Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984


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       ARBEITERJUGENDLICHE UND KLASSENFORMIERUNG
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       Zum Wandel außerbetrieblicher Entwicklungsbedingungen
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       und seinen Auswirkungen auf den Formierungsprozeß
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       Klaus Dörre *)
       
       1. Arbeiterjugend:  Tendenz zum "konservativen Rückzug"? - 2. Die
       Betriebsorientierung der Jugendarbeit in der innergewerkschaftli-
       chen Diskussion  - 3.  Strukturelle Veränderungen der vorberufli-
       chen Sozialisations- und Reproduktionsbedingungen Arbeiterjugend-
       licher - 4. Krise, "Arbeitsmarktsegmentierung" und Klassenformie-
       rung -  5. Betriebliche Erfahrungen - 6. Gewerkschaftlicher Orga-
       nisationsgrad, aktiver  Kern und Aktionstätigkeit - 7. Einige Er-
       gebnisse und neue Fragen
       
       1. Arbeiterjugend: Tendenz zum "konservativen Rückzug"?
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       Während sich  das Thema "Jugend" vor dem Hintergrund von "Jugend-
       protest" und  "neuer Jugendbewegung"  seit Beginn  der 80er Jahre
       allgemein verstärkter  Aufmerksamkeit  erfreuen  kann,  ist  hin-
       sichtlich der  Arbeiterjugend eine  eher gegenläufige  Tendenz zu
       verzeichnen. Angeregt durch die Lehrlingsbewegung und den von ihr
       ausgehenden Impuls  für die  gesamte Arbeiterjugendbewegung waren
       Mitte der 70er Jahre eine Reihe sozialwissenschaftlicher Publika-
       tionen erschienen,  die sich  mit verschiedenen  Aspekten von Le-
       benssituation, Bewußtsein und Engagement von Arbeiterjugendlichen
       beschäftigten. 1)  Seither hat das wissenschaftliche Interesse am
       Nachwuchs der Arbeiterklasse 2) stark nachgelassen.
       Ursachen hierfür  sind nicht allein die traditionelle Distanz der
       bürgerlichen Jugendforschung zu klassenspezifischen Fragestellun-
       gen sowie  der von  einem Teil  der linken Diskutanten vollzogene
       intellektuelle "Abschied  vom Proletariat",  sondern  auch  reale
       Entwicklungsprozesse innerhalb  der  Arbeiterjugend  selbst:  Die
       Folgewirkungen der  ökonomischen Krise  wurden bislang  nicht zum
       Ausgangspunkt für  die Formierung  einer auf den Ausbildungs- und
       Produktionssektor gerichteten  Protestbewegung mit  einer ähnlich
       hohen Ausstrahlungskraft, wie sie z.B. Friedensbewegung und "neue
       soziale Bewegungen" für größere Teile der jüngeren Generation be-
       sitzen. Die Schere zwischen zugespitzten ökonomisch-sozialen Pro-
       blemen und  relativ gering entwickeltem Widerstand scheint darauf
       hinzudeuten, daß  in der  Arbeiterjugend - und hier besonders bei
       der in  Ausbildung oder Beruf stehenden Mehrheit - die Tendenz zu
       Anpassung und Resignation dominiert.
       Verdienst der  Shell-Studie von  1981 ist u.a., daß sie, gestützt
       auf zum  Teil neues  Forschungsinstrumentarium, das Dogma von der
       schweigenden, angepaßten  Mehrheit und der kleinen Protestminder-
       heit gründlich  korrigierte. Das Forscherteam setzte bei der All-
       tagskultur der  Jugendlichen an und erfragte ihre Haltung zu ver-
       schiedenen Proteststilen aus dem Milieu der "neuen sozialen Bewe-
       gungen" (Umweltschützer, alternative Gruppen, AKW-Gegner, Hausbe-
       setzer). Jedem  dieser Proteststile stand zumindest eine relative
       Mehrheit der  befragten 15-  bis 24jährigen positiv gegenüber (je
       nach Stil zwischen 81 und 47 Prozent). 3)
       Den engagierten  Proteststilen werden  die sich  gerade durch ihr
       "abgewendetes politisches  Engagement" hervortuenden "konservati-
       ven Fan-Stile"  (z. B. Disco- und Fußballfans) gegenübergestellt.
       Die Orientierung  auf einen  der beiden Pole sei, so die Autoren,
       "klassen- bzw.  schichtabhängig". "Jugendliche,  die konservative
       Stile favorisieren,  leben häufiger  unter  den  Bedingungen  des
       Arbeitermilieus,  engagierte   Proteststile   haben   eine   hohe
       Affinität zur  oberen Mittelschicht. Jugendliche Angestellte sind
       vermehrt auf  der Protestseite  zu finden,  jugendliche Arbeiter,
       Beamte, Soldaten  und mithelfende Familienangehörige richten sich
       öfter an den konservativen Stilen aus." 4)
       Die pauschale  Interpretation der Autoren ignoriert ein wichtiges
       Ergebnis ihrer  eigenen Studie:  Differenziert nach  der sozialen
       Herkunft, sind  die Unterschiede  zwischen Jugendlichen  aus  der
       "Unterschicht",  der  "Mittelschicht"  und  der  "oberen  Mittel-
       schicht" hinsichtlich  ihrer Zustimmung  zu den  engagierten Pro-
       teststilen relativ  gering. Bedenkt man, daß ein erheblicher Teil
       jener Jugendlichen,  die die Shell-Autoren zur Mittelschicht zäh-
       len, im  klassenanalytischen Sinne  dem Nachwuchs  der  Arbeiter-
       klasse zuzurechnen  ist, so  wird deutlich,  daß die Proteststile
       auch innerhalb der Arbeiterjugend über ein erhebliches Sympathie-
       potential verfügen.  Zwar liegt  die Zustimmung  zu den verschie-
       denen Proteststilen bei Hauptschülern zumeist 6 bis 8 Prozent un-
       ter dem Durchschnitt, doch schon bei den Realschülern, die in ih-
       rer überwiegenden Mehrzahl zum Nachwuchs der Arbeiterklasse gehö-
       ren, übersteigen  die Sympathiewerte  jene der Gesamtgruppe teil-
       weise um bis zu 13 Prozent. 5)
       Die kritische Überprüfung der Shell-Daten erhärtet also nicht die
       pauschale These von der zum "konservativen Rückzug" neigenden Ar-
       beiterjugend; vieles  deutet auch bei diesen Jugendlichen auf ein
       umfangreiches, an außerparlamentarischen Protestbewegungen orien-
       tiertes Einstellungs-  und Handlungspotential  hin. Dieses Poten-
       tial wird im Rahmen von betrieblichen oder gewerkschaftlichen Ak-
       tivitäten nur  partiell wirksam  - ein Faktum, das auch innerhalb
       der Gewerkschaften  Diskussionen (u.a. über die Betriebsorientie-
       rung der gewerkschaftlichen Jugendarbeit) ausgelöst hat.
       
       2. Die Betriebsorientierung der Jugendarbeit
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       in der innergewerkschaftlichen Diskussion
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       Baethge u.a. unterscheiden in der innergewerkschaftlichen Diskus-
       sion zwei  Tendenzen. 6)  In der, im Vergleich zu anderen Gewerk-
       schaften, stärker  an klassenautonomen Positionen orientierten IG
       Metall dominiert  ein Ansatz, dessen Hauptbezugspunkt die Auswir-
       kungen der ökonomischen Krise sind. Es wird von einer unverändert
       positiven Identifikation  der Jugendlichen mit Ausbildung und Be-
       ruf ausgegangen. Dies sei zugleich als Grundlage für eine weitge-
       hende Übereinstimmung  von Interessen  der Jugendlichen  mit  den
       Zielen der  Gewerkschaften anzusehen. Die Folgewirkungen der öko-
       nomischen Krise  führten zu wachsendem Druck auf ausbildungs- und
       berufsbezogene Ansprüche  der Jugendlichen,  bewirkten eine  Ver-
       schlechterung gewerkschaftlicher Kampfbedingungen und eine Bedeu-
       tungszunahme privater Konsum- und Freizeitbedürfnisse. Dies seien
       ernste Hindernisse für betriebliches und gewerkschaftliches Enga-
       gement, doch  werde das  grundsätzlich  positive  Verhältnis  der
       Mehrzahl der Jugendlichen zu den Gewerkschaften dadurch nicht be-
       einträchtigt.
       In der  eher sozialpartnerschaftlich  orientierten IG  Chemie be-
       herrscht dagegen ein Ansatz die Diskussion, der zwar die ökonomi-
       schen Krisenerscheinungen nicht ausklammert, jedoch strukturellen
       Veränderungen  außerbetrieblicher  Entwicklungsbedingungen  einen
       höheren Stellenwert  für die Erklärung aktueller Bewußtseins- und
       Verhaltenstendenzen Jugendlicher  beimißt.  Grundlegend  ist  die
       These, daß  beschleunigter sozialer  Wandel eine Unterhöhlung der
       gesellschaftlichen Basisnormen und eine immer raschere Entwertung
       der Lebenserfahrungen  und Lebensformen  der älteren Generationen
       verursacht habe.  Traditionelle Verhaltensmaximen der Erwachsenen
       erwiesen sich zunehmend als für die Identitätsbildung der Jugend-
       lichen und  die Bewältigung  ihrer  spezifischen  Probleme  unge-
       eignet. Dies  vertiefte die  Kluft zwischen den Generationen, be-
       wirke Verunsicherung der Jugendlichen und sei der Hintergrund für
       "Jugendunruhen" und  "Jugendprotest". Eine subjektive Bedeutungs-
       reduktion     von     Arbeit     korrespondiere     mit     einem
       "Vermeidungsverhalten" der  Jugendlichen in  Betrieb und  Gewerk-
       schaft. Anpassung  und Passivität,  um Nachteilen und Mißerfolgen
       zu entgehen, seien hier als dominante Verhaltenstendenzen anzuse-
       hen.
       Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangen Mitarbeiter der DGB-Bun-
       desjugendschule Oberursel: Ein fundamentaler Wertwandel löse all-
       mählich den  auf quantitativem  Wachstum  und  technischem  Fort-
       schritt beruhenden Konsensus der Industriegesellschaften auf. Von
       dieser Erosion  würden auch die - ebenfalls an Wachstum und Tech-
       nikfortschritt ausgerichteten  - traditionellen Ziele der Gewerk-
       schaften tangiert. Hier liege die eigentliche Ursache für ein di-
       stanziertes Verhältnis vieler Jugendlicher zu den Gewerkschaften.
       Aus den konträren Positionen werden unterschiedliche Konsequenzen
       für die  gewerkschaftliche Jugendarbeit  im Betrieb  gezogen: Die
       IG-Metall-Jugend (und  andere, ihrer  Position zuneigende Gewerk-
       schaften) halten  an der  Betriebsorientierung fest,  ohne andere
       Wirkungsfelder und  Themen aus der gewerkschaftlichen Arbeit aus-
       schließen zu wollen. Die im Betrieb erstmals erfolgende unmittel-
       bare Konfrontation  Jugendlicher mit dem Gegensatz von Lohnarbeit
       und Kapital  wird als zentraler Ansatzpunkt für die Bewußtmachung
       der eigenen  Interessen und  für die Entwicklung von Bereitschaft
       zur kollektiven Interessenwahrnehmung angesehen. 7)
       Die Gegenposition  wird am  prononciertesten aus  dem Umfeld  der
       "Oberurseler" vertreten.  8) Es  müsse "endlich  Schluß sein", so
       die Autoren,  "bis in alle Ewigkeit den Betrieb als  d a s  Akti-
       onsfeld gewerkschaftlicher  Jugendarbeit" festzuschreiben. Statt-
       dessen sei  eine stärkere  Öffnung der  Jugendarbeit für außerbe-
       triebliche Aktionsfelder und Politikthemen notwendig.
       Kern der  Auseinandersetzung ist  nicht der vordergründige Streit
       über die  Rolle außerbetrieblicher Aktionsfelder und Themen. Eine
       Öffnung hierfür  ist auch in den der IG-Metall-Position zuneigen-
       den Gewerkschaften  längst Praxis.  Ebensowenig verzichten die IG
       Chemie und  die ihr nahestehenden Gewerkschaften auf betriebliche
       Jugendarbeit. Es  geht vielmehr um den Stellenwert von betriebli-
       chen Erfahrungen und von Bewußtmachung ökonomischer Klasseninter-
       essen für die kollektive Handlungsbereitschaft Jugendlicher.
       Während der  IG-Metall-Ansatz das  Bewußtsein gegensätzlicher In-
       teressen von  Unternehmern und Lohnabhängigen als zentrale Bedin-
       gung kollektiven  Engagements in  den Gewerkschaften ansieht, er-
       klärt die  zweite Position den Zusammenhang von betrieblichen Er-
       fahrungen, Ausbildung ökonomischen Klassenbewußtseins und Entste-
       hung gewerkschaftlicher  wie politischer  Handlungsfähigkeit  für
       strukturell gestört. Der IG-Metall-Ansatz zielt auf die Heranfüh-
       rung Jugendlicher  an klassenautonome  Positionen, birgt aber die
       Gefahr in  sich, neue,  durch den  Wandel außerbetrieblicher Ent-
       wicklungsbedingungen Jugendlicher erzeugte, Problemlagen und Fra-
       gestellungen ungenügend  zu  berücksichtigen.  Die  Gegenposition
       wirft solche  Fragen vorrangig  auf, fördert allerdings durch die
       Gesamtanlage ihres  politischen Ansatzes,  zu dem gezielte Denun-
       ziationen klassengewerkschaftlicher  Positionen gehören, die Ein-
       bindung in eine Politik der Sozialpartnerschaft.
       
       3. Strukturelle Veränderungen der vorberuflichen Sozialisations-
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       und Reproduktionsbedingungen Arbeiterjugendlicher
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       In diesem  Abschnitt sollen  einige Tendenzen  in der  Vergesell-
       schaftung des  Nachwuchses der  Arbeiterklasse  näher  beleuchtet
       werden, die gravierende Veränderungen der Sozialisations- und Re-
       produktionsbedingungen Arbeiterjugendlicher anzeigen.
       
       3.1 Verallgemeinerung von Jugend und Umstrukturierung
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       der proletarischen Jugendphase
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       Historische Voraussetzung für die Entstehung einer proletarischen
       Jugendphase, in der die Herstellung des individuellen Arbeitsver-
       mögens und  der Abschluß einer auf die Erlangung physisch-psychi-
       scher Selbständigkeit gerichteten Entwicklungsetappe erfolgt, ist
       die Einbeziehung in einen von Herkunftsfamilie und Produktion ge-
       trennten Bildungs- und Ausbildungssektor. 9)
       Seit den  60er Jahren  hat sich der Jahrgangsanteil der Jugendli-
       chen, die  weiterführende Schulen  besuchen, beständig erhöht und
       die durchschnittliche  Ausbildungsdauer verlängert.  10) Dies be-
       deutet, daß  ein stetig  wachsender Teil  der Jugendlichen  einen
       sich zeitlich  mehr und  mehr ausdehnenden Lebensabschnitt in den
       Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen zubringt. Das gilt sukzes-
       sive auch für den Nachwuchs der Arbeiterklasse.
       Infolge der  Verlängerung der  Schulzeit ist  die  E r w e r b s-
       q u o t e  (bezogen auf die Wohnbevölkerung) in den Altersgruppen
       zwischen 15 und 25 Jahren  k o n t i n u i e r l i c h  gesunken.
       Die Erwerbstätigen  bildeten 1980 erst in den Altersgruppen ab 20
       Jahren die  Mehrheit. Während sich die Erwerbsquote der Männer in
       den letzten  25 Jahren  erheblich verringerte,  stieg sie bei den
       Frauen stark  an. 11)  Anders verlief die Entwicklung bei den 15-
       bis   20jährigen:   Hier   reduzierte   sich   der   Anteil   der
       Erwerbspersonen bei  Jungen und  Mädchen deutlich.  1980  bezogen
       lediglich 28  v. H.  der 15- bis 19jährigen ihren Lebensunterhalt
       vorwiegend  aus  einer  Erwerbstätigkeit  (Arbeitslosengeld/hilfe
       eingeschlossen). 1970 lag der Anteil bei 44 v.H. 12)
       In der Altersgruppe unter 20 Jahren ist eine weitere Differenzie-
       rung wichtig. Für die Jüngeren (14 bis 16 Jahre) wird der Lebens-
       zusammenhang vorwiegend durch die Schule bestimmt; 1980 besuchten
       nahezu alle  14jährigen (99,4 v. H.) und knapp zwei Drittel (63,3
       v.H.) der  16jährigen Vollzeitschulen (1960: 75,1 und 25,2 v.H.).
       Erst bei  den 17jährigen  ist die  Schule nicht mehr das dominie-
       rende Element  des Lebenszusammenhangs. Aber auch in diesem Alter
       suchen noch  39,9 v.  H. Vollzeitschulen  auf. Schulkarrieren und
       Ausbildungsverläufe bis  zum zwanzigsten  Lebensjahr und  darüber
       hinaus sind inzwischen keine Seltenheit mehr. So befand sich 1980
       ein knappes Fünftel der 20jährigen an allgemeinbildenden oder Be-
       rufsschulen (1960: 9,7 v. H.). 13)
       Diese Entwicklung ist für den Lohnarbeiternachwuchs nicht nur mit
       einer Ausdehnung  und Verallgemeinerung  von "Jugend"  verbunden;
       auch die  innere Struktur  der proletarischen Jugendphase wandelt
       sich. Jahrzehntelang  war sie  gekennzeichnet durch das Zusammen-
       fallen von  physisch-psychischem Entwicklungsprozeß der Jugendli-
       chen und  Erfahrung der  Lohnarbeit. "Jugend"  hieß für den Nach-
       wuchs der  Arbeiterklasse in erster Linie Berufsausbildung im An-
       schluß an eine relativ kurze Schulzeit. Ein nicht geringer Anteil
       der Arbeiterjugendlichen  mündete direkt im Anschluß an die Been-
       digung der Schulzeit als Un- oder Angelernte in den Arbeitsprozeß
       ein, d.h., der physisch-psychische Entwicklungsprozeß ging unmit-
       telbar mit der Erfahrung produktiver Lohnarbeit einher.
       In den  letzten Jahrzehnten  hat sich  jedoch vor allem die Phase
       zwischen dem  14. und dem 17. Lebensjahr von einem vorwiegend ar-
       beitsbezogenen zu  einem wesentlich durch die Schule strukturier-
       ten Lebensabschnitt  gewandelt. Die  Ausdehnung der Schulzeit hat
       zur Folge,  daß die Einmündung in die Ausbildung und damit in den
       Betrieb innerhalb  der Jugendphase  hinausgeschoben wird. Dadurch
       verändert sich auch der Zusammenhang von physisch-intellektuellem
       Entwicklungsprozeß und  konkreter Arbeitserfahrung  (z.B. in Form
       einer Berufsausbildung). Zwar bleibt die Jugendphase objektiv auf
       den Lebenszyklus der Vollberuflichkeit ausgerichtet und dient der
       Herstellung der  Arbeitskraft als  grundlegender Bedingung  ihrer
       Verkaufbarkeit, doch  es entsteht  eine Schere  zwischen der phy-
       sisch-psychischen Entwicklung  und der Integration in Betrieb und
       Arbeitswelt: Soziale,  politische, kulturelle und moralische Ori-
       entierungen werden  von einem  immer größeren Teil des Lohnarbei-
       ternachwuchses noch  vor der  Eingliederung in  den unmittelbaren
       Arbeitsprozeß individuell  angeeignet und  als Teil selbständiger
       und handlungsfähiger  Persönlichkeit entwickelt und stabilisiert.
       Daraus ergibt  sich: Grundelemente des gesellschaftlichen und po-
       litischen Bewußtseins  haben sich  relativ gefestigt,   b e v o r
       die Arbeiterjugendlichen  über konkrete  betriebliche Erfahrungen
       verfügen.
       Insbesondere zwischen  dem 14.  und 17. Lebensjahr, zum Teil aber
       auch darüber  hinaus, wird der Entwicklungsprozeß von Schule, Fa-
       milie, Massenmedien  und in  wachsendem Maße  von Gleichaltrigen-
       gruppen beeinflußt. Entscheidungen über Berufsperspektive und Be-
       triebswahl erfolgen  später, der  Stellenwert von Erfahrungen mit
       betrieblichen Anforderungen  und Arbeitsnormen nimmt ab. Der vor-
       wiegend schulisch  bestimmte Lebenszusammenhang  eröffnet größere
       Möglichkeiten zum  Experimentieren mit  Vorstellungen vom eigenen
       Lebensstil. Die Wahrscheinlichkeit, mit politischen Arbeitszusam-
       menhängen, Initiativen und Organisationen in Berührung zu kommen,
       die vor  allem im  Reproduktionssektor wirken, steigt. Hier liegt
       eine der Ursachen für die hohe Ausstrahlungskraft "neuer sozialer
       Bewegungen" gerade in jüngeren Altersgruppen.
       Mit diesen  Wandlungsprozessen haben  sich auch die Bildungs- und
       Ausbildungsperspektiven der  Arbeiterjugendlichen verändert. Eine
       abgeschlossene  Berufsausbildung   wird   mehr   und   mehr   zur
       M i n i m a l v o r a u s s e t z u n g   für die  Integration in
       die Arbeitswelt.  Der Anteil der un- und angelernten Arbeiter und
       Angestellten ist  über einen längeren Zeitraum kontinuierlich ge-
       sunken. 14) Aber auch die Zugänge zur Berufsausbildung haben sich
       verändert. Für  viele Ausbildungswege  ist der  Realschulabschluß
       als schulische  Minimalqualifikation bereits obligatorisch. Hinzu
       kommt, daß  sich der Anteil der Abiturienten, die nach Beendigung
       der Schule  (zunächst) eine  betriebliche Berufsausbildung begin-
       nen, in den 70er Jahren erheblich vergrößert hat.
       So nahmen  von den  Abiturienten des Entlaßjahrgangs 1978 13 v.H.
       (ca. 29 000)  eine betriebliche  Berufsausbildung  auf.  Zwischen
       1970 und 1978 hat sich der Anteil der Abiturienten an der Gesamt-
       zahl der  Auszubildenden mehr  als vervierfacht. In Industrie und
       Handwerk lag  er 1980  bereits bei 6,4 v. H. Unter den Abiturien-
       ten, die  eine betriebliche Berufsausbildung absolvieren und spä-
       ter im  Beruf bleiben,  befinden  sich  jeweils  überproportional
       viele Arbeiterkinder.  15) Damit ist bereits auf eine andere Ten-
       denz verwiesen:  Zwar setzten  die mit der Bildungsexpansion ein-
       hergehenden Reformen  die soziale  Selektion nicht  außer Kraft -
       Kinder aus  Arbeiterhaushalten blieben  eine stark benachteiligte
       Gruppe -,  doch erhielt  zumindest der agilste Teil des Arbeiter-
       nachwuchses die  Möglichkeit,  sich  Zugang  zu  höherer  Bildung
       (Abitur, Studium) zu verschaffen.
       Ein wichtiges  Resultat dieser  Entwicklung war  die Annäherung -
       nicht Nivellierung!  - von Bildungsmilieus eines Teils des Arbei-
       terklassennachwuchses und verschiedener Gruppen von Mittelschich-
       tenjugendlichen. Einerseits  sind  Bildungs-  und  Berufsverläufe
       nicht mehr  für die  Gesamtheit der  Arbeiterjugend vorgezeichnet
       und nach  oben begrenzt, andererseits mündet der Erwerb einer ho-
       hen schulischen Qualifikation nicht mehr automatisch in eine aka-
       demische Laufbahn.  Mit der durchschnittlichen Höherqualifikation
       des gesellschaftlichen  Gesamtarbeiters werden der Arbeiterklasse
       neue Bildungselemente  zugeführt. Doch  existiert gerade  für die
       Gruppen der Arbeiterjugendlichen mit den entwickeltsten Bildungs-
       ansprüchen in  größerem Umfang  als noch  vor zwanzig  Jahren die
       Möglichkeit, der Perspektive des Arbeiterdaseins im Betrieb durch
       Weiterbildung zu  entgehen. Diese  Möglichkeit wird nicht zuletzt
       von der Gruppe der gewerkschaftlich und politisch aktiven Jugend-
       lichen genutzt,  bei denen sich oft ein durch ihr Engagement pro-
       voziertes Bildungsbedürfnis Geltung verschafft.
       
       3.2 Vergesellschaftungsprozesse im Freizeit- und Konsumbereich
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       Zwischen 1880 und 1970 hat sich der Durchschnittslohn eines Indu-
       striearbeiters real mehr als verdreifacht, der größte Zuwachs er-
       folgte in  den Jahren nach 1950. 16) Gewachsene Konsummöglichkei-
       ten, verbunden  mit einem  Mehr an  freier Zeit, ermöglichten den
       Familien der Industriearbeiter und anderer Arbeiterklassengruppen
       die Ausbildung eines stärker individualisierten Lebensstils. Kon-
       sumgüter, die zuvor den Mittel- und Oberschichten vorbehalten wa-
       ren, mehr Privatheit ermöglichende Wohnverhältnisse, größere Aus-
       landsreisen und  relativ aufwendige Hobbys sind für viele Angehö-
       rige der Arbeiterklasse zum unverzichtbaren Bestandteil ihrer in-
       dividuellen Lebensgestaltung geworden. 17)
       An der  Steigerung des  Lebensstandards hatte  auch der  N a c h-
       w u c h s  der Arbeiterklasse teil. Der durchschnittliche Brutto-
       lehrlingslohn stieg  zwischen 1960  und 1975  um 286,7  v.H.  18)
       Jugendliche, und  hier  besonders  der  Arbeiterklassennachwuchs,
       gehören jedoch  noch immer  zu den  materiell und  finanziell  am
       schlechtesten gestellten  Gruppen der  Gesellschaft.  Die  durch-
       schnittlichen Lehrlingslöhne  reichen im Regelfall nicht zur Exi-
       stenzsicherung aus.  19) Ähnliches gilt für die (inzwischen weit-
       gehend demontierte)  Ausbildungsförderung, die  ein Teil  der  in
       weiterführenden Bildungseinrichtungen  oder Berufsfachschulen be-
       findlichen Arbeiterjugendlichen beziehen konnte.
       Jungarbeiter und  -angestellte haben gegenüber ihren Altersgenos-
       sen in  den ersten  Berufsjahren zwar einen finanziellen Vorteil,
       doch auch  der durchschnittliche  Lohn dieser  Gruppe bewegt sich
       nahe der Existenzgrenze. 20) Ökonomische Abhängigkeit von Eltern,
       anderen Erwachsenen  oder staatlichen Institutionen bestimmt also
       nach wie vor die Jugendphase des Arbeiterklassennachwuchses.
       Dennoch dürfen  die Auswirkungen  der Steigerung  des Lebensstan-
       dards nicht  unterschätzt werden.  Nur vor diesem Hintergrund ist
       die Entstehung  eines spezifischen  Jugendmarkts zu erklären, der
       die Kreation  diverser subkultureller  Jugendstile und Modetrends
       begünstigt, teilweise auch steuert. 21) Es kann davon ausgegangen
       werden, daß  die diversen  Jugendkulturen einen Prozeß vorantrei-
       ben, der  unter dem  Stichwort "Auflösung proletarischer Milieus"
       seit kurzem wieder Eingang in die sozialwissenschaftliche Diskus-
       sion gefunden hat. 22)
       Die Integration  in jugendliche  Subkulturen  erfolgt  für  große
       Teile des  Lohnarbeiternachwuchses in  den Institutionen des Bil-
       dungswesens. Die  Schulen sind  jene Orte,  an  denen  sich  neue
       Stile, Stimmungen  und Orientierungen  auf Themen  und Bewegungen
       durchsetzen und verbreiten.
       Die Annäherung der Bildungsmilieus erleichtert den Austausch sub-
       kultureller Orientierungen - ein Prozeß, der allerdings vor allem
       die  Aneignung   zuvor  mittelschichttypischer  Stilelemente  und
       Werthaltungen durch Arbeiterjugendliche beinhaltet. Die Auflösung
       traditioneller proletarischer Milieus und die wachsende Bedeutung
       nicht unmittelbar  klassengebundener  Stile  haben  tiefgreifende
       Auswirkungen auf  die politische  Sozialisation der Jugendlichen.
       Der Gewerkschaftseintritt oder die Orientierung auf die Sozialde-
       mokratie -  wesentliche Elemente einer politischen Kultur, die in
       vielen Arbeiterfamilien  z.T. über  Generationen lebendig  war  -
       sind für  einen  relevanten  Teil  der  Jugendlichen  nicht  mehr
       selbstverständlich. Dies äußert sich z.B. darin, daß Proteststim-
       mungen von  nach links  tendierenden  Arbeiterjugendlichen  ihren
       Ausdruck inzwischen in einem erheblichen Maß in Wählerstimmen für
       Grün-Alternative Gruppierungen  finden. 23)  Erste politische Er-
       fahrungen des  aktiven Kerns der Arbeiterjugendlichen werden häu-
       fig außerhalb  der traditionellen Klassenorganisationen in sozia-
       len Bewegungen und Initiativen gesammelt, die von Angehörigen der
       Mittelschichten und der Intelligenz dominiert werden.
       Die "Einebnung"  klassenspezifischer Orientierungsmuster  in  der
       politischen Kultur  kann aber  auch reaktionäre Tendenzen fördern
       und begünstigen. Extremer Ausdruck sind die vor allem bei Jugend-
       lichen aus  den unteren  Gruppen der  Arbeiterklasse häufig anzu-
       treffenden ausländerfeindlichen, autoritär-nationalistischen oder
       gar faschistoiden Stimmungen. 24)
       
       3.3 Entgegenwirkende Faktoren, subjektive Auswirkungen
       ------------------------------------------------------
       
       Der Vergesellschaftungsprozeß  der Individuen  verläuft in seiner
       kapitalistischen Formbestimmtheit  notwendig widersprüchlich. Die
       skizzierten Veränderungen setzen sich real nicht in "reiner Form"
       durch, sondern werden von gegenläufigen Entwicklungen überlagert,
       modifiziert und partiell auch revidiert. Einige solcher Gegenten-
       denzen seien hier in knapper Form aufgelistet.
       - Die Funktion der Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen als Or-
       gane sozialer  Selektion wurde  zwar partiell  abgemildert,  aber
       keineswegs beseitigt.
       Die Chance des sozialen Aufstiegs durch Bildung ist für die Mehr-
       zahl der Arbeiterjugendlichen mehr fiktive Möglichkeit denn reale
       Lebensperspektive.
       - Die "Bildungsexpansion" hat zur Höherqualifizierung des gesell-
       schaftlichen Gesamtarbeiters geführt, ist aber nicht gleichzuset-
       zen  mit  optimaler  individueller  Qualifikation.  Unzureichende
       Lernbedingungen an den Schulen, die Einrichtung von teilweise aus
       den  Betrieben  ausgelagerten  Kurzausbildungsgängen,  massenhaft
       fehlgeleitete Berufsausbildung  usw. sind  Indizien für eine Ver-
       schärfung struktureller Widersprüche in diesem Bereich.
       - Die ökonomische  Krise hat  die Lebens-  und Berufsperspektiven
       Jugendlicher angesichts eines stabilen Sockels von inzwischen 2,5
       Mio. Arbeitslosen einschneidend verschlechtert. Überdurchschnitt-
       lich hohe Arbeitslosenzahlen, stagnierende oder nur unterhalb der
       Inflationsrate angehobene Lehrlingslöhne, geringeres Taschengeld,
       Liquidierung  des   Schüler-Bafög  und   bei  relevanten  Gruppen
       (besonders betroffen  jugendliche Arbeitslose  ohne Anspruch  auf
       Sozialleistungen) eine  "neue  Armut"  25)  sind  Charakteristika
       "krisenbedingter Soziallagen" innerhalb der Jugend.
       Kapitalistische Vergesellschaftungsprozesse  wie  die  "Bildungs-
       expansion"  bringen   nicht  per   se  einen   Zuwachs  an   Ent-
       wicklungsmöglichkeiten und  Entfaltungsspielräumen,  sondern  nur
       insoweit, wie sie auf den Druck demokratischer Bewegungen reagie-
       ren. Insofern  haben sich  die politischen  Rahmenbedingungen für
       die Nutzung  solcher Spielräume  seit Mitte  der 70er  Jahre ein-
       schneidend gewandelt.
       In Anbetracht  dieser Faktoren  können die  neuen Vergesellschaf-
       tungstendenzen nicht pauschal als "Ausweitung von Wahlmöglichkei-
       ten" Jugendlicher  oder Ausdruck  der "Pluralisierung von Lebens-
       welten" charakterisiert  werden. 26) Die ökonomische Krise bringt
       für die  Mehrzahl der  Jugendlichen gerade eine  B e s c h r ä n-
       k u n g   von  "Wahlmöglichkeiten"  und  eine    V e r m i n d e-
       r u n g   von Lebenschancen  mit sich.  Dennoch werden die struk-
       turellen Veränderungen  der Sozialisations-  und Reproduktionsbe-
       dingungen nicht  aufgehoben, sie  bleiben weiter bewußtseins- und
       handlungsrelevant.   Obwohl    hinsichtlich   ihrer   subjektiven
       Widerspiegelung wenig  abgesichertes  Material  vorliegt,  sollen
       einige bedeutsame Entwicklungen zumindest angerissen werden.
       1. Das Hinausschieben  des Eintritts  in die Erwerbstätigkeit be-
       dingt, daß betrieblichen Arbeitsanforderungen und -normen im Ent-
       wicklungsprozeß der  Jugendlichen ein  geringerer Stellenwert zu-
       kommt. Auf  produktive Arbeit treffen Jugendliche zunächst in de-
       ren vergegenständlichter  Form auf dem Warenmarkt. Der Lohnarbei-
       ternachwuchs ist Konsument, bevor er als Produzent agiert. Er be-
       gegnet der  Arbeit zunächst  in den Kategorien von Genuß und Ver-
       zehr ihrer  Produkte und  nicht als "Lieferant von Arbeit" (Marx)
       in  mühevoller  Verausgabung  des  eigenen  Arbeitsvermögens  zum
       Zwecke der individuellen Reproduktion. 27)
       Folge ist u.a. eine Relativierung der Bedeutung von Arbeit im Le-
       benszusammenhang. Als Mittel zur Sicherung von Existenz und indi-
       vidueller Selbständigkeit  kommt der  Lohnarbeit weiter  objektiv
       wie subjektiv ein zentraler Stellenwert zu; in diesem Sinne blei-
       ben alle  anderen  Lebensbereiche  auf  die  Lohnarbeit  bezogen.
       Zugleich erlangen  auf den Reproduktionssektor gerichtete Bedürf-
       nisse und  Ansprüche ein  höheres  Gewicht.  Die  "Zumutbarkeits-
       grenze" für die durch Ausbildung und Beruf entstehenden Belastun-
       gen wird  häufig durch Reproduktionsinteressen bestimmt; das Aus-
       balancieren von arbeits- und freizeitbezogenen Interessen erfolgt
       auf verändertem Niveau.
       2. Auch die direkt auf Arbeit und Beruf gerichteten Ansprüche ha-
       ben sich  gewandelt. Im  Kontext der  Erhöhung von  Bildungs- und
       Ausbildungsniveaus  hat  sich  ein  Trend  zur  Anspruchserhöhung
       vollzogen, der  sowohl die reproduktiven Interessen (sicherer Ar-
       beitsplatz, gutes Einkommen etc.) als auch das Bedürfnis, sich in
       der Arbeit  zu verwirklichen,  eine  s i n n v o l l e  Tätigkeit
       auszuüben, umfaßt. Das neue Bedürfnis- und Anspruchsniveau kolli-
       diert in  der Krise  mit der drastischen Verschlechterung von Le-
       benschancen, schließt aber ein flexibles, anpassungsbereites Ver-
       halten keineswegs  aus. Vor  dem Hintergrund dieser Wandlungspro-
       zesse  erklärt   sich,   weshalb   Jugendlichen   eine   in   der
       "Wiederaufbau-Generation" besonders  oft anzutreffende Arbeitsmo-
       ral, die unter Absehung von der konkreten Tätigkeit und ihren Re-
       sultaten einseitig  die Pflicht  zur Arbeit  betont,  häufig  als
       überzogen und unpraktikabel erscheint.
       3. Der  "klassische" Typus des Arbeiterjugendlichen, der in einem
       industriellen Großbetrieb  ausgebildet wird  und für den die Not-
       wendigkeit kollektiver Organisation und der Gewerkschaftseintritt
       selbstverständlich sind, weil auch der Vater, die Freunde und Be-
       kannten in  einem Industriebetrieb  arbeiten und der Gewerkschaft
       angehören, verliert  quantitativ an Bedeutung. Zunehmend häufiger
       finden wir  einen neuen  Typus des Auszubildenden, dessen Bewußt-
       sein stark  vom Nichtarbeitsbereich  geprägt ist und für den sich
       die Nützlichkeit gewerkschaftlicher Organisation erst in der Pra-
       xis erweisen  muß. Zwar  sieht er die Gewerkschaften im Regelfall
       als notwendige  Einrichtungen an;  er verbindet dies jedoch nicht
       unbedingt mit der Konsequenz des Eintritts oder gar des persönli-
       chen Engagements. Andererseits bieten sich ihm schon vor der Ein-
       mündung in den Beruf vermehrt Zugänge zur Entwicklung von politi-
       scher Bewußtheit  und kollektivem Engagement. Das kann die Mitar-
       beit in  einer Schülervertretung  ebenso sein wie die Beteiligung
       an einer  Friedens- oder  Bürgerinitiative oder die Organisierung
       in einem politischen Jugendverband.
       
       4. Krise, "Arbeitsmarktsegmentierung" und Klassenformierung
       -----------------------------------------------------------
       
       Je näher  die Jugendlichen  in ihrer  individuellen Biographie an
       den Eintritt  in die Arbeitswelt heranrücken, desto unmittelbarer
       werden sie  mit durch  die Krise  eingeschränkten Handlungsräumen
       konfrontiert und um so mehr sind sie gezwungen, sich mit dem Pro-
       blem einer  unsicheren Berufs- und Lebensperspektive auseinander-
       zusetzen. Gesteuert  über die  Chancenzuteilung auf  dem  Ausbil-
       dungs- und Arbeitsmarkt, erfolgt eine Segmentierung der Arbeiter-
       jugend. In groben Umrissen lassen sich folgende Gruppen benennen:
       1.  V o n     s o z i a l e r     M a r g i n a l i s i e r u n g
       b e d r o h t e   J u g e n d l i c h e:  Hier handelt es sich um
       Arbeiterjugendliche, bei denen die Gefahr besteht, daß ihnen eine
       Berufsausbildung oder  ein sicherer  Arbeitsplatz dauerhaft  ver-
       wehrt bleiben,  also Langzeitarbeitslose  und Jugendliche in ver-
       schiedenen "Aufbewahrungsmaßnahmen"  (BVJ,  BGJ,  berufsvorberei-
       tende Lehrgänge etc.).
       2. J u g e n d l i c h e     E r w e r b s t ä t i g e    o h n e
       f o r m a l e   b e r u f l i c h e    Q u a l i f i k a t i o n:
       Diese Gruppe  besteht aus  Teilzeitarbeitskräften,  Jungarbeitern
       und -angestellten  etc. Die  Grenzen zu  den von Marginalisierung
       Bedrohten sind  fließend. Nach einer Verlaufsuntersuchung des IAB
       hatten  8   v.H.  der   Schulabgänger  des  Entlaßjahrgangs  1977
       (Sonder-, Haupt- und Realschüler) bis 1980 keine Berufsausbildung
       begonnen. 73  v.H. dieser  Jugendlichen waren  erwerbstätig.  28)
       Charakteristisch für  die Situation der un- und angelernt tätigen
       Jugendlichen sind  niedrige Löhne,  unattraktive Arbeitstätigkei-
       ten, belastende  Arbeitsbedingungen  und  zudem  eine  überdurch-
       schnittlich hohe Gefährdung durch Arbeitsplatzverlust.
       3.  J u g e n d l i c h e                                     i n
       A u s b i l d u n g s v e r h ä l t n i s s e n:   Zwischen  1960
       und 1980 ist die Zahl der Auszubildenden von 1,265 Mio. auf 1,678
       Mio. gestiegen.  29) Auch innerhalb dieser größten Teilgruppe des
       Lohnarbeiternachwuchses gibt  es infolge  der Disproportionen  im
       Ausbildungssektor erhebliche Differenzen. 1981 wurden 38 v.H. der
       Lehrlinge in  Betrieben mit weniger als 9 Beschäftigten ausgebil-
       det, nur 14 v.H. in Betrieben mit über 500 Beschäftigten. 30) Auf
       diese Weise  setzt sich  bereits im Ausbildungssektor tendenziell
       eine  Polarisierung  der  Qualifikationsstruktur  durch.  In  den
       Klein- und  Mittelbetrieben sind  die Ausbildungsbedingungen  we-
       sentlich schlechter  als in  den Großbetrieben. Vermittelt werden
       vor allem  handwerkliche Qualifikationen,  die  während  der  an-
       schließenden Berufstätigkeit nur schwer zu verwerten sind. In den
       Großbetrieben werden  die Jugendlichen zwar mit fortgeschrittenen
       Produktionsverfahren vertraut  gemacht, die Aneignung einer brei-
       ten Palette  von Qualifikationen, die die volle Anwendung des Ar-
       beitsvermögens in verschiedenen Sektoren des Arbeitsprozesses er-
       möglichen und  das Risiko  der Arbeitslosigkeit vermindern würde,
       findet aber  auch hier  in der Regel nicht statt. Mit der Vertei-
       lung der  Auszubildenden auf bestimmte Betriebe ist zugleich eine
       Zuteilung künftiger  Beschäftigungschancen verbunden.  Die  Wahr-
       scheinlichkeit einer  Übernahme auf  einen der Qualifikation ent-
       sprechenden Arbeitsplatz  ist in Mittel- und Großbetrieben größer
       als in handwerklichen Kleinbetrieben. 31)
       Die hier  skizzierten Tendenzen  bewirken eine gewisse Polarisie-
       rung des  Lohnarbeiternachwuchses. 32) Auf der einen Seite stehen
       Arbeiterjugendliche, die  anhaltend arbeitslos  sind oder sich in
       labilen, wenig  Perspektive bietenden Ausbildungs- und Beschäfti-
       gungsverhältnissen befinden.  Ihnen muß es vor allem darum gehen,
       die eigene  Reproduktion zu sichern. Die hierfür individuell ent-
       wickelten Strategien  schließen höchst  unterschiedliche  Verhal-
       tensweisen ein  (Jobben, Bundeswehr,  Heirat und  Ausscheiden aus
       dem Erwerbssektor,  Alternativprojekte, Weiterbildung  etc.).  In
       dieser Gruppe  finden sich überdurchschnittlich viele Jugendliche
       mit formal  niedriger  schulischer  Qualifikation  und  ohne  Be-
       rufsausbildung, aber  mehr und  mehr auch Absolventen von Ausbil-
       dungsgängen, in  denen "auf  Vorrat" ausgebildet wird. Frauen und
       ausländische Jugendliche sind überrepräsentiert.
       Auf der  anderen Seite  hat ein relevanter Teil des Lohnarbeiter-
       nachwuchses noch  immer halbwegs  günstige Aussichten auf einen -
       möglicherweise attraktiven  - Arbeitsplatz  und  ein  gesichertes
       Einkommen. Das gilt vor allem für Jugendliche, die in Großbetrie-
       ben einer industriellen Wachstumsbranche für einen qualifizierten
       Beruf ausgebildet  werden (überdurchschnittlich  viele  männliche
       Jugendliche mit relativ hoher schulischer Qualifikation). Bei ih-
       nen kann sich das Interesse an einer Verwirklichung in der Arbeit
       auf Basis eines vergleichsweise hohen Niveaus materieller Abgesi-
       chertheit stärker entfalten.
       Die Tendenz  zur Polarisierung  darf nicht verabsolutiert werden.
       Die Arbeiterjugend  ist  i n s g e s a m t  in spezifischer Weise
       von den  Krisenauswirkungen betroffen.  Beide Hauptgruppen  gehen
       fließend ineinander über, die Zugehörigkeit ist nicht ein für al-
       lemal fixiert:  Von den 460000 Personen, die 1975 eine betriebli-
       che Berufsausbildung  mit Erfolg  abgeschlossen hatten,  waren 18
       Monate später  nur noch  etwa 40  v.H. im  Ausbildungsbetrieb be-
       schäftigt, davon  6 v.H. als Hilfs- oder angelernte Arbeiter. Bei
       den nicht mehr im Ausbildungsbetrieb tätigen Personen lag der An-
       teil der Un- und Angelernten bei 24 v.H. 33)
       Von der Tendenz, in "unterwertige" Beschäftigungsverhältnisse ab-
       gedrängt zu  werden (die  sich in den 80er Jahren noch verschärft
       hat), sind  auch die Auszubildenden aus industriellen Großbetrie-
       ben nicht mehr ausgenommen.
       Arbeitslosigkeit - bereits 1975 war jeder fünfte Jugendliche ein-
       mal ohne  Arbeit -,  erzwungene Aufgabe  von Berufs-  und Ausbil-
       dungswünschen, Konkurrenzverhalten  in Schule und Betrieb gehören
       zur Alltagserfahrung  vieler Arbeiterjugendlicher  und machen die
       Krisenphänomene zu einer wesentlichen Determinante von Bewußtsein
       und Verhalten  des gesamten  Lohnarbeiternachwuchses. Die Auswir-
       kungen auf  die Klassenformierung  der Arbeiterjugendlichen  sind
       widersprüchlich:  Einerseits   fördert  die  "Arbeitsmarktsegmen-
       tierung" Konkurrenz  und erschwert eine gewerkschaftliche Organi-
       sierung; andererseits  kann die  kollektive Erfahrung  der Verun-
       sicherung  von  Lebensperspektiven  auch  zur  Quelle  von  Unzu-
       friedenheit und Protest werden.
       
       5. Betriebliche Erfahrungen
       ---------------------------
       
       Im Kern geht es um die Frage, ob von den "klassischen" Themen ge-
       werkschaftlicher Betriebspolitik  noch genügend Impulse ausgehen,
       die relevante Teile der Arbeiterjugendlichen zu kollektivem Enga-
       gement motivieren können.
       
       5.1 Subjektive Arbeitsorientierungen
       ------------------------------------
       
       Gegen Thesen, die unter Verweis auf die Bedeutungszunahme immate-
       rieller Werte (Selbstverwirklichung in der Arbeit, Mitbestimmung)
       und die  Erfahrung von  deren Unrealisierbarkeit im Betrieb einen
       "inneren Rückzug"  Jugendlicher aus  der Arbeit  prognostizieren,
       ist schon  auf der  theoretischen Ebene  einiges einzuwenden: Der
       Trend zur  Anspruchserhöhung erfolgte auf der Basis relativen ma-
       teriellen Wohlstands  und sozialer Abgesichertheit, schließt also
       die "materielle"  Seite von  Arbeit ein.  Weiter wird übergangen,
       daß unter  Krisenbedingungen dem  Anspruch auf materielle und so-
       ziale Sicherheit, also dem grundlegenden Reproduktionsinteresse -
       auch subjektiv  -eine erhöhte  Bedeutung zukommt.  Dies  spiegelt
       sich in  Umfrageergebnissen wider,  denen zufolge  das  Bedürfnis
       nach sozialer  Sicherheit bei  den Fünfzehn-  bis Dreißigjährigen
       stark ausgeprägt ist. 34)
       Eine konzeptionell  schlüssige Darstellung der beruflichen Sozia-
       lisation von  gewerblichen Auszubildenden in Großbetrieben findet
       sich in  der Studie  von Kruse  u.a. 35)  Die Autoren gehen davon
       aus, daß  die Jugendlichen ihre Erfahrungen in der Ausbildung aus
       einer doppelten  Perspektive interpretieren:  vom Standpunkt  des
       Auszubildenden und vom Standpunkt des Facharbeiters. Letztere be-
       ginnt das  Bewußtsein der  Jugendlichen um so stärker zu dominie-
       ren, je länger die Ausbildung dauert. Vor allem die konkreten Er-
       fahrungen zukünftiger  Tätigkeit üben  eine ernüchternde  Wirkung
       auf die Jugendlichen aus. Kritik an Defiziten der Ausbildung, be-
       lastenden Arbeitsbedingungen,  monotonen  Routinetätigkeiten  und
       geringem Spielraum  für eigenverantwortliches Arbeiten etc. nimmt
       zu. Je  näher das  Ende der  Ausbildung rückt, desto stärker wird
       das Arbeitsbewußtsein  der Lehrlinge  von einer  kritischen Sicht
       der zukünftigen Arbeitsbedingungen bestimmt.
       Die Ergebnisse  der Studie  sind in  mehrfacher Hinsicht interes-
       sant:   E r s t e n s   wird deutlich,  daß sich  die  angehenden
       Facharbeiter intensiv  mit ihrer beruflichen Perspektive beschäf-
       tigen. Ihre  Haltung zu Ausbildung und Arbeit wird durch ein kom-
       plexes Geflecht verschiedener Teilinteressen bestimmt, das sowohl
       reproduktive  als  auch  arbeitsinhaltliche  Aspekte  umfaßt.  Im
       V e r l a u f  d e r  A u s b i l d u n g  konkretisieren und fe-
       stigen sich die arbeits- und berufsbezogenen Ansprüche und Inter-
       essen. Zugleich  gewinnen die  Auszubildenden eine  kritische Di-
       stanz zu  ihren Ausbildungsbedingungen  und der  zukünftigen  Be-
       rufstätigkeit.
       Z w e i t e n s  wird in exemplarischer Form gezeigt, daß die Ju-
       gendlichen trotz  ihrer z.T.  weitgehenden Enttäuschung  über die
       betriebliche Realität nicht resignieren, sondern "nach wie vor am
       Ideal eines  besseren Berufs  festhalten, auch wenn dieser unmit-
       telbar für sie nicht erreichbar ist". 36)
       Viele Auszubildende  suchen nach  i n d i v i d u e l l e n  W e-
       g e n,   die Facharbeiterperspektive  zu  umgehen.  40  v.H.  der
       befragten Jugendlichen  planen, den  Betrieb  nach  Abschluß  der
       Lehre zu  verlassen - die Mehrzahl, um eine schulische Weiterbil-
       dung zu beginnen. Andere erwägen einen Betriebs- oder Berufswech-
       sel. Aber auch für jene Jugendliche, die sich für den Verbleib im
       Betrieb entscheiden, ist die Facharbeit zumindest in der Vorstel-
       lung keine  dauerhafte Perspektive.  Die Diskrepanz  zwischen be-
       trieblicher Realität und der eigenen Vorstellung von einer "guten
       Arbeit" wird  aber "auf  Zeit" in Kauf genommen - oft, um Umstel-
       lungen und Vorhaben im Nichtarbeitsbereich mittels des Facharbei-
       terlohns realisieren  zu können: z. B. die endlich möglich gewor-
       dene Verselbständigung vom Elternhaus, das Zusammenziehen mit der
       Freundin bzw. dem Freund in einer eigenen Wohnung etc. 37)
       
       5.2 Gewerkschaftliches Bewußtsein
       ---------------------------------
       
       Kruse u.a.  gelangen zu  dem Resultat, daß die Kluft zwischen ar-
       beitsbezogenen (hier  besonders  arbeitsinhaltlichen)  Interessen
       und  begrenzten   Realisierungsmöglichkeiten   im   Betrieb   als
       "kollektive Situation  erfahren und bewußt wird", untersuchen je-
       doch nicht  systematisch, inwieweit  sich daraus Ansätze für kol-
       lektives Engagement der Lehrlinge ergeben.
       Ausführlicher geht  eine Studie von Mayer u.a. auf das Verhältnis
       von betrieblichen Erfahrungen und kollektiver Interessenorientie-
       rung ein.  38) Befragt  wurden Auszubildende  in gewerblichen und
       kaufmännischen Berufen  aus einem  breiten Spektrum von Betrieben
       verschiedener Größenordnung.  Die Untersuchung  belegt, daß  sich
       bei den  Jugendlichen im Prozeß der beruflichen Sozialisation ein
       im weitesten Sinne gewerkschaftliches Bewußtsein herausbildet und
       ein beachtliches  Kritik- und  Widerstandspotential entsteht: Die
       Bewältigung konkreter  Probleme und  Konflikte in  der Ausbildung
       (autoritäres Verhalten  des Ausbilders,  nichtqualifizierende Tä-
       tigkeiten) werde  seitens der  Lehrlinge mit wachsender Dauer der
       Ausbildung zunehmend  selbstbewußt bestritten.  Dabei dominierten
       Handlungsstrategien, die  auf  eine  individuelle  Konfliktlösung
       setzten. Bei  "harten Konflikten"  zwischen Betrieb und Auszubil-
       denden überwiege  dagegen eine kollektive Interessenorientierung.
       Diese drücke  sich u.  a. aus  in: steigendem Interesse für Lehr-
       lingsversammlungen/Jugendvertretungen, einer  mehrheitlichen  Be-
       fürwortung des  Streikrechts für  Lehrlinge, der  Bekundung, sich
       z.B. gegen die Kürzung übertariflicher Leistungen zur Wehr setzen
       zu wollen sowie einer hohen Bereitschaft, sich an Streiks für die
       Durchsetzung von  Lohn- und Mitbestimmungsforderungen zu beteili-
       gen.
       Die Gewerkschaften werden laut Mayer u.a. im dritten Lehrjahr von
       92 v.H.  der Auszubildenden  für notwendig  gehalten. Dies  werde
       primär mit  der Funktion der Gewerkschaften begründet, als Gegen-
       macht zu den Unternehmern zu fungieren und die Lohn- und Arbeits-
       platzinteressen der  abhängig Beschäftigten zu vertreten. Festzu-
       stellen sei  jedoch bei einem Teil der Auszubildenden ein Ausein-
       anderfallen von  Einsicht in die Notwendigkeit der Gewerkschaften
       und tatsächlichem  Organisationsverhalten. Den höchsten Organisa-
       tionsgrad wiesen gewerbliche Auszubildende im Großbetrieb auf (87
       v. H.  im dritten  Lehrjahr), den  niedrigsten die  Lehrlinge  in
       kleinen Handwerksbetrieben  (13 v.  H.). Von  den  kaufmännischen
       Auszubildenden sei  im dritten Lehrjahr ein knappes Drittel orga-
       nisiert gewesen.
       Während der  geringe Organisationsgrad  im Handwerk vor allem auf
       die fehlende Präsenz der Gewerkschaften, das mit einer Organisie-
       rung verbundene  Risiko und  die Spezifika der innerbetrieblichen
       Herrschaftsstrukturen zurückgeführt  werden könne,  sei  bei  den
       kaufmännischen Lehrlingen  eine deutlich  ausgeprägtere individu-
       elle Interessenorientierung  festzustellen. Die allgemeine Befür-
       wortung von  Gewerkschaften schließe bei einem Teil der Befragten
       Vorbehalte z.B. hinsichtlich einer zu großen "Machtfülle" der Or-
       ganisation nicht aus. 39)
       Die These  von einer  sich auf  konkrete betriebliche Erfahrungen
       stützenden Herausbildung  eines gewerkschaftlichen Bewußtseins im
       weitesten Sinne,  das in  ein widersprüchliches  Gesellschaftsbe-
       wußtsein eingebettet und mit höchst unterschiedlichen Handlungso-
       rientierungen verknüpft  ist, wird  auch  durch  die  Studie  von
       H o l t m a n n  und die IMSF-Untersuchung gestützt. 40)
       
       6. Gewerkschaftlicher Organisationsgrad,
       ----------------------------------------
       aktiver Kern und Aktionstätigkeit
       ---------------------------------
       
       Die Mitgliederentwicklung  der  DGB-Jugend  spiegelt  wider,  daß
       trotz ökonomischer  Krise bis  um Beginn der 80er Jahre hinsicht-
       lich der  Organisationsbereitschaft  des  Lohnarbeiternachwuchses
       kein qualitativer  Einbruch erfolgt ist. Die offizielle Statistik
       weist zwischen 1970 und 1979 einen absoluten Mitgliederzuwachs um
       400 000 aus (Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren).
       Ein "Einbruch"  zwischen 1979  und 1980 erklärt sich im wesentli-
       chen aus "Verlusten" der IG Metall und Einbußen einiger kleinerer
       Gewerkschaften. 41)  Die Ursachen  für Mitgliederverluste sind im
       einzelnen nur  schwer rekonstruierbar. Allerdings ergibt sich ein
       enger Zusammenhang  zu rückläufigen  Beschäftigtenzahlen und Aus-
       bildungsquoten im jeweiligen Organisationsbereich. Ähnliches gilt
       mit umgekehrten Vorzeichen für Mitgliederzuwächse.
       Jugendvertreter und junge Vertrauensleute bilden den aktiven Kern
       des Lohnarbeiternachwuchses  im Betrieb.  Sie sind  zugleich  die
       Träger der betrieblichen Jugendarbeit der Gewerkschaften. Zu über
       80 v.H. gehören sie einer DGB-Gewerkschaft an. Die Anzahl der ge-
       wählten Jugendvertreter  ist seit  1972 in allen Organisationsbe-
       reichen mehr  oder weniger stark gesunken. Ähnliches gilt für die
       Zahl der jugendlichen Vertrauensleute.
       Im Bereich  der IG  Metall reduzierte sich die Zahl der gewählten
       Jugendvertreter zwischen  1972 und  1982 von  über 9600 auf knapp
       5700; der  Anteil der  Betriebe, in denen gewählt wurde, ging von
       nahezu 4000 auf ca. 2700 zurück. 42) Der Rückgang hat seine Ursa-
       chen vor  allem in  der später erfolgenden Einmündung in die Aus-
       bildung, durch die sich das Durchschnittsalter der Auszubildenden
       beträchtlich erhöht  hat. Infolge  der Begrenzung  des Wahlalters
       auf 18  Jahre sinkt  deshalb der  Anteil der Wahlberechtigten. Im
       Metallgewerbe konnten  1982 mehr  als die  Hälfte  der  Lehrlinge
       nicht mehr an der Wahl teilnehmen.
       Die Folge  ist eine  erhebliche Schwächung der gewerkschaftlichen
       Interessenvertretung Jugendlicher  in den Betrieben. Da das orga-
       nisatorische Rückgrat  der Gewerkschaftsjugend  in Form  von  be-
       trieblichen und  außerbetrieblichen Jugendgruppen  relativ gering
       entwickelt ist (Ausnahmen sind z.B. die Postjugend sowie die GdED
       und die IG Bergbau und Energie mit ihrem hohen Organisationsgrad)
       kann die so entstehende Lücke kaum geschlossen werden.
       Eine organisierte  gewerkschaftliche Betriebsjugendarbeit ist ge-
       genwärtig de facto nur in den Großbetrieben möglich:
       - Dort existieren  arbeitende Jugendvertretungen, teilweise sogar
       Jugendvertrauensleutekörper. Daneben  gibt es oft Betriebsgruppen
       der Gewerkschaften  und linksorientierter  politischer Jugendver-
       bände.
       - Die Form der Ausbildung in den Großbetrieben, das Vorhandensein
       von aus der Produktion ausgelagerten Ausbildungsphasen und die an
       einem Ort konzentrierte große Zahl von Auszubildenden erleichtern
       die Artikulation kollektiver Ausbildungsinteressen.
       - In den  Großbetrieben ist  der Kern  der Arbeiterklasse konzen-
       triert. Hier  sind die  Gewerkschaften traditionell  stark veran-
       kert. Daher  fällt auch den Auszubildenden eine gewerkschaftliche
       Organisierung leichter, es bieten sich günstigere Voraussetzungen
       für kollektives Engagement.
       - Die  Wahrscheinlichkeit,  in  gewerkschaftliche  Kampfmaßnahmen
       einbezogen zu  werden, ist größer als in Klein- und Mittelbetrie-
       ben.
       Den Großbetrieben kommt somit bei der Klassenformierung des Lohn-
       arbeiternachwuchses eine Schlüsselfunktion zu.
       Ein wichtiges  Ergebnis der  IMSF-Studie "Jugendliche  im Großbe-
       trieb" war, daß die "Entwicklung der Handlungsbereitschaft in be-
       trieblichen Konflikten"  zugleich ein Mittel ist, um "die gewerk-
       schaftliche Orientierung"  gerade in  solchen Gruppen zu fördern,
       die wie  der Lohnarbeiternachwuchs  relativ  schwach  organisiert
       sind. 43) Eine solche Aktionstätigkeit entzündet sich gegenwärtig
       vor allem  an  durch  die  ökonomische  Krise  diktierten  Themen
       (Übernahme von  Auszubildenden etc.),  aber auch konkrete Ausbil-
       dungsprobleme (Qualität  der Ausbildung, Arbeitsbedingungen) kön-
       nen Ausgangspunkt  für kollektives Engagement sein. Von Bedeutung
       sind zudem  Themen der  außerparlamentarischen  Protestbewegungen
       (Frieden), die  u.a. vom aktiven Kern der Arbeiterjugendlichen in
       die Betriebe getragen werden.
       Punktuell wird sichtbar, daß das Aufgreifen konkreter Probleme in
       Verbindung mit  einem Handlungsangebot in die Mobilisierung rele-
       vanter Teile  der Arbeiterjugendlichen münden kann. Aktuelle Bei-
       spiele hierfür  sind die  Übernahmeaktionen der  Postgewerkschaft
       44) und  die im  Rahmen der  35-Stunden-Wochen-Auseinandersetzung
       erfolgende Einbeziehung von Auszubildenden in Warnstreiks.
       
       7. Einige Ergebnisse und neue Fragen
       ------------------------------------
       
       Bezogen auf  die eingangs aufgeworfene Fragestellung kann festge-
       halten werden,  daß der skizzierte strukturelle Wandel von außer-
       betrieblichen Entwicklungsbedingungen  Arbeiterjugendlicher  sich
       auch auf  den Formierungsprozeß  des Lohnarbeiternachwuchses aus-
       wirkt. Das Erreichen physisch-psychischer Selbständigkeit erfolgt
       zunehmend in  einem Lebenszusammenhang,  in den  die konkrete be-
       triebliche Erfahrung  mit Lohnarbeit  nicht einfließt. Der verän-
       derte Stellenwert  von Lohnarbeit  für die  Identitätsbildung der
       Jugendlichen schmälert  aber nicht  automatisch die Bedeutung der
       "Sozialisationsinstanz" Betrieb.  Vielmehr sprechen - trotz unzu-
       reichender Forschungslage  -alle Indizien dafür, daß betriebliche
       Erfahrung nach  wie vor  die Basis  für die  Herausbildung  eines
       "gewerkschaftlichen Bewußtseins" ist und daß innerhalb der Arbei-
       terjugend ein  auf den  Produktionssektor bezogenes  beachtliches
       Kritik- und  Widerstandspotential zumindest latent vorhanden ist,
       welches dann, wenn gewerkschaftliche oder anderweitige Handlungs-
       angebote bestehen, auch punktuell in Aktionen sichtbar wird. Aber
       auch von außerbetrieblichen Bewegungen und Initiativen können Im-
       pulse ausgehen,  die in kollektives betriebliches Engagement mün-
       den. Bestes  Beispiel ist diesbezüglich die Entstehung betriebli-
       cher Friedensinitiativen, die der Friedensbewegung ein qualitativ
       neues soziales Potential erschloß.
       Stagnierende oder  gar abnehmende Bereitschaft zu gewerkschaftli-
       chem Engagement,  wie sie zumindest als temporäre Erscheinung bei
       Teilen des Lohnarbeiternachwuchses durchaus festzustellen, aller-
       dings nicht  als  dominante  Verhaltenstendenz  verallgemeinerbar
       ist, kann  mithin durch  simplifizierende Fluchtthesen nicht aus-
       reichend erklärt werden.
       Ein im  Kontext von konkreten Erfahrungen im Ausbildungs- und Ar-
       beitsprozeß entstehendes  Kritik- und  Widerstandspotential  kann
       nicht ohne weiteres in andere gesellschaftliche Sektoren transfe-
       riert oder  durch Engagement  im Reproduktionssektor  kompensiert
       werden. Lohnender  ist die  Frage, in welcher Weise Bedeutungszu-
       wachs "sozialer  Bedürfnisse und  Wertorientierungen" 45) Anknüp-
       fungspunkt für gewerkschaftliche (und sozialistische) Betriebsar-
       beit sein  kann. Genauer zu untersuchen wäre ferner, welche Moti-
       vationen und  Interessen den  aktiven Kern  des Lohnarbeiternach-
       wuchses zum  Handeln stimulieren,  aus welchen Gruppen der Arbei-
       terjugend er  sich rekrutiert und was für ein politisch-ideologi-
       sches Profil er aufweist.
       Außerdem wäre  zu rekonstruieren, wie gewerkschaftliche Jugendar-
       beit im  Betrieb von  den eher  passiven Teilen des Lohnarbeiter-
       nachwuchses wahrgenommen  wird und welche Lernprozesse im Kontext
       kollektiven Handelns erfolgen können. Im Zusammenhang damit fragt
       sich auch,  ob die organisatorischen und politischen Rahmenbedin-
       gungen gewerkschaftlicher Betriebsjugendarbeit ausreichen, um la-
       tent vorhandene  Handlungspotentiale zu  aktivieren.  Mit  diesen
       hier nicht  zu beantwortenden  Fragen ist  ein Feld  für künftige
       marxistische Jugendforschung abgesteckt.
       
       _____
       *) Der Aufsatz ist nach Gesprächen mit Christoph Speier und Harry
       von Bargen entstanden.
       1) Dazu gehören  z.B.: H.  Deppe-Wolfinger, Arbeiterjugend  - Be-
       wußtsein und  politische Bildung,  Frankfurt 1972; Autorenkollek-
       tiv, Berufliche  Sozialisation und  gesellschaftliches Bewußtsein
       jugendlicher Erwerbstätiger, Frankfurt 1973; W. Kruse, Die Quali-
       fikation der Arbeiterjugend, Frankfurt 1976; IMSF (Hrsg.), Arbei-
       terjugend -  Bewußtsein und Aktion, Dortmund 1976; P. Katzer, Zur
       Gewerkschaftsjugendbewegung -  Probleme  und  Entwicklungen  seit
       Ende der  sechziger Jahre. Soziale Bewegungen - Analyse und Doku-
       mentation des IMSF, Nr. 2, Frankfurt 1977; E. Stark-von der Haar,
       Arbeiterjugend -  heute. Jugend  ohne Zukunft?  Darmstadt/Neuwied
       1977; IMSF (Hrsg.), Jugendliche im Großbetrieb, Frankfurt 1978.
       2) Der Begriff  "Arbeiterjugend" wird  hier, sofern  nicht anders
       vermerkt, im Sinne von "Nachwuchs der Arbeiterklasse" verwendet.
       3) Jugendwerk der Deutschen Shell (Hrsg.), Jugend '81. Lebensent-
       würfe, Alltagskulturen,  Zukunftsbilder, Band l, Hamburg 1981, S.
       488.
       4) Ebd., S. 501.
       5) Vgl. ebd., S. 494, S. 497.
       6) Vgl. M.  Baethge, H.  Schomburg, U.  Voskamp, U.,  Jugend  und
       Krise - Krise aktueller Jugendforschung, Frankfurt/New York 1983,
       S. 11 ff.
       7) "Mit dem  Beginn der  Ausbildung oder einer anderen Beschäfti-
       gung im  Betrieb beginnt  für junge  Arbeitnehmer eine Lern- bzw.
       Erfahrungsphase, in der sie einerseits mit neuen Fertigkeiten und
       Kenntnissen vertraut  gemacht werden,  andererseits aber  von den
       Unternehmern in  ein Schema  des  funktionierenden  Arbeitnehmers
       eingepaßt werden  sollen... Diese gegensätzlichen Interessen sind
       Ursache vielfältiger Konflikte im Betrieb, denen der einzelne Ju-
       gendliche zunächst  hilflos ausgesetzt ist. Gewerkschaftliche Ju-
       gendarbeit hat im Betrieb die Funktion, Bewußtsein für die gegen-
       sätzlichen Interessen  zu schaffen.  Auszubildende und Jungarbei-
       ter(innen) müssen  erfahren, daß  sie ihre  objektiven Interessen
       nur gemeinsam  durchsetzen können."  Aus: 13. Jugendkonferenz der
       IG Metall,  Bericht über  die Jugendarbeit 1980 - 1982, Böblingen
       1983, S. 15.
       8) Vgl. Haus  der Gewerkschaftsjugend, Die Wüste blüht. Neue For-
       men gewerkschaftlicher Jugendarbeit, Frankfurt/M. 1982, S. 355.
       9) Vgl. S. Ransch, Jugend und Jugendsoziologie, Dissertation Ber-
       lin/DDR 1965.
       10) Vgl. K.  Dörre, P.  Schäfer, "In  den Straßen steigt das Fie-
       ber...". Jugend in der Bundesrepublik, Köln 1982, S. 34 ff.
       11) Baethge u.a., a.a.O., S. 217.
       12) Ebd., S. 219.
       13) Ebd., S.  220 f. Siehe auch: W. Fuchs, Jugendliche Statuspas-
       sage oder  individualisierte Jugendbiographie?, in: Soziale Welt,
       Jg. 34, 1983, Heft 3, S. 343 ff.
       14) Zwischen 1974 und 1978 sank die Zahl der Jungarbeiter von ca.
       192000 auf  ca. 128000  ab. M.  Frackmann, H.  Kuhls, K. D. Lühn,
       Null Bock  oder Mut  zur Zukunft?  Jugendliche in der Bundesrepu-
       blik, Hamburg 1981.
       15) H. Stegmann  u. H.  Kraft, Abiturient  und  betriebliche  Be-
       rufsausbildung, in: MittAB 1/83, S. 28 ff.
       16) J. Mooser,  Auflösung der proletarischen Milieus, in: Soziale
       Welt, H. 3/1983, S. 286.
       17) Ebd., S. 287 ff.
       18) Stark-von der Haar, a.a.O., S. 37.
       19) ibv-Publikationen, Nr. 21 v. 20. Mai 1981, S. 648f. Frackmann
       u. a.,  a.a.O., S. 90. 1979 lag der durchschnittliche Bruttolehr-
       lingslohn im  ersten Lehrjahr  bei 405,4  DM; im dritten Lehrjahr
       bei 552,4 DM.
       20) Stark-von der Haar, a.a.O., S. 33.
       21) Vgl. H. Kreutz, Soziologie der Jugend, München 1974, S. 60 f.
       22) Vgl. Mooser, a.a.O., S. 270 ff. Zum theoretischen Hintergrund
       vgl. auch  U. Beck,  Jenseits von  Klasse und Stand?, in: Soziale
       Welt, Sonderband  2, 1983. Siehe dazu auch den Beitrag von Kaspar
       Maase im vorliegenden Band.
       23) Vgl. Shell '81, a.a.O, S. 675.
       24) Vgl. Sinus-Institut  (Hrsg.), Rechtsextreme  politische  Ein-
       stellungen in der Bundesrepublik, Heidelberg/München 1980.
       25) Nahezu die  Hälfte der arbeitslosen Jugendlichen erhält keine
       Arbeitslosenunterstützung. W. Balsen, H. Nakielski, K. Rössel, R.
       Winkel, Die neue Armut, Köln 1984.
       26) In diese Richtung argumentiert z. B. W. Fuchs, a.a.O.
       27) Baethge u.a., a.a.O., S. 222 ff.
       28) Der Anteil  der nicht  formal Qualifizierten ist damit jedoch
       zu  gering   veranschlagt,  da  z.  B.  Ausbildungsabbrecher  und
       Wehr-/Zivildienstleistende nicht  berücksichtigt werden.  Vgl. E.
       Keck, Jugendliche  ohne Berufsausbildung,  in:  MittAB  4/83,  S.
       403ff.
       29) Hauptergebnisse der Arbeits- und Sozialstatistik 1983, S. 39.
       30) J. Goldberg,  Die Situation  am Lehrstellenmarkt. In: Blätter
       für dt. u. int. Pol. 5/84, S. 634.
       31) H. Stegmann,  H. Kraft,  Vom Ausbildungs- zum Arbeitsvertrag,
       in: MittAB 3/83, S. 241
       32) E. Kuda,  U. Mignon, Berufliche Bildung. Situation, Konflikt,
       Lösungen, Köln 1979, S. 13 ff.
       33) H. Hofbauer,  Berufsverlauf nach  Abschluß der  betrieblichen
       Berufsausbildung, in: MittAB 3/83, S. 211 f.
       34) Die verunsicherte  Generation. Jugend  und Wertewandel  - Ein
       Bericht des SINUS-Instituts i.A.d. Bundesministers f. Jugend, Fa-
       milie und Gesundheit, Opladen 1983, S. 32 f.
       35) W. Kruse, G. Kühnlein, U. Müller, Facharbeiter werden - Fach-
       arbeiter bleiben?,  Frankfurt/New York  1981. Befragt  wurden 172
       gewerbliche Lehrlinge  aus 8  Großbetrieben; eine  Fallstudie be-
       zieht sich auf einen Betrieb der Stahlbranche.
       36) Ebd., S. 147.
       37) Ebd., S. 191 ff., S. 205.
       38) E. Mayer,  W. Schumm,  K. Flaake,  H. Gerberding, J. Reuling,
       Betriebliche Ausbildung und gesellschaftliches Bewußtsein, Frank-
       furt/New York 1981.
       39) Ebd., S. 177-211.
       40) D. Holtmann,  Berufliche Bildung  und gesellschaftliches  Be-
       wußtsein, Frankfurt/New  York 1979,  IMSF (Hrsg.), Jugendliche im
       Großbetrieb, a.a.O.
       41) Vgl. Geschäftsbericht  des Bundesvorstandes des Deutschen Ge-
       werkschaftsbundes 1978  bis 1981,  S. 536. Der Mitgliederrückgang
       wird offiziell mit der Umstellung der Mitgliederdatei auf EDV be-
       gründet. Möglich  ist, daß  sich auf  diese Weise  ein sich  über
       einen längeren  Zeitraum hinziehender Mitgliederverlust bemerkbar
       gemacht hat.
       42) 13. Jugendkonferenz der IG Metall, a.a.O., S. 18.
       43) IMSF (Hrsg.), Jugendliche im Großbetrieb, a.a.O., S. 94.
       44) Die drohende Machtübernahme von 2000 Auszubildenden beantwor-
       teten die  jungen  Postgewerkschafter  mit  einem  demonstrativen
       Warnstreik. In  bewußter Anlehnung an Aktionsformen der Friedens-
       bewegung folgte  die Bildung  einer Menschenkette  zwischen Post-
       und Arbeitsministerium  in Bonn, um so den "Weg in die Arbeitslo-
       sigkeit" zu symbolisieren. Für diese Aktion konnten über 5000 der
       insgesamt 15000 Postauszubildenden mobilisiert werden.
       45) Siehe dazu:  W. Roßmann,  Arbeiterklasse, soziale Bedürfnisse
       und gewerkschaftliche Politik, in: Marxistische Studien. Jahrbuch
       IMSF 5/1982, S. 42 ff.
       

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