Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984


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       STRUKTURWANDEL DER FRAUENARBEIT UND
       ===================================
       BETRIEBLICH-GEWERKSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
       =========================================
       
       Alma Steinberg
       
       1. Veränderungen  in der  Erwerbsstruktur der  Frauen - 2. Zu Be-
       wußtsein und  Verhalten erwerbstätiger  Frauen - 3. Bewegung, Ak-
       tionen - gewerkschaftliche Frauenarbeit - 4. Aktive Frauen
       
       1. Veränderungen in der Erwerbsstruktur der Frauen
       --------------------------------------------------
       
       Seit etwa 100 Jahren sind sowohl der Anteil der Frauen an der er-
       werbstätigen Bevölkerung  als auch die weibliche Erwerbsquote re-
       lativ stabil:  Die Erwerbsquote  bewegte sich  um 45 Prozent, die
       Erwerbsbeteiligung  lag   bei  35  Prozent.  Große  Veränderungen
       vollzogen sich  dagegen in  der Erwerbsstruktur der Frauen. Damit
       haben sich  nicht nur  Inhalt und Felder weiblicher Erwerbsarbeit
       geändert. Verschoben haben sich auch der Anteil, die Stellung und
       das Gewicht  erwerbstätiger Frauen  in der  Arbeiterklasse. Diese
       Entwicklung weist  auf unterschiedliche  historische Erwerbs- und
       Klassenerfahrungen von  Frauen hin;  ihre Analyse  kann beitragen
       zur Erklärung von Besonderheiten im beruflichen Selbstverständnis
       und im Klassenbewußtsein von Frauen heute.
       Zunächst war  Frauenarbeit von  der kapitalistischen Industriali-
       sierung wenig geprägt. Zwar stellten Frauen in den ersten Zentren
       der Textilindustrie einen hohen Anteil, manchmal die Mehrzahl der
       Arbeitskräfte; an der Gesamtheit der erwerbstätigen Frauen gemes-
       sen, war  die Zahl  der dort  Arbeitenden jedoch  gering, und sie
       ging bis zur Jahrhundertwende auf etwa zehn Prozent der arbeiten-
       den Frauen  zurück. In  den Betrieben  der ökonomisch bedeutenden
       Schwerindustrie stellten  die Frauen nur einen ganz geringen Teil
       der Arbeitskräfte.
       Gegen Ende  des 19.  Jahrhunderts arbeiteten  etwa 40 Prozent der
       erwerbstätigen Frauen  in der  Landwirtschaft und in der privaten
       Hauswirtschaft als  Mägde, Landarbeiterinnen  und  Dienstmädchen.
       Weitere 40  Prozent halfen  als Familienangehörige  in  landwirt-
       schaftlichen und  handwerklichen Kleinbetrieben. Nur etwa 15 Pro-
       zent der  erwerbstätigen Frauen  waren als Arbeiterinnen in Indu-
       striebetrieben beschäftigt.  1) Frauenarbeit  war  gekennzeichnet
       durch  eine  isolierte,  kleinbetriebliche  Arbeitssituation  und
       durch ein hohes Maß an persönlicher Abhängigkeit. Als mithelfende
       Familienangehörige standen  Frauen zu ihrem Ehemann in zweifacher
       Abhängigkeit: als Mann und als Arbeitgeber. Als Mägde und Dienst-
       mädchen waren  sie eingebunden  in ein  paternalistisches  quasi-
       feudales Arbeitsverhältnis;  so ersetzten Unterkunft und Verpfle-
       gung einen  Teil des  Geldlohnes, und selbst das Verhalten in der
       Freizeit unterlag der Kontrolle durch die "Herrschaft".
       Das Übergewicht  der halbfeudalen  Arbeitsverhältnisse verschwand
       erst im  20. Jahrhundert.  Mit einem deutlichen Schub nahm in den
       zwanziger Jahren  die lohnabhängige Frauenerwerbstätigkeit in In-
       dustrie und  Dienstleistungen zu. Der Anteil der Arbeiterinnen in
       der Industrie  verdoppelte sich  und betrug  1925 etwa 36 Prozent
       der lohnabhängig  arbeitenden Frauen.  Die Ausweitung des Handels
       und des  Dienstleistungssektors und die Herausbildung der maschi-
       nenbezogenen kaufmännischen Routinetätigkeiten in den Büros führ-
       ten dazu,  daß sich der Anteil der weiblichen Angestellten an den
       lohnabhängigen Frauen  versechsfachte: von  2,5 Prozent  im  Jahr
       1895 auf fast 15 Prozent im Jahr 1925. Der Anteil der Frauen, die
       als Dienende  in Landwirtschaft  und privaten Haushalten arbeite-
       ten, ging dagegen um die Hälfte zurück.
       Bis in  die sechziger Jahre blieb der Anteil der Arbeiterinnen an
       den erwerbstätigen  Frauen ungefähr gleich. Verschoben hatte sich
       jedoch die  Aufteilung auf  die Branchen. So nahm der, Anteil der
       in der Elektro- und feinmechanischen Industrie arbeitenden Frauen
       an der  Gesamtheit der  in der  Industrie beschäftigten Frauen zu
       (1925: 2,4  Prozent; 1961:  9 Prozent),  während der  Anteil  der
       Frauen, die  in der  Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie ar-
       beiteten, zurückging (von 18 Prozent 1925 auf 13,3 Prozent 1961).
       Stark zugenommen hatte auch die Anzahl der Frauen im Handels- und
       Dienstleistungssektor; 1961  stellten sie  etwa  die  Hälfte  der
       lohnabhängigen Frauen.  In der Erwerbsstruktur bedeutungslos wur-
       den Dienste  in privaten  Haushalten und in der Landwirtschaft (7
       Prozent). Der  Anteil der  mithelfenden Familienangehörigen,  der
       über 80  Jahre nur sehr langsam zurückgegangen war, sank bis 1960
       um 10 Prozent, betrug aber immer noch 22 Prozent. 2)
       Nach 1960  folgten einschneidende  Veränderungen. Die  Gruppe der
       Mithelfenden schrumpfte  weiter und machte 1980 nur noch 6,7 Pro-
       zent aus. Der Anteil der Arbeiterinnen sank auf 31,5 Prozent; Ar-
       beitsplätze entfielen vor allem in der Textil- und Bekleidungsin-
       dustrie und  im Metallbereich. Im letzten Jahrzehnt wurden im Be-
       reich Bekleidung  etwa 233 000  Frauenarbeitsplätze abgebaut, bei
       Metall 100 000. Zwischen 1980 und 1982 sank die Zahl der Arbeite-
       rinnen im verarbeitenden Gewerbe noch einmal um 160 000. 3)
       Der verstärkte  Arbeitsplatzabbau in der Industrie konnte kompen-
       siert werden  durch die  Zunahme von Arbeitsplätzen im Dienstlei-
       stungssektor. Diese  Ausweitung ging  einher mit  einer Expansion
       des Frauenanteils.  Zwischen 1970  und 1980 erhöhte sich die Zahl
       der Frauen  in Verwaltungsberufen  um 513 000,  in Organisations-
       und Dispositionsberufen  um 59 000,  unter den Warenkaufleuten um
       47000 und  in Dienstleistungsberufen um 43000. 4) Mit der Zunahme
       der Frauenarbeit  im Dienstleistungssektor  erhöht sich  auch die
       Zahl der Teilzeitarbeitsplätze für Frauen. So stieg die Teilzeit-
       quote bei  den Frauen  im öffentlichen Dienst von 19,6 Prozent im
       Jahr 1969 auf 24 Prozent im Jahr 1977. 5) Im Einzelhandel erhöhte
       sie sich  auf 25,2  Prozent 1981. Ganz deutlich konzentriert sich
       Teilzeitarbeit im  Dienstleistungssektor: 85  Prozent aller teil-
       zeitarbeitenden Frauen sind hier beschäftigt.
       Gegenwärtig arbeiten 65 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Han-
       dels- und  Dienstleistungssektor und als Angestellte in Büroberu-
       fen. Frauenarbeit  ist auch  im Dienstleistungsbereich  weit mehr
       als Männertätigkeit  Arbeit in  unteren und mittleren Positionen.
       Im Handel arbeiteten 1970 fast 65 Prozent der Frauen, aber nur 35
       Prozent der Männer als Angestellte ohne Führungsaufgaben und ohne
       besondere Qualifikation. Bei Banken und Versicherungen waren etwa
       80 Prozent der Frauen in ausführenden Positionen beschäftigt, ge-
       genüber 50  Prozent der Männer. 1976 waren 56 Prozent aller weib-
       lichen Angestellten  in der Industrie ohne Entscheidungsbefugnis,
       gegenüber 16  Prozent der  männlichen Angestellten. Neun von zehn
       Beamtinnen und weiblichen Angestellten im öffentlichen Dienst ar-
       beiteten 1976 im einfachen oder mittleren Dienst. 6)
       Im gewerblichen  Bereich sind ca. 2,9 Millionen Frauen als Arbei-
       terinnen eingruppiert.  Die Zahl  der Frauen,  die tatsächlich an
       der Maschine  oder am  Band in  der industriellen Fertigung tätig
       sind, ist  jedoch wesentlich  geringer. Sie  liegt bei etwa einer
       Million. Über  die Hälfte davon, ca. 600 000, arbeiten in der Me-
       tallindustrie, weitere  100 000 in der Textilindustrie. In diesen
       Branchen konzentrieren sich auch die Facharbeiterinnen. Die übri-
       gen zwei Millionen Arbeiterinnen verrichten Tätigkeiten in Kanti-
       nen, Küchen, Wäschereien, als Reinigungspersonal u.ä. 7)
       Ein  Vergleich  der  Erwerbsstruktur  lohnabhängiger  Männer  und
       Frauen zeigt, daß ein Drittel der Frauen im gewerblichen Bereich,
       zwei Drittel  im Dienstleistungs- und Handelssektor arbeiten. Bei
       den Männern ist das Verhältnis umgekehrt: Etwa zehn Millionen ar-
       beiten im Gewerbe, fünf Millionen in Handel und Dienstleistungen.
       Frauenarbeit findet  zu 60  Prozent in Klein- und Mittelbetrieben
       statt. 1968 waren von allen weiblichen Beschäftigten in der Indu-
       strie 28  Prozent in Betrieben mit über 1000 Beschäftigten und 14
       Prozent in  Betrieben mit  zwischen 500 und 999 Beschäftigten tä-
       tig. 8)  Von den Frauen im gewerblichen Bereich arbeiten mehr als
       ein Drittel in der Verbrauchs- und Konsumgüterindustrie, die ganz
       überwiegend klein-  und mittelbetrieblich  strukturiert ist.  Der
       Frauenanteil liegt im Durchschnitt bei 54 Prozent.
       Im Metallbereich  (1981 1,2 Millionen Arbeiterinnen und weibliche
       Angestellte) liegt  der Frauenanteil mit 22 Prozent unter dem An-
       teil an  den gesamten Industriebeschäftigten. Von allen Frauen im
       gewerblichen Bereich konzentrieren sich jedoch über die Hälfte in
       der Metallindustrie.  Ein Drittel  von ihnen  arbeitet in Großbe-
       trieben mit über 1000 Beschäftigten (bei den Männern 45 Prozent).
       Der Anteil  der Ausländerinnen an den Frauen in Großbetrieben der
       Metallindustrie beträgt  20 Prozent. Lediglich 2800 der insgesamt
       80 500 ausländischen Frauen sind als Angestellte eingruppiert. 9)
       Im Handels-  und Dienstleistungssektor  arbeiten über  die Hälfte
       der weiblichen Beschäftigten in kleinbetrieblich geprägten Berei-
       chen des  Gaststätten-und Beherbergungsgewerbes, in der Rechtsbe-
       ratung, in  Arztpraxen, im Bereich Reinigung und Körperpflege und
       in kleinen  Einzelhandelsgeschäften. Der  Frauenanteil liegt hier
       bei zwei  Drittel der  Beschäftigten. Durch  Zentralisations- und
       Konzentrationsprozesse seit Beginn der sechziger Jahre haben sich
       zunehmend Großbetriebe herausgebildet. Im Handel gab es Verschie-
       bungen  vom  traditionellen  Geschäftstyp  der  kleinen  Nachbar-
       schaftsläden weg  zu den  Großbetriebsformen der  SB-Verbraucher-
       märkte, der  Filialunternehmen und  der Warenhäuser. Im öffentli-
       chen Dienst  entstanden große  Verwaltungseinheiten,  im  Gesund-
       heitswesen bildeten sich Großkrankenhäuser heraus, im Bildungswe-
       sen Großuniversitäten.  In diesen Großbetrieben sind oft über die
       Hälfte der  Beschäftigten Frauen. 1970 lag der Anteil der Großbe-
       triebe des  tertiären Sektors mit über 500 Beschäftigten bei 20,9
       Prozent aller  Großbetriebe. 10)  Im Bereich  des Frankfurter Um-
       landverbandes stellten  die Großbetriebe  des  tertiären  Sektors
       1978 einen  Anteil von  knapp 50 Prozent aller Großbetriebe; etwa
       44 Prozent aller Beschäftigten in Großbetrieben waren dort tätig.
       11)
       Für Frankfurt  geben folgende  Zahlen von  1983 Anhaltspunkte zur
       Erwerbsstruktur in  Handel und  Dienstleistungen. Im Einzelhandel
       waren etwa 32 500 Angestellte beschäftigt. Etwa 30 Prozent arbei-
       ten in  den sieben  Großbetrieben mit über 500 Beschäftigten. Der
       Frauenanteil liegt  in diesen  Betrieben durchschnittlich über 60
       Prozent. In  den Frankfurter  Banken und  Versicherungen sind  60
       Prozent der  rund 46900  Angestellten in den 17 Großbetrieben mit
       über 500  Beschäftigten konzentriert; der Frauenanteil liegt hier
       im Durchschnitt bei etwa 45 Prozent. Die beiden größten Frankfur-
       ter Krankenhäuser  beschäftigen gegenwärtig  2200  und  1400  Er-
       werbstätige. In den vier weiteren Großkrankenhäusern arbeiten je-
       weils 500  bis 750 Angestellte. Der Frauenanteil beträgt knapp 85
       Prozent. In der städtischen Sozialverwaltung sind etwa 1600 Ange-
       stellte tätig,  über die  Hälfte davon  Frauen. Im  Stadtschulamt
       sind von  den etwa  2800 Beschäftigten  85 Prozent Frauen. An der
       Universität arbeiten  im nichtwissenschaftlichen Bereich ca. 1000
       Angestellte und Arbeiter; über die Hälfte sind Frauen. 12)
       Gegenwärtig finden  sich  typische  Frauenbetriebe  in  der  Ver-
       brauchs- und  Konsumgüterindustrie. Traditionell  stellen  Frauen
       dort einen  großen Teil  der Beschäftigten. Als Betriebstyp domi-
       niert der Klein- und Mittelbetrieb mit einer hohen Frauenquote in
       der industriellen Fertigung. In Teilbereichen wie der Textil- und
       Bekleidungsindustrie arbeiten  Frauen nicht  nur  als  ungelernte
       Kräfte, sondern  stellen auch einen Teil der Facharbeiter. Im Me-
       tallbereich konzentrieren  sich die  Frauen in der elektrotechni-
       schen und  feinmechanischen Industrie.  Der Betriebstyp wird dort
       von den  Fauenabteilungen im Montagebereich mitgeprägt. Ein Drit-
       tel bis  die Hälfte  der Belegschaftsmitglieder  sind Frauen. Sie
       arbeiten überwiegend  als Angelernte  und Hilfskräfte;  lediglich
       drei bis  fünf Prozent  der  Facharbeitertätigkeiten  werden  von
       Frauen ausgeführt.  13) In  den Großbetrieben  des  Handels-  und
       Dienstleistungssektors stellen  die Frauen  in einigen Bereichen,
       so im  Gesundheitswesen, im  Einzelhandel, in Teilen der privaten
       und öffentlichen  Verwaltung die  überwiegende Mehrheit  der  Be-
       schäftigten, hier haben sich neue Frauengroßbetriebe herausgebil-
       det.
       Die Mehrheit der erwerbstätigen Frauen gehört heute zur Arbeiter-
       klasse. Sie  sind als Lohnabhängige tätig; der Warencharakter ih-
       rer Arbeitskraft  ist voll entwickelt, was sich in der Austausch-
       barkeit ihrer  Arbeitskraft ausdrückt und sich an der untergeord-
       neten, kommandierten  Stellung in  der Betriebshierarchie  zeigt.
       Der Übergang von der formellen zur reellen Unterordnung unter das
       Kapital ist  bei den  einzelnen Gruppen der lohnabhängigen Frauen
       jedoch  unterschiedlich   vorangeschritten.  Die   Situation  der
       Frauen, die  in den  Großbetrieben der  materiellen Produktion an
       Maschinen und  Fließbändern arbeiten,  ist am  nachhaltigsten von
       der gegensätzlichen  Stellung zum  Kapital geprägt.  Diese Frauen
       sind in Betrieben mit einem hohen Vergesellschaftungsgrad der Ar-
       beit tätig.  Ihre Arbeitsbedingungen sind bestimmt durch eine von
       den Arbeitsmitteln  erzwungene Disziplin. Die Klassenverhältnisse
       sind polarisiert.  Die Frauen  in der Fertigung der industriellen
       Großbetriebe gehören  zum Kern  der  Arbeiterklasse.  Quantitativ
       dürften dies nur einige hunderttausend sein.
       Auch die  Arbeitskraft der Frauen, die in Dienstleistungsfunktio-
       nen, als  Reinigungskräfte, Küchen- und Kantinenhilfen in den in-
       dustriellen Großbetrieben  arbeiten, unterscheidet  sich in  Aus-
       tauschbarkeit, Privilegienlosigkeit  und Unterordnung  nicht  von
       den Frauen  in der industriellen Fertigung. Ihre Arbeitsbedingun-
       gen wirken jedoch weniger disziplinierend als die ihrer Kollegin-
       nen in  der Produktion.  Durch den Zusammenhang des Großbetriebs,
       über gewerkschaftliche  Strukturen verbunden, gehören sie gleich-
       falls zum Kern der Arbeiterklasse.
       In den  Klein- und  Mittelbetrieben der  industriellen Produktion
       sind die Klassenverhältnisse nicht in dem Maße polarisiert wie in
       den Großbetrieben.  Herrschaftsformen setzten  sich hier oft noch
       über paternalistische Bindungen durch. Auch der Organisationsgrad
       ist niedriger.  Die dort  beschäftigten Frauen gruppieren sich um
       den Kern der Arbeiterklasse.
       Zur Arbeiterklasse zählen auch die Frauen, die als Angestellte in
       den Klein-und  Mittelbetrieben des Dienstleistungssektors und des
       Handels arbeiten. Auch ihre Arbeitskraft ist austauschbar, unter-
       geordnet und durchschnittlich bezahlt. Ihre Situation ist von ei-
       ner zwar oft personalisierten, aber dennoch gegensätzlichen Stel-
       lung zum  Unternehmer geprägt.  Zentralisation und  Konzentration
       sowie der  Einsatz neuer Techniken haben im Dienstleistungssektor
       zum Entstehen  moderner Großbetriebe  geführt und die reelle Sub-
       sumtion der  dort beschäftigten  Arbeitskräfte unter  das Kapital
       weiter vorangetrieben.  Die Arbeit der Kassiererin an einer elek-
       tronischen Datenkasse  im SB-Verbrauchermarkt,  der Stenotypistin
       an einem  Diktiergerät im  Schreibsaal einer öffentlichen Verwal-
       tung, der Locherin und der Sortiererin in einem Rechenzentrum ist
       austauschbare Detailarbeit,  privilegienlos und  gering entlohnt.
       Die Mobilität  nach "oben" ist völlig abgeschnitten. Die Arbeits-
       bedingungen der  Frauen in den Großbetrieben des Dienstleistungs-
       sektors nähern  sich denen in der industriellen Fertigung an. Sie
       sind jedoch  noch nicht in dem Maße durch die von den Arbeitsmit-
       teln  aufgezwungene  Disziplinierung  bestimmt,  die  Akkord  und
       Fließbandarbeit kennzeichnen.
       Mit der  Ausweitung des  Staatssektors, insbesondere  des Gesund-
       heits- und  Bildungsbereiches in  den 70er  Jahren, hat  sich die
       Zahl der  Frauen erhöht,  die als  qualifizierte Arbeitskräfte in
       den Großbetrieben  dieser  Sektoren  arbeiten.  Sie  gehören  zur
       lohnabhängigen Mittelschicht  und zur  Intelligenz und haben Spe-
       zialistinnenfunktionen als  Ärztinnen,  Psychologinnen  u.a.  Sie
       sind durch  ein höheres  Bildungsniveau privilegiert und arbeiten
       in eher  ganzheitlichen Arbeitsvollzügen. Der Wert ihrer Arbeits-
       kraft liegt  durchschnittlich höher als der der Frauen der Arbei-
       terklasse.
       Infolge der  Krise haben  sich die Randgruppen der Arbeiterklasse
       vergrößert. Arbeitslosigkeit und Arbeit in ungeschützten Beschäf-
       tigungsverhältnissen treffen  sowohl Frauen als auch Männer. Ver-
       schiebungen von  tariflich und  sozial abgesicherten  Arbeitsver-
       hältnissen zu  ungeschützten vollziehen  sich gegenwärtig  jedoch
       vorwiegend über  die Frauenarbeit.  Schätzungsweise  3  Millionen
       Frauen arbeiten  zur Zeit in rechtlich, materiell und sozial aus-
       gehöhlten Beschäftigungsverhältnissen  als Leiharbeiterinnen, ge-
       ringfügig oder gelegentlich Beschäftigte, als Teilzeit- und Heim-
       arbeiterinnen. 14) Auch als Arbeitslose, als geringfügig Beschäf-
       tigte oder  Hausfrauen fallen diese Frauen nicht aus dem Klassen-
       zusammenhang heraus. Vermittelt über ihre soziale und ökonomische
       Lage sowie  über den familiären Zusammenhang bleiben sie Teil der
       Arbeiterklasse.
       Vor hundert  Jahren waren lohnabhängig arbeitende Frauen in ihrer
       überwiegenden Mehrzahl im nichtkapitalistischen Sektor, in Klein-
       gewerbe und Privathaushalten tätig. Durch ihre soziale Lage, ihre
       Familienzugehörigkeit als  Arbeiterfrauen und  -töchter, ihre Le-
       bensweise in  einem relativ  geschlossenen Arbeitermilieu war ein
       Teil von  ihnen in  die Arbeiterklasse  eingebunden. Heute gehört
       die Mehrzahl der Frauen zur Arbeiterklasse. Darüber hinaus stellt
       sich für  wesentlich mehr  Frauen die Klassenzugehörigkeit unmit-
       telbar über die eigene Berufstätigkeit her. Frauen sind heute in-
       tegraler Bestandteil  der aktiven  Arbeiterklasse und stellen vor
       allem in den neuen Abteilungen der Arbeiterklasse einen bedeuten-
       den Teil der Arbeitskräfte in den Großbetrieben.
       
       2. Zu Bewußtsein und Verhalten erwerbstätiger Frauen
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       Parallel zu  den Veränderungen  in der  Erwerbsstruktur  wandelte
       sich auch  das Erwerbsverhalten der Frauen. Dies führte zu erheb-
       lichen Verschiebungen  in der  Zusammensetzung des weiblichen Ar-
       beitskräftepotentials. Die  Umschichtungen sind vor allem auf das
       veränderte Verhalten junger und verheirateter Frauen zurückzufüh-
       ren. In den letzten 70 Jahren durchliefen Mädchen zwischen 15 und
       20 Jahren  eine längere Ausbildungsphase und traten später in das
       Erwerbsleben ein.  Für verheiratete Frauen sind Heirat und Geburt
       keine Gründe mehr, die Erwerbstätigkeit gänzlich aufzugeben. Seit
       den Anfangsjahren  der BRD  hat sich der Anteil der verheirateten
       Frauen und  Mütter an  den erwerbstätigen Frauen fast verdoppelt.
       Waren 1950  ca. 30%  aller erwerbstätigen  Frauen verheiratet, so
       sind es heute fast 60%. 44% aller berufstätigen Frauen haben Kin-
       der zu  versorgen. Zwar  ist die  Erwerbstätigkeit  verheirateter
       Frauen auch  gegenwärtig eher diskontinuierlich und sinkt mit der
       sogenannten Familienphase stark ab, doch immer mehr Frauen nehmen
       ihre Erwerbsarbeit  nach immer kürzeren Unterbrechungszeiten wie-
       der auf. So setzten 36% der Berufsunterbrecherinnen nur 1-2 Jahre
       mit der Arbeit aus, 19% unterbrachen 2-5 Jahre. 15)
       Deutlich erhöht  hat  sich  das  Qualifikationsniveau.  Fast  die
       Hälfte der  heute 20-30jährigen  hat einen mittleren oder höheren
       Schulabschluß, 60%  haben eine Berufsausbildung durchlaufen (1970
       erst 38%). 16) Der dominierende Typus der erwerbstätigen Frau ist
       heute die  lohnabhängig arbeitende  Ehefrau,  die  oft  eine  Be-
       rufsausbildung abgeschlossen hat und Mutter ist.
       Das veränderte  Erwerbsverhalten führte  zu einer  Höherbewertung
       der Erwerbstätigkeit  bei den  Frauen selbst.  Damit ging  jedoch
       kein allgemeiner  Wandel in  der Bewertung  der Familienrolle der
       Frau einher. Das traditionelle weibliche Rollenverhalten wird von
       der Mehrheit der erwerbstätigen Frauen nur partiell abgelehnt und
       drückt sich  in einer  von Ambivalenzen durchzogenen Doppelorien-
       tierung auf Beruf und Familie aus. 17) So findet die überwiegende
       Mehrheit der Arbeiterinnen und Angestellten Erwerbsarbeit attrak-
       tiver als  Hausarbeit. Neben  dem ökonomischen  Zwang, der  immer
       noch als  Hauptgrund für die Erwerbstätigkeit genannt wird, geben
       zunehmend mehr Frauen subjektive Motive an. Betriebliche Koopera-
       tion und  Kommunikation, durch  die Arbeitsbeziehungen gestiftete
       soziale Kontakte  kompensieren in ihrer Sicht die belastenden Ar-
       beitsbedingungen der  Monotonie, der  Unterordnung, des körperli-
       chen und nervlichen Verschleißes.
       Gleichzeitig betonen viele Frauen die positiven Aspekte der Haus-
       arbeit gegenüber der Erwerbsarbeit: selbstbestimmte Tätigkeit und
       freie Zeiteinteilung. Die weibliche Zuständigkeit für die Hausar-
       beit, oft verbunden mit hohen Ansprüchen an die eigene Haushalts-
       führung, wird  kaum in  Frage gestellt.  Zwar erwarten  zunehmend
       mehr Frauen  von ihren Männern Hilfe bei der Erledigung der Haus-
       arbeit; eine  gleichwertige Verteilung der Familienpflichten for-
       dern sie  jedoch kaum.  In jedem  Fall fühlen sich die Frauen für
       die Gesamtleitung des Haushalts verantwortlich.
       Beibehaltene traditionelle Denkmuster im familiären Zusammenleben
       zeigen sich auch, wenn die Frauen die Bedeutung der Erwerbsarbeit
       für die Geschlechter einschätzen. Viele sehen ihre eigene soziale
       Lage immer  noch als  über den Mann als Haupternährer vermittelt.
       Sie können  sich Berufsunterbrechungen,  sogar  Arbeitslosigkeit,
       für sich  selbst viel eher vorstellen als für den Mann. Auch wenn
       die Erwerbsarbeit den Frauen viel bedeutet, so ist sie doch immer
       noch nicht  zur normalen  Lebensrealität geworden.  Der familiäre
       Rhythmus ist in der Regel am männlichen Berufsrhythmus ausgerich-
       tet. Die Arbeitsplatzwahl der Frau, insbesondere die Entscheidung
       für ein  bestimmtes Arbeitszeitsystem,  wird auf die Vorgaben des
       Ehemannes abgestimmt.  Seine Regeneration,  seine Interessen  und
       seine berufliche  Entwicklung haben  Vorrang. Auch  die Bedeutung
       eigenen Geldverdienens  sehen die meisten Frauen fast ausschließ-
       lich darin,  einen Beitrag  zum Familieneinkommen zu leisten, und
       weniger in den Möglichkeiten eigener Unabhängigkeit.
       Aufkommender Unmut  über die  häusliche Situation,  über die man-
       gelnde Anerkennung  der geleisteten  Haus- und  Erziehungsarbeit,
       über die  familiäre Einengung  und die hierarchische Aufgabenver-
       teilung macht  sich zunächst  nicht am Mann fest. Unzufriedenheit
       wird nicht  in der  Familie ausagiert, sondern über den positiven
       Bezug zur Erwerbsarbeit ausbalanciert. Über die Durchbrechung der
       familiären Privatheit werden Mängel der häuslichen Situation kom-
       pensiert.
       Daß die  Mehrzahl der erwerbstätigen Frauen die traditionelle Fa-
       milienrolle beibehält, resultiert nicht allein aus dem Fortwirken
       rückständiger Einstellungen, sondern hat als wichtige Basis frau-
       endiskriminierende ökonomische  Verhältnisse. Der geringe Frauen-
       verdienst ermöglicht  kaum volle Unabhängigkeit vom Mann. Die Re-
       servearmeefunktion der  Frauen gefährdet  weibliche Arbeitsplätze
       stärker als  männliche und läßt die Rolle des Mannes als Haupter-
       nährer fast  unangefochten. Die  unzureichende Versorgung mit öf-
       fentlichen  Reproduktionseinrichtungen  macht  Erziehungsaufgaben
       weitgehend zur  Privatangelegenheit und  zwingt Frauen  zur Teil-
       zeitarbeit. Die  Kombination solcher  Verhältnisse erschwert  die
       Auflösung traditioneller familiärer Verhaltensmuster.
       Das Nebeneinander von Lohnarbeit und Hausarbeit wirkt sich in be-
       sonderer Weise  auf das  weibliche Verhalten in der Erwerbssphäre
       aus. Der  Zwang, beide Bereiche ohne ausreichende gesellschaftli-
       che Hilfe  und auch  oft ohne Unterstützung des Mannes zu koordi-
       nieren, prägt Problemsicht und Konfliktbewältigungsstrategien der
       Frauen im Betrieb. Zu den Bedingungen der Konkurrenz, der Verein-
       zelung und  der Unterordnung  im Arbeitsprozeß kommt die Anforde-
       rung hinzu, sich auch im Betrieb gemäß den Bedürfnissen der Fami-
       lie zu  verhalten. Familiäre  Belastungen und Unregelmäßigkeiten,
       besonders solche, die die betriebliche Arbeitszeit berühren, müs-
       sen von  den Frauen  individuell aufgefangen  werden. Sie erhöhen
       den betrieblichen Anpassungsdruck und verfestigen überkommene und
       sozialisationsbedingte Sichtweisen  der  Individualisierung,  der
       Personalisierung und  der resignativen Selbstbescheidung. So wer-
       den Belastungen  und Verschlechterungen der Arbeitssituation, Ar-
       beitsplatzgefährdung durch  Rationalisierung oder weibliche Lohn-
       diskriminierung von der Mehrzahl der Frauen zwar gesehen und all-
       gemein treffend  eingeschätzt. Durch die individualistischen Ver-
       arbeitungsmuster neigen  Frauen mehr  noch als  Männer dazu, ihre
       eigene Betroffenheit  zu verdrängen, oder sie versuchen, die Kon-
       flikte im Alleingang zu bewältigen. Bei den "Heinze-Frauen" stan-
       den z.B. vor der kollektiven Auseinandersetzung um Lohngleichheit
       die Versuche  einzelner Frauen,  durch individuelle Verhandlungen
       mit dem  Personalchef für sich selbst Lohnangleichungen zu errei-
       chen. 18)
       Quer zu den Erfahrungen der Vereinzelung, des Auf-sich-allein-ge-
       stellt-Seins und  den daraus  resultierenden Individualisierungs-
       strategien bilden sich aber auch die Erfahrung der Kooperation im
       Arbeitsprozeß, Verhaltensweisen  der gegenseitigen  Hilfe und der
       Kollegialität heraus.  Auf deren Basis entwickelt sich gemeinsame
       Betroffenheit, die in punktuelle kollektive Abwehrhandlungen mün-
       den kann.  Meist sind diese Widerstandsformen jedoch so angelegt,
       daß sie nicht an die Betriebsöffentlichkeit gelangen und als per-
       sönliche Angelegenheiten  zwischen dem  Vorgesetzten und  den be-
       troffenen Frauen  begriffen und  ausgehandelt werden.  Aus diesen
       Konflikten ziehen die Frauen jedoch wichtige Erfahrungen, die die
       Keimformen betrieblichen  und gewerkschaftlichen Engagements bil-
       den können.
       Ein Großteil der Frauen schätzt, genau wir ihre männlichen Kolle-
       gen, die Gewerkschaften als notwendige Interessenvertretung aller
       Arbeitenden ein.  19) Die  Zuständigkeit der  Gewerkschaften wird
       jedoch in  erster Linie  auf die "großen" überbetrieblichen Hand-
       lungsfelder der  Tarifauseinandersetzung und der Arbeitszeitrege-
       lung bezogen,  weniger auf  die "kleinen" Probleme am eigenen Ar-
       beitsplatz. Hier streben die Frauen eher individuelle Lösungsmög-
       lichkeiten an.  Die Einsicht,  daß die Gewerkschaften unverzicht-
       bare Interessenorgane  sind, hat  keine unmittelbaren  Folgen für
       eigene Organisierung.  Die Notwendigkeit  eigener gewerkschaftli-
       cher Aktivitäten bleibt für viele Frauen bei den gegebenen Bedin-
       gungen, Erwerbsarbeit und Familienpflichten privat vereinbaren zu
       müssen, abstrakt. Die hohe Belastung aus beiden Bereichen und die
       verinnerlichte Familienorientierung  stehen dem Schritt zum Enga-
       gement auch  dort entgegen, wo latente Interessen vorhanden sind.
       Unsicherheitsfaktoren  wie   Unkenntnis  der   gewerkschaftlichen
       Strukturen, Zweifel  an der eigenen Fähigkeit zur gewerkschaftli-
       chen Arbeit,  Angst vor den Reaktionen des Ehemanns, der Kollegen
       und der  Betriebsleitung werden  zu verstärkten  Hindernissen für
       die Organisierung.
       So sind von 8,1 Millionen erwerbstätiger Frauen nur 1,6 Millionen
       Gewerkschaftsmitglieder. Während  jeder zweite männliche Beschäf-
       tigte gewerkschaftlich organisiert ist, ist nur jede fünfte weib-
       liche Beschäftigte  Mitglied in der Gewerkschaft. 20) Trotz aller
       Hindernisse hat  sich in den letzten 10 Jahren der Anteil weibli-
       cher Gewerkschaftsmitglieder  beträchtlich erhöht.  So stieg  die
       Frauenquote im  DGB von 15,3 Prozent 1972 auf 21 Prozent im Jahre
       1983 an; der weibliche Anteil am Gesamtzuwachs liegt über dem der
       Männer. 21)  Deutlich angestiegen ist in diesen Jahren die Betei-
       ligung von  Frauen an  sozialen Auseinandersetzungen  im Betrieb.
       Die positive  Einschätzung der Erwerbsarbeit, die Erfahrungen der
       Kooperation und  der gemeinsamen  Lage im  Betrieb sowie die Per-
       spektive langfristiger  Erwerbsarbeit haben  bei einem  Teil  der
       Frauen Problembewußtsein  gefördert und die kollektive Handlungs-
       bereitschaft erhöht.
       
       3. Bewegung, Aktionen - gewerkschaftliche Frauenarbeit
       ------------------------------------------------------
       
       In der  spontanen Streikwelle 1973 traten erstmals Frauen als In-
       itiatorinnen und  Mobilisierungskerne von  Arbeitskämpfen in  Er-
       scheinung. Deutlich  wurde die  gewachsene Beteiligung von Frauen
       auch in  den Druckerstreiks  1976 und  1978 und im Metallarbeits-
       kampf 1978.  Zu eigenständigen Streikaktionen kam es ab Mitte der
       70er Jahre  in einigen  industriellen Klein- und Mittelbetrieben.
       Das explosionsartige  Aufbrechen von Auseinandersetzungen in die-
       sen Betrieben bildete eine Reaktion auf die dort herrschenden ex-
       tremen Ausbeutungsverhältnisse.  Gemeinsame Ausgangslage waren in
       allen Betrieben  untertarifliche Bezahlung,  extrem schlechte Be-
       dingungen am  Arbeitsplatz und  ein paternalistisch willkürlicher
       Stil der  Unternehmensleitung.  Herausgefordert  durch  die  ver-
       gleichbar schlechteren  Arbeitsbedingungen, entwickelten  die bis
       dahin gewerkschaftlich kaum engagierten und kampfunerfahrenen Ar-
       beiterinnen eine  Aktionsbereitschaft, die  in tage- und in einem
       Fall wochenlange  Arbeitsniederlegungen mündete  und meist zu Er-
       folgen für  die Frauen  führte. Zumindest die aktiven Kader waren
       in allen  Betrieben gewerkschaftlich eingebunden und erhielten in
       den Kämpfen gewerkschaftliche Unterstützung.
       Gegen Ende  der 70er Jahre zeichneten sich erstmals größere Bewe-
       gungen im  Bereich Handel und Dienstleistungen ab. 1978 kam es im
       Einzelhandel (Frauenanteil  rund zwei  Drittel) in Baden-Württem-
       berg und  Westberlin zu  Demonstrationen und  Warnstreiks für die
       Durchsetzung tariflicher  Forderungen. Unter  anderem traten  die
       Verkäuferinnen von  elf Westberliner  Warenhäusern in einen mehr-
       stündigen Ausstand.  Während der Tarifrunde 1979 beteiligten sich
       bundesweit über  15 000  Einzelhandelsbeschäftigte an Warnstreiks
       und Protestaktionen.  In einer  Reihe  von  Kaufhäusern  lag  die
       Streikbeteiligung bei 100 Prozent. 22)
       Auch im  Banken- und  Versicherungswesen unterstützten  die Ange-
       stellten zum  ersten Mal die Tarifforderungen der HBV mit öffent-
       lichen Aktionen  und Warnstreiks.  Im öffentlichen Dienst erhöhte
       sich die Aktionsbereitschaft insbesondere bei den im Gesundheits-
       wesen, im  Sozial- und  im Bildungswesen Beschäftigten. Zunehmend
       mehr Krankenschwestern, Sozialarbeiterinnen und Erzieherinnen be-
       teiligten sich an Warnstreiks während der Tarifauseinandersetzun-
       gen oder  organisierten eigene Demonstrationen und Protestkundge-
       bungen gegen Stellenabbau und Mittelkürzungen.
       Vorausgegangen war der gewachsenen Handlungsbereitschaft die Ver-
       besserung der  gewerkschaftlichen Organisationsverhältnisse. Erst
       zum Anfang  der 70er  Jahre, als  sich tiefgreifende strukturelle
       Wandlungen in diesen Sektoren vollzogen hatten und sich ein immer
       größerer Teil  der Beschäftigten  in modernen Mittel- und Großbe-
       trieben  mit  polarisierten  Klassenverhältnissen  konzentrierte,
       entwickelte sich  gewerkschaftliches Interesse. Es boten sich für
       die Gewerkschaften Annäherungen an Aktionsbedingungen, wie sie in
       der Industrie  gegeben sind.  Zwischen 1970 und 1982 erhöhte sich
       der Organisationsgrad  im HBV-Bereich  von 3,9  auf 9%. Dabei lag
       die Steigerungsrate  bei den Frauen im Zeitraum 1975 bis 1979 bei
       37,7%, die der Männer bei 22,3%. 23) Der Anteil der Frauen an der
       Mitgliedschaft stieg  von 48%  1972 auf  56,5% 1982. Die Zahl der
       HBV-Betriebsrätinnen versechsfachte  sich zwischen 1968 und 1981.
       24)
       Eine ähnliche  Entwicklung vollzog  sich im  Organisationsbereich
       der ÖTV.  1968 betrug  der Frauenanteil  17,6%, 1983  lag er  bei
       28,6%. 25)  Seit 1970  erzielten die ÖTV-Bereiche "Gemeinden" mit
       24000 Neuzugängen  und "Gesundheitswesen" mit rund 29 000 Neuauf-
       nahmen den höchsten Zuwachs an weiblichen Mitgliedern. 26)
       Indiz für  die wachsende  Handlungsbereitschaft war  zunächst die
       Herausbildung innerbetrieblicher  gewerkschaftlicher  Strukturen,
       von Vertrauenskörpern  und gewerkschaftlichen  Betriebszeitungen,
       sowie die  Bildung von  aktionsorientierten Betriebs-  und Perso-
       nalräten in einer Reihe von Großbetrieben des Handels und des öf-
       fentlichen Dienstes.  Dabei wurden  nicht nur bisher leere Felder
       besetzt, betriebliche  und gewerkschaftliche Interessenvertretun-
       gen aufgebaut;  in einer Reihe von Großbetrieben konnten auch so-
       zialpartnerschaftlich  orientierte   Betriebs-  und  Personalräte
       durch aktionsorientierte  abgelöst werden. In solchen Umorientie-
       rungsprozessen profilierten  sich verstärkt  Frauen  als  gewerk-
       schaftliche und betriebliche Interessenvertreterinnen.
       Die seit Ende der 70er Jahre spürbaren Verschlechterungen der Ar-
       beitsbedingungen und  die  Gefährdung  von  Arbeitsplätzen  durch
       staatliche und  unternehmerische Rationalisierungsstrategien wur-
       den zum  Auslöser erster  öffentlicher Protestaktionen. Besonders
       bei den im Sozial- und Bildungssektor tätigen jüngeren und besser
       qualifizierten Angestellten  gerieten die  in der Reformphase er-
       worbenen inhaltlichen  Ansprüche an  die Arbeit in Widerspruch zu
       den sich rapide verschlechternden Arbeitsmöglichkeiten und erhöh-
       ten die Aktionsbereitschaft.
       Stärker als  in anderen  Sektoren sind  die Konfliktfelder im Ge-
       sundheits-,  Bildungs-  und  Sozialwesen  gleichermaßen  von  Ar-
       beitsinteressen der  dort Beschäftigten und Reproduktionsinteres-
       sen aller  Lohnabhängigen bestimmt.  In spezifischer  Weise nimmt
       diese  Interessenverflechtung   die  Bedürfnisse   erwerbstätiger
       Frauen nach  Sicherung des  Arbeitsplatzes wie  Erhalt und Ausbau
       von öffentlichen  Reproduktionseinrichtungen in sich auf. Schnel-
       ler und  besser als auf anderen gewerkschaftlichen Aktionsfeldern
       gelang im  ÖTV-Bereich die aktive Kooperation mit Bürgerinitiati-
       ven. Vor  allem im  Sozialbereich kam es zum organisierten Zusam-
       mengehen von Betroffenen und Gewerkschaften. Nicht selten wird in
       diesen Initiativen  der Zusammenhang  von  Sozialabbau,  Arbeits-
       platzgefährdung und  Frauendiskriminierung herausgearbeitet.  27)
       Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich im Gesundheitswesen ab. Auch
       hier bilden  sich erste  Kooperationsansätze zwischen betroffenen
       Frauen, in  der Frauengesundheitsforschung  Tätigen  und  Gewerk-
       schaften heraus.
       Eine neue Qualität gewannen die betrieblichen und gewerkschaftli-
       chen Auseinandersetzungen  um frauenspezifische  Probleme am  Ar-
       beitsplatz mit  den Kampagnen  um Lohngleichheit. Erstmals gelang
       es, ein zentrales Frauenproblem in den Betrieben zu verankern und
       durch basisnahe  gewerkschaftliche Arbeit  die Betroffenen selbst
       zu mobilisieren. Schwerpunkte der Auseinandersetzung bildeten Me-
       tall- und  Druckbetriebe. Durch  das Reformklima Anfang bis Mitte
       der 70er  Jahre hatte  sich bei einem bedeutenden Teil der Frauen
       eine Sensibilisierung für die eigene Diskriminierung herausgebil-
       det. Die  Bereitschaft zum  Engagement war  gewachsen. 1974 gaben
       die Frauenausschüsse der IG Druck und Papier und einige Zeit spä-
       ter die  der IG  Metall mit ihren Aktionen für "Gerechte Eingrup-
       pierung" einen  flexiblen Rahmen vor, der eine Reihe betriebsspe-
       zifischer Umsetzungsmöglichkeiten  für die  Forderung nach  Lohn-
       gleicheit zuließ.  Die Schwergewichte der gewerkschaftlichen Kam-
       pagne lagen  in der Aufklärung über verdeckte Formen der Lohndis-
       kriminierung und im Hinweis auf kollektive Gegenwehrmöglichkeiten
       durch die-Betroffenen selbst. 28)
       Durch eine Reihe kollektiver Klageaktionen gelang es, die politi-
       sche Seite  der Lohndiskriminierung,  die zugrunde liegende gene-
       relle gesellschaftliche  Diskriminierung der Frau, herauszuarbei-
       ten und über den betrieblich/gewerkschaftlichen Rahmen hinaus zum
       öffentlichen Diskussionsthema zu machen. Der Kampf um Lohngleich-
       heit wurde zum Symbolkonflikt, über den allgemeine Emanzipations-
       ansprüche vorangebracht wurden. Erstmals erschienen Arbeiterinnen
       in der  Öffentlichkeit als  Akteurinnen und  Initiatorinnen einer
       sich ausweitenden Bewegung.
       Eine wichtige  stabilisierende Rolle  in den Auseinandersetzungen
       spielten die  Funktionärinnen der  gewerkschaftlichen  Frauenaus-
       schüsse. Sie  halfen nicht nur, ein Netzwerk solidarischer Unter-
       stützung zu  organisieren und  damit den  arbeitsplatzbedrohenden
       Konflikt mit  dem Unternehmer  unter die Kontrolle und den Schutz
       der demokratischen  Öffentlichkeit zu  stellen, sie unterstützten
       die betroffenen  Frauen auch in den Phasen privater Konflikte. In
       den Auseinandersetzungen  und Kämpfen veränderte sich das Selbst-
       verständnis der  Frauen. Es  entwickelte sich ein neues Selbstbe-
       wußtsein -  ein Prozeß, der Auswirkungen auf die Partnerbeziehung
       und das  Verhältnis zu den Kollegen hat und meist von intensiven,
       verunsichernden Auseinandersetzungen  begleitet ist. Der stabili-
       sierenden Absicherung durch solidarische Dritte kommt dabei große
       Bedeutung zu.
       Infolge des auch bei juristischen Auseinandersetzungen öffentlich
       und politisch geführten Kampfes intensivierte sich in den Gewerk-
       schaften wie  in der  Frauenbewegung -  bis hin zu den feministi-
       schen Frauen  - die  Diskussion über Formen, Ursachen und Wirkung
       der Frauenlohndiskriminierung.  Innerhalb der  Gewerkschaften fe-
       stigte sich  die Frauenarbeit  und erhielt größeres Gewicht. Dar-
       über hinaus gelang es, in den Konflikten um Lohngleichheit aufzu-
       zeigen, daß  letztlich nur  die Unternehmer  von  der  weiblichen
       Lohndiskriminierung profitieren. Trotz des gewachsenen Problembe-
       wußtseins innerhalb  der Gewerkschaften  reichte  der  Druck  der
       Frauen bisher  nicht aus,  die Frage  der Lohngleichheit zu einem
       zentralen Konfliktpunkt der Tarifpolitik zu machen.
       In den  Frauenbetrieben der  Textil- und Bekleidungsindustrie kam
       es am  Ende der 70er Jahre erstmals zu Warnstreiks und Protestak-
       tionen größeren  Umfangs. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen
       standen Fragen  der Arbeitsbedingungen und der Arbeitsplatzsiche-
       rung. Auf die gravierenden Probleme - Produktionsverlagerungen in
       Billiglohnländer, Betriebsstillegungen  in großem  Stil, rückläu-
       fige Beschäftigungszahlen - reagierten Gewerkschaft und Betriebs-
       räte nur zögernd mit Gegenwehr. Die stark sozialpartnerschaftlich
       orientierte Strategie  der GTB  zur Arbeitsplatzsicherung dämpfte
       die Aktionsbereitschaft der Belegschaften.
       Die Zunahme der Frauenarbeitskämpfe erfolgte auf der Basis und in
       Wechselwirkung mit  der gewerkschaftlichen Frauenarbeit. Seit Be-
       ginn der  70er Jahre  hat sich die gewerkschaftliche Frauenarbeit
       verändert.
       - Der traditionelle Bereich frauenspezifischer Sozialpolitik, der
       in den 50er und 60er Jahren das dominierende Feld gewerkschaftli-
       cher Frauenarbeit  gebildet hatte, wurde überschritten. Durch das
       gesamtgesellschaftliche Klima  gefördert, setzte  Anfang der 70er
       Jahre ein  Politisierungsprozeß ein, der sich zunächst im Engage-
       ment für  die Liberalisierung  des § 218 und im Wiederbegehen des
       Internationalen Frauentages  zeigte und  dann seinen deutlichsten
       Ausdruck im  Engagement für Frieden und Abrüstung fand. Gerade in
       dieser Frage  hatten die  Frauen eine  Schrittmacherrolle für die
       Gesamtorganisation.
       - In einem  Selbstverständigungsprozeß wurde  die  weibliche  Er-
       werbstätigkeit neu  gewertet. Die  Bedeutung der  Arbeit für  die
       Persönlichkeitsentwicklung wurde  betont, das  Bild der  Frau als
       Zuverdienerin zurückgewiesen. Gleichzeitig geriet, angeregt durch
       die  Frauenbewegung,  der  gesamte  weibliche  Lebenszusammenhang
       stärker ins  Blickfeld der  gewerkschaftlichen Frauenarbeit. Pro-
       bleme, die  aus der  Doppelbelastung erwachsen,  das Vorenthalten
       gesellschaftlicher Reproduktionseinrichtungen  und  die  ungleich
       gewichtete Verteilung  der Hausarbeit  zwischen den Geschlechtern
       wurden als  Faktoren erkannt,  die die  Familienorientierung  der
       Frauen stabilisieren und das gewerkschaftliche Engagement hemmen.
       Allerdings ist  es den  Gewerkschaften noch selten gelungen, sich
       in Kämpfen um die Verbesserung des Reproduktionsbereiches konkret
       vor Ort einzusetzen.
       - Unterschiedlich entwickelt sind innerhalb der Frauenabteilungen
       der verschiedenen  DGB-Gewerkschaften die  Analysen der gesamtge-
       sellschaftlichen Ursachen  und Lösungsmöglichkeiten der Frauenun-
       terdrückung. Während  die Bundesfrauenkonferenz dazu keine umfas-
       senden Einschätzungen gab, erarbeiteten die Frauenabteilungen der
       IG Metall und der IG Druck und Papier eine weitreichende Analyse.
       Die geschlechtsspezifische  Unterdrückung wird  dort im Zusammen-
       hang mit  der Klassenfrage gesehen. Die konkreten Frauenforderun-
       gen in  den Programmen  der IG Metall und der IG Druck und Papier
       nach Bildung und Ausbildung, Recht auf Arbeit, Lohngleichheit und
       Abbau der  Doppelbelastung weisen damit über eine rein reformeri-
       sche Perspektive hinaus. 29)
       - Durch eine  verstärkte Basisorientierung konnten frauenspezifi-
       sche Politikansätze  in den  Betrieben entwickelt  werden. Es ge-
       lang, auf  relevanten gewerkschaftlichen  Problemfeldern wie  der
       Lohnfrage oder  der 35-Stunden-Forderung  an die  spezifische Be-
       troffenheit der  Frauen anzuknüpfen  und in  den sozialen Kämpfen
       den besonderen Frauenzugang herauszuarbeiten.
       - Die Erfolge  dieser Politik  wirkten auch  in die  Organisation
       hinein. Im gewerkschaftlichen Willensbildungsprozeß treten Frauen
       heute auch  dort, wo  sie auf Widerstand stoßen, selbstbewußt und
       durchsetzungsfähig auf. Beispielhaft stehen hierfür die Konflikte
       mit der DGB-Führung um die Durchsetzung des Internationalen Frau-
       entages und die Konfrontation mit IGM-Spitzenfunktionären auf der
       11. Frauenkonferenz  der IG  Metall wegen  der Unterstützung  des
       Krefelder Appells.
       - Zugenommen hat  in jüngster  Zeit die  Bereitschaft zur  Zusam-
       menarbeit mit  anderen, auch den sich autonom verstehenden, Grup-
       pierungen der  Frauenbewegung. Organisatorischer Ausdruck ist die
       Teilnahme von  Gewerkschaftsfrauen an regionalen und überregiona-
       len Frauenbündnissen  und in  einer  Reihe  von  DGB-Kreisen  die
       Durchführung des Internationalen Frauentages zusammen mit anderen
       Frauengruppen. Die  Verklammerung  der  verschiedenen  Strömungen
       über Frauen, die die Probleme aus den unterschiedlichen Bereichen
       aufnehmen oder ihnen aufgeschlossen gegenüberstehen, ist aber ge-
       genwärtig noch  schwach. Vorbehalte  und Mißtrauen  behindern die
       Verständigung und  lassen sowohl tatsächliche Gemeinsamkeiten als
       auch Unterschiede verzerrt erscheinen.
       In den typischen Frauenbetrieben der Verbrauchs- und Konsumgüter-
       industrie, der  Metallindustrie und in den Großbetrieben von Han-
       del und  Dienstleistung haben  sich im Zusammenhang mit vorgefun-
       denen gewerkschaftlichen  Strukturen, politischen  Orientierungen
       und Branchentraditionen  unterschiedliche Formen  und  Grade  der
       Einflußnahme von  Frauen auf die betriebliche und gewerkschaftli-
       che Interessenvertretung  herausgebildet. In  der Textil- und Be-
       kleidungsindustrie stellen  Frauen einen  hohen  Anteil  der  Be-
       triebsratsmitglieder. Gegenwärtig  ist dort  jedes zweite BR-Mit-
       glied eine  Frau. Diese Vertretung entspricht damit dem Branchen-
       anteil der  Frauen. Die  Repräsentanz setzt sich auch bei den BR-
       Vorsitzenden fort. 54 Prozent aller Betriebsratsvorsitzenden sind
       weiblich. Diese  im DGB höchste Frauenquote an BR-Mitgliedern und
       -Vorsitzenden stützt  sich in  erster Linie auf traditionelle Ge-
       werkschafts- und Branchenstrukturen. Seit Beginn der Industriali-
       sierung ist  die Textil-  und Bekleidungsindustrie eine Frauendo-
       mäne. Zu  einem Teil  gehören Frauen  als  Facharbeiterinnen  zur
       Stammbelegschaft und haben einen traditionell hohen gewerkschaft-
       lichen Organisationsgrad.  Er liegt  gegenwärtig bei  60 Prozent.
       30) Die  starke Vertretung  der Frauen fällt hier nicht mit einer
       aktionsorientierten, mobilisierenden  Frauenpolitik zusammen, wie
       sie in anderen Gewerkschaften entwickelt wurde. Die Betriebspoli-
       tik der weiblichen Funktionäre ist in der Regel stark von der so-
       zialpartnerschaftlichen Orientierung der GTB geprägt.
       In der  Metallindustrie sind  auch in  den elektrotechnischen Be-
       trieben mit einem hohen Frauenanteil und großen Frauenabteilungen
       weibliche BR-Mit-glieder  und Vertrauensfrauen unterdurchschnitt-
       lich repräsentiert.  1981 stellen die Frauen 11 Prozent aller BR-
       Mitglieder, 4  Prozent aller  BR- Vorsitzenden und 10 Prozent der
       Vertrauensleute. Ihr Anteil an den gewerkschaftlich Organisierten
       lag 1982  bei 14,3 Prozent, der Frauenanteil an den Beschäftigten
       bei 22  Prozent. 31) Gegen den traditionell hohen Einfluß männli-
       cher Facharbeiter  in gewerkschaftlichen  und betrieblichen Funk-
       tionen konnten  sich die  überwiegend  ungelernten  Arbeiterinnen
       bisher nur  schwer durchsetzen.  So stellen  die Frauen  bei  der
       Gruppe der Arbeiter nur etwa 9 Prozent der BR-Mitglieder, bei den
       Angestellten dagegen 17 Prozent. Mobilisierende Impulse gelangten
       in den  letzten Jahren vor allem über die gewerkschaftliche Frau-
       enarbeit in die Betriebe hinein. Mit Kampagnen und Aktionen konn-
       ten spezifische  Frauenprobleme aufgegriffen und an die Betriebs-
       räte herangetragen werden, ohne daß die Frauen selbst repräsenta-
       tiv in den betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenorganen
       vertreten waren.  Die wachsende  Politisierung der  Frauen drückt
       sich hier  gegenwärtig in  der zunehmenden Beteiligung an Streiks
       und Aktionen aus.
       In den Großbetrieben des Handels- und Dienstleistungssektors sind
       die gewerkschaftlichen  und betrieblichen  Strukturen noch  wenig
       verfestigt. Die  Frauen sind  auch in diesen Betrieben nicht ent-
       sprechend ihrem  Beschäftigungsanteil vertreten.  Ihr Gewicht  in
       gewerkschaftlichen und  betrieblichen Funktionen  hat jedoch über
       die letzten  Jahre ständig  zugenommen. Gegenwärtig  stellen  die
       Frauen im  HBV-Bereich 35 Prozent aller BR-Mitglieder und 22 Pro-
       zent der BR-Vorsitzenden. 32) Bei der ÖTV sind 13 Prozent der BR-
       Mitglieder und 12 Prozent der BR-Vorsitzenden weiblich. 33) Durch
       eine Intensivierung  der  gewerkschaftlichen  Frauenarbeit  wurde
       auch im  HBV- und  ÖTV-Bereich die Aktionsorientierung der Frauen
       gefördert.
       
       4. Aktive Frauen
       ----------------
       
       Mobilisierende Kräfte  betrieblicher Bewegungen  sind überwiegend
       jüngere, gut  qualifizierte Frauen.  Prägend für  ihre politische
       und berufliche  Sozialisation waren  oft die Umbruchphase und das
       Reformklima am  Ende der  60er und Anfang der 70er Jahre. Die da-
       mals sich  herausbildende Veränderung im Frauenbild und neue Ori-
       entierungen wurden  relativ unvoreingenommen  verarbeitet und  in
       die eigene  Wertorientierung  aufgenommen.  Gleichzeitig  erhielt
       diese Generationengruppe  Möglichkeiten besserer  schulischer und
       beruflicher Bildung.  Erstmals wurde  die bewußte Planung der Be-
       rufstätigkeit für  eine ganze  weibliche  Generationengruppe  zur
       Selbstverständlichkeit.
       Insbesondere im  öffentlichen Dienst,  im Bildungs-,  Sozial- und
       Gesundheitswesen rekrutiert  sich ein  beachtlicher Teil  der ge-
       werkschaftlich und  betrieblich engagierten Frauen aus der Gruppe
       der unteren  lohnabhängigen Mittelschichten  und der Intelligenz.
       Zunehmend bilden aber auch bei den Angestellten die besser quali-
       fizierten Frauen aus den EDV-, Verwaltungs- und Sachbearbeiterab-
       teilungen Mobilisierungskerne. Viele von ihnen politisierten sich
       bereits während  ihrer Ausbildung.  Linke und sozialistische Vor-
       stellungen setzten  sich am  Anfang der 70er Jahre an Schulen und
       Hochschulen stärker  durch als  in anderen gesellschaftlichen Be-
       reichen. Erste  gewerkschaftliche Orientierungen wurden dort ver-
       mittelt. Durch  die Ausbildung  erhöhte sich zudem das Handlungs-
       und  Artikulationsniveau  dieser  Frauen.  Geschlechtsspezifische
       Hemmnisse gegenüber  Öffentlichkeit und Funktionen konnten leich-
       ter überwunden werden.
       Von den engagierten Frauen, die ihre Ausbildung im Betrieb erhal-
       ten haben,  aktivierte sich ein bedeutender Teil über die gewerk-
       schaftliche Jugendarbeit;  vor allem die Bildungsarbeit wurde für
       sie zu einem wichtigen Faktor der Bewußtseinsentwicklung. Darüber
       hinaus wirkten  die persönlichen Kontakte, die Einbindung in eine
       Jugendgruppe verstärkend auf den Aktivierungsprozeß. Die Möglich-
       keit, sich  in einer  solchen Gruppe  nicht nur  über  politische
       Sachfragen zu  verständigen, sondern auch persönliche Bedürfnisse
       zu artikulieren, erleichterte gerade Frauen den politischen Iden-
       tifikationsprozeß. Impulse,  eine gewerkschaftliche oder betrieb-
       liche Funktion zu übernehmen, kommen häufig aus diesen Gruppen.
       Für andere Frauen ergaben sich Anstöße zum gewerkschaftlichen En-
       gagement, als  sie wegen kleinerer Konflikte am Arbeitsplatz Kon-
       takt zum  Betriebsrat oder zu gewerkschaftlichen Vertrauensleuten
       aufnahmen. Wo  es gelang, die Konfliktbereitschaft durch Informa-
       tion und  Unterstützung in  die  kollektive  Interessenvertretung
       einzubinden, entwickelte  sich oft langfristiges Interesse an ge-
       werkschaftlicher Arbeit.  In der Regel sind es auch hier die qua-
       lifizierten Frauen,  die Hemmungen  und  Bedenken,  sich  gewerk-
       schaftlich zu  organisieren, am  schnellsten überwinden  und sich
       engagieren.
       Von der  Mehrzahl der  aktiven Frauen wird gewerkschaftliche Ein-
       bindung als  Voraussetzung erfolgreicher Betriebsratsarbeit ange-
       sehen. Im  Metallbereich sind 77 Prozent aller weiblichen BR-Mit-
       glieder im  DGB organisiert,  in der Textil- und Bekleidungsindu-
       strie 82  Prozent, im  HBV-Bereich gehören ca. 50 Prozent, im öf-
       fentlichen Dienst etwa 70 Prozent dem DGB an. 34)
       Immer noch  ist gewerkschaftliche  Organisierung für  Frauen  ein
       viel weniger  selbstverständlicher Prozeß  als für Männer. Gerade
       deshalb verbindet  sich der  Entschluß zum Engagement oftmals mit
       einer intensiven  Aufarbeitung gewerkschaftlicher Grundpositionen
       und der  Herausbildung neuer  Wertorientierungen. Wie auch andere
       neu zu  sozialen Bewegungen  hinzustoßende Gruppen identifizieren
       sich Frauen  sehr konsequent  mit dem neuen Selbstverständnis und
       radikalisieren sich  in den  Artikulationsformen.  Nicht  zuletzt
       darum zählen  Frauen häufig  zu den Kräften, die kritisch und mit
       neuen Impulsen  auf den  innergewerkschaftlichen Willensbildungs-
       prozeß einwirken.
       Die Spezifik der betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessen-
       vertretung fördert  zudem mehr  als in anderen Politikfeldern die
       Identifikation mit  der Sache  und der  Funktion. Das hohe Maß an
       Verpflichtung gegenüber  den Kolleginnen  und Kollegen, die zuge-
       spitzte Form  der Auseinandersetzung mit der Unternehmensleitung,
       die Notwendigkeit,  betriebliche Konflikte  auf Ursachen und Aus-
       wirkungen hin zu analysieren, setzen einen intensiven Identifika-
       tionsprozeß in  Gang. Stabilisiert  wird das betriebliche Engage-
       ment vor  allem über außerbetriebliche gewerkschaftliche Struktu-
       ren. Insbesondere  durch  die  gewerkschaftliche  Bildungsarbeit,
       aber auch  durch die Frauenarbeit wird die Aufarbeitung unmittel-
       barer betrieblicher  Erfahrungen mit  der Aneignung theoretischen
       Wissens über die eigene Interessenlage vermittelt.
       In vielen  Phasen verlaufen  Aktivierungs-, Identifikations-  und
       Stabilisierungsprozesse bei  Frauen und  Männern ähnlich.  Frauen
       haben aber  stets zusätzliche geschlechtsspezifische Barrieren zu
       überwinden. Das  Engagement berührt  gravierender als bei Männern
       auch Haltungen  und Verhaltensweisen im privaten Bereich. Famili-
       enbezogenheit und  Ansprüche an die Haushaltsführung müssen rela-
       tiviert werden. Auffallend wenige der jungen aktiven Frauen haben
       allerdings kleine  Kinder zu  versorgen. Der Kinderwunsch wird in
       der Lebensplanung oft zurück- oder auch in Frage gestellt.
       Konflikte mit  dem Mann  über  das  gewerkschaftliche  Engagement
       bleiben bei  einem großen  Teil der  aktiven Frauen  eher gering.
       Meist sind  in diesen  Fällen beide Partner gewerkschaftlich oder
       politisch aktiv  und haben von vornherein grundlegende Wertorien-
       tierungen  gemeinsam.  Die  Zahl  der  geschiedenen  und  ledigen
       Frauen, für  die sich  eine Entscheidung  zwischen Engagement und
       Familie in dieser Schärfe nicht stellt, ist unter den aktiven Ka-
       dern jedoch  auffallend hoch. Die relativ hohe Quote geschiedener
       Frauen könnte  außerdem darauf  hinweisen, daß  einmal engagierte
       Frauen bei  ungleichen Entwicklungswegen  und divergierenden  An-
       sichten der  Partner über  die Beziehung  und das Engagement ihre
       eigenen Ansprüche nicht mehr zurückstellen und sich für das Enga-
       gement entscheiden.
       Generell wird  das überkommene  Rollenbild vom Frausein, die ein-
       seitige Festlegung  auf Haushalt  und Kinder  von den engagierten
       Frauen abgelehnt.  Die Umrisse  eines neuen  Selbstverständnisses
       35) machen  sich vorrangig  an der  öffentlich-gesellschaftlichen
       Rolle der  Frau fest.  Forderungen und Ansprüche zielen vor allem
       auf den  Abbau von  Benachteiligungen  und  die  Erweiterung  der
       Gleichberechtigung im  Betrieb und  im öffentlich-gesellschaftli-
       chen Raum. Dabei haben sich neue Problemsichten, die in der Frau-
       enbewegung entwickelt  wurden, dem  Selbstverständnis der gewerk-
       schaftlich engagierten Frauen angelagert. Ein spezifisch weiblich
       geprägtes Selbstverständnis in den Politikzugängen, Ansprüche auf
       eine eigene  Lebensgestaltung im  privaten Bereich, das Selbstbe-
       stimmungsrecht der  Frau über ihren Körper, der Protest gegen die
       weibliche Objektrolle im Sexualverhältnis sind in die grundlegen-
       den Orientierungen eingeflossen. Das durch die gewerkschaftlichen
       Aktionsfelder geprägte  Politikverständnis läßt  die geschlechts-
       spezifischen Probleme  jedoch immer  im Zusammenhang mit sozialen
       Fragen sehen.  Der Bezug  auf die eigene Situation als Lohnabhän-
       gige bleibt  bei der  Aufnahme neuer  Problemsichten erhalten. So
       wird von den gewerkschaftlich organisierten Frauen in der Debatte
       um den  § 218 nicht nur das Selbstentscheidungsrecht der Frau an-
       geführt, sondern  auch die  materielle und  soziale Seite der Ab-
       treibungsproblematik hervorgehoben.
       Der Anspruch auf persönliche Entfaltung ist bei den gewerkschaft-
       lich engagierten Frauen auch im Geschlechterverhältnis gewachsen.
       Der Standpunkt,  sich  gegen  männliche  Dominanz  zu  behaupten,
       fließt in  die Begründung  der  Gleichheitsforderungen  ein.  Die
       Durchsetzung eigener  Interessen gegenüber  den Männern  ist aber
       eindeutig von  der Haltung  geprägt, sich  mit ihnen doch solida-
       risch auseinanderzusetzen. Das feministische Autonomiemodell, das
       vom antagonistischen  Widerspruch zwischen den Geschlechtern aus-
       geht und  die generelle  Separierung der  Frauen vorsieht, wider-
       spricht den  differenzierten Erfahrungen der Gewerkschafterinnen.
       Das  gewerkschaftliche   Engagement  läßt  die  gesellschaftliche
       Strukturiertheit des Geschlechterverhältnisses eher deutlich wer-
       den. In  Konflikten mit  der Unternehmensleitung  erleben sie die
       klassenspezifische Brechung  des Geschlechterverhältnisses direk-
       ter als in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen.
       Darüber hinaus  können gewerkschaftlich  engagierte Frauen in der
       Zusammenarbeit mit  männlichen Kollegen die Verflechtung zwischen
       politischen Grundpositionen  und der Haltung zu Frauenfragen bes-
       ser erkennen. So sind im linken und demokratischen Grundverständ-
       nis immer  auch Ansprüche  auf ein  gleichberechtigtes Verhältnis
       zwischen den  Geschlechtern enthalten. Dies führt in der betrieb-
       lichen und  gewerkschaftlichen Praxis  linker Gruppierungen  zwar
       nicht automatisch  zu einer  Gleichheit im  Mann/Frau-Verhältnis.
       Bei entsprechendem  Druck und  Durchsetzungsvermögen  der  Frauen
       sind fortschrittlich  orientierte Kollegen  jedoch  eher  in  der
       Lage, geschlechtsspezifische  Borniertheit zu  überwinden.  Nicht
       zufällig konnten  sich gerade  dort,  wo  sozialpartnerschaftlich
       orientierte Betriebsratsmehrheiten  durch linke Gruppierungen zu-
       rückgedrängt wurden,  Frauen als  aktive Interessenvertreterinnen
       profilieren. In  der Kontroverse mit feministischen Autonomievor-
       stellungen neigen  Gewerkschaftsfrauen allerdings  dazu, die auch
       von ihnen  erfahrenen Widersprüche  im Geschlechtsverhältnis pau-
       schal herunterzuspielen.
       Das Sich-selbst-wichtig-Nehmen  auch gegenüber den Männern drückt
       sich in  der Erweiterung eigener Handlungsfelder und Kommunikati-
       onszusammenhänge aus. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der
       gewerkschaftlichen Frauenausschüsse  erhöht; herausgebildet haben
       sich horizontale Strukturen des Erfahrungsaustausches über infor-
       melle gewerkschaftliche  Frauengruppen und -zusammenkünfte. Indiz
       für den  Anspruch auf Eigenständigkeit sind vor allem die aus Ak-
       tionen hervorgegangenen  Frauentreffs. Besonders  für die  in den
       Auseinandersetzungen erst  hinzugestoßenen Frauen geben sie wich-
       tige Räume  für den  Erfahrungsaustausch und die Verarbeitung von
       Partnerkonflikten. Gruppen  dieser Art bilden für die Frauen Sta-
       tionen der  persönlichen Stabilisierung,  ohne  durch  Binnenzen-
       triertheit die  Einbindung in  andere gesellschaftliche Zusammen-
       hänge zu blockieren.
       Während das  Verhältnis zur feministischen Frauenbewegung von Di-
       stanz durchzogen ist, stehen große Teile der gewerkschaftlich ak-
       tiven Frauen  anderen sozialen Bewegungen eher aufgeschlossen ge-
       genüber. Vor allem in Friedensinitiativen, aber auch an der Anti-
       AKW-Bewegung und  an solchen Kämpfen wie gegen die Startbahn West
       beteiligen  sich  Gewerkschafterinnen.  Die  generell  politische
       Sicht, Sensibilität und Offenheit gegenüber neuen gesellschaftli-
       chen Prozessen, aber auch persönliche Beziehungen zu Akteuren der
       neuen sozialen  Bewegungen lassen gerade junge Frauen schnell er-
       kennen, daß eine Reihe ihrer eigenen Bedürfnisse aufgegriffen und
       formuliert werden.
       Gegenüber der  Masse der weiblichen Beschäftigten haben die akti-
       ven Frauen  nicht nur Einsicht in politische Zusammenhänge und in
       die eigene  Lage als  Lohnabhängige entwickelt, sondern auch (als
       wichtige Bedingung  ihres Engagements)  das traditionelle Rollen-
       verhalten in  der Familie verändert. Dieser Schritt ist unter ge-
       sellschaftlichen Verhältnissen, in denen die Reproduktion der Ar-
       beitskraft größtenteils  privat und traditionell durch Frauen ab-
       gesichert werden muß, an besondere Voraussetzungen gebunden. Qua-
       lifikation und Bildung, die das Selbstbewußtsein der Frauen stär-
       ken und ihre Handlungsfähigkeit erhöhen, schaffen Zugang zu neuen
       emanzipatorischen  Wertorientierungen.  Berufliche  Qualifikation
       und damit  verbundene bessere  Entlohnung bilden  eine tragfähige
       materielle Basis für die Lösung aus der Familienbezogenheit.
       Die Kämpfe  um Lohngleichheit,  in die weithin auch nichtqualifi-
       zierte Arbeiterinnen  einbezogen werden  konnten, zeigen, daß die
       hemmende Orientierung  auf  Privatheit  durch  basisnahe  gewerk-
       schaftliche  Frauenarbeit  und  frauenspezifische  Politikzugänge
       überwunden werden kann. Deutlich wurde: Frauenspezifische Politik
       im Betrieb ist nicht auf den Arbeitsplatz zu beschränken, sie er-
       fordert eine  kollektive Verarbeitung  von Konflikten,  die  beim
       Durchbrechen traditioneller geschlechtsspezifischer Verhaltensmu-
       ster auftreten.  Basisnahe gewerkschaftliche Frauenarbeit muß, um
       langfristiges Engagement  zu festigen, die Probleme der Frauen im
       Reproduktionsbereich einbeziehen.  Dazu gehören  Forderungen  und
       konkrete Kämpfe  um den Ausbau sozialer Dienste wie die theoreti-
       sche und  praktische Unterstützung bei der Überwindung des tradi-
       tionellen weiblichen,  auf die  Familie orientierten Geschlechts-
       rollenverhaltens.
       
       _____
       1) Vgl. dazu:  W. Müller, A. Willms, J. Handl, Strukturwandel der
       Frauenarbeit 1880-1980, Frankfurt a.M./New York 1983, S. 136 f.
       2) Vgl. dazu: W. Müller u.a., a.a.O., S. 135 ff.
       3) ANBA 3/83, Sonderdruck Arbeitsmarkt-Vorhersagen, Bundesanstalt
       für Arbeit, S. 269 f.
       4) Bundesarbeitsblatt 2/1984, S. 24 f.
       5) Vgl. dazu:  M. Langkau-Hermann  u. a.,  Frauen im öffentlichen
       Dienst, Bonn  1983, S.  27ff.,  und  Arbeitsheft  Teilzeitarbeit,
       Hrsg.: Gewerkschaft  HBV, Hauptvorstand Abteilung Frauen, Düssel-
       dorf 1982.
       6) Vgl. dazu W. Müller u. a., a.a.O., S. 158 ff.
       7) Vgl. dazu  S. Schunter-Kleemann,  Frauenarbeit  und  -arbeits-
       losigkeit in den achtziger Jahren, in: Marxistische Blätter 2/84.
       8) IMSF, Klassen-  und Sozialstruktur der BRD 1950-1970, Teil II,
       Frankfurt/M. 1974, S. 198 f.
       9) IGM, Ergebnisse der B R- Wahlen 1981, Frankfurt/M. o.J., S. 59
       f.
       10) Statistisches Bundesamt, Unternehmen u. Arbeitsstätten, Wies-
       baden 1972.
       11) Arbeitsstättenzählung und Beschäftigte 1977/78 der Regionalen
       Planungsgemeinschaft  Umlandverband   Frankfurt/M.,  Frankfurt/M.
       o.J., S. 109.
       12) Auskünfte des Statistischen Amts der Stadt Frankfurt.
       13) abc-Handbuch, Hg.:  Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsfor-
       schung der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg 1974.
       14) Vgl. dazu  C. Möller, Ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse
       - Verstärkte  Spaltung der abhängig Arbeitenden, in: Beiträge zur
       feministischen Theorie und Praxis 9/10, Köln 1983, S. 7 ff.
       15) Vgl. Bundesministerium  für Bildung  und  Wissenschaft,  Bil-
       dungs- und Beschäftigungssystem 4, Bonn 1981.
       16) Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Bildungs- und
       Beschäftigungssystem 4, a.a.O.
       17) Vgl. dazu  die Untersuchungen  über Verhalten  und Bewußtsein
       erwerbstätiger Frauen  von R. Becker-Schmidt u.a., Arbeitsleben -
       Lebensarbeit, Bonn 1983; M. Duran u.a., Geteiltes Leid ist halbes
       Leid -  Ein Binsenirrtum,  Westberlin 1982;  M. Kurbjuhn/C. Pust,
       Emanzipation durch Lohnarbeit?, Westberlin 1983; B. Stiegler, Die
       Mitbestimmung der Arbeiterin, Bonn 1976.
       18) Vgl. Wir  wollen gleiche  Löhne, Hrsg.:  M.  Kaiser,  Reinbek
       1980, S. 13ff.
       19) Vgl. M. Kurbjuhn/C. Pust, a.a.O., S. 191 ff.
       20) Frauenarbeit 1977-1980. Geschäftsbericht der Abteilung Frauen
       im Bundesvorstand  des DGB,  Düsseldorf o.J., und: Frauen und Ar-
       beit 5/1982.
       21) Frauenarbeit 1977-1980, a.a.O.
       22) Vgl. dazu:  A. Achenbach u.a., Arbeitskampf an neuen Fronten,
       Soziale Bewegungen  - Analyse und Dokumentation des IMSF, Heft 8,
       Frankfurt/M. 1980, S. 31 ff.
       23) Geschäftsbericht der Gewerkschaft HBV 1979, HBV-Hauptvorstand
       Düsseldorf.
       24) Die Mitbestimmung 2/84, S. 69 f.
       25) Ebd.
       26) Vgl. Frauenpolitik  der Gewerkschaft  ÖTV, Hg.: Hauptvorstand
       der Gewerkschaft ÖTV, Stuttgart 1978.
       27) Vgl. dazu DJI-Material, Auswirkungen des Sozialabbaus im Kin-
       dergarten- und Kindertagesstättenbereich, München 1982.
       28) Vgl. dazu Wir wollen gleiche Löhne - Keiner schiebt uns weg!,
       Schriftenreihe der IG Druck und Papier, Heft 34, Stuttgart o.J.
       29) Vgl. Zwölf  Thesen  zur  Frauenarbeit,  IGM-Mitteilungen  für
       Frauen I/1979.
       30) Vgl.  Geschäftsbericht   der  Gewerkschaft  Textil-Bekleidung
       1974-1977; Welt der Arbeit, Nr. 16, 19. 4. 84.
       31) Vgl. 11. Frauenkonferenz der IGM Frankfurt 1982, Geschäftsbe-
       richt.
       32) Vgl. I. Bundesfrauenkonferenz der Gewerkschaft HBV Leverkusen
       1984, Geschäftsbericht.
       33) Die Mitbestimmung 2/84, S. 69 f.
       34) Vgl. 11.  Bundesfrauenkonferenz der IGM, a.a.O.; Geschäftsbe-
       richt der  Gewerkschaft Textil-Bekleidung,  a.a.O.;  Geschäftsbe-
       richt 1981/82  der Bezirksverwaltung Main-Taunus der Gewerkschaft
       HBV; ÖTV-Magazin 9/76.
       35) Vgl. dazu auch Heike Flessner/Heidi Knake-Werner, Sich einmi-
       schen - seine Identität finden - gemeinsam kämpfen. Bedürfnisent-
       wicklung und Politikzugänge von Frauen, in: Marxistische Studien.
       Jahrbuch des IMSF 5, 1982.
       

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