Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


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       DIE PERSPEKTIVEN DER AKKUMULATION VON FIXEM KAPITAL
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       Ökonomische Tendenzen bis zum Jahr 2000
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       Jörg Goldberg
       
       1. Die  Akkumulation von  fixem Kapital  als materielle Grundlage
       der Zyklen  - 2.  Rekonstruktion und  Akkumulationsprozeß in  der
       Nachkriegszeit -  3. Die  Rationalisierung als Träger einer neuen
       Wachstumsperiode? -  3.1. Kein  Rationalisierungsrückstand in der
       Industrie -  3.2. Rationalisierung und Investitionen in der Indu-
       strie - 3.3. Neue Technologien und öffentliche Infrastrukturinve-
       stitionen - 3.4. Bauinvestitionen und Wohnungsbau - 4. Rationali-
       sierung, Beschäftigung und Konsum - 5. Schlußfolgerung
       
       Die Phase  verstärkter Krisenhaftigkeit  in der  kapitalistischen
       Weltwirtschaft und  in der  Bundesrepublik, die  in den siebziger
       Jahren eingesetzt  hat, bestimmt auch das ökonomische Bild in der
       Mitte der  achtziger Jahre.  Hauptmerkmal ist eine Vertiefung und
       Verlängerung der  Krisenphasen des  Zyklus und  eine Abschwächung
       der zyklischen  Aufschwungperioden. Die  beiden letzten  Zyklen -
       1974 bis  1980 und  1981 bis 1985/86 - brachten Zuwachsraten beim
       Bruttosozialprodukt von  2,4 bzw.  1,0  Prozent  im  Jahresdurch-
       schnitt; die  Industrieproduktion erhöhte  sich sogar nur um jah-
       resdurchschnittlich 1,4 bzw. 0,5 Prozent.
       Bei einem  Blick auf die ökonomischen Tendenzen bis zum Jahr 2000
       wird daher die Frage im Mittelpunkt stehen, ob diese Periode ver-
       schärfter Krisenhaftigkeit andauern wird, ob sich die Lage mögli-
       cherweise noch  brisanter gestaltet  oder ob eine Überwindung der
       wirtschaftlichen Schwierigkeiten und eine Neubelebung der Dynamik
       des kapitalistischen  Wachstums zu  erwarten ist.  Dabei geht  es
       nicht darum,  an die  Situation der fünfziger und sechziger Jahre
       anzuknüpfen; diese  war eine  absolute Ausnahme in der Geschichte
       des Kapitalismus. 1)
       Der zu  behandelnde Zeitraum von 15 Jahren erlaubt nicht das Aus-
       malen phantastischer  Zukunftsgemälde; vor  allem in  technologi-
       scher Hinsicht dürften die wesentlichen wirtschaftlich relevanten
       Neuerungen der nächsten 15 Jahre weitgehend absehbar sein. 2)
       Trotzdem sind  Tendenzaussagen selbst  für  einen  so  begrenzten
       Zeitraum mit großen Risiken behaftet. So kommt Dieter Mertens bei
       einem Rückblick  auf Prognosen  der Vergangenheit  - der 60er und
       beginnenden 70er Jahre - zwar zu der Feststellung, daß viele Aus-
       sagen eingetroffen  seien. Entscheidend  ist jedoch, daß "die An-
       nahme über  die Globalentwicklung (weitere ungestörte Expansion)"
       eben nicht  gestimmt habe. 3) "Daß Arbeitslosigkeit das zentrale)
       Problem werden könnte, wurde von keiner der früheren Projektionen
       für die  siebziger Jahre vorausgesagt" 4). Die grundlegenden Ver-
       änderungen der ökonomischen - und damit auch sozialen und politi-
       schen - Existenzbedingungen des Kapitalismus wurden im Jahre 1970
       jedenfalls nicht  erwartet. Gegenwärtig wird von den meisten bür-
       gerlichen, aber  auch von einigen am Marxismus orientierten Auto-
       ren eine gewisse Neubelebung der ökonomischen Dynamik des Kapita-
       lismus erwartet,  wobei die  Rolle der  neuen Technologien - z.T.
       eingebettet in  die Theorie  der "Langen Wellen" der Konjunktur -
       eine wichtige Rolle spielt. 6)
       
       1. Die Akkumulation von fixem Kapital
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       als materielle Grundlage der Zyklen
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       Im folgenden soll versucht werden, die Perspektiven der Akkumula-
       tion von  fixem  Kapital  als  Bestimmungsgrund  kapitalistischer
       Wachstumsdynamik abzuschätzen.  Denn die Produktion auf erweiter-
       ter Stufenleiter  - Wirtschaftswachstum  - setzt  voraus, daß die
       Verwandlung von  Mehrwert in  Kapital, die Akkumulation von Kapi-
       tal, im  entwickelten Kapitalismus  vorrangig von  fixem Kapital,
       funktioniert. 7)  Es geht  also um die Frage, welche Konsequenzen
       die Durchsetzung eines Typs der intensiv erweiterten Reproduktion
       auf der  Grundlage der neuen Technologien für den Gesamtreproduk-
       tionsprozeß hat,  ob diese wachstumsstimulierend wirken oder kri-
       senverschärfend. Dies  ist zu untersuchen vor dem Hintergrund ei-
       nes staatsmonopolistisch geprägten kapitalistischen Milieus, also
       bei Dominanz  von Monopolen,  struktureller Überakkumulation  von
       Geldkapital und  hoher, tendenziell  weiter wachsender Weltmarkt-
       verflechtung. Der Zusammenhang zwischen der Durchsetzung des wis-
       senschaftlich-technischen Fortschritts  und der  Akkumulation von
       fixem Kapital  bildet die Grundlage für die Entfaltung der Wider-
       sprüche auf allen Ebenen der Ökonomie.
       Trotz der  hohen Weltmarktverflechtung konzentriert sich hier die
       Untersuchung auf Veränderungen in den nationalen Reproduktionsbe-
       dingungen, wobei  der Internationalisierungsgrad  Bezugspunkt na-
       tionaler Kapitalstrategien bleibt. Die Konzentration auf Verände-
       rungen  in   den  nationalen  Reproduktionsbedingungen  erscheint
       trotzdem gerechtfertigt:
       - der Nationalstaat  bleibt trotz  der Internationalisierungsten-
       denzen der Rahmen des Reproduktionsprozesses; 8)
       - auch in  den anderen kapitalistischen Ländern prägt die - durch
       die internationale  Konkurrenz angetriebene  -  Durchsetzung  der
       neuen Technologien  die Entwicklungsbedingungen und führt zu ähn-
       lichen Prozessen  wie in der BRD. Da davon auszugehen ist, daß in
       den nächsten  15 Jahren  die entwickelten kapitalistischen Länder
       weiter die  Weltmarktdynamik bestimmen,  ist eine grundlegend an-
       dere Entwicklungsrichtung  des Weltmarktes  nicht wahrscheinlich;
       9)
       - es wird  vorausgesetzt, daß die Weltmarktposition der Bundesre-
       publik relativ stabil bleibt.
       Anzumerken bleibt  schließlich, daß sich die folgenden Überlegun-
       gen nur  auf einen  - allerdings  zentralen - Aspekt der ökonomi-
       schen Perspektiven konzentrieren. Es wird also nicht der Anspruch
       einer umfassenden Wirtschaftsprognose erhoben.
       Der hier zu untersuchende Prozeß der Akkumulation von Kapital ist
       an eine  ganze Reihe von stofflichen und wertmäßigen Proportionen
       gebunden, die im Kapitalismus gesetzmäßig verletzt und ebenso ge-
       setzmäßig reproduziert  werden müssen.  Die entscheidende Instanz
       ist dabei die Krise, die immer wieder die notwendige Proportiona-
       lität rekonstruiert. Die gegenwärtige Situation ist nun vor allem
       dadurch gekennzeichnet,  daß die  zyklischen Krisen  - obwohl sie
       länger und  tiefer geworden  sind -  ihre Funktion  der Sicherung
       notwendiger Proportionen  nicht mehr in ausreichendem Umfang aus-
       füllen können.  10) Das  Tempo der Akkumulation wird so dauerhaft
       beeinträchtigt, wobei  entscheidend ist,  daß es  nicht mehr aus-
       reicht, die  vorhandenen Ressourcen - vor allem Arbeitskräfte und
       Maschinerie - wenigstens zeitweise voll auszuschöpfen.
       Als bestimmend  für den  konkreten Verlauf  zyklischer Krisen und
       ihre Fähigkeit zur Gewährleistung der stofflichen und wertmäßigen
       Gleichgewichtsbedingungen müssen die Reproduktionsbedingungen des
       fixen Kapitals  gelten. Der Unterschied zwischen Wertumschlag und
       stofflichem Umschlag  beim fixen  Kapital  ist  "eine  materielle
       Grundlage der periodischen Krisen". 11)
       Die Krise  vernichtet das  im Verhältnis zu den Verwertungsbedin-
       gungen überakkumulierte Kapital - wobei der Zusammenhang zwischen
       Produktions- und  Realisationsbedingungen des Profits zu beachten
       ist - und schafft so die Voraussetzung für eine Neuanlage von Ka-
       pital vor  allem in  fixer Form.  Sowohl die  Tiefe der Krise als
       auch die  Dynamik der  Belebung werden also bestimmt von den kon-
       kreten Reproduktionsbedingungen  des fixen  Kapitals. "Der Umfang
       des Reproduktionsprozesses  des fixen  Kapitals dehnt  sich daher
       bei erweiterter  Reproduktion erheblich aus. Dies um so mehr, als
       der Aufschwung  von Produktion und Kapitalakkumulation stets auch
       von einem  Sprung in  der Entwicklung  der Produktivkräfte,  also
       auch von der Steigerung der organischen Zusammensetzung des Kapi-
       tals, insbesondere  seines fixen  Bestandteils,  begleitet  wird.
       Durch alle  diese Einzelprozesse  erhält der  Gesamtprozeß  immer
       neue Anregungen,  und die  Grenze der  Produktionsausdehnung, die
       beschränkte Entwicklung  der Konsumtionskraft  der  Gesellschaft,
       tritt immer mehr in den Hintergrund." 12)
       Nun sind  die Reproduktionsperioden,  d. h. der Zeitraum, für den
       Arbeitsmittel im  Arbeitsprozeß  fungieren  können,  sehr  unter-
       schiedlich.  Bestimmte  Infrastruktureinrichtungen  wie  Straßen,
       Brücken, usw.  müssen überhaupt  nicht ersetzt werden 13), in der
       Regel reichen  laufende Reparaturaufwendungen.  Für Gebäude  wird
       eine Lebensdauer zwischen 40 und 100 Jahren angenommen, Maschinen
       und Anlagen  fungieren oft  nur wenige  Jahre (zwischen  vier und
       zwanzig), wobei hier sogar die Lebensdauer einzelner Anlagenteile
       unterschiedlich sein kann. 14) Für unseren Zusammenhang ist rele-
       vant, daß, je umfangreicher die Neuanlage fixen Kapitals ist, de-
       sto länger  die Periode,  in der die "Konsumtionsbeschränkung der
       Massen" als  "letzter Grund  aller wirklichen  Krisen"  überdeckt
       wird. 15)  Je umfangreicher  die Neuanlage von fixem Kapital, die
       notwendig ist,  um die  Produktion in  einem bestimmten Umfang zu
       erweitern, desto  dynamischer gestalten sich die Aufschwungphasen
       des Zyklus.
       
       2. Rekonstruktion und Akkumulationsprozeß in der Nachkriegszeit
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       Der Akkumulations-  und damit  auch Wachstumsprozeß der Güterpro-
       duktion verlief  in den  fünfziger und sechziger Jahren zwar kei-
       neswegs krisenfrei,  er brachte  aber hohe  Zuwachsraten bei  nur
       schwach ausgeprägten und relativ kurzen zyklischen Krisen. Aller-
       dings hatte  sich der Prozeß der Akkumulation von fixem Kapital -
       hier gemessen  an den  Bruttoanlageinvestitionen -  schon in  den
       sechziger Jahren  verlangsamt. Ganz  entscheidend war  dabei  der
       Rückgang der  Bauinvestitionen, Bestandteile  des fixen  Kapitals
       also, deren  Reproduktionsperiode  sehr  lang  ist.  Dies  betraf
       zunächst den  Wohnungsbau, zunehmend  den  gewerblichen  Bau  und
       schließlich -  in den  siebziger Jahren  - auch  den öffentlichen
       Bau. 15a)
       Dagegen hat  sich die  Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen -
       also Maschinen und Anlagen - kaum verlangsamt. Die "Investitions-
       quote" der  Ausrüstungen, gemessen  am  Anteil  der  Ausrüstungs-
       investitionen am  Bruttosozialprodukt zu festen Preisen, lag auch
       in den  siebziger und achtziger Jahren nicht unter dem Niveau der
       Vorperioden.  16)   Diese  Verschiebung   in  der   Struktur  der
       Investitionen und  damit auch  die Veränderung  in den  Reproduk-
       tionsbedingungen des  fixen Kapitals ist nun Ausdruck des Auslau-
       fens einer Rekonstruktionsphase in der Entwicklung des Kapitalis-
       mus nach dem zweiten Weltkrieg.
       Dabei waren  die Veränderungen  in der  Bundesrepublik  besonders
       groß; hier  waren die  Erfordernisse der  Rekonstruktion der  ge-
       samten materiellen Infrastruktur besonders drängend. Die Belebung
       der Produktion  nach dem  zweiten Weltkrieg unter den veränderten
       nationalen und  internationalen Bedingungen erforderte umfangrei-
       che Neuanlagen  von Kapital,  besonders im  Bereich der baulichen
       Voraussetzungen der  Produktion. In  dem Maße, wie eine bestimmte
       Grundausstattung des  Landes mit baulichen Einrichtungen erreicht
       war, wurden  die für  eine bestimmte Erweiterung der Stufenleiter
       der Produktion  (also für ein bestimmtes Wachstum) erforderlichen
       Neuanlagen von  Kapital (Ersatz eingeschlossen) tendenziell nied-
       riger.
       Grundlegende Einschnitte  in einen gegebenen historischen Zustand
       - also  kriegerische Zerstörungen; Produktivkraftumwälzungen, die
       ein völlig neues Infrastruktur- oder sektorales Produktionssystem
       mit sich bringen oder die gegebene Standortverteilung obsolet ma-
       chen (historische  Beispiele: Eisenbahn, Chemisierung, Elektrifi-
       zierung, PKW,  Umstellung auf  Rüstungswirtschaft); Bevölkerungs-
       verschiebungen; die Erschließung neuer Länder; sprunghafte Verän-
       derungen des  Lebensniveaus; rasche Bevölkerungsausdehnung usw. -
       würden die  Ausgangssituation verändern  und von daher die Repro-
       duktionsbedingungen des fixen Kapitals erneut verschieben.
       Der Rückgang  der baulichen  Bestandteile im Akkumulationsprozess
       des fixen  Kapitals hat nun scheinbar widersprüchliche Auswirkun-
       gen auf  die Triebkräfte  der kapitalistischen  Akkumulation, auf
       den gesamten  Reproduktionprozeß. Die Wertzusammensetzung des Ka-
       pitals (nicht identisch mit der organischen Zusammensetzung) ver-
       bessert sich  tendenziell in  dem Maße, wie bislang in Bauten fi-
       xiertes Kapital  freigesetzt wird,  ohne daß  es wieder  in neuen
       Bauten langfristig  gebunden werden muß. 17) Das freigesetzte Ka-
       pital kann erneut in den Verwertungsprozeß hineingeworfen werden,
       obwohl die Bauten im Arbeitsprozeß weiter fungieren.
       Der aus  den Abschreibungen gebildete "Akkumulationsfonds" (Marx)
       wäre so  ein Moment  beschleunigter Akkumulation  und höherer Zu-
       wachsraten der  Produktion in  mengenmäßiger Hinsicht.  Denn  die
       freiwerdenden Kapitalteile können erneut angelegt werden. Mit dem
       gleichen Kapital kann zusätzliche Maschinerie, können zusätzliche
       Arbeiter beschäftigt  werden, was  die Verwertung des Gesamtkapi-
       tals selbst  dann tendenziell  verbessern dürfte,  wenn sich  die
       Löhne erhöhen.  Die Tatsache, daß sich in den sechziger und sieb-
       ziger Jahren  das Tempo  der Akkumulation  verlangsamt hat, müßte
       also zunächst überraschen. Entscheidend dabei ist aber die Tatsa-
       che, daß  nun die  Disproportionen im  Zirkulationsprozeß rascher
       spürbar wurden:  der Zusammenhang zwischen dem Prozeß des Aufbaus
       von neuen  Produktionskapazitäten im  Zuge der  Akkumulation  von
       fixem Kapital und der beschränkten Konsumtionskraft ist enger ge-
       worden; die  immanente Tendenz  zur Überakkumulation  von Kapital
       wird rascher  manifest. 18)  Ein Ansatz zur markanten Neubelebung
       des Akkumulationstempos ist m. E. deswegen nicht in Sicht, obwohl
       sich die  Produktionsbedingungen von  Profit erheblich verbessert
       haben. Dies  läßt sich  ansatzweise auch  empirisch belegen, wenn
       auslastungsbedingte Verluste ausgeklammert werden. 19)
       
       3. Die Rationalisierung als Träger einer neuen Wachstumsperiode?
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       Für den  vorliegenden Argumentationszusammenhang  ist  die  Frage
       also entscheidend, ob Veränderungen in den Reproduktionsbedingun-
       gen des  fixen Kapitals absehbar sind, die eine umfangreiche Neu-
       anlage von  fixem Kapital  erfordern und  so -  ausgehend von der
       sprunghaften Steigerung  der Nachfrage nach Arbeitsmitteln - eine
       dauerhaft beschleunigte  Akkumulation von  Kapital auslösen könn-
       ten. Dadurch  würde die derzeit als Akkumulationsbremse wirkende,
       im Verhältnis  zu den Produktionsmöglichkeiten zu geringe Konsum-
       tionskraft zeitweilig  überdeckt, die  Massenkaufkraft selbst er-
       weitert werden. Zentrale Aufmerksamkeit gebührt dabei der Wirkung
       der neuen Technologien auf die Reproduktionsbedingungen des fixen
       Kapitals. Können  die neuen "Produkttechnologien" tatsächlich zum
       "Träger eines  neuen 'Wachstums-Zyklus'  werden", wie es vielfach
       erwartet wird? 20)
       Bevor auf diese Frage eingegangen wird, soll noch kurz ein Aspekt
       behandelt werden, der mit dem Stichwort der Vergreisung des Kapi-
       talbestandes in  der kapitalkonformen  Publizistik eine  wichtige
       Rolle spielt.  21) Demnach  sei der  Produktionsapparat wegen der
       Investitionsschwäche der  letzten Jahre  veraltet, Ersatzinvesti-
       tionen auf neuer technologischer Grundlage seien überfällig.
       
       3.1. Kein Rationalisierungsrückstand in der Industrie
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       Zu erwähnen  ist als Ausgangspunkt zunächst die Tatsache, daß der
       Kapitalstock auch  im letzten Jahrzehnt - also in der Periode ab-
       geschwächter Dynamik  - rascher gewachsen ist als die reale Brut-
       towertschöpfung. Zwischen  1973 und  1981 ist der Kapitalstock um
       jahresdurchschnittlich 3,6  Prozent  gewachsen,  die  Bruttowert-
       schöpfung um  2,1 Prozent. 22) Die Auslastung der Kapazitäten ist
       daher in  den erfaßten  Bereichen tendenziell bedeutend niedriger
       gewesen als  in den sechziger Jahren. Ausgangspunkt ist 1985 also
       eine Situation, in der in fast allen Produktionsbereichen Überka-
       pazitäten existieren.
       Trotzdem ist  die Frage  berechtigt, ob  etwa ein  sich zusammen-
       ballender Ersatzbedarf als Reflex eines veralteten Produktionsap-
       parates in  absehbarer Zukunft neue Investitionsimpulse ausstrah-
       len wird.  Dabei kommt  nur das  Ausrüstungsvermögen in Frage, da
       für das  Bauvermögen von  einer durchschnittlichen  Nutzungsdauer
       von 99 Jahren (ökonomisch) ausgegangen wird. Die ökonomische Nut-
       zungsdauer der Ausrüstungsgüter wird durchschnittlich mit 12 Jah-
       ren angegeben,  je nach  Güterart zwischen vier bis sieben Jahren
       bei Büromaschinen  und Fahrzeugen und 14 bzw. knapp 20 Jahren für
       Maschinenbau-und Stahlbauerzeugnisse. 23)
       In einer Untersuchung des Durchschnittsalters des Anlagevermögens
       kommt das Ifo-Institut zu dem Schluß, daß von einer "Vergreisung"
       des Produktionsapparates, der eine Steigerung der Ersatztätigkeit
       erfordern würde,  nicht gesprochen  werden kann.  Insbesondere im
       produzierenden Bereich,  also vor allem in der Energiewirtschaft,
       im Bergbau,  verarbeitenden Gewerbe  und Baugewerbe, hat sich das
       Durchschnittsalter  des   Ausrüstungsvermögens  (Benutzerkonzept)
       zwischen 1973  und 1983 nur geringfügig erhöht; im verarbeitenden
       Gewerbe von  7,0 auf  7,8 Jahre und im Baugewerbe von 5,1 auf 5,9
       Jahre. In  der Energiewirtschaft  und beim Bergbau, die im Durch-
       schnitt  längerlebige  Ausrüstungsgüter  haben,  hat  das  Durch-
       schnittsalter sogar  stagniert bzw.  sich (Bergbau)  von 10,2 auf
       8,4 Jahre deutlich verringert.
       Zudem weist das Institut darauf hin, daß Anlagen durch den Ersatz
       relativ geringfügiger  Teile auf  neuer technologischer  Basis in
       ihrer Lebensdauer  beeinflußt werden können: Rationalisierungsin-
       vestitionen -  und hier liegt der Schwerpunkt der Investitionstä-
       tigkeit der  letzten Jahre  - verändern  die Effektivität des ge-
       samten Kapitalbestandes,  auch wenn  große Teile  desselben nicht
       erneuert werden. "Insbesondere die Mikroelektronik hat wesentlich
       dazu beigetragen,  den Produktionsapparat  in diesem Sinne zu mo-
       dernisieren, sei  es durch  den Einbau von Steuerungen in konven-
       tionelle technische  Aggregate oder  durch die  Verknüpfung einer
       Vielzahl solcher  Aggregate zu einem Gesamtsystem, das sich opti-
       mierend steuern läßt. Das Schlagwort von der Flexibilisierung des
       Produktionsapparates bedeutet  gleichzeitig, daß der Produktions-
       apparat durchaus  'veralten' kann,  solange er  die Anpassung  an
       neue Anforderungen erlaubt." 24)
       Das hohe  Niveau der  Ausrüstungsinvestitionstätigkeit und  seine
       Verlagerung auf  das Rationalisierungsmotiv spricht also eher ge-
       gen die These von einem "Nachholbedarf bei den Investitionen.
       
       3.2. Rationalisierung und Investitionen der Industrie
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       Die Frage  konzentriert sich also auf die Wirkung der neuen Tech-
       nologien: Wird  deren Einführung  auf breiter Basis - ein Prozeß,
       der in  der Tat  zur Zeit  erst in  seinen Anfängen  steckt ("Die
       Hauptsache kommt erst") 25) - mit einer umfangreichen Neustruktu-
       rierung der Betriebe bzw. der Infrastruktur verbunden sein und so
       den Akkumulationsprozeß stimulieren?
       Dabei sei hier auf vier Bereiche verwiesen:
       - Als "Schlüsseltechnologie"  ist die  Mikroelektronik an  erster
       Stelle zu  nennen, die  die Produktionstechniken umfassend verän-
       dern dürfte;
       - die größere  Bedeutung des  Faktors "Umwelt"  und relative Res-
       sourcenverknappungen können sowohl die Umstellung auf ressourcen-
       schonendere Produktionsverfahren als auch Investitionen zur Emis-
       sionsbegrenzung stimulieren;
       - die ebenfalls  mit dem  Einsatz der Mikroelektronik verbundenen
       neuen Kommunikationstechniken  könnten mit einem Aufbau von neuen
       Infrastrukturen (Verkabelung) verbunden sein;
       - die Biotechnik  dürfte zu  einer weitreichenden Veränderung der
       Produktionsverfahren vor  allem in  der chemischen Industrie füh-
       ren.
       Für unser  Thema ist  die Tatsache  von Gewicht, daß die so knapp
       skizzierten Technologien,  von denen  z. T. erwartet werden kann,
       daß sie  in den  nächsten 15 Jahren breite wirtschaftliche Bedeu-
       tung erlangen, ausgesprochene Rationalisierungstechnologien sind.
       26) Sie  verändern die Arbeitsverfahren in Produktion und Verwal-
       tung, schaffen aber nur in vergleichsweise geringem Umfang solche
       neuen Produkte,  deren Herstellung  nur vor dem Hintergrund einer
       neuen Produktionsstruktur möglich ist. Die z.T. irreführenden Be-
       griffe von "Reindustrialisierung" oder - von einem anderen Blick-
       winkel aus  - "Neoindustrialisierung" eröffnen doch den Blick auf
       die Tatsache,  daß es  um die  "Modernisierung der  industriellen
       Kernsektoren" geht,  nicht um  die Schaffung  einer völlig  neuen
       Zweigstruktur der gesellschaftlichen Produktion. 27)
       Wenn im  folgenden versucht  wird, die  wichtigsten Sektoren hin-
       sichtlich der  Auswirkungen eines  hohen,  gegenüber  dem  Absatz
       zunächst "autonomen"  Rationalisierungsbedarfs in  Produktion und
       Verwaltung zu  behandeln, so gilt das Hauptaugenmerk jenen Sekto-
       ren, die  in erster  Linie die Lieferanten der modernen Maschinen
       und  Ausrüstungen   sind.  Dazu  zählen  vor  allem  die  Branche
       "Büromaschinen/ADV   (Automatische    Datenverarbeitung)-Geräte",
       "Maschinenbau" und "Elektrotechnik".
       Kernsektor für  den vor  allem auf der Mikroelektronik beruhenden
       Typ der  Rationalisierung ist  der Sektor  "Büromaschinen/ADV-Ge-
       räte" (BMD).  Der Anteil  seiner Produkte an den Ausrüstungsinve-
       stitionen der  Gesamtwirtschaft stieg  von vier  Prozent im  Jahr
       1970 auf neun Prozent 1980 und knapp 12 Prozent 1983. 28) Nun ist
       aber gerade  diese Branche  - statistisch als eigener Sektor erst
       seit 1970 erfaßt - ein Bereich, in dem die Produktionsbedingungen
       sowohl arbeits-  wie kapitalsparend  sind, was  durch den raschen
       Preisverfall für seine Produkte signalisiert wird. Das Verhältnis
       zwischen Bruttoanlagevermögen und Bruttowertschöpfungsvolumen (es
       kann hier  ungenau als  "Anlagenproduktivität" erfaßt werden) ist
       nicht nur sehr günstig, sondern zudem weiter ansteigend. Die Aus-
       weitung dieses  Kernsektors der  Rationalisierung erfordert  also
       vergleichsweise wenig  zusätzliche Investitionsaufwendungen;  die
       Impulse seines  raschen Wachstums  auf den  gesamten  Reprodukti-
       onprozeß sind relativ gering. Dieser Zustand wird auch durch eine
       extrem niedrige  Investitionsquote (hier berechnet als Anteil der
       Bruttoanlageinvestitionen an  der Bruttowertschöpfung  zu  festen
       Preisen) beschrieben:  Sie liegt  in den letzten Jahren trotz des
       rapiden Branchenwachstums  zwischen fünf  und sechs Prozent, wäh-
       rend diese Kennziffer sich im industriellen Durchschnitt bei etwa
       10 Prozent  bewegt. 29)  Dabei kommt  es -  dies ist zu betonen -
       hier nicht auf den im Produkt übertragenen Wertteil des fixen Ka-
       pitals an,  sondern auf den gesamten notwendigen Kapitalvorschuß:
       je niedriger dieser im Verhältnis zur Produktionskapazität, desto
       geringer der Impuls auf den gesamten Reproduktionsprozeß.
       In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß die ADV-Geräte
       selbst einen relativ geringen Kapitalbindungsgrad haben und einen
       relativ raschen  Kapitalumschlag ermöglichen.  Ihre  "ökonomische
       Nutzungsdauer" wird  derzeit auf  ungefähr sechseinhalb Jahre ge-
       schätzt, wobei natürlich der rasche technische Fortschritt gerade
       in diesem Bereich die Triebkraft sein dürfte. 30)
       Wie der  rasche Preisverfall der Geräte deutlich macht, sinkt der
       Umfang der  mit ihrem  Einsatz notwendigen  Kapitalbindung rasch,
       die Miniaturisierung  der Geräte  erleichtert ihren  breiten Ein-
       satz. Aus  diesem Grunde ist zu bezweifeln, daß "Dienstleistungs-
       rationalisierung  als  Ersatz  lebendiger  Arbeit  durch  (mikro-
       elektronische) Maschinerie  ... zu der entscheidenden Basis einer
       Hyperindustrialisierung werden"  könnte 31);  jedenfalls nicht in
       dem Sinne,  daß die  Ausstattung der Dienstleistungseinrichtungen
       mit Mikroelektronik  zu einer umfangreichen Neuanlage von Kapital
       führen würde.  Damit  ist  wegen  der  starken  Verbilligung  der
       Apparate nicht  zu rechnen,  zudem diese auch eine Einsparung von
       Raumbedarf (Bauten) mit sich bringen.
       Zu erwähnen  ist schließlich  auch  die  Tatsache,  daß  die  Ar-
       beitsproduktivität in  der Branche  BMD ebenfalls nicht nur über-
       durchschnittlich hoch  ist (verglichen mit der verarbeitenden In-
       dustrie insgesamt),  sondern auch  rapide  ansteigt:  Das  Brutto
       wertschöpfungs volumen  je Beschäftigten  erreichte 1983 dort den
       Indexwert von 408 (Index 1970 = 100), während er im industriellen
       Durchschnitt auf 169 kletterte. 32)
       Anders ist  die Entwicklung  bislang im wichtigsten Lieferbereich
       von Ausrüstungsgütern,  im Maschinenbau, verlaufen. Diese Branche
       hatte sich bis Anfang der achtziger Jahre außerordentlich schwach
       entwickelt; vor  allem die  inländische Nachfrage  nach Produkten
       des Maschinenbaus  blieb stark  zurück. 33)  Knapp 34 Prozent der
       Ausrüstungsinvestitionen bestanden  1980 aus  Maschinenbauerzeug-
       nissen, 1970  waren es  noch 42  Prozent. 34) Dies mag auch damit
       zusammenhängen, daß  der Maschinenbau  selbst -  aufgrund  seiner
       klein- und  mittelbetrieblichen Struktur - in der Anwendung neuer
       Technologien ein relativ langsames Tempo angeschlagen hatte. Aber
       auch ein struktureller Wandel ist zu berücksichtigen: Bei den Ma-
       schinen selbst  sinkt der Anteil der maschinenbaulichen Komponen-
       ten, immer  mehr Maschinenteile bestehen aus Elektronik. Trotzdem
       bleibt die Tatsache, daß eine Erneuerung des Produktionsapparates
       in einem  erheblichen, wenn auch relativ sinkenden Ausmaß, zu ei-
       ner Erweiterung des Maschinenabsatzes führen wird. Der Maschinen-
       bau ist  nun ein  deutlich stärker anlageintensiver Produktionbe-
       reich als  die BMD;  allerdings  ist  die  "Anlagenproduktivität"
       (Potentielles Bruttowertschöpfungsvolumen  zu  Bruttoanlagevermö-
       gen) immer noch wesentlich höher als im Durchschnitt der gesamten
       Industrie. Die  Investitionsquote ist daher auch niedriger als im
       industriellen Durchschnitt, was allerdings auch mit dem relativen
       Absatzrückstand in  den vergangenen Jahren zusammenhängen dürfte.
       Die Arbeitsproduktivität  ist nach wie vor etwas niedriger als im
       industriellen Durchschnitt, auch ist sie in der Vergangenheit et-
       was langsamer angestiegen als in der Gesamtindustrie.
       Die dritte große Gruppe von in unserem Zusammenhang wichtigen In-
       vestitionsgütern sind  die elektrotechnischen und feinmechanisch-
       optischen Erzeugnisse.  Ihr Anteil  an den Ausrüstungen stieg von
       20 Prozent  im Jahre 1970 auf 25 Prozent 1980. 35) Nun gehört die
       elektrotechnische Industrie  ebenfalls zu jenen Branchen des ver-
       arbeitenden Gewerbes,  in denen  die "Anlagenproduktivität" deut-
       lich überdurchschnittlich ist und sich zudem wesentlich günstiger
       entwickelt als  im industriellen  Durchschnitt. Auch hier ist die
       Investitionsquote nach DIW-Angaben in den letzten Jahren mit sie-
       ben bis acht Prozent unterdurchschnittlich gewesen. Auch hier er-
       fordert eine Kapazitätserweiterung, wie sie mit der Rationalisie-
       rung der Produktions- und Verwaltungsverfahren verbunden ist, re-
       lativ  geringe   zusätzliche  Kapitalaufwendungen.  36)  Die  Ar-
       beitsproduktivität  entspricht   etwa  dem  industriellen  Durch-
       schnitt, sie steigt allerdings deutlich rascher an.
       Die bisher  genannten Kennziffern  der "Anlagenproduktivität" be-
       ziehen die gesamten fixen Kapitalanlagen (Bruttoanlagevermögen zu
       festen Preisen)  auf das Produktionspotential, unterscheiden also
       weder nach Alter noch nach Art des Produktivvermögens.
       Daher soll hier auch noch der vom DIW berechnete "marginale Kapi-
       talkoeffizient" angeführt werden: Er bezieht die jeweiligen Brut-
       toanlageinvestitionen auf  das dadurch geschaffene Produktionspo-
       tential, zeigt  also, wie  hoch die  Investitionsaufwendungen zur
       Zeit sein müssen, um die Produktionskapazitäten in einem bestimm-
       ten Umfang  zu erweitern.  Dies ist hier wesentlich interessanter
       als die Durchschnittsziffer der gesamten Anlagenproduktivität, da
       es die  Neuanlage von fixem Kapital mit ihrem Kapazitätseffekt in
       Verbindung bringt.
       In allen  drei bisher behandelten Bereichen ist dieser Wert deut-
       lich niedriger  als im Durchschnitt der Gesamtindustrie, oder um-
       gekehrt: Die  marginale Anlagenproduktivität ist höher. Vor allem
       aber weist  der Indikator  eine rückläufige Tendenz auf - sie ist
       bei Maschinenbau  etwas, in  der Elektroindustrie und bei BMD er-
       heblich stärker rückläufig als in der Gesamtindustrie. 37) Selbst
       die Beschränkung  auf den bloßen wertmäßigen Ersatz der Maschine-
       rie würde  also die Produktionskapazität weiter erhöhen, ein Tat-
       bestand, der  vom Ifo-Institut  aufgrund anderer Untersuchungsme-
       thoden für  die gesamte  verarbeitende  Industrie  so  formuliert
       wird: Es  liegt der Schluß nahe, "daß der Bedarf an Erweiterungs-
       investitionen im Bereich des verarbeitenden Gewerbes in den acht-
       ziger Jahren  eher noch  niedriger anzusetzen ist, als er ohnehin
       schon in  der zweiten Hälfte der siebziger Jahre war. Ein Kapazi-
       tätswachstum von  rund 2%  resultiert bereits aus den Produktivi-
       tätseffekten der  durchgeführten Rationalisierungs- und Ersatzin-
       vestitionen". 38)  Dieser Effekt  konzentriert sich - dies zeigen
       die Ergebnisse  des DIW  - gerade  in jenen Sektoren, die im Zuge
       der verstärkten Rationalisierung ihre Produktion ausdehnen.
       Die These ist also, daß der vorherrschende Typ der Prozeßrationa-
       lisierung in  Produktion und  Verwaltung gerade jene Branchen ab-
       satzmäßig begünstigt, die eine Erweiterung ihrer Produktionskapa-
       zitäten mit  einem relativ geringen zusätzlichen Aufwand an fixem
       Kapital bewerkstelligen können, d.h., die Modernisierung der Pro-
       zesse in  Produktion und  Verwaltung bewirkt  keine  umfangreiche
       Neuanlage von fixem Kapital. Dies hängt u.a. auch damit zusammen,
       daß die  Produzenten der  modernen Ausrüstungen selbst bevorzugte
       Anwendungsfelder der  neuen Technologien  sind, z.B.:  "Der Indu-
       strieroboter wird  die Senkung  der Preise  für  Industrieroboter
       herbeiführen." Ein  in unserem  Zusammenhang ebenfalls  wichtiger
       Aspekt ist dabei die Tatsache, daß die Miniaturisierung den Raum-
       und damit den Baubedarf verringert. 39)
       Als weiterer  bedeutender Sektor  des verarbeitenden Gewerbes sei
       die chemische  Industrie erwähnt,  die allerdings gegenwärtig und
       absehbar in ihren Produktionsverfahren noch relativ wenig mit den
       technologischen Umwälzungen verknüpft ist. Es findet eine gewisse
       Umstrukturierung der  Produktion statt,  wobei die  Hauptrichtung
       als "weg von Massenprodukten - hin zu Spezialitäten" gekennzeich-
       net werden kann. 40) Dies erfolgt aber ohne große zusätzliche In-
       vestitionsaufwendungen, wobei  eine Rolle spielt, daß die Schwer-
       punktverlagerung in  den Produktionsprofilen  ohne eine  grundle-
       gende Umstrukturierung  der Werke  möglich  ist.  Die  Einführung
       elektronischer Prozeßsteuerung in die Produktionsprozesse erfolgt
       nur allmählich,  im Zuge  des Ersatzes  alter Anlagen durch neue.
       41)
       Grundlegende Veränderungen  in den  Produktionsprozessen der Che-
       mieindustrie sind  allerdings von der Biotechnologie zu erwarten.
       Dabei handelt  es sich  ebenfalls weniger  um neue  Produkte, als
       vielmehr um  eine - allerdings radikale - Veränderung von Produk-
       tionsverfahren. Eine rasche Umstellung würde - angesichts der ho-
       hen Anlagenintensität  (= niedrige  Anlagenproduktivität) -  hohe
       Aufwendungen an fixem Kapital erfordern.
       Allerdings befindet sich diese Technologie noch weitgehend in der
       Phase der  Forschung. So fordert das Institut der Deutschen Wirt-
       schaft (IW):  "Notwendig ist insbesondere eine Intensivierung der
       anwendungsorientierten biologischen Forschungsarbeiten sowie kon-
       sequentere und  schnellere Umsetzung  der Forschungsergebnisse in
       biotechnische Verfahren."  42) Vor  allem ist zur Zeit noch nicht
       absehbar, wie  groß die  notwendigen Investitionsaufwendungen  im
       Zuge der  größtenteils erst  nach dem  Jahr 2000 erwarteten indu-
       striellen Anwendung sein werden.
       Für die  Perspektiven der  chemischen Industrie  ist  schließlich
       auch relevant,  daß die Modernisierung der Produktion und die An-
       wendung der  Mikroelektronik in der Gesamtwirtschaft eine bessere
       Nutzung der  Grundstoffe und  damit eine Senkung des spezifischen
       Materialverbrauchs ermöglicht. Als wichtiger Lieferant von Grund-
       stoffen entstehen der Chemie von daher auch Tendenzen der Absatz-
       beschränkung im Zuge der Rationalisierung.
       Der bedeutendste Investor der letzten Jahre in der verarbeitenden
       Industrie war  der Fahrzeugbau.  Für  die  Aufschwungperiode  der
       fünfziger und  sechziger Jahre muß diese Branche - neben der Bau-
       wirtschaft -  als Schlüsselsektor angesehen werden. Für die näch-
       sten 15 Jahre sind hier zwei Tendenzen absehbar 43):
       - Ein Mengenwachstum  ist in  den  entwickelten  kapitalistischen
       Ländern kaum noch zu erwarten; sowohl der hohe erreichte Ausstat-
       tungsgrad mit Fahrzeugen als auch die beschränkte Kaufkraft engen
       die Absatzmöglichkeiten relativ ein.
       - Im Zuge des verschärften Konkurrenzkampfes treiben die Konzerne
       die Modernisierung voran; die Verringerung der Zahl der Produkti-
       onsstandorte in  den entwickelten kapitalistischen Ländern ist im
       Zusammenhang mit Konzernkooperationen wahrscheinlich.
       Infolgedessen haben  die Investitionen  der Automobilkonzerne  in
       den letzten  Jahren sprunghaft  zugenommen. Die Investitionsquote
       liegt zwischen  18 und  19 Prozent; fast ein Fünftel der gesamten
       Anlageinvestitionen der  verarbeitenden Industrie  entfallen  auf
       den Fahrzeugbau.  Im Zuge  der massiven  Rationalisierung  werden
       auch die  Produktionskapazitäten erweitert, so daß zur Zeit trotz
       der relativ  hohen Absatzziffern  von Überkapazitäten  gesprochen
       wird.
       Die Erneuerung  des Anlagenapparates  wird aber erst in den näch-
       sten Jahren Wirkung zeigen:
       - Der Rationalisierungseffekt  besteht vor  allem in der Integra-
       tion der  Prozesse, in  der Verknüpfung  aller  Abläufe  auf  der
       Grundlage neuer  Maschinerie. Erst  nach Abschluß der apparativen
       Neuausstattung der Werke werden sich die Effekte also in Form von
       Beschäftigungsrückgängen voll auswirken. 44)
       - Ein wichtiger  Effekt der  Modernisierung ist die Flexibilisie-
       rung der  Produktionsapparate, die  Verbindung der  Vorteile  von
       Massenproduktion und Produktdifferenzierung. Die Produktionsanla-
       gen können Produktvariationen rascher und ohne große Zusatzanlage
       von fixem Kapital bewältigen - überhaupt ein wesentliches Merkmal
       des gegenwärtigen Typs der Rationalisierung.
       - Die Modernisierung  vergrößert die Fertigungstiefe, d.h. in den
       vorgelagerten Bereichen engen sich die Absatzmöglichkeiten ein.
       Aus diesen  Gründen ist zu erwarten, daß die Rolle der Automobil-
       industrie für  den Akkumulationsprozeß  in den nächsten 15 Jahren
       eher an Bedeutung verlieren wird.
       Im Kern  geht es also darum, daß die Modernisierung der Verfahren
       in Produktion  und Verwaltung  zwar eine gewisse Verschiebung der
       Zweigstrukturen, nicht  aber einen  Impuls zum Neuaufbau oder zur
       Erweiterung wichtiger  neuer Produktionsbereiche mit sich bringt.
       45) Die  Rationalisierung nach dem vorherrschenden, vor allem auf
       der Mikroelektronik  basierenden Typ verändert im großen und gan-
       zen nicht  die infrastrukturellen  Grundlagen der Produktion, sie
       kann in der Regel im Zuge des - staatsmonopolistisch gestützten -
       Prozesses der Kapitalfreisetzung implementiert werden.
       Hinzu kommt ein Moment, das mit der monopolistischen Struktur der
       Wirtschaft zusammenhängt. Die Rationalisierung der Produktion er-
       laubt in  vielen Fällen  eine rasche Senkung der Stückkosten. Wie
       eine Befragung  des Ifo-Instituts  ergab, konzentrieren  sich die
       Innovationsaufwendungen in der Investitionsgüterindustrie und bei
       den  Großunternehmen:   Knapp  70   Prozent  der   Ausgaben   für
       "Innovationen" entfielen 1980 auf die Investitionsgüter, knapp 60
       Prozent auf  Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten. 46) Die
       Senkung der Stückkosten wird aber nur zum Teil weitergegeben: Die
       Kosten der  Kapitalvernichtung, die mit der forcierten Rationali-
       sierung verbunden  sind (Überkapazitäten,  Ausscheiden veralteter
       Anlagen, Kapazitätsabbau  in einzelnen Sektoren, Preisverfall be-
       stimmter Anlagen usw.) können von den marktstarken Konzernen, die
       im Rationalisierungsprozeß  am weitesten voran sind, zu einem er-
       heblichen Teil über die Absatzpreise überwälzt werden. Damit wird
       aber das  Tempo der Einführung neuer Techniken in den übrigen Be-
       reichen, aber  auch die  Durchsetzung neuer Produkte bei den End-
       verbrauchern, gebremst.
       Ähnlich akkumulationshemmend  wirkt sich  die staatliche Stützung
       von Umstrukturierungsprozessen  aus. Die in Form von Subventionen
       oder Steuererleichterungen  übernommenen Kosten  von  Modernisie-
       rungsprozessen vor allem in schrumpfenden Branchen - wie z.B. der
       Stahlindustrie -  engen die Finanzierungsspielräume der öffentli-
       chen Hand  ein. Die  Dynamik der  öffentlichen Investitionen wird
       eingeschränkt, der  Druck des strukturell überakkumulierten Kapi-
       tals auf den Reproduktionsprozeß verstärkt.
       Auch die Ergebnisse der Unternehmensbefragungen durch das Ifo-In-
       stitut für  Wirtschaftsforschung, das zuletzt die mittelfristigen
       Investitionspläne der  Unternehmen der  verarbeitenden  Industrie
       bis 1989  untersucht hat, sprechen nicht für eine wesentliche Be-
       schleunigung  des  Akkumulationstempos.  Die  "Investitionsquote"
       (hier berechnet  als Anteil  der Bruttoanlageinvestitionen am Um-
       satz) wird  für den  Zeitraum 1985-1989 in der gesamten verarbei-
       tenden Industrie  mit 4,2  Prozent vorausgeschätzt.  Das ist eine
       Größe, wie sie zwischen 1975 und 1984 in etwa erreicht worden war
       (4,0 Prozent), während in den Jahren 1970-1974 eine Quote von 5,5
       Prozent verzeichnet  worden war.  Mehr als  eine leichte Belebung
       der Investitionstätigkeit ist also auch nach diesen - im Frühjahr
       1985, also noch in einer relativ günstigen Konjunkturlage erfrag-
       ten - Planungen nicht zu erwarten.
       Die bisherigen  Ergebnisse bestätigen, daß die Rolle der Moderni-
       sierung als  Motiv der  Investitionstätigkeit weiter an Bedeutung
       zunimmt. So  geben derzeit etwa 60 Prozent der Firmen (Anteil ge-
       wogen mit dem Firmenumsatz) die Einführung neuer Produktions- und
       Verfahrenstechniken als Investitionsziel an, ein Wert, der in den
       siebziger Jahren ständig angestiegen ist (1970: 10 Prozent, 1975:
       40 Prozent)  Dagegen bleibt das Motiv "Einführung neuer Produkte"
       mit 15  Prozent niedrig, seit 1970 ist eher ein leichter Rückgang
       der Meldungen (1970: 20 Prozent, 1975: 10 Prozent) zu beobachten.
       47)
       
       3.3. Neue Technologien und öffentliche Infrastrukturinvestitionen
       -----------------------------------------------------------------
       
       Große Bedeutung für den Akkumulationsprozeß von fixem Kapital hat
       die Frage, welche Auswirkungen die Einführung der Neuen Technolo-
       gien für die bestehenden Infrastrukturen hat. In diesem Zusammen-
       hang sind vor allem die Informations- und Kommunikationstechnolo-
       gien zu  nennen, die einen erheblichen Ausbau von Kommunikations-
       netzen mit  sich bringen:  So werden  die Investitionen  für eine
       flächendeckende Breitbandverkabelung mit Kupfer-Koaxialkabeln von
       der Bundesregierung  mit 25  Milliarden DM  veranschlagt,  andere
       Schätzungen gehen bis 46 Milliarden DM.
       Der Investitionsaufwand  für eine Glasfaserverkabelung ist aller-
       dings weit  höher: er wird nach unterschiedlichen Schätzungen mit
       Summen zwischen  100 und  300 Milliarden angegeben. 48) Dabei ist
       allerdings zu  beachten, daß  die Träger dieser Investitionen di-
       rekt oder indirekt die öffentlichen Hände sind.
       In diesem  Zusammenhang seien  einige Überlegungen  zur Rolle öf-
       fentlicher Investitionen  angestellt, die  - entsprechend der Zu-
       nahme der  Bedeutung gesellschaftlicher  Infrastrukturen für  die
       Produktion -  tendenziell zunehmen müßten. Der Anteil der öffent-
       lichen Investitionen  (Staat und  öffentliche Unternehmen) an den
       gesamten Anlageinvestitionen  (in Preisen  von 1976)  lag dagegen
       1983 bei  25 Prozent, nach fast 30 Prozent 1970. 49) Darüber hin-
       aus beeinflußt  die öffentliche Hand durch Subventionen unmittel-
       bar die  Investitionstätigkeit im  Wohnungsbau und  beim  Umwelt-
       schutz; die  Rolle des Staates für die Akkumulation von fixem Ka-
       pital ist also sehr groß.
       Es stellt  sich die  Frage, ob die z.T. rasch wachsenden Anforde-
       rungen an  den Infrastrukturausbau u.a. auf dem Gebiet der Kommu-
       nikationstechniken und im Umweltschutz einen staatlich stimulier-
       ten Investitionsaufschwung  auslösen werden, der schließlich auch
       für eine  Belebung  des  gesamten  Akkumulationsprozesses  sorgen
       würde. Für  eine solche Möglichkeit sprechen einige Faktoren: Die
       öffentlichen Infrastrukturen  gewinnen an Gewicht für die Produk-
       tionsbedingungen und  damit auch  für die  internationale Konkur-
       renzfähigkeit der inländischen Produktion. Der Druck des struktu-
       rell überakkumulierten  Geldkapitals erfordert  die Eröffnung zu-
       sätzlicher Anlagefelder,  durchaus auch in Form einer zunehmenden
       Staatsverschuldung. Schließlich  gibt es  Anzeichen, daß sich zu-
       mindest in Westeuropa das den sozialen Konsens gefährdende Modell
       der  "antietatistisch-aggressiven"   Orientierung  50)  politisch
       nicht durchsetzen läßt, daß eher ein "etatistisch-reformistischer
       Weg" Realisierungschancen  hat. Es  stellt sich  die Frage, ob im
       Rahmen einer  als "rechts-keynesianisch"  zu bezeichnenden  wirt-
       schaftspolitischen Konzeption  eine staatsmonopolistische Strate-
       gie durchführbar erscheint, die eine massive Erhöhung der öffent-
       lichen Verschuldung in Kauf nimmt, um notwendige Infrastrukturin-
       vestitionen zu  tätigen. Dies würde sich immer noch im Rahmen ei-
       nes kapitalkonformen  Grundkonsenses bewegen, also eine Loslösung
       von der  Profitlogik im Sinne einer "antimonopolistischen" Orien-
       tierung nicht erfordern.
       Eine solche staatliche Stimulierung des Akkumulationstempos würde
       allerdings voraussetzen, daß das öffentliche Ausgabenvolumen ins-
       gesamt dauerhaft rascher expandiert als das Produktionspotential.
       Eine bloße  Umstrukturierung der Ausgaben zu Lasten "konsumtiver"
       und zugunsten "investiver" Verwendungen würde nicht ausreichen.
       Der Autor  geht aber  hier davon aus, daß selbst bei einem Regie-
       rungswechsel in  Richtung auf  reformistische,  am  Sozialkonsens
       orientierte Kräfte  der Spielraum  für eine expansive Ausgabenge-
       staltung eng  bleibt. Die  Qualität der nationalen Infrastruktur-
       einrichtungen ist nur sehr (oft politisch) vermittelt ein Faktor,
       der die  nationalen Produktionsgrundlagen selbst berührt. Im Zuge
       der Herausbildung  international operierender  Konzerne ist z. B.
       die Reduzierung  der Umweltbelastung auch durch Produktionsverla-
       gerungen ins  Ausland möglich, was den Zwang zu umfangreichen na-
       tionalen Umweltschutzinvestitionen vermindert. Eine an der inter-
       nationalen Konkurrenzfähigkeit  der dominierenden,  multinational
       dimensionierten Konzerne  orientierte Politik  kann durchaus  be-
       stimmte Disproportionen  auch der  nationalen Infrastrukturen  in
       Kauf nehmen.
       Weiterhin setzt  die überproportionale Expansion der öffentlichen
       Ausgaben in der Tendenz voraus, daß Umverteilungsprozesse auch zu
       Lasten des  Kapitals vorgenommen werden. Dies auch dann, wenn die
       Finanzierung über  eine Ausweitung  der öffentlichen Schulden er-
       folgt. Denn  das in dieser Form akkumulierte Kapital muß verzinst
       werden. Einer  Umverteilung zu Lasten der Löhne und Gehälter bzw.
       der Sozialausgaben  stehen gerade in dieser politischen Orientie-
       rung große Hindernisse im Wege: Ist doch gerade die Erhaltung des
       sozialen Konsenses  ihre politische  Grundlage. Eine Finanzierung
       über die  Inkaufnahme einer beschleunigten Inflation - also sozu-
       sagen die "Abfederung" der notwendigen Umverteilung - findet ihre
       Grenzen in  der bereits oben erwähnten Weltmarktorientierung. Die
       Abkehr von  "etatistischen" Politikvarianten  in den kapitalisti-
       schen Ländern  - ob unter konservativer oder sozialdemokratischer
       Ägide -  erfolgte ja u.a. gerade deshalb, weil diese mit dem Pri-
       mat der  Weltmarktorientierung unvereinbar erschienen. Bleibt die
       internationale Konkurrenzfähigkeit der wirtschaftspolitische Ori-
       entierungspunkt - und dafür spricht der hohe und weiter steigende
       Grad der  Weltmarkteinbindung der  Bundesrepublik -,  dann findet
       die Expansion  der öffentlichen Ausgaben und Investitionen an der
       Strategie der  außenwirtschaftlichen Expansion  ihre Grenzen. Das
       schließt Akzentverschiebungen nicht aus, macht aber ein durch öf-
       fentliche Investitionen und Ausgaben geprägtes beschleunigtes Ak-
       kumulationsmodell in den nächsten 15 Jahren wenig wahrscheinlich.
       51)
       
       3.4. Bauinvestitionen und Wohnungsbau
       -------------------------------------
       
       Eine große  Bedeutung für  die Akkumulation von fixem Kapital hat
       die Bautätigkeit.  Der Anteil der Bauinvestitionen an den gesamt-
       wirtschaftlichen Investitionen  liegt bei  etwa 58 Prozent, d.h.,
       er beträgt immer noch deutlich mehr als die Hälfte aller Investi-
       tionen. Fast die Hälfte der Bauinvestitionen bzw. ein Viertel der
       gesamten Anlageinvestitionen  entfällt auf  den Bereich  der Woh-
       nungsvermietung, wobei hier individuelles Wohneigentum mitgezählt
       ist. Der  Staat (ohne öffentliche Unternehmungen) trägt ein knap-
       pes Viertel des Bauvolumens, ein knappes Drittel entfällt auf den
       Unternehmensbereich.
       Dabei dürfte  der Trend  der Bauinvestitionen  im Unternehmensbe-
       reich weiter  rückläufig sein,  da die  neuen Technologien in der
       Regel den  spezifischen Raumbedarf senken. Neubauten größeren Um-
       fangs sind  aus Rationalisierungsgründen  jedenfalls nicht zu er-
       warten. In  der verarbeitenden Industrie sank der Anteil der Bau-
       investitionen, der  noch Anfang  der siebziger  Jahre zwischen 20
       und 25  Prozent geschwankt  hatte, auf in/wischen 15 Prozent. 52)
       Die Entwicklung  der öffentlichen Bauinvestitionen war bisher we-
       niger von  Sättigungserscheinungen bestimmt als von der Finanzie-
       rungssituation, also  letzten Endes  von der Dynamik der privaten
       Kapitalakkumulation als  Motor des  Gesamtreproduktionsprozesses.
       Sicherlich sind  in wichtigen Bereichen - wie dem Straßenbau oder
       dem Schulbau  - gewisse Sättigungsgrenzen erreicht, auf der ande-
       ren Seite  aber öffnen  sich wichtige  neue Bedarfsfelder wie der
       Umweltschutz oder  der Städtebau,  die mit  hohen Bauaufwendungen
       und umfangreichen  und langfristigen Neuanlagen von fixem Kapital
       verbunden wären.  Es wurde  oben dargelegt,  daß nach der Ansicht
       des Autors  eine eigenständige, am gesellschaftlichen Bedarf ori-
       entierte öffentliche Investitionspolitik an der privat bestimmten
       Akkumulationsdynamik unter  Bedingungen der Weltmarktorientierung
       ihre Grenzen findet.
       Schließlich ist ein Blick auf den Wohnungsbau als den wichtigsten
       Bauinvestor zu  richten. Der  erreichte relativ  hohe  allgemeine
       Versorgungsstand und  die demographische  Entwicklung sind Fakto-
       ren, die  in der  Regel für den Rückgang des Wohnungsneubaus ver-
       antwortlich gemacht  werden, während die Erhaltungs- und Moderni-
       sierungsaufwendungen an  Gewicht gewinnen. Ohne daß die genannten
       Faktoren als  wichtige Momente  der  Baunachfrage  vernachlässigt
       werden sollen,  erscheint vor  diesem Hintergrund die Entwicklung
       der privaten Masseneinkommen und der Wohnungskosten als entschei-
       dender Faktor.
       Das gesamte Bauvolumen - so schätzt das Ifo-Institut - dürfte bis
       1994 nur  noch sehr schwach expandieren, eine jahresdurchschnitt-
       liche Zuwachsrate  von 0,5  Prozent wird  erwartet. Dabei  flacht
       sich der  Trend ab;  beim Wohnungsneubauvolumen  wird  sogar  ein
       "Kippen" erwartet,  "das nur  noch eine gewisse Zeit lang von der
       Zunahme der  Altbauerneuerung kompensiert werden kann". 53) Dafür
       spielt aber  die jeweils  sich realisierende Politikvariante eine
       entscheidende Rolle,  wobei hier  die Ansicht vertreten wird, daß
       nur im  Rahmen einer "antimonopolistischen" Orientierung existie-
       rende Bedarfslücken geschlossen werden können.
       
       4. Rationalisierung, Beschäftigung und Konsumtion
       -------------------------------------------------
       
       Zum Schluß sei ein Aspekt behandelt, der in der Diskussion um Ra-
       tionalisierung oft  im Mittelpunkt  steht: der damit zusammenhän-
       gende Verlust  von Arbeitsplätzen. Dabei soll hier nur die Frage-
       stellung interessieren,  ob dadurch der gesamte Reproduktionspro-
       zeß angetrieben oder verlangsamt wird.
       Von konservativer  Seite her  wird in der Regel darauf verwiesen,
       daß die  Einführung der  neuen  Technologien  zunächst  mehr  Ar-
       beitsplätze schaffe als vernichtet werden.
       Tatsächlich hat die Akkumulation von Kapital, die immer verbunden
       ist mit  einer Entwicklung  der Produktivkräfte, beide Wirkungen:
       die Arbeitsmittel,  die zum Ersatz von lebendiger Arbeit benötigt
       werden, erfordern  bei ihrer Herstellung selbst lebendige Arbeit.
       54)
       Bezogen auf  unsere Problemstellung  ist die  Frage der Wirkungen
       der neuen  Technologien auf  die  Beschäftigung  aber  weitgehend
       identisch mit  der Frage  nach dem Einfluß auf das Akkumulations-
       tempo selbst.  Wenn die  Modernisierung der bestehenden Produkti-
       onsapparate eine  rasche Erweiterung  der Produktionskapazität in
       den Bereichen  erfordern würde,  die die  Arbeitsmittel  liefern,
       dann würde es auch zunächst zu einer Steigerung der Beschäftigung
       dort kommen.
       Die damit verbundene Steigerung der Massenkaufkraft würde den Re-
       produktionsprozeß dann auch von der Seite der Konsumnachfrage her
       antreiben. Voraussetzung  für eine  Steigerung der  Beschäftigung
       ist, daß die Güterproduktion rascher ansteigt als die Arbeitspro-
       duktivität je  Beschäftigten. Eine  völlig neue  Situation  würde
       sich nur  dann ergeben, wenn der Zusammenhang zwischen dem Wachs-
       tum der  Güterproduktion  einerseits  und  der  Zunahme  der  Ar-
       beitsproduktivität andererseits durch die neuen Technologien völ-
       lig verändert würde. Dies erscheint aber vom gegenwärtigen Stand-
       punkt aus  wenig wahrscheinlich:  Zwar dürfte  sich der  schwache
       Trend zum Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfort-
       schritts vor  dem Hintergrund  einer beschleunigten Rationalisie-
       rung nicht fortsetzen, es ist eher mit einer leichten Beschleuni-
       gung zu  rechnen. Allerdings  ist eine sprunghafte Erhöhung nicht
       zu erwarten. 55) Das Prognos-Institut und das IAB kommen in ihrer
       Analyse des Zusammenhangs von Wirtschaftswachstum und Produktivi-
       tätsfortschritt zu  dem Ergebnis, "daß die Beschäftigungsschwelle
       ... von  der an  das Wachstum den Produktivitätsfortschritt über-
       steigen würde ... längerfristig tendenziell eher wieder etwas hö-
       her liegen  dürfte als bisher, zumindest jedoch nicht weiter sin-
       ken dürfte."  56) Das  IAB hält  für  realistisch,  daß  die  Ar-
       beitsproduktivität auf Stundenbasis in einem Tempo von etwa drei-
       einhalb Prozent und, eine jährliche Arbeitszeitverkürzung von ei-
       nem Prozent  angenommen, die  Erwerbstätigenproduktivität um etwa
       zweieinhalb Prozent  jährlich ansteigen wird - bei einer erwarte-
       ten Wachstumsrate von zweieinhalb Prozent, was gegenüber dem Ent-
       wicklungstempo zwischen  1974 und  1985 in  Höhe von jahresdurch-
       schnittlich 1,7  Prozent bereits  eine markante Erhöhung bedeuten
       würde. In  diesem Fall  würde die  Zahl der Arbeitsplätze gesamt-
       wirtschaftlich etwa  stagnieren, die  Zahl der  Arbeitslosen aber
       bis zum Jahr 2000 nur leicht auf 2,7 Millionen zurückgehen.
       Für unseren  Zusammenhang ist  lediglich relevant, daß damit eine
       unterdurchschnittliche Zunahme  der privaten  Nachfrage verbunden
       wäre. Denn vor dem Hintergrund einer anhaltenden Massenarbeitslo-
       sigkeit und eines beschleunigten Rückgangs der durchschnittlichen
       Arbeitszeit (vor  allem infolge  von mehr  Teilzeitarbeit) dürfte
       selbst eine  Stabilisierung der Verteilungsquote kaum durchzuset-
       zen sein.  Dies bedeutet aber, daß eine durchaus mögliche leichte
       Belebung der  Akkumulation von  fixem Kapital im Zuge der Einfüh-
       rung neuer  Technologien immer  wieder rasch eine Schranke in der
       nicht bzw.  zu langsam  nachfolgenden privaten  Kaufkraft  finden
       wird. Die  Situation, wie  sie seit Mitte der siebziger Jahre für
       die Wirtschaftslage  charakteristisch ist, wird sich also auch in
       den kommenden Jahren nicht grundlegend verändern.
       Der Modernisierungsbedarf  in Produktion  und  Verwaltung  stellt
       einen stabilisierenden Faktor der Wirtschaftsentwicklung dar. Von
       ihm profitieren  aber nur  wenige  investitionsgüterproduzierende
       Sektoren, die  die steigende  Nachfrage  nach  den  technologisch
       hochentwickelten Arbeitsmitteln mit relativ geringen zusätzlichen
       Investitionsaufwendungen und  ohne wesentliche Beschäftigungsaus-
       weitung befriedigen können. Eine umfangreiche Neuanlage von fixem
       Kapital, die  schließlich zu  einem Anstieg von Erweiterungsinve-
       stitionen führen  und auch  beschäftigungssteigernd wirken würde,
       ist nicht in Sicht.
       
       5. Schlußfolgerung
       ------------------
       
       Eine Analyse der gegenwärtigen und absehbaren Akkumulationsbedin-
       gungen ergibt  ein Gesamtbild,  das wenig  Überraschungen bietet.
       Eine Fortsetzung  des  seit  den  siebziger  Jahren  beobachteten
       Trends  in  den  ökonomischen  Grundprozessen  zur  weiteren  Ab-
       schwächung der  Akkumulationsdynamik dürfte trotz der anhaltenden
       Schwäche der  Konsumnachfrage nicht  zu erwarten sein: In der Tat
       bewirkt das  hohe Niveau  der Rationalisierung hier eine Stabili-
       sierung des  Akkumulationstempos. Auf  der anderen Seite aber ist
       eine erneute Revitalisierung, wie sie inzwischen von vielen Lang-
       fristprognosen erhofft wird, ebenfalls nicht wahrscheinlich. Denn
       der historisch-spezifische  Charakter der Modernisierung mit sei-
       nem Schwergewicht auf Prozeßrationalisierung und der Möglichkeit,
       die neuen Fertigungstechniken in bereits existierende Infrastruk-
       turen und Fertigungsstätten zu implementieren, macht umfangreiche
       Neuanlagen von  fixem Kapital,  insbesondere mit  sehr langen Um-
       schlagzeiten, nicht erforderlich.
       Ein Andauern der schwachen Akkumulations- und Wachstumsdynamik im
       Kapitalismus impliziert  aber durchaus  krisenhafte Veränderungen
       und Brüche  im sozialen  und politischen  Milieu. Der  Druck  des
       überakkumulierten Kapitals  auf den  gesamten Reproduktionsprozeß
       wird zunehmen,  wobei  die  monopolistischen  Einzelkapitale  die
       größten Chancen  für eine partielle Lösung besitzen. Eine größere
       Differenzierung auch  innerhalb der  Kapitalfraktionen  wäre  die
       Folge; wachsende  Disproportionen in  sektoraler  und  regionaler
       Hinsicht sind  wahrscheinlich. Die  Last der Geldkapitalakkumula-
       tion nimmt weiter zu und steigert die Anforderungen an die staat-
       lichen und supranationalen Regulierungsinstanzen in geld- und fi-
       nanzpolitischer Hinsicht.  Die damit  verbundenen internationalen
       Ungleichgewichte auf  monetärem Gebiet  wirken auf die nationalen
       Reproduktionsprozesse und auf den Weltmarkt zurück. Sie behindern
       insbesondere den Entwicklungsprozeß der "Dritten Welt". Dies wäre
       auch eine  offene Flanke  für krisenhafte  Entwicklungen, die die
       Position der kapitalistischen Länder bedrohen.
       National würde  der Druck  sozialer Ungleichheit und insbesondere
       die Tendenz  zur Pauperisierung rasch zunehmen. Es ist nicht aus-
       zuschließen, daß  damit Erschütterungen  der sozialen Beziehungen
       verbunden sind,  die den  gesamten politischen Rahmen in der Bun-
       desrepublik verändern.  Ein Andauern der schwachen Akkumulations-
       dynamik würde also in sozialer und politischer Hinsicht eine neue
       Situation schaffen,  auf die  die progressiven Kräfte sich recht-
       zeitig einstellen müssen.
       
       _____
       1) Jan Priewe, Die drei großen Krisen des deutschen Kapitalismus,
       in: Große  Krisen des Kapitalismus - lange Wellen der Konjunktur?
       IMSF-Informationsbericht 41, Frankfurt/M. 1985.
       2) Die Erfahrung  mit Technikprognosen  lehrt, daß  die Diffusion
       neuer Technologien  meist wesentlich  langsamer verläuft, als bei
       ihrem Auftauchen  erwartet wird.  Vgl. Erhard Ulrich, Technikpro-
       gnosen, in:  Mitteilungen aus  der Arbeitsmarkt-  und  Berufsfor-
       schung, 3/1980, S. 409 ff.
       3) Dieter Mertens,  Von der  Beharrlichkeit struktureller Trends,
       in: ebd., S. 319.
       4) Gerhard Kühlewind,  Rückblick auf Arbeitsmarktprojektionen für
       die siebziger  Jahre in der Bundesrepublik Deutschland, in: ebd.,
       S. 322.
       5) Dies gilt  nur eingeschränkt für marxistische Ansätze, die zu-
       mindest nach  1966 eine  stärker krisenhafte Entwicklung erwartet
       hatten. Vgl.  Machtstrukturen des heutigen Kapitalismus, Beiträge
       zu einer wissenschaftlichen Tagung. Marxistische Blätter, Sonder-
       heft 1/1976, Frankfurt/M., insbesondere den Beitrag von Gerd Mau-
       rischat, S. 73.
       6) Eine Zusammenschau derartiger Prognosen bringt: Martin Jänicke
       (Hrsg.), Vor  uns die  goldenen neunziger  Jahre?, München/Zürich
       1985.
       Vgl. zum prognostischen Wert der Theorie der "Langen Wellen" Jörg
       Goldberg, Das  Konzept der "Langen Wellen" der Konjunktur" - Eine
       Kritik theoretischer  Aspekte, in:  IMSF-Informationsbericht  41,
       a.a.O.
       7) "Die kontinuierliche  Rückverwandlung von  Mehrwert in Kapital
       stellt sich  dar als wachsende Größe des in den Produktionsprozeß
       eingehenden Kapitals.  Diese wird  ihrerseits Grundlage einer er-
       weiterten Stufenleiter  der Produktion,  der sie begleitenden Me-
       thoden zur Steigerung der Produktivkraft der Arbeit und beschleu-
       nigter Produktion  von Mehrwert." Karl Marx, Das Kapital, MEW Bd.
       23, Berlin/DDR 1968, S. 653.
       8) Vgl. Bernhard  Roth, Weltökonomie  oder Nationalökonomie? Mar-
       burg 1984
       9) Es wird  vorausgesetzt, daß wohl Verschiebungen wie die zugun-
       sten der südostasiatischen Raums weitergehen, daß aber die inter-
       nationalen Kräftekonstellationen  einen eigenständigen Aufschwung
       der Entwicklungsländer, der wesentlich binnenmarktorientiert ist,
       nicht zulassen.  Andererseits wird nicht angenommen, daß ein Zer-
       fall des  Weltmarktes und  eine Durchsetzung  protektionistischer
       Politik das Bild bestimmen.
       10) Es kann hier dahingestellt bleiben, ob diese Art von Regulie-
       rungsdefiziten der ökonomischen Gesetze des Kapitalismus auf Ver-
       änderungen in  jüngster Zeit  - z.B.  die Internationalisierung -
       zurückzuführen ist  oder ob  dies ein Merkmal der staatsmonopoli-
       stischen Entwicklungsetappe  als solcher ist, das nur, durch Son-
       derfaktoren nach dem Zweiten Weltkrieg in den fünfziger und sech-
       ziger Jahren  bedingt, nicht  hervortreten  konnte.  Vgl.  Dieter
       Klein, Wirkungsmechanismus der ökonomischen Gesetze und Tendenzen
       imperialistischer Anpassung in der Gegenwart, in: IMSF-Informati-
       onsbericht 41, a.a.O.
       11) Karl Marx,  Das Kapital,  2. Bd., MEW 24, a.a.O., S. 186. Zur
       Diskussion dazu  vgl. Jörg  Goldberg, Marx  zum  kapitalistischen
       Krisenzyklus, in:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des IMSF, Son-
       derband I, Frankfurt/M. 1983, S. 297 ff.
       12) Robert Katzenstein, Technischer Fortschritt - Kapitalbewegung
       - Kapitalfixierung, Westberlin 1974, S. 23. Die aus den sechziger
       Jahren stammende  Arbeit von  Katzenstein muß  als  unabdingbares
       Standardwerk für die marxistische Krisentheorie gelten. Hier wird
       die Bedeutung  der Bewegung  des fixen Kapitals für den Zyklus in
       einer theoretischen Klarheit herausgearbeitet, die in neueren Ar-
       beiten meist nicht erreicht wird.
       13) "In gewissen  Fällen wird  der Verschleiß, also auch sein Er-
       satz, eine  praktisch verschwindende Größe, so daß allein die Re-
       paraturkosten in Rechnung kommen." Dies gilt für "Eisenbahnen ...
       Kanäle, Docks, eiserne und steinerne Brücken etc." Karl Marx, Das
       Kapital, 2. Bd., a.a.O., S. 181.
       14) Wolfgang Gerstenberger u.a., Investitionen und Anlagevermögen
       nach Eigentümer-  und  Benutzerkonzept,  Ifo-Institut  für  Wirt-
       schaftsforschung, München 1984, S. 63. Die "ökonomische Nutzungs-
       dauer" von  Anlagen darf  allerdings nicht  als Ausgangspunkt zur
       Bestimmung der  Zyklendauer genommen  werden. Maßgeblich ist hier
       der Prozeß  der Kapitalfreisetzung,  für den  das Tempo der Wert-
       übertragung entscheidend ist. Die "ökonomische Nutzungsdauer" ist
       denn auch  um etwa  50 Prozent  länger als  die "Steuerliche Nut-
       zungsdauer", wobei  allerdings entscheidend  ist, daß die steuer-
       lich erlaubten Abschreibungssätze auch tatsächlich über den Preis
       erwirtschaftet werden können.
       15) "Der letzte  Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer Armut
       und Konsumtionsbeschränkung  der Massen  gegenüber dem  Trieb der
       kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln
       als ob  nur die  absolute Konsumtionsfähigkeit  der  Gesellschaft
       ihre Grenze  bilde." Karl  Marx, Das  Kapital, 3.  Bd.,  MEW  25,
       a.a.O., S. 501.
       15a) Ähnliches stellt  Entow für  die USA  fest: "Der Übergang zu
       Investitionsprojekten mit  kürzeren Amortisationsfristen  hat of-
       fenbar die Verkürzung der Dauer und die Verringerung der Intensi-
       tät des  zyklischen Aufschwungs zur Folge." R.M. Entow, Besonder-
       heiten der  zyklischen Entwicklung der US-Ökonomie in den siebzi-
       ger und beginnenden achtziger Jahren, in: USA -Ökonomie, Politik,
       Ideologie, Moskau, 1/1984, S. 11, Rohübersetzung W. Wolfgarten.
       16) Im folgenden  wird Bezug  genommen auf die Darstellung dieses
       Zusammenhangs in:  Umbruch im  Produktionsbereich?  Beiträge  des
       IMSF, Band 7, Frankfurt/M. 1985.
       17) Im Zuge  der wertmäßigen  Freisetzung von fixem Kapital, wäh-
       rend die  Arbeitsmittel stofflich  noch voll fungieren, sinkt die
       Wertzusammensetzung des Kapitals - ceteris paribus -, während die
       organische Zusammensetzung als Ausdruck der technischen Zusammen-
       setzung gleichbleibt.
       18) Die Bautätigkeit  ist auch  deshalb von besonderer Bedeutung,
       weil die Bauwirtschaft mit ihrem hohen Wertschöpfungsanteil einen
       engen Zusammenhang  zur Konsumnachfrage  hat. Vgl. Peter Hermann,
       Die Bauwirtschaft, in: Umbruch im Produktionsbereich, a.a.O.
       19) Vgl. Georg Dumler, Rentabilität und Ertragslage in der Krise,
       in: Memo-Forum, 3/1984, Bremen, S. 33. ff.
       20) Dies meinen zahlreiche Autoren ganz verschiedener Provenienz,
       hier  z.B.  unter  dem  Stichwort  der  "Hyperindustrialisierung"
       Joachim Hirsch,  Auf dem  Wege zum  Postfordismus?, in: Das Argu-
       ment, 151/1985,  S. 329.  Kaum einer  der Autoren macht sich aber
       die Mühe, die Wirkungen der neuen Technologien im gesamten Repro-
       duktionsprozeß zu untersuchen, in der Regel wird umstandslos vor-
       ausgesetzt, daß  neue Technologien  neues Wachstum  bedeuten. Zur
       Kritik vgl.  Jörg Goldberg,  Das Konzept  der "Langen Wellen" der
       Konjunktur, a.a.O.
       21) Insbesondere das  Kieler Institut  für  Weltwirtschaft  hängt
       dieser These an: Jürgen Donges, Trotz des Exportbooms besteht An-
       passungs- und  Investitionsbedarf bei  deutschen Unternehmen, in:
       Kieler Diskussionsbeiträge, 108/1985, Kiel.
       22) Ifo-Schnelldienst 17-18/1984, S. 10.
       23) Wolfgang Gerstenberger u.a., a.a.O., S. 63
       24) Kurt Vogler-Ludwig,  Kein Nachlassen der Modernisierungsakti-
       vitäten in  der deutschen  Wirtschaft, in:  Ifo-Schnelldienst 17-
       18/1984, S. 15/16.
       25) Horst Kern/Michael  Schumann, Das  Ende der  Arbeitsteilung?,
       München 1984, S. 15.
       26) Alle Untersuchungen  bestätigen den Charakter der neuen Tech-
       nologien   als   "Verfahrensinnovationen"   in   Abgrenzung   von
       "Produktinnovationen". Vgl.  Vorlauf der  Akkumulation - Schwäche
       des Verbrauchs:  Zu den  Ursachen der  Wirtschaftskrise, in:  Ar-
       beitsgruppe Alternative  Wirtschaftspolitik, Memorandum '84, Köln
       1984, S., 284
       27) Kern/Schumann, a.a.O., S. 24/25.
       28) Wolfgang Gerstenberger, a.a.O., S. 131-143; Ifo-Schnelldienst
       34/1984, S. 6; DIW-Wochenbericht 50/84.
       29) Egon Baumgart  u.a., Produktionsvolumen  und -potential, Pro-
       duktionsverfahren des Bergbaus und des verarbeitenden Gewerbes in
       der Bundesrepublik  Deutschland,  Statistische  Kennziffern,  26.
       Folge, Berlin/West 1984, S. 84.
       30) Wolfgang Gerstenberger u.a., a.a.O., S. 63.
       31) Joachim Hirsch, a.a.O., S. 330.
       Als Beispiel kann der Sektor Einzelhandel herausgegriffen werden,
       in dem  verstärkt rationalisiert  wird. Die  "Investitionsquote",
       hier definiert  als Anteil der Investitionen am Umsatz, geht dort
       seit Anfang der siebziger Jahre (etwa 2,8 Prozent) ständig zurück
       und liegt  zur Zeit bei etwa 1,7 Prozent. Vgl. Uwe Engfer, Ratio-
       nalisierungsstrategien im Einzelhandel, Frankfurt/ M. - New York,
       1984; Ifo-Schnelldienst, 20/1982, S. 4, und 34/1984, S. 4.
       32) Egon Baumgart u. a., a.a.O., S. 85.
       33) Vgl. Fritz  Fiehler, Der Maschinenbau, in: Umbruch im Produk-
       tionsbereich?, a.a.O.
       34) Wolfgang Gerstenberger u.a., a.a.O., S. 131/134.
       35) Ebenda.
       36) Genauere Angaben  auch in:  Jörg Goldberg, Die Elektrotechni-
       sche Industrie, in: Umbruch im Produktionsbereich?, a.a.O.
       37) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Strukturbericht-
       erstattung 1983, Berlin/West 1983, S. 146.
       38) Ifo-Schnelldienst 19-20/1983, S. 27.
       39) Ebd., S. 29.
       40) Vgl. Niki  Müller, Die  chemische Industrie,  in: Umbruch  im
       Produktionsbereich?, a.a.O.
       41) Kern/Schumann, a.a.O., S. 246.
       42) Antje Pieper/Paul Präve, Die Biotechnik, Köln 1985, S. 33.
       43) Vgl. Dietmar Düe, Die Automobilindustrie, in: Umbruch im Pro-
       duktionsbereich?, a.a.O.
       44) Beschäftigungsrisiken in  der Automobilindustrie,  IG Metall,
       Frankfurt/M. 1985, S. 55.
       45) Zu den  Strukturveränderungen der  letzten  Jahre  vgl.  Jörg
       Goldberg, Strukturveränderungen, Wachstumsverlangsamung und Inve-
       stitionen, in: Umbruch im Produktionsbereich?, a.a.O.
       46) Ifo-Schnelldienst, 30/1982, S. 20.
       47) Ebd., 19-20/1983, S. 2.
       48) Neue Informations-  und Kommunikationstechniken, DGB, Düssel-
       dorf 1984, S. 27.
       49) DIW-Wochenbericht, 11/1985, S. 139.
       50) Auf die wichtige Frage der politischen Orientierung wird hier
       nicht eingegangen,  es sei auf den Beitrag von Jörg Huffschmid im
       gleichen Band verwiesen.
       51) Aus Platzgründen kann auf das Problem des Dienstleistungssek-
       tors hier nicht näher eingegangen werden. Dessen Expansion in der
       Vergangenheit war  aber wesentlich Ausdruck einer differenzierte-
       ren Arbeitsteilung  in der  Produktion, nicht einer etwaigen Ten-
       denz zur "Dienstleistungsgesellschaft". Die Dienstleistungen sind
       eng an  die Bewegung der materiellen Produktion und an den Konsum
       gekoppelt. Vgl.  Eberhard Dähne,  Untersuchungen zur Struktur und
       Entwicklung des  tertiären Sektors  in der BRD, Dissertation Mar-
       burg 1972.
       52) Ifo-Schnelldienst, 16/1985, S. 16.
       53) Ebd., 34/1984, S. 20.
       54) Ausführlicher dazu:  Rudolf Hickel, Technologische Arbeitslo-
       sigkeit -  keine Frage  der Technik, in: Blätter für deutsche und
       internationale Politik, Köln, 10/1984, S. 1201/02.
       55) Kern/Schumann, a.a.O., S. 17.
       56) Mitteilungen  aus   der  Arbeitsmarkt-  und  Berufsforschung,
       1/1985, S. 57.
       

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