Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


       zurück

       
       KLASSENSTRUKTUR UND HERRSCHAFT
       ==============================
       
       Zur Sozial- und Klassenstruktur in der Mitte der achtziger Jahre.
       -----------------------------------------------------------------
       Tendenzen ihrer zukünftigen Entwicklung
       ---------------------------------------
       
       Eberhard Dähne
       
       1. Sozialökonomische Eckdaten - 1.1 Bevölkerungsentwicklung - 1.2
       Erwerbsverhalten -  1.3 Arbeitsplätze  - 1.4 Arbeitsmarktbilanz -
       2. Zur Entwicklung der Sozial- und Klassenstruktur - 2.1 Entwick-
       lung sozialstatistischer Hauptgruppen - 2.2 Klassen und Schichten
       in der Mitte der 80er Jahre - 2.2.1 Erwerbstätige nach sozialöko-
       nomischen Sektoren  - 2.2.2 Zur Polarisierung der Klassenstruktur
       - 2.2.3 Zu einzelnen Klassen und Schichten
       
       Die sozialökonomischen Eckdaten für Überlegungen zur voraussicht-
       lichen Entwicklung der Sozial- und Klassenstruktur werden - abge-
       sehen von  der bereits  unklaren Ausgangslage - durch die zukünf-
       tige Entwicklung der Bevölkerung und ihrer Erwerbsbeteiligung so-
       wie die  ökonomische Entwicklung gesetzt. Dabei zerfallen diese -
       nur vermittelt zu denkenden - Blöcke in eine Vielzahl von mitein-
       ander und gegeneinander verknäuelten Einzelfaktoren.
       So wird  die zukünftige Einwohnerzahl der Bundesrepublik auch da-
       von bestimmt,  wie sich  die Ausländerwanderung  entwickelt.  Die
       Zahl der  Menschen, die im Jahr 2000 Arbeit suchen, hängt wesent-
       lich davon ab, ob sich die Frauen in der Bundesrepublik auch dann
       noch mit  einem ähnlich niedrigen Grad der Erwerbsbeteiligung zu-
       friedengeben wie gegenwärtig. 1980 waren beispielsweise 84% aller
       Schwedinnen, 67% aller Engländerinnen, 63% aller Amerikanerinnen,
       aber nur  51% aller  bundesdeutschen Frauen  im Alter zwischen 35
       und 44 Jahren erwerbstätig. 1) Es liegt auf der Hand, daß die Er-
       werbsbeteiligung durch  die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt er-
       mutigt oder entmutigt werden kann.
       Besonders kompliziert  ist die  Vorausschätzung  der  zukünftigen
       Zahl der  Arbeitsplätze, zumal  wir davon ausgehen müssen, daß es
       (- abgesehen  von denkbaren massiven Krisen auf den Finanzmärkten
       -) bis  zum Jahr  2000 noch  einige zyklische Krisen geben wird -
       was selbst  in den besten bürgerlichen Projektionen der zukünfti-
       gen  Entwicklung   des  Erwerbspersonenpotentials   und  der  Ar-
       beitsplätze verdrängt wird. 2)
       Zu berücksichtigen  ist ferner  die "Historizität"  der benutzten
       Begriffe.   Arbeitsplatz    ist   schon    heute   nicht   gleich
       "Arbeitsplatz",  weil  es  sich  bei  einem  Teil  von  ihnen  um
       "Stellen" handelt,  die vom  stockenden Teil  der Reservearmee 3)
       eingenommen werden.
       Schließlich sei  darauf verwiesen,  daß die  Anzahl, Struktur und
       Menschenwürdigkeit zukünftiger  Arbeitsplätze auch  etwas mit der
       fast 140  Jahre alten  Erkenntnis "Alle  Geschichte ist  eine Ge-
       schichte von  Klassenkämpfen" zu  tun hat. Gelingt es den Lohnab-
       hängigen der  Bundesrepublik, eine  durchdringende Verkürzung der
       Arbeitszeit durchzusetzen? (Rückblickend ist darauf zu verweisen,
       daß ohne die erfolgten Arbeitszeitverkürzungen seit 1960 ganze 20
       Millionen Erwerbstätige  - statt  gegenwärtig 25 Millionen - aus-
       reichen würden, um das Bruttosozialprodukt des Jahres 1985 zu er-
       wirtschaften. 4)
       Die zitierte  Einsicht läßt  sich mühelos  durch alle Abteilungen
       des Wirtschaftskörpers  der BRD verfolgen. Die Zahl der Landwirte
       im Jahr  2000 wird  nicht zuletzt  davon abhängen, ob es gelingt,
       den ökonomischen  Zwang zu  ständig steigender Intensivierung der
       Agrarproduktion zu  durchbrechen und ernst zu machen mit der For-
       derung, daß die Landwirtschaft eine wichtige Funktion für die Er-
       haltung der  Kulturlandschaft habe. Ähnlich im Bereich des produ-
       zierenden Gewerbes:  Wieviel mehr  Bauarbeiter wären  nötig, wenn
       bei allen Baumaßnahmen ökologische Gesichtspunkte stärker berück-
       sichtigt würden,  wenn zum  Beispiel alle Bäume, die älter als 20
       Jahre sind, durch erprobte Techniken am Leben blieben? 5) Gravie-
       rend sind  nach wie vor die Lücken im Bereich der sozialen Infra-
       struktur. Werden  sie bis  zum Jahr 2000 größer oder kleiner? Was
       wird, entscheidet  also nicht  zuletzt das  "Kräfteverhältnis der
       Kämpfenden".
       Mit diesen Stichpunkten seien die Probleme und Unwägbarkeiten der
       folgenden "Prognosen"  angedeutet.  Angesichts  des  beschränkten
       Raums kann hier auf die Schätzmethoden nicht eingegangen werden.
       
       1. Sozialökonomische Eckdaten
       -----------------------------
       
       1.1 Bevölkerungsentwicklung
       ---------------------------
       
       Nach einer mittleren Variante wird es im Jahr 2000 rund 2 Millio-
       nen Einwohner  weniger als  gegenwärtig in der Bundesrepublik ge-
       ben, was  Auswirkungen auf  alle konsumorientierten  Bereiche der
       gesellschaftlichen Reproduktion haben wird. Das gilt noch deutli-
       cher im Hinblick auf die zu erwartenden Veränderungen der Alters-
       struktur. Weil  die geburtenstarken Jahrgänge ins gebärfähige Al-
       ter aufrücken,  werden die  Kinderzahlen (bis unter 15 Jahre) nur
       noch geringfügig zurückgehen. Gesellschaftliche Einrichtungen zur
       Kindererziehung müssen  also im wesentlichen in ihrem gegenwärti-
       gen Umfang  erhalten bleiben, der entstehende Spielraum zu Quali-
       tätsverbesserungen genutzt  werden. Die gravierendste Veränderung
       spielt sich  in der Altersgruppe der 15- bis unter 25jährigen ab.
       Diese Gruppe  wird von derzeit gut 10 Millionen Menschen auf etwa
       6 Millionen  zurückgehen, was nicht nur zu Problemen für die Bun-
       deswehr führt.  Diese Altersgruppe ist für bestimmte Bereiche des
       Dienstleistungssektors die  tragende Nachfragesäule (wer soll die
       Papp-Semmeln von  MacDonald's vertilgen?). Dieses "Loch" - im we-
       sentlichen durch die Menschenverluste zweier Weltkriege bedingt -
       verweist übrigens  darauf, daß platte Vergleiche zwischen der BRD
       und den USA schon aus diesem Grund fragwürdig sind. 6)
       Die Altersgruppe  der 25- bis unter 60jährigen - zum größten Teil
       erwerbstätig -  wird bis  zum Jahr 2000 noch um rund eine Million
       Personen zunehmen,  was auch  für die  Gruppe der über 60jährigen
       gilt. Letzteres erfordert Überlegungen im Hinblick auf den Aufbau
       und Ausbau spezifischer Einrichtungen der gesellschaftlichen Kon-
       sumtion, zumal  die Zahl  der "Alten"  nach dem  Jahr 2000 weiter
       rasch ansteigt.  Allein aus den skizzierten demographischen Grün-
       den wird  die Inanspruchnahme ambulanter und stationärer Leistun-
       gen des  Gesundheitswesens schätzungsweise  um 6-7% ansteigen. 7)
       Probleme mit  der Rentenversicherung  aus demographischen Gründen
       wird es  bis in  das nächste  Jahrtausend hinein nicht geben. Die
       Belastungsquote -  das Verhältnis  von Personen im erwerbsfähigen
       Alter (20-60)  zur übrigen Bevölkerung - verschlechtert sich erst
       nach dem  Jahr 2020, dann freilich drastisch. Daß trotzdem gegen-
       wärtig schon "in Panik" gemacht wird, hat zum einen die Funktion,
       von den  systembedingten Ursachen  der  Rentenfinanzierungsmisere
       (Arbeitslosigkeit, Stagnation  der Arbeitseinkommen)  abzulenken;
       zum anderen  versuchen die  konservativen Strategen,  reaktionäre
       Lösungsmodelle propagandistisch vorzubereiten.
       Die grob skizzierten Veränderungen des Altersaufbaus der Bevölke-
       rung wirken auf die sozialstatistischen Gruppen in unterschiedli-
       cher Weise.  So werden  "Arbeiter" in  den nächsten 15 Jahren al-
       tersbedingt weit  überdurchschnittlich aus dem Erwerbspersonenpo-
       tential hinauswachsen.  Nach dem  Mikrozensus von  1982 waren zum
       Beispiel 37%  aller Bergleute,  39% der Chemiewerker, 46% der Me-
       tallerzeuger, 43% der Maschinisten und 40% der Hilfsarbeiter ver-
       schiedener Kategorien  (vgl. unter  2.1) älter  als 45 Jahre, was
       angesichts der  teilweise überdurchschnittlichen Arbeitslosenquo-
       ten dieser Alters- und Berufsgruppen im Hinblick auf die Erwerbs-
       personen noch  deutlicher ausgeprägt  ist. Um  die 20%  aller Er-
       werbstätigen zählten  zu Berufsgruppen mit überdurchschnittlichem
       Alter, was  unter anderem  darauf verweist, daß das Potential für
       sogenannte "weiche"  Lösungen des Arbeitsplatzabbaus über die Al-
       tersfluktuation beachtlich ist.
       Selbst dann,  wenn diese Arbeitsplätze wieder neu besetzt werden,
       ist dies  mit einer  Umdefinition des Anspruchsprofils (vor allem
       den Alterserwartungen)  durch die  Unternehmer verbunden. Das hat
       zur Folge,  daß der  Arbeitsmarkt für ältere Arbeiter (und natür-
       lich auch  für Angestellte) in den nächsten 15 Jahren immer enger
       wird. Nicht  nur hier  - sondern  auch bei hochqualifizierten Ar-
       beitsplätzen, wo "älter als 45 Jahre" nahezu mit Chancenlosigkeit
       gleichzusetzen ist  - sind die Betriebsräte gefordert. Sie müssen
       versuchen, Einfluß auf Stellenausschreibungen zu nehmen. Schließ-
       lich verweist  der skizzierte Umstand darauf, daß neue Formen der
       Gewerkschaftsarbeit, die über die Seniorenarbeitskreise weit hin-
       ausgehen, entwickelt werden müssen. Die "Senioren" werden erstens
       immer mehr und zweitens immer jünger.
       20-25% der  Erwerbstätigen gehören  zu Berufsgruppen mit deutlich
       unterdurchschnittlichem Alter.  So waren beispielsweise 55% aller
       Feinblechner, 63%  der Mechaniker, Werkzeugmacher und Metallfein-
       bauer, 60%  der Elektriker,  63% der technischen Sonderfachkräfte
       jünger als  35 Jahre.  Aber auch  Ernährungs- und Verkaufsberufe,
       Dienstleistungskaufleute, Gesundheitsberufe  u.a. haben eine sehr
       junge Altersstruktur. Das hängt unter anderem damit zusammen, daß
       viele Berufsgruppen  mit Lehrlingen so vollgestopft sind, daß nur
       ein geringer  Prozentsatz nach  der Lehre übernommen werden kann,
       was vor  allem für  viele Mädchen (z.B. Friseusen), aber auch für
       Jungen (KFZ-Instandhalter) gilt. Daß es hier Probleme gibt, zeigt
       das steile Wachstum der Zahl der Arbeitslosen in der Altersgruppe
       20 bis  25 Jahre in den letzten zwei bis drei Jahren. Das Problem
       wird unseres  Erachtens bis an die Schwelle der 90er Jahre andau-
       ern. 8)
       Das jugendliche  Profil der  aufgezählten Berufe  wird in  vielen
       Fällen bedeuten,  daß der  Ersatzbedarf auf absehbare Zeit gering
       bleibt. Das  gilt insgesamt,  aber auch  für Überwechsler aus dem
       Handwerk in  die Industrie sowie für Jugendliche aus weniger ent-
       wickelten Regionen,  die Arbeitsplätze  an den  Standorten (noch)
       prosperierender Industrie  suchen. 9) Für das Kapital ergibt sich
       unter herrschaftsstrategischen  Gesichtspunkten, daß  die Konkur-
       renz unter den Jugendlichen auch nach der Lehre größer als früher
       bleibt, was die Einübung von organisiertem, solidarischem Handeln
       erschwert. Es  besteht die  Gefahr, daß  vielen Jugendlichen  das
       Rückgrat gebrochen wird, bevor sie überhaupt erstmals einen halb-
       wegs befriedigenden, festen Arbeitsplatz gefunden haben.
       
       1.2 Erwerbsverhalten
       --------------------
       
       Neben der natürlichen Bevölkerungsentwicklung wird das zukünftige
       Erwerbspersonenpotential (=  EwPo = Erwerbstätige + amtlich regi-
       strierte Arbeitslosigkeit  + Stille  Reserve) zunächst  durch die
       Wanderungsbewegung bestimmt,  wobei vor allem die Salden der Aus-
       länderwanderung eine  Rolle spielen. Nach der IAB/Prognos-Projek-
       tion bewegen  sich die entsprechenden Werte für das EwPo der Aus-
       länder im Jahr 2000 zwischen 2,3 Millionen und 3,5 Millionen, was
       gegenüber dem  Stand von  1982 im  Falle der oberen Variante eine
       zusätzliche Arbeitsplatznachfrage  von  +1,2  Millionen  bedeuten
       würde. 10)
       Tatsächlich war die Ausländerabwanderung - auch aufgrund der Aus-
       länderfeindlichkeit, ihrer  überdurchschnittlichen  Arbeitslosig-
       keit sowie  den Rückkehrprämien,  bei denen sie um 50% ihrer Ren-
       tenansprüche betrogen  wurden - in den letzten Jahren sehr stark.
       Die Zahl  der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm vom
       Juni 1975  bis zum  September 1984  um 460 000 ab. 11) Allerdings
       spricht vieles für die These, daß die Stille Reserve bei den Aus-
       ländern bisher  unterschätzt wurde und bereits 1981 bei 350 000 -
       400 000 Personen  gelegen hat.  12) Auch angesichts der Tatsache,
       daß das  berufliche Qualifikationsniveau  der Ausländer  deutlich
       gestiegen ist  (Fach- und  Vorarbeiter waren 1980: 19% aller Ita-
       liener, 42%  aller Jugoslawen, 31% aller Griechen, 15% aller Tür-
       ken) 13)  gehen wir  davon aus,  daß das Erwerbspersonenpotential
       der Ausländer im Jahr 2000 über dem der Mitte der 80er Jahre lie-
       gen wird.
       Die große  Unbekannte bei der Projektion des EwPo ist das zukünf-
       tige Erwerbsverhalten  der Frauen.  Bekanntlich sind die Erwerbs-
       quoten der Frauen vor allem seit Mitte der 60er Jahre - trotz des
       anhaltenden Rückgangs  der mithelfenden  Frauen in  der Landwirt-
       schaft -  deutlich gestiegen. Die IAB/Prognos-Projektion markiert
       die Spannweite  des inländischen  EwPo, das  1982 schätzungsweise
       26,1  Millionen   Personen  umfaßte,  durch  folgende  Varianten:
       U n t e r g r e n z e:   "Abschwächung der  langfristigen Verhal-
       tenstrends, insbesondere bei Frauen" (EwPo 1990: 26,8; 2000: 25,2
       Millionen).  O b e r g r e n z e:  "stärkerer Anstieg der Frauen-
       erwerbsneigung ..."  (EwPo 1990:  27,3 Millionen; 2000: 26,5 Mil-
       lionen). 14)  Es ergibt  sich also,  daß das EwPo - gleichgültig,
       welche Verhaltensvariante  sich stärker durchsetzt - bis 1990 an-
       steigt und erst danach aus demographischen Gründen zurückgeht, in
       seiner oberen  Variante aber  auch im  Jahr 2000  noch um 400 000
       über dem Stand von 1982 liegt.
       Nach unserer Ansicht wird sich die Entwicklung der Erwerbsbereit-
       schaft der Frauen eher an der oberen Variante orientieren.
       Beim Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit spielte nicht zuletzt ihr
       wachsendes formales  (abgeschwächt auch beruffachliches) Qualifi-
       kationsniveau eine Rolle, das in der Altersgruppe der 15- bis un-
       ter 35jährigen  bereits heute höher als das der Männer ist. 12,4%
       aller erwerbstätigen  Frauen  dieser  Altersgruppe  haben  Abitur
       (Männer 13,4%). 33% dieser jungen Frauen haben einen Realschulab-
       schluß (erwerbstätige  Männer 21%),  was bedeutet,  daß die Quote
       der Männer,  die ohne  oder mit  Hauptschulabschluß arbeiten, we-
       sentlich über der der Frauen liegt. In der benannten Altersgruppe
       beträgt die  Erwerbsquote der  Frauen mit  Realschulabschluß 76%,
       die der Abiturientinnen (zum Teil befinden sich diese Frauen noch
       im Ausbildungssystem)  rund 70%,  bei  einer  Erwerbsquote  aller
       Frauen dieser  Altersgruppe von  57%. Von den rund 950 000 Frauen
       in der Bundesrepublik, die 1982 einen Fachhoch- oder Hochschulab-
       schluß hatten,  waren 72%  Erwerbspersonen (darunter  etwa 30 000
       registrierte Arbeitslose). 15)
       Wachsende Anteile  - auch  jüngerer Frauen  - sind Alleinstehende
       (häufig mit  Kindern), die  auf volle Erwerbstätigkeit angewiesen
       sind.
       Angesichts der  zukünftigen Entwicklungstendenzen auf den einzel-
       nen Teilarbeitsmärkten  für Frauen,  aber auch  auf denen, wo sie
       mit den  Männern konkurrieren,  wird es  zunehmend riskanter, die
       Erwerbstätigkeit auch nur vorübergehend zu unterbrechen, weil ein
       späterer Wiedereinstieg - zumindest auf der gleichen Qualifikati-
       onsstufe -  immer schwieriger wird. 16) Angesichts des hohen for-
       malen Qualifikationsniveaus  der Frauen werden es auch immer mehr
       werden, die  ihre Aufstiegsmöglichkeiten  durch Unterbrechung der
       Berufstätigkeit nicht schmälern wollen.
       Wir gehen davon aus, daß sich die Erwerbsneigung der Inländer ge-
       mäß der  oberen Variante,  die der Ausländer nach einer mittleren
       Variante entwickeln  wird und  schätzen das EwPo im Jahr 2000 auf
       29 Millionen  (was etwa dem gegenwärtigen Niveau entspricht), da-
       mit eher  an der  Obergrenze der  IAB/Prognos-Projektion liegend,
       die einen  "Korridor" von  27,5 Millionen bis 30,1 Millionen pro-
       jektiert.
       
       1.3 Arbeitsplätze
       -----------------
       
       Prognosen über  die zukünftige Zahl der Arbeitsplätze haben unter
       kapitalistischen Verhältnissen  die gleiche  Treffsicherheit  wie
       Wettervoraussagen. Aus  ähnlichen Gründen:  Die komplexe Erschei-
       nung "Wetter" wird in ihrem natürlichen Wirkungsgefüge noch nicht
       durchschaut; Unsicherheiten von Arbeitsplatzprognosen resultieren
       aus der  Tatsache, daß in einer Gesellschaftsformation prognosti-
       ziert wird, "worin der Produktionsprozeß die Menschen, der Mensch
       noch nicht den Produktionsprozeß bemeistert". 17)
       Aufgrund verschiedener  Annahmen über  die zukünftige Entwicklung
       von Produktion  und Produktivität schätzt die IAB/Prognos-Projek-
       tion die  Zahl der  Arbeitsplätze (1984 = 25,2 Millionen) im Jahr
       2000
       - im ungünstigsten Fall auf 22,6 Millionen
       - im günstigsten Fall auf 26,3 Millionen. 18)
       Dabei  ist   für  alle  Varianten    e i n e    j ä h r l i c h e
       A r b e i t s z e i t v e r k ü r z u n g   v o n    1 %    b i s
       1, 3 %   u n t e r s t e l l t!   Gelingt es  nicht, diese durch-
       zusetzen, dann  verringert sich  die Zahl  der Arbeitsplätze ent-
       sprechend. Bei  der  oberen  Variante  werden  für  den  Zeitraum
       1982/2000 im  Jahresdurchschnitt unterstellt:  Wachstum des Brut-
       toinlandprodukts um  3%, der  Produktivität pro Erwerbstätigen um
       2,8%, Arbeitszeitverkürzung um 1,2%. Selbst bei diesen sehr opti-
       mistischen Annahmen  ergibt sich nur ein Zuwachs der Zahl der Ar-
       beitsplätze gegenüber dem gegenwärtigen Stand von 1,1 Millionen.
       Eine IMSF-Schätzung,  die im  Kern von  den  Sozialversicherungs-
       pflichtigen Beschäftigten  19) nach Wirtschaftszweigen im Septem-
       ber 1984 ausgeht (also einem saisonal günstigen Monat, in dem die
       neuen "Azubis"  erfaßt sind),  ergibt eine  Verminderung der Zahl
       der Arbeitsplätze  um rund l Million oder um 4% des Bestandes vom
       September 1984.
       
       Tabelle 1:
       
       Erwerbstätige 1980, 1984, 2000 (in 1000 und %)
       
                         1980 a)     1984 b)     1984 c)     2000 d)
                        in 1000  %  in 1000  %  in 1000  %  in 1000  %
       Land- und Forst-
       wirtschaft usw.   1440    5   1370    5   1300    5   1100    4
       Gew. Warenprod.,
       Verkehr          13060   50  11960   48  12400   47  10300   41
       Priv. u. öffentl.
       Dienste          11750   45  11850   47  12600   48  13900   55
       Insgesamt        26250  100  25180  100  26300  100  25300  100
       _____
       a) Jahresdurchschnitt nach dem Mikrozensus.
       b) Jahresdurchschnitt; Schätzung des Statistischen Bundesamtes
       c) IMSF-Schätzung für September 1984
       d) IMSF-Schätzung
       
       Die Ergebnisse  - interessant  sind weniger  die absoluten Zahlen
       als die  Entwicklungstendenz - lassen sich wie folgt interpretie-
       ren: Die  bisherigen  Entwicklungstrends  setzen  sich  zukünftig
       fort.  Der   Beschäftigtenrückgang  in   der     L a n d w i r t-
       s c h a f t   wird sich  weiter abschwächen.  Er beruht zukünftig
       vor allem  auf dem Ausscheiden älterer Erwerbstätiger, für die es
       keinen Nachwuchs gibt.
       Die Entwicklung der Beschäftigung in der  g e w e r b l i c h e n
       W a r e n p r o d u k t i o n    u n d    i m    V e r k e h r s-
       s e k t o r  ist von Branche zu Branche - aber auch innerhalb der
       einzelnen Wirtschaftszweige - verschieden. Gegenwärtig noch wach-
       sende Bereiche  wie  der  Fahrzeugbau  werden  zukünftig  in  be-
       trächtlichem Umfang Arbeitsplätze abbauen. 20) Insgesamt herrscht
       auch in  den nächsten  15 Jahren ein Akkumulationstyp vor, dessen
       Merkmale Marx mit "Relative Abnahme des variablen Kapitalteils im
       Fortgang der Akkumulation und der sie begleitenden Konzentration"
       gekennzeichnet hatte.  Als eine  der Konsequenzen  dieses Akkumu-
       lationstyps sah  er die  "Progressive Produktion  einer relativen
       Übervölkerung oder  industriellen Reservearmee"  21), die  um  so
       schneller wächst,  desto wirksamer  (und  billiger!)  die  Ratio-
       nalisierungsmittel sind,  die zur  Verfügung  stehen.  22)  Dabei
       erstreckt sich  dieser Prozeß  nicht nur  auf  die  direkte  Pro-
       duktion, sondern  vermehrt auch  auf die  vor- und nachgelagerten
       (vor allem Büro-)Bereiche.
       Die Möglichkeiten  der Automations-  und  Rationalisierungsmittel
       sowie der  universellen Informations-  und Datenverarbeitung sind
       heute im  großen und  ganzen bekannt.  Sie bekommen eine neue, in
       den 90er  Jahren dann verstärkt wirkende Qualität durch die wach-
       sende maschinelle  Erledigung sensitiver und intelligenter Opera-
       tionen, die  bislang nahezu  allein die  menschliche Arbeitskraft
       verausgabt hat. Wir dürfen davon ausgehen, daß längerfristig 50 -
       60% aller  Tätigkeiten in  der Fertigung und Montage und 30 - 40%
       aller Bürotätigkeiten  automatisierbar sind.  Es ist  aber schwer
       abzuschätzen, wie schnell das technisch Machbare sich durchsetzt.
       Dieser vorherrschende  Typ der  Akkumulation schließt  nicht aus,
       daß es in einzelnen Branchen zu Beschäftigtenwachstum kommt. Ent-
       weder weil  die Akkumulation  des Kapitals  auf gegebener techni-
       scher Grundlage  fortschreitet, oder das Produktionswachstum über
       dem der  Produktivität liegt.  So stieg die Beschäftigtenzahl der
       insgesamt auch  zukünftig schrumpfenden  Elektroindustrie in  den
       Bereichen Funknachrichtentechnik,  Regel- und  Steuerungseinrich-
       tungen, Elektromedizin  und Reparaturen  von 106 000  (1970)  auf
       134 000 (1982). 23)
       Quer durch  alle Bereiche  des warenproduzierenden Sektors ist zu
       berücksichtigen, daß  der arbeitsintensivere  Handwerksanteil zu-
       nimmt. Die  Großproduktion hinterläßt  und eröffnet  Nischen, die
       von kleineren  Kapitalen und  den  selbständigen  Mittelschichten
       ausgefüllt werden. Freilich ist als Gegentendenz die Produktions-
       flexibilisierung und der damit verbundene Übergang zur Kleinseri-
       enfertigung durch  das große  Kapital zu berücksichtigen. Auch im
       Handwerk sind die Rationalisierungsreserven beachtlich, nicht zu-
       letzt im  Reparaturhandwerk, das  zu beträchtlichen  Teilen (etwa
       KFZ-Reparatur!) von  den Großkonzernen  abhängig ist. 24) Was das
       bedeuten   kann,    haben   die    Mineralölkonzerne   mit    dem
       "Tankstellensterben" vorexerziert.
       Im Sektor  Verkehr und  Nachrichten gehen  wir davon aus, daß die
       Qualitätsverschlechterungen bei  Bahn und Post auch zukünftig an-
       dauern und in diesen Bereichen weiter Arbeitsplätze abgebaut wer-
       den. Diese  Tendenz ließe  sich nur  aufhalten, wenn  die Gewerk-
       schaften dieses  Bereichs Widerstand  mobilisieren, der über ihre
       eigene schrumpfende  Organisationsbasis hinaus breitere Teile der
       Bevölkerung mobilisiert.
       Der Abbau von 15-20% aller Arbeitsplätze im Bereich der gewerbli-
       chen Warenproduktion  und im  Verkehr wird durch das Wachstum der
       Beschäftigungsmöglichkeiten  im    B e r e i c h    d e r    ö f-
       f e n t l i c h e n  u n d  p r i v a t e n  D i e n s t e  nicht
       aufgewogen,  weil   das  Rationalisierungstempo  auch  in  diesem
       Bereich ansteigt.  Bei den "consumer Services" ist zusätzlich der
       Rückgang der Einwohnerzahl und die Polarisierung der Kaufkraft zu
       berücksichtigen. Auf  der anderen Seite werden beispielsweise die
       Scharen von  Ärzten, Apothekern, Juristen, Betriebswirten, Infor-
       matikern usw.,  die die  Universitäten verlassen, mangels anderer
       Möglichkeiten häufig  selbständige (Kümmer-)Existenzen begründen.
       Schließlich gehen  wir davon  aus, daß  die Möglichkeit  besteht,
       vorhandene personelle  Defizite im  Bereich der öffentlichen Ver-
       sorgung durch Druck zum Teil abzubauen.
       In einer  Reihe von  Dienstleistungsbereichen zeichnet  sich aber
       bereits gegenwärtig ab, daß im Jahr 2000 die Sozialversicherungs-
       pflichtigen eine  Minderheit gegenüber  denen sein werden, die in
       "ungeschützter" Beschäftigung  tätig sind.  Überhaupt werden  die
       Bestandzahlen im  Jahr 2000 noch weniger als gegenwärtig über die
       Qualität von Arbeitsverhältnissen aussagen.
       
       1.4 Arbeitsmarktbilanz
       ----------------------
       
       Aus der  Gegenüberstellung des  EwPo und  der zu erwartenden Zahl
       von Arbeitsplätzen  ergeben sich Hinweise auf mögliche Größenord-
       nungen der Arbeitslosigkeit und der Stillen Reserve. Aus den Eck-
       daten der  IAB/Prognos-Projektion ergibt  sich für  das Jahr 2000
       ein negativer Saldo, der im  g ü n s t i g s t e n  F a l l  1, 2
       M i l l i o n e n     P e r s o n e n      b e t r ä g t,      im
       u n g ü n s t i g s t e n   F a l l  - also wenn die oberen Vari-
       anten des EwPo mit der ungünstigsten Variante im Hinblick auf die
       Zahl  der   Arbeitsplätze   zusammentreffen   -   sogar      7, 5
       M i l l i o n e n   P e r s o n e n,   die arbeiten  wollen, aber
       nicht können.
       
       Tabelle 2:
       Arbeitsmarktbilanz 1984 und 2000 (in 1000)
       
                                       1984 a)    1984 b)    2000 c)
       
       Erwerbspersonenpotential        28 000     29 800     29 000
       Erwerbstätige I               \            25 100     22 000
                                      >25 100
       Erwerbstätige II d)           /             1 200      3 300
       Registrierte Arbeitslosigkeit    2 300      2 100   \
                                                            > 3 700
       Stille Reserve 28800 } 25 100    1 400      1 400   /
       _____
       a) Jahresdurchschnitt; IAB-Schätzung
       b) Septemberwerte; IMSF-Schätzung
       c) IMSF-Schätzung
       d) Erwerbstätige II  = Stockende  und "zähflüssige" Teile der Re-
       servearmee
       
       Wir schätzen  die Größenordnung dieses "Lochs" auf 3,7 Millionen.
       Es wäre also trotz des demographischen Entlastungseffekts ab 1990
       etwa so groß wie gegenwärtig.
       Diese negative  Bilanz ist  zusätzlich dadurch belastet, daß sich
       unter den  Erwerbstätigen ein steigender Anteil befindet, der zum
       stockenden und  "zähflüssigen" Teil  der Reservearmee  zählt: Be-
       schäftigte mit  kurzfristigen Arbeitsverhältnissen,  die im  Jah-
       resablauf zwei,  drei und  mehr Beschäftigungen haben 25) und ge-
       zwungen sind, ihre Arbeitskraft zu unterdurchschnittlichen Bedin-
       gungen zu  verkaufen. Das  betrifft Angehörige aller sozialstati-
       stischen Gruppen  einschließlich selbständiger  Kümmerexistenzen.
       Unsere Schätzung  - wir  gehen davon  aus, daß es im Jahr 2000 um
       die drei  Millionen solcher  Arbeitsverhältnisse geben wird - ist
       wahrscheinlich noch zu vorsichtig.
       Die Destabilisierung  vieler Arbeitsplätze wird durch den Einsatz
       von Personal-Informationssystemen (PIS) vorangetrieben. 26) Zumal
       in der  Kombination mit Systemen der Fertigungssteuerung kann der
       Personaleinsatz rationeller,  "hauteng" an  den je  akuten Bedarf
       angepaßt, erfolgen.
       Treten doch  vorübergehend personelle Engpässe auf, die durch In-
       tensivierung und Überstunden (nach wie vor die wichtigsten Flexi-
       bilisierungsinstrumente) nicht  abgedeckt werden  können,  werden
       die Dienste  von Verleihfirmen  in Anspruch genommen und Beschäf-
       tigte mit  befristeten Arbeitsverhältnissen (für Akademiker Werk-
       verträge u. ä.) eingestellt, was durch das zynisch so bezeichnete
       "Beschäftigungsförderungsgesetz" der  CDU/FDP-Bundesregierung ge-
       fördert wird.
       Diese Tendenz  zur Fragmentierung  der Lohnabhängigen ist auch im
       öffentlichen Dienst  zu beobachten  (Teilverträge, ABM, Zwangsar-
       beit im  Zusammenhang mit  den §§ 19, 20 des Bundessozialhilfege-
       setzes). Im  traditionellen Waffenarsenal  der "Teile  und  herr-
       sche"-Politik des  Kapitals bekommt  die Differenzierung nach der
       Arbeitszeit und  rechtlichen Qualität der Arbeitsverhältnisse im-
       mer größeres Gewicht, was Arbeitereinheitspolitik und organisier-
       tes Handeln zunehmend erschweren wird.
       
       2. Zur Entwicklung der Sozial- und Klassenstruktur 27)
       ------------------------------------------------------
       
       Ist schon  die  Vorausschätzung  der  zukünftigen  Zahl  der  Ar-
       beitsplätze ein  "heroisches" Unterfangen,  so gilt das noch mehr
       für Schätzungen  ihrer Klassenstruktur.  Das hängt auch damit zu-
       sammen, daß  gegenwärtig der große Umfang der Lehrlingsbeschäfti-
       gung, vor  allem aber  die hohe  Arbeitslosigkeit zu Verwerfungen
       und Definitionsschwierigkeiten bei der Bestimmung von Sozial- und
       Klassenstatus führen.
       
       2.1 Entwicklung sozialstatistischer Hauptgruppen
       ------------------------------------------------
       
       Der Anteil  der   S e l b s t ä n d i g e n   u n d  M i t h e l-
       f e n d e n  an den Erwerbstätigen ging von 1960 bis 1980 von 23%
       auf 13%  zurück. Diese  Tendenz wurde  relativ und  absolut  seit
       Beginn der  80er Jahre  unterbrochen. Zum  einen liegt das an der
       Verringerung des Abbaupotentials in der Landwirtschaft, in der zu
       Beginn der  achtziger Jahre nur noch 35% aller Angehörigen dieser
       sozialstatistischen Gruppe  erwerbstätig waren  (1960: 52%);  zum
       anderen ist  das Ausdruck  der von  uns bereits  in der Mitte der
       70er Jahre  festgestellten Beharrungstendenz  selbständiger  Exi-
       stenzen im Bereich der materiellen Produktion; schließlich spielt
       die  Neugründung  von  Unternehmen  -  vor  allem  im  Dienstlei-
       stungsbereich -  eine Rolle.  Rund 33%  aller Selbständigen  sind
       allerdings Inhaber von 1-Personen-Unternehmen. 28)
       Diese sozialstatistische Gruppe - klassenmäßig setzt sie sich aus
       selbständigen Mittelschichten  und fungierenden Eigentümerkapita-
       listen zusammen  - wird  auch zukünftig  kaum zurückgehen,  wobei
       aber ein  noch größerer  Teil als gegenwärtig zum stockenden oder
       latenten Teil der Reservearmee zu zählen ist. Darauf verweist die
       hohe Zahl von Konkursen frisch gegründeter Unternehmen, bei denen
       häufig die gesamten Ersparnisse draufgehen und eine lebenslang zu
       tilgende Schuldenlast aufgehäuft wurde.
       Die   B e a m t e n b e s c h ä f t i g u n g   hat auch  in  den
       siebziger Jahren  - im  Vergleich zu  den sechziger Jahren aller-
       dings schon  abgeschwächt -  weiter zugenommen. Ihr Anteil an den
       abhängig Erwerbstätigen  stieg von  6% (1960)  über 9% (1970) auf
       10% im Jahr 1980.
       Seit der  zweiten Hälfte  der 70er  Jahre sind  nur noch  geringe
       Wachstumsraten - vor allem bei den Ländern und Kommunen - zu ver-
       zeichnen. Sowohl  bei den  Gebietskörperschaften als auch bei der
       Bundesbahn sind es vor allem die Arbeiterklassengruppen der Beam-
       ten, die  abgebaut wurden. Zur Illustration die Entwicklung 1979-
       1985 der  Planstellen beim  Bund: Alle Beamtenplanstellen bei den
       Ministerien und den nachgeordneten Behörden (ohne Bundesunterneh-
       men und  Bundeswehr) verminderten sich von 115 000 auf 110 000 (-
       4%); die aufgrund ihrer Position und Funktion der Bourgeoisie zu-
       zurechnenden Gruppen  nahmen um  1,5% zu, die Gruppen der lohnab-
       hängigen Mittelschichten und der Intelligenz verminderten sich um
       2%, die Arbeiterklassengruppen gingen um 7% zurück. 29) Wir gehen
       davon aus,  daß sich  die Zahl  der Beamten zukünftig verringert,
       weil Zuwächse  in bestimmten Bereichen den weiteren Abbau von Ar-
       beiterklassengruppen etwa bei Bahn und Post nicht ausgleichen.
       
       Tabelle 3:
       Klassenstruktur der Beamten 1984 (in 1000 und %)
       
                                  Gruppen der...
                            Arbeiter-   Mittel-   Bour-
                            klasse      schicht   geoisie
                            abs.  %     abs.  %     abs.  %     abs.  %
       
       Männer              1060  57     750  40      50   3    1860 100
       Frauen               120  27     310  70      10   2     440 100
       Insgesamt           1180  51    1060  46      60   3    2300 100
       _____
       Quelle: IMSF-Schätzung
       
       Bemerkenswert ist die Entwicklung des Frauenanteils. Er stieg von
       10% (1960)  über 12%  (1970) auf  gut 20% im Jahr 1984, wobei der
       Anstieg der  Teilzeitarbeit bei  den  Beamtinnen  eine  geringere
       Rolle als bei den übrigen sozialstatistischen Gruppen des öffent-
       lichen Dienstes  spielte. Die  verbeamteten Frauen gehören anders
       als die  Männer zu  70-75% zu  den lohnabhängigen Mittelschichten
       und der  Intelligenz. 73%  dieser Schicht  (absolut: 260000) sind
       allerdings Lehrerinnen.
       Der   A n g e s t e l l t e n a n t e i l   an den  abhängig  Be-
       schäftigten stieg von 1960 bis 1980 von 30% auf 42%, erhöhte sich
       in den 80er Jahren aber nur noch geringfügig. Der Zuwachs der An-
       gestelltenbeschäftigung erfolgte  in den letzten 15 Jahren zu 75%
       in den Bereichen, die traditionell Hochburgen der Angestelltenbe-
       schäftigung waren.
       Der Frauenanteil  betrug 1960  und 1970   49% und im Jahresdurch-
       schnitt 1984   52%.  Die Zunahme ging überwiegend auf den Anstieg
       der Teilzeitbeschäftigung  zurück. Die  Teilzeitquote der  Frauen
       (Arbeiterinnen und  Angestellte) betrug  1960   9%, 1970  24% und
       1984 über 33%. 30)
       Im April  1982 arbeiteten  17% aller Bank- und Versicherungskauf-
       frauen, 29%  aller Bürofachfrauen  und 44%  aller Buchhalterinnen
       weniger als  36 Stunden in der Woche. Traditionell stark verbrei-
       tet -  durch die Unternehmer zum Teil bis zur sozialen Unverträg-
       lichkeit forciert (KAPOVAZ usw.) - ist die Teilzeitarbeit im Han-
       del. Im  April 1982  waren 39%  aller Verkäuferinnen  Teilzeitbe-
       schäftigte.
       Die Tatsache,  daß der  größte Teil der Angestellten nach dem so-
       zialen Status  und der Funktion im Reproduktionsprozeß zur Arbei-
       terklasse zahlt,  muß geschlechtsspezifisch differenziert werden,
       weil das  lediglich für  die Frauen gilt. Die Aussage "die Frauen
       erobern den  öffentlichen Dienst  - aber nicht die guten Positio-
       nen" 31),  gilt nicht  nur dort, sondern für den gesamten Bereich
       der Angestelltentätigkeiten.
       
       Tabelle 4:
       Klassenstruktur der Angestellten 1984 (in 1000 und %)
       
                                  Gruppen der...
                            Arbeiter-   Mittel-   Bour-
                            klasse      schicht   geoisie
                            abs.  %     abs.  %     abs.  %     abs.  %
       
       Männer              2000  46    1950  45     410   9    4360 100
       Frauen              4600  87     650  12      50   1    5300 100
       Insgesamt           6600  68    2600  27     460   5    9660 100
       _____
       Quelle: IMSF-Schätzung
       
       Die Daten  zeigen unter anderem die Problematik des gewerkschaft-
       lichen Zugangs  zu den  Angestellten. Ein  Großteil der Arbeiter-
       klassengruppen sind  erstens Frauen,  die zweitens zu einem hohen
       Anteil teilzeitbeschäftigt sind und drittens Männer zu Vorgesetz-
       ten haben,  was auch  für den größten Teil der Frauen der lohnab-
       hängigen Mittelschichten  und der Intelligenz gilt. Diese hühner-
       hofartige Struktur  erschwert gewerkschaftliches  und politisches
       Engagement immer dann, wenn der oder die Obergockel dem entgegen-
       arbeiten. Diese Andeutung soll genügen, um zu zeigen, wie wichtig
       relativ eigenständige  gewerkschaftliche Frauenarbeit  - auch auf
       der betrieblichen  Ebene -  ist, und daß dabei das Zusammenwirken
       mit allen Abteilungen der Frauenbewegung nur nützlich sein kann.
       Dies um so mehr, als sich neue Formen der Frauendiskriminierung -
       "in der  Regel im Zusammenhang mit EDV-Einsatz" - abzeichnen. Die
       Frauen werden  aus den  Fachabteilungen, von den relativ qualifi-
       zierten Sachbearbeiterpositionen verdrängt. Wegen der zunehmenden
       Abschottung der  betriebsinternen Arbeitsmärkte  vom externen Ar-
       beitsmarkt haben sie auch nach Unterbrechung der Erwerbstätigkeit
       wenig Chancen,  früher eingenommene qualifizierte Positionen wie-
       der zu besetzen. 32)
       Sowohl bei den Arbeiterklassengruppen als auch bei den lohnabhän-
       gigen Mittelschichten (einschließlich Intelligenz) sind in beiden
       Richtungen stark  besetzte Übergangsgruppen  vorhanden (vgl.  Ta-
       belle 8).  Von der  Tätigkeit her handelt es sich dabei häufig um
       qualifizierte Büro-Sachbearbeiter/in-Tätigkeiten,  die im  Zusam-
       menhang mit der Bürorationalisierung und -automation vielfach ein
       neues Qualifikationsprofil  bekommen. 33) Eine soziale Übergangs-
       zone ist  auch bei  der Grenzziehung zwischen den Mittelschichten
       und dem  kapitalistischen Management  und  den  ihm  aggregierten
       Gruppen zu berücksichtigen.
       Die sozialstatistische Gruppe der  A r b e i t e r  ist seit 1963
       - damals waren 13 Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen erwerbstä-
       tig (arbeitslose  Arbeiter gut 120 000!) - unter Schwankungen zu-
       rückgegangen. Der  Anteil der 10 Millionen Arbeiter an den abhän-
       gig Beschäftigten betrug im Jahresdurchschnitt 1984 noch 45%. 34)
       Nach der  Beschäftigtenstatistik waren es allerdings im September
       1984 10,9  Millionen. Wird  außerdem berücksichtigt,  daß von den
       2,2 Millionen Arbeitslosen zu diesem Zeitpunkt 66% nach ihrem so-
       zialversicherungspflichtigen Status "Arbeiter" waren, dann betrug
       ihre Zahl  zu  diesem  Zeitpunkt  12,3  Millionen.  Auf  die  Er-
       werbspersonen bezogen,  ist die  Gruppe also  überraschend stabil
       geblieben.
       Mit 28%  (1984) lag  der Anteil  der Arbeiterinnen  etwa auf  dem
       Stand von  1960. Tendenziell ist eine Verlagerung der Arbeiterer-
       werbstätigkeit aus  der Warenproduktion zu beobachten: 1960 waren
       18%, 1984  25% der Arbeiter im Bereich der privaten und öffentli-
       chen Dienste (ohne Verkehr) beschäftigt.
       Oberflächlich besehen - betriebs- und anlagenspezifische Qualifi-
       kationen sowie  die erworbenen  vielfältigen Berufs-  und Verhal-
       tensqualifikationen gehen  aus der amtlichen Statistik nicht her-
       vor -  haben die  Arbeiter in  ihrer Gesamtheit (bei den Jüngeren
       ist das  formale Niveau höher) ein niedriges formales Bildungsni-
       veau. Nach  dem Mikrozensus 1982 hatten 91% als höchsten Schulab-
       schluß die  Volksschule und  45% keine  abgeschlossene Lehr- oder
       Anlernausbildung, wobei bekanntlich auch das zu relativieren ist,
       weil beispielsweise ein großer Teil der Angelernten an Montagear-
       beitsplätzen der  metallverarbeitenden Industrie eine abgeschlos-
       sene Berufsausbildung in anderen Berufen (Bäcker, Fleischer usw.)
       hat.
       Nach wie vor ist ein großer Teil der "Arbeiter" mit (angeblichen)
       "Jedermannstätigkeiten" befaßt.  In der  folgenden Übersicht sind
       einige dieser Gruppen zusammengestellt.
       
       Tabelle 5:
       Ausgewählte gering qualifizierte Gruppen der Arbeiterschaft 1973,
       1978, 1980, 1982 (in 1000)
       
       Berufsbezeichnung
       (Klassifizierungsziffer)          1973   1978   1980   1982
       
       Bauhilfsarbeiter (47)              220    130    150    120
       Versandfertigmacher (52) a)        380    340    380    330
       Hilfsarbeiter (53)                1180    990   1160    930
       Transport- Lager A. (74) a)        430    400    420    400
       Haus- u. Büro-Reinig. (933) a)     500    490    470    510
       Ohne Tätigkeitsangabe (99) a)       90    140    110    110
       Zusammen                          2800   2490   2690   2400
       _____
       a) Nur "Arbeiter"; geschätzt nach dem Arbeiteranteil '82
       Quelle: Stat. Bundesamt,  FS 1, R. 4.1.2 Beruf, Ausbildung u. Ar-
       beitsbedingungen der Erwerbstätigen 1982, S. 187.
       
       Die in der Tabelle erfaßten Gruppen - erfaßt ist nur ein Teil der
       wenig qualifizierten  Arbeitertätigkeiten - machten 1982 rund 22%
       der Arbeitererwerbstätigkeit  aus. Außerdem  gab es  im September
       1982  330 000 Arbeitslose dieser Berufsgruppen, was 18% aller Ar-
       beitslosen ausmachte. 35)
       Die Stabilität  dieser Arbeitergruppe  über die Krisen hinweg ist
       überraschend. Ein  beträchtlicher Teil von ihnen - sowohl der Mi-
       krozensus als auch die Arbeitslosenstatistik erfassen den Bestand
       an einem  Stichtag -  dürfte allerdings  im Laufe des Jahres 1982
       kürzere  oder   längere  Zeit   arbeitslos  gewesen   sein,   zum
       "zähflüssigen" oder stockenden Teil der Reservearmee zählen.
       Der Bedarf  an den  aufgeführten  minderqualifizierten  Arbeitern
       wird zwar insgesamt weiter zurückgehen, aber umfangreich bleiben,
       wobei vor  allem diese  Arbeitergruppen dem  "Heuern und  Feuern"
       ausgesetzt sind.
       Die Entwicklungstendenzen der übrigen Arbeiterkategorien sind un-
       einheitlich. 36)  Die traditionell  qualifiziert angelernten Pro-
       duktionsarbeiter werden  in ihrer  Zahl deutlich zurückgehen, was
       auch für  große Gruppen  der konventionellen  Instandhalter (etwa
       Schlosser und  Mechaniker; 1982 fast 1,5 Millionen) gilt. Für be-
       stimmte Teile  der Industrie und der Arbeiterschaft zeichnen sich
       neue Produktionskonzepte  ab, die  Arbeitsplätze mit verringertem
       Grad der  Arbeitsteilung erfordern, zum Beispiel die Grenzen zwi-
       schen Produktion und Instandhaltung aufheben. Uns scheint einiges
       für die  folgende These  zu sprechen: "Die Entwicklung macht mehr
       und mehr  klar: Ohne  Arbeiter geht  es in  absehbarer Zeit nicht
       (trotz Automatisierung), und mit den verbleibenden Arbeitern kann
       aufgeklärter als  bisher umgegangen  werden, ohne  daß das  Herr-
       schaftssystem unmittelbar  gefährdet wäre  und  der  Leistungsan-
       spruch nicht eingelöst würde." 37)
       Die   I n t e l l i g e n z   38) entspricht  keiner der hier be-
       handelten sozialstatistischen  Gruppen, mit  denen sie  sich (mit
       weitgehender Ausnahme der Arbeiter) überlappt. Es handelt sich um
       eine sehr differenzierte Gruppe mit abgestufter Bedeutung für den
       Verwertungs- und  Herrschaftszusammenhang  unserer  Gesellschaft.
       Das zeigt  schon die große Spannweite der Einkommen, die Ende der
       70er Jahre  von 37 400  DM (Lehrer unter 35 Jahre) bis 170 000 DM
       (und mehr im Jahr) bei Ärzten und Kapitalfunktionen vollstrecken-
       den Managern reichte. 39)
       Beim Mikrozensus  1982 wurden  2,3  Millionen  Erwerbstätige  mit
       Hochschulabschluß (HSA)  ausgewiesen. Gegenüber 1970 ist das eine
       Zunahme von  65%. Gleichzeitig befindet sich unter den Erwerbstä-
       tigen eine  zunehmende Zahl von Männern und Frauen, die die Hoch-
       schulreife erworben,  aber keinen HSA haben, wobei sich zumindest
       in den  80er Jahren  bereits die  Tatsache widerspiegelt, daß ein
       wachsender Teil  der Abiturienten vor dem Studium eine Berufsaus-
       bildung absolviert oder auf ein Studium ganz verzichtet.
       
       Tabelle 6:
       Erwerbstätige mit Hochschulreife u. -abschluß (HSA) (in 1000)
       
                            1970       1978       1980       1982
                           A    B     A    B     A    B     A    B
       
       Hochschulreife    1880   7   2450   9   3060  11   3200  12
       HSA               1400   5   1990   8   2280   8   2310   9
       _____
       A = Erwerbstätige; B = Anteil an den Erwerbstätigen insgesamt
       Quelle: FS A, Volkszählung vom 27. Mai 1970, H. 13; 1978-1982 Mi-
       krozensus.
       
       Noch schneller  als die  Zahl der  Erwerbstätigen ist aber in den
       letzten Jahren  die Zahl  der arbeitslosen  HSA angestiegen. 1980
       waren 42 000,  1984   115 000 von  ihnen amtlich registriert, was
       einer Arbeitslosenquote von 5,3% entsprach. 40) Ein Teil wird um-
       geschult, absolviert  Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen,  ist  in  die
       "Stille Reserve"  abgewandert oder  arbeitet in  Tätigkeiten, für
       die ein  HSA nicht  notwendig ist.  Nach der  fachlichen Struktur
       handelt es  sich bei  den Gemeldeten zu 55% um Lehrer und Sozial-
       wissenschaftler, zu  18% um  Ingenieure, zu 13% um Volks- und Be-
       triebswirte, Juristen  usw. Es gibt aber inzwischen keine Art von
       HSA, die  nicht von dieser Geißel kapitalistischer Gesellschaften
       betroffen ist.
       Es versteht  sich, daß  die Unternehmen  die Situation  auf  ihre
       Weise nutzen:  "Vom Hochschulabsolventen  erwartete  die  private
       Wirtschaft und  die Industrie  nicht nur  gute Noten,  eine kurze
       Studiendauer und  ein angemessenes  Eintrittsalter, sondern  auch
       innovative Ideen, hohe Leistungsbereitschaft und häufig auch ver-
       wertbare Zusatzqualifikationen." 41)
       Diese Situation  schürt die Konkurrenz unter den Anbietern quali-
       fizierter Arbeitskraft  und bestraft alle, die während ihres Stu-
       diums zusätzlich  erwerbstätig waren  und/oder so verwegen waren,
       sich in  der Hochschulpolitik  zu engagieren.  Schwierig ist auch
       die Situation  "älterer" Erwerbspersonen - für das Kapital ab 35,
       spätestens ab  45 Jahren -, die etwa bei Betriebsstillegungen ar-
       beitslos geworden  sind, weil  es diese  Arbeitskräfte häufig  an
       "Anpassungsbereitschaft" fehlen  ließen und  sie oft  über ein zu
       entwickeltes Selbstbewußtsein verfügen.
       An der  skizzierten Situation wird sich bis zum Jahr 2000 nur re-
       lativ wenig  verändern, weil dem noch wachsenden Ausstoß des Bil-
       dungssystems eine  junge Altersstruktur  des Bestandes gegenüber-
       steht, der  Ersatzbedarf also  gering bleibt.  Eine  nach  unter-
       schiedlichen Varianten  vorgehende Angebotsprognose  schätzt, daß
       zwischen 1981/83 und dem Jahr 2000 zusätzlich 2,8 bis 3 Millionen
       Personen die  Hochschulen verlassen,  aber nur 870 000 bis 1 Mil-
       lion HSA  aus dem  Erwerbsleben  ausscheiden.  Der  Gesamtbestand
       würde also von 2,2 Millionen auf 4-4,3 Millionen ansteigen. 42)
       Die Gefahr  der sozialen  Deklassierung für  beträchtliche  Teile
       nicht nur der jüngeren Intelligenz bleibt also ein reales Problem
       bis zum  Jahr 2000. Den möglichen politischen Konsequenzen dieser
       Entwicklung kann  die herrschende  Klasse aber  entgegenarbeiten,
       weil sie  über ein wirksames Disziplinierungs- und Sortierinstru-
       mentarium  verfügt.   Es  würde   nur  dann   stumpf,  wenn   die
       "Aussortierten" sich nicht als Versager begreifen würden, was bei
       den vorrangigen  Sozialisationsmustern dieser  Schicht  aber  ein
       halbwegs entwickeltes  politisches Bewußtsein voraussetzen würde.
       Besonders bei  der wissenschaftlich-technischen  Intelligenz  43)
       werden die  (noch zwei  bis drei?) zyklischen Krisen bis zum Jahr
       2000 aufgrund ihres technokratisch-funktionalen Bewußtseins Irri-
       tationen auslösen. Ob sie zur politischen Bewußtseinsbildung bei-
       tragen, hängt  auch davon  ab, ob es ein leistungsfähiges, reales
       Gegenmodell zu  dieser Krisengesellschaft  gibt. Das gilt auch im
       Hinblick auf  die Tatsache, daß ein wachsender Teil von ihnen un-
       ter den  Druck der - von ihnen geschaffenen und vom Kapital ange-
       wandten - Rationalisierungsmittel geraten wird.
       
       2.2 Klassen und Schichten in der Mitte der 80er Jahre
       -----------------------------------------------------
       
       Im Vergleich  zu 1970,  als 27  Millionen Erwerbspersonen gezählt
       wurden, hat die Zahl der Erwerbspersonen auf 28,4 Millionen zuge-
       nommen. Davon waren allerdings 2,1 Millionen amtlich registrierte
       Arbeitslose (1970:  rund 150 000). Auf die Verwerfungen, die sich
       daraus für  die Beschreibung  der Klassenstruktur ergeben, hatten
       wir bereits  verwiesen. Einschränkungen  der Vergleichbarkeit mit
       den Ergebnissen  von 1970  sind auch im Hinblick auf die Tatsache
       anzunehmen, daß  das Jahr  1984 dicht  auf die  tiefste zyklische
       Krise der Nachkriegszeit 1980/82 folgte.
       
       2.2.7 Erwerbstätige nach sozialökonomischen Sektoren
       ----------------------------------------------------
       
       Es haben  sich im wesentlichen die Tendenzen fortgesetzt, die wir
       in der Klassenstrukturstudie des IMSF für die 50er und 60er Jahre
       beschrieben hatten.
       
       Tabelle 7:
       Gliederung der erwerbstätigen Bevölkerung nach sozialökonomischen
       Sektoren 1950-1984 (in %)
       
                          1950    1961    1970    1984
       
       Privatkapital       48      55      57      53
       Mittelschichten     40      30      25      22
       Staat               12      15      18      25
       Insgesamt          100     100     100     100
       _____
       Quelle: 1950-1970 IMSF, Klassen- und Sozialstruktur der BRD 1950-
       1970, Teil II, 2. Halbbd.. S. 319; 1984 IMSF-Schätzung.
       
       Die Rolle  des  S t a a t s s e k t o r s  hat weiter zugenommen.
       Zum großen Teil durch die Zunahme von Erwerbstätigen, die mit der
       Produktion  und  Wiederherstellung  des  Arbeitsvermögens  befaßt
       sind: Zwei  Drittel des  Wachstums resultierten aus der Expansion
       des Gesundheits- und Bildungsbereichs.
       Der sozialökonomische  Sektor der   M i t t e l s c h i c h t e n
       ist weiter geschrumpft, was aber allein auf den weiteren Rückgang
       der Landwirtschaft  zurückgeht. Die  Bedeutung  des  gewerblichen
       Teils dieses  Sektors ist  gewachsen, wobei  die Dienstleistungen
       überdurchschnittlich zugenommen  haben. Es  handelt sich dabei um
       ein Konglomerat  unterschiedlicher Branchen,  die  teils  Konsum-
       dienste, teils  Dienste für  andere Unternehmen und den Staat an-
       bieten. Diese wurden zum Teil aus dem privatkapitalistischen Sek-
       tor und  im Zuge  der Privatisierung aus dem Staatsbereich ausge-
       gliedert.
       Für den privaten Dienstleistungsbereich bestehen allerdings Mate-
       rial- und Kenntnislücken, die eine Grenzziehung zwischen der ein-
       fachen Warenproduktion  und dem  kleinen Kapital  im  Rahmen  des
       p r i v a t k a p i t a l i s t i s c h e n   S e k t o r s   er-
       schweren. Dieser  Sektor hat zwar seine dominierende Stellung be-
       hauptet, die  Wachstumstendenz der  vorangegangenen  Periode  hat
       sich aber  nicht fortgesetzt. Neben der Aufgabenauslagerung hängt
       das mit  dem überdurchschnittlichen  Arbeitsplatzabbau in den vom
       großen und mittleren Kapital beherrschten Bereichen des warenpro-
       duzierenden Gewerbes  und dem  Handel (Kaufhäuser)  zusammen. Das
       Wachstum in  anderen Sektoren der Kapitalverwertung (etwa Banken)
       war wiederum  nicht so  stark, daß dieser Abbau aufgewogen wurde.
       Wir gehen  davon aus, daß die geschätzten Relationen von 1984 auf
       mittlere Sicht erhalten bleiben.
       
       Tabelle 8:
       Klassenstruktur der Erwerbstätigen 1970 und 1984 (in 1000 und %)
       
                                            1970 a)         1984
                                         in 1000    %    in 1000    %
       
       1 Fungierende Eigentümerkapitalisten 345    1,3      350    1
       2 Bourgeoise Gruppen in Wirtschaft
         u. Staat                           234    0,8      520    2
         Kapitalisten und verbundene Gruppen 579   2,1      870    3
       3 Selbständige Mittelschichten b) c) 4275  15,8     2900   11
       4 Lohnabhängige Mittelschichten
         u. Intelligenz b)                  1747   6,5     3660   14
         Mittelschichten zusammen           6022  22,3     6560   25
         (darunter Ubergangsgruppen zur
         Arbeiterklasse) v                    *    *·    v(1800)v(7)
         (darunter Übergangsgruppen zu den
         Mittelschichten)^                 (1802)  6,7   ^(2200)^(8)
       5 Arbeiterklasse i.e.S. b)          19412  71,9    17870   68
       6 Werkschutz, Wachmänner usw. b)       *    *    ·   250    1
       7 Arbeiterklassengruppen im
         Repressionsapparat                  998   3,7      750    3
         Arbeiterklasse zusammen           20410  75,6    18870   72
         Erwerbstätige insgesamt 2)        27011 100      26300  100
       8 Registrierte Arbeitslose                          2100
         - darunter Arbeiterklassengruppen                 1800
         - darunter potentielle Angehörige
         der Mittelschichten                                300
       9 "Stille Reserve"                                  1400
         Arbeitslose und Stille Reserve                    3500
         "Kaputte", Gewohnheitsverbrecher,
         Zuhälter usw. d)                               750-950
       _____
       a) 1970 Erwerbspersonen; 1984 Erwerbstätige bzw. Beschäftigte
       b) darunter geschätzte  1,2 Millionen, die zum "zähflüssigen" und
       stockenden Teil der Reservearmee zählen
       c) einschl. selbständiger Intelligenz
       d) im erwerbsfähigen Alter
       Quelle: 1970  - IMSF,  Klassen- und  Sozialstruktur der BRD 1950-
       1970, Teil II, 2. Halbbd., S. 325, 373; 1984 - IMSF-Schätzung.
       
       2.2.2 Zur Polarisierung der Klassenstruktur
       -------------------------------------------
       
       Schon in  der Periode  bis 1970  war die Entwicklung der Klassen-
       struktur durch  teilweise gegenläufige Momente gekennzeichnet. Zu
       beobachten war  eine ausgeprägte  P o l a r i s i e r u n g  zwi-
       schen der  Bourgeoisie und der Arbeiterklasse. Das ging zum einen
       auf die  Auszehrung der selbständigen Mittelschichten zurück, die
       durch das  Wachstum der lohnabhängigen Teile dieser Schicht nicht
       aufgewogen wurde.  Die Polarisierung  wurde  zugleich  durch  das
       starke Wachstum  der Arbeiterklasse  befördert, die  sich im Zuge
       des gleichen Prozesses vielfältig differenzierte.
       Diese Tendenzen haben sich im wesentlichen auch nach 1970 fortge-
       setzt. Der  wichtigste Unterschied ist der, daß die Polarisierung
       die dem  fortgeschrittenen Stadium des kapitalistischen Akkumula-
       tionsprozesses gemäße  Gestalt bekommen  hat. Wachsende Teile der
       Arbeiterklasse sind  in die industrielle Reservearmee abgedrängt.
       Teils als  registrierte Arbeitslose,  die ihren  "flüssigen"  und
       "stockenden" Teil  kennzeichnen, teils  als "Stille Reserve", die
       überwiegend die  "latente" Fraktion  dieser  Gruppierung  stellt.
       Auch bei dieser handelt es sich zum überwiegenden Teil um Angehö-
       rige der Arbeiterklasse.
       Schließlich sind auch unter denen, die bei Stichtagszählungen er-
       werbstätig sind,  beträchtliche Teile  Angehörige des  stockenden
       Teils der  Reservearmee: Perioden  der Beschäftigung wechseln mit
       denen der Arbeitslosigkeit. Wir schätzen den Umfang dieser Gruppe
       gegenwärtig auf  1,2 Millionen Personen. Er dürfte sich ohne eine
       grundlegende Wende  der Wirtschafts-  und Sozialpolitik  bis  zum
       Jahr 2000  verdreifachen. Alle  Daten verweisen  darauf, daß  die
       Übergänge zwischen  dem  beschäftigten  Teil  der  Arbeiterklasse
       (teilweise selbst  der Mittelschichten) und ihrem unbeschäftigten
       - vorübergehend,  lang-öder ganzdauernd  in die Reservearmee ver-
       bannten -  Teil ebenso  fließend sind,  wie der Übergang zwischen
       dieser und dem Pauperismus.
       Wie rasch der Abstieg zur Armut vonstatten gehen kann, lassen An-
       gaben der  letzten Einkommens-  und Verbrauchsstichprobe von 1982
       über die Nettogeldvermögen privater Haushalte vermuten.
       44) Die  Durchschnittsvermögen  (insgesamt  21 500  DM;  Arbeiter
       15 500 DM;  Arbeitslose 8000  DM) sagen  dabei relativ wenig aus.
       Nennenswerte Teile  der Haushalte  haben negative,  keine oder so
       kleine Nettogeidvermögen,  daß sie schon nach kurzer Zeit der Ar-
       beitslosigkeit aufgebraucht wären.
       
       Tabelle 9:
       Geldvermögen ausgewählter Haushaltstypen
       
       Haushalte...                         insgesamt a)   Arbeiter b)
       
       mit negativem Geldvermögen               8,1           10,4
       ohne Geldvermögen                        5,3            6,8
       G.-Vermögen unter 2500 DM               11,1           14,2
       G.-Vermögen von 2 500 bis 5 000 DM      10,0           12,8
       G.-Vermögen von 5000 bis 10000 DM       14,6           18,7
       G.-Vermögen höchstens 10000 DM zusammen 49,1           62,9
       (Zahl der Haushalte in 1000) = 100%   (23456)         (5025)
       _____
       Quelle: a) Wirtschaft u. Statistik 5/1985, S. 414; b) IMSF-Schät-
       zung.
       
       Die Daten  illustrieren - da die Ausländerhaushalte nicht berück-
       sichtigt sind,  muß von  einet real  noch schlechteren  Situation
       ausgegangen werden  -, daß es in der Bundesrepublik auch im Spek-
       trum der  erwerbstätigen  und  erwerbsfähigen  Bevölkerung  Armut
       gibt,  die   zusammen  mit   den  übrigen  Armen  (Niedrigrenten-
       bezieher/innen usw.)  "nicht mehr  randständig genannt  und damit
       übersehen werden  (kann),  wenn  sie,  und  das  ist  ein  höchst
       wahrscheinliches  Szenario   im  kommenden  Jahrzehnt,  etwa  ein
       Viertel der Gesellschaft und mehr umfaßt." 45)
       
       2.2.3 Zu einzelnen Klassen und Schichten
       ----------------------------------------
       
       Die  K l a s s e  d e r  K a p i t a l i s t e n  und der mit ih-
       nen verbundenen  Gruppen hat  ihre absolute Zahl und ihren Anteil
       seit 1970 erhöht, was aber nur für die Gruppen der lohnabhängigen
       Bourgeoisie gilt,  die wir in Tabelle 8 mit ihrer Obergrenze - es
       dürfte sich  um 400 000 - 520 000 Erwerbstätige handeln - angege-
       ben haben. Die fungierenden Eigentümerkapitalisten haben sich ab-
       solut in  etwa gehalten,  wobei zu  berücksichtigen ist,  daß die
       rein parasitäre  Fraktion dieser Klasse deutlich zugenommen haben
       dürfte. Wir  gehen davon aus, daß die Eigentümer trotz der weiter
       wirkenden Zentralisationstendenz des Kapitals in ihrem Umfang er-
       halten bleiben.  Zwar werden  viele Kapitale  untergehen,  andere
       aufgesogen werden,  aber ähnlich  viele werden  aus  dem  Mittel-
       schichtsektor aufsteigen,  was darauf  verweist, daß  es sich bei
       der Masse  dieser Klasse auch zukünftig um Kleinkapitalisten han-
       delt.
       Sowohl die  bourgeoisen Gruppen  im Staatsapparat als auch die im
       gewerblichen Sektor  haben zahlenmäßig  (in bezug  auf  alle  Er-
       werbstätigen auch  relativ) zugenommen,  obwohl ihr Anteil an den
       Angestellten und  Beamten  insgesamt  zurückgegangen  ist.  Darin
       spiegeln sich unter anderem Wachstum und Differenzierung der pri-
       vaten und öffentlichen Dienste ebenso wie die zunehmende Zahl der
       Beschäftigten (vor  allem der Mittelschichten), was auch zur Auf-
       blähung der  zentralen Kontroll-  und  Leitungsebene  beigetragen
       hat.
       Im Unterschied  zur Zeit bis 1970 hat das Wachstum der lohnabhän-
       gigen   M i t t e l s c h i c h t e n   den weiteren Rückgang der
       selbständigen Mittelschichten  überkompensiert, wobei die Gruppen
       der Intelligenz  überdurchschnittlich  gewachsen  sind.  Für  die
       lohnabhängigen Mittelschichten  gilt insgesamt,  daß sich der so-
       ziale Rekrutierungsmechanismus  in den  letzten 15  Jahren weiter
       verändert  hat:   Ein  wachsender   Teil  dieser  Schicht  stammt
       (hauptsächlich im Generationswechsel) aus der Arbeiterklasse, vor
       allem ihren  angestellten und  verbeamteten Teilen. Bemerkenswert
       ist die Tatsache, daß sich die Übergangszone zwischen den lohnab-
       hängigen Mittelschichten und der Arbeiterklasse zwischen 1970 und
       1984 auf  rund 15%  aller Erwerbstätigen vergrößert hat. Zwischen
       der Arbeiterklasse  und den  Mittelschichten ist also eine breite
       Zone sozialer  und ideologischer Beeinflussung, des sozialen Auf-
       stiegs, aber  auch der  Aufstiegsillusionen entstanden, was nicht
       zuletzt die  notwendige Verschränkung  von  Aktionseinheits-  und
       Bündnispolitik  unterstreicht.  Die  zukünftige  Entwicklung  der
       lohnabhängigen Mittelschicht  - schon ihr großer Umfang macht sie
       zwangsläufig zum  Objekt von  Rationalisierungsstrategien  -  ist
       nicht eindeutig.  Quantitativ wird diese Schicht auch zukünftig -
       allerdings weit  geringer als in den letzten 15 Jahren - wachsen.
       Unter qualitativen  Gesichtspunkten scheint sicher, daß die schon
       heute  zu  beobachtenden  Differenzierungsprozesse  ebenso  fort-
       schreiten wie  die Intensivierung  der Arbeitsverausgabung, wobei
       die anschwellende  intellektuelle Reservearmee ein weiter wirken-
       des Druckmittel der herrschenden Klasse sein wird.
       Die neue  Technik eröffnet aber auch Möglichkeiten zur Qualifika-
       tionsanreicherung typischer Mittelschichttätigkeiten. Auch in dem
       Sinne, daß  die "Köpfe  frei werden"  für die bewußte Kalkulation
       von Folgewirkungen  materieller und  geistiger Produkte sowie zur
       verstärkten Mitbestimmung  über ihre  Produktion. Welche Möglich-
       keiten sich  durchsetzen, wird  nicht durch  Kooperation mit  der
       herrschenden Klasse,  sondern im Kampf gegen sie entschieden, was
       aber vielen  "Mittelschichtlern" gegenwärtig  noch  nicht  bewußt
       ist.
       Der Umfang  der   A r b e i t e r k l a s s e   hat auch  in  den
       letzten 15  Jahren weiter zugenommen. Der Anteil ihres fungieren-
       den Teils  ist aber  aufgrund der  bereits genannten Umstände zu-
       rückgegangen. Das gilt auch für den Kern der Klasse 46), also für
       jene Gruppen  vor allem von Arbeitern, für die der Warencharakter
       ihrer Arbeitskraft  voll entfaltet  und die Polarität zum Kapital
       am wenigsten  "gepuffert" ist. Diese Arbeiterschaft der materiel-
       len Großproduktion  (in Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten)
       mit dem höchsten gewerkschaftlichen Organisationsgrad und der re-
       lativ größten  Aktionsfähigkeit dürfte  gegenwärtig noch  3,0-3,7
       Millionen Menschen  umfassen. Dieser  "Kern" vergrößert  sich bei
       Berücksichtigung der  Beschäftigten von  Großbetrieben  des  Ver-
       kehrs, des Handels, der Kredit- und Versicherungswirtschaft, aber
       auch des  Gesundheitswesens und des öffentlichen Dienstes. Es ist
       aber unbestritten,  daß diese Bereiche im Hinblick auf die formu-
       lierten Merkmale  weithin noch  zu  entwickelnde  Potentiale  der
       Klassenauseinandersetzung sind.
       Im Vergleich  zu 1970 haben nicht die Tendenzen zur Vereinheitli-
       chung der  Klasse, sondern  die  ihrer  weiteren  Differenzierung
       stärker gewirkt.  Das gilt  sowohl für  ihren oberen Rand, wo die
       Übergangsgruppen gewachsen sind, als auch für ihren unteren Rand,
       dessen erwerbstätige  Existenz immer  instabiler wird. Dabei sind
       die Elemente  der klassischen Differenzierung nach Versicherungs-
       status, Geschlecht,  Nationalität,  Qualifikation,  Betriebsgröße
       und Branche, die das gesamte Spektrum der Klasse betreffen, eben-
       falls noch  buntscheckiger geworden.  Die "Kriegsmittel des Kapi-
       tals" -  Rationalisierungsmittel und die Strategien ihrer Verwen-
       dung -  wurden sprunghaft  weiterentwickelt, ohne daß sie bislang
       voll zum  Einsatz gekommen  sind. Eine  an den  Klasseninteressen
       orientierte Politik  ist also  allein schon durch die Entwicklung
       dieser objektiven, empirisch faßbaren Faktoren schwieriger gewor-
       den. Diese  Feststellung berücksichtigt  aber nur  die eine Seite
       der Medaille.  Größere Differenzierung  ist zugleich Ausdruck des
       gewachsenen objektiven Widerspruchspotentials und der zunehmenden
       Zahl der  Anknüpfungspunkte einer an den Gegenwarts- und Zukunft-
       sinteressen der Arbeiterklasse ausgerichteten Politik.
       
       _____
       1) Christian Brinkmann, Lutz Reyher, Erwerbspersonenpotential und
       Stille Reserve,  in: Mitteilungen  aus der  Arbeitsmarkt- und Be-
       rufsforschung (MittAB), 1/85, S. 7.
       2) So in  der von  uns im  folgenden häufig zitierten Projektion:
       Wolfgang Klauder,  Peter Schnur,  Manfred Thon,  Arbeitsmarktper-
       spektiven der  80er und 90er Jahre. Neue Modellrechnungen für Po-
       tential und Bedarf an Arbeitskräften, in: MittAB, 1/85, S. 41 ff;
       im folgenden abgekürzt als IAB/Prognos-Projektion.
       3) Zur Begrifflichkeit vgl. Eberhard Dähne, Jörg Dieckhoff, Mate-
       rialien zur  Entwicklung der Einkommen und der individuellen Kon-
       sumtion der Lohnabhängigen in den siebziger Jahren, in: Marxisti-
       sche Studien. Jahrbuch des IMSF 2, Frankfurt/M. 1979, S. 205 ff.
       4) Berechnet nach den Tabellen in MittAB, 1/85, S. 24 f.
       5) Vgl. Eberhard  Dähne (Hg.),  Gemeindeleute. Handbuch  für eine
       alternative kommunalpolitische  Praxis, Frankfurt/M. 1985, S. 443
       ff.
       6) Vgl. Jürgen  Espenhorst, Kein  "Beschäftigungswunder"  in  den
       Vereinigten Staaten, in: Die Mitbestimmung, 1/1985, S. 38 ff.
       7) Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung (Hg.), Auswir-
       kungen der  Bevölkerungsentwicklung  auf  Leistungsnachfrage  und
       Ausgaben im  Gesundheitswesen, Gesundheitsforschung 95, Wiesbaden
       1982, S. K 33 f.
       8) Nicht mehr  ausgewertet werden  konnte MittAB,  2/85, das sich
       mit dieser Problematik befaßt.
       9) Vgl. Frank Gerlach, Thesen zu sozialstrukturellen Auswirkungen
       der Krise, in: Sofi-Mitteilungen Nr. U/1985, S. 51 ff.
       10) A.a.O., S. 51.
       11) Nach:  Amtliche  Nachrichten  der  Bundesanstalt  für  Arbeit
       (ANBA), Jahreszahlen 1975, S. 21. und Jahreszahlen 1984, S. 16.
       12) Rainer Schmidt,  Offene und  verdeckte  Arbeitslosigkeit  bei
       Ausländern in  der Bundesrepublik  Deutschland, in: Die Weltwirt-
       schaft, 1/1983, S. 76.
       13) Derselbe, Die  Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften in
       der Bundesrepublik  Deutschland unter besonderer Berücksichtigung
       des Anwerbestopps, in: Die Weltwirtschaft, 2/1984, S. 151 f.
       14) A.a.O., S. 51.
       15) Berechnet nach:  Statistisches Bundesamt,  Fachserie 1, Reihe
       4.1.2, Beruf,  Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstäti-
       gen 1982, S. 22 ff.
       16) Karin Gottschall,  Jürgen Müller, Frauen auf dem Arbeitsmarkt
       - Wachsende Risiken oder neue Chancen?, in: Sofi-Mitteilungen Nr.
       11/1985, S. 33.
       17) Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW, Bd. 23, S. 95.
       18) A.a.O., S. 58.
       19) Zur Differenz  dieser Kategorie zu den Erwerbstätigen des Mi-
       krozensus vgl.  L.  Herberger,  B.  Becker,  Sozialversicherungs-
       pflichtig Beschäftigte  in der  Beschäftigtenstatistik und im Mi-
       krozensus, in: WiSta, H. 4/1983.
       20) Vgl. Dietmar Düe, Die Automobilindustrie, in: Umbruch im Pro-
       duktionsbereich? Beiträge  des IMSF  7, Frankfurt/M. 1985, S. 201
       ff., 233 ff.
       21) Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, a.a.O., S. 650, 657.
       22) Vgl. Andre  Leisewitz, Neue  Technologien und Arbeiterklasse.
       Zur Entwicklung  des Produktivkraftsystems in der Bundesrepublik,
       in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 6, Frankfurt/M. 1983,
       S. 84 ff.; derselbe, Flexibilisierung und Intensivierung der Pro-
       duktionsanlagen durch  neue Techniken  - Das  Beispiel der  Indu-
       strieroboter, in:  Umbruch im  Produktionsbereich? A.a.O.,  S. 45
       ff.
       23) Vgl. Jörg  Goldberg, Die Elektrotechnische Industrie, in: Um-
       bruch im Produktionsbereich? A.a.O., S. 281.
       24) Was das  schon heute bedeutet, wird z.B. ersichtlich bei Jörg
       Hofmann, Verbreitung  personaldatenverarbeitender Informationssy-
       steme in  Betrieben und Verwaltungen des Landkreises Tübingen und
       ihre derzeit  erkennbaren Auswirkungen auf die Situation abhängig
       Beschäftigter, Materialien  aus  der  Kooperationsarbeit  Nr.  3,
       Tübingen 1985, S. 52 ff.
       25) Vgl. H.-L.  Mayer, Bernd Becker, Sozialversicherungspflichtig
       Beschäftigte nach  Beschäftigungsdauer, Bruttoarbeitsentgelt  und
       Art der Beschäftigung, in: WiSta, 12/1984.
       26) Zu den Möglichkeiten vgl. Jörg Hofmann, Personalinformations-
       systeme, Nachrichten-Reihe, H. 21, Frankfurt/M. 1982.
       27) Unter anderem  hat das  IMSF dazu  bisher vorgelegt: Beiträge
       des IMSF  3, Klassen-  und Sozialstruktur der BRD 1950-1970, Teil
       I: Klassenstruktur  und Klassentheorie;  Teil II: Sozialstatisti-
       sche Analyse;  Teil III: Die Intelligenz der BRD 1950-1970 (Verf.
       Ch. Kievenheim,  D. Pollmann), Frankfurt/M. 1972-74. Andre Leise-
       witz, Klassen  in der  Bundesrepublik Deutschland  heute,  Frank-
       furt/M. 1977;  Arbeitsmaterialien des IMSF 11, Arbeiterklasse und
       Intelligenz in  Ungarn und  in  der  Bundesrepublik  Deutschland,
       Frankfurt/M. 1980;  Arbeitsmaterialien des IMSF 12, Der staatsmo-
       nopolistische Kapitalismus der BRD in Daten und Fakten (hier: Ka-
       pitel 3: Die Produktivkräfte in unserer Zeit, Kapitel 5: Klassen-
       struktur und  sozialökonomische Klassengegensätze im SMK, Kapitel
       10: Klassenkräfte  und Klassenkämpfe  im und  gegen den  SMK  der
       BRD),  Frankfurt/M.  1981.  Die  begrifflichen  Bestimmungen  und
       Schätzungen der vorliegenden Arbeit knüpfen an diese Veröffentli-
       chungen an.
       28) Ergebnis des Mikrozensus 1982.
       29) Berechnet nach  dem Haushaltsplan  1979 und  dem Entwurf  zum
       Haushaltsplan 1985 (Bundestagsdrucksache 10/1800).
       30) Christian Brinkmann, Lutz Reyher, a.a.O., S. 18.
       31) Eva Rühmkorf,  Renate Sadrozinski,  Frauen "erobern"  den öf-
       fentlichen Dienst - aber nicht die guten Positionen. Berichte und
       Dokumente aus der Freien und Hansestadt Hamburg, Nr. 620, Hamburg
       1980.
       32) Karin Gottschall,  Jürgen Müller,  Arbeitsmarktsituation  und
       Arbeitsmarktprobleme von  Frauen in Hamburg. Untersuchung im Auf-
       trag der  Leitstelle Gleichstellung  der Frau, Göttingen 1984, S.
       57 ff, 69 ff.
       33) Für den  Bankenbereich vgl.  Dieter Czech u. a., "Analyse der
       Veränderung von Sachbearbeitertätigkeiten als Folge technisch-or-
       ganisatorischer  Umstellungen  in  öffentlichen  und  privatwirt-
       schaftlichen Dienstleistungsunternehmen am Beispiel von privaten,
       öffentlich-rechtlichen und  genossenschaftlichen Banken  und  die
       Entwicklung  von  Vorschlägen  für  Humanisierungsstrategien"  im
       Verwaltungsbereich, Forschungsbericht,  Universität Dortmund, Ok-
       tober 1984.
       34) Bernd Becker,  Entwicklung  der  Erwerbstätigkeit  1984,  in:
       Wisla, 4/1985, S. 130.
       35) ANBA, Jahresbericht 1982, S. 40.
       36) Vgl. Bernd  Semmler, Die Großbetriebe und ihre Belegschaften.
       Angaben zum großbetrieblichen Sektor der Bundesrepublik, in: Mar-
       xistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF 7,  Frankfurt/M. 1984,  S.
       154.
       37) Horst Kern,  Michael Schumann,  Replik, in: Sofi-Mitteilungen
       Nr. 11/1985,  S. 61. Das Zitat entstammt einer Entgegnung der Au-
       toren auf die Kritik ihrer Untersuchung: Das Ende der Arbeitstei-
       lung? Rationalisierung in der industriellen Produktion: Bestands-
       aufnahme, Trendbestimmung, München 1984.
       38) Vgl. C. Kievenheim, D. Pollmann, a.a.O.; IMSF (Hg.), Intelli-
       genz, Intellektuelle und Arbeiterbewegung in Westeuropa. Materia-
       lien einer  internationalen  Konferenz  des  IMSF,  Frankfurt/M.,
       16./17. März  1985, Arbeitsmaterialien  des IMSF  16 (im Erschei-
       nen).
       39) H. Hillmer,  Die Situation  der Akademiker  ist jetzt  trans-
       parenter. Berufsanalysen des VDI werden bestätigt und ergänzt, 1.
       Teil, VDI-Nachrichten Nr. 32 vom 8. 8. 1980.
       40) ANBA Nr. 5/1985, S. 685.
       41) Ebenda, S. 646.
       42) Manfred Tessaring, Gernot Weißhuhn, Der Bestand an Hochschul-
       absolventen bis zum Jahre 2000, in: MittAB, 1/1985, S. 84 ff.
       43) Einen kritischen  Problemaufriß bietet  insgesamt das Schwer-
       punktheft 10-11/1984  von "Die  Mitbestimmung"; siehe auch: Hell-
       muth Lange,  Die lohnabhängigen  Naturwissenschaftler und Ingeni-
       eure: "Die  Arbeiten werden  aufgeteilt, und es wird immer mehr",
       in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7, a.a.O., S. 233 ff.
       44) Manfred Euler, Geldvermögen privater Haushalte Ende 1983. Er-
       gebnis  der   Einkommens-  und  Verbrauchsstichprobe,  in:  WiSta
       5/1985, S. 408 ff.
       45) Stephan Leibfried,  Florian Tennstedt, Die Spaltung des Sozi-
       alstaats und  die Politik der Armut, in: Dies. (Hg.), Politik der
       Armut und die Spaltung des Sozialstaats, Frankfurt/M. 1985 S. 14.
       46) Dazu: Heinz Jung, Zur Arbeiterklasse der 80er Jahre. Struktur
       - Kern  - betriebliche  Basis, in: Marxistische Studien. Jahrbuch
       des IMSF 6, a.a.O., S. 44 ff.
       

       zurück