Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980


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       ZUSAMMENFASSUNGEN
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       Edgar Gärtner
       
       Zur Diskussion über ein ökologisches Gesamtkonzept in der BRD
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       Die Ankündigung  eines "Aktionsprogramms  Ökologie" als Grundlage
       einer höheren  Phase der Umweltpolitik in der BRD, die in der Er-
       gänzung des  bisherigen "medialen"  Herangehens durch eine umfas-
       sende ökologische  Betrachtung bestehen soll, wird untersucht auf
       dem Hintergrund  der Geschichte  des Umweltprogramms von 1971 und
       der Nichtrealisierung  der dort  als zentrales  umweltpolitisches
       Instrumentarium  entwickelten  "marktwirtschaftlichen"  Auslegung
       des Verursacherprinzips.  In der BRD wurde der Umweltschutz immer
       dem Interesse  der Festigung der Monopolherrschaft untergeordnet.
       Seit der  Rezession von 1974/75 werden die Umweltschutzaufwendun-
       gen über das "Gemeinlastprinzip" konjunkturpolitisch instrumenta-
       lisiert. Die  Unterordnung  der  Umweltpolitik  unter  die  Wirt-
       schaftspolitik wird in den 80er Jahren noch verstärkt werden, so-
       fern die Bevölkerungsmehrheit keine antimonopolistische Auslegung
       des Verursacherprinzips durchsetzen kann.
       
       
       Frigga Haug
       
       Wissenschaftlich-technischer Fortschritt
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       und Qualifikationsentwicklung
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       Der Aufsatz  ist eine  Replik auf den Beitrag von Lothar Peter in
       'Marxistische Studien', Jahrbuch des IMSF 2/1979. Der dort vorge-
       schlagene Begriff  des "kapitalistisch  bestimmten  wissenschaft-
       lich-technischen Fortschritts"  wird problematisiert,  in  seinen
       Konsequenzen überprüft  und ein Festhalten am Begriff der wissen-
       schaftlich-technischen Revolution  vorgeschlagen. Dabei  wird der
       Ansatz des Projekts Automation und Qualifikation, von den Produk-
       tivkräften als revolutionärer Basis der Produktionsweise auszuge-
       hen und  von daher die veränderten Bedingungen im Klassenkampf zu
       studieren, expliziert.  Im Anschluß  wird zur Überprüfung der Ar-
       beitsweise des  Projekts ein Auszug aus seiner empirischen Arbeit
       vorgestellt. Er  gibt zugleich  einen konkreten  Einblick in  die
       Qualifikationsänderungen und Ausbildungsnotwendigkeiten - hier am
       Beispiel von Meßwarten.
       
       
       Lothar Peter
       
       Produktivkraftentwicklung, Automation und gesellschaftliche
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       Veränderung. Bemerkungen zur Polemik von Frigga Haug
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       Der Verfasser  geht auf die Charakterisierung der Beziehungen von
       Produktivkräften und Produktionsverhältnissen und die Entwicklung
       der Produktivkräfte  in unserem  Jahrhundert ein.  Er setzt  sich
       nachdrücklich für die Verwendung des Terminus "kapitalistisch be-
       stimmter wissenschaftlich-technischer Fortschritt" ein und betont
       gegen F.  Haug die  beachtliche Anpassungsfähigkeit  kapitalisti-
       scher Produktions- und Herrschaftsverhältnisse im geschichtlichen
       Prozeß. Nehme  man schon  für den Kapitalismus eine revolutionäre
       Umwälzung des Systems der gesellschaftlichen Arbeit an, müsse die
       determinierende Rolle der Produktionsverhältnisse übergangen wer-
       den. Dementsprechend  wendet sich  der Verfasser  gegen die These
       vom "Primat  der Produktivkräfte".  Er unterstreicht  seine schon
       früher geäußerte  Ansicht, daß es für die Arbeiterbewegung erfor-
       derlich sei,  den Kampf  gegen die  kapitalistischen Auswirkungen
       des wissenschaftlich-technischen  Fortschritts bis  zum Kampf  um
       gesellschaftliche Machtpositionen weiterzutreiben.
       
       
       Klaus Priester
       
       Humanisierung oder Rationalisierung?
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       Zum Forschungsprogramm "Humanisierung der Arbeit" in der BRD
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       Der Beitrag  zeichnet Inhalte, Ziele und Entwicklung des Aktions-
       programms der  Bundesregierung "Forschung  zur Humanisierung  des
       Arbeitslebens" von  1974 nach  und analysiert die Praxis der Ver-
       gabe von Forschungsprojekten und der Verteilung der Finanzmittel.
       Es wird gezeigt, daß die Subventionierung technologischer und ar-
       beitsorganisatorischer Rationalisierungsmaßnahmen - vor allem für
       Großunternehmen -  im Mittelpunkt der bisher abgeschlossenen For-
       schungsvorhaben steht, während die Verbesserung der Arbeitsbedin-
       gungen und der Abbau von Arbeitsbelastungen der Beschäftigten al-
       lenfalls Nebenprodukte  sind. Insbesondere  die  projektübergrei-
       fende und  -begleitende sozialwissenschaftliche Forschung zur Un-
       tersuchung der  Folgewirkungen technisch-arbeitsorganisatorischer
       Veränderungen führt im Rahmen des HdA-Programms bisher ein Schat-
       tendasein. Die  Perspektiven des  HdA-Programms liegen  einmal in
       der Ausweitung  der Mitwirkungs-,  Mitgestaltungs- und Mitbestim-
       mungsmöglichkeiten für  Betriebsräte und  betroffene Beschäftigte
       bereits in  der Phase  der Projektplanung und -durchführung sowie
       in der Verzahnung des HdA-Programms mit anderen staatlichen Tech-
       nologieförderungsprogrammen.
       
       
       Georg Fülberth
       
       Zur historischen Entwicklung der
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       marxistischen Gewerkschaftstheorie
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       Der Verfasser  geht dem  Problem der Kontinuität der Einschätzung
       der Gewerkschaften  durch die marxistische Arbeiterbewegung nach.
       Dabei beginnt  er mit  der  Funktionsbestimmung  durch  Marx.  Er
       stellt heraus,  daß Marx  und Engels  erst unter dem Eindruck der
       Erfahrungen des  Klassenkampfes in der 2. Hälfte des 19. Jahrhun-
       derts zur  Herausarbeitung der  Unterschiede zwischen  Partei und
       Gewerkschaft veranlaßt  sind. Er untersucht diese Frage unter dem
       Gesichtspunkt  von   Spontaneität/Massenerfahrung  -  Bewußtheit/
       Strategiebildung. Dieser Frage geht der Verfasser auch im Partei-
       und Gewerkschaftskonzept  von W.I. Lenin nach. Dabei geht er auch
       auf einige  heute in  der Polemik entstellend interpretierte Aus-
       sagen Lenins  ein. Er vertritt die Auffassung, daß Gewerkschaften
       in  durchkapitalisierten  Gesellschaften  heute  prinzipiell  ein
       höheres Maß  an Strategiebildungspotenz  zukommt als  in früheren
       Perioden. In  der Bestimmung  des Verhältnisses  Arbeiterpartei -
       Gewerkschaften ergeben  sich nach  dem 1. Weltkrieg gegenüber der
       klassischen   Fassung    modifizierende   Momente,    denen   die
       revolutionäre Arbeiterbewegung erst über eine längere Periode ge-
       recht zu werden vermag. Es handelt sich zum einen um die relative
       historische Stabilität  intgrationistischer Strömungen in der Ar-
       beiterbewegung und  um die  Entstehung faschistischer Massenbewe-
       gungen. Unter diesem Blickwinkel wird auch die Gewerkschaftspoli-
       tik der  KPD in der Weimarer Republik dargestellt. Im Durchschla-
       gen ideologischer  und politischer  Segmentierung bzw. Teilerfah-
       rungen auf  die Orientierung und Strategie der KPD sieht der Ver-
       fasser die  wesentliche Grundlage in der Folge selbstkritisch be-
       reinigter Fehler.
       
       
       Gert Hautsch/Klaus Pickshaus
       
       Klassenautonomie und Einheitsgewerkschaft -
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       Zur gewerkschaftlichen Klassenpolitik heute
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       Der Beitrag ist die überarbeitete Fassung eines Referats, das auf
       einem Seminar  des IMSF zur marxistischen Gewerkschaftstheorie am
       23.2.1980 in  Frankfurt/Main gehalten wurde. Der Beitrag versteht
       sich in  großen Teilen  als ein Anknüpfen und kritisches Erörtern
       einiger von  F. Deppe  in seinem Buch (Autonomie und Integration)
       vorgetragenen Thesen.  Er geht aber auch auf weitere aktuelle ge-
       werkschaftstheoretische Publikationen  ein. In  einem ersten  Ab-
       schnitt wird für eine präzisere Bestimmung des Autonomie-Begriffs
       von der  Arbeiterbewegung in  ihrer Gesamtheit  aus votiert, d.h.
       die Wechselwirkung  parteipolitischer und gewerkschaftlicher For-
       mationen wird  besonders betont.  Der enge  Zusammenhang innerge-
       werkschaftlicher Kräfteverhältnisse mit denen auf der parteipoli-
       tischen Ebene  wird in  einem zweiten Abschnitt für die Realisie-
       rung von  Einheit und  Autonomie der Gewerkschaftsbewegung unter-
       sucht. Unter  dem Blickwinkel  einer spezifischen Ausformulierung
       der Politik  in den  Gewerkschaften, die  durch die  unmittelbare
       Nähe zu  den Klasseninteressen  geprägt ist,  werden in  weiteren
       Teilen die  Bedeutung  von  gewerkschaftspolitischen  Strömungen,
       insbesondere der  reformistischen Richtung, und die Notwendigkeit
       der Vereinheitlichung in der gewerkschaftlichen Interessenvertre-
       tung behandelt.
       
       
       Dirk Hänisch
       
       Entwicklungsbedingungen und Faktoren politischen
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       Klassenbewußtseins - Ergebnisse einer empirischen
       -------------------------------------------------
       Studie über junge Mitglieder in der DKP
       ---------------------------------------
       
       In diesem Beitrag, der sich auf Ergebnisse einer größeren empiri-
       schen Studie des IMSF stützt, werden einige Aspekte der Bedingun-
       gen politischer  Sozialisation und  Organisationsbereitschaft Ju-
       gendlicher, die  sich in  der DKP organisierten, vorgestellt. So-
       ziales Profil dieser Jugendlichen und ihre soziale und politische
       Herkunft, die  Bedeutung der  Einflüsse des  Elternhauses und der
       Freunde bzw.  des sozialen Umfeldes für die Herausbildung des po-
       litischen Interesses stehen neben der Frage, welche Rolle den Ak-
       tionserfahrungen für die Entwicklung des sozialistischen Klassen-
       bewußtseins zukommt,  im Vordergrund. Ergebnisse anderer Untersu-
       chungen und  Vergleichsdaten der  Bevölkerung werden, soweit mög-
       lich, in die Betrachtung einbezogen.
       
       
       Kaspar Maase
       
       Zwischen "Verbürgerlichung" und "Klasse für sich". Ansätze zur
       --------------------------------------------------------------
       Untersuchung von Lebensweise und Kultur der Lohnarbeiter in der
       ---------------------------------------------------------------
       Bundesrepublik
       --------------
       
       Der Artikel  setzt sich  mit Analysen  und Einschätzungen zur Le-
       bensweise der Arbeiterklasse auseinander, die in den letzten Jah-
       ren in  der Bundesrepublik  veröffentlicht wurden. Im Mittelpunkt
       stehen die  Thesen einer  "Verbürgerlichung" der  Lebensweise der
       Lohnarbeiter. Dagegen vertritt der Autor, daß der Begriff nur für
       ideologische Prozesse  sinnvoll ist; Fragen einer isoliert-priva-
       ten Lebensführung,  des "Privatismus",  sind unter  dem Gesichts-
       punkt des Kampfes um die Hegemonie in der Lebensweise der Lohnar-
       beiter zu untersuchen. Besonders wichtig scheint der Zusammenhang
       zwischen Lebensweise  und Aktivierung  für interessenvertretendes
       Handeln; die  Entwicklung neuer Formen von Arbeiteröffentlichkeit
       scheint dafür  ein wichtiges  Vermittlungsglied. Eine  Auffassung
       der Lebensweise  der Lohnarbeiter als Produkt der Kapitalbewegung
       wird vorgeschlagen,  um gegenwärtige  Prozesse angemessen  histo-
       risch einschätzen und beeinflussen zu können.
       
       
       Friedhelm Kroll
       
       Vereine in der Lebensweise der Arbeiterklasse
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       Der Beitrag  versteht sich  als Einstieg in eine zukünftige mate-
       rialistische Vereinsforschung.  Er versucht  einen Überblick über
       den Stand  der Vereinsforschung  in der  BRD zu  geben.  Es  wird
       zunächst der  Frage nach  dem in jüngster Zeit wieder gewachsenen
       Interesse der  Sozialforschung an  der Vereinsproblematik nachge-
       gangen. Weiter  wird eine skizzenartige Einordnung kultursoziolo-
       gischer Vereinsforschung  in eine theoretische Konzeption der Le-
       bensweise der Arbeiterklasse versucht. Im Hauptteil werden in ei-
       nem ersten  Abschnitt, nach  Sachkomplexen geordnet, wichtige Pu-
       blikationen der Vereinsforschung in der BRD vorgestellt. In einem
       zweiten Abschnitt  werden einige Ergebnisse der Vereinsforschung,
       die besondere  Relevanz für  die Frage nach der Rolle der Vereine
       in der Lebensweise der Arbeiterklasse besitzen, referiert.
       
       
       Dieter Boris/Rainer Falk
       
       Modernisierung und internationale Arbeitsteilung.
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       Staatsmonopolistische Struktur- und Modernisierungspolitik und
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       fortschreitender Internationalisierungsprozeß
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       Vor dem  Hintergrund der  Entwicklung des  kapitalistischen Welt-
       markts geht der Beitrag der Frage nach, in welchem Ausmaß es bis-
       her zur  Durchsetzung neuer  Elemente in  der Arbeitsteilung zwi-
       schen der  Bundesrepublik Deutschland und den Entwicklungsländern
       gekommen ist.  Im Mittelpunkt  steht vor allem die Wechselwirkung
       zwischen staatsmonopolistischer  Struktur- und Modernisierungspo-
       litik, internationaler  Expansion des  westdeutschen Monopolkapi-
       tals und  weltwirtschaftlichen Strukturwandelprozessen.  An  Hand
       der Import/Export-Beziehungen,  der westdeutschen  Direktinvesti-
       tionen und der Entwicklung von Auslandsproduktion und Auslandsbe-
       schäftigung wird  der Durchsetzungsgrad der "neuen" internationa-
       len Arbeitsteilung  dargestellt. Schließlich werden Widersprüche,
       Grenzen  und  mögliche  Konsequenzen  des  staatsmonopolistischen
       Struktur- und Modernisierungskonzepts benannt.
       
       
       Wilma Albrecht
       
       Zum Investitionsmechanismus der staatsmonopolistischen
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       Regionalpolitik in der BRD
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       Nach einer knappen Darlegung der Hauptetappen der Entwicklung der
       Regionalpolitik in  der BRD  und ihrer  wesentlichen Inhalte  und
       Formen untersucht der Beitrag die Investitionsförderungsprogramme
       als die  Hauptinstrumente der  Regionalpolitik. Dabei  finden die
       derzeit gültigen  und wirksamen gesetzlichen Grundlagen besondere
       Aufmerksamkeit, darunter  vor allem  die Programme auf der Grund-
       lage der  'Gemeinschaftsaufgabe'. Wirtschaftspolitisch  sieht der
       Beitrag die  Regionalpolitik  gegenwärtig  der  'Modernisierungs-
       strategie' untergeordnet,  wobei  für  die  jüngste  Periode  das
       Wirksamwerden der  'privatmonopolistischen  Entwicklungsvariante'
       des SMK  zu konstatieren  sei. Trotz beachtlicher durch den Staat
       per gezielter  Programme und  allgemeiner Maßnahmen  umverteilter
       Mittel  sei   die  Regionalpolitik   ihrer  gesetzlich  fixierten
       Aufgabe,  der   Beseitigung  regionaler   Disproportionen,  nicht
       gerecht geworden.  Hauptgrund ist  die  Unverbindlichkeit  dieser
       Maßnahmen  für   das  Investitionsverhalten   (und  die  Arbeits-
       platzeffekte) des Privatkapitals. Eine 'Erfolgskontrolle' bestehe
       nicht. In  einem Exkurs  wird auf die bürgerliche Standorttheorie
       eingegangen, die  den staatsmonopolistischen  Regionalaktivitäten
       zugrunde liegt.  Es wird nachgewiesen, daß in ihr Prämissen wirk-
       sam sind,  die mit der Wirklichkeit des SMK nicht vereinbar sind,
       die deshalb  die Triebkräfte  des Investitionsverhaltens des Pri-
       vatkapitals auch nur ungenügend erfassen.
       
       
       Jörg Goldberg
       
       Neue ökonomische Krisentendenzen im Kapitalismus.
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       Ein Literaturbericht
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       Der Beitrag untersucht, welche theoretische Reflexion die jüngere
       ökonomische Entwicklung  der BRD  bei einigen linken Ökonomen der
       BRD (u.a. Altvater, Müller/Vogt, K.G. Zinn) gefunden hat. Es geht
       vor allem  um die  kritische Analyse  ihrer theoretischen Krisen-
       und Stagnationserklärungen.  Der  Verfasser  verfolgt  dabei  die
       grundlegenden Argumentationskomplexe:  Profitproduktion,  Vertei-
       lungsproblem, Monopolisierung, Weltmarkt, strukturelle Dispropor-
       tionen, Wirtschaftspolitik,  'lange Wellen'.  Für einen  Teil der
       Autoren werden  Inkonsequenzen aufgedeckt, die sich aus ihrer Ab-
       lehnung der  SMK- und  Monopoltheorie ergeben. Die Konzeption der
       'langen Wellen'  als theoretisches Erklärungsmuster wird vom Ver-
       fasser abgelehnt. Der Phasenwechsel müsse im konkret-historischen
       Kontext untersucht werden.
       
       
       Christoph Butterwegge
       
       Monopolgruppen und Staat
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       Der Verfasser  plädiert für  eine stärkere Berücksichtigung einer
       den heutigen  Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus
       entsprechenden Monopolgruppentheorie. Im Mittelpunkt des Beitrags
       steht die  Rezeption wesentlicher  Grundzüge der  Monopolgruppen-
       theorie, wie  sie von  Varga,  Kuczynski,  Gossweiler,  Schröter,
       Eichholz u.a.  ausgearbeitet und  auf  die  Wirtschaftsgeschichte
       Deutschlands in  der Periode 1900-1945 angewendet wurde. Der Ver-
       fasser hält  die unvermittelte  Übernahme des  Monopolgruppenkon-
       zepts aus der Weimarer Republik für die BRD nicht für möglich. Er
       untersucht charakteristische  Momente der  Beziehung von Ökonomie
       und Politik  in den verschiedenen Entwicklungsetappen der BRD, um
       damit Grundlagen  für die  weitere Untersuchung des Umsetzungsme-
       chanismus der  Monopolinteressen in  staatliche Politik zu schaf-
       fen.
       
       
       Winfried Schwarz
       
       Der "junge Marx" in der Literatur 1975-1980.
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       Bericht über veränderte Interpretationstendenzen
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       Die Vorherrschaft  der in  den 50er und 60er Jahren praktizierten
       Methode der  bürgerlichen Marxbeschäftigung,  den jungen Marx als
       Entfremdungsphilosophen gegen den Marxismus auszuspielen, scheint
       bis auf  wenige Ausnahmen vorbei zu sein. Dafür treten seit Mitte
       der 70er  Jahre verstärkt  einerseits wieder konservativere Poli-
       tikwissenschaftler und  Theologen auf, die selbst den jungen Marx
       ablehnen, und  andererseits solche  neuen Interpreten,  die durch
       die ökonomiekritische  Rezeption des  Marxismus Anfang  der  70er
       Jahre geprägt  worden sind. Wenngleich bei letzteren eine Tendenz
       zu ökonomischer Überinterpretation der Frühschriften besteht, ge-
       hen doch  von ihnen  sowie von  einigen Wissenschaftstheoretikern
       die interessantesten Impulse aus.
       
       
       Erich Kundel/Alexander Malysch
       
       Wissenschaftliche Ergebnisse und methodologische Erfahrungen
       ------------------------------------------------------------
       aus der MEGA-Arbeit
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       Bereits die bisherige Arbeit an der MEGA, dem gegenwärtig größten
       Vorhaben der  internationalen Marx-Engels-Forschung,  hat den Er-
       kenntnisstand über die Arbeiten der Begründer des wissenschaftli-
       chen Sozialismus  erheblich erweitert. Neue Dokumente wurden ent-
       deckt und  veröffentlicht, bislang  unveröffentlichte Manuskripte
       publiziert, vorhandene  Veröffentlichungen von  Fehlern bereinigt
       und mit  Ergänzungen und  Erläuterungen vom  neuesten Forschungs-
       stand aus versehen. Anhand der vier Abteilungen der MEGA - Werke,
       Artikel, Schriften;  "Kapital" und Vorarbeiten; Briefwechsel; Ex-
       zerpte, Notizen,  Marginalien -  werden sowohl  Beispiele neuerer
       Forschungsergebnisse vorgestellt  als auch die wissenschaftlichen
       Prinzipien der  MEGA-Edition dargestellt: Vollständigkeit bei der
       Veröffentlichung der  Materialien,  größtmögliche  Originaltreue,
       chronologische Wiedergabe  der  gesamten  Textentwicklung,  theo-
       riegeschichtliche und textanalytische Kommentierung.
       
       
       Michael Knieriem
       
       
       Die Brüder Ermen in Manchester. Biographische Anmerkungen
       ---------------------------------------------------------
       zu Friedrich Engels' Geschäftspartnern
       --------------------------------------
       
       Einer kurzen  Schilderung der  Anlässe und Umstände des Kontaktes
       von Friedrich  Engels mit Manchester bzw. seiner Reisen, Rückrei-
       sen und  Aufenthalte, seiner  frühen literarischen  Tätigkeit und
       der Kontakte zu Karl Marx folgt die Darstellung der Rolle der Fa-
       milie Ermen  für Engels,  der Quellenlage über diesen Kontakt und
       der Genealogie  dieser Familie.  Wahrnehmungsgabe und  -interesse
       des Firmengründers  Peter Albert Ermen und damit bis zum gewissen
       Grad die  Persönlichkeit, mit  der es Engels in Manchester zu tun
       hatte, erschließen sich aus Briefen von P. A. Ermen an seine Mut-
       ter, die abgedruckt und kommentiert sind.
       
       
       Richard Kumpf
       
       Militärdienst und Studienabsichten des jungen Engels.
       -----------------------------------------------------
       Zu einigen neuen Dokumenten
       ---------------------------
       
       Aufgrund erstmals  1979 in  Wuppertal veröffentlichter  Dokumente
       ist es dem Autor möglich, den Lebensabschnitt des am 28. 11. 1820
       geborenen Friedrich  Engels von  seinem Schulabgang 1838 bis etwa
       1844/45 näher  zu beleuchten. Vor dem Hintergrund seines intensi-
       ven Wunsches nach einer wissenschaftlichen Universitätsausbildung
       wird verständlich,  weshalb er  sich freiwillig zum Militärdienst
       meldet -  damit versucht  er, die Absicht des Vaters zu unterlau-
       fen, ihn  ins Geschäft  zu nehmen  ", und zwar nach Berlin - weil
       ihm dies  den Kontakt  zur Universität  möglich macht.  Ansonsten
       hätte es näher gelegen, einen Standort im Rheinland als Dienstort
       - die  Auswahl stand Freiwilligen offen - zu wählen. Die Hospita-
       tion an  der Berliner  Universität verstärkt  Engels' Wunsch. In-
       folge der Abhängigkeit vom Vater - er ist mit 22 noch nicht voll-
       jährig -  geht er  nach Manchester (1842), um seine kaufmännische
       Ausbildung zu  vervollkommnen. Nach seiner Rückkehr befreundet er
       sich 1844  in Paris mit Karl Marx. Damals ist er schon Kommunist.
       In  Behördenberichten  von  1845  ist  von  "communistischen  Um-
       triebe(n)" des  jungen Engels  die Rede. Offensichtlich wird sein
       Wunsch nach  einem Studium  durch die  gemeinsame politische  und
       theoretische Arbeit mit Karl Marx in den Hintergrund gedrängt.
       Der Anhang  enthält Engels  betreffende  Polizeiakten  der  Stadt
       Brüssel vom April/Mai 1845 und ein Auswanderungsgesuch von Engels
       vom April 1845.
       

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