn der siebziger Jahre auch in weltwirtschaftli-
       chen Zusammenhängen  auf, etwa  durch die  entwicklungspolitische
       Konzeption von  Erhard Eppler 4); auch bei den Untersuchungen zum
       weltwirtschaftlichen Strukturwandel durch das Kieler Institut für
       Weltwirtschaft. 5)  Jedoch erst  mit der  Weltwirtschaftskrise ab
       1973/74 und  mit den  ideologischen Reaktionen  auf die hierdurch
       geschaffene Situation  hat  sich  die  Bedeutung  von  "Struktur-
       politik" verändert  und spezifiziert;  einmal  wird  der  Begriff
       immer eindeutiger  im Kontext  weltwirtschaftlicher Entwicklungen
       gebraucht -  im Sinn  der Anpassung  an und  Förderung von  neuen
       weltwirtschaftlichen  Tendenzen  6);  und  zum  zweiten  wird  er
       weniger im  Sinn des Ausgleichs und der Überbrückung als vielmehr
       im Sinn  der planmäßigen  Vorbereitung, im  Sinn  einer  zukunft-
       strächtigen Modernisierungs- und Technologiepolitik gebraucht.
       Die nun entwickelte Konzeption der "Modernisierung der Volkswirt-
       schaft" -  so der  Titel eines  programmatischen Buchs von Volker
       Hauff und  Fritz Scharpf  7) -  berührt verschiedene Bereiche der
       Politik. Einmal  will sie  Technologie- und  Wissenschaftspolitik
       sein; sie  ist aber zugleich auch Wirtschaftspolitik im Sinne der
       Förderung des Wachstums, daneben noch Außenwirtschaftspolitik und
       Entwicklungspolitik. Die  Konzeption besteht  - zusammengefaßt  -
       darin, technologisch  fortgeschrittenste Produkte  ("intelligente
       Güter"), Wachstumsbranchen  und besonders expansionsträchtige Mo-
       nopole systematisch  zu fördern  (ihnen bei "Risikoinvestitionen"
       unter die  Arme zu  greifen) und  andererseits die Strukturschwa-
       chen, die sogenannten Fußkranken der Wirtschaft, rückläufige Pro-
       duktarten und  schrumpfende Branchen,  kleine und mittlere Unter-
       nehmen fallen  zu lassen bzw. zur Verlagerung ihrer Produktion zu
       animieren. Nur so könne die Zukunft gemeistert werden, und nur so
       könne  man  die  weltwirtschaftliche  Position  der  BRD  halten.
       Zugleich sei  diese Konzeption  die einzige Möglichkeit, eine ef-
       fektive Beschäftigungspolitik  zur Erhaltung  der Arbeitsplätze -
       sicherer Arbeitsplätze,  wie immer  argumentiert wird - im Inter-
       esse der Lohnabhängigen zu gewährleisten.
       Daß diese Konzeption, auf die in ihren einzelnen Facetten und Nu-
       ancierungen noch  einzugehen sein  wird, ausgerechnet in der Kri-
       senphase seit  1973 entstehen  konnte und zunehmend allgemein und
       aggressiver propagiert  werden konnte, läßt sich auf verschiedene
       Gründe zurückführen.
       1. Es breitete  sich zu  Recht das  Gefühl aus, daß die einstmals
       von Wirtschaftsminister Schiller gepriesene Globalsteuerung unter
       den heutigen  Bedingungen nicht  mehr ausreiche , daß die Politik
       der  globalen  Steuerung  der  Nachfrage  nicht  mehr  zureichend
       "greife" und  zudem außenwirtschaftlich unerwünschte Konsequenzen
       (Inflationsschub) nach  sich ziehen  könnte. Daher  der  vielfach
       vermerkte Übergang "von der globalen zur strukturellen Steuerung"
       (Rainer Thoss). 8)
       2. Die Entwicklung  der Außenwirtschaftsbeziehungen  während  der
       Krise zeigte,  daß durch entsprechend große Überschüsse die Tiefe
       der Krise (zumindest zeitweise) abgemildert werden konnte und daß
       die Positionsverbesserung der BRD auf dem Weltmarkt vor allem auf
       das starke Gewicht der vier wichtigsten Investitionsgüterbranchen
       (Maschinenbau, Chemie,  Elektroindustrie, Fahrzeugbau)  zurückzu-
       führen war.
       3. Es war  aber auch  deutlich geworden,  daß diese  Erfolge  des
       westdeutschen Kapitals  auf frühere  Investitions- und Rationali-
       sierungswellen (vor  allem im  Gefolge der Krise 1966/67) zurück-
       gingen, während  die jüngste  Krise u.a.  dadurch  gekennzeichnet
       war, daß  es auch  nach dem  relativen Aufschwung von 1976 und in
       den folgenden  Jahren nicht zur Wiederaufnahme hoher Bruttoanlag-
       einvestitionen kam.  Die realen Investitionen der Industrie stie-
       gen nicht  mehr, sondern gingen von 1970 bis 1976 um jahresdurch-
       schnittlich 5,8% zurück. Das führte zu einem Absinken des Anteils
       junger Anlagen  am Anlagevermögen ; so z.B. ergab eine Errechnung
       des Altersaufbaus  der westdeutschen Industrie, daß 1976 nur noch
       etwa 52%  der Maschinen  unter 10 Jahre alt waren, der Anteil von
       Anlagen über  15 Jahre war 1977 so groß wie 1950! 9) Diese Veral-
       terungstendenz der  Kapitalanlagen konnte noch kompensiert werden
       durch hohe Produktivitätsfortschritte, die sich zwischen 1970 und
       1976 von  vorangegangenen Perioden  kaum unterschieden, jedoch im
       wesentlichen durch Arbeitsintensivierung, verstärkte Arbeitshetze
       und Umorganisation des Arbeits- und Produktionsprozesses erreicht
       worden waren.  Doch ist  ein ständiger  Produktivitätsfortschritt
       langfristig nicht ohne massenhafte Neuinvestitionen zu gewährlei-
       sten. Daher  beendet Krengel  seine Analyse  mit den  bedeutungs-
       schweren Worten:  "In den  nächsten Jahren wird sich zwangsläufig
       etwas für  die wirtschaftliche  Zukunft der  Bundesrepublik  sehr
       Wichtiges entscheiden. Entweder es gelingt, die Industrie zur Mo-
       dernisierung ihres  Anlagevermögens anzuregen  - dies  ist  nicht
       ohne wirtschaftliches  Wachstum und  erst nach der Normalisierung
       der Kapazitätsausnutzung  möglich -, oder der Prozeß der Veralte-
       rung setzt sich fort, mit allen Konsequenzen für die langfristige
       Produktivitätsentwicklung und die Konkurrenzfähigkeit." 10)
       4. Ein weiterer  Grund für  die nun verstärkt geführte Diskussion
       um Strukturprobleme  ist in  der Tatsache  zu sehen , daß während
       der Krise  von 1973 und der folgenden Jahre erstmals auch bislang
       als  ausgesprochene   Wachstumsindustrien  geltende  "dynamische"
       Branchen langanhaltende  strukturelle Überkapazitäten  aufwiesen.
       "Der Unterschied  besteht eigentlich nur darin, daß in den ausge-
       sprochenen Schrumpfindustrien  der Abbau der Produktionskapazität
       dem Rückgang  der Nachfrage hinterherhinkt, weil insbesondere die
       Monopole bzw.  Großunternehmen durch  rigorose, staatlich oft un-
       terstützte Rationalisierung ihr Produktionspotential oft noch er-
       weitern statt  einzuschränken, während in den Wachstumsindustrien
       die Kapazitätsausweitung die Nachfrage trotz deren schneller Ent-
       wicklung überflügelt."  11) Dies  hängt zweifellos z.T. damit zu-
       sammen ,  daß der  erreichte Grad  der Vergesellschaftung und die
       damit verbundene rentable Mindestkapazität neuer Anlagen heute in
       vielen Branchen  derart groß sind, daß die international oder so-
       gar national  parallele Inbetriebnahme  von zwei  oder drei neuen
       Produktionsanlagen zu  regelrechten Angebotssprüngen führen kann,
       die sich  zu veritablen Überkapazitätskrisen verdichten. Im übri-
       gen hat  sich die Zahl der Industriezweige mit sinkender Beschäf-
       tigungszahl fortlaufend erhöht. Waren es noch im ersten Jahrfünft
       der sechziger  Jahre 17  Branchen mit einem Anteil von 28% an den
       gesamten Beschäftigten  der Industrie,  so waren es ein Jahrzehnt
       später schon  30 Branchen mit einem Anteil von fast 4l% der Indu-
       striebeschäftigten. 12)
       5. Ein weiteres  Element für  den Anstoß der Diskussion um Struk-
       turwandel ist  zweifellos in den weltwirtschaftlichen Entwicklun-
       gen zu  sehen sowie  in den  Zusammenhängen zwischen den internen
       Problemen und  den externen  Prozessen  des  Strukturwandels.  So
       wurde von  verschiedenen Seiten der Strukturwandel in der Bundes-
       republik auch  als  notwendiges  "entwicklungspolitisches  Opfer"
       (Helmut Schmidt)  gedeutet, in  dem Sinne,  daß  arbeitsintensive
       Produktionsprozesse zunehmend ausgelagert werden sollten bzw. auf
       sie verzichtet  und umgekehrt  den sich industrialisierenden Ent-
       wicklungsländern die  Gelegenheit gegeben  werden müßte, ihre Ex-
       portwaren auf  den Märkten der entwickelten kapitalistischen Län-
       der abzusetzen.  So gehört  die Forderung  nach "der  Öffnung der
       Märkte" zur Diskussion um Strukturwandel in der Bundesrepublik.
       
       IV. Umrisse des herrschenden strukturpolitischen Konzepts:
       ----------------------------------------------------------
       "Modernisierung der Volkswirtschaft"
       ------------------------------------
       
       Aus der  Tatsache , daß die BRD zu den in der Technologieentwick-
       lung führenden Industrienationen gehört und ihre außenwirtschaft-
       liche Verflechtung  (insbesondere  bei  den  höher  entwickelten,
       technologisch sehr anspruchsvollen Produkten) besonders hoch ist,
       wird abgeleitet,  daß schon die Erhaltung der gegenwärtigen Posi-
       tion der  BRD auf  dem Weltmarkt  eine besondere  Herausforderung
       darstelle und  daher besondere  Anstrengungen in  der Forschungs-
       und Entwicklungspolitik,  d. h.  der Technologiepolitik notwendig
       seien. 13)  Ein eigentlich  längst notwendiger Strukturwandel sei
       bislang aufgeschoben  worden wegen der Unterbewertung der D-Mark,
       wegen eines  allgemein hohen Wachstumstempos, wegen der leicht zu
       bewerkstelligenden Anwesenheit  großer Potentiale  von Gastarbei-
       tern usw.,  also wegen der insgesamt vorteilhaften Weltmarktposi-
       tion. Es  müsse nun eine Konzentration auf die wachstumsintensiv-
       sten Branchen,  die technologisch  anspruchsvollsten und neuesten
       Bereiche erfolgen; als besonders zukunftsträchtig werden die Pro-
       duktionsbereiche Mikroelektronik, Datenverarbeitung, Kommunikati-
       onstechnologie, Kernenergie  und schließlich  energie-  und  roh-
       stoffsparende Produktionsanlagen  und  -verfahren  wie  auch  um-
       welterhaltende und  -schützende  Aggregate  genannt.  Mit  dieser
       Schwerpunktsetzung auf Zukunftsindustrie soll zugleich eine stär-
       kere Spezialisierung und Konzentration auf bestimmte Sparten ein-
       hergehen. 14)  Diese "aktive",  "vorausschauende" Strukturpolitik
       schließt ein,  daß staatlicherseits  hinfort in  der Regel  keine
       "Erhaltungssubventionen" für  strukturschwache Branchen  oder Un-
       ternehmen mehr  vergeben werden,  sondern nur noch zukunftsträch-
       tige Bereiche gefördert werden sollen. Nicht "Fußkranke", sondern
       "Schnelläufer" sollen durch staatliche Zuschüsse belohnt werden.
       Diese Konzeption scheint nicht nur hohe Rationalität für sich be-
       anspruchen zu  dürfen, sondern  auch der einzige Weg für die Bun-
       desrepublik zu sein: die sogenannte "Flucht nach vorn" zum Zwecke
       der Erhaltung  der Errungenschaften (hoher Lebensstandard, sozia-
       les Netz etc.). Daher kann es zunächst nicht erstaunen, daß diese
       Konzeption des  aktiven Strukturwandels, die Dynamik, Modernität,
       technischen Fortschritt  und schließlich auch weltoffenen Libera-
       lismus verheißt,  von sehr unterschiedlichen sozialen Kräften und
       Gruppierungen, wenn  auch unter  spezifischer Nuancierung und bei
       unterschiedlicher Schwerpunktsetzung  in der Wahl der Mittel, ge-
       teilt wird.
       Auch die westdeutschen Gewerkschaften setzen sich für dieses Kon-
       zept der  vorausschauenden Strukturpolitik  ein; sie  betonen die
       Unabwendbarkeit und  die positiven  Seiten des  technischen Fort-
       schritts und  verweisen auf die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfä-
       higkeit der BRD im internationalen Maßstab zu erhalten. Gelegent-
       lich wird  von ihrer Seite sogar moniert, daß es den Managern und
       Kapitaleignern bisweilen  an Flexibilität und Weitsicht bezüglich
       der Durchsetzung der fortgeschrittensten Produktionsverfahren ge-
       fehlt habe.  In Ergänzung  zum Grundmuster  der Argumentation für
       einen "aktiven  Strukturwandel" betonen die Gewerkschaften aller-
       dings, daß  den Arbeitnehmern  ein "gerechter Anteil" an den Pro-
       duktivitätsfortschritten durch technologischen Wandel zugute kom-
       men müsse; mit dem Umstrukturierungsprozeß dürfe keine Arbeitslo-
       sigkeit, kein  Verlust sozialer Errungenschaften einhergehen; Um-
       schulungshilfen und  Unterstützung bei geforderter regionaler Mo-
       bilität seien zu gewähren.
       Zwar werden  Produktionsauslagerungen,  Erweiterungsinvestitionen
       im Ausland  sowie "Billigimporte" aus den Entwicklungsländern mit
       kritischen Kommentaren  bedacht, doch  wird eine  Gegenwehr gegen
       diese Tendenzen  "mit allen Mitteln" als "nicht zwingend" empfun-
       den: "Die Gewerkschaften der Industrieländer brauchen sich diesen
       zum Teil  sinnvollen und  für die  Entwicklungsländer wie für die
       Industrieländer nützlichen  Veränderungen nicht  zu  widersetzen,
       sofern sichergestellt  ist, daß sie sich allmählich, überschaubar
       und gesteuert vollziehen und mit der Expansion der Wachstumsindu-
       strien abgestimmt  werden. Die  deutschen Gewerkschaften  fordern
       deshalb neue  Instrumente einer  vorausschauenden, planvollen und
       aktiven Strukturpolitik  im Rahmen  gesamtwirtschaftlicher Mitbe-
       stimmung." 15)  Als weitere  Instrumente  dieser  Politik  werden
       "Innovationsberatungsstellen" und  "Investitionsmeldestellen" ge-
       nannt. Während  in ersteren  nach dem IG-Metall-Konzept branchen-
       übergreifend und  von der öffentlichen Hand getragen Innovations-
       hemmnisse beseitigt  und die  strikte  Einhaltung  von  gezielten
       staatlichen Förderungsauflagen  kontrolliert werden  sollen,  ist
       mit den Investitionsmeldestellen eine Abstimmung zwischen einzel-
       nen Großinvestitionen  in mittelfristiger Perspektive angestrebt.
       16)
       Einzelne Stimmen  aus dem  Gewerkschaftslager nehmen sich weniger
       naiv und  hoffnungsfroh gegenüber den aktuellen Möglichkeiten ei-
       ner "sozialen  und gesamtwirtschaftlich orientierten vorausschau-
       enden" Strukturpolitik  aus. Gleichzeitig  wird gelegentlich auch
       der hohe  außenwirtschaftliche Verflechtungsgrad  der BRD und der
       aus ihm stets erwachsende Disziplinierungsdruck auf die Arbeiten-
       den problematisiert. R. Kuda resümiert die bisherigen strukturpo-
       litischen Ansätze  und die  daraus zu folgernden Umorientierungen
       so: "Die  Existenz eines strukturpolitischen Handlungsbedarfs er-
       gibt sich aus der Zunahme der strukturellen Beschäftigungsrisiken
       und ihrer  Verschärfung durch die Verwertungsstrategien des Kapi-
       tals einerseits,  aus der bedingten Zuverlässigkeit herkömmlicher
       beschäftigungspolitischer Kompensationsmechanismen  im außen- und
       binnenwirtschaftlichen Rahmen  sowie  der  begrenzten  beschäfti-
       gungspolitischen Funktionsfähigkeit überlieferter markt- und kon-
       junkturpolitischer Steuerungsinstrumente  andererseits. Damit ist
       zugleich die generelle Zielrichtung für gewerkschaftliche Überle-
       gungen zur  Strukturpolitik vorgegeben. Sie müssen auf die Ergän-
       zung  der  allgemeinen  Nachfragesteuerung  durch  eine  gezielte
       Struktursteuerung einerseits,  auf die schrittweise Einschränkung
       der unternehmerischen Verfügungsgewalt über Investitionen und Be-
       schäftigung andererseits hinzielen." 17)
       Bei den  von sozialdemokratischer  Seite geäußerten Vorstellungen
       zeigt sich  in vieler  Hinsicht eine Parallele zu gewerkschaftli-
       chen Positionen;  manche Ähnlichkeiten  scheinen allerdings  eher
       verbal zu  sein, die  Nuancierung sozialdemokratischer Positionen
       zur aktiven  Strukturpolitik wechselt  deutlich entsprechend  dem
       jeweiligen Adressatenkreis.  Gelegentlich wird auch die Bedeutung
       der Strukturpolitik  etwas relativiert  und die staatliche Hilfs-
       funktion für  sich bereits andeutende "ökonomische Kräfte" unter-
       strichen. -  Strukturpolitik allein  kann Vollbeschäftigung weder
       gewährleisten noch  herbeiführen, sondern  (nur) die ökonomischen
       Kräfte zur  Erneuerung, Modernisierung, Anpassung und Veränderung
       der volkswirtschaftlichen  Strukturen unterstützen."  18) Als In-
       strumente dieser  Politik werden  die Notwendigkeit  verbesserter
       statistischer Grundlagen  für Diagnosen und Prognosen genannt so-
       wie die Einrichtung von Strukturräten, die regelmäßig eine Struk-
       turberichterstattung vorlegen  und damit  u.a. eine  verbesserte,
       strukurpolitisch zukunftsträchtige  staatliche Ausgaben- und För-
       derungspolitik möglich  machen sollen;  konkret werden Investiti-
       onshilfen, Abschreibungsvorteile,  Steuerentlastungen, gemeinsame
       privatwirtschaftlich-staatliche Unternehmen genannt.
       Daß es  in der  sozialdemokratischen Variante der strukturpoliti-
       schen Konzeption  letztlich um die Unterordnung unter einzelwirt-
       schaftliche, monopolistische  - natürlich am Profit orientierte -
       Entscheidungen geht und die Arbeitsplatzsicherung durch Struktur-
       politik eher  als sekundär  und zufällig eintretende Nebenwirkung
       (die auch ausbleiben kann) betrachtet wird, läßt sich an Äußerun-
       gen führender  Sozialdemokraten  verdeutlichen:  "Unsicherheit...
       muß durch  ein wieder stärker gegenseitiges Vertrauen schaffendes
       Zusammenwirken von  Staat und  Wirtschaft überwunden  werden. Die
       Regierung will  sich dabei  nicht -  wie immer  wieder befürchtet
       wird -  auf Umwegen in dirigistische Funktionen begeben. Sie will
       vielmehr langfristig  die Rahmenbedingungen für Investitionen und
       Innovationen verbessern,  sie will  ein vielfältiges  Angebot für
       unterschiedliche Formen  der Beratung,  der Existenzgründung, des
       Technologie-Transfers, der  Wangnisfinanzierung oder von Krediten
       und Bürgschaften  bereitstellen, die  die unternehmerischen Hand-
       lungsspielräume nicht einengen, sondern stärken sollen." 19)
       Die entsprechenden  Vorstellungen der CDU und der Unternehmerver-
       bände unterscheiden  sich nur  geringfügig von den Positionen der
       SPD. In enger Anlehnung vor allem an die methodischen und theore-
       tischen Prämissen  des neoklassisch orientierten Kieler Weltwirt-
       schaftsinstituts wird  hier die Notwendigkeit des Strukturwandels
       aus der  Theorie der  komparativen Kostenvorteile und der Faktor-
       proportionentheorie abgeleitet.  Da die  spezifischen Kosten- und
       Standortvorteile der  Entwicklungsländer bei  arbeits-  und  roh-
       stoffintensiven Produkten  und Produktionsverfahren liegen, seien
       diese Produktionssparten  in  den  entwickelten  Industrieländern
       entweder definitiv aufzugeben und/oder zu verlagern. Die BRD habe
       sich - gemäß ihrer Faktorausstattung - auf kapital- und technolo-
       gieintensive Produkte  und Verfahren zu konzentrieren. Mit dieser
       Zunahme der  Arbeitsteilung und Spezialisierung werde die Gesamt-
       produktivität gesteigert  und beschleunigtes Wachstum wieder mög-
       lich; je  radikaler, d.h. den Gesetzen und Bedürfnissen privatmo-
       nopolistischer Kapitalexpansion  folgend, der Strukturwandel sich
       durchsetze, um  so weniger Probleme werfe die Freisetzung von Ar-
       beitskräften auf.  "Die bei  der Umstrukturierung  frei werdenden
       industriellen Arbeitskräfte  müssen  im  Dienstleistungssektor...
       untergebracht werden,  soweit sie nicht in den neuen Produktions-
       bereichen Beschäftigung  finden. Dies dürfte bei einer verjüngten
       wettbewerbsfähigen und  damit gewinnbringenden Industrie ohne un-
       überwindbare Schwierigkeiten  erreichbar sein."  20) Eine aggres-
       sive Tonart gegenüber den auf Umverteilung des Weltreichtums zie-
       lenden Forderungen  der  Entwicklungsländer  sowie  die  panische
       Furcht davor, der Staat könne die Strukturpolitik zu "Dirigismus"
       oder gar  "Investitionslenkung" mißbrauchen, gehören zum besonde-
       ren Kolorit dieser Position, die im übrigen fast dieselben Förde-
       rungsinstrumente befürwortet wie die zuvor kurz dargestellte.
       
       V. Charakter und Durchsetzungsgrad einer "neuen" Arbeitsteilung
       ---------------------------------------------------------------
       zwischen der BRD und den Entwicklungsländern
       --------------------------------------------
       
       1. Internationale Monopole als Träger
       -------------------------------------
       der internationalen Arbeitsteilung
       ----------------------------------
       
       Es gehört  zu den  gravierendsten Mängeln  der auf neoklassischen
       Prämissen fußenden  Empfehlungen für einen Wandel in den arbeits-
       teiligen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Entwick-
       lungsländern, daß  die Träger und Organisatoren dieses Prozesses,
       die internationalen  Konzerne, in das analytische Instrumentarium
       der zu Grunde liegenden Theorie nicht eingehen, was ihre Verfech-
       ter aber  nicht davon  abhält, eben diese Konzerne als diejenigen
       Organismen anzupreisen, innerhalb derer eine optimale internatio-
       nale Arbeitsteilung am ehesten gewährleistet werden kann. 21) Man
       wird den Charakter der Modifikationen im System der internationa-
       len kapitalistischen  Arbeitsteilung jedoch kaum erfassen können,
       wenn man nicht davon ausgeht, daß es vor allem Internationalisie-
       rungsprozesse auf monopolistischer Basis sind, die in den aktuel-
       len Umschichtungen  der kapitalistischen  Weltwirtschaft zum Aus-
       druck kommen.  Die internationalen Monopole 22) sind das dominie-
       rende Strukturelement  des  heutigen  kapitalistischen  Weltwirt-
       schaftssystems. Sie  bestimmen auch  den Charakter der außenwirt-
       schaftlichen Verflechtung der BRD mit den Entwicklungsländern.
       Verschiedene Untersuchungen  haben darauf  hingewiesen,  daß  das
       verstärkte Eindringen  der Monopole  der  Bundesrepublik  in  die
       kapitalistische Weltwirtschaft als wichtigstes Merkmal der gegen-
       wärtigen Stufe  der Monopolisierung  des  BRD-Kapitals  angesehen
       werden kann.  23) Zugleich  ist die  internationale Expansion der
       westdeutschen Ökonomie  selbst viel  stärker noch als der binnen-
       wirtschaftliche Bereich  eine  Domäne  des  Monopolkapitals.  Bei
       allen drei  Formen bzw.  Ebenen der Internationalisierung (Außen-
       handel, Direktinvestitionen  / Kapitalexport  und Außlandsproduk-
       tion /  -beschäftigung), an  Hand derer  in diesem  Abschnitt der
       Durchsetzungsgrad  einer   "neuen"  Arbeitsteilung  zwischen  der
       Bundesrepublik und  den  Entwicklungsländern  beschrieben  werden
       soll, lassen  sich Anhaltspunkte  finden, die  es  gerechtfertigt
       erscheinen lassen,  von einem  überdurchschnittlichen  Konzentra-
       tionsgrad bezüglich  der Träger  der  Außenwirtschaftsbeziehungen
       auszugehen. 24)  Bereits Anfang  der 70er  Jahre vereinigten  die
       transnationalen Konzerne  nahezu 50%  des gesamten  industriellen
       Warenexports der  Bundesrepublik auf  sich.  Schätzungsweise  21%
       dieses Exports entfielen auf konzerninterne Lieferungen. 25) Ende
       1975 vereinigten  74 Unternehmen  57% der bis zu diesem Zeitpunkt
       im Ausland angelegten westdeutschen Direktinvestitionen auf sich.
       Die fünf  größten bundesdeutschen Auslandsinvestoren konzentrier-
       ten allein  18% aller  Direktinvestitionen in  ihren Händen.  26)
       Entsprechend  hoch   dürfte  auch   der  Anteil   der  unter  der
       Kommandogewalt westdeutscher  Großunternehmen stehenden Auslands-
       beschäftigten sein.
       Die behauptete  Dominanz der Monopolunternehmen bedeutet freilich
       nicht, daß  sich der  Internationalisierungsprozeß  auf  sie  be-
       schränkt. Daß  heute bereits  eine wachsende  Zahl auch mittlerer
       und kleinerer Unternehmen der BRD von der Internationalisierungs-
       tendenz erfaßt  ist 27),  deutet daraufhin,  daß die Monopole als
       treibende Kräfte  der internationalen  Expansion eine Art Sogwir-
       kung auf oftmals von ihnen abhängige mittlere Unternehmen ausüben
       und z.B.  Zulieferfirmen veranlassen, den Verlagerungsprozeß mit-
       oder nachzuvollziehen.
       
       2. Neue Tendenzen in den Import/Export-Beziehungen
       --------------------------------------------------
       der Bundesrepublik mit der Dritten Welt
       ---------------------------------------
       
       Modifikationen im  System der Arbeitsteilung zwischen der Bundes-
       republik und  den Entwicklungsländern lassen sich zunächst an der
       Entwicklung  der  Außenhandelsbeziehungen  ablesen.  Dabei  zeigt
       sich, daß  das Jahr der "Ölkrise" in verschiedener Hinsicht einen
       Wendepunkt markiert.  Dies betrifft zunächst die absolute und re-
       lative Bedeutung  der Handelsbeziehungen mit der Dritten Welt für
       den gesamten  Außenhandel der  BRD, die  seither - nach einer be-
       ständig rückläufigen Tendenz in den 50er und 60er Jahren - wieder
       zunimmt (vgl.  Tabelle 1). Der Handel mit den Entwicklungsländern
       wächst insgesamt schneller als der mit den entwickelten kapitali-
       stischen Ländern.  Dies führt  dazu, daß  die  Entwicklungsländer
       sowohl als Absatzmarkt als auch - in noch größerem Maße - als Be-
       zugsquelle der BRD-Ökonomie an Bedeutung gewinnen.
       Verschiedene Indikatoren  weisen daraufhin, daß für diese Tendenz
       die Erhöhung der Ölpreise zwar eine wichtige Rolle spielt, jedoch
       nicht als der einzige Faktor zur Erklärung angesehen werden kann.
       E r s t e n s   ist das Wachstum des Außenhandels mit der Dritten
       Welt nicht  auf die  OPEC-Länder beschränkt, sondern zeigt sich -
       wenn auch  in abgeschwächter Form - auch bei den nichterdölprodu-
       zierenden Entwicklungsländern.   Z w e i t e n s   macht sich das
       Wachstum der OPEC-Anteile am Im- und Export sehr unregelmäßig be-
       merkbar; besonders  hoch ist  der OPEC-Anteil  im Jahre 1974 (dem
       Jahr mit den stärksten Preissteigerungen), während er in den fol-
       genden Jahren  wieder zurückgeht.  Für den Charakter der Arbeits-
       teilung zwischen  der BRD  und den  OPEC-Ländern  ist    d r i t-
       t e n s  wichtig, daß die scheinbare Intensivierung der traditio-
       nellen Komplementärstruktur der beiderseitigen Handelsbeziehungen
       langfristig nur  vorübergehender Natur  sein dürfte, da die OPEC-
       Länder ihre  gewachsenen Deviseneinkünfte  verstärkt zum  Einkauf
       von Investitionsgütern  benutzen, was in der starken Erhöhung der
       BRD-Exporte in  die  OPEC-Staaten  zum  Ausdruck  kommt,  -  eine
       Tendenz, die  sich in  jüngster Zeit  allerdings  bereits  wieder
       stark abgeschwächt  hat. Langfristig bedeutet dies, daß in vielen
       OPEC-Ländern Industriepotentiale aufgebaut werden, die in der Zu-
       kunft auch zu einer Verschiebung in der Warenstruktur des Handels
       mit der BRD führen dürften.
       Für die Modifikationen im Spezialisierungsmuster zwischen der BRD
       und den Entwicklungsländern ist es wichtig, die Warenstruktur der
       Im- und  Exporte zu betrachten (vgl. Tabelle 2). Hier tritt deut-
       lich hervor,  daß der Anteil der Fertigwaren an den Entwicklungs-
       länderimporten der  BRD ständig  steigt, wenngleich  die Entwick-
       lungsländer in  überwiegendem Maße immer noch Rohstofflieferanten
       sind. Von  besonderer Bedeutung  ist, daß  die Fertigwarenimporte
       zum allergrößten Teil aus arbeitsintensiv hergestellten Konsumgü-
       tern  bestehen;   "qualifikationsintensive"  Industriewaren  sind
       ebenso wie  Investitionsgüterimporte bislang  ohne große Relevanz
       (vgl. Tabelle 2). 28)
       Bezüglich des  Charakters der Arbeitsteilung zwischen der BRD und
       den Entwicklungsländern läßt sich vor dem Hintergrund dieser Ent-
       wicklungen die  These vertreten,  daß es  in der Tendenz zu einer
       Ablösung der  traditionellen Rolle  der Dritten  Welt,  lediglich
       Quelle der  Rohstoffzufuhr zu  sein, kommt. Mit dem Bedeutungszu-
       wachs der  Entwicklungsländer im Außenhandel der BRD geht einher,
       daß sie  in wachsendem  Maße auch  Fertigwarenlieferanten der BRD
       werden. Irreführend ist es allerdings, diesen Prozeß - wie in der
       neoklassischen Theorie  - als  Wandel von einer komplementären zu
       einer substitutiven Arbeitsteilung zu charakterisieren. Besonders
       an der  Warenstruktur der  Importe zeigt  sich, daß es sinnvoller
       ist, davon zu sprechen, daß sich die Rolle der Entwicklungsländer
       von einer  ausschließlichen Rohstoffperipherie zu einer Rohstoff-
       u n d   Industrieperipherie modifiziert. 29) In bezug auf die In-
       dustriestruktur der  BRD weist  auch diese tendenziell neue Funk-
       tion der Entwicklungsländer in der internationalen Arbeitsteilung
       komplementäre Züge  auf. Sie scheint genau jene Struktur anzuneh-
       men, die  dem beschriebenen staatsmonopolistischen Stukturwandel-
       und Modernisierungskonzept  entspricht: die Dritte Welt tritt als
       Lieferant jener  Industriewaren in  Erscheinung, deren Produktion
       in der  BRD zunehmend unrentabel geworden ist und deren Beibehal-
       tung den  Wachstums- und  Verwertungsprozeß der  Monopole tenden-
       ziell behindert.
       Da die  neuen Momente der Arbeitsteilung zwischen der BRD und den
       Entwicklungsländern den  abhängigen Charakter  des Reproduktions-
       prozesses in den Entwicklungsländer-Ökonomien nicht grundsätzlich
       aufheben, sondern  ihn allenfalls  auf einer neuen Stufe reprodu-
       zieren, ist  es abwegig, davon zu sprechen, daß der "zentrale Ka-
       pitalismus" nicht  länger als  "autozentriert" gelten  könne bzw.
       daß der  Reproduktionsprozeß entwickelter kapitalistischer Länder
       durch die  neue Spezialisierungsstruktur von den Entwicklungslän-
       dern "funktional  abhängig" werde.  30) Zumindest suggeriert eine
       solche Interpretation,  daß es im Zuge der Durchsetzung der neuen
       Elemente in  der internationalen Arbeitsteilung gleichsam gesetz-
       mäßig zur  Herausbildung "interdependenter"  Beziehungen zwischen
       den entwickelten  kapitalistischen Ländern  und den Entwicklungs-
       ländern komme, wobei die asymmetrische und ungleiche Stellung der
       Dritten Welt  in der  internationalen Arbeitsteilung  langfristig
       überwunden werde. Da das "neue" Spezialisierungsmuster viel stär-
       ker noch  als das  "alte" auf  die monopolistische  Kontrolle der
       Technologie durch  die entwickelten  kapitalistischen Länder bzw.
       die internationalen  Monopole hinausläuft,  ist das entscheidende
       Merkmal dieser  Prozesse gerade die Vertiefung und Intensivierung
       der Abhängigkeit  der Dritten Welt von den kapitalistischen Indu-
       striemetropolen.
       Ebenso irreführend  ist es,  den wachsenden  Anteil der  Entwick-
       lungsländer am  Außenhandel entwickelter  kapitalistischer Länder
       als "Reintegration"  in die Weltwirtschaft zu interpretieren. 31)
       Diese Sicht übernimmt unkritisch die neoklassische These, daß der
       Bedeutungsrückgang der Entwicklungsländer im Kontext der Welthan-
       delsströme identisch mit ihrer "Desintegration" aus der kapitali-
       stischen Weltwirtschaft war. 32) Dabei wurde geflissentlich über-
       sehen, daß  für die  Abhängigkeit der  Entwicklungsländer von den
       kapitalistischen Zentren  nicht deren relativer Anteil an der ka-
       pitalistischen Weltwirtschaft,  sondern das  absolute Ausmaß  der
       Durchdringung  ihrer  Volkswirtschaften  durch  die  Agenten  des
       "zentralen Kapitalismus"  ausschlaggebend ist.  Gleichwohl deutet
       der Trendwechsel,  der seit  1973 festgestellt  werden kann,  auf
       eine neue  Stufe der  ökonomischen Verflechtung zwischen den Ent-
       wicklungsländern und der BRD hin.
       Hierin spiegelt  sich selbst noch eine neue Qualität der Interna-
       tionalisierung der  BRD-Ökonomie wider,  die darin besteht, - daß
       sie durch  den Übergang  von der  internationalen  Arbeitsteilung
       zwischen Industriezweigen  zu einer  Arbeitsteilung innerhalb von
       Industriezweigen und  Produktionskomplexen  gekennzeichnet  ist",
       33) In  den arbeitsteiligen  Beziehungen zwischen der BRD und den
       Entwicklungsländern tritt  jedoch deutlich  hervor, daß der Platz
       der Entwicklungsländer im System dieser inter- und intraindustri-
       ellen Arbeitsteilung  gleichsam am  unteren Ende  liegt. Die Ent-
       wicklungsländer erfüllen in diesem System insofern eine abhängige
       Ergänzungsfunktion für  die entwickelten kapitalistischen Länder,
       als sie Produktionszweige übernehmen, die von vornherein zu einem
       großen Teil  exportorientiert sind und daher keine eigenständige,
       an den  inneren Bedürfnissen  orientierte Akkumulationsdynamik in
       Gang setzen können.
       Bei der  Analyse der geschilderten neuen Elemente in der Arbeits-
       teilung darf nicht vergessen werden, daß die Dritte Welt regional
       höchst ungleichmäßig  von  der  neuen  Verflechtungswelle  erfaßt
       wird. Im wesentlichen "profitieren" davon die OPEC-Länder und die
       ost- und  südostasiatischen "Billiglohnländer".  Dies drückt sich
       sowohl in den Rangverschiebungen bei den wichtigsten Handelspart-
       nern der  Bundesrepublik in der Dritten Welt aus (vgl. Tabelle 3)
       als auch  bei der  Betrachtung des Fertigwarenanteils an der Ein-
       fuhr der  Bundesrepublik aus  außereuropäischen  Entwicklungslän-
       dern.
       Den höchsten Fertigwarenanteil an ihren Importen in die Bundesre-
       publik weisen  die Länder  Asiens auf. Ohne Öl beträgt der Anteil
       der Industriewaren an ihren Importen in die Bundesrepublik inzwi-
       schen über  70%. Längst  nicht so  stark wächst dieser Anteil bei
       Lateinamerika, während  die afrikanischen  Länder  offensichtlich
       erhebliche Schwierigkeiten haben, auf dem Industriewarenmarkt der
       BRD stärker Fuß zu fassen (vgl. Tabelle 2). Unter den 20 wichtig-
       sten Einfuhrländern der Bundesrepublik in der Dritten Welt befin-
       den sich  fast ausschließlich erdölexportierende Länder, Staaten,
       deren Wirtschaftsmodell  stark  exportorientiert  ist  (Südkorea,
       Hongkong, Taiwan,  Malaysia usw.) oder aber Länder, die sich nach
       dem Durchlaufen einer Phase der importsubstituierenden Industria-
       lisierung nun im Übergang zum verstärkten Export von Industriewa-
       ren befinden (Brasilien, Argentinien, Kolumbien). 34)
       
       3. Hauptentwicklungslinien westdeutscher Direktinvestitionen
       ------------------------------------------------------------
       in der Dritten Welt
       -------------------
       
       Ein weiterer Gradmesser für die Einbeziehung der Entwicklungslän-
       der in  die Arbeitsteilung mit der Bundesrepublik sind die Direk-
       tinvestitionen westdeutscher  Konzerne. Um  eine  besondere  Form
       handelt es  sich dabei insofern, als sich arbeitsteilige Prozesse
       hier im  Rahmen der  internationalen BRD-Monopole vollziehen. Das
       Ausmaß und  der Charakter der konzerninternen Arbeitsteilung wird
       jedoch in den globalen Angaben der westdeutschen Direktinvestiti-
       onsstatistik über die Branchenstruktur kaum sichtbar.
       Zunächst muß  festgehalten werden,  daß -  gemessen am Umfang der
       Direktinvestitionen -  der Bedeutungszuwachs der Entwicklungslän-
       der im  Außenhandel der  BRD hier  keine Entsprechung findet. Der
       Anteil der  Entwicklungsländer an  den gesamten westdeutschen Di-
       rektinvestitionen im  Ausland hat  sich seit  den 60er Jahren bei
       knapp 30%  stabilisiert (vgl.  Tabelle 4). Die zuweilen vorgetra-
       gene Auffassung, daß seit Mitte der 70er Jahre "eine erneute Ver-
       änderung in  der Aufteilung der Kapitalinvestitionen zwischen im-
       perialistischen und  Entwicklungsländern in Richtung auf eine Er-
       höhung des Anteils der Entwicklungsländer" zu beobachten sei 35),
       findet somit  zumindest für  die Bundesrepublik  keine empirische
       Bestätigung. Legt man nicht die BMWi-Statistik, die die kumulier-
       ten jährlichen  Transaktionswerte ausweist,  zu  Grunde,  sondern
       geht von einer neuen, von der Bundesbank vorgenommenen und an den
       Bilanzunterlagen der  Unternehmen orientierten  Statistik aus, so
       ist der  auf die Entwicklungsländer entfallende Bestand westdeut-
       scher Direktinvestitionen  in den 70er Jahren sogar auf knapp 22%
       des Gesamtbestands  zurückgefallen. 36)  Beide  Erhebungsmethoden
       gelangen zwar  zugegebenermaßen insgesamt  zu Werten, die die Di-
       rektinvestitionen zu  niedrig ausweisen, was aber an den Relatio-
       nen nichts ändern dürfte.
       Allerdings kann  die nach  wie vor  untergeordnete Bedeutung  der
       Entwicklungsländerinvestitionen westdeutscher  Monopole nicht als
       Argument dagegen  ins Feld  geführt werden, daß es gerade die Di-
       rektinvestitionen in der Dritten Welt sind, die als entscheidende
       Vermittlungsglieder der neuen Elemente in der internationalen ka-
       pitalistischen Arbeitsteilung fungieren. 37) Mit Junne 38) können
       sinnvollerweise drei  verschiedene Typen  von Direktinvestitionen
       unterschieden werden,  die gleichzeitig  drei aufeinanderfolgende
       Phasen in  der globalen  Bewegung der  Direktinvestitionen  kenn-
       zeichnen:
       1. Exportorientierte Direktinvestitionen  im Rohstoff-  und Ener-
       giesektor;
       2. Direktinvestitionen im  Sektor der  verarbeitenden  Industrie,
       die binnenmarktorientiert sind;
       3. weltmarkt- ud  exportorientierte Direktinvestitionen im Sektor
       der verarbeitenden Industrie.
       Selbstverständlich tritt  keiner dieser  Typen von Direktinvesti-
       tionen jeweils  in "reiner" Form auf. Gleichwohl dominiert in un-
       terschiedlichen historischen  Phasen jeweils ein Direktinvestiti-
       onstyp. Dies  korreliert jeweils  sehr stark  mit den in den Ent-
       wicklungsländern selbst  verfolgten Entwicklungs- bzw. Industria-
       lisierungsstrategien, was  daraufhinweist, daß  die Bewegung  der
       Direktinvestitionen nicht  nur an  den Bedingungen der Profitpro-
       duktion in  den kapitalistischen  Zentren orientiert ist, sondern
       sich zu  einem gewissen Ausmaß den konkret-historischen Bedingun-
       gen in den Zielländern des Kapitalexports anpassen muß.
       Im Falle der Bundesrepublik waren Bewegung und Zielbestimmung der
       Direktinvestitionen von Beginn an zusätzlich noch dadurch modifi-
       ziert, daß der deutsche Imperialismus aufgrund seiner Niederlagen
       in den  beiden Weltkriegen bis heute keine nennenswerten Positio-
       nen  in   den  Rohstoffsektoren  der  Entwicklungsländer  erobern
       konnte, was  in einem entsprechend niedrigen Anteil dieses Direk-
       tinvestitionstyps an  seinen Gesamtauslandsinvestitionen zum Aus-
       druck kommt.  Um so  stärker war  die Konzentration der westdeut-
       schen Monopole  auf den Sektor der verarbeitenden Industrie (vgl.
       Tabelle 5).  Danach entfielen Mitte 1979 mehr als 72% aller west-
       deutschen Direktinvestitionen  in den Entwicklungsländern auf die
       verarbeitende Industrie. 39)
       Verschiedene Anhaltspunkte  deuten daraufhin,  daß die  westdeut-
       schen Direktinvestitionen  in Entwicklungsländern nach wie vor in
       überwiegendem Maße  dem binnenmarktorientierten  Typ  zuzurechnen
       sind.   E r s t e n s   gibt es  nur minimale Unterschiede in der
       Branchenstruktur der  Direktinvestitionen in kapitalistischen In-
       dustrieländern und Entwicklungsländern. In beiden Fällen dominie-
       ren eindeutig  jene Branchen,  die gemeinhin  zu den  auch in der
       Bundesrepublik    wachstumsträchtigsten     gerechnet     werden.
       Z w e i t e n s  entfällt traditionell ein hoher Anteil der west-
       deutschen Direktinvestitionen  auf solche Entwicklungsländer, die
       über relativ  große und  aufnahmefähige Binnenmärkte verfügen und
       während ihrer Phase der importsubstituierenden Industrialisierung
       günstige Ansatzpunkte  geboten haben  (Lateinamerika, bes. Brasi-
       lien, Argentinien  und Mexiko).   D r i t t e n s  weisen empiri-
       sche Erhebungen darauf hin, daß absatzpolitische Überlegungen im-
       mer noch  bei unternehmerischen  Direktinvestitionsentscheidungen
       eine dominante Rolle spielen. 40)
       Gleichwohl ist  unübersehbar, daß  auch in der Bewegung der west-
       deutschen Direktinvestitionen  in der Dritten Welt die neuen Ele-
       mente der  internationalen Arbeitsteilung  - wenngleich  noch  in
       eher embryonaler Form - zum Tragen kommen.  E r s t e n s  - dar-
       auf wurde  bereits hingewiesen - lassen die globalen Angaben über
       die Branchenstruktur keine Aussagen darüber zu, ob es sich um die
       Verlagerung unvollständiger Produktionszyklen handelt oder um re-
       lativ geschlossene Produktionsprozesse.  Z w e i t e n s  gibt es
       in der  regionalen Verteilung der westdeutschen Direktinvestitio-
       nen innerhalb  der Dritten  Welt einige interessante Verschiebun-
       gen. Erhöht  hat sich das Gewicht der asiatischen Länder, während
       der Anteil  Lateinamerikas zurückgefallen  ist. Auch die Position
       der südeuropäischen Mittelmeerländer als Zielregion der westdeut-
       schen Direktinvestitionen  hat sich  verbessert. Eine  überdurch-
       schnittliche Zuwachsrate  wiesen in  den letzten  Jahren mit fast
       35% jährlich  die sog. ASEAN-Länder auf, die den Typ der exporto-
       rientierten Industrialisierung exemplarisch verkörpern. 41)
       D r i t t e n s   kann beobachtet werden, daß international agie-
       rende BRD-Monopole  ihre Unternehmensniederlassungen auch in tra-
       ditionellen Schwerpunktländern  wie Brasilien  verstärkt als  Ex-
       portbasen zur  Bedienung der  regionalen oder  weltweiten  Märkte
       oder auch  zum Reimport  in die BRD nutzen. Dies kommt auch darin
       zum Ausdruck,  daß Länder  wie Brasilien  in den  letzten  Jahren
       sprunghafte Zuwachsraten  beim Export  aufweisen. Diese  Form der
       Nutzung von  ausländischen Unternehmensniederlassungen  kann  als
       Übergangsform zwischen  dem 2.  und dem 3. Typ der Direktinvesti-
       tionen begriffen werden.
       V i e r t e n s   kann in  letzter Zeit  festgestellt werden, daß
       gerade jene Produkionszweige, in denen die Lohnkostenvorteile der
       Entwicklungsländer besonders stark zum Tragen kommen (Herstellung
       und Verarbeitung  von Leder, Säge- und Holz Verarbeitung, Textil-
       gewerbe, Bekleidungsindustrie,  Herstellung von Schuhen, Musikin-
       strumente, Sportgeräte  und Spielwaren), einen zunehmenden Anteil
       ihrer Kapitalanlagen  in Entwicklungsländern  tätigen, wenngleich
       ihr relatives  und absolutes  Gewicht an  den Direktinvestitionen
       insgesamt noch  niedrig ist.  42)   F ü n f t e n s   schließlich
       liefern auch  die Motivforschungen  des HWWA Anhaltspunkte dafür,
       daß in  letzter Zeit kosten- gegenüber absatzpolitischen Erwägun-
       gen bei  Direktinvestitionsentscheidungen der  Konzerne an Bedeu-
       tung gewinnen. 43)
       
       4. Entwicklungstendenzen von Auslandsproduktion
       -----------------------------------------------
       und Auslandsbeschäftigung
       -------------------------
       
       Wichtige Anhaltspunkte  für die  Herausbildung neuer  Elemente in
       der Arbeitsteilung der Bundesrepublik mit den Entwicklungsländern
       liefert schließlich  die Untersuchung  von Auslandsproduktion und
       Auslandsbeschäftigung im  Bereich der  internationalen  Konzerne.
       Aufschlußreich für  mögliche binnenwirtschaftlicndsproduktion und
       Auslandsbeschäftigung im  Bereich der  internationalen  Konzerne.
       Aufschlußreich für  mögliche binnenwirtschaftliche  Rückwirkungen
       der sich  darin ausdrückenden Internationalisierung des westdeut-
       schen Kapitals  wäre auch ein Vergleich der Entwicklungen von Ex-
       port und Auslandsproduktion, von Investitionsausgaben der BRD-In-
       dustrie im Inland und im Ausland sowie von Auslands- und Inlands-
       beschäftigung. Nicht immer lassen es die verfügbaren Daten jedoch
       zu, den  spezifischen Anteil der Entwicklungsländer an diesen Po-
       sitionen sichtbar zu machen.
       In den  letzten Jahren  ist die  Auslandsproduktion der westdeut-
       schen Konzerne (die gemeinhin am Umsatz der Auslandsniederlassun-
       gen gemessen  wird) ständig  schneller gewachsen  als der Export.
       Nach einer neueren Schätzung entspricht der Wert der Auslandspro-
       duktion der Bundesrepublik seit etwa Mitte der 70er Jahre gut der
       Hälfte des  Wertes der  Exporte. Vergleicht man dies mit der glo-
       balen Auslandsproduktion, die auf das Doppelte der weltweiten Ex-
       porte geschätzt  wird, so  zeigt sich,  daß die BRD-Konzerne ihre
       Außenexpansion immer noch wesentlich stärker als ihre internatio-
       nalen Hauptkonkurrenten auf den Export stützen als auf die Inter-
       nationalisierung der  Produktion. 44)  Gleichwohl kann als sicher
       gelten, daß sich das Gewicht der Auslandsproduktion gegenüber dem
       Warenexport auch  in Zukunft weiter erhöhen wird. Mit dieser Ent-
       wicklung dürfte  eine zumindest teilweise Substitution von Expor-
       ten durch direkte Auslandsproduktion verbunden sein. 45)
       Vor dem  Hintergrund der  ökonomischen Krisenprozesse der letzten
       Jahre und  unter dem Einfluß der staatsmonopolistischen Struktur-
       politik veränderten  sich im Innern der BRD die Zielsetzungen der
       industriellen Investitionen: Während der Anteil der Investitionen
       zur Kapazitätserweiterung von 41% (1973) auf 25% (1978) zurückge-
       gangen ist, hat der Anteil der Investitionen zur Rationalisierung
       und Ersatzbeschaffung  beträchtlich zugenommen. 46) Diesem verän-
       derten Investitionsverhalten  entspricht ein  absoluter  Rückgang
       der abhängig  Beschäftigten in der Bundesrepublik, der schon des-
       halb als  strukturell und nicht nur konjunkturell bedingt angese-
       hen werden  muß, weil die Beschäftigtenanzahl auch nach der Über-
       windung des Tiefpunktes im konjunkturellen Zyklus ihr ursprüngli-
       ches Niveau nicht mehr erreicht. 47)
       Zur Erklärung dieses Phänomens soll hier die These vertreten wer-
       den, daß  Rationalisierung im  Innern und  Produktionsverlagerung
       nach außen  komplementär aufeinander  bezogene Prozesse sind, die
       beide Ausdruck  der durch  verschärfte Konkurrenzbedingungen  be-
       schleunigten Strukturveränderungen der kapitalistischen Weltwirt-
       schaft sind.  48) Beide zielen letztlich auf die Verbesserung der
       Verwertungssituation des  metropolitanen Kapitals, wenngleich da-
       bei unterschiedliche  Methoden angewandt werden. Im Falle von Ra-
       tionalisierungsmaßnahmen handelt  es sich um den Versuch, die re-
       lative Mehrwertproduktion  zu steigern; Produktionsverlagerungen,
       die ebenfalls  auf eine  Senkung des  Kostenanteils für variables
       Kapital zielen, sind demgegenüber - vom Standpunkt des auslagern-
       den Kapitals  - eher  mit der  klassischen Methode der Steigerung
       der absoluten Mehrwertproduktion vergleichbar. Die in diesem Pro-
       zeß auftretenden  "Freisetzungseffekte"  statistisch  einwandfrei
       jeweils getrennt  auf die Rationalisierungsprozesse auf der einen
       und die  Verlagerungstendenzen auf der anderen Seite zurückführen
       zu wollen,  übersieht den  durch die Gesetze der Profitproduktion
       unter den Bedingungen fortschreitender Internationalisierung dik-
       tierten unauflöslichen  Zusammenhang von Modernisierung, interna-
       tionaler Expansion und kapitalistischen Strukturveränderungen.
       Die Entwicklungsländer spielen in diesem Prozeß rückläufiger oder
       tendenziell stagnierender  Beschäftigung im Innern und wachsender
       Subordination von Arbeitskräften im Ausland unter die Kommandoge-
       walt des  westdeutschen Monopolkapitals  insofern eine  besondere
       Rolle, als die dortige Auslandsproduktion besonders arbeitsinten-
       siv ist. Während die Auslandsproduktion in den entwickelten kapi-
       talistischen Staaten eher den gleichen oder ähnlichen Bedingungen
       wie in  der BRD  unterliegt, steht in der Dritten Welt in der Tat
       ein wachsendes  und wohlfeiles  Arbeitskräftepotential bereit, zu
       dessen verstärkter  Nutzung die  internationalen Monopole vor dem
       Hintergrund der wachsenden Zerlegbarkeit von Produktionsprozessen
       und der  Entwicklung der Transport- und Kommunikationstechnologie
       immer besser  in der Lage sind. Es ist deshalb kein Zufall, daß -
       wie sich aus einer neueren Statistik der Deutschen Bundesbank er-
       gibt - ca. 40% der Beschäftigten in den westdeutschen Auslandsun-
       ternehmen auf  die Entwicklungsländer entfallen, obwohl diese nur
       etwas mehr als 20% der westdeutschen Direktinvestitionen auf sich
       vereinigen. 49)  Nach den  Schätzungen von Fröbel/Heinrichs/Kreye
       für die  Mitte der  70er Jahre  beläuft sich  der Anteil der Aus-
       landsbeschäftigten   in   Entwicklungsländern   sogar   auf   46%
       (Industrieländer:  54%).  50)  Insgesamt  beziffern  Fröbel/Hein-
       richs/Kreye die  Anzahl der  Auslandsbeschäftigten der  westdeut-
       schen Industrie  auf 1,5 bis 1,6 Mio. Die Auslands-beschäftigten-
       quote (Anteil der Auslandsbeschäftigten an den Inlandsbeschäftig-
       ten) beziffern sie auf gut 20%. 51)
       Ein besonders  augenfälliges Beispiel  dieser vom  Strukturwandel
       erfaßten Industriezweige ist die westdeutsche Textil- und Beklei-
       dungsindustrie. 52) Anfang der 70er Jahre importierte die BRD ca.
       30% ihres  Textil- und grob 10% ihres Bekleidungsbedarfs. Während
       die Importquote bei Bekleidungsartikeln ständig stieg, gingen die
       Bekleidungsexporte beständig  zurück. Damit verbunden war ein Be-
       schäftigungsrückgang bei Textil und Bekleidung in der Bundesrepu-
       blik um  ca. 37%  zwischen 1960  und 1976.  Im Gefolge davon nahm
       auch der Anteil dieses Zweiges an der Gesamtbeschäftigtenzahl der
       BRD-Industrie von  1960 noch 7,7% auf 1976 nur noch 4,6% (Textil)
       bzw. von  4,4% auf  3,7% (Bekleidung) ab. Gleichzeitig hatten bis
       Mitte der  70erJahre etwa  45% der  in die  Untersuchung von Frö-
       bel/Heinrichs/Kreye einbezogenen  Unternehmen der Textilindustrie
       und etwa  70% der Unternehmen der Bekleidungsindustrie der BRD in
       irgendeiner Form  eine Auslandsfertigung  errichtet. 53) Die Zahl
       der im  Ausland produzierenden Unternehmen der westdeutschen Tex-
       til- und  Bekleidungsindustrie ist  von 60  (1966) über 80 (1970)
       auf etwa 200 (1974/75) angestiegen. Die Zahl der Auslandsbeschäf-
       tigten hat sich im Zuge dieses Auslagerungsprozesses bei der Tex-
       tilindustrie von  ca. 8000  (1966) über  ca. 14200 (1970) auf ca.
       29500 (1974/75)  und bei  der Bekleidungsindustrie  von ca. 15000
       (1966) über  ca. 24 800  (1970) auf schließlich 31 000 (1976) er-
       höht.  Davon   waren  jeweils   etwa   45%   in   ausgesprochenen
       "Niedriglohnländern" beschäftigt.  Nimmt man  passive Lohnverede-
       lungsgeschäfte hinzu, so gab es allein in der Textil- und Beklei-
       dungsindustrie 69 000  bis 80 000 Auslandsbeschäftigte (1974/75).
       Die Auslandsbeschäftigtenzahl des Textil- und Bekleidungsgewerbes
       in der BRD hat sich also in acht bis neun Jahren mehr als verdop-
       pelt, während die Inlandsbeschäftigtenzahl um ein Viertel zurück-
       gegangen ist.
       Von besonderer  Bedeutung in  diesem Zusammenhang  ist der Tatbe-
       stand, daß  knapp die Hälfte der ausländischen Produktionsstätten
       der Textilindustrie (mit etwa 11 000 Beschäftigten) und über zwei
       Drittel der ausländischen Produktionsstätten der Bekleidungsindu-
       strie (mit  18 500 Beschäftigten) überwiegend oder ausschließlich
       für den  BRD-Markt produzieren,  so daß  davon ausgegangen werden
       muß, daß  zumindest in  diesem Bereich  der Strukturdruck auf die
       inländische Textil-  und  Bekleidungsindustrie  zum  großen  Teil
       durch die BRD-Unternehmen selbst produziert worden ist.
       Darüber hinaus  unterliegen jedoch  auch solche  Zweige  dem  be-
       schriebenen Entwicklungstrend,  die im  allgemeinen als besonders
       dynamisch gelten.  Alle drei großen Unternehmen der westdeutschen
       Elektroindustrie z.B.  (Siemens, Bosch,  AEG-Telefunken) haben in
       den Jahren  1971-1976 ihre Inlandsbeschäftigten auch in absoluten
       Zahlen reduziert  , während  die Zahl ihrer Auslandsbeschäftigten
       kräftig zugenommen  hat (vgl. Tabelle 6). Der Siemenskonzern, der
       größte "Arbeitgeber"  im Ausland,  reimportierte schon  im  Jahre
       1971/72 rund  18% der Eigenleistungen seiner Auslandstöchter wie-
       der in  die BRD oder exportierte sie in Drittländer. Ebenso waren
       bereits 13%  der Eigenleistung  der Bosch-Auslandstöchter für den
       Export auf  den Weltmarkt oder in die BRD bestimmt. Die Pläne der
       Elektrofirmen signalisierten  schon damals  eine Erhöhung  dieses
       Anteils, die sich im Beschäftigtenabbau in der BRD niedergeschla-
       gen haben dürfte. 54) Diese Entwicklung ist Ausdruck von sich zu-
       spitzenden strukturellen  Disproportionen  in  der  westdeutschen
       Elektroindustrie, die  in jüngster  Zeit zu einer starken Polari-
       sierung zwischen  weniger und höher qualifizierter Arbeit im Rah-
       men der weltweiten Arbeitsteilung innerhalb der betreffenden Kon-
       zerne geführt  haben. Die  Höherbewertung der DM und der bis 1973
       ungehinderte Zufluß von ausländischen Gastarbeitern (insbesondere
       Arbeiterinnen) hatten  laut einer  Untersuchung des  Kieler Welt-
       wirtschaftsinstituts Teilen  der  westdeutschen  Elektroindustrie
       bis in  die 70er  Jahre hinein  eine Überlebenschance verschafft,
       "die sie  normalerweise in einem so hochentwickelten Land wie der
       Bundesrepublik nicht  gehabt hätten". 55) Sobald diese Sonderfak-
       toren abgebaut  waren, schien die Auslagerung dieser Teilprozesse
       der Elektroindustrie  immer mehr  zur Bedingung  dafür zu werden,
       daß die  Wachstumsträchtigkeit der gesamten Branche erhalten wer-
       den konnte.
       
       VI. Ausblick: Konsequenzen und Perspektiven
       -------------------------------------------
       
       Wenngleich kaum ein Interview, eine Festrede oder programmatische
       Erklärung eines  Politikers der  BRD zu  Problemen der  weltwirt-
       schaftlichen Entwicklung  ohne den Hinweis auf die zukünftige Di-
       mension und  Qualität der  BRD als  überwiegender  Exporteur  von
       Blaupausen und  technologischem "know  how" auskommt, so wird der
       Realitätsgehalt derartiger  Vorstellungen nur  selten  überprüft.
       Selten ist  in diesem  Zusammenhang thematisiert  worden, daß die
       BRD seit  langem wesentlich  mehr Patente und Lizenzen importiert
       als exportiert,  daß also die Patent- und Lizenzbilanz heute noch
       defizitär ist. 55a)
       Auch muß  vor der  Vorstellung gewarnt werden, daß die sogenannte
       aktive und vorausschauende Strukturpolitik schon in nennenswertem
       Umfang realisiert  wird. Nimmt man direkte Finanzhilfen und Steu-
       ervergünstigungen für Betriebe und Wirtschaftszweige als wichtig-
       ste öffentliche  Subventionsformen zusammen,  so zeigt  sich, daß
       die "Erhaltungshilfen"  mit über 50% (ca. 8,5 Mrd. DM) immer noch
       den größten  Posten ausmachen und dieser Anteil sich im Laufe der
       siebziger Jahre (zumindest bis 1976) kaum verringert hat; dagegen
       ist der  Anteil der "Produktivitätshilfen", der noch am stärksten
       dem Konzept  der "aktiven  Strukturpolitik"  entsprechen  dürfte,
       sogar noch  leicht zurückgegangen.  56) Das  schließt  keineswegs
       aus, daß  auf anderen Ebenen die an fortgeschrittener Technologie
       orientierte Strukturpolitik  erheblich  an  Bedeutung  zugenommen
       hat;  die   Forschungsund  Entwicklungsaufwendungen  des  Staates
       stiegen nicht  nur absolut  seit Beginn der sechziger Jahre enorm
       an (1962:  4,5 Mrd.  jährlich, 1974: 24,6 Mrd. jährlich), sondern
       erhöhten auch  ihren Anteil  am Bruttosozialprodukt  von 1,3% auf
       2,4% erheblich. 57)
       Auch die freihändlerischen Postulate, die der aktiven Strukturpo-
       litik im  Bereich der  Außenwirtschaft entsprechen  und letztlich
       eine forcierte  staatliche Förderung der Exportexpansion und/oder
       der Produktionsverlagerung  ins Ausland implizieren, wurden durch
       die BRD keineswegs so konsequent eingehalten wie die Repräsentan-
       ten des  Systems, die  als ideologische Bannerträger des völligen
       Welthandels-Liberalismus schon  den Spott  ihrer Konkurrenten auf
       sich gezogen haben, für sich reklamieren. 58) Eine lückenlose und
       stromlinienförmige Realisierung  des Konzepts der "aktiven Struk-
       turpolitik" stößt  aber nicht nur auf interne Hemmnisse, die auch
       geschwächte Monopole  unter Hinweis auf die Notwendigkeit der Er-
       haltung von  Arbeitsplätzen auszuüben  vermögen (z.B. die gesamte
       Werftindustrie der  BRD!), sondern  natürlich auch  auf  ähnliche
       Verhaltensweisen ausländischer  Monopole und Staaten, die analoge
       Konzepte entwerfen und überdies schon seit längerem in Abwehr und
       Gegenreaktionsstellung gegenüber  den überaus  expansionistischen
       BRD-Monopolen stehen.  Auch spricht  nicht viel gegen die Überle-
       gung, daß  einige fortgeschrittene Entwicklungsländer selbst eine
       ähnliche Strategie einschlagen und der BRD zusätzliche Konkurrenz
       bereiten. 59)
       Zum anderen leidet eine gezielte Technologie- und Strukturpolitik
       auch darunter,  daß sich  eindeutige Erkenntnisse  bzw. Prognosen
       über zukünftige  Wachstumsbranchen, besonders  nachgefragte  Pro-
       dukte und über langfristige Standortvorteile der BRD nicht machen
       lassen: "In den Genuß der Fördermittel sollten eigentlich nur die
       Produktionsbereiche kommen,  von denen  erwartet werden kann, daß
       sie längerfristig  Standortvorteile in  der Bundesrepublik besit-
       zen. Welche  Produktionen das  sein werden,  ist  allerdings  nur
       schwer zu  sagen. Zwar  kann man  heute  jene  Produktionen,  die
       Standortvorteile in der Bundesrepublik verloren haben und die un-
       ter diesem  Aspekt eine  Art Negativliste  des weltwirtschaftlich
       bedingten Strukturwandels  bilden, recht gut identifizieren. Aber
       es ist nicht möglich, mit annähernder Präzision eine Positivliste
       der zukünftigen Wachstumsbranchen zu erarbeiten." 60)
       Aber selbst  wenn die  Strategie  des  "aktiven  Strukturwandels"
       weitgehend realisiert  würde, so  wären mit ihren Resultaten neue
       Schwierigkeiten verbunden.  Trotz der erklärten Absicht, die hohe
       außenwirtschaftliche Verflechtung  bzw. Exportlastigkeit  der BRD
       nicht noch weiter zu befördern, sondern nur konsolidieren zu wol-
       len 61), muß u.E. davon ausgegangen werden, daß eine erfolgreiche
       Realisierung dieses  Konzepts eine Zunahme der außenwirtschaftli-
       chen Verflechtung  bedeutet. Die  Abhängigkeit der BRD-Wirtschaft
       von Nachfragetendenzen  in anderen  Ländern, von politischen Ent-
       scheidungen etc. würde damit weiter steigen; die nationalstaatli-
       che "Steuerbarkeit"  von Konjunkturprozessen,  die ohnehin  nicht
       allzu hoch veranschlagt werden kann, würde noch weiter eingeengt.
       Zum anderen  sind sich viele Beobachter der langfristigen techno-
       logischen Entwicklung  darin einig,  daß in der unmittelbaren und
       mittelfristigen Zukunft der technische Fortschritt bzw. die Nach-
       frage nach den Resultaten des technischen Fortschritts weniger in
       bedeutenden Produktinnovationen  (wie Automobil  oder elektrische
       Küchengeräte etc.)  - begleitet  von Nachfrage- und Einkommensex-
       pansion -  liegen wird,  sondern schwerpunktmäßig in Prozeß- bzw.
       Produktionsinnovationen. 62)  Es darf  angenommen werden, daß von
       beiden Innovationsformen recht unterschiedliche Wirkungen auf das
       Beschäftigungsniveau ausgehen.  - Zwar wird man nicht umstandslos
       Produktinnovation mit  positivem und Prozeßinnovation mit negati-
       vem Beschäftigungseffekt gleichsetzen dürfen; man wird aber fest-
       halten können,  daß eine  beschäftigungssteigernde Wirkung  einer
       Prozeßinnovation an  sehr spezielle Voraussetzungen geknüpft ist,
       die diese  Wirkung in der Regel als wenig realistisch, jedenfalls
       als unrealistischer  als bei  einer Produktinnovation  erscheinen
       lassen... Wenn  Innovationen vom nationalisierenden Typ' dominie-
       ren, kann nicht länger erwartet werden, daß eine wirtschaftspoli-
       tisch unterstützte Verstärkung der Innovationstätigkeit zu Ergeb-
       nissen führt,  wie sie von Endnachfrage-erweiternden Innovationen
       erwartet werden könnten. Förderung der Innovationstätigkeit heißt
       unter solchen  Voraussetzungen primär Förderung von Rationalisie-
       rungsinnovationen. Die  wahrscheinliche Folge einer solchen Poli-
       tik ist  nicht die Sicherung der Beschäftigung, sondern die wirt-
       schaftspolitisch unterstützte Förderung solcher Innovationen, die
       das Arbeitsplatzangebot der Industrie reduzieren." 63)
       Diese allgemein  sich abzeichnende  Tendenz, die auch mit dem Be-
       griff "Entkoppelung  von Wachstum  und Beschäftigung" beschrieben
       wurde, spitzt  sich bei  der weltmarktorientierten  Strategie der
       "aktiven Strukturpolitik"  insofern zu,  als im  Exportsektor die
       größten Produktivitätsfortschritte  gemacht und demzufolge - auch
       bei weiterer  Zunahme der  "Exportquote" - der Tendenz nach sogar
       immer weniger Beschäftigte absorbiert werden können. Der hohe und
       bis Mitte  der siebziger  Jahre wachsende  Anteil der direkt oder
       indirekt für  den Warenexport produzierenden Erwerbstätigen (ihre
       Anzahl stieg  von 1970:  3,8 Mio. auf 1974: 4,5 Mio.) 64) scheint
       sich aufgrund  einer gewissen Polarisierung zwischen dem interna-
       tionalen und dem Binnen-Sektor seit Mitte der siebziger Jahre zu-
       rückzuentwickeln. "Auch  im Aufschwung  1975/76 nahm die Zahl der
       Beschäftigten unmittelbar  zu, aber  nur im  Binnensektor, dessen
       Güter nicht  international gehandelt  werden. Dagegen verlief die
       Entwicklung im  internationalen Sektor  der  westdeutschen  Wirt-
       schaft entgegen  dem früheren Konjunkturmuster; die Beschäftigung
       ging hier weiter zurück", und es muß als fraglich gelten, "ob die
       künftige längerfristige  Beschäftigtenentwicklung im  internatio-
       nalen Sektor  zu einer Beseitigung der Arbeitslosigkeit beitragen
       kann". 65)
       Dieser globale  Befund und  die sich  hieran knüpfende  Hypothese
       sollten zukünftig  verstärkt auf den verschiedenen Ebenen der au-
       ßenwirtschaftlichen Verflechtungen  der  BRD  untersucht  werden:
       Verstärkte Importkonkurrenz,  fortgesetzter hoher  Kapitalexport,
       Forcierung der  Auslandsproduktion, z.T.  mit dem  Ziel des Reim-
       ports oder des Exports in dritte Länder (was ebenfalls einen Weg-
       fall von  heimischen Arbeitsplätzen  bedeutet) - auf allen diesen
       Ebenen kommt es offensichtlich zur "Freisetzung" von Arbeitskräf-
       ten in einem Ausmaß, das durch den Ausbau des technologieintensi-
       ven Exportsektors  nicht kompensiert werden kann. 66) Einer eini-
       germaßen genauen Schätzung dieser Entwicklungen stehen eine große
       Zahl von  Schwierigkeiten entgegen,  die daraus  resultieren, daß
       für die  Erfassung von  bestimmten Zusammenhängen  - wie z.B. des
       Verhältnisses von  Außenhandel und Beschäftigung oder der Wirkun-
       gen von Direktinvestitionen auf den Außenhandel - einerseits bis-
       lang kaum theoretische Vorarbeiten vorliegen, während auf der an-
       deren Seite  methodische Schritte  und ihre  empirische Einlösung
       auf sehr stark disaggregierten Größen aufbauen müßten.
       
       Tabellenanhang:
       ---------------
       
       Tabelle 1:
       Anteile  der  Ländergruppen  am  Außenhandel  der  Bundesrepublik
       Deutschland nach Herstellungs- und Verbrauchsländern in Prozent
       
                            Export
                                1973  1974  1975  1976  1977  1978  1979
       Kapitalist. Industrieländer
                                82,2  78,9  75,4  76,6  76,5  76,8  79,4
       Entwicklungsländer       11,5  13,9  16,5  16,9  17,1  16,7  14,3
       Afrika                    2,9   3,3   4,1   4,3   4,9   4,4   3,8
       Lateinamerika             3,6   4,4   4,0   3,4   3,5   3,2   3,1
       Asien                     5,0   6,2   8,3   8,5   8,7   8,8   7,4
       Ozeanien                  0,0   0,0   0,0   0,0   0,0   0,0   0,0
       OPEC-Länder               3,4   4,5   7,5   8,1   9,1   8,6   6,1
       Übrige EL                 9,1   9,4   8,9   8,1   8,0   8,1   8,2
       Sozialistische Länder     6,1   6,9   7,9   6,8   6,1   6,2   6,0
                            Import
       Kapitalist. Industrieländer
                                78,9  72,9  75,2  74,5  74,6  76,8  75,8
       Entwicklungsländer       16,5  22,4  20,0  20,5  20,4  18,0  18,6
       Afrika                    5,4   8,0   6,6   6,6   6,5   5,4   6,1
       Lateinamerika             4,1   3,9   3,6   3,7   4,3   3,8   3,6
       Asien                     6,7  10,3   9,5   9,9   9,5   8,5   8,8
       Ozeanien                  0,0   0,0   0,0   0,0   0,0   0,0   0,0
       OPEC-Länder               7,2  13,3  11,0  11,0  10,0   8,0   9,1
       Übrige EL                 9,3   9,1   9,0   9,5  10,5  10,0   9,4
       Sozialistische Länder     4,6   4,7   4,7   4,9   4,8   5,2   5,5
       _____
       Quelle: Statistisches Jahrbuch  der  Bundesrepublik  Deutschland,
       div. Jg.: WiSta 2/80; eigene Berechnungen.
       
       Tabelle 2a:
       Außenhandel der  Bundesrepublik Deutschland mit außereuropäischen
       Entwicklungsländern  nach  Warengruppen  1972"1978  zu  laufenden
       Preisen 1)
       
                           1972        1975        1976        1978
       
       Warengruppe       Mio. Anteil Mio. Anteil Mio. Anteil Mio. Anteil
                         DM   in %   DM   in %   DM   in %   DM   in %
                                Einfuhr
       Ernährungswirtschaft
                         5255  26,8  6508  17,7  8001  17,6  9872  22,6
        Lebende Tiere       6   0,0     8   0,0     8   0,0     8   0,0
        Nahrungsmittel   3752  19,1  4906  13,3  5117  11,3  6238  14,3
         Nahrungsmittel tierischen
         Ursprungs       1030   5,2   582   1,6   725   1,6   862   2,0
         Nahrungsmittel pflanzlichen
         Ursprungs       2722  13,9  4324  11,7  4392   9,7  5376  12,3
        Genußmittel      1497   7,6  1596   4,3  2875   6,3  3626   8,3
       Gewerbliche
       Wirtschaft       14313  72,9 30209  82,0 37258  82,0 33571  76,9
        Rohstoffe        9860  50,2 22239  60,4 26519  58,4 20788  47,6
        Halbwaren        1561   7,9  2124   5,8  2973   6,5  3453   7,9
        Fertigwaren      2892  14,7  5845  15,9  7766  17,1  9330  21,4
         Vorerzeugnisse  1119   5,7  1318   3,6  1747   3,8  2228   5,1
         Enderzeugnisse  1773   9,0  4527  12,3  6019  13,2  7102  16,3
       insgesamt 2)     19635 100,0 36840 100,0 45444 100,0 43686 100,0
                                Ausfuhr
       Ernährungswirtschaft
                          489   2,9   976   2,7  1116   2,7  1584   3,3
       Gewerbliche
       Wirtschaft       16475  96,9 35401  97,1 40610  97,1 45725  96,3
        Rohstoffe         100   0,6   212   0,6   233   0,6   303   0,6
        Halbwaren         880   5,2  1601   4,4  1453   3,5  2023   4,3
        Fertigwaren     15496  91,1 33588  92,1 38924  93,0 43399  91,4
         Vorerzeugnisse  2633  15,5  5313  14,6  5390  12,9  6508  13,7
         Enderzeugnisse 12863  75,7 28275  77,6 33535  80,2 36891  77,7
       insgesamt 2)     17004 100,0 36457 100,0 41835 100,0 47461 100,0
       _____
       1) Herstellungs- bzw. Verbrauchsländer
       2) in der  Gesamtein- bzw. -ausfuhr sind Rückwaren und Ersatzlie-
       ferungen enthalten;  diese fehlen bei den Angaben für die einzel-
       nen Warengruppen
       Quelle: Tabellenanhang zum  Vierten Bericht zur Entwicklungspoli-
       tik der Bundesregierung, Bonn, März 1980, S. 118.
       
       Tabelle 2b:
       Anteil der Industriewaren (SITC 5-8) an der Einfuhr der Bundesre-
       publik Deutschland  aus außereuropäischen  Entwicklungsländern in
       Prozent
       
                            1972             1976             1978
                       mit Öl  ohne Öl  mit Öl  ohne Öl  mit Öl  ohne Öl
       
       Insgesamt        21,0    33,4     20,8    42,9     24,8    43,7
       Afrika            7,4    18,4      6,0    21,3      7,5    21,2
       Lateinamerika    19,4    20,4     20,4    22,4     20,1    22,3
       Asien            34,8    59,3     30,9    68,6     38,3    70,3
       _____
       Quelle: Statistisches  Jahrbuch der  Bundesrepublik  Deutschland,
       div. Jg.; eigene Berechnungen.
       
       Tabelle 3:
       Rangpositionen von  20 außereuropäischen  Entwicklungsländern bei
       der Einfuhr in die Bundesrepublik Deutschland in Mio. DM
       
                                  1973          1976          1978
       Land                    Rang   Mio.   Rang   Mio.   Rang   Mio.
       
       Iran                     4   1.686,5   2   4.983,5   1   4.214,8
       Libyen                   1   2.222,3   1   5.272,3   2   3.416,5
       Saudi Arabien            3   1.923,3   3   4.516,0   3   3.033,4
       Nigeria                  7   1.074,5   5   2.453,8   4   2.450,1
       Algerien                 5   1.409,0   4   2.881,5   5   2.341,2
       Brasilien                2   1.946,5   6   2.414,6   6   2.299,8
       Hongkong                 6   1.134,6   7   2.285,8   7   2.212,3
       Argentinien              8   1.031,8  11     892,1   8   1.490,0
       V.A. Emirate             9     651,7   8   1.737,8   9   1.395,7
       Südkorea                 -     297,8  10   1.017,5  10   1.356,5
       Taiwan                  10     608,0   9   1.093,8  11   1.320,0
       Kolumbien               14     408,3  12     842,3  12   1.204,3
       Malaysia                12     440,2  13     776,1  13     907,1
       Israel                  15     406,7  17     562,0  14     816,2
       Chile                   11     489,0  14     760,3  15     781,2
       Thailand                 -     223,5  20     502,6  16     765,4
       Indien                  18     339,7  15     750,1  17     764,6
       Elfenbeinküste          13     426,7   -     482,3  18     733,7
       Indonesien              16     370,9  18     535,8  19     703,0
       Philippinen             19     323,0  16     609,4  20     655,2
       _____
       Quelle: Statistisches Jahrbuch  der  Bundesrepublik  Deutschland,
       div. Jg.
       
       Tabelle 4:
       Regionale Verteilung  der  westdeutschen  Direktinvestitionen  in
       Mrd. DM und Prozent (Bestandswerte)
       
                                1970       1975       1977       1979 a)
                             Mrd.   %   Mrd.   %   Mrd.   %   Mrd.   %
       
       Insgesamt             21,1 100,0 42,0 100,0 52,1 100,0 61,6 100,0
       Industrieländer       14,9  70,6 29,7  70,7 36,4  69,9 43,9  71,3
       Entwicklungsländer     6,2  29,4 12,3  29,3 15,7  30,1 17,6  28,6
       Afrika b)              1,2   5,7  2,6   6,2  3,1   5,9  -     -
       Lateinamerika          3,7  17,5  5,5  13,1  7,3  14,0  -     -
       Brasilien              1,5   7,0  2,9   6,9  4,0   7,8  4,8   7,8
       Asien                  0,4   2,0  1,4   3,3  2,0   3,8  -     -
       ASEAN-Länder c)        0,04  0,2  0,2   0,5  -     -    0,5   0,8
       _____
       a) Stand: 30.6.1979
       b) einschließlich Südafrika
       c) Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, Philippinen
       Quelle: BMWi-Statistik nach H. Krägenau, Internationale Direktin-
       vestitionen, Ergänzungsband  1978/79, Hamburg  1979; ifo-Schnell-
       dienst, 4/1980; eigene Berechnungen.
       
       Tabelle 5:
       Branchenstruktur der  westdeutschen Direktinvestitionen  in Indu-
       strie- und Entwicklungsländern in Prozent (Bestandswerte)
       
                            1971        1976        1977        1979a)
                          IL    EL    IL    EL    IL    EL    IL    EL
       
       Industrie         84,2  82,8  80,1  69,2  79,0  71,0  77,5  72,2
        Erdölgewinnung
        und -verarbeitung 4,1   4,3   5,3   8,8   5,5   9,0   5,4   8,5
        Chemie           24,0  20,7  19,4  17,2  18,7  16,4  17,0  15,9
        Elektrotechnik   12,1  10,4  10,7  10,1  10,7  11,1   9,5  11,4
        Eisen/Stahl       6,1   5,9   9,6   4,3   9,2   4,4  10,5   4,5
        Automobilindu-
        strie             7,7  12,7   5,3   8,2   5,3   9,0   5,2   9,1
        Maschinenbau      7,1   7,4   8,6   6,6   8,1   6,9   7,7   8,0
       Dienstleistungs-
       sektor            12,3  16,1  17,2  29,4  18,4  27,7  19,3  26,7
       Sonstige           3,5   1,1   2,7   1,4   2,6   1,3   3,2   1,1
       _____
       a) Stand 30.6.1979
       Quelle: BMWi-Angaben nach H. Krägenau, Internationale Direktinve-
       stitionen, Ergänzungsband  1978/79,  Hamburg  1979;  ifo-Schnell-
       dienst, 4/1980.
       
       Tabelle 6:
       Beschäftigungsentwicklung bei  wichtigen BRD-Konzernen  im Inland
       und im Ausland 1971-1976, in 1000 und Veränderung in Prozent
       
       Konzern                1971     1975     1976  Veränderung 1971
                                                        - 1976 in %
                              Beschäftigte im Inland
       
       AEG-Telefunken          146      133      132       -9,6
       BASF                     78       89       89       14,1
       Bosch                    90       70       72      -20,0
       Daimler Benz            127      129      133        4,7
       Hoechst                  97      105      104        7,2
       Mannesmann a)            73       85       84       15,1
       Siemens b)              234      207      208      -11,1
       Volkswagen              160      118      124      -22,5
                              Beschäftigte im Ausland
       AEG-Telefunken           21       29       30       42,8
       BASF                     15       23       24       60,0
       Bosch                    25       35       34       36,0
       Daimler Benz             20       27       28       40,0
       Hoechst                  45       77       79       75,5
       Mannesmann a)            12       23       25      108,3
       Siemens b)               72       89       96       33,3
       Volkswagen               42       59       59       40,5
       _____
       a) ab 1973 mit Demag
       b) ab 1976 mit Osram
       Quelle: F. Fröbel/J.  Heinrichs/O. Kreye, Die neue internationale
       Arbeitsteilung, Reinbek  bei Hamburg 1977, S. 392; eigene Berech-
       nungen.
       
       _____
       1) Zum empirischen  Beleg dieser Tendenzen vgl. u.a. E. Lüdemann,
       Die Wirtschaft  der kapitalistischen Länder in Zahlen (= IPW-For-
       schungshefte, 4/1977), S. 24 ff.
       2) Vgl. ebenda, S. 25.
       3) So wird  z.B. fast  durchgängig argumentiert  in:  H.  Besters
       (Hg.), Strukturpolitik - wohin? Technologischer Interventionismus
       versus marktwirtschaftliche  Ordnungspolitik,  Baden-Baden  1978.
       Grundlegend für die neue Diskussion um Strukturwandel in der BRD:
       Kommission für  wirtschaftlichen und sozialen Wandel, Wirtschaft-
       licher und  sozialer Wandel  in der  Bundesrepublik  Deutschland,
       Göttingen 1977; vgl. den kritischen Kommentar von A. Oppolzer in:
       Soziologische Revue,  Jg. 1/1978,  S. 245"255.  Als knappen Über-
       blick siehe: D. Ehrig, Sektorale Strukturpolitik - ein Ausweg aus
       der Krise?, in: Das Argument, Nr. 120/1980, S. 225-234.
       4) Vgl. dazu  u.a.: D.  Boris, Neuere Entwicklungen im System des
       Neokolonialismus der  Bundesrepublik  Deutschland,  in:  IMSF/AIB
       (Hg.), Neokolonialismus der BRD und antiimperialistischer Befrei-
       ungskampf, Frankfurt/M.  1979, S.  17-35 sowie  R. Falk, Zwischen
       Krisenmanagement und  langfristiger Systemsicherung. Zur Entwick-
       lungspolitik der  Bundesregierung, in:  Blätter für  deutsche und
       internationale Politik, Nr. 6/1979, S. 676-686 und Nr. 7/1979, S.
       852-867.
       5) Vgl. den  hierzu grundlegenden  Aufsatz: G. Fels, Spezialisie-
       rungsmuster in  der Arbeitsteilung  zwischen Industrie-  und Ent-
       wicklungsländern, in: Die Weltwirtschaft, Heft 1/1971, abgedruckt
       in: BMZ  (Hg.), Entwicklungspolitik.  Materialien, Nr.  19, Bonn,
       September 1971, S. 1-22.
       6) Vgl. z.B.  für dieses neue Verständnis von Strukturpolitik: H.
       Tank, Weltwirtschaftliche Veränderungen und ihre Konsequenzen für
       die Strukturpolitik, Opladen 1977.
       7) V. Hauff/F. Scharpf, Modernisierung der Volkswirtschaft. Tech-
       nologiepolitik als Strukturpolitik, Frankfurt/M., Köln 1975.
       8) Vgl. R.  Thoss, Von  der globalen zur strukturellen Steuerung,
       in: H. Markmann/D.B. Simmert (Hg.), Krise der Wirtschaftspolitik,
       Köln 1978,  S. 231"250, sowie: H. Arndt, Arbeitslosigkeit und In-
       flation in der Weltwirtschaft, in: ebenda, S. 401-414.
       9) Nach: R.  Krengel, Drastische  Verschlechterung des Altersauf-
       baus und des Modernisierungsgrades des industriellen Anlagevermö-
       gens in  der Bundesrepublik  Deutschland, in:  Vierteljahreshefte
       zur Wirtschaftsforschung, Heft 1/1978, S. 22-25.
       10) Ebenda, S. 25.
       11) H. Zschocke,  Widersprüche bei der kapitalistischen Durchset-
       zung des  industriellen Strukturwandels  unter den  gegenwärtigen
       Bedingungen, in: IPW-Forschungshefte, 4/1973, S. 69.
       12) Vgl. ebenda, S. 73.
       13) Vgl. Materialien  Forum SPD,  Vorausschauende Strukturpolitik
       für Vollbeschäftigung und humanes Wachstum, Bonn 1977, S. 10.
       14) Vgl. Hauff/Scharpf, a.a.O., S. 91 f.
       15) H.O. Vetter,  Die Haltung der Arbeiterschaft zu den Problemen
       der Entwicklungsländer,  in: J. Tinbergen (Hg.), Der Dialog Nord-
       Süd, Frankfurt/M., Köln 1977, S. 138.
       16) Vgl. IG  Metall (Hg.),  Strukturelle  Arbeitslosigkeit  durch
       technologischen Wandel, Frankfurt/M. 1977, S. 12 und 127.
       17) R.F. Kuda,  Strukturpolitik und Gewerkschaften, in: Krise der
       Wirtschaftspolitik, a.a.O., S. 354.
       18) SPD-Forum, a.a.O., S. 6.
       19) H. Matthöfer,  Möglichkeiten und Grenzen der Finanz- und Wäh-
       rungspolitik in  der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Lage, in:
       A. Nau (Hg.), Wirtschaft International, Bonn 1978, S. 32.
       20) J.G. Todenhöfer,  Wachstum für alle. Plädoyer für eine Inter-
       nationale Soziale Marktwirtschaft, Stuttgart 1978.
       21) Vgl. zur  Kritik der  neoklassischen Thesen über die interna-
       tionale Arbeitsteilung  u.a.: K.  Wohlmuth, Ungleiche Arbeitstei-
       lung und abhängige Reproduktion, in: A. Schmidt (Hg.), Strategien
       gegen Unterentwicklung.  Zwischen Weltmarkt und Eigenständigkeit,
       Frankfurt/M., New York 1976, S. 101-131.
       22) Zur  Definition   der  Begriffe   "internationale  Monopole",
       "internationale Konzerne",  "transnationale Konzerne" und "multi-
       nationale Konzerne" vgl. IPW (Hg.), Internationale Monopole, Ber-
       lin 1978,  S. 20f. Die internationalen Monopole kontrollierten zu
       Beginn der  70er Jahre mehr als 50% der Industrieproduktion, etwa
       zwei Drittel  des Exports  und mehr  als  20%  des  Bruttosozial-
       produkts der kapitalistischen Welt. Vgl. ebenda, S. 206.
       23) Vgl. z.B. H. Tammer, BRD-Monopole auf Kurs zu internationalen
       Dimensionen, Frankfurt/M. 1974.
       24) Dabei muß  allerdings darauf hingewiesen werden, daß der Kon-
       zentrationsgrad im außenwirtschaftlichen Bereich bislang kaum Ge-
       genstand der empirischen Wirtschaftsforschung gewesen ist.
       25) Wirtschaftsdienst,  1/1975   nach:  Internationale  Monopole,
       a.a.O., S. 217.
       26) Vgl. R. Jungnickel/H. Krägenau/M. Lefeldt/M. Holthus, Einfluß
       multinationaler Unternehmen  auf  Außenwirtschaft  und  Branchen-
       struktur der  Bundesrepublik Deutschland,  Hamburg 1977, S. 28 f.
       Eine kürzlich  erschienene Erhebung der westdeutschen Direktinve-
       stitionen in  Entwicklungsländern nach Umsatzgrößenklassen ergab,
       daß es  sich bei  94% aller  Firmen, die bis heute in der Dritten
       Welt investitiert  haben oder  Investitionen für die Zukunft pla-
       nen, um  Großunternehmen handelt. Vgl. A.J. Halbach, Deutsche Di-
       rektinvestitionen: Entwicklungsländer  bleiben  interessant,  in:
       ifo-Schnelldienst, 4/1980, S. 14.
       27) Vgl. dazu  ausführlich: F.  Fröbel/J. Heinrichs/O. Kreye, Die
       neue internationale Arbeitsteilung. Strukturelle Arbeitslosigkeit
       in den  Industrieländern und  die Industrialisierung der Entwick-
       lungsländer, Reinbek  bei Hamburg  1977. Eine besondere Rolle bei
       der staatlichen  Stimulierung des  "mittelständischen" Kapitalex-
       ports in  die Dritte  Welt will  die Deutsche Entwicklungsgesell-
       schaft spielen. Vgl. dazu: ebenda, S. 199 ff.
       28) Siehe dazu  näheres bei:  G. Simonis,  Die Bundesrepublik und
       die neue internationale Arbeitsteilung, in: Leviathan, 1/1979, S.
       36-56, hier  zitiert nach  einer ausführlicheren hektographierten
       Fassung, Konstanz 1978, S. 21 ff.
       29) Vgl. dazu  auch: H. Schilling, Krise und Verfall des imperia-
       listischen Kolonialsystems, Berlin 1977, S. 56.
       30) So z.B. Simonis, a.a.O., S. 11.
       31) Vgl. ebenda, S. 12.
       32) Typisch ist hier: Fels, a.a.O.
       33) Internationale Monopole, a.a.O., S. 215.
       34) entfällt.
       35) So auch  die Autoren  des  Buches:  Internationale  Monopole,
       a.a.O., S. 235. Ähnlich: W. Olle/W. Schoeller, Auslandsproduktion
       und strukturelle  Arbeitslosigkeit, in: Prokla, 29/4/1977, S. 114
       ff. In  der Regel werden solche Aussagen nur durch besonders hohe
       Zuwachsraten  der  Entwicklungsländerinvestitionen  in  einzelnen
       Jahren abgestützt,  wobei vorübergehende  Steigerungen unzulässig
       in die Zukunft extrapoliert werden.
       36) Vgl. dazu:  Stand der  Direktinvestitionen Ende 1976, in: Mo-
       natsberichte der Deutschen Bundesbank, 4/1979, S. 26-40, und: Die
       Auslandsverflechtung der  Unternehmen Ende  1977,  in:  Monatsbe-
       richte der Deutschen Bundesbank, 4/1980, S. 22-35.
       37) Vgl. auch Olle/Schoeller, a. a. O., S. 114.
       38) Vgl. G.  Junne, Typen,  Gründe und  regionale Verteilung  der
       Auslandsdirektinvestitionen in  Entwicklungsländern, in: D. Seng-
       haas/U. Menzel  (Hg.), Multinationale  Konzerne und  Dritte Welt,
       Opladen 1976, S. 11-29.
       39) Vgl. Halbach, a.a.O., S. 13.
       40) Vgl. Jungnickel/Krägenau/Lefeldt/Hohhus, a.a.O., S. 71.
       41) Vg. Halbach, a.a.O., S. 12.
       42) Vgl. dazu:  J.P. Agarwal,  Zur Struktur der westdeutschen Di-
       rektinvestitionen in  Entwicklungsländern - Einfluß von Außenhan-
       delsverflechtung und  relativen  Lohnkosten,  in:  Die  Weltwirt-
       schaft, Heft  1/1978, S. 117. Vgl. auch die umfänglichen Erhebun-
       gen über  die Auslandsinvestitionen  der westdeutschen Textil-und
       Bekleidungsindustrie bei:  Fröbel/Heinrichs/Kreye, a.a.O.,  S. 69
       ff.
       43) Vgl. M.  Holthus (Hg.),  Die deutschen multinationalen Unter-
       nehmen. Der Internationalisierungsprozeß der deutschen Industrie,
       Frankfurt/M. 1974, S. 158.
       44) Vgl. dazu:  H. Krägenau,  Internationale Direktinvestitionen,
       Ergänzungsband 1978/79, Hamburg 1979. S. 92 f.
       45) Zur Diskussion  zum Zusammenhang  zwischen Auslandsproduktion
       und Export  vgl. auch: H.G. Kiera. Die Wirkungen deutscher Direk-
       tinvestitionen auf  den deutschen  Außenhandel, in:  Mitteilungen
       des Rheinisch-Westfälischen  Instituts für  Wirtschaftsforschung,
       Nr. 3/1976, S. 195-216.
       46) Vgl. dazu  die alljährlichen Erhebungen des Ifo-Instituts in:
       ifo-Schnelldienst, lfd.
       47) Vgl. zu diesem Phänomen: J. Huffschmid, Entkoppelung von Kon-
       junktur und  Beschäftigung. Eine  wirtschaftliche  Zwischenbilanz
       fünf Jahre  nach der  "Ölkrise", in: Blätter für deutsche und in-
       ternationale Politik, 1/1979, S. 69-86.
       48) Vgl.  auch  die  Argumentation  bei:  Fröbel/Heinrichs/Kreye,
       a.a.O., S. 35 und 210.
       49) Vgl. Stand der Direktinvestitionen Ende 1976, a.a.O., S. 34.
       50) Vgl. Fröbel/Heinrichs/Kreye, a.a.O., S. 296.
       51) Ebenda, S. 390.
       52) Im folgenden  werden einige  Ergebnisse der  Studie von  Frö-
       bel/Heinrichs/Kreye, S. 71 ff., wiedergegeben.
       53) Berücksichtigt sind  hier über  50% des  Textil- und  Beklei-
       dungsgewerbes der  BRD, vor  allem Großunternehmen; erfaßt wurden
       50 bis 75% der existierenden Auslandsfertigung.
       54) Vgl. Holthus, a.a.O., S. 67 f.
       55) F. Weiss, Strukturveränderungen in der westdeutschen Elektro-
       industrie, in: Die Weltwirtschaft, Heft 1/1975, S. 146.
       55a) Vgl. Tank, a.a.O., S. 38 ff.
       56) Vgl. Todenhöfer, a.a.O., S. 190 f.; allerdings weisen - lang-
       fristig gesehen - die "Produktivitätshilfen" die höchste Zuwachs-
       rate auf.  Vgl. hierzu:  Autorenkollektiv,  Strukturveränderungen
       und staatsmonopolistisches Finanzsystem, Berlin 1978, S. 131.
       57) Hauff/Scharpf, a.a.O., S. 68.
       58) Vgl. die  Beispiele hierfür  bei: D. Kebschull, Der Außenhan-
       delsspielraum wird  enger, in:  Wirtschaftsdienst, VIII/1978,  S.
       412.
       59) Vgl. den  Hinweis bei:  H. Dicke  u.a., Beschäftigungswirkung
       einer verstärkten  Arbeitsteilung zwischen der Bundesrepublik und
       den Entwicklungsländern, Tübingen 1976, S. 6.
       60) Ebenda, S. 147 f. Siehe auch: Kalmbach, a.a.O., S. 396 f.
       61) Vgl. Hauff/Scharpf, a.a.O., S. 119.
       62) Vgl. L.  Scholz, Strukturprobleme  und ihre Überwindung durch
       Innovationspolitik als  Vollbeschäftigungspolitik,  in:  Struktu-
       relle Arbeitslosigkeit  durch technologischen  Wandel?, a.a.O, S.
       94.
       63) Kalmbach, a.a.O., S. 394 ff.
       64) Vgl. R.  Stäglin/H. Wessels,  Abhängigkeit  der  Wirtschafts-
       zweige in  der Bundesrepublik  Deutschland von  der Warenausfuhr,
       in: Materialien  zur Tagung  Krise und Reform in der Industriege-
       sellschaft, Frankfurt/M. 1976, S. 274.
       65) H. Dicke/B. Heitger, Beschäftigungschancen in der Bundesrepu-
       blik Deutschland  - Internationaler  Sektor versus  Binnensektor,
       in: Die  Weltwirtschaft, Heft  l /1977,  S. 97.  Vgl. auch: D. E.
       Louda, Beschäftigungseffekte  des Außenhandels,  in: Mitteilungen
       aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Heft 3/1977,S.385.
       66) So kommt  z.B. eine  Schätzung zu  folgendem Ergebnis: - Wird
       davon ausgegangen,  daß in der Bundesrepublik auf Grund der fort-
       schreitenden Arbeitsteilung  mit den  Entwicklungsländern und der
       damit verbundenen Importkonkurrenz 600 000 Arbeitsplätze verloren
       gehen, daß der Verlagerung der Produktion und der Exportsubstitu-
       tion zusätzlich etwa 400000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen können
       und daß  der Radonalisierungsschub  zur Einsparung einer weiteren
       Million Arbeitsplätze  führt, dann wird deutlich, daß in der Bun-
       desrepublik die  Zahl der  registrierten Arbeitslosen  leicht auf
       über 4  Millionen ansteigen kann, d. h. auf eine Arbeitslosenrate
       von über  15 Prozent,  also auf mehr als das Dreifache der gegen-
       wärtigen Rate."  (G. Junne,  Internationalisierung und Arbeitslo-
       sigkeit. Interne Kosten des "Modells Deutschland", in: Leviathan,
       1/1979, S. 76)
       

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