Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


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       WELTMARKT UND INTERNATIONALISIERUNG DER WIRTSCHAFT -
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       TAGUNGSBERICHT
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       Jörg Goldberg
       
       Auf Einladung  des IMSF  fand vom  2. bis  4. Juni 1981 in Frank-
       furt/M. eine  wissenschaftliche Tagung  zum Thema  "Weltmarkt und
       Internationalisierung der  Wirtschaft" statt.  Gemeinsame  Veran-
       stalter waren das Moskauer Institut für Weltwirtschaft und Inter-
       nationale Beziehungen  der Akademie  der Wissenschaften der UdSSR
       (IMEMO), das  Berliner Institut  für Internationale  Politik  und
       Wirtschaft der  DDR (IPW)  und das IMSF. Schwerpunktmäßig ging es
       bei dieser  Konferenz um  die Untersuchung  von Charakter und Er-
       scheinungsformen des  Internationalisierungsprozesses der  Gegen-
       wart, um  die empirische  und theoretische Fassung neuer Erschei-
       nungen in  der Weltwirtschaft.  Gleichzeitig wurden  Probleme und
       Prinzipien für  die Entwicklung einer Alternativkonzeption im In-
       teresse der Arbeiterklasse auf außenwirtschaftlichem Gebiet erör-
       tert.
       An der  Tagung nahmen rund 50 Wissenschaftler aus der Bundesrepu-
       blik teil.
       Eröffnet wurde  die Tagung  durch einen  Vortrag über  "Besonder-
       heiten  der   gegenwärtigen  globalen   Weltwirtschaft  und   der
       internationalen Wirtschaftsbeziehungen"  von Prof.  Dr. Maximova,
       Leiterin der  Abteilung "Internationalisierung  und  Integration"
       des IMEMO. Sie ging davon aus, daß auch heute von einer Weltwirt-
       schaft gesprochen  werden kann,  die  allerdings  als  Gesamtheit
       zweier Weltwirtschaftssysteme,  des sozialistischen und des kapi-
       talistischen, zu  betrachten sei.  So überkreuzen sich spezifisch
       systembestimmte und globale Probleme.
       Während sich  im sozialistischen Weltsystem eine grundlegend neue
       Form der  internationalen Arbeitsteilung herausbilde, sei der ka-
       pitalistische Teil  weiterhin durch imperialistische Rivalitäten,
       krisenhafte Beziehungen  zu den Entwicklungsländern bestimmt. Als
       neue Momente  des Internationalisierungsprozesses seien die wach-
       sende Rolle  der multinationalen  Konzerne und die Ausdehnung der
       Staatsfunktionen zu nennen.
       Der Weltmarkt als die Gesamtheit nationaler Märkte und der Märkte
       beider Systeme  habe einen  umfassenden Charakter  angenommen, er
       hat sich  nicht nur  quantitativ ausgedehnt, sondern ist auch zum
       Ort des  Austauschs von  Geld und  Kapital,  von  Arbeitskräften,
       Technologien, von  Wissenschaft  und  Dienstleistungen  geworden.
       Neue Kontrahenten  wie die OPEC, multinationale Konzerne, Staaten
       und Außenhandelsvereinigungen  sind Subjekte  der internationalen
       Konkurrenz geworden.  Dies alles  habe die Momente verstärkt, die
       den nationalen  und  den  Universalwert  modifizieren,  der  aber
       trotzdem noch  die Grundlage  der Weltmarktpreisbildung geblieben
       sei und  auch die  Preise auf dem sozialistischen Weltmarkt regu-
       liere.  Obwohl  der  Internationalisierungsprozeß  als  insgesamt
       vorteilhaft für alle Beteiligten bezeichnet wurde, seien die Aus-
       wirkungen unterschiedlich.  Insbesondere hätten  in der kapitali-
       stischen Welt  die  Außenwirtschaftsbeziehungen  immer  mehr  die
       Funktion von "Übertragungskanälen" von Krisen erhalten.
       Verflochten mit  systemspezifischen Schwierigkeiten der Weltwirt-
       schaft seien  globale Probleme  wie  Umweltzerstörung,  Rohstoff-
       knappheit und  die Existenz von menschheitsbedrohenden Massenver-
       nichtungswaffen. Diese  "Menschheitsprobleme" könnten  nur  durch
       gemeinsame Anstrengungen  aller  Staaten  bewältigt  werden.  Als
       dringende Aufgabe  sieht die Referentin dabei eine umfassende De-
       mokratisierung  der  internationalen  Beziehungen,  die  auf  der
       friedlichen Koexistenz  und der Zusammenarbeit von Staaten unter-
       schiedlicher Gesellschaftsordnung basiere.
       Im Mittelpunkt  der  D i s k u s s i o n  zu diesem Referat stand
       die Frage, wie der Charakter der kapitalistischen Internationali-
       sierung zu  bewerten ist.  Diskutiert wurde  insbesondere, ob die
       Internationalisierung im Kapitalismus nicht auch mit einer gewal-
       tigen Verschwendung von Produktivkräften verbunden ist. Ein ande-
       rer interessanter Aspekt in diesem Zusammenhang waren die Auswir-
       kungen der  kapitalistischen Krisen  auf die sozialistischen Län-
       der. Die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung der beiden Welt-
       wirtschaftssysteme, wobei  das kapitalistische  auf dem  Feld der
       internationalen Beziehungen  noch immer  das größte  Gewicht  be-
       sitzt, konfrontiert die Wirtschaft der sozialistischen Länder un-
       mittelbar mit  den Auswirkungen  von Krisen  und Inflationen. Das
       staatliche Außenhandelsmonopol  wird so  vor  neue  Aufgaben  ge-
       stellt.
       Ein für  die Vertiefung  der kapitalistischen Krisen wesentliches
       Moment stellt  die in  den siebziger  Jahren zu beobachtende Syn-
       chronität der  Wirtschaftszyklen dar.  Dr. Lüdemann,  Mitarbeiter
       des IPW,  entwickelte in  seinem Referat  "Synchronität und Asyn-
       chronität des  kapitalistischen Krisenzyklus"  die These, daß die
       Internationalisierung der  Wirtschaft eine  Grundtendenz zur Syn-
       chronität des  kapitalistischen Zyklus beinhalte. Mit fortschrei-
       tender  Tendenz   zur  Internationalisierung   bilde   sich   ein
       "Grundrhythmus" heraus,  der auch  als "kapitalistischer  Weltzy-
       klus" bezeichnet werden könne. Diese Grundtendenz wird immer mehr
       durch die  ungleichmäßige Entwicklung  der einzelnen kapitalisti-
       schen Länder  gestört, ihre unterschiedliche Fähigkeit zur Bewäl-
       tigung struktureller Krisen, durch sich verschiebende internatio-
       nale Kräfteverhältnisse. Am Beispiel der BRD konstatierte der Re-
       ferent einen gewissen Positionsverlust des Landes in den interna-
       tionalen Beziehungen.  Die in den siebziger Jahren wieder deutli-
       cher hervorgetretene  Tendenz zur Synchronität vermindere die Fä-
       higkeit der  einzelnen Länder, durch geeignete wirtschaftspoliti-
       sche Maßnahmen  den Krisen gegenzusteuern, erkläre also teilweise
       die Abkehr  von keynesianistischen  Maßnahmen, die  in fast allen
       kapitalistischen Ländern zu beobachten ist.
       In der  D i s k u s s i o n  wurde u.a. erörtert, ob man tatsäch-
       lich von  einem "Zyklus  des internationalen  Kapitals"  sprechen
       könne - eine Frage, die auch nach Ansicht des Referenten noch nä-
       her untersucht  werden muß.  Auf jeden Fall existiere die Tendenz
       zur Synchronisierung  unabhängig von diese verstärkenden Faktoren
       wie der Ölpreiserhöhung.
       Diskutiert wurde in diesem Komplex auch die Frage, ob und wieweit
       die Synchronisierung  des kapitalistischen  Zyklus den  Spielraum
       einer  nationalen   Wirtschaftspolitik   mit   keynesianistischem
       Schwerpunkt einengt. Dies ist besonders wichtig als Grundlage für
       die Durchsetzung  wirtschaftspolitischer Alternativen  der Arbei-
       terklasse. Erörtert  wurde in  diesem Zusammenhang, wie die Stel-
       lung der  Bundesrepublik in der Weltwirtschaft gegenwärtig einzu-
       schätzen sei,  ob es in den siebziger Jahren tatsächlich zu einer
       Schwächung der internationalen Position der BRD gekommen sei.
       Prinzipien einer alternativen Wirtschaftspolitik unter außenwirt-
       schaftlichen Gesichtspunkten  entwickelten Dr.  Jung, Leiter  des
       IMSF, und  Fritz Rische,  Leiter des  wirtschaftspolitischen  Ar-
       beitskreises  beim  Parteivorstand  der  DKP,  in  ihrem  Referat
       "Weltmarkt und nationale Wirtschaftspolitik heute: Beispiel BRD".
       Sie gingen  davon aus,  daß die kapitalistische Form der Interna-
       tionalisierung mit dem Vorrang der Marktspontaneität bzw. der mo-
       nopolistischen Konkurrenz  heute zur  Untergrabung der nationalen
       Ressourcen führt.  Nationale Wirtschaftspolitik dagegen müsse von
       der "optimalen  Nutzung nationaler  Ressourcen" ausgehen. Sie sei
       aber keineswegs  "Autarkiepolitik", sondern strebe die Gestaltung
       der internationalen Beziehungen vom Standort der politischen Öko-
       nomie der  Arbeiterklasse an. Anhand von Beispielen u. a. aus dem
       Stahl- und  Energiebereich wurde  deutlich gemacht, daß der Kampf
       gegen Formen  der kapitalistischen Internationalisierung auch ein
       Kampf für  die Verteidigung  nationaler Ressourcen  ist (vgl. die
       Auszüge aus  dem Vortrag  in diesem  Band der "Marxistischen Stu-
       dien").
       Die   D i s k u s s i o n   beschäftigte sich  zunächst  mit  der
       Frage, ob  die Arbeiterklasse sich protektionistische Forderungen
       zu eigen  machen solle.  Betont wurde hierbei von den Referenten,
       daß damit  nur ein  Teilaspekt berührt  werde; im  Kern  gehe  es
       darum, daß  die Weltmarktpreise nicht Orientierungspunkt nationa-
       ler Wirtschaftspolitik im Interesse der Arbeiterklasse sein könn-
       ten. Eindrucksvolles  Beispiel hierfür ist der Energiebereich, wo
       es durch  Preismanipulationen der  Erdölkonzerne zur  Verdrängung
       der Steinkohle  gekommen ist.  Als Problem  ergab sich die Frage,
       auf welcher  Ebene wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Demokrati-
       sierung der internationalen Weltwirtschaftsbeziehungen anzusetzen
       haben, ob  dies vor  allem auf nationaler Ebene erfolgen muß oder
       ob supranationale Ansatzpunkte existieren.
       Wichtige neue  Erscheinungen in  der Weltwirtschaft  sind mit den
       Ereignissen auf dem Energiesektor verbunden. Dabei stehen vor al-
       lem die  Preiserhöhungen in  den siebziger Jahren im Mittelpunkt.
       In ihrem Referat "Die kapitalistische Energiekrise, ihre Rolle in
       den Strukturveränderungen der kapitalistischen Weltwirtschaft und
       ihr Einfluß auf die Reproduktionsbedingungen des Kapitals" behan-
       delten Prof.  Maier, stellvertretender  Leiter des  IPW, und  Dr.
       Rechtziegler, Mitarbeiter  des IPW,  zunächst die Ursachen dieses
       Preisanstiegs. Dabei handele es sich um einen ganzen Ursachenkom-
       plex, bei dem allerdings das Wachstum der Energiegewinnungskosten
       im Vordergrund  stehe. Aber auch das Erstarken der erdölexportie-
       renden Länder,  strukturelle Disproportionen der kapitalistischen
       Energiewirtschaft und  die Profitstrategie  der Monopole  gehören
       dazu. Als  Folge der Preisanhebungen verschoben sich die interna-
       tionalen Kräfteverhältnisse erheblich. Dies berührt vor allem die
       Beziehungen zwischen  den kapitalistischen  Ländern und  den Ent-
       wicklungsländern. Aber  auch der  internationale  Konkurrenzkampf
       zwischen den kapitalistischen Ländern verschärfte sich.
       Der kapitalistische  Reproduktionsprozeß werde durch die Preiser-
       höhungen -  1979/80 noch stärker als 1973/74 - in mehrfacher Hin-
       sicht berührt.  Auf der einen Seite haben sich die Verwertungsbe-
       dingungen durch die Verschiebung der Wertproportionen verschlech-
       tert, auf der anderen Seite beeinhalte die Anpassung an die neuen
       Bedingungen zusätzliche  Anforderungen an  die Investitionstätig-
       keit.
       Die  D i s k u s s i o n  konzentrierte sich zunächst auf die von
       den Referenten  vorgelegte Preiserklärung, bei der die Bergwerks-
       rente eine  wichtige Rolle  spielte.  Im  Mittelpunkt  stand  die
       Frage, welcher  Stellenwert dem  Anstieg der Förderkosten bei der
       Preiserklärung einzuräumen ist, ob nicht die politischen Verände-
       rungen in den Mittelpunkt zu stellen sind. In einem weiteren Teil
       der Diskussion  ging es um die Rolle der Ölkonzerne, die zwar ei-
       nerseits von  den Preiserhöhungen  gewaltig profitiert haben, die
       aber andererseits  durch die Nationalisierung ihrer Förderanlagen
       in vielen  Entwicklungsländern auch  an Boden verloren haben. Un-
       terstrichen wurde,  daß die  Ölkonzerne durch ihre Herrschaft auf
       dem Gebiet  des Transports  und der Verarbeitung nach wie vor be-
       stimmenden Einfluß besitzen, daß sie sich zudem immer mehr zu in-
       tegrierten Rohstoff-  und Energiekonzernen  entwickeln, die  alle
       Bereiche des  Energiesektors umfassen. Darüber hinaus dringen sie
       auch in  andere, wirtschaftlich  expandierende Bereiche  wie  die
       Elektronik ein.
       Im Rahmen  eines demokratischen Energieprogramms, so wurde in der
       Diskussion argumentiert, geht es einerseits darum, durch langfri-
       stige Verträge  mit den  Entwicklungsländern direkt,  unter  Aus-
       schaltung der  Energiemonopole, die  Versorgung zu sichern. Ande-
       rerseits ist  neben der  Förderung "alternativer"  Energien stär-
       keres Gewicht auf die rationellere Nutzung des Angebots zu legen.
       Dies läuft  den Interessen der Energiemonopole diametral zuwider,
       die ihre Profite vor allem durch Steigerung der Energieproduktion
       erhöhen können, an einer sparsamen Verwendung also kein Interesse
       haben. Aktuell bestehen zudem im Energiesektor der BRD hohe Über-
       kapazitäten, die zunächst ausgelastet werden sollen.
       Es wurde darauf hingewiesen, daß hier die Hauptursache des angeb-
       lichen "Investitionsstaus"  im Energiesektor  liegt, nicht in den
       Widerständen der Umweltschützer.
       Neben der strukturellen Krise im Energiesektor wird die Weltwirt-
       schaft auch durch die Währungskrise, die anhaltenden Unsicherhei-
       ten im  internationalen Verrechnungsverkehr,  belastet. In seinem
       Referat "Marxistisch-leninistische  Geldtheorie und das gegenwär-
       tige  Währungssystem  des  Kapitalismus"  entwickelte  Prof.  Dr.
       Schenajew, Leiter  der Westeuropaabteilung  des IMEMO, die These,
       daß die  anhaltende kapitalistische  Währungskrise sich vor allem
       im Fehlen  eines einheitlichen  Weltgeldes äußere.  Das Gold habe
       mit dem  Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton-Woods end-
       gültig -  auch formell - seine Funktion als Weltgeld verloren und
       sei zu einer Ware geworden, die allerdings noch immer - wenn auch
       in abnehmenden Maße - eine Bedeutung als Reservemittel der Noten-
       banken besitze.  Eine Remonetisierung  sei nicht zu erwarten, Me-
       tallwährung und staatsmonopolistischer Kapitalismus seien ein un-
       lösbarer Widerspruch.  Die Versuche,  im System von Bretton-Woods
       einer nationalen  Währung die Rolle als Weltgeld zu geben, mußten
       scheitern, weil die Emissionsprinzipien des Dollar zu den Bedürf-
       nissen der  internationalen Wirtschaftsbeziehungen in Widerspruch
       gerieten. Auch  die Sonderziehungsrechte, die im 1978 etablierten
       Währungssystem von  Jamaika eine zentrale Stellung haben, könnten
       die Rolle  des Weltgelds nicht übernehmen, da ihre Emissionsprin-
       zipien sich  ebenfalls an nationalen Bedürfnissen orientieren. So
       entspreche das  Jamaika-System zwar in stärkerem Maße den aktuel-
       len Bedürfnissen  und den  Kräfteverhältnissen  im  Kapitalismus,
       bleibe aber instabil. Notwendig sei eine supranationale Weltbank,
       die ein  internationales Geldzeichen emittiert und sich dabei al-
       lein an  den Bedürfnissen  des Weltumsatzes orientiert. Der Refe-
       rent betonte  zum Schluß, daß die Demonetisierung des Goldes end-
       gültig sei,  daß auch  eine teilweise Rückkehr zu Metallwährungen
       nicht erwartet werden könne.
       In der  Diskussion stand die Einschätzung der währungspolitischen
       Rolle des  Goldes im  Mittelpunkt. Unterstrichen wurde der Zusam-
       menhang zwischen  der Demonetisierung  des Goldes  und der Infla-
       tion: Die  völlige Loslösung des Weltgeldes vom Gold in den sieb-
       ziger Jahren  habe inflationären  Tendenzen freien Lauf gelassen.
       In diesem  Zusammenhang wurde gefragt, ob als Reaktion darauf das
       Gold nicht  wieder eine größere währungspolitische Rolle gewinnen
       könne, wie es z. B. die Gründung des Europäischen Währungssystems
       zeige. Diskutiert wurde auch die Frage, ob ein Weltgeld überhaupt
       noch möglich und notwendig sei. Die Monopolisierung habe die Ten-
       denzen zum internationalen Preisausgleich gestört und so die Vor-
       aussetzungen für das Funktionieren eines Weltgeldes zerstört. Be-
       fragt, warum  die Sowjetunion nach anfänglicher Mitarbeit bei der
       Ausarbeitung sich  dem Währungssystem von Bretton-Woods nicht an-
       geschlossen habe,  verwies der  Referent auf die in diesem System
       verankerte Dominanz  der USA,  an der  es ja schließlich auch ge-
       scheitert sei.
       Trotz der  Herausbildung neuer  Formen der  Internationalisierung
       stehen die  internationalen Handelsbeziehungen  nach wie  vor  im
       Zentrum der  Weltwirtschaft. Veränderungen  in der Weltwirtschaft
       spiegeln sich stark im internationalen Warenhandel wider. In sei-
       nem Vortrag  "Strukturveränderungen und aktuelle Tendenzen im ka-
       pitalistischen Welthandel"  bezeichnete Prof.  Dr. Gündel, Mitar-
       beiter des  IPW, die  Zurückdrängung des komplementären Warenaus-
       tauschs als Haupttendenz im Welthandel. Zunehmend sei das Gewicht
       des Austausche von Industriewaren, ein Prozeß, an dem in wachsen-
       dem Maße  auch Entwicklungsländer  beteiligt  sind.  Ein  anderer
       wichtiger Trend  ergibt sich aus der Erhöhung der Rohstoffpreise,
       wodurch die Preisrelationen auf dem Weltmarkt erheblich verändert
       würden. Dadurch  habe sich die Funktion der Weltwirtschaftsbezie-
       hungen für  den Reproduktionsprozeß  der beteiligten  Länder ver-
       schoben. Grundlage für die Analyse dieses Prozesses ist die Fest-
       stellung, daß  die Wirkungsweise  des Wertgesetzes  auf dem Welt-
       markt den  entwickelten Ländern Vorteile verschafft. Sie seien in
       der Lage,  international mehr  Wert zu realisieren als sie im na-
       tionalen Maßstab produziert haben, während die weniger entwickel-
       ten Länder  mit einem niedrigeren Produktivitätsniveau einen Teil
       des nationalen  Wertes nicht  realisieren können.  Daraus leitete
       der Referent  die Notwendigkeit  für die  entwickelten Länder ab,
       ständig ihr Produktivitätsniveau durch Umstrukturierungsmaßnahmen
       zu erhöhen.  Während die  großen kapitalistischen Länder dies bei
       Beibehaltung einer  relativ ausgeglichenen  Industriestruktur er-
       reichen könnten,  müßten die  kleineren Länder sich auf bestimmte
       Bereiche spezialisieren  und gerieten so in politisch-ökonomische
       Abhängigkeiten. Trotz der Tatsache, daß einige Entwicklungsländer
       sich zu Industrie-Rohstoffländern gewandelt haben, blieben sie im
       System der  Welthandelsbeziehungen abhängig und stellten nach wie
       vor ein  wichtiges Ausbeutungsfeld der imperialistischen Konzerne
       und Staaten dar.
       Veränderungen hätten  sich  auch  im  Kräfteverhältnis  der  drei
       Hauptzentren des  Imperialismus (USA, Japan, Westeuropa) ergeben.
       Die Haupttendenz  wird durch das Erstarken Japans und Westeuropas
       auf Kosten der USA gekennzeichnet. Unter dem Einfluß der Preiser-
       höhungen für  Erdöl habe  sich diese Entwicklung in den siebziger
       Jahren aber  nicht geradlinig  fortgesetzt. Vor  allem die Länder
       Westeuropas sähen sich wachsenden Schwierigkeiten gegenüber, ihre
       Weltmarktposition zu behaupten. Dank einer Spezialisierung Japans
       auf besonders  wachstumsträchtige Bereiche konnte dieses Land er-
       hebliche Positionsgewinne  verbuchen. Als Schwäche muß allerdings
       sowohl die  unausgeglichene und stark spezialisierte Exportstruk-
       tur als auch die starke Rohstoffabhängigkeit vermerkt werden.
       Insgesamt sei  eine Verlangsamung  im Wachstum des Welthandels zu
       beobachten, auch  im Verhältnis zum Wachstum der Industrieproduk-
       tion. Zunehmende  Hemmnisse vielfältiger  Natur (Protektionismus,
       Wechselkursverschiebungen, Zahlungsbilanzprobleme)  führten dazu,
       daß neue Formen der Internationalisierung, insbesondere im Rahmen
       der internationalen Konzerne, gesucht werden.
       Thematisch verbunden  mit diesem  Referat schloß der Vortrag über
       "Die 'Modernisierungskonzeption'  in der  Außenwirtschaftspolitik
       der Bundesrepublik"  von Dr.  Goldberg, Mitarbeiter des IMSF, an.
       Auf der  Grundlage der  empirischen Analysen der Außenhandelsent-
       wicklung in  den "Strukturberichten" der fünf großen wirtschafts-
       wissenschaftlichen Forschungsinstitute  kam er zu dem Schluß, daß
       die Strukturveränderungen  in der  Weltwirtschaft im  Verlauf der
       siebziger Jahre die Position der BRD kaum geschwächt hätten. Zwar
       ergäben sich  für das Land insofern neue Probleme, als der Außen-
       handel seine  Rolle als  "Wachstumslokomotive" verloren habe, die
       Expansionstrategie also an gewisse Grenzen gestoßen sei. Dies be-
       inhalte aber  keine Schwächung sondern nur einen Abbau der außen-
       wirtschaftlich bedingten  Sonderrolle, die die BRD in den fünfzi-
       ger und  sechziger  Jahren  ausbauen  und  bewahren  konnte.  Das
       'Modernisierungskonzept', ursprünglich  Bestandteil eines sozial-
       demokratischen Reformkonzepts  für die Bundesrepublik, habe ange-
       sichts verengter  weltwirtschaftlicher Spielräume  seine Funktion
       gewandelt und wurde zu einem einseitig außenwirtschaftlich orien-
       tierten Instrument  zum Ausbau  der internationalen Konkurrenzfä-
       higkeit. Die Bundesrepublik müsse - so das Konzept -, um dem Kon-
       kurrenzdruck aus den "Schwellenländern" und aus Japan widerstehen
       zu können,  ihre wirtschaftliche  Struktur ändern in Richtung auf
       hochtechnologisierte und  'qualifizierte' Produkte  und Produkti-
       onsverfahren. Instrument  dazu sei  vor allem die Forschungspoli-
       tik. Inzwischen  habe unter  dem Druck des wirtschaftspolitischen
       Kurswechsels eine  erneute Funktionsveränderung  des 'Modernisie-
       rungskonzepts' stattgefunden: Zwar wird immer noch eine 'moderne'
       Industriestruktur als außenwirtschaftlich notwendig erachtet, der
       Strukturwandel wird aber gegenwärtig vor allem von einer globalen
       Senkung des  Kostenniveaus der privaten Unternehmen erwartet. Die
       Schwäche des Konzepts hängt nach Ansicht des Referenten vor allem
       mit der  einseitig  technologischen  Betrachtungsweise  zusammen.
       Seine  theoretische   Grundlage,  die  Theorie  der  komparativen
       Kostenvorteile (derzufolge die BRD diejenigen Produkte herstellen
       müsse, die "humankapitalintensiv" und "forschungsintensiv" sind),
       widerspreche  der   tatsächlichen  Entwicklung   im  Außenhandel.
       Während die  herrschende Außenhandelstheorie  den internationalen
       Handel noch  immer zentral  mit der  unterschiedlichen Faktoraus-
       stattung der  beteiligten Länder erkläre, verliefen die Haupthan-
       delsströme gegenwärtig zwischen den hochentwickelten Ländern, die
       im Kern die gleiche Faktorausstattung und das gleiche technologi-
       sche Niveau  besitzen. Daher genügt es zur Erhaltung der interna-
       tionalen Konkurrenzfähigkeit  auch keinesfalls,  bloß 'modern' zu
       produzieren. Wichtiger  noch als  die  Technologieintensität  der
       Produktion sei  die Machtposition  der 'nationalen' Konzerne, die
       Verknüpfung mit  dem Staat.  Dies zeige insbesondere das Beispiel
       Japan, das  - entgegen  der "marktorientierten" Betrachtungsweise
       in der  BRD -  einen ausgeprägt  staatsmonopolistischen Charakter
       mit etatistischem Vorzeichen habe.
       Infolgedessen sei die staatliche Wirtschaftspolitik insgesamt auf
       einen Kurs  der außenwirtschaftlichen  Positionssicherung  einge-
       schwenkt, in  dem die  Modernisierung" nur  noch ein  - wenn auch
       wichtiger -  Bestandteil ist. Dieser expansionistischen Orientie-
       rung werden  binnenwirtschaftliche Wachstums- und Beschäftigungs-
       opfer gebracht,  wie die gegenwärtige Hochzinspolitik der Bundes-
       bank als  Reaktion auf  das Leistungsbilanzdefizit und die Abwer-
       tung der  DM gegenüber  dem Dollar zeigten. (Auszüge aus dem Vor-
       trag ebenfalls in diesem Band der "Marxistischen Studien".)
       In der  D i s k u s s i o n  ging es zunächst um die Einschätzung
       der außenwirtschaftlichen  Position der  Bundesrepublik, die  von
       den beiden Referenten von einer jeweils anderen Perspektive gese-
       hen wurde.  In Frage  gestellt wurde u. a. die Ansicht Goldbergs,
       daß sich die außenwirtschaftliche Position der BRD in den siebzi-
       ger Jahren nicht verschlechtert habe, wobei auf die Umkehr in der
       Leistungsbilanz verwiesen wurde. Problematisiert wurde allerdings
       die Bedeutung der Leistungsbilanz als Indikator. Eine große Rolle
       spielte in der Diskussion die Stellung Japans. Zwar wurde betont,
       daß die Exporterfolge dieses Landes vorerst noch auf eine relativ
       enge Produktgruppe beschränkt seien, allerdings besitze Japan auf
       vielen Gebieten inzwischen einen erheblichen technologischen Vor-
       sprung, so  daß in  Zukunft eine weitere Positionsverbesserung zu
       erwarten sei. Dies beinhalte auch auf den Märkten der Bundesrepu-
       blik, die  mit wenigen Ausnahmen bisher von japanischen Exporter-
       folgen verschont  geblieben sind, einschneidende Veränderungen zu
       Lasten der bundesrepublikanischen Anbieter.
       In einem  anderen Diskussionskomplex ging es um die Rolle der EG.
       Anders als  bei den  beiden Zentren USA und Japan handelt es sich
       hier um Nationalstaaten mit divergierenden nationalen Interessen,
       die nicht  einfach als einheitlicher Block behandelt werden könn-
       ten. Auch der Fortgang des Integrationsprozesses im Rahmen der EG
       unterliegt den jeweiligen Interessen der Nationalstaaten und Kon-
       zerne, die  möglicherweise gegenwärtig an einer weiteren Verstär-
       kung des  Integrationsgefüges kein  Interesse hätten.  Dies gelte
       insbesondere für den Ausbau supranationaler Instanzen.
       Ein weiteres  Diskussionsthema war  der Zusammenhang zwischen Wa-
       renhandel und  Kapitalexport. Gündel  betonte, daß  diese  beiden
       Aspekte nur als Einheit betrachtet werden könnten, daß Kapitalex-
       port auch  den internationalen Warenhandel stimuliere. Allerdings
       wurde in der Diskussion eingewandt, daß die innere Arbeitsteilung
       innerhalb der  internationalen Konzerne auch gegenläufige Tenden-
       zen im Warenhandel beinhalte.
       Der letzte  Referat- und Diskussionskomplex beschäftigte sich mit
       den internationalen Konzernen und deren Bedeutung für die Strate-
       gie der Arbeiterbewegung. Prof. Dr. Judanow vom IMEMO bezeichnete
       in seinem Referat "Gegenwärtige Tendenzen und Formen der Interna-
       tionalisierung von Produktion und Kapital" die Internationalisie-
       rung auf der Ebene der Produktion als wichtigste neue Erscheinung
       in der Weltwirtschaft. Vor allem in den siebziger Jahren habe die
       Auslandsproduktion der  internationalen Konzerne  rascher als der
       Welthandel und  die Industrieproduktion  zugenommen. Eine Analyse
       der Schwerpunkte  der Produktionsinternationalisierung zeige, daß
       die USA  hier noch  über einen  erheblichen  Vorsprung  verfügen,
       Hauptanlagefeld seien  inzwischen die kapitalistischen Industrie-
       länder geworden.  Allerdings ist  in den siebziger Jahren ein ge-
       wisser Trendwandel  eingetreten: Während  in  den  fünfziger  und
       sechziger Jahren das Eindringen der US-Monopole in Westeuropa das
       Hauptmerkmal war, hätten sich die Ströme nun umgekehrt, ausländi-
       sches Kapital habe wichtige Einbrüche in den USA erzielen können.
       Als weitere  Tendenz der Investitionsströme sei ein Bedeutungsge-
       winn der  "weißen Dominions"  als Kapitalanlageländer  bemerkens-
       wert, eine  Folge zunehmender  Investitionen im  Zusammenhang mit
       der Rohstoffgewinnung.  Erstmalig  sei  seit  1974/75  auch  eine
       leichte Zunahme des Anteils der Entwicklungsländer an den auslän-
       dischen Direktinvestitionen  zu registrieren.  Der Referent nimmt
       an, daß  dies eine auch in Zukunft stabile Tendenz bleiben werde,
       da sowohl  das Motiv  der Rohstofferschließung  als auch  das der
       niedrigen Lohnkosten  für den Kapitalexport an Bedeutung zunehmen
       werde. Die  Ausbreitung  der  internationalen  Konzerne  habe  zu
       ernsthaften Strukturkrisen  und Disproportionen  in der Weltwirt-
       schaft geführt. So ist es durch die rücksichtslose Ausbeutung von
       Naturreichtümern in  den Entwicklungsländern in den Industrielän-
       dern zu  Disproportionen zwischen  Veredelungsindustrien und  der
       Energieproduktion gekommen, die sich nun krisenhaft bemerkbar ma-
       chen. Die  Herausbildung von auf privater Ebene international ko-
       ordinierten Produktionsprozessen mache eine gesellschaftliche Re-
       gulierung der  Industrieproduktion notwendig, die aber im Kapita-
       lismus nicht  durchsetzbar sei. Daher erachtet der Referent demo-
       kratische Nationalisierungen  als Antwort auf die Internationali-
       sierung der Produktion als wichtigste Alternative.
       Die Herausbildung  internationaler Konzerne stellt die bisher we-
       sentlich national organisierte Arbeiterbewegung, insbesondere die
       Gewerkschaften, vor  neue Aufgaben. Im dritten vom IMSF vorgeleg-
       ten Referat "Internationale Konzerne und Kampfbedingungen der Ar-
       beiterklasse"  bezeichneten   die  Sozialwissenschaftler   Ludwig
       Wolfrum und  Bernd Semmler die Fähigkeit der Internationalen Kon-
       zerne, sich  die Differenzen in den nationalen Reproduktionsnive-
       aus der  Arbeiterklasse zunutze zu machen, als wichtige Bedrohung
       für gewerkschaftliche Positionen. Sie konstatierten zunächst eine
       Verschärfung der Konkurrenz unter den Arbeitern als Folge der In-
       ternationalisierung der  Produktion im Rahmen der Internationalen
       Konzerne. Diese  sehen sich zunehmend einer internationalisierten
       industriellen Reservearmee  gegenüber, die  als Druckmittel gegen
       die Arbeiter und Angestellten eingesetzt werden kann. Verschlech-
       tern sich  so die Kampfbedingungen der Arbeiterklasse im nationa-
       len Rahmen,  so böten  die Internationalen  Konzerne andererseits
       auch Ansatzpunkte, um die größere Störanfälligkeit dieser Gebilde
       gegenüber international  koordinierten Aktionen der Arbeiterbewe-
       gung auszunutzen  und die  Arbeits- und Sozialbedingungen auf dem
       höchsten Niveau  anzugleichen. Wichtig sei es, daß jede nationale
       Abteilung der  Arbeiterbewegung im  nationalen Rahmen ihre Repro-
       duktionsbedingungen verteidigt  und ausbaut  und dabei alles tut,
       um durch internationale Solidarität die Position der weniger ent-
       wickelten Teile  der Arbeiterbewegung  zu unterstützen. Entschei-
       dend sei  die Kraftentfaltung im nationalen Rahmen, wobei der Ar-
       beiterbewegung in den entwickeltsten Ländern als der 'Heimat' der
       Internationalen Konzerne eine besondere Rolle im Kampf um soziale
       Kontrollen und Nationalisierung zukomme. Am Beispiel des IBFG und
       des IMB zeichneten die Referenten die Entwicklung der internatio-
       nalen Orientierung dieses Teils der Arbeiterbewegung nach. Bemer-
       kenswert sei dabei, daß die anfänglich herrschenden Vorstellungen
       von einer  Harmonisierung der Arbeitsbedingungen in den Konzernen
       und von  supranationalen Tarifverhandlungen  weitgehend fallenge-
       lassen wurden. Heute sei das Hauptziel nicht mehr die Übertragung
       von Befugnissen  auf supranationale  gewerkschaftliche Instanzen,
       sondern die  Stärkung  der  nationalen  Abteilungen  der  Gewerk-
       schaftsbewegung. Wachsende  Bedeutung hätten  dabei  die  Gewerk-
       schaften in den Entwicklungsländern gewonnen. Die Internationali-
       sierung der Produktion müsse von den Gewerkschaften mit einer Er-
       weiterung ihres  Forderungskatalogs beantwortet werden, wobei die
       Gesamtheit der Außenwirtschaftsbeziehungen zum Gegenstand gewerk-
       schaftlicher Bemühungen werden solle.
       In der   D i s k u s s i o n   wurde zunächst problematisiert, ob
       die Internationalisierung  der Produktion, die Zunahme der Direk-
       tinvestitionen tatsächlich  ein  qualitativ  neuer  und  stabiler
       Trend sei.  In Frage  gestellt wurde  ebenfalls die  von  Judanow
       festgestellte Tendenz zur Zunahme lohnkosteninduzierter Produkti-
       onsverlagerungen in Entwicklungsländer. Rationalisierungsprozesse
       der Produktion  in den Industrieländern könnten gegenläufige Ent-
       wicklungen auslösen. Ein anderer Teil der Diskussion befaßte sich
       mit den  gewerkschaftlichen Gegenstrategien.  Dabei wurden die im
       zweiten Referat behandelten Konzernausschüsse angesprochen. Fest-
       zustellen sei, daß nach anfänglicher Euphorie diese Einrichtungen
       an Bedeutung verloren hätten und heute oft nicht einmal mehr eine
       Informationsfunktion erfüllten.  Dabei erweise sich die teilweise
       zu beobachtende  Tendenz, die  Ausschüsse nur mit gewerkschaftli-
       chen Spitzenfunktionären  zu besetzen,  als Hemmnis, so daß nicht
       selten Belegschaften  dazu übergingen,  eigene Informations-  und
       Kommunikationskanäle neben den Konzernausschüssen aufzubauen.
       In Frage  gestellt wurde  die Behauptung im zweiten Referat, Kon-
       trollforderungen gegen die Konzerne seien schwerpunktmäßig nur in
       den kapitalmäßigen  'Heimatländern',  d.h.  in  den  entwickelten
       kapitalistischen Staaten,  durchsetzbar. Verwiesen  wurde auf das
       Beispiel VW do Brasil, wo es zu eigenständigen Bewegungen der Be-
       legschaften und zur Durchsetzung von Mitbestimmungsregelungen ge-
       kommen sei.
       Im Verlauf  der Konferenz  - deren  Referate und  Diskussionen im
       Herbst 1981  im Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt/M., veröf-
       fentlicht werden  - wurde eine Vielzahl von z.T. neuen Fragestel-
       lungen aufgeworfen,  die traditionelle Betrachtungsweisen proble-
       matisierten, ohne  daß fertige  Antworten vorgegeben werden konn-
       ten. Die "trilaterale" Form der Vorbereitung erwies sich insofern
       als fruchtbar,  als der  bei  vielen  Teilnehmern  aus  der  Bun-
       desrepublik notwendig  von den spezifischen Problemen dieses Lan-
       des ausgehende  Blickwinkel erweitert wurde und andere Aspekte in
       den Vordergrund rückten, wozu auch die anregenden Diskussionsbei-
       träge von K. Bakker vom IPSO (Amsterdam) beitrugen. Auf der ande-
       ren Seite empfanden es die ausländischen Teilnehmer als nützlich,
       mit den  notwendig national  unterschiedlichen Problemen  und Lö-
       sungsstrategien bekannt  zu werden,  vor die  die kapitalistische
       Internationalisierung die  Arbeiterbewegung eines  Landes stellt.
       Dabei erwies  sich der Sektor der Außenwirtschaftsbeziehungen für
       die Entwicklung  demokratischer Alternativen der Arbeiterbewegung
       besonders in  Ländern wie  der BRD mit hohem internationalem Ver-
       flechtungsgrad als  besonders bedeutsam.  Hier zeigte die Diskus-
       sion, daß  wichtige Fragen - so das Verhältnis von nationalstaat-
       lichen Regelungen zu internationalistischen Prinzipien der Arbei-
       terklasse - noch gründlicher untersucht werden müssen.
       

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