Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 06/1983


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       DIE WIRTSCHAFTSKRISE IN DER BRD: TENDENZEN UND PERSPEKTIVEN
       ===========================================================
       
       Jörg Huffschmid
       
       1. Das  zyklische Grundmuster  kapitalistischer Entwicklung  - 2.
       Überzyklische Krisentendenzen  -2.1 Langfristige Überakkumulation
       -2.2 Monopolstruktur  und Monopolstrategie  - 2.3 Die ökologische
       Krise -  3. Wirtschaftspolitik  und Krisentendenzen - 4. Entwick-
       lungsperspektiven
       
       Die Wirtschaft  in der  Bundesrepublik durchläuft  Mitte 1983 das
       Ende des  sechsten und  den Beginn  des siebten  Konjunkturzyklus
       seit Anfang  der 50er  Jahre. Die Versprechungen und Erwartungen,
       die Bundesregierung  und Unternehmerverbände  an den seit dem Re-
       gierungswechsel im Herbst 1982 vielfach gesichteten bzw. beschwo-
       renen Aufschwung knüpfen, werden sich jedoch nicht erfüllen. Denn
       erstens wird  die Belebung  von Produktion und Investitionen kei-
       neswegs stürmisch  ausfallen, und  zweitens wird sich die materi-
       elle Lage  der Menschen  in den  nächsten Jahren  trotz des  Auf-
       schwunges nicht  verbessern, sondern verschlechtern: Die Arbeits-
       losigkeit wird  nicht abnehmen,  die Realeinkommen werden sinken,
       und die  Einschnitte in  die soziale Sicherung werden noch tiefer
       werden.
       W e l c h e s   s i n d  d i e  A u s w e g e,  die sich nach ka-
       pitalistischer Logik  in dieser  Situation anbieten?  Und welches
       sind die Perspektiven dieser Auswege?
       Die   t r a d i t i o n e l l e  S t r a t e g i e  zur Krisenbe-
       kämpfung ist die  F ö r d e r u n g  d e r  p r i v a t e n  I n-
       v e s t i t i o n e n   und des  Wachstums der Produktion. Um auf
       diesem Wege  jedoch  die  Arbeitslosigkeit  in  spürbarem  Umfang
       abzubauen, müßten  Wachstumsraten der Investitionen und des Sozi-
       alprodukts erreicht  werden, die weit über den realistischerweise
       im zyklischen  Aufschwung zu erwartenden liegen. Versuche, solche
       Steigerungen dennoch,  etwa in  einem wachstumspolitischen Gewal-
       takt, herbeizuführen,  würden die  Lebensbedingungen der Menschen
       auf andere Weise gefährden. Sie würden die ökologische Krise ver-
       schärfen und  die natürlichen Grundlagen der Wirtschaft untergra-
       ben: Die  Verschmutzung des Wassers, die Verpestung der Luft, das
       Sterben der  Wälder, der  Angriff auf  die Ozonschicht  der Atmo-
       sphäre und  die Schadstoffbelastung  von Lebensmitteln haben wäh-
       rend der über anderthalb Jahrhunderte dauernden Periode kapitali-
       stischer Entwicklung  in Deutschland  zugenommen und mittlerweile
       eine kritische  Schwelle erreicht, deren Überschreiten mit unkal-
       kulierbaren Risiken  und möglicherweise mit katastrophalen Folgen
       für die Gesundheit und das Leben der Menschen verbunden wäre.
       Ein   a n d e r e r  k a p i t a l i s t i s c h e r  A u s w e g
       aus der  Krise liegt  in der  i n t e r n a t i o n a l e n  E x-
       p a n s i o n.   Von ihr haben die Monopole der Bundesrepublik in
       der Vergangenheit  außerordentlich profitiert.  Doch  auch  diese
       Strategie wird  in den  nächsten Jahren  an engere Grenzen stoßen
       als bisher.
       Die   d r e i  g r o ß e n  G e f a h r e n,  die gegenwärtig die
       materiellen Lebensbedingungen  der Menschen in der Bundesrepublik
       bedrohen -  die  w i r t s c h a f t l i c h e  u n d  s o z i a-
       l e   K r i s e,   die  ö k o l o g i s c h e  K r i s e  und die
       K r i e g s g e f a h r   -, entspringen  den krisenhaften Grund-
       prozessen der  kapitalistischen Entwicklung  und den  Strategien,
       die zu  ihrer Überwindung eingeschlagen werden. Im folgenden will
       ich versuchen,  den ökonomischen  Kernprozeß darzustellen  und zu
       erklären, aus  dem sich  aktuell diese  Bedrohungen für die mate-
       rielle Existenz der Menschen in der BRD ergeben.
       
       1. Das zyklische Grundmuster kapitalistischer Entwicklung 1)
       ------------------------------------------------------------
       
       Die zyklische  Verlaufsform kapitalistischer  Entwicklung  ergibt
       sich aus dem Widerspruch zwischen zwei objektiven Tatsachen:
       E i n e r s e i t s   funktioniert "der  Wirtschaftsprozeß"  nur,
       wenn bestimmte  Proportionen in der Anwendung der gesellschaftli-
       chen Arbeit  eingehalten werden:  Eine Gesellschaft, die nur Pro-
       duktionsmittel herstellt,  wird in kürzester Zeit verhungern; die
       Beschränkung auf  die  Produktion  unmittelbarer  Verbrauchsgüter
       würde sie  auf ein äußerst niedriges Niveau der Lebenshaltung zu-
       rückwerfen und  in ihrer  Existenz von  den  Zufällen  der  Natur
       (Klimaentwicklung, Unwetter) abhängig machen. Es müssen, wenn die
       Gesellschaft überleben soll, bestimmte Verhältnisse zwischen Kon-
       sum und  Produktion sowie  zwischen verschiedenen Abteilungen der
       Produktion eingehalten  werden. Mit der Entfaltung der Produktiv-
       kräfte menschlicher Arbeit und der Lebensbedürfnisse der Menschen
       entwickeln und  verändern sich diese Proportionalitätsbedingungen
       und erfordern ständig neue Anpassungen bei der Gestaltung des ge-
       sellschaftlichen Reproduktionsprozesses.
       A n d e r e r s e i t s   werden diese Proportionalitätsbedingun-
       gen durch  die Organisation der kapitalistischen Wirtschaft immer
       wieder dadurch  systematisch verletzt,  daß die Bestimmungsgründe
       für die Produktion und Akkumulation auf der einen und die für den
       Verbrauch auf  der anderen  Seite verschieden  und  gegensätzlich
       sind, Angebot  und Nachfrage  sich also immer wieder auseinander-
       entwickeln: Während  ersteres durch  den Druck der Konkurrenz und
       den Zwang für das Unternehmen, sich am Markt behaupten zu müssen,
       vorangetrieben wird,  entwickelt sich  der Verbrauch im wesentli-
       chen mit  der Massenkaufkraft.  Diese wird  durch die Entwicklung
       des Wertes  der Arbeitskraft  - der mit steigender Produktivkraft
       der Arbeit sinkt - sowie durch gesellschaftliche Macht- und Kräf-
       teverhältnisse, also  durch die  Übermacht des  Kapitals über die
       Arbeit in  engen Grenzen gehalten. Die kapitalistischen Grundver-
       hältnisse - Privateigentum an Produktionsmitteln als Klassenmacht
       und Konkurrenz als Bewegungsform des Kapitals - treiben die Inve-
       stitionen, Rationalisierung  und Produktion  voran und  behindern
       g l e i c h z e i t i g  die Entwicklung der Massenkaufkraft.
       Ergebnis dieses  Widerspruches zwischen  objektiven Anforderungen
       und den  konkreten Bestimmungsfaktoren der Elemente des kapitali-
       stischen Reproduktionsprozesses ist die Überproduktion (oder, als
       vorweggenommene Überproduktion, die Unterauslastung von Kapazitä-
       ten), die dann zur - meist abrupten - Einschränkung der Akkumula-
       tion und  Produktion, zu  Unternehmenszusammenbrüchen, Entlassun-
       gen, weiteren  Rationalisierungen  und  Arbeitsplatzvernichtungen
       führt. Die daraus resultierenden Verminderungen des privaten Ver-
       brauchs (im Ergebnis fallender Lohnsummen) beschleunigen zunächst
       die Abwärtsbewegung.
       Die Auseinanderentwicklung  von Produktion und Verbrauch ist kein
       Fehler gesamtwirtschaftlicher oder struktureller Planung, sondern
       das Ergebnis  des Fehlens  gesellschaftlicher Planung. Wie dieses
       Mißverhältnis allerdings konkret ausfällt, hängt von den Klassen-
       auseinandersetzungen und  den Kräfteverhältnissen  ab: Je stärker
       die Arbeiterbewegung  Lohnsenkungen widersteht  und je  höher die
       staatlichen Unterstützungsleistungen  an Arbeitslose  sind, desto
       geringer wird das Mißverhältnis von Produktion und Verbrauch, de-
       sto mehr  bleibt der Absatz insgesamt an der gesamten Produktion.
       U m g e k e h r t   k o m m t   d i e  T i e f e  d e r  j ü n g-
       s t e n     W i r t s c h a f t s k r i s e    d a r i n    z u m
       A u s d r u c k,  d a ß  1 9 8 1  u n d  1 9 8 2  e r s t m a l s
       i n     d e r    G e s c h i c h t e    d e r    B u n d e s r e-
       p u b l i k   d e r   p r i v a t e   V e r b r a u c h   r e a l
       g e s u n k e n  i s t.
       Diese Feststellung  darf allerdings  nicht zu dem Fehlschluß füh-
       ren, daß eine härtere Haltung der Gewerkschaften, etwa die Durch-
       setzung wesentlich  höherer Löhne  und Gehälter, die kapitalisti-
       schen Krisen  beseitigen würde.  Höhere Löhne und Gehälter führen
       zwar zu  höherem privaten  Verbrauch, zur besseren Auslastung der
       Produktionskapazitäten und  sind insofern eine wesentliche Grund-
       lage und  Voraussetzung der  kapitalistischen Entwicklung.  Diese
       Grundlage bliebe  jedoch nur dann intakt, wenn die Aufteilung des
       Neuwerts in  Profit und Löhne/Gehälter so erfolgt und die Verwen-
       dung der  Einkommen so  auf Konsum-  und auf Investitionsausgaben
       verteilt würde,  daß  die  zusätzlichen  Produktionsmöglichkeiten
       (aufgrund der durch Investitionen geschaffenen neuen Produktions-
       kapazitäten) gerade  durch die zusätzliche Verbrauchsnachfrage in
       Anspruch genommen  würden. Dafür,  daß  ein  solches  "Wachstums-
       gleichgewicht" zustande  kommt, gibt  es jedoch keinen geeigneten
       gesellschaftlichen Planungs-  und  Koordinierungsmechanismus.  Es
       kann ihn  auch aus  prinzipiellen Gründen  unter kapitalistischen
       Bedingungen nicht  geben, denn  er  müßte  in  Zeiten  der  Hoch-
       konjunktur dämpfend  auf die  Investitionen  und  damit  auf  die
       unmittelbar greifbaren Möglichkeiten der Profitproduktion einwir-
       ken. Da  die Orientierungslinie des Kapitals jedoch nicht das ge-
       sellschaftliche Reproduktionsgleichgewicht,  sondern der maximale
       einzelwirtschaftliche Profit  ist, da  diese Orientierung  ferner
       jedes Kapital  prinzipiell  gegen  jedes  andere  stellt  und  da
       schließlich die  verschiedenen Einzelkapitale  sich Chancen  aus-
       rechnen -  und die schnellsten und härtesten unter ihnen auch ob-
       jektiv Chancen  haben - durch eine aggressive Politik ihre Markt-
       anteile und  ihren Profit auf Kosten anderer Unternehmen zu erhö-
       hen, kommt  es auch bei wegen höherer Löhne und Gehälter steigen-
       der Kapazitätsauslastung  und  verbesserten  Profiten  letztlich,
       wenn keine  politische Gegensteuerung erfolgt, zu einer hemmungs-
       losen Investitionskonkurrenz,  die nach  kürzerer  oder  längerer
       Zeit unweigerlich  zu neuen  Überkapazitäten, Überproduktion, Ab-
       schwung und Krise führen muß.
       Selbst wenn  diese Überinvestition  in gesamtwirtschaftlich rele-
       vanten Bereichen etwa aufgrund von Kartellabsprachen oder Produk-
       tionsquoten vermieden würde, wäre die Krise vorprogrammiert: Wenn
       die Unternehmen  statt Produktionsmittel etwa Wertpapiere kauften
       oder ihr Kapital ins Ausland brächten, würde zwar die Bildung von
       Überkapazitäten von dieser Seite her gemildert oder unterbleiben.
       Gleichzeitig aber  würde die  effektive  (Investitions-)Nachfrage
       gesenkt, die  erforderlich ist,  um die  bestehenden  Kapazitäten
       auszulasten -  Nachfrageschwäche aufgrund unzureichender Investi-
       tionen.
       H ö h e r e   L ö h n e   u n d    G e h ä l t e r    k ö n n e n
       d i e   L e b e n s v e r h ä l t n i s s e   d e r    a r b e i-
       t e n d e n   M e n s c h e n   v e r b e s s e r n  u n d  d a s
       A u s e i n a n d e r t r e t e n    v o n    P r o d u k t i o n
       u n d   M a r k t   m i l d e r n   u n d  h i n a u s s c h i e-
       b e n.   K r i s e n f r e i   m a c h e n   k ö n n e n    s i e
       d e n   K a p i t a l i s m u s  n i c h t.  Denn das  A u s e i-
       n a n d e r t r e t e n     v o n    P r o d u k t i o n    u n d
       M a r k t  i s t  d i e  E r s c h e i n u n g  d e r  K r i s e,
       n i c h t   i h r  l e t z t e r  G r u n d;  dieser liegt in der
       Orientierung der  gesamten  gesellschaftlichen  Reproduktion  als
       privatwirtschaftlicher Produktion  am maximalen Profit. Sie folgt
       ihrerseits zwangsläufig  aus dem  Privateigentum an  Produktions-
       mitteln und  der sich  daraus ergebenden  Konkurrenz  der  Unter-
       nehmen.
       Die zyklische  Krise kommt zum Ende, wenn die notwendigen Propor-
       tionen zwischen  Produktion und Markt gewaltsam wiederhergestellt
       worden sind,  d.h. daß das Angebot der - verbliebenen - Unterneh-
       men mit  Gewinn abgesetzt werden kann. Der  M e c h a n i s m u s
       d i e s e s   "u n t e r e n  W e n d e p u n k t e s"  gehört zu
       den bis  heute auch  in der marxistischen Theorie nicht eindeutig
       geklärten Fragen  der Theorie  des Zyklus. 2) Verschiedenen Posi-
       tionen ist jedoch folgendes Argumentationsmuster gemeinsam: 3) Da
       die Krise  durch ein  Überangebot in Erscheinung tritt und in der
       Krise Angebot   u n d  Nachfrage durch Produktionseinschränkungen
       und Unternehmenszusammenbrüche  sowie steigende  Arbeitslosigkeit
       verringert werden,  kann dieses  Überangebot im Verlauf der Krise
       nur dadurch  beseitigt werden,  daß das reale Angebot stärker zu-
       rückgeht als  die reale Nachfrage, die Investitionen und die Pro-
       duktion also stärker sinken als der private Verbrauch (wie sie im
       Aufschwung auch aufgrund der Investitionskonkurrenz stärker stei-
       gen als  der private  Verbrauch). Daß  dies tatsächlich  der Fall
       ist, wird  teils aus  technischen Zusammenhängen (Akzelerator-Mo-
       dell), teils  aus der  veränderten Einkommensverteilung  in  ver-
       schiedenen Phasen  des Zyklus, aus unterschiedlichen Konsumquoten
       bei Löhnen  und Profiten, teils aus unterschiedlichen Preisflexi-
       bilitäten im  Konsumgüter- und  im  Investitionsgüterbereich  er-
       klärt. In  diesen Erklärungen  spielt der  private Verbrauch  den
       Puffer und  das stabilisierende  Element, das die Abwärtsbewegung
       stoppt und  die Aufwärtsbewegung  einleitet, während die privaten
       Investitionen das  instabile Element sind, dessen Entwicklung je-
       weils über  die gesamtwirtschaftlichen  Erfordernisse nach  unten
       oder oben hinausschießt.
       Dieses   V e r h ä l t n i s   v o n   s t a b i l i s i e r e n-
       d e m  E i n f l u ß  d e s  p r i v a t e n  V e r b r a u c h s
       u n d   d e s t a b i l i s i e r e n d e m  E i n f l u ß  d e r
       I n v e s t i t i o n e n   (die andererseits letztlich durch die
       Entwicklung des  Verbrauchs bestimmt  werden) hat  auch  für  den
       jüngsten Wirtschaftszyklus  in der BRD eine maßgebliche Rolle ge-
       spielt (vgl.  Tabelle 1): Die Entwicklung des privaten Verbrauchs
       lag 1974  (+0,4 Prozent)  und 1975  (+3,5 Prozent) erheblich über
       der der  Ausrüstungsinvestitionen der  Unternehmen (-10,8 Prozent
       bzw. --0,1 Prozent) und hat zweifellos dazu beigetragen, die öko-
       nomische Entwicklung  zu stabilisieren  und Ende  1975 den  neuen
       Aufschwung einzuleiten.  Dieser hat die Investitionen hochgetrie-
       ben: bereits  1976 lag ihre Steigerung weit über der des privaten
       Verbrauches. Bis  1979 stiegen die Wachstumsraten der Investitio-
       nen weiter,  die des privaten Verbrauchs dagegen blieben von 1976
       bis 1979  im Durchschnitt knapp halb so hoch wie die der Investi-
       tionen und nahmen ab 1976 langsam ab. Dies bremste den Aufschwung
       und brachte  1980 die  Wende zum  erneuten Abschwung: der Zuwachs
       beim privaten Verbrauch halbierte sich, die Wachstumsrate der In-
       vestitionen ging  auf weniger  als ein  Drittel  zurück.    D i e
       K r i s e   1 9 8 1   u n d   1 9 8 2   i s t   m i t   e i n e m
       a b s o l u t e n   S i n k e n  v o n  I n v e s t i t i o n e n
       und   V e r b r a u c h  v e r b u n d e n,  allerdings gehen die
       Investitionen wiederum  - wie 1974 und 1975 - erheblich schneller
       zurück (-  3,4 Prozent  bzw. -  7,2 Prozent) als die des privaten
       Verbrauches (-  1,2 Prozent,  bzw. -  2 Prozent). Daß der private
       Verbrauch erstmals  in der  Geschichte der  BRD absolut  gesunken
       ist, bringt  die Tiefe  der Krise  zum Ausdruck und wird den Auf-
       schwung behindern;  daß sein  Rückgang aber  bei weitem  nicht so
       stark ist  wie der der Investitionen, macht auch in diesem Zyklus
       wieder seine  Pufferfunktion deutlich,  die  die  Abwärtsbewegung
       bremst und  auf die  Einleitung eines neuen Aufschwungs hinwirkt.
       Weitere Verminderungen  des privaten Verbrauchs durch Senkung der
       Löhne und  Gehälter und Sozialeinkommen würden die Wirkungen die-
       ses Puffers vermindern, die Krise also verlängern.
       
       Tabelle 1:
       Wachstumsraten des Bruttosozialproduktes, des privaten Verbrauchs
       und der  Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen (in Preisen von
       1976)
                 Bruttosozialprodukt  Bruttoausrüstungs-  Privater
                 (BSP)                investitionen (BAI) Verbrauch
                                                          (PV)
       
       1974            0,5                 -10,8             0,4
       1975           -1,6                  -0,1             3,5
       1976            5,6                   6,5             3,8
       1977            2,8                   8,1             3,7
       1978            3,5                   8,3             3,6
       1979            4,0                   9,6             3,1
       1980            1,8                   2,5             1,5
       1981           -0,2                  -3,4            -1,2
       1982           -1,1                  -7,2            -2,3
       _____
       Quelle: Jahresgutachten  1982/83  des  Sachverständigenrates,  S.
       283; DIW-Wochenbericht 18/19, 1983, S. 257.
       
       2. Überzyklische Krisentendenzen
       --------------------------------
       
       Der konjunkturelle  Zyklus ist  die Form, in der die kapitalisti-
       sche Wirtschaft  abläuft. Die  überzyklische geschichtliche  Sub-
       stanz kapitalistischer  Entwicklung liegt  in der enormen Steige-
       rung der  menschlichen Produktivkraft und der materiellen Produk-
       tionsmöglichkeiten durch  die Weiterentwicklung  der  Arbeitstei-
       lung, die Ausstattung der Arbeitskraft mit mehr und besseren Pro-
       duktionsmitteln und die systematische Anwendung von Forschung und
       Wissenschaft in  der Produktion.  Diese  Produktivkraftsteigerung
       erhöht zum  einen den Umfang der Produktion, die in einem Betrieb
       oder Unternehmen erfolgt; sie bringt zweitens steigende Beanspru-
       chung und Belastungen der natürlichen Grundlagen der Produktion -
       Rohstoffe und  Umwelt - mit sich; sie erhöht drittens die Komple-
       xität des Produktions- und Reproduktionsprozesses. Alle drei Wir-
       kungen machen die planmäßige vorherige Abstimmung einer zunehmen-
       den Zahl  von Arbeitsprozessen  notwendig, damit  die stofflichen
       Grundlagen und die wichtigsten Proportionen der Wirtschaft erhal-
       ten bzw. hergestellt werden können.
       Zu dieser Notwendigkeit gesellschaftlicher Planung stehen das ka-
       pitalistische Privateigentum  an den Produktionsmitteln sowie die
       kapitalistische Organisation  der Wirtschaft  im Widerspruch,  in
       der die  Herstellung des  gesamtgesellschaftlichen Zusammenhanges
       individueller Produktionsprozesse  sowie die  Feststellung  ihrer
       ökologischen Folgen  erst im  Nachhinein, nach der Produktion er-
       folgt. Ob  der Umfang  und die  Qualität der Produkte subjektiven
       Bedürfnissen und  objektiven Proportionalitätserfordernissen ent-
       sprach, stellt  sich erst  auf dem  Markt heraus; die Erschöpfung
       von Rohstoffressourcen macht sich als Erschwerung und Verteuerung
       ihrer Beschaffung bemerkbar; die Belastung und Zerstörung von Um-
       weltbedingungen wird  sogar erst  noch später sichtbar, wenn näm-
       lich die  Lebensbedingungen der Menschen hierdurch spürbar beein-
       trächtigt werden;  solange der  private Profit die oberste Orien-
       tierungslinie für  die einzelwirtschaftliche Produktion und damit
       für die  gesellschaftliche Reproduktion  ist, gibt es keine imma-
       nenten Signale, die steigende Umweltbelastungen anzeigen.
       Diese   P r o z e s s e,   d i e   m i t  d e r  k a p i t a l i-
       s t i s c h e n   P r o d u k t i v k r a f t s t e i g e r u n g
       e i n h e r g e h e n ,    h a b e n    k e i n e n    z y k l i-
       s c h e n   C h a r a k t e r.  Die zyklischen Krisen können zwar
       die Proportionen zwischen Markt und Produktion zeitweise zurecht-
       rücken, hierdurch aber die historische Vertiefung des  W i d e r-
       s p r u c h s   z w i s c h e n    d e r    E n t w i c k l u n g
       d e r   m a t e r i e l l e n   B a s i s   u n d   d e r    g e-
       s e l l s c h a f t l i c h e n    O r g a n i s a t i o n    der
       wirtschaftlichen Entwicklung nicht überwinden. Dieser Widerspruch
       n i m m t   h i s t o r i s c h  z u  u n d  ä u ß e r t  s i c h
       i n   ü b e r z y k l i s c h e n  K r i s e n t e n d e n z e n.
       Diese haben  ihrerseits -  mit der Herausbildung des Monopolkapi-
       talismus und des staatsmonopolistischen Kapitalismus - überzykli-
       sche Anpassungsprozesse  hervorgerufen,  in  deren  Verlauf  sich
       sowohl die  Grundstrukturen des  Kapitalismus als  auch die Stra-
       tegien zur  Sicherung seiner  weiteren  Lebens-  und  Expansions-
       fähigkeit verändert  haben -  mit dem  Resultat, daß neue Krisen-
       tendenzen produziert worden sind.
       Die Lage  und die  Entwicklungsperspektive der  Wirtschaft in der
       Bundesrepublik Anfang  der 80er  Jahre ist  durch eine  besondere
       Kombination von  überzyklischen Krisenerscheinungen  gekennzeich-
       net, die  teils unmittelbares  Resultat der  Grundprozesse, teils
       Ergebnis der  Anpassungsstrategien sind.  Die wichtigsten überzy-
       klischen Krisentendenzen sind:
       - die langfristige Überakkumulation von Kapital;
       - Krisentendenzen als  Folge monopolistischer  Verwertungsstrate-
       gien;
       - die ökologische Krise.
       
       2.1 Langfristige Überakkumulation
       ---------------------------------
       
       Die Steigerung der Produktivkraft sowie die - mengen- und wertmä-
       ßige -  Zunahme des  Kapitalstocks sind  historisch  unumkehrbare
       Grundprozesse der  kapitalistischen Entwicklung. Sie ergeben sich
       aus dem  Zwang zur  Produktion und  Wiederanlage von Mehrwert als
       dem Grundgesetz  des Kapitalismus.  Sie werden durch die periodi-
       schen Krisen,  Auf- und Abschwünge in ihrem konkreten Verlauf be-
       einflußt, beginnen  jedoch nicht mit jedem Zyklus wieder am glei-
       chen Punkt.  Nach jeder  Krise existiert  vielmehr eine neue, von
       der vorherigen  Nachkrisenlage verschiedene  Ausgangslage, sowohl
       was den  Umfang, als  auch was die qualitative Struktur des Kapi-
       talstocks angeht.
       A u c h   i n  z y k l i s c h e n  K r i s e n  s e t z t  d i e
       A k k u m u l a t i o n   n i c h t   v ö l l i g   a u s;    sie
       nimmt vielmehr  ab, ihre  Wachstumsraten sinken und werden in der
       Regel negativ.  D.h. aber  nicht, daß  die  Akkumulation  negativ
       wird, also  gesamtwirtschaftliche Desinvestition stattfindet. Der
       Kapitalstock am Ende einer Krise ist größer als der am Anfang der
       vorhergehenden Krise,  wenn das  Wachstum sich  auch  im  letzten
       Jahrzehnt verlangsamt  hat: In  der BRD  betrug die Wachstumsrate
       des Bruttoanlagevermögens  im produzierenden  Gewerbe - als Indi-
       kator für die Gesamtbewegung - in den 50er Jahren 4,8 Prozent, in
       den 60er  Jahren 6,1  Prozent und  in der 70er Jahren 4,4 Prozent
       (vergl. Tabelle 2).
       Überzyklisch steigende  Kapitalmassen verlangen jedoch nach über-
       zyklisch steigender  Produktion von Mehrwert und seiner Realisie-
       rung als  Profit. Die  für den Kapitalismus charakteristische Me-
       thode zur  Ausdehnung des Mehrwerts ist die Produktivkraftsteige-
       rung der  Arbeit durch  die Ausstattung der Arbeitskraft mit mehr
       und besseren  Produktionsmitteln. Eben hierdurch sinkt jedoch re-
       lativ zum  Umfang der Akkumulation (und in Zeiten langsamerer Ak-
       kumulation auch  absolut) die  Zahl der Beschäftigten, steigt die
       organische Zusammensetzung  des Kapitals.  Sie hat  sich nach den
       Berechnungen Hans  Tammers von  1950 (5,42:1)  bis 1980 (10,53:1)
       fast verdoppelt:  "In der  Geschichte des  Kapitalismus dürfte es
       nur wenige  Perioden gegeben haben, in denen sich in solch kurzer
       Zeitspanne eine  so erhebliche  Steigerung der organischen Zusam-
       mensetzung des Kapitals vollzogen hat." 4)
       Diese Entwicklung  hat die  Zahl der  Beschäftigten vor  allem im
       produzierenden Gewerbe  drastisch vermindert: 5) Sie lag 1982 mit
       10,1 Millionen  um 2,1 Millionen niedriger als 1970 (12,2 Millio-
       nen). Der  Sechsjahresdurchschnitt von 1977 bis 1982 lag mit 10,7
       Millionen um  0,9 Millionen unter dem Sechsjahresdurchschnitt von
       1971 bis  1976 (11,6  Millionen). Diese Verminderung der Beschäf-
       tigten ist  im vergangenen Jahrzehnt allerdings noch durch gegen-
       läufige Entwicklungen  in anderen  Bereichen  aufgefangen  worden
       (vor allem  im Dienstleistungs-  und im staatlichen Bereich). Das
       hat dazu  geführt, daß  die Gesamtzahl der abhängig Beschäftigten
       1982 zwar  mit 21,9 Millionen um 0,2 Millionen unter der von 1970
       lag (22,1  Millionen),  sich  für  die  beiden  Sechsjahresdurch-
       schnitte jedoch  jeweils der  gleiche Wert von 22,4 Millionen er-
       gab. Die gesamtwirtschaftliche Beschäftigung stagnierte - bei ei-
       nem jahresdurchschnittlichen  Wachstum des  Kapitalstocks von 4,4
       Prozent. (Es  ist absehbar,  daß mit der massenhaften Verbreitung
       der "neuen  Technologien", der  Anwendung der  Mikroelektronik in
       Produktion, Verwaltung  und Dienstleistungsbereich  die Zahl  der
       Arbeitsplätze in  diesem Jahrzehnt  auch bei  einer mit  den 70er
       Jahren vergleichbaren Akkumulationsrate erheblich sinken wird.)
       Auch wenn  die Verminderung  der Zahl  der mehrwertproduzierenden
       Beschäftigten durch Steigerung der Mehrwertproduktion der einzel-
       nen Beschäftigten  für das einzelne Unternehmen ausgeglichen wer-
       den kann,  wirkt sie, in Verbindung mit der stagnierenden Gesamt-
       beschäftigung sowie der zunehmenden Arbeitslosigkeit (wegen demo-
       grafischer Faktoren)  letztlich hemmend  auf die Menge des insge-
       samt produzierten Mehrwerts und - vorgelagert - auf die Realisie-
       rung des  Mehrwerts als  Profit: Steigende Produktivität und Mas-
       senarbeitslosigkeit drücken  Löhne und Gehälter unter das Niveau,
       das zum  Verkauf der produzierten Waren und zur Aufrechterhaltung
       des notwendigen  Verhältnisses zwischen Aufbau und Auslastung des
       Produktionsapparates erforderlich  wäre. Die  A u s l a s t u n g
       h ä n g t   a b e r   i n   l e t z t e r   I n s t a n z   v o n
       d e r   E n t w i c k l u n g   d e s  E n d v e r b r a u c h s,
       d e r   i n d i v i d u e l l e n  o d e r  s t a a t l i c h e n
       K o n s u m n a c h f r a g e  a b.
       Die aus  der Tabelle  2 ersichtliche  überzyklische  Verschiebung
       zwischen den  Entwicklungen des  (privaten und  staatlichen) Ver-
       brauchs und  dem gesamtwirtschaftlichen  Kapitalstock als Schlüs-
       selgrößen für das Verhältnis von Kapazitätsaufbau und Kapazitäts-
       auslastung verdeutlichen die langfristige Krisentendenz:
       D e r  p r i v a t e  K o n s u m  w u c h s  i n  d e n  5 0 e r
       J a h r e n   e r h e b l i c h   s c h n e l l e r  a l s  d e r
       K a p i t a l s t o c k   (w ä h r e n d   d e r   s t a a t l i-
       c h e   V e r b r a u c h   w e s e n t l i c h  l a n g s am e r
       e x p a n d i e r t e).   Dies ist  vor  allem  darauf  zurückzu-
       führen, daß  im Verlauf  des Krieges  und der unmittelbaren Nach-
       kriegszeit die  Versorgung der  Bevölkerung außerordentlich stark
       eingeschränkt war,  während der Produktionsapparat in den letzten
       Kriegsjahren  hektisch   ausgebaut  worden  war  und  auch  durch
       Zerstörung  und   Demontage  nur   relativ  geringfügig  in  Mit-
       leidenschaft gezogen  wurde.  Das  jeweilige  Ausgangsniveau  des
       Verbrauchs bzw. des Kapitalstocks war also sehr unterschiedlich.
       I n   d e n   6 0 e r   J a h r e n  k e h r t e  s i c h  d i e-
       s e s   V e r h ä l t n i s   u m:   Mit der  Verknappung von Ar-
       beitskräften und  der Integration der westdeutschen Wirtschaft in
       die internationalen Konkurrenzzusammenhänge Ende der 50er, Anfang
       der 60er  Jahre gingen  die  Unternehmen  zu  kapitalintensiveren
       Produktionsmethoden über. Das war mit einer erheblichen Beschleu-
       nigung der Akkumulation verbunden, hinter der die Entwicklung des
       privaten und staatlichen Verbrauchs zurückblieb.
       I n    d e n    7 0 e r    J a h r e n    v e r l a n g s a m t e
       s i c h  - mit den insgesamt wegen der langsameren Verbrauchsent-
       wicklung   größer   gewordenen   Realisierungsproblemen   -   das
       A k k u m u l a t i o n s t e m p o   w i e d e r.  Der etwas un-
       ter das  Niveau der 50er Jahre gesunkenen Wachstumsrate des Kapi-
       talstocks stand jedoch in den 70er Jahren ein Wachstum des priva-
       ten Verbrauchs gegenüber, das deutlich unter der Hälfte des Werts
       für die  50er Jahre lag. Die hiervon ausgehenden stagnativen Wir-
       kungen wurden  dadurch etwas  gemildert, daß die staatlichen Ver-
       brauchsausgaben, übers Jahrzehnt gerechnet, etwas stärker stiegen
       als die privaten. (Genaugenommen gilt dies jedoch nur für die er-
       ste Hälfte  des Jahrzehnts,  als der  Staatsverbrauch mit jahres-
       durchschnittlich 5,9  Prozent wesentlich  schneller stieg als der
       private mit  3,9 Prozent.)  Schon in  der zweiten Hälfte der 70er
       Jahre hatte  sich dieses  Verhältnis umgekehrt:  Der Staatskonsum
       stieg mit  jahresdurchschnittlich 2,8  Prozent weniger  stark als
       der private  Verbrauch und  drückte damit  die Steigerung des ge-
       samten Verbrauchs  nach unten,  verschärfte also  die Unterausla-
       stung der Kapazitäten.
       Die   A u s e i n a n d e r e n t w i c k l u n g    v o n    z u
       v e r w e r t e n d e r   K a p i t a l m e n g e   u n d   d e n
       l e t z t l i c h   f ü r   d i e  K a p a z i t ä t s a u s l a-
       s t u n g   und damit  die Rentabilität    e n t s c h e i d e n-
       d e n   V e r b r a u c h s a u s g a b e n    hat  sich  in  den
       letzten Jahren deutlich verschärft, ist aber eben  k e i n  n u r
       k u r z f r i s t i g e s,   s o n d e r n  e i n  ü b e r z y k-
       l i s c h e s  P h ä n o m e n.
       
       Tabelle 2:
       Wachstumsraten des Kapitalstocks und des realen Verbrauchs
       
       Jahr     Kapitalstock                  Verbrauch
                (Bruttoanlage-   privater   Staatsverbrauch   insgesamt
                vermögen)        Verbrauch
       
       1950-1959     4,8            7,8           5,6            7,2
       1960-1969     6,1            4,7           4,6            4,7
       1970-1979     4,4            3,5           3,9            3,6
       1970-1974     5,5            3,9           5,9            4,1
       1975-1979     3,2            3,2           2,8            3,0
       1980-1982     3,9 (1980/81) -0,6           1,6           -0,0
       _____
       Quellen: Karl Georg  Zinn u.a.,  Daten zur  wirtschaftlichen Ent-
       wicklung der Bundesrepublik Deutschland von 1950-1979, o.O., o.J.
       (Aachen 1981),  S. 11  und 26;  DIW-Wochenbericht 18/19, 1983, S.
       257; eigene Berechnungen.
       
       Der Verbrauch  sollte allerdings  nicht als  die  a u t o n o m e
       Steuerungsvariable des Gesamtsystems mißverstanden werden. Er ist
       vielmehr selbst  Resultat einer  Verteilungsstruktur, die  ihrer-
       seits in der kapitalistischen Grundverteilung der Produktionsmit-
       tel und  dem daraus resultierenden Akkumulationszwang wurzelt und
       konkret durch  die Klassenkämpfe  beeinflußt  wird:  Die  beherr-
       schende Macht  der Privatwirtschaft bringt immer wieder eine Ver-
       teilung zustande,  die die  Konsumtionsmöglichkeiten der  Gesell-
       schaft einschränkt.
       Es ist in dieser Betrachtungsweise problematisch, die während des
       letzten Jahrzehnts  hervorgetretenen Krisentendenzen im wesentli-
       chen auf  die Anwendung arbeitsplatzvernichtender neuer Technolo-
       gien zurückzuführen. 6) Deren Einführung in Produktions-, Dienst-
       leistungs- und Verwaltungsbereiche steckt weithin noch in den An-
       fängen und  ihre katastrophalen  Wirkungen für  die Arbeitsplätze
       werden erst  in der  Zukunft voll  zum Tragen  kommen, wenn keine
       entsprechenden Gegenmaßnahmen  ergriffen werden. Bislang hat sich
       im gesamtwirtschaftlichen  Durchschnitt die  Steigerung  der  Ar-
       beitsproduktivität langfristig  nicht beschleunigt,  sondern  sie
       ist  im  wesentlichen  für  das  produzierende  Gewerbe  konstant
       geblieben: Sie  betrug in  den 50er  Jahren durchschnittlich  5,6
       Prozent, in  den 60er  Jahren 5,3  Prozent und in den 70er Jahren
       lag sie bei 5,2 Prozent. 7) Die gesamtwirtschaftliche Arbeitspro-
       duktivität, (gemessen  als Bruttoinlandsprodukt  pro Erwerbstäti-
       gen, also  unbereinigt um  Arbeitszeitveränderungen) ist von 1950
       bis 1959  um jährlich  5,6 Prozent, von 1960 bis 1969 um 4,5 Pro-
       zent und von 1970 bis 1979 um jährlich 3,2 Prozent gestiegen, ihr
       Anstieg hat  sich also deutlich verlangsamt. 8) Es werden also im
       gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt   d u r c h   d i e    P r o-
       d u k t i v i t ä t s e n t w i c k l u n g   gegenwärtig weniger
       Arbeitsplätze vernichtet  als in  den 50er Jahren - auch wenn das
       für einzelne Bereiche mit Sicherheit ganz anders ist.
       D a s   P r o b l e m   l i e g t   a u c h   w e n i g e r  d a-
       r i n,  d a ß  g e s a m t w i r t s c h a f t l i c h  n i c h t
       g e n ü g e n d   a k k u m u l i e r t   w i r d,  z u  w e n i-
       g e  A r b e i t s p l ä t z e  g e s c h a f f e n  w e r d e n.
       Es wird  ja akkumuliert  - in den 70er Jahren fast so schnell wie
       in den  50ern -  es werden  also auch  Arbeitsplätze  geschaffen.
       D a s   P r o b l e m   l i e g t    d a r i n,    d a ß    s i e
       n i c h t  b e s e t z t  w e r d e n.  Wenn 1982 rund 25 Prozent
       der industriellen  Produktionskapazitäten in  der  Bundesrepublik
       brachlagen, 9)  dann stellen diese ungenutzten Kapazitäten poten-
       tielle Arbeitsplätze  für mehr  Menschen dar,  als gegenwärtig in
       der Bundesrepublik  arbeitslos sind.  Diese Arbeitsplätze  werden
       nicht besetzt,  weil die Produktion, die durch ihre Besetzung ge-
       schaffen würde, wegen Mangel an kaufkräftiger Verbrauchsnachfrage
       nicht absetzbar ist.
       D i e s e s  ü b e r z y k l i s c h e  Z u r ü c k b l e i b e n
       d e r   V e r b r a u c h s n a c h f r a g e   u n d   d a m i t
       l e t z t l i c h   d e r    g e s a m t g e s e l l s c h a f t-
       l i c h e n   N a c h f r a g e   h i n t e r    A k k u m u l a-
       t i o n   u n d   P r o d u k t i o n   i s t    d e r    K e r n
       l a n g f r i s t i g e r      Ü b e r a k k u m u l a t i o n s-
       t e n d e n z e n,  die sich einerseits in überzyklisch zunehmen-
       den Überkapazitäten, andererseits eben aus diesem Grunde in einer
       Verlangsamung des  Akkumulationstempos niederschlagen - und damit
       auch von  dieser  Seite  her  einen  überzyklischen  Anstieg  der
       industriellen Reservearmee  hervorrufen und  die  Krisentendenzen
       verstärken. Die  Aktualität dieser Überakkumulationstendenzen und
       ihre selbstverstärkenden Folgen auf der Nachfrageseite in der BRD
       der Gegenwart  sind unübersehbar:  Noch nie waren die produktiven
       Kapazitäten so  lange Zeit  so wenig  genutzt wie heute, und noch
       nie war  die Akkumulation über längere Zeit so niedrig wie in den
       letzten Jahren.
       Diese langfristigen  Krisentendenzen dokumentieren  die steigende
       Unfähigkeit kapitalistischer  Wirtschaftsorganisation, den  durch
       Produktivkraftsteigerung und  Kapitalwachstum veränderten materi-
       ellen Grundlagen  der Wirtschaft  auf kapitalistische Weise durch
       steigende Produktion  u n d  Realisierung von Mehrwert gerecht zu
       werden. Marx hat diese historische Krisentendenz kapitalistischer
       Entwicklung bereits  im ersten  Band von "Das Kapital" (23. Kapi-
       tel: Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation) um-
       rissen und im dritten Band im Abschnitt über das "Gesetz des ten-
       denziellen Falls der Profitrate" ausdrücklich thematisiert.
       Auf   a n d e r e   W e i s e   ergibt sich  die    g l e i c h e
       T e n d e n z  e i n e r  l ä n g e r f r i s t i g e n  Ü b e r-
       a k k u m u l a t i o n,   w e n n    d i e    P r o d u k t i v-
       k r a f t e n t w i c k l u n g   a u c h   d i e  Ö k o n o m i-
       s i e r u n g   d e s   k o n s t a n t e n  K a p i t a l s  i n
       e i n e r   W e i s e   u m f a ß t,   d a ß   d i e   F o n d s-
       e f f e k t i v i t ä t   d e s   K a p i t a l s   s t e i g t ,
       d e r   K a p i t a l k o e f f i z i e n t   a l s o  s i n k t.
       Dies ist zwar seit Ende der 50er Jahre gesamtwirtschaftlich nicht
       mehr der  Fall.  Seit  Mitte  der  70er  Jahre  steigt  aber  der
       Kapitalkoeffizient  im  verarbeitenden  Gewerbe  im  Durchschnitt
       nicht mehr,  ab 1977 gibt es sogar eine leichte Verminderung. 10)
       Zur  Produktion   einer  gleichbleibenden   oder   gleichbleibend
       wachsenden Gütermenge wird also dort eine geringere bzw. geringer
       wachsende Kapitalmenge  benötigt.  Das  Akkumulationstempo  müßte
       "eigentlich" also  im Vergleich zur Güternachfrage (die letztlich
       immer auf  Konsumgüternachfrage reduzierbar  ist)  abnehmen,  die
       Profitrate müßte planmäßig gesenkt werden. Da dies im Widerspruch
       zur  Grundausrichtung  kapitalistischer  Produktion  und  zu  den
       kapitalistischen  Machtverhältnissen   steht,  da   vielmehr  der
       grundlegende Imperativ  der Akkumulation  nach wie  vor in  Kraft
       ist, wird  sich die Überakkumulation unter den Bedingungen dieses
       Musters der Produktivkraftentwicklung eher noch verschärfen.
       
       2.2 Monopolstruktur und Monopolstrategie
       ----------------------------------------
       
       Die Herausbildung  des Monopolkapitals  als beherrschender  Kapi-
       talstruktur folgt den Gesetzen der Akkumulation. 11) In der Über-
       windung der  Grenzen, die  dem Einzelkapital  durch das  "interne
       Wachstum", die  eigene Produktion,  Realisierung und Wiederanlage
       von Kapital  gesetzt sind,  gliedern sich  die stärksten Kapitale
       schwächere Unternehmen  an. Durch  diese Zentralisation  entsteht
       eine systematische  Strukturdifferenzierung im gesellschaftlichen
       Gesamtkapital. Eine  Gruppe von Kapitalen bildet sich als Zentrum
       des Reproduktionsprozesses  heraus, während die übrigen Unterneh-
       men, zu  denen immer  wieder neue hinzukommen, zur Peripherie ge-
       macht werden,  deren Entwicklungsperspektive  der Verwertung  des
       beherrschenden Sektors untergeordnet wird.
       Konzentration und  Zentralisation sind  eine Stufe  der Anpassung
       des Kapitals  an die mit der Entwicklung des Kapitalismus verbun-
       dene neue  Größenordnung und Komplexität der Produktionsprozesse,
       allerdings in einer Form, die planvolle gesellschaftliche Gestal-
       tung der  Reproduktion in gesellschaftlichem Maßstab nach wie vor
       verhindert.
       Die Strukturdifferenzierung  innerhalb  des  Gesamtkapitals  ver-
       schafft dem  begünstigten Bereich  der Großunternehmen  besondere
       ökonomische und  außerökonomische Zugriffsmöglichkeiten  und Vor-
       teilspositionen im Prozeß der gesellschaftlichen Reproduktion und
       sichert ihm  dadurch eine anhaltend überdurchschnittliche Verwer-
       tung. Sie  ermöglicht es  dem Monopolkapital,  auch in  der Krise
       durch besonders  intensive Rationalisierungsmaßnahmen  eine rigo-
       rose Umverteilung  von Volkseinkommen und Vermögen die Profite zu
       halten und  die Krisenlasten  auf alle monopolistischen Teile des
       Volkes abzuwälzen.
       Über den   S t a n d   d e r   K o n z e n t r a t i o n    u n d
       M o n o p o l i s i e r u n g   in der Bundesrepublik können fol-
       gende Angaben  aus dem Bericht der Monopolkommission 1980/81  12)
       einen - sehr unvollständigen - Eindruck vermitteln:
       - 1980 entfielen  durchschnittlich 38,6 Prozent der Produktion in
       den von  der Monopolkommission  untersuchten 298 Warenklassen des
       produzierenden Gewerbes  jeweils auf die drei führenden Unterneh-
       men. 13)
       - In 189 der 298 Warenklassen lag der Anteil der drei größten Un-
       ternehmen über 25 Prozent der Produktion. 14)
       - Die 100  größten Unternehmen  vereinigten 1980  rund 20 Prozent
       der Wertschöpfung  aller Unternehmen der Bundesrepublik auf sich;
       dabei fielen  7,5 Prozent  der Wertschöpfung  allein auf  die  10
       größten Unternehmen. 15)
       - Das Umsatzwachstum zwischen 1978 und 1980 der 100 größten Indu-
       strieunternehmen belief  sich auf  26,9 Prozent,  das sind  gut 5
       Prozentpunkte mehr  als bei  allen Unternehmen des produzierenden
       Gewerbes zusammen  (+21,5 Prozent);  bei den 10 größten Industri-
       eunternehmen wuchsen die Umsätze sogar um 31,8 Prozent. 16)
       - 1980 wurden  von 75  Unternehmen aus  dem Kreis der 100 größten
       172,9 Milliarden  DM Wertschöpfung  und 41,3  Milliarden DM cash-
       flow erzielt. Auf die 10 größten dieser Unternehmen entfielen da-
       bei 70,3 Milliarden DM Wertschöpfung und 21,7 Milliarden DM cash-
       flow; das  sind 40,7  Prozent der  Wertschöpfung und 52,5 Prozent
       des cash-flow  der 75 Unternehmen. 17) Erstens liegt also der An-
       teil der  Spitzengruppe bei  den Großunternehmen  außerordentlich
       hoch -  ein  Hinweis  auf  das  außerordentliche  Gewicht  dieser
       Gruppe; zweitens erzielt die Spitzengruppe einen erheblich größe-
       ren Anteil  am Gesamt-cash-flow  der 75  als an ihrer Gesamtwert-
       schöpfung -  ein ebenso deutlicher Hinweis auf die überaus begün-
       stigte Gewinnposition der großen Konzerne.
       Die beherrschende  Position und  die zu  ihrer  Aufrechterhaltung
       e i n g e s c h l a g e n e n   S t r a t e g i e n   d e s  M o-
       n o p o l k a p i t a l s     b r i n g e n    k r i s e n v e r-
       s c h ä r f e n d e   F o l g e n  f ü r  die gesamtwirtschaftli-
       che Entwicklung mit sich. 18)
       Im nichtmonopolistischen  Unternehmensbereich beeinträchtigt  die
       unterdurchschnittliche Rentabilität  die Investitionen,  weil  in
       diesem Bereich - der vorwiegend aus kleinen und mittleren Famili-
       enunternehmen besteht  - Liquiditätsmangel vielfach ein wesentli-
       cher Grund  dafür ist,  daß Investitionen unterlassen werden, die
       ansonsten - auch relativ unabhängig von der Entwicklung der Nach-
       frage -  unternommen worden  wären, um  den Ersatzbedarf  und die
       notwendigsten Modernisierungen  vorzunehmen. Geringe  Profite be-
       einträchtigen zugleich die Kreditbonität, so daß auch die Chancen
       sinken, notwendige Investitionen über Fremdkapital finanzieren zu
       können, das zudem in Zeiten von Hochzinspolitik für diesen Unter-
       nehmensbereich unerschwinglich  teuer ist.  Gerade da, wo Gewinne
       zur Finanzierung notwendiger Investitionen erforderlich wären und
       insofern in  der Tat in gewissem Maße Investitionen anstoßen wür-
       den, fallen  sie nicht  oder nur  in unterdurchschnittlichem Maße
       an, und dies bremst die gesamtwirtschaftliche Investition. Die in
       den  letzten   beiden  Jahren   drastisch  gestiegene   Zahl  der
       U n t e r n e h m e n s z u s a m m e n b r ü c h e  stellt viel-
       mehr ein  E l e m e n t  v o n  D e s i n v e s t i t i o n  dar,
       die Kapazität  u n d  Nachfrage vernichtet (vgl. Tabelle 3).
       
       Tabelle 3:
       Entwicklung der Insolvenzen 1960-1982
       
       1960-1964 (jahresdurchschnittlich)    2996
       1965-1969 (jahresdurchschnittlich)    3749
       1970-1974 (jahresdurchschnittlich)    5290
       1975-1979 (jahresdurchschnittlich)    9031
       1980                                  9140
       1981                                 11653
       1982                                 15877
       _____
       Quellen: Statistisches  Jahrbuch für  die Bundesrepublik Deutsch-
       land, fortlaufend; Wirtschaft und Statistik 2/1983, S. 87.
       
       Vom monopolistischen  Bereich her ergeben sich negative Wirkungen
       der Profitdifferenzierung  auf die gesamtwirtschaftliche Entwick-
       lung durch die - monopolistisch rationale - Verwendung überdurch-
       schnittlich hoher  Profite. Um  monopolistisch beherrschte Märkte
       nicht durch  Kapazitätserweiterungen  und  den  daraus  folgenden
       Druck auf  höhere Produktionsmengen  zu gefährden, die nur zu ge-
       ringeren Preisen  und Gewinnen  absetzbar wären,  werden auch, im
       konjunkturellen Aufschwung  nur wenige Investitionen vorgenommen,
       deren vorherrschender  Zweck die Erweiterung des Produktionsappa-
       rates ist.  Statt dessen ist folgendes typisch: Wo in den Produk-
       tionsapparat investiert  wird, steht die Rationalisierung und der
       ebenfalls auf  Rationalisierungsbasis durchgeführte Ersatz veral-
       teter Anlagen  im Vordergrund, um Märkte gegen die Konkurrenz ab-
       zudichten und  Marktanteile durch  die Entwicklung  und Anwendung
       modernster Technologien auszuweiten. Das Ergebnis dieser Moderni-
       sierungsstrategien sind  oft -  auch wenn  dies nicht der primäre
       Zweck der  Investition war  - steigende  Kapazitäten, immer  aber
       sinkende Beschäftigung,  also eine  Verschärfung des Problems der
       Überkapazitäten -  nicht wegen eines ungezügelten Booms an Erwei-
       terungsinvestitionen, sondern  wegen der - Rationalisierungs- und
       Modernisierungskonkurrenz. Beispielhaft  hierfür sind gegenwärtig
       der Stahl-  und Werften-,  19) aber  zeitlich verschoben auch der
       Automobilsektor. Die durch die sinkende Beschäftigung verursachte
       Nachfrageschwäche führt  dann zu  weiterer Investitionszurückhal-
       tung wegen  fehlender Absatzmöglichkeiten und zu verstärkter Kon-
       kurrenz um  die verbleibenden  Märkte, also erneut steigendem Ra-
       tionalisierungsdruck.
       Außer der  produktiven Akkumulation  stehen  den  Monopolen  eine
       Reihe anderer   A n l a g e-  u n d  V e r w e r t u n g s m ö g-
       l i c h k e i t e n   ihrer Profite  zur Verfügung,  die  -  eben
       wegen der krisenbedingten Nachfrageschwäche - attraktiver sind:
       -  D i e   V e r l a g e r u n g   v o n   K a p i t a l    u n d
       P r o d u k t i o n  i n s  A u s l a n d.
       Die Direktinvestitionen westdeutscher Unternehmen ins Ausland ha-
       ben sich  von 3,5 Milliarden DM in 1970 auf 10,7 Milliarden DM in
       1981 verdreifacht.  20) Dieser Betrag ist im Vergleich zu den ge-
       samtwirtschaftlichen Investitionen  (1981; 339,3  Milliarden  DM)
       oder zu  den Ausrüstungsinvestitionen  (128,8 Milliarden DM) auch
       dann einigermaßen gering, wenn man verschiedene statistische Feh-
       lerquellen  und   Erfassungsschwierigkeiten  berücksichtigt,  die
       beide Größen kaum miteinander vergleichbar machen. Nach verschie-
       denen Korrekturen  kommt Werner Olle zu dem Ergebnis, daß für die
       verarbeitende Industrie insgesamt der Anteil der Auslandsinvesti-
       tionen an  den inländischen  Anlageinvestitionen für  1978/79 bei
       10,4 Prozent  lag. 21) Völlig anders sieht die Lage bei den Groß-
       unternehmen aus:  Für 20  Unternehmen (17 davon aus dem Kreis der
       100 größten)  erreichten 1981 die Auslandsinvestitionen einen Be-
       trag, der der Hälfte (49,1 Prozent) der Inlandsinvestitionen ent-
       sprach. 22)  Der Anteil  der Auslandsproduktion  der 10  im Jahre
       1980 umsatzgrößten  Konzerne des verarbeitenden Gewerbes an ihrem
       Gesamtumsatz ist  von 16,4 Prozent im Jahre 1970 auf 29,1 Prozent
       im Jahre 1981 gestiegen. 23)
       -  D e r   A u f k a u f   a n d e r e r    U n t e r n e h m e n
       (F u s i o n).
       Dabei handelt es sich einzelwirtschaftlich zwar um eine Realinve-
       stition des kaufenden Unternehmens; gesamtwirtschaftlich wird je-
       doch kein Realkapital geschaffen, sondern bestehendes Realkapital
       zentralisiert und  in der  Regel im Zuge der Eingliederung in den
       Bestand des  kaufenden Konzernes  vermindert. Derartige  Fusionen
       sind darüber  hinaus regelmäßig  mit einer  deutlichen "Durchfor-
       stung" des  Personalbestandes, also  mit  umfangreichen  Arbeits-
       platzvernichtungen verbunden. Die im Zuge der "Sanierung" der AEG
       geschehenen  Übernahmen  verschiedener  Unternehmensteile  dieses
       Konzerns - Zanker durch Siemens-Bosch-Hausgeräte GmbH, Telefunken
       durch  Thomson   Brandt  usw.   -  sind   hierfür  beeindruckende
       Beispiele. Insgesamt  ist die  Zahl der meldepflichtigen Fusionen
       in den  70er Jahren  gegenüber der  Zeit davor auf ein Vielfaches
       gestiegen:
       
       Tabelle 4:
       Entwicklung der anmeldepflichtigen Fusionen 1960-1982
       
       1960-1964 (jahresdurchschnittlich)    30
       1964-1969 (jahresdurchschnittlich)    78
       1970-1974 (jahresdurchschnittlich)   270
       1975-1979 (jahresdurchschnittlich)   522
       1980                                 635
       1981                                 618
       1982                                 600
       _____
       Quellen:  Berichte   des  Bundeskartellamtes,   fortlaufend;  Der
       Spiegel Nr. 50/82 vom 13. Dezember 1982, S. 76; Informationen zur
       Wirtschaftsentwicklung und Lage der Arbeiterklasse Nr. 1/1983, S.
       9.
       
       Die monopolistischen  Unternehmen spielen  hierbei eine  führende
       Rolle: An  den für 1980 und 1981 angezeigten 1254 Zusammenschlüs-
       sen waren die 100 größten Unternehmen in 528 Fällen (also in 42,1
       Prozent aller  Fälle) 604  mal beteiligt.  24) Dabei gibt es auch
       hier wieder  eine enorme Konzentration auf die Spitzengruppe: Auf
       die 10 größten Unternehmen entfielen mit 187 Zusammenschlüssen 15
       Prozent aller  gemeldeten und  31 Prozent, d. h. fast ein Drittel
       aller Zusammenschlüsse der 100 größten Unternehmen. 25)
       -  D e r       K a u f       v o n       W e r t p a p i e r e n,
       A n l e i h e n         o d e r         d i e         e i g e n e
       K r e d i t v e r g a b e.  Diese Strategie ist umso attraktiver,
       je höher  das Zinsniveau ist. Sie schafft für liquide Unternehmen
       in Form  der Zinserträge  ein spürbares  Gegengewicht  gegen  die
       Zinsbelastungen, die  mit der Aufnahme von Fremdkapital insbeson-
       dere in  Zeiten staatlicher  Hochzinspolitik verbunden  sind. Die
       Begünstigten sind in erster Linie Großunternehmen: Das Eigenkapi-
       tal der größten Kapitalgesellschaften lag nach einer Untersuchung
       der Bundesbank 1980 bei 93,2 Prozent der Sachanlagen, ihre Netto-
       zinsbelastung machte 1,1 Prozent des Rohertrags aus. Demgegenüber
       betrug das  Eigenkapital kleiner Einzelkaufleute 43,0 Prozent der
       Sachanlagen, ihre  Nettozinsbelastung 7,0 Prozent des Rohertrags.
       26)
       Die weitere  Ausprägung der Monopolstrukturen, die Vertiefung der
       Differenzierungen im  Gesamtkapital und die monopolistischen Ver-
       wertungsstrategien beeinflussen  die  gesamtwirtschaftliche  Ent-
       wicklung in  Krise und  Aufschwung negativ: Die Krise wird länger
       und tiefer,  weil die systematische Profitdifferenzierung und mo-
       nopolistische Umverteilung  den Umfang der krisenbedingten Unter-
       nehmenszusammenbrüche und  damit  die  Arbeitslosigkeit  und  den
       Nachfragerückgang vergrößern.  Der Aufschwung  wird  verhaltener,
       weil im  monopolistischen  Bereich  arbeitsplatzvernichtende  und
       d.h. Verbrauchsnachfrage  beschränkende Rationalisierungsinvesti-
       tionen überwiegen  und im  übrigen ein  Teil der monopolistischen
       Profite überhaupt nicht mehr als reale Nachfrage wirksam wird.
       
       2.3 Die ökologische Krise
       -------------------------
       
       In den letzten Jahren sind einer breiteren Öffentlichkeit die Ge-
       fahren bewußt  geworden, die  mit der Beschädigung und Zerstörung
       natürlicher Lebensbedingungen und der Lebensumwelt verbunden sind
       und zur  akuten Bedrohung für die Lebensqualität, ja die Existenz
       der Menschen führen können. 27)
       Die Prozesse,  die der  aktuellen ökologischen Krise zugrundelie-
       gen, sind  nicht neu.  Daß sie  gegenwärtig als  wesentlicher Be-
       standteil der  umfassenden Krise verstanden werden müssen, in der
       die gesellschaftliche  Reproduktion steckt,  verweist  auf  ihren
       überzyklischen und  langfristig wirkenden Charakter. Naturzerstö-
       rung hat  historisch immer da stattgefunden, wo die gesellschaft-
       liche Reproduktion  nicht als bewußter Stoffwechsel mit der Natur
       organisiert worden  ist. Wenn  die mit der Produktivkraftentwick-
       lung  verbundenen  Eingriffe  in  Naturprozesse  auf  ökologische
       Kreisläufe, auf  die Regenerationsfähigkeit verbrauchter Substan-
       zen und auf den schonenden Umgang mit nicht erneuerbaren Ressour-
       cen nicht  achten, findet  eine prinzipiell irreparable Beschädi-
       gung  der  Naturbasis  statt,  deren  Vorhandensein  unabdingbare
       Grundlage des  menschlichen Lebens  und damit  auch aller gesell-
       schaftlichen Reproduktion ist. Eine solche Tendenz zur Zerstörung
       der Naturbasis  der Reproduktion ist in der kapitalistischen Pro-
       duktionsweise angelegt.  28) Das einzelne Unternehmen ist der Be-
       zugspunkt aller  wirtschaftlichen  Prozesse  und  Entscheidungen,
       seine Orientierung  ist die  Minimierung der Kosten und die Maxi-
       mierung der  Erlöse. Um  umfassendere Zusammenhänge hat es sich -
       bei Strafe unzureichender Rentabilität und des Untergangs - nicht
       zu kümmern,  gesellschaftliche Kosten und Schäden sind soweit wie
       möglich nach außen zu "externalisieren". Denn: "Gegenüber der Na-
       tur wie  der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise
       vorwiegend nur  der erste,  handgreiflichste Erfolg in Betracht."
       29)
       Marx demonstriert  diese gegenüber  der  Naturbasis  destruktiven
       Tendenzen des  Kapitalismus an  der kapitalistischen Industriali-
       sierung der Landwirtschaft und bemerkt dazu: "Die kapitalistische
       Produktion entwickelt  daher nur  die Technik und Kombination des
       gesellschaftlichen Produktionsprozesses,  indem sie  zugleich die
       Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbei-
       ter." 30)
       Die "Gratisproduktivkraft" Natur gibt ohne sorgfältige Behandlung
       und Regenerationshilfen  immer weniger  her,  ihre  Belastbarkeit
       durch weitere  Schadstoffe nimmt  dramatisch ab.  Die ökologische
       Krise wird  unübersehbar und  sinnlich als  Existenzbedrohung er-
       fahrbar.
       Allerdings wirkt die ökologische Krise - die auf dem ökonomischen
       Grundmechanismus der  Kapitalverwertung beruht - noch kaum unmit-
       telbar als  Blockierung auf  die wirtschaftliche  Entwicklung zu-
       rück, insbesondere  nicht auf  die Interessen  des  Großkapitals.
       Eine Ausnahme  macht hier  das Waldsterben,  das unmittelbar  die
       Profitinteressen der  privaten Waldeigentümer  und  Holzverwerter
       berührt. Die  Priorität, mit der der Wald von der Bundesregierung
       behandelt wird,  ist sicher teilweise auch durch dieses unmittel-
       bare Interesse  beeinflußt. Ansonsten unterscheiden sich die Wir-
       kungen der  ökologischen noch  von denen  der ökonomischen Krise:
       Die zyklische oder (als langfristige Überakkumulation) überzykli-
       sche Auseinanderentwicklung  von Produktion  und Konsumtionskraft
       (als Kern der ökonomischen Krise) blockiert über sinkende Absatz-
       möglichkeiten den  ökonomischen Mechanismus  selbst. Die ökologi-
       sche Krise dagegen untergräbt zwar die natürliche Grundlage allen
       Wirtschaftens -  und damit  objektiv "in  letzter  Instanz"  auch
       seine eigenen Existenzmöglichkeiten -, nicht aber unmittelbar den
       inneren Mechanismus  der Kapitalverwertung.  Daß die  ökologische
       Lage immer  prekärer wird und auf eine Katastrophe hintreibt, ist
       für das  Kapital kein  Grund (und  kein Zwang!)  innezuhalten und
       seine Art  des Umgangs mit der Natur zu ändern. Im Gegenteil: Den
       tendenziell verschlechterten  Verwertungsbedingungen versucht der
       einzelne Kapitalist  durch weitere  Kostensenkungen zu Lasten der
       Menschen und  der Natur  zu entkommen  - zeitweise nicht ohne Er-
       folg. Die Belastung der Umwelt ist - anders als die Verarmung der
       Massen (=  Verminderung der  Kaufkraft) -  aus sich selbst heraus
       keine aktuelle Schranke der Kapitalverwertung.
       W a s   d i e   ö k o l o g i s c h e   K r i s e   b e r e i t s
       v o r   d e r   U m w e l t k a t a s t r o p h e   d e n n o c h
       z u r   S c h r a n k e  d e r  K a p i t a l v e r w e r t u n g
       m a c h t,   i s t   n i c h t  d i e  Z e r s t ö r u n g  d e r
       N a t u r b a s i s   d e r    R e p r o d u k t i o n,    s o n-
       d e r n  d e r  W i d e r s t a n d  g e g e n  d i e s e  Z e r-
       s t ö r u n g.   Die objektiv  zur Erhaltung  der Menschheit  und
       damit  auch  zur  Erhaltung  des  Kapitalismus  als  menschlicher
       Gesellschaftsorganisation erforderlichen  Maßnahmen können,  wenn
       überhaupt, nur durch den Widerstand und die Kämpfe derer durchge-
       setzt werden, die von den Schäden der kapitalistischen Produktion
       unmittelbar und akut betroffen sind.
       Hier drängen sich dann doch wieder Analogien mit den ökonomischen
       Prozessen der Kapitalverwertung auf: Daß die hemmungslose Verlän-
       gerung des  Arbeitstages zur  Produktion des  absoluten Mehrwerts
       mit der Gesundheit und dem Leben der Arbeiter zweifellos auch die
       natürliche Grundlage der Mehrwertproduktion überhaupt gefährdete,
       hat keinen  Kapitalisten des  vorigen Jahrhunderts veranlaßt, die
       Arbeitszeit seiner  Arbeiter freiwillig  zu senken. Die objektive
       Notwendigkeit zur  Begrenzung des  Arbeitstages  wurde  in  zähen
       Klassenkämpfen von den betroffenen Arbeitern selbst gegen den er-
       bitterten Widerstand  des Kapitals durchgesetzt. 31) Dieser Kampf
       erscheint  dem  Kapital  als  Hindernis  seiner  Verwertung,  als
       "Investitionshemmung", wie  es heute heißt. Staatliche Vorschrif-
       ten zum  Schutz des  Arbeitsvermögens erscheinen damals wie heute
       als "einstellungshemmende  Vorschriften", ebenso  wie  staatliche
       Vorschriften zum Schutz der natürlichen Umwelt als krisenverursa-
       chende Faktoren,  als "wirtschaftsfeindliche" Bürokratie erschei-
       nen. Sie  setzen in  der Tat der hemmungslosen Freiheit des Kapi-
       tals Grenzen und sind insofern Krisenfaktoren für die Kapitalver-
       wertung. Andererseits sind sie keine Krisenfaktoren, sondern Exi-
       stenzsicherungsfaktoren, wenn  auf die  Sicherung der  Grundlagen
       aller ökonomischen Entwicklung abgestellt wird.
       
       3. Wirtschaftspolitik und Krisentendenzen
       -----------------------------------------
       
       Stärke, Verlauf  und Perspektiven  der aktuellen  Krisentendenzen
       hängen wesentlich auch von der Richtung staatlicher Eingriffe ab.
       Im staatsmonopolistischen  Kapitalismus laufen  ökonomische  Pro-
       zesse unter  umfassender und  andauernder Beteiligung des Staates
       ab, weil nur so die ökonomische Reproduktion - als Verwertung des
       Monopolkapitals - gewährleistet werden kann. 32)
       Diese neue  und intensivere  Verbindung staatlicher  Politik  und
       privater Wirtschaft stellt gleichzeitig eine neue Stufe der kapi-
       talistischen Vergesellschaftung  dar,  nämlich  den  ökonomischen
       Eingriff einer  gesellschaftlichen Instanz,  die -  wenn auch nur
       formell und nach außen - nicht als den Interessen einer einzelnen
       Gruppe oder  Klasse verpflichtet  auftritt, sondern  als über den
       Gruppen und  Klassen  stehend  sich  um  die  Verwirklichung  des
       "Gemeinwohls" kümmern  soll  und  mit  entsprechend  weitgehenden
       Machtbefugnissen ausgestattet ist.
       Die Perspektiven,  die in  dieser neuen Stufe der direkten Verge-
       sellschaftung liegen,  sind zwiespältig:  Einerseits ist  die In-
       dienstnahme staatlicher  Produktion und  Dienstleistungen, staat-
       lich mobilisierter  Finanzmassen und  staatlicher  Gesetzes-  und
       Exekutivgewalt natürlich  ein wichtiger  und wirksamer  Hebel zur
       Förderung monopolistischer  Verwertung. Andererseits  mobilisiert
       die permanente  und umfassende ökonomische Intervention einer mit
       dem Anspruch  gesamtgesellschaftlicher Interessenvertretung  auf-
       tretenden Instanz  die Ansprüche  und Forderungen anderer gesell-
       schaftlicher Gruppen  und Klassen,  deren  Interessen  durch  die
       staatsmonopolistische Politik  nicht  vertreten,  sondern  unter-
       drückt werden.  Gerade die  - von  der Arbeiterbewegung  mit  er-
       kämpfte -  bürgerlich-parlamentarische Demokratie  eröffnet  Mög-
       lichkeiten, Forderungen  dieser  Schichten  und  Klassen  an  die
       staatliche Gestaltung der Wirtschaft politisch anzumelden und bei
       entsprechender Mobilisierung  auch teilweise  durchzusetzen. Zwar
       kann staatliche  Politik -  auch unter Druck antimonopolistischer
       Forderungen -  die Grundprozesse kapitalistischer Wirtschaft, die
       Produktion von  Mehrwert und  die Realisierung  von Profit, nicht
       außer Kraft  setzen;   s i e   k a n n   a b e r  d i e  R i c h-
       t u n g,   i n   d e r   s i e    s i c h    e n t w i c k e l n,
       s e h r  w o h l  s p ü r b a r  b e e i n f l u s s e n.
       Dies hat  Folgen für den konkreten Verlauf kapitalistischer Wirt-
       schaftskrisen. Während  sie prinzipiell,  solange wirtschaftliche
       Entwicklung durch  den privaten Profit - als Durchschnittsprofit,
       als monopolistisch oder staatsmonopolistisch modifizierter Profit
       - reguliert  wird, nicht  verhindert werden  können, wäre es doch
       möglich, abrupte Einbrüche etwa durch antizyklische Fiskalpolitik
       zu mildern;  es wäre  möglich, absehbare  Engpässe der  Rohstoff-
       oder Energieversorgung  frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen
       zu ergreifen;  Defizite in  der technologischen  Entwicklung oder
       andere strukturelle  Fehlentwicklungen könnten  in gewissem  Maße
       entschärft werden.  33) Die  volle Herstellung  und vor allem die
       längerfristige Beibehaltung  einer globalen und strukturellen Ba-
       lance zwischen Angebot und Nachfrage ist aus den oben erläuterten
       Gründen nicht  möglich. Die  Beeinflussung gesamtwirtschaftlicher
       Nachfragekomponenten, eine  gezielte Strukturpolitik und die Ein-
       schränkung monopolistischer  Übermacht könnten  jedoch akute Kri-
       seneinbrüche mildern und vor allem das Wachstum der Arbeitslosig-
       keit und  die damit  verbundene Verminderung  des Lebensstandards
       begrenzen.
       Ob und  inwieweit eine  solche Politik tatsächlich betrieben wird
       und wie  erfolgreich sie  ist, hängt einerseits von den noch vor-
       handenen ökonomischen  Spielräumen ab, die zur Finanzierung einer
       derartigen, auf Herstellung einer gewissen binnenwirtschaftlichen
       Proportionalität gerichteten,  Politik erforderlich sind. Zum an-
       deren hängt es von dem politischen Druck und der Bereitschaft ab,
       für eine krisenmindernde Politik zu kämpfen.
       In der  Bundesrepublik läuft  die aktuelle  wirtschaftspolitische
       Entwicklung in  die gegenteilige  Richtung.  Die  längerfristigen
       Krisentendenzen  sowie  die  schwere  zyklische  Wirtschaftskrise
       Mitte der  70er Jahre haben die wirtschaftspolitischen Spielräume
       spürbar verengt. Die Fortsetzung einer Politik, die auf Sicherung
       kapitalistischer Reproduktion  durch die  Ausdehnung privater und
       staatlicher Nachfrage  - über Tarif-, Sozial- und Reformpolitik -
       abzielte, hätte  nur durch  eine intensivere  Mobilisierung gegen
       die Ansprüche des Monopolkapitals durchgesetzt werden können. Die
       Kraft hierzu ist weder von der sozialliberalen Regierung noch von
       den Gewerkschaften aufgebracht worden. Die Alternative hierzu ist
       die weitgehende  Durchsetzung der Forderungen des Monopolkapitals
       auf Kosten  der Lebensbedingungen der Menschen in der BRD und auf
       Kosten friedlicher  und kooperativer internationaler Wirtschafts-
       beziehungen. Diese  Alternative  ist  Inhalt  der  "grundlegenden
       Wende" in der Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik, die
       bereits Mitte der 70er Jahre (etwa mit dem ersten Haushaltsstruk-
       turgesetz von 1975) eingeleitet wurde, spätestens seit den Koali-
       tionsvereinbarungen vom November 1980 die Gesamtpolitik prägt und
       seit dem  Regierungswechsel mit wachsender Offenheit und Brutali-
       tät durchgesetzt wird. 34)
       Diese Politik der  A u s t e r i t ä t  n a c h  i n n e n  führt
       zu erheblichen  Beschränkungen der  privaten und staatlichen kon-
       sumtiven Nachfrage  und droht daher den beabsichtigten Investiti-
       onsboom verpuffen (oder gar nicht erst entstehen) zu lassen. Denn
       die Investitionen  sind erst  dann rentabel (und werden auch dann
       erst unternommen),  wenn der  durch Investitionen ausgebaute oder
       modernisierte Produktionsapparat  auch in  hohem Maße ausgelastet
       ist oder  eine entsprechende  Auslastung erwartet wird; dies aber
       setzt letztlich eine entsprechende Belebung der Endnachfrage vor-
       aus. Das  Konzept, mit dem gegengesteuert werden soll und das da-
       her die  notwendige Ergänzung  der Austeritätspolitik  nach innen
       darstellt,  ist   die  forcierte     E x p a n s i o n    n a c h
       a u ß e n:  Durch Technologie- oder Modernisierungspolitik sollen
       die internationale  Wettbewerbsfähigkeit bundesdeutscher Konzerne
       gesichert und ihre Weltmarktanteile ausgedehnt, durch internatio-
       nale Geld-, Kredit- und Entwicklungshilfepolitik ökonomische Ein-
       flußzonen geschaffen  werden. Schließlich  dient auch  das zuneh-
       mende militärpolitische  Engagement der  Bundesregierung - Unter-
       stützung der  US-Globalstrategie zur  Sicherung "vitaler Interes-
       sen" des  Westens, eigene  Aufrüstung, verstärkte Waffenexporte -
       dazu, Rohstoffquellen wie Anlage- und Absatzgebiete im Ausland zu
       sichern. 35)
       Die Strategie  der Austerität nach innen und Expansion nach außen
       zielt darauf, die Verwertungsspielräume des bundesdeutschen Mono-
       polkapitals in  einem rücksichtslosen  Befreiungsschlag zu erwei-
       tern, der  durch weitestgehende Vernachlässigung aller Interessen
       und Ansprüche anderer Gruppen sowie langfristiger Entwicklungser-
       fordernisse für  das Monopolkapital  selbst  gekennzeichnet  ist.
       Diese ausschließliche  Konzentration auf die Profite des Monopol-
       kapitals bringt  jedoch neue unübersehbare Risiken und Krisen für
       die Entwicklung  der BRD-Wirtschaft  und für  die internationalen
       Wirtschaftsbeziehungen mit sich:
       Nach innen  vernachlässigt die  neue wirtschaftspolitische  Linie
       binnenwirtschaftliche Reproduktions-  und Proportionalitätserfor-
       dernisse in  weit größerem  Maße als bisher. Die Arbeitslosigkeit
       wird nicht  sinken, sondern  steigen,  die  gesamtwirtschaftliche
       Krise wird  sich verschärfen, die sozialökonomische Polarisierung
       weiter zunehmen.
       Aber auch  in den  internationalen (Wirtschafts-)Beziehungen sind
       die Perspektiven nicht günstiger. Da die gleiche wirtschaftspoli-
       tische Strategie von den Regierungen der meisten anderen imperia-
       listischen Länder eingeschlagen wird, kann keine Rede davon sein,
       daß die  Bundesrepublik ihre  binnenwirtschaftlichen Probleme auf
       dem Weltmarkt  längerfristig lösen  könnte. Die Aggressivität ge-
       genüber den  Ländern der  Dritten Welt und gegenüber den soziali-
       stischen Ländern,  die jene in ihrem politischen und ökonomischen
       Emanzipationskampf unterstützen, nimmt zu. Eine Politik der mili-
       tärischen Intervention,  ja sogar die Vorbereitung eines atomaren
       Erst- oder  "Enthauptungsschlages" gegen die Sowjetunion wird von
       der Bundesregierung  unterstützt. Gleichzeitig  steigt aber  auch
       die Intensität der innerimperialistischen Konkurrenz und Konfron-
       tation. Sie  eskaliert in Einzelfällen zu akuten politischen Kri-
       sen, die  sogar die  Perspektive innerimperialistischer militäri-
       scher Auseinandersetzungen  enthalten (Fischereikrieg England ge-
       gen Dänemark Anfang 1983).
       Daß die  skizzierte Wirtschaftspolitik  die ökonomische  Krise in
       der Bundesrepublik  vertieft und  zur Destabilisierung  und Krise
       der internationalen  Wirtschaftsbeziehungen beiträgt,  ist aller-
       dings für  die Bundesregierung  noch kein  Grund, den Kurs zu än-
       dern. Denn  dieser Kurs  zielt weder auf die Verbesserung der Le-
       benslage für die Menschen in der BRD noch auf friedliche interna-
       tionale Kooperation; er zielt vielmehr auf die wirksame Durchset-
       zung monopolistischer Verwertungsinteressen unter veränderten na-
       tionalen und  internationalen Bedingungen. In dieser Hinsicht war
       die Politik  bislang durchaus erfolgreich. Denn sie bringt denje-
       nigen Unternehmen  Gewinn, die  von den Kostensenkungen durch Au-
       steritätspolitik profitieren und sich den negativen Rückwirkungen
       durch den Ausfall der binnenwirtschaftlichen Konsumnachfrage ent-
       ziehen können.  Das sind einerseits die großen Weltmarktkonzerne:
       Auf nur  85 der 100 größten Unternehmen entfielen schon 1976 über
       die Hälfte  des gesamten bundesdeutschen Exportes; der Anteil des
       Auslandsumsatzes am  Gesamtumsatz der  10 größten Unternehmen des
       verarbeitenden Gewerbes  der BRD  stieg von  45,9 Prozent in 1970
       auf 61,7 Prozent in 1981. 36)
       Profiteure der wirtschaftspolitischen Wende sind andererseits die
       Unternehmen, die nicht auf konsumtive (und davon letztlich abhän-
       gig private investive) Nachfrage angewiesen sind, sondern ihr Ge-
       schäft mit  dem Staat  machen, in erster Linie die Rüstungsunter-
       nehmen: Die  Ausgaben für  militärische Beschaffungen stiegen von
       1979 bis 1983 um 45,6 Prozent (während die Bundesausgaben für Fa-
       milie, Gesundheit und Jugend um 5,5 Prozent sanken). 37)
       Es ist denkbar und auf mittlere. Sicht plausibel, daß die Krisen-
       tendenzen, die durch die ganz auf monopolistische Bedürfnisse zu-
       geschnittene und gesamtwirtschaftliche Reproduktions- und Funkti-
       onsbedingungen sehr  viel stärker  als  früher  vernachlässigende
       Wirtschaftspolitik hervorgebracht  werden, auf die Dauer auch ge-
       gen das  Monopolkapital zurückschlagen, weil sie die Substanz in-
       ländischer Wirtschaft,  die letztlich  das  Sprungbrett  für  die
       transnationale Aktivität der Monopole ist, ruinieren. Konkret ab-
       sehbar ist dies jedoch gegenwärtig nicht. Eine Änderung des aktu-
       ellen Kurses  wird daher  in überschaubarer Zeit nicht von seiten
       des Monopolkapitals  verlangt werden.  Wenn die  für die Menschen
       der BRD  katastrophale,  krisenverschärfte  wirtschaftspolitische
       Hauptlinie geändert  werden soll, dann wird dies vermutlich nicht
       aufgrund der inneren Widersprüche dieser Linie, sondern wegen des
       Widerstandes geschehen,  der ihr  von den Betroffenen entgegenge-
       setzt wird.
       
       4. Entwicklungsperspektiven
       ---------------------------
       
       Die vielfachen überzyklischen Krisenerscheinungen bestimmen heute
       nachhaltig das  Bild des  Kapitalismus in  der BRD - auch im kon-
       junkturellen Aufschwung.  Anhaltende Arbeitslosigkeit bei sinken-
       dem Realeinkommen,  ökologische Krise  und steigende Kriegsgefahr
       signalisieren, daß  die normalen Mechanismen der kapitalistischen
       Reproduktion, einschließlich  der zyklischen  Krisen, nicht  mehr
       funktionieren. Die Orientierung der Produktion am privaten Profit
       gewährleistet immer  weniger den  Fortgang der gesellschaftlichen
       Reproduktion -  weder durch  das freie Spiel der Marktkräfte, das
       zum Ausgleich  der Profitraten führt, noch als Ausübung monopoli-
       stischer Macht noch als permanente staatliche Intervention in die
       Wirtschaft. Zwar  bringt die  staatsmonopolistische  Manipulation
       bestimmten Monopolen  nach wie vor außerordentlich hohe Profite -
       zugleich wird  jedoch das  für die Alimentierung monopolistischer
       Positionen erforderliche  Umfeld extrem vernachlässigt. Massenar-
       beitslosigkeit und  sinkende Einkommen  schlagen  als  abnehmende
       Verwertungsmöglichkeiten unmittelbar  auf den ökonomischen Mecha-
       nismus zurück; ökologische Krise und steigende Kriegsgefahr haben
       Gegenbewegungen hervorgerufen,  die die Bewegungsfreiheit des Ka-
       pitals ebenfalls einzuschränken tendieren. Kurz: Die kapitalisti-
       sche Entwicklung  scheint mehr und mehr aus dem Tritt zu geraten,
       und staatliche  Politik verschärft  die Krise,  statt sie zu mil-
       dern.
       Diese Diagnose  ist unter Marxisten wohl weitgehend unbestritten.
       Sie kann  aber verschieden  interpretiert werden.   H a n d e l t
       e s   s i c h   u m   e i n e   Ü b e r g a n g s p h a s e,  u m
       e i n e   P h a s e   d e r   K r i s e   a l t e r  u n d  d e r
       a l l m ä h l i c h e n    H e r a u s b i l d u n g    n e u e r
       R e g u l i e r u n g s m e c h a n i s m e n,   d i e    d a n n
       w i e d e r  e i n e  l ä n g e r e  P h a s e  r e l a t i v e r
       S t a b i l i t ä t  d e s  K a p i t a l i s m u s  h e r b e i-
       f ü h r e n?   38) Wir hätten es dann mit der dritten umfassenden
       "Regulierungskrise" in  der Geschichte  des Kapitalismus  zu tun:
       Die erste  im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts führte zur
       Herausbildung des  Monopolkapitalismus; die zweite im Gefolge des
       ersten  Weltkrieges  und  der  Weltwirtschaftskrise  brachte  den
       staatsmonopolistischen Kapitalismus hervor. Wenn der Kapitalismus
       gegenwärtig die  dritte Regulierungskrise durchläuft, stellt sich
       die Frage  nach dem  Charakter und den bereits vorhandenen realen
       Ansätzen des  sich im  Verlauf dieser Krise herausbildenden neuen
       Regulierungsmechanismus.
       Die Tatsache,  daß es  theoretisch außerordentlich schwierig sein
       dürfte, ein  qualitativ neues  Orientierungs-, Interventions- und
       Organisationssystem des Kapitalismus zu entwickeln, und daß reale
       Ansätze hierzu  empirisch auch nicht auszumachen sind, stellt al-
       lerdings die  These in Frage, daß die gegenwärtige umfassende Re-
       gulierungskrise durch  die Etablierung eines neuen, relative Sta-
       bilität bringenden Regulierungssystems abgelöst wird. Eine alter-
       native Interpretation  der gegenwärtigen  Lage und  der  Entwick-
       lungsperspektiven läuft  darauf hinaus, daß der Kapitalismus eine
       neue Stufe  der -  historisch zunehmenden - Labilität durchmacht,
       aus der  sich keine  neue Phase  relativer Stabilität entwickelt.
       39) Damit ist der Kapitalismus noch längst nicht am Ende, es gibt
       ohne Zweifel  noch eine  Reihe von Verwertungsressourcen, die mit
       großen Anstrengungen  mobilisiert werden  können. Ihre Mobilisie-
       rung würde  aber weder den Charakter der gegenwärtigen Krise ver-
       ändern noch  einen qualitativ  neuen Mechanismus  der Regulierung
       etablieren.
       Anders formuliert:  Die Dauer, Vielfalt und Intensität der Krisen
       und Widersprüche  im  Kapitalismus  der  Gegenwart    m a c h e n
       n e u e     M e c h a n i s m e n ,     I n s t i t u t i o n e n
       u n d  M e t h o d e n  o b j e k t i v  e r f o r d e r l i c h,
       u m   d e n   m o n o p o l i s t i s c h e n    R e p r o d u k-
       t i o n s p r o z e ß   a u f r e c h t z u e r h a l t e n.  Das
       heißt aber   n i c h t   schon, daß sich diese Notwendigkeit auch
       tatsächlich -  natürlich in  kapitalistisch pervertierter  Form -
       durchsetzen wird,  wie sie  sich mit  der Herausbildung von Mono-
       polkapitalismus und  staatsmonopolistischem  Kapitalismus  durch-
       gesetzt hat.  Der objektiven  Notwendigkeit zur  Schaffung  neuer
       Regulierungsmechanismen könnte  die ebenso  objektive und  ebenso
       harte  Unmöglichkeit   entgegenstehen,  diesen  Mechanismus  tat-
       sächlich zu  schaffen. Es ist nicht von vornherein gesichert, daß
       die systemerhaltenden  Tendenzen auf  jeden  Fall  letztlich  die
       Oberhand gegenüber  den zerstörerischen und selbstzerstörerischen
       Tendenzen behalten werden.
       Die für  die nächsten Jahre zu erwartende ökonomische und soziale
       Entwicklung in der BRD läßt sich auf dem Boden der in den voraus-
       gegangenen Abschnitten  vorgetragenen Analyse nicht mit Bestimmt-
       heit prognostizieren.  Es erscheinen  vielmehr   d r e i   E n t-
       w i c k l u n g s v a r i a n t e n   m ö g l i c h  zu sein, die
       stark  durch  die  jeweils  eingeschlagene  Richtung  staatlicher
       Politik bestimmt werden.
       1. Die   F o r t s e t z u n g   d e r  g e g e n w ä r t i g e n
       r e a k t i o n ä r e n   V a r i a n t e   d e r  A u s t e r i-
       t ä t   nach innen und  E x p a n s i o n  nach außen; dies würde
       relativ schnell  ruinöse Folgen für die Binnenwirtschaft und eine
       zunehmende internationale  Konfrontation mit  steigender  Kriegs-
       gefahr mit sich bringen.
       2. Die   F o r t s e t z u n g    d e r    A u s t e r i t ä t s-
       p o l i t i k  b e i  g l e i c h z e i t i g e r  E r w e i t e-
       r u n g   d e s   B i n n e n m a r k t e s   durch  umfangreiche
       öffentliche Investitionsprogramme  - für  die außer  der  Rüstung
       etwa die  Bereiche der  Verkabelung,  der  Kernkraftwerke,  neuer
       Autobahnen u.a.  infrage kämen.  Natürlich würde  auch in  dieser
       Variante die  außenwirtschaftliche Expansion  nicht  fehlen;  sie
       hätte nur  - jedenfalls  mittelfristig -  ein geringeres Gewicht,
       weil der  Staat zusätzliche  Märkte im Inland schafft - und damit
       im übrigen auch die nationale Basis für das transnationale Wirken
       bundesdeutscher Monopole  verbessert. Dazu  braucht  er  freilich
       Mittel,  die  durch  erneute  Umverteilung  vom  konsumtiven  zum
       investiven  Sektor   aufgebracht  werden.  Die  damit  verbundene
       weitere Senkung  von  Einkommen  und  sozialer  Sicherheit  würde
       entweder  durch   die  ideologische   Erzeugung  von   noch  mehr
       "Opferbereitschaft", durch  Sozialpartnerschaft  auf  niedrigerem
       Niveau sowie  die ideologische und materielle Einbindung größerer
       Teile des  nichtmonopolistischen Kapitals und von Mittelschichten
       oder durch  stärker autoritär-disziplinierende  Mittel oder durch
       eine Kombination  von beidem  durchgesetzt, in  jedem Falle durch
       massive Entdemokratisierung auf breiter Front.
       3. Die   M i l d e r u n g   und schließlich  B e e n d i g u n g
       d e r   A u s t e r i t ä t s p o l i t i k   und die    s t ä r-
       k e r e  A u s r i c h t u n g  d e r  P r o d u k t i o n  u n d
       R e p r o d u k t i o n   a u f   d e n    B i n n e n m a r k t,
       d.h. letztlich  den individuellen  und  kollektiven Konsum. Anhe-
       bung der  Masseneinkommen, Verbesserung  des Systems der sozialen
       Sicherheit,  Wiederaufnahme  staatlicher  Reformpolitik,  umfang-
       reiche öffentliche  Ausgaben zur  Verbesserung der Lebensqualität
       und   zur    Schaffung   sinnvoller    Produktionsvoraussetzungen
       (Energieerschließungs-   und    Umweltschutzinvestitionen)    und
       spürbare Arbeitszeitverkürzungen  bei vollem  Einkommensausgleich
       sind zentrale  Elemente einer  solchen Entwicklungsvariante. Auch
       wenn  sie   durchgesetzt   würde,   würde   es   sich   noch   um
       staatsmonopolistischen Kapitalismus  handeln; denn  nach wie  vor
       befände sich  der größte  Teil der  Produktionsmittel in privater
       Hand, nach  wie vor würde das Monopolkapital der maßgebliche Teil
       des Kapitals  sein, und  nach wie vor würde die - intensivere und
       umfassendere - staatliche Intervention sich an der Verwertung des
       Monopolkapitals  orientieren.   Wieweit  sie  diese  Orientierung
       tatsächlich realisiert, hängt jedoch weniger von der Orientierung
       als vom  gesellschaftlichen Kräfteverhältnis ab. Staatliche Poli-
       tik würde dann zur Variante 3 führen, wenn die Wege der Varianten
       1 und  2, die "eigentlich" günstiger für das Monopolkapital sind,
       versperrt sind.  Sie werden  nicht durch ökonomische Mechanismen,
       sondern durch  soziale Bewegungen  versperrt. Staatliche  Politik
       schlägt nicht von sich aus, sondern unter dem Druck gesellschaft-
       licher Kräfteverhältnisse  eine bestimmte  Variante der  ökonomi-
       schen Intervention  ein. Sie  wird nicht  von sich aus Beschäfti-
       gungsprogramme auflegen  und die Reformpolitik wiederbeleben. Sie
       kann hierzu  aber gezwungen werden. Wenn es Friedensbewegung, Ge-
       werkschaften und  Ökologiebewegung sowie den verschiedensten Bür-
       gerinitiativen gelingt,  weitere  Aufrüstung  und  Konfrontation,
       weiteren Sozial-  und Einkommensabbau,  weitere Verkabelung  etc.
       undurchführbar zu machen, sind die Weichen für eine andere staat-
       liche Politik, ja, für eine Veränderung des gesamten ökonomischen
       Regulierungsmechanismus gestellt.
       Ob eine  in  dieser  Perspektive  angelegte  demokratische  Wirt-
       schaftsregulierung als  mögliche Entwicklungsvariante aus der ge-
       genwärtigen Krise heraus allerdings in eine Reihe mit der Heraus-
       bildung des  Monopolkapitalismus und  des  staatsmonopolistischen
       Kapitalismus als  Reaktion auf  die beiden früheren Regulierungs-
       krisen gestellt werden kann, erscheint zweifelhaft. Denn es würde
       sich zwar zu Beginn und während der langen Zeit eines solchen De-
       mokratisierungsprozesses noch  um staatsmonopolistischen  Kapita-
       lismus handeln,  die  volle  Herausbildung  demokratischer  Wirt-
       schaftsregulierung würde  aber die Einschränkung und schließliche
       Beseitigung der kapitalistischen Grundverhältnisse, des Privatei-
       gentums an den Produktionsmitteln sowie der Orientierung der Pro-
       duktion am  privaten Profit,  mit sich bringen. Das wäre dann al-
       lerdings schon Sozialismus.
       
       _____
       1) Vgl. hierzu  Jörg Goldberg, Krisen und Überproduktion, in: Ar-
       gument-Sonderband AS  35, Westberlin  1979,  S.  149-160;  ders.,
       Wirtschaftskrise und  Krisentheorie, in: Blätter für deutsche und
       internationale  Politik   7/1977,  S.  874"884;  Michael  Krüger,
       Aspekte einer  Theorie zyklischer Kapitalakkumulation. Eine theo-
       retische Analyse,  Frankfurt/M. 1982;  Michael Krätke,  Krise der
       Krisentheorie? Zur marxistischen Krisenliteratur in der Bundesre-
       publik anläßlich  der jüngsten Wirtschaftskrise, in: Das Argument
       Nr. 104(1977), S. 477-491.
       2) Vgl. Jörg Goldberg, Die Reproduktionsbedingungen des fixen Ka-
       pitals als  Grundlage von  Stagnationstendenzen, in: Marxistische
       Studien. Jahrbuch des IMSF 2/1979, S. 23 ff.
       3) Einen guten  Überblick geben E.K. Hunt/Howard J. Sherman, Öko-
       nomie aus  traditioneller und  radikaler Sicht,  (New York  1972)
       Frankfurt/M. 1974, Band 2, S. 142-178.
       4) Hans Tammer,  Kapitalakkumulation in  der BRD  im  Lichte  der
       Marx'schen Lehre, in: IPW-Berichte 3/83, S. 40.
       5) Vgl.  Sachverständigenrat  zur  Begutachtung  der  gesamtwirt-
       schaftlichen Entwicklung,  Jahresgutachten 1982/83, BT-Drucksache
       9/2118, S. 269; DIW-Wochenbericht 16/1983, S. 213.
       6) Hierauf haben  Jörg Goldberg und Jan Priewe kürzlich hingewie-
       sen; vgl.  Krise -  Ursachen und  Alternativen, in:  Marxistische
       Blätter 2/83, S. 69 ff.
       7) Vgl. DIW-Wochenbericht 48/80, S. 506.
       8) Vgl. Karl Georg Zinn u.a., Daten zur wirtschaftlichen Entwick-
       lung der  Bundesrepublik Deutschland  von 1950  bis  1979,  o.O.,
       o.J., (Aachen 1981), S. 5.
       9) Vgl. Sachverständigenrat ..., a.a.O., Textziffer 66.
       10) Rolf Krengel u.a., Produktionsvolumen und -potential, Produk-
       tionsfaktoren des Bergbaus und des verarbeitenden Gewerbes in der
       Bundesrepublik Deutschland.  Statistische Kennziffern, 23. Folge,
       West-Berlin 1981, S. 102.
       11) Vgl. Heinz  Jung, Josef Schleifstein, Die Theorie des staats-
       monopolistischen Kapitalismus  und ihre Kritiker in der Bundesre-
       publik Deutschland.  Eine allgemeinverständliche  Antwort, Frank-
       furt/M. 1979,  Kap. II, 2; IMSF (Hg.), Das Monopol - ökonomischer
       Kern des  heutigen Kapitalismus.  Theoretische und  aktuelle  Ge-
       sichtspunkte   der   marxistisch-leninistischen   Monopoltheorie,
       Frankfurt/M. 1976.
       12) Monopolkommission, Viertes  Hauptgutachten  1980/81,  Bundes-
       tags-Drucksache 9/1892 (August 1982).
       13) Ebenda, Tz  196. Auf die 298 Warenklassen insgesamt entfallen
       90 Prozent  der numerisch  ausgewiesenen Produktion  der 798  vom
       Statistischen Bundesamt aufbereiteten vierstelligen Warenklassen.
       Insgesamt gibt  es 1153  vierstellige Warenklassen.  Zu den nicht
       aufbereiteten restlichen  Warenklassen gehören einerseits solche,
       die sehr geringe Produktionswerte aufwiesen, andererseits solche,
       die aus Geheimhaltungsgründen nicht aufbereitet werden dürfen wie
       z.B. die  Warengruppen Spalt- und Brutstoffe, Wasserfahrzeuge und
       Luft- und Raumfahrzeuge. Dort gibt es jeweils nur sehr wenige An-
       bieter, der  Konzentrationsgrad ist  außerordentlich  hoch.  Vgl.
       ebenda, Tz. 188, 193.
       14) Vgl. ebenda, S. 40, Tabelle 5.
       15) Vgl. ebenda, Tz. 404 f.
       16) Vgl. ebenda, Tz. 364 f.
       17) Vgl. ebenda, Tz. 419, eigene Berechnungen nach S. 112 und 99.
       18) Vgl. Winfried  Schwarz, Analyse der ökonomischen Stagnations-
       tendenzen. Bericht  über eine  IMSF-Tagung, in: Marxistische Stu-
       dien. Jahrbuch  des IMSF 2/1979, S. 44-54; Herbert Schui, Stagna-
       tion als  Folge zunehmend  differenzierter Profitraten,  in: Kon-
       junkturpolitik, Heft  1/1978, S. 16-36; Arbeitsgruppe Alternative
       Wirtschaftspolitik, Qualitatives Wachstum statt Gewinnförderung -
       Alternativen der Wirtschaftspolitik, Köln 1982, S. 57-63.
       19) Dies., Memorandum 81 - Demokratische Wirtschaftspolitik gegen
       Marktmacht und  Sparmaßnahmen, Köln 1981, S. 205-230; dies., Qua-
       litatives Wachstum, Arbeitszeitverkürzung, Demokratisierung - Al-
       ternativen zu  Unternehmerstaat und Krisenpolitik, Memorandum 83,
       Köln 1983, S. 193-209 und 210-230.
       20) Vgl. Deutsche  Bundesbank, Monatsberichte,  Februar 1983,  S.
       77+.
       21) Vgl. Werner Olle, Externalisierung von Beschäftigtenwachstum.
       Zur quantitativen  Bedeutung der deutschen Direktinvestitionen im
       Ausland, in: WSI-Mitteilungen 11/1982, S. 679.
       22) Vgl. ders.,  Auslandsexpansion deutscher Industrieunternehmen
       wird unterschätzt, in: Informationen über multinationale Konzerne
       1/83, S, 32.
       23) Eigene Berechnungen  anhand der Geschäftsberichte. Es handelt
       sich um  Siemens,  Daimler,  Volkswagen,  Thyssen,  Bayer,  BASF,
       Hoechst, AEG, Krupp und Mannesmann.
       24) Vgl. Monopolkommission, Viertes ...; a.a.O., Tz. 457.
       25) Vgl. ebenda, S. 139.
       26) Vgl. Deutsche  Bundesbank, Monatsberichte, 11/1981, S. 18 und
       22. Die  Eigenkapitalquote (Eigenkapital  zu Bilanzsumme)  betrug
       bei den  Großunternehmen (Umsatz  von 100  Millionen und mehr) 27
       Prozent, bei  den kleinen  (bis zu  10 Millionen  DM Umsatz) 15,1
       Prozent (ebenda).
       27) Vgl. zur  globalen Bestandsaufnahme etwa: Council on Environ-
       mental Quality,  US Department of State, Global 2000, Der Bericht
       an den  Präsidenten, Frankfurt/M. 1980; Werner Rügemer, Die alar-
       mierenden Prognosen  von "Global  2000", in:  Blätter... 8/81, S.
       927-945; Edgar  Gärtner, "Global  2000" -  Vorzüge und Mängel der
       amerikanischen Weltstudie,  in: Blätter...  10/81, S.  1221-1233;
       Arnim Bechmann, Gerd Michelsen (Hg.), Global Future - Es ist Zeit
       zu handeln,  Freiburg/Br. 1981; für die Bundesrepublik vgl.: Jür-
       gen Grumbach  (Hg.), Grünbuch Ökologie, Köln 1982; Edgar Gärtner,
       Ökologie und  Umweltkrise in  der BRD,  in: IMSF (Hg.), Technik -
       Umwelt - Zukunft, Frankfurt/M. 1980, S. 168-186.
       28) Vgl. Hans  Heinz Holz, Grundsätzliches zu Naturverhältnis und
       ökologischer Krise, in: ".. . einen großen Hebel der Geschichte".
       Zum 100.  Todestag von  Karl Marx:  Aktualität und Wirkung seines
       Werks, Marxistische  Studien, Jahrbuch  des IMSF,  Sonderband  I,
       Frankfurt/M. 1982, S. 155-171.
       29) Friedrich Engels,  Dialektik der  Natur, in: MEW, Band 20, S.
       455.
       30) Karl Marx,  Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Er-
       ster Band, in: MEW, Band 23, S. 529 f.
       31) Vgl. dazu Karl Marx, Das Kapital, a.a.O., 8. Kapitel: Der Ar-
       beitstag.
       32) Zur Diskussion  über den  staatsmonopolistischen Kapitalismus
       vgl. Heinz  Jung, Josef Schleifstein, Die Theorie ... Kap. II, 3;
       IMSF (Hg.),  Der Staat im staatsmonopolistischen Kapitalismus der
       Bundesrepublik,  Band   I:  Staatsdiskussion  und  Staatstheorie,
       Frankfurt/M. 1981.  Band II:  Empirische Analysen. Fakten. Frank-
       furt/M. 1982; Staatsmonopolistischer Kapitalismus der Bundesrepu-
       blik Deutschland  in Daten  und  Fakten,  Arbeitsmaterialien  des
       IMSF, Nr. 12, Frankfurt/M. 1981.
       33) Vgl. Jörg Huffschmid, Alternativen staatsmonopolistischer Re-
       gulierung und  antimonopolistische Einflußmöglichkeiten, in: (MSF
       (Hg.), Der  Staat ...,  a.a.O., Band l, S. 440ff; Heinz Jung, Ge-
       samtkapital -  Monopol -  Staat. Gesichtspunkte  des ökonomischen
       Mechanismus im staatsmonopolistischen Kapitalismus, in: Marxisti-
       sche Studien. Jahrbuch des IMSF 2/1979, S. 55-84.
       34) Vgl. Jörg Goldberg, Jörg Huffschmid, Konservative Wende unter
       sozialdemokratischer Führung, in: Marxistische Blätter ;<1982, S.
       50-64; Arbeitsgruppe  Alternative Wirtschaftspolitik,  Memorandum
       '80, a.a.O.,  S. 28-36;  des.: Memorandum  '81, a.a.O., S. 49-58;
       dies., Memorandum '83, S. 88-127.
       35) Vgl. Jörg Huffschmid, Rüstung und Wirtschaft in der Bundesre-
       publik, in:  Druck und  Papier, Nr.  23 vom 16. November 1981, S.
       22-26.
       36) Eigene Berechnungen  nach den  Geschäftsberichten. Vgl.  Anm.
       23.
       37) Vgl. Wehrtechnik  11/79, S.  91; Wehrtechnik 3/83, S. 26; Fi-
       nanzbericht 1980, Bonn 1979, S. 45;
       Bulletin des  Presse- und  Informationsamtes der Bundesregierung,
       Nr. 101 vom 29. Oktober 1982,
       S. 932.
       38) Vgl. Reinhold  Kowalski, Widersprüche der Kapitalakkumulation
       und Regulierungskrise,  in: IPW-Forschungshefte,  1/1983;  Dieter
       Klein, Die Marxsche Auffassung zum Regulierungsmechanismus im Ka-
       pitalismus, in: IPW-Bericht 3/83, S. 29f.; Angelina Sörgel, Regu-
       lierung und  Regulierungskrise der kapitalistischen Wirtschaft im
       Kontext der Marxschen politischen Ökonomie, in: "... einen großen
       Hebel... "a.a.O., S. 122 ff.
       39) Vgl. Horst Heininger, Karl Marx und die Labilität des kapita-
       listischen Wirtschaftssystems, in: IPW-Berichte, 3/83, S. 14-21.
       

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