Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985


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       GEMEINSAMKEITEN UND WIDERSPRÜCHE ZWISCHEN MONOPOLKAPITAL UND
       ============================================================
       NAZI-STAAT AM BEISPIEL DER AUSEINANDERSETZUNGEN UM DIE GRÜNDUNG
       ===============================================================
       DER REICHSWERKE "HERMANN GÖRING"
       ================================
       
       Ditte Gerns
       
       1. Großindustrie  - Befehlsempfänger  der Nazis?  - 2. Zur Vorge-
       schichte der Gründung der Reichswerke "Hermann Göring" - 2.1. Mo-
       tive des  Staates, die  einheimische Eisenerzbasis  auszubauen  -
       2.2. Versuche,  die Privatwirtschaft für den Ausbau der einheimi-
       schen Eisenerzbasis zu gewinnen - 3. Die Gründung der Reichswerke
       "Hermann Göring"  und ihre  Auswirkung auf die Privatwirtschaft -
       4. Verlauf  der Auseinandersetzung  zwischen Staat und Eisen- und
       Stahlindustriellen -  5. Worüber geben diese Auseinandersetzungen
       Aufschluß?
       
       1. Großindustrie - Befehlsempfänger der Nazis?
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       Als im  September 1936  auf dem  NSDAP-"Parteitag der  Ehre"  der
       Vierjahresplan verkündet  wurde, trat  eine Planung in Kraft, die
       sich nicht auf die gesamte Volkswirtschaft, sondern lediglich auf
       die Roh-  und Grundstoffproduktion  bezog und dies auch nur inso-
       weit, als es sich um Produkte handelte, von denen Deutschland im-
       portabhängig war.  In einer  am 26.  August 1936 erstellten Denk-
       schrift nannte Hitler die betroffenen Bereiche und formulierte im
       allgemeinen die  Anforderungen. Dazu  gehörte auch,  die deutsche
       Eisenerzproduktion auf  das außerordentlichste  zu steigern.  Die
       Einwände, die  bis dahin gegenüber der Verhüttung der sauren, ar-
       men deutschen Erze bestanden, ließ er nicht gelten und machte den
       Verantwortlichen, vor  allem der Industrie, den Vorwurf, daß bis-
       her noch  nicht mehr  auf dem Gebiet der deutschen Eisenerzerzeu-
       gung getan  wurde. "Man  hat nun  Zeit genug  gehabt, in 4 Jahren
       festzustellen, was wir nicht können. Es ist jetzt notwendig, aus-
       zuführen, das, was wir können." 1)
       Nach der  Verkündung des  Vierjahresplanes setzten von Seiten des
       Staates, weniger intensiv auch von Seiten der Eisen- und Stahlin-
       dustrie, Bemühungen ein, Wege zu finden, dieser Anforderung nach-
       zukommen. Sie  mündeten schließlich  in die  Gründung der Reichs-
       werke "Hermann  Göring". In  Zusammenhang mit  der  Gründung  der
       Reichswerke kam  es zu  Auseinandersetzungen zwischen  Teilen der
       Eisen- und  Stahlindustrie und  dem faschistischen  Staat.  Diese
       Auseinandersetzungen werden von verschiedenen Historikern als Be-
       weis für eine bestimmte Ansicht über das Verhältnis von Staat und
       Großindustrie im Faschismus herangezogen, die sich folgendermaßen
       zusammenfassen läßt:
       Spätestens zum  Zeitpunkt der  Gründung  der  Reichswerke  zeigte
       sich, daß die deutsche Großindustrie zum Befehlsempfänger der Na-
       tionalsozialisten wurde  und über keine eigene Entscheidungsfrei-
       heit mehr  verfügte. Sie  wurde ebenso unterdrückt, wie viele an-
       dere Teile der deutschen Gesellschaft.
       Matthias  Riedel   schreibt:  "Diese   Sitzung  bei   Göring  (am
       23.7.1937, wo  er den  Industriellen seine  Entscheidung über die
       Gründung der  Reichswerke bekanntgab, D.G.) zeigte in aller Deut-
       lichkeit, wie  es um die Dispositionsfreiheit der Unternehmer be-
       stellt war.  Sie waren  zu Befehlsempfängern der nationalsoziali-
       stischen Machthaber  geworden." 2) Nach Wilhelm Treue gehörte da-
       mit die  Freiheit der  Wirtschaft der Vergangenheit an. 3) Für D.
       Schoenbaum zeichnete  sich das  Dritte Reich dadurch aus, "daß es
       die Geschäftsführer  fast aller  Entscheidungsfreiheit in der Un-
       ternehmensführung beraubte." 4) Und Louis Lochner zeigte die Aus-
       einandersetzung um  den Fall  Salzgitter, welcher  Art die grund-
       sätzliche Kluft  zwischen Industrie  und Nationalsozialismus war.
       5)
       Im weiteren  soll am  Beispiel der  Auseinandersetzungen zwischen
       Eisen- und  Stahlindustrie und  dem faschistischen Staat über die
       Gründung der Reichswerke gezeigt werden, daß es dabei nicht darum
       ging, ein  "neues Wirtschaftssystem"  zu installieren, in dem die
       Unternehmer nichts  mehr zu  sagen hatten. Vielmehr soll deutlich
       gemacht werden, wie Konflikte zwischen Großindustrie und Staat im
       System  des  staatsmonopolistischen  Kapitalismus  faschistischer
       Prägung ausgetragen wurden.
       
       2. Zur Vorgeschichte der Gründung
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       der Reichswerke "Hermann Göring"
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       2.1. Motive des Staates, die einheimische
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       Eisenerzbasis auszubauen
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       Nach dem  Ersten Weltkrieg  verlor Deutschland  fast zwei Drittel
       seiner bis dahin abbauwürdigen Eisenerze, vor allem durch die Ab-
       tretung Elsaß-Lothringens  an Frankreich.  Damit stieg  die  Aus-
       landsabhängigkeit Deutschlands  auf diesem  Gebiet drastisch  an.
       Der sinkende  Eigendeckungsgrad aus heimischen Erzen von 18% 1928
       auf 15%  1936 bei  absolut steigender Erzproduktion ließ die Aus-
       landsabhängigkeit noch anwachsen. 6) Die steigende Auslandsabhän-
       gigkeit auf  dem Eisenerzsektor  hing vor allem mit dem durch die
       Aufrüstung in  die Höhe schnellenden Eisenerzbedarf zusammen. Der
       Eisenerzbedarf der  Wehrmacht stieg  nach den Akten des Chefs des
       Wehrwirtschaftsstabes, Thomas,  zwischen 1935  und 1936  um  etwa
       60%. 7)  Um den höheren Eisenerzbedarf zu befriedigen, wurden die
       Vorratslager, die im Juni 1935 noch für 5,1 Monate reichten, dra-
       stisch abgebaut.  Am 1.  April 1936 waren nur noch für 2,3 Monate
       Reserven vorhanden. 8)
       Der steigende Eisenerzbedarf mußte sich natürlich negativ auf die
       ohnehin angespannte  Devisenlage des Reiches - das Devisendefizit
       betrug von  1936 an  rd. l Mrd. RM im Jahr - auswirken, zumal die
       Rohstoffpreise auf  dem Weltmarkt  stiegen. Aus  Mangel an  Erzen
       konnte etwa 1/7 der Verhüttungskapazität nicht ausgenutzt werden.
       300 000 t  Eisen pro  Monat hätten mehr erzeugt werden können. 9)
       Diese Situation  führte dazu,  daß Ende  Februar 1937 eine Eisen-
       und Stahlkontingentierung eingeführt wurde, die die Lieferfristen
       erheblich verlängerte.  Es kam  zu ernsten Stockungen bei der Be-
       lieferung der Wehrmacht mit Eisen- und Stahlerzeugnissen. So wur-
       den Abstriche,  die an der Vierjahresplanung gemacht wurden, u.a.
       durch die Eisenknappheit verursacht.
       Gutachterausschüsse aus  Vertretern der  Behörden und  der  Wirt-
       schaft, die sich seit dem 15. Mai 1936 mit der Export-, Rohstoff-
       und Devisensituation  Deutschlands beschäftigten,  kamen, bereits
       bevor Hitler  seine Denkschrift  verfaßte, zu dem Schluß, daß die
       Rohstoffzufuhr in  absehbarer Zeit  auf Grund von Devisenmehrein-
       nahmen nicht  zu steigern  war. Reichswirtschaftsminister Schacht
       bestätigte im  Mai 1936  vor dem  Ministerrat diese Einschätzung.
       10) Krupp und andere Industrielle gingen soweit zu sagen, daß die
       deutsche Eisenerzversorgungslage  bei weiter  steigendem  Bedarf,
       selbst bei  genügender Devisenzuteilung, nicht mehr durch Einfuh-
       ren verbessert  werden könne. 11) Und so ging es der Nazi-Führung
       in dieser  Frage auch  nicht so  sehr um Devisen. Das machte Paul
       Pleiger, zunächst  Mitarbeiter im Büro Keppler, dann in der Vier-
       jahresplanbehörde auf  dem Eisenerzsektor tätig, deutlich, als er
       schrieb, daß  die Umstellung  der Erzversorgung keine Notmaßnahme
       sei, um  eine vorübergehende Devisenknappheit zu überwinden, son-
       dern erfolge, "um uns für alle Zukunft das Gesetz des Handelns in
       der Rohstoffversorgung  unserer Eisenindustrie  zu sichern".  12)
       Dieses Gesetz  des Handelns  sollte natürlich  besonders im Krieg
       aufrechterhalten werden. Das wird klar, wenn Göring sagte : "'Wir
       stehen bereits in der Mobilmachung und im Krieg, es wird nur noch
       nicht geschossen.'  Wenn der Fall eintreten sollte, daß Erztrans-
       porte aus  dem Ausland  ausbleiben, dann  dürften  die  deutschen
       Hochofenwerke nicht  geschlossen werden. Deshalb müsse man Recht-
       zeitig in  die deutsche  Erde hineinsteigen'." 13) Und Thomas be-
       tonte, daß  es "nach  heutiger Auffassung  keine  Fehlinvestition
       mehr" sei, "wenn Fabriken hingestellt werden, die zwar im Frieden
       nicht wirtschaftlich  arbeiten, für  den Krieg aber einen Sicher-
       heitsfaktor bilden, der für die Landesverteidigung unbedingt not-
       wendig ist".  14) Es ging beim Ausbau der deutschen Eisenerzbasis
       also um  konkrete Kriegsvorbereitung,  um die Erlangung einer ge-
       wissen Blockadesicherheit auf dem Eisenerzsektor.
       Als  einen  Risikofaktor  der  Eisenerzversorgung  erachtete  man
       Schweden, aus  dem etwa  die Hälfte  des importierten  Eisenerzes
       stammte. Da das Erz auf dem Seeweg über die Nord- oder die Ostsee
       nach Deutschland gelangte, fürchtete man, daß dieser Weg in einem
       Krieg abgeschnitten werden könnte. Aber selbst wenn der Zufuhrweg
       sicher sein sollte, wußte man nie, ob die schwedischen Gruben vor
       ausländischem Zugriff  geschützt waren.  Außerdem konnten Streiks
       und technische  Pannen zu Produktionsausfällen führen. Neben die-
       sen Gründen  stimmten auch wirtschaftliche Überlegungen die Nazi-
       Führer bedenklich.  Die Absatzbedingungen für Schwedenerze hatten
       sich erheblich  verbessert, vor  allem durch britische Nachfrage.
       Nachdem an  der Ostküste  Englands einige  Thomaswerke  errichtet
       worden waren,  stieg die  Einfuhr schwedischer Erze nach England,
       die 1913  rund 400 000 t und 1935 rund 800 000 t betrug, auf etwa
       4 Millionen t. 15) Die wachsende Nachfrage führte zu Preissteige-
       rungen. Außerdem sah Paul Rheinländer, ein enger Mitarbeiter Paul
       Pleigers, das  Problem, daß,  obwohl durch Verträge die Menge des
       nach Deutschland  zu liefernden  Erzes großenteils gesichert war,
       die Schweden  doch - da nur für einen Teil der Lieferungen preis-
       liche Bedingungen  vorlagen - den einen oder anderen Abnehmer be-
       vorzugen könnten. Faktisch konnten sie damit Einfluß auf die Höhe
       der Stahlproduktion in Deutschland ausüben. 16)
       Auch die Erzlieferungen aus Lothringen, Spanien, Afrika und ande-
       ren Teilen  der Welt waren im Kriegsfall alles andere als sichere
       Zufuhrquellen. Aber selbst in Friedenszeiten sah Paul Rheinländer
       gewichtige Vorteile  im Ausbau  der heimischen Eisenerzbasis, die
       seiner Meinung  nach in  der Preisgestaltung der Importerze - man
       sollte nicht mehr jeden Preis akzeptieren müssen - und in der Un-
       abhängigkeit von  den Schwankungen  des Weltmarktes  lagen. Damit
       hätte die  deutsche Eisen- und Stahlindustrie bessere Ausgangsbe-
       dingungen im Kampf auf dem Weltmarkt. 17)
       Zu all  diesen Überlegungen  trat eine wichtige militär-strategi-
       sche hinzu,  die den Ausbau des Salzgittergebietes maßgeblich be-
       einflußte. Paul  Rheinländer führte  aus: "Der  größte  Teil  der
       deutschen Hochöfen steht in der Nähe der Grenzen. Auf das Ruhrge-
       biet entfallen  52,8%, auf das Saargebiet 9,6% und auf Oberschle-
       sien 1,1% der deutschen Roheisenerzeugung. Durch die Hochöfen der
       Hermann-Göring-Werke werden  rund 33%  der heutigen  bzw. 25% der
       zukünftigen Erzeugung in ein strategisch sicheres Gebiet verlegt.
       Außerdem werden  die Standorte der Roheisenerzeugung mehr ausein-
       andergezogen. Mit dieser Standortverteilung werden wichtige wehr-
       politische Erfordernisse  der deutschen  Eisenindustrie erfüllt."
       18) Hinter  dem Bestreben  des faschistischen Staates, die heimi-
       sche Eisenerzbasis  auszubauen, standen also wichtige Gründe, die
       für die  Umsetzung der kriegerischen Ziele des deutschen Faschis-
       mus von außerordentlicher Bedeutung waren.
       
       2.2. Versuche, die Privatwirtschaft für den Ausbau
       --------------------------------------------------
       der heimischen Eisenerzbasis zu gewinnen
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       Ungeachtet der Vorwürfe Hitlers an die Privatwirtschaft in seiner
       Denkschrift vom  26. August  1936 bemühten  sich die  Nazi-Führer
       sehr intensiv,  die Privatwirtschaft  in die  Durchführung  ihrer
       Vierjahresplanungen einzubeziehen.  Dies galt auch für die Eisen-
       und Stahlindustrie.  So berichtete Keppler z.B.: "Pleiger und ich
       selbst wünschten,  wenn irgend  möglich,  die  im  Interesse  der
       Volkswirtschaft notwendige Aufgabe einer rein privatwirtschaftli-
       chen Lösung  einzuführen." 19)  Doch dem  Bemühen um eine privat-
       wirtschaftliche Lösung  des Ausbaus  der deutschen  Eisenerzbasis
       standen gewichtige wirtschaftliche Bedenken gegenüber. Sie wurden
       bereits im September 1927 in einem Gutachten des Sachverständigen
       Dr. Wenzel  von den  Vereinigten Stahlwerken formuliert. Die Erze
       des Salzgitterer  Lagers seien seiner Meinung nach noch nicht ab-
       gebaut worden,  da sie  arm und  an Kieselsäure und Tonerde reich
       sind und  daher einer  weitgehenden Aufbereitung  bedürfen.  "Die
       Schaffung großer  Anlagen und  die Lösung der Aufbereitungsfragen
       erfordern große  Mittel und  bedeuten ein nicht unerhebliches Ri-
       siko, das  bei den  bisherigen Transportverhältnissen noch größer
       wäre. Diese  Mittel bei  dem geschilderten  Risiko  aufzubringen,
       scheut der  Privatunternehmer, selbst  wenn ihm  (...) die Mittel
       hierfür zur Verfügung gestanden hätten." 20)
       Da die  Gründung eines  Staatsbetriebes gar nicht angestrebt war,
       liefen die  Auseinandersetzungen über  den verstärkten Ausbau der
       heimischen Eisenerzbasis  zunächst um die Frage, ob die schon be-
       stehenden Hüttenwerke  die Salzgitterer Lagerstätten aufschließen
       sollten, welche  Organisationsform in  diesem Falle zu wählen sei
       und in  welchem Maß sich das Risiko dieses Projekts durch Beihil-
       fen oder  Bürgschaften des Reiches verringern ließ. Die Industrie
       zweifelte, ob höhere Produktionskosten durch höhere Preise ausge-
       glichen werden konnten.
       Die Eisen- und Stahlindustriellen waren nicht grundsätzlich gegen
       die Verhüttung  armer, saurer deutscher Erze. So ist in einem Tä-
       tigkeitsbericht des  Vereins deutscher  Eisenhüttenleute im Jahre
       1935 von  intensiven Bemühungen die Rede, das Problem der Verhüt-
       tung dieser  Erze technisch  zu lösen.  Auch die  August-Thyssen-
       Hütte, der  Röchling- und  der Krupp-Konzern  sowie die Gutehoff-
       nungshütte unternahmen  Versuche auf  diesem Gebiet. Doch blieben
       sie ohne  großen Erfolg,  obwohl die  Gutehoffnungshütte und  die
       Vereinigten Stahlwerke  am Bau  eines Hüttenwerks  im  englischen
       Corby mitwirkten,  das den  deutschen ähnliche Erze verarbeitete.
       Allerdings lagen  dem Bau  nicht ihre,  sondern amerikanische Pa-
       tente des Ingenieurs Brassert zugrunde.
       Zunächst gelang es, gemeinsam mit der Industrie Pläne zur stärke-
       ren Nutzung  deutscher Eisenerze  auszuarbeiten. Es  entstand der
       Schlattmannplan, benannt  nach dem  im Wirtschaftsministerium ar-
       beitenden Oberberghauptmann Schlattmann, der unmittelbar vor Ein-
       führung des  Vierjahresplans angenommen  wurde. 21)  Dieser  Plan
       entsprach aber  nicht im  mindesten den  sich kurz  darauf in der
       Vierjahresplanung niederschlagenden Anforderungen und wurde daher
       nicht akzeptiert.  Die Bemühungen, die Industrie zu mehr Leistun-
       gen auf diesem Gebiete zu bringen, hielten also an.
       Als die  Ruhrindustriellen  1936  in  einer  Denkschrift  an  das
       Reichswirtschaftsministerium erklärten,  daß die Verhüttung deut-
       scher Erze  in dem  geforderten Ausmaß  für die  Industrie  nicht
       tragbar sei,  antwortete Paul  Pleiger in einem Brief vom 11. De-
       zember 1936 an die Ilseder Hütte, in dem er vorschlug, mit staat-
       licher Unterstützung eine deutsche Erzgesellschaft zu gründen, an
       der sich  alle Hüttenwerke  ihrer Rohstahlerzeugung  entsprechend
       beteiligen sollten. Außer von den Vereinigten Stahlwerken und den
       Klöckner-Werken wurde  dieser Vorschlag von allen übrigen Montan-
       industriellen abgelehnt. Auch ein weiterer, im Anhang des Briefes
       enthaltener Vorschlag Pleigers, Einzellieferungsverträge zwischen
       Erzbergwerken und  Hütten zu schließen, stieß auf keine große Zu-
       stimmung.
       Für Pleiger  kam eine  privatwirtschaftliche Lösung  des Problems
       immer weniger in Betracht. Davon versuchte er nun Göring zu über-
       zeugen. Auf  einer bereits am 4. Februar 1937 bei Göring abgehal-
       tenen Sitzung,  an der  neben Pleiger  auch der  bereits erwähnte
       Vertraute der  Montanindustrie, Wenzel, teilnahm, kam es zu einer
       scharfen Auseinandersetzung  zwischen beiden.  Dabei stellte sich
       Göring keineswegs  auf Pleigers Seite, sondern vertraute mehr dem
       Urteil eines  anerkannten Experten  der Industrie und akzeptierte
       die von  Wenzel vorgetragenen  Bedenken der Eisen- und Stahlindu-
       striellen. Als  sich dann allerdings weiterhin auf Seiten der In-
       dustriellen nicht viel zur Erschließung der deutschen Eisenerzba-
       sis tat  und Pleiger Göring den amerikanischen Ingenieur Brassert
       sowie sein  Einverständnis präsentieren  konnte, ein  bereits  in
       Corby sich  bewährendes Hüttenwerk  auch in Deutschland zu bauen,
       ließ dieser sich davon überzeugen, daß nun ein Staatsbetrieb ent-
       stehen müsse. Zu diesem Zeitpunkt mußte das von Pleigers direktem
       Vorgesetzten in  der Vierjahresplanbürokratie,  Oberst Lob,  ohne
       dessen Wissen  am 15.  Juni 1937  mit der Eisen schaffenden Indu-
       strie abgeschlossene Abkommen über eine erhebliche Steigerung der
       Verarbeitung deutscher Eisenerze wirkungslos bleiben. 22)
       Für Pleiger war die nun ins Auge gefaßte Gründung eines Staatsbe-
       triebs eine  Notlösung. Auch  Göring strebte  zunächst nicht  an,
       "einen mächtigen Staatsbetrieb als starkes Gegengewicht gegen die
       private Eisen  schaffende Industrie  zu bilden". 23) Auf der Sit-
       zung am  16. Juni 1937 im Haus der Flieger in Berlin kündigte Gö-
       ring vor Industriellen bereits vage an: "Ich bin mir bereits dar-
       über einig,  ein ganz  großes Werk unter meinem persönlichen Ein-
       fluß bauen  zu lassen."  Doch er fügte hinzu: "Es ist mir gleich-
       gültig, ob  das Werk  dem Staat gehören soll oder ob es von Ihnen
       gebaut wird  und dann  Ihnen gehört." 24) Nachdem die Reichswerks
       aber bereits spruchreif waren, versicherte Göring den Industriel-
       len, "daß  es sich  bei der  ausschließlich militärisch bedingten
       Gründung der  Reichswerke um  Schattenbetriebe  handele,  die  im
       Frieden 'wahrscheinlich  nur wenig  oder möglicherweise überhaupt
       nicht produzierten'." 25)
       Ein Beleg für diese Behauptung könnte die Importpolitik des Staa-
       tes auf  dem Eisenerzsektor  sein. Entgegen einiger Befürchtungen
       sollten die  Eisenerzimporte  im  Interesse  der  Montanindustrie
       nicht eingeschränkt  werden. Dies  ging bereits aus Hitlers Denk-
       schrift vom  26. August 1936 hervor. Göring betonte das noch ein-
       mal auf  einer Sitzung  des Arbeitskreises  der Eisen schaffenden
       Industrie am  17. März  1937, auf  der er erklärte, daß der Bezug
       reicher Erze  aus dem  Ausland mit  aller Kraft gesteigert werden
       solle, um größere Reserven zu schaffen. Auf der bereits erwähnten
       Sitzung vom  16. Juni  1937 unterstrich er diese Feststellung und
       nahm dabei  selbst auf höhere Preise für Auslandserze keine Rück-
       sicht. Danach  wurde auch  gehandelt. Ab  Oktober 1937  wurde der
       Einfuhrzoll für Roheisen von 10 RM auf 1 RM je t gesenkt. Die Ei-
       senerzeinfuhr stieg  von Anfang  1937 bis  Ende 1938  um fast ein
       Fünftel an,  obwohl sich  die Weltmarktpreise für Eisenerz in der
       gleichen Zeit  je nach  Sorte zwischen 30 und 50 v.H. erhöht hat-
       ten. 26)
       Diese Steigerung  der Eisenerzimporte kam in einer Zeit zustande,
       als Rohstoffkommissar  H. v. Hanneken im November 1938 nicht mehr
       über Rohstoffmangel,  sondern über  die Knappheit  der  Verarbei-
       tungsmöglichkeiten für  Stahl und über einen starken Arbeitskräf-
       temangel in  der Eisen  verarbeitenden Industrie  klagte. 27) An-
       statt den  Import zu  drosseln, um  Devisen zu sparen, schränkten
       die  Reichswerke  kontinuierlich  ihre  Eisenerzlieferungen  ein.
       "Während sie  noch im August 140 000 to vor allem an die Ruhrhüt-
       ten verschickten,  lieferten sie im Oktober 111 000 to, im Novem-
       ber 70 000 to und im Dezember nur noch 35 000 to Roherze ohne daß
       zu diesem Zeitpunkt in Salzgitter Erze verhüttet werden konnten."
       28)
       Die Förderung und Verarbeitung der deutschen Erze stieg wieder im
       Monat der  Besetzung der  Tschechoslowakei, ebenso  in den ersten
       Monaten nach Kriegsbeginn. Nach der Eroberung des Minettegebietes
       in Frankreich  sank der  Umfang wieder  schlagartig ab. 29) Diese
       Vorgänge bestätigen,  daß die  Reichswerke  vornehmlich  für  den
       Kriegsfall geschaffen  wurden und  daß der  Montanindustrie keine
       unwirtschaftlichen Erze  aufgezwungen wurden,  solange es  andere
       Möglichkeiten gab. Es läßt sich also feststellen, daß die Privat-
       wirtschaft nicht ausgeschaltet werden sollte und ihre Interessen,
       soweit sie der auch von ihr getragenen Gesamtplanung nicht wider-
       sprachen, geachtet wurden.
       
       3. Die Gründung der Reichswerke "Hermann Göring"
       ------------------------------------------------
       und ihre Auswirkung auf die Privatwirtschaft
       --------------------------------------------
       
       Die Gründung  der Firma  Reichswerke Aktiengesellschaft  für Erz-
       bergbau und  Eisenhütten "Hermann  Göring" fand  am 15. Juli 1937
       statt. Göring  wurde oberster Chef des Unternehmens, Pleiger sein
       Vorstand. 30)
       Einen Tag nach der Gründung der Reichswerke wurde Brassen offizi-
       ell mit  der Planung  und Errichtung  der Reichswerke beauftragt.
       Zwar war in dem abgeschlossenen Vertrag von drei Werken die Rede,
       neben dem im Salzgittergebiet von einem in Bayern und einem ande-
       ren in  Baden, auf  der dortigen  Doggererzbasis. Über die beiden
       süddeutschen Werke  fehlten jedoch noch alle Angaben. Das Werk in
       Salzgitter war das wichtigste. 31)
       Nach Abschluß  des Baus aller vier geplanten Ausbaustufen 1945/46
       sollte eine Roherzförderung von mindestens 20 Mio. t jährlich er-
       zielt werden,  mit einem Eisengehalt von 6 Mio. t. Das endgültige
       Ziel des  Ausbaus der  deutschen Eisenerzbasis,  zu der seit 1938
       auch der  Erzberg bei  Linz gezählt wurde, an dem die Reichswerke
       einen großen  Anteil haben  sollten, bestand in einer 50%igen Ei-
       genversorgung bei gleichzeitiger Steigerung der Roheisenerzeugung
       um 33% des damaligen Umfangs. 32)
       Am 23. Juli 1937, an dem Tag, als Göring die Industriellen infor-
       mierte, unterzeichnete er die "Verordnung über den Zusammenschluß
       von Bergbauberechtigten".  Damit vereinigten  die Reichswerke  im
       Salzgittergebiet Grubenfelder, die bisher im Besitz der Vereinig-
       ten Stahlwerke, Hoesch, Krupp, Mannesmann, Gutehoffnungshütte und
       Ilseder Hütte waren, in ihrer Hand, um sich eine Eisenerzbasis zu
       sichern. 33) Das waren nicht alle Felder im Salzgittergebiet. Der
       Süden der  Lagerstätte sollte  den Rheinisch-Westfälischen Werken
       und der  Ilseder Hütte überlassen bleiben. Nur der mit einem grö-
       ßeren Risiko  behaftete Norden sollte von den Reichswerken aufge-
       schlossen werden.  Darüber hinaus  sollten die Gutehoffnungshütte
       noch Doggererzbesitz  in Baden  abtreten, die  Bayerische  Berg-,
       Hütten- und  Salzwerke AG  und die Eisenwerk-Gesellschaft Maximi-
       lianshütte Erzbesitz  in Franken.  Für die  abzutretenden  Felder
       sollte eine  Entschädigung gezahlt  werden, die das bereits inve-
       stierte Kapital zurückerstattete, sich aber nicht auf die Erzsub-
       stanz der  Felder bezog.  Die betroffenen  Industriellen  konnten
       zwischen Geld  oder Aktien  der neuen Gesellschaft wählen. Göring
       äußerte den Wunsch, die Industriellen mögen die Aktien wählen und
       sich an den Reichswerken beteiligen.
       Im April  1938 wurde  das Grundkapital  der Reichswerke von 5 auf
       400 Mio.  aufgestockt, um  die Bauvorhaben  in  der  ersten  Aus-
       baustufe zu  finanzieren. Das  Reich übernahm zusätzlich zu den 5
       Mio. weitere  stimmberechtigte Stammaktien  im Werte von 265 Mio.
       RM. Ein  Bankenkonsortium übernahm  Vorzugsaktien ohne Stimmrecht
       im Wert  von 130  Mio. RM. Durch diese Regelung sicherte sich das
       Reich seinen Einfluß auf die Reichswerke. 34)
       Wenn Dieter  Petzina schreibt, daß die Industrie zunächst zahlte,
       aber noch nicht auf Profit rechnen konnte, so mag das für hochge-
       steckte Erwartungen  in der  ersten Zeit dieses Verlustbetriebes,
       der durch  die Aufstockung  des Aktienkapitals  zum  drittgrößten
       Konzern in  Deutschland wurde,  stimmen. Doch die gebundenen Vor-
       zugsaktien versprachen  eine garantierte  kumulative Mindestdivi-
       dende von  4,5%, so  daß selbst  bei einem Verlustunternehmen ein
       Gewinn gesichert  war. Auch  war nicht  beabsichtigt, den  stimm-
       rechtslosen Zustand  der Vorzugsaktien für immer aufrechtzuerhal-
       ten. "Der deutsche Volkswirt" schrieb am 14. April 1938: "Es wäre
       jedoch falsch,  zu weitgehende Rückschlüsse aus der aktienmäßigen
       Konstruktion der  Kapitalbeschaffung zu  ziehen, da ja in Zukunft
       nichts im Wege steht, wenn man die stimmrechtslosen Vorzugsaktien
       in übliche Stammaktien umzutauschen beabsichtigt." 35)
       Die weitere Entwicklung der Reichswerke war ein widersprüchlicher
       Prozeß. Einmal  gegründet, entwickelte  das Unternehmen seine ei-
       gene Dynamik  und machte  der übrigen  deutschen  Montanindustrie
       ernste Konkurrenz.  Es strebte danach, durch den Erwerb rentabler
       Betriebe selbst  wirtschaftlicher zu  arbeiten. So  erfolgte seit
       Sommer 1938  eine riesenhafte  Ausweitung des  Konzerns, die nach
       Dieter Petzinas  Meinung weder  volks- noch  privatwirtschaftlich
       begründet war, "sondern nur von dem Machtstreben und der Spekula-
       tion einer  kleinen Gruppe  um Göring  sowie von  dessen Ehrgeiz,
       größter Konzernherr  Europas zu sein, begriffen werden kann". 36)
       Diese Meinung  wird auch  von Jürgen  Kuczynski geteilt:  "Göring
       entwickelt einen  'eigenen' Ehrgeiz als Monopolist und erwirbt zu
       den Eisenerzwerken  Werke aller  Art hinzu,  und aus  dem Verlust
       bringenden Staatsbetrieb, der von den privaten Monopolen gemolken
       wird, entsteht  ein schnell durch Raub akkumulierender, Riesenge-
       winne abwerfender Konzern, der sich mit den anderen Konzernen der
       Eisen-und Stahlindustrie  bald um  die Beute  in Österreich,  der
       Tschechoslowakei usw. raufen wird." 37)
       Schließlich sei  hier noch darauf hingewiesen, daß der Aufbau der
       Reichswerke Anstrengungen  erforderte, die  von  der  Privatwirt-
       schaft so nicht hätten erbracht werden können, da zu ihrer Durch-
       setzung die  Kraft der  Staatsmacht benötigt wurde. Dazu gehörten
       unter anderem  Anwerbung, Unterbringung  und Versorgung  von  Ar-
       beitskräften, Umsiedlung  der im Baugebiet ansässigen Bauern, Ge-
       bietstausch zwischen Braunschweig und Preußen, um die Reichswerke
       in einen  Verwaltungsbereich fallen  zu lassen, Stadtgründung und
       vieles mehr. 38)
       
       4. Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen Staat und Eisen-
       -------------------------------------------------------------
       und Stahlindustriellen
       ----------------------
       
       Die Auseinandersetzungen  zwischen dem  faschistischen Staat  und
       den Eisen-  und Stahlindustriellen  über die Gründung der Reichs-
       werke erfaßten verschiedene Bereiche, von denen der wirtschaftli-
       che und  der die  Rüstungskonzeption betreffende  die wichtigsten
       waren. Zunächst  zu den wirtschaftlichen Bedenken der Industriel-
       len.
       Schacht teilte Matthias Riedel in einem Brief mit: "Ich war gegen
       diese Gründung,  weil ich  es nicht  verantworten wollte, eine so
       teure Verarbeitung minderwertiger Erze an die Stelle vernünftiger
       Einfuhr zu  setzen." 39)  Auf  der  Festsitzung  der  Reichswirt-
       schaftskammer vom  22. Januar  1937 faßte  Schacht seine Bedenken
       konkreter: "Wenn  sie unwirtschaftlich  produzieren, so vergeuden
       sie die Substanz, die im deutschen Volke vorhanden ist... Es gibt
       also eine Kostengrenze, eine Wirtschaftlichkeitsgrenze, die unter
       allen Umständen  eingehalten werden  muß. Ich kann und darf nicht
       einfach beliebig  unwirtschaftlich arbeiten,  weil ich  damit die
       Substanz des  deutschen Volkes  aufbrauche; und  so groß  ist die
       Substanz des deutschen Volkes noch nicht wieder geworden, daß wir
       sie beliebig aufbrauchen können." 40)
       Was ist hier mit der "Substanz des deutschen Volkes" gemeint? Das
       ist u.a. die deutsche Rohstoffbasis. Pönsgen meinte z.B., daß die
       Reichswerke für die Beseitigung der Eisenknappheit zu spät kämen,
       diese im  Gegenteil durch die großen für den Bau benötigten Mate-
       rialmengen noch  verschärfen werde. Auch die angespannte Lage auf
       dem Arbeitsmarkt  werde sich durch die Errichtung der Reichswerke
       weiter zuspitzen.  Viele  Industrielle  meinten,  daß  Eisen  und
       Stahl, die  aus deutschen  Erzen produziert  würden, nur minderer
       Qualität, Ausschuß  sein könnten. Eine überaus ernste Gefahr, die
       vor allem  Schacht heraufziehen sah, war die eines starken Preis-
       auftriebs. Zum  einen  mußten  Preissteigerungen  für  Eisen  und
       Stahl, falls  die hohen  Gestehungskosten so  kompensiert  werden
       sollten, zu  Preissteigerungen auf allen anderen Gebieten führen.
       Zum anderen  verwies Schacht  darauf, daß  die  Investierung  von
       Rohmaterial und  Arbeitskraft in  neue Unternehmungen des von Gö-
       ring geplanten  Ausmaßes zu einer weiteren Einschränkung der Roh-
       stoffzuteilung an  solche Betriebe  führen müsse, die für den Ex-
       port und  den Konsum  der Bevölkerung arbeiteten. Die bereits be-
       stehenden Engpässe  auf diesem  Gebiet könnten  nicht durch  eine
       weitere Vergrößerung  der Geld- und Kreditmenge beseitigt werden,
       weil das  zu einer  Geldentwertung und damit zur Inflation führen
       würde.
       Ein weiterer  Punkt, der  die Montanindustriellen im Zusammenhang
       mit der Gründung der Reichswerke beunruhigte, war die Gefahr, die
       von der  Schaffung von  Überkapazitäten ausging.  Sollte der  Rü-
       stungsboom einmal  nachlassen, würden  unweigerlich Absatzschwie-
       rigkeiten auftreten.  Die Stahlindustriellen  machten darauf auf-
       merksam, daß  die Produktionskapazitäten  selbst 1937  nur zu 83%
       ausgelastet waren.  Die Relation  bei den  Eisenerzeugern lag mit
       90% zwar  etwas günstiger, doch waren auch hier noch Reserven von
       1-2 Mio.  t vorhanden.  41) Um wenigstens Ausweitungen auf diesem
       Gebiet über  den Bau der Reichswerke hinaus zu verhindern, gelang
       es der  Privatwirtschaft, zwei  Anordnungen vom 16. September und
       31. Dezember  1937 zur Sicherstellung des planmäßigen Ausbaus der
       Eisenindustrie bei Göring durchzusetzen. Die Anordnungen beinhal-
       teten ein  generelles Errichtungsverbot  von Eisenhütten, das nur
       durch Sondergenehmigung  der Reichsstelle  für  Wirtschaftsausbau
       außer Kraft  gesetzt werden  konnte. Bei dieser Frage ging es der
       Montanindustrie um  die Sicherung  ihres Profits, der nicht durch
       Absatzschwierigkeiten geschmälert werden sollte.
       Kam es  jetzt zur  verstärkten Verhüttung deutscher Erze, so hing
       der Profit  der Privatwirtschaft  zu einem  erheblichen Teil  von
       staatlichen Subventionen  ab, die  die höheren Kosten ausgleichen
       sollten. Die  Montanindustriellen waren  sich dieser Subventionen
       aber durchaus  nicht sicher. Die momentane Machtkonstellation war
       für sie weniger günstig als für die IG Farben. So fürchteten sie,
       daß die  Subventionen eher  an die  IG Farben  als an sie fließen
       könnten. Im  übrigen unterstützte  die IG Farben die Gründung der
       Reichswerke, um die Konkurrenz auf diese Weise zu schwächen.
       Zu all  diesen Bedenken kam ein weiteres Problem. Die Reichswerke
       konnten als großer Konzern als ein Lenkungsinstrument des Staates
       im Eisen- und Stahlbereich eingesetzt werden, auf das der Einfluß
       der Industriellen  noch unklar war. In der Auseinandersetzung der
       Montanindustriellen mit  dem faschistischen  Staat wurden Schacht
       und Pönsgen zu Kristallisationsfiguren des Widerstandes gegen den
       Bau der  Reichswerke "Hermann Göring". Schacht wandte sich an Pö-
       nsgen in  dessen Eigenschaft als Leiter der Wirtschaftsgruppe Ei-
       sen schaffende  Industrie und  bat ihn,  in einer Denkschrift die
       Stellungnahme der  Montanindustrie zu  formulieren. Da  sich  die
       Montanindustriellen der  Verarbeitung deutscher Eisenerze im all-
       gemeinen nicht  verschlossen, lag  das Ziel der Denkschrift darin
       darzustellen, daß ein gemischtes Hüttenwerk unvernünftig sei. Man
       erstrebte folgende  Lösung: Gründung nur eines Hochofenwerkes und
       keines Stahl-  und Walzwerkes,  da die  Kapazitäten an  Rhein und
       Ruhr ausreichen  würden. Gegen  Görings Bergbauverordnung  wollte
       man den freiwilligen Zusammenschluß der Besitzer der Salzgitterer
       Erzgruben unter Führung des Reiches anbieten, um den Zwangszusam-
       menschluß zu  umgehen und  sich noch einen Teil des Einflusses zu
       sichern. Diese  Vorstellungen entsprachen  im großen  und  ganzen
       Pleigers Vorschlag  über die  Gründung der  Erzgesellschaft, doch
       dafür war es jetzt bereits zu spät.
       Die Diskussion  unter den  Montanindustriellen zeigte, daß es bei
       vielen keinen  Willen mehr  zu gemeinsamem  Vorgehen gab. Pönsgen
       mußte auf der entscheidenden Sitzung zur Denkschrift feststellen,
       daß 90%  der Industriellen  die Unterschrift verweigerten. 42) Zu
       den schärfsten  Gegnern der  Reichswerke gehörten  die  Gutehoff-
       nungshütte -  sie wollte "kämpfen bis zum Letzten und schließlich
       auch nicht  vor der Enteignung des Besitzes zurückschrecken". 43)
       Ebenso die Vereinigten Stahlwerke, die zwar bereit waren, sich an
       einer von  den Reichswerken  geführten Bergbaugesellschaft zu be-
       teiligen, nicht  jedoch an  einem Hüttenwerk mit Stahlproduktion,
       da sie  in ihren  eigenen Stahl-  und Walzwerken  eine  jährliche
       Mehrleistungsfähigkeit von 2 Mio. t Rohstahl hatten.
       Auf der anderen Seite, die sich sofort mit Göring geeinigt hatte,
       standen  vor   allem  Röchling,   Flick,  Mannesmann  und  Krupp.
       Röchlings Ansichten  deckten sich  schon sehr  früh mit denen der
       Nazi-Führung bezüglich  des Ausbaus der heimischen Eisenerzbasis.
       Bereits im  Herbst 1935 korrespondierte er mit Göring über Autar-
       kiepläne. Er äußerte seine Überzeugung, daß es in Deutschland ge-
       nügend Erze gebe, um den Bedarf zu decken. Röchlings Interesse an
       deutschen Erzen lag in der Abhängigkeit seiner Betriebe von fran-
       zösischen Minetteerzen begründet, die ihm im Kriegsfall nicht si-
       cher waren.  Sein Ziel war der großzügige Ausbau der süddeutschen
       Doggererzvorkommen, der  Bau einer  Hütte im  Schwarzwald.  Daher
       forderte Röchling neue Werke auf den Lagerstätten und meinte, daß
       Überkapazitäten nicht  entstehen würden.  Wilhelm Zangen von Man-
       nesmann pflichtete ihm hierin bei.
       Flick war  bei der  Ausarbeitung der Denkschrift der Meinung, daß
       sie nicht  so sehr  auf Ablehnung  abgestimmt sein dürfe, sondern
       einen positiven  Vorschlag enthalten  müsse. Für  ihn war  es das
       mindeste, daß  man sich bereit erklärte, das von den Reichswerken
       geplante Hochofenwerk  in Salzgitter  selbst als Gemeinschaftsun-
       ternehmen zu  errichten. Hierin  fand er die Unterstützung Klöck-
       ners und Zangens. Im übrigen hatte sich Flick bereits mit Pleiger
       über die Abtretung der fränkischen Erzfelder der Maximilianshütte
       geeinigt.
       Der Mannesmannkonzern  wollte die  vorliegende Denkschrift  nicht
       unterzeichnen, da  nicht alle  Werke betroffen  seien und er auch
       nicht für eine allgemeine Ablehnung der starken Verhüttung eisen-
       armer Erze  war. Hinzu kam, daß der Konzern an einer finanziellen
       Beteiligung an  den Reichswerken interessiert war, um Einfluß auf
       die Betriebspolitik zu erlangen und, wie Dieter Petzina meint, um
       zu verhindern, daß sie ihm auf dem Fertigproduktsektor Konkurrenz
       machen könnten.  Zangen machte  deutlich,  daß  er  nichts  gegen
       Staatsbetriebe habe.  "Das Reich  sei im Bergbau, an Werften, Ma-
       schinenfabriken und Rüstungsbetrieben beteiligt, und niemand habe
       daran Anstoß  genommen, daß  es solche  Staatsbetriebe gebe.  Den
       Reichswerken seien  Aufgaben gestellt,  die  die  Privatindustrie
       nicht in  die Hände  nehmen oder  die man ihr nicht zumuten könne
       ..., In der Vergangenheit haben wir private Hüttenwerke gegründet
       und ausgebaut,  und sie  haben sich nicht durch einen Außenseiter
       bestimmen lassen, eine Denkschrift vorzulegen, daß genügend Kapa-
       zität da  sei oder daß sie mit geringeren Mitteln die gleiche Ka-
       pazität schaffen  könnten. Sie haben letzten Endes sich wegen der
       Quoten verständigen müssen." 44)
       Krupps Haltung  zu den  Reichswerken zeigte  sich darin, daß sein
       Unternehmen diesen bei der Errichtung der Anlagen half, nicht nur
       durch die  Belieferung mit  Materialien  und  Produktionsmitteln,
       sondern auch durch Abordnung seiner Spezialisten für die Entwick-
       lung der teilweise komplizierten Projekte. 45)
       Auch die  Ilseder Hütte einigte sich sehr schnell mit Pleiger und
       wollte daher  mit der Denkschrift nichts zu tun haben. Die Direk-
       tion der  Hütte wandte  sich selbst an die Reichswerke und machte
       ihnen das  schriftliche Angebot,  die geforderten Felder abzutre-
       ten. Der  Bitte, gewisse  Teile dieser  Felder  zurückzuerhalten,
       entsprach Pleiger  nicht, aber  er gab der Hütte die Zusicherung,
       "daß es  nicht nur  darum gehe, die Erzgrundlage der Reichswerke,
       sondern auch  die der  Ilseder Hütte  zu sichern".  Er stellte in
       Aussicht, der  Hütte entweder im Austausch von kalkigen Erzen ge-
       gen saure oder auch ohne einen solchen saure Erze zu liefern. 46)
       In einer  Besprechung zwischen Pleiger und Vertretern der Ilseder
       Hütte vom  11. August  1937 versicherte er ihnen, daß, sollte die
       jetzige Basis  der Ilseder  Hütte zu  schmal sein, sie einen Teil
       der abzutretenden  Felder zurückerhalte.  Göring habe  dazu seine
       Zustimmung gegeben.  47) Als  Entschädigung für die abzutretenden
       Felder wählte die Ilseder Hütte Aktien der Reichswerke.
       Bedenken gegen  die Denkschrift äußerten auch Hasch und Neuenkir-
       chen. Pönsgen  und die  Gutehoffnungshütte standen  allein da, so
       daß es  nicht zur Verabschiedung der Denkschrift kam. Am Tag, als
       die Denkschrift  verabschiedet werden  sollte, bekamen zahlreiche
       Industrielle, jedoch  niemand von  der Gutehoffnungshütte und den
       Vereinigten Stahlwerken,  ein  Telegramm  Görings  mit  folgendem
       Wortlaut: "Ich bitte Sie dringend, sich an der Düsseldorfer Denk-
       schrift des  Stahlvereins nicht zu beteiligen. Die Machenschaften
       des letzteren gegen die Reichswerke nehmen mehr und mehr die Form
       von Sabotage  an. Heil Hitler! Göring." 48) Es ist schwer festzu-
       stellen, inwieweit  dieses Telegramm  die Entscheidung  der Indu-
       striellen beeinflußte.  Man sollte  den Einfluß  unserer  Meinung
       nach nicht  überschätzen, da  die Industriellen,  die  die  Denk-
       schrift nicht unterzeichnen wollten, sich zum großen Teil von ih-
       ren eigenen  Interessen leiten  ließen und auch ohne Görings Ein-
       greifen der Denkschrift gegenüber skeptisch eingestellt waren.
       Pönsgen und  die Gutehoffnungshütte, die bis zuletzt an der Denk-
       schrift festhielten,  wurden keineswegs  wie Saboteure  behandelt
       oder in  irgendeiner Weise  benachteiligt. Pönsgen und die Verei-
       nigten Stahlwerke  einigten sich bereits am 27, August 1937, drei
       Tage nach  der Sitzung über die Denkschrift, mit Pleiger über die
       Abtretung ihrer  Erzfelder und der dazugehörigen Betriebsanlagen.
       Sie waren  bemüht, den  Anschluß an die anderen Montanunternehmen
       nicht zu  verlieren. Gut einen Monat später, im Oktober 1937, ei-
       nigte Pleiger  sich mit  der Gutehoffnungshütte.  Sie hatten sich
       zunächst über  die Abtretung der Salzgitterer Felder verständigt,
       während die  Frage der  süddeutschen Erze offen blieb. Der Wider-
       stand der  Gutehoffnungshütte rührte  vor allem  daher,  daß  sie
       meinte, zu  schlecht weggekommen  zu sein. So unterstrich Keller-
       mann, ein  Vertreter der  Hütte, "daß Röchling erst durch die von
       seiner Gesellschaft  geleistete Pionierarbeit  auf  das  badische
       Doggererzgebiet aufmerksam  geworden sei,  und bezeichnete es als
       unbegreiflich', daß  man der  Völklinger Firma  im Verein mit den
       übrigen Saarhütten  den Felderbesitz in Baden belassen, der Gute-
       hoffnungshütte aber  nehmen wolle."  49) Am 21. Oktober 1937 fand
       ein Treffen  zwischen Göring  und  führenden  Montanindustriellen
       statt, auf  dem es  zum "Friedensschluß"  kam. In der gemeinsamen
       schriftlichen Übereinkunft  stimmten  beide  Seiten  versöhnliche
       Töne an.  Mit dem  Nichtzustandekommen der  Denkschrift war  auch
       Schachts Schicksal  besiegelt.  Nachdem  seine  bisherige  Haupt-
       stütze, die  Mehrheit der Eisen- und Stahlindustrie, in der Frage
       der Reichswerke nicht mehr hinter ihm stand, trat er zurück.
       Bei der  Auseinandersetzung zwischen  Schacht und der Montanindu-
       strie auf  der einen  und Göring auf der anderen Seite ging es um
       mehr als  nur wirtschaftliche Fragen. Es ging auch um das Problem
       des Rüstungstempos.  Das forcierte  Aufrüstungstempo führte  seit
       1936 zu  Devisen-, Rohstoff-  und Arbeitskräftemangel.  In dieser
       Situation wollte  Schacht das Rüstungstempo bremsen. Hierin wurde
       er unter  anderem von Pönsgen unterstützt, der am 5. Oktober 1936
       in einem  Gespräch mit Keppler die Notwendigkeit der Rüstungsein-
       schränkung betonte.  50) Auch sein Kollege an der Spitze der Ver-
       einigten Stahlwerke, Vogler, meinte: "Stillstand der Rüstung darf
       nicht eintreten",  aber ihr  ruinöses Tempo müsse gedrosselt wer-
       den. 51)  Nach Schachts Ansicht sollte der Export gesteigert wer-
       den, um möglichst viele Devisen zu bekommen und damit die notwen-
       digen Rohstoffe  zu kaufen.  Das würde aber voraussetzen, daß die
       Industrie nicht  mehr in so starkem Maße wie bisher von öffentli-
       chen Bauten,  Aufrüstung und  Vierjahresplan  beansprucht  werden
       dürfe. Für  den Export  gerade auf dem Eisen- und Stahlsektor war
       die Zeit  in der  zweiten Hälfte der 30er Jahre sehr günstig. Das
       wollten Schacht  und die  Montanindustriellen nutzen, um deutsche
       Weltmarktpositionen auszubauen.  Dagegen wollte  Göring das Tempo
       der Rüstung unter keinen Umständen einschränken. Dies war für ihn
       eine politische,  keine wirtschaftliche Frage. Sie hing damit zu-
       sammen, daß das Rüstungstempo sehr eng mit der Rüstungskonzeption
       verbunden war.
       Dietrich Eichholtz  bringt die  hier zwischen  Schacht und Göring
       bestehenden Unterschiede  auf  folgende  zugespitzte,  modellhaft
       konstruierte, Formel: "Schacht/Thyssen: Die gesteckten Ziele sind
       nur zu  erreichen, wenn wir uns der Unterstützung der USA, wenig-
       stens der  wirtschaftlichen, versichern. Ohne diese Unterstützung
       reicht unser Potential nicht aus, um einen Krieg gen Osten, gegen
       die Sowjetunion,  und später  auch gegen Westen zu führen. Dieser
       Krieg kann  auf keinen  Fall geführt  werden, bevor wir uns nicht
       bei optimalem  Tempo der Rüstung d. h. möglichst unter Vermeidung
       inflationärer oder  sonstiger krisenhafter  Erscheinungen, bis an
       die Zähne  bewaffnet, alle notwendigen Vorräte anlegen und Reser-
       ven bereitgestellt  haben. Göring/IG  Farben: Unsere Ziele werden
       uns unvermeidlich  in Gegensatz  zu allen  am Status Quo interes-
       sierten Großmächte  bringen. (...)  Unser  Potential  reicht  für
       einen längeren  großen Krieg  nicht aus. Der einzige Ausweg liegt
       in einer maximal forcierten Rüstung für eine Reihe von Blitzkrie-
       gen, mit  denen man nicht mehr lange warten kann, und wirtschaft-
       lich in  einer -  wenigstens zeitweilig  aufrechtzuerhaltenden  -
       Autarkie als Mittel gegen Blockade." 52)
       Es standen  sich hier  also das Konzept Schachts einer längerfri-
       stigen Rüstung  konventionellen Stils und Tempos, der sogenannten
       Tiefenrüstung, und  das Konzept  Görings einer  enorm forcierten,
       auf Blitzkriege  gerichteten Rüstung,  der sogenannten Breitenrü-
       stung, gegenüber.
       Generalmajor Thomas,  Chef des Wehrwirtschaftsstabes des OKW, er-
       läuterte beide  Begriffe folgendermaßen:  "Unter Breite einer Rü-
       stung verstehe  ich Zahl und Stärke der Friedenswehrmacht und die
       Vorbereitungen, die zu ihrer Vergrößerung im Kriegsfall getroffen
       werden. Die  Tiefe der  Rüstung umfaßt  dagegen alle Maßnahmen in
       Sonderheit materieller  und wirtschaftlicher  Natur, die der Ver-
       sorgung im  Kriege, also  der Stärkung  der Durchhaltemöglichkeit
       dienen." 53)
       Der Vierjahresplan  und seine  Projekte stellten  einen Kompromiß
       zwischen beiden Konzeptionen dar. Für eine längerfristige Tiefen-
       rüstung fehlten  Deutschland die  wirtschaftlichen Möglichkeiten,
       da im Rüstungswettlauf die Zeit gegen Deutschland arbeitete. Also
       mußte man  sich mit der Breitenrüstung begnügen. Doch um sich we-
       nigstens etwas abzusichern und eine gewisse Blockadefestigkeit zu
       erlangen, wurden  Teillösungen gefunden,  wie z.B. der Ausbau der
       deutschen Eisenerzbasis,  der Bau  der Reichswerke. Nach Dietrich
       Eichholtz' Ansicht  gewann  hierdurch  die  Blitzkriegskonzeption
       Hitlers und des Generalstabs eine durchaus tragfähige wirtschaft-
       liche Grundlage. 54)
       Für die  an der  Rüstungsproduktion verdienende Wirtschaft hatten
       diese  militärischen  Überlegungen  auch  einen  wirtschaftlichen
       Aspekt, auf  den Lotte Zumpe hinweist: "Eine kurzfristige Kriegs-
       vorbereitung aber  öffnet die  Staatskasse weiter und großzügiger
       als eine  längerfristige. Das wurde 1936 mit Hitlers Entscheidung
       erreicht. Damit  ist noch  nicht gesagt,  daß alle, die für diese
       Erschließung neuer  Profitquellen waren,  auch kurzfristig  einen
       Krieg wollten.  Auf keinen  Fall wollten  sie Abstriche am Profit
       dulden." Doch  es wäre  "sehr eng gedacht, wollte man den Bestre-
       bungen des  deutschen Finanzkapitals  in dieser Zeit nur kurzfri-
       stige Profitinteressen  unterstellen. Das  Vierjahresplanprogramm
       war nicht  nur ein Produktions-, es war auch ein Entwicklungspro-
       gramm." 55)
       Wie bereits in den vorherigen Kapiteln angedeutet, verbargen sich
       hinter der  Gründung der Reichswerke auch längerfristige Interes-
       sen, die  auf eine Verbesserung der Lage der deutschen Eisen- und
       Stahlindustrie auf  dem Weltmarkt  gerichtet waren.  Außerdem muß
       hier auf  die großen  Profite hingewiesen  werden, die  sich  die
       Großindustrie von  der Durchsetzung der Kriegsziele des deutschen
       Imperialismus erhoffte.
       
       5. Worüber geben diese Auseinandersetzungen Aufschluß?
       ------------------------------------------------------
       
       Die deutsche  Wirtschaft vor  dem Zweiten Weltkrieg war durch die
       forcierten, systematischen  Aufrüstungsbemühungen des  faschisti-
       schen Staates in mancher Beziehung bereits eine Kriegswirtschaft.
       Im Ersten  Weltkrieg entstandene  Regulierungsmechanismen  fanden
       schon vor  Ausbruch des  Zweiten Weltkrieges Anwendung. In Zeiten
       direkter Kriegsvorbereitung und während eines Krieges kam es auch
       schon früher, zum Beispiel im Ersten Weltkrieg, zu Eingriffen des
       Staates in  die Wirtschaft und zu unternehmerischer Tätigkeit des
       Staates besonders  in für  die Wirtschaft  unrentablen Bereichen,
       die dennoch große Bedeutung für den Krieg hatten. Die im Vierjah-
       resplan fixierten  Autarkiebestrebungen, die  unter anderem durch
       solche Projekte  wie den  Bau der Reichswerke verwirklicht werden
       sollten, fallen  in den  Bereich der von den Nazis als kriegsnot-
       wendig erachteten, aber keinen oder nur wenig Profit versprechen-
       den Aufgaben. Sie waren Mittel zum Zweck.
       Auch wenn  es bei der Verwirklichung der Autarkiepläne in einigen
       Punkten mit Teilen der Großindustrie zu Auseinandersetzungen kam,
       z.B. über die Gründung der Reichswerke, so zeigt das, daß es zwi-
       schen Staat  und Industrie zwar Reibungen gab, daß im allgemeinen
       betrachtet ihre  Interessen aber  durchaus übereinstimmten und es
       von daher  zu einer engen Kooperation kam. Zum einen hatten Staat
       und Industrie ein Interesse an der Aufrüstung. Der Industrie ver-
       sprach sie  kurzfristig sehr  hohe Profite,  die alle  Teile  des
       Großkapitals erzielten,  auch diejenigen, die in Einzelfragen dem
       Staat widersprachen.  56) Zum  anderen bestand das gemeinsame In-
       teresse auch  an der  militärischen Expansion, die den Einflußbe-
       reich des  deutschen Monopolkapitals ausdehnen sollte. Erich Neu-
       mann, ständiger  geschäftsführender Staatssekretär Görings in der
       Vierjahresplanorganisation, formulierte  das Expansionsziel  sehr
       deutlich und  brachte darin  die Vorstellungen der Wirtschaft zum
       Ausdruck: "So  kam es denn darauf an, Deutschland militärisch und
       wirtschaftlich in  einen Zustand  zu bringen,  in dem es mit Aus-
       sicht auf  größten Erfolg  in die  politische  Auseinandersetzung
       über die  Großraumlösung eintreten  konnte. Diese mußte zweierlei
       Ergebnisse bringen,  nämlich erstens  die  Wiederherstellung  der
       durch den  Vertrag von Versailles zerstörten eigenen Wirtschafts-
       grundlagen des  deutschen Volkes  und sodann  eine Ausdehnung des
       deutschen Einflußbereichs,  die es  gestattet, die  eigenen Wirt-
       schaftskräfte im  notwendig bleibenden  Umfange von  außen her zu
       ergänzen, also  auch durch  Ausgestaltung des Wechselverkehrs mit
       benachbarten Gebieten Leben und Gedeih des deutschen Volkes voll-
       ends auf  die Dauer  sicherzustellen." 57) Ohne Krieg waren diese
       Ziele nicht zu realisieren.
       Widersprach die Gründung der Reichswerke auch kurzfristig den In-
       teressen der  Eisen- und Stahlindustrie, so war sie doch langfri-
       stig für  die Durchsetzung ihrer Ziele wichtig. Dies drückte auch
       Paul Rheinländer  aus: "Über  allen Schwierigkeiten und Auseinan-
       dersetzungen steht  aber heute die gemeinsame Erkenntnis, daß die
       Ausweitung der deutschen Erzbasis und die Verlagerung eines Teils
       der Roheisenerzeugung  auf die Erzbasis Aufgaben von übergeordne-
       ter Bedeutung sind, die letzten Endes der ganzen deutschen Eisen-
       und Stahl Wirtschaft zugute kommen." 58) Auch Göring äußerte sich
       am 17.  Dezember 1936  auf einer  Sitzung vor Industriellen: "Den
       Einwand, daß  man bei  der Verhüttung  heimischer Erze zwei statt
       eines Hochofens  benötigt, laß  ich nicht gelten. Es geht hier um
       die Rentabilität  des ganzen  deutschen Lebens  und nicht  um die
       Rentabilität einer einzelnen Unternehmung." 59)
       Nicht nur  die mangelnde  Rentabilität veranlaßte  den Staat, die
       Reichswerke zu bauen. Das Projekt selbst überstieg die Kräfte der
       Großindustrie, da  es bei  seiner Errichtung zahlreiche Eingriffe
       des Staates  notwendig machte.  "Der deutsche Volkswirt" beschäf-
       tigte sich auf seinen Seiten sehr ausführlich mit diesem Problem.
       Er verwies  auf die  gewaltige Schlagkraft, die nötig ist, um die
       armen deutschen  Erze abzubauen,  und schrieb: "Diese Schlagkraft
       hat letzten Endes nur der Staat selbst, die Volksgemeinschaft als
       Ganzes. Sie  allein ist sicher, nicht über privatwirtschaftlichen
       Rentabilitätserwägungen, bürokratischen  Hemmungen,  gesetzlichen
       Zwirnsfäden, Eisenknappheit  beim Aufbau,  Koksschwierigkeiten in
       der Versorgung,  Arbeitermangel in  der Produktion  zu  stolpern.
       Diese Gewißheit  hat der  einzelne private  Unternehmer, hat auch
       eine Addition  solcher Unternehmer niemals. Der Leiter der großen
       Unternehmung ist  nun einmal  auch unter dem Nationalsozialismus,
       der das  private Eigentum  anerkennt und schützt, den Eigentümern
       gegenüber verpflichtet,  unternehmerische Wagnisse in einem ange-
       messenen Rahmen  zu halten.  Der Staat  kann, was er will, anord-
       nen." 60)
       Wie Dieter  Petzina betont, bedeuten die Eingriffe des faschisti-
       schen Staates in die Wirtschaft und auch die Gründung der Reichs-
       werke also  keinen grundsätzlichen  Wandel in der Einstellung ge-
       genüber dem Unternehmertum. Sie beschränkten sich eben auf Berei-
       che, in  denen das wirtschaftliche Risiko für ein Privatunterneh-
       men zu  groß war. "Insgesamt", so schreibt er, "hat die Subventi-
       onspraxis -  und das  ist eines der wichtigsten Ergebnisse dieser
       Vierjahresplan-Politik - gerade die privaten Unternehmen in einem
       bislang unbekannten Ausmaß auf Kosten der Bevölkerung gefördert."
       61) Er  kommt zu dem Schluß, daß die Nazi-Führung prinzipiell das
       Privateigentum respektierte.
       Die staatlichen  Unternehmen, also auch die Reichswerke, waren in
       der Form privater Betriebe organisiert und waren voll in das pri-
       vatkapitalistische System  integriert. Im übrigen verweist Dieter
       Petzina darauf,  daß die  monopolistische Großindustrie  zu ihrem
       reibungslosen Funktionieren  der engen  Kooperation mit dem Staat
       und des stetigen staatlichen Eingriffs bedurfte. 62)
       Daß es dabei zu Auseinandersetzungen kam, die auch z.T. gegen die
       Meinung der  Industrie gelöst  wurden, liegt in der Natur der Sa-
       che, auf  die Charles  Bettelheim verweist:  "Hier muß  auf  eine
       klare Unterscheidung  zwischen der  Wahrung der  Interessen einer
       sozialen Klasse  und der individuellen Freiheit einzelner Vertre-
       ter dieser  Klasse geachtet  werden. Es  ist tatsächlich möglich,
       daß ein  zahlenmäßig bedeutender Teil dieser Individuen sich über
       seine Interessen  nicht klar  ist und  sich gegen eine politische
       Führung wendet,  die letztlich zu seinen Gunsten handelt und ent-
       scheidet." Weiter  geht er darauf ein, "daß eine Klasse sogar vom
       Standpunkt ihrer  Interessen  her  niemals  völlig  homogen  sein
       kann." 63)  Die verschiedenen Standpunkte der einzelnen Montanin-
       dustriellen zur  Gründung der Reichswerke belegen das. Ein weite-
       rer Aspekt der Auseinandersetzungen zwischen Teilen der Montanin-
       dustriellen und  dem Staat  liegt in der Konkurrenz innerhalb der
       Großindustrie, vor  allem der  Eisen- und Stahl- sowie der chemi-
       schen Industrie,  begründet. Zwar waren diese Gruppierungen keine
       monolithischen Blöcke, doch wurden sie in Grundfragen durch glei-
       che Interessen  zusammengehalten. Jede dieser Gruppierungen hatte
       ihre Stützen  in der Staats- und NSDAP-Bürokratie. Für die Eisen-
       und Stahlindustrie  war es  vor allem  Schacht, für die IG Farben
       Göring. Schachts  Machtverlust und  Görings Machtzuwachs  wirkten
       sich auf die Position der Eisen- und Stahlindustrie aus. Sie ver-
       lor gegenüber  der IG  Farben an Einfluß. Das bedeutet allerdings
       nicht, daß sie im weiteren nichts mehr zu sagen hatte. Zug um Zug
       konnte sie verlorengegangenen Einfluß zurückgewinnen. Wirtschaft-
       lich geschah das über die Aneignung fremder Betriebe in den okku-
       pierten Territorien  Europas, politisch  über die  Mitarbeit  von
       Vertretern der  Montanindustrie im  Staatsapparat, so  in Gremien
       von Todts  Munitions-, später  in Speers  Ministerium. Der  erste
       Schritt, der  auf politischem  Gebiet den  Einfluß der Eisen- und
       Stahlindustrie wiederherstellte, war am 15. November 1938 die Be-
       rufung des Generaldirektors von Mannesmann, Wilhelm Zangen, eines
       Mitglieds des  "Kleinen Kreises"  der  Ruhr-Montan-Konzerne,  zum
       Leiter der Reichsgruppe Industrie, anstelle des Textilindustriel-
       len Gottfried Dierig. Nach Ansicht von Dietrich Eichholtz machten
       die Montankonzerne  spätestens im  Frühjahr 1941 mit der auf ihre
       Initiative hin  entstandenen  Reichsvereinigung  Kohle  endgültig
       ihre Positionsverluste  wett. 64) Übrigens wurde Paul Pleiger auf
       ihren Vorschlag  hin Leiter  der Vereinigung,  was zeigt, daß sie
       Pleiger in  ihre Mitte  aufrücken ließen,  unter anderem auch, um
       die Konkurrenz der Reichswerke besser im Auge behalten zu können.
       Die Reichswerke waren also keine Außenseiter mehr.
       Am Ende soll noch ein Beispiel dafür angeführt werden, wie absurd
       die von  einigen bürgerlichen  Historikern vertretene  These ist,
       der faschistische  Staat habe das große private Kapital schwächen
       wollen: die  umfangreichen Reprivatisierungen  von Großbanken und
       Betrieben, die  in der  Weltwirtschaftskrise vom Staat übernommen
       worden waren.  "Zwischen 1935 und 1937 übertrug das Reich den ge-
       samten Aktienbetrag von RM 50 000 000 der Deutschen Bank und Dis-
       conto-Gesellschaft wieder auf die ursprünglichen Besitzer und tat
       dasselbe 1936/37  mit den  Aktien der Commerz- und Privatbank. Im
       Jahre 1937  verkaufte das Reich die Dresdner Bank für schätzungs-
       weise RM  200 000 000. Im März 1936 verkaufte es seine Mehrheits-
       rechte bei  der Deschmag  an Bremer  Kaufleute und  im  September
       8 200 000 Aktien  der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-
       gesellschaft. Anfang 1936 verkaufte das Reich die Mehrheitsrechte
       bei den  Vereinigten Stahlwerken,  die es  unter Brüning erworben
       hatte." 65)  Auch das  "arisierte" jüdische  Eigentum wurde nicht
       vom Staat übernommen, sondern ging an die Privatwirtschaft über.
       Diese Tatsachen  belegen, daß  der nazistische Staat seine eigene
       unternehmerische Tätigkeit  nicht über  das Maß des als notwendig
       Erachteten ausdehnen  wollte. Im  einzelnen weist Charles Bettel-
       heim z.B. nach, daß die staatlichen Unternehmen in äußerst gerin-
       gem Maße  an der eigentlichen, profitbringenden Produktion betei-
       ligt waren, in der Industrie und Rohstoffgewinnung, stark dagegen
       in Bereichen wie Transport, Wasser, Gas, Elektrizität. 66)
       All das unterstreicht, daß man in der Zeit des Faschismus keines-
       wegs von einer Unterdrückung der Großindustrie sprechen kann, wie
       das die  eingangs zitierten bürgerlichen Historiker tun. Vielmehr
       wurde der faschistische Staat auch wirtschaftlich im Gesamtinter-
       esse des  Monopolkapitals tätig. Die Auseinandersetzungen, die es
       im Zusammenhang mit der Gründung der Reichswerke gab, zeigen Rei-
       bungspunkte im System des staatsmonopolistischen Kapitalismus, in
       dem Monopole  und Staat  über partielle  Widersprüche hinweg ihre
       Potenzen vereinigen, um das System als Ganzes aufrechtzuerhalten.
       
       _____
       1) Denkschrift Hitlers  über die  "Aufgaben eines  Vierjahrespla-
       nes"; in:  Wilhelm Treue,  Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan
       1936; in:  Vierteljahreshefte für  Zeitgeschichte, Nr. 3/1955, S.
       210.
       2) Matthias Riedel,  Vorgeschichte, Entstehung  und Demontage der
       Reichswerke im Salzgittergebiet, Düsseldorf 1967, S. 45.
       3) Wilhelm Treue,  Die Geschichte  der Ilseder Hütte, Feine 1960,
       S. 588.
       4) D. Schoenbaum,  Die braune  Revolution. Eine  Sozialgeschichte
       des Dritten Reiches, Köln/Berlin 1968, S. 194.
       5) Louis P.  Lochner, Die  Mächtigen und der Tyrann. Die deutsche
       Industrie von Hitler bis Adenauer, Darmstadt 1955, S. 205.
       6) Statistisches Jahrbuch  von Deutschland  1928-1944, S. 281 und
       288; nach:  Dieter Petzina,  Autarkiepolitik  im  Dritten  Reich,
       Stuttgart 1968, S. 86 f.
       7) Rohstoffbedarf der Wehrmacht in den Jahren 1935 und 1936. Dok.
       1301-PS. IMT, Bd. XXVII, S. 125; nach: Matthias Riedel, Eisen und
       Kohle für  das Dritte  Reich; Paul  Pleigers Stellung  in der NS-
       Wirtschaft, Göttingen/Frankfurt/Zürich 1973, S. 87.
       8) Überwachungsstelle für Eisen und Stahl: Die Lage der deutschen
       Eisen- und  Stahlindustrie, Folge  3, September 1935 (Akten Plei-
       ger); Ruelberg in der Sitzung des Gutachter-Ausschusses über Roh-
       stoff-Fragen am  26.5.1936. Vgl.  Niederschrift in:  Tradition 14
       (1969), S. 321; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 83.
       9) Göring auf  einer Sitzung  des Arbeitskreises der Eisen schaf-
       fenden Industrie  am 17.3.1937. Dok. NI-090, S. 25; nach: Riedel,
       Eisen und Kohle, a.a.O., S. 125.
       10) Niederschrift des  Ministerrates am  12. 5.  1936.  IMT,  Bd.
       XXVII, S. 138 f.; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 184.
       11) Thomas in  einem Bericht  aus dem Jahre 1936 über die Schwie-
       rigkeiten auf  dem Rohstoffgebiet  (Bundesarchiv-Militärarchiv  W
       IF5/203, S. 175); nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 187.
       12) Paul Pleiger,  Die Hermann-Göring-Werke;  in: Der Vierjahres-
       plan 1939, S. 51; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 186.
       13) Göring in  seiner Rede  über die Durchführung des Vierjahres-
       plans am  17. 12.  1936 im Preußenhaus in Berlin, Dok. NI-051, S.
       7; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 109.
       14) Thomas auf  der Mitgliederversammlung  der  Wirtschaftsgruppe
       Eisen  schaffende   Industrie  am  9.  6.  1936  (Bundesarchiv  R
       131/132); nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 87.
       15) Dr. Paul Rheinländer, Die deutsche Eisen- und Stahlwirtschaft
       im Vierjahresplan, Berlin 1939, S. 12.
       16) Ebenda, S. 12.
       17) Vgl. ebenda, S. 33 ff.
       18) Ebenda, S. 19.
       19) Dokumentenbuch III  für den  Angeklagten Paul  Pleiger,  Dok.
       P.P. 39; nach: Riedel, Vorgeschichte ..., a.a.O., S. 14.
       20) Dokumentenbuch III  für den  Angeklagten Paul  Pleiger,  Dok.
       P.P. 33; nach: Riedel, Vorgeschichte ..., a.a.O., S. 9.
       21) Vgl. zum  Schlattmann-Plan: Jörg-Johannes  Jäger,  Die  wirt-
       schaftliche Abhängigkeit  des Dritten Reiches vom Ausland, darge-
       stellt am Beispiel der Stahlindustrie, Berlin Verlag 1969, S. 60.
       22) Vgl. Riedel,  Eisen und Kohle, a.a.O., S. 145f. zu Einzelhei-
       ten des Lob-Plans.
       23) Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 151.
       24) Niederschrift über  die am  16. Juni 1937 im Haus der Flieger
       zu Berlin  abgehaltene Verhandlung.  Dok. NI-084,  S. 22f.; nach:
       Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 151.
       25) Jörg-Johannes Jäger, a.a.O., S. 67.
       26) Vgl. Monatliche  Nachweise ...  Jg. 1937,  1938,  Pos.  237e;
       Stat. Jahrbuch DR, Jg. 1939/1940, S. 331; nach: Jörg-Johannes Jä-
       ger, a.a.O., S. 67f.
       27) Vgl. Niederschrift  über die  am 4.  11. 1938  im Stahlhof zu
       Düsseldorf abgehaltene  Besprechung über  Eisen- und Stahlfragen,
       Dok. NI-096, S. 11; nach: Jörg-Johannes Jäger aaO S. 68.
       28) Vgl. Vier  Jahre Hermann-Göring-Werke  Salzgitter, Hrsg.  RHG
       1941, Manuskript S. 57, BA: R7 X/449a; nach: Jörg-Johannes Jäger,
       a.a.O., S. 69.
       29) Vgl. Jörg-Johannes Jäger, a.a.O., S. 69f.
       30) Vgl. Gerd  Wysocki, Zwangsarbeit  im Stahlkonzern, Salzgitter
       und die  Reichswerke  "Hermann  Göring"  1937-1945,  Braunschweig
       1982, S. 16 f.
       31) Vgl. zur  genauen Planung  und  Entwicklung  der  Reichswerke
       ebenda, S. 18 ff.
       32) Vgl. Paul Rheinländer, a.a.O., S. 17f.
       33) Wysocki, Zwangsarbeit, a.a.O., S. 18.
       34) Vgl. Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 232.
       35) Nach: Jürgen  Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter
       unter dem Kapitalismus, Bd. 16, Berlin 1963, S. 140.
       36) Dieter Petzina, a.a.O., S. 106.
       37) Jürgen Kuczynski, a.a.O., S. 141.
       38) Dazu Näheres  bei Riedel, Vorgeschichte ..., a.a.O.; Wysocki,
       Zwangsarbeit..., a.a.O.
       39) Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 184.
       40) In: Deutsche  Wirtschafts-Zeitung vom  4. 2. 1935, S. 152 f.;
       nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 112.
       41) Dieter Pentzina, a.a.O., S. 102.
       42) Vgl. Ernst  Poensgen, Die  Gründung der Hermann-Göring-Werke;
       in: Der  Wirtschaftsspiegel 2 (1947), S. 339; nach: Riedel, Eisen
       und Kohle, a.a.O., S. 213.
       43) Aktenvermerk Kellermann  über Besprechung mit Steinbrinck vom
       4.8.1937 (Gutehoffnungshütte  400 101 303/4); nach: Riedel, Eisen
       und Kohle, a.a.O., S. 193.
       44) Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 211.
       45) Vgl. Ingeborg  Esenwein-Rothe,  Die  Wirtschaftsverbände  von
       1933 bis 1945, Berlin 1965, S. 85.
       46) Gemeinsamer Aktenvermerk  Pleiger und  Rohne über Besprechung
       am 28.7.1937  (Ilseder Hütte);  nach: Riedel,  Eisen  und  Kohle,
       a.a.O., S. 198.
       47) Aktenvermerk Rohne, Fromme, Wölz, Ilseder Hütte, über Bespre-
       chung mit Pleiger am 11.8.1937 (Ilseder Hütte); nach: Riedel, Ei-
       sen und  Kohle, a.a.O., S. 199; dazu auch: Wilhelm Treue, Die Ge-
       schichte .. ., a.a.O., S. 609 ff.
       48) T.R. Emessen,  Aus Görings  Schreibtisch, Ein Dokumentenfund.
       Berlin 1947,  Dok. Nr.  33, S. 82; nach: Riedel, Eisen und Kohle,
       a.a.O., S. 214.
       49) Vgl. Kellermann an Keppler vom 9. 9. 1937 (Gutehoffnungshütte
       400 101 303/4); nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 223.
       50) Notiz  Kepplers  auf  seinem  Tageszettel  vom  5.  10.  1936
       (Bundesarchiv R  261/30); nach:  Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O.,
       S. 112.
       51) Niederschrift der  Sitzung des Gutachter-Ausschusses über Ex-
       portfragen am  15.5.1936 (Bundesarchiv  R 261/36,  S. 12);  nach:
       Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 112.
       52) Dietrich Eichholtz, Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft
       1939/1945, Bd. l 1939/1941, Berlin 1969, S. 50.
       53) Dok. E  C-028, IMT,  Bd. 36,  S. 119, 125, Vortrag von Thomas
       vor Herren des Auswärtigen Amtes, 24.5.1939; nach: Dietrich Eich-
       holtz, a.a.O., S. 18.
       54) Ebenda, S. 25.
       55) Lotte Zumpe, Wirtschaft & Staat in Deutschland 1933 bis 1945,
       Berlin 1980, S. 225.
       56) Vgl.: Ulrike  Hörster-Phillips,  Großkapital  und  Faschismus
       1918-1945, Dokumente, Köln 1981 ², S. 212.
       57) Dok. NID-13844,  Fall XI,  ABD 120 D, DZA Potsdam, Nürnberger
       Prozesse, Fall  XI, Nr.  413, Bl.  251, Vortrag  Neumanns vor der
       Verwaltungsakademie Berlin,  29. 4.  1941; nach:  Dietrich  Eich-
       holtz, a.a.O., S. 37.
       58) Paul Rheinländer, a.a.O., S. 33.
       59) Dok. NI-051,  S. 6; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S.
       111.
       60) Der deutsche  Volkswirt, 30.7.1937;  nach: Jürgen  Kuczynski,
       a.a.O., S. 139.
       61) Dieter Petzina, a.a.O., S. 174.
       62) Ebenda, S. 196 f.
       63) Charles Bettelheim,  Die deutsche Wirtschaft unter dem Natio-
       nalsozialismus, München 1974, S. 151.
       64) Vgl. Dietrich Eichholtz, a.a.O., S. 132-143.
       65) D. Schoenbaum, a.a.O., S. 190.
       66) Vgl. Charles Bettelheim, a.a.O., S. 153 ff.
       

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