Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


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       POLARISIERUNG ODER HÖHERQUALIFIKATION? ZUR KONTROVERSE UM DEN
       =============================================================
       ZUSAMMENHANG VON PRODUKTIVKRAFTENTWICKLUNG, WISSENSCHAFTLICH-
       =============================================================
       TECHNISCHEM FORTSCHRITT UND ARBEITSQUALIFIKATION
       ================================================
       
       Lothar Peter
       
       1. Die  Polarisierungsthese -  2. Der  widersprüchliche Charakter
       kapitalistischer Produktivkraftentwicklung  - 3.  Bedingungen und
       Tendenzen kapitalistischer Qualifikationsentwicklung - 4. Die Po-
       sition der Projektgruppe "Automation und Qualifikation" - 5. Qua-
       lifikationsentwicklung und Strategie der Arbeiterbewegung
       
       1. Die Polarisierungsthese
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       Die arbeitswissenschaftliche  und arbeitssoziologische Diskussion
       über den  Zusammenhang von technischem Fortschritt, Arbeitstätig-
       keit und  Qualifikationsstruktur wird  nach wie vor von der Frage
       beherrscht, in welcher gesellschaftlichen Richtung sich unter den
       Bedingungen der  Automation zukünftig  die Qualifikationen verän-
       dern werden.  Strittig bleibt  vor allem,  ob Automation zu einer
       Höherqualifizierung oder zu einer Polarisierung der Qualifikatio-
       nen jener  lohnabhängigen Schichten führt, deren Arbeitstätigkeit
       durch Automation eine tiefgreifende Umgestaltung erfährt.
       Bekanntlich ist  die sogenannte  Polarisierungsthese, die ansatz-
       weise schon  von Pollock u.a. in den fünfziger und sechziger Jah-
       ren vorgetragen  wurde 1), in der westdeutschen Diskussion zuerst
       von Kern  und Schumann  umfassend ausgearbeitet und empirisch be-
       legt worden  2). Ausgehend  von einem Klassifikationsschema indu-
       strieller Arbeit,  das zwischen prämechanisierter, mechanisierter
       und (teil-)automatisierter  Produktionsstufe unterscheidet,  ver-
       suchten Kern/Schumann in ihrer Studie "Industriearbeit und Arbei-
       terbewußtsein" die  Auswirkungen des  technischen  Produktionssy-
       stems auf die Arbeitstätigkeit und das Bewußtsein der Arbeitenden
       zu erfassen.  Indem sie ihr im Verlauf der Studie differenziertes
       Klassifikationsschema industrieller  Arbeit mit  einer Systemati-
       sierung der  Arbeitsanforderungen und  des Arbeitsverhaltens  der
       Industriearbeiter verknüpften,  entwickelten sie eine Methode der
       sowohl "arbeitsbezogenen"  als auch  "arbeiterbezogenen Analyse",
       die über technizistisch beschränkte Forschungsansätze hinausgehen
       und der  Reduktion der  Arbeitssituation auf  technisch  determi-
       nierte soziale  Handlungsstrukturen und Einstellungsmuster entge-
       genwirken sollte.
       Als zentrales  Ergebnis der von Kern/Schumann aus der empirischen
       Analyse erhobenen  Befunde zur Qualifikationsentwicklung kann die
       Schlußfolgerung gelten,  daß Automation sowohl zu einer Auflösung
       "qualifizierter Varianten  herkömmlicher Industriearbeit"  und zu
       einer Reproduktion "repetitiver Teilarbeit" auf technisch höherer
       Stufenleiter führt als auch eine "Polarisierung der Belegschaften
       an den  technisch fortgeschrittensten Aggregaten" hervorruft. Die
       automationsbedingte innere Differenzierung der Belegschaften bil-
       det nach  Kern/Schumann die  materielle Grundlage für den Zerfall
       traditioneller kollektiver  Bewußtseinsformen der Industriearbei-
       ter und  stellt die  auf Interesseneinheit und Kollektivität sich
       berufenden Strategien der Arbeiterbewegung in Frage.
       Zum  Zeitpunkt   ihres  Entstehens   knüpfte   die   Studie   von
       Kern/Schumann an  einen internationalen  Diskussionsstand an, der
       durch gegensätzliche  Prognosen über die Auswirkungen von Automa-
       tion auf  die Entwicklung  der Qualifikationen  geprägt  war.  So
       standen den  Versionen einer allgemeinen Dequalifikationstendenz,
       wie sie  zum Beispiel  James R. Bright in den Vereinigten Staaten
       vertrat 3), optimistische Einschätzungen der zukünftigen Qualifi-
       kationsstruktur in  automatisierten  Arbeitsprozessen  gegenüber.
       Französische Autoren wie Alain Touraine und Serge Mallet, die von
       einer aufsteigenden  Linie der  durch Automation  geforderten Ar-
       beitsqualifikationen ausgingen,  deduzierten aus ihren soziologi-
       schen Analysen eine Revision der marxistischen Bestimmung der Ar-
       beiterklasse als kollektivem Subjekt der gesellschaftlichen Eman-
       zipation, indem  sie an  die Stelle der sogenannten "alten Arbei-
       terklasse" die aus hochqualifizierten Automationsarbeitern, Tech-
       nikern und  Ingenieuren sich  rekrutierende "neue Arbeiterklasse"
       ("nouvelle classe  ouvrière") setzten  4). Den  Angelpunkt  ihrer
       theoretischen Überlegungen  bildete nicht  mehr der Bezug politi-
       schen Handlungspotentials  auf die  objektiven sozialökonomischen
       Bedingungen von  Lohnarbeit, sondern das Verhältnis der Produzen-
       ten zum  Stand  der  fortgeschrittenen  industriellen  Produktiv-
       kräfte, die als entscheidende Determinante gesellschaftlichen Be-
       wußtseins und politischer Praxis angesehen wurden 5).
       Das den  kontroversen Prognosen gemeinsame Problem lag in elemen-
       taren Schwächen des theoretischen Zusammenhangs der Analysen, ge-
       nauer in der Unfähigkeit, die Entwicklung von Qualifikationen als
       Bestandteil der  widersprüchlichen Bewegung  von Produktivkräften
       und Produktionsverhältnissen  im Kapitalismus  zu  begreifen  und
       eben diese Widersprüchlichkeit zu einer schlüssigen theoretischen
       Leitkonzeption für  die Deutung empirischer Phänomene auszuarbei-
       ten. Obwohl  an der  Oberfläche des 'wissenschaftlichen Meinungs-
       streits zu  gegensätzlichen Ergebnissen gelangend, blieben sowohl
       die Vertreter  der Dequalifikationsthese  als auch  Anhänger  der
       entgegengesetzten Auffassung  im Deutungsmuster eines technologi-
       schen Determinismus befangen.
       Die jeweiligen  empirischen Befunde  einer Dequalifizierung  bzw.
       Höherqualifizierung wurden  nicht nur  verabsolutiert, sondern in
       beiden Fällen  gleichermaßen auf die technologische Wirkungsweise
       der Produktivkräfte unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Form-
       bestimmung zurückgeführt.
       Zwar gelang  es nun  Kern/Schumann mit  ihrer  Untersuchung,  den
       Schematismus der  konträren Positionen empirisch begründet zu wi-
       derlegen, gleichwohl vermochten sie es noch nicht, wie sie später
       selbst andeutungsweise  einräumten 6),  sich  vom  Paradigma  des
       technologischen Determinismus vollständig zu lösen.
       Kern/Schumann wiesen  nach, daß weder die Auffassung einer allge-
       meinen Dequalifizierung  noch die  Hypothese automationsbedingter
       Höherqualifizierung der  empirischen Prüfung standhalten konnten.
       Theoretisch tendierten  sie jedoch ebenfalls dazu, die Qualifika-
       tionsentwicklung aus technischen und arbeitsorganisatorischen Be-
       stimmungsgründen abzuleiten, ohne die konkreten Veränderungen der
       Qualifikationen an hochmechanisierten und teilautomatisierten Ar-
       beitsplätzen als  technisch vermittelte  Erscheinungen  kapitali-
       stisch bestimmter  Produktivkraftbewegung zu reflektieren 7). Ob-
       wohl Kern/Schumann  vom  kapitalistischen  Produktionszweck,  der
       Verwertung von Kapital ausgingen, blieb die kapitalistische Form-
       bestimmung der  theoretischen Anlage  wie der methodischen Durch-
       führung der  Studie äußerlich.  Insofern verwundert es nicht, daß
       sie, wo sie Möglichkeiten praktischer Verbesserungen der Arbeits-
       situation und der Qualifikationen thematisieren, bei sozialrefor-
       merischen Vorschlägen  stehenblieben, deren  Grenzen Frank  Deppe
       schon 1971  in seiner Untersuchung zur Soziologie des Arbeiterbe-
       wußtseins  aufzeigte:   "Völlig  unberücksichtigt   bleibt   (bei
       Kern/Schumann; L.P.) die Tatsache, daß die untersuchten technolo-
       gischen Innovationsprozesse Ausdruck des kapitalistischen Verwer-
       tungsbedürfnisses sind,  das  seinerseits  die  gesellschaftliche
       Qualität des - durchaus richtig beobachteten - Polarisierungspro-
       zesses definiert.  Die Trennung von qualifizierten und unqualifi-
       zierten, privilegierten und subalternen, von anleitenden und aus-
       führenden Tätigkeiten  ist nicht  abstrakt dem  wissenschaftlich-
       technischen Fortschritt  geschuldet; sie  reflektiert die Entfal-
       tung der  Produktivkräfte unter  kapitalistischen Bedingungen, in
       denen die  Arbeiterklasse nicht  Subjekt, sondern  Objekt der ge-
       sellschaftlichen Planung  ist. So  reduzieren sich  bei Kern  und
       Schumann in  den politischen  Schlußfolgerungen grundlegende Ein-
       sichten in die sozial antagonistische Grundstruktur des Spätkapi-
       talismus auf  die Forderung  nach partikularen  Reformen, auf die
       Eindämmung und nicht auf die Aufhebung von Widersprüchen" 8).
       Trotz  ihrer   theoretischen  Schwächen   hat  die   Studie   von
       Kern/Schumann für  die wissenschaftliche Diskussion der Folgezeit
       eine maßgebliche Rolle gespielt und zur Erarbeitung weiterführen-
       der theoretischer und methodischer Ansätze angeregt.
       So versuchten  Mickler/Dittrich/Neumann (SOFI Göttingen), anknüp-
       fend an  die Methode  "arbeitsbezogener Analyse" die Begrenztheit
       der theoretischen  Prämissen bei  Kern und Schumann zu überwinden
       und eine Konzeption zu erarbeiten, in der die gesamtgesellschaft-
       lichen ökonomischen  Determinanten des industriellen Produktions-
       prozesses nahtlos mit den konkreten betriebsspezifischen Erschei-
       nungsformen der  Technik wie  der sozialen Beziehungen der Produ-
       zenten vermittelt  sind. Am  Beispiel von  Betrieben der Zement-,
       Mineralöl- und  Elektrizitätsindustrie stellten sie sich die Auf-
       gabe, die Durchsetzung des kapitalistischen Verwertungsinteresses
       als Determinante  und Gestaltungsprinzip  betrieblicher  Technik,
       Arbeitsorganisation und  Qualifikation zu  rekonstruieren 9). Sie
       kamen zu  dem Ergebnis, daß sich das kapitalistische Verwertungs-
       streben zwar  bis in  die betriebliche  Entwicklung hinein durch-
       setze, daß aber gleichzeitig die durch das Verwertungsprinzip de-
       terminierte Struktur  und Funktionsweise  der  Produktionstechnik
       Spielräume für alternative Formen der Arbeitsorganisation und Ar-
       beitstätigkeiten enthalte,  die durch das Handeln und die Phanta-
       sie der Beschäftigten erschlossen werden könnten.
       Die bis  in die betriebliche Realität hinein unmittelbar wirkende
       Determinationsmacht  des  kapitalistischen  Rentabilitätsprinzips
       prägt nach  Mickler/Dittrich/Neumann  die  Qualifikationsstruktur
       der Belegschaften  nicht weniger nachhaltig als den betrieblichen
       Produktionsapparat und  die Arbeitsorganisation, zumal da die Ar-
       beitssituation nur eine untergeordnete Funktion dieser beiden Va-
       riablen bilde.  Die  empirisch  gewonnenen  Qualifikationsbefunde
       stützen im  wesentlichen die von Kern/Schumann vertretene Polari-
       sierungsthese, auch  wenn sich der theoretische Begründungszusam-
       menhang beider  Untersuchungen unterscheidet.  Das  Ergebnis  von
       Mickler/Dittrich/Neumann läßt sich mit der folgenden Feststellung
       der Autoren  zusammenfassen: "So zeigt sich etwa bei den Qualifi-
       kationsanforderungen der Automationsarbeiter eine deutliche Pola-
       risierung zwischen  Wartenfahrern und  Instandsetzern einerseits,
       deren Arbeit  vor allem durch technische Intelligenz von systema-
       tisch-optimierender bis  hin zu  strategisch-innovativer Qualität
       sowie hohen  arbeitsmotivationalen  Anforderungen  gekennzeichnet
       ist und den Anlagenkontrolleuren und Laboranten andererseits, die
       bei ihrer  Arbeit technische  Intelligenz lediglich  auf dem ver-
       gleichsweise niedrigen  empirisch-adaptiven Niveau  zu aktivieren
       haben und  auch hinsichtlich ihrer arbeitsmotivationalen Qualifi-
       kationen weniger gefordert werden" 10).
       
       
       2. Der widersprüchliche Charakter
       ---------------------------------
       kapitalistischer Produktivkraftentwicklung
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       Die Westberliner Projektgruppe "Automation und Qualifikation" hat
       u.a. die beiden eben erwähnten Studien einer grundlegenden Kritik
       unterzogen und die Polarisierungsthese verworfen 11).
       Während die  Projektgruppe an der Studie "Industriearbeit und Ar-
       beiterbewußtsein" kritisiert,  daß handwerkliche  Industriearbeit
       trotz ihres historisch regressiven Charakters zum Maßstab der zu-
       künftigen Entwicklung  menschlicher Arbeit verklärt werde, wendet
       sich die  Projektgruppe bei  Mickler/Dittrich/Neumann gegen  eine
       Verabsolutierung des  kapitalistischen Rentabilitätsprinzips  als
       absoluter Determinante  von Technik,  Arbeitsorganisation und Ar-
       beitstätigkeit, weil  so eine  Bewegung der Produktivkräfte gegen
       die Produktionsverhältnisse als undenkbar erscheinen müsse.
       Mit der  von der  Projektgruppe vorgebrachten zutreffenden Kritik
       an Fehlern  und Widersprüchen der theoretischen Begründungen, auf
       die sich  die Polarisierungsthese  bisher stützte, wird die Frage
       aufgeworfen, ob die Polarisierungsthese insgesamt und vollständig
       aufgegeben werden  muß. Kann man für die Polarisierungsthese, für
       die ja empirisch eindrucksvolle Belege sprechen, nicht eine theo-
       retische Begründung  entwickeln, mit  deren Hilfe die empirischen
       Daten von  Qualifikationspolarisierung interpretiert  werden kön-
       nen, ohne  die Dialektik  gesellschaftlicher Bewegung aus der Un-
       tersuchung   auszuklammern?    Das   Dilemma   der   Studie   von
       Kern/Schumann und  der SOFI-Studie besteht nach meiner Auffassung
       nicht in einer falschen empirischen Beschreibung der beobachteten
       Qualifikationsveränderungen, sondern  vielmehr  darin,  daß  ihre
       Auswertung der  empirischen Ergebnisse  nicht zur  Erkenntnis der
       Bedingungen, Möglichkeiten und Schranken kapitalistischer Produk-
       tivkraftentwicklung beitragen  kann. Wie läßt sich aber das Bewe-
       gungsgesetz dieser  Produktivkraftentwicklung bestimmen, mit des-
       sen Hilfe  die Vielfalt  konkreter Erscheinungen  theoretisch be-
       herrschbar und  die Richtung  des gesellschaftlichen Produktions-
       prozesses erkennbar wird?
       Für den  Versuch, diese  überaus schwierige Frage so zu beantwor-
       ten, daß die Antwort als Leitfaden der empirischen Analyse dienen
       kann, scheint  zunächst einmal die Feststellung erforderlich, daß
       die Dialektik  des Widerspruchs  in der Bewegung der kapitalisti-
       schen Gesellschaft  nicht auf  den allgemeinen Gegensatz zwischen
       Produktivkräften  und  Produktionsverhältnissen  beschränkt  ist,
       sondern die  Elemente der  Produktivkräfte  selbst  einer  wider-
       sprüchlichen Bewegung  unterworfen sind.  Die Produktivkräfte  im
       Kapitalismus entfalten sich einerseits als Momente fortschreiten-
       der Vergesellschaftung der Arbeit als "Stoffwechsel(s) bzw. Ener-
       gieaustausch(s) zwischen  menschlicher und  außermenschlicher Na-
       tur" 12),  sie werden  aber andererseits als Momente kapitalisti-
       scher Verwertung  angeeignet. Die  Logik der  in kapitalistischen
       Formen verlaufenden Produktivkraftbewegung schließt deshalb unab-
       dingbar ein,  daß die  Entfaltung neuer, wirksamer und ökonomisch
       vorteilhafter Produktivkraftelemente  zugleich die  Voraussetzung
       für die Vernichtung und Stillegung anderer Produktivkraftelemente
       schafft, die  für den  kapitalistischen Produktionszweck disfunk-
       tional geworden sind.
       Gewiß, Vernichtung,  Brachlegung, Vergeudung  und Stagnation  von
       Produktivkräften sind nicht das eigentliche Ziel kapitalistischer
       Produktion. Sie  sind aber ein unvermeidliches Ergebnis der kapi-
       talistischen Produktionsweise,  die durch  den erbitterten  Kampf
       der Einzelkapitale  um die besten Verwertungsbedingungen vorange-
       trieben wird.
       Da der kapitalistische Reproduktionsprozeß in seinen monopolisti-
       schen Formen  die Disproportionen der gesamten gesellschaftlichen
       Entwicklung vertieft, verschärft sich auch der Gegensatz zwischen
       progressiven und stagnativen Tendenzen der Produktivkraftbewegung
       13). Die  Ungleichzeitigkeit und innere Widersprüchlichkeit kapi-
       talistischer Produktivkraftentwicklung,  die  während  der  Bele-
       bungs- und  Aufschwungsperioden der zyklischen Bewegung durch die
       Ausdehnung der  Akkumulation verdeckt  bleiben mag, tritt in Kri-
       senperioden offen  zutage. So  steht, wenn  man den Blick auf die
       krisenhafte sozialökonomische Entwicklung der Bundesrepublik seit
       1974/75 richtet,  einer enormen Steigerung der Produktivkraft der
       Arbeit, meßbar mit Hilfe der Kennziffer Arbeitsproduktivität, die
       Brachlegung eines  bedeutenden Teils  der in  der Industrie ange-
       wandten lebendigen  Arbeit gegenüber. Während nämlich im Zeitraum
       zwischen 1970  und 1978  die  Arbeitsproduktivität  (Produktions-
       ergebnis pro  Beschäftigten) in  der Industrie um rund 35% wuchs,
       sank die  Zahl der Beschäftigten um 15%, d.h. mit anderen Worten:
       jeder 7.  Arbeitsplatz in  der Industrie ging während dieser acht
       Jahre verloren 14).
       Gesamtgesellschaftlich gesehen  hat also  die notwendige  gesell-
       schaftliche Arbeitszeit  zur Herstellung eines bestimmten Produk-
       tionsquantums beträchtlich abgenommen; der Grad der durch gesell-
       schaftliche Arbeit realisierten "Naturbeherrschung" im Sinne pro-
       duktiver Aneignung ist gestiegen; das meßbare Verhältnis von Pro-
       duktionsergebnis und  aufgewandter Arbeitszeit spiegelt den Fort-
       schritt der  Produktivkräfte wider.  Gleichzeitig liefern  jedoch
       der Beschäftigungsrückgang  und die Existenz einer seit Jahren um
       die Millionengrenze  schwankenden,  sie  gegenwärtig  weit  über-
       schreitenden "überschüssigen  Arbeitsbevölkerung"  den  lapidaren
       Beweis, daß  das Kapitalverhältnis nicht nur als Entwicklungsform
       und Triebkraft,  sondern auch als Fessel und Schranke eines enor-
       men Teils  der verfügbaren lebendigen Arbeit wirksam ist, der dem
       Produktionsprozeß wenn  nicht dauerhaft,  so doch  zumindest vor-
       übergehend entzogen wird.
       Indes beschränkt sich die innere Widersprüchlichkeit kapitalisti-
       scher Produktivkraftentwicklung nicht auf das Verhältnis von ver-
       gegenständlichter und  lebendiger Arbeit, sondern durchdringt die
       jeweilige Struktur dieser beiden Momente des Produktionsprozesses
       selbst.
       So kontrastiert  der raschen  Ausbreitung neuer  Technologien und
       ihrer fortwährenden  Vervollkommnung  eine  mangelnde  Auslastung
       vorhandener Produktionsanlagen, deren produktionstechnische Effi-
       zienz vom  Verwertungsstandpunkt des Kapitals als nicht mehr ren-
       tabel erscheint  15). Während diejenigen Einzelkapitale, die auf-
       grund ihrer  günstigen Verwertungsbedingungen,  meist also  Mono-
       pole, in  der Lage  sind, den "moralischen Verschleiß von Maschi-
       nen" oder  die Nichtauslastung  von Kapazitäten  durch Einführung
       der modernsten  technischen Neuerungen  auszugleichen oder  sogar
       profitmaximierend zu  nutzen, zwingt die Ökonomie des fixen Kapi-
       tals unter den Bedingungen monopolistischer Konkurrenz andere Un-
       ternehmen und Betriebe dazu, vorhandene Produktionsanlagen still-
       zulegen, die  Produktion auf  gegebener "veralteter"  technischer
       Basis einzuschränken oder schließlich, wenn die verfügbaren sach-
       lichen Produktivkräfte  den herrschenden monopolistischen Verwer-
       tungsanforderungen nicht mehr gewachsen sind, aus dem Reprodukti-
       onsprozeß des Kapitals auszuscheiden. Noch plastischer, wenn auch
       nur in  einzelnen Fällen nachweisbar, tritt die hemmende Funktion
       des Kapitalismus  für die Bewegung der Produktivkräfte in solchen
       Fällen zutage,  wo der  in bestimmten Betrieben installierte Pro-
       duktionsapparat hinsichtlich  seiner technischen Kapazitäten hin-
       ter dem  möglichen Leistungsoptimum deshalb zurückblieb, weil die
       Profiterwartungen es verlangten 16).
       Die der  kapitalistischen Produktivkraftbewegung  immanenten  de-
       struktiven und  stagnativen Tendenzen  greifen heute  jedoch weit
       über die  sachlichen Momente des unmittelbaren Produktionsprozes-
       ses hinaus.  In dem  Maß, wie durch die von den Monopolen und dem
       Staat betriebene Verwissenschaftlichung der Produktion, insbeson-
       dere durch  den Einsatz  neuer Energieträger  (Atomindustrie) und
       durch Chemisierung  der Produktion,  die natürlichen  Bedingungen
       des Produktionsprozesses  vereinnahmt und  in ihrem Bestand sowie
       ihrer Reproduzierbarkeit  elementar bedroht werden 17), stößt die
       Produktivkraftbewegung  auch   von  dieser  Seite  her  auf  eine
       Schranke, die,  sofern sie  nicht politisch durchbrochen oder we-
       nigstens teilweise  herabgedrückt werden  kann, den  Prozeß rück-
       sichtslos vorangetriebener "Naturbeherrschung" physisch-stofflich
       in Frage stellt 18).
       Die von der marxistischen Theorie begründete Aussage über die ge-
       setzmäßige Höherentwicklung  der Produktivkräfte  im Kapitalismus
       als materielle  Basis der sozialistischen Gesellschaft darf nicht
       zu der  dogmatisierenden Auffassung  verführen, daß sich die Pro-
       duktivkräfte in  ihrer empirischen  Gesamtheit solange weiterent-
       wickeln, bis sie - quasi im Selbstlauf - die Fesseln kapitalisti-
       scher Produktionsverhältnisse  sprengen. Es  ist  vielmehr  davon
       auszugehen, daß  die Tendenzen fortschreitend produktiver Natura-
       neignung einerseits und die destruktiven, paralysierenden Tenden-
       zen der  Produktivkräfte andererseits  in einer  in  sich  wider-
       sprüchlichen Bewegung  unlösbar ineinandergreifen und nicht durch
       die Beschwörung  dieses oder jenes Aspekts der Produktivkraftent-
       wicklung, sondern  nur durch  die des Gegensatzes bewußte politi-
       sche Praxis der Produzenten als Klasse in einer historisch quali-
       tativ höheren Form nichtantagonistischer Produktivkraftentfaltung
       aufgehoben werden können.
       
       3. Bedingungen und Tendenzen kapitalistischer
       ---------------------------------------------
       Qualifikationsentwicklung
       -------------------------
       
       Ebenso wie  die Entwicklung  der sachlichen  Produktivkräfte wird
       die der Qualifikationen der Arbeitskraft als des subjektiven Pro-
       duktionsmoments durch  den Akkumulationsprozeß  des Kapitals  be-
       stimmt und in ihrer konkreten Struktur modifiziert, verändert und
       umgestaltet.
       Um die  sachlichen Elemente des Produktionsprozesses weiterzuent-
       wickeln, um  der lebendigen Arbeit durch neue, effektivere Formen
       der Arbeitsteilung und Kooperation zusätzlich produktive Potenzen
       abzugewinnen, um  den Aufwand  an variablem Kapital im Verhältnis
       zum produzierten  Mehrwert zu  verringern, ist das Kapital, zumal
       in seinen  heute gegebenen  monopolistischen Formen und der ihnen
       adäquaten materielltechnischen  Basis, nach Maßgabe seiner spezi-
       fischen Verwertungsbedingungen gezwungen, bestimmte Teile des ge-
       sellschaftlichen Gesamtarbeiters mit höheren Qualifikationen aus-
       zustatten. Verwissenschaftlichung  der Produktion, Umwandlung der
       Wissenschaft in  eine "unmittelbare  Produktivkraft",  Automation
       und andere neue Technologien erfordern auf der Seite der lebendi-
       gen Arbeit  eine quantitative  Zunahme und einen qualitativen Be-
       deutungszuwachs derjenigen  Beschäftigungsgruppen, die  über  die
       notwendigen Qualifikationen  verfügen, um die Produktivkräfte auf
       systematischer  wissenschaftlicher   Grundlage  theoretisch  wei-
       terentwickeln und praktisch anwenden zu können.
       In der  während der vergangenen drei Jahrzehnte zu verzeichnenden
       sprunghaften Zunahme von hochqualifizierten und akademisch ausge-
       bildeten Arbeitskräften  in allen Bereichen des Reproduktionspro-
       zesses kommt  die Verwissenschaftlichung  der  gesellschaftlichen
       Arbeit zweifelsohne als Moment der Höherentwicklung der Hauptpro-
       duktivkraft Mensch  zum Ausdruck 19). Gleichzeitig wirkt die Ver-
       wissenschaftlichung des Reproduktionsprozesses als der heute ent-
       scheidende "stoffliche Träger" von Vergesellschaftung der Arbeit,
       die mit  den kapitalistischen  Eigentumsformen immer unverträgli-
       cher wird.  Auf betrieblicher Ebene zeigt sich das beispielsweise
       in dem  Einsatz von Systemen der elektronischen Datenverarbeitung
       sowohl für  Fertigungssteuerung usw. als auch für die Leitung und
       Organisierung der Arbeitsprozesse, deren Komplexität hinsichtlich
       der  Produktionsfunktionen  und  Leitungserfordernisse  nur  noch
       "gesellschaftlich", d.h. durch Formen lückenloser Kooperation und
       Arbeitsteilung aller  Belegschaftsgruppen erfolgreich  realisiert
       werden kann.  Die empirisch eindeutig feststellbare Höherqualifi-
       zierung bestimmter sozialer Kategorien des gesellschaftlichen Ge-
       samtarbeiters  aufgrund  wissenschaftlich-technisch  vermittelter
       Vergesellschaftung der Arbeit ändert jedoch nichts daran, daß die
       Bewegung der  Qualifikationsstruktur ebenso  wie die  der anderen
       Elemente der  Produktivkräfte dem  Prinzip der  Kapitalverwertung
       untergeordnet ist.  Infolgedessen bewegt sich die Qualifikations-
       struktur des  gesellschaftlichen Gesamtarbeiters  nicht allgemein
       und harmonisch  zu stets  höheren Stufen  produktiver Fähigkeiten
       und Fertigkeiten,  sondern äußert  sich in widersprüchlichen For-
       men, analog  zur Entwicklung  und Anwendung der Arbeitsmittel und
       Arbeitsgegenstände, wie weiter oben ausgeführt wurde.
       Der Entfaltung  spezifischer Qualifikationen  in einem bestimmten
       Bereich entsprechen  Dequalifikation und Restriktion des Arbeits-
       vermögens in  anderen Bereichen  des gesellschaftlichen Produkti-
       ons- und  Reproduktionsprozesses; denn  nicht die kollektiven In-
       teressen der  Produzenten an gebrauchswertbezogenen Qualifikatio-
       nen, sondern kapitalistische Ökonomisierung der lebendigen Arbeit
       reguliert die  Veränderungen der Qualifikationsstruktur. So steht
       auf betrieblicher  Ebene bei  der  Einführung  computergestützter
       Technologien einer  wachsenden Zahl  hochqualifizierter  Arbeits-
       kräfte die  Dequalifizierung und lohnmäßige Abgruppierung anderer
       Belegschaftsgruppen gegenüber 20). So spaltet sich die Qualifika-
       tionsstruktur betrieblich  und überbetrieblich  nach  Alter,  Ge-
       schlecht und  Beruf. So  konzentrieren sich die wissenschaftlich-
       technischen Kader  vor allem in den (monopolistischen) Spitzenin-
       dustrien der  Energiegewinnung, der  Elektronik,  der  chemischen
       Produktion, der  Luft- und  Raumfahrt oder Mineralölverarbeitung,
       während kleinere  (nichtmonopolistische) Unternehmen und Betriebe
       zum Beispiel in der Nahrungsmittel-, Textil- und holzverarbeiten-
       den Industrie  einen Überhang an vergleichsweise niedrig qualifi-
       zierten Arbeitskräften  aufweisen. So entziehen die industriellen
       Zentren und  Ballungsräume den agrarischen und agrarischindustri-
       ellen Regionen  das für  den Ausbau  ökonomisch  leistungsfähiger
       Produktionseinheiten notwendige  Qualifikationspotential 21).  So
       verschärft sich,  um ein weiteres Beispiel zu nennen, die Diskre-
       panz zwischen  erworbenen und am Arbeitsplatz abverlangten Quali-
       fikationen, wie etwa die große Zahl gelernter Handwerker in kurz-
       zyklischen Montageprozessen des Fahrzeugbaus zeigt.
       All dies sind Erscheinungsformen von Dequalifikation, die von den
       betroffenen Individuen  als Verlust  beruflicher  Autonomie,  als
       Vorenthaltung von  Bildungselementen, als  Verkümmern produktiver
       Fähigkeiten und  als Versagung sozialer Anerkennung in der Arbeit
       erfahren werden,  die aber objektiv auf den kapitalistischen Cha-
       rakter der  Produktivkraftentwicklung und  auf die sozialökonomi-
       sche Existenz  der Arbeit als Lohnarbeit verweisen. Was die empi-
       rische Sozialforschung  mit der  Polarisierungsthese  bezeichnet,
       ist also  nicht Folge  soziotechnischer Determinanten  des unmit-
       telbaren Produktionsprozesses,  sondern konkrete Erscheinungsform
       der durch den kapitalistischen Akkumulationsprozeß bestimmten Un-
       gleichzeitigkeit und  Disproportionalität der  Qualifikationen in
       den einzelnen  Wirtschaftsbereichen, Industriezweigen und Betrie-
       ben. Die  Polarisierung zwischen Höherqualifizierung und Dequali-
       fizierung muß  sich unvermeidlich, wenn auch auf historisch stei-
       gendem Grundniveau  des gesellschaftlichen  Arbeitsvermögens, re-
       produzieren, solange das Kapital als herrschendes gesellschaftli-
       ches Verhältnis fortbesteht. Über das konkrete Ausmaß der Polari-
       sierung allerdings  entscheidet das  gesellschaftliche Kräftever-
       hältnis der Klassen.
       Die Qualifikationsentwicklung  in teilautomatisierten und automa-
       tisierten Arbeitsprozessen  ist von  den Folgen der Polarisierung
       nicht ausgenommen.  Da  Polarisierung  der  Qualifikationen  zwar
       technisch vermittelt  ist, aber  ihre eigentliche  Ursache in der
       Verwertungslogik des Kapitals hat, ist die Polarisierung der Qua-
       lifikationen auch nicht durch Automatisierung schlechthin aufheb-
       bar. Es scheint im Gegenteil, daß mit fortschreitender Automation
       unter kapitalistischen  Bedingungen selbst diejenigen Tätigkeiten
       einer Polarisierung  unterworfen werden, deren hohe Qualifikatio-
       nen als bisher beständig galten.
       Eine Studie  des Frankfurter  Instituts für  Sozialforschung, die
       Rationalisierungsvorgänge auf  EDV-Basis bei technisch hochquali-
       fizierten Angestellten  der Elektroindustrie  untersucht,  belegt
       eindrucksvoll, wie  im Zuge der Automatisierung die Polarisierung
       in den  Bereich komplexer  geistiger Arbeit  selbst eindringt und
       dort die Tätigkeiten in kreative dispositive Funktionen zum einen
       und monotone "repetitive" Routinearbeiten zum anderen aufspaltet.
       Die Autoren der Studie stellen fest, daß mit der Durchsetzung ei-
       ner "Taylorisierung  geistiger Arbeit"  kreative Momente und Ent-
       scheidungskompetenzen arbeitsteilig  aus den  Projektierungs- und
       Entwicklungsabteilungen herausgelöst  werden und in Gestalt einer
       selbständigen übergeordneten, entscheidungsbefugten und jederzeit
       interventionsberechtigten Instanz  den Angestellten als gleichsam
       "fremde, sie  beherrschende Macht" gegenübertreten. Indem die Ar-
       beit der  betroffenen Angestellten  schematisiert und  standardi-
       siert wird,  nimmt sie auf der Stufe unterer und mittlerer Quali-
       fikationen den Charakter "repetitiver Teilarbeit" an, während sie
       auf der  Stufe technisch  hochqualifizierter und ingenieurmäßiger
       Arbeitstätigkeit zur  Restriktion von  Arbeitsautonomie durch den
       Verlust bisher erforderlicher komplexer Qualifikationen führt:
       a) "Prozesse fortschreitender Arbeitsteilung, Schematisierung und
       Standardisierung von Arbeitsinhalten unter Einschluß EDV-spezifi-
       scher Mechanisierungen  bilden vor allem in den mittleren und un-
       teren technischen  Angestelltenqualifikationen Formen repetitiver
       Tätigkeiten aus. In ihnen kommen am stärksten Angleichungstenden-
       zen zwischen  gewerblicher und  angestellter Lohnarbeit  zum Aus-
       druck, die sich - und das sei zur Angleichungsthese hinzugefügt -
       nicht auf  die soziale  Lage insgesamt,  sondern auf den Grad der
       Objektivierung und  der strukturierenden  Prinzipien des Arbeits-
       prozesses beziehen.
       b) die für  qualifizierte und  hochqualifizierte technische Ange-
       stelltentätigkeiten traditionelle  Verbindung von planend-organi-
       sierenden und inhaltlich-ausführenden Funktionen, Kennzeichen ih-
       rer bisherigen  spezifischen Arbeitsautonomie,  löst sich auf und
       wird organisatorisch voneinander getrennt.
       c) für die  Mehrheit der technischen Angestellten auch mit parti-
       ell innovativen  Funktionen wird  als Folge  dieser Tendenzen die
       Arbeit sich  auf die Tätigkeit von Sachbearbeitern reduzieren und
       zunehmend der  Typus des technischen Detailarbeiters sich heraus-
       bilden" 22).
       Der oben  unternommene Versuch,  eine theoretische Begründung für
       die Richtigkeit  der Polarisierungsthese  zu geben,  steht aller-
       dings nicht  im Gegensatz  zur Anerkennung  einer  seit  der  ge-
       schichtlichen Entstehung  des Kapitalismus sich vollziehenden Hö-
       herqualifizierung des  gesellschaftlichen  Gesamtarbeiters.  Hier
       ist die Unterscheidung zwischen den sich historisch entwickelnden
       Anforderungen an das durchschnittliche gesellschaftliche Arbeits-
       vermögen  einerseits  und  der  praktischen  Realisierung  dieses
       durchschnittlichen Arbeitsvermögens  auf der  Ebene  spezifischer
       Produktionsprozesse der  Einzelkapitale (bzw. des Staates) zu be-
       rücksichtigen 23).  Während sich  die Ausbildung  des allgemeinen
       Arbeitsvermögens an den stofflichen, sozialökonomischen und poli-
       tischideologischen Durchschnittsbedingungen des Reproduktionspro-
       zesses ausrichtet, setzen die Einzelkapitale (bzw. der Staat) die
       Arbeitskräfte je  nach ihren besonderen Produktionserfordernissen
       ein. Dabei  können sie sich zwar nicht über die stofflich vermit-
       telte Vergesellschaftungsdynamik  der Arbeit hinwegsetzen, da der
       Verwertungsprozeß ja  stets und  notwendig auch Produktionsprozeß
       von Gebrauchswerten  ist, aber  die Anwendung und Entwicklung von
       Qualifikationen, in  denen sich  der Gebrauchswert  der Ware  Ar-
       beitskraft für  die produktive  Konsumtion durch das Kapital kri-
       stallisiert, erfolgt  nach dem Rentabilitätsprinzip der Einzelka-
       pitale. In die Realisierung des Verwertungszwecks ist die Tendenz
       zur Senkung des Werts der im Produktionsprozeß fungierenden Kapi-
       talelemente gesetzmäßig  eingeschlossen. Eine  Senkung des  Werts
       des konstanten  wie des  variablen Kapitals  ist  aber  (von  der
       stofflichen Seite des Produktionsprozesses her) wiederum nur mög-
       lich, wenn  die Produktivkraft  der Arbeit  gesteigert wird. For-
       tentwicklung der  materiell-technischen Basis  und  Anhebung  der
       dazu erforderlichen  Qualifikationen eines Teils des Gesamtarbei-
       ters ermöglicht  zugleich die  Ökonomisierung der  Arbeit anderer
       Teile des  Gesamtarbeiters, deren Arbeitskraft in ihrem Wert bzw.
       Preis durch Dequalifikation herabgesetzt wird, um im Ergebnis die
       Verwertungsbedingungen eines  bestimmten Kapitals  gegenüber  den
       konkurrierenden Einzelkapitalen  zu verbessern.  Da sich an einem
       bestimmten Punkt  des  gesellschaftlichen  Reproduktionsprozesses
       die technisch  am weitesten  fortgeschrittenen  Produktionsformen
       auf höherem  Niveau verallgemeinern, widerspricht die Erscheinung
       einer Polarisierung der Qualifikationen auf der Ebene der Einzel-
       kapitale nicht  der geschichtlich  sich durchsetzenden Hebung des
       allgemeinen durchschnittlichen  gesellschaftlichen  Arbeitsvermö-
       gens. Dies  zeigt sich beispielsweise in der zeitlichen Verlänge-
       rung der  Schulpflichtigkeit an  allgemeinbildenden Schulen sowie
       in der  Anhebung formaler  Ausbildungsgänge zahlreicher Berufe im
       Laufe der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft.
       Die Annahme,  daß über  längere Phasen  der kapitalistischen Ent-
       wicklung hinweg  eine Anhebung des Grundniveaus des gesellschaft-
       lichen Arbeitsvermögens  stattfindet, wird  von werttheoretischen
       Überlegungen marxistischer  Ökonomen über  die Werttendenzen  der
       Arbeitskraft gestützt. Sie bestätigen außerdem die Unterscheidung
       zwischen langfristiger  Anhebung des  gesellschaftlichen Arbeits-
       vermögens und der im konkreten kapitalistischen Produktionsprozeß
       sich durchsetzenden  Widersprüchlichkeit der Qualifikationsstruk-
       tur, von der in erster Linie die Arbeiterklasse betroffen sei. So
       schreibt beispielsweise  J.F. Kusmitschew:  "Infolge des  techni-
       schen Fortschritts  und der Komplizierung der Arbeitsmittel voll-
       zieht sich im Kapitalismus eine Komplizierung der durchschnittli-
       chen gesellschaftlichen  Arbeit und  steigt das Qualifikationsni-
       veau der  Gesamtarbeitskraft der  Gesellschaft... Im Kapitalismus
       wird jedoch  der Prozeß  der Komplizierung der gesellschaftlichen
       Arbeit durch  das Wirken  spezifischer Gesetze,  durch das System
       der kapitalistischen  Produktionsverhältnisse, verzerrt. Das Qua-
       lifikationsniveau der Arbeiterklasse erhöht sich wesentlich lang-
       samer als  das der  Gesamtarbeitskraft der  Gesellschaft. Die Be-
       rufsstruktur des  Gesamtarbeiters jeder  einzelnen  Fabrik  trägt
       klar ausgeprägten Klassencharakter. Zahlreiche Arbeiter werden in
       einzelnen Perioden  (in Krisenjahren,  Zeiten der  Stagnation und
       langer Arbeitslosigkeit,  in Perioden der Kriege usw.), aber auch
       infolge des  'Absterbens' alter Wirtschaftszweige dequalifiziert"
       24).
       
       4. Die Position der Projektgruppe "Automation und Qualifikation"
       ----------------------------------------------------------------
       
       Wenn im  folgenden die bisher vorgetragenen Argumente kritisch zu
       den Auffassungen der Projektgruppe "Automation und Qualifikation"
       in Beziehung  gesetzt werden  sollen, dann bedarf es zunächst der
       Klärung einiger Mißverständnisse.
       1. Die von  der Projektgruppe  entwickelte Methode  zur Erfassung
       des Zusammenhangs von Automation, Arbeitstätigkeit und Qualifika-
       tion geht  von den am weitesten fortgeschrittenen Vergesellschaf-
       tungsformen der  Arbeit aus und macht diese zum Maßstab der Beur-
       teilung von  Veränderungen der Qualifikationen. Im Unterschied zu
       vorliegenden Studien,  in denen die Polarisierungsthese vertreten
       wird, orientiert  sich die  Projektgruppe weder am Standard hand-
       werklicher Industriearbeit  noch an einem Begriff von Kapitalver-
       wertung, mit  dem die Entfaltung der Produktivkräfte zu einer ab-
       hängig Variablen der betrieblichen Verwertungsstrategien umgedeu-
       tet wird.
       Statt dessen  versucht die  Projektgruppe, die sich in den Formen
       und gegen  die Formen  kapitalistischer Aneignung herausbildenden
       neuen produktiven Potenzen der menschlichen Arbeit auf der Grund-
       lage automatisierter Produktionsprozesse herauszuarbeiten und für
       eine praktisch-politische Nutzung durch die Arbeiterbewegung auf-
       zubereiten. Gewiß ist diese theoretische Konzeption vielen bishe-
       rigen gesellschaftskritischen  oder marxistisch beeinflußten For-
       schungsansätzen insofern  überlegen, als  sie auf die Analyse zu-
       künftiger Entwicklungsformen  der Arbeit  hin entworfen ist, ohne
       deren theoretisches Verständnis auch die praktische Interessenpo-
       litik der  Arbeiterbewegung auf ein bloß reaktives, am Status quo
       der Arbeitsverhältnisse festhaltendes Handeln beschränkt bleibt.
       2. Die Projektgruppe  stellt mit ihrer herausfordernden Formulie-
       rung "Automation  führt zur  Höherqualifikation" keine Behauptung
       mit empirischem Geltungsanspruch dergestalt auf, daß alle konkret
       sich abspielenden  Automationsprozesse an  den von ihnen erfaßten
       Arbeitsplätzen zwangsläufig  und in jedem Fall eine Höherqualifi-
       zierung auslösen:  "Die These 'Automation führt zur Höherqualifi-
       kation' ist  daher nicht  als Aussage über die Qualifizierung der
       Arbeitenden zu  lesen, -  etwa, daß  an allen automatisierten Ar-
       beitsplätzen höher  qualifizierte Arbeitskräfte  vorfindlich sind
       (eine These,  deren empirische  Überprüfung nur  geringen Aufwand
       verlangen würde)  -, sondern sie ist als Theorem zu lesen, wonach
       die Automation  zwangsweise hervorgetrieben wird und als Arbeits-
       instrument innerhalb  der Arbeit  bestimmend wirkt, so daß neuar-
       tige Bedingungen  entstehen und als Handlungszwänge in der sozia-
       len Praxis  sich bemerkbar machen. Da unter neuen Bedingungen neu
       über das Ausmaß an Entwicklung und Einfluß entschieden wird, wel-
       ches die  Arbeitenden sich  erobern können,  entstehen in  diesen
       Auseinandersetzungen Formen,  in denen  in kapitalistischen  Ver-
       hältnissen die Anforderungen der automatischen Arbeitsinstrumente
       an die Entwicklung der Arbeitenden aufgenommen werden und die als
       konkrete unbekannt  sind, selber  zur Untersuchung  jetzt stehen"
       25).
       Wenn nun sowohl die theoretische Konzeption als auch die von Miß-
       verständnissen bereinigte  Formulierung "Automation führt zur Hö-
       herqualifikation"  als  wissenschaftlich  produktiv  eingeschätzt
       werden können,  worin liegen  dann noch  Gegensätze zwischen  der
       Projektgruppe und der von mir vertretenen Auffassung?
       Sie betreffen zunächst und vor allem die theoretische Beurteilung
       der mit  der realen Durchsetzung von Automation verbundenen empi-
       rischen Erscheinungen  von Dequalifikation und Entwertung der Ar-
       beitskraft. Obwohl  die Projektgruppe deren tatsächliches Auftre-
       ten nicht  absolut in Abrede stellt, interpretiert sie Dequalifi-
       kationserscheinungen als  ein transistorisches  Phänomen, dem an-
       gesichts der  durch Automation eröffneten Entwicklungsperspektive
       des Menschen in der Arbeit nur untergeordnete Bedeutung beigemes-
       sen wird.
       Gegen die  Polarisierungsthese gerichtet, postuliert die Projekt-
       gruppe die  Aufhebbarkeit von  Dequalifizierung durch  Automation
       und degradiert  damit die  in der  Entfaltung der Produktivkräfte
       gleichzeitig und strukturell als Widerspruch wirkende Zersetzung,
       Auflösung und  Verdrängung von  Arbeitsqualifikationen  zu  einer
       wissenschaftlich nicht weiter beachtenswerten Begleiterscheinung:
       "Zusammenfassend läßt  sich festhalten:  einige Prognosen,  denen
       zufolge mit der Automation eine Polarisierung der Qualifikationen
       verbunden sei,  sind durch den transistorischen Charakter der zu-
       grunde gelegten  empirischen  Basis  in  Frage  zu  stellen.  Ar-
       beitsplätze, an  denen aufgrund der in einfachste Arbeitsschritte
       zerlegten Tätigkeiten eine 'Dequalifizierung' der Arbeitenden er-
       mittelt wurde, sind u.U. durch weitere Automatisierung aufhebbar.
       Braucht man  nicht eine Perspektive, die zur Aufdeckung der neuen
       Anforderungen und nicht nur zur Feststellung des Verlusts bereits
       vorhandener Qualifikationsanforderungen  verhilft? Die Frage nach
       dem Schicksal  und der Anwendbarkeit vorhandener Fertigkeiten und
       Fähigkeiten ist für die Bestimmung gewerkschaftlicher Aufgaben im
       Kampf um  Lohn und  Sicherheit des Arbeitsplatzes jedes einzelnen
       Arbeiters zweifellos  von großer Bedeutung. Wenn aber die Entwer-
       tung der Qualifikationen eines Teils der Arbeitenden Ausdruck der
       Tatsache sein soll, daß sich neue oder andersartige Qualifikatio-
       nen als  notwendig erweisen, dann ist gerade vom Interessenstand-
       punkt jener  Arbeiter, deren  Qualifikation entwertet  zu  werden
       droht, Inhalt  und Ausbreitungsdynamik der neu-öder andersartigen
       Qualifikationen zu  erfassen, damit rechtzeitig entsprechende Ge-
       genmaßnahmen geplant und durchgesetzt werden können" 26).
       Die am  Schluß des Zitats anklingende Anerkennung empirischer De-
       qualifikationserscheinungen bleibt  jedoch für  die  Durchführung
       der Analysen  der Projektgruppe  weitgehend folgenlos. Hatte sich
       die Projektgruppe zu Recht dagegen gewandt, in der Entfaltung von
       Automationsarbeit lediglich  den Verlust  von Qualifikationen  zu
       beklagen, so  droht diese Kritik nun mechanisch ins Gegenteil um-
       zuschlagen. Der  die Qualifikationsentwicklung  bewegende  Wider-
       spruch, dessen Beschränkung auf lediglich restringierende, dequa-
       lifizierende Auswirkungen  von Automation  die Projektgruppe  als
       regressive Betrachtungsweise  verworfen hatte,  verkürzt sich bei
       der Projektgruppe  selbst auf  die Dimension  der vorantreibenden
       dynamischen Potenzen von Automationsarbeit. Das führt schließlich
       auch in  der empirischen Forschung zu problematischen Interpreta-
       tionen, wie  ich am Beispiel des "Von-Hand-Fahrens" automatischer
       Anlagen exemplarisch beleuchten möchte 27).
       Die Projektgruppe  versteht das  "Von-Hand-Fahren"  automatischer
       Anlagen und  Aggregate als eine hochentwickelte Arbeitstätigkeit,
       in der sich das ganze Spektrum der durch Automation gesetzten Ar-
       beitsanforderungen widerspiegelt. Obwohl eingeräumt wird, daß die
       Notwendigkeit des  "Von-Hand-Fahrens" auf technische Defizite des
       Entwicklungsstandes und  der  Funktionsfähigkeit  automatisierter
       Arbeitsprozesse verweise,  wird daran festgehalten, daß gerade in
       störungsbedingten Situationen  des "Von-Hand-Fahrens"  das Erfor-
       dernis umfassender  Beherrschung und  Aneignung des  systemhaften
       inneren Zusammenhanges  automatischer Anlagen gebieterisch seinen
       praktischen Ausdruck erlange.
       Selbst wenn  man der Argumentation der Projektgruppe so weit fol-
       gen will,  stellt sich  die Frage, ob das, was vom Standpunkt der
       Automationsarbeiter für  das "Von-Hand-Fahren" im Störungsfall an
       Qualifikationen notwendig wäre, in der realen Ausformung der Qua-
       lifikationsstruktur auch  tatsächlich in  Erscheinung  tritt  und
       praktisch wirksam werden kann.
       Am Fall  einer modernen,  1974 eingerichteten Warmbreitbandstraße
       eines stahlproduzierenden Großbetriebs im norddeutschen Raum läßt
       sich zeigen,  daß die für die allerdings häufig eintretende Stör-
       situation erforderlichen  Qualifikationen des selbständigen "Von-
       Hand-Fahrens" an  den entsprechenden  Arbeitsplätzen äußerst  un-
       gleichmäßig verteilt  sind 28).  Über weiterreichende, nie jedoch
       analytisches Niveau  erreichende Kenntnisse  der Anlage  verfügen
       nur die  sogenannten Fertigwalzer.  Sie können,  wenn der Prozeß-
       rechner "aussteigt"  oder das Band "flattert", aber auch bei Pro-
       grammänderungen der  laufenden Produktion  durch  Umstellung  auf
       "Von-Hand-Fahren" in  den Produktionsprozeß intervenieren. Gegen-
       über diesen  Fertigwalzern sind die übrigen Steuerleute weisungs-
       gebunden. Sie sind nicht in der Lage, selbständig diejenigen Kor-
       rekturen vorzunehmen,  die im Störungsfall oder bei unvorhergese-
       henen Programmänderungen  objektiv erforderlich sind. Während die
       Fertigwalzer die höchste Lohngruppe (LG 10) plus Zuschläge erhal-
       ten, sind  die 1. Steuerleute überwiegend in Lohngruppe 9 und die
       2. Steuerleute in Lohngruppe 8 eingestuft, wobei sich je nach Be-
       triebszugehörigkeit und anderen Kriterien die Lohndifferenzierung
       nach unten verlängern kann. Abgesehen davon, daß auch die Fertig-
       walzer keineswegs über Qualifikationen auf wissenschaftlichem Ni-
       veau verfügen, belegt die Differenzierung der Qualifikationen bei
       den Steuerleuten,  daß zwar  einerseits nach Umstellung des Warm-
       walzwerks auf  die neue  Breitbandstraße die  Qualifikationen der
       allerdings zahlenmäßig  verringerten Schichtbelegschaften  insge-
       samt nicht gesunken sind, sich aber andererseits die Qualifikati-
       onsdifferenzierung auf  höherer technischer  Stufenleiter wieder-
       herstellt.
       Qualifikationen, die  den Fertigwalzern  aufgrund der  Produktiv-
       kraftentwicklung zugestanden  werden müssen,  werden den  übrigen
       Steuerleuten vorenthalten.  Vom Interessenstandpunkt der gesamten
       Gruppe der  Steuerleute her  betrachtet, handelt es sich durchaus
       um eine  Qualifikationspolarisierung, in  der die Logik der Kapi-
       talverwertung dem  Interesse aller Steuerleute an einer möglichst
       umfassenden qualifikatorischen  Beherrschung der gegenständlichen
       Arbeitsbedingungen und  einer entsprechenden Entlohnung entgegen-
       gesetzt ist.
       Eine der  Ursachen für  die optimistischen Prognosen der Projekt-
       gruppe, die  kritische Gegenstimmen  herausgefordert haben, liegt
       vermutlich in der problematischen Bezugsbasis der empirischen Un-
       tersuchung;  denn  die  Projektgruppe  erhebt  ihr  Datenmaterial
       hauptsächlich an  solchen Arbeitsplätzen,  an denen schöpferische
       Aspekte der  Arbeit, Identifikation  mit der  Arbeit,  Problemlö-
       sungsinteresse, Verantwortungsbewußtsein und kooperative Arbeits-
       beziehungen in  relativ hohem  Maß kumulieren  29). Nun läßt sich
       jedoch Automation nicht auf Arbeitstätigkeiten reduzieren, die in
       der Tat  beweisen, daß  der Kapitalismus nicht in jedem Falle De-
       qualifikation bewirkt, sondern - zumindest in begrenztem Ausmaß -
       schöpferische Fähigkeiten der Produzenten in Anspruch nehmen muß,
       ohne die  der Kapitalverwertung  eine wichtige Grundlage entzogen
       würde. Allerdings spiegeln sich die "sozialen Folgen" der Automa-
       tion nicht allein in der Arbeit hochqualifizierter Systemanalyti-
       ker, Programmierer, Operatoren, Meßwarte und Regeltechniker, son-
       dern ebenso  - wenn  nicht sogar  in weitaus typischeren Erschei-
       nungsformen -  in solchen Arbeitsfunktionen wider, die massenhaft
       substituierbar sind  und in  denen sich  gleichsam  die  "Normal-
       struktur"  von   Automationsarbeit  verkörpert.  Obwohl  die  Be-
       schreibung des  Samples der  Projektgruppe auch  Hinweise  darauf
       enthält, daß  vergleichsweise niedrig  qualifizierte Gruppen  von
       Automationsbeschäftigten  wie  Locherinnen  und  Datentypistinnen
       ebenfalls berücksichtigt  wurden, liegt das Schwergewicht der Da-
       teninterpretation ganz offenkundig auf hochqualifizierten Automa-
       tionsarbeiten. Sowohl  in der Struktur der Stichprobe als auch in
       der selektiven  Auswertung des Datenmaterials ist deshalb die Ge-
       fahr einer  die wirkliche  Qualifikationsentwicklung verzerrenden
       theoretischen Interpretation angelegt.
       Neuere empirische  Studien, die  sich wie  die Untersuchungen der
       Projektgruppe von  einem "arbeitsorientierten"  Wissenschaftsver-
       ständnis lenken lassen, kommen, indem sie die Durchschnittsbedin-
       gungen von  Automationsarbeit zum  Gegenstand haben, zu Ergebnis-
       sen, die  denen der Projektgruppe teilweise diametral entgegenge-
       setzt sind.
       Diese  Studien  stützen  eher  die  Position  der  Vertreter  der
       "Polarisierungsthese". W.  Kudera u.a.,  die Betriebsräte  von 84
       Betrieben der  bayerischen Metallindustrie  über die Auswirkungen
       von Rationalisierungen  auf die  Angestellten befragten, stellten
       eindeutig fest,  daß der  Einsatz von EDV sowie andere technische
       und arbeitsorganisatorische  Rationalisierungen positive Verände-
       rungen der  Arbeitssituation allenfalls  - von  wenigen Ausnahmen
       abgesehen -  für höher  gruppierte Angestellte in leitenden Funk-
       tionen nach  sich ziehen. Dagegen werden die negativen Folgen auf
       die Arbeitsbelastung,  die Dispositionsspielräume  in der Arbeit,
       auf die  Arbeitsinhalte und Qualifikationen als so gravierend be-
       schrieben, daß  sie kaum  etwas von jener optimistischen Perspek-
       tive erkennen  lassen, die sich nach Auffassung der Projektgruppe
       den  Automationsarbeitern  erschließt  30).  Bestätigt  wird  die
       "Polarisierungsthese" weiterhin  von einer im Auftrag des Bundes-
       ministers für  Forschung und  Technologie durchgeführten, inhalt-
       lich gleichwohl "arbeitsorientierten" Studie über EDV-Systeme und
       Arbeitsorganisation. Obwohl diese 1977 als Forschungsbericht ver-
       öffentlichte Studie  auf einer schmalen empirischen Basis aufbaut
       - untersucht  werden jeweils  drei Unternehmen der Stahlindustrie
       und des Bankgewerbes - und wegen des weitgehend qualitativen Cha-
       rakters der  empirischen Forschungsmethode  nur bedingt verallge-
       meinerungsfähige Aussagen  zuläßt, dürfen  die zumindest  in  der
       Frage   der   Qualifikationsentwicklung   gezogenen   dezidierten
       Schlußfolgerungen als Beleg gelten, der die "Polarisierungsthese"
       stützt: "Zusammenfassend  läßt sich sagen, daß der EDV-Einsatz im
       Hinblick auf  die Qualifikationsanforderungen  zweierlei wichtige
       Veränderungen mit  sich bringt:  Während  routinisierte  Arbeiten
       herkömmlicher Art  weitgehend dadurch  entfallen, daß sie auf Ma-
       schinen übertragen  werden, findet  gleichzeitig eine  Abspaltung
       und Reorganisation  der Arbeitsaufgaben statt, die in der Tendenz
       darauf hinaus läuft, daß neben wenigen höherqualifizierten Tätig-
       keiten neue  minderqualifizierte entstehen bzw. alte reproduziert
       werden" 31).
       Von der  Polarisierung seien in erster Linie Sachbearbeitertätig-
       keiten auf  mittlerer Qualifikationsstufe und Tätigkeiten auf un-
       terer, ausführender Qualifikationsstufe betroffen. Obwohl an ein-
       zelnen Arbeitsplätzen  neue Qualifikationen  entstünden  und  Ar-
       beitsfunktion mit bereits dispositivem Charakter teilweise quali-
       fikatorisch angereichert  würden, verringert der EDV-Einsatz ins-
       gesamt den  Qualifikationsgrad der  Belegschaften. Deshalb  sehen
       die Autoren der Studie ihre Hypothese vorn "abnehmenden quantita-
       tiven Gewicht der menschlichen Arbeit" im Zuge der Automation zu-
       mindest hinsichtlich  des Personalbestandes  und der Qualifikati-
       onshöhe sowohl in der materiellen Produktion (Stahlindustrie) als
       auch in Arbeitsprozessen der Zirkulation (Bankgewerbe) als im we-
       sentlichen verifiziert an.
       
       5. Qualifikationsentwicklung und Strategie der Arbeiterbewegung
       ---------------------------------------------------------------
       
       Forschungsergebnisse, die  den bedrohlichen Charakter von Automa-
       tion für die Arbeitsbedingungen und die Qualifikation unterstrei-
       chen, finden  ihre überzeugendste  Bestätigung in  der Praxis der
       Klassenauseinandersetzungen selbst.  Hier zeigt sich nämlich, daß
       der Prozeß der Automation unter kapitalistischen Bedingungen zwar
       einerseits höhere  Qualifikationen erfordert,  andererseits  aber
       Technologien ermöglicht,  die -  und das  ausschließlich ist  ihr
       ökonomischer Zweck  - menschliche  Arbeit auf  breiter Front ver-
       drängen, um  den Verwertungsgrad des eingesetzten Kapitals zu er-
       höhen.
       In dem Maß, wie Automation die technisch-organisatorischen Durch-
       schnittsbedingungen zahlreicher arbeitsintensiver Arbeitsprozesse
       zu prägen beginnt, verbreitert und beschleunigt sich die Dequali-
       fikationstendenz für  große Beschäftigtengruppen,  wie z.B. Bild-
       schirmarbeit an  vielen Arbeitsplätzen schon jetzt deutlich macht
       32). Diese Tendenz wird jedoch nicht durch die weitere Entfaltung
       der Produktivkräfte selbst aufgehoben, sondern verlangt - vom In-
       teressenstandpunkt der  betroffenen Lohnabhängigen  her gesehen -
       den organisierten  praktischen Widerstand  gegen die Auswirkungen
       dieser neuen  technologischen "Kriegsmittel  des Kapitals" (Marx)
       gegen die  lebendige Arbeit. Die während der vergangenen Jahre in
       der Metall-  und Druckindustrie geführten Arbeitskämpfe gegen De-
       qualifizierung und  Abgruppierung liefern  den Beweis  dafür, daß
       die widersprüchliche Entwicklung der Qualifikationsstruktur durch
       die Bewegung  des Kapitals  bestimmt ist.  Daß die Gewerkschaften
       sich von ihren früher häufig vorgetragenen sorglos optimistischen
       Einschätzungen des technischen Fortschritts auch unter dem Aspekt
       der Qualifikationen  zu lösen  beginnen, hat  sich in  dem  neuen
       Grundsatzprogramm des  DGB niedergeschlagen, wo der Dequalifizie-
       rung der Kampf angesagt wird 33).
       In diesem  Zusammenhang muß  außerdem hervorgehoben  werden,  daß
       sich Prozesse  der Dequalifizierung  nicht auf  Veränderungen der
       Arbeitssituation der lohnabhängig Beschäftigten beschränken, son-
       dern daß  Arbeitslosigkeit auch als spezifische Form von Dequali-
       fikation und  zwar als  die für die Betroffenen härteste und fol-
       genschwerste zu  bezeichnen ist.  Darauf hinzuweisen  ist  gerade
       deshalb wichtig,  weil auch die gesellschaftskritische sozialwis-
       senschaftliche Qualifikationsforschung  dazu neigt, ihr Interesse
       auf diejenigen  Gruppen  der  Lohnabhängigen  zu  begrenzen,  die
       (noch) im  Arbeitsprozeß stehen.  Aussagen über  die Richtung der
       Qualifikationsbewegung, die  den Tatbestand  von Arbeitslosigkeit
       als gesetzmäßige  Folge der  zyklischen Schwankungen kapitalisti-
       scher Akkumulation  ausklammern, abstrahieren davon, daß Verände-
       rungen der  Qualifikationsstruktur an  die Arbeitskraft als Ware,
       also an  deren Verkaufs-  und  Reproduktionsbedingungen  gebunden
       sind. Die  Entwicklung von  Qualifikationen im  Produktionsprozeß
       setzt voraus,  daß ihre gesellschaftlichen Träger, die Lohnarbei-
       ter, Beschäftigung  finden; denn  das Kapital  hat an  bestimmten
       Qualifikationen nur  insoweit Interesse,  als es sie im Produkti-
       onsprozeß zum  Zweck der Verwertung "produktiv konsumieren" kann.
       Die der Arbeitslosigkeit unter dem Gesichtspunkt der Qualifikati-
       onsentwicklung zukommende  sozialökonomische  Bedeutung  hat  der
       französische Marxist Pierre Noppart folgendermaßen zutreffend be-
       schrieben: "Die  Arbeitslosigkeit ist  der erste  Ausdruck dieser
       Krise der  Qualifikation: sie  nimmt die  Form einer gigantischen
       Vergeudung menschlicher  Produktivkräfte an und betrifft diejeni-
       gen, die das Kapital aus dem Produktionsprozeß herausdrängt sowie
       diejenigen, die  es außerhalb  in Reserve hält. Die Dauer der Be-
       rufstätigkeit und  die Berufserfahrung  schützen die  Werktätigen
       immer weniger  vor dem  Dequalifizierungsrisiko, das  aus den Be-
       triebsschließungen und den ungerechtfertigten Entlassungen resul-
       tiert. Man  vergeudet die  erworbene Berufserfahrung. Die erzwun-
       gene Rotation  der Arbeitskräfte  im Betrieb,  die Intensivierung
       der produktiven  Arbeit und die Überschwemmung des Arbeitsmarktes
       durch eine  wachsende Zahl von Leuten, die eine qualifizierte Be-
       schäftigung suchen, führen dazu, daß die Arbeitsplätze im Produk-
       tions- und  Dienstleistungsbereich  immer  instabiler  und  immer
       stärker angreifbar  werden. Die  Gefühle der Unsicherheit und Zu-
       kunftsangst, die  sie bei  den arbeitenden  Menschen hervorrufen,
       sind eine wichtige Dimension der Beschäftigungs- und Qualifikati-
       onskrise" 34).
       Welche Schlußfolgerungen sind aus den bisherigen Überlegungen für
       eine Kritik  an den theoretischen und methodologischen Positionen
       der Projektgruppe  "Automation und Qualifikation" zu ziehen? Eine
       erste zusammenfassende  Antwort lautet: Dequalifizierung und Ent-
       lassung als schärfste Formen von Qualifikationsverlust, die durch
       den kapitalistisch vorangetriebenen und angewandten wissenschaft-
       lich-technischen Fortschritt verursacht werden, lassen sich durch
       Qualifikationspolitik nur erfolgreich bekämpfen, wenn diese nicht
       zum Dreh-  und Angelpunkt  antikapitalistischer Strategie  dekla-
       riert, sondern  als ein  spezifisches, an  Bedeutung  gewinnendes
       Kampffeld begriffen  wird, das  die "traditionellen"  Frontlinien
       zwischen Kapital  und Arbeit  erweitert. Als  Erscheinungsformen,
       die in  den strukturellen  Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen
       Akkumulation begründet sind, erfordern Prozesse der Dequalifizie-
       rung und Entwertung der Arbeitskraft seitens der Arbeiterbewegung
       strategische Antworten,  die zwar  die Dimension  der Entwicklung
       des Menschen  in der Arbeit als wesentliches Element einbeziehen,
       gleichzeitig aber,  über Probleme der Stellung der Arbeitenden im
       technisch hochentwickelten  Arbeitsprozeß hinausgehend, die Frage
       beantworten, wie  die Arbeiterklasse in den Mechanismus der Akku-
       mulation eingreifen  kann. Die Bewegungsform der monopolkapitali-
       stischen Akkumulation  als dominierendes  gesellschaftliches Ver-
       hältnis  ist  den  konkreten  Erscheinungsformen  der  Produktiv-
       kraftentwicklung und also auch der Qualifikationsstruktur logisch
       vorausgesetzt und konstituiert diese überhaupt erst.
       Forderungen, die  sich auf eine Höherqualifizierung der Arbeiten-
       den im  unmittelbaren Produktionsprozeß  beziehen, müssen deshalb
       mit politischen  Forderungen verknüpft  werden, deren  praktische
       Durchsetzung es der Arbeiterbewegung ermöglicht, auf strukturelle
       Entscheidungen über  Entwicklung und Einsatz von Produktivkrafte-
       lementen betrieblich und überbetrieblich Einfluß zu nehmen. 35)
       Was von  der Projektgruppe  hinsichtlich der  Funktion von Mitbe-
       stimmung, Arbeiterkontrolle,  Investitionslenkung  und  Struktur-
       und regionalpolitischen  Steuerungsinstrumenten entweder nur zag-
       haft oder  beiläufig angesprochen  wird, muß  in den  Mittelpunkt
       wissenschaftlicher Überlegungen  treten, die  sich der Unterstüt-
       zung der Arbeiterbewegung verpflichtet fühlen.
       Es gilt deshalb, die Frage zu diskutieren und fortschreitend bes-
       ser und konkreter zu beantworten, wie die aus den materiellen Be-
       dingungen technisch  hochentwickelter Arbeitsprozesse  sich erge-
       benden Anforderungen an die Arbeitenden in eine Strategie antika-
       pitalistisch-demokratischer Reformen  einbezogen werden,  die den
       Arbeits- und  Lebensbedingungen der Gesamtheit der Lohnabhängigen
       und nicht nur einzelner ihrer Abteilungen Rechnung trägt.
       Es ist  die Ungleichzeitigkeit  und Widersprüchlichkeit kapitali-
       stischer Produktivkraftbewegung  selbst, die den wissenschaftlich
       zu begründenden  Vermittlungsprozeß der  Interessen aller Lohnab-
       hängigen erfordert,  will die Analyse der Produktivkräfte und der
       Entwicklung der  menschlichen Arbeit  empirisch die Totalität der
       Arbeitsbedingungen nicht verfehlen und nicht zu einer Privilegie-
       rung derjenigen  Beschäftigungsgruppen führen,  die an der Spitze
       der Produktivkraftentwicklung stehen.
       
       _____
       1) Vgl. Friedrich  Pollock, Automation.  Materialien zur Beurtei-
       lung ihrer  ökonomischen und  sozialen Folgen,  Frankfurt am Main
       1964. Der  Begriff der Polarisierung wird hier bereits verwendet,
       vgl. S. 261.
       2) Horst Kern/Michael  Schumann, Industriearbeit  und Arbeiterbe-
       wußtsein, 2 Bde, Frankfurt am Main 1970.
       3) Vgl. James  R. Bright, Automation und Management, Boston 1958;
       ders., Does  Automation raise Skill Requirements? in: Harvard Bu-
       siness Review, Cambridge (Mass./USA), Juli/August 1958 (Vol. 36).
       4) Vgl. Alain Touraine, La conscience ouvrière, Paris 1966; Serge
       Mallet, Die neue Arbeiterklasse, Neuwied und West-Berlin 1972.
       5) Zur Kritik  am Konzept  der "neuen  Arbeiterklasse" vgl. Frank
       Deppe/Hellmuth Lange/Lothar  Peter (Hrsg.),  Die  neue  Arbeiter-
       klasse. Technische  Intelligenz und Gewerkschaften im organisier-
       ten Kapitalismus, Frankfurt am Main 1970.
       6) Vgl. das  Vorwort von  Kern/Schumann in  der 1977 erschienenen
       Studienausgabe  von   "Industriearbeit  und   Arbeiterbewußtsein"
       (Frankfurt/M. 1977).
       7) Zur neuen  Kritik am  Technikbegriff Kerns  und Schumanns vgl.
       Sebastian  Herkommer/Heinz   Bierbaum,  Industriesoziologie.  Be-
       standsaufnahme, Kritik, Weiterentwicklung, Stuttgart 1979, beson-
       ders S. 102-107.
       8) Frank Deppe,  Das Bewußtsein der Arbeiter. Studien zur politi-
       schen Soziologie des Arbeiterbewußtseins, Köln 1971, S. 110.
       9) Vgl. im folgenden: O. Mickler/E. Dittrich/U. Neumann, Technik,
       Arbeitsorganisation und  Arbeit. Eine  empirische Untersuchung in
       der automatisierten Produktion, Frankfurt am Main 1976.
       10) Ebd., S. 452/453.
       11) Vgl. Projektgruppe  Automation  und  Qualifikation,  Theorien
       über Automationsarbeit,  Band EU,  Argument-Sonderband 31,  West-
       Berlin 1978.
       12) Diesen präzisen  Ausdruck verwendet K.H. Tjaden, um den durch
       vergesellschaftende Arbeit  hergestellten Zusammenhang von Natur-
       evolution und  gesellschaftlicher Entwicklung zu bezeichnen. Vgl.
       K.H.  Tjaden,   Naturevolution,  Gesellschaftsformation,  Weltge-
       schichte. Überlegungen  zu einer  gesellschaftswissenschaftlichen
       Entwicklungstheorie, in: Das Argument 101/1977, S. 30.
       13) Zu diesem  Problem vgl. verschiedene Arbeiten von Robert Kat-
       zenstein, so zum Beispiel: Technischer Fortschritt - Kapitalbewe-
       gung -  Kapitalfixierung. Einige  Probleme der Ökonomie des fixen
       Kapitals
       unter den  gegenwärtigen Bedingungen  der Vergesellschaftung  der
       Produktion im staatsmonopolistischen Kapitalismus, Berlin 1974.
       14) Statistisches Bundesamt  (Hrsg.), Wirtschaft  und  Statistik,
       Wiesbaden, Stuttgart und Mainz, 2/1979, S. 112 (Tabelle).
       15) Vgl. dazu im folgenden Robert Katzenstein, Zur Monopolproble-
       matik. Ein  Beitrag zur  Diskussion um den Staatsmonopolistischen
       Kapitalismus, in:  Sozialistische Politik,  28/1974, besonders S.
       102-109.
       16) Ebd., S. 104/105.
       17) Vgl. Edgar Gärtner, Arbeiterklasse und Ökologie, Frankfurt am
       Main 1979.
       18) Zur systematischen  Einordnung dieses Problems in die gesell-
       schaftliche Entwicklung vgl. K.H. Tjaden, Naturevolution, Gesell-
       schaftsformation, Weltgeschichte, a.a.O. S. 32 ff.
       19) Zur gesellschaftlichen  Entwicklung  und  Sozialstruktur  der
       wissenschaftlich-technischen Intelligenz  vgl.  Christof  Kieven-
       heim/Dorlies Pollmann, Die Intelligenz der BRD 1950-1970, Teil in
       der MSF-Studie  über "Klassen-  und Sozialstruktur  der BRD 1950-
       1970", Frankfurt  am Main 1974. Selbst die wissenschaftlich-tech-
       nische Intelligenz  ist aber  von Dequalifikationstendenzen nicht
       ausgeschlossen, wie etwa die Veränderungen von universitären Aus-
       bildungsgängen, die  soziale Hierarchisierung bestimmter Akademi-
       kergruppen (z.B.  Lehrer und  Ingenieure) und  nicht zuletzt  die
       hohe Zahl arbeitsloser Akademiker in der Krise zeigen (vgl. Bernd
       Güther, Arbeitslosigkeit  von Hoch-  und Fachhochschulabsolventen
       in der  BRD, Informationsbericht  Nr. 28  des IMSF,  Frankfurt am
       Main 1977.)
       20) Vgl. dazu  Beispiele in  Lothar Peter,  Werner Petschick  und
       Peeter Raane,  Rationalisierung.  Auswirkungen  -  Antworten.  5.
       Nachrichten-Seminar, Referate  und Diskussionsbeiträge, Frankfurt
       am Main, o.J. (1980), S. 13/14 u. S. 22.
       21) Vgl.  Forschungsgruppe  Produktivkraftentwicklung  Nordhessen
       (Gesamthochschule  Kassel),  Forderungen  für  den  Schwalm-Eder-
       Kreis. Grundlinien  einer arbeitsorientierten Strukturpolitik für
       ein  unterentwickeltes   agrarisch-industrielles  Gebiet,  Kassel
       1980, besonders S. 208 ff. u. S. 247 ff.
       22) Klaus Hermann/Eckart  Teschner, Taylorisierung  geistiger Ar-
       beit? -  Entwicklungstendenzen der  Arbeits- und  Berufssituation
       technischer Angestellter  in der Industrie. Unveröff. Manuskript,
       Frankfurt am Main 1971, S. 2/3.
       23) Zur näheren Bestimmung des Verhältnisses von "allgemeinem Ar-
       beitsvermögen" und  "Qualifikation" vgl.  Lothar Peter,  Probleme
       und Tendenzen  der Qualifikationsstruktur  der Arbeiterklasse  im
       staatsmonopolistischen Kapitalismus,  in: Sozialistische Politik,
       26/1973, S. 7-27.
       24) J.F. Kusmitschew,  Das 'Gesetz  der Komplizierung der Arbeit'
       und die  Qualifikationsentwicklung  der  Arbeitskraft,  in:  IMSF
       (Hrsg.), Qualifikations-  und Werttendenz der Arbeitskraft heute,
       Frankfurt am Main 1980, S. 15 (Theorie und Methode Bd. IV).
       25) Projektgruppe Automation  und Qualifikation, Band IV: Automa-
       tionsarbeit, empirische  Untersuchungen Teil  l, Argument-Sonder-
       band 43, West-Berlin 1980, S. 23.
       26) Projektgruppe Automation  und Qualifikation,  Band III: Theo-
       rien..., a.a.O., S. 17.
       27) Vgl. im folgenden Projektgruppe Automation und Qualifikation,
       Band IV: Automationsarbeit..., a.a.O., S. 147-169.
       28) Vgl. unveröffentliches  Arbeitspapier über die Arbeitsorgani-
       sation  eines   Warmwalzwerks  im   norddeutschen  Raum,   Bremen
       (Universität) 1977.
       29) Vgl. Projektgruppe Automation und Qualifikation, Band IV: Au-
       tomationsarbeit..., a.a.O.
       30) Werner Kudera/Konrad  Ruff/Rudi Schmidt/Theodor  Wentzke, Be-
       triebliche Rationalisierung  und Angestellte.  Eine Umfrage unter
       Betriebsräten der bayerischen Metallindustrie, Köln 1979.
       31) G. Brandt/B. Kündig/Z. Papadimitriou/J. Thomae, Sozioökonomi-
       sche Aspekte  des Einsatzes von Computersystemen und ihre Auswir-
       kungen auf die Organisation der Arbeit und die Arbeitsplatzstruk-
       tur, Frankfurt am Main 1977, S. 220.
       32) Vgl. DGB (Hrsg.), Bildschirmarbeit - human gestalten, Düssel-
       dorf 1980.
       33) Vgl. den  Wortlaut des neuen Grundsatzprogramms in: Nachrich-
       ten zur  Wirtschaft- und Sozialpolitik, 4/1981, S. 14. Ferner: M.
       Jansen/K. Pickshaus,  Das Grundsatzprogramm  der DGB. Antwort auf
       die Probleme  der 80er Jahre? in: Blätter für deutsche und inter-
       nationale Politik, 6/1981, S. 720 ff.
       34) Pierre Noppart,  Die Vergeudung  der Qualifikation - eine sy-
       stematische Politik  des staatsmonopolistischen  Kapitalismus  in
       Frankreich, in: IMSF (Hrsg.), Qualifikations- und Werttendenz der
       Arbeitskraft heute..., a.a.O., S. 171 und 173/174.
       35) Vgl. Lothar  Peter, Wissenschaftlich-technischer Fortschritt,
       neue Technik  und  Arbeiterbewegung,  in:  Marxistische  Studien,
       Jahrbuch des IMSF 2/1979, Frankfurt am Main 1979.
       

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