Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984


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       ARBEIT, BETRIEB, BEWUSSTSEIN
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       Zur Bewußtseinsentwicklung der Arbeiterklasse
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       in der neueren industriesoziologischen Diskussion
       -------------------------------------------------
       
       Lothar Peter
       
       1. "Instrumentelle"  Einstellung zur Arbeit oder "Subjektperspek-
       tive"? -  2. Bewußtseinsorientierungen  von Arbeitern  und  Ange-
       stellten im  Betrieb - 3. Arbeiterbewegung und Arbeiterbewußtsein
       - 4.  Perspektiven der  Industriearbeit - Perspektiven des Arbei-
       terbewußtseins
       
       1. "Instrumentelle" Einstellung zur Arbeit
       ------------------------------------------
       oder "Subjektperspektive"?
       --------------------------
       
       Gesellschaftliches Bewußtsein von Lohnarbeitern ist weder ein me-
       chanischer Reflex  auf allgemeine  ökonomische Determinanten  des
       Kapitalverhältnisses noch  die Summe individueller, aus übergrei-
       fenden Klassen-  und Sozialzusammenhängen herausgelöster Arbeits-
       erfahrungen.
       Zwar bildet  der Austausch von Lohnarbeit und Kapital die gesell-
       schaftliche Grundlage für die Konstituierung des "Arbeiterbewußt-
       seins", aber  dieser Austauschprozeß  ist stets  vermittelt durch
       konkrete Formen der betrieblichen Verwertung von Arbeitskraft und
       der Kontrolle  über die "lebendige Arbeit". Das Kapitalverhältnis
       tritt für  die Lohnarbeiter  nicht als Abstraktum in Erscheinung,
       sondern realisiert  sich in  der betrieblichen  Organisation  der
       Arbeit, der  betrieblichen  Produktionsstruktur,  Arbeitsteilung,
       sozialen Differenzierung und Herrschaftsausübung. Der Betrieb ist
       also nicht  nur die  ökonomische Basiseinheit  des  gesellschaft-
       lichen Produktions-  und Reproduktionsprozesses,  in der  die un-
       mittelbare Kombination  der dinglichen  und persönlichen  Produk-
       tionsfaktoren stattfindet,  er ist  zugleich  die  konkrete  Form
       sozialer Beziehungen  zwischen Kapital  und Arbeit, zentraler Ort
       der Entstehung  von Klassenbewußtsein,  Brennpunkt  des  Klassen-
       kampfes. 1)
       In der  arbeits- und  industriesoziologischen Forschung  ist  die
       zentrale Bedeutung  des Betriebs  und insbesondere der betriebli-
       chen Arbeitserfahrung sowohl für den Aufbau einer subjektiven Ar-
       beitsidentifikation als auch für die Entwicklung eines konflikto-
       rientierten, "politisierten" Arbeiterbewußtseins allerdings immer
       wieder in Zweifel gezogen worden. Dies geschah unter unterschied-
       lichen Gesichtspunkten, aus unterschiedlichen Motiven und mit un-
       terschiedlichen inhaltlichen Akzenten.
       Bereits während der sechziger Jahre entwickelten vor allem engli-
       sche Industriesoziologen  wie John  H. Goldthorpe und David Lock-
       wood die  sogenannte "Instrumentalismus"-These. Ihr zufolge steht
       der moderne,  gut verdienende  Industriearbeiter seiner konkreten
       Arbeitstätigkeit im  Betrieb relativ  gleichgültig gegenüber  und
       betrachtet seine  Arbeit lediglich als "Job", um einen bestimmten
       Lebensstandard halten zu können. 2)
       Distanziertes Verhalten  zum Inhalt der Arbeit, betriebs- und ar-
       beitsexterne Wertorientierungen  und ein rein ökonomisches Inter-
       essenkalkül in  bezug auf  die Einstellung  zum Betrieb  stellten
       sich für die Vertreter der "Instrumentalismus"-These auch auf der
       Ebene des  subjektiven Verhältnisses  der  Arbeiter  zu  den  Ge-
       werkschaften und  Parteien als "instrumentelle" Orientierung dar.
       Auch hier zeige sich ein Bewußtsein, das sich von den für die Ar-
       beiterbewegung geschichtlich tragenden Prinzipien der kollektiven
       Solidarität entferne  und Gewerkschaften  und politische Parteien
       ausschließlich nach  dem Kriterium ihrer ökonomischen und sozial-
       politischen Effizienz beurteile. 3)
       Die neuere  arbeits- und  industriesoziologische Forschung in der
       Bundesrepublik, die  sich im  Vergleich zu anderen speziellen So-
       ziologien durch  ein bemerkenswert  fortschrittliches Profil aus-
       zeichnet, hat  sich mit  der "Instrumentalismus"-These  und ihrem
       Bild vom ökonomisch bornierten, entpolitisierten und seine Arbeit
       gleichgültig betrachtenden Arbeiter nicht abgefunden.
       Vor dem  Hintergrund des  damaligen  Forschungsstandes  hatte  M.
       Osterland bereits 1975 die "Instrumentalismus"-These kritisch ge-
       würdigt und  war dabei zu dem Schluß gekommen, daß sie sich nicht
       aufrechterhalten lasse. Osterland hatte sich gegen die unhistori-
       sche und  gesellschaftlich verkürzende  Sichtweise  der  "Instru-
       mentalismus"-These gewandt  und gefordert,  die Sphäre der Arbeit
       und  die   Lebenssphäre  außerhalb   der  Arbeit  nicht  einander
       schematisch entgegenzusetzen, sondern ihren inneren, sowohl durch
       ökonomische Bedingungen  als  auch  durch  "subjektive  lebensge-
       schichtliche Erfahrungsprozesse" vermittelten Zusammenhang aufzu-
       decken, ohne  dessen Berücksichtigung die Interpretation spezifi-
       scher subjektiver Einstellungen zur Arbeit zu kurz greifen müsse.
       4)
       Die Instrumentalismus-These  hat unterschiedliche wissenschaftli-
       che Reaktionen  hervorgerufen. So  stellte die  von M.  Abendroth
       u.a. verfaßte  Bremer Hafenarbeiterstudie, 5) die auf einer brei-
       ten Datenbasis beruht, zwar durchaus "instrumentelle" Arbeitsori-
       entierungen bei  bestimmten Hafenarbeitergruppen  fest, interpre-
       tierte  aber   diesen  Befund  in  einer  den  Implikationen  der
       "klassischen"  Instrumentalismus-These  entgegengesetzten  Weise.
       Während Goldthorpe  u.a. und  in der  Bundesrepublik besonders F.
       Fürstenberg 6) relativ hohe Arbeitszufriedenheit primär auf Lohn-
       zufriedenheit zurückführten  und diese ökonomistische Arbeitshal-
       tung mit  der Tendenz zu einer entpolitisierten, konsumorientier-
       ten und  "privatisierenden" Lebensweise  in Verbindung  brachten,
       stellte die  Bremer Studie heraus, daß instrumentelle Arbeitshal-
       tung und ausgeprägtes betriebliches Konfliktbewußtsein bei Hafen-
       arbeitern nicht  im Widerspruch  zueinander stehen  müssen.  Eher
       fördern vergleichsweise hohe Arbeitsidentifikation und Arbeitszu-
       friedenheit, so  schrieben M.  Abendroth u.a., die subjektive Be-
       reitschaft, auf  eine "Kompromißfähigkeit  gesellschaftlicher In-
       teressenunterschiede" 7)  zu setzen.  Dagegen  seien  "instrumen-
       telle"  Arbeitsorientierungen   überwiegend   an   Merkmale   von
       herkömmlicher  Hafenarbeit   gebunden:  an   konventionelle   Um-
       schlagtechnik, häufig  wechselnde Orte des Arbeitseinsatzes, kör-
       perliche Arbeitsbelastungen  und geringe  arbeitsinhaltliche  Ge-
       staltungsspielräume. Diesen Arbeitsbedingungen entspreche vor al-
       lem ein  Typ von  betrieblicher Arbeitspolitik,  der auf dem Wege
       "traditioneller" -  also disziplinierender  - Methoden die Anpas-
       sung an  vorgegebene betriebliche Abläufe und Ziele zu vollziehen
       versuche. Insofern  verwundert es  nicht, wenn  die Autorengruppe
       der Studie  meint, daß "das Interessenverständnis der Hafenarbei-
       ter im traditionellen Typ von Hafenarbeit (..) daher noch am ehe-
       sten eine  umfassend bejahende  und solidarische  Haltung zur be-
       trieblichen  und   überbetrieblichen  Interessenvertretung   ein-
       schließt". 8)  Demgegenüber lockere sich das stabile Muster eines
       kollektiven Interessenbewußtseins besonders da, wo der auf forma-
       lisierte Qualifizierung  und Kompetenzerweiterung  gegründete be-
       rufliche Status  sich in  einem Selbstverständnis  widerspiegelt,
       das um  individuelle Leistungsfähigkeit  zentriert sei. 9) Aller-
       dings muß dieses Leistungsbewußtsein durchaus nicht in ein priva-
       tistisches Desinteresse  gegenüber den sozialen Verhältnissen und
       Machtpositionen im  Hafen umschlagen, sondern kann durchaus "eine
       wesentliche Voraussetzung  und Anknüpfungsmöglichkeit für weiter-
       reichende Kontroll-  und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Hafenar-
       beiter" 10) darstellen.
       Von einem anderen Blickwinkel als die Autoren der Bremer Hafenar-
       beiterstudie, die das "Instrumentalismus"-Theorem gleichsam posi-
       tiv zu wenden versuchten, stellen Michael Schumann u.a. mit ihrer
       (ebenfalls in Bremen durchgeführten) empirischen Untersuchung der
       Industrialisierung von  Werftarbeit das "Instrumentalismus"-Theo-
       rem in  Frage. 11)  Gleichzeitig bemühen sie sich um die Entwick-
       lung eines  theoretischen Ansatzes, der nicht nur Defizite dieses
       Theorems, sondern  auch theoretische und methodische Mängel ande-
       rer industriesoziologischer Studien aufheben soll.
       Ausgehend von  einer Kritik  am  konventionellen  Einstellungsbe-
       griff, der  in sich widersprüchliche subjektive Verarbeitungsfor-
       men des  "kapitalistisch organisierten  Produktionsprozesses"  zu
       "Defiziten des  Individuums" erkäre, anstatt sie als Ausdruck ei-
       nes in  sich  selbst  "widersprüchlich  strukturierten  Objektbe-
       reichs" 12) zu begreifen, versuchen die Autoren ein weiterführen-
       des Konzept  für die Analyse des Arbeitsbewußtseins zu erstellen.
       Goldthorpe und  Lockwood hatten  die Einstellung  zur Arbeit  als
       durch außerhalb  des Arbeitsprozesses erworbene, vorgängige Wert-
       orientierung determiniert  betrachtet und  der Arbeit selbst eine
       spezifische Denk- und Verhaltensmuster erzeugende soziale Wirkung
       abgesprochen. Demgegenüber  schlagen M.  Schumann u.a.  vor,  das
       Verhältnis zur  Arbeit als  "doppelten Bezug auf Arbeit" zu defi-
       nieren, der durch eine Einheit von "Arbeitskraft- und Subjektper-
       spektive" charakterisiert sei. 13) Dabei ist unter "Arbeitskraft-
       perspektive"  eine   spezifische  Einstellung   zur   Arbeit   zu
       verstehen, welche  die Arbeitstätigkeit  nach dem Kriterium einer
       möglichst geringen  Vernutzung von  Arbeitskraft und  eines  mög-
       lichst günstigen  Verhältnisses von  Arbeitskrafteinsatz und Ent-
       lohnung  organisiert.  Insofern  deckt  sich  die  Kategorie  der
       "Arbeitskraftperspektive" dem  Inhalt nach  teilweise mit der von
       Goldthorpe, Lockwood  u. a. unterstellten "instrumentalistischen"
       Arbeitsorientierung.  Dagegen  hebt  der  Begriff  der  "Subjekt-
       perspektive" hervor,  daß der  Lohnarbeit trotz  ihrer objektiven
       ökonomischen  Verwertungsfunktion   gleichzeitig  eine  Dimension
       inhärent sei, in der sich die personalen Fähigkeiten, Kompetenzen
       und sozialen  Bedürfnisse  nach  Anerkennung  in  der  Arbeit  zu
       entfalten  suchten.  "Arbeitskraftperspektive"  und  "Subjektper-
       spektive" stehen  - so  Schumann u.a. - weder unvermittelt neben-
       einander,  noch  lassen  sie  sich  als  "alternative  Typen  der
       Arbeitsorientierung konstruieren"  14) ,  da jeder  Arbeiter über
       b e i d e  Bezugsweisen verfüge.
       Der von Schumann u.a. entwickelte Zusammenhang von "Arbeitskraft-
       und Subjektperspektive"  stellt zweifellos  einen Fortschritt ar-
       beitssoziologischer Forschung  dar, weil  er  weder  die  gesell-
       schaftliche Formbestimmtheit  kapitalistischer Lohnarbeit und da-
       mit den  Warencharakter der  Arbeitskraft ausblendet noch das Be-
       wußtsein der  Arbeiter auf  die ökonomische Reproduktionsfunktion
       von Arbeit reduziert. Die subjektive Arbeitserfahrung bleibt kein
       "weißer Flecken"  in der Topographie sozialer Beziehungen und Wi-
       dersprüche des  betrieblichen Arbeitsprozesses,  sondern wird als
       konstitutiver und gestaltender Faktor des Arbeiterbewußtseins an-
       erkannt. M.  Schumann u.a.  haben diesen Ansatz empirisch auf die
       Analyse der  Arbeitsbedingungen und  des Bewußtseins von Werftar-
       beitern zweier  Bremer Großwerften  angewandt, die  zum Zeitpunkt
       der Untersuchung  bereits von  den Auswirkungen  der Werftenkrise
       erfaßt zu  werden begannen. Die Aufmerksamkeit der Studie richtet
       sich dabei  auf drei  Belegschaftsgruppen, die jeweils eine grup-
       pentypische Berufsbiographie aufweisen:
       1. die Rohrschlosser, die den Typ des traditionellen qualifizier-
       ten Facharbeiters repräsentieren;
       2. die E-Schweißer als typische Gruppe der Angelernten in der In-
       dustrie;
       3. die Schiffbauer als Zwischengruppe, die einerseits immer weni-
       ger gelernte  Facharbeiter umfaßt,  andererseits aber sich zuneh-
       mend aus langjährig angelernten und damit nicht mehr als unquali-
       fiziert einzustufenden Arbeitern rekrutiert.
       Schumann u.a. kommen zu dem Ergebnis, daß die bewußte Wahrnehmung
       der eigenen  Interessen durchaus  nicht ohne weiteres mit der Re-
       produktion der  Arbeitskraft zusammenfällt  - oder  anders ausge-
       drückt -, daß nur die Erfahrung des Verschleißes der Arbeitskraft
       und das  Interesse an  einem möglichst hohen Entgelt für die Ver-
       nutzung von  Arbeitskraft eine  offensive  Interessenorientierung
       erzeuge. Sie  arbeiten vielmehr heraus, daß, je sensibler die Ar-
       beiter auf  individuelle Gestaltungschancen  in ihrer Arbeit rea-
       gieren, sie  auch um  so bewußter die Erfordernisse des Einsatzes
       ihrer Arbeitskraft artikulieren. Arbeitskraftperspektive und Sub-
       jektperspektive korrelieren  also hoch miteinander. Auch wenn je-
       weils eine  der beiden Perspektiven klarer ausgeprägt sei als die
       andere, so bildeten sie doch eine Einheit.
       Diese zentrale  These der  Bremer Werftarbeiterstudie  weicht von
       den Ergebnissen  einer anderen Studie ab, an die sie kritisch an-
       geknüpft hatte. Es handelt sich um die Untersuchung von W. Kudera
       u.a. über  gesellschaftliches und  politisches Bewußtsein von Ar-
       beitern. 15)
       Kudera u.a.  waren von der Frage ausgegangen, wie Industriearbei-
       ter auf die strukturell widersprüchliche Situation von Lohnarbeit
       reagieren, sich einerseits einen möglichst hohen Lohn zu sichern,
       andererseits  aber   die  Verausgabung  von  Arbeitskraft  so  zu
       "dosieren", daß  ihre längerfristige  Reproduktion  gewährleistet
       werden kann.  Die Autoren befragten im Jahre 1974 Industriearbei-
       ter aus  zwei süddeutschen Betrieben des Maschinen- und Nutzfahr-
       zeugbaus. In  der Frage, welches Gewicht dem "arbeitsinhaltlichen
       Moment" für  die Bewußtseinsorientierung zukomme, zogen die Auto-
       ren den  Schluß, daß  die "Arbeits-  und Lohnorientierung"  durch
       einen "gebrochenen  Instrumentalismus" geprägt  sei: "Der  gebro-
       chene Instrumentalismus  ist Resultat des Zwangs, sich einerseits
       instrumenteil auf  die vorgegebenen  Reproduktionsbedingungen be-
       ziehen zu  müssen, sich andererseits wegen der Spezifika des Mit-
       tels Lohnarbeit nicht durchgängig instrumentell verhalten zu kön-
       nen. Entscheidend  für die Gebrochenheit der instrumentellen Ori-
       entierung ist,  daß sich  das dem  Instrumentalismus zugrundelie-
       gende Zweck-Mittel-Kalkül  beim Versuch, es strikt durchzuhalten,
       gegen die  Arbeiter selbst kehrt: sowohl in dem widersprüchlichen
       Zusammenhang zwischen  Leistung, Lohn und Verschleiß, in der Lei-
       stungskonkurrenz der  Arbeiter untereinander, durch die die Lohn-
       Leistungs-Schraube angezogen  wird und der Verschleiß überpropor-
       tional zunimmt,  als auch  in der Konkurrenz mit dem Unternehmer,
       dessen Gewinninteresse  nicht nur  als entgegengesetztes  und als
       Schranke des  eigenen erfahren wird, sondern das auch als Voraus-
       setzung zu  akzeptieren ist,  ist doch die Rentabilität des Kapi-
       tals Bedingung  für die  Verwirklichung des  eigenen Interesses."
       16)
       Zwar führe  der "gebrochene Instrumentalismus" nicht zu jener ex-
       tern determinierten  Arbeitshaltung, die im Mittelpunkt der klas-
       sischen "Instrumentalismus"-These  stand, aber sie beinhalte doch
       eine Unterordnung  des "Selbstverständnisses  von der eigenen Tä-
       tigkeit" unter  die betriebliche  Fremdbestimmtheit des  Arbeits-
       krafteinsatzes: Selbst  da, wo versucht werde - etwa bei Ausübung
       einer qualifizierten  Tätigkeit - Subjektansprüche auf autonomere
       Gestaltung und  Disposition der  Arbeit zu erheben, modifizierten
       die Rahmenbedingungen  kapitalistischer Lohnarbeit das Arbeitsbe-
       wußtsein dergestalt,  daß alle  seine Formen  als "beeinträchtigt
       oder maßgeblich  bestimmt durch die Unterwerfung unter die Forde-
       rung" erscheinen,  "in der  Arbeit die  eigenen Fähigkeiten gemäß
       fremdem Willen einzusetzen." 17)
       Verallgemeinernd leiten  W. Kudera  u.a. aus  dem von ihnen erho-
       benen Material  die These ab, daß weder "ungetrübte Gleichgültig-
       keit noch  ungebrochene Identifikation mit dem Arbeitsinhalt" em-
       pirisch feststellbar  sei. Insgesamt  jedoch trete der subjektive
       Bezug auf  die Arbeit im Sinne der Entfaltung von Handlungskompe-
       tenz eindeutig  hinter der  funktionalen Bewertung der Lohnarbeit
       als prekäres  materielles "Reproduktionsmittel"  zurück.  Während
       sich überhöhte  Erwartungen einer "intrinsischen", also durch den
       Arbeitsinhalt vermittelten persönlichen Befriedigung nicht bestä-
       tigten, lasse  sich eine kritische Wahrnehmung der mit Lohnarbeit
       verbundenen Reproduktionsrisiken  feststellen: "Die daran anknüp-
       fenden Einschätzungen  und Perspektiven variieren je nach den Ar-
       beitsbedingungen, also  in Abhängigkeit vom Grad der zu ertragen-
       den Belastungen und des erlittenen Verschleißes der Arbeitskraft.
       Im Mittelpunkt  der Reflektionen  steht das  Erfordernis, die Ar-
       beitskraft zu  regenerieren, demgegenüber  verflüchtigt sich  die
       Bedürfnisbefriedigung als  Zweck und  Beurteilungskriterium - vor
       allem bei der Gruppe einfacher Facharbeiter und Angelernter." 18)
       Die Befunde  der Bremer Werftarbeiterstudie sind den Schlußfolge-
       rungen der  Erlanger Autorengruppe ganz entgegengesetzt. Schumann
       u.a. sehen  einen wechselseitigen  Zusammenhang von  ökonomischem
       Interessenkalkül und individuellen Strategien zum Schütze der Ar-
       beitskaft einerseits und "Subjektperspektive" der Arbeitenden an-
       dererseits.
       Vor allem  bei der  Gruppe der  Rohrschlosser, die für das Sample
       einen zentralen  Stellenwert hat,  entdecken M. Schumann u.a. ein
       "besonders kritisches  Arbeitsbewußtsein." 19) Allerdings scheint
       dieses Bewußtsein  nicht ausschließlich  Resultat der Einstellung
       zur Arbeit  zu sein, sondern durch einen spezifischen Faktor maß-
       geblich mitbeeinflußt zu werden, der nicht von vornherein im Kon-
       zept des "doppelten Bezugs auf Arbeit" enthalten ist, sondern die
       je individuelle Arbeitssituation übergreift und auf die Bedeutung
       kollektiver Sozialerfahrung  in der  Arbeit verweist.  Es handelt
       sich um  die  traditionelle  gemeinschaftliche  Arbeitsweise  der
       Rohrschlosser und  die darin eingebundenen kollektiven Arbeitser-
       fahrungen, die  wiederum bewußt  interessengeleitete  Formen  der
       Diskussion beruflicher Probleme hervorgebracht haben. In der lan-
       gen Tradition  eines "kampfstarken  Gewerks" stehend,  führen die
       Rohrschlosser "Branchenversammlungen"  durch, auf denen Zusammen-
       hänge zwischen veränderten Arbeitsbedingungen und praktischen Er-
       fordernissen thematisiert werden. Diese gemeinschaftlichen Formen
       des Arbeitsvollzugs  und das  darin sich  entwickelnde  Potential
       kollektiver Interessenwahrnehmung geraten nun durch Rationalisie-
       rung und Umstrukturierung der Werftarbeit unter Druck und gefähr-
       den die  bisherigen Möglichkeiten der Rohrschlosser, aus den spe-
       zifischen kooperativen  Bedingungen des  Arbeitsprozesses und ar-
       beitsprozeßlichen Kompetenzen heraus ihre Interessen wirksam ver-
       treten zu  können. (Der  daraus resultierende  "arbeitspolitische
       Konservatismus" drückt sich in einer skeptisch-distanzierten Hal-
       tung gegenüber technischen Veränderungen aus).
       Das Beispiel  der Rohrschlosser  verweist auf die bewußtseinsprä-
       gende Funktion  eines spezifisch  sozialen Moments in der Arbeit,
       dessen Relevanz  offensichtlich auch  das Konzept  des "doppelten
       Bezugs auf  Arbeit" noch nicht angemessen berücksichtigt. Gemeint
       ist die  Bedeutung der  konkreten Vergesellschaftung von Arbeit -
       der betrieblichen  Formen von Kooperation, Interaktion und Kommu-
       nikation -  für die Herausbildung einer der objektiven Lohnarbei-
       tersituation bewußten Interessenorientierung. Mit anderen Worten:
       die subjektiven  Möglichkeiten der  Lohnarbeiter, ihre Interessen
       zu artikulieren  und praktisch  in die fremdbestimmten Arbeitsbe-
       dingungen einzugreifen,  hängen wesentlich  davon ab,  ob sich im
       Arbeitsprozeß gegen  den massiven  Druck technologischer  und ar-
       beitsorganisatorischer Rationalisierung  kollektive  Sozialbezie-
       hungen aufrechterhalten  oder sogar  durchsetzen lassen, ohne die
       eine Entwicklung von solidarischen, Fragmentierungslinien und In-
       dividualisierungstendenzen überwindenden,  Denk-, Verhaltens- und
       Handlungsweisen der Arbeiterklasse im Betrieb schwer vorstellbar,
       ja unmöglich erscheint.
       Obwohl Schumann  u.a. diesen  Aspekt nur  streifen, zeichnet sich
       ihre Untersuchung  dadurch aus,  daß sie  einen in  der Forschung
       bislang weitgehend verschlossenen Zugang zu der Dimension subjek-
       tiver Arbeitserfahrung öffnet. Durch den empirischen Beleg dafür,
       daß die  Einstellung der  Werftarbeiter zu ihrer Arbeit nicht nur
       durch das  Bemühen um  Schonung der  Arbeitskraft,  sondern  auch
       durch (teilweise  komplexe) Erwartungen an die Gestaltbarkeit der
       Arbeitsinhalte geprägt wird, geben sie der gewerkschaftlichen Ar-
       beitspolitik wichtige  Anregungen. Überlegungen kritisierend, die
       "die Subjektperspektive"  aus der  "gewerkschaftlichen Diskussion
       gänzlich ausgeklammert"
       20)  haben,   schlagen  Schumann   u.a.  vor,   die   subjektiven
       "Verhaltensansprüche" der  Arbeiter explizit in die gewerkschaft-
       liche Arbeitspolitik  aufzunehmen.  Dabei  dürfe  allerdings  die
       "doppelte Interessenperspektive"  nicht zu  einem  Dualismus  der
       praktischen Lösungen führen.
       Die erwähnten  Vorzüge der  Bremer Werftarbeiter-Studie haben je-
       doch nicht  verhindern können, daß sich ihre Ergebnisse zumindest
       in einem  wesentlichen Punkt als eindeutig falsch erwiesen haben.
       Der Studie zufolge haben nämlich die Werftarbeiter nur vage, häu-
       fig resignative  oder illusorische Vorstellungen darüber, wie die
       Krise im Schiffbau bewältigt werden könne. Die Interpretation der
       Befragungsergebnisse und Interviews legt den Schluß nahe, daß die
       Werftarbeiter aufgrund  ihrer Perspektivlosigkeit  nicht dazu  in
       der Lage sind, für ihre Interessen selbst einzutreten. 21) Inzwi-
       schen hat  die Wirklichkeit  diese Einschätzung eindrucksvoll wi-
       derlegt und außerdem ein bestimmtes Defizit der empirischen Sozi-
       alforschung enthüllt. Mit ihrem Kampf um die Erhaltung der Bremer
       Großwerft "AG  Weser" und  insbesondere mit der im September 1983
       durchgeführten Betriebsbesetzung,  die auf dem einhelligen Willen
       der Belegschaft  beruhte, die Produktion auf der Werft fortzufüh-
       ren, haben  die Werftarbeiter  durch ihr Handeln die Wissenschaft
       beschämt. 22)
       Offensichtlich gibt  es in  der Arbeiterklasse zwischen subjektiv
       artikuliertem Bewußtsein  einerseits und  tatsächlichem Verhalten
       und Handeln  andererseits Brüche  und Ungleichzeitigkeiten, deren
       wissenschaftliche Erkenntnis  noch aussteht. Fixiert auf das, was
       verbalisiert und  damit der  wissenschaftlichen Verarbeitung  zu-
       gänglich erscheint,  neigen auch  kritische Sozialforscher  dazu,
       die nicht-verbalisierte Dimension der Klassenerfahrung von Arbei-
       tern außer acht zu lassen. 23)
       
       2. Bewußtseinsorientierungen von Arbeitern und Angestellten
       -----------------------------------------------------------
       im Betrieb
       ----------
       
       Wenn man  mit der  marxistischen Theorie der Arbeiterklasse davon
       ausgeht, daß  die politische  Vereinheitlichung der verschiedenen
       Schichten, Gruppen  und "Fraktionen"  der Arbeiterklasse  die be-
       wußte Überwindung objektiv gegebener und subjektiv reproduzierter
       Differenzierungen und Segmentierungen in der Gesamtheit der Lohn-
       arbeiter voraussetzt,  24) dann  erweist sich  die Beziehung zwi-
       schen Arbeitern  und Angestellten als eine Kardinalfrage. Sie be-
       schäftigt auch  die kritische arbeits- und industriesoziologische
       Forschung und  Diskussion seit langem. Nun gewinnt das Verhältnis
       von Arbeitern  und Angestellten  unter dem Gesichtspunkt der For-
       mierung, Artikulierung  und praktischen  Durchsetzung gemeinsamer
       Klasseninteressen für  die marxistische  Theorie und Praxis um so
       mehr an  Bedeutung, je  weniger die Vorstellung von der Arbeiter-
       klasse als  einem homogenen  Block von  Industriearbeitern  ange-
       sichts der  gegenwärtigen, durch den technischen Fortschritt vor-
       angetriebenen Veränderungen und Umschichtungen noch der Wirklich-
       keit entspricht,  25) obwohl die Industriearbeiter in der materi-
       ellen Großproduktion  nach wie vor sozialökonomisch und politisch
       die Kerngruppe  der Arbeiterklasse  bilden, wie  der Kampf um die
       35-Stunden-Woche erneut unter Beweis stellt.
       Marxistisch orientierte Analysen der sozialstrukturellen Entwick-
       lung der  Angestelltenschaft  und  der  Veränderungen  ihrer  Ar-
       beitstätigkeit haben bereits in den vergangenen Jahren immer wie-
       der auf  objektive soziale Annäherungsprozesse zwischen Arbeitern
       und großen  Teilen der Angestelltenschaft hingewiesen. So hat zum
       Beispiel U.  Kadritzke in  verschiedenen Publikationen diejenigen
       Momente kapitalistischer Arbeitsvergesellschaftung herausgearbei-
       tet, die  den geschichtlichen Attributen einer Sonderstellung der
       Angestellten den  Boden entzogen  haben, indem Angestelltenarbeit
       mehr und mehr den für Arbeiter typischen Formen der "reellen Sub-
       sumtion" unter  das Kapitalverhältnis  unterworfen wird.  26) Die
       technische Substituierung  spezifischer Angestelltenqualifikatio-
       nen durch EDV sowie die Anwendung von Methoden der Verwertung und
       Kontrolle von  Angestelltenarbeit, die lange Zeit auf die materi-
       elle Produktion  begrenzt zu  sein schienen, greifen allmählich -
       und zwar  nicht sporadisch,  sondern fortgesetzt und massiv - auf
       die Arbeitsbedingungen  der Angestellten  über. Kürzlich hat bei-
       spielsweise M. Baethge, gestützt auf Ergebnisse einer empirischen
       Untersuchung, hervorgehoben,  daß Angestellte  durch  EDV-Einsatz
       nicht nur  dequalifiziert und ihrer arbeitsprozeßlichen Kompeten-
       zen beraubt, sondern immer massiver auch einer arbeitsorganisato-
       rischen Kontrolle  unterworfen würden, die verbliebene Spielräume
       qualifizierter Angestelltentätigkeit  untergrabe und die betrieb-
       liche Position  der Betroffenen  gegenüber  der  Geschäftsleitung
       schwäche. 27)
       Obwohl Baethge damit einen grundlegenden Wandel des "sozialen Ge-
       halts der Kategorie 'Angestellte'" und "strukturelle Analogien zu
       Arbeitertätigkeiten" 28)  konstatiert, schließt er von diesem Be-
       fund nicht  umstandslos auf  eine entsprechende bewußtseinsmäßige
       Umorientierung der  Angestelltenschaft. Er  nennt dafür folgenden
       Grund: "Denn  wesentliche Merkmale  der gesellschaftlichen Bedeu-
       tung der  Angestellten sind auch unter den veränderten betriebli-
       chen Bedingungen  konservierbar. Das gilt zum einen für die mate-
       rielle Seite: Gerade bei quantitativer Verringerung wäre eine re-
       lativ materielle  Privilegierung der verbleibenden Gruppen quali-
       fizierter Angestellter durch die Betriebe im Interesse, sich ihre
       politische Konformität  zu sichern, nicht ausgeschlossen. ... Das
       gilt aber andererseits auch für die ideologische Seite: Die quan-
       titative Begrenzung  der Zahl  der Angestellten  kann, wenn  auch
       vermutlich nur  vorübergehend, durchaus  eine Restauration tradi-
       tionaler Ideologeme  der Exklusivität  und Berafsfachlichkeit  in
       die Wege  leiten - und sei es auch nur als ideologische Kompensa-
       tion für  den in  bezug auf ihre betriebliche Stellung verlorenen
       Boden." 29)
       Richtet man  nun an die arbeitssoziologische Forschung die Frage,
       wie sich  unter technologisch  veränderten Arbeitsbedingungen und
       Rationalisierungsdruck das Bewußtsein der Angestellten sowie ihre
       Beziehung zu  den Arbeitern  entwickelt, so  zeigt sich ein recht
       kontroverses Bild.
       Im Rahmen  des Forschungsprojekts "Sozialwissenschaftliche Unter-
       suchung des  Metallerstreiks im  Unterwesergebiet 1974",  das das
       Bewußtsein und  Streikverhalten von  Beschäftigten in  Bremer Me-
       tallbetrieben analysierte,  hat sich  D. Saunen besonders mit der
       Gruppe der  Angestellten beschäftigt. 30) Auf der Grundlage einer
       nichtrepräsentativen "qualitativ orientierten Vorgehensweise" be-
       fragte Saunen technische Angestellte. Theoretisch stützte er sich
       dabei auf  die These,  daß die  Entwicklung des  kapitalistischen
       Produktionsprozesses zu  einer Auflösung  traditioneller sozialer
       und funktioneller  Sonderstellungen der  Angestellten  führt  und
       dementsprechend angestelltentypische  Bewußtseinsformen, wie  sie
       mit  dem  Ausdruck  "Angestelltenmentalität"  beschrieben  worden
       sind, hinter  den "Erfahrungen aus ihrer (der Angestellten, L.P.)
       Situation als Lohnarbeiter" 31) zurücktreten.
       Die Auswertung  des Materials,  das sich schwerpunktmäßig auf die
       Lohn- und  Interessenorientierung der  ausgewählten Angestellten-
       gruppe bezog, bestätigte im wesentlichen die Ausgangsthese Sauri-
       ens. Er  kam zu  dem Ergebnis,  daß sich  das aus der subjektiven
       Wahrnehmung der  betrieblichen Arbeitssituation entfaltende Lage-
       bewußtsein  der  technischen  Angestellten  jenes  traditionellen
       Selbstbildes zu  entledigen beginnt,  in dem  der Glaube an einen
       privilegierten Status und persönliche Unentbehrlichkeit dominiert
       hatte. Je  mehr sich die einzelnen Untergruppen der befragten An-
       gestellten in  ihrer sozialen  Herkunft, betrieblichen Arbeitssi-
       tuation und Stellung in der betrieblichen Hierarchie der Stellung
       der Arbeiter  annähern, desto  höher sei  die Bereitschaft,  sich
       selbst ebenfalls  als Lohnarbeiter  zu  definieren.  Gleichzeitig
       bringen die befragten technischen Angestellten Präferenzen in der
       Interessenorientierung zum Ausdruck, denen bereits ein Bewußtsein
       gemeinsamer Interessen  von Arbeitern  und Angestellten zugrunde-
       liegt. Allerdings sei das Lohnarbeiterbewußtsein der Angestellten
       keine durchgängig  konsistente Bewußtseinsform, sondern differen-
       ziere sich entsprechend den unterschiedlichen Ausprägungen sozio-
       biographischer Einflußfaktoren,  des  betrieblichen  Status,  des
       Qualifikationsniveaus usw.  Durch Korrelation  von Daten über das
       soziale Lagebewußtsein  und die  betriebliche Stellung ("Stellung
       in der Konkurrenz") 32) gelangt Saurien zu dem Ergebnis, daß ehe-
       malige, zu  technischen Angestellten "aufgestiegene" Facharbeiter
       und Techniker  eindeutig häufiger  und klarer  ein Lagebewußtsein
       als Lohnarbeiter  artikulieren als graduierte und diplomierte In-
       genieure sowie  andere technische  Angestellte mit hoher berufli-
       cher Qualifikation.  Sie tendierten  zu einem Lagebewußtsein, "in
       dem ihr objektiv gemeinsamer Status lohnabhängiger Arbeit mit den
       übrigen Teilarbeitern  im Betrieb  und ihre dadurch bestimmte ge-
       sellschaftliche Stellung  weitgehend durch  das Bewußtsein  einer
       Sonderstellung als Angestellter verdrängt wird." 33)
       In einem  weiteren Schritt analysiert Saunen die Korrelation zwi-
       schen Lagebewußtsein  und  Interessenorientierung.  Letztere  be-
       zeichnet er - im Vergleich zum sozialen Lagebewußtsein - zweifel-
       los zu  Recht als verläßlicheren und präziseren Indikator des Be-
       wußtseins der  befragten Industrieangestellten. Seine vorangegan-
       gene Analyse  und Typologie  von Interessenorientierung baute we-
       sentlich auf  der Ermittlung  subjektiver Wahrnehmung der Lohnsi-
       tuation auf.  Bei einem Drittel der Befragten konnte Saurien eine
       "konsistente und egalitäre Interessenorientierung", 34) bei einem
       weiteren Drittel ebenfalls eine, wenn auch schwächere "kollektive
       Interessenorientierung", bei  rund 15  Prozent  eine  "disparate"
       bzw. diffuse  Haltung und  bei rund  einem Fünftel eine dezidiert
       "individualistische", also  das  Selbstbild  des  privilegierten,
       nach "unten"  sozial abgegrenzten  Angestelltenstatus reproduzie-
       rende Interessenausrichtung  nachweisen. Unter  Einbeziehung  zu-
       sätzlicher Daten,  zum Beispiel der Einstellung zur Gewerkschaft,
       ist nach  Saurien für  die absolute  Mehrheit der  Befragten eine
       "eindeutig als industriegewerkschaftlich zu kennzeichnende Orien-
       tierung" 35)  zu erkennen,  während rund  ein Fünftel  zu  wider-
       sprüchlichen Haltungen  neigt und immerhin noch knapp ein Drittel
       als "extreme Gegengruppe" zu den Anhängern einer industriegewerk-
       schaftlichen Option  zu betrachten  ist. Die  Befunde entsprachen
       weitgehend  dem  praktischen  Streikverhalten  während  des  1974
       durchgeführten Metallerstreiks  im Unterwesergebiet:  Ein Drittel
       der Befragten  nahm aktiv  und engagiert  am Streik teil, 36) ein
       weiteres Drittel verhielt sich gegenüber den Streikenden "passiv-
       loyal", und  nur eine Minderheit manifestierte ein Verhalten, das
       zwischen Privatismus,  mangelnder Solidarität  und streikfeindli-
       cher, streikbrecherischer Militanz schwankte. 37)
       Die Befunde  Sauriens lassen sich dahingehend interpretieren, daß
       zwischen Soziallage,  betrieblicher Arbeitssituation und Interes-
       senorientierang Zusammenhänge  signifikant sind und Entwicklungs-
       prozesse des Bewußtseins von Angestellten unverkennbar mit Verän-
       derungen des  Status und der Arbeitstätigkeit im kapitalistischen
       Produktionsprozeß korrespondieren,  auch wenn  nicht  jeder  Ein-
       zelaspekt den  Nachweis für  eine nahtlose Verknüpfung objektiver
       und subjektiver  Veränderungen in  der Gruppe der Angstellten er-
       bringt.
       Wegen ihrer schmalen empirischen Basis lassen sich die Ergebnisse
       von D.  Saurien jedoch  nicht umstandslos  verallgemeinern.  Zwar
       stützt seine Studie die in der marxistisch beeinflußten Forschung
       vertretene Annahme,  daß kapitalistische  Vergesellschaftung  von
       Angestelltenarbeit unabdingbare  Voraussetzungen für  die Entfal-
       tung eines kollektiven Lohnarbeiterbewußtseins bildet, aber weder
       quantitativ noch  qualitativ reichen die Ergebnisse Sauriens aus,
       um diese  theoretische Annahme  im Sinne  repräsentativer empiri-
       scher Gültigkeit abzusichern.
       Dagegen sprechen schon mehrere gewichtige empirische Tatbestände,
       die die  Grundgesamtheit der Angestellten betreffen. Während Sau-
       rien für  die Mehrheit  der von ihm Befragten eine eindeutige ge-
       werkschaftliche Interessenorientierung  feststellt, unterstreicht
       der gewerkschaftliche  Organisationsgrad von  Angestellten in der
       Bundesrepublik trotz steigender Tendenz die tiefe Kluft, die nach
       wie vor  zwischen der  Minderheit gewerkschaftlich  organisierter
       Angestellter und der großen Majorität nichtorganisierter, oder in
       korpora-tistischen Verbänden wie der DAG organisierter Angestell-
       ter besteht.  38) Weiterhin darf bei der Studie von Saurien nicht
       übersehen werden,  daß technische  Angestellte häufig,  ihren Ar-
       beitsbedingungen und  betrieblichen  Sozialerfahrungen  nach,  im
       konkreten Arbeitsprozeß  mit Gruppen  der Arbeiterschaft ungleich
       enger verbunden  sind als  mit anderen Abteilungen der Angestell-
       tenschaft etwa  in der  Zirkulationssphäre. Auch der Umstand, daß
       Saurien seine  Daten im  Kontext einer  Streiksituation, zumal in
       einer Region  mit relativ solider gewerkschaftlicher Verankerung,
       erhoben hat,  schränkt die  Übertragbarkeit der Ergebnisse seiner
       Studie ein;  denn noch  immer ist ja die gewerkschaftliche Orien-
       tierung und  Streikbereitschaft von Angestellten in der Bundesre-
       publik ziemlich  schwach ausgeprägt. Nur in wenigen Fällen spiel-
       ten Angestellte  in Arbeitskämpfen,  bei Betriebsbesetzungen  und
       öffentlichen Aktionen  bisher eine  tragende Rolle,  obwohl  sich
       während der  letzten Jahre  die Anzeichen für Klassenkonflikte an
       "neuen Fronten" 39) mehrten, was wiederum für die Richtigkeit der
       zentralen Schlußfolgerung Sauriens spricht.
       Zu ganz anderen Einschätzungen als Saurien kam eine vergleichende
       Untersuchung über  das Bewußtsein  von Arbeitern und Angestellten
       in der Industrie, die W. Kudera u.a. durchführten. 40) Einleitend
       hoben die  Autoren hervor,  daß trotz  der nicht zu bestreitenden
       Tendenzen "struktureller  Nivellierung in  bestimmten  Bereichen"
       41) markante Unterschiede zwischen den Arbeits- und Lohnbedingun-
       gen von  Angstellten und  Arbeitern fortbestehen.  Die aus diesen
       Unterschieden resultierenden  "Orientierungen und Verhaltensstra-
       tegien" ließen  sich kaum problemlos zu einem einheitlichen Lohn-
       arbeiterbewußtsein zuammenfügen. Zwar räumen die Autoren ein, daß
       der "äußere  Druck" durch  Rationalisierung und  Umstrukturierung
       den traditionellen  Angestelltenstatus erschüttere,  aber  daraus
       folge keineswegs eine entsprechende Bewußtseinsentwicklung. Viel-
       mehr führe die Veränderung des betrieblichen Status dazu, daß die
       Angestellten "in  zwei Welten"  42) lebten.  Sie versuchten, eine
       soziale Identität  und prekäre  Balance zwischen den Polen tradi-
       tioneller Attribute  des Angestelltendaseins  einerseits und  den
       realen  Veränderungen  ihrer  Arbeitssituation  und  betriebliche
       Funktion andererseits  zu finden,  indem sie  sich in illusionäre
       Vorstellungen von "Sachrationalität, Kollegialität und Loyalität"
       flüchteten. Während  die Arbeits-  und Sozialsituation von Arbei-
       tern im wesentlichen und allgemeinen durch strikt vorgegebene Ar-
       beitsinhalte, Leistungsnormen  und Unterordnungsverhältnisse cha-
       rakterisiert sei, werde die "durchschnittliche Angestelltentätig-
       keit" noch  immer durch  Arbeitszusammenhänge definiert, in denen
       persönliche Formen  der beruflichen  Interaktion und  Disposition
       überwiegen. Der  eher persönlich als sachlich vermittelte Sozial-
       zusammenhang in  der Angestelltenarbeit  impliziere ein komplexes
       Geflecht von  Verhaltensnormen und  Einstellungsmustern, in denen
       individuelle Handlungsstrategien als geeignete Reaktionsweise an-
       gesichts steigender Arbeits- und Leistungsansprüche verinnerlicht
       würden.
       Während Arbeiter  ein "instrumentelles", den Einsatz der Arbeits-
       kraft nüchtern  kalkulierendes und  die Arbeitsrisiken sorgfältig
       abwägendes Verhältnis zur Arbeit an den Tag legten, identifizier-
       ten sich  die Angestellten mit ihrer Tätigkeit im Sinne subjekti-
       ver Verantwortung  für ein  reibungsloses Funktionieren  des  Be-
       triebsablaufs. Dem  entspreche auf der Ebene sozialer Beziehungen
       in der betrieblichen Hierarchie bei den Arbeitern die Wahrnehmung
       der Vorgesetzten  als "Personifikation fremdbestimmter betriebli-
       cher Zwecksetzung",  43) wohingegen  Angestellte in  ihren Vorge-
       setzten die  Verkörperung der  eigenen sozialen Erwartungen, Auf-
       stiegswünsche und askriptiven Sozialtugenden erblickten. Aus die-
       ser "intrinsischen"  Wahrnehmungsposition gegenüber  der  eigenen
       Arbeitssituation erwachse  ein -  verglichen mit  den Arbeitern -
       ausgeprägtes Konkurrenzverhältnis der Angestellten untereinander,
       das den  kooperativen Arbeitszusammenhang  überlagere und indivi-
       dualistische,  egoistische  Problemlösungsstrategien  produziere.
       Zwar sei auch die Beziehung der Arbeiter untereinander keineswegs
       frei von  Konkurrenzdruck und  Neigungen zu  entsolidarisierender
       Vorteilskalkulation, aber  dennoch liefen vorhandene individuelle
       Konkurrenzbeziehungen in  einem übergeordneten Bewußtsein gemein-
       schaftlicher   Interessen   zusammen,   wobei   der   spezifische
       "betriebspolitische Kontext" erheblich ins Gewicht falle, ja eine
       erstrangige Bedeutung gewinne.
       Vor dem  Hintergrund der  so beschriebenen Arbeitseinstellung der
       Angestellten verwundert es nicht, wenn sich in der Interpretation
       von Kudera u.a. die spezifische Wahrnehmungsform der Angestellten
       in einer von Kompromissen durchzogenen betrieblichen Interesseno-
       rientierung niederschlägt. So betrachten Angestellte den Beriebs-
       rat als ausgleichende Vermittlungsinstanz mit enggefaßter, entpo-
       litisierter Kompetenz, die sich allenfalls auf die Regelung indi-
       vidueller "Gehalts-, Arbeits- und Arbeitszeitprobleme" erstrecken
       dürfe. Allerdings  konstatieren die  Autoren beträchtliche Unter-
       schiede zwischen  den beiden Betrieben, aus denen sich ihr Sample
       rekrutiert. Einer relativ positiven Bewertung der Betriebsratstä-
       tigkeit durch  die befragten  Angestellten in  dem Mannheimer Be-
       trieb, der  einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad auch
       der Angestellten,  eine kampfstarke  Belegschaft und  einen hand-
       lungsfähigen Betriebsrat  aufweist, steht  die  reserviert-ableh-
       nende Beurteilung  des Betriebsrats  durch die  Angestellten  des
       Nürnberger Betriebs  gegenüber, dessen  betriebspolitische Situa-
       tion sich  von dem  Mannheimer Betrieb  negativ abhebt. W. Kudera
       u.a. interpretieren  die reserviert-abschätzige Haltung der Ange-
       stellten des Nürnberger Betriebs als Ausdruck elitärer Distanzie-
       rung und prinzipiellen Mißtrauens gegenüber der Legitimität orga-
       nisierter Interessenvertretung von Lohnarbeitern überhaupt. 44)
       Die auf  Kompromisse, einvernehmliche Lösungen und Ausgewogenheit
       bedachte Haltung der Angestellten in Beziehung zu den Organen be-
       trieblicher Interessenvertretung  setzt sich im Gesellschaftsbild
       und Politikverständnis fort, wo ein am Leistungsprinzip und Ideal
       funktionaler Rationalität  ausgerichtetes Denken dominiert. Dage-
       gen sehen  die Arbeiter  "die Gesellschaft"  und "die Politik" im
       allgemeinen pragmatischer und realistischer: "Bei Arbeitern bauen
       sich Gesellschaftsbilder immer um einen Antagonismus auf, bei An-
       gestellten um eine Ordnungsvorstellung. Angestellte beziehen sich
       dabei ganz  überwiegend auf  ein funktionalistisches  Modell  mit
       teils ständisch definierten Funktions- und Statusgruppen und ver-
       orten sich  selber irgendwo  in der  Mitte, Arbeiter in der Regel
       auf ein  dichotomes Modell, in dem sie irgendwo unten sind. Beur-
       teilen Arbeiter  die Gesellschaft unter der Perspektive von Macht
       und Ungleichheit,  so Angestellte  unter der  von Wettbewerb  und
       Differenzierung." 45)
       Vergleicht man  die Studien von D. Saunen und W. Kudera u. a., so
       springen die  Unterschiede,  ja  kontroversen  Beurteilungen  ins
       Auge. Aber  weder die  eine noch  die andere  Studie erlaubt eine
       Verallgemeinerung ihrer  jeweiligen zentralen  Aussagen.  Dagegen
       sprechen schon  einige methodische Probleme. In beiden Fällen ist
       die Auswahl  des Samples  nicht auch  nur annähernd repräsentativ
       für die  Grundgesamtheit. In  beiden Fällen beeinflussen spezifi-
       sche regionale,  betriebliche und politische Faktoren die Auswer-
       tung des  erhobenen Datenmaterials und relativieren seine verall-
       gemeinerbare Aussagefähigkeit.  Dennoch scheint  es, als ob beide
       Untersuchungen für sich genommen jeweils wichtige Momente des Zu-
       sammenhangs zwischen  betrieblicher Arbeitssituation,  Soziallage
       und Bewußtsein von Arbeitern und Angestellten beschreiben und er-
       klären. Bei  Saunen gilt  das für  die These, daß der soziale An-
       gleichungsprozeß von Angestellten und Arbeitern im Betrieb zumin-
       dest im  industriellen Sektor eine unabdingbare Voraussetzung für
       die Ausbildung  einheitlicher Lohnarbeiterinteressen schafft. Bei
       W. Kudera  u.a. überzeugt  dagegen die Akzentuierung spezifischer
       Merkmale des  Angestelltendaseins und  des "sozialen Habitus" von
       Angestellten, deren Formen noch immer tief in die vergesellschaf-
       tenden Umbrüche  von Angestelltentätigkeiten  hineinragen und  so
       überzogene politische  Hoffnungen auf  eine spontane  massenhafte
       Hinwendung der Angestellten zu Positionen einer einheitlichen In-
       teresssenorientierung oder  gar einer stabilen "Klassenidentität"
       (A. Giddens)  als vergeblich  oder zumindest  recht verfrüht  er-
       scheinen lassen. Weder verschwinden offensichtlich - trotz massi-
       ver technologischer  Innovationen und  Veränderungen in  der  be-
       trieblichen Arbeitsteilung  - schlagartig  und  vollständig  jene
       spezifischen materiellen Momente von Angestelltenarbeit, ohne die
       eine illusionäre  Selbstverortung als funktionelle, außerhalb der
       Gegensätze positionierte Elite nicht möglich wäre, noch folgt aus
       den betrieblichen  Rationalisierungsmaßnahmen automatisch ein Um-
       schlag des "sozialen Habitus" von Angestellten. Verknüpft man die
       Gehalte beider  Studien, so  erweist sich die subjektive Entwick-
       lung der  Angestellten zu einer Kategorie der Arbeiterklasse wei-
       terhin als  sehr widersprüchlicher Prozeß, in dem weder eine tra-
       ditionelle - ebenso elitäre wie illusionäre - "Angestelltenmenta-
       lität" unangefochten  vorherrscht noch  sich bereits mehrheitlich
       ein Lohnarbeiterbewußtsein durchgesetzt hätte.
       Allerdings fordert die Betrachtungsweise von Kudera u.a. in einem
       bestimmten Punkt  Widerspruch heraus.  Sie vereinseitigen nämlich
       den "sozialen Habitus" der Angestellten zum reinen Ausdruck ideo-
       logieträchtiger, illusionärer  Selbstdefinition und übersehen da-
       bei, daß  in dem  Bestreben nach  sozialer Harmonie, persönlicher
       Anerkennung, gerechter Leistungsgratifikation usw. auch ein wich-
       tiges Element  sozialen Bewußtseins  angelegt ist,  das über  die
       Grenzen seiner  aktuellen ideologischen Befangenheit und Deforma-
       tion hinausweist.  Eine marxistische  Angestelltenpolitik, die es
       nicht versteht, dieses Element fruchtbar zu machen, es aus seinen
       bürgerlichen Verformungen  zu lösen  und konstruktiv  daran anzu-
       knüpfen (anstatt  es als ausschließlich reaktionär zu verwerfen),
       wird schwerlich  sehr erfolgreich sein, denn die objektiven tech-
       nischen und sozialen Strukturveränderungen der Angestelltentätig-
       keit allein  lösen offensichtlich  keine progressive  Entwicklung
       des Bewußtseins  aus. Die Gewinnung breiterer Schichten der Ange-
       stelltenschaft für den gemeinsamen Kampf mit den Arbeitern erfor-
       dert eine  erhöhte theoretische  und praktische  Sensibilität  im
       Blick auf den "subjektiven Faktor" der Angestellten.
       Damit ist ein weiterer wichtiger Aspekt der betrieblichen Formie-
       rung der  Arbeiterklasse als Subjekt des Produktionsprozesses an-
       gesprochen: die Frage nach den Bedingungen, den Möglichkeiten und
       der Reichweite der organisierten Arbeiterbewegung im Betrieb, die
       Frage nach ihrer Funktion bei der Entfaltung von Interessenorien-
       tierungen und Klassenbewußtsein, die Frage schließlich nach ihrer
       Bedeutung als  kollektiver Akteur  in den betrieblichen Auseinan-
       dersetzungen zwischen Kapital und Arbeit.
       
       3. Arbeiterbewegung und Arbeiterbewußtsein
       ------------------------------------------
       
       Wenn die  industriesoziologische Literatur diese Fragen aufwirft,
       dann bezieht  sie sich  hauptsächlich auf  die Rolle  der Gewerk-
       schaften bzw. die in der Regel mit ihnen eng verflochtenen Organe
       betrieblicher Interessenvertretung.  Erhoben werden vor allem Da-
       ten über die Einstellung zu den Gewerkschaften und Betriebsräten,
       über die  Verhaltens- und  handlungsnormierende Funktion  der Ge-
       werkschaften, Daten  über das  Verhalten bei  Arbeitskämpfen, Be-
       triebsstillegungen usw.  Die Analyse  politischer Formationen der
       Arbeiterbewegung im  Betrieb auf das Bewußtsein von Arbeitern und
       Angestellten im  betrieblichen Arbeitsalltag  spielt demgegenüber
       eine untergeordnete  Rolle, sieht  man von  wenigen Ausnahmen ab.
       46)
       In ihrer  Studie "Gesellschaftsbewußtsein und Gewerkschaften" ha-
       ben S.  Herkommer u.a.  die Bedeutung  der Gewerkschaften für das
       "Alltagsbewußtsein" von  Industriearbeitern und -angestellten em-
       pirisch untersucht  und die  Ergebnisse dann für eine breit ange-
       legte theoretische Darstellung ausgewertet. 47) Die Studie beruht
       auf Gruppeninterviews  mit mehr  als 100  Industriearbeitern  und
       -angestellten aus  der westdeutschen  Großindustrie (Metallverar-
       beitung und  Chemie). Zu  den wesentlichen Ergebnissen der Arbeit
       gehört die  These von  der konstitutiven  Bedeutung  der  Gewerk-
       schaften  für   die  Entwicklung   des  "Alltagsbewußtseins"  der
       Lohnabhängigen. Nach  der Auffassung  der Autoren hat die krisen-
       hafte gesellschaftliche Entwicklung, die sich dem einzelnen Lohn-
       arbeiter als  drohender Verlust des Arbeitsplatzes, erhöhter Lei-
       stungsdruck und  als Lohnabbau  aufdrängt, keineswegs  eine  läh-
       mende, die  Einstellung zu  den Gewerkschaften negativ beeinflus-
       sende, Apathie  und Distanzierung  hervorrufende Wirkung, sondern
       reflektiert sich statt dessen in einem geschärften Bewußtsein der
       eigenen Interessen.
       Entsprechend ihrer  spezifischen Deutung  des  Zusammenhangs  von
       ökonomischer Krise  und gesellschaftlichem Bewußtsein, derzufolge
       erst die  materielle Erfahrung  der Krise Illusionen über die Ge-
       setze gesellschaftlicher Bewegung im Kapitalismus auflösen könne,
       sehen die  Verfasser im Selbstverständnis der von ihnen befragten
       Industriebeschäftigten einen  bedeutsamen Ausdruck der wachsenden
       Bereitschaft, aktiv  in die  krisenhafte Entwicklung  des  Gegen-
       satzes zwischen  Kapital und  Lohnarbeit einzugreifen.  48)  Zwar
       übersetze sich  die Erfahrung der Krise nicht automatisch in eine
       Bewußtseinsdynamik, die  sich gradlinig  aller bürgerlichen Denk-
       formen entledige,  leite aber  doch einen  Prozeß des "Umdenkens"
       und "tastenden  Suchens" nach Lösungsmöglichkeiten und Handlungs-
       orientierungen ein.  Die Gewerkschaften  bildeten dabei "ein kon-
       stitutives Moment  des gesellschaftlichen Bewußtseins der Lohnab-
       hängigen." 49) Es ist S. Herkommer u.a. nur zuzustimmen, wenn sie
       daraus die  methodische Schlußfolgerung  ziehen, daß es unmöglich
       sei, Veränderungen des "Gesellschaftsbewußtseins der Lohnabhängi-
       gen zu  verstehen und  zu interpretieren"  50), ohne die Funktion
       der Gewerkschaften dabei angemessen zu berücksichtigen.
       Ebenfalls einen  engen Zusammenhang zwischen kollektiver Interes-
       senorientierung und  positiver Einstellung zur Gewerkschaft hatte
       noch  für   die  Periode  der  wirtschaftlichen  Prosperität  die
       "Forschergruppe Metallarbeiterstreik"  am Beispiel  des  Arbeits-
       kampfes der Metallarbeiter im Unterwesergebiet 1974 nachgewiesen.
       51) Von  der Unterscheidung zwischen individualistischer und kol-
       lektiver Interessenorientierung  ausgehend, ermittelte die Studie
       mit Hilfe  weiterer Differenzierungen  der Kategorie der Interes-
       senorientierung, daß zwischen gewerkschaftlichem Engagement, ent-
       wickeltem Interessenbewußtsein  und Streikbereitschaft  eine enge
       Wechselbeziehung besteht.
       Daß die konkreten Merkmale und Elemente des Bewußtseins von Lohn-
       arbeitern weder  unmittelbar aus der Arbeitserfahrung hervorgehen
       noch auf  dem Weg  ausschließlich individuellen Erlebens gewonnen
       werden, sondern  wesentlich von  der Qualität  der Gewerkschaften
       nicht nur  als politischer  Machtfaktor, sondern auch als organi-
       sierter Raum  für die  Entfaltung  von  Interessenbewußtsein  und
       Klassenidentität abhängen, geht auch aus der Studie von W. Kudera
       u.a. über  "gesellschaftliches und politisches Bewußtsein von Ar-
       beitern" hervor,  die auf  einem Vergleich  zwischen den  Bewußt-
       seinshaltungen von Arbeitern aus zwei industriellen Großbetrieben
       beruht. Die  beiden Betriebe  sind sich  in  ihrer  "Produktions-
       struktur und  Marktstellung" recht ähnlich. Das gilt auch für die
       beiden  Gruppen   des  Samples,   die  mehrere   übereinstimmende
       Sozialmerkmale aufweisen.  Trotz der  Homogenität der  objektiven
       Merkmale der  beiden Betriebe  und befragten  Belegschaftsgruppen
       erbringt die  Auswertung der  erhobenen Daten  den  Nachweis  für
       bemerkenswerte, ja  gravierende Unterschiede  zwischen den beiden
       Betrieben. Hinsichtlich  der  Bewertung  des  kollegialen  Zusam-
       menhalts in Abteilung und Betrieb, der Einschätzung der Betriebs-
       ratstätigkeit, der  Notwendigkeit und  der Leistungen der Gewerk-
       schaften sowie der Charakterisierung gesellschaftlicher und poli-
       tischer Machtverhältnisse weichen die Formen des Arbeiterbewußts-
       eins in den beiden Betrieben auffällig voneinander ab. Im Betrieb
       A beurteilen  40 Prozent  der Befragten den "Zusammenhalt" in der
       Abteilung und  10 Prozent  im gesamten  Betrieb positiv.  Dagegen
       sind es im Betrieb B 72 Prozent bzw. 80 Prozent. 52) Im Betrieb A
       sind 16  Prozent mit der Tätigkeit des Betriebsrats zufrieden und
       54 Prozent  unzufrieden, während  im Betrieb B 72 Prozent Zufrie-
       denheit und  nur 6 Prozent Unzufriedenheit äußerten. 53) Die Not-
       wendigkeit der  Gewerkschaften steht  allerdings für  das  Sample
       beider Betriebe  ganz außer  Frage. Aber  im Betrieb  A halten 10
       Prozent die Gewerkschaften für heute noch notwendiger als früher;
       im Betrieb  B teilen  fast 40 Prozent diese Feststellung. 54) Die
       sich hier  abzeichnenden betriebsspezifischen Unterschiede setzen
       sich auf  der Ebene  gesamtgesellschaftlicher  Vorstellungen  und
       Statements fort.  Dabei artikulieren  die befragten  Arbeiter des
       Betriebes B  ein deutlich klareres Bewußtsein von den Bedingungen
       und Erfordernissen  des politischen  Handelns von  Arbeitern, der
       Gewerkschaften und  Parteien. Ihr  Verhältnis zum  Staat und ihre
       soziale "Selbstverortung"  in der  Gesellschaftsstruktur zeichnet
       sich gegenüber  der Arbeitergruppe  des Betriebs  B durch  höhere
       Kritikfähigkeit aus:  Illusionen über die Neutralität des Staates
       sind weniger  verfestigt, die  soziale Grundsituation der Lohnar-
       beit im  Gegensatz zum  Kapital wird  nüchterner und schärfer re-
       flektiert und  die Anforderungen,  die an Gewerkschaften und Par-
       teien gestellt  werden, spiegeln die Interessen von Arbeitern we-
       niger verzerrt  wider als die Antworten der Arbeiter des Betriebs
       A.
       Insgesamt rechtfertigen  diese Ergebnisse  die weiter oben formu-
       lierte These,  daß sowohl die unmittelbar betriebliche Arbeitser-
       fahrung als  auch das  allgemeine "Gesellschaftsbild"  wesentlich
       von der  Wirksamkeit und  Anziehungskraft der Gewerkschaften bzw.
       Arbeiterorganisationen im Betrieb abhängt. Der "organisierte sub-
       jektive Faktor" der Arbeiterklasse erweist sich damit als aktives
       Moment und  nicht nur als organisatorische Hülle für die Entwick-
       lung  kollektiver  Interessenorientierung,  Klassenidentität  und
       Klassenbewußtsein. Gleichzeitig  relativiert die organisierte Ar-
       beiterbewegung im Betrieb durch ihre Programmatik, ihr Selbstver-
       ständnis und  ihre Praxis den Einfluß der ideologischen Hegemonie
       des Kapitals  auf das Bewußtsein der Arbeiterklasse. Wo die orga-
       nisierte Arbeiterbewegung - und das gilt namentlich für die Groß-
       betriebe der  kapitalistischen Produktion  und Zirkulation  sowie
       der öffentlichen  Verwaltung -  im Erfahrungsradius des einzelnen
       Arbeiters, Angestellten und einfachen Beamten präsent ist, können
       sowohl die in der Struktur des arbeitsteiligen Produktionsprozes-
       ses angelegte und ideologisch vertiefte Zersplitterung der Beleg-
       schaften überwunden als auch Elemente eines einheitlichen Lohnar-
       beiterbewußtseins entfaltet  werden. Eine  Studie von  R. Lichte,
       die auf  einer teilnehmenden  Beobachtung in einem von Stillegung
       bedrohten und  1971 geschlossenem  Werk der  Röhrenproduktion be-
       ruht, 55) zeigt, wie sich Konkurrenzverhalten, individualistische
       Anpassungsstrategien, politische Apathie bei den Arbeitern verfe-
       stigen, wenn  die Gewerkschaft im Betrieb schwach und inaktiv ist
       und sich  der Betriebsrat  auf Sozialpartnerschaft  eingeschworen
       hat: "Um  die Partialisierung gegeneinander konkurrierender Lohn-
       arbeiter im Betrieb oder die Isolierung der vom Produktionsprozeß
       strukturierten Arbeitsgruppen  zu überwinden,  bedarf es zur sub-
       jektiven (bewußten)  Organisation der  Arbeiter organisatorischer
       Elemente, die in dieser Arbeit als Kader bezeichnet wurden. Kader
       haben demnach  die Aufgabe,  die von  der Produktionsstruktur des
       Betriebes bestimmte Zersplitterung der Belegschaft zu überwinden,
       dabei aber  gleichzeitig zu  beachten, daß  die Belegschaft durch
       die objektive Produktionsstruktur in einer bestimmten Weise grup-
       piert ist und diese Gruppierungen der Belegschaft Partialisierung
       ausdrücken..." 56)
       
       4. Perspektiven der Industriearbeit -
       -------------------------------------
       Perspektiven des Arbeiterbewußtseins
       ------------------------------------
       
       Die unabdingbare Rolle der organisierten Arbeiterbewegung für die
       Entwicklung und  Verbreitung klassenspezifischer Interessenorien-
       tierungen der  Lohnabängigen anzuerkennen, darf jedoch nicht hei-
       ßen, die  konkreten materiellen Formen der Arbeitsvergesellschaf-
       tung in  ihrer Wirkung auf die subjektive Situation des einzelnen
       Beschäftigten aus  der Analyse des Arbeiterbewußtseins "politizi-
       stisch" auszublenden.  Erfolge der  Arbeiterbewegung  im  Betrieb
       werden immer  auch davon  abhängen, ob  sie die widersprüchlichen
       Zusammenhänge  zwischen  produktionstechnischen  Neuerungen,  Ar-
       beitsanforderungen, sozialem  betrieblichen Status und Bewußtsein
       der Beschäftigten richtig zu erfassen und in mobilisierungsfähige
       Forderungen der Betroffenen umzusetzen vermag.
       Einer kritischen, den Interessen der Lohnabhängigen und ihren Or-
       ganisationen  verpflichteten   Arbeits-  und  Industriesoziologie
       stellt sich so die Aufgabe, Arbeit nicht nur als Bestandsaufnahme
       des Status quo zu bilanzieren, sondern auch ihre zukünftigen Ent-
       wicklungstendenzen zu  erforschen und  Prognosen zu erstellen, an
       denen sich die Arbeiterbewegung orientieren kann.
       Unter dem  Stichwort "Krise  der Arbeitsgesellschaft"  wird heute
       die Zentralität  und die  soziale Gestaltungskraft von Arbeit mit
       Nachdruck in Frage gestellt. Der "Sinn der Arbeit" und die norma-
       tive Geltung  von Arbeit  für alle  kollektiven und individuellen
       Lebensbezüge genießen  keine uneingeschränkte  Anerkennung  mehr.
       Dem entspricht auf der Ebene soziologischer Theoriediskussion und
       empirischer Forschung  die Neigung, die Erklärung und Deutung so-
       zialen Bewußtseins  und  Verhaltens  von  Lohnarbeitern  aus  der
       Sphäre der Arbeit in die Sphäre der Nicht-Arbeit, der individuel-
       len Reproduktion, Freizeitgestaltung und kulturellen Aktivität zu
       verlagern. 57)  Dieser "Paradigmenwechsel" ist in einem übergrei-
       fenden   Kontext   jener   Diskussion   über   gesellschaftlichen
       "Wertwandel" zu  verstehen, die von Ronald Ingleharts "silent re-
       volution" über  André Gorz' "Abschied vom Proletariat" bis zu den
       skeptischen Prognosen  reicht, die C. Offe der "Arbeit als sozio-
       logischer Schlüsselkategorie"  kürzlich gestellt  hat. 58)  Dezi-
       diert vertritt  Offe die  These, daß  die "subjektive Valenz bzw.
       Zentralität der  Arbeit für die Arbeitenden" 59) in Zweifel gezo-
       gen werden  müsse, weil  sowohl technologische Substituierung des
       "human factor" als auch das "Auseinanderfalten von Lebensmilieus"
       der Arbeitenden,  (die ehemals  sozial, kulturell  und  moralisch
       konsistent waren),  die "Arbeitssphäre"  in ihrer sozial struktu-
       rierenden Qualität  entwertet hätten.  Offe schreibt: "Eine indu-
       striell  hochentwickelte   kapitalistische  Industriegesellschaft
       tendiert offenbar,  eingebettet in  einen ebenso hochentwickelten
       Wohlfahrtsstaat, dazu, wachsende Teile des gesellschaftlichen Ar-
       beitsvermögens moralisch, qualifikatorisch und ökonomisch aus der
       Teilnahme an  der Erwerbssphäre  zu verdrängen;  und sie  verfügt
       nicht über  die kulturellen  Ressourcen oder ökonomischen Zwangs-
       mittel, die erforderlich wären, gleichwohl die subjektive Zentra-
       lität der  Orientierung an  Arbeit, Leistung und Erwerbseinkommen
       über kulturelle  Normen oder den stummen Zwang von Marktprozessen
       zu stabilisieren.  Nicht nur  objektiv ist  die Arbeit  aus ihrem
       Status als  einer zentralen und selbstverständlichen Lebenstatsa-
       che verdrängt  worden, sondern  auch subjektiv  hat sie - im Ein-
       klang mit  dieser objektiven  Entwicklung, aber  in Diskrepanz zu
       den offiziellen  Werten und Legitimationsmustern der Gesellschaft
       - diesen  Status im Motivhaushalt der Arbeitenden eingebüßt." 60)
       Die ersten Ergebnisse der Folgestudie von H. Kern und M. Schumann
       zu "Industriearbeit  und Arbeiterbewußtsein" lassen Offes Auffas-
       sung als  spekulativ erscheinen.  Obwohl Kern/Schumann einräumen,
       daß sich der Charakter der Arbeit verändert habe und herkömmliche
       soziale und  normative Bestimmungen von Arbeit (wie das Produzen-
       tenbewußtsein, der  "Heroismus des Handarbeiters" oder die Verin-
       nerlichung von Arbeitsdisziplin) weit in den Hintergrund gedrängt
       worden seien,  widersprechen sie  der These  vom sozialen  Bedeu-
       tungsverlust der Arbeit. 61) Zwar sehen sie im heutigen subjekti-
       ven Verhältnis  der Arbeitenden  zu ihrer  Arbeit ebenfalls einen
       Wandel, aber nicht im Sinne einer Auflösung, sondern im Sinne ei-
       ner "Neukonturierung  des doppelten  Bezugs auf Arbeit." 62) Dies
       werde nicht nur durch den empirischen Grundsachverhalt plausibel,
       daß Arbeit  für die  (industriellen) Ganztagsarbeiter  noch immer
       eine wesentliche "Handlungssphäre" sei, ohne die sich die Persön-
       lichkeitsentwicklung der  Arbeitenden kaum vorstellen lasse, son-
       dern  stelle   sich  auch   als   Folge   von   "Umbildungen   im
       P r o d u z e n t e n b e z u g   auf Arbeit" 63) dar. Wie erklä-
       ren und  interpretieren nun  Kern/Schumann  diese  "Umbildungen"?
       Ausgangspunkt ist die Annahme, daß die Bedingungen moderner Indu-
       strieproduktion in  den Betrieben  eine Revision  bisher gültiger
       Strategien des  rigorosen Einsatzes neuer Technologien und taylo-
       risierter Arbeitsmethoden  eingeleitet habe,  die  sich  auf  der
       Seite der  Arbeitsanforderungen als Mobilisierung produktiver Po-
       tenzen der  "lebendigen Arbeit"  und als  "ganzheitlicher Zugriff
       auf Arbeitsvermögen" widerspiegele. Durch die neuen betrieblichen
       Arbeitspolitiken erweitere  sich für die Industriearbeiter wieder
       die Möglichkeit,  sich selbst  in der  inhaltlichen Beziehung zur
       Arbeit so  positiv zu  definieren, daß  Industriearbeit in kriti-
       scher Abgrenzung  zur "Perspektive entfremdeter, entleerter Frei-
       zeit"  64)   sogar   an   Attraktivität   zurückgewinnen   könne.
       Kern/Schumann versuchen, die skizzierten Veränderungen in den Be-
       ziehungen zwischen  Industriearbeitern und  ihrer Arbeit  theore-
       tisch  angemessen  zu  erfassen,  indem  sie  die  Kategorie  des
       "Sozialcharakters" entwickeln.  Gegenüber der  individualisieren-
       den, soziales  Bewußtsein in eine Vielzahl von Indikatoren auflö-
       senden Methode,  wie sie in der "Wertwandel"-Forschung dominiere,
       biete der  Begriff des  "Sozialcharakters" den Vorteil, Grundhal-
       tungen eines  sozialen Kollektivs  in der "Auseinandersetzung mit
       seinen Lebenserfahrungen" 65) soziologisch erschließen zu können.
       Im Blick  auf die Anforderungen empirischer arbeitssoziologischer
       Analyse haben  Kern/Schumann den  Begriff des  "Sozialcharakters"
       weiter differenziert  und den Begriff des "Arbeitscharakters" ge-
       prägt, den sie so definieren: "Ein für das Verhalten der Arbeiter
       im  Rationalisierungsprozeß  besonders  wichtiges  Merkmalsbündel
       wollen wir mit dem Begriff des  A r b e i t s c h a r a k t e r s
       fassen, den  wir als  Teil des sozialen Charakters verstehen. Wir
       meinen damit  ein an eine bestimmte Form industrieller Arbeit ge-
       bundenes Reaktionspotential;  eine Kombination  von Eigenschaften
       und Haltungen,  wie sie  eine Arbeitsgruppe durch Auseinanderset-
       zung mit  ihrer Arbeit (gegenwärtige und frühere Arbeitserfahrun-
       gen)  und   mit  den  Prozessen  der  Veränderung  dieser  Arbeit
       (Rationalisierungserfahrungen, Organisations-  und Kampferfahrun-
       gen usw.) als mehr oder weniger durchgreifenden, jedenfalls grup-
       pentypischen Habitus ausgebildet hat." 66)
       Der Begriff  des "Arbeitscharakters"  spielt in  der neuen Studie
       "Rationalisierung und  Arbeiterverhalten" eine wichtige Rolle. In
       einer unter  Vorbehalt gestellten  Zusammenfassung konkretisieren
       Kern/Schumann die  ersten vorläufigen  Ergebnisse und  Tendenzen.
       67) Ausgehend  von einem  grundlegenden Wandel der Arbeitsgestal-
       tung aus der Perspektive betrieblicher Strategien, die inzwischen
       an die  Grenzen der  Taylorisierung und Rationalisierung gestoßen
       seien, prognostizieren Kern/Schumann eine allerdings nicht wider-
       standslos sich  vollziehende Wende  zu "neuen  arbeitspolitischen
       Konzepten". Sie  brächten der  "lebendigen Arbeit"  eine "erhöhte
       Wertschätzung" entgegen.  Ihre Realisierung ermögliche, ja erfor-
       dere geradezu  einen "weniger  arbeitsteiligen Zuschnitt  der Ar-
       beitsaufgaben". Kern/Schumann betonen jedoch, daß sie die von ih-
       nen festgestellten Anzeichen für ein "Verschwinden unqualifizier-
       ter Lückenbüßer", für eine "Wiederentdeckung des Berufsarbeiters"
       und eine  "Reprofessionalisierung der  Arbeit in  der Produktion"
       68) nicht  als Revision  der von ihnen früher vertretenen Polari-
       sierungsthese  verstanden   wissen  wollen.   Nach  Kern/Schumann
       scheint es vielmehr so, als verlagere sich der Prozeß der Polari-
       sierung vom  unmittelbaren Verhältnis  zwischen  Mensch  und  Ma-
       schine, wie  in "Industriearbeit  und Arbeiterbewußtsein"  darge-
       stellt, auf  Polarisierungen zwischen  größeren Gruppen  der  Be-
       schäftigten, zum  Beispiel zwischen  Belegschaften unterschiedli-
       cher  Betriebe,   unterschiedlicher  Branchen,  unterschiedlicher
       technologischer   Strukturen.    Dementsprechend   differenzieren
       Kern/Schumann vier  Gruppen der  modernen Industriearbeiterschaft
       69): a)  die "modernen  Produktionsfacharbeiter  und  Instandhal-
       tungsspezialisten" in den noch immer prosperierenden ökonomischen
       Kernsektoren und  technologischen Spitzenindustrien (hier konkret
       sowohl Automobilindustrie und Werkzeugmaschinenbau als auch Groß-
       chemie  und   automatisierte  Nahrungsmittelindustrie),   b)  die
       "Rationalisierungsdulder" in  diesem Kernsektor,  die wegen  man-
       gelnder Qualifikationen durch den technischen Fortschritt gefähr-
       det seien, c) die "Arbeiter der krisenbestimmten Branchen", die -
       wie z.  B. die  Werftarbeiter - ein beträchtliches Widerstandspo-
       tential bilden  und d) die Arbeitslosen, deren soziales Verhalten
       und Handeln schwer prognostizierbar sei.
       Aus dieser  Gliederung der  Industriearbeiterschaft leiten  Kern/
       Schumann ab,  daß die moderne Variante der Polarisierung in einer
       S e g m e n t i e r u n g  bestehe.
       Die Auswahl  des zu  untersuchenden Gegenstandes, nämlich von Be-
       trieben des  ökonomisch intakten  und  technologisch  innovativen
       "Kernsektors", lenkt  die Aufmerksamkeit  Kerns und Schumanns auf
       die Gruppe der "neuen Produktionsarbeiter", während die Situation
       der anderen  genannten Gruppen  auffällig blaß  bleibt.  Bei  den
       "neuen Produktionsarbeitern" zeichne sich eine starke Identifika-
       tion mit der Arbeit und eine teilweise sogar positive Einstellung
       zur  Rationalisierung   ab.  Kern/Schumann   sprechen  hier   von
       "Protagonisten der Rationalisierung", die unter den "jungen deut-
       schen   Massenarbeitern    mit   Berufshintergrund"    und    den
       "Instandhaltungsspezialisten" zu  finden seien.  Eine ambivalente
       Haltung sei  auch bei den Betriebsräten beobachtbar, die versuch-
       ten, dem Widerspruch zwischen ökonomischen Erfordernissen der Be-
       triebe und  negativen Folgen  von  Rationalisierung  durch  einen
       "modus vivendi"  zu entgehen, der im wesentlichen auf eine Taktik
       des Ausgleichs  unterschiedlicher Interessen in den Belegschaften
       hinauslaufe. Weder bei den Belegschaften noch bei den Betriebsrä-
       ten sei  jedenfalls auch nur ansatzweise ein Bestreben erkennbar,
       die Logik  der Rationalisierung  mit eigenständigen  alternativen
       Konzepten zu  beantworten: "Soweit  sich  Belegschaften  und  Be-
       triebsräte auf  die Entwicklung  einlassen, und das scheint uns -
       wie gesagt  - im großen und ganzen doch der Fall zu sein, geht es
       ihnen immer nur um die Erträglichkeit von Rationalisierung, nicht
       aber um  alternative gesellschaftliche  Prinzipien.  Zur  Debatte
       stehen für sie die verschiedenen Formen kapitalistischer Rationa-
       lisierung, nicht aber außerhalb des Verwertungsprozesses angesie-
       delte Gegenmodelle.  Alternative  Rationalisierungskonzepte,  die
       aus der Perspektive der Belegschaft formuliert worden sind, haben
       wir, und  sei es  auch nur  als reine Denkmodelle, in den von uns
       untersuchten Bereichen nirgends angetroffen." 70)
       Aus den Befunden und Überlegungen von Kern/Schumann, die zweifel-
       los wichtige  Entwicklungs- und  Veränderungstendenzen der Arbeit
       im modernen  Produktionsprozeß reflektieren und beschreiben, geht
       hervor, daß  sich, ökonomisch  und technisch bedingt, die Segmen-
       tierung der  industriellen  Arbeiterschaft  vertieft.  Unter  dem
       Aspekt der  Interessenorientierung scheint  dabei der  Gruppe der
       "neuen Produktionsarbeiter" der Status einer technischen Betrieb-
       selite zuzukommen.  Sie repräsentieren  in ihrem entpolitisierten
       Arrangement mit  dem Unternehmen  und ihrer  betriebsegoistischen
       Rationalisierungsbejahung eine  Art negatives  Gegenstück zu  der
       einst in  Frankreich soziologisch entdeckten und teilweise eupho-
       risch interpretierten  "neuen Arbeiterklasse", die, verbunden mit
       dem höchsten Niveau der Produktivkräfte, der kapitalistischen Be-
       triebsorganisation die  Alternative "antikapitalistischer  Struk-
       turreformen" entgegensetzen sollte.
       Was die Auffassung Kerns und Schumanns anbetrifft, so wäre aller-
       dings anhand  der definitiven Ergebnisse zu prüfen, inwieweit die
       von ihnen  genannten Merkmale  der  "Reprofessionalisierung"  und
       "Produktionsintelligenz" zukünftig  für eine  sowohl  quantitativ
       als auch qualitativ relevante Schicht der Arbeiterklasse tatsäch-
       lich bestimmend  werden oder  ob sie nur der Minorität, einer be-
       ruflich und  sozial von  der Masse  der Beschäftigten abgehobenen
       technologisch versierten "Betriebsaristokratie" vorbehalten blei-
       ben. Weiterhin  wäre zu prüfen, ob die von Kern/Schumann angedeu-
       teten Tendenzen  einer "Neukonturierung" hochqualifizierter Indu-
       striearbeit für  einen längeren  Zeitraum als beständig angesehen
       werden können, oder ob nicht im Gegenteil neue Rationalisierungs-
       schübe die  vermutete "Reprofessionalisierung"  untergraben, noch
       ehe sie  sich überhaupt entfalten kann. Schließlich müßte genauer
       bestimmt werden, welches quantitative und qualitative Gewicht den
       genannten vier  Gruppen für  die Interessenorientierung  und  das
       Handlungspotential der  Arbeiterklasse in  der Auseinandersetzung
       mit dem  Kapital zuzuschreiben  ist. Zweifellos  bedarf  die  von
       Kern/Schumann angenommene  Tendenz einer Verallgemeinerung "neuer
       Produktionskompetenz" und der Entstehung eines ihr adäquaten Typs
       von Industriearbeit  noch einer  gründlichen empirischen Prüfung,
       um beantworten  zu können, welchen Einfluß die Gruppe der Produk-
       tions- und Instandhaltungsspezialisten auf das soziale Selbstver-
       ständnis breiterer Schichten der Arbeiterklasse ausüben wird.
       An der  von Kern/Schumann  festgestellten Vertiefung  beruflicher
       und sozialer Segmentierung des "produktiven Gesamtarbeiters" wird
       allerdings auch  eine marxistische  Analyse der Arbeiterklasse im
       Betrieb kaum vorbeigehen können. Diese Segmentierung, die vor dem
       Hintergrund chronischer  Krisenhaftigkeit und forcierter Rationa-
       lisierung verläuft,  stellt die  Arbeiterbewegung vor  schwierige
       Aufgaben, was die interessenbezogene Vereinheitlichung der unter-
       schiedlichen Kategorien  der Arbeiterklasse  anbetrifft.  Positiv
       ausgedrückt zeigt  sich daran, daß die Bedeutung des "subjektiven
       Faktors" in  der Arbeiterklasse  in dem Maße wächst, wie konkrete
       soziale  Differenzierungen  der  Arbeiterklasse  vorausschreiten;
       denn gerade  da, wo klassenspezifische kollektive Lebenszusammen-
       hänge hinter  Erscheinungen der  Segmentierung und Fragmentierung
       zurücktreten und  die objektiven  Gemeinsamkeiten  der  Arbeiter-
       klasse subjektiv  schwieriger zu  identifizieren sind,  nimmt die
       Notwendigkeit der bewußten, theoriegeleiteten Einsicht in die Be-
       dingungen der  kapitalistischen Klassenstruktur zu. 71) Eine sol-
       che Einsicht  wird sich  allerdings kaum, wie Kern/Schumann anzu-
       nehmen scheinen,  unmittelbar aus arbeitsprozeßlichen Kompetenzen
       und rationellem  Arbeitshandeln herleiten, um dem gesellschaftli-
       chen Fortschritt  gegen die  Widerstände  "einzelwirtschaftlicher
       Rationalität" 72)  den Weg  zu bahnen.  Eine solche Einsicht wird
       immer auch  das - den konkreten Arbeitsprozeß übergreifende - Be-
       wußtsein ökonomischer und politischer Gegensätze zwischen Kapital
       und Arbeit einschließen, von Gegensätzen also, die sich weder auf
       Widersprüche im  unmittelbaren Produktionsprozeß beschränken noch
       durch arbeitsspezifische  Handlungskompetenz allein gelöst werden
       können.
       
       _____
       1) Vgl. Heinz Jung, Zur Arbeiterklasse der 80er Jahre. Struktur -
       Kern - betriebliche Basis; in: Marxistische Studien, Jahrbuch des
       IMSF 6, Frankfurt am Main 1983, bes. S. 75.
       2) Vgl. John  H. Goldthorpe/David Lockwood/Frank Bechhofer/Jenni-
       fer Platt,  Der Arbeiter  und sein  Betrieb; in:  Friedrich  Für-
       stenberg (Hrsg.),  Industriesoziologie II.  Die  Entwicklung  der
       Arbeits- und Betriebssoziologie seit dem zweiten Weltkrieg, Darm-
       stadt und Neuwied 1974, S. 96.
       3) Vgl. Frank Deppe und Hellmuth Lange, Zur Soziologie des Arbei-
       ter- und  Klassenbewußtseins. Ein kritischer Literaturbericht (1.
       Teil), in: Das Argument 61, 1970, vor allem S. 708-715.
       4) Martin Osterland,  Innerbetriebliche Arbeitssituation  und au-
       ßerbetriebliche Lebensweise  von  Industriearbeitern,  in:  ders.
       (Hrsg.),  Arbeitssituation,   Lebenslage  und  Konfliktpotential.
       Festschrift für  Max E.  Graf zu  Solms-Roedelheim, Frankfurt  am
       Main - Köln 1975, S. 179/180.
       5) Michael Abendroth/Niels Beckenbach/Siegfried Braun/Rainer Dom-
       bois, Hafenarbeit.  Eine industriesoziologische  Untersuchung der
       Arbeit und  Betriebsverhältnisse in  den bremischen Häfen, Frank-
       furt am Main 1979.
       6) Friedrich Fürstenberg, Die Soziallage der Chemiearbeiter, Neu-
       wied und Berlin 1969.
       7) Michael Abendroth u.a., Hafenarbeit..., a.a.O., S. 534.
       8) Ebd., S. 556/557. . . . .
       9) Ebd., S. 558.
       10) Ebd., S. 559.
       11) Michael Schumann/Edgar  Einemann/Christa Siebel-Rebell/Klaus-
       Peter Wittemann,  Rationalisierung, Krise, Arbeiter. Eine empiri-
       sche Untersuchung  der Industrialisierung  auf der  Werft, 2 Bde,
       Bremen 1981.
       12) Ebd., Bd. II, S. 545.
       13) Ebd., S. 550.
       14) Ebd.
       15) Werner Kudera/Werner Mangold/Konrad Ruff/Rudi Schmidt/Theodor
       Wentzke, Gesellschaftliches und politisches Bewußtsein von Arbei-
       tern. Eine empirische Untersuchung, Frankfurt am Main 1979.
       16) Ebd., S. 118.
       17) Ebd., S. 119.
       18) Ebd.
       19) Michael Schumann u.a., Rationalisierung ..., a.a.O., S. 780.
       20) Ebd., S. 1006.
       21) Vgl. vor  allem die Überlegungen von M. Schumann u. a. zu den
       Vorstellungen der Werftarbeiter darüber, wie die Krise im Schiff-
       bau bewältigt werden könne.
       22) Heiner Heseler/Hans  Jürgen Kröger  (Hrsg.), "Stell  Dir vor,
       die Werften  gehören uns ..." Krise des Schiffbaus oder Krise der
       Politik?, Hamburg  1984; H.  Ziegenfuß u.a.  (Hrsg.), Wer kämpft,
       kann verlieren,  wer nicht  kämpft, hat schon verloren!" Tagebuch
       einer Betriebsbesetzung, Hamburg 1984.
       23) Zur Problematik  dieses Sachverhalts  vgl.  die  instruktiven
       Überlegungen bei  Peter Alheit,  Alltagswissen und Klassenbewußt-
       sein. Theoretische  Aspekte einer prekären Interdependenz, Bremen
       1982.
       24) Vgl. dazu  Frank Deppe,  Einheit und  Spaltung der  Arbeiter-
       klasse. Überlegungen  zu einer  politischen Geschichte der Arbei-
       terbewegung, Marburg 1981.
       25) Vgl. Beiträge des IMSF 3: Klassen- und Sozialstruktur der BRD
       1950-1970, bes.  Teile I und II, Frankfurt/M. 1972-1974; H. Jung,
       Zur Arbeiterklasse der achtziger Jahre, a.a.O.
       26) Ulf Kadritzke, Angestellte - Die geduldigen Arbeiter. Zur So-
       ziologie und  sozialen Bewegung  der Angestellten,  Frankfurt  am
       Main/Köln 1975;  vgl. auch  Jürgen Kocka: Die Angestellten in der
       deutschen Geschichte  1850-1980. Vom Privatbeamten zum angestell-
       ten Arbeitnehmer,  Göttingen 1981; Ulf Kadritzke, Angestellte als
       Lohnarbeiter. Kritischer  Nachruf auf  die deutsche  Kragenlinie,
       in: G. Schmidt u.a. (Hrsg.); Materialien zur Industriesoziologie,
       Sonderheft 24  der Kölner  Zeitschrift für Soziologie und Sozial-
       psychologie, Opladen 1982, S. 219-250.
       27) Martin Baethge,  Wandel betrieblicher  Strukturen  von  Ange-
       stelltentätigkeiten, in:  Joachim Matthes  (Hrsg.), Krise der Ar-
       beitsgesellschaft? Verhandlungen  des 21. Deutschen Soziologenta-
       ges in Bamberg 1982, Frankfurt/Main 1983.
       28) Ebd., S. 187.
       29) Ebd.
       30) Detlef Saurien,  Streik und  Angestelltenbewußtsein.  Bericht
       über  eine  sozialwissenschaftliche  Untersuchung  des  Metaller-
       streiks im Unterwesergebiet 1974, Band II, Bremen 1979.
       31) Ebd., S. 7.
       32) Ebd., S. 207.
       33) Ebd.
       34) Ebd., S. 126.
       35) Ebd., S. 209.
       36) Ebd., S. 228.
       37) Ebd., S. 234 ff.
       38) Vgl. Walter  Breum u.a., Die Gewerkschaften der BRD. Mitglie-
       der -  Theorie -  Politik, Hamburg 1981, S. 20. Danach betrug der
       Anteil der in den Einzelgewerkschaften des DGB 1979 organisierten
       Angestellten 20,5  Prozent (=  1610000) der Gesamtmitgliedschaft.
       Die Zahl  der der Arbeiterklasse sozialökonomisch zugehörigen An-
       gestellten beträgt aber ungefähr 7,5 Millionen.
       39) Zu Aktionen  von  lohnabhängigen  Gruppen,  die  der  Gewerk-
       schaftsbewegung traditionell  sozial und  politisch  fernstanden,
       vgl. Andreas Achenbach u.a., Arbeitskampf an neuen Fronten, IMSF-
       Reihe "Soziale Bewegungen", Heft 8, Frankfurt/Main 1980.
       40) Werner Kudera,  Konrad Ruff  und Rudi  Schmidt, Blue collar -
       white collar: grey collar? Zum sozialen Habitus von Arbeitern und
       Angestellten in der Industrie, in: Soziale Welt, Heft 2/1983.
       41) Ebd., S.  202. Vgl.  hierzu auch  die empirische Untersuchung
       von Werner  Kudera u.a.;  Betriebliche Rationalisierung und Ange-
       stellte, Köln 1979.
       42) W. Kudera u.a.; Blue collar..., a.a.O., S. 202.
       43) Ebd., S. 205.
       44) Ebd., S. 214.
       45) Ebd., S. 226.
       46) Eine Ausnahme  bildet hier etwa W. Kudera u.a.. Gesellschaft-
       liches und politisches Bewußtsein..., a.a.O.
       47) Sebastian Herkommer / Joachim Bischoff / Peter Lohauß / Karl-
       heinz Maldaner / Friedrich Steinfeld, Gesellschaftsbewußtsein und
       Gewerkschaften. Arbeitsbedingungen,  Lebensverhältnisse,  Bewußt-
       seinsänderungen und  gewerkschaftliche Strategie  1945 bis  1979,
       Hamburg 1979.
       48) Ebd., S. 247.
       49) Ebd., S. 251.
       50) Ebd.
       51) Forschergruppe "Metallerstreik",  Streik und  Arbeiterbewußt-
       sein. Eine  sozialwissenschaftliche  Untersuchung  des  Metaller-
       streiks im Unterwesergebiet, Frankfurt/Main 1979.
       52) W. Kudera  u. a.,  Gesellschaftliches und politisches Bewußt-
       sein ..., a.a.O., S. 127 (Tabellen 23 u. 24).
       53) Ebd., S. 166 (Tabelle 31).
       54) Ebd., S. 176 (Tabelle 34).
       55) Rainer Lichte,  Betriebsalltag von  Industriearbeitern.  Kon-
       flikthandeln einer  Belegschaftsgruppe vor  und während einer Be-
       triebsstillegung, Frankfurt/Main 1978.
       56) Ebd., S. 496/497.
       57) Vgl. zu  dieser Frage  die Überlegungen von Sebastian Herkom-
       mer, Arbeit  und Nichtarbeit, in: Materialien zur Industriesozio-
       logie, a.a.O., S. 264-282.
       58) Vgl. Ronald  Inglehart, Wertwandel  in den westlichen Gesell-
       schaften. Politische Konsequenzen von materialistischen und post-
       materialistischen Prioritäten, in: H. Klages/P. Kmieciak (Hrsg.),
       Wertwandel und  gesellschaftlicher Wandel,  Frankfurt am Main/New
       York 1979,  S. 279ff;  André Gorz, Abschied vom Proletariat. Jen-
       seits des Sozialismus, Frankfurt am Main 1980; Claus Offe, Arbeit
       als soziologische  Schlüsselkategorie?, in:  Krise der Arbeitsge-
       sellschaft? a.a.O.
       59) Offe, a.a.O. S. 50.
       60) Ebd., S. 57.
       61) Horst Kern/Michael Schumann, Arbeit und Sozialcharakter: alte
       und neue Konturen, in: Krise der Arbeitsgesellschaft?, a.a.O., S.
       353ff.
       62) Ebd., S. 355.
       63) Ebd., S. 357.
       64) Ebd., S. 360.
       65) Ebd., S. 361.
       66) Horst Kern/Michael  Schumann, Rationalisierung  und Arbeiter-
       verhalten in:  Materialien zur  Industriesoziologie,  a.a.O.,  S.
       109.
       67) Vgl. im folgenden Horst Kern/Michael Schumann, Neue Produkti-
       onskonzepte haben  Chancen - Bestandsaufnahme und Trendbestimmung
       der Rationalisierung in den industriellen Kernbereichen, in: Mit-
       teilungen  des   Soziologischen   Forschungsinstituts   Göttingen
       ("SOFI") vom Februar 1984, S. 1-20.
       68) Ebd., S. 16.
       69) Ebd., S. 17/18.
       70) Ebd., S. 14.
       71) Vgl. dazu den ausgezeichneten Beitrag von Witich Roßmann, Ar-
       beiterklasse, soziale  Bedürfnisse und gewerkschaftliche Politik,
       in: Marxistische  Studien, Jahrbuch des IMSF 5, Frankfurt am Main
       1982, S. 42-72.
       72) Horst  Kern/Michael   Schumann,   Neue   Produktionskonzepte,
       a.a.O., S. 19.
       

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