Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980


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       DAS INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSWISSENSCHAFTEN
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       BEIM ZK DER USAP, BUDAPEST
       ==========================
       
       Tibor Halay
       
       1. Charakter und Tätigkeit des Instituts; - 2. Forschungsrichtun-
       gen und  -themen; - 3. Internationale Beziehungen und Zusammenar-
       beit.
       
       Das Institut  für Gesellschaftswissenschaften (IG) wurde vor mehr
       als 10  Jahren gegründet.  Es ist eine wissenschaftliche Einrich-
       tung  beim  ZK  der  Ungarischen  Sozialistischen  Arbeiterpartei
       (USAP) und  Bestandteil des  institutionellen Wissenschafts-  und
       Forschungssystems Ungarns.  Es hat die Aufgabe, die aktuellen ge-
       sellschaftspolitischen Probleme  zu studieren,  theoretische  und
       empirische Forschungen  durchzuführen, an der Entscheidungsvorbe-
       reitung politischer  Organe teilzunehmen und Aufgaben bei der Ko-
       ordinierung der  gesellschaftswissenschaftlichen Forschung in Un-
       garn zu übernehmen.
       
       1. Charakter und Tätigkeit des Instituts
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       Die Tätigkeit  des IG entspricht in den wesentlichen Zügen derje-
       nigen anderer  gesellschaftswissenschaftlicher Forschungseinrich-
       tungen in  Ungarn. Einige  Besonderheiten sind  jedoch durch  den
       komplexen Charakter  des Gegenstandes  und der  Methoden der For-
       schung bestimmt. Die Untersuchungsprobleme tangieren mehrere Wis-
       senschaftsdisziplinen. Die Aufgabenstellung ist in der Regel mit-
       telfristig, nur selten langfristig.
       Die Forschungsergebnisse  sind überwiegend Ergebnisse kollektiver
       Arbeit, in die die individuellen Forschungen integriert sind. Die
       Aufgabenstellung bedingt, daß im Institut keine auf Dauer fixier-
       ten Arbeitsgruppen  oder Abteilungen  bestehen, sondern daß diese
       stets gemäß  den gegebenen  Forschungsthemen -  in der  Regel für
       fünf Jahre - organisiert werden. Sie wurden dementsprechend, seit
       Bestehen des IG, mehrmals reorganisiert. Die Forschungsarbeit hat
       interdisziplinären Charakter.  In den einzelnen Forschungsgruppen
       arbeiten je  nach der Aufgabenstellung Philosophen, Ökonomen, Ju-
       risten, Historiker,  Soziologen, Psychologen und Mathematiker zu-
       sammen. Im  IG werden  unterschiedliche Typen von Forschungen mit
       ihnen jeweils entsprechenden Methoden durchgeführt.
       So gibt  es grundlegende  Studien theoretischen  Charakters, z.B.
       über die Einordnung und Rolle der Räte in der ungarischen Gesell-
       schaft während  der Vorbereitung  des  "Rätegesetzes"  vom  Jahre
       1971, über  theoretische Fragen  der Entwicklung der Sozialstruk-
       tur, über  die Perspektiven des Bildungssystems usw. Daneben ste-
       hen regelmäßig empirische soziologische Untersuchungen mit unter-
       schiedlichen methodischen  Verfahren auf dem Programm. Früher gab
       es umfangreiche  Erhebungen zur  Situation der Arbeiterklasse, zu
       Lebensbedingungen und Bildungsverhältnissen der verschiedenen Ar-
       beiterschichten, zur  Durchsetzung der  Betriebsdemokratie und zu
       den Lebens-  und Arbeitsbedingungen der Pendler. Danach fand sei-
       tens des  IG eine umfangreiche empirische Erfassung der Situation
       der Intelligenz  in der  Provinz und  nachher - unter Nutzung der
       gesammelten Erfahrungen  - in Budapest statt. Ein großer Teil der
       Erhebungen ist  in ein  Forschungsprojekt größeren  Umfangs inte-
       griert, und zwar der Überprüfung der Klassen- und Schichtstruktur
       der ungarischen Gesellschaft. Als Endprodukte der empirischen und
       der Grundlagenforschung  unseres Institutes über die Struktur der
       ungarischen Gesellschaft könnten zahlreiche Publikationen angese-
       hen und angeführt werden.
       Im Laufe  der vergangenen  10 Jahre  wurden mehr als 200 Studien,
       Monographien und  Studienbände veröffentlicht.  Das Institut gibt
       auch die  vierteljährlich erscheinende  Zeitschrift  "Tarsadalom-
       tudomanyi Közlemenyek" (Gesellschaftswissenschaftliche Mitteilun-
       gen) heraus.  Daneben  werden  auch  sogenannte  Werkstattstudien
       veröffentlicht, die  Detailresultate  der  einzelnen  Forschungen
       enthalten und  den Bedürfnissen  engerer Fachkreise  entsprechen.
       Bücher  für   einen  breiteren   Leserkreis  oder  für  die  wis-
       senschaftliche Öffentlichkeit  erscheinen auch  bei verschiedenen
       Buchverlagen. In  einzelnen Fällen,  wie z.B.  zur Sozialstruktur
       und zur  Jugendforschung oder  im Zusammenhang  mit ideologischen
       Problemen, veröffentlichen  wir auch Bücher in russischer, engli-
       scher oder auch in anderen Sprachen . So wurde z.B. anläßlich des
       9. Weltkongresses der Soziologen ein Studienband über die Sozial-
       struktur in russischer und englischer Sprache veröffentlicht; an-
       läßlich des im Jahre 1979 in Moskau veranstalteten Weltkongresses
       der Politologen  veröffentlichten wir  eine Publikation unter dem
       Titel "Some  issues of  the political  System in Hungary". Unsere
       Zeitschrift veröffentlicht  in erster  Linie die Studien und Dis-
       kussionsartikel unserer  Mitarbeiter, daneben  kommen darin  auch
       andere in-  und ausländische  Autoren zu  Wort. Die Redaktion der
       Zeitschrift und der sonstigen Publikationen fällt in den Arbeits-
       bereich des IG.
       In der Periode 1975 bis 1980 bestanden in unserem Institut 5 For-
       schungsgruppen. Zur  Unterstützung der  Forschungsarbeit entstand
       auch eine  Dokumentations- und  Informationsabteilung. Selbstver-
       ständlich verfügen  wir entsprechend  den  Forschungsthemen  auch
       über eine  entsprechende Bibliothek und eine Dokumentationsbasis.
       Außer unseren  eigenen Mitarbeitern  werden für  einzelne  Themen
       auch namhafte  externe inländische  Experten, Gelehrte  usw.  für
       einen bestimmten Zeitraum zur Mitarbeit herangezogen.
       
       2. Forschungsrichtungen und -themen
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       In der vergangenen 5-Jahresperiode wurde die Forschungsarbeit auf
       der Grundlage folgender Forschungsrichtungen organisiert:
       a) Entwicklung des Staates und der Demokratie;
       b) Kennzeichen des entwickelten Sozialismus;
       c) Gestaltung der Sozialstruktur und ihr Zusammenhang mit dem ge-
       sellschaftlichen Bewußtsein;
       d) einzelne ideologische Prozesse der Gegenwart;
       e) Lage der Jugend, Probleme der zukünftigen Entwicklung des Bil-
       dungssystems. Unsere  Tätigkeit im  Rahmen dieser Forschungsrich-
       tungen kann für die vergangenen
       Jahre wie folgt konkreter bestimmt werden:
       Zu a):  "Im  Rahmen  der  mit  dem  Komplex    S t a a t    u n d
       D e m o k r a t i e   zusammenhängenden Forschungen  untersuchten
       wir die  Einordnung der  gesellschaftlichen Organe  in das System
       der politischen  Machtausübung, das Vertretungssystem, die Tätig-
       keit der  staatlichen Verwaltung und die Bürgerrechte. Das Insti-
       tut beteiligte  sich auch  an der Formulierung der Prinzipien des
       R ä t e g e s e t z e s  von 1971, an der theoretischen Vorberei-
       tung der  Verfassungsreform und  der damit  zusammenhängenden Ge-
       setze der Staatsorganisation mit Verfassungsrang.
       Seit geraumer Zeit analysiert das Institut Begriff und Inhalt des
       politischen Systems.  Die Untersuchungen  sind nicht  institutio-
       nell, sondern  funktionell ausgerichtet.  In den Diskussionen der
       vergangenen Jahre  stellte sich  auch die  Frage  der  Einordnung
       nichtstaatlicher gesellschaftlicher Organe. Besonders sorgfältige
       Analysen erfordern  dabei die Gewerkschaften und ihre Interessen-
       vertretungsfunktion. Die Vervollkommnung der gesellschaftlich-po-
       litischen Funktion  der in den Staatsapparat integrierten Vertre-
       tungsorgane (Parlament,  örtliche Räte  usw.) bildet  ein anderes
       großes Gebiet in der Entwicklung der politischen Organisation der
       sozialistischen Gesellschaft.
       Wir analysierten,  wo und mit welchen Garantien es notwendig ist,
       die Interessen der Individuen oder bestimmter sozialer Gruppen im
       System der  politischen Organisation  zu stärken.  Die durch  die
       einzelnen Institutionen vertretenen Interessen sind keineswegs im
       voraus gegeben  oder einheitlich. Darum ist es erforderlich, auch
       innerhalb der  Institutionen -  z. B. in den Gewerkschaften - die
       unterschiedlichen Interessen  in Rechnung zu stellen, sie abzuwä-
       gen, abzustimmen und fallweise auch miteinander zu konfrontieren.
       Die Abstimmung,  Konfrontation und  Vertretung  unterschiedlicher
       Interessen und  Anschauungen erfolgt in unserer Gesellschaft kon-
       tinuierlich, an  verschiedenen Orten und in verschiedenen Organi-
       sationen. Wir  sind bestrebt,  die Formulierung  und Durchsetzung
       der Interessen  mit dem  gesamten Mechanismus der sozialistischen
       Demokratie zu gewährleisten.
       Unsere Forschungsergebnisse bestärken uns in unserer Überzeugung,
       daß kontroverse  Anschauungen und  Meinungen - sowie ihre Abstim-
       mung und  Konfrontation -  in allen Bereichen des gesellschaftli-
       chen Lebens ständig entstehen und bestehen und im gesellschaftli-
       chen Prozeß  reproduziert werden.  Die  Meinungsunterschiede  er-
       scheinen zwar  nicht in  spektakulärer, sensationeller  Form, mit
       der Entwicklung  des politischen Systems, mit der Erweiterung der
       Staatsbürgerrechte bilden  wir jedoch eine die inhaltliche Lösung
       der Probleme sichernde Demokratie heraus.
       Zu b): Die im Themenkomplex  K e n n z e i c h e n  d e r  e n t-
       w i c k e l t e n   s o z i a l i s t i s c h e n    G e s e l l-
       s c h a f t   untersuchten Fragen betreffen die historische Stel-
       lung des Sozialismus, die Produktivkräfte der entwickelten sozia-
       listischen Gesellschaft,  einzelne Fragen der sozialen Gleichheit
       und des  Kollektivismus, allgemeine  Gesetzmäßigkeiten und natio-
       nale  Eigenheiten  im  Aufbau  der  entwickelten  sozialistischen
       Gesellschaft. Hierzu  erschienen als Forschungsergebnisse mehrere
       Werke  z.B.   über  das  System  und  über  die  Entwicklung  der
       Arbeitsteilung, über die gesellschaftliche Information und Infor-
       miertheit, über die Frauen u. a. Anhand von Daten der sozialisti-
       schen Länder  wurde auch  eine internationale  Bibliographie über
       Probleme beim  Aufbau der  entwickelten  sozialistischen  Gesell-
       schaft zusammengestellt.
       Zu c): Innerhalb des Themenkomplexes  S o z i a l s t r u k t u r
       u n d   s o z i a l e s   B e w u ß t s e i n   befaßt sich unser
       Institut insbesondere  mit drei  Fragen: Probleme  der Annäherung
       der Klassen,  innere Schichtung  und Dynamik  der Arbeiterklasse,
       Widerspiegelung sozialer  Gleichheit und  Ungleichheit im Bewußt-
       sein und in den damit zusammenhängenden Wertorientierungen.
       Für die  Koordinierung der hierzu laufenden ungarischen Forschun-
       gen trägt  unser Institut  ebenfalls die Verantwortung. Im Inter-
       esse der  weiteren Untersuchung dieser Probleme wird die entspre-
       chende Forschungsarbeit  in den nächsten 10 Jahren noch erweitert
       werden. Das  Forschungsprogramm "Gestaltung  der  Sozialstruktur,
       der Lebensweise und des Bewußtseins in Ungarn" wird als vorrangi-
       ges Projekt auf zentraler Ebene koordiniert.
       Zu diesem  Thema gab es schon bemerkenswerte Publikationen. Unter
       dem Titel  "Entwicklung unserer  Sozialstruktur" erschien ein zu-
       sammenfassendes Werk  in drei Bänden. Veröffentlicht wurden Mono-
       graphien und  Studienbände wie z.B. "Pendler", "Änderungen in der
       Struktur der  Arbeiterklasse", "Soziale  Gliederung in  den land-
       wirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften" u.a.
       Zum Thema  "Annäherungsprozesse zwischen  der Arbeiterklasse  und
       der technischen  Intelligenz" beteiligten wir uns an einer inter-
       nationalen empirischen soziologischen Untersuchung, die im Rahmen
       der entsprechenden  gemeinsamen Problemkommission  der  Akademien
       der Wissenschaften  der RGW-Länder  Europas durchgeführt wird und
       der Bulgarien,  die Tschechoslowakei,  Polen, die  DDR, Rumänien,
       die Sowjetunion und Ungarn angehören.
       Mit dem Erreichen eines mittleren Entwicklungsniveaus und der Um-
       wandlung Ungarns in ein industrielles Agrarland zeigten sich qua-
       litative Veränderungen  des  Wachstumsprozesses  unserer  Gesell-
       schaft, so u.a. in der Zusammensetzung der Arbeiterschaft, in ih-
       rer Fachbildung,  Schulbildung,  Kultur,  ihrem  politischen  und
       ideologischen Charakter. Im Vergleich zu früher verringerten sich
       auch die  Unterschiede innerhalb unserer Bauernschaft; ihre jahr-
       hundertelange Abkapselung ist verschwunden. Mit den wirtschaftli-
       chen Erfolgen  der Genossenschaftsbewegung  veränderte sich  auch
       der Charakter  der Bauernschaft. Eine ähnliche Entwicklung durch-
       lief auch die Intelligenz, indem sich die Intelligenz berufe auch
       für Arbeiter und Bauern öffneten. Anstatt der früher außerordent-
       lich starken sozialen Differenzierung entstand eine in jeder Hin-
       sicht ausgeglichenere  Struktur der  Arbeiterschaft, der  Bauern-
       schaft und der Intelligenz.
       Aus unseren  bisherigen Forschungsergebnissen  ergibt sich  - was
       die Zukunft  unserer Sozialstruktur  betrifft ",  daß die Periode
       der extensiven  strukturellen Umwandlung unserer Gesellschaft ab-
       geschlossen ist.  Mit einer weiteren raschen Umwandlung ist nicht
       zu rechnen. Aufgrund der Annäherung der Klassen und Schichten ist
       zu beobachten, daß die Unterschiede innerhalb der Klasse manchmal
       bereits größer  sind als  jene zwischen den Klassen und den abge-
       grenzten sozialen  Schichten (z.B. sind Hilfsarbeiter und Fachar-
       beiter  derzeit  hinsichtlich  ihrer  Lebensführung,  materiellen
       Lage, in  ihrem kulturellen und politischen Verhalten weiter von-
       einander entfernt  als Facharbeiter  und Angehörige  der Intelli-
       genz). Außer  den derzeitigen Schichtunterschieden könnten in Zu-
       kunft neuartige  Differenzen entstehen.  Die Schulbildung und die
       regionalen Unterschiede  könnten eine bedeutendere Rolle erhalten
       als früher.  All dies  rückt den  Problemkreis Gleichheit und Un-
       gleichheit in  den Vordergrund  des Interesses  der Gesellschaft.
       Mit den Ausdrucksformen des Gleichheits-Ungleichheits-Bewußtseins
       und seinen strukturellen Komponenten begannen wir uns in den ver-
       gangenen Jahren  intensiver zu  befassen. Obwohl sich unsere For-
       schungen erst  im Anfangsstadium  befinden, sind wir der Ansicht,
       daß dieser  Themenkreis in Zukunft eine wichtige Frage der sozia-
       listischen Entwicklung darstellen wird. Zwei grundlegende Tenden-
       zen unserer  Verteilungsverhältnisse stoßen  in dieser Frage auf-
       einander: die  immer konsequentere  Realisierung der  Anforderung
       einer Verteilung  gemäß der Arbeitsleistung und die Absicht einer
       Erweiterung der sozialen Umverteilung.
       Zu d): Auf dem Gebiet  i d e o l o g i s c h e r  P r o b l e m e
       bearbeiten wir  gegenwärtig u.a.  folgende Fragen: eine kritische
       Analyse der  bürgerlichen Interpretation  des realen Sozialismus,
       eine Kritik  der technokratischen  Theorien sowie die Erforschung
       neuerer Tendenzen der bürgerlichen Ideologie.
       Zu e):  Im Rahmen  des Themenkomplexes   J u g e n d  u n d  G e-
       s e l l s c h a f t   werden z. Zt. folgende Probleme untersucht:
       Zusammenhang zwischen  der Gesellschaftsstruktur  und dem  Schul-
       und Bildungssystem,  Prozeß des Heranwachsens junger Arbeiter und
       Eingliederung der jungen Facharbeiter in die Gesellschaft, Fragen
       der Jugend und Familie.
       In Ungarn  koordiniert das  IG auch die Jugendforschung, deren 5-
       Jahrplan z.  Zt. ausgearbeitet wird. Im Rahmen der multilateralen
       Zusammenarbeit der  Akademien der Wissenschaften der europäischen
       RGW-Staaten in der Problemkommission "Die Arbeiterklasse im welt-
       revolutionären Prozeß"  koordiniert unser  Institut eine interna-
       tionale Vergleichsuntersuchung  zum Thema  "Lebensperspektive der
       Jugend im Sozialismus", die jetzt abgeschlossen wird. Dazu wurden
       jährlich Arbeitskonferenzen  der Wissenschaftler  aus  Bulgarien,
       der Tschechoslowakei, der DDR, aus Polen, der Sowjetunion und Un-
       garn veranstaltet. An diesen Aktivitäten sind die wissenschaftli-
       chen Institute der Bruderparteien und die Institute der Akademien
       der Wissenschaften der genannten Ländern gemeinsam beteiligt.
       
       3. Internationale Beziehungen und Zusammenarbeit
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       Im Laufe  der vergangenen  10 Jahre entfalteten sich umfangreiche
       Beziehungen zwischen  unserem Institut und ausländischen Einrich-
       tungen ähnlichen  Profils. Unsere Beziehungen mit den Einrichtun-
       gen der  sozialistischen Länder  entwickelten sich  meist auf der
       Basis bilateraler Abkommen. Ähnliche Abkommen bzw. Kontaktaufnah-
       men entstanden  auch mit  einer Reihe von Forschungsinstituten in
       kapitalistischen Ländern,  darunter zu  Einrichtungen kommunisti-
       scher Bruderparteien, zu der kommunistischen Bewegung nahestehen-
       den Instituten und zu mehreren unter sozialdemokratischer Leitung
       stehenden Forschungsinstituten  in Westeuropa. Wir beteiligen uns
       regelmäßig an  den bedeutenden  internationalen  Konferenzen  und
       Weltkongressen  der  gesellschaftswissenschaftlichen  Disziplinen
       (beispielsweise in  den vergangenen Jahren am Weltkongreß der So-
       ziologen, am  Weltkongreß der Philosophen, am Weltkongreß der Po-
       litologen, an  den in Cavtat/Jugoslawien veranstalteten Konferen-
       zen, am Forum zur Arbeiterbewegung unter der Schirmherrschaft der
       UNESCO in  Paris). Wie  schon erwähnt, ist die Beteiligung an den
       gemeinsamen Forschungsarbeiten  und den  gemeinsamen  empirischen
       soziologischen Untersuchungen  der sechs  bzw. sieben RGW-Staaten
       zu den  Themen "Annäherungsprozesse  zwischen der  Arbeiterklasse
       und der  technischen Intelligenz"  und "Lebensperspektive der Ju-
       gend im  Sozialismus" ein zentraler Bereich unserer internationa-
       len Aktivitäten.
       Kooperationsbeziehungen gibt es u. a. mit dem Institut für inter-
       nationale Arbeiterbewegung (IMRD) der Akademie der Wissenschaften
       der UdSSR,  mit dem  Marxistischen Forschungszentrum,  das im Be-
       reich des  Präsidiums des  ZK des BDKJ, Belgrad, arbeitet und mit
       dem Institut für Gesellschaftskunde der Akademie der Wissenschaf-
       ten von Kuba.
       Wir organisieren  bi- und  multilaterale Rundtischkonferenzen und
       Diskussionen. Mit  zahlreichen ausländischen  Teilnehmern gab  es
       derartige  Veranstaltungen  z.B.  zu  Fragen  der  Menschenrechte
       (Budapest),  über   das  Verhältnis  zwischen  Staat  und  Partei
       (Bukarest), über  die Interessen  in der  sozialistischen Gesell-
       schaft (Gdansk),  über Bündnispolitik  (Paris), über  die Leitung
       der Gesellschaft in Ungarn (Rom), über politisches System und De-
       mokratie (Amsterdam) usw.
       Selbstverständlich gibt  es auch  einen regen Dokumentations- und
       Informationsaustausch. In organisierter Form realisiert sich die-
       ser im  Rahmen der  internationalen Informationsorganisation  für
       Gesellschaftswissenschaften der  sozialistischen Länder (MISZON),
       in welcher  auch wir  vertreten sind.  Gleichzeitig vollzieht  er
       sich auf  der Basis  entsprechender Vereinbarungen mit Partnerin-
       stituten. Diese Zusammenarbeit erstreckt sich auch auf die gegen-
       seitige Teilnahme  an  internationalen  Konferenzen,  Beratungen,
       Diskussions- und Gedenksitzungen.
       Unsere Beziehungen  zu Forschungsinstituten  der  kommunistischen
       Parteien kapitalistischer Länder nahmen in den letzten Jahren sy-
       stematischen Charakter an.
       Mit dem  Gramsci-Institut, Rom,  seinen Wissenschaftlern und Lei-
       tern arbeiten  wir schon  seit geraumer Zeit zusammen. Dies bein-
       haltet auch den Austausch von Wissenschaftlern, von Informationen
       sowie die  Veranstaltung von Rundtischkonferenzen in Budapest und
       Rom (u.a.  über Erfahrungen  der sozialistischen  Entwicklung Un-
       garns, über  die Jugend-  und Bildungsprobleme). Mit dem Institut
       für Marxistische Forschung (IRM), Paris, bestehen ähnliche Bezie-
       hungen. Neben  dem Austausch von Wissenschaftlern und Informatio-
       nen führen  wir auch  in theoretischen  Fragen Diskussionen durch
       (so u.  a. in  Budapest über Demokratie in Staat und Partei, über
       Bündnispolitik, über Probleme des ideologischen Kampfes, über den
       Einfluß der Änderung der Sozialstruktur auf das politische System
       und anderes).
       Auch mit  dem IMSF, Frankfurt/M., besteht seit einigen Jahren ein
       Meinungs- und Informationsaustausch zu Fragen der politischen De-
       mokratie, der  heutigen Sozialdemokratie,  zur Situation und Per-
       spektive der  Jugend und  zur sozialen  und wirtschaftlichen Lage
       der Arbeiterklasse.  Darüber hinaus  fanden zwischen  IG und IMSF
       Rundtischbesprechungen, Diskussionen und - im beschränkten Maße -
       Wissenschaftleraustausch und Wissenschaftlerkonsultationen statt.
       Auf der  Grundlage der Materialien eines gemeinsamen Rundtischge-
       spräches, das im November 1979 in Budapest stattfand, wird z. Zt.
       von beiden  Instituten unter dem Titel "Arbeiterklasse und Intel-
       ligenz in  der BRD und in Ungarn" die Veröffentlichung eines Stu-
       dienbandes vorbereitet,  der in ungarisch und deutsch 1980 in Un-
       garn und der BRD erscheinen wird.
       Zwischen dem  griechischen KME  (Zentrum  für  Marxistische  For-
       schung), Athen,  und dem  IG entwickelten  sich ebenfalls auf der
       Basis des Material- und Dokumentenaustausches intensive Beziehun-
       gen. Über  die gemeinsame Arbeit wurde im Jahre 1977 ein Abkommen
       abgeschlossen. Außer  dem gegenseitigen wissenschaftlichen Infor-
       mationsaustausch bemühen wir uns um die Erweiterung der Beziehun-
       gen zu  Wissenschaftlergruppen, die im Rahmen der kommunistischen
       Parteien Großbritanniens, Österreichs und Finnlands tätig sind.
       Seit Jahren pflegen wir auch die Beziehungen mit dem Institut für
       Sozialforschung (ISF)  an der  Universität Frankfurt/Main  in der
       BRD. Wir  organisierten den  Austausch von  Wissenschaftlern  und
       veranstalteten in  der BRD  und in  Ungarn Diskussionen über kon-
       krete Fragen  wie Frauenprobleme,  über die Beziehung von gesell-
       schaftlichen  Verhältnissen  und  gesellschaftlichem  Bewußtsein,
       über die  Beziehungen von  Effektivität, Gesellschaft  und  Wirt-
       schaft sowie  über Fragen  der Lohnsysteme.  Im vergangenen Jahre
       wurden ebenfalls  Beziehungen zu dem Stichting Instituut voor Po-
       litiek en  Sociaal Onderzoek, Amsterdam, und zur Friedrich-Ebert-
       Stiftung, Bonn, hergestellt. Im Entwicklungszustand befindet sich
       gegenwärtig noch  die Zusammenarbeit  mit den  wissenschaftlichen
       Instituten der sozialistischen Parteien Belgiens und Finnlands.
       Wir sind  daran interessiert,  unsere internationalen Beziehungen
       und Kooperationen  im Zusammenhang  mit der Thematik unserer For-
       schungen zu  entwickeln und alles zu unterstützen und zu fördern,
       was diesen Prozeß voranbringt.
       

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