Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980


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       ENTWICKLUNGSBEDINGUNGEN UND FAKTOREN
       ====================================
       POLITISCHEN KLASSENBEWUSSTSEINS
       ===============================
       
       Ergebnisse einer empirischen Studie über junge Mitglieder
       ---------------------------------------------------------
       in der DKP
       ----------
       
       Dirk Hänisch
       
       I. Vorbemerkung - II. Fragestellung, Methode und Auswahlverfahren
       - 1. Fragestellung und Probleme - 2. Methode und Auswahlverfahren
       - III.  Das soziale  Profil -  1. Allgemeine Angaben - 2. Soziale
       Herkunft -  3. Sozialstruktur  und schulische  Qualifikation - 4.
       Daten zur  Betriebsgrößenstruktur -  IV. Politische Sozialisation
       durch das  Elternhaus -  1. Politische Einstellungen der Eltern -
       2. Zusammenhang  zwischen sozialer  Stellung und politischer Auf-
       fassung der  Eltern -  3. Organisationsgrad der Eltern - 4. Moti-
       vierende Einflüsse  der Eltern - V. Die Bedeutung der Freunde und
       des sozialen  Umfeldes für  die politische  Motivierung - VI. Die
       Bedeutung der  gesellschaftlichen Aktivitäten junger Mitglieder -
       1. Gewerkschaftliche Organisierung und Aktivität - 2. Kampferfah-
       rung und die Rolle des Kontaktes zu marxistischen Kräften.
       
       I. Vorbemerkung
       ---------------
       
       Die Entwicklung  von Organisationsbereitschaft und die politische
       Sozialisation Jugendlicher,  die sich  in Verbänden  und Parteien
       der Arbeiterbewegung organisieren, ist bislang in der empirischen
       jugendsoziologischen Forschung unbeachtet geblieben. Untersuchun-
       gen, die  in abgesicherter Weise Aspekte der politischen Soziali-
       sation dieses  Teils der  Jugendlichen thematisieren,  sind recht
       dünn gestreut.  Ebenso dürftig  ist das  veröffentlichte Material
       über die  Sozialstruktur der in Parteien und Jugendorganisationen
       tätigen Jugendlichen.  Sofern diese  Daten  überhaupt  zugänglich
       sind, sind  sie häufig veraltet oder unterliegen anderen Restrik-
       tionen , wie es bei lokalen oder regionalen Studien der Fall ist.
       Unter linken  Sozialforschern wurde  dieser Bereich trotz einiger
       in den letzten Jahren veröffentlichten neueren Untersuchungen zum
       Bewußtsein von  Arbeitern 1) und anderen Gruppen und Schichten so
       gut wie nicht durch empirische Untersuchungen abgedeckt. Einfluß-
       faktoren und -bedingungen, die die politische Teilnahme Jugendli-
       cher in  Organisationen der  Arbeiterbewegung bestimmen,  sind in
       wissenschaftlichen Publikationen fortschrittlicher Sozialforscher
       bislang erst  weitgehend theoretisch  erörtert worden. Empirische
       Studien über Jugendliche, die sich in der politischen Arbeiterbe-
       wegung organisieren  und dort mitarbeiten, tragen daher nicht nur
       dazu bei,  die Defizite auf diesem Gebiet zu beheben, sondern be-
       reichern auch  die theoretische  Diskussion.  Letztlich  ist  der
       praktische Nutzeffekt  solcher Studien  für die politische Tätig-
       keit von Marxisten nicht zu unterschätzen.
       Im folgenden  sollen einige Ergebnisse einer IMSF-Studie jüngeren
       Datums vorgestellt werden. Es handelt sich um eine empirische Un-
       tersuchung über  Jugendliche, die  sich im  politisch bewußtesten
       Teil der  westdeutschen Arbeiterbewegung  organisierten, der DKP.
       Anhand dieser  Untersuchungsgruppe eröffnen  sich für die Diskus-
       sion über  Entstehungsbedingungen und  Verlaufsformen der Heraus-
       bildung sozialistischen Klassenbewußtseins gänzlich neue Perspek-
       tiven. Haben wir doch mit diesen Jugendlichen eine Untersuchungs-
       gruppe, die  sich durch  ein entwickeltes  Klassenbewußtsein aus-
       zeichnet und  bei der  widersprüchliche Bewußtseinsformen 2), wie
       sie für  einen großen Teil der Bevölkerung kennzeichnend sind, im
       großen und  ganzen durch  tiefere und  umfassendere Einsichten in
       den Klassencharakter  des bundesrepublikanischen Gesellschaftssy-
       stems aufgehoben sind.
       
       II. Fragestellung, Methode und Auswahlverfahren
       -----------------------------------------------
       
       1. Fragestellung und Probleme
       -----------------------------
       
       Die hier  vorgestellten Ergebnisse  sind Teil  einer IMSF-Studie,
       die einige  Aspekte der politischen Sozialisation und Entwicklung
       Jugendlicher vor  ihrem Beitritt in die DKP untersuchte. Die zen-
       trale Fragestellung,  die Untersuchung  motivierender, aber  auch
       hemmender Faktoren  auf die Organisationsbereitschaft, schloß die
       Befragung zum  ursprünglichen sozialen  und politischen  Kontext,
       aus dem  die befragten  Jugendlichen herkamen, mit ein. Das waren
       Fragen zur familiären Sozialisation (politische Auffassungen, Or-
       ganisation der Eltern in politischen Parteien und anderen Organi-
       sationen, Konfliktgeladenheit der Beziehungen zu den Eltern), zur
       Bedeutung der  Freundes- und Bekanntenkreise und anderer Personen
       im sozialen Umfeld der Jugendlichen.
       Dieser Fragenbereich  sollte verdeutlichen,  welche Rolle  Perso-
       nen(gruppen) und  andere Angehörige des sozialen Umfeldes für die
       politische Entwicklung der Jugendlichen spielten, die sich später
       in der  DKP organisierten. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von
       Kampf- und  Aktionserfahrungen und anderer gesellschaftlicher Ak-
       tivitäten -  einschließlich der  gewerkschaftlichen -  ermittelt,
       sowie unter anderem die Veränderung des sozialen Umfeldes und der
       Außenkontakte seit der Organisierung. Zusätzlich stehen durch die
       Erhebung der  sozialen und demographischen Daten der Jugendlichen
       Informationen über  das soziale Profil zur Verfügung, die weiter-
       gehende Vergleiche erlauben.
       In der Untersuchung der Bedingungen der politischen Sozialisation
       und der  Motivationen dieser Jugendlichen stand weniger die Erhe-
       bung oder  Abfragung der subjektiven Motive und damit der indivi-
       duellen Verlaufsformen  der Politisierung im Vordergrund. Uns kam
       es auf  die Darlegung grundsätzlicher und typischer Entwicklungs-
       linien und -aspekte an, die fördernd auf die Organisationsbereit-
       schaft wirkten. Dies bezog die Untersuchung der unterschiedlichen
       Zugangswege mit ein.
       Diese Fragestellung beinhaltet einige methodische und inhaltliche
       Probleme. Da  ist zunächst das Problem der notwendigen zeitlichen
       Fixiertheit der  Untersuchung, welche die Prozeßhaftigkeit - ein-
       schließlich widersprüchlicher  Momente -  in der politischen Ent-
       wicklung der  Befragten nicht ausreichend widerspiegeln kann, ein
       Problem, welches  sich bei  den meisten  empirischen Studien  mit
       ähnlich gelagerten  Fragestellungen ebenfalls  stellen dürfte. 3)
       Damit korrespondiert  die Schwierigkeit,  daß mit  der Ermittlung
       zeitlich länger zurückliegender Ereignisse, sozusagen aus der Re-
       trospektive, die  Gefahr einer  Überlagerung durch  aktuelle Ein-
       stellungen recht  groß sein  kann. Aus diesem Grunde verzichteten
       wir bewußt  auf die  Sammlung verbaler  Äußerungen beispielsweise
       zur Frage,  aus welchen Gründen der Eintritt in die DKP erfolgte.
       Die Fragestellungen  konzentrieren sich in ihrer Mehrzahl auf die
       Erhebung von Informationen, von denen angenommen werden kann, daß
       zeitliche Verzerrungseffekte weitgehend ausgeschaltet sind.
       
       2. Methode und Auswahlverfahren
       -------------------------------
       
       Die Auswertung  der hier  vorgestellten empirischen  Untersuchung
       basiert auf  den Angaben  einer Population  von knapp  300 jungen
       Mitgliedern der DKP, die Ende 1978 anonym und schriftlich befragt
       wurden. Wesentliche  Auswahlkriterien der Untersuchungspopulation
       waren Alter   u n d   Dauer  der Mitgliedschaft der befragten Ju-
       gendlichen in der DKP. Es wurden in der Auswertung nur diejenigen
       einbezogen, die  zum Erhebungszeitpunkt  nicht  länger  als  zwei
       Jahre Mitglied  und nicht  älter als  30 Jahre  waren. Untersucht
       wurden folglich  Angaben des Rekrutierungspotentials der DKP; be-
       fragt wurden  Jugendliche, die noch im doppelten Sinne des Wortes
       als "junge Mitglieder" bezeichnet werden können. Die zugrundelie-
       gende Stichprobe  wurde nach  einem Auswahlverfahren in Anlehnung
       an das Klumpenstichprobenverfahren gebildet, d.h. es handelt sich
       bei dieser  Studie um  Vollerhebungen in relativ gut abgrenzbaren
       Einheiten. Als  Vergleichsgruppe fungierten die Studierenden, da-
       her setzt sich die gesamte Stichprobe proportional aus lohnabhän-
       gigen 4)  bzw. berufstätigen Jugendlichen und Studierenden zusam-
       men. Die  Ergebnisse dieser  Studie können  als repräsentativ für
       das Rekrutierungspotential der DKP in den genannten Altersgruppen
       angesehen werden.
       Für die  Untersuchung wurde ein umfassender standardisierter Fra-
       gebogen entwickelt  und an verschiedenen Orten der Bundesrepublik
       (Großstädten und  Universitätsstädten) mit  der Hilfe zahlreicher
       "ehrenamtlicher" Helfer  eingesetzt. Bei  der  Feldarbeit  wurden
       zwei wichtige  Bedingungen  voll  berücksichtigt:  erstens  volle
       Anonymität der Befragungspersonen (Ausschaltung aller Dechiffrie-
       rungsmöglichkeiten der  Angaben jedes einzelnen Befragten); zwei-
       tens optimale  Vermeidung verzerrender  Einflußfaktoren  auf  das
       Antwortverhalten (etwa  politisch opportune  Angaben infolge Kon-
       trolle der  Angaben durch andere Personen). Aus diesem Grunde er-
       schien auch  das arbeitsökonomischere  Verfahren einer schriftli-
       chen Gruppenbefragung  unangemessen. Die während und nach der Er-
       hebung  gewonnenen   Erfahrungen  bestätigen,   daß  die  anonyme
       schriftliche Befragung  trotz aller  in Kauf genommenen Nachteile
       eine für unsere Absichten angemessene Methode
       war. 5)
       Wie die  Auswertung zeigte, erfüllte das Erhebungsinstrument sei-
       nen Zweck.  Lediglich einige  Fragen mußten aufgrund nachträglich
       festgestellter Fehlerhaftigkeit  (bedingt durch technische Gründe
       bzw. wegen  doppeldeutiger Fragestellung) aus der Auswertung ent-
       fernt werden.  Hier sollen  einige Ergebnisse vorgestellt werden.
       6) Wir beschränken uns auf die Darstellung wichtiger Züge des so-
       zialen Profils junger DKP-Mitglieder, auf die soziale und politi-
       sche Herkunft, auf die Bedeutung der Freunde und anderer Personen
       im sozialen Umfeld bei der Herausbildung des politischen Interes-
       ses und der gesellschaftlichen und gewerkschaftlichen Aktivitäten
       der Jugendlichen vor dem Eintritt, die die Rolle der Aktions- und
       Kampferfahrungen verdeutlichen  dürften. Die  erwähnte proportio-
       nale  Zusammensetzung   der  Stichprobe  macht  es  erforderlich,
       lohnabhängige und  studierende Jugendliche gesondert auszuweisen.
       Wo möglich,  ziehen wir Vergleichsdaten aus offiziellen Statisti-
       ken und  veröffentlichten  Untersuchungen  über  andere  Parteien
       heran.
       
       III. Das soziale Profil Jugendlicher, die in die DKP eintreten
       --------------------------------------------------------------
       
       Die Auswertung  der Angaben  über  soziale  Herkunft,  berufliche
       Stellung und  andere soziale  und demographische Merkmale der Be-
       fragten erlauben  es, die Untersuchungsgruppen, und damit das Re-
       krutierungspotential der  DKP in  diesen Altersgruppen,  näher zu
       charakterisieren. Soziale Herkunft und berufliche Stellung ermit-
       telten wir  im Fragebogen mittels der sozialstatistischen Katego-
       rien Arbeiter,  Angestellte, Beamte  und Selbständige, wobei wei-
       tere Untergruppendifferenzierungen  vorgenommen wurden. Trotz ei-
       niger mit  dieser Einteilung  einhergehenden analytischen  Mängel
       eröffnet dieses Verfahren die Möglichkeit des Bezugs zu offiziel-
       len Statistiken.
       
       1. Allgemeine Angaben
       ---------------------
       
       Altersmäßig konzentriert  sich die Mehrheit der befragten Jugend-
       lichen in  der unteren  Hälfte des dritten Lebensjahrzehnts. Zwei
       Drittel der  berufstätigen Jugendlichen treten mit 18 bis 22 Jah-
       ren in  die DKP  ein, also in einem Alter, in dem sie noch im un-
       mittelbaren Übergangsfeld  zum oder am Anfang ihres Lohnarbeiter-
       daseins stehen.  Diese altersmäßige Konzentration dürfte kein Zu-
       fall sein, eher Ausdruck dessen, daß in diesen Altersgruppen grö-
       ßere Offenheit  und Aufnahmebereitschaft  für sozialistische Auf-
       fassungen herrscht  als bei  älteren Lohnabhängigen,  unter denen
       sich weltanschauliche  und politische Auffassungen relativ verfe-
       stigt haben.
       Die Angaben  zur Wohnsituation  belegen, daß  der größte Teil der
       Befragten ökonomisch  halbwegs abgesichert  und getrennt  vom El-
       ternhaus lebt.  Lediglich 16  Prozent der lohnabhängigenjugendli-
       chen und  3 Prozent  der Studierenden  leben noch bei den Eltern,
       fast zwei  Drittel der  lohnabhängigen und  knapp die  Hälfte der
       studierenden Jugendlichen  in einer  eigenen Wohnung. Erstaunlich
       hoch sind  die Anteile  derjenigen, die in einer Wohngemeinschaft
       leben. Obwohl  diese Wohnform eher für Studenten typisch ist, ge-
       ben immerhin  16 Prozent  der berufstätigen  Jugendlichen an, ge-
       meinsam mit  anderen eine Wohnung zu teilen. Dieser Anteil dürfte
       über dem der gleichaltrigen Arbeiter und Angestellten liegen. Un-
       ter den  in die DKP eingetretenen Studenten wohnen schließlich 46
       Prozent in  einer Wohngemeinschaft. Die Vergleichsquote unter den
       Studierenden in  der Bundesrepublik  ist mit  18 Prozent deutlich
       niedriger. 7)
       Es ist klar, daß die Bildung von studentischen Wohngemeinschaften
       durch ökonomische  Gründe begünstigt  wird. Man  kann aber dieses
       Ergebnis vor  allem auf  die Spezifik unserer Untersuchungsgruppe
       zurückführen, die  sich durch  eine stärkere  Selbständigkeit und
       Unabhängigkeit gegenüber  vorgegebenen gesellschaftlichen  Normen
       auszeichnet. 8)  Für die  jungen Mitglieder, die gemeinsame Wohn-
       formen praktizieren,  dürften die Wohngemeinschaften mehr als nur
       die Nutzung  der gemeinsamen  Kochstelle bedeuten,  nämlich  auch
       psychischen Rückhalt  und gemeinsame solidarische Lebenspraxis im
       privaten wie politischen Bereich.
       
       2. Soziale Herkunft
       -------------------
       
       Betrachten wir  nun die  soziale Herkunft der befragten Jugendli-
       chen. 9)  Die Sozialstruktur der Elternhäuser lohnabhängiger jun-
       ger DKP-Mitglieder  ist der der etwa gleichaltrigen Erwerbsbevöl-
       kerung 10)  sehr ähnlich,  sofern die internen Differenzen unter-
       halb der  verwendeten  groben  Gliederung  hier  unberücksichtigt
       bleiben. Mehrheitlich  stammen die  berufstätigen jungen DKP-Mit-
       glieder aus den Reihen der Arbeiterklasse; ihre soziale Rekrutie-
       rung weist keine Überrepräsentation bestimmter Berufsgruppen auf.
       Im Unterschied hierzu stammen die befragten Studierenden seltener
       aus Arbeiterfamilien,  häufiger aus  Angestellten-, Beamten-  und
       Selbständigenfamilien. Es ist bekannt, daß Studierende aus Arbei-
       terfamilien an  den Hochschulen der Bundesrepublik unterrepräsen-
       tiert sind,  wenngleich dieser  Anteil in  den letzten Jahren an-
       stieg. Diese Unterrepräsentation finden wir auch im Herkunftspro-
       fil der  befragten Studenten wieder, obwohl der Arbeiterkinderan-
       teil höher  ist als  unter der  gesamten Studentenschaft. Dagegen
       ist der Anteil derjenigen niedriger, die aus bürgerlichen Eltern-
       häusern, also aus Selbständigenfamilien kommen.
       
       Tabelle 1:
       Soziale Herkunft  junger lohnabhängiger  DKP-Mitglieder  im  Ver-
       gleich zur  Berufsgliederung der 45- bis 60jährigen Erwerbsbevöl-
       kerung, in gerundeten Prozenten
       
                   Eltern der befragten         Erwerbsbevölkerung *)
                   lohnabhängigen Jugendlichen  (54-60 Jahre)
       
       Arbeiter               49                       46
       Angestellte            26                       29
       Beamte                 10                       10
       Selbständige           15                       15
                             100                      100
       _____
       *) Quelle: Bundesminister  für Arbeit  und Sozialordnung (Hrsg.),
       Arbeits- und  Sozialstatistik, Hauptergebnisse  1978, S. 18 sowie
       eigene Umrechnungen.
       
       Tabelle 2:
       Berufliche Stellung  der Väter  befragter Studenten  im Vergleich
       zur beruflichen  Stellung der  Väter deutscher Studienanfänger im
       Wintersemester 75176, in gerundeten Prozenten
       
                    Väter der befragten Studenten  Väter aller Studenten
       *)
       
       Arbeiter               26                       18
       Angestellte            38                       36
       Beamte                 19                       21
       Selbständige           14                       23
       Sonstige/KA             3                        3
                             100                      101
                                                    (=100)
       _____
       *) Quelle:   Presse-und   Informationsamt   der   Bundesregierung
       (Hrsg.), Gesellschaftliche  Daten 1977,  S. 91.  Gerundete Ergeb-
       nisse.
       
       Bereits diese  einfachen Vergleiche  belegen die Unsinnigkeit von
       Äußerungen, die  sich am  Klischee vom  "linksradikalen" Sohn des
       rechten Polizeipräsidenten  oder ähnlichem  orientieren. Die  so-
       ziale Herkunft  eines Großteils  der jungen DKP-Mitglieder ist in
       diesem Sinne  durchaus normal, weil der größte Teil der Arbeiter-
       klasse entstammt.
       
       3. Sozialstruktur und schulische Qualifikation
       ----------------------------------------------
       
       Die Sozialstruktur der berufstätigen jungen DKP-Mitglieder ist im
       Gesamtbild durch  einen Angestelltenanteil  geprägt, der  im Ver-
       gleich zur gleichaltrigen Erwerbsbevölkerung überdurchschnittlich
       hoch ausfällt. Bevor jedoch daraus Schlußfolgerungen gezogen wer-
       den, lohnt  sich eine Unterteilung der Befragten nach Geschlecht,
       da ein  Spezifikum unserer  Untersuchungsgruppe der  hohe  Anteil
       weiblicher Personen  ist. Wir  erkennen, daß unter den männlichen
       berufstätigen Befragten  der Arbeiteranteil  weitaus höher  liegt
       als das  Gesamtbild vermuten  ließ. Unter  den weiblichen  jungen
       Mitgliedern, bei denen übrigens so gut wie keine Nichtberufstäti-
       gen zu finden sind, steigt der Angestelltenanteil außerordentlich
       hoch an, auf 76 Prozent.
       
       Tabelle 3:
       Berufliche Gliederung junger berufstätiger DKP-Mitglieder im Ver-
       gleich zur  gleichaltrigen Erwerbsbevölkerung, in gerundeten Pro-
       zenten (ohne Studenten)
       
                     Befragte                           Bevölkerung *)
                     Jugendliche  Männliche  Weibliche  (20- bis 30-
                     insgesamt    Befragte   Befragte   jährige)
       
       Arbeiter         35           55         15           41
       Angestellte      56           33         76           42
       Beamte            7            9          5           13
       Sonstige          2            3          4            5
                       100          100        100          101
                                                          (=100)
       _____
       *) Quelle: Arbeits- und Sozialstatistik, a.a.O., S. 18.
       
       Daß dennoch  die Arbeiterjugendlichen unter den berufstätigen Be-
       fragten mit etwas mehr als einem Drittel unterrepräsentiert sind,
       kann ein  Hinweis auf Schwachpunkte der politischen Tätigkeit der
       DKP in zentralen Lebens- und Arbeitsbereichen der Kerngruppen der
       Arbeiterklasse sein.  Dieses Ergebnis kann aber auch Ausdruck ge-
       nereller Probleme  im politischen  Zugang zu Arbeiterjugendlichen
       sein.
       Generell gilt  nach Armbruster und Leisner, "daß verschiedene Be-
       rufsgruppen unterschiedlich  parteigebunden sind. Die größte Nähe
       zu den  politischen Parteien weisen Beamte sowie die Angestellten
       des öffentlichen  Dienstes auf.  Sie stellen  inzwischen wohl  25
       Prozent aller Mitglieder in SPD, CDU und FDP zusammen, ein offen-
       barer Niederschlag auch der Begünstigung parteipolitisch gebunde-
       ner Anwärter  für den  öffentlichen Dienst" . Darüber hinaus läßt
       "diese unterschiedliche  Beteiligung je  nach Berufstätigkeit ...
       eine Verstärkungstendenz  erkennen: Die erstgenannten Berufsgrup-
       pen (Angestellte im öffentlichen Dienst, Selbständige und Angehö-
       rige freier  Berufe, D.H.) sind zunehmend stärker in Parteien re-
       präsentiert, die  letztgenannten (einfache Angestellte und Arbei-
       ter, D.H.  ) immer  weniger". 11)  So hat die SPD zwar einen noch
       recht hohen  Arbeiteranteil von etwa 22 Prozent 12), die Zugänge,
       also die  Struktur des  rekrutierten Potentials,  bewirken jedoch
       fortlaufend die Erhöhung des Anteils von Angestellten und Beamten
       13), wobei  die Beschäftigten  im öffentlichen  Dienst besonderes
       Gewicht haben.
       Die DKP  ist im  öffentlichen Dienst  sicher durch die Praxis der
       Berufsverbote und sonstiger Diskriminierung nicht begünstigt. Die
       besondere Zusammensetzung  der befragten Population erschwert je-
       doch weitere Vergleiche. Mit dem hohen Anteil weiblicher Personen
       geht ein  hoher  Angestelltenanteil  einher.  In  der  männlichen
       Gruppe stellen jedoch die Arbeiterjugendlichen den größten Anteil
       der berufstätigen Parteimitglieder.
       Die berufliche Gliederung der lohnabhängigen Jugendlichen, die im
       Gesamtbild einen  überdurchschnittlich hohen  Anteil Angestellter
       auswies, spiegelt  sich in gewisser Weise in den Angaben über das
       schulische Qualifikationsniveau  wider. Berufstätige Jugendliche,
       die in  die DKP  eintreten, sind  im Vergleich zur gleichaltrigen
       Bevölkerung höher  qualifiziert, genauer:  besitzen  eine  höhere
       schulische Qualifikation.  Nach  den  Angaben  des  Statistischen
       Jahrbuches der  BRD 14)  haben  knapp  69  Prozent  der  20-  bis
       30jährigen Bevölkerung höchstens den Hauptschulabschluß erreicht,
       21 Prozent  die mittlere Reife und über 9 Prozent das Abitur. Die
       von  uns  befragten  berufstätigen  Jugendlichen  nannten  zu  43
       Prozent den  Hauptschulabschluß, 36 Prozent besitzen die Mittlere
       Reife und  17 Prozent  das Abitur oder die Fachhochschulreife. Es
       zeigt sich  im Gesamtbild ein überdurchschnittlich hohes formales
       Qualifikationsniveau; die  Gruppe der  befragten  Arbeiterjugend-
       lichen liegt  unter diesem  Durchschnitt - zu prüfen wäre, ob der
       Durchschnitt  der   befragten  Gruppe   über  dem   Niveau  aller
       Arbeiterjugendlichen liegt.
       Es ist  kein Zufall,  daß bei unserer Untersuchungsgruppe ein hö-
       heres Bildungsniveau vorzufinden ist. Viele Untersuchungen zeigen
       einen positiven  Zusammenhang zwischen  Bildungsgrad und  politi-
       scher Teilnahmebereitschaft. Die Erfahrungen der Arbeiterbewegung
       lehren, daß  gerade von den qualifizierteren Schichten der Arbei-
       terklasse politische  Impulse ausgingen.  Der Bildungsfaktor kann
       insofern als eines der begünstigenden Momente für Aufnahmebereit-
       schaft und  Übernahme sozialistischer  Ideen und Auffassungen um-
       schrieben werden. 15)
       
       4. Daten zur Betriebsgrößenstruktur
       -----------------------------------
       
       Nach den Angaben über die Größe der Betriebe, in denen junge DKP-
       Mitglieder beschäftigt sind, trifft nicht das zu, was für den ge-
       werkschaftlichen Organisationsbereich  zu beobachten  ist und was
       Frank Deppe  bezeichnet als positive Korrelation zwischen der Be-
       triebsgröße, die  gleichzeitig  den  Vergesellschaftungsgrad  der
       Produktion widerspiegelt,  und dem gewerkschaftlichen Organisati-
       onsgrad. 16) Im Gesamtbild unserer Befragten, das auch nach einer
       Differenzierung in  Arbeiterjugendliche und  Angestellte  relativ
       stabil bleibt,  ähnelt die Struktur der Verteilung nach Betriebs-
       größen stark der Verteilung der erwerbstätigen Bevölkerung in der
       offiziellen Betriebsgrößenstatistik.  Abweichungen sind  insofern
       zu beobachten, als die Pole (Klein- und Kleinstbetriebe vs. Groß-
       betriebe) unterschiedlich  stark besetzt  sind. So ist der Anteil
       aus größeren  Betrieben (ab 1000 Beschäftigte 17)) unter den jun-
       gen DKP-Mitgliedern  höher als unter der Erwerbsbevölkerung. Ins-
       gesamt ist  im Vergleich  unter den  Jugendlichen in der DKP eine
       leichte Verschiebung hin zu den größeren Betrieben zu beobachten.
       In der  starken Besetzung der beiden Pole unter unseren Befragten
       spiegelt sich  das Nebeneinander  lohnabhängiger Jugendlicher aus
       Handwerks- bzw.  Dienstleistungsbetrieben und industriellen Groß-
       betrieben wider.  18) In Anlehnung an die Klassifizierung des Be-
       triebsverfassungsgesetzes sieht die Verteilung wie folgt aus:
       
       Tabelle 4:
       Junge DKP-Mitglieder nach Betriebsgröße, in gerundeten Prozenten
       
       bis 20 Beschäftigten   22
         21-  50              12
         51- 150              11
        151- 300               7
        301- 600              11
        601-1000               7
       1001-2000           13
                             }31
       Über 2001           19
                             101
                           (=100)
       
       Als annähernde  Vergleichsbasis können  die Ergebnisse  der offi-
       ziellen Arbeitsstättenzählung  herangezogen werden.  Obwohl diese
       Daten auf  die Gesamtheit  der Beschäftigten bezogen sind und vor
       allem im  Mittelfeld andere Einteilungen vorgenommen werden, lie-
       fern sie wichtige Anhaltspunkte und verdeutlichen die vorangegan-
       genen Ausführungen:
       
       Tabelle 5:
       Beschäftigte nach  Größenklassen der Betriebe in der BRD, Anteile
       in Prozenten
                                   1        2
       
       Bis 19 Beschäftigte       31,4      4,6
        20- 49 Beschäftigte      12,3      7,0
        50- 99 Beschäftigte       9,8      8,6
       100-199 Beschäftigte       9,8     11,2
       200-499 Beschäftigte      12,6     18,2
       500-999 Beschäftigte       8,0     13,1
       über 1000 Beschäftigte    16,1     37,4
                                100      100
       _____
       Anm.:
       1 = Ergebnis der  Arbeitsstättenzählung vom  27. 5. 1970, Quelle:
       Statistisches Bundesamt  (Hrsg.), Wirtschaft  und Statistik,  Jg.
       1972, S. 511. In den Angaben sind die Beschäftigten in Handwerks-
       betrieben enthalten.
       2 = Alle Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe (ohne Handwerk),
       Ende September  1976. Quelle:  Bundesminister für  Arbeit und So-
       zialordnung, Arbeits-  und Sozialstatistik, Hauptergebnisse 1978,
       S. 44 f.
       
       IV. Politische Sozialisation durch das Elternhaus
       -------------------------------------------------
       
       Es ist  in der sozialwissenschaftlichen Literatur über die Sozia-
       lisation Jugendlicher  weitgehend unbestritten,  daß die  politi-
       schen und weltanschaulichen Auffassungen der Eltern neben anderen
       Faktoren gewichtigen  Einfluß besitzen  auf die Herausbildung des
       politischen Interesses  und Denkens der Kinder. Politische Inter-
       essiertheit und  politisches Engagement der Eltern sind zwei zen-
       trale Variable,  die zufolge  mehreren Untersuchungen - vor allem
       im angelsächsischen Raum - signifikante Auswirkungen auf die Ver-
       haltensund Einstellungsdispositionen  der heranwachsenden Jugend-
       lichen haben.  So hebt Wasmund bei seiner Literaturexpertise über
       amerikanische  Untersuchungsergebnisse   in  Anlehnung   an   Dä-
       mon/Prewitt hervor: "Politisch Engagierte kommen in der Regel aus
       politisch interessierten  und aktiven Elternhäusern. In Familien,
       in denen  die Eltern aufgrund ihres politischen Desinteresses nie
       mit ihren  Kindern über  Politik sprachen, zeigen sich die Kinder
       ebenfalls nicht  interessiert." 19)  Nach seiner  Auffassung kann
       als gesichert  gelten, "daß  Parteiidentifikation,  Wahlverhalten
       und Präferenzen  gegenüber bestimmten  Politikern... sowie rassi-
       stische Einstellungen  früh durch die Familie vermittelt bzw. be-
       einflußt werden,  sicherlich nicht zuletzt auch deshalb, weil die
       rassistischen und  politischen Einstellungen  dem Kinde am offen-
       kundigsten sind". 20)
       Bereits in  einer IMSF-Studie  über Jugendliche  in einem Großbe-
       trieb, die 1976 durchgeführt wurde, konnte ein Zusammenhang nicht
       nur zwischen  der Gewerkschaftsmitgliedschaft  der Eltern und der
       Befragten nachgewiesen  werden, sondern  darüber hinaus auch eine
       deutliche Unterscheidung dieser Jugendlichen durch fortschrittli-
       chere und  linke Einstellungen von denen, die aus unorganisierten
       Familien kamen.  21) Diederich kommt in der zeitlich etwas länger
       zurückliegenden Auswertung  einer empirischen Studie über Sozial-
       struktur und  Sozialisation von  CDU- und  SPD-Mitgliedern zu dem
       Ergebnis, daß  eine fast  fünfzigprozentige Übereinstimmung  zwi-
       schen den  CDU- und  SPD-Mitgliedern und der präferierten politi-
       schen Orientierung ihrer Eltern existiert. 22) Diesen Befund kön-
       nen wir in unserer Untersuchung nicht in dieser Höhe feststellen.
       23)
       Wir gingen  in unserer  Studie ebenfalls von einem, wenn auch be-
       grenzten Einfluß  der politischen  Orientierungen der  Eltern auf
       die frühe  politische Sozialisation  der befragten  Personen aus.
       Als begrenzt muß dieser Einfluß deshalb bezeichnet werden, da der
       Faktor "politisches  Klima im  Elternhaus" nicht  vollständig die
       politischen Einstellungen  und Dispositionen der Befragtengruppen
       determinieren kann.  Dies wurde  auch statistisch bestätigt, weil
       mit zunehmender  Ferne vom Elternhaus, d.h. mit zunehmendem Alter
       und damit  verbundener ökonomischer  Selbständigkeit die  von den
       Eltern ausgehenden  Einflüsse bedeutungsloser  werden. Andere und
       gewichtigere Faktoren  treten an die Stelle des Elterneinflusses,
       die ihn modifizieren, negieren oder auch verstärken können. Wich-
       tig ist  in diesem Zusammenhang aber die Frage, inwieweit das po-
       litische Klima im Elternhaus Impulse auf die frühe politische So-
       zialisation  ausübt,  also  auf  die    H e r a u s b i l d u n g
       d e s  p o l i t i s c h e n  I n t e r e s s e s  überhaupt för-
       dernd wirkt. Dies wird weiter unten noch zu zeigen sein. In unse-
       rer Studie  wurden die  Antworten der  jungen DKP-Mitglieder  auf
       mehrere Fragen zur politischen und weltanschaulichen Orientierung
       der Eltern(teile), zur Organisation in gesellschaftlichen und po-
       litischen Verbänden  und Parteien und zu ihren Aktivitäten im be-
       trieblichen und/oder  gewerkschaftlichen Rahmen  ausgewertet. Die
       Ergebnisse liefern  Aufschluß über die politischen Ausgangsbedin-
       gungen der jungen Mitglieder.
       
       1. Politische Einstellungen der Eltern
       --------------------------------------
       
       Die politischen  Einstellungen und Auffassungen der Eltern junger
       DKP-Mitglieder sind sowohl unter den Berufstätigen als auch unter
       den Studierenden  am häufigsten,  mit einem Anteil von 32 bzw. 33
       Prozent, sozialdemokratisch  geprägt. Die Anteile der kommunisti-
       schen Auffassungen  unter den  Eltern sind  mit 11 bzw. 4 Prozent
       relativ niedrig  und bestätigen nicht die Vorstellung einer weit-
       gehenden Konformität der Einstellungen zwischen Eltern und jungen
       DKP-Mitgliedern. Im Gegensatz zu der von Diederich festgestellten
       politischen Konformität  zwischen SPD-  bzw. CDU-Mitgliedern  und
       ihren Eltern  besteht, was  die politische  Orientierung  angeht,
       keine Übereinstimmung  zwischen den  Auffassungen junger DKP-Mit-
       glieder und denen ihrer Eltern.
       
       Tabelle 6:
       Politische Auffassungen  der Eltern junger DKP-Mitglieder, in ge-
       rundeten %
                                  Eltern lohnabhängiger  Eltern von
                                  Jugendlicher           Studierenden
       
       Kommunistische Einstellung         11                   4
       Sozialdemokratische Einstellung    32                  33
       Konservative Einstellung           12                  20
       Christliche Einstellung            12                   9
       Liberale Einstellung                6                   9
       Rechte Einstellung                  6                   8
       Unpolitische Einstellung           17                  15
       Sonstige/KA                         4                   2
                                         100                 100
       
       Andererseits sind  die Anteile  junger Mitglieder, die nach ihren
       Angaben aus unpolitischen, d.h. politisch desinteressierten Fami-
       lien kamen, mit 17 bzw. 15 Prozent in beiden Untersuchungsgruppen
       relativ niedrig. Sie liegen unter den von Diederich 24) ermittel-
       ten Quoten  von 26  bzw. 27 Prozent unpolitisch eingestellter El-
       tern von  CDU- und  SPD-Mitgliedern. Insgesamt sind ausgesprochen
       bürgerliche Einstellungen, vor allem konservativ geprägte, häufi-
       ger unter  den Eltern von Studierenden (53 Prozent) als unter den
       Eltern der  jungen berufstätigen  Mitglieder (42 Prozent) zu fin-
       den. 25)
       Die politische  Einstellung der Eltern übte keinen unwesentlichen
       Einfluß auf  die subjektiven Eintrittsbedenken und Vorbehalte ge-
       genüber der Organisierung in der DKP aus. Jugendliche aus bürger-
       lich oder  unpolitisch eingestellten  Elternhäusern gaben weitaus
       häufiger als  solche aus  sozialdemokratischen an,  daß sie wegen
       der Eltern  Bedenken gegen  eine politische  Organisierung in der
       DKP hatten. Dabei nimmt die Häufigkeit dieser Bedenken zu, je ge-
       gensätzlicher die ideologische Orientierung der Eltern ist.
       
       2. Zusammenhang zwischen sozialer Stellung
       ------------------------------------------
       und politischer Auffassung der Eltern
       -------------------------------------
       
       Die Differenzen  in der politischen Herkunft von Studierenden und
       berufstätigen Jugendlichen  sind u. a. durch die unterschiedliche
       soziale Stellung  der Eltern  bedingt; es existiert eine enge Be-
       ziehung zwischen  beruflicher Stellung  und politischer  Einstel-
       lung: Eltern  mit sozialdemokratischen  oder kommunistischen Auf-
       fassungen sind häufiger Arbeiter als Eltern mit bürgerlichen Auf-
       fassungen, unter  denen der  Anteil der  Väter, die  Beamte  oder
       "selbständig" sind,  am höchsten ist. Die entsprechenden Assozia-
       tionskoeffizienten 26)  für die  Beziehungen zwischen politischen
       Auffassungen der Eltern und ihrer sozialen Lage als Arbeiter sind
       in der folgenden Tabelle dargestellt:
       
       Tabelle 7:
       Assoziationen zwischen  politischen Auffassungen und Arbeitersta-
       tus der Eltern, nach Studierenden und Lohnabhängigen getrennt
       
                            Eltern waren Arbeiter und vertraten nach den
                                              Angaben
                               sozialdemo- unpolitische  bürgerliche
                               kratische
                                            Auffassungen
       
       Lohnabhängige              .40          -.06          -.37
       Studierende                .65           .16          -.76
       _____
       Anm.: Eltern mit  kommunistischen Einstellungen  sind hier  nicht
       enthalten.
       
       Aus dieser  Tabelle ist  sichtbar, daß es unter den Eltern sowohl
       der Studierenden als auch der jungen Lohnabhängigen eine positive
       Beziehung zwischen sozialdemokratischer Einstellung und Arbeiter-
       status gibt;  die Beziehung wird negativ unter Befragten aus bür-
       gerlich eingestellten Elternhäusern. Der Sachverhalt kann verein-
       fachend in prozentualen Anteilen vorgestellt werden.
       
       Tabelle 8:
       Zusammenhang zwischen  sozialer Lage  und politischer Einstellung
       der Eltern junger DKP-Mitglieder, in gerundeten Prozenten.
       
                                             Eltern mit
               kommuni-      sozial-         unpolitischen  bürgerlichen
               stischen      demokratischen
               Auffassungen  Auffassungen    Auffassungen   Auffassungen
       
       Arbeiter      59            48              36             20
       Angestellte   27            32              33             30
       Beamte         0             9              17             21
       Selbständige  14             5              11             23
       Sonstige       0             5               3              6
                    100            99             100            100
                                (=100)
       
       Im Spektrum  dieses Zusammenhanges, der mit hoher Wahrscheinlich-
       keit unter  der Bevölkerung  der BRD  nicht in  dieser Weise exi-
       stiert, nehmen die Eltern mit unpolitischer Haltung eine Art Zwi-
       schenposition ein.
       
       3. Organisationsgrad der Eltern
       -------------------------------
       
       Es besteht  des weiteren ein Zusammenhang zwischen den Elternauf-
       fassungen und  dem Niveau  ihrer Organisiertheit  in Parteien und
       Gewerkschaften. Im  Vergleich zum  Organisationsgrad der Bevölke-
       rung in Parteien, der bei etwa 6 bis 7 Prozent liegen dürfte 27),
       ist der  Grad der Parteimitglieder unter den Eltern der Befragten
       überdurchschnittlich hoch.  Der für die BRD typische Zusammenhang
       zwischen  sozialer   Stellung  und   Häufigkeit  der   Parteimit-
       gliedschaften ("Je  höher die  soziale Stellung,  desto höher die
       Organisationsquote") trifft  nur für den Teil der Eltern mit bür-
       gerlichem Bewußtsein  zu; für  sozialdemokratische  und  kommuni-
       stisch eingestellte Eltern konnte er keineswegs bestätigt werden.
       Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Organisations-
       merkmale der Elternhäuser junger DKP-Mitglieder. 28)
       Der hohe  Anteil Gewerkschaftsmitglieder unter den Eltern mit so-
       zialdemokratischen Auffassungen (wenn man den Anteil der kommuni-
       stisch eingestellten Eltern einmal unberücksichtigt läßt) ist auf
       die Sozialstruktur dieser Einstellungsgruppe zurückzuführen, d.h.
       die hohen  Quoten sind bedingt durch den hohen Arbeiteranteil un-
       ter diesen  Eltern 29)  und die damit oft einhergehende traditio-
       nelle Koppelung  gewerkschaftlicher und sozialdemokratischer Ori-
       entierungen. Ähnliches  gilt für  den in der Tabelle nicht aufge-
       führten Grad  der Ausübung betrieblicher und/oder gewerkschaftli-
       cher Funktionen:  Nach Angaben der Befragten übten 37 Prozent der
       Eltern mit  sozialdemokratischer oder kommunistischer Einstellung
       eine solche  Funktion aus,  8 Prozent sind es lediglich unter den
       bürgerlich eingestellten  und 14  Prozent unter den unpolitischen
       Eltern junger DKP-Mitglieder.
       
       Tabelle 9:
       Organisationsgrade der  Eltern junger DKP-Mitglieder nach politi-
       scher Auffassung der Eltern und Untersuchungsgruppen, in gerunde-
       ten Prozenten.
                                      1   2   3   4   5   6
       
       Gewerkschaftsmitgliedschaft   49  28  55  51  28  28
       Parteimitgliedschaft          25  17  35  27  13   6
       Nichtpolitische Organisation  32  29  35  24  31  20
       Organisationsquote            71  58  78  74  57  50
       _____
       Abk.: 1 = Eltern der befragten lohnabhängigen Jugendlichen
       2 = Eltern der befragten studierenden Jugendlichen
       3 = Eltern mit  sozialdemokratischen und  kommunistischen Auffas-
       sungen insgesamt
       4 = Eltern mit sozialdemokratischen Auffassungen
       5 = Eltern mit bürgerlichen Auffassungen
       6 = Eltern mit unpolitischen Haltungen
       (Mehrfachnennungen der Mitgliedschaften waren möglich)
       
       4. Motivierende Einflüsse der Eltern
       ------------------------------------
       
       Es dürfte  kein Zufall sein, daß die Eltern lohnabhängiger junger
       DKP-Mitglieder überdurchschnittlich  hoch in Parteien organisiert
       sind. Offensichtlich  liegen darin günstigere Voraussetzungen für
       die politische  Entwicklung von  Jugendlichen überhaupt.  In  der
       schon erwähnten  Studie von  Diederich konnten ebenfalls hohe An-
       teile parteigebundener  Eltern unter CDU- und SPD-Mitgliedern er-
       mittelt werden.  25 Prozent der Eltern von CDU-Mitgliedern und 34
       Prozent der Eltern von SPD-Mitgliedern sind nach seinen Ergebnis-
       sen in Parteien organisiert. 30) Allerdings muß dabei berücksich-
       tigt werden,  daß bei drei Vierteln unserer Befragten aus partei-
       mäßig organisierten  Elternhäusern keine direkte politische Über-
       einstimmung mit  den Auffassungen  der Eltern existiert, folglich
       "vererbte" Parteimitgliedschaft  31) eher  Ausnahme als die Regel
       ist.
       Die Befragten  aus Elternhäusern,  welche in  der SPD organisiert
       sind, stellen  die Mehrheit  der jungen Mitglieder, die überhaupt
       aus parteigebundenen  Familien stammen.  Immerhin kann  ja  davon
       ausgegangen werden, daß sozialdemokratische, möglicherweise aktiv
       engagierte Eltern  eine Politik  vertreten oder praktizieren, die
       den Auffassungen der DKP nicht unbedingt diametral entgegensteht,
       zumal ihr  Engagement und  ihre Ansichten im sozialdemokratischen
       Arbeitermilieu wurzeln.  Die unmittelbaren Anknüpfungspunkte sind
       hier in vielen Fällen recht günstig gelagert.
       Daß ein  im Vergleich  zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich
       hoher Anteil  Jugendlicher aus parteigebundenen Familien sich un-
       ter dem  Rekrutierungspotential der  DKP befindet,  kann also auf
       die in  diesen Elternhäusern "günstigeren" politischen Sozialisa-
       tionsbedingungen zurückgeführt  werden, die  generell erst einmal
       den Zugang  zu und  das Verständnis  für politische  Aussagen und
       Denkweisen erleichtern.  Im Unterschied zu Jugendlichen aus unpo-
       litischen Kreisen  dürften die - vorsichtig formuliert - Defizite
       im politischen  Denken weniger  stark ausgeprägt sein bei den Ju-
       gendlichen, die  aus politisch  und gesellschaftlich  engagierten
       Elternhäusern kommen,  in denen  politische Fragen  früh themati-
       siert werden  und früh Anregungen durch das politische Engagement
       der Eltern erfolgen.
       Diese Aussage kann bestätigt werden anhand der Angaben zur Frage,
       welche Personen das politische Interesse anregten bzw. durch Dis-
       kussionen oder anders den Anstoß gaben, sich mit politischen Pro-
       blemen näher zu befassen. Es gaben hier die meisten Befragten die
       Freunde an  (s.u.); immerhin 23 Prozent der Lohnabhängigen und 11
       Prozent der  Studenten nannten  die Eltern.  Wie zu erwarten war,
       übten die  Eltern mit kommunistischen Einstellungen am häufigsten
       einen motivierenden Einfluß aus. Von Interesse ist dabei die hohe
       Korrelation zwischen  parteigebundenen Elternhäusern mit kommuni-
       stischen oder  sozialdemokratischen Einstellungen und der Häufig-
       keit des  genannten motivierenden  Einflusses der  Eltern auf die
       Herausbildung politischen Interesses.
       
       Tabelle 10:
       Motivierender Einfluß  der Eltern auf die Herausbildung des poli-
       tischen Interesses
       Elternhaus                       Eltern wurden von den
       ist:                                      Befragten
                                        Genannt   Nicht genannt
       
       kommunistisch und parteigebunden   81           19
       sonstige mit kommunistischer
       Einstellung                        57           43
       sozialdemokratisch und
       parteigebunden                     42           58
       sonstige mit sozialdemokratischer
       Einstellung                        19           81
       bürgerliche Einstellung und
       parteigebunden                      6           94
       sonstige mit bürgerlicher
       Einstellung                         4           96
       unpolitische Einstellung            0          100
                                                 p: .0000,df=6
       Eltern kommunistisch               74           26
       Eltern sozialdemokratisch          25           75
       Eltern bürgerlich                   5           95
       Eltern unpolitisch                  0          100
                                                 p: .0000,df=3
       
       In dieser Tabelle werden die verstärkenden Effekte der Parteimit-
       gliedschaft der  Eltern für die Herausbildung des politischen In-
       teresses der  Jugendlichen aus sozialdemokratischen bzw. kommuni-
       stisch  eingestellten   Familien  anschaulich.   Die   Parteimit-
       gliedschaft drückt  in beiden  Fällen in  unterschiedlicher Weise
       auch einen  höheren Grad der Politisierung des Familienklimas und
       der  gesellschaftlichen   Aktivität  aus,   zumal  mit  der  Mit-
       gliedschaft in der SPD (und in der kommunistischen Partei) im Un-
       terschied zu  den  in  bürgerlichen  Parteien  organisierten  El-
       tern(teilen) auch häufiger Mitgliedschaft in der Gewerkschaft und
       Ausübung betrieblicher  bzw. gewerkschaftlicher  Aktivitäten ein-
       hergehen.
       
       V. Die Bedeutung der Freunde und des sozialen Umfeldes
       ------------------------------------------------------
       für die politische Motivierung
       ------------------------------
       
       Weitaus größere  Bedeutung für  die politische  Sozialisation Ju-
       gendlicher, die  in die  DKP eintreten, haben die Freunde und Be-
       kannten sowie  einige andere Personen im sozialen Umfeld. Nannten
       noch 2  5 Prozent  der berufstätigen  Jugendlichen und 11 Prozent
       der Studierenden die Eltern, so wurden die Freunde von 67 Prozent
       bzw. 65  Prozent genannt.  Kein anderer Personenkreis im sozialen
       Umfeld der  Befragten übte vor dem Eintritt so häufig Einfluß auf
       die politische Entwicklung aus wie die Freunde. Ihre dominierende
       Funktion ist Ausdruck ihrer größeren sozialen und personellen Be-
       deutung mit zunehmender Selbständigkeit gegenüber dem Elternhaus.
       32)
       Die Angaben  der berufstätigen Jugendlichen und Studierenden über
       die Bedeutung  der Personen(kreise),  von denen  durch politische
       Diskussionen und andere Dinge Impulse für die Entwicklung des ei-
       genen politischen  Interesses ausgingen, weichen natürlich in den
       Fällen voneinander  ab, wo sie gleichsam die unterschiedliche Le-
       bens- und  Arbeitssituation repräsentieren. Mitschüler und Lehrer
       wurden aufgrund  der längeren  Schulzeit in erster Linie von Stu-
       dierenden genannt.
       
       Tabelle 11:
       Bedeutung des  sozialen Umfeldes für die politische Sozialisation
       junger DKP-Mitglieder  vor dem  Eintritt in  gerundeten Prozenten
       (Mehrfachnennungen)
       
                               Junge Berufstätige  Studierende
       
       Freunde und Bekannte            67               65
       Arbeitskollegen                 25                7
       Kommilitonen                     2               34
       Mitschüler                      14               37
       Eltern                          23               11
       Freund bzw. Freundin            28               26
       Ehemann bzw. Ehefrau             5                3
       Geschwister                     10               12
       Lehrer                           8               18
       Andere                           8                7
       
       Die politische  Struktur  der  Freundeskreise  unserer  Befragten
       wurde vor  dem Eintritt weitestgehend durch politisch desinteres-
       sierte und sozialdemokratische Auffassungen bestimmt . Auffallend
       wenige Mitglieder  bewegten sich  in Freundeskreisen, die der CDU
       nahe standen  (5 Prozent). Studierende hatten am häufigsten sozi-
       aldemokratisch eingestellte  Freunde;  die  Quote  der  Nennungen
       liegt bei dieser Gruppe mit 55 Prozent über der der berufstätigen
       Jugendlichen mit  45 Prozent.  Dagegen rekrutieren sich berufstä-
       tige Jugendliche  häufiger aus  unpolitischen Freundeskreisen (49
       Prozent, Studierende  35 Prozent;  Mehrfachnennungen eingeschlos-
       sen). Maoistische  Freunde sind,  und das ist recht überraschend,
       mit 14  bzw. 13  Prozent jeweils  gleich stark vertreten gewesen.
       Die Freundeskreise  der Studierenden waren in der politischen Zu-
       sammensetzung insgesamt  homogener als bei den lohnabhängigen Ju-
       gendlichen. Es  ist anzunehmen,  daß Studierende sich dezidierter
       auf Freunde  mit bestimmten  politischen Auffassungen  festlegen,
       zumal der  Organisationsgrad der  Studierenden im  MSB  Spartakus
       über dem der Lohnabhängigen in der SDAJ lag.
       Die von  den Freunden  ausgehenden Einflüsse  auf die  politische
       Entwicklung können  an zwei  Beispielen deutlich  gemacht werden.
       Einerseits hat  die Existenz bzw. Nichtexistenz politischer Strö-
       mungen Einfluß auf die Dauer der politischen Interessiertheit vor
       dem Eintritt  in die DKP. Jugendliche, die ausschließlich aus un-
       politischen Freundeskreisen im Vorfeld des Eintritts kommen, sind
       seltener längere Zeit vor dem Eintritt politisch interessiert als
       solche Jugendliche, die Kontakt zu politisch orientierten und in-
       teressierten Freunden hielten. Dabei sinkt der Anteil der Nennun-
       gen der  Freunde als motivierende Personen(gruppe) bei diesen Ju-
       gendlichen im Vergleich zu denen, die sich unter politisch einge-
       stellten Freunden,  insbesondere sozialdemokratisch orientierten,
       aufhielten. Zum  zweiten ist  ein hoher  Grad an  Übereinstimmung
       zwischen den  politischen Auffassungen der Freunde und politisch-
       organisatorischen Sympathien  der Befragten  nachweisbar. Wenn im
       Vorfeld des  Eintrittes mit  politischen Organisationen sympathi-
       siert wurde,  so arbeiteten  in drei Vierteln aller Fälle Freunde
       und gute  Bekannte dort mit. In der Mehrheit waren dies sozialde-
       mokratische Organisationen,  vor allem die Jusos. Die frühe poli-
       tische Entwicklung  der Jugendlichen,  so  eine  Schlußfolgerung,
       kann nicht  losgelöst von  der Entwicklung der Freundeskreise be-
       trachtet werden.
       Bei der  Untersuchung der politischen Struktur der Freundeskreise
       und den  Sympathien bzw.  Mitgliedschaften der befragten Personen
       im Vorfeld  des Eintrittes  in die DKP oder eine ihr nahestehende
       Organisation werden  wiederum der  hohe Stellenwert und die Domi-
       nanz sozialdemokratischer  Einflüsse und  Orientierungen für  die
       politische Entwicklung  dieser Befragten  erkennbar. Sowohl unter
       den Eltern  als auch  - in noch höherem Maße - unter den Freunden
       33) spielte diese ideologische Orientierung die größte Rolle. Da-
       gegen nahmen  ausgesprochen bürgerliche  Auffassungen  unter  den
       Freunden einen  geringen Stellenwert  ein. Hier  liegen deutliche
       Hinweise, daß  Jugendliche mit sozialdemokratischen Neigungen an-
       sprechbarer sind  für sozialistische  Vorstellungen. Die relative
       Nähe einer  fortschrittlichen oder  auch linken  sozialdemokrati-
       schen Haltung  zu Positionen  der DKP bietet eine günstigere Aus-
       gangsbedingung für die politische Entwicklung als Positionen, die
       im Kern antisozialistische oder antikommunistische Substanz bein-
       halten. Befragte,  die Freunde  mit solchen politischen Orientie-
       rungen im Vorfeld des Eintritts angaben, nannten uns auch am häu-
       figsten, daß  sich seit ihrem Eintritt die Struktur des Freundes-
       kreises im  Vergleich zu früher stark verändert hat. Größere Sta-
       bilität zeigen  dagegen die Freundeskreise junger DKP-Mitglieder,
       die im Vorfeld ihres Eintrittes gewerkschaftlich orientierte bzw.
       organisierte und sozialdemokratisch eingestellte Freunde hatten.
       Eine unterschiedliche Rolle für die Herausbildung des politischen
       Interesses  bei  männlichen  und  weiblichen  jungen  Mitgliedern
       spielten persönliche Beziehungen, die insgesamt einen höheren An-
       teil weiblicher  Befragter motivierten. Die Frage nach Anstoßper-
       sonen ergab  hochsignifikante Unterschiede.  Etwa 40  Prozent der
       weiblichen Befragten  nannten den Freund als Anstoßperson, jedoch
       nur 15  Prozent der  männlichen die  Freundin. Darüber hinaus ist
       dieser signifikante Unterschied auch bei der Frage, welche Perso-
       nen die Eintrittsentscheidung mit beeinflußt haben, sichtbar.
       Weitere Vergleiche  ergaben unter  den männlichen  Befragten eine
       längere Zeitdauer der politischen Interessiertheit im Vorfeld des
       Eintritts. Diese aufschlußreichen Ergebnisse, die hier nicht wei-
       ter ausgeführt  werden können,  liefern Anhaltspunkte für die ge-
       sellschaftlichen Sozialisationsbedingungen  von Frauen, die durch
       traditionelle Erziehungsmuster  und geschlechtsspezifische Werto-
       rientierungen geprägt  sind und eher behindernd auf die Übernahme
       sogenannter Führungsrollen  in gesellschaftlichen  Bereichen wir-
       ken.
       
       VI. Die Bedeutung der gesellschaftlichen Aktivitäten
       ----------------------------------------------------
       junger Mitglieder
       -----------------
       
       Aktionserfahrungen und  gewerkschaftliche  Organisationserfahrung
       sind zwei  wichtige Momente, die Bewußtseinsentwicklung und Orga-
       nisationsbereitschaft arbeitender  Jugendlicher vorantreiben kön-
       nen. Harald  Werner weist in seiner empirischen Untersuchung dar-
       aufhin: "Die  gedankliche Aneignung der gesellschaftlichen Reali-
       tät ist ein Prozeß, der Aktivität voraussetzt." Von Bedeutung ist
       die  gewerkschaftliche   und   politische   Aktivität,   da   sie
       "einerseits zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit der gesell-
       schaftlichen Wirklichkeit  führt und damit schon eine intensivere
       Erfahrung bewirkt,  die aber  darüber hinaus  auch  Informationen
       verfügbar macht,  die aus der Einzelerfahrung nicht gewonnen wer-
       den können". 34)
       Natürlich muß  dabei berücksichtigt bleiben, daß Kampferfahrungen
       bzw. Aktionserfahrungen  nicht spontan die theoretischen Einsich-
       ten über die inneren Zusammenhänge der gesellschaftlichen Klassen
       Verhältnisse und  ihre Gesetzmäßigkeiten  vermitteln.  Gerade  in
       Verbindung mit  gewerkschaftlicher Organisierung  sind sie jedoch
       wichtige  Voraussetzungen  der  Entwicklung  zum  sozialistischen
       Klassenbewußtsein. In  den Aktionserfahrungen, in den Erfahrungen
       aus der  aktiven Wahrnehmung betrieblicher und gewerkschaftlicher
       Funktionen drückt sich immer schon ein bestimmter Grad an Bewußt-
       heit aus. Oft handelt es sich dabei um elementare Klasseneinsich-
       ten, die  mit Widersprüchen und illusionären Beschränktheiten be-
       haftet sind, aber bereits den Keim bilden für die Entwicklung zum
       sozialistischen Klassenbewußtsein.  Es ist die Aufgabe der marxi-
       stischen Arbeiterpartei, auf Basis dieser elementaren Erfahrungen
       und Einsichten  die im wissenschaftlichen Sozialismus ausgedrück-
       ten Klasseninteressen  bewußt zu  machen und jegliche Erkenntnis-
       schranken (wie etwa sozialpartnerschaftliche Denkweisen) zu über-
       winden, die  die Erkenntnis der inneren Zusammenhänge und Gesetz-
       mäßigkeiten der gesellschaftlichen Verhältnisse hemmen.
       Eine Reihe  von Indikatoren standen unserer Untersuchung zur Ver-
       fügung, um  den Grad der gesellschaftlichen Aktivität der Befrag-
       ten im  Vorfeld ihres Beitritts quantitativ auszudrücken. Wir be-
       schränken uns  auf die wichtigsten Ergebnisse und klammern an ei-
       nigen Stellen  die Studierenden  bei der  Darstellung aus. Erwar-
       tungsgemäß waren  für diese die Ausbildungsinstitutionen der Ort,
       an dem  sie gesellschaftlich  tätig wurden  und ihre  Erfahrungen
       sammelten. Über  zwei Drittel der Studierenden übten vor dem Par-
       teieintritt Interessenvertretungsfunktionen  in  der  Schule  aus
       35), 59 Prozent in der Hochschule.
       
       1. Gewerkschaftliche Organisierung und Aktivität
       ------------------------------------------------
       
       Die Bedeutung  der gewerkschaftlichen Organisierung und Aktivität
       als wichtige Vermittlungsinstanz bei der Aneignung des Klassenbe-
       wußtseins wird  bereits evident  aus den  Angaben über  die  Mit-
       gliedschaft in der Gewerkschaft, vor allem unter den lohnabhängi-
       gen Jugendlichen. Als Indikator ist der gewerkschaftliche Organi-
       sationsgrad hier deshalb von Interesse, da er im Zusammenhang mit
       anderen Angaben  verdeutlicht, daß  der Weg vieler lohnabhängiger
       Jugendlicher zur DKP offensichtlich über mehr oder weniger inten-
       sives gewerkschaftliches Engagement führt und seltener umgekehrt.
       Der gewerkschaftliche  Organisationsgrad vor  dem Eintritt in die
       DKP betrug  unter den  lohnabhängigen Jugendlichen 73 Prozent und
       unter den Studierenden 48 Prozent, wobei unter den Lohnabhängigen
       diese Quote  noch über  der SDAJ-Organisationsquote  vor Eintritt
       liegt. Nach  Eintritt in  die DKP bis zum Befragungszeitpunkt er-
       höht sich der Organisationsgrad um 17 bzw. 18 Prozent auf 90 Pro-
       zent der  lohnabhängigen und 66 Prozent der studierendenjugendli-
       chen. Dies  sind in jeder Hinsicht überdurchschnittlich hohe Quo-
       ten. 36)
       Die Mehrheit  (knapp zwei  Drittel) der  neueingetretenen und ge-
       werkschaftlich organisierten  lohnabhängigen Jugendlichen gab an,
       vor dem Eintritt sich im gewerkschaftlichen Rahmen in irgendeiner
       Art und Weise engagiert zu haben. Die weitere Aufschlüsselung der
       Angaben gibt Einblick in die geleisteten Aktivitäten. So nahm gut
       die Hälfte dieser Befragten vor ihrem Eintritt an gewerkschaftli-
       chen Veranstaltungen  teil (u.a.  Bildungsveranstaltungen),  über
       ein Drittel  arbeitete in  einer Jugendgruppe  mit und  knapp ein
       Drittel übte  gewerkschaftliche Funktionen  aus. 37)  Diese Daten
       können um  Angaben über  betriebliche Funktionen dieser Jugendli-
       chen im  Vorfeld des  Beitrittes ergänzt werden, die das Bild ab-
       runden und  unter spezifischem  Gesichtspunkt noch einmal den be-
       achtlichen Anteil  des betrieblich  und gewerkschaftlich  aktiven
       Kerns unter  den lohnabhängigen Jugendlichen belegen. Damit liegt
       auch nahe,  daß die Motivationen dieser Jugendlichen zum Eintritt
       in die DKP zu einem Großteil auf dem Hintergrund ihrer betriebli-
       chen Konflikterfahrungen und der eigenen bewußten Wahrnehmung ka-
       pitalistischer Realität sich entwickelten.
       
       Tabelle 12:
       Betriebliche Funktionen junger Mitglieder vor dem Eintritt in die
       DKP, in gerundeten Prozenten, Mehrfachnennungen.
       
             Alle lohnabhängigen  Arbeiterjugend  Männliche  Weibliche
                Jugendlichen                     Angestellte Angestellte
       
       Jugendvertreter 14              26            12           8
       Vertrauensmann
       /-frau          15              26            16          10
       Betriebsrats-
       mitglied         2               2             8           0
       Vertrauensmann bei der Bundeswehr/
       Zivildienst      3               5            12           0
       
       Bei der  niedrigen Quote der Betriebsratsmitglieder ist das junge
       Durchschnittsalter unserer  Befragten zu  berücksichtigen. Arbei-
       terjugendliche übten  am häufigsten  Funktionen im  Betrieb  aus.
       Diese Differenz  zu den Angestellten ist allgemein in den Betrie-
       ben festzustellen:  Arbeiter  sind  traditionell  nicht  nur  die
       Hauptgruppe der  gewerkschaftlich Organisierten, das Netz der In-
       stitutionen mit  Interessenvertretungscharakter (Vertrauensleute,
       Betriebsräte usw.)  ist in  ihrem Bereich auch entwickelter, d.h.
       dichter als im Angestelltenbereich.
       Unter den  Studierenden ist  die Gruppe  derjenigen, die  vor dem
       Beitritt betriebliche  Funktionen ausübten, natürlich gering. 38)
       Mitarbeit und  Organisation im  MSB Spartakus und im Zusammenhang
       damit in  studentischen  Interessenvertretungsgremien  übernehmen
       hier gleichsam eine Ausgleichsfunktion, d.h. die Organisierung im
       MSB erfüllt  im studentischen  Bereich eine ähnliche Funktion wie
       die gewerkschaftliche  Organisierung lohnabhängiger Jugendlicher.
       39) Im Vorfeld des Eintritts organisierten sich fast drei Viertel
       der Studenten im MSB, dieser Anteil liegt erheblich höher als die
       vergleichbare Quote lohnabhängiger Jugendlicher in der SDAJ.
       
       2. Kampferfahrungen und die Rolle des Kontaktes
       -----------------------------------------------
       zu marxistischen Kräften
       ------------------------
       
       Die eingangs erläuterten Überlegungen zur Rolle der Aktionserfah-
       rungen für  die Entwicklung  der Organisationsbereitschaft können
       exemplarisch anhand der Ergebnisse zur Frage, ob vor dem Eintritt
       an Aktionen  zur Durchsetzung bestimmter Forderungen teilgenommen
       wurde (Streiks, Demonstrationen, Kundgebungen o.ä.), verdeutlicht
       werden. 79  Prozent der Lohnabhängigen und 94 Prozent der Studie-
       renden nahmen vor dem Eintritt häufiger an solchen Aktionen teil.
       Dabei ist  in Rechnung  zu stellen,  daß die gegenwärtige Lage an
       den Hochschulen  der BRD  sich u.  a. durch einen höheren Grad an
       Aktionen auszeichnet  als es beispielsweise in Betrieben der Fall
       ist. Vergleicht  man damit die Ergebnisse, die das IM SF in einer
       Studie über das Bewußtsein arbeitender Jugendlicher in einem che-
       mischen Großbetrieb  40) ermittelte, so gaben dort nur 20 Prozent
       der Jugendlichen  an, schon einmal an einer Aktion gegen Arbeits-
       losigkeit (Unterschriftensammlung,  Demonstrationen usw.) teilge-
       nommen zu haben. Ähnlich niedrig ist der Anteil Jugendlicher, die
       die Frage  in einer Shell-Studie 41), ob sie  b e r e i t  wären,
       an einer Jugenddemonstration teilzunehmen, mit "ganz sicher" oder
       "wahrscheinlich" beantworteten.
       Unsere ermittelten Quoten über die Aktionserfahrungen junger DKP-
       Mitglieder vor  ihrem Eintritt bestätigen in prägnanter Weise die
       These, daß  diese Erfahrungen  die Organisationsbereitschaft för-
       dern. Es ist nicht so, daß sich die Befragten erst in der DKP or-
       ganisieren und anschließend handlungsfähig werden und an Aktionen
       und Auseinandersetzungen teilnehmen, sondern eher umgekehrt, auch
       wenn hier  und da  Ausnahmen nicht  ausgeschlossen sind. Aktions-
       und Kampferfahrungen  können in diesem Sinne als der Hauptweg zur
       Organisationsbereitschaft bezeichnet werden.
       Aktionserfahrungen an sich führen aber nicht automatisch zu einer
       sozialistischen Orientierung. Bereits die einfache Anschauung der
       Streikbewegungen in  der Bundesrepublik lehrt dies. Der Zusammen-
       hang zwischen Kampferfahrungen bzw. Handlungsbereitschaft und Or-
       ganisationsbereitschaft ist  kein Automatismus und kann nicht me-
       chanistisch gefaßt  werden. Die Entwicklung sozialistischen Klas-
       senbewußtseins verläuft  keineswegs gradlinig  und  widerspruchs-
       frei; sie  folgt nicht einfach aus der bloßen Teilnahme an Aktio-
       nen und  Kämpfen der Arbeiterklasse. Eingangs wurde schon auf die
       Rolle der  marxistischen Kräfte  und ihre  Bedeutung für die Ver-
       mittlung klassenmäßiger Einsichten hingewiesen .
       Es ist daher auch kein Zufall, wenn in empirischen Untersuchungen
       die gute  Kenntnis von Kommunisten als in diesem Zusammenhang we-
       sentlicher Faktor erscheint. In der schon erwähnten Studie von H.
       Werner über  das ökonomische  und politische Bewußtsein von Teil-
       nehmern an  Arbeiterbildungsveranstaltungen konnte beispielsweise
       ein positiver und hochsignifikanter Zusammenhang zwischen der Be-
       reitschaft, eine sozialistische Entwicklung der Bundesrepublik zu
       unterstützen, und  den Kontakten  zu DKP-Mitgliedern nachgewiesen
       werden. Auch  in unserer  Untersuchung wurde  die außerordentlich
       wichtige Rolle des Kontaktes der befragten Jugendlichen zu Kommu-
       nisten deutlich.  Die überwiegende Mehrheit nahm vor dem Beitritt
       an Aktionen und Auseinandersetzungen teil, an denen sich auch so-
       zialistische und kommunistische Kräfte beteiligten; nur ein klei-
       ner Teil  nahm hauptsächlich  an Aktionen  außerhalb des Umfeldes
       der DKP teil.
       Die persönliche  Überzeugung durch Kontakte, Diskussionen und Ge-
       spräche mit  Marxisten erweist sich als wichtigstes Vermittlungs-
       glied für  die Zufuhr  marxistischer Bildungselemente und die Un-
       terstützung von  Lernprozessen. Es ist daher nicht verwunderlich,
       daß die  Befragten auf  die Frage,  welche Anlässe maßgeblich das
       Interesse an der Politik und den Aussagen der DKP bestimmten, un-
       terschiedslos mit  einem Anteil  von 90  Prozent den persönlichen
       Gesprächen mit  Mitgliedern der  DKP bei  verschiedenen  Anlässen
       eine große oder sehr große Rolle einräumten. Die Beurteilung die-
       ser Vorgabe erhielt den höchsten Anteil zustimmender Bewertungen,
       andere Vorgaben,  die weitere Seiten der Tätigkeit der DKP einbe-
       zogen, wurden  deutlich zurückhaltender bewertet. Das Bewertungs-
       profil kann  etwa so  umschrieben werden, daß die Bedeutung um so
       höher war,  je persönlicher und direkter die Formen des Kontaktes
       waren.
       Kampferfahrungen   u n d  die Vermittlung von Lernprozessen durch
       die Vertreter  der marxistischen  Arbeiterpartei, also das Lernen
       in der Aktion und aus der Aktion sind zwei Momente, die einen au-
       ßerordentlich hohen  Stellenwert für die Entwicklung zum soziali-
       stischen Klassenbewußtsein  und zur Organisationsbereitschaft be-
       sitzen.
       
       _____
       1) Stellvertretend seien  hier folgende  Arbeiten genannt: Harald
       Werner, Arbeiterbildung  und gesellschaftliches  Bewußtsein, Köln
       1979; Jugendliche  im Großbetrieb.  Studie zum gewerkschaftlichen
       und politischen  Bewußtsein arbeitender Jugendlicher. Verfaßt von
       J.H. v.  Heiseler unter  Mitwirkung von D. Hänisch und A. Jansen.
       Beiträge des  IMSF Bd.  5, Frankfurt/M. 1978; Chr. Bierbaum u.a.,
       Ende der  Illusionen? Bewußtseinsänderungen  in der  Wirtschafts-
       krise, Frankfurt/Köln  1977; S.  Herkommer, J. Bischoff u.a., Ge-
       sellschaftsbewußtsein und Gewerkschaften, Hamburg 1979; W. Kudera
       u. a.,  Gesellschaftliches und  politisches Bewußtsein von Arbei-
       tern.  Eine  empirische  Untersuchung,  Frankfurt/M.  1979;  Chr.
       Eckart u.  a., Arbeiterbewußtsein, Klassenzusammensetzung und so-
       ziale Entwicklung, In: Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theo-
       rie 4, Frankfurt/M. 1975; L. Hack u. a., Leistung und Herrschaft.
       Soziale Strukturzusammenhänge  subjektiver Relevanz  bei jüngeren
       Industriearbeitern, Frankfurt/New  York,  1979;  R.  Lichte,  Be-
       triebsalltag von Industriearbeitern. Konflikthandeln einer Beleg-
       schaftsgruppe vor  und während  einer Betriebsstillegung,  Frank-
       furt/New York 1978.
       2) Über das  widersprüchliche Bewußtsein von Arbeitern vgl.: J.H.
       v. Heiseler,  Arbeiterbewußtsein und Krise, in: Marxistische Stu-
       dien. Jahrbuch des IMSF 1/1978, S. 273 ff.; ders., Die elementare
       Basis bürgerlichen  und sozialistischen Bewußtseins in der Arbei-
       terklasse, in:  Marxistische Studien, 2/1979, S. 370 ff.; H. Wer-
       ner, Zwischen Sozialpartnerschaftsideologie und Klassenbewußtsein
       - zur  Bedeutung der Widersprüche im Arbeiterbewußtsein, in: Mar-
       xistische Studien, 2/1979, S. 341 ff.
       3) Panel-Studien dürften  bei solchen und ähnlichen Fragestellun-
       gen am  sinnvollsten sein, da sie sozusagen prozeßproduzierte Da-
       ten verarbeiten.  Praktisch sind  solche Studien über Zeit und an
       ein und  derselben Untersuchungsgruppe  m unserem  Fall schon al-
       leine aus  arbeitsökonomischen oder  auswahltechnischen Gesichts-
       punkten nicht diskutabel.
       4) Bei Verwendung  dieser  Kategorie  schließen  wir  die  kleine
       Gruppe der Beamten mit ein.
       5) U.a. war die 'Ausfallquote' sehr niedrig.
       6) Beabsichtigt ist die Veröffentlichung eines IMSF-Informations-
       berichtes über diese Untersuchung, der noch 1980 erscheinen soll.
       7) Nach Erziehung und Wissenschaft, Zeitung der GEW, Heft 1/1980,
       S. 31.
       8) Trotz Berücksichtigung  des jüngeren  Durchschnittsalters  der
       lohnabhängigenjugendlichen weisen  diese im Vergleich zum gleich-
       altrigen Bevölkerungsdurchschnitt  auch eine  niedrigere Quote an
       Verheirateten aus.  22% der männlichen und 26% der weiblichen be-
       fragten Lohnabhängigen  sind verheiratet, 40 bzw. 49% hatten eine
       feste Beziehung  und nur 35 bzw. knapp 21% sind weder verheiratet
       noch in  einer Beziehung. Im Vergleich beträgt die Quote der Ver-
       heirateten unter den 20- bis 30jährigen männlichen Erwerbstätigen
       1974 42% und unter den weiblichen 67%; nach: Presse- und Informa-
       tionsamt der  Bundesregierung (Hrsg.),  Gesellschaftliche  Daten,
       1977, S. 17.
       9) Erhoben wurde  der letzte vom Vater ausgeübte Beruf. Mit weni-
       gen Ausnahmen  ist der Vater traditionell die ökonomisch wichtig-
       ste Person im Haushalt.
       10) Altersmäßig  ist   die  berufliche   Stellung  der   45-  bis
       60jährigen Erwerbsbevölkerung  am  ehesten  mit  der  beruflichen
       Stellung der Väter der lohnabhängigenjugendlichen vergleichbar.
       11) B. Armbruster, R. Leisner, Bürgerbeteiligung in der Bundesre-
       publik, Göttingen 1975, S. 103.
       12) "Röntgenbild einer modernen Volkspartei. Sozialstruktur, Par-
       teiaktivität und  Informationsverhalten der  SPD-Mitglieder", in:
       Sozialdemokrat Magazin, 4/1978, S. 9.
       13) Vgl. dazu  die Tabelle  bei H. W. Schmollinger/R. Stöss, Bun-
       destagswahlen und  soziale Basis politischer Parteien in der Bun-
       desrepublik, in: Prokla 26, 1976, S. 117.
       Für die  Jungsozialisten als  Nachwuchsorganisation der  SPD sind
       momentan nur  ältere Quellen  zugänglich. K.D.  Voigt nannte 1972
       folgende Quoten: 24% der Jungsozialisten sind Arbeiter, 31% Ange-
       stellte, 22% Beamte und 7% Studenten (zit. nach B. Armbruster, R.
       Leisner, a.a.O., S. 104). Diese Anteile dürften sich mittlerweile
       etwas geändert haben; sie dienen hier nur zur Orientierung.
       14) Statistisches Jahrbuch für die BRD, 1978, S. 337.
       15) Vgl. J.H.  v. Heiseler,  Die elementare  Basis..., a.a.O., S.
       374: "Der Einfluß des öffentlichen Schulwesens, des vom Unterneh-
       men angebotenen  Seminars für  'Mitarbeiter', ein  Gewerkschafts-
       lehrgang, ein Kurs der Marxistischen Abendschule haben gewiß alle
       jeweils eine  die Widersprüche  im Bewußtsein  vereinheitlichende
       Wirkung, aber  in zum Teil völlig gegensätzlicher Richtung. Jeder
       Bildungsfaktor führt  aber im allgemeinen dazu, daß innere Wider-
       sprüche eher erkannt und vermieden werden."
       16) Vgl. die  Ergebnisse einer INFAS-Repräsentativerhebung, in F.
       Deppe, Autonomie  und Integration. Materialien zur Gewerkschafts-
       analyse, Marburg 1979, S. 56.
       17) Die  offizielle   Betriebsgrößenstatistik  unterteilt  leider
       nicht weiter  die in Betrieben mit über 1000 Beschäftigten Arbei-
       tenden. Daten über die Verteilung der 20- bis 30jährigen Erwerbs-
       bevölkerung nach  Betriebsgröße können  wir daher nicht vorlegen.
       Angaben über gewerbliche und kaufmännische Auszubildende sind bei
       E. Stark  - von  der Haar,  Arbeiterjugend heute, Jugend ohne Zu-
       kunft?, Neuwied und Darmstadt 1977, S. 195 f. zu finden.
       18) Wobei dieses Verhältnis regionalen Besonderheiten unterliegt.
       19) K. Wasmund,  Politische Orientierungen  Jugendlicher, München
       1977, S. 34.
       20) Ibid.
       21) Jugendliche im Großbetrieb, a.a.O., S. 154.
       22) N. Diederich,  Zur Mitgliederstruktur von CDU und SPD, in: J.
       Dittberner/R. Ebbinghausen,  Parteiensystem in der Legitimations-
       krise. Studien und Materialien zur Soziologie der Parteien in der
       Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1973, S. 51, Tabelle 19.
       23) Der Anteil  kommunistisch orientierter  Eltern(teile) beträgt
       unter den  lohnabhängigen jungen  DKP-Mitgliedern 11% , unter den
       Studierenden lediglich 4%.
       24) N. Diederich, Zur Mitgliederstruktur von CDU und SPD, a.a.O.,
       S. 50.  Am Rande sei hier vermerkt, daß die Struktur der Untersu-
       chungsgruppen nur mit Einschränkungen mit unserer verglichen wer-
       den kann.
       25) Unter ausgesprochen bürgerlichen Auffassungen sind hier libe-
       rale, christliche,  konservative und  rechte Auffassungen zu ver-
       stehen.
       Wir stimmen  in diesem  Zusammenhang Allerbeck  nicht zu, daß die
       Frage nach  der politischen  Orientierung unpräzise sei, da Linke
       zu übertriebener  Etikettierung  anderer  politischer  Positionen
       neigen. Bereits  die Auszählung  zeigt, daß dem nicht so ist. Wir
       können von einem relativ hoch entwickelten Differenzierungsvermö-
       gen auch  bei jungen  DKP-Mitgliedern ausgehen, was die Einschät-
       zung anderer  politischer Auffassungen  betrifft. Seine  Alterna-
       tive, die Frage nach der Parteipräferenz, ist dagegen als untaug-
       lich anzusehen, zumal hier eine unzulässige Einengung politischer
       Positionen auf  das existierende  Parteienspektrum der BRD postu-
       liert wird.  Vgl. K.R. Allerbeck, Soziologie radikaler Studenten-
       bewegungen, München und Wien 1973, S. 109.
       26) Es handelt  sich um das Assoziationsmaß Yule's Q für Vierfel-
       dertabellen.
       27) Ergebnisse  einer   INFAS-Repräsentativerhebung  vom  Oktober
       1973, zit.  aus: Gesellschaftliche  Daten 1977, a. a. O., S. 295.
       Nach der  gleichen Quelle  sind die  50- bis 64jährigen mit einem
       Anteil von  9% in Parteien organisiert. Dies entspricht altersmä-
       ßig am ehesten den Eltern der Befragten.
       In Vereinen sind nach INFAS 30% der Bevölkerung und 3 5% der Män-
       ner über  50 Jahre  organisiert (Armbruster/Leisner,  a.a.O.,  S.
       232).
       28) Weitere Vergleichsdaten: 30% aller abhängig Beschäftigten wa-
       ren Ende  1978 im  DGB organisiert (Gewerkschaftliche Monatshefte
       11/79,5. 742).  39% der  Beschäftigten sind im DGB und in anderen
       Organisationen mit  gewerkschaftsähnlichem Charakter  (DAG  u.a.)
       organisiert (nach  Angaben des  DGB-Gewerkschaftsbarometers 1979,
       durchgeführt von der MARPLAN-Forschungsgesellschaft, S. 1).
       29) Im Spektrum  der bürgerlich  orientierten Elternhäuser weisen
       die christlich  eingestellten Eltern den höchsten Arbeiterfamili-
       enanteil aus,  damit verbunden  auch den  höchsten Anteil gewerk-
       schaftlich organisierter Elternhäuser im Vergleich zu anderen mit
       bürgerlichen ideologischen Einstellungen.
       30) N. Diederich, a.a.O., S. 52 f. Güllners Ergebnisse zeigen un-
       ter den  jüngeren SPD-Mitgliedern  einen schwindenden Einfluß der
       sozialisierenden Funktion  der Elternhäuser. Der Rekrutierungska-
       nal 'sozialdemokratisch  organisiertes Elternhaus'  wird im Laufe
       der Zeit immer schmaler. So waren noch vor 1933 62% der Väter von
       Dortmunder SPD-Mitgliedern ebenfalls in der SPD organisiert, 1945
       bis 1950 noch 47%, 1951 bis 1968 30% und 1969 /1970 nur noch 19%.
       Vgl. dazu  M. Güllner,  Daten zur Mitgliederstruktur der SPD, in:
       Wahlforschung. Sonden  im politischen  Markt,  Opladen,  2.  erw.
       Aufl. 1977, S. 102.
       31) Einer der  wichtigsten Gründe  liegt im Fehlen einer kontinu-
       ierlichen kommunistischen  Wirkungsmöglichkeit. Die  Wurzeln rei-
       chen bis  zum Faschismus  zurück, der personell hohe Opfer abfor-
       derte, und  setzen sich  fort  in  der  Illegalität  während  der
       Adenauer-Ära. Daher  sind die Quoten junger Mitglieder aus kommu-
       nistisch eingestellten Familien so niedrig.
       32) Vgl. H. Kreutz: Der Einfluß auf politische Entscheidungen, in
       G. Wurzbacher  (Hrsg.),  Die  Familie  als  Sozialisationsfaktor,
       Stuttgart, 2. erweiterte Auflage 1977, insbesondere S. 120 ff.
       33) Sowohl Befragte  aus sozialdemokratischen  Familien als  auch
       solche aus bürgerlich eingestellten oder unpolitischen Elternhäu-
       sern sympathisierten  im Vorfeld ihres Eintrittes in die DKP oder
       eine ihr  nahestehende Organisation  mit den Jusos, allerdings in
       (signifikant) unterschiedlicher Höhe.
       34) H. Werner, Arbeiterbildung und gesellschaftliches Bewußtsein,
       a.a.O., S. 144 f.
       35) Ein nach  unserer Auffassung bemerkenswert hoher Anteil , der
       die Bedeutung  der bereits  in der  schulischen Sozialisation er-
       lernten Fähigkeiten zu solidarischem Handeln andeutet. Der Anteil
       liegt zwar  unter den lohnabhängigen Jugendlichen mit 58% niedri-
       ger, ist aber dennoch recht hoch.
       36) Vergleichsdaten liegen, soweit ersichtlich, nur eingeschränkt
       vor. Nach  der "Kommunikationsstudie" der SPD über Sozialstruktur
       und Infomiationsverhalten  der SPD-Mitglieder  im Jahre 1977 sind
       von allen SPD-Mitgliedern 47% in einer DGB-Gewerkschaft und 3% in
       der DAG. Die Daten, die Güllner über das Dortmunder SPD-Rekrutie-
       rungspotential ermittelte,  zeigen ,  daß im Laufe der Jahrzehnte
       die Quote  der gewerkschaftlich  Organisierten abnimmt:  Zwischen
       1961 und  1967 betrug der gewerkschaftliche Organisationsgrad un-
       ter eingetretenen SPD-Mitgliedern noch 50%, 1970 fällt er auf un-
       ter 40%  ab. (Quellen: Röntgenbild einer modernen Volkspartei, a.
       a. O.,  S. 10,  und M.  Güllner: Daten zur Mitgliedersrruktur der
       SPD, a.a.O., S. 102.)
       37) Bei näherer  Aufgliederung sind erhebliche Unterschiede fest-
       zustellen. 33% der Arbeiterjugendlichen, 32% der männlichen Ange-
       stellten, aber  nur 13% der weiblichen Angestellten übten gewerk-
       schaftliche Funktionen aus.
       38) Wir finden dennoch Befragte, die im Vorfeld des Beitritts zur
       DKP bzw. vor ihrem Studium Jugendvertreter-, Vertrauensleute- und
       Betriebsratsfunktionen ausübten.  Dies ist mit einem ungewöhnlich
       hohen Anteil  von Absolventen des zweiten Bildungsweges unter den
       Studierenden verbunden.  Eine interne Subgruppenanalyse wies dann
       auch hohe  Anteile ehemaliger betrieblicher Funktionsträger unter
       diesen Studenten  aus, der  in einigen  Fällen fast an die Quoten
       der lohnabhängigen  Jugendlichen heranreicht. Offenbar vermitteln
       die Studiensituation  und der Kontakt zu marxistischen Kräften an
       der Hochschule  auf der Basis der spezifischen Ausgangsvorausset-
       zungen (Wahrnehmung betrieblicher Konflikte bzw. Kenntnis der Ar-
       beitsverhältnisse) die  Möglichkeit zur rationalen und kritischen
       Einordnung ihrer  Erfahrungen. Thränhardt  stellte fest: "Für die
       vier Abteilungen  an der  PH Westfalen-Lippe  konnte 1972 festge-
       stellt werden,  daß etwa  die Hälfte  der Studenten, die in Hoch-
       schulgremien, Fachschaften und politischen Gruppen mitarbeiteten,
       über die  Sonderprüfung an  die PH gekommen waren. Bei 12 Prozent
       Gesamtanteil ist  das eine  erstaunliche Überrepräsentation." (D.
       Thränhardt, Hochschulzugang für Berufstätige ohne Abitur, in: De-
       mokratische Erziehung, Heft 6/1975, S. 14.)
       39) Was natürlich nicht heißt, daß die unterschiedlichen Zielset-
       zungen unberücksichtigt bleiben dürfen.
       40) Jugendliche im Großbetrieb, a. a. O., S. 111.
       41) Jugendwerk der  Deutschen Shell  (Hrsg.), Jugend  zwischen 13
       und 24. Vergleich über 20 Jahre, o.O., Bd. II, 1975, S. 161.
       

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