Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


       zurück

       
       DAS STAATSBEWUSSTSEIN DER ARBEITER IN DER BRD
       =============================================
       
       Harald Werner
       
       1. Das Dilemma, der Empirie in der Bewußtseinsforschung - 2. Wel-
       chen Rückhalt  hat der Staat im Bewußtsein der Arbeiter? - 3. Die
       doppelte Gestalt des Staatsillusionismus
       
       Trotz anhaltender  und sich  gar vertiefender Krisenerscheinungen
       zeichnet sich das politische System der BRD durch relative Stabi-
       lität aus.  Die Institutionen  des Staates,  die öffentlichen Ri-
       tuale, mit  denen hierzulande die ideologische Vergesellschaftung
       betrieben wird,  haben beim übergroßen Teil der Bevölkerung nicht
       an Wirksamkeit  verloren. Und obwohl in den "staatstragenden Par-
       teien" selbst die Widersprüche zunehmen und sich in die selbstbe-
       wußten Tagesschau-Bekundungen der staatlichen Repräsentanten Züge
       von Resignation einzuschleichen beginnen, scheint deren integrie-
       rende Kraft  ungebrochen. Sieht man von den Klagen der herrschen-
       den Parteien  über die Staatsverdrossenheit der Jugend ab, so ist
       die Massenloyalität  und insbesondere  die der Arbeiterklasse of-
       fenbar unerschüttert.  Nicht zuletzt die scheinbare Loyalität der
       Arbeiterklasse, ihre  Identifikation mit  dem bürgerlichen  Staat
       und seinen Institutionen, haben deshalb in den vergangenen Jahren
       innerhalb der  Linken zu  einer Staatsdiskussion  geführt, in der
       die Frage  nach den  spezifischen  ideologischen  Vergesellschaf-
       tungsformen des  bürgerlichen Staates  eine  entscheidende  Rolle
       einnimmt. Insbesondere die Gramsci-Diskussion zeigt überaus deut-
       lich, wie  stark das  analytische Bemühen  ist, jene Elemente des
       subjektiven Faktors  auszumachen, die die Verankerung der bürger-
       lichen Staatsideologie im Massenbewußtsein bewirken. 1)
       Die Rezeption  der Gramsci-Texte  hat im wesentlichen dazu beige-
       tragen, undifferenzierte  Vorstellungen vom  Staat als bloßem Ge-
       waltapparat oder  als blindem  ökonomischem Reflex zu überwinden.
       Es scheint wichtig, die verschiedenen Ebenen analytisch zu erfas-
       sen, die  den gesamten  Überbau ausmachen, weil diese Ebenen, wie
       etwa Parteien,  Gewerkschaften, Interessenverbände  und die zahl-
       reichen  öffentlich-rechtlichen  Institutionen,  eine  Nahtstelle
       zwischen dem  bilden, was  bei Gramsci einerseits als "politische
       Gesellschaft" und  andererseits als "bürgerliche Gesellschaft" in
       Erscheinung tritt. 2)
       Die Einführung neuer analytischer Begriffe ist freilich oft genug
       mit dem  Auftauchen neuer  Probleme verbunden.  So auch in diesem
       Fall, wenn  die Differenzierung  der Staatsvorstellung bis an die
       Grenze materialistischer  Analyse geht,  wenn der  Staat mystifi-
       ziert und die Grenze zwischen objektivem Sein und Bewußtsein ver-
       wischt wird  und das  Staatsbewußtsein als Demiurg des Staates in
       Erscheinung tritt. So schreibt etwa Michael Jäger einerseits völ-
       lig richtig: "dieser Staat kann als Macht über die Individuen nur
       existieren indem  er nicht bloß äußerliche Gewalt ist, sondern in
       die Individuen  selbst hineingeht..."  3) Andererseits geht seine
       Vorstellung dieses  Prozesses so  weit, daß  er sich  fragt:  "wo
       fängt der  Staat eigentlich  an und  wo  hört  er  auf?"  4)  Die
       "Substanzialität" des  Staates besteht für Jäger darin, daß er in
       den Individuen  wurzelt -  und dies deshalb, weil jeder, der sich
       mit dem  Staat einläßt, sich in ihm auflöst "wie in einer Säure".
       5) Zweierlei  ist an diesem vordergründig bestehenden Bild falsch
       und für  die weitere Analyse irreführend. Erstens die mechanisti-
       sche, die  Dialektik begrabende  Betrachtungsweise, und zweitens,
       daraus folgend, die Widerspruchsfreiheit des Ergebnisses.
       Jäger benutzt in seiner Beweisführung den Zusammenhang von Kirche
       und Religion  und kommt  zu dem Schluß, "daß nicht die Kirche die
       Religion, sondern die Religion die Kirche" 6) schafft. Was unter-
       bleibt ist freilich die Antwort darauf, was die Religion schafft.
       Indem er  diese Antwort  schuldig bleibt,  und die Kirche aus dem
       religiösen Bewußtsein entstehen läßt, verschafft er sich die not-
       wendige Ausgangsposition, um im Analogieschluß zu fragen, ob denn
       nicht auch der Staat auf diese Weise zur Existenz kommt. Verkürzt
       gesagt und in aller Konsequenz zu Ende gedacht: Das religiöse Be-
       wußtsein schafft  die Kirche,  das Staatsbewußtsein  schafft  den
       Staat. Wohlgemerkt,  nicht daß  Jäger hier  objektiver Idealismus
       unterstellt werden sollte; was er nur vernachlässigt, das ist die
       bestimmende Seite  materieller Verhältnisse,  und dies  nicht nur
       als bloße  ökonomische Struktur, sondern als wirkliche Lebensver-
       hältnisse, die  insbesondere die Arbeiterklasse in ein Verhältnis
       zum Staat  setzten, das  sehr wohl  die Grenze zum Staat erkennen
       läßt. Denn  von der  Klassenlage des Proletariats aus betrachtet,
       sind die  objektiven Möglichkeiten,  im Staat  wie in einer Säure
       aufzugehen, trotz  aller Vergesellschaftunsprozesse  nach wie vor
       nicht gegeben. Wenn rechte Sozialdemokraten oder opportunistische
       Gewerkschaftsfunktionäre Opfer  dieses Vorgangs  werden, dann ist
       das nicht  die Regel,  sondern eher  eine folgenschwere Ausnahme,
       die wohl  eine Seite  der  Aufrechterhaltung  bürgerlicher  Herr-
       schaft, nicht aber deren Begründung zeigt.
       Für die  Masse der  arbeitenden Bevölkerung  gilt, daß  sie nicht
       etwa den  Staat aus ihrem Bewußtsein entstehen läßt, wie die Kir-
       che stets  aufs neue aus der Religiosität entsteht, weil eben die
       Bedingungen der  Religiosität gegeben sind, sondern für sie gilt,
       daß sie den Staat duldet, weil ihr objektive Verhältnisse gegeben
       sind, die  die gedankliche Antizipation unterdrücken. So ist denn
       auch das Staatsbewußtsein der Arbeiter eher vom Mangel an Antizi-
       pation politischer  Herrschaft als von Zustimmung zur bestehenden
       Herrschaft geprägt.  Eine Aussage,  die im  folgenden zu beweisen
       sein wird,  die aber  scheinbar im  Gegensatz zur empirischen Be-
       wußtseinsforschung und  natürlich im  Gegensatz zur Alltagserfah-
       rung steht,  die sich in diesem Fall freilich auf nichts mehr als
       auf das  im vierjährigen  Turnus ablaufende Wahlverhalten stützen
       kann.
       Um dem  tatsächlichen Bewußtsein  der Arbeiter  vom Staat auf die
       Spur zu  kommen, sollen  im folgenden  drei Schritte  unternommen
       werden: Als  erstes gilt  es, die  empirischen Vorgehensweisen zu
       überprüfen, die  bestimmte Grundannahmen  über das Bewußtsein der
       Arbeiter vom  Staat geprägt haben und die zweifelsfrei auch ihren
       Niederschlag in  den theoretischen Ausführungen über die Perpetu-
       ierung bürgerlicher  Herrschaft finden.  In einem zweiten Schritt
       gilt es zu hinterfragen, wie loyal tatsächlich die Arbeiterklasse
       der BRD gegenüber dem bürgerlichen Staat ist und wie weit aus ih-
       rem Bewußtsein  die Herrschaft  dieses Staates erwächst. Drittens
       gilt es,  jenen ebenfalls scheinbar empirisch gesicherten Begriff
       des Staatsillusionismus  zu prüfen,  der immer wieder die Diskus-
       sion des Arbeiterbewußtseins in der BRD beherrscht.
       
       1. Das Dilemma der Empirie in der Bewußtseinsforschung
       ------------------------------------------------------
       
       Die meisten jüngeren Arbeiten zum Arbeiterbewußtsein stützen sich
       auf empirische  Erhebungen. Der  leichtere Zugang und die größere
       Verbreitung von  EDV-Anlagen sowie das Vorhandensein relativ pro-
       blemlos zu  handhabender Programme  haben der empirischen Bewußt-
       seinsforschung neue Möglichkeiten eröffnet, die von vornherein zu
       begrüßen sind,  von sich  aus  aber  keine  Erkenntniserweiterung
       bringen. Setzt  man eine regelmäßige Beziehung zwischen individu-
       ellem Bewußtsein  und den bedingenden Faktoren von objektiver Re-
       alität, subjektivem  Faktor und gesellschaftlicher Praxis voraus,
       dann muß  das Hauptgewicht der Forschung auf die begriffliche Er-
       fassung des  Gegenstandes sowie auf die Erfassung des Tätigkeits-
       zusammenhangs gesetzt  werden, innerhalb  dessen sich  der Gegen-
       stand im  Bewußtsein widerspiegelt.  Erst aus  der  begrifflichen
       Klärung des  Gegenstandes und aus der Entschlüsselung der Aufbau-
       gesetze von  Bewußtseinsinhalten lassen sich Erhebungsinstrumente
       entwickeln und  Daten interpretieren. Bezieht sich empirische Be-
       wußtseinsforschung auf den Marxismus-Leninismus, dann muß sie die
       Verbindung von Theorie und Empirie auf eine Weise herstellen, wie
       sie Marx  in der  Einleitung zur  Kritik der Politischen Ökonomie
       als Aufsteigen  vom Abstrakten  zum Konkreten gekennzeichnet hat.
       7) Innerhalb  dieser Methode  kann der  empirischen Erhebung  von
       sprachlichen Reflexen  nur dann  ein Erkenntniswert  zugesprochen
       werden, wenn  diese mit der begriffenen Struktur des Widerspiege-
       lungsgegenstandes und  den  Verarbeitungsformen  des  Bewußtseins
       konfrontiert werden.  Das irrlichternde  Medium Sprache  kann nur
       verstanden werden,  wenn die  Zusammenhänge begriffen  sind,  aus
       denen es entsteht.
       Von daher verbietet es sich für unsere Analyse des Staatsbewußts-
       eins, aus empirischen Verteilungen, denen diese begriffliche Klä-
       rung nicht  vorausgegangen ist,  auf Inhalte  von  Bewußtsein  zu
       schließen. Das  gilt für die kritiklose Übernahme von Ergebnissen
       der bürgerlichen  Demoskopie, die  mit ihrem  Verständnis von Ge-
       sellschaft und  Politik den  Interviewpartnern Antworten abpreßt,
       die mehr  von der  ideologischen Frage denn vom tatsächlichen Be-
       wußtseinsinhalt des  Befragten strukturiert werden. Dieser Vorbe-
       halt gilt  aber auch  für die  meisten Bewußtseinsanalysen linker
       Sozialforscher, die  sich von Allensbach meist nur dadurch unter-
       scheiden, daß  sie den Antwortvorgaben andere Alternativen zuord-
       nen. Nicht  nur, daß  den Fragebögen oder Interview-Leitfäden die
       theoretische Begründung  der sprachlichen  Reize fehlt, oft genug
       werden auch  noch kritiklos Fragen aus der bürgerlichen Meinungs-
       forschung übernommen,  deren erkenntnisbegrenzende Syntax den In-
       terviewpartner in  die Schablone  bürgerlicher  Bewußtseinsformen
       zwingt.
       In der  Bewußtseinsforschung gibt  es eine  fatale Traditionsbil-
       dung; die  einmal eingeführten Fragen, die sich auf bestimmte Di-
       mensionen des Bewußtseins richten sollen, werden von einer Unter-
       suchung zur  anderen weitergereicht, ohne daß deren Validität je-
       mals theoretisch  begründet worden  wäre. So  stellt sich nun die
       unbehagliche Frage,  ob denn  die empirische Bewußtseinsforschung
       überhaupt mehr erfaßt als die Reaktion auf ein sich selbst perpe-
       tuierendes Fragenensemble, dessen realer Bezugspunkt nicht im Ar-
       beiterbewußtsein, sondern  im Bewußtsein  der Sozialforscher über
       das Arbeiterbewußtsein  liegt. Selbst dort, wo die Form des offe-
       nen Interviews gewählt wird, "um die Dominanz kategorialer Vorga-
       ben seitens  des Forschers möglichst gering zu halten" 8), werden
       zum Zwecke  der Quantifizierung  dem sprachlichen  Material nach-
       träglich Nominalskalen  übergestülpt, die  alle Differenzierungen
       wiederum unter Prozentverteilungen begraben. So reduzieren Kudera
       u.a, in  der zitierten Untersuchung das staatsbürgerliche Bewußt-
       sein der  Arbeiter auf  sechs Typen,  deren Kategorisierung nicht
       minder erkenntnishemmend  ist als die Verwendung standardisierter
       Fragebögen. 9)  Die aus  den Widersprüchen in den Antworten aller
       Befragten erkennbaren  Entwicklungsformen des  Bewußtseins werden
       damit nachträglich  eliminiert und  in eine Skala gepreßt, in der
       nur noch  einer Klasse,  nämlich dem so bezeichneten "gespaltenen
       Bürger", widersprüchliches  Begreifen als  konstitutives  Bewußt-
       seinsmerkmal zugeordnet wird.
       Für die  erwähnte wie  für andere  Untersuchungen auch  läßt sich
       obendrein feststellen, daß, allem Vorbehalt gegenüber der positi-
       vistisch bestimmten  Empirie und  ihren Methoden  zum Trotz,  aus
       quantitativen Verteilungen  Rückschlüsse auf Entwicklungsrichtun-
       gen des  Arbeiterbewußtseins gezogen werden. 10) Doch während die
       Positivisten zumindest  noch Probleme  der Repräsentativität, der
       Reliabilität und  der Signifikanz vor die quantitative Beweisfüh-
       rung schalten,  hat sich bei linken empirisch arbeitenden Sozial-
       forschern teilweise  eine methodische  Leichtfertigkeit herausge-
       bildet, die  auch nicht  mit der  Einschränkung zu  entschuldigen
       ist, daß  es sich  nur um  "vorsichtige Tendenzaussagen" handele.
       Schlußfolgerungen, die  sich auf  prozentuale  Überrepräsentanzen
       stützen, ohne  daß die  Signifikanz der Unterschiede nachgewiesen
       wird, sind nicht nur methodisch fragwürdig, sie sind falsch. 11)
       Ähnliche Fehler  bei der  Handhabung empirischer  Methoden lassen
       sich in den meisten Untersuchungen feststellen. So werden bei Ku-
       dera u.a.  zweidimensionale Verteilungen  vorgenommen, obwohl die
       Stichprobe so  klein ist, daß einzelne Klassen nur noch mit einem
       Befragten besetzt  sind, was  die Autoren  nicht hindert,  diesem
       auch noch  einen Prozentwert  von 3 zuzuordnen. In der Studie von
       Kern/Schumann werden  Ordinalskalen, für die nur begrenzte stati-
       stische Berechnungen  zulässig sind, in Intervallskalen transfor-
       miert, damit  metrische Korrelationen  und sogar Faktorenanalysen
       durchgeführt werden  können. 12) All diese Fehler begründen nicht
       nur das  Unbehagen, das einen beschleichen muß, wenn man die Aus-
       sagen der einzelnen Studien wertet, dieses Unbehagen richtet sich
       auch auf  die gesamte  empirische Bewußtseinsforschung, da die so
       gewonnenen Dateninterpretationen  wiederum die Ausgangshypothesen
       für die  folgenden Untersuchungen  abgeben. Mehr  als  durch  den
       wirklichen sozialen  Lebensprozeß der Arbeiter und die begriffli-
       che Fassung  der Bewußtseinsprozesse lassen sich die meisten For-
       scher bei  ihrer Hypothesenbildung durch Stereotype beeinflussen,
       die von  den Klassikern  der Bewußtseinsforschung  in die wissen-
       schaftliche Dikussion  eingeführt wurden. Empirisch gewonnene Be-
       griffe wie  die  der  "instrumentellen  Arbeitsorientierung"  von
       Goldthorpe u.a., des "dichotomischen Gesellschaftsbildes" von Po-
       pitz/Bahrdt oder der von Kern/Schumann unterstellte "Zerfall kol-
       lektiven Bewußtseins"  erweisen sich zunehmend als erkenntnishem-
       mende Kategorien, die, obwohl empirisch auffindbar, das Wesen der
       Bewußtseinsprozesse nicht erfassen.
       Meiner Auffassung  nach kann die Bewußtseinsforschung dem Dilemma
       nur entgehen,  wenn sie  einerseits in  der empirischen Erfassung
       ihres Gegenstandes  vielfältigere Methoden  anwendet und anderer-
       seits ihre  Kategorien und Begriffe nicht aus dem empirischen Er-
       scheinungsbild, sondern  aus der  theoretischen Erfassung  dessen
       gewinnt, was  sie beobachtet.  Die Fixierung empirischer Erschei-
       nungen wie  deren Quantifizierung  lassen keine Aussagen über we-
       sentliche Sachverhalte oder gar über Entwicklungstendenzen zu, da
       gerade das  Neue oder  Wesentliche im Bewußtsein nicht als Durch-
       schnitt, als  Konzentration, sondern  als Abweichung,  als Wider-
       spruch und als Ausnahme in Erscheinung tritt. 13)
       Bei der Bestimmung der theoretischen Voraussetzungen, die der em-
       pirischen Bestimmung  von Bewußtseinsinhalten vorausgehen müssen,
       wurden oben  zwei Anforderungen  genannt: Erstens die Analyse des
       sich im  Bewußtsein wiederspiegelnden  Gegenstandes und  zweitens
       die Analyse  der Praxis,  des Tätigkeitszusammenhangs,  innerhalb
       dessen Widerspiegelung stattfindet. Beide Voraussetzungen knüpfen
       sich sowohl  an die Entwicklung des Erhebungsinstruments als auch
       an die  Methode der Dateninterpretation. Doch das Aufsuchen jener
       Handlungsstrukturen, die  ein Individuum, eine Gruppe oder Klasse
       gegenüber dem  zu erkennenden  Objekt entwickelt  und welche erst
       den Schlüssel zum Verständnis seiner Wiederspiegelungsformen lie-
       fert, kommt in den meisten Bewußtseinsuntersuchungen zu kurz. Das
       Bewußtsein aber  spiegelt nicht  den bloßen  Gegenstand,  sondern
       seine Tätigkeit  im Zusammenhang  mit dem betreffenden Gegenstand
       wider. So  ist die  Analyse des  gegenwärtigen Staates  zwar eine
       notwendige, bei weitem aber noch nicht hinreichende Voraussetzung
       für die Erfassung des Staatsbewußtseins. Wie im folgenden zu zei-
       gen sein wird, führt gerade die Vernachlässigung des Tätigkeitsa-
       spekts der  Befragten und das Ausgehen vom vorgestellten Sinn ih-
       rer Aussagen  zu äußerst  fragwürdigen Schlußfolgerungen über die
       Bewußtseinsinhalte.
       
       2. Welchen Rückhalt hat der Staat im Bewußtsein der Arbeiter?
       -------------------------------------------------------------
       
       Die empirischen  Untersuchungen des  Staatsbewußtseins erheben in
       der Regel  "politische Orientierungen", um auf diese Weise Aussa-
       gen über  das politische  Handlungspotential machen zu können. So
       heißt es  in der  Studie von  Kudera u.a.: "Die Frage der politi-
       schen Orientierung  der Arbeiter  ist zentriert um ihr Verhältnis
       zu den  politischen Institutionen und zur bestehenden politischen
       Ordnung." 14)  Dieses "Verhältnis"  wird dann  abgeleitet aus ge-
       danklichen Wiederspiegelungen der Staatstätigkeit beziehungsweise
       aus sprachlichen  Äußerungen über die Rolle des Staates, das Han-
       deln der  Regierung und  die individuelle  Bewertung dieser Merk-
       male. Es  erscheint aber  mehr als fraglich, ob aus dem sprachli-
       chen  Verhalten,  denn  nur  dies  wird  hier  erhoben,  auf  das
       "Verhältnis zu  den politischen Institutionen" geschlossen werden
       kann. Das  Verhältnis zum  Staat ist  in erster Linie ein prakti-
       sches, das  sich in  Tätigkeit ausdrückt, und das gedankliche und
       letztlich damit  das sprachliche  Verhalten sind  Reflexe  dieses
       wirklich realen  Verhältnisses,  aus  dem  heraus  auch  nur  die
       sprachlichen Reflexe  zu verstehen sind. Aus den Bewußtseinsäuße-
       rungen an  sich kann überhaupt nicht auf politisches Handlungspo-
       tential geschlossen  werden, wenn  nicht berücksichtigt wird, aus
       welchen Tätigkeitszusammmenhängen  heraus die  sprachliche Bewer-
       tung vorgenommen wird.
       In der  oben zitierten  Untersuchung etwa wird das "staatsbürger-
       liche Bewußtsein"  der Arbeiter  in fünf  Kategorien gefaßt:  Der
       "unpolitische  Privatier",   der  "Irrational-Distanzierte",  der
       "Kritisch-Distanzierte", der "gespaltene Bürger" und der "Staats-
       bürger", 15)  Die nominal  benannten Klassen umfassen das gesamte
       "staatsbürgerliche Bewußtsein"  und damit zugleich das politische
       Handlungspotential zumindest  der untersuchten Gruppen. Sind hier
       schon Zweifel  angebracht, ob  damit nicht  dem vielfältigen, aus
       offenen  Interviews   stammenden  sprachlichen   Material  Gewalt
       angetan wird,  so verdichtet  sich dieser  Zweifel erst recht bei
       den Schlußfolgerungen,  die die  Autoren ziehen. Denn obwohl nach
       politischer  Orientierung,   also  nach   Zwecksetzung  und  nach
       Handlungspotential gefragt wird, zwängt die Beschreibung der fünf
       Bewußtseinsformen die  Befragten in  ein statisches  Modell,  dem
       jede Entwicklungsrichtung  fehlt, das  nur beschreibt  und nichts
       erklärt.
       Zusammenfassend beschreiben  die Autoren ihre fünf gefundenen Be-
       wußtseinsformen vom  Staat wie  folgt: "Der    S t a a t s b ü r-
       g e r   läßt nicht  davon ab,  zumindest am  Ideal der Versöhnung
       festzuhalten, der   g e s p a l t e n e   B ü r g e r    und  der
       K r i t i s c h - D i s t a n z i e r t e     drücken  die  nicht
       gelungene  Versöhnung   unmittelbar  in  der  Konstitution  ihres
       Bewußtseins aus.  Der  I r r a t i o n a l - D i s t a n z i e r-
       t e   und der   P r i v a t i s t i s c h   O r i e n t i e r t e
       schließlich lassen den Widerspruch als unmittelbare Verkrüppelung
       des Bewußtseins  erscheinen." 16) Die so beschriebenen Kategorien
       verharren auf  der Ebene  empirischer Begriffe, ihr theoretischer
       Gehalt  ist  gleich  Null,  weil  das  Wesentliche,  nämlich  der
       Entstehungszusammenhang der sprachlichen Äußerungen und damit ihr
       verallgemeinbarer  Inhalt,  ausgeblendet  wird.  Dennoch  schluß-
       folgern die  Autoren: "Im  Ganzen kann  mit  einiger  Wahrschein-
       lichkeit gesagt  werden, daß  die demokratische  Ordnung in ihrer
       gegenwärtigen Gestalt  auf einen  Rückhalt bei  der Mehrheit  der
       Befragten  rechnen   kann."  17)  Womit  scheinbar  ein  weiterer
       empirischer Beweis  für die  dauerhafte Massenloyalität  erbracht
       wäre, findet  sich doch in der inhaltlichen Beschreibung der fünf
       "Formen  staatsbürgerlichen  Bewußtseins"  auch  nicht  die  Spur
       fundamental antizipierenden Staatsbewußtseins.
       Die Befragung  wurde in zwei Betrieben der Investitionsgüterindu-
       strie vorgenommen,  die sich  in mehrfacher  Hinsicht voneinander
       unterscheiden. Während der Betrieb A eine ältere Belegschaft auf-
       weist, ein  niedrigeres Qualifikationsniveau erkennen läßt, weni-
       ger gewerkschaftlich  organisiert ist  und auch geringe Streiker-
       fahrungen hat,  zeigen sich  im Betrieb  B geradezu  gegenteilige
       Strukturen. Gerade diese subjektiven Faktoren hätten in der Frage
       des Staatsbewußtseins  eine noch größere Differenzierung zwischen
       den beiden  Belegschaften vermuten lassen. Eine Erwartung, die an
       anderen Stellen  und bei  präziseren, auf die unmittelbare Erleb-
       niswelt der  Befragten gerichteten  Interviewteilen auch  erfüllt
       wird. Hier  zeigen sich deutlicher abweichende Bewußtseinsinhalte
       zwischen den beiden Belegschaften als in der folgenden Tabelle.
       
       Formen staatsbürgerlichen Bewußtseins 18)
       
                                    Betrieb A   Betrieb B
                                    (N = 87)    (N = 96)
                                       %           %
       
       Der unpolitische Privatier      20          13
       Der Irrational-Distanzierte     26          10
       Der Kritisch-Distanzierte       13          23
       Der "gespaltene" Bürger         29          36
       Der Staatsbürger                13          19
       Summe                          101 (=100)  100
       
       Greift man  allerdings die  wörtlichen, ebenfalls in der Untersu-
       chung zitierten Aussagen der Arbeiter mit anderen Begriffen, näm-
       lich mit Begriffen, die theoretisch sinnvoll sind, dann kommt man
       zu völlig gegensätzlichen Schlußfolgerungen. Die "irrationale Di-
       stanz" erweist  sich nicht  als eine  "Verkrüppelung des Bewußts-
       eins", sondern  als durchaus zutreffende Widerspiegelung verkrüp-
       pelter Verhältnisse,  die ihren  Ursprung nicht im Bewußtsein der
       Arbeiter, sondern  im wirklichen  staatlichen und politischen Le-
       bensprozeß  dieser   Gesellschaft  haben.   Auch  der   angeblich
       "privatistisch orientierte"  Arbeiter hat keine seinem Bewußtsein
       entspringende Orientierung auf das Private, sondern was die Auto-
       ren als eine solche Orientierung ausgeben, ist nichts anderes als
       eine reale,  mit vielfältigen  Mitteln erzwungene  Begrenzung des
       Arbeiters auf  sein Privatleben.  In den  Antworten spiegelt sich
       keinesfalls verminderte  Handlungsbereitschaft wider, sondern le-
       diglich die  zutreffende Einsicht  in mangelnde Handlungsmöglich-
       keiten.
       Nun könnte  darauf geantwortet werden, für die empirische Analyse
       sei nur  das Feststellen der tatsächlich vorhandenen Bewußtseins-
       inhalte maßgeblich,  die Frage, was das Ursprüngliche und was das
       Abgeleitete sei,  sei damit  nicht beantwortet worden. Wer jedoch
       so mit  empirisch erfaßten Merkmalen operiert, gerät in bedenkli-
       che Nähe  zum Positivismus,  dem ja ebenfalls die Erscheinung das
       Wesentliche ist und der die Frage nach Entwicklungstendenzen über
       das Vermeiden  der Frage nach den Ursachen ausblendet. In der zi-
       tierten Untersuchung kommt jedoch hinzu, daß gerade aus der empi-
       rischen Erscheinung  Entwicklungstendenzen abgeleitet werden, daß
       also keineswegs bei der bloßen Feststellung stehengeblieben wird.
       Erstens verrät  die Kategorisierung  eine Ursache und Wirkung der
       entsprechenden Bewußtseinsformen einschließende Wertung und zwei-
       tens wird  diese Wertung  auch explizit vorgenommen. Denn wie an-
       ders soll man die Aussage beurteilen, "daß die demokratische Ord-
       nung in  ihrer gegenwärtigen  Gestalt auf  einen Rückhalt bei der
       Mehrheit der Befragten rechnen kann." Die Loyalität gegenüber dem
       bürgerlichen Staat  und seinen  Institutionen, die  damit  unter-
       stellt wird,  erweist sich  bei genauer Betrachtung aber als Ein-
       sicht in die eigene politische Rolle, als durchaus bewußte Verar-
       beitung gesellschaftlicher Machtstrukturen, im negativen Fall als
       Resignation, in  fast keinem  der zitierten Interviews jedoch als
       Zustimmung zur Funktion und zur Struktur des politischen Systems.
       Der "unpolitische  Privatier", der  in der zitierten Untersuchung
       in einem  Betrieb mit  20 Prozent  und im  anderen mit 13 Prozent
       vertreten ist,  wird von  den Forschern  als "unpolitisch" einge-
       stuft, da  sein "bestimmender Zug" angeblich "Desinteresse an al-
       lem, was mit Politik zu tun hat" ist. 19) Dabei werden von dieser
       Gruppe Antworten  wie die  folgenden zitiert:  "Na ja, politische
       Parteien, Aufgaben... darüber kann ich eigentlich nichts sagen...
       die machen  sowieso was sie wollen. / Ich habe kein richtiges In-
       teresse an  der Politik, weil die sowieso machen, was sie wollen.
       / Weil  wir allgemein  gar nix  zu sagen  haben. An  wen soll ich
       mich, wenn  ich was zu sagen hab, an wen soll ich mich wenden, an
       wen?? Ich kann doch net von hier aus raufgehen zum Bürgermeister,
       weiß genau,  daß der  SPD ist." 20) Von diesem so definierten Be-
       wußtseinstyp zu sagen, er sei unpolitisch, im Sinne einer loyalen
       Gleichgültigkeit oder  halte sich  zustimmend aus der politischen
       Sphäre heraus, ist sicherlich sehr gewagt. Stattdessen wird deut-
       lich, daß selbst hinter solchen Aussagen wie "Politik - hören wir
       bloß auf  damit" 21)  nicht, wie die Autoren meinen, Rückhalt für
       die  "demokratische   Ordnung  in  ihrer  gegenwärtigen  Gestalt"
       steckt, sondern resignierte Ablehnung.
       Nicht anders ist die Gruppe der angeblich "Irrational-Distanzier-
       ten" zu  bewerten, für die exemplarisch folgende Aussagen zitiert
       werden: "Wenn  sie (sc.  die Parteien)  einmal an  der  Regierung
       sind, sehen  sie die Interessen nicht mehr, für die sie sich vor-
       her eingesetzt  haben. Vorher  werden immer Dinge versprochen und
       hinterher ...  also ist  das Volk hinters Licht geführt worden. /
       Wenn ein  Arbeiter Minister  ist, dann  hat er  es in vier Wochen
       vergessen, daß er mal Arbeiter war. Der vertritt da ja nur wieder
       die Interessen seiner Klasse, in der er jetzt ist." 22) Es leuch-
       tet nicht ein, was an diesen Aussagen irrational sein soll, spie-
       geln sie  doch treffend wider, was die Arbeiterklasse hierzulande
       seit Jahrzehnten mit sozialdemokratischen Ministern erfahren hat.
       Geradezu pejorativ  ist dementsprechend das Urteil, das die Auto-
       ren über diesen Bewußtseinstyp fällen: "Der Bezug zur Politik ist
       nicht der  der Reflexion, sondern der eines moralisch sich geben-
       den, durch Ressentiments bestimmten Sich-Ereiferns." 23)
       Dem "kritisch-distanzierten"  Typ sagen die Autoren nach, daß ihm
       die Sphäre  der Politik  als eine erscheint, in der es allenfalls
       um andere  Interessen, nicht  aber um  seine eigenen geht. Da der
       betreffende Bewußtseinstyp  angeblich "aber  bedingungslos seinen
       privaten Interessenstandpunkt vertritt, stellt sich ihm die Frage
       politischer Einflußmöglichkeiten  nicht: er  sucht keine, weil er
       sie nicht  braucht." 24)  Auch diese Schlußfolgerung kontrastiert
       auffällig mit den exemplarischen Antworten, die die Verfasser zi-
       tieren. So kommt das bedingungslose Vertreten angeblich "privater
       Interessen" darin zum Ausdruck, daß die Befragten deutlicher noch
       als die bisher zitierten Gruppen die Rolle des Staates als Erfül-
       lungsgehilfe der  Unternehmer kritisieren:  "Es werden  immer die
       Unternehmer bevorzugt, ich haben noch nie gemerkt, daß der Arbei-
       ter bevorzugt worden ist. / Das sind ja praktisch alles Unterneh-
       mer, was  da in  der Regierung sitzen." 25) Was hier als privater
       Interessenstandpunkt ausgegeben  wird, erweist sich letztlich als
       Klassenstandpunkt, was  auch die  Autoren im Widerspruch zu ihren
       anderen Aussagen  zugestehen, wenn sie schreiben: "Für diesen Typ
       steht in  der Regel  außer Frage,  daß der Staat ein Unternehmer-
       staat ist  und Politik  in erster  Linie deren Interessen dient."
       26) Auch  hier findet  sich bei  den  Befragten  keine  Spur  von
       Loyalität gegenüber dem bürgerlichen Staat, sondern eher eine be-
       sonders scharf formulierte Kritik an seinen Institutionen, insbe-
       sondere den  Parteien. Und  wenn die Verfasser zu dem Schluß kom-
       men, daß  diese Arbeitergruppe  keine Einflußmöglichkeiten sucht,
       dann nicht,  weil sie glaubt, sie nicht zu brauchen, sondern weil
       sie sich  besonders ausdrücklich  auf starke  und unabhängige Ge-
       werkschaften als  Mittel zur  Druchsetzung von Arbeiterinteressen
       beruft.
       Bedauerlicherweise unterbreiten die Autoren der Studie für den am
       stärksten vertretenen  Bewußtseinstyp, den  "gespaltenen Bürger",
       die wenigsten  sprachlichen Aussagen. Sind die zitierten Aussagen
       tatsächlich exemplarisch,  dann kann  diese Gruppe am ehesten als
       loyal gegenüber  dem politischen  System betrachtet  werden,  was
       etwa in der folgenden Antwort deutlich wird: "Es soll jeder seine
       Aufgabe erfüllen. Die Gewerkschaft, daß ihre Mitglieder zufrieden
       sind und  die Partei, die soll so die Politik betreiben, daß ihre
       Bürger zufrieden sind, wenn die Partei an der Regierung ist." 27)
       Als "Staatsbürger"  erscheint den Autoren ein Bewußtseinstyp, der
       "sowohl als  Privatmann ein  konkretes Bewußtsein seiner Interes-
       senlage wie  auch als Staatsbürger die Einsicht in die Notwendig-
       keit, seine Interessen öffentlich zu vertreten" 28) hat. Der hin-
       ter dieser  Typisierung vermutete  loyale Staatsbürger,  der sich
       scheinbar  von  harmonistischen,  durch  Interessenausgleich  be-
       stimmten  Gesellschaftsvorstellungen  leiten  läßt,  verflüchtigt
       sich aber  wiederum bei  der  Durchsicht  exemplarisch  zitierter
       Antworten; denn  was diese Befragten zum Ausdruck bringen, ist in
       erster Linie  die Einsicht  in den  Zusammenhang von  sogenanntem
       Privatleben und Politik. So etwa in der folgenden Aussage: "Jedes
       Stück Brot, was wir essen, alles hängt mit Politik zusammen. Wenn
       ich mehr  Geld verlange,  ist es  schon Politik."  29)  Harmonie-
       vorstellungen könnten bestenfalls aus solchen Aussagen abgeleitet
       werden, die  das gewerkschaftliche Engagement in der Politik zwar
       bejahen, dennoch  aber  "die  große  Politik"  den  Parteien  zu-
       schreiben. Völlig  unverständlich bleibt,  was die  Autoren  ver-
       anlaßt, diesem  Bewußtseinstyp auf Interessenausgleich basierende
       Gesellschaftsvorstellungen  unterzuschieben,   wenn   von   ihnen
       gleichzeitig die  folgenden offenbar  typischen Antworten zitiert
       werden: "Die  Unternehmer haben  ja im  Grunde die  Macht in  der
       Hand, da kann die Politik nicht viel dran ändern. / Die Industrie
       ist ohne  weiteres in  der Lage,  einer Regierung,  die ihr nicht
       genehm ist,  solche Schwierigkeiten  zu machen, daß die Regierung
       gezwungen ist, andere Gesetze zu machen." 30)
       Beim letztgenannten, aber auch bei allen anderen Typen staatsbür-
       gerlichen Bewußtseins,  wie sie  in der  Untersuchung beschrieben
       werden, zeigen  sich mehr oder minder klar formulierte Vorbehalte
       gegenüber dem bürgerlichen Staat und seinen Institutionen. Meiner
       Auffassung nach  ist es  nicht nur  falsch, auf der Grundlage der
       zitierten Antworten  dem einen oder anderen Typ eine stärker oder
       schwächer ausgeprägte  Loyalität gegenüber dem bürgerlichen Staat
       zuzuschreiben, falsch  ist überhaupt  die Typisierung.  Denn  die
       Stereotype, mit  denen der  Staat als  "Unternehmerstaat" gekenn-
       zeichnet, die  Abhängigkeit der Politiker und Parteien, aber auch
       der Regierung vom Willen des Kapitals beschrieben wird, durchzie-
       hen alle fünf Bewußtseinstypen. Sie sind das eigentlich wesentli-
       che, das verbindende Moment innerhalb der befragten Arbeitergrup-
       pen. Die  Bildung von Bewußtseinsklassen, sofern sie überhaupt zu
       bilden sind,  hätte von  diesem Merkmal und seiner unterschiedli-
       chen Ausprägung  ausgehen müssen.  So aber begräbt die empirische
       Begriffsfindung das Wesentliche unter ihren Kategorien und erhebt
       sprachliche Besonderheiten  zum kategorialen Merkmal, wo unschwer
       erkennbar ist,  daß  nicht  der  Bewußtseinsinhalt,  sondern  die
       sprachliche Präsentation  den Unterschied bilden. So etwa bei der
       Differenzierung zwischen dem, sogenannten "Irrational-Distanzier-
       ten" und  dem "Kritisch-Distanzierten",  die die  Autoren auf der
       Grundlage geradezu oberlehrerhafter Sprachanalyse vornehmen. Denn
       was  dort   den  wissenschaftlich   ausgebildeten  Forschern  als
       "irrational" erscheint,  was sie veranlaßt, dieser Arbeitergruppe
       "moralisch gewendete Ressentiments" zuzuschreiben, das sind klas-
       senspezifische, von den Fragern unbegriffene Widerspiegelungsfor-
       men, die  nicht schon  dadurch irrational sind, also jenseits ge-
       danklich durchdrungener  Realitätserfassung liegen,  daß  sie  in
       emotionale und  vom subjektiven  Erleben geprägte Ausdrucksformen
       gekleidet werden. Ganz offensichtlich wiederholt sich hier in der
       Bewußtseinsforschung ein Mißverständnis proletarischer Sprachfor-
       men, das  schon in  der Sozialisationsforschung  den Begriff  des
       "restringierten Code"  prägen half. Die sicherlich gegebenen Vor-
       teile des  offenen Interviews, die Chancen, die sich aus der Ana-
       lyse nichtstandardisierter  Antworten  ergeben,  ·werden  dadurch
       vertan, daß das sprachliche Material an der Elle des akademischen
       Sprachgebrauchs gemessen wird.
       So läßt sich auch eine Erklärung für die Überrepräsentanz des so-
       genannten Irrational-Distanzierten  im Betrieb A der Untersuchung
       finden. Was  den Autoren  als irrational erscheint, ist ein deut-
       lich weniger  differenzierter Sprachgebrauch, der sich leicht er-
       klären läßt, wenn die dort vorherrschende Qualifikationsstruktur,
       das Übergewicht  älterer Befragter  und die m diesem Zusammenhang
       anzunehmenden Schulabschlüsse  als bedingende Variablen begriffen
       werden.
       Bei der kritischen Lektüre der zitierten Untersuchung und bei der
       Interpretation der  abgedruckten Statements  ergeben sich  völlig
       entgegengesetzte Schlußfolgerungen,  wenn vom  wirklichen Lebens-
       prozeß der  Arbeiter ausgegangen  wird und vor diesem Hintergrund
       auch ihre  sprachlichen Reflexionen  über diesen Lebensprozeß be-
       trachtet werden.
       Der wirkliche  Lebensprozeß, und  dies umfaßt  die  verschiedenen
       Seiten dieses Prozesses in all seinen gesellschaftlichen Bezügen,
       schließt die  Arbeiterklasse in der BRD von den politischen Hand-
       lungen weitgehend  aus. Nach wie vor gilt, was Marx als das Wesen
       der bürgerlichen  Demokratie erfaßte,  daß sie  den Unterdrückten
       alle Jahre  einmal gestattet,  darüber zu entscheiden, wer sie im
       Parlament ver-  oder zertreten soll. Auch Lenin folgerte, daß die
       kapitalistische Ausbeutung die modernen Lohnsklaven so "bedrückt,
       daß ihnen  'nicht nach Demokratie', 'nicht nach Politik' der Sinn
       steht, so  daß bei  dem gewöhnlichen, friedlichen Gang der Ereig-
       nisse die Mehrheit der Bevölkerung von der Teilnahme am öffentli-
       chen und  politischen Leben  ausgeschlossen ist." 31) Der Verweis
       auf die  formale Möglichkeit,  der selbst  schon zur die Verhält-
       nisse absichernden Ideologie geworden ist, läßt die vielen nicht-
       institutionalisierten,  aber  dennoch  objektiv  vorhandenen  Be-
       schränkungen außer  acht, die  politische Betätigung unterbinden.
       Selbst bürgerliche  Veröffentlichungen kommen  zu dem Schluß, daß
       die Wahrnehmung  politischer Einflußmöglichkeiten  durch Arbeiter
       und Angestellte objektiv schwerer wird.
       Lenin führte  1917 vor, wie selbst in Deutschland, wo die Sozial-
       demokratie wie  keine andere  Partei die  Legalität innerhalb der
       bürgerlichen Demokratie  genutzt hatte  und zur  stärksten Partei
       geworden war,  der Anteil  der politisch  aktiven Arbeiter gering
       geblieben war:  "Eine Million Mitglieder der sozialdemokratischen
       Partei - von fünfzehn Millionen Lohnarbeitern!" 32) Heute jedoch,
       unter weitaus günstigeren formalen Bedingungen, nach mehr als ei-
       nem Jahrzehnt sozialliberaler Regierung und vielfältiger Mehrheit
       in Ländern  und Städten  zählt die Sozialdemokratie nicht wesent-
       lich mehr Mitglieder, darunter aber nur noch 29 Prozent Arbeiter.
       33) Betrachtet  man die aktive Beteiligung der Arbeiter innerhalb
       der Sozialdemokratie,  so wird  die Diskrepanz  zwischen formaler
       Möglichkeit, am  politischen Leben teilzunehmen, und der tatsäch-
       lichen Repräsentanz  in jener  Partei, die noch immer die meisten
       Arbeiter in der BRD organisiert, noch deutlicher. Dem Arbeiteran-
       teil von  29 Prozent  steht eine Vertretung in den Vorständen auf
       Unterbezirksebene von  7,5 Prozent  und auf  Bezirksebene von 6,8
       Prozent gegenüber. 34)
       Noch ungünstiger  sieht die Situation in den Parlamenten aus, de-
       ren Statistik,  so weit überhaupt vorhanden, nur noch deshalb Ar-
       beiter ausweist,  weil langjährig  hauptamtliche Funktionäre  mit
       ihrem erlernten Beruf geführt werden. Der rückläufige Arbeiteran-
       teil bei  den Bonner  Parteien und  die noch  unter diesem Anteil
       liegende Repräsentanz  in Vorständen und Parlamenten ist für sich
       genommen ein  bedeutsames Element  im subjektiven Faktor der BRD,
       das zwar von bestimmendem Einfluß auf die Entwicklung des politi-
       schen Bewußtseins  der Arbeiterklasse ist, das aber nicht aus ihm
       selbst heraus erklärt werden kann. Die Ursachen müssen in den Be-
       dingungen der bürgerlichen Demokratie und in den Arbeits- und Re-
       produktionsbedingungen der  Arbeiterklasse gesucht  werden.  Erst
       dann läßt  sich auch  der Inhalt des politischen Bewußtseins, und
       darunter als besondere Seite das Bewußtsein vom Staat, erklären.
       Die bürgerliche  Demokratie schaltet  den Arbeiter nicht mehr di-
       rekt durch formale Beschränkungen aus dem politischen Prozeß aus,
       sie produziert innerhalb ihres scheinbar offenen Herrschaftsappa-
       rates Bedingungen, die von vornherein selektiv wirken. Bei zuneh-
       mender Vergesellschaftung  aller Lebensbereiche  und daraus  ent-
       springender Komplexität politischer Prozesse gewinnen in den Par-
       teien solche  Qualifikationen an  Bedeutung, die  selbst wiederum
       nur im Staatsapparat entwickelt werden, wie etwa verwaltungstech-
       nische,  juristische   und  haushaltstechnische  Kenntnisse.  Die
       "Verbeamtung der Parlamente" hat nicht nur eine dienstrechtliche,
       in der  Bevorzugung der  Staatsbeschäftigten begründete  Ursache,
       sondern wurzelt  in  der  Professionalisierung  der  Politik.  So
       schreibt auch Klatt in der zitierten Untersuchung über die zuneh-
       mende Bedeutung,  die höhere Beamte und qualifizierte Angestellte
       in der  Politik haben:  "Die Beherrschung sozialer Techniken gilt
       bereits als  Voraussetzung für ihre Berufstätigkeit. Verwaltungs-
       beamte oder  -angestellte höherer  Ränge verfügen  über politisch
       verwertbares Dienstwissen  und in  der Regel auch über technische
       Hilfsmittel (Telephon,  Fotokopierer, Sekretärin),  die  für  die
       Kommunikation und  für die  organisatorische Arbeit in der Partei
       von Vorteil sind." 35)
       Im gleichen  Maße, wie  sich für  die höheren Staatsbeschäftigten
       die Möglichkeiten  verbesserten, den  Staat selbst  zu  regieren,
       verschlechterten sich  die Mitwirkungsmöglichkeiten der Arbeiter.
       Über fünf  Millionen abhängig  Beschäftigte,  in  ihrer  Mehrzahl
       Gruppen der Arbeiterklasse, leisten regelmäßig Schichtarbeit. Für
       diese stark  anwachsende Gruppe ist regelmäßige politische Arbeit
       unter den bestehenden Bedingungen erheblich erschwert, wenn nicht
       ausgeschlossen. Das  Auseinanderreißen von  Arbeits- und Wohnort,
       die Zunahme  der Wegezeit,  kommt als  weitere  Beschränkung  für
       viele Arbeiter  hinzu. Bei  diesen ungleichen  Ausgangsvorausset-
       zungen, im  politischen Prozeß  eine Rolle zu übernehmen, erweist
       sich die  Rede von  der Gleichheit  der  politischen  Bürger  als
       ideologische Waffe,  die es  gestattet, den  Arbeitern selbst die
       Schuld für  ihre mangelhafte  politische Aktivität zuzuschreiben.
       Im Prinzip  begehen diesen  Fehler auch  die Verfasser  der  oben
       zitierten  Studien   zum  Arbeiterbewußtsein,   indem  sie  diese
       objektiven Bedingungen  übersehen und  die Distanzierung  von der
       Politik subjektivieren.  Erst dadurch wird die Fehlinterpretation
       der  Interview-Inhalte   möglich,  kann   als   "Privatisierung",
       "schimpfendes  Zurückziehen"   oder  bewußte  "Distanz"  gewertet
       werden, was  lediglich  Widerspiegelung  wirklicher  Verhältnisse
       ist. Völlig  falsch wird das sprachliche Material aber erst recht
       gewertet,  wenn  aus  der  sich  im  Bewußtsein  widerspiegelnden
       Beschränkung  nicht  nur  Distanzierung,  sondern  gar  Loyalität
       abgeleitet wird.
       Zu ähnlichen  Fehleinschätzungen des Sprachgebrauchs der Arbeiter
       und damit  zur verkürzten  Interpretation ihrer Bewußtseinsformen
       gelangen auch  die Autoren  der Studie "Ende der Illusionen?". In
       ihrem Abschnitt  über "die  Vorstellungen vom politischen System"
       36) heißt  es: "Generell  gibt es  zwischen der Gesamtbevölkerung
       und den  Lohnarbeitern des  Kapitals keine  großen Differenzen in
       der Beurteilung  der Verhältnisse  in der Bundesrepublik Deutsch-
       land. Sie  sind vom  Kapital bestimmt und dennoch lebt man in der
       Bundesrepublick in  einer stabilen Demokratie." Diese Aussage be-
       zieht sich  auf eine Fragenbatterie, innerhalb derer mehrere Sta-
       tements zum  politischen System der BRD zu bewerten waren. Darun-
       ter die beiden scheinbar gegensätzlichen: "Letzten Endes bestimmt
       das Kapital, was in der Politik gemacht wird. Erst wenn die Kapi-
       talisten verschwunden  sind, kann  sich eine  richtige Demokratie
       entwickeln" und  "Wir haben  es in  der Bundesrepublik  mit einer
       stabilen Demokratie  zu tun.  Die beiden großen Parteien entspre-
       chen auch der Meinung im Volk." 37)
       Der scheinbar logische Widerspruch, der in der Zustimmung zu bei-
       den Antwortvorgaben  vermutet wird,  ist nur  erklärbar, wenn  er
       nicht im  Bewußtsein, sondern  im bewußten Sein gesucht wird. Die
       Lebenswirklichkeit der Arbeiter, ihre Erfahrung mit dem bürgerli-
       chen Staat zwingt zur Bejahung beider Antwortvorgaben. Einerseits
       erfahren sie  die Übermacht des Kapitals in der Politik, erkennen
       im staatlichen  Handeln die erzwungene oder freiwillige Orientie-
       rung auf  das Kapitalinteresse, und andererseits erfahren sie die
       BRD als  "stabile Demokratie". Dabei hat es den Anschein, daß die
       auf diese  Weise scheinbar  widersprüchlich antwortenden Arbeiter
       das Wort  Demokratie klassenbewußter, nämlich als bürgerliche De-
       mokratie verstehen,  während die Fragebogenkonstrukteure auf ihre
       subjektive Wortbedeutung  rekurrieren. Sie übersehen, daß für die
       Arbeiter Demokratie  das ist,  was man  ihnen als  Demokratie be-
       zeichnet - und die ist in der BRD in der Tat überraschend stabil.
       Der zweite  Satz im  Antwortstatement aber, daß die beiden großen
       Parteien der Meinung im Volk entsprechen, kann die Zustimmung von
       jedem finden;  es sei  denn, er  bezweifelt den  Zusammenhang von
       Meinung und Wahlverhalten.
       Die Autoren  jedoch interpretieren  die scheinbar gegensätzlichen
       Antworten als "Widerspruch in der Wahrnehmung der gesellschaftli-
       chen Verhältnisse." 38) Das ist in zweierlei Hinsicht falsch. Zum
       einen sind bei der Konstituierung des gesellschaftlichen Bewußts-
       eins nicht  die Wahrnehmungsleistungen  widersprüchlich,  sondern
       die Verhältnisse  selbst, und  zum anderen  steckt in diesem Fall
       der Widerspruch  nicht im  Bewußtsein der  Befragten, sondern  im
       Fragebogen.
       Überhaupt wird  in der  Literatur über das Arbeiterbewußtsein die
       Widerspruchskategorie geradezu inflationär benutzt. Es gehört be-
       reits zur Methode der empirischen Bewußtseinsforschung, jede feh-
       lende Konsistenz  statistischer Ergebnisse als Widerspieglung ei-
       nes Bewußtseinswiderspruchs  auszugeben, wo  doch als  erstes die
       Frage angebracht  wäre, ob sich hier nicht eine schlechte Skalen-
       qualität widerspiegelt.  Markard stellt  deshalb  die  Frage,  ob
       überhaupt "ein  eindimensionaler Fragebogen die gesellschaftliche
       Wirklichkeit und deren Widerspiegelung in den Köpfen der Menschen
       abbilden" 39)  kann. Doch dies grundsätzlich in Frage zu stellen,
       scheint unbegründet.  Mit Sicherheit  spiegeln sich in den Ergeb-
       nissen auch  standardisierter Fragebögen  Bewußtseinsinhalte  und
       auch die  ihnen anhaftenden  Widersprüche wider.  Fragwürdig  ist
       nur, in  welcher Form und welcher Vollständigkeit. Völlig fraglos
       ist aber,  daß statistische  Methoden, deren  Merkmal die  Wider-
       spruchsfreiheit ist, weder die Widersprüche an sich noch ihre be-
       stimmenden Seiten erfassen können. Dies ist nur möglich, wenn die
       bruchstückhaften Bewußtseinsdaten  aus dem  Gewordensein des  Be-
       wußtseins erklärt werden und somit die Verbindung von Theorie und
       Empirie hergestellt wird. Das widersprüchliche Bewußtsein, in un-
       serem Fall  das vom Staat, zerfällt nicht einfach in gegensätzli-
       che Inhalte,  die sich  auf den  gleichen  Gegenstand,  eben  den
       Staat, beziehen,  sondern das Bewußtsein bezieht sich auf die Tä-
       tigkeit des  Individuums und ist in diesem Sinne einheitlich. Das
       Bewußtsein spiegelt das Ergebnis der Tätigkeit wider und nimmt im
       Denkprozeß künftige  Handlungen vorweg. Der Vorgang der Antizipa-
       tion ist  auf die realitätsgerechte Handlung ausgerichtet und da-
       her ständig  dem Ziel untergeordnet, Widersprüche in der Realität
       und im Bewußtsein zu überwinden. Voraussetzung ist jedoch jeweils
       das Vorhandensein von Handlungsalternativen und -notwendigkeiten.
       Gehen wir von dieser Funktion des Bewußtseins als tätigkeitssteu-
       erndem Organ  aus und beziehen in unsere Überlegungen zum Staats-
       bewußtsein der Arbeiter sowohl die oben zitierten Bewußtseinstat-
       sachen als  auch die  geschilderte politische Praxis der Arbeiter
       mit ein,  dann lassen  sich  zum  Staatsbewußtsein  der  Arbeiter
       Schlußfolgerungen ziehen,  die weit  von der Feststellung loyaler
       Zustimmung zur  gegenwärtigen staatlichen  Ordnung entfernt sind.
       Vielmehr kann  angenommen werden,  daß ein tief verwurzeltes Miß-
       trauen gegenüber  den staatlichen Institutionen besteht, das sich
       unter anderem  auch auf  die Einsicht stützt, daß das Kapital die
       beherrschende Rolle unter den politischen Einflußfaktoren spielt,
       die das  staatliche Handeln  bestimmen. Diese  Annahme wird nicht
       nur durch  die oben  zitierten Untersuchungen, sondern auch durch
       viele andere gestützt. 40)
       Der Staat  wird von der Arbeiterschaft der BRD jedoch überwiegend
       nicht in  eigenen Handlungen  erfahren, sondern  passiv erduldet.
       Der weitestgehende  Ausschluß aus  der bewußten  Bestimmung ihrer
       eigenen  Lebensverhältnisse   hinterläßt  aber  nicht  nur  Hilf-
       losigkeit und  Resignation, dieses  Fehlen von  Handlungsmöglich-
       keiten und,  so lange der normale Gang der Verhältnisse gesichert
       ist, auch  das  Fehlen  unumgänglicher  Handlungsnotwendigkeiten,
       sondern beseitigt  auch den  Zwang zur gedanklichen Antizipation.
       Die Folge  ist ein  diffuses Staatsbewußtsein, das zwar die reale
       Abhängigkeit widerspiegelt,  das aber  ebensowenig auf  konkretes
       politisches  Handeln   ausgerichtet  ist,   wie  es  aus  Handeln
       entstanden ist.  Der scheinbare  Widerspruch zwischen  rationaler
       Einsicht  in   die  Fremdbestimmung   des  eigenen  Lebens  durch
       Staatsapparat und Kapital und loyalem Wahlverhalten gegenüber den
       staatstragenden Parteien,  insbesondere der  SPD, wurzelt deshalb
       auch nicht in der verkehrten Wahrnehmung staatlichen Handelns, er
       ist die Folge des erzwungenen Handlungsausschlusses.
       Die Arbeiterklasse  der BRD hat sich mit dem Staat und seinen In-
       stitutionen arrangiert, sie verhält sich nicht bewußt zu ihm, das
       heißt, sie  handelt nicht  ihm gegenüber,  und so ist dementspre-
       chend ihr  Bewußtsein vom  Staat ohne Handlungsbezug. Die Hegemo-
       nie, die  die Bourgeoisie  in der "politischen Gesellschaft" aus-
       übt, stützt  sich nicht auf das Einverständnis, wohl aber auf die
       Duldung der Beherrschten.
       
       3. Die doppelte Gestalt des Staatsillusionismus
       -----------------------------------------------
       
       Unter den  vielen subjektiven Faktoren, von der "Staatsloyalität"
       bis zum  angeblichen "autoritäten  Potential", die  der deutschen
       Arbeiterklasse in  der Bewußtseinsliteratur zugeschrieben werden,
       um damit  die relative Stabilität der gesellschaftlichen Verhält-
       nisse in  der BRD  zu erklären, nimmt der Begriff "Staatsillusio-
       nismus" eine  besondere Rolle  ein. Ganz im Gegensatz zum Begriff
       der  "Staatsloyalität"  oder  der  phänomenologisch  abgeleiteten
       Unterstellung einer "typisch deutschen" Obrigkeitshörigkeit nicht
       nur des  Bürgertums, sondern  auch der  Arbeiterklasse, wird  mit
       "Staatsillusionismus" ein Bewußtseinsinhalt beschrieben, der sich
       deutlich im  realhistorischen Prozeß  erkennen läßt  und der  als
       tradiertes  Element   des  subjektiven  Faktors  von  erheblicher
       Bedeutung  ist.  Dieses  Element  ist  im  Zusammenhang  mit  der
       deutschen Arbeiterbewegung entstanden und hat gänzlich andere Be-
       zugspunkte als  jene eher kleinbürgerliche Handlungsorientierung,
       die umgangssprachlich als Untertanengeist gekennzeichnet wird.
       Der "Staatsillusionismus"  beginnt mit Lassalle, setzt sich sogar
       in den undifferenzierten Vorstellungen der revolutionären Sozial-
       demokratie vom  "Zukunftsstaat" fort  und hat seine wohl stärkste
       Verankerung in  der Weimarer  Republik gefunden,  als die SPD den
       bürgerlichen Staat  zu "ihrer  Republik" erklärte.  Die  "Modell-
       Deutschland-Ideologie" der SPD, mit dem Eintritt in die sozialli-
       berale Regierung  auf breitester  Grundlage entwickelt, hat diese
       Illusion einer  möglichen Übernahme  des bürgerlichen Staatsappa-
       rats nicht  durch, scheinbar  aber im Dienste der Arbeiterklasse,
       weiter befestigt.
       Gleichzeitig ist  mit dieser  Illusion jedoch ein handlungsorien-
       tierendes Moment verbunden, das diesen Bewußtseinsinhalt als Ent-
       wicklungsform ausweist, dies freilich nur als momentan unwirksame
       Keimform, nicht  als entwickeltes  Motiv. Wie  die  entsprechende
       Theorie von  der Übernahme  des bürgerlichen  Staates den an sich
       richtigen Gedanken  des Kampfes um die politische Macht enthielt,
       in der  Verkennung des Charakters bürgerlicher Institutionen aber
       in den  Revisionismus mündete,  so enthält  auch die  dementspre-
       chende Bewußtseinsform  die Einsicht  in die  Notwendigkeit, über
       politische Macht die eigenen Lebensinteressen zu regeln, verkehrt
       sich aber  durch die  bewußtseinsmäßige Kopplung  dieses Ziels an
       den bloßen Wahlakt in sein Gegenteil.
       Im "Staatsillusionismus"  allerdings den Keim sozialistischen Be-
       wußtseins zu entdecken, fällt um so schwerer, je mehr die konkre-
       ten Auswirkungen dieser borniert defensiven Orientierung betrach-
       tet werden.  Dennoch sind die Bedingungen relativ klar benennbar,
       unter denen  der realistische  Kern dieses Bewußtseinsinhalts die
       Einsicht in  die Notwendigkeit  eigenen Handelns  im  politischen
       Raum  befördern   kann.  Zunächst  freilich  scheint  gerade  der
       "Staatsillusionismus" dafür  verantwortlich zu  sein,  daß  große
       Teile der Arbeiterschaft einerseits die gegen ihre eigenen Inter-
       essen gerichtete  Politik des  Staates zwar kritisieren, anderer-
       seits aber  dennoch den Repräsentanten dieser Politik ihre Stimme
       geben. Dabei  darf nicht  übersehen werden,  daß die  Erwartungen
       sich nicht an den Staat an sich, sondern beim übergroßen Teil der
       Arbeiterschaft an  die Sozialdemokratie knüpfen. Solange diese an
       der  eigenen   Basis  und   in   den   Gewerkschaften   auf   die
       "Bremserfunktion" der FDP verweisen kann, ist das Auseinanderfal-
       len von Erwartung an den Staat und tatsächlichem staatlichem Han-
       deln eine  scheinbar erklärbare  Übergangserscheinung, die in der
       Vorstellung vieler Arbeiter nur durch das Erreichen der absoluten
       SPD-Mehrheit überwindbar ist.
       In einer  Befragung unter 284 Gewerkschaftern wurde deutlich, daß
       selbst die  Befürworter einer sozialistischen Entwicklung der BRD
       zu 57,5  Prozent dem Statement zustimmten: "Die SPD muß die abso-
       lute Stimmenmehrheit  im Bundestag  haben, dann  wird  sie  schon
       einen Weg  zum Sozialismus finden." 41) Andererseits stand in der
       zitierten Untersuchung  diese Erwartung  im krassen Gegensatz zur
       Kritik an  der gegenwärtigen Regierungspolitik, und als Arbeiter-
       partei mochten nur rund 24 Prozent der Befürworter einer soziali-
       stischen Politik die SPD einstufen. 42)
       Ganz offensichtlich  ist der  Widerspruch zwischen  Erwartung  an
       Staat und  Sozialdemokratie auf  der einen und den Realitäten auf
       der anderen  Seite zur  Zeit der  Untersuchung noch nicht so groß
       gewesen, daß aus ihm der Zwang zur Aneignung neuer Bewußtseinsin-
       halte entstehen konnte. Damit dies geschieht, müssen verschiedene
       Bedingungen erfüllt sein, die sich nicht im Vergrößern der Wider-
       sprüche erschöpfen.  Das Individuum  ist nur dann bereit, den Wi-
       derspruch zwischen  Anspruch und  Realität durch  zielgerichtetes
       Handeln zu  überwinden, wenn  die Handlung unausweichlich und das
       Ziel der  Handlung erkennbar ist. Anderenfalls überwiegt die Ten-
       denz zum Einrichten im Bestehenden, zum ängstlichen Festhalten an
       den vertrauten  Strukturen oder  zur Flucht aus den Widersprüchen
       in die scheinbar ungefährdete Privatheit.
       In welche  Richtung sich  das Staatsbewußtsein der Arbeiterklasse
       in der BRD entwickeln wird, ist schlecht prognostizierbar. Angeb-
       bar ist  aber, unter  welchen Bedingungen das Anspruchsniveau ge-
       genüber dem  Staat und der zwischen diesem Bewußtseinselement und
       der Realität  auftretende Widerspruch  zu einem bewegenden Moment
       werden können. Die objektiven Bedingungen sind mit dem Sinken des
       Realeinkommens, dem massiven Sozialabbau und der immer sichtbarer
       werdenden Ausrichtung  des Staatshaushalts  an den Erfordernissen
       der Hochrüstung  bereits gegeben. Daß diese Entwicklung zumindest
       ihren Niederschlag  im Bewußtsein  der aktiven  Arbeiter  findet,
       zeigen Beschlüsse  der Gewerkschaften,  demonstrieren gerade auch
       die Aktivitäten gewerkschaftlicher Funktionäre und Gremien in der
       Friedenspolitik. Ausschlaggebend  für die weitere Entwicklung des
       Massenbewußtseins dürfte  jedoch der  subjektive Faktor sein, der
       die Voraussetzungen für das Austragen der objektiven Widersprüche
       schafft.
       Zwei Elemente  des subjektiven  Faktors sind  dabei als entschei-
       dende zu nennen: Die Verbreitung einer Theorie, die die gegenwär-
       tigen Widersprüche  erklärt, die  an die vorhandenen Bewußtseins-
       formen anknüpfen  kann und dazu beträgt, das Unverständliche ver-
       stehbar zu  machen; darüber  hinaus die Propagierung von Aktions-
       formen, die  dem Bedürfnis  nach Überwindung  der Fremdbestimmung
       entsprechen, die  Entwicklung neuer poduktiver Bedürfnisse voran-
       treiben und zu dauerhaften Überzeugungen führen.
       Der Entwicklung dieser Elemente im subjektiven Faktor der BRD-Ge-
       sellschaft stehen jedoch erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Der
       jahrzehntelange Antikommunismus,  das Totschweigen  der DKP  mehr
       noch als ihre Dämonisierung und die zweifellos vorhandenen propa-
       gandistischen und organisatorischen Schwächen der Kommunisten be-
       hindern die  der realen  Lage angemessene Verbreitung des wissen-
       schaftlichen Sozialismus.  Gleichzeitig zeigen sich aus Angst und
       Unsicherheit über  die Sicherung der menschlichen Lebensbedingun-
       gen geborene,  fortschrittsfeindliche und  im ganzen  resignative
       Ideologien, von  denen noch nicht klar ist, wie weit sie von Ein-
       fluß auf  die Zukunftserwartungen der Arbeiterklasse sind. Zu be-
       fürchten ist  jedoch, daß  die irrrationale Flucht aus den Wider-
       sprüchen in  eine scheinbar  heile Vergangenheit und die Beschwö-
       rung der  Grenzen menschlicher Entwicklung den Glauben an die Ma-
       chbarkeit der  Geschichte durch  die handelnden  Menschen  beein-
       trächtigt. Eng  damit verbunden  ist das  Problem der Vermittlung
       angemessener Handlungsorientierungen  und Aktionsformen. Zwar hat
       die bundesdeutsche  Arbeiterklasse, beginnend  mit den September-
       streiks 1969,  neue Kampferfahrungen  gesammelt,  die  Ergebnisse
       vieler Streikkämpfe  blieben jedoch  weit hinter  den Erwartungen
       der Teilnehmer  zurück, und das spontane, das Gefühl der Fremdbe-
       stimmtheit überwindende  Moment hat  sich erst in wenigen Streik-
       kämpfen herausbilden können.
       All diese  Feststellungen dürfen  jedoch nicht  den Blick für die
       weiterführenden Bedingungen,  für das  Neue, verstellen.  Neu ist
       z.B., daß die aktiven Gruppen der Arbeiterklasse der BRD über das
       Betriebsverfassungsgesetz und  abgesichert durch einige Bildungs-
       urlaubsgesetze in  den Ländern in einem bisher noch nicht gekann-
       ten Ausmaß  an politischer  Bildung teil haben, die in ihrer Ten-
       denz überwiegend antikapitalistisch ist und auch marxistische An-
       sätze integriert.  Und was die Handlungsorientierung betrifft, so
       tragen die  Verschmelzung von Ökonomie und Staat im staatsmonopo-
       listischen Kapitalismus  wie aber eben auch das hohe Anspruchsni-
       veau der  bundesdeutschen Arbeiter  gegenüber dem Staat dazu bei,
       daß sich die Forderungen immer häufiger direkt an die staatlichen
       Institutionen richten, daß die Grenzen von ökonomischen und poli-
       tischen Forderungen fließender werden.
       Wenn eingangs festgestellt wurde, daß das Neue zunächst nicht als
       Massenerscheinung auftritt,  so muß  gerade bei  der Analyse  von
       Entwicklungstendenzen  nach   dem  Besonderen  Ausschau  gehalten
       "werden, das  die Bedingungen  der Entwicklung m sich trägt. Auch
       Lenin würdigte  die ersten  "kommunistischen Subbotniks" zu einer
       Zeit, als sie eine noch verschwindende Ausnahme in der jungen So-
       wjetunion waren,  mit einem ganzen Aufsatz, um aus dieser gering-
       fügig erscheinenden  Ausnahme das Neue der sozialistischen Arbeit
       zu erläutern.  43) Er  schrieb dazu:  "Wir müssen  die Keime  des
       Neuen sorgsam untersuchen, ihnen die größte Aufmerksamkeit entge-
       genbringen... "  44) Das  gleiche scheint mir sowohl für die wis-
       senschaftliche Analyse als auch für die praktische Politik in der
       gegenwärtigen Entwicklungsetappe  der BRD zu gelten. Hier gilt es
       zu beobachten,  wo sich in den ökonomischen Kämpfen und m den an-
       deren sozialen  Bewegungen Handlungsorientierungen  gegenüber den
       staatlichen Institutionen  herausbilden, die  vor dem Hintergrund
       des hohen Anspruchsniveaus, das sich auf den Staat richtet, Keime
       eines neuen Staatsbewußtseins erkennen lassen.
       Ein solches  geringfügig erscheinendes Beispiel neuer Handlungso-
       rientierung lieferten  am 12. Mai 1981 ca. 1500 Metallarbeiter im
       ostfriesischen Leer.  Aus Protest  gegen Pläne  des AEG-Konzerns,
       750 Arbeitsplätze  im dortigen  Olympia-Zweigwerk zu  vernichten,
       blockierten die  Beschäftigten im  Anschluß an eine Demonstration
       zuerst eine Ampelkreuzung und besetzten anschließend das Rathaus,
       das sie  erst verließen,  als der Bürgermeister eine Rats-Sonder-
       sitzung zur Behandlung der AEG-Pläne versprach. 45)
       Zweierlei kommt in diesem Beispiel zum Ausdruck: Das im sogenann-
       ten "Staatsillusionismus" aufgehobene Erwartungsniveau kann nicht
       nur zu direkten Aktionen gegenüber staatlichen Institutionen füh-
       ren, die  Handlungen selbst  sind auch  abhängig von der Form, in
       der gesellschaftliche  Auseinandersetzungen aktuell  geführt wer-
       den. Die  Erwartungen an den Staat schließen keinesfalls ein, daß
       sich die Arbeiterklasse in jedem Fall auch an den staatlich sank-
       tionierten Verhaltensnormen  orientiert, sie  greift spontan auch
       zu anderen  Kampfformen, wenn diese in anderen sozialen Konflikt-
       feldern zum  gängigen Mittel werden. Das Durchbrechen der Verhal-
       tensnormen aber schafft die Voraussetzungen für gedankliche Anti-
       zipationen, in denen nicht nur die Ziele, sondern auch die Struk-
       turen des  Staatsapparates hinterfragt  werden, die  Hegemonie im
       Staat notwendig zur Kernfrage wird.
       
       _____
       1) Vgl. dazu: Karin Priester, Zur Staatstheorie bei Antonio Gram-
       sci, Argument 104, S. 515 ff
       2) Ebenda, S. 524
       3) Michael Jäger,  Marxistische Staatstheorie,  Argument 124,  S.
       801
       4) Ebenda, S. 802
       5) Ebenda, S. 801
       6) Ebenda
       7) Karl Marx, Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie, MEW
       13, S. 631 f.
       8) Werner Kudera u.a.: Gesellschaftliches und politisches Bewußt-
       sein von Arbeitern, Frankfurt/M. 1979, S. 18
       9) Ebenda S. 269
       10) Ebenda S. 344
       11) Kritisch sind  unter diesem  Gesichtspunkt auch die folgenden
       Untersuchungen zu  werten: Walter  Nickel, Zum Verhältnis von Ar-
       beiterschaft und  Gewerkschaft, Köln 1974 und Christiane Bierbaum
       u.a., Ende  der Illusionen?  - Bewußtseinsänderungen in der Wirt-
       schafskrise, Köln 1977
       12) Horst Kern  / Michael Schumann, Industriearbeit und Arbeiter-
       bewußtsein, Frankfurt/M. 1973, Teil II, S. 205
       13) Vgl. dazu  Frigga Haug,  Dialektische Theorie  und empirische
       Methodik, Argument 111, S. 653
       14) Kudera u.a., a.a.O., S. 293
       15) Ebenda, S. 292
       16) Ebenda, S. 293
       17) Ebenda, S. 348
       18) Ebenda, S. 292
       19) Ebenda, S. 280
       20) Ebenda, S. 281 f.
       21) Ebenda
       22) Ebenda, S. 283
       23) Ebenda, S. 285
       24) Ebenda, S. 287
       25) Ebenda, S. 285
       26) Ebenda,
       27) Ebenda, S. 287
       28) Ebenda, S. 289
       29) Ebenda
       30) Ebenda, S. 290
       31) Lenin, Staat und Revolution, Werke 25, S. 474
       32) Ebenda
       33) Vgl. Hartmut Klatt, Die Verbeamtung der Parlamente, Aus Poli-
       tik und  Zeitgeschichte, Beitrag zur Wochenzeitung Das Parlament,
       11.11.80, S.  33; Staatsmonopolistischer Kapitalismus der Bundes-
       republik Deutschland  in Daten und Fakten, hrsg. vom IMSF, Frank-
       furt/M. 1981, S. 285 ff
       34) Ebenda
       35) Ebenda
       36) Bierbaum u.a., a.a.O., S. 123 ff
       37) Ebenda, S. 213
       38) Ebenda, S. 124
       39) Morus Markard,  Die Fragwürdigkeit  der Skalierung von Arbei-
       terbewußtsein, in: K.H. Braun u.a., Kapitalistische Krise, Arbei-
       terbewußtsein, Persönlichkeitsentwicklung, Köln 1980, S. 84
       40) Vergl. dazu:  J.H. von Heiseler, Die elementare Basis bürger-
       lichen und sozialistischen Bewußtseins in der Arbeiterklasse, in:
       Marxistische Studien  - Jahrbuch  des IMSF  2/1979, S. 370 ff und
       Harald Werner, Arbeiterbildung und gesellschaftliches Bewußtsein,
       Köln 1979
       41) Werner, a.a.O., S. 309
       42) Ebenda
       43) Lenin, Die große Initiative, Werke Bd. 29, S. 396 ff
       44) Ebenda S. 415
       45) UZ vom 14.5.81, S. 1
       

       zurück