Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985


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       EINE UNIVERSELLE REVOLUTION MIT UNIVERSELLEM TERRAIN
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       Systemauseinandersetzung und internationale Kräfteverhältnisse
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       40 Jahre nach der Zerschlagung des Faschismus
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       Kurt Steinhaus
       
       1. Ein  Prüfstein für  die Kraft  des Sozialismus - 2. Die Haupt-
       kraft des revolutionären Weltprozesses - 3. Entwicklungstendenzen
       im internationalen  Kräfteverhältnis - 4. Richtung und Widersprü-
       che des Geschichtsprozesses der Gegenwart
       
       In den  "Grundsätzen des  Kommunismus" stellte  Friedrich  Engels
       1847 die  These auf,  daß die sozialistische Revolution zuerst in
       dem am  meisten entwickelten  Teil der kapitalistischen Welt sie-
       gen, sich dort entsprechend den jeweiligen nationalen Bedingungen
       zwar "rascher  oder langsamer  entwickeln", im  wesentlichen aber
       doch eine  "gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein" werde.
       Tatsächlich siegte der Sozialismus zunächst nur in einem einzigen
       Land -  und in  einem  sozialökonomisch  vergleichsweise  zurück-
       gebliebenen dazu.
       Eine weitere  Voraussage, die  Engels  in  der  gleichen  Schrift
       machte, ist demgegenüber durch die Geschichte voll bestätigt wor-
       den: Auch  wenn die  sozialistische Revolution zunächst auf einen
       Teil des  Erdballs begrenzt bleibt, so wird sie doch "auf die üb-
       rigen Länder  der Welt ebenfalls eine bedeutende Rückwirkung aus-
       üben und  ihre bisherige Entwicklungsweise gänzlich verändern und
       sehr beschleunigen.  Sie ist eine universelle Revolution und wird
       daher auch ein universelles Terrain haben". 1)
       Eben diese  Universalität der sozialistischen Revolution bestimmt
       den Charakter  der gegenwärtigen  Epoche als der Epoche des Über-
       gangs der Völker zum Sozialismus im Weltmaßstab. Diese Epoche be-
       gann im November 1917. Mit der russischen Oktoberrevolution (nach
       dem alten  russischen Kalender)  endete die  imperialistische Al-
       leinherrschaft über  die Erde, erhielt die Klassenauseinanderset-
       zung zwischen  Kapital und Arbeit die zusätzliche Dimension einer
       Systemauseinandersetzung und damit eine grundlegend neue Dynamik.
       Bereits während  des I.  Weltkriegs war  Lenin zu  der Schlußfol-
       gerung gelangt,  daß der Sozialismus "nicht gleichzeitig in allen
       Ländern siegen"  kann. "Er wird zunächst in einem oder in einigen
       Ländern siegen,  andere werden  für eine  gewisse Zeit bürgerlich
       oder vorbürgerlich  bleiben. Das muß nicht nur Reibungen, sondern
       auch direktes  Streben der  Bourgeoisie anderer  Länder erzeugen,
       das  siegreiche   Proletariat  des   sozialistischen  Staates  zu
       zerschmettern."  2)  Das  hat  sich  in  der  Folgezeit  mehrfach
       bewahrheitet.
       Die Weltbourgeoisie  erkannte den  epochemachenden Charakter  des
       Roten Oktober  von Anfang  an mit großer Klarsichtigkeit. Sie be-
       griff sofort  die Gefahr,  daß "die  russische Revolution ... ein
       Vorspiel der  kommenden europäischen  Revolution" 3) sein könnte,
       daß mit  ihr "vor  der ganzen Welt das Banner des Kampfes für den
       völligen Sturz des Imperialismus entrollt" worden war. 4) Deshalb
       unternahm sie  gewaltige Anstrengungen, um den realen Sozialismus
       und seine  mobilisierende Beispielwirkung  bereits "in der Wiege"
       zu ersticken  (Churchill). Das  ist ihr  nicht gelungen. Immerhin
       waren ihre  Kräfte nach  1917 noch stark genug, um den Erfolg der
       Revolution in Deutschland und anderen Ländern zu verhindern.
       Aber Lenin  sah schon damals weiter: "Groß sind die militärischen
       Siege, die  von der  Sowjetrepublik der  Arbeiter und Bauern über
       die Gutsbesitzer  und Kapitalisten,  über Judenitsch,  Koltschak,
       Denikin, die  weißgardistischen Polen  und ihre  Helfershelfer  -
       Frankreich, England,  Amerika und  Japan - erfochten worden sind.
       Aber noch viel größer ist unser Sieg in den Köpfen und Herzen der
       Arbeiter, der  Werktätigen, der vom Kapital unterdrückten Massen,
       der Sieg  der kommunistischen Ideen und der kommunistischen Orga-
       nisationen in der ganzen Welt." 5)
       Gerade darin  kommt die  historisch einzigartige Avantgarde-Rolle
       zum Ausdruck,  die Sowjetrußland  1917 übernahm.  Fast drei Jahr-
       zehnte lang  hielt es dem Ansturm des Imperialismus allein stand,
       trug entscheidend  zur Schaffung einer weltweiten kommunistischen
       und antikolonialen Bewegung bei, leistete den entscheidenden Bei-
       trag zur Zerschlagung des Faschismus, wurde zum Kristallisations-
       kern und Schutzschild eines sozialistischen Weltsystems.
       Mit der  Herausbildung der sozialistischen Staatengemeinschaft in
       der zweiten  Hälfte der  40er Jahre erreichte die weltweite Klas-
       sen- und  Systemauseinandersetzung ein  neues Stadium. Die allge-
       meine Krise  des Kapitalismus,  die mit  dem Ersten Weltkrieg und
       der Oktoberrevolution  begonnen hatte, trat in ihre zweite Etappe
       ein.
       
       1. Ein Prüfstein für die Kraft des Sozialismus
       ----------------------------------------------
       
       Bereits im  Kampf gegen  Konterrevolution  und  Intervention  er-
       brachte die  Sowjetordnung "den praktischen Beweis dafür, daß die
       geeinten Kräfte  der vom kapitalistischen Joch befreiten Arbeiter
       und Bauern  wahre Wunder  vollbringen." "Der  Krieg ist ein Prüf-
       stein für  alle ökonomischen  und organisatorischen  Kräfte jeder
       Nation. Schließlich  kann man"  - so  Lenin im  November  1919  -
       "aufgrund der  zweijährigen Erfahrung  doch sagen, daß wir siegen
       und daß  wir siegen werden, weil wir ein Hinterland, und zwar ein
       festes Hinterland  haben, weil die Bauern und Arbeiter trotz Hun-
       ger und  Kälte einig  und stark  sind, weil  sie  jeden  schweren
       Schlag mit einem weiteren Zusammenschluß der Kräfte, einer weite-
       ren Festigung der ökonomischen Macht beantworten." 6) Diese Worte
       enthüllten auch  das "Geheimnis"  der sowjetischen Siege vor Mos-
       kau, Leningrad  und Stalingrad, die mehr als zwei Jahrzehnte spä-
       ter die ganze Welt in Erstaunen setzen sollten.
       Die Versuche  der sowjetischen Diplomatie, der faschistischen Ge-
       fahr durch  die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems in
       Europa zu  begegnen, scheiterten  an der  Haltung der Westmächte,
       die auf einen deutsch-sowjetischen Krieg spekulierten. Frankreich
       und Großbritannien ließen sich sogar 1939/40 noch dazu hinreißen,
       militärische Operationen  nicht gegen  Deutschland, mit  dem  sie
       sich im  Kriegszustand befanden,  sondern gegen die UdSSR zu pla-
       nen. Für  ihre Kurzsichtigkeit  mußten sie  teuer bezahlen.  Aber
       Hitler nutzte  die im  Ergebnis seiner "Blitzsiege" eingetretenen
       Verschiebungen des  Kräfteverhältnisses in  Europa keineswegs für
       eine Landung auf den britischen Inseln oder für eine Offensive im
       Mittelmeerraum. Er  wandte sich nach Osten, um die Sowjetunion zu
       vernichten, die  er schon in "Mein Kampf als eigentliches und bei
       weitem wichtigstes  Objekt seiner  Aggressionspolitik  bezeichnet
       hatte. 7)
       Den    Hitlerfaschisten     erschienen    die    Voraussetzungen,
       "Sowjetrußland in  einem schnellen Feldzug niederzuwerfen" 8), so
       günstig wie  nie zuvor.  1941 beherrschten  sie den  europäischen
       Kontinent vom  Atlantik bis zum Bug. Die Wehrmacht, die nur sechs
       Wochen benötigt  hatte, um die französische Armee zu schlagen und
       die britische  vom Kontinent  zu vertreiben,  verfügte über  eine
       enorme Kampfkraft.  Abgesehen von  zweitklassigen Besatzungs- und
       Küstenschutztruppen sowie  drei Divisionen,  die in Nordafrika im
       Kampf standen,  waren faktisch die gesamten deutschen Landstreit-
       kräfte (dazu  noch ca.  50 Divisionen und Brigaden der Satelliten
       des faschistischen  Deutschland) für das Unternehmen "Barbarossa"
       verfügbar. Die  Lage der Sowjetunion wurde dadurch weiter kompli-
       ziert, daß  sie gezwungen war, starke Truppen zur Sicherung ihrer
       Grenzen gegen Japan und die Türkei abzuzweigen - allein im Fernen
       Osten standen  während des  Krieges stets 40-50 sowjetische Divi-
       sionen.
       Auch in  ökonomischer Hinsicht  war das  Kräfteverhältnis für den
       Angreifer günstig. 1937 hatte die sowjetische Industrieproduktion
       dem Gesamtumfang  nach die  deutsche schon  zu fast neun Zehnteln
       erreicht. 9)  1938 war  den Nazis  dann die Industrie Österreichs
       und der  Tschechoslowakei in  die Hände gefallen. Zwischen Herbst
       1939 und  Frühjahr 1941  wurden Polen, Dänemark, Norwegen, Frank-
       reich, die Benelux-Staaten, Jugoslawien und Griechenland besetzt.
       Weitere Länder  (Italien, Ungarn,  Rumänien, Bulgarien,  Finnland
       und mit  Einschränkungen  auch  Spanien)  waren  mit  Deutschland
       verbündet oder  belieferten (wie  die Schweiz und Schweden) seine
       Kriegsmaschinerie. Sicherlich konnte das Wirtschaftspotential des
       faschistischen Machtbereichs bei weitem nicht vollständig für den
       Krieg ausgenutzt  werden.  Gleichwohl  übertraf  die  schwerindu-
       strielle Basis  des Hitlerfaschismus  1941 die  der UdSSR  um das
       Zwei- bis  Zweieinhalbfache. Dieser  Vorsprung  vergrößerte  sich
       noch wesentlich,  als die  Wehrmacht in  den ersten Kriegsmonaten
       ein Gebiet  eroberte, in  dem vorher  u.a. 63% der Steinkohle und
       58% des Stahls der UdSSR produziert worden war. 10)
       Warum ging  die Rechnung  der Aggressoren  dennoch nicht auf? Vor
       allem hatten  sie die  politische Potenz  der sozialistischen Ge-
       sellschaftsordnung gewaltig unterschätzt. Die hohe Kampfmoral der
       Soldaten, der Arbeitsenthusiasmus der Werktätigen, der auch durch
       den schlimmsten  Terror nicht  zu brechende  Widerstandsgeist der
       Bevölkerung in  den zeitweilig  okkupierten Gebieten, die Festig-
       keit des  Hinterlandes - das waren die Hauptfaktoren der sowjeti-
       schen Stand-  und Sieghaftigkeit. Mit dem gleichen Elan wie 1917-
       22 wurde die Leninsche Losung "Alles für die Front, alles für den
       Sieg" auch  1941-45 in  die Tat  umgesetzt.  Politisch-moralische
       Überlegenheit verwandelte sich letztendlich auch in materielle.
       Tabelle 1  läßt das  Ausmaß des ökonomischen Übergewichts des Ag-
       gressors erkennen.  Sie zeigt  aber auch, daß die sozialistischen
       Fabriken trotzdem wesentlich mehr Waffen produzierten als die fa-
       schistischen. Um  einmal die Größenordnung zu verdeutlichen: Fak-
       tisch wurden  in der  Sowjetunion aus  der gleichen  Menge  Stahl
       sechsmal so  viele Panzer  hergestellt wie in Hitlerdeutschland -
       und bessere  dazu! Hier zeigt sich geradezu exemplarisch der hohe
       Grad der Leistungskraft und der Belastbarkeit der sozialistischen
       Ordnung.
       
       Tabelle 1:
       Industrie- und  Rüstungsproduktion der  Sowjetunion  und  Hitler-
       deutschlands 11)
       
                           Jahresdurchschnittliche Produktion 1941-1945
                              Sowjetunion   Deutschland   Zahlen-
                                                          Verhältnis
       Stahl *)                  11,3          33,4        0,34 : 1
       Kohle *)                 113,7         537,7        0,21 : 1
       Panzer und Selbstfahr-
       lafetten **)              23,8          12,4        1,92 : 1
       Flugzeuge **)             27,0          19,7        1,37 : 1
       _____
       *) in Mio t
       **) in 1.000 Stück
       
       Es waren in erster Linie diese sowjetischen Waffen, die die mili-
       tärische Macht des Nazi-Faschismus brachen. Der ganze Verlauf des
       Krieges seit  1941 ist  eine einzige Bestätigung der ausschlagge-
       benden Rolle  der Sowjetarmee  beim Sieg über den Faschismus. Ta-
       belle 2 mag diesen Tatbestand anhand der Verteilung der deutschen
       Streitkräfte und  ihrer Verluste  auf die  verschiedenen  Fronten
       auch quantitativ demonstrieren.
       
       Tabelle 2:
       Deutsche Streitkräfte  und Verluste  an den  Fronten des 2. Welt-
       krieges (in %) 12)
       
       Deutsche Landstreitkräfte im Einsatz  Deutsch-sowjet. Übrige
                                             Front           Fronten
       
       - Juni 1941                                70            1
       - Januar 1942                              70            1
       - Januar 1943                              71            2
       - Januar 1944                              63            6
       - Juli 1944                                52           29
       - Januar 1945                              61           35
       Deutsche Kriegsverluste
       - Truppen                                  80           20
       - Material                                 75           25
       
       Während an  der Ostfront vom ersten bis zum letzten Kriegstag er-
       bitterte Kämpfe  stattfanden, standen  die Westmächte  lange Zeit
       "Gewehr bei Fuß". Die USA und Großbritannien wollten ihre eigenen
       Verluste möglichst  gering halten. Es kam ihnen sehr gelegen, daß
       ihre sowjetischen  Verbündeten die  deutsche Offensivkraft im we-
       sentlichen allein  brechen mußten. Ihnen ging es vor allem darum,
       aus dem  Krieg möglichst  ungeschwächt hervorzugehen,  um so  den
       entscheidenden Einfluß  auf das  Nachkriegsgeschehen  ausüben  zu
       können. Deshalb  verzögerten sie  die Eröffnung der für 1942 fest
       zugesagten zweiten  Front bis  1944. Sie  setzten das  Gros ihrer
       Landstreitkräfte erst  dann auf  dem europäischen  Kontinent ein,
       als sie  erkannten, daß die UdSSR andernfalls den Krieg aus eige-
       ner Kraft beenden würde.
       Man mag  heute geteilter  Meinung darüber sein, ob Großbritannien
       im Sommer  1941, also noch vor dem Kriegseintritt der USA, zu ei-
       ner erfolgreichen Großlandung an der französischen Küste imstande
       gewesen wäre. Aber beispielsweise in Nordnorwegen hätte eine bri-
       tische Landungsoperation zu diesem Zeitpunkt ohne weiteres durch-
       geführt werden  und der  Sowjetunion wenigstens  etwas Entlastung
       bringen können.  Spätestens ab Sommer 1942, als rund drei Viertel
       des deutschen Heeres an der Ostfront gebunden und angloamerikani-
       sche Millionen-Armeen  frei verfügbar waren, wäre die Invasion in
       Westeuropa zweifellos möglich gewesen. Aus Tabelle 2 ist ersicht-
       lich, daß die Kämpfe in Nordafrika und Italien die Verteilung von
       Hitlers Divisionen  nur wenig  beeinflußten. Bis in das Jahr 1944
       hinein band  die - maßgeblich von Kommunisten getragene - antifa-
       schistische Widerstands- und Partisanenbewegung stärkere deutsche
       Kräfte als die Armeen der westlichen Alliierten.
       Bei ihren  Materiallieferungen achteten die Westmächte sorgfältig
       darauf, daß  die Sowjetunion  dadurch nicht  in die Lage versetzt
       würde, den  Aggressor schnell  vernichtend zu  schlagen. 13)  Sie
       gingen sogar  so weit, bei ihren Bombenangriffen ganz bewußt sol-
       che Ziele auszusparen, deren Zerstörung die Operationen der Wehr-
       macht an  der Ostfront  ernsthaft behindert hätte. Beispielsweise
       vermieden es  die alliierten  Luftflotten bis  zum Mai 1944 pein-
       lichst, die  eigentliche Achillesferse der faschistischen Kriegs-
       rüstung - die Anlagen zur synthetischen Treibstofferzeugung - an-
       zugreifen. In  einer Denkschrift des deutschen Luftwaffengeneral-
       stabs wurde  die "ungeklärte und undurchsichtige Frage, warum der
       Anglo-Amerikaner diese  Anlagen noch  nicht zerschlagen  hat", zu
       Recht mit  der Vermutung  beantwortet, "daß er es vielleicht des-
       halb nicht  tut, um  Deutschland nicht außerstande zu setzen, den
       Krieg gegen Rußland weiterzuführen, da ein Abringen der deutschen
       und russischen  Kräfte gegeneinander  in seinem Interesse liegt".
       14)
       Objektiv lag dieses Verhalten gar nicht so weit von der Linie des
       damaligen Vizepräsidenten  und späteren Präsidenten der USA, Tru-
       man, entfernt, der unmittelbar nach dem 22.6.1941 seiner Hoffnung
       Ausdruck gegeben hatte, daß sich die Russen und Deutschen "soviel
       als möglich  gegenseitig töten".  15) Auch  unter den Bedingungen
       der Antihitlerkoalition trat die klassenmäßig bedingte antisowje-
       tische Grundhaltung des US-amerikanischen und britischen Imperia-
       lismus immer wieder zutage. 16)
       Das konstante Bemühen der bürgerlichen Propaganda, die ausschlag-
       gebende Bedeutung  der sowjetischen  Kriegsanstrengungen zu leug-
       nen, steht im Gegensatz zu eigenen Einschätzungen aus der Kriegs-
       zeit. Im Februar 1942 etwa stellte der damalige Chef der Operati-
       onsabteilung des  Generalstabs des  Heeres und  spätere Präsident
       der USA, Eisenhower, fest, daß ein "Zusammenbruch der Roten Armee
       ... Großbritannien und den Vereinigten Staaten wenig Aussicht auf
       einen Sieg in Nordwesteuropa lassen" würde. 17)
       Nicht nur  das: Wenn die Sowjetunion in den entscheidenden Jahren
       1941 und  1942 nicht  standgehalten  hätte,  dann  hätte  niemand
       standgehalten. Dann  hätte das  reaktionärste  und  gefährlichste
       Terrorsystem, das der Imperialismus je hervorgebracht hat, zumin-
       dest ganz  Europa unterjocht.  Die sozialistische Sowjetunion hat
       durch ihren entscheidenden Beitrag zur Zerschlagung des Hitlerfa-
       schismus die  menschliche Zivilisation vor der Barbarei gerettet.
       Sie hat  dadurch einen Einfluß auf die ganze Richtung der Weltge-
       schichte genommen,  der größer  und bedeutungsvoller  war als der
       irgendeines anderen Landes.
       Angesichts ihres  vergleichsweise  zurückhaltenden  militärischen
       Engagements kamen  die Westalliierten  im 2. Weltkrieg mit Verlu-
       sten davon, die nur einen Bruchteil der sowjetischen betrugen. In
       materieller Hinsicht  profitierten die  Vereinigten Staaten sogar
       vom Krieg.  Tabelle 3  mag einen  Eindruck der  unterschiedlichen
       Kriegsfolgen für  die beiden  Hauptmächte der Antihitlerkoalition
       vermitteln.
       
       Tabelle 3:
       Kriegsfolgen für die UdSSR und die USA 18)
       
                                             UdSSR     USA
       Kriegstote                          > 20 Mio   405 000
       Kriegszerstörungen in Mrd. Rubel      679         0
       Bevölkerung 1945 in % von 1940         85 *)    106
       Reales Nationaleinkommen
       1945 in % von 1940                     83       174 *)
       _____
       *) Schätzung
       
       20 Millionen  Kriegstote - diese Zahl entspricht in etwa der heu-
       tigen Bevölkerung  Bayerns und  Baden-Württembergs. Und  wer sich
       unter Kriegsschäden  von 679  Mrd. Rubel  nichts vorstellen kann:
       Das bedeutete  die Zerstörung  von mehr  als 1700  Städten, 70000
       Dörfern, 32 000 Industriebetrieben und 127000 Bildungseinrichtun-
       gen. 19)
       Die herrschenden Kreise Washingtons waren sich über die kräftepo-
       litische Bedeutung der unterschiedlichen Auswirkungen des Krieges
       im klaren. Sie waren aber seinerzeit realistisch genug, ihre Mög-
       lichkeiten nicht zu überschätzen. Bereits 1944 gelangte der Gene-
       ralstab in Einschätzungen für das Außenministerium zu dem Schluß:
       "Wir können  unter den  gegenwärtig bestehenden Bedingungen nicht
       Rußland schlagen."  "Als militärische  Großmächte  ersten  Ranges
       kommen nach  der Niederlage  Japans nur  die USA und die UdSSR in
       Frage.... die  relative Stärke  und die geographische Lage dieser
       beiden Mächte  geben keiner die Möglichkeit, der anderen, und sei
       es im  Bunde mit  dem British  Empire, eine Niederlage beizubrin-
       gen." 20)
       Jeder mag  selbst seine Schlüsse daraus ziehen, daß sich die USA-
       Regierung 1944 mit den Aussichten eines sowjetisch-amerikanischen
       Krieges beschäftigte.  Jedenfalls war  die zitierte  Einschätzung
       zutreffend. Die UdSSR ging aus dem Kampf gegen den Faschismus als
       eine Weltmacht  hervor, die  die Gestaltung der Nachkriegsordnung
       sowohl in  Europa als  auch in Asien wesentlich mitbestimmte. Und
       die Veränderungen  der Zeit  nach 1945  haben ihren  eigentlichen
       Ausgangspunkt allesamt  in jener Verschiebung der internationalen
       Kräfteverhältnisse, die die Sowjetunion mit ihrem ausschlaggeben-
       den Beitrag zum Sieg über Hitler einleitete.
       
       2. Die Hauptkraft des revolutionären Weltprozesses
       --------------------------------------------------
       
       Die Sowjetarmee  befreite einen  großen Teil  Europas von der fa-
       schistischen Herrschaft. Sie verhinderte, daß die Westmächte dort
       die gesellschaftlichen  Verhältnisse der Vorkriegszeit wiederher-
       stellten. Der  "weiße Terror"  eines Horthy, der 1919 die ungari-
       sche Räterepublik  zerschlagen hatte,  blieb den Völkern Ost- und
       Südosteuropas nach 1945 erspart. Nur in Griechenland, wo der bri-
       tische Premierminister  Churchill bereits zu Weihnachten 1944 den
       bewaffneten Kampf  gegen die  antifaschistischen Kräfte  in  Gang
       setzte, kam die Reaktion zum Zuge.
       Im einzelnen  waren Ausgangsbedingungen  und Verlauf  der gesell-
       schaftlichen Umwälzungen  in Polen,  der Tschechoslowakei,  Rumä-
       nien, Bulgarien, Ungarn, Jugoslawien, Albanien und in der damali-
       gen sowjetischen  Besatzungszone Deutschlands  sehr  unterschied-
       lich. Der komplizierte Weg zur volksdemokratischen und später zur
       sozialistischen Ordnung  mußte von  den Völkern und ihren revolu-
       tionären Kräften  selbst gegangen  werden. Aber  dieser  Weg  war
       durch die  Macht der Sowjetunion doch gegen jede Intervention von
       außen zuverlässig  abgeschirmt. Insofern  haben die  Rotarmisten,
       die Hitler  schlugen, nicht nur die Sowjetmacht gerettet, sondern
       auch den Weg für den Sieg der volksdemokratischen und sozialisti-
       schen Revolutionen jenseits der sowjetischen Grenzen gebahnt.
       Die Sowjetunion  schuf wesentliche  Voraussetzungen für tiefgrei-
       fende gesellschaftliche Veränderungen auch außerhalb Europas. Be-
       reits seit  den 20er  und 30er  Jahren hatte sie dem mongolischen
       Volk beim  Kampf gegen  seine inneren  und äußeren Feinde wie bei
       der Schaffung  der materiellen Grundlagen für eine nichtkapitali-
       stische Entwicklung  geholfen. Gewaltige  Bedeutung hatte die so-
       wjetische Unterstützung  für China: in den 20er Jahren beim Kampf
       der antifeudalen und antiimperialistischen Kräfte gegen die Reak-
       tion, in  den 30er  Jahren bei der Verteidigung gegen die japani-
       schen Aggressoren,  1945 bei der endgültigen Zerschlagung des mi-
       litaristischen Japan,  danach beim  Sieg der  Revolution und beim
       sozialistischen Aufbau. Die Sowjetunion schützte den Prozeß revo-
       lutionärer Umgestaltungen  im nördlichen  Teil  der  koreanischen
       Halbinsel. Sie half dem vietnamesischen Volk wie den anderen Völ-
       kern Indochinas  in den  50er, 60er  und 70er Jahren entscheidend
       beim Kampf gegen die französische und vor allem die US-amerikani-
       sche Aggression.  Ohne sie  hätte die  kubanische Revolution kaum
       überleben können,  hätten -  um nur  einige Beispiele zu nennen -
       die Völker  Äthiopiens, Angolas  und Afghanistans  heute kaum die
       Möglichkeit, sich auf einen sozialistischen Weg zu orientieren.
       So abstrakt  und unhistorisch  die Frage  "Was wäre gewesen, wenn
       ...?" an  sich auch  sein mag  - in  diesem Zusammenhang lohnt es
       sich, sie zu stellen. Wie würde die politische Weltkarte ohne die
       inzwischen fast  sieben Jahrzehnte existierende Sowjetmacht heute
       aussehen? Die  Antwort auf  diese Frage  ist eindeutig. Oft genug
       haben sowjetische  Waffen den  Ausschlag gegeben, wenn es den Ex-
       port der  Konterrevolution zu  verhindern galt.  Und wo  immer es
       bisher darum  ging, materielle Voraussetzungen für eine Beschleu-
       nigung des  gesellschaftlichen Fortschritts  zu schaffen, hat die
       Wirtschaftskraft  des  ersten  sozialistischen  Staates  der  Ge-
       schichte bei  der Inangriffnahme  dieser Aufgabe eine unverzicht-
       bare Rolle gespielt.
       Die Herausbildung  und das Erstarken der sozialistischen Staaten-
       gemeinschaft ist  der ausschlaggebende Faktor dafür, daß sich das
       internationale Kräfteverhältnis  nach dem  2. Weltkrieg zunehmend
       zuungunsten des  Imperialismus verändert  hat. Dadurch haben sich
       für alle  Völker die Bedingungen des Kampfes sowohl um die Erhal-
       tung des Friedens als auch um nationale und soziale Befreiung we-
       sentlich verbessert.  Die sozialistische  Staatengemeinschaft mit
       der UdSSR  an der  Spitze ist  zur Hauptkraft  des revolutionären
       Weltprozesses, zum Hauptfaktor der Sicherung des Weltfriedens ge-
       worden. Nicht,  weil die  Kommunisten  das  in  ihren  Dokumenten
       "behaupten", sondern aufgrund seiner tatsächlichen Einwirkung auf
       das Weltgeschehen  stellt der reale Sozialismus die größte histo-
       rische Errungenschaft  aller fortschrittlichen  Kräfte der Gegen-
       wart dar. Das gilt völlig unabhängig davon, ob diesen das jeweils
       bewußt ist oder nicht.
       Nach dem  2. Weltkrieg  sind von  Seiten imperialistischer Kräfte
       mehrere Dutzend  "lokale Kriege"  und konterrevolutionäre Putsche
       entfacht worden, die Millionen Menschen das Leben gekostet haben.
       21) Aber  die meisten Kolonial- und Aggressionskriege endeten mit
       Siegen der Volkskräfte. Noch wichtiger ist, daß so mancher lokale
       Krieg und  vor allem  ein weltweiter  Atomkrieg verhindert werden
       konnte. All  das ist  untrennbar mit der wachsenden Macht des So-
       zialismus verbunden.
       Die militärische  Führung der  USA hat sich seit 1945 ständig mit
       Plänen für  die Entfachung eines Atomkrieges befaßt. Zu den Grün-
       den, die  Washington veranlaßt haben, von der Verwirklichung der-
       artiger Pläne Abstand zu nehmen, stellt ein Memorandum des Natio-
       nalen Sicherheitsrates  der USA  von 1950  z.B. lapidar fest, daß
       man mit  den verfügbaren  militärischen Kräften  "den Kreml nicht
       zur Kapitulation zwingen oder bewegen" könne. Und ein US-amerika-
       nischer Wissenschaftler,  der die  Kriegspläne jener Zeit und die
       dazu angestellten Berechnungen der militärischen Führungsstäbe im
       Detail einsehen konnte, faßt deren Inhalt so zusammen: "Abgesehen
       von allem  anderen, hätten  die Vereinigten Staaten einen solchen
       Krieg 1949/50 nicht gewinnen können." 22)
       Bereits damals  war es die militärische Stärke der UdSSR, die das
       Pentagon vor  dem Äußersten  zurückschrecken ließ.  Vor allem die
       Brechung des  USA-Atomwaffenmonopols im  Jahre 1949  warf die ur-
       sprünglichen strategischen  Kalkulationen über  den Haufen.  "Mit
       einem Schlag",  so heißt  es dazu in einer militärpolitischen Pu-
       blikation aus  den USA, "war die gesamte militärische und politi-
       sche Situation  verändert... Die Möglichkeit der totalen Vernich-
       tung des Gegners, an die als Hauptinstrument der Militärmacht wir
       uns immer mehr gewöhnt hatten, verlor jetzt die von uns ausgegan-
       gene Einseitigkeit.  Das ganze  Gleichgewicht der Weltpolitik war
       einschneidenden und  schrecklichen Veränderungen  unterworfen ...
       Das war  eine Krise - eine intellektuelle, moralische und techni-
       sche Krise,  welche gewöhnliche Krisen in den internationalen Be-
       ziehungen bei weitem übertrifft." 23)
       Seit Mitte der 50er Jahre mußten die Vereinigten Staaten dann da-
       von ausgehen,  daß jeder  Angriff auf  die Sowjetunion einen ver-
       nichtenden Gegenschlag auf das eigene Territorium zur Folge haben
       würde. Diese  ernüchternde Erkenntnis  hat  realistisch  denkende
       bürgerliche Politiker  in der Folgezeit dazu veranlaßt, die Prin-
       zipien der  friedlichen Koexistenz  von Staaten unterschiedlicher
       Gesellschaftsordnung de facto anzuerkennen.
       Erstmalig wurde die Herausbildung einer solchen neuen weltpoliti-
       schen Kräftekonstellation  1956 auf  dem XX.  Parteitag der KPdSU
       festgestellt: "Bisher  war es so, daß die am Krieg nicht Interes-
       sierten und  gegen den  Krieg auftretenden Kräfte schwach organi-
       siert waren  und keine  Mittel hatten, um ihren Willen den Plänen
       der Kriegsbrandstifter  entgegenzustellen  ...  Heute  existieren
       mächtige gesellschaftliche und politische Kräfte, die über bedeu-
       tende Mittel  verfügen, um  die Entfesselung  eines Krieges durch
       die Imperialisten nicht zuzulassen." 24)
       Die in  der Tat bedeutenden Mittel, über die insbesondere die so-
       zialistische Staatengemeinschaft verfügt, begannen bereits zu je-
       ner Zeit  auch zu einem Faktor zu werden, der die Möglichkeit des
       Imperialismus, in Asien, Afrika und Lateinamerika seine Ziele mit
       militärischen Mitteln  durchzusetzen, zunehmend einschränkte. Be-
       reits damals  begann der Zwang wirksam zu werden, den Ländern der
       "Dritten Welt" in politischer und ökonomischer Hinsicht zumindest
       gewisse Konzessionen zu machen.
       Das offenbarte  sich erstmals  schlaglichtartig  Mitte  der  50er
       Jahre, als  ein Land  wie Ägypten  es nicht mehr nötig hatte, die
       drückenden Bedingungen  der USA  für den Bau des Assuan-Staudamms
       anzunehmen. Die  Sowjetunion erklärte sich bereit, dieses lebens-
       wichtige  Bauwerk   zu  errichten.  Und  als  Großbritannien  und
       Frankreich die Verstaatlichung des Suez-Kanals und darüber hinaus
       den gesamten  Prozeß der  ägyptischen Revolution mit Gewalt rück-
       gängig zu  machen versuchten,  erwies sich ihre Überlegenheit ge-
       genüber dem  militärisch schwachen Ägypten letztendlich als nutz-
       los. Die  entschlossene Haltung der UdSSR ließ das Suez-Abenteuer
       von 1956  innerhalb weniger  Tage wie ein Kartenhaus zusammenbre-
       chen.
       Der Prozeß des Zerfalls des imperialistischen Kolonialsystems wie
       auch das  weitere Erstarken der Kräfte der nationalen Unabhängig-
       keit und  des gesellschaftlichen  Fortschritts in  den ehemaligen
       Kolonien und  Halbkolonien sind  in mehrfacher Hinsicht durch den
       realen Sozialismus  wesentlich beeinflußt  worden. Die  britische
       und die  französische Bourgeoisie haben "ihre" Kolonien nicht aus
       freien Stücken  aufgegeben. Sie  taten das,  weil sie schließlich
       begriffen, daß  die Kolonialherrschaft gegen den Willen einer von
       der sozialistischen  Staatengemeinschaft unterstützten nationalen
       Befreiungsbewegung nicht aufrechtzuerhalten war.
       Der Handlungsspielraum  der Kolonialmächte  war in  den 50er  und
       60er Jahren auch dadurch eingeengt, daß sie sich entscheiden muß-
       ten, wo  sie ihre - begrenzten - Kräfte einsetzen sollten. Anfang
       der  60er  Jahre  unterhielt  Frankreich  beispielsweise  bis  zu
       800.000 Soldaten  in Algerien  - 60% mehr als die heutige Gesamt-
       stärke der  französischen Streitkräfte. 25) Ein ganz wesentlicher
       Grund für die Räumung Nordafrikas war die gesamt-imperialistische
       Strategie, die  verfügbaren Truppen  nicht in  Kolonialkriegen zu
       verzetteln, sondern  an der europäischen Hauptfront gegen die so-
       zialistischen Länder zu konzentrieren.
       Gegen Ende  der 50er Jahre waren die ökonomische und militärische
       Macht sowie  der internationale Einfluß der sozialistischen Staa-
       tengemeinschaft so  angewachsen, daß sich die weltpolitische Lage
       wesentlich verändert  hatte. Zunehmend  erwies sich jetzt der So-
       zialismus als  bestimmende Kraft der weltgeschichtlichen Entwick-
       lung. Damit  trat die  allgemeine Krise  des Kapitalismus in ihre
       dritte Etappe  ein, zu deren herausragenden Merkmalen die Heraus-
       bildung eines  annähernden militärstrategischen Gleichgewichts in
       der Welt  und die  Zerschlagung des imperialistischen Kolonialsy-
       stems gehört. Die Auswirkungen dieser weltpolitischen Veränderun-
       gen kamen dann vor allem in den 70er Jahren zum Tragen.
       Heute ist  der Manövrierraum  des Imperialismus gegenüber den na-
       tional befreiten  Staaten wesentlich eingeschränkt. Nicht zuletzt
       beweist das  die Hinnahme der faktischen Nationalisierung der Öl-
       quellen des  Nahen Ostens  und der Vervielfachung der Rohölpreise
       in den  70er Jahren. Das war der bisher wohl schwerste Schlag ge-
       gen die ökonomischen Überreste des Kolonialsystems - mit außeror-
       dentlich tiefgreifenden  Auswirkungen auf  die ganze kapitalisti-
       sche Weltwirtschaft. Derartige Prozesse der Emanzipation der Ent-
       wicklungsländer konnten  und können vor allem deshalb erfolgreich
       sein, weil  die Sowjetunion  und die  sozialistische Gemeinschaft
       existieren, die über vielfältige Möglichkeiten verfügen, den Völ-
       kern gegen  Boykotte, Embargos und Aggressionen des Imperialismus
       wirksam beizustehen.
       Indem es  gelungen ist,  den Imperialismus  zu einer  Politik der
       friedlichen Koexistenz zu zwingen, konnte zwar nicht jeder Krieg,
       aber doch  ein allgemeines  atomares Inferno verhindert und damit
       das Überleben  der Menschheit  gesichert werden.  Darüber  hinaus
       wirkte und wirkt die Politik der friedlichen Koexistenz "den Ver-
       suchen des  Imperialismus entgegen,  seine  inneren  Widersprüche
       durch die  Verschärfung der  internationalen Spannungen und durch
       das Schüren  von Kriegsherden zu überwinden. Diese Politik bedeu-
       tet weder  die Aufrechterhaltung der bestehenden sozialen und po-
       litischen Verhältnisse  noch eine  Abschwächung des ideologischen
       Kampfes. Sie  trägt zur  Entwicklung des Klassenkampfes gegen den
       Imperialismus im nationalen und internationalen Maßstab bei." 26)
       Die Richtigkeit  dieser Feststellung der Internationalen Beratung
       der kommunistischen  und Arbeiterparteien von 1969 wird durch die
       Entwicklung der  70er Jahre  vollauf bestätigt.  In  dieser  Zeit
       siegten die Völker von Vietnam, Laos, Kampuchea, Angola, Mozambi-
       que, Äthiopien,  Simbabwe, Afghanistan, wurden die faschistischen
       Regimes in  Griechenland, Portugal  und Spanien beseitigt, wurden
       in Nicaragua  Somoza und  im Iran  der Schah  gestürzt. In dieser
       Zeit wanderten  mit der CENTO und der SEATO immerhin zwei der im-
       perialistischen Militärpakte  auf den  Müllhaufen der Geschichte.
       In dieser Zeit wurde in entwickelten kapitalistischen Ländern wie
       der Bundesrepublik  der Einfluß reaktionären Gedankenguts wesent-
       lich zurückgedrängt, gewannen demokratische und auch linke Kräfte
       einen größeren  Freiraum. Es  ist deshalb nicht schwer zu verste-
       hen, warum  die herrschenden  Kreise der imperialistischen Länder
       von den  Ergebnissen der internationalen Entspannung "enttäuscht"
       sind.
       Die positive  Einwirkung des  realen Sozialismus auf die Kampfbe-
       dingungen - aber auch auf die allgemeinen Existenz- und Lebensbe-
       dingungen -  der Arbeiterklasse  und der  anderen  demokratischen
       Kräfte in  den entwickelten  kapitalistischen Ländern  ist  viel-
       leicht weniger  spektakulär, aber nicht weniger schwerwiegend als
       die entsprechende  Einwirkung auf die Kampfbedingungen der natio-
       nalen Befreiungsbewegung  bzw. der national befreiten Staaten. 40
       Friedensjahre auf dem europäischen Kontinent sind zuallererst ein
       Ergebnis der  friedensgebietenden Macht der regierenden Arbeiter-
       klasse. Und  vor allem  durch die  Existenz einer sozialistischen
       Staatengemeinschaft wird  die europäische Bourgeoisie davon abge-
       halten, heute  jene brutalen  Methoden zu  praktizieren, die ihre
       Wirtschafts- und  Sozialpolitik etwa  in den 20er und 30er Jahren
       kennzeichneten.
       Bei allen Klassenauseinandersetzungen in den entwickelten kapita-
       listischen Ländern  ist der reale Sozialismus mit von der Partie.
       Immer mehr  fällt ins  Gewicht, daß die Länder, in denen das Pro-
       fitprinzip nicht  mehr gilt, imstande sind, Krisen, Arbeitslosig-
       keit, soziale  Unsicherheit zu  überwinden. Die  Bourgeoisie, die
       über ein  hochentwickeltes Klassen- und Geschichtsbewußtsein ver-
       fügt, weiß sehr genau, daß ihre Herrschaft heute mehr denn je da-
       von abhängt, ob sie die arbeitenden Menschen durch materielle Zu-
       geständnisse gegen  das Beispiel  des Sozialismus  "immunisieren"
       kann. Die gegenwärtigen sozialen Errungenschaften der westeuropä-
       ischen Arbeiterklasse  sind ganz  wesentlich mit darauf zurückzu-
       führen, daß  eine Zuspitzung der Klassengegensätze bis zum äußer-
       sten für  die Herrschenden  heute politisch riskanter ist denn je
       zuvor.
       Am ausgeprägtesten  ist diese Konstellation wohl in der kapitali-
       stischen Bundesrepublik  Deutschland gegeben,  die unmittelbar an
       die sozialistische  Deutsche Demokratische  Republik grenzt.  Daß
       ausgerechnet in  der Bundesrepublik der Antikommunismus besonders
       weit verbreitet  und tief  verwurzelt ist,  wird immer wieder als
       Beweis für  die angeblich fehlende Beispielwirkung des realen So-
       zialismus angeführt. In Wirklichkeit besagt der bisherige Verlauf
       der Systemauseinandersetzung  auf deutschem  Boden etwas ganz an-
       deres:
       Der Sozialismus  hat in  einem Teil des ehemaligen Deutschen Rei-
       ches gesiegt.  Alle Versuche, das zu verhindern bzw. wieder rück-
       gängig zu  machen, sind  gescheitert. Das ist der Hauptinhalt der
       Entwicklung auf deutschem Boden in den vergangenen vier Jahrzehn-
       ten. Das  stellt die größte Niederlage des deutschen Monopolkapi-
       tals nach dem verlorenen 2. Weltkrieg dar.
       Allerdings ist  die deutsche Bourgeoisie nach 1945 imstande gewe-
       sen, ihre  Herrschaft auf dem Gebiet der einstigen westlichen Be-
       satzungszonen zu  stabilisieren. Aber  die mit diesem Restaurati-
       onsprozeß verbundene sozialpartnerschaftliche und antikommunisti-
       sche Indoktrinierung der Bevölkerung ist auf das Wirken konkreter
       historischer Faktoren zurückzuführen, die ihren Ursprung in einem
       internationalen Kräfteverhältnis haben, das sich in der unmittel-
       baren Nachkriegszeit herausbildete, seither aber zunehmenden Ver-
       änderungen unterliegt.
       Die politischen Auswirkungen der faschistischen Ideologie und der
       Beteiligung von Millionen Deutschen am Hitlerkrieg waren geradezu
       katastrophal. Dazu  wurde in  Deutschland  (anders  als  etwa  in
       Frankreich oder Italien) die Stellung der Kommunisten dadurch we-
       sentlich erschwert,  daß diese im Bewußtsein der meisten Menschen
       "auf der  anderen Seite"  gestanden hatten - und zwar sowohl wäh-
       rend des  Krieges als  auch bei  der Festlegung  der Nach-kriegs-
       grenzen. Dazu  kam schließlich,  daß  für  die  Restauration  der
       kapitalistischen  Ordnung   nicht  nur  politisch,  sondern  auch
       ökonomisch  wesentlich   günstigere  Ausgangsbedingungen  gegeben
       waren als  für den  Aufbau des  Sozialismus. Infolgedessen konnte
       der Westen  einen deutlich  höheren  Standard  des  individuellen
       Konsums bieten. 27)
       Die ökonomischen,  politischen und  vor allem die bewußtseinsbil-
       denden Wirkungen  dieser historischen  Faktoren sind  sicher noch
       nicht erschöpft. Aber ihre Wirksamkeit nimmt ab, weil sie Kräfte-
       verhältnisse widerspiegeln,  die mehr  und mehr der Vergangenheit
       angehören. Und  die ganz  offenkundigen Veränderungen  im politi-
       schen Klima der Bundesrepublik, die zunehmende Aktivität demokra-
       tischer Kräfte und Bewegungen seit Ende der 60er Jahre sind nicht
       zuletzt Ausdruck  für die nachlassende Wirkung der Realitäten des
       Faschismus und  der ersten Nachkriegsjahre, für das wachsende Ge-
       wicht der  neuen Kräfte-Realitäten  in Politik wie Ökonomie. Auch
       für unser  Land gilt,  "daß die  nichtsozialistische Welt bereits
       nicht mehr  ausschließlich ihren inneren Gesetzmäßigkeiten unter-
       worfen ist",  daß zunehmend "neue, mit dem Wachstum des Sozialis-
       mus zusammenhängende  Gesetzmäßigkeiten des  revolutionären Welt-
       prozesses" zur Geltung kommen. 28)
       
       3. Entwicklungstendenzen im internationalen Kräfteverhältnis
       ------------------------------------------------------------
       
       In dem Vorwort zu dem "Atlas für Politik, Wirtschaft, Arbeiterbe-
       wegung" des  marxistischen Geographen  Alexander Radó wird Hegels
       Satz von  der "Geographie  als Unterlage  der Weltgeschichte" zi-
       tiert. 29)  Dieser Atlas  von 1930  ist immer noch eine faszinie-
       rende Lektüre - besonders, wenn man die in ihm enthaltenen Karten
       mit denen  der Gegenwart vergleicht. Gerade ein solcher Vergleich
       macht das  gewaltige Ausmaß  deutlich, in dem sich die "Unterlage
       der Weltgeschichte"  seither verändert  hat. Tabelle  4 versucht,
       die globalen  Veränderungen, die sich im Gefolge der Zerschlagung
       des Faschismus  vor 40  Jahren vollzogen  haben,  anhand  einiger
       Kennziffern zu verdeutlichen.
       Tabelle 4  läßt die  herausragenden historischen Entwicklungspro-
       zesse nach  1945 und die damit verbundene Verschärfung der allge-
       meinen Krise  des Kapitalismus  deutlich erkennen: Die Herausbil-
       dung des  sozialistischen Weltsystems und die beginnende Entkolo-
       nialisierung führten  bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit
       dazu, daß  der Anteil  der kapitalistischen  Industriestaaten und
       ihrer Kolonien  an der Weltbevölkerung von über 60% auf unter 30%
       absank. Die endgültige Zerschlagung des imperialistischen Koloni-
       alsystems und  die Erweiterung des sozialistischen Weltsystems um
       vier weitere Länder in den 50er, 60er und 70er Jahren reduzierten
       diesen Anteil  weiter auf unter 20%. Zu Beginn der 80er Jahre le-
       ben nur  noch 0,3%  der Weltbevölkerung unter den Bedingungen der
       Kolonialherrschaft - gegenüber 33% vor dem 2. Weltkrieg. Die Zahl
       der souveränen  Staaten hat sich gegenüber der Vorkriegszeit mehr
       als verdoppelt.
       
       Tabelle 4:
       Eine universelle  Revolution mit universellem Terrain Veränderun-
       gen der politischen Weltkarte 30)
       
                     Sozialistische            Nichtsozialistische
                         Welt:                         Welt:
                    insgesamt   davon :      kapit. Indu-   sonst nicht-
                                UdSSR bzw.   striestaaten   sozialist.
                                RGW          einschl.       Staaten
                                             Kolonien
       Zahl der Staaten
       - 1937            2        1 *)          39             32
       - 1950           12        8             30             43
       - 1980           16       10             33            118
       %-Anteil an der
       Landfläche der Erde
       - 1937           17       16 *)          57             26
       - 1950           26       17             46             28
       - 1980           26       19             26             48
       %-Anteil an der
       Weltbevölkerung
       - 1937            8        8 *)          64             28
       - 1950           35       11             29             36
       - 1980           33       10             18             49
       _____
       *) UdSSR
       
       Natürlich muß man bei Tabelle 4 berücksichtigen, daß das Machtpo-
       tential der  Volksrepublik China  gegenwärtig nicht zugunsten der
       sozialistischen Staatengemeinschaft  zu Buche  schlägt.  Aber  es
       kommt auch nicht ohne weiteres dem Imperialismus zugute - wie das
       der Fall  wäre, wenn  die Nachfolger  Tschiang Kai-sheks noch auf
       dem chinesischen Festland das Sagen hätten.
       Tabelle 4  wird auch  dadurch relativiert,  daß die imperialisti-
       schen Staaten  die "Dritte Welt" mit den Methoden des Neokolonia-
       lismus ausplündern.  Aber zwischen  den heutigen Entwicklungslän-
       dern und den früheren Kolonien und Halbkolonien bestehen doch be-
       trächtliche Unterschiede.  Um nur ein einziges Beispiel herauszu-
       greifen: Für den britischen Imperialismus macht es einen gewalti-
       gen Unterschied aus, ob er heute in Indien einen begrenzten poli-
       tischen und  ökonomischen Einfluß ausübt oder (wie das bis zum 2.
       Weltkrieg möglich  war) die  Ressourcen und Menschenmassen dieses
       Subkontinents nach  Belieben ausbeuten und als Kanonenfutter miß-
       brauchen kann.
       Alles in allem kann man mit Fug und Recht feststellen: Die Macht-
       positionen, über die der Imperialismus vor der Großen Sozialisti-
       schen Oktoberrevolution  verfügte, sind  heute auf gut drei Vier-
       teln der  Erde entweder zerschlagen oder doch beträchtlich einge-
       schränkt.
       Das ist  vor allem  das Ergebnis  des Wirkens der sozialistischen
       Staaten, der  internationalen kommunistischen  und  Arbeiterbewe-
       gung, die  sich auf allen Kontinenten entfaltet, und der nationa-
       len Befreiungsbewegung Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Gerade
       nach 1945  hat sich  bestätigt, daß  der weltrevolutionäre Prozeß
       sowohl "ein Kampf der revolutionären Proletarier eines jeden Lan-
       des gegen  die eigene  Bourgeoisie" als auch "ein Kampf aller vom
       Imperialismus unterdrückten Kolonien und Länder, aller abhängigen
       Länder gegen den internationalen Imperialismus" ist. 31)
       Der bisher  größte Erfolg  der nationalen  Befreiungsbewegung be-
       steht in  der Zerschlagung des imperialistischen Kolonialsystems.
       Der Vormarsch  der kommunistischen  Weltbewegung ist insbesondere
       aus der  Erweiterung des  sozialistischen Weltsystems,  aber auch
       daraus ersichtlich,  daß die  Zahl der kommunistischen und Arbei-
       terparteien seit  1928 von  50 auf  heute 95, ihre Mitgliedschaft
       von 1,7  auf über 80 Millionen gestiegen ist. 32) Dazu kommt eine
       wachsende Zahl  von anderen fortschrittlichen bzw. revolutionären
       Parteien und  Bewegungen, die  insbesondere in  Afrika, im  Nahen
       Osten und  in Lateinamerika einen unübersehbaren politischen Fak-
       tor darstellen.  Darunter befinden  sich -  was besonders wichtig
       ist -  regierende Avantgarde-Parteien  sozialistischer  Orientie-
       rung.
       Die herausragende  Rolle, die  die Kommunisten  im revolutionären
       Weltprozeß spielen,  ergibt sich  heute zuallererst aus der Macht
       des realen Sozialismus. Dessen Fähigkeit, das Weltgeschehen aktiv
       zu beeinflussen, hängt von vielen - materiellen wie politisch-mo-
       ralischen -  Faktoren ab.  Aber gerade heute wird der Verlauf des
       weltweiten Kampfes  gegen den Imperialismus wesentlich vom weite-
       ren Fortgang  der ökonomischen Systemauseinandersetzung bestimmt.
       Die Fähigkeit des Sozialismus, den noch verbliebenen ökonomischen
       Vorsprung der entwickelten kapitalistischen Länder zu verringern,
       ist daher  ein außerordentlich  wichtiger Gradmesser  sowohl  für
       Richtung und Tempo künftiger weltpolitischer Kräfteverschiebungen
       als auch  für die  künftige Attraktivität und Beispielwirkung der
       sozialistischen Gesellschaftsordnung.
       Als Meßziffer bietet sich dafür in erster Linie die Industriepro-
       duktion an:  zum einen,  weil die  materielle Produktion nach wie
       vor das  Kernstück der Wirtschaft ist; zum anderen, weil Verglei-
       che etwa  des Sozialprodukts  bzw. Nationaleinkommens  methodisch
       sehr viel  schwieriger sind und de facto nicht vorliegen. Tabelle
       5 stellt  die Entwicklung  der Industrieproduktion der UdSSR bzw.
       des 1948 gegründeten Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)
       der US-amerikanischen und der Weltindusirieproduktion gegenüber.
       
       Tabelle 5:
       Entwicklung der Industrieproduktion im Sozialismus 33)
       
                  UdSSR/RGW    UdSSR
                  in % Welt    in % USA
       
       1920         < 2           ~ 4
       1937        < 10          ~ 27
       1950        ~ 17 *)       < 30
       1980        ~ 33 *)       > 80
       _____
       *) RGW
       
       Es ist  durchaus denkbar,  daß Tabelle 5 Ungenauigkeiten enthält.
       Was aber  das mögliche Ausmaß solcher Fehler angeht, so gilt nach
       wie vor  sinngemäß, was  der marxistische  Ökonom Eugen  Varga zu
       entsprechenden Vergleichen  1938 einmal  angemerkt hat: "Wir sind
       uns vollkommen  im klaren darüber, daß die Genauigkeit der Index-
       zahlen der  industriellen Produktion der Welt gering ist; der Un-
       terschied zwischen  dem Tempo  der Entwicklung  der Produktion in
       der Sowjetunion  und in der kapitalistischen Welt ist aber so ge-
       waltig, daß  auch noch so große statistische Ungenauigkeiten ihre
       Bedeutung verlieren." 34)
       Auf das  zaristische Rußland  waren 1913  etwas mehr  als 4%  der
       Weltindustrieproduktion entfallen.  Das entsprach  ungefähr einem
       Viertel der  deutschen und  einem Zehntel  der  US-amerikanischen
       Produktion. Zu Beginn der 20er Jahre war der entsprechende sowje-
       tische Anteil auf eine Größenordnung von 1-2% abgesunken, während
       z. B. bereits Italien nahezu 3% erreichte. Im Ergebnis der ersten
       beiden Fünfjahrpläne  produzierte die  sowjetische  Industrie  am
       Vorabend des 2. Weltkrieges immerhin soviel wie die britische und
       näherte sich dem Stand der deutschen. 35)
       1945 hatte die Sowjetunion unzweifelhaft den Rang einer Weltmacht
       erreicht. Infolge  der furchtbaren Kriegszerstörungen betrug ihre
       Industrieproduktion aber  nur noch  15-20% der  US-amerikanischen
       36) - gegenüber ca. 27% im Jahr 1937. Diese ungünstigen materiel-
       len Ausgangsbedingungen  für die  Schaffung eines  eigenständigen
       sozialistischen Weltwirtschaftssystems  muß man in Rechnung stel-
       len, wenn  man die  historische Leistung  ermessen will, die sich
       dahinter verbirgt,  daß gegenwärtig  auf die  im RGW  zusammenge-
       schlossenen sozialistischen  Staaten rund ein Drittel der Weltin-
       dustrieproduktion entfällt  und die  sowjetische Industrieproduk-
       tion dem quantitativen Umfang nach bereits über 80% der US-ameri-
       kanischen ausmacht.  Wenn man  den Anteil  aller -  also auch der
       nicht dem  RGW angehörenden - sozialistischen Länder (ca. 40%) in
       Rechnung stellt,  so entfällt  auf die  entwickelten kapitalisti-
       schen Staaten gegenwärtig noch rund die Hälfte der Weltindustrie-
       produktion. 37)
       Besondere Bedeutung  kommt natürlich  dem Tempo  zu, mit  dem die
       UdSSR den  ökonomischen Vorsprung  der USA aufholt. Dieser Prozeß
       hat sich als langwieriger und komplizierter erwiesen, als man das
       etwa noch  zu Beginn der 60er Jahre annahm. Das gilt insbesondere
       mit Blick  auf die  Produktivität der  gesellschaftlichen Arbeit,
       obwohl auch  hier beträchtliche Fortschritte zu verzeichnen sind:
       1950 betrug  z. B.  die industrielle Arbeitsproduktivität weniger
       als 30%  der US-amerikanischen - gegenüber gut 55% heute; die In-
       dustrie des  zaristischen Rußlands  brachte es  sogar nur auf 11%
       des USA-Niveaus. 38) Es ist aber ganz offenkundig, daß der Sozia-
       lismus gerade  bei der Arbeitsproduktivität (und der Materialöko-
       nomie) über  beträchtliche Reserven  verfügt.  Deren  konsequente
       Nutzung könnte  den inzwischen  auf knapp  ein Fünftel  bzw.  ein
       Drittel zusammengeschmolzenen  Vorsprung, über  den etwa  die USA
       heute noch  bei der Industrieproduktion bzw. beim Nationaleinkom-
       men gegenüber  der Sowjetunion  verfügen, innerhalb  eines histo-
       risch kurzen Zeitraums zum Verschwinden bringen.
       Immerhin haben  bereits die unübersehbaren Veränderungen, die das
       internationale ökonomische  Kräfteverhältnis bisher  erfahren ha-
       ben, die  Voraussetzungen dafür  geschaffen, daß  die Sowjetunion
       und andere  europäische RGW-Staaten  den weniger entwickelten so-
       zialistischen Ländern  und vielen  nicht-sozialistischen Entwick-
       lungsländern in  wachsendem Maße durch Wirtschaftshilfe beistehen
       können. Sie haben der Sowjetunion die Möglichkeit gegeben, in der
       zweiten Hälfte  der 40er  Jahre das  Atomwaffenmonopol der USA zu
       brechen, in  der zweiten  Hälfte der 50er Jahre mit der Erschlie-
       ßung des Kosmos zu beginnen und dann ein annäherndes militärstra-
       tegisches Kräftegleichgewicht in der Welt durchzusetzen.
       In den  ersten drei Jahrzehnten nach 1945 vollzog sich die inter-
       nationale ökonomische  Systemauseinandersetzung noch in einer Si-
       tuation, da  die Wachstumsraten  in den  kapitalistischen Ländern
       relativ hoch  waren und die Krisenzyklen vergleichsweise undrama-
       tisch verliefen.  Mit der  weltweiten Zuspitzung der kapitalisti-
       schen Krise Mitte der 70er Jahre sind Zustände zurückgekehrt, die
       viele seit  Anfang der  30er Jahre  überwunden glaubten. Elemente
       der allgemeinen  Krise des  Kapitalismus, von zyklischen Überpro-
       duktionskrisen, von  äußerst komplizierten  Strukturkrisen  sowie
       fast unlösbare  Probleme in  den internationalen kapitalistischen
       Finanzbeziehungen  sind  eng  miteinander  verknüpft,  haben  die
       Wachstumsraten drastisch  verringert, die Arbeitslosenziffern und
       Staatsschulden auf neue Rekordhöhen getrieben. Auswege aus dieser
       Misere sind um so weniger in Sicht, als die forcierte Hochrüstung
       die Möglichkeiten für eine krisendämpfende Wirtschaftspolitik im-
       mer mehr einschränkt.
       Sicherlich bleiben  auch die sozialistischen Staaten von den Aus-
       wirkungen der  Zuspitzung der  kapitalistischen Krise und der in-
       ternationalen Lage  (Außenhandel, Kreditzinsen,  Rüstungsausgaben
       etc.) keineswegs  verschont. Insgesamt  ist der Kontrast zwischen
       der krisenhaften  Entwicklung in  der Welt  des Kapitals  und der
       ökonomischen Stabilität im Sozialismus jedoch deutlich gewachsen.
       In den  70er Jahren  war das  Wachstum der Industrieproduktion in
       den RGW-Staaten  mehr als doppelt so hoch wie in den entwickelten
       kapitalistischen Ländern.  39) Bei  derartigen  Unterschieden  im
       Entwicklungstempo ergeben  sich für die ökonomische Systemausein-
       andersetzung völlig neue Perspektiven.
       Der weitere  Verlauf des  wirtschaftlichen Wettbewerbs der beiden
       Gesellschaftssysteme hat  vor allem  gewaltige Bedeutung  für die
       Lösung der  Kardinalfrage der  Zukunft -  nämlich die aggressiven
       Kräfte des  Imperialismus daran  zu hindern,  in  einer  Art  von
       Panikreaktion auf  eine für  sie unter den Bedingungen der fried-
       lichen  Koexistenz   ungünstig  verlaufende  internationale  Ent-
       wicklung einen atomaren Weltbrand zu entfachen. Daß gerade in den
       USA derart  extrem abenteuerliche  Kräfte in  der  jüngsten  Zeit
       stark an  Einfluß gewonnen  haben,  ist  ein  ernsthaftes  Alarm-
       zeichen. Die  Hoffnungen dieser  Abenteurer sind  jedoch auf Sand
       gebaut. Wenn  die Vereinigten  Staaten schon  in den  50er Jahren
       außerstande waren,  die Voraussetzungen  für einen  "siegreichen"
       Atomkrieg zu schaffen bzw. die Sowjetunion "totzurüsten", so sind
       derartige Ziele in den 80er Jahren noch weniger erreichbar.
       Die Fakten  zeigen darüber  hinaus, daß für den gegenwärtigen ex-
       tremistischen Kurs Washingtons keine ausreichende ökonomische Ba-
       sis existiert.  Unter Reagan sind die Rüstungsausgaben dreimal so
       hoch wie  etwa unter Nixon, die Haushaltsdefizite aber zehnmal so
       hoch. Innerhalb von acht Jahren wird Reagan die Staatsschulden um
       ca. 1800 Mrd. Dollar erhöht haben. Das ist doppelt soviel wie die
       Schuldenzunahme unter  sämtlichen USA-Präsidenten  vor ihm.  Nach
       einem Ansteigen  des Handelsbilanzdefizits  auf 125  Mrd.  Dollar
       1984 werden  die Vereinigten  Staaten bereits  1985 international
       nicht mehr  in  der  Position  eines  Gläubiger-,  sondern  eines
       Schuldnerlandes sein.  In der  Situation einer  tiefen Krise wird
       der Hochrüstungs-  und  Konfrontationskurs  mit  geliehenem  Geld
       durchgepeitscht - unter Inkaufnahme einer geradezu astronomischen
       Schuldenzunahme und  vor allem  zu Lasten der gesamten Produktiv-
       kraftentwicklung. 40)  Diese Politik  überfordert die  Kräfte der
       USA bei  weitem. Im Endergebnis wird sie die Machtstellung dieser
       Hauptbastion des  Weltimperialismus nicht stärken, sondern weiter
       untergraben.
       Die gegenwärtige  Außen-, Militär- und Wirtschaftspolitik der USA
       verschärft zudem  die Widersprüche  im gesamten imperialistischen
       Lager. Tabelle  6 gibt einen Anhalt für die Ungleichmäßigkeit der
       ökonomischen Entwicklung des Kapitalismus in der Zeit seit dem 2.
       Weltkrieg und  die daraus resultierenden kräftepolitischen Verän-
       derungen.
       
       Tabelle 6:
       Ökonomische und  militärische Kennziffern  imperialistischer Zen-
       tren 41)
       
                                            In % der USA
                                   EG a)        Japan      EG a) + Japan
       
       Industrieproduktion
       - 1960                        55           11            66
       - 1980                        78           29           107
       Warenexport
       - 1960                       152 b)        20           172 b)
       - 1980                       309 b)        60           369 b)
       Truppenstärken
       - 1960                        81 c)         9            90 c)
       - 1980                       125           12           137
       Militärausgaben
       - 1960                        18            1            19
       - 1980                        80            9            89
       _____
       a) 1960: EG der Sechs; 1980: EG der Zwölf (einschl. Griechenland,
       Spanien u. Portugal)
       b) Schätzung
       c) Von den  knapp 2  Mio. Soldaten der damaligen EG-Staaten waren
       800.00 französische Soldaten in Algerien gebunden, also für NATO-
       Zwecke nicht verfügbar.
       
       Unmittelbar nach  Ende des  2. Weltkrieges hatten die Vereinigten
       Staaten in  der kapitalistischen  Welt überhaupt  keine ernst  zu
       nehmenden Konkurrenten. Divergierende Rivalitätszentren existier-
       ten faktisch nicht. Selbst anderthalb Jahrzehnte später - als die
       Kriegszerstörungen längst beseitigt, die westeuropäische Integra-
       tion sowie  die offene  Remilitarisierung der  Bundesrepublik und
       Japans schon  in Gang  gekommen waren  - waren die USA ökonomisch
       und vor allem militärisch weitaus stärker als die damalige EG und
       Japan zusammen.
       Zu Beginn  dieses Jahrzehnts hat sich das bereits deutlich verän-
       dert. Während  die EG  der Sechs um 1960 lediglich etwas mehr als
       die Hälfte  der US-amerikanischen  Industrieproduktion erreichte,
       produziert die EG-Industrie mit demnächst zwölf Mitgliedern jetzt
       annähernd vier  Fünftel soviel  wie die USA-Industrie. Die EG und
       Japan zusammen  übertreffen ihre "Schutzmacht" bei der Industrie-
       produktion heute sogar, ihr Warenexport ist fast viermal so groß.
       Auch hinsichtlich der Truppenstärken und Militärausgaben hat sich
       das Bild  gewandelt. Sicherlich  sind die  USA aufgrund der Größe
       ihres Kernwaffenarsenals  immer noch  mit Abstand  die politische
       und militärische  Nr. 1 der imperialistischen Welt. Aber die Ent-
       wicklung eigenständiger  atomarer Kapazitäten  in Frankreich  und
       Großbritannien hat  das ursprünglich erdrückende Übergewicht doch
       zumindest relativiert.
       Mit den  Veränderungen des ökonomischen und militärischen Kräfte-
       verhältnisses zwischen den verschiedenen Rivalitätszentren gewin-
       nen auch  deren eigenständige  Interessen zunehmend  an  Gewicht.
       Aufgrund ihrer  exponierten geographischen  Lage und der geringen
       Größe ihres  Territoriums haben  die kleineren  imperialistischen
       Länder im  Falle einer militärischen Auseinandersetzung nicht die
       geringste Überlebenschance.  Angesichts unzureichender  Rohstoff-
       vorkommen und  der Begrenztheit  ihrer Binnenmärkte  sind sie von
       einem störungsfreien  Handel sowohl  mit den  Entwicklungsländern
       als auch  mit der  sozialistischen Staatengemeinschaft in wesent-
       lich höherem Maße abhängig als die USA. Daraus resultieren unver-
       meidlich wachsende  Meinungsverschiedenheiten  und  Widersprüche,
       die vor  allem deshalb wichtig sind, weil sie dem Weltimperialis-
       mus die Herstellung einer einheitlichen Front gegen den Sozialis-
       mus und die anderen Fortschrittskräfte beträchtlich erschweren.
       
       4. Richtung und Widersprüche des Geschichtsprozesses
       ----------------------------------------------------
       der Gegenwart
       -------------
       
       Der Hauptinhalt der gegenwärtigen Epoche tritt "vor allem in Form
       des Wettstreits  der zwei  entgegengesetzten Gesellschaftssysteme
       in Erscheinung,  die zwar nebeneinander bestehen, aber qualitativ
       verschiedene Stadien  des Fortschritts  der Gesellschaft darstel-
       len, deren Vergangenheit und deren Zukunft. Die Entwicklung jeder
       der beiden  Gesellschaftsformationen verläuft in direkt entgegen-
       gesetzter Richtung.  Der heutige  Kapitalismus gleitet trotz Pro-
       duktionswachstum in  einzelnen  Perioden  und  technischen  Fort-
       schritts in  den Industrieländern  auf einer  schiefen Ebene. Das
       sozialistische System  entwickelt sich in Überwindung bestehender
       und entstehender innerer Widersprüche in aufsteigender Linie, er-
       starkt im Kampf gegen den Imperialismus."
       Der Verfasser  dieser Zeilen, der sowjetische Philosoph P. Fedos-
       sejew, weist allerdings mit vollem Recht darauf hin, daß man "das
       Bild der  Entwicklung in  der Welt"  damit "nicht auf ein verein-
       fachtes Schema  reduzieren" darf:  "Aufsteigende und  absteigende
       Linie bedeuten  nicht irgendeinen  gleichmäßigen Aufschwung  bzw.
       ununterbrochenen Niedergang.  Bei der aufsteigenden Linie des ge-
       sellschaftlichen Fortschritts  gibt es  spezifische Schwierigkei-
       ten, Widersprüche,  zeitweilige Stockungen, Windungen und Wendun-
       gen. Demnach  darf man sich die Entwicklung des Sozialismus nicht
       als 'ununterbrochenen'  Fortschritt, als ein ungehindertes Voran-
       schreiten zu  höheren Stufen  vorstellen. Die  absteigende  Linie
       kennt nicht  nur Rückgang, Einbrüche, ein In-den-Abgrund-Gleiten,
       sondern auch zeitweilige Aufschwünge." 42)
       Nur wer  die Dinge so betrachtet, bewahrt sich die Fähigkeit, die
       tatsächliche Richtung  der historischen  Entwicklung zu erkennen,
       und ist  gleichzeitig davor  gefeit, bei irgendeiner zeitweiligen
       "Stockung", "Windung"  oder "Wendung"  gleich den  Kopf (und  den
       Mut) zu verlieren. Eine solche Betrachtungsweise schützt auch da-
       vor, politische  Erwartungen losgelöst von den realen Bedingungen
       des Klassenkampfes zu entwickeln und auf desorientierende bürger-
       liche Propaganda hereinzufallen.
       Das betrifft etwa die Frage, was der reale Sozialismus heute lei-
       sten kann  und was  nicht. Die sozialistische Staatengemeinschaft
       kann beispielsweise  vielen Völkern  der "Dritten Welt" dazu ver-
       helfen, die  Abhängigkeit vom Imperialismus zu verringern und den
       Weg des  gesellschaftlichen Fortschritts  einzuschlagen. Aber der
       Einfluß und  die materiellen  Mittel des  realen Sozialismus sind
       begrenzt, reichen heute noch nicht aus, um alle imperialistischen
       Manöver an jedem Ort und zu jeder Zeit zu durchkreuzen.
       Die sozialistische  Gesellschaft ist  dem  Kapitalismus  um  eine
       ganze historische  Epoche voraus.  Sie verkörpert die Zukunft der
       ganzen Menschheit. Aber sie ist heute nicht nur durch die Vorzüge
       der sozialistischen  Ordnung - wie das gesellschaftliche Eigentum
       an den  Produktionsmitteln - und die sich daraus ergebenden neuen
       Entwicklungsmöglichkeiten geprägt.  Zum  realen  Sozialismus  von
       heute gehört beispielsweise auch, daß er sich gegen eine feindli-
       che Umwelt  behaupten muß,  daß er hinsichtlich seiner Produktiv-
       kräfte gegenüber  den entwickelten  kapitalistischen Ländern noch
       im Rückstand  ist, daß er nicht zuletzt hinsichtlich des Bewußts-
       eins der  Menschen noch viele "Muttermale" der alten Gesellschaft
       aufweist -  mit allen  Konsequenzen, die das unvermeidlich in den
       verschiedensten Lebensbereichen  hat. In einer Welt ohne imperia-
       listische Kriegsdrohungen,  ohne  konterrevolutionäre  Komplotte,
       ohne die  äußeren Einwirkungen der bürgerlichen Ideologie und der
       kapitalistischen Lebensweise,  ohne Mangel an wichtigen materiel-
       len Gütern ließen sich die sozialistischen Ideen und Ziele natür-
       lich viel schneller verwirklichen, als das heute möglich ist.
       Der Vorwurf, die Sowjetunion oder die DDR seien nicht das "Ideal"
       des Sozialismus,  wie es  Marx und Engels in ihren Schriften ent-
       wickelt haben,  ist zutiefst abstrakt und unhistorisch. Auf jeden
       Fall ist  er an  die falsche  Adresse gerichtet. Die sowjetischen
       und die deutschen Kommunisten haben selbst heute für die Verwirk-
       lichung ihrer  Ziele alles  andere als  ideale Umstände - von den
       Anfängen des  Aufbaus des  Sozialismus ganz  zu schweigen. Damals
       hat W.I.  Lenin zu diesem (keineswegs neuen) Thema folgende Worte
       gefunden: "Wir  wissen, daß  nichts vom Himmel fällt, wir wissen,
       daß der  Kommunismus aus  dem Kapitalismus  hervorwächst, daß nur
       aus seinen  Überresten der  Kommunismus  aufgebaut  werden  kann;
       gewiß, das  sind schlechte  Überreste, aber  andere gibt  es  nun
       einmal nicht." 43)
       Glücklicherweise haben  die russischen  Bolschewik! 1917  und die
       deutschen Kommunisten  1945 nicht auf "ideale" Zustände gewartet,
       sondern den  Sozialismus unter den komplizierten Bedingungen auf-
       gebaut, die  sie vorfanden.  Das geschieht  auch weiterhin. Dabei
       wird Neuland  betreten. Infolgedessen tauchen immer wieder Fragen
       auf, für  die es keine "Präzedenzfälle" gibt, die also möglicher-
       weise nicht  immer gleich  auf Anhieb richtig beantwortet werden.
       Aber letztendlich  kommt der  Sozialismus bei  der Lösung  seiner
       Entwicklungsprobleme den  Zielen schrittweise näher. Um es in den
       Worten eines Liedes des Berliner "Oktoberclubs" zu sagen: Nachher
       wird man's immer besser wissen - doch das Nachher kommt nicht von
       allein.
       Natürlich muß  sich der  Sozialismus nicht  nur mit Überbleibseln
       der alten  Gesellschaft und  mit den  Attacken des  Imperialismus
       auseinandersetzen. Er  hat es  auch mit Widersprüchen zu tun, die
       seiner eigenen Entwicklung entspringen. Gerade die enorme Dynamik
       der gesellschaftlichen  Entwicklung, insbesondere  das hohe Tempo
       des Wachstums der Produktivkräfte, kann Disproportionalitäten und
       Widersprüche  erzeugen:   innerhalb  der  Wirtschaft,  aber  auch
       zwischen den Sphären der Ökonomie, der Politik und der Ideologie.
       44)
       Gerade jetzt  wird beispielsweise  in der  Sowjetunion mit großer
       Offenheit darüber  diskutiert, wie die Hemmnisse, die einer Erhö-
       hung der wirtschaftlichen Effektivität entgegenstehen, überwunden
       werden können. Dabei werden wenig Worte darüber verloren, daß man
       natürlich wesentlich  schneller  vorankommen  könnte,  würde  man
       nicht -  durch direkte Wirtschafts- oder Militärhilfe, durch auf-
       wendige Investitionen im Roh- und Brennstoffbereich und vor allem
       durch die  Verteidigungsausgaben -  gewaltige Lasten auch für die
       ganze sozialistische  Staatengemeinschaft und  für alle antiimpe-
       rialistischen Kräfte  mittragen. Man  trägt diese Lasten, und die
       sowjetischen Menschen  nehmen die damit verbundenen Einschränkun-
       gen mit einem einzigartigen Verständnis für die Notwendigkeit der
       weltweiten Solidarität im Interesse des Friedens auf sich.
       Man konzentriert sich ganz bewußt auf das Problem einer Verbesse-
       rung der  Leitungstätigkeit. "Warum ist der Nutzeffekt der riesi-
       gen investierten  Mittel zur  Zeit unzureichend,  warum  ist  das
       Tempo unbefriedigend, mit dem die Ergebnisse von Wissenschaft und
       Technik in  die Produktion  übergeleitet werden?"  Juri Andropow,
       der verstorbene  Generalsekretär des  ZK der KPdSU, hat zu dieser
       Frage mit  aller Deutlichkeit  gesagt: "Vor  allem muß man sehen,
       daß unsere  Arbeit, deren  Ziel die Vervollkommnung und Umgestal-
       tung des Wirtschaftsmechanismus sowie der Formen und Methoden der
       Leitung ist,  hinter den Anforderungen des erreichten Niveaus der
       materiell-technischen, sozialen und geistigen Entwicklung der so-
       wjetischen Gesellschaft zurückgeblieben ist." 45)
       Es hat  sich also  im Prozeß  der Entwicklung des Sozialismus ein
       fortschrittshemmender Widerspruch  herausgebildet. Dabei  handelt
       es sich  um einen nichtantagonistischen Widerspruch, der sich mit
       politischen bzw. wirtschaftspolitischen Mitteln im Rahmen des so-
       zialistischen Systems  lösen läßt.  Die zeitweilige Existenz sol-
       cher Widersprüche  ändert an  den grundlegenden Tendenzen des in-
       ternationalen Kräfteverhältnisses  nichts.  Aber  die  Geschichte
       zeigt, daß  die Lösung  solcher Widersprüche im Sozialismus immer
       wieder bedeutende  sozialökonomische und politische Entwicklungs-
       schübe auslöst.
       Die Geschichte  zeigt allerdings auch, daß Widersprüche im Sozia-
       lismus im  Extremfall, wenn sie nicht rechtzeitig gelöst, sondern
       durch eine  fehlerhafte politische  Linie verschleppt  und weiter
       verstärkt werden, antagonistischen Charakter annehmen können. Das
       war beispielsweise  Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in Polen
       der Fall.  Die konterrevolutionären  Kräfte, die unter Ausnutzung
       einer solchen  Situation zur  Offensive übergingen,  wurden letz-
       tendlich jedoch immer wieder geschlagen.
       Es gibt  aber auch negative Entwicklungen in kommunistischen Par-
       teien und sozialistischen Ländern, die bereits lange andauern und
       bei denen  noch offen ist, inwieweit und wann sie korrigiert wer-
       den können.  Würden alle kommunistischen Parteien an einem Strang
       ziehen, würde  das Machtpotential  aller  sozialistischen  Länder
       einheitlich gegen  den Imperialismus  zur Geltung  gebracht, sähe
       die Welt heute mit Sicherheit schon wesentlich anders aus. So ge-
       winnt die weitere Entwicklung innerhalb der kommunistischen Welt-
       bewegung für  das künftige  internationale  Kräfteverhältnis  er-
       strangige Bedeutung.
       Besonders tragisch  und folgenreich ist die Entwicklung in China.
       Was unter  ultra-"linker" Flagge  mit dem "Großen Sprung" und der
       "Kulturrevolution" begann,  hat außenpolitisch  zu einer Entfrem-
       dung von  der Sowjetunion  und der sozialistischen Staatengemein-
       schaft -  bis hin zur Anwendung von Waffengewalt gegen Bruderlän-
       der - geführt. Das faktische Ausbrechen des volkreichsten Staates
       der Erde aus der Gemeinschaft der sozialistischen Staaten ist der
       mit Abstand  schwerste Schlag, den der Sozialismus seit 1945 hin-
       nehmen mußte.  Und es  ist die vielleicht größte Leistung der So-
       wjetunion und  ihrer Verbündeten, trotzdem die weltpolitische In-
       itiative nicht aus der Hand gegeben zu haben.
       Es ist  müßig, jetzt darüber zu spekulieren, wie stark die marxi-
       stisch-internationalistischen Kräfte  innerhalb  der  Kommunisti-
       schen Partei  Chinas sind  bzw. in Zukunft sein werden, ob und in
       welchem Ausmaß  sich in der überschaubar nächsten Zeit die Bezie-
       hungen Chinas  zu anderen  sozialistischen Staaten  normalisieren
       können. Eine ganze Reihe von Gründen sprechen jedoch dagegen, die
       negative Entwicklung  Chinas als unumkehrbar anzusehen. Nicht nur
       außerhalb, sondern vor allem innerhalb des Landes steht die Frage
       nach den  Folgen, die  sich aus der Lösung der Beziehungen zu den
       natürlichen Verbündeten, aus der Preisgabe der Prinzipien des so-
       zialistischen Internationalismus,  aus dem Abgehen vom Marxismus-
       Leninismus ergeben haben. Die sozialökonomische Entwicklung wurde
       gebremst, der politisch-ideologische Überbau der Gesellschaft de-
       formiert. Die  Taiwan-Frage ist  einer Lösung kein Stück näherge-
       kommen. In  der internationalen Arena erhält China oft genug Bei-
       fall von  der falschen  Seite und  steht im übrigen faktisch ohne
       verläßliche Verbündete da.
       Schon heute  hat also  das Leben  selbst das Urteil über die ver-
       hängnisvolle Entwicklung gesprochen, die sich Ende der 50er Jahre
       in Volkschina  vollzogen hat.  Die Erkenntnis dieser Wahrheit hat
       dem Maoismus als politischer Strömung außerhalb Chinas den Todes-
       stoß versetzt. Sie ist aber vor allem auch - und wird das bleiben
       - ein  wichtiges Moment der inneren Auseinandersetzungen über den
       künftigen Kurs  des Landes.  Auch in diesem Zusammenhang gilt die
       Erkenntnis von Marx und Engels: "Die 'Idee' blamierte sich immer,
       soweit sie von dem 'Interesse' unterschieden war." 46)
       Die "Idee"  der Selbstisolation  von anderen  Fortschrittskräften
       oder gar  der Zusammenarbeit  mit dem  Klassengegner ist in einer
       sozialistischen Gesellschaft  nicht auf ein wirkliches objektives
       "Interesse" gegründet. Sie steht vielmehr in einem krassen Gegen-
       satz zu  den realen  Erfordernissen des Aufbaus und der Verteidi-
       gung des  Sozialismus. Fundamentale  gesellschaftliche  Erforder-
       nisse und  geschichtliche Gesetzmäßigkeiten  werden  daher  immer
       wieder ein  Streben nach  Annäherung an  die Bruderländer hervor-
       bringen. Viel spricht dafür, daß sich diese Triebkräfte letztend-
       lich auch  in sozialistischen Staaten wie China, Albanien und Ju-
       goslawien gegen nationalistische Tendenzen historisch durchsetzen
       werden. Die  Wiederherstellung der  Einheit  des  sozialistischen
       Weltsystems und  der kommunistischen Weltbewegung wird ebenso wie
       das Ausbrechen  weiterer Länder  aus dem  kapitalistischen System
       integraler Bestandteil  des revolutionären  Weltprozesses der Zu-
       kunft sein.
       Dieser revolutionäre  Weltprozeß wird weitergehen - und zwar auch
       dann, wenn Schwierigkeiten, Mißerfolge und Niederlagen diese oder
       jene Abteilung  der kommunistischen  Weltbewegung zeitweilig auf-
       halten oder sogar zurückwerfen. Wie in der Vergangenheit, gibt es
       auch in der Zukunft keine absolute Garantie dafür, daß Derartiges
       nicht geschieht. Denn "die Vorhut heißt auch deshalb Vorhut, weil
       sie an  der Spitze  des Fortschritts  schreitet  und  damit  alle
       Schwierigkeiten eines  Bahnbrechers und  alle verbissenen Schläge
       der Kräfte  der dem  Untergang  geweihten  alten  Welt  auf  sich
       nimmt". 47)
       In den  annähernd 70  Jahren, die seit der Großen Sozialistischen
       Oktoberrevolution und in den 40 Jahren, die seit der Zerschlagung
       des Faschismus vergangen sind, hat sich immer wieder die Richtig-
       keit der Erkenntnis von Marx, Engels und Lenin bestätigt, daß die
       alte Welt  des Kapitalismus  mit dem  sich verschärfenden  Wider-
       spruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitali-
       stischer Aneignung,  mit den  sich zuspitzenden  Gegensätzen zwi-
       schen Ausgebeuteten  und Ausbeutern  nicht fertig wird. Diese Wi-
       dersprüche und  Gegensätze machen  den revolutionären  Kampf  der
       Völker zu einer elementaren Notwendigkeit, geben ihm immer wieder
       neue Schubkraft.  Und noch  mehr als  zu  Lebzeiten  Lenins  gilt
       heute: "Nur  die proletarische,  sozialistische Revolution vermag
       die Menschheit aus der Sackgasse herauszuführen, die der Imperia-
       lismus und die imperialistischen Kriege geschaffen haben." 48)
       Hierin liegt  die historische  Gesetzmäßigkeit der  Veränderungen
       der politischen  Weltkarte seit 1917 und seit 1945 begründet. Vor
       diesem Hintergrund  vor allem muß man die Frage beantworten, wel-
       che Kräfte  in der  Welt von  heute die historische Initiative in
       der Hand  haben. Und wenn man Entwicklungen der Vergangenheit si-
       cherlich auch  nicht einfach in die Zukunft "fortschreiben" kann,
       so lassen sie - wenn man die ihnen zugrundeliegenden Widersprüche
       und Gesetzmäßigkeiten  in die  Analyse einbezieht - doch wichtige
       Schlüsse über  die allgemeine  Richtung künftiger weltpolitischer
       Entwicklungen zu.
       Niemand kann  heute wissen, in welchen zeitlichen Etappen und auf
       welchem Wege  sich in Zukunft der weitere Übergang der Völker zum
       Sozialismus vollziehen  wird: "Alle Nationen werden zum Sozialis-
       mus gelangen,  das ist  unausbleiblich, aber  keine auf genau die
       gleiche Art  und Weise",  schrieb Lenin 1916 und fügte hinzu, daß
       nichts "theoretisch  jämmerlicher und in der Praxis lächerlicher"
       wäre, "als  sich 'im  Namen des  historischen  Materialismus'  in
       d i e s e r  Hinsicht die Zukunft grau in grau vorzustellen". 49)
       Auch in einer anderen Hinsicht gibt es keinen Grund für Zukunfts-
       vorstellungen "grau  in grau".  Bei aller Widersprüchlichkeit und
       Kompliziertheit hat  der Geschichtsprozeß  unserer Epoche  unver-
       kennbar "Richtung".  Der historische  Optimismus der  Kommunisten
       ist solide  begründet. Er befindet sich im Einklang mit Gesetzmä-
       ßigkeiten, die vielleicht am treffendsten das Programm der Kommu-
       nistischen Internationale  von 1928 charakterisiert hat: "Während
       die bürgerlichen  Revolutionen Jahrhunderte brauchten, um der po-
       litischen Herrschaft  des Feudaladels  ... in der ganzen Welt ein
       Ende zu setzen, vermag die internationale Revolution des Proleta-
       riats ...  ihre Aufgabe  in einer kürzeren Frist zu lösen, obwohl
       auch sie  keineswegs ein  einmaliger Akt  ist, sondern  sich über
       eine ganze Epoche erstreckt." 50)
       
       _____
       1) Marx/Engels, Werke, Bd. 4, S. 374 f.
       2) Lenin, Werke, Bd. 23, S. 74.
       3) Ebd., S. 261.  . '
       4) Ebd., Bd. 28, S. 62.
       5) Ebd., Bd. 31, S. 261.
       6) Ebd., Bd. 30, S. 138 f.
       7) Hierzu vgl.  etwa:  L.  Besymenski,  Sonderakte  "Barbarossa",
       Stuttgart 1968; P. P. Sewostjanow, Sowjetdiplomatie gegen faschi-
       stische Bedrohung 1939-1941, Frankfurt 1984.
       8) Weisung des  OKW Nr. 21 (Fall Barbarossa); zit. n.: G. Förster
       u.O. Groehler,  Der zweite  Weltkrieg. Dokumente, Berlin 1972, S.
       88.
       9) Vgl. UdSSR  in Zahlen  für 1982, Moskau 1983, S. 57; Die Wirt-
       schaft kapitalistischer  Länder in  Zahlen.  IPW-Forschungshefte,
       1/1982, S. 28.
       10) Vgl. Der  Große Vaterländische  Krieg der Sowjetunion. Kurzer
       historischer Abriß, 2. Halbbd., Berlin 1975, S. 339.
       11) Quelle: H.  Fiedler u.  a., Ökonomie  und Landesverteidigung,
       Berlin 1974, S. 24.
       12) Quellen: G. Förster u.a., Der zweite Weltkrieg. Militärhisto-
       rischer Abriß, Berlin 1972, S. 411; Sowjetische Militärenzyklopä-
       die. Auswahl, Heft 1, Berlin 1977, S. 83.
       13) Die Materiallieferungen der Westmächte entsprachen nur 4% der
       sowjetischen Industrieproduktion  während des  Kriegs. (Vgl.  Ge-
       schichte der  sowjetischen Außenpolitik,!.  Teil, Berlin 1969, S.
       482 f.)  Von den  US-amerikanischen Kriegsausgaben  entfielen 15%
       auf Leih-Pacht-Lieferungen  an die  Verbündeten, davon 20% an die
       Sowjetunion. Das waren etwa 8,4 Mrd. Dollar. Die sowjetischen Ge-
       genlieferungen machten  immerhin 2,1  Mrd. Dollar aus. (Vgl. E.R.
       Stettinius, Welt  in Abwehr. Lein-Pacht, Leipzig/München 1946, S.
       411 ff.)
       14) Zit. nach:  O. Groehler,  Geschichte des  Luftkriegs 1910 bis
       1970, Berlin 1975, S. 426f.
       15) The New  York Times,  24. 6. 1941; zit. n.: G. Hass, Von Mün-
       chen bis Pearl Harbour, Berlin 1965, S. 235.
       16) Die Auswahl von Bombenzielen wurde immer wieder durch antiso-
       wjetische Motive  mitbestimmt. Während  man im Frühjahr 1945 bei-
       spielsweise die  faschistischen Flottenstützpunkte Swinemünde und
       Stettin unbehelligt ließ, wurden reihenweise Angriffe gegen mili-
       tärisch unbedeutende  Ziele wie  Dresden geflogen,  die die Wirt-
       schafts- und Wohnungsprobleme in der zukünftigen sowjetischen Be-
       satzungszone wesentlich  komplizierten. (Vgl. etwa: Groehler, Ge-
       schichte des  Luftkriegs ...,  a.a.O., S.  453 ff.; Förster u.a.,
       a.a.O., S. 364 f.; Lagevorträge des Oberbefehlshabers der Kriegs-
       marine vor  Hitler 1939-1945,  München 1972,  S. 646; H. Barthel,
       Die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen der DDR, Berlin 1979, S.
       38 ff.) In einigen Fällen - so in Griechenland im Spätherbst 1944
       und in  Schleswig-Holstein unmittelbar  nach Kriegsende  - kam es
       ansatzweise sogar  zu einem antisowjetischen Zusammenspiel briti-
       scher und  deutscher Truppen  (vgl. etwa: A. Speer, Erinnerungen,
       Frankfurt/Berlin/Wien 1976, S. 409; A. Smith, Churchills deutsche
       Armee, Bergisch Gladbach 1978).
       17) Zit. n.: O. Groehler, Krieg im Westen, Berlin 1968, S. 28.
       18) Quellen: Förster u.a., a.a.O., S. 407 f.; UdSSR in Zahlen für
       1977, Moskau 1978, S. 8, 30; The U.S. Book of Facts, Statistics &
       Information for 1968, New York 1967, S. 5, 319, 329.
       19) Vgl. Förster u.a., a.a.O., S. 408.
       20) Zit. n.: B. Greiner u. K. Steinhaus, Auf dem Weg zum 3. Welt-
       krieg? Amerikanische  Kriegspläne gegen  die UdSSR, Köln 1980, S.
       18 f.
       21) Eine sowjetische Übersicht verzeichnet für den Zeitraum 1945-
       75 mehr  als 140  lokale Kriege  und militärische Konflikte (vgl.
       1.1. Dshordshadse u.a., Lokale Kriege, Berlin 1983, S. 282 ff.).
       22) Zit. n.: Greiner u. Steinhaus, a.a.O., S. 43.
       23) Zit. n.:  S. G.  Gorschkow, Die  Seemacht des Staates, Berlin
       1978, S. 247f.
       24) XX. Parteitag  der Kommunistischen  Partei  der  Sowjetunion,
       Düsseldorf 1956, S. 33 f.
       25) Vgl. A.  Charisius u.a.,  NATO. Strategie  und  Streitkräfte,
       Berlin 1976,  S. 131;  Streitkräfte 1982/83, München 1983, S. 318
       f.
       26) Internationale Beratung  der kommunistischen und Arbeiterpar-
       teien. Moskau 1969, Berlin 1969, S. 37.
       27) Auf dem  Gebiet der sowjetischen Besatzungszone waren 45% der
       industriellen Kapazität  zerstört, in den Westzonen 20%. Die Pro-
       duktionsbasis für Stahl und Steinkohle sowie für die meisten che-
       mischen Grundstoffe und Produktionsmittel der Schwerindustrie lag
       zu 90%  und mehr  im Westen.  Hinzu kam, daß Westdeutschland kaum
       Reparationen zu  zahlen hatte  und von  den im Krieg noch reicher
       gewordenen USA beträchtliche Marshall-Plan-Gelder kassierte (vgl.
       Barthel, a.a.O.).
       28) K.K. Schirinja,  Der Einfluß  des sozialistischen Systems auf
       den revolutionären  Prozeß in der Welt, in: Marxistische Blätter,
       Sonderheft 11/1968, S. 54.
       29) A. Radö,  Atlas für Politik, Wirtschaft, Arbeiterbewegung. I.
       Der Imperialismus, Wien/Berlin 1930, S. 5.
       30) Quellen: Statistisches  Jahrbuch für das Deutsche Reich 1934,
       S. 7  * ff.;  Statistisches Jahrbuch  der DDR  1958, S.  2 * ff.;
       1968, S.  19 *;  1982, S.  31 *; Haack Atlas aktuell, Gotha 1982;
       Länder der  Erde. Politisch-ökonomisches Handbuch, 7. Aufl., Ber-
       lin 1980.
       31) Lenin, Werke, Bd. 30, S. 144.
       32) Vgl. Atlas zur Geschichte, Bd. 2, Gotha 1982, S. 5; W. Sagla-
       din, Kommunisten  an  der  Spitze  des  gesellschaftlichen  Fort-
       schritts, in: Presse der Sowjetunion, 8/1984, S. 12.
       33) Quellen: UdSSR  in Zahlen  für 1982,  a.a.O., S.  57, 60; Die
       Wirtschaft kapitalistischer  Länder..., a.a.O.,  S. 28; H. Barth,
       Wandel  im   internationalen  Kräfteverhältnis,   in:   horizont,
       19/1975, S. 14.
       34) E. Varga,  20 Jahre  Kapitalismus und Sozialismus, Straßburg-
       Moskau 1938, S. 40.
       35) Vgl. UdSSR  in Zahlen für 1982, a.a.O., S. 57; Die Wirtschaft
       kapitalistischer Länder..., a.a.O., S. 28.
       36) Eine solche  Relation ergibt  sich aus Produktionsziffern für
       das erste Halbjahr 1945 (vgl. Geschichte des 2. Weltkrieges 1939-
       1945 in zwölf Bänden, Bd. 10, Berlin 1982, S. 485, 507).
       37) Vgl. UdSSR in Zahlen für 1982, a.a.O., S. 57.
       38) Vgl. ebd., S. 62; UdSSR in Zahlen für 1977, a.a.O., S. 62.
       39) Vgl. UdSSR in Zahlen für 1982, a.a.O., S. 58.
       40) Hierzu vgl.  etwa: K. Steinhaus, Wie stark sind die USA wirk-
       lich?, in:  Blätter  für  deutsche  und  internationale  Politik,
       9/1984, S. 1089 ff.
       41) Quellen: Die  Wirtschaft kapitalistischer  Länder..., a.a.O.,
       S. 28;  Ekonomitscheskoje  polo-shenije  kapitalistitscheskich  i
       raswiwajustschisja stran.  Obsor sa  1978 g.  i natschalo 1979 g.
       (Beilage zu  "Mirowaja ekonomika i meshdunarodnije otnoschenija",
       8/1979), S. 21; Charisius u.a., a.a.O., S. 103 ff.; The Institute
       for Strategie  Studies, The  Military Balance  1962-1963,  London
       1962, S. 13ff.; Streitkräfte 1982/83, a.a.O., S. 318 ff.
       42) P. Fedossejew,  Dialektik des  gesellschaftlichen Lebens, in:
       Probleme des Friedens und des Sozialismus, 9/1981, S. 1192 f.
       43) Lenin, Werke, Bd. 30, S. 422.
       44) Hierzu vgl. etwa: Fedossejew, a.a.O.; W. S. Semjonow, Das Wi-
       derspruchsproblem im Sozialismus, in: Sowjetwissenschaft. Gesell-
       schaftswissenschaftliche Beiträge,  1/1983, S.  16ff.; ders., Zur
       theoretischen Vertiefung und Konkretisierung des Widerspruchspro-
       blems im  entwickelten Sozialismus,  ebd., 4/1984, S. 368 ff.; A.
       P. Butenko,  Widersprüche der Entwicklung des Sozialismus als Ge-
       sellschaftsordnung, ebd.,  2/1983, S. 226 ff.; ders., Noch einmal
       über die Widersprüche im Sozialismus, ebd., 4/1984, S. 361 ff.
       45) J. Andropow, Ausgewählte Reden und Schriften, Berlin 1983, S.
       267 f.
       46) Marx/Engels, Werke, Bd. 2, S. 85.
       47) Sagladin, a.a.O., S. 12.
       48) Lenin, Werke, Bd. 24, S. 460.
       49) Ebd., Bd. 23, S. 64.
       50) Zit. n.: Varga, a.a.O., S. 11.
       

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