Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984


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       DIE LOHNABHÄNGIGEN NATURWISSENSCHAFTLER UND INGENIEURE:
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       "DIE ARBEITEN WERDEN AUFGETEILT, UND ES WIRD IMMER MEHR" 1)
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       Hellmuth Lange
       
       1. Plädoyer  für die  Wiederentdeckung der naturwissenschaftlich-
       technischen Intelligenz  (ntI) -  2. Umfang, soziale Lage und be-
       triebliche Stellung  der ntI - 3. Stoffliche Bestimmtheit der Ar-
       beit und  "reelle Subsumtion" der ntI - 4. Betriebliche Stellung,
       Berufsübergang und Bewußtsein - einige Aspekte
       
       1. Plädoyer für die Wiederentdeckung der
       ----------------------------------------
       naturwissenschaftlichtechnischen Intelligenz (ntI)
       --------------------------------------------------
       
       Die Intelligenz  bildet weder eine eigene soziale Klasse noch we-
       nigstens eine  in sich  homogene Schicht. 2) Ihr größter Teil ist
       heute lohnabhängig, und spätestens die wachsende Arbeitslosigkeit
       in zahlreichen  ihrer Berufsgruppen  zeigt an, daß die Lohnabhän-
       gigkeit auch  für Angehörige der Intelligenz mehr ist als ein nur
       formaler Status.  Die restriktiven Wirkungen der Lohnabhängigkeit
       auf Berufsausübung, Lebensweise und nicht zuletzt auf das berufs-
       politische und  gesellschaftliche Bewußtsein  machen sich  - über
       längere Zeiträume  betrachtet - breiter und intensiver bemerkbar.
       Die soziale Sonderstellung, durch die sich die Intelligenz histo-
       risch von "normalen" Beschäftigten unterschied, verliert damit an
       Gewicht. Andererseits  hat dieser Angleichungsprozeß nach wie vor
       deutliche Grenzen.  Auch die lohnabhängigen Teile der Intelligenz
       unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Arbeits- und Lebensverhält-
       nisse noch  immer durch  überdurchschnittliche Handlungsfreiräume
       von der Masse der Lohnabhängigen. Darüber hinaus weisen die Ange-
       hörigen der  Intelligenz trotz  der  sozialen  Heterogenität  der
       Gruppe als  ganzer eine Reihe verhältnismäßig stabiler Gemeinsam-
       keiten hinsichtlich ihrer geistigen und politischen Einstellungen
       auf: einerseits  in Gestalt  der Neigung,  den  Konsequenzen  des
       Antagonismus von  Lohnarbeit und Kapital als bestimmendem gesell-
       schaftlichen Gegensatz  im eigenen  Denken und  Handeln auszuwei-
       chen, und  andererseits in  Gestalt der  Tendenz, mit der eigenen
       Orientierung je nach dem Stand der gesamtgesellschaftlichen Kräf-
       teverhältnisse -  in wie  vermittelter Form auch immer - zwischen
       beiden Seiten zu schwanken.
       All dies  ist bekannt  und in  der  wissenschaftlichen  Literatur
       weithin akzeptiert.  Damit sind jedoch bei weitem nicht alle Fra-
       gen beantwortet.  Mit der  wachsenden Bedeutung  von Wissenschaft
       und Technik  verschärft sich die Auseinandersetzung um die Frage,
       welchen Zwecken  und Interessen  Wissenschaft und  Technik dienen
       sollen, wie  entsprechende Alternativen in wissenschaftlich-tech-
       nischer Hinsicht aussehen können und wie sie zu realisieren sind.
       Die naturwissenschaftlich-technische  Intelligenz trägt in dieser
       Auseinandersetzung eine  besonders große  Verantwortung. Wird sie
       dieser Verantwortung gerecht? Wo liegen ungenutzte Möglichkeiten,
       und wie  lassen sich namhafte Teile der ntI für diese Aufgabe ge-
       winnen? Und  schließlich: Welche  neuen Beziehungen, Aufgaben und
       Möglichkeiten ergeben sich im Verhältnis zwischen der Intelligenz
       bzw. ihren  verschiedenen Gruppen  und den  sozialen Hauptkräften
       unserer Gesellschaft?
       Der politische  Angelpunkt der Debatte um die Intelligenz während
       ihrer "Hochkonjunktur" in der ersten Hälfte der 70er Jahre 3) be-
       stand in der Frage, ob die Intelligenz angesichts einer vermeint-
       lich verbürgerlichten  Arbeiterklasse zum  politischen Ersatzsub-
       jekt grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen werden könne,
       oder ob sie - als ganze oder in Teilen - von ihrer Interessenlage
       her Anschluß  an die  Arbeiterbewegung finden müsse und könne. 4)
       In dem  Maße, wie  sichtbar wurde,  daß  es  in  absehbarer  Zeit
       w e d e r   m i t  n o c h  o h n e  Arbeiterbewegung zu grundle-
       genden Veränderungen  kommen würde,  und wie schließlich ökonomi-
       sche Krise und politische Tendenzwende die praktischen Handlungs-
       spielräume der Arbeiterbewegung  u n d  der auf Systemveränderung
       bedachten Teile der Intelligenz immer nachhaltiger einschränkten,
       kam  auch   die  wissenschaftliche   Befassung  mit   dem   Thema
       "Intelligenz" schnell zum Erliegen. Es entstanden noch einige Ar-
       beiten über  Ingenieure. 5)  Sie reichen  jedoch bei weitem nicht
       aus, um  die oben  aufgeworfenen Fragen  gesichert beantworten zu
       können. In  bezug auf  die  Naturwissenschaftler  wurden  nurmehr
       Teilaspekte (vor  allem der  Arbeitsmarktentwicklung) untersucht.
       6) Die theoretische Reflexion der spezifischen gesellschaftlichen
       Einflußchancen der  Intelligenz im allgemeinen kam völlig zum Er-
       liegen.
       Bei genauerer  Betrachtung zeigt  sich allerdings,  daß das Thema
       Intelligenz keinesfalls  - wie  es das Bild der wechselnden Moden
       nahelegt -  gleichsam in  der ideologischen Rumpelkammer abgelegt
       worden ist.  Es ist  vielmehr in verstärktem Maße zu einer Domäne
       eher konservativer Autoren geworden. Zu nennen sind in diesem Zu-
       sammenhang Schelskys  Abrechnungen mit  der  linken  Intelligenz,
       Tenbrucks  Auseinandersetzung   mit  der   Soziologie,  Gouldners
       Schrift über die Intelligenz als neue Klasse 7) und nicht zuletzt
       die immer  offensiver geführte Elitediskussion, in der die - kon-
       servative -  Auseinandersetzung um die Intelligenz auf die Spitze
       getrieben wird. 8)
       Die angegriffene,  vorwiegend sozialwissenschaftliche,  linke In-
       telligenz hat dem bis heute wenig entgegenzusetzen. Ihr abnehmen-
       des wissenschaftliches  Interesse am Thema stellt sich vor diesem
       Hintergrund primär  als Ausdruck  einer Krise des gesellschaftli-
       chen  und  politischen  Selbstverständnisses  eines  beachtlichen
       Teils der  linken Intelligenz selbst dar: als wachsendes Unvermö-
       gen, eine Perspektive des gesellschaftlichen Fortschritts zu kon-
       zipieren und  praktisch zu befördern, in der der Intelligenz eine
       definierte Rolle  zufällt; und  als wachsende  Bereitschaft,  dem
       konservativem Druck  auch in  Form von theoretischen Konzessionen
       nachzugeben. Auch  unter den solchermaßen gewandelten Bedingungen
       bestätigt sich  im übrigen,  was bereits  im Ausgang  der Debatte
       sichtbar war: Die Frage nach der gesellschaftlichen Rolle der In-
       telligenz umfaßt - offen oder verdeckt - stets auch die weiterge-
       hende und  grundlegendere Frage nach der Arbeiterklasse und ihrer
       politischen Bewegung als historischem Subjekt und nach der Bedeu-
       tung des  Marxismus als wissenschaftlicher und handlungsleitender
       Theorie. Dem Abschied vom Selbstbild der Intelligenz als spezifi-
       scher Kraft  des gesellschaftlichen Fortschritts folgen der prak-
       tische "Abschied  vom Proletariat" (A. Gorz) und der theoretische
       Abschied vom Marxismus auf dem Fuße.
       In letzterem  Zusammenhang erfreut  sich die These einer gewissen
       Beliebtheit, die  Debatte der  frühen 70er Jahre habe, soweit sie
       das Verhältnis  von "Sein" und "Bewußtsein" (der Arbeiter und der
       ntI) betraf,  unter ökonomistischen Verkürzungen gelitten, 9) die
       ihrerseits als Ausdruck "marxistischer 'Orthodoxie'" 10) gedeutet
       werden. Demgegenüber ist auf folgendes zu verweisen: Das verbrei-
       tete Bemühen  um marxistische Authentizität hat sich zwangsläufig
       in Gestalt  einer Hervorhebung der Bedeutung der kapitalistischen
       Ökonomie als  objektiver Basis für den Verlauf sozialer Differen-
       zierungsprozesse und  ihrer Bedeutung für die Entwicklung von ge-
       sellschaftlichem Bewußtsein  dargestellt: Dies  war das  erklärte
       Ziel. In   d i e s e m   Zusammenhang  ist es  naheliegenderweise
       auch zu theoretischen Verkürzungen gekommen. 11) Andererseits ist
       schon seinerzeit  vielfach darauf verwiesen worden, daß sich öko-
       nomisch bestimmte Veränderungen der beruflichen und sozialen Lage
       keinesfal s  zwangsläufig in ein dementsprechendes Bewußtsein um-
       setzen und daß die Ausbildung von Klassenbewußtsein innerhalb der
       lohnabhängigen Intelligenz zusätzlich dadurch behindert wird, daß
       der konstatierbaren  Annäherung einzelner  ihrer Teile an die Ar-
       beiterklasse (Entfaltung des Warencharakters der Arbeit) zugleich
       auch Grenzen gesetzt sind, die eine erhebliche historische Stabi-
       lität aufweisen. 12)
       
       2. Umfang, soziale Lage und betriebliche Stellung der ntI
       ---------------------------------------------------------
       
       Die fortschreitende Verwissenschaftlichung der gesellschaftlichen
       Produktion und  des gesellschaftlichen  Lebens im ganzen geht mit
       einem beachtlichen  zahlenmäßigen Wachstum der hochqualifizierten
       Arbeitskräfte (HQAs) einher Der Mikrozensus des Jahres 1982 weist
       2,3 Mio.  Erwerbstätige mit  Hochschul- und Fachhochschulabschluß
       aus (=  8,6 Prozent aller Erwerbstätigen gegenüber 5 4 Prozent im
       Jahre 1970).  Gegenüber 1976 verzeichnen die Hochschulabsolventen
       einen Zuwachs  von 24 Prozent, die Fachhochschulabsolventen einen
       Zuwachs von  45 Prozent  (Volks-[Haupt-]Schulabschluß: -4,3  Pro-
       zent). 13)  Dabei ist  ein kräftiges Wachstum nicht allein in der
       Zahl der HQAs, sondern auch im Anteil der Lohnabhängigen an deren
       gestiegener Gesamtzahl  zu verzeichnen: Der Anteil der lohnabhän-
       gigen HQAs  erreichte schon 1978 bei den Hoch- und Fachhochschul-
       absolventen den  betreffenden Durchschnitt aller Erwerbspersonen.
       14) Diese Entwicklung ordnet sich in die allgemeine Entwicklungs-
       tendenz der Qualifikations- und Sozialstrukturen. Sie besteht ei-
       nerseits in  einem Anstieg des durchschnittlichen Qualifikations-
       niveaus und in einer weiteren Umschichtung der Lohnabhängigen der
       Angestellten und  andererseits in  einem weiteren  Sinken des An-
       teils der  Selbständigen. Nichts  ist daher abwegiger als die Er-
       wartung einer  postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft,  in
       der "die  sozialstrukturelle Konfliktlinie  'Arbeit vs. Kapital'"
       zunehmend verdrängt  und relativiert würde. 15) Die Zahlen machen
       deutlich, daß  sich diese Konfliktlinie auch in sozialstrukturel-
       ler Hinsicht  weiter vertieft. Die HQAs tragen mit ihrem wachsen-
       den Anteil abhängig Beschäftigter zu dieser Entwicklung bei.
       Derartige  Durchschnittszahlen   signalisieren  den   allgemeinen
       Trend. Der  konkrete Verlauf  unterscheidet sich jedoch von Teil-
       gruppe zu  Teilgruppe in nicht unwesentlicher Weise. Was bedeutet
       das hinsichtlich  der ntI?  Der Begriff  der ntI bezieht sich auf
       spezifische Rekrutierungs- und Reproduktionsbedingungen einer so-
       zialen Gruppe  und auf besondere stoffliche Charakteristika ihrer
       Arbeit. 16)  Er ist  folglich nicht ohne weiteres aus den Abgren-
       zungen der  Berufsstatistik rekonstruierbar.  Mit der Unterschei-
       dung in Naturwissenschaftler und Ingenieure (Berufsgruppen 60 und
       61) als  der eigentlichen  Kerngruppe der  ntI und den Technikern
       und technischen  Sonderfachkräften (Berufsgruppen  62 bis 63) als
       Randgruppen der  ntI werden  ihre Binnengliederung und ihr Umfang
       immerhin einigermaßen  zutreffend erfaßt. Ungenauigkeiten der Er-
       hebung und  der Zuordnung  lassen es trotzdem geraten erscheinen,
       die folgenden  Zahlen in erster Linie als Trendzahlen und weniger
       als absolute  Zahlen zu  werten. 17) Demnach ergibt sich bis 1982
       folgendes Bild:
       
       Tabelle 1:
       Naturwissenschaftler, Ingenieure  und Techniker (= technische Be-
       rufe) 1970-1982 nach Berufsgruppen und ausgewählten Berufsordnun-
       gen (Erwerbstätige in Tausend)
       
                               1970  1973  1976  1978  1980  1982  1982
                                                                   ggüb.
                                                                   1978
       1 Chemiker/Physiker/
         Mathematiker            41    45    44    50    52    51    +2%
       2 Ingenieure             426   429   428   415   469   485   +17%
       3 Zwischensumme 1+2      467   474   472   465   571   536   +12%
       4 techn. Sonderfach-
         kräfte                 222   208   202   193   205   218   +13%
       5 Techniker              541   707   691   728   768   792    +9%
       6 Zwischensumme 4+5      763   915   893   921   973  1010   +11%
       7 Zwischensumme 3+6     1230  1389  1365  1386  1494  1546   +11%
       8 Datenverarbeitungs-
         fachleute               61    73    92   103   113   131   +27%
       9 Insgesamt             1291  1462  1457  1489  1607  1677   +11%
       
       Die Gesamtzahl  von 1,677 Mio. Angehörigen der ntI entspricht 6,3
       Prozent aller  Erwerbstätigen. Allein die HQAs als Kerngruppe um-
       faßten 1982  mit mehr  als 536  000 Erwerbstätigen über 2 Prozent
       aller Erwerbstätigen (1970: 1,8 Prozent). 18) Gegenüber dem Zeit-
       raum zwischen  1961 und  1973 mit einem Wachstum der Gesamtgruppe
       (ohne Datenverarbeitungsfachleute)  um 65,6  Prozent hat sich ihr
       Wachstum zwischen  1973 und  1982 mit  11,4 Prozent zwar verlang-
       samt. 19) Das Wachstum der ntI dürfte aber auch in Zukunft anhal-
       ten, und  zwar trotz wachsender Arbeitslosigkeit, die die Berech-
       nungsbasis (erwerbstätige Angehörige der Gruppe) zusammenschrump-
       fen läßt.
       Im einzelnen  sind die Zuwachsraten allerdings schon bisher recht
       unterschiedlich. Die  negativste Bilanz  verzeichnen die  techni-
       schen Sonderfachkräfte  mit  einer  absoluten  Abnahme  gegenüber
       1970. Andererseits sind sie seit 1978 wieder in Expansion begrif-
       fen (1982 gegenüber 1978: +13 Prozent). Trotz einer positiven Bi-
       lanz zwischen  1970 und  1982 verzeichnen  dagegen die  Chemiker,
       Physiker und  Mathematiker seit 1980 zum ersten Mal eine absolute
       Abnahme. Die  übrigen Gruppen  wachsen seit  1970 ohne  Unterbre-
       chung. Allein zwischen 1978 und 1982: die Datenverarbeitungsfach-
       leute mit  27 Prozent, die Ingenieure mit 17 Prozent, die techni-
       schen Sonderfachkräfte  mit 13  Prozent und  die Techniker  mit 9
       Prozent. Eine  Interpretation der in diesen Zahlen zutage treten-
       den Ungleichmäßigkeit  der Entwicklung  wirft erhebliche Probleme
       auf. Sie  hätte kurzfristige konjunkturelle Wirkungen mit mittel-
       fristig wirkenden  bildungspolitischen Faktoren und längerfristig
       wirkenden demographischen  Faktoren in  Beziehung zu setzen. Erst
       vor einem solchen Hintergrund ließen sich detailliertere Aussagen
       über die  Qualifikationsentwicklung als den eigentlichen Kern des
       Problems machen.  Allerdings sind  selbst in einem solchen Rahmen
       keine einheitlichen  Befunde zu  erhalten, da die Verhältnisse je
       nach dem Grad der Verwissenschaftlichung einzelner Branchen vari-
       ieren. Die  politökonomisch naheliegende  und in der Industrieso-
       ziologie empirisch  bestätigte Polarisierungsthese  findet in den
       vorliegenden Zahlen  zumindest keine  e i n d e u t i g e  Bestä-
       tigung, obwohl  auch hier  Anzeichen für zwei Polarisierungsbewe-
       gungen sichtbar  sind (Naturwissenschaftler - Ingenieure; techni-
       sche Sonderfachkräfte  - Techniker).  Ihnen steht aber beispiels-
       weise die Entwicklung im Maschinenbau entgegen: Von 1961 bis 1968
       stieg die Zahl der Fachhochschulabsolventen mit 31 Prozent bedeu-
       tend schneller als die der Hochschulabsolventen mit 16,7 Prozent.
       Von 1980  bis 1982  kehrt sich  diese Tendenz hingegen in drasti-
       scher Weise  um: Hochschulabsolventen  +126,9 Prozent - Fachhoch-
       schulabsolventen +28,1  Prozent. 20)  Dem Maschinenbau  mit einem
       extrem überdurchschnittlichen  Zuwachs der  Hochschulabsolventen,
       in dessen Zusammenhang die Verfasser einer Erhebung "fast von ei-
       ner Verwissenschaftlichung'" sprechen, 21) stehen andere Branchen
       gegenüber, in denen sich eine solche Entwicklung früher vollzogen
       hat. Sie  verläuft heute  dementsprechend flacher. In jenen Bran-
       chen schließlich,  die von  vornherein als  "science based  indu-
       stries" entstanden  sind  (elektrotechnische  Industrie/chemische
       Industrie) sind  heute eher  Stagnationstendenzen im  Zuwachs der
       Beschäftigten mit  Hochschulabschluß  zu  konstatieren.  Insofern
       läßt  sich   andererseits  auch   nicht  umstandslos   von  einem
       d u r c h g ä n g i g e n  Trend zur Höherqualifizierung im Sinne
       einer vermehrten  Integration von  Hochschulabsolventen sprechen,
       obwohl sich  auch für  diese Tendenz gute Belege finden. 22) Ein-
       deutig ist  hingegen, daß  der Berufsbereich  der ntI (Technische
       Berufe) mit  94,7 Prozent abhängig Beschäftigten nach den Angehö-
       rigen der  Fertigungsberufe (99,1  Prozent) die  höchste Quote an
       abhängig Beschäftigten  aufweist  (Erwerbstätige  insgesamt  88,3
       Prozent [1982]).  23) Besonders  hohe Raten weisen einerseits die
       technischen Sonderfachkräfte  und Techniker  auf (97,8  Prozent).
       Andererseits erreichen  auch  Naturwissenschaftler  (z.B.  Chemi-
       ker/Chemieingenieure mit  98,4 Prozent) enorm hohe Raten. Bei den
       Ingenieuren finden sich im einzelnen sehr unterschiedliche Werte.
       Sie schwanken  von 73,9 Prozent bei den Bauingenieuren und Archi-
       tekten über  93,8 Prozent  bei den "sonstigen Ingenieuren" bis zu
       den Chemieingenieuren  (einschließlich Chemiker)  mit Werten über
       98 Prozent (s.o.). 24)
       Die Ausdehnung  der Lohnabhängigkeit innerhalb einer Berufsgruppe
       ist ein  wichtiger, zugleich  aber noch recht ungenauer Indikator
       für sozialstrukturelle Verschiebungen und Veränderungen ihrer Ar-
       beitsbedingungen: Es  kommt darauf  an, mit welchen konkreten so-
       zialen Konsequenzen  die Lohnarbeit verbunden ist. Die Spanne der
       Möglichkeiten reicht  von der Besetzung oberer Managementfunktio-
       nen bis  zur Arbeitslosigkeit.  Im Hinblick  auf beide  Pole  des
       Spektrums der  Möglichkeiten stellt  sich die Lage der ntI wider-
       sprüchlich dar.  Sie ist  einerseits -  im Vergleich zur Lage der
       übrigen abhängig  Beschäftigten -   r e l a t i v  günstig. Ande-
       rerseits kann  aber von  einer Privilegierung  der Gruppe   a l s
       g a n z e r  keine Rede sein.
       Die ntI  besetzt einerseits  denjenigen Berufsbereich, in dem die
       Leitungspositionen einen  größeren Anteil  ausmachen als in allen
       anderen                                                 Bereichen
       (Abteilungsleiter/Prokurist/Direktor/Amtsleiter/Betriebsleiter:
       zusammen 5,7  Prozent  gegenüber  einem  Durchschnitt  aller  Er-
       werbstätigen von 2,7 Prozent). 25) Andererseits ist selbst dieser
       Anteil nicht  übermäßig groß. Etwas günstiger stellt sich die Si-
       tuation dar, sofern nach "leiten" als "überwiegend ausgeübter Tä-
       tigkeit" gefragt  wird. Mit  12,6 Prozent  liegen die Angehörigen
       technischer Berufe  auch hier  an der  Spitze (allerdings ist der
       betreffende Wert  auch im  Durchschnitt aller  Erwerbstätigen mit
       4,7 Prozent  höher). 26)  Die Naturwissenschaftler und Ingenieure
       erreichen naheliegenderweise  mit 17,8 Prozent ("leiten als über-
       wiegend ausgeübte  Tätigkeit") einen  höheren Wert. 27) Die Quote
       der Inhaber  von oberen  Leitungspositionen liegt  hier bei  11,6
       Prozent. 28) Nimmt man die nachfolgende Hierarchieebene hinzu, so
       ergeben sich jedoch immer erst 21,6 Prozent. 29) Die überwiegende
       Mehrheit (%)  auch der  qualifiziertesten Teile  der ntI arbeitet
       somit bestenfalls  in der  Funktion von "herausgehobenen qualifi-
       zierten Fachkräften"  bzw. Meistern  u.ä. (52,1  Prozent) oder in
       noch weiter untergeordneter Position.
       Da es  sich bei  diesen Zahlen  um die  Ergebnisse von Selbstein-
       schätzungen handelt,  die im  übrigen häufig ein positiveres Bild
       zeichnen, als es der Wirklichkeit entspricht, läßt sich feststel-
       len, daß selbst die Hochschul- und Fachhochschulabsolventen unter
       den Angehörigen  der technischen  Berufe -  ihrem eigenen  Urteil
       nach - weit davon entfernt sind, als  G r u p p e  zu den leiten-
       den Angestellten  zu zählen, als die sie von den Unternehmenslei-
       tungen (und  der Union der leitenden Angestellten) gerne bezeich-
       net werden.  Dem widerspricht  nicht, daß  die Kategorie "leiten"
       hier in  den vergangenen zehn Jahren um 1 bis 2 Prozentpunkte zu-
       genommen hat. Einen erheblich stärker gewachsenen Raum nehmen bei
       den  Angehörigen   technischer  Berufe  die  Bürotätigkeiten  ein
       (zwischen 1976 und 1982 von 1,4 auf 12,8 Prozent). 30) Im übrigen
       schließt die  Kategorie "leiten"  die unterschiedlichsten  Formen
       von Verantwortung  ein; nicht  allein ökonomische, sondern ebenso
       personelle, organisatorische,  wissenschaftliche und  technische,
       d. h.  solche Momente von Verantwortung, die aus fachlichen Grün-
       den delegiert  werden, während  vor allem  ökonomisch orientierte
       Entscheidungskompetenzen zentralisiert bleiben bzw. werden. 31)
       Die DAG  wirbt mit  dem ebenso extremen wie für die Großindustrie
       repräsentativen Beispiel des Stellenkegels der Siemens AG, in dem
       sich Abteilungsleiter,  Prokuristen, Abteilungsdirektoren  einer-
       seits und  Gruppenführer und Sachbearbeiter andererseits in einer
       Relation von 13:380 gegenüberstehen, unter den Naturwissenschaft-
       lern und  Ingenieuren um Mitglieder. In kleineren Unternehmen ist
       die Schere  weniger groß.  Auch hier  sind die Leitungsfunktionen
       aber einem relativ kleinen Kreis vorbehalten. 32)
       Verhältnismäßig günstig  im Vergleich  zu anderen  Berufsgruppen,
       aber gleichwohl  in rapider  Verschlechterung  begriffen,  stellt
       sich die  Lage der  lohnabhängigen ntI  auch in bezug auf die Ar-
       beitslosigkeit als extremsten Ausdruck der Lohnabhängigkeit dar.
       Der Anstieg  der registrierten  Arbeitslosigkeit  von  HQAs  (ntI
       u.a.) vollzog sich während der 70er Jahre in zwei Perioden. Beide
       Male verheißen  nach einem  ersten steilen  Anstieg sinkende  Zu-
       wachsraten eine  Besserung -  allerdings auf  der Grundlage eines
       ständig wachsenden  Sockels der  Arbeitslosigkeit  (in  absoluten
       Zahlen). Allein das Jahr 1978 bringt einen nennenswerten Rückgang
       der Arbeitslosigkeit  auch in  absoluten Zahlen.  Es  leitet  zur
       zweiten Periode über. Der Höchststand der ersten Periode wird bei
       den Hochschulabsolventen  schon 1979, bei den Fachhochschulabsol-
       venten 1981  überschritten. Im  Unterschied  zur  ersten  Periode
       scheint nun  auch -  trotz neuerlich sinkender Zuwachsraten - ein
       absoluter Rückgang nicht mehr absehbar. Selbst wenn es dazu käme,
       bliebe der hohe Sockel im wesentlichen erhalten. Eine Veränderung
       von rund  4000 arbeitslosen  Hoch- und  Fachhochschulabsolventen,
       die zwischen  1973 und 1974 einen Zuwachs von rund 70% ausmachte,
       ergäbe bezogen auf 1983 im Falle eines entsprechenden Sinkens der
       Arbeitslosigkeit einen Rückgang von weniger als 6% der Gesamtzahl
       der arbeitslosen Absolventen. Die Zahl der registrierten Arbeits-
       losen mit Hoch- und Fachhochschulabschluß überstieg im Jahre 1983
       erstmals die  Zahl 100 000  (Hochschulabsolventen: 70 312;  Fach-
       hochschulabsolventen: 32 814).  33) Der Umstand, daß die spezifi-
       sche Arbeitslosenquote  der  Hoch-  und  Fachhochschulabsolventen
       auch 1983  mit rund  5% noch  unter  der  Gesamtarbeitslosenquote
       (9,1%) liegt,  ändert wenig  daran, daß  die Arbeitslosigkeit als
       die mit  Abstand drastischste  Ausdrucksform der Lohnabhängigkeit
       inzwischen auch für Hoch- und Fachhochschulabsolventen zur allge-
       genwärtigen Realität  geworden ist.  34) Ob 1982 durchschnittlich
       10 Arbeitslose (Hoch-/Fachhochschulabsolventen) oder 36) (Gesamt-
       heit der  Arbeitslosen) um eine offene Stelle konkurrieren, macht
       für  die   soziale  Unsicherheit   und  Perspektivlosigkeit   der
       Betroffenen kaum einen Unterschied aus.
       Hinsichtlich der  Gesamtstruktur der Arbeitslosigkeit ist von ei-
       ner "Normalisierung"  gesprochen worden: Der relative Unterschied
       zwischen   traditionell   schlechter   gestellten   "Randgruppen"
       (Ungelernte, ältere  Arbeitskräfte und  Frauen) und den traditio-
       nell besser  gestellten Gruppen (vor allem der männlichen Fachar-
       beiter) gehe  zu Lasten  der letzteren  zurück. 35) In diese Ent-
       wicklung sind  offenbar - wenngleich mit umgekehrten Vorzeichen -
       die HQAs,  und hier  nicht zuletzt diejenigen der ntI, mit einge-
       schlossen. 36)  Die traditionellen  "Privilegien" ihrer Randgrup-
       penstellung gehen,  soweit sie die geringere Gefährdung durch Ar-
       beitslosigkeit betreffen,  deutlich zurück. Arbeitslosigkeit wird
       auch hier "zur Normalität".
       Der Übergang  verläuft bei  den Teilgruppen  der ntl in dreierlei
       Hinsicht unterschiedlich. Unterschiede bestehen erstens in Abhän-
       gigkeit  vom  Grad  des    A u s b i l d u n g s a b s c h l u s-
       s e s.  Die Fachhochschulabsolventen (technische Richtungen) ver-
       zeichnen in  jüngster Zeit  fast durchweg  größere  Zuwächse  der
       Arbeitslosigkeit als  die betreffenden  Hochschulabsolventen. 37)
       Zum zweiten  sind die  Angehörigen bestimmter   F ä c h e r    in
       besonderem Maße  betroffen. So  lag Ende September 1983 trotz der
       erstgenannten Tendenz  die  Relation  zwischen  Arbeitslosen  und
       offenen Stellen bei einzelnen Ingenieurgruppen deutlich günstiger
       als bei  bestimmten Naturwissenschaftlergruppen  (Ingenieure  des
       Maschinen- und  Fahrzeugbaus  5:1;  Elektroingenieure  rund  3:1;
       Naturwissenschaftler außer  Physiker, Chemiker, Mathematiker rund
       50:1). Von  einer  generellen  Besserstellung  der  Höherqualifi-
       zierten kann  daher kaum  gesprochen werden. Zum dritten geht die
       bezeichnete "Normalisierung" mit einer Vertiefung der  U n t e r-
       s c h i e d e  i n n e r h a l b  d e r  n t I  einher.
       Der Anteil  der arbeitslosen   F r a u e n  liegt auch hier heute
       durchwegs höher als ihr Anteil an den Erwerbspersonen der betref-
       fenden Fachrichtungen.   Ä l t e r e   Absolventen  von Fachhoch-
       schulen und  Hochschulen sind trotz bzw. gerade wegen ihres über-
       wiegend beachtlichen  Spezialisierungsgrades  betroffen:  "Ältere
       Ingenieure (werden)  zunehmend durch jüngere ersetzt..., weil sie
       von den  Hochschulen die neuesten technologischen Kenntnisse mit-
       bringen." 38)  Da aber  auch der  Zustrom von    B e r u f s a n-
       f ä n g e r n   deutlich höher  liegt als  die  betreffende  Auf-
       nahmebereitschaft des  Arbeitsmarktes,  werden  sie  trotz  ihres
       relativen  Vorteils  gegenüber  älteren  Bewerbern  zur  weiteren
       Problemgruppe, 39) und dies um so mehr, als die Absolventenzahlen
       in Zukunft  weiter steigen  werden. Die Amtlichen Nachrichten der
       Bundesanstalt für  Arbeit sprechen  unumwunden  von  "zunehmenden
       beruflichen Einstiegsschwierigkeiten" für Berufsanfänger. 40)
       
       3. Stoffliche Bestimmtheit der Arbeit und "reelle Subsumtion"
       -------------------------------------------------------------
       der naturwissenschaftlich-technischen Intelligenz
       -------------------------------------------------
       
       Die bisher  genannten Teilaspekte  der betrieblichen Stellung und
       vor allem der Arbeitsmarktsituation zeigen, daß sich der langfri-
       stige Trend des Übergangs der Naturwissenschaftler und Ingenieure
       in die Lohnabhängigkeit in der jüngsten Krisenphase beschleunigt,
       daß das Verhältnis der Lohnabhängigkeit für einen wachsenden Teil
       der Gruppe extrem drückende Züge annimmt und daß sich die Lebens-
       und Arbeitsbedingungen  der lohnabhängigen  ntI insofern tatsäch-
       lich denen  der Masse  der abhängig Beschäftigten annähern. Damit
       bestätigt sich zugleich die markanteste theoretische Prämisse der
       Intelligenzdebatte der  frühen 70er  Jahre: Der  Lohnabhängigkeit
       als  ö k o n o m i s c h e r  Form von Berufstätigkeit kommt hin-
       sichtlich der  sozialen Lage und der objektiven Interessenausbil-
       dung der  ntI eine zentrale Bedeutung zu, und zwar unabhängig da-
       von, in  welcher Weise  sich dieser Umstand im Bewußtsein der Be-
       treffenden reproduziert.  Die  empirisch  konstatierbaren  Unter-
       schiede der  Bewußtseinsentwicklung ergeben sich dabei keineswegs
       allein aus  den besonderen  Bewegungsformen der  s u b j e k t i-
       v e n   Verarbeitungsmechanismen, sondern  bereits  aus  weiteren
       o b j e k t i v e n  Gegebenheiten. Die ökonomischen Produktions-
       verhältnisse  bilden   zwar  die   letzte,   allgemeinste   Ebene
       objektiver und  subjektiver gesellschaftlicher  Differenzierungs-
       prozesse, jedoch  ist die  Entfaltung der Produktionsverhältnisse
       ihrerseits an den Rahmen stofflich bestimmter Voraussetzungen und
       Elemente von  Aneignung gebunden:  an die  Naturverhältnisse  als
       allgemeine Voraussetzung  jeglicher gesellschaftlichen  Tätigkeit
       und an gesellschaftlich invariante Aspekte des jeweiligen Produk-
       tivkraftsystems bzw.  einzelner seiner  Elemente. In diesem Sinne
       ist auch    j e d e    T ä t i g k e i t    d o p p e l t    b e-
       s t i m m t:           e i n e r s e i t s           g e s e l l-
       s c h a f t l i c h   u n d   a n d e r e r s e i t s  s t o f f-
       l i c h.   Die historisch  konkrete Charakteristik  einzelner Tä-
       tigkeitsarten und  die Probleme der Angehörigen bestimmter Berufe
       erschließen  sich  folglich  erst  aus  dem  Zusammenhang  beider
       Momente.  Die   stofflichen  Charakteristika   der   Arbeit   von
       Naturwissenschaftlern und  Ingenieuren bilden einerseits ein Fun-
       dament, das  spezielle Zugänge zur "reellen Subsumtion" eröffnet.
       Andererseits wurzelt  in den  stofflichen Charakteristika der Ar-
       beitskraft von  Naturwissenschaftlern und  Ingenieuren eine Reihe
       von "Sperren",  die eine  vollständige Angleichung ihrer Arbeits-
       und  Lebensbedingungen  an  die  der  Arbeiterklasse  verhindern.
       41) Bliebe dieser  Aspekt unberücksichtigt,  läge  die  Vermutung
       nahe, daß  der fortschreitende  Abbau vormaliger  "Privilegien" -
       vermittelt über die Herausbildung wissenschaftlicher Detailarbeit
       - ohne  weiteres einem  qualitativen Umschlag jener Art zutriebe,
       die Marx  als Übergang  von einer  lediglich "formellen" zu einer
       umfassenden "reellen Subsumtion" unter das Kapital faßte. 42)
       Der klassische Übergang besteht in systematischer Hinsicht darin,
       daß die mehr oder minder ganzheitliche Qualifikation des Handwer-
       kers aufgelöst wird, die ihm - wenngleich mit abnehmender Tendenz
       - als lohnabhängigem Manufakturarbeiter formell noch die Möglich-
       keit offenließ,  in eine  klassische handwerkliche  Tätigkeit und
       ggf. sogar  in die Selbständigkeit zurückzukehren. Mit der vollen
       Entfaltung der  manufakturiellen Arbeitsteilung  und vollends mit
       der Verallgemeinerung der industriellen Produktion kann eine sol-
       che Qualifikation  in der  vormaligen  gesellschaftlichen  Breite
       nicht mehr  erworben werden.  Es entsteht geschichtlich der voll-
       ständig "entkenntnißte  Arbeiter", 43)  dessen Qualifikation nur-
       mehr aus wenigen Handfertigkeiten besteht, und, über graduale Ab-
       stufungen mit  jenem verbunden, der industrielle Facharbeiter mit
       neuen, höheren  Qualifikationen. 44)  In beiden  Fällen ist  eine
       Rückkehr in  die Selbständigkeit  des Handwerkers  nun  auch  aus
       Gründen der stofflichen Spezifik der betreffenden Qualifikationen
       in der  Regel ausgeschlossen: im Falle des "entkenntnißten Arbei-
       ters", weil  das erforderliche   Qualifikations n i v e a u  weit
       unterschritten wird;  im Falle  des  industriellen  Facharbeiters
       aufgrund der  Qualifikations r i c h t u n g:   weil die  Nutzung
       der Qualifikation  an das Vorhandensein industrieller Maschinerie
       gebunden ist, für die die Handwerkerstube finanziell und räumlich
       zu eng ist.
       
       3.1 Die stoffliche Bestimmtheit der Arbeit
       ------------------------------------------
       als Fundament fortschreitender "reeller Subsumtion"
       ---------------------------------------------------
       
       Die Qualifikation  der Ingenieure und Naturwissenschaftler ähnelt
       der des  industriellen Facharbeiters  insofern, als  auch sie er-
       stens auf "komplizierte Arbeit" gerichtet ist und als sie - zwei-
       tens - die Breite ihrer Möglichkeiten in der Regel nur in Verbin-
       dung mit  mehr oder  minder aufwendigen technischen Einrichtungen
       entfalten kann. Im Falle der Ingenieurtätigkeit geht die Analogie
       noch weiter:  Die Entstehung  des Ingenieurwesens  ist historisch
       eng an technische Großprojekte gebunden: zunächst im Rahmen mili-
       tärischer und  anderer staatlicher  "Großaufträge", seit  dem 19.
       Jahrhundert zunehmend  in der industriellen Produktion. Mit stei-
       gendem Vergesellschaftungs-  und technischem Niveau der Produkti-
       ons- und  Dienstleistungsprozesse nimmt  die Abhängigkeit der Na-
       turwissenschaftler und  Ingenieure von  der Verfügbarkeit  teurer
       und in  ständiger Veränderung begriffener FuE-Infrastrukturen ra-
       pide zu. Die Entfaltung einer freiberuflichen Existenz wird somit
       nicht allein aus ökonomischen, sondern auch aus stofflichen Grün-
       den  immer  schwieriger.  Dies  ist  zweifellos  ein  Moment  von
       "reeller Subsumtion", das sich gegenwärtig mit besonderer Dynamik
       entwickelt.
       Angesichts der  ungünstigen aktuellen  Arbeitsmarktlage ist diese
       Entwicklung mit  Wirkungen verbunden,  die die Ingenieure und Na-
       turwissenschaftler insofern  härter treffen  als den größten Teil
       der sonstigen  Arbeiter und  Angestellten, als  bei längerer  Ar-
       beitslosigkeit ein  Entprofessionalisierungsprozeß  erfolgt,  der
       die Chance rapide sinken läßt, die erworbene Qualifikation in nä-
       herer oder  fernerer Zukunft   ü b e r h a u p t  n o c h  e i n-
       m a l   in nennenswerter  Breite einsetzen  zu können. Die Spiel-
       räume,  sich   auf  entsprechendem   Niveau  in  gänzlich  andere
       Fachgebiete einarbeiten  zu können,  sind minimal. Auch wenn sich
       hier kein allgemeingültiges "Verfallsdatum" angeben läßt, ist da-
       von  auszugehen,   daß  -   um  im   Bilde  zu   bleiben  -   die
       "Frischegarantie" schon nach einem halben Jahr erlischt. Eine Ar-
       beitslosigkeit von mehr als einem Jahr dürfte nahe an das endgül-
       tige Aus heranführen. "Wer innerhalb dieser Frist keine Stelle in
       der Industrie gefunden hat, der hat es ganz, ganz schwer, den Fuß
       noch einmal in eine industrielle Tätigkeit zu bekommen." 45)
       Die Einstellungsanforderungen im Öffentlichen Dienst sind weniger
       rigide bestimmt. Gleichwohl lagen 1983 fast zwei Drittel der Che-
       miker und  mehr als  50 Prozent der Physiker und sonstigen Natur-
       wissenschaftler in  dieser Problemzone  (Arbeitslosigkeit  länger
       als ein halbes Jahr). 46)
       Im Gefolge  derartiger Schwächen  der Anbieterseite  auf dem  Ar-
       beitsmarkt kommt es im übrigen zu Sekundäreffekten, deren Wirkun-
       gen weit  über den Kreis der unmittelbar betroffenen Arbeitslosen
       hinausreichen. Das  gilt erstens  für den  A u s b i l d u n g s-
       p r o z e ß,  zweitens hinsichtlich der  E i n s t e l l u n g s-
       m o d a l i t ä t e n   und zum  dritten für  den  b e r u f l i-
       c h e n   A l l t a g.   In allen  drei Abschnitten  besteht  das
       gemeinsame Resultat in einer Verschärfung des Leistungsdrucks und
       in einer  entsprechenden Verschärfung der Konkurrenz zwischen den
       Betroffenen.
       So forderte  der verantwortliche  Personalleiter der Bayer AG un-
       längst die Hochschullehrer unumwunden auf, "frühzeitig eine posi-
       tive Auslese (zu) betreiben, und zwar so frühzeitig, daß dem ein-
       zelnen nicht aus Altersgründen die Möglichkeit genommen ist, sich
       noch einmal  neu zu  orientieren: also im ersten Jahr, spätestens
       vor dem  Vorexamen". 47)  Der Kampf  um den Arbeitsplatz wird auf
       diesem Wege  in die  ersten beiden Semester vorgezogen. Die Sorge
       der Hochschullehrer  um das künftige Schicksal ihrer Absolventen,
       aber auch ihre Überlastung durch zu viele und zu große Lehrveran-
       staltungen sowie  ihre finanzielle  Abhängigkeit von Drittmitteln
       lassen sie  für derartige Ratschläge empfänglich werden. Ist eine
       "positive Auslese" der gewünschten Art aber einmal etabliert, hat
       dies nicht  zuletzt massive  Konsequenzen für  die Arbeitshaltung
       der Studierenden.  Sie befestigt  und entfaltet  eine Mentalität,
       die zum Lehrstoff im besonderen und zur Wissenschaft im allgemei-
       nen ein primär instrumentelles Verhältnis pflegt: Die Bewältigung
       der Prüfungen als mehr oder minder präzisen Indikatoren für Fort-
       schritte in  der Sache droht dabei objektiv und subjektiv zum we-
       sentlichen Inhalt des Studiums und zugleich zum wesentlichen Mit-
       tel zu werden, um der Sache zu entkommen.
       Über den  Wandel der Einstellungsmodalitäten berichtet die Redak-
       tion der "Nachrichten aus Chemie, Technik ...", einer der Punkte,
       die in  Gesprächen mit  "Leuten, die sich gerade beworben haben",
       immer wieder  auftauche, sei  der, "daß man z. Zt. 'mit Auszeich-
       nung' promoviert haben muß, um überhaupt zur Vorstellung eingela-
       den zu  werden; 'sehr gut' hat schon fast keine Chance mehr". 48)
       Daß Bewerber  in diesem  Zusammenhang auch "von ihrer Persönlich-
       keit her" eine "reibungslose Anpassung an das Arbeitsleben in der
       Industrie erwarten  lassen" 49)  sollen, versteht sich vor diesem
       Hintergrund fast von allein. "So hatte die Stellen- und Bewerber-
       suche mehr und mehr den Charakter einer 'Besten-Auslese'." 50)
       Die naheliegende  Vermutung, daß  mit der Einstellung schließlich
       die entscheidende  Hürde überwunden sei, geht fehl. Ohne daß dies
       hier näher ausgeführt werden könnte, zielen die Bemühungen zumin-
       dest der  Großindustrie in drei Richtungen zugleich: Erstens wird
       damit gedroht,  die Anforderungen  im Probejahr so zu ändern, daß
       es zu  einer Verlängerung  der  "Besten-Auslese"  wird.  Zweitens
       sucht die  Großindustrie, unterstützt  von  der  Bundesregierung,
       vermehrt nach  Möglichkeiten, einem wachsenden Teil der Berufsan-
       fänger lediglich Zweijahresverträge zu geben. Ein drittes Bemühen
       zielt auf  einen "Einführungstarif  zum  Kennenlernen"  für  sog.
       Post-doc-Praktikanten im  Rahmen projektgebundener  Arbeiten, 51)
       der mit  lediglich 1000  bis 2000  DM honoriert  würde.  Auf  die
       Frage, ob  die befristeten  Arbeitsverhältnisse in der Tendenz zu
       Lasten der Dauerarbeitsplätze gingen, antwortete der Repräsentant
       der Bayer  AG kurz  und bündig:  "Das ist eine Gefahr." Daß schon
       die Inaussichtnahme  derartiger Veränderungen  bisheriger Üblich-
       keiten zu  einer enormen  Erhöhung des Leistungs- und Loyalitäts-
       drucks führt,  darf als  ausgemacht gelten.  Somit  eröffnet  die
       stoffliche Abhängigkeit der naturwissenschaftlich-technischen Be-
       rufskompetenz vom kontinuierlichen Kontakt mit den Arbeitsmitteln
       als Moment  der "reellen  Subsumtion" zugleich neue Möglichkeiten
       für solche  Veränderungen der  Arbeit, die  schon im  Prozeß  der
       "formellen Subsumtion"  eine Schlüsselstellung einnehmen. Die ge-
       genwärtige Krise des Arbeitsmarkts wirkt auf diesem Wege bis weit
       in die Berufstätigkeit hinein.
       
       3.2 Die stoffliche Bestimmtheit der Arbeit
       ------------------------------------------
       als Schranke fortschreitender "reeller Subsumtion"
       --------------------------------------------------
       
       Stoffliche Charakteristika  der Fähigkeit  von Naturwissenschaft-
       lern und  Ingenieuren stehen  andererseits der  Ausbildung  einer
       u m f a s s e n d e n   "reellen Subsumtion"  im  Wege.  Insofern
       stabilisieren sie  die soziale Stellung der ntI als einer von der
       Arbeiterklasse abgehobenen sozialen Schicht, als (in ihrer Masse)
       lohnabhängiger Mittelschicht.
       Naturwissenschaftlich-technische  Arbeit  zielt    i m    K e r n
       stets darauf ab, neue Lösungen zu finden - so klein sie auch sein
       mögen. Der  Weg zu  diesen Lösungen  ist nie vollständig bekannt.
       52) Seine  Bewältigung  kann  folglich  auch  nicht  im  gleichen
       M a ß e,   wie dies  im Übergang von der handwerklichen zur indu-
       striellen Handarbeit  und in  wachsendem Maße auch in der Büroar-
       beit der  Fall ist,  auf dem  Wege über  eine Aufteilung in deren
       einzelne Elemente routinisiert und kontrolliert werden. Naturwis-
       senschaftler und  Ingenieure behalten daher  z w i n g e n d  ein
       im einzelnen zwar unterschiedliches, gleichwohl aber beachtliches
       Maß an  fachlicher Autonomie,  sachlicher  Entscheidungskompetenz
       und entsprechenden  Möglichkeiten der persönlichen Selbstverwirk-
       lichung in der Arbeit. Sie behalten damit als Berufsgruppe in re-
       lativ stabiler  Weise gerade  jene Eigentümlichkeiten  der Tätig-
       keit, die  der klassischen  Handarbeit mit dem Übergang zur indu-
       striellen Maschinenarbeit  und -  mit  fortschreitender  "reeller
       Subsumtion" der  Lohnarbeitskraft unter  das Kapital - heute auch
       qualifizierten Arbeitern und Angestellten entzogen wird und deren
       gänzlicher Verlust die "reelle Subsumtion" auf die Spitze treibt.
       Der Versuch, die Arbeit von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren
       in ähnlicher  Weise unter  Kontrolle zu  nehmen, müßte das profi-
       table Ziel  - eben  die Hervorbringung  von verkaufbarem  Neuem -
       ernsthaft gefährden. In den Worten eines erfahrenen FuE-Managers:
       "Ganz ohne  Chaos geht  die Forschung  nicht." 53) Dieser Umstand
       setzt dem  Fortgang der  Subsumtion der  Naturwissenschaftler und
       Ingenieure unter  das Kapitalverhältnis  eine nicht  nur histori-
       sche, sondern  p r i n z i p i e l l e  Schranke. Eine Proletari-
       sierung der  Intelligenz ist  i n  d i e s e m  S i n n e  ausge-
       schlossen.
       Die Existenz  stofflicher Konstanten  in der Tätigkeit von Natur-
       wissenschaftlern und  Ingenieuren bedeutet  indessen  nicht,  daß
       sich deren  Tätigkeit  nicht  schon  in  der  Vergangenheit  auch
       i n h a l t l i c h  gewandelt hätte, und daß dieser Prozeß nicht
       in Zukunft noch erheblich voranschreiten könnte. Die betreffenden
       Methoden müssen jedoch stets der stofflichen Spezifik der betref-
       fenden Arbeit angepaßt bleiben. Eben darin liegt ihre Begrenzung.
       Es sind dies vornehmlich diejenigen Methoden, die den klassischen
       Entwicklungsschritt der "formellen Subsumtion" von Handarbeit und
       ihrer Intensivierung  im Rahmen  der arbeitsorganisatorischen und
       technischen Entwicklung  der Manufakturarbeit kennzeichnen. Inso-
       fern spricht  Neef zutreffend  von der  "Manufaktur-Periode"  der
       Ingenieurarbeit" 54)  - nur  folgt dieser  Periode, anders als es
       die in  diesem Zusammenhang  gelegentlich verwandten Begriffe der
       "Taylorisierung", 55)  der "intellektuellen  Fließbandarbeit" 56)
       oder gar der "Proletarisierung" 57) bzw. des "akademischen Prole-
       tariats" 58) andeuten, nicht der breite Durchbruch zu vollständig
       "entkenntnißter Arbeit",  und zwar:  obwohl der Prozeß der Zerle-
       gung, Routinisierung,  Intensivierung und  Kontrolle  der  Arbeit
       auch im Bereich der lohnabhängigen Naturwissenschaftler und Inge-
       nieure weiter  voranschreitet und  obwohl sich damit auch die Ar-
       beitsinhalte verändern.
       Die betreffenden  Veränderungen lassen  sich vielleicht am besten
       als   h o r i z o n t a l e  und  v e r t i k a l e  E n t d i f-
       f e r e n z i e r u n g   beschreiben, die  stets auf  mehr  oder
       minder gewichtigen  organisatorischen  und  technischen  Verände-
       rungen des  Arbeitsprozesses zugleich  beruhen.  Die  wichtigsten
       t e c h n i s c h e n   Veränderungen bestehen - für Naturwissen-
       schaftler nicht  anders als  für Ingenieure  - in der zunehmenden
       Übertragung von  Routine- und  Sucharbeiten  auf  Maschinen,  vor
       allem auf  Computer. Das  CAD zeigt,  daß die  Möglichkeiten sehr
       weit reichen  können. 59)  Sie decken jedoch stets nur einen Teil
       der F.-,  E.- und Konstruktionsarbeit und der sonstigen Tätigkei-
       ten ab,  für die  Naturwissenschaftler bzw. Ingenieure eingesetzt
       werden. Die  o r g a n i s a t o r i s c h e n  Mittel der Zerle-
       gung, Routinisierung, Intensivierung und Kontrolle faßt Laatz zu-
       sammen. Auch sie gelten für Naturwissenschaftler nicht minder als
       für Ingenieure:  "1. Arbeitsplatzbeschreibungen  (Dienstpostenbe-
       schreibungen),  Vollmachtenkataloge   u.ä.  mit  dem  Zwecke  der
       bewußten Durchgliederung  und Organisation  des Funktionsablaufs,
       der genauen  Klärung der  Arbeitsaufgaben, der  dadurch  klareren
       Kommunikation und  als Ausgangspunkt zur Gestaltung der einzelnen
       Arbeitsabläufe. 2.  Periodische Zielplanung  und  Zielüberprüfung
       mit dem  Zwecke der  Zeitplanung und  Ablaufkontrolle  sowie  als
       Ausgangspunkt der Verbesserung der Arbeitsabläufe. Hier vor allem
       findet die Netzplantechnik ihre Anwendung. 3. Verschiedene Mittel
       zur Kontrolle der Arbeitszeit, der Kosten usw. 4. Standardisierte
       Leistungsbeurteilung mit  dem Ziel  der Leistungsmotivierung  und
       der Kontrolle von Arbeitskraft." 60)
       Bis heute  und in  absehbarer Zukunft  ist davon  auszugehen, daß
       beide Arten  von Veränderungen selbst in Großunternehmen erst be-
       grenzt und  in unterschiedlichem  Maße durchgesetzt sind. Sie be-
       zeichnen insofern mehr die Richtung als den historischen Entwick-
       lungsstand. Im  übrigen finden sie in den verschiedenen Naturwis-
       senschaftler- und  Ingenieurberufen und  in deren  einzelnen Ein-
       satzfeldern höchst unterschiedliche Entfaltungsspielräume. 61)
       Von   v e r t i k a l e r   D i f f e r e n z i e r u n g  ist in
       dem Maße  zu sprechen,  wie wissenschaftlich-technische Realisie-
       rungsaufgaben von  Planungs- und Entscheidungsaufgaben abgetrennt
       und letztere  zur Aufgabe eigener, übergeordneter Abteilungen ge-
       macht werden.  Der Verlust  betrifft erstens ökonomisch relevante
       Tätigkeitsmerkmale, die  in eigenen  Büros (für Wertanalyse u.ä.)
       konzentriert werden.  Überspitzt formuliert: "Die Kosten determi-
       nieren Aufwand  und Termine",  während die  Kosten früher vom Ar-
       beitsaufwand und  den Terminen  abhingen,  die  die  Naturwissen-
       schaftler und  Ingenieure "aufgrund ihrer technisch-organisatori-
       schen Kompetenz"  selbst festlegten.  62)  Der  Verlust  betrifft
       zweitens zeitliche Spielräume: zum einen auf dem Wege einer stär-
       keren, mit vorgesetzten Stellen abzustimmenden Strukturierung der
       Arbeitsvorhaben in "abrechenbare" Teilabschnitte, zum anderen auf
       dem Wege  einer Erhöhung  des Arbeitsdruckes  mittels  verkürzter
       Zeitvorgaben. Detailliertere  Personalbeurteilungstechniken,  die
       u. a. an die Einhaltung ökonomischer und arbeitsorganisatorischer
       bzw. zeitlicher Vorgaben und positiver Resultate in jedem Einzel-
       abschnitt der  Arbeit gebunden  sind, vervollständigen den Druck.
       63)
       Im Zusammenwirken aller dieser Momente erleidet die traditionelle
       p r o f e s s i o n e l l e   A u t o n o m i e  der Naturwissen-
       schaftler und  Ingenieure -  über längere  Zeiträume betrachtet -
       erhebliche Einbußen:  in jenen  Bereichen und  Berufen, in  denen
       (nicht zuletzt  aus stofflichen  Gründen) die innere Differenzie-
       rung von  Projekten (wie  z. B.  im Flugzeugbau)  sehr ausgeprägt
       ist, in  höherem Maße;  in jenen,  die (wie die Chemie) bis heute
       weithin nur  kooperierende, in sich relativ abgeschlossene Klein-
       projekte kennen  (ohne deswegen  hinter der Zeit zurück zu sein),
       in  geringerem   Maße.  Die    n a t u r w i s s e n s c h a f t-
       l i c h - t e c h n i s c h e,   f a c h l i c h e   A u t o n o-
       m i e  in der Beurteilung und Bewältigung der betreffenden Aufga-
       ben wird  durch diese  Entwicklung zwar berührt. Sie sinkt jedoch
       nicht im  gleichen Maße.  Der Haupteffekt  besteht hier unter dem
       Gesichtspunkt  vertikaler  Differenzierung  im    R ü c k g a n g
       d e s   f a c h l i c h e n   Ü b e r b l i c k s   u n d   d e r
       E n t s c h e i d u n g s k o m p e t e n z e n  h i n s i c h t-
       l i c h   d e s    G e s a m t z u s a m m e n h a n g s    d e r
       j e w e i l i g e n   P r o j e k t e.   Umgekehrt wird damit die
       Leitung nicht  nur in  betriebspolitischer, sondern auch in fach-
       licher Hinsicht  zum zwingenden  Erfordernis. 64) Der vergleichs-
       weise anspruchsvolle  (und subjektiv befriedigende) Charakter der
       Arbeit wird davon jedoch  n i c h t  z w a n g s l ä u f i g  be-
       rührt.
       Das gleiche  gilt für  jene  Aspekte  der  Veränderung,  die  als
       h o r i z o n t a l e   E n t d i f f e r e n z i e r u n g   be-
       zeichnet werden  können: Die  fachliche Spezialisierung nimmt zu.
       Starke Spezialisierung  ist jedoch nicht zwingend mit starker Ar-
       beitsteilung, Arbeitszergliederung  und Sinnentleerung der Arbeit
       gleichzusetzen. Einerseits  beinhaltet sie  tatsächlich eine Ver-
       einseitigung. Andererseits  wissen die  Spezialisten  nun  häufig
       "über weniger  mehr und  komplexere Dinge". 65) Insoweit  k a n n
       die Arbeit  sogar anspruchsvoller werden. Dies ist um so mehr der
       Fall, wo  die Spezialisierung mit einer Entlastung von Routinetä-
       tigkeiten einhergeht,  die ihrerseits auf enger ausgebildete Spe-
       zialisten und  später häufig auch auf Maschinen übertragen werden
       (vgl. etwa  in der  Chemie die  historische Verselbständigung der
       Analytik und  deren eigene  Entwicklung). Ein  relativ hoher Grad
       der fachlichen  Identifikation mit  der eigenen  Arbeit und  eine
       entsprechende Arbeitszufriedenheit, die hinsichtlich der Mehrheit
       der Naturwissenschaftler  außer Frage  stehen, aber eben auch für
       große Teile  der Ingenieure  ausreichend belegt sind, 66) stellen
       insofern -  anders als  Neef dies  nahelegt - keineswegs zwingend
       eine mehr  oder minder illusorische Form der Selbstvergewisserung
       dar, die  lediglich darüber  hinwegtäuschen  soll,  daß  der  Be-
       rufsalltag kaum mehr Anlaß zu entsprechender Identifikation biete
       und deren  soziale Funktion folglich nurmehr darin bestünde, eine
       subjektive Trennungslinie  gegenüber den  Arbeitern zu markieren.
       67)
       Die vergleichsweise  hohe fachliche Identifikation und Arbeitszu-
       friedenheit von  Naturwissenschaftlern und  Ingenieuren verweisen
       anstelle dessen  zunächst einmal  auf einen   o b j e k t i v e n
       Sachverhalt. Die  vertikale  und  horizontale  Entdifferenzierung
       laufen zwar  h i s t o r i s c h  auf eine Verarmung der Arbeits-
       inhalte hinaus.  Ihre   g e g e n w ä r t i g e n  Resultate sind
       jedoch relativ  anspruchsvoll  geblieben.  Sie  bezeichnen  somit
       nicht den Fortgang einer gleichsam linearen Annäherung an die Ar-
       beits- und  Lebensbedingungen der  Masse der  Lohnabhängigen oder
       gar einer  gänzlichen Entleerung  der Arbeit,  sondern einen Aus-
       druck der Tatsache, daß genau das nicht möglich ist.
       Dem widerspricht nicht, daß der Prozeß der Entdifferenzierung als
       kapitalistische Rationalisierung  auf dem  Rücken der  jeweiligen
       Beschäftigten durchgesetzt  wird und  daß er  insofern  zu  jedem
       Zeitpunkt   T e i l g r u p p e n   entstehen läßt,  für die sich
       der Wandel  zum Teil  extrem negativ bemerkbar macht. Die ntI ist
       von dieser Tendenz schon lange nicht mehr ausgeschlossen. 68) Sie
       wirkt heute  auf   a l l e n  Qualifikationsebenen: vom Techniker
       bis hin  zu den  promovierten Hochschulabsolventen. Die Reduktion
       der professionellen Autonomie kann zeitweise mit erheblichen Stö-
       rungen der  verbliebenen Arbeitsaufgaben  seitens neugeschaffener
       Planungs-,  Entscheidungs-   und  Kontrollinstanzen  einhergehen:
       durch unzulängliche organisatorische Abstimmungen, durch inkompe-
       tente Erwartungen in der Sache, durch demoralisierende Formen der
       Kontrolle und/oder des Arbeitsdrucks, durch die Schaffung einsei-
       tiger oder inkohärenter Tätigkeitsfelder bzw. Aufgabenzuweisungen
       etc. Letzteres  greift auf die Dimension der fachlichen Speziali-
       sierung über.  Weitgehende fachliche  Spezialisierung,  zumal  in
       fortgeschrittenen Phasen des Berufslebens, beeinträchtigt die be-
       ruflichen Mobilitätschancen.  Im Zusammenhang  mit der  möglichen
       Aufgabe einzelner  Arbeitsrichtungen seitens  der Unternehmen und
       damit verbundener  möglicher Entlassungen ist dauerhafte Arbeits-
       losigkeit der  betreffenden Spezialisten  die naheliegende Konse-
       quenz. Spezialisierung  führt im  übrigen nicht  zwangsläufig  zu
       gleichbleibenden oder  steigenden fachlichen  Anforderungen.  Sie
       führt ebenso  zu Routinetätigkeiten,  die nicht  allein subjektiv
       unbefriedigend sind, sondern auf Dauer auch die berufliche Quali-
       fikation als ganze gefährden.
       Die genannten Prozesse sind mehr oder minder zwangsläufige Folgen
       jener spezifischen  sozialen Verantwortungslosigkeit  und Planlo-
       sigkeit, in der sich die Verwissenschaftlichung der gesellschaft-
       lichen Produktion  und Reproduktion unter kapitalistischen Bedin-
       gungen entwickelt. Sie bezeichnen als solche jedoch eher einzelne
       V e r l a u f s f o r m e n   als den  eigentlichen   I n h a l t
       dieses Prozesses. In der historischen Kontinuität stellt sich die
       Sache vielmehr so dar: Die ntI nimmt zahlenmäßig weiter zu. Dabei
       werden einerseits  auf allen Qualifikationsebenen beständig Teil-
       gruppen hinsichtlich  ihrer Arbeitsbedingungen und ihrer sozialen
       Lage an den Rand und schließlich - zusammen mit den von ihnen re-
       präsentierten Arbeitsfunktionen - aus der ntI als solcher heraus-
       gedrückt. Andererseits vollzieht sich ein beständiger Reorganisa-
       tionsprozeß der  verbleibenden bzw.  wachsenden ntI. Damit bleibt
       der besondere,  von den Gruppen der Arbeiterklasse abhebende Cha-
       rakter der  ntI auch unter den Bedingungen ihrer stärkeren Unter-
       ordnung unter  das kapitalistische Lohnverhältnis gerade aufgrund
       der stofflichen Spezifik ihrer gemeinsamen Tätigkeitsmerkmale er-
       halten.
       
       4. Betriebliche Stellung, Berufsübergang und Bewußtsein -
       ---------------------------------------------------------
       einige Aspekte
       --------------
       
       Im Prozeß  ihrer beständigen Neuformierung einerseits und der im-
       mer breiter und nachhaltiger sich durchsetzenden horizontalen und
       vertikalen Entdifferenzierung  andererseits wandelt  sich  aller-
       dings der  d o m i n a n t e  T y p u s  des lohnabhängigen Inge-
       nieurs bzw.  Naturwissenschaftlers selbst. Bildeten die Naturwis-
       senschaftler und  Ingenieure historisch  gleichsam   U n i v e r-
       s a l i s t e n   in Sachen  Innovation  u n d  Leitung von Inno-
       vationsprozessen, so  werden sie  mehrheitlich immer  stärker  zu
       S p e z i a l a r b e i t e r n   im Rahmen  von  weithin    a u-
       ß e n g e s t e u e r t e n   Innovationsprozessen und  innerhalb
       eines dichter  werdenden Netzes von Kontrollmechanismen. Nur eine
       Minderheit wird  hingegen  zu  taylorisierten    D e t a i l a r-
       b e i t e r n   im dem  Sinne, der  für die historische, aktuelle
       und zukünftige  Entwicklung der  Handarbeit charakteristisch ist.
       69)  Damit   wird  nicht  behauptet,  daß  sich  die  Arbeit  von
       Naturwissenschaftlern und  Ingenieuren aufgrund ihrer stofflichen
       Eigentümlichkeiten prinzipiell  von der "gewöhnlichen" Handarbeit
       (in der  Produktion und in den Büros) unterschiede. Das Auftreten
       von "Ungewißheiten"  und unvorhergesehenen  "Zwischenfällen"  und
       folglich die  Notwendigkeit von  persönlichen Entscheidungen, von
       Eigeninitiative und  je individuellen  Lösungen  zur  Überwindung
       solcher Ereignisse  charakterisieren, wie   N e e f    zutreffend
       schreibt, jede  - auch  die normierteste und standardisierteste -
       menschliche Arbeit.  70) Der  Unterschied zur Arbeit der Mehrheit
       der Naturwissenschaftler  und Ingenieure, und zwar auch unter den
       Bedingungen fortschreitender  Entdifferenzierung, besteht  in der
       H ä u f i g k e i t   des Auftretens  solcher Momente  und in dem
       Umstand, daß  diese Momente  hier, in  entsprechender Häufigkeit,
       als prinzipiell  konstitutive (d.h. nicht unbedingt auch in jedem
       historisch-konkreten  Falle)   und  dauerhafte  Bestandteile  der
       Arbeit anerkannt  werden müssen.  Allerdings bestehen  auch  hier
       Abstufungen. Das  hierarchische Gefüge der naturwissenschaftlich-
       technischen Ausbildungsabschlüsse  spiegelt das  unterschiedliche
       Gewicht  dieses   Momentes  in   Grenzen  angemessen  wider.  Dem
       entspricht nicht  allein eine  unterschiedliche Nähe  der Berufs-
       situation der  jeweiligen Absolventen  zu derjenigen der Arbeiter
       und  einfachen   Angestellten,  sondern   bekanntlich  auch  eine
       entsprechend unterschiedliche  Offenheit für  kollektive und  na-
       mentlich gewerkschaftliche  Formen der  Interessenvertretung. 71)
       Die besonders  schwache Ausbildung von gewerkschaftlichem Bewußt-
       sein im  Kreise der  Hochschulabsolventen erweist  sich in diesem
       Zusammenhang zwar  als subjektives Defizit, das einer Wahrnehmung
       der eigenen Interessen im Wege steht, zugleich aber als ein Defi-
       zit, das  sich nicht  allein aus der Qualität betriebspolitischer
       Manipulierungstechniken der  Unternehmensleitungen  und/oder  aus
       allgemeinen kulturellen  Veränderungen "lebensweltlicher"  Zusam-
       menhänge und Wertorientierungen, sondern - auch als Basis für die
       Wirksamkeit entsprechender  Techniken - vor allen anderen aus ob-
       jektiven Merkmalen der Tätigkeit von Hochschulabsolventen ergibt.
       Da diese  Tätigkeitsmerkmale auch in Zukunft relativ stabil blei-
       ben werden,  wird sich das betreffende Bewußtsein auch in Zukunft
       nur verhältnismäßig langsam verändern lassen.
       Die hier interessierenden - arbeitssoziologisch zu analysierenden
       - Voraussetzungen variieren im übrigen auch auf der Ebene ein und
       des gleichen  Qualifikationsniveaus von Fachrichtung zu Fachrich-
       tung. Auch  hier  spielen  stoffliche  Aspekte  eine  beachtliche
       Rolle: in  diesem Falle die für einzelne Fachrichtungen charakte-
       ristischen Arbeitsgegenstände  und die  darauf bezogenen Arbeits-
       operationen als Grundlage für das Entstehen typischer Arbeitsfel-
       der und  entsprechend  spezieller  betriebspolitischer  Nutzungs-
       spielräume dieser Besonderheiten.
       Auffällige berufstypische  Merkmale zeigen  sich schon in den un-
       terschiedlichen Graden  der  betrieblichen    M a s s i e r u n g
       von Angehörigen der verschiedenen Berufe. Während die Angehörigen
       der meisten Ingenieurgruppen häufig in ein und dem gleichen Groß-
       betrieb in  verhältnismäßig großer  Zahl konzentriert  sind,  ist
       dies bei  den meisten  Naturwissenschaftlergruppen, zumindest bis
       jetzt, erst  in Ansätzen  der Fall.  Aber auch hier sind die Ver-
       hältnisse unterschiedlich.  Die Spanne  reicht von  den Chemikern
       (für die  nichts weniger  als eine  "eigene" Industrie existiert)
       über die  Mathematiker und Physiker bis zu den Biologen, Geologen
       u. ä. mit überwiegend sehr geringer Konzentration.
       Selbst dort, wo rein quantitativ größere Ballungen zu verzeichnen
       sind,  existieren   zweitens  sehr   unterschiedliche  Grade  der
       K o o p e r a t i o n.  Sie bilden ein weiteres Medium der Förde-
       rung bzw.  Hemmung der Entwicklung von Bewußtsein. Man vergleiche
       in dieser Hinsicht die Großraumbüros der Konstruktionsabteilungen
       im Ingenieurbereich  mit den  Arbeitsplätzen von Chemikern in der
       Forschung, die eher an Zellen gemahnen. Krassere Unterschiede der
       Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten sind kaum vorstell-
       bar.
       Sie berühren einen dritten Faktor: die jeweiligen Schwierigkeiten
       des   Ü b e r g a n g s   v o m   S t u d i u m  i n  d e n  B e-
       r u f   als einem zentralen Moment der beruflichen Sozialisation.
       Der leichteste  Übergang ist  in  der  Chemie  gegeben.  Die  in-
       dustriellen Forschungslabors  der Chemie  ähneln sowohl äußerlich
       als  auch   von  der  Art  der  dort  gestellten  Arbeitsaufgaben
       (Gewinnung von  Wissen) am  ehesten dem,  was den Berufsanfängern
       von der Ausbildung her geläufig ist. Die Entfaltung eines indivi-
       dualistischen (und elitären) Bewußtseins findet hier günstige Be-
       dingungen, und  zwar als Massenerscheinung: Die Berufsanfänger in
       der Chemie beginnen zum allergrößten Teil im Forschungslabor. 72)
       Die Profitproduktion  als bestimmender Zweck industrieller Tätig-
       keit prägt gewiß auch der Arbeit im Forschungslabor ihren Stempel
       auf. Sie  ist hier  aber zunächst weniger deutlich spürbar als in
       anderen Abteilungen, zumal in der Produktion. Zugleich bietet die
       Forschung optimale  Möglichkeiten, um  die Berufsanfänger langsam
       und entsprechend  behutsam an  den harten  Kern der industriellen
       Tätigkeit heranzuführen.  Soweit die  Unterschiede zwischen Hoch-
       schule und Industrie trotzdem erfahrbar werden, bewähren sich nun
       jene zweifelhaften  Tugenden, die  unter  den  Bedingungen  eines
       wachsenden Studiendrucks  erworben werden: einerseits ein instru-
       mentalistisches Verhältnis  zur Wissenschaft und eine ausgeprägte
       Neigung, die  eigene Tätigkeit gleichsam geschäftsmäßig aufzufas-
       sen; andererseits eine hohe Frustrationstoleranz und ein entspre-
       chendes Vermögen, eigene, inhaltliche Interessen hintanzustellen,
       kurz: ein  hohes Maß  an subjektiver Entfremdung. Von einer Soll-
       Bruchstelle zwischen (akademisch orientierten) naturwissenschaft-
       lich-technischen Professionsnormen  und (profitorientierten)  be-
       trieblichen Arbeitsnormen  kann unter diesen Umständen keine Rede
       mehr sein  (sofern dies,  zumal im Ingenieurbereich) überhaupt je
       nennenswert der Fall war.
       Die ebenfalls aus der stofflichen Spezifik naturwissenschaftlich-
       technischer Tätigkeit  erwachsende  Teilhabe  an  Koordinations-,
       L e i t u n g s-   und Überwachungsfunktionen  und die damit ver-
       bundene Honorierung  in Gestalt  vergleichsweise hoher  Einkommen
       und betriebspolitischer Statussymbole vervollständigen das Ensem-
       ble der Faktoren, welche die Entfaltung eines technisch-reduktio-
       nistischen, elitären  und individualistischen  Verständnisses der
       eigenen Tätigkeit begünstigen. Ein berufs- und gesellschaftspoli-
       tisches Bewußtsein,  das der  kollektiven Interessenvertretung im
       Verein mit  den übrigen  Lohnabhängigen zumindest distanziert ge-
       genübersteht, erscheint  vor  dem  hier  skizzierten  Hintergrund
       nicht nur  möglich, sondern naheliegend. Die Ergebnisse einer ei-
       genen Befragung  74) deuten  an, daß die Auflösung dieser Distanz
       oft erst nach längeren betrieblichen Erfahrungen erfolgt; vor al-
       lem dann,  wenn sich die vormaligen Aufstiegsillusionen nicht re-
       alisiert haben und/oder wenn mit fortschreitendem Lebensalter an-
       dere  als   berufsbezogene  Interessen   (Familie,  Hobbys),  die
       zunächst mit  Rücksicht auf den erhofften beruflichen Aufstieg in
       den Hintergrund  gerückt wurden,  berücksichtigt  werden  wollen,
       während andererseits  der Arbeitsdruck  wächst. Weitere, außerbe-
       triebliche Faktoren  wie eine  familiär oder  durch eine  frühere
       Ausbildung und Berufstätigkeit bedingte Vertrautheit mit der Welt
       der "normalen"  Lohnabhängigen und  den Gewerkschaften  als deren
       Interessenvertretung können diesen Prozeß begünstigen. Sie können
       ihn aber  bekanntlich auch im Rahmen eines Aufsteigersyndroms mit
       besonderer Nachhaltigkeit behindern.
       Schon diese Spanne der Möglichkeiten macht deutlich: So differen-
       ziert das sowohl ökonomisch als auch stofflich bestimmte berufli-
       che "Sein"  auch analysiert  werden mag  (und muß),  der konkrete
       Verlauf der  Bewußtseinsentwicklung läßt  sich auf  einer solchen
       Grundlage immer  nur bedingt erklären und prognostizieren. Es muß
       stets als  weiteres Moment die systematisch angemessene Einbezie-
       hung der individuellen Bewußtseinsentwicklung in die Bewegung und
       die inneren  Widersprüche des gesellschaftlichen Überbaus als dem
       Gesamtzusammenhang der  politischen,  geistigen  und  kulturellen
       Entfaltung der Gesellschaft hinzutreten.
       Unter Berücksichtigung der relativen gesellschaftlichen Randstel-
       lung der Intelligenz ist hier festzuhalten: Das gesellschaftliche
       Bewußtsein und  die Einsicht  in die ohnehin nur bedingt erkannte
       Notwendigkeit einer  gewerkschaftlichen Interessenvertretung ent-
       wickeln sich  heute auf seilen der ntl (und - wie eingangs sicht-
       bar wurde  - auch  in der  sozialwissenschaftlichen  Intelligenz)
       trotz fortschreitender  Gefährdung durch  Arbeitslosigkeit, trotz
       steigenden Arbeitsdrucks  und trotz  des Wachstums der Gruppe als
       ganzer eher langsamer als in der Vergangenheit. Mit der Erfahrung
       innerbetrieblicher Widersprüche und zunehmend auch solcher Wider-
       sprüche, die  sich aus  der kapitalistisch betriebenen Produktiv-
       kraftentwicklung und -nutzung außerhalb der Betriebe ergeben (vor
       allem in  der Umweltfrage),  nimmt das Bewußtsein der eigenen Ab-
       hängigkeit und  des unsozialen  Charakters  der  kapitalistischen
       Produktivkraftentwicklung gleichwohl  zu: Im  Rahmen der fortdau-
       ernden gehobenen  beruflichen Stellung  des Kerns  der ntI einer-
       seits und der gewandelten ideologischen und politisch-praktischen
       Kräfteverhältnisse im  gesamtgesellschaftlichen Maßstab  anderer-
       seits nimmt  es allerdings  vielfach organisations-  und  gewerk-
       schaftsfremde bis -kritische Formen an.
       Diese Wendung  bezeichnet indessen  nur die  eine Seite  der  Me-
       daille. Ihre  Kehrseite besteht  darin, daß die gegenwärtigen ge-
       samtgesellschaftlichen Kräfteverhältnisse  aufgrund ihrer politi-
       schen und ökonomischen Wirkungen technokratische, elitäre und so-
       zialpartnerschaftliche Illusionen  nur bei einem Teil der ntI be-
       festigen können,  während sie  hinsichtlich der  Mehrheit eher zu
       einer Erosion  solchen Denkens  drängen. Die vermehrte Entstehung
       von gewerkschaftlichen  oder auf gewerkschaftliches Handeln bezo-
       genen Arbeitskreisen  von Naturwissenschaftlern  und  Ingenieuren
       (Ingenieurarbeitskreise  für   Rationalisierungsfragen,  für  Rü-
       stungsfragen, für  Produktkonversion u.ä.) als sinnfällige Berei-
       cherungen der  gewerkschaftlich geprägten  Aktivitäten von Natur-
       wissenschaftlern und Ingenieuren ist vor diesem Hintergrund eben-
       sowenig ein  Zufall wie  die weniger  spektakulären, dafür aber -
       trotz ihrer  relativen Begrenztheit  - stärker in die Breite wir-
       kenden Organisationserfolge  der Industriegewerkschaften  im  Be-
       reich der  ntI, vor  allem der  Techniker und der Ingenieure ohne
       größere Leitungskompetenzen.  Trotz der ungünstigen Wirkungen der
       aktuell politischen und ökonomischen Konjunktur und trotz der hi-
       storisch  deutlich  stabileren  berufstypischen  Schranken  einer
       breiten Öffnung  der ntI  in Richtung  auf eine gewerkschaftliche
       Interessenvertretung und ein breiteres allgemeinpolitisches Enga-
       gement an  der Seite der "Nichtprivilegierten" 75) sind hier wei-
       tere Fortschritte zu erzielen. Eine langfristig angelegte und auf
       die Spezifik der berufspolitischen Problemstellungen der ntI ein-
       gehende gewerkschaftliche  Informations-,  Interessenvertretungs-
       und Mobilisierungsstrategie bildet dabei allerdings eine unerläß-
       liche Voraussetzung. Das wachsende betriebliche und gesellschaft-
       liche Gewicht der ntI macht die Entwicklung einer solchen Strate-
       gie zu einer zwingenden Notwendigkeit.
       
       _____
       1) Urteil eines  Ingenieurs in:  W. Laatz, Ingenieure in der Bun-
       desrepublik Deutschland, Frankfurt am Main/New York 1979, S. 175.
       2) Beiträge des IMSF 3: Klassen- und Sozialstruktur der BRD 1950-
       1970, Teil  I: Klassenstruktur  und Klassentheorie.  Theoretische
       Grundlagen und  Diskussion, Frankfurt/M.  1972, S.  135 ff.; Teil
       III: Die Intelligenz der BRD 1950-1970, Frankfurt/M. 1974.
       3) Siehe etwa die Literaturangaben in: Autorenkollektiv, Klassen-
       lage und  Bewußtseinsformen technisch-wissenschaftlicher  Lohnar-
       beiter, Frankfurt/M.  1973, S. 241, und die Debatte in: "Soziali-
       stische Politik", 1. Jg. (1969), H. 3 ff.
       4) Den vielleicht  wichtigsten Kristallisationskern für die Erör-
       terung dieser Problematik bildete die Debatte über S. Mallet, Die
       neue Arbeiterklasse, Neuwied/Berlin 1972.
       5) Neben der  erwähnten Arbeit von Laatz (Anm. 1) siehe vor allem
       B. Lutz/G.  Kammerer, Das Ende des graduierten Ingenieurs, Frank-
       furt/M. 1975; N. Beckenbach u.a., Ingenieure und Techniker in der
       Industrie, Frankfurt/M.  1975; W. Neef, Ingenieure in der Metall-
       industrie, Phil.-Diss., Universität Hannover 1980.
       6) Die Arbeit von M. v. Engelhardt/R. Hoffmann, Wissenschaftlich-
       technische  Intelligenz  im  Forschungsgroßbetrieb,  Frankfurt/M.
       1974, bildet die einzige größere empirische Arbeit zum Thema.
       7) H. Schelsky, Die Arbeit tun die anderen, München 1977; H. Ten-
       bruck, Die  unbewältigten Sozialwissenschaften, Tübingen 1977; A.
       Gouldner, Die  Intelligenz als neue Klasse, Frankfurt am Main/New
       York 1980.
       8) Dazu: BdWi-Stellungnahme  zur Hochschulpolitik  "Demokratisie-
       rung statt  Vermarktung", in:  Forum Wissenschaft,  hrsg. v. Bund
       demokratischer Wissenschaftler, Nr. l (Juni 1984).
       9) Beispielhaft H. Wiesenthal/K. Hinrichs, An den Grenzen des Ar-
       beiterbewußtseins. Argumente für eine erweiterte Perspektive, in:
       Gewerkschaftliche Monatshefte, H. 12/83, S. 775 ff.
       10) C. Offe,  Arbeit als  soziologische Schlüsselkategorie?,  in:
       Krise der Arbeitsgesellschaft? Verhandlungen des 21. Dt. Soziolo-
       gentages 1982, Frankfurt am Main/New York 1983, S. 58.
       11) Am ehesten  gilt dies  für die  frühen Arbeiten des "Projekts
       Klassenanalyse" in  West-Berlin. Aber  selbst dort  ist der  Gel-
       tungsanspruch der  "Ableitungen" weitaus  begrenzter, als dies in
       mancher der nachfolgenden Kritiken eingeräumt wird.
       12) Klassenstruktur  und Klassentheorie  ..., a.a.O.,  S.  205f.,
       233; noch  deutlicher C.  Kievenheim, in: C. Kievenheim/A. Leise-
       witz (Hrg.),  Soziale Stellung  und Bewußtsein  der  Intelligenz,
       Köln 1973,8.140.
       13) Wirtschaft und Statistik 2/84, S. 108 f.
       14) Wirtschaft und Statistik 12/79, S. 875.
       15) Diese Vermutung  bildete immerhin  einen programmatischen Be-
       standteil des 21. Dt. Soziologentages (Programmheft, S. 13). Ähn-
       liche Annahmen  finden sich aber auch bei ausgesprochenen Spezia-
       listen für  sozial- und  berufsstatistische Fragen,  etwa bei  M.
       Tessaring/H. Werner  (Arbeitsmarktprobleme von Hochschulabsolven-
       ten in der EG, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufs-
       forschung 2/80, S. 222).
       16) Dazu C.  Kievenheim, in:  Die Intelligenz in der BRD, a.a.O.,
       S. 72 ff.
       17) Die Zuordnung  umfaßt nicht die Gruppen 883 (Biologen, Geolo-
       gen u.a.  kleinere Berufsgruppen)  und  774  (Datenverarbeitungs-
       fachleute). Die Zahlen basieren auf dem Mikrozensus.
       18) Wirtschaft und  Statistik 7/81,  S. 443 * und 8/83, S. 535 *;
       bezüglich des  Wachstums der  Angehörigen 'Technischer Berufe' im
       Verhältnis zu denen anderer Berufe siehe: ebd., 8/83, S. 615.
       19) Ebd.
       20) Ingenieurerhebung im  Maschinen- und  Anlagenbau 1983,  hrsg.
       vom Verband  Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Bildungsreferat
       (o.J.), S. 2.
       21) Ingenieure von  allen Beschäftigten: 1950: 4,2 Prozent; 1961:
       4,4 Prozent; 1982: 7 Prozent.
       22) Siehe: Akademiker  in Deutschland,  hrsg. v.  Spiegel-Verlag,
       Hamburg 1980,  S. 7. Der Zuwachs der abhängig beschäftigten Hoch-
       und Fachhochschulabsolventen  (aller  Richtungen)  betrug  allein
       zwischen 1978 und 1982 mehr als 300 000 (ANBA 5/84, S. 641).
       23) Wirtschaft und Statistik 5/84, S. 416.
       24) Ebd., S. 173.
       25) Ebd., S. 416. Auch die nachfolgende Ebene (Sachgebietsleiter,
       Referent, Handlungsbevollmächtigter) umfaßt erst 4,9 Prozent.
       26) Ebd., S. 412.
       27) Ebd., S. 171.
       28) Abteilungsleiter bis Betriebsleiter (s.o.).
       29) Siehe Anm. 25; ebd., S. 173 *.
       30) Ebenda, 6/78, S. 355 * (siehe auch ebenda, S. 358), und 5/84,
       S. 173.
       31) "Man macht  die gleiche  Tätigkeit wie  ein Betriebsleiter in
       einem Kleinbetrieb,  aber ohne Kompetenz, nur mit Verantwortung";
       zit. nach  Neef, Ingenieure  in der  Metallindustrie, a.a.O.,  S.
       290. Vgl.  auch Laatz,  Soziale Situation und soziales Bewußtsein
       von Ingenieuren,  Hamburg 1975,  zit. n.  G. Thiel, Techniker und
       Ingenieure in  der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M. 1977,
       S. 118.  Demnach besteht selbst im Tätigkeitsbereich "Management"
       die Arbeit  der befragten  Ingenieure nur  zu 17% aus überwiegend
       kaufmännischen bzw. betriebswirtschaftlichen und zu 70% aus über-
       wiegend technisch-organisatorischen und technisch-fachlichen Ele-
       menten.
       32) Arbeitskreis Ingenieure und Naturwissenschaftler in der Indu-
       strie (AIN),  Argumente zur  Mitgliederwerbung, hrsg.  v. d. DAG,
       Hamburg o.J., S. 25. In der zit. Erhebung des Verbandes Deutscher
       Maschinen- und  Anlagenbau liegt  das Tätigkeitsgebiet von ledig-
       lich 7,4%  der Befragten  im Management  gegenüber 56,3%  in For-
       schung/Entwicklung/Konstruktion, 10,4% in Produktion und Hilfsbe-
       trieben und 16,6% im Vertrieb; a.a.O., S. 2.
       33) Amtliche Nachrichten  der Bundesanstalt  für Arbeit  3/84, S.
       220.
       34) Ebenda, 5/84, S. 641. Dazu: FAZ, 9. 3. 83, S. 14.
       35) L. Reyher, Jeder zehnte ohne Arbeit, in: Wirtschaftswoche 51-
       52/1982, S. 50.
       36) Die Zahl  der  r e g i s t r i e r t e n  arbeitsuchenden Na-
       turwissenschaftler und  Ingenieure hat sich von 1980 bis Ende De-
       zember 1983  im gleichen  Maße vervielfacht  wie die  der Lehrer,
       nämlich auf  das Dreifache:  Lehrer 27800  - Naturwissenschaftler
       und Ingenieure  27278. Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für
       Arbeit 5/84, S. 641 u. 675 und 3/84, S. 436 ff u. 401 f.
       37) Ebenda, S. 369 u. 372.
       38) FAZ v. 26.3.84.
       39) Amtliche Nachrichten  der Bundesanstalt  für Arbeit  3/84, S.
       371 f.
       40) Amtliche Nachrichten  der Bundesanstalt  für Arbeit 10/83, S.
       1169. Anteil  der arbeitslosen Berufsanfänger an allen arbeitslo-
       sen Hoch-  und Fachhochschulabsolventen  (alle Richtungen)  1980:
       25% -  1983: 32%;  Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Ar-
       beit 3/84, S. 219.
       41) Siehe C.  Kievenheim, Die  Intelligenz der  BRD, a.a.O., S. 8
       ff.
       42) Siehe K. Marx, Das Kapital, Bd. I, MEW 23, S. 356 ff.
       43) K. Marx, MEGA II, 3.6, S. 2028.
       44) Dazu: Klassenstruktur und Klassentheorie, a.a.O., S. 91.
       45) Der Arbeitsmarkt  für Chemiker,  in: Nachrichten  aus Chemie,
       Technik und Labor, 31 (1983) 5, S. 353.
       46) Amtliche Nachrichten  der Bundesanstalt  für Arbeit  3/84, S.
       371 f.
       47) Der Arbeitsmarkt für Chemiker, a.a.O., S. 355.
       48) Der Arbeitsmarkt für Chemiker, a.a.O., S. 358.
       49) Amtliche Nachrichten  der Bundesanstalt  für Arbeit 11/82, S.
       1468.
       50) Ebenda, 5/84,  S. 652. Bemerkenswert erscheint auch, "daß bei
       der Personalauswahl  sehr genau  auf  Spezialkenntnisse  geachtet
       wurde, die  den vollen Einsatz eines Bewerbers nach kurzer Einar-
       beitungszeit gewährleisten". Ebenda, 11/82, S. 1473.
       51) Der Arbeitsmarkt für Chemiker, a.a.O., S. 353.
       52) Dazu R.  Rilling, Theorie  und Soziologie  der  Wissenschaft,
       Frankfurt/M. 1975, S. 51 ff.
       53) A.E.  Pannenborg  (Philips  -  Eindhoven),  zit.  n.  FAZ  v.
       2.5.1984, S. 14.
       54) W. Neef,  Ingenieure in  der Metallindustrie, a.a.O., S. 242;
       ähnlich auch  C. Kievenheim,  Die Intelligenz in der BRD, a.a.O.,
       S. 13.
       55) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O.
       56) S. Laurent,  zit. n.  C. Kievenheim,  Die Intelligenz  in der
       BRD, a.a.O., S. 215.
       57) Klassenstruktur und Klassentheorie, a.a.O., S. 95.
       58) Die Intelligenz in der BRD, a.a.O., S. 39. Zur Tradition die-
       ses Begriffs  in der  Geschichte der  Sozialdemokratie  siehe  H.
       Jung, in: Klassenstruktur und Klassentheorie, a.a.O., S. 95.
       59) Siehe dazu  auch W.  Neef, Ingenieure in der Metallindustrie,
       a.a.O., S. 361 ff.
       60) W.  Laatz,  Ingenieure  in  der  Bundesrepublik  Deutschland,
       a.a.O., S. 163.
       61) In diesem Sinne auch Neef, Ingenieure in der Metallindustrie,
       a.a.O., S.  305 f., und - sehr viel entschiedener - W. Laatz, In-
       genieure in der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O., S. 155 ff.
       62) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 275.
       63) Das betreffende  "IBM-System" hat deshalb zu Recht große Auf-
       merksamkeit  auf   sich  gezogen,   weil  es   ein  Maximum   der
       S e l b s t aktivierung  der Beschäftigten fördert bzw. erzwingt.
       G. Peter, Das IBM-System, Frankfurt/M. 1975. Siehe auch den Beur-
       teilungsbogen vom MBB in: Wechselwirkung 2/79, S. 11.
       64) Gleichzeitig "verwissenschaftlicht"  sich die Leitung selbst,
       und zwar  in doppelter  Weise: zum einen, indem sich eine eigene,
       speziell auf  FuE-Prozesse bezogene  Management-"Lehre" entfaltet
       (vor allem  seit Ende  der fünfziger  Jahre); zum  zweiten, indem
       Entscheidungsvorbereitungen der  Spitze,  die  traditionell  beim
       mittleren Management  lagen, von  qualifizierten Stabsabteilungen
       übernommen werden, die damit deren Arbeitsplätze gefährden.
       65) W.  Laatz.  Ingenieure  in  der  Bundesrepublik  Deutschland,
       a.a.O., S. 167.
       66) Lediglich 8%  der von  Laatz befragten  Ingenieure  erklärten
       sich für  "eher unzufrieden"; a.a.O., S. 169. Ähnliche Ergebnisse
       auch bei H. Hühner u.a., Studium, Beruf und Qualifikation der In-
       genieure, hrsg. v. VDI, Düsseldorf 1976, S. 43.
       67) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 284.
       68) Siehe etwa  U. Kadritzke, Angestellte - Die geduldigen Arbei-
       ter, Frankfurt/M. 1975, S. 189 ff.
       69) Diese Schlußfolgerungen scheinen sich durch Beobachtungen von
       W. Laatz  zum Thema  "partielle" und "segmentierte" Krisenbetrof-
       fenheit von  Ingenieuren zu bestätigen. Die Ergebnisse weisen zum
       einen Größenordnungen  und zum  anderen inhaltliche  Schwerpunkte
       der Krisenbetroffenheit  aus: Immerhin  ein Viertel der Befragten
       mußte -  allerdings von Branche zu Branche differierend - Krisen-
       auswirkungen  "im   Sektor  Arbeitsplatzsicherheit  ...  erleben"
       (Versetzung 7%, Kurzarbeit 8%, Bedrohung durch Entlassung 5%, ei-
       gene Kündigung, um einer Entlassung zuvorzukommen, 4%). Hinsicht-
       lich der  inhaltlichen Veränderungen  der Arbeit  geben bei einer
       jeweils erheblich  geringeren Zahl gegenteiliger Nennungen () an:
       59% (2%)  gestiegenen Leistungsdruck,  57% (7%) gestiegenen Zeit-
       druck, 24%  (7%) erhöhten Konkurrenzdruck. Am geringsten ist hin-
       gegen die  Auswirkung auf den Arbeitsinhalt selbst: Die Kontrolle
       und Reglementierung  der Arbeit selbst werden nur von jeweils 19%
       als zunehmend  geschildert - und von 15% als sinkend. Die Angaben
       beziehen sich auf Veränderungen zwischen 1973 und 1979. W. Laatz,
       Wirtschaftskrise und Krisenbetroffenheit (am Beispiel der Ingeni-
       eure), in:  G. Schmidt u.a. (Hrsg.), Materialien zur Industrieso-
       ziologie, a.a.O., S. 283 ff. Diese Ergebnisse von W. Laatz decken
       sich im  übrigen weitgehend  mit denen der Studie Angestelltenbe-
       wußtsein '81 (infas) des DGB (10. Angestelltentag), S. 7.
       70) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 287.
       71) G. Thiel,  Techniker und  Ingenieure  in  der  Bundesrepublik
       Deutschland, a.a.O.,  S. 122f.,  und N. Beckenbach u. a., Ingeni-
       eure und Techniker in der Industrie, a.a.O., S. 248. (Für die In-
       dustriegewerkschaft  als   überbetriebliche  Interessenvertretung
       sprachen sich  in der Erhebung von Beckenbach u.a. 17% der Dipl.-
       Ing., 25%  der Ing.  grad. und 44% der Techniker aus.) J. Schmid,
       Das  Organisationsverhalten   wissenschaftlich-technischer  Ange-
       stellter, München 1980 (Deutsches Jugendinstitut e.V.), S. 8 ff.
       72) Eine Erhebung  aus dem  Jahre 1976 weist hier über 75 Prozent
       aller Neueingestellten  aus. Anhang zu "Chemie-Studium und Beruf,
       hrsg. v. Fonds der Chemischen Industrie, Ffm. 1977.
       73) So differieren die gewerkschaftlichen Organisationsraten zwi-
       schen Elektroingenieuren  und Chemikern  signikant. Die IG Metall
       ist im Ingenieurbereich besser verankert als die IG Chemie im Be-
       reich der  Chemiker. Der Verband angestellter Akademiker und lei-
       tender Angestellter  der chemischen  Industrie organisiert nahezu
       drei Viertel der Chemiker dieses Zweiges.
       74) Berufsfeldanalyse  für  Diplomchemiker  und  Chemieingenieure
       (grad.), in: Gewerkschaftliche Umschau 2/80, Dokumentation.
       75) R.W. Hoffmann,  Kooperation zwischen Wissenschaft und Gewerk-
       schaften, GEW-Dok E-83/8/3, Frankfurt/M. 1983.
       

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