Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


       zurück

       
       MENSCHHEIT, NATUR UND GESELLSCHAFTLICHER FORTSCHRITT
       ====================================================
       
       Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft
       -------------------------------------
       
       Hans Heinz Holz
       
       1. Ausgangslage - 2. System der Bedürfnisse - 3. Widersprüche der
       Übergangsperiode - 4. Zukunftsaufgaben und Strategien
       
       1. Ausgangslage
       ---------------
       
       Daß der Mensch zugleich ein Naturwesen ist und nicht ist, daß die
       menschliche Gesellschaft auf der Natur aufruht und ihr entwächst,
       ja sich  ihr entgegensetzt,  daß Technik  in einem  Anwendung und
       Überwindung natürlicher Bedingungen des menschlichen Lebens ist -
       diese Doppelgesichtigkeit  haftet dem  "Stoffwechsel des Menschen
       mit der  Natur" durch Arbeit von der Menschwerdung heran 1); aber
       sie wird zu einem bestimmenden Widerspruch des Naturverhältnisses
       erst im  Verlauf der  sog.  "zweiten  industriellen  Revolution".
       D a s   H e r v o r t r e t e n  dieses Widerspruchs ist abhängig
       von einem  Entwicklungszustand der  Technik, auf dem das "Zurück-
       drängen der Naturschranke" in qualitative Veränderungen der Natur
       selbst umschlägt,  und  zwar  nicht  nur  in  kleinen  regionalen
       Ausschnitten, sondern  in  großem,  weite  Bereiche  und  Lebens-
       zusammenhänge auf der Erde betreffendem Ausmaß.
       Natürlich hat  es auch  in vorindustriellen  Epochen umweltverän-
       dernde Eingriffe des Menschen in die Natur gegeben. Die Abholzung
       von Mittelmeerrandgebieten  im Altertum, vor allem zum Zwecke des
       Schiffbaus, hatte  einschneidende landschaftliche und klimatische
       Folgen, und  ähnliches gilt  auch für  die  Ausbreitung  flächen-
       deckender Agrikultur in den USA im 19. und 20. Jahrhundert. Schon
       in prähistorischen  Zeiten führte  die kollektiv  betriebene Jagd
       zur Ausrottung bestimmter Tierarten (z. B. des Mammuts).
       Dennoch liegt  auf der  Hand, daß die wissenschaftlich-technische
       Entwicklung seit dem Ende des 19. und vollends seit der Mitte des
       20. Jahrhunderts  eine neue Situation für das Naturverhältnis des
       Menschen herbeigeführt  hat. Eklatant  sind die  in  ihrem  Wesen
       prinzipiell verwandelten  Möglichkeiten der  Militärtechnik:  Zum
       ersten Mal  in der Geschichte der Menschheit kann der Einsatz von
       Waffensystemen die Vernichtung der menschlichen Zivilisation ins-
       gesamt oder  sogar  des  Menschengeschlechts  überhaupt  bewirken
       (unter Umständen  sogar gegen  die Absichten der Kriegführenden);
       ja, schon die regelmäßige Erprobung solcher Waffen schließt diese
       Gefahr in sich (was die Vereinbarung zwischen den USA und der So-
       wjetunion über die Einstellung von Atomwaffenversuchen in der At-
       mosphäre erzwang)  2). Lange Zeit standen daher mit Recht die Ri-
       siken der  Rüstungsentwicklung im Zentrum der Besorgnisse der Öf-
       fentlichkeit. In  der Tat  sind die  Zukunftserwartungen der Men-
       schen seit  Hiroshima primär  geknüpft an die Erhaltung des Frie-
       dens und an eine stabile Weltfriedensordnung.
       Indessen sehen  wir uns  nun, im letzten Viertel des 20. Jahrhun-
       derts, einer zweiten akuten, nicht minder globalen Bedrohung aus-
       gesetzt, nämlich  der Zerstörung unserer biologischen Überlebens-
       bedingungen durch langfristig irreparable Schädigung der natürli-
       chen Umwelt.  3) Luftverschmutzung,  Bodenvergiftung, Verseuchung
       des Grundwassers,  Veränderung der  Ozonschicht, Erschöpfung  der
       Wasserreserven, Waldsterben  - das sind nur einige der einschnei-
       dendsten Folgen  des rapiden  Wachstums der industriellen Produk-
       tion  (und  auch  des  Bevölkerungswachstums).  Es  scheint,  als
       schlage der  Fortschritt der Menschheit in ihre Selbstvernichtung
       um. Unbehagen  an der  Technik, Technikkritik,  Aussteigerideolo-
       gien, Pessimismus und Verzweiflung an der Zukunft sind Reaktionen
       auf diese Entwicklung. 4)
       Dazu kommt  in den  kapitalistischen Ländern  eine  weitere,  für
       breite Massen  am ersten  und unmittelbar spürbare Krisenerschei-
       nung als  Folge des  technischen Fortschritts: die wachsende Zahl
       der Arbeitslosen  und Verelendeten in der ganzen Welt. Denn unter
       kapitalistischen Verwertungsbedingungen  wird die  Steigerung der
       Arbeitsproduktivität nicht  (oder nur  teilweise) zur  Entlastung
       der arbeitenden Menschen und zur Freigabe neuer Möglichkeiten der
       Selbstverwirklichung, sondern als Mittel der Profitsteigerung und
       privaten Kapitalakkumulation genutzt. Bei konstant hohen Arbeits-
       losenzahlen (und damit einer limitierten Nachfrage nach Konsumgü-
       tern) muß  das Wachstum der Produktion auf "nutzlose" Güter umge-
       lenkt werden,  die von  der Gesellschaft insgesamt bezahlt werden
       müssen; das heißt, eine zunehmende Rüstung ist das Ergebnis eines
       nicht auf die arbeitenden Massen umgelegten Profits durch Produk-
       tivitätssteigerung -  also zugleich  eine Erhöhung  der Kriegsge-
       fahr. Der  systematische Zusammenhang  der verschiedenen  Aspekte
       der allgemeinen  Krise des  Kapitalismus wird deutlich (und seine
       Reflexion zugleich  ideologisch ablenkbar auf Technikkritik statt
       Kapitalismuskritik durch Vertauschung von Wesen und Erscheinung).
       So neuartig  die heutige Situation auch ist - es würde unser Ver-
       ständnis ihres  epochalen Charakters  verkürzen, wenn wir sie nur
       im Blick  auf die Gegenwart erfassen wollten. Es gibt eine quali-
       tative Einheit  des historischen  Wandels, in der die Anfänge der
       neuzeitlichen Industrietechnik  im 18.  Jahrhundert  mit  unserer
       Zeit verknüpft  sind. Mit  dem Übergang zur Maschinenindustrie am
       Ausgang des  18. Jahrhunderts wurde die Voraussetzung für die sy-
       stematische Verbindung  von naturwissenschaftlicher Forschung und
       technischer Produktion  geschaffen und  damit zugleich  der immer
       rascher ablaufende  Prozeß von  Innovationen (Verbesserungen  und
       Erfindungen) ausgelöst,  der stets  neuer Rohstoff-  und Energie-
       quellen, stets  neuer Transport-  und Kommunikationsmittel, stets
       neuer, mehr  und mehr spezialisierter Kenntnisse bedarf. Seit der
       sogenannten "neolithischen  Revolution", die den Übergang zum Ac-
       kerbau, zur  Seßhaftigkeit, zur  Stadtzivilisation vollzog, hatte
       sich das  Naturverhältnis des  Menschen nicht  mehr grundsätzlich
       geändert; erst in der industriellen Revolution, die durch den Ka-
       pitalismus eingeleitet wurde, hat die Relation Natur-Gesellschaft
       sich scheinbar  verkehrt: Die gesellschaftliche Produktion deter-
       miniert wenigstens phänotypisch den von ihr erfaßten oder berühr-
       ten Naturbereich  auch im  großen.  Die  subjektiv-idealistischen
       Philosophien, die  eine Konstitution  der Wirklichkeit  durch den
       Menschen (sei  es als Subjekt der Erkenntnis oder der Arbeit) be-
       haupten, sind  Reflexe  dieser  Umkehrung;  die  "kopernikanische
       Wende" Kants,  vorbereitet durch den cartesischen Rückzug auf das
       "ich denke" als Gewißheitsgrundlage der Erkenntnis unter dem Ein-
       druck des  galileischen Wissenschaftskonzepts,  verläuft parallel
       zur Ausbildung  der neuen  Produktionsweise und  der  beginnenden
       Verbindung von Wissenschaft und industrieller Produktion.
       Ganz und gar neuartig ist indessen das Tempo, mit dem der wissen-
       schaftliche und technische Fortschritt sich vollzieht. Anfang der
       siebziger Jahre  besagte eine Berechnung, daß sich das Informati-
       onsvolumen der  Menschheit in  allen Lebens- und Wissensbereichen
       alle acht  bis zehn  Jahre verdoppelt. 5) Die emotionale Einstel-
       lung zur  Lebenswelt, die Anpassung der Verhaltensmuster und ins-
       besondere die  organisatorische Bewältigung der sich dauernd ver-
       ändernden Produktions-,  Distributions- und  Kommunikationsformen
       bleiben hinter  der materiellen Entwicklung fast notwendig zurück
       und "belasten den wissenschaftlich-technischen Fortschritt in der
       kapitalistischen Gesellschaft  mit akuten sozialen Widersprüchen"
       6). Fallweise  Anpassungen geschehen in einer Anarchie partikula-
       rer Zwecksetzungen.  Das gilt  ebenso auf dem Gebiet der ökonomi-
       schen wie der urbanistischen Planung, der Arbeitsorganisation wie
       der Freizeitindustrie. Orientierungslosigkeit und Stückwerkrefor-
       men sind  die Folge.  Nicht ohne  Grund ist Poppers Theorie einer
       Sozialtechnologie durch  "piecemeal engineering" zur herrschenden
       Ideologie der kapitalistischen Länder geworden.
       Die Gesamtheit  dieser Entwicklungsstränge fassen wir heute unter
       dem Titel "wissenschaftlich-technische Revolution" zusammen. "Sie
       stellt einen  Sprung in  der Entwicklung der Produktivkräfte dar,
       bei welchem Wissenschaft und Technik in eine völlig neue Wechsel-
       wirkung treten und sich zum einheitlichen Strom des wissenschaft-
       lich-technischen Fortschritts  vereinigen, der sowohl die Produk-
       tivkräfte als  auch die  Produktionsverhältnisse und  das soziale
       Leben stärker denn je beeinflußt. Übte die Technik auch schon zu-
       vor die  Funktion einer  Produktivkraft aus, so tut dies nun auch
       in vollem  Maße die  Wissenschaft, wobei  sie auch weiterhin eine
       Form des  gesellschaftlichen Bewußtseins  bleibt. Der  vereinigte
       wissenschaftlich-technische Faktor  beeinflußt  die  Gesellschaft
       auf völlig  neue Weise.  Die Wechselwirkung, der Schwung, die Re-
       alisierung neuester  Erkenntnisse und  ihre Verbreitung, die Ent-
       wicklung ihrer  sozialen Auswirkungen - all das hat sich ungemein
       beschleunigt". 7) Die Zukunft der Menschheit wird von der gesell-
       schaftlichen Bewältigung  der durch  die wissenschaftlich-techni-
       sche Revolution  geschaffenen neuen Möglichkeiten der Erweiterung
       und Erleichterung unserer Selbstverwirklichung wie auch der Risi-
       ken der Selbstzerstörung abhängen.
       In der  qualitativ neuen,  nämlich durch  die Einheit von Wissen-
       schaft und  Technik bestimmten  und durch eine Beschleunigung der
       Innovationsprozesse charakterisierten, produktiven Gestaltung der
       Lebensbedingungen durch  den Menschen selbst spitzt sich die Dia-
       lektik von  Produktivkräften und  Produktionsverhältnissen drama-
       tisch zu. Sie ist in ihrem widerspruchsvollen Verlauf die materi-
       elle Grundlage der gesellschaftlichen Revolution, die das Merkmal
       unserer Epoche  ist: des weltgeschichtlichen globalen Formations-
       wechsels, das heißt, des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialis-
       mus. Darum  kann die wissenschaftlich-technische Revolution nicht
       unabhängig von  der Systemauseinandersetzung  betrachtet  werden,
       die seit der Oktoberrevolution und der Errichtung des Sozialismus
       zunächst in einem Lande, dann in einem Teil der Welt, die politi-
       sche Form  des Übergangs  prägt. Günter  Kröber hat  das in  drei
       Punkten deutlich  gemacht: "1.  Sie vollzieht  sich in der Epoche
       des revolutionären  Übergangs vom  Kapitalismus zum  Sozialismus;
       ihre Bewältigung ist eine der Bedingungen für den Sieg des Sozia-
       lismus im  Weltmaßstab. 2. Sie ist ein Hauptfeld der Auseinander-
       setzung zwischen  den beiden gegensätzlichen Gesellschaftsordnun-
       gen; ihre  Resultate und  Errungenschaften können  sowohl von den
       progressiven Kräften  im Interesse  des gesellschaftlichen  Fort-
       schritts und  des Sozialismus  genutzt werden,  als auch  von den
       Kräften der  Reaktion zu  Zwecken der  Aggression, der Gewalt und
       der Ausbeutung.  3. Sie  erfaßt nicht  nur einzelne  Bereiche von
       Wissenschaft und  Technik, sondern zugleich den gesamten ökonomi-
       schen Bereich der Gesellschaft, das heißt, sie verbindet sich mit
       revolutionären Veränderungen  in der  Produktion und  im gesamten
       gesellschaftlichen Leben  zu einem  einheitlichen  revolutionären
       Prozeß". 8)
       Es kann  daher keine systemneutrale Beurteilung der wissenschaft-
       lich-technischen Entwicklung  geben; ihr  ist von  vornherein die
       gesellschaftliche Tendenz,  die Richtung der Entwicklung auf die-
       ses oder  jenes Naturverhältnis (als Korrolar der Produktionsver-
       hältnisse) als  qualitative Bestimmung inhärent. 9) Nur äußerlich
       und phänomenal  sind Wissenschaft und Technik in kapitalistischen
       und sozialistischen  Ländern vergleichbar - nur auf der Ebene der
       Steigerung der  Produktivkräfte, nicht  aber auf  der umfassenden
       Ebene der Verbindung von Produktivkräften und Produktionsverhält-
       nissen, die  erst den  Typus und  die Systematik der Produktions-
       weise ausmacht.  Die Frage nach der Zukunft der wissenschaftlich-
       technischen Revolution muß also unter gesellschaftstheoretischen,
       nicht unter  technikgeschichtlichen Gesichtspunkten  gestellt und
       beantwortet werden.  Ihr Gegenstand  ist nicht  eine selbständige
       Entität Wissenschaft-Technik,  sondern die gesellschaftliche Form
       unseres Stoffwechsels  mit der  Natur. Unser  Naturwesen ist zwar
       das übergreifende  Allgemeine auch  unserer Gesellschaftlichkeit,
       Natur- und Gesellschaftsgeschichte bilden ein Kontinuum; aber die
       bestimmte Form  der Vergesellschaftung ist die differentia speci-
       fica unseres Naturverhältnisses, dieses ist formationsspezifisch.
       
       2. System der Bedürfnisse
       -------------------------
       
       Die Nahtstelle,  an der sich der Umschlag vom Naturwesen des Men-
       schen zu seiner Gesellschaftlichkeit vollzieht, ist seine Bedürf-
       tigkeit. Jean Paul Sartre hat daraus eine metaphysische Wesensbe-
       stimmung des  Menschen gemacht:  "Das ganze menschliche Geschick"
       sei "ein  erbitterter Kampf  gegen den  Mangel", und zu begreifen
       sei der "Mangel als  m e n s c h l i c h e  T a t s a c h e  (und
       nicht als  Bosheit einer  stiefmütterlichen Natur)"  10). Das ist
       natürlich ein  anthropozentrischer Kurzschluß. Das Bedürfnis nach
       Stoffen, die  der Erhaltung  des Lebensprozesses dienen ("Lebens-
       mittel"  im   weitesten  Sinne   des  Wortes),  ist  ein  Merkmal
       a l l e r  Organismen oder Lebewesen; 11) Lebendigkeit beruht ge-
       rade auf dem Stoffwechsel, also der Aufnahme und Assimilation von
       Stoffen   a u s   der äußeren Natur und der Abgabe von Stoffwech-
       selprodukten des  Organismus   a n   die äußere  Natur. Wachstum,
       Vermittlung, Vermehrung  sind unmittelbare  Folgen des Stoffwech-
       sels, Reizbarkeit,  Regulation, Spontaneität  der Bewegung  davon
       abgeleitet. Der Organismus ist "das absolut Bedürftige" 12), aber
       eben darum  auch dynamisch.  "Leben ist Bewegung, kann ohne Bewe-
       gung nicht  stattfinden... der Prozeß ist das Wesen seines Seins"
       13).
       Der Stoffwechsel  als Merkmal der Lebendigkeit reicht weit in die
       entwicklungsgeschichtlich frühen  Schichten der Natur zurück. Ein
       Lebewesen, das  durch Stoffwechsel  existiert,  hat  Bedürfnisse;
       werden diese nicht befriedigt, so leidet es Mangel. Bedürftigkeit
       ist eine  Kategorie der  Naturdialektik. Beim  Menschen ist diese
       Bedürftigkeit  gesteigert   durch  morphologische  Veränderungen:
       "Morphologisch ist nämlich der Mensch im Gegensatz zu allen höhe-
       ren Säugern  hauptsächlich durch   M ä n g e l  bestimmt, die je-
       weils im exakt biologischen Sinne als Unangepaßtheiten, Unspezia-
       lisiertheiten, als  Primitivismen, d.h.  als Unterentwickeltes zu
       bezeichnen sind:  also wesentlich negativ. Es fehlt das Haarkleid
       und damit  der natürliche  Witterungsschutz; es fehlen natürliche
       Angriffsorgane, aber  auch eine  zur Flucht  geeignete Körperbil-
       dung; der Mensch wird von den meisten Tieren an Schärfe der Sinne
       übertroffen, er  hat einen  geradezu lebensgefährlichen Mangel an
       echten Instinkten und er unterliegt während der ganzen Säuglings-
       und Kinderzeit einer ganz unvergleichlich langen Schutzbedürftig-
       keit" 14).  Gehlens Unterstellung, diese Mängel seien konstitutiv
       für den Menschen von Anfang an und sozusagen die biologische Ver-
       anlassung der  Ausbildung seiner  Sonderstellung als arbeitendes,
       sprechendes, denkendes  (intelligentes) Wesen,  folgt  keineswegs
       aus dieser  Beschreibung der  morphologischen Eigenheiten;  diese
       werden sich  parallel zum arbeitenden, in die Natur eingreifenden
       Verhalten evolutionär  herausgebildet haben, während das Arbeiten
       durch bestimmte morphologische Besonderungen - aufrechte Haltung,
       Freisetzung der  Hand, Konstitution des optisch-haptischen Feldes
       15) - ermöglicht wurde.
       Lange Zeit  hat die  Arbeit, mit der Hand als erstem Werkzeug und
       der dann folgenden Nutzung von vorgefundenen Dingen als Hilfsmit-
       teln bis  zur Verfertigung  primitiver Instrumente,  wohl nur der
       Befriedigung unmittelbar  natürlicher Bedürfnisse  gegolten. Den-
       noch ist schon in diesen prähistorischen Anfängen prinzipiell der
       Übergang zum  Heraustreten aus  dem Naturgegebenen  angelegt. Mit
       der Verfertigung  von Werkzeugen übernimmt der Mensch die Organi-
       sation  seiner   Bedürfnisbefriedigung.  Damit  schafft  er  aber
       zugleich neue  Bedürfnisse, solche der Erleichterung und Vervoll-
       kommnung primär  der Arbeitsvorgänge  zur  Bedürfnisbefriedigung,
       sekundär der  Arbeitsvorgänge zur  Herstellung von immer besseren
       Arbeitsmitteln; und tertiär solche, die sich aus der Organisation
       der kollektiven  Arbeit und  Überlebensstrategien  (zum  Beispiel
       Jagd, Kinderaufzucht, Schutz der Horde) und dann aus der Arbeits-
       teilung und  dem Austausch der Arbeitsprodukte ergeben. Neben den
       aus den  natürlichen Bedürfnissen abgeleiteten weiteren materiel-
       len Bedürfnissen nach Produktionsmitteln entstehen so ideelle Be-
       dürfnisse nach  Ordnungsprinzipien, Verhaltensregeln,  Normen und
       deren Darstellung  in symbolischen Formen. Kurz, es entsteht das,
       was Hegel das "System der Bedürfnisse" genannt hat.
       "Das   T i e r  hat einen beschränkten Kreis von Mitteln und Wei-
       sen der Befriedigung seiner gleichfalls beschränkten Bedürfnisse.
       Der   M e n s c h   beweist auch  in dieser Abhängigkeit zugleich
       sein Hinausgehen  über dieselbe und seine Allgemeinheit, zunächst
       durch die   V e r v i e l f ä l t i g u n g   der Bedürfnisse und
       Mittel, und  dann durch   Z e r l e g u n g   u n d    U n t e r-
       s c h e i d u n g   des konkreten  Bedürfnisses in einzelne Teile
       und Seiten,  welche verschiedene   p a r t i k u l a r i s i e r-
       t e,   damit  a b s t r a k t e r e  Bedürfnisse werden. - Ebenso
       t e i l e n  und  v e r v i e l f ä l t i g e n  sich die  M i t-
       t e l   für die  partikularisierten Bedürfnisse und überhaupt die
       Weisen ihrer  Befriedigung, welche  wieder  relative  Zwecke  und
       abstrakte Bedürfnisse  werden; -  eine ins Unendliche fortgehende
       Vervielfältigung, welche  in  eben  dem  Maße  eine    U n t e r-
       s c h e i d u n g   dieser Bestimmungen und Beurteilung der Ange-
       messenheit der  Mittel zu  ihren Zwecken,  -  die    V e r f e i-
       n e r u n g,   ist. -  Die Bedürfnisse  und die Mittel werden als
       reelles Dasein  ein   S e i n  für  a n d e r e,  durch deren Be-
       dürfnisse und  Arbeit die  Befriedigung gegenseitig  bedingt ist.
       Die Abstraktion, die eine Qualität der Bedürfnisse und der Mittel
       wird, wird  auch eine  Bestimmung der gegenseitigen Beziehung der
       Individuen  aufeinander;   diese  Allgemeinheit   als    A n e r-
       k a n n t s e i n     ist  das   Moment,  welches  sie  in  ihrer
       Vereinzelung und  Abstraktion  zu  konkreten  als    g e s e l l-
       s c h a f t l i c h e n   Bedürfnissen, Mitteln  und  Weisen  der
       Befriedigung macht" 16).
       Es ist bemerkenswert, mit welcher Klarheit bereits Hegel den Pro-
       zeß der Vergesellschaftung der Bedürfnisse und damit der arbeits-
       teiligen Produktion zum Zweck ihrer Befriedigung erkennt. Das na-
       türliche Bedürfnis  ist je individuelles oder besonderes, auf die
       Erhaltung des Einzelwesens oder der Art gerichtet; und das beson-
       dere Bedürfnis  wird wiederum  individuell, allenfalls in der als
       eine Einheit  agierenden Herde, befriedigt. Demgegenüber wird mit
       dem Menschen  ein überindividuelles,   a l l g e m e i n e s  Sy-
       stem der  Bedürfnisse ausgebildet, bei dem das einzelne Bedürfnis
       selbst nicht  mehr konstitutiv ist für die Weise seiner Befriedi-
       gung, sondern  die wechselseitige  Abhängigkeit  der  produktiven
       Leistungen den  Stellenwert und den Grad der Befriedigung der Be-
       dürfnisse bestimmt. Statt der unmittelbaren natürlichen Transiti-
       vität der  Beziehung Begierde-Genuß wird die vermittelte ökonomi-
       sche Reflexivität  der Beziehung  Produktion-Konsum dominant.  In
       Griesheims Vorlesungsnachschrift  zu  Hegels  "Rechtsphilosophie"
       heißt es  deutlich genug: "Das Bedürfnis wird durch die Gegensei-
       tigkeit vervielfältigt, die zugleich eine Seite der Allgemeinheit
       ist." 17)
       Diese Entwicklung wird von Hegel in fünf Schritte zerlegt:
       1. Hinausgehen über die Besonderheit animalischer Bedürfnisse.
       2. Vervielfältigung der Bedürfnisse und Mittel.
       3. Zerlegung und  Unterscheidung der Bedürfnisse, Partikularisie-
       rung und Abstraktion.
       4. Arbeitsteilung.
       5. Systemform der  Bedürfnisse als realallgemeine, sich gegenüber
       den Individuen als abstraktes Dasein verselbständigende Totalität
       der gesellschaftlichen  Bedürfnisse, Mittel  und Weisen ihrer Be-
       friedigung.
       Was Hegel hier beschreibt, ist der Übergang von der Natürlichkeit
       der Triebe  zur Künstlichkeit der Technik, von der Triebbefriedi-
       gung zur  Produktion, von der Natur zur Ökonomie, vom unmittelba-
       ren Naturverhältnis  zum vermittelten  Produktionsverhältnis. Auf
       der Ebene  der Produktionsverhältnisse  ergibt sich  das  gesell-
       schaftliche Bedürfnis als "Verknüpfung vom unmittelbaren oder na-
       türlichen und  vom  geistigen  Bedürfnisse  der    V o r s t e l-
       l u n g",  worin sich der Mensch nun zu sich selbst (statt nur zu
       einer äußerlichen Notwendigkeit) verhält und damit frei wird 18).
       Durch die Arbeit (und das heißt: in der Zivilisation) erhebt sich
       der Mensch  über das  bloße Prinzip  der   S e l b s t e r h a l-
       t u n g   zu dem  der   S e l b s t e n t f a l t u n g,  und die
       allseitige Verwirklichung der im Menschen liegenden Möglichkeiten
       wird nun  zum  letztendlichen  übergreifenden  gesellschaftlichen
       Bedürfnis, zu  dessen Befriedigung  die gesellschaftliche Produk-
       tion dient.
       Der Geschichtsprozeß  ist irreversibel.  Wir können  das aus  ar-
       beitsteiliger Produktion  hervorgegangene zivilisatorische System
       der Bedürfnisse  nicht mehr  auf die  Stufe der Natürlichkeit zu-
       rückbringen, ohne  dabei den  Menschen als  Menschen preiszugeben
       19). Das  höchste Niveau  menschlicher  Selbstverwirklichung  ist
       zugleich das  höchste Niveau  seiner "natürlichen  Künstlichkeit"
       20). Zivilisationspessimismus und Technikfeindschaft sind nur In-
       dizien der  weltanschaulichen Ratlosigkeit  gegenüber den  Wider-
       sprüchen, die die kapitalistische Organisationsform der "natürli-
       chen Künstlichkeit",  des Naturverhältnisses  als Produktionsver-
       hältnis, hervorbringt  21). Der Antagonismus dieser Widersprüche,
       letztlich von  gesellschaftlicher  Produktion  und  gesellschaft-
       lichen Bedürfnissen  versus private  Aneignung, läßt die Technik,
       ja die  Geschichte (als Geschichte der Produktivkraftentwicklung)
       irrational erscheinen 22). Die Ursache dieser Irrationalität, die
       auch die  Ursache der Störung unseres Naturverhältnisses ist 23),
       durch  eine   vernünftige  Ordnung   der  Produktionsverhältnisse
       aufzuheben, ist  die Zukunftsperspektive  der  Menschheit  -  und
       angesichts der  Zuspitzung dieser Widersprüche heute ist dies die
       weltgeschichtliche Aufgabe,  die dringend und unabweisbar auf der
       Tagesordnung steht.  Die historische Mission des Proletariats hat
       eine aus der Gesellschaft in die Natur dialektisch zurückwirkende
       Bedeutung.
       
       3. Widersprüche der Übergangsperiode
       ------------------------------------
       
       Die Entfaltung der Produktivkräfte führt also zu einer immer wei-
       ter gehenden  Differenzierung des  Systems  der  Bedürfnisse  und
       insofern zur  Erweiterung der  realen Möglichkeiten des Menschen.
       Der Wandel  der Produktionsverhältnisse  hat  sich  diesem  Fort-
       schritt in  der Ausgestaltung  des menschlichen  Gattungswesens -
       den Hegel  den "Fortschritt  im Bewußtsein der Freiheit" nannte -
       angepaßt und  der Verwirklichung  des real  Möglichen jeweils die
       gesellschaftliche Organisationsform  gegeben. Allerdings  hat die
       Institutionalisierung der  Produktionsverhältnisse in Eigentums-,
       Rechts- und  Staatsformen immer  auch dazu beigetragen, den Fort-
       schritt im technisch Machbaren nicht auch zu einem Fortschritt in
       der Emanzipation  der Menschen von äußeren Zwängen werden zu las-
       sen; die  Umsetzung vom  technischen  in  den  gesellschaftlichen
       Fortschritt mußte stets von revolutionären Bewegungen aufsteigen-
       der Klassen erkämpft werden. Darin das Grundgesetz der Geschichte
       erkannt zu haben, ist der Kern des historischen Materialismus.
       Ausgehend von diesen Einsichten, sind die Widersprüche der gegen-
       wärtigen Epoche  und die  Fronten des  Klassenkampfes klar zu be-
       schreiben. Wir haben es (wie in Abschnitt 1 dargestellt) mit drei
       gleichzeitigen Entwicklungen  auf unterschiedlichen Entwicklungs-
       niveaus zu tun.
       1. Ein von  den entwickelten  Industrieländern ausgehender,  sich
       indessen weltweit  auswirkender, qualitativ neuer Prozeß der Aus-
       weitung  und   Anwendung   wissenschaftlich-technischen   Wissens
       (wissenschaftlich-technische  Revolution),  der  die  Gefahr  der
       Selbstzerstörung der  menschlichen Zivilisation  durch Krieg oder
       Umweltschädigung in sich birgt.
       2. In den  Entwicklungsländern ein Nachholbedarf an wissenschaft-
       licher Ausbildung  und moderner technischer Ausrüstung, der durch
       Übernahmen aus den entwickelten Industrieländern gedeckt wird.
       3. Die Koexistenz zweier Gesellschaftssysteme mit entgegengesetz-
       ten Strategien  der politisch-gesellschaftlichen  Bewältigung der
       durch  die  wissenschaftlich-technische  Revolution  geschaffenen
       Probleme.
       Der Antagonismus  der Gesellschaftssysteme gewinnt durch die Prä-
       senz der  modernen Vernichtungswaffen  eine neue  welthistorische
       Formbestimmtheit: Er  darf unter  dem Risiko  der Auslöschung der
       Menschheit nicht  mehr mit  Mitteln militärischer Gewaltanwendung
       ausgetragen werden;  die antagonistischen Gesellschaften sind zur
       friedlichen Koexistenz verdammt. 24) Der Kapitalismus ist jedoch,
       nach der  Verfassung seiner  Produktionsweise, zur Kapitalverwer-
       tung auf  Expansion angewiesen, bringt also aus sich die imperia-
       listische Bedrohung des Koexistenzzustandes hervor. Den nicht-ka-
       pitalistischen Ländern,  also den Ländern des sozialistischen La-
       gers, wird damit eine ihrer Ökonomie systemwidrige Produktion zur
       Verteidigung gegen  die imperialistische  Bedrohung aufgezwungen,
       die notwendig  zur Verlangsamung  der Entwicklung des eigenen Ge-
       sellschaftstyps und  der Lösung  der durch  die wissenschaftlich-
       technische Revolution  geschaffenen Probleme führen muß. Die Aus-
       bildung eines neuen Systems der Bedürfnisse mit neuen Verhaltens-
       weisen und -normen der Menschen muß also unter den widrigen Rand-
       bedingungen dauernder Störungen stattfinden, die gleichzeitig mit
       dem Voranschreiten  auf dem eigenen Wege aufgefangen und in ihren
       Wirkungen neutralisiert  werden müssen.  Das gilt  sowohl für den
       Rüstungswettlauf wie  für die  Rückwirkung der  Wirtschaftskrisen
       des Kapitalismus auf den internationalen Handel und damit auf ge-
       wisse Faktoren  der sozialistischen  Planung, die  sich unter dem
       Einfluß der  Schwankungen im  kapitalistischen System  nicht kon-
       stant halten lassen. Innerkapitalistische Widersprüche werden so,
       wie durch  Induktionsströme, auf  den Sozialismus  übertragen und
       müssen dort  unter zusätzlichen  Anstrengungen bewältigt  werden.
       Das heißt,  der Kapitalismus vermag unter Verschärfung seiner ei-
       genen Krisenerscheinungen  auch den  Aufbau des Sozialismus nach-
       teilig zu  beeinflussen, ohne daß dieser das Prinzip der friedli-
       chen Koexistenz aufgeben dürfte.
       Es könnte  scheinen, als  habe der  Zwang zum  Frieden mindestens
       eine Stagnation  der gesellschaftlichen  Entwicklung in  der Welt
       (wenn nicht gar eine Erpreßbarkeit des auf Erhaltung des Friedens
       angewiesenen Sozialismus)  zur Folge.  Dies  wäre  so,  wenn  der
       Grundwiderspruch der Epoche nur als außenpolitische Konfrontation
       der zwei  Systeme zutage träte. Indessen ist der Antagonismus der
       Gesellschaftssysteme selbst schon das Ergebnis der internen Klas-
       senauseinandersetzungen im Kapitalismus (aus denen die Oktoberre-
       volution hervorging). Die Selbstwidersprüche des Kapitalismus be-
       schwören permanente  krisenhafte Konflikte  herauf, die eine all-
       mähliche Veränderung des weltpolitischen Gleichgewichts bewirken.
       Dieser Prozeß  verläuft parallel  zu den  oben genannten Entwick-
       lungstendenzen auf drei Ebenen:
       1. Innerhalb der  kapitalistischen industriellen  Metropolen ver-
       schärft sich  der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, ables-
       bar an  konstant hohen  Prozentsätzen von  Arbeitslosen, am Abbau
       von Sozialleistungen  und gesellschaftlichen Funktionen (Bildung,
       Gesundheitswesen etc.) und an wachsender Staatsverschuldung.
       2. Entwicklungsländer  entziehen  sich  der  neokolonialistischen
       Ausbeutung und gewinnen mehr Einfluß in den internationalen Orga-
       nisationen.
       3. Die Friedensbewegung setzt sich der Aggressivität der imperia-
       listischen Führungsmächte entgegen.
       Auf allen  drei Ebenen  ist dies kein linearer und schon gar kein
       ungehemmter Fortschritt,  sondern ein  zäher Kampf  mit Erfolgen,
       Rückschlägen und  Sackgassen -  ein weltweiter Klassenkampf unter
       den Bedingungen  ungleichmäßiger ökonomischer, sozialer und ideo-
       logischer Entwicklung  an den  verschiedenen Frontabschnitten. Es
       ist die  Aufgabe einer  historisch-materialistischen Theorie  des
       gegenwärtigen Zeitalters,  diesen Differenzierungen  ebenso Rech-
       nung zu  tragen (in sauberen ökonomischen Einzelanalysen) wie die
       allgemeine Entwicklungstendenz,  die Grundlinie  und den Hauptwi-
       derspruch in  der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, herauszuar-
       beiten. Und  es ist eine wesentliche praktische, politische Stra-
       tegien bestimmende  Aufgabe, die  komplexen Beziehungen  zwischen
       den drei Parallelströmungen auf den Begriff zu bringen.
       Die allgemeine  Krise des  Kapitalismus stellt  eine ebenso große
       Bedrohung des Friedens und des Überlebens der Menschheit dar, wie
       sie in  sich die Tendenz und reale Chance zur Überwindung des Ka-
       pitalismus und  zur Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft
       trägt. Lenins Imperialismustheorie hat diesen Doppelcharakter des
       "höchsten Stadiums des Kapitalismus" richtig herausgearbeitet und
       bildet die  Grundlage für die Strategie des internationalen Klas-
       senkampfs. 25) "Der Imperialismus ist ein besonderes historisches
       Stadium des  Kapitalismus. Diese Besonderheit ist eine dreifache:
       Der Imperialismus  ist 1. monopolistischer Kapitalismus, 2. para-
       sitärer oder faulender Kapitalismus, 3. sterbender Kapitalismus".
       26)
       Die staatsmonopolistische Form, in der die wissenschaftlich-tech-
       nische Revolution in den kapitalistischen Ländern gesteuert wird,
       bestimmt den  Charakter der Widersprüche zwischen Kapital und Ar-
       beit; aus  diesen Widersprüchen  resultiert eine menschenfeindli-
       che, die Reproduktionsbasis des Kapitals letztlich selbst zerstö-
       rende Wachstums-  und Expansionsstrategie,  die zum Untergang des
       Kapitalismus führen muß. Boris Ponomarjow hat die Aktualität die-
       ser drei Elemente hervorgehoben: "Es ist dies eine Krise der öko-
       nomischen Basis des Kapitalismus, eine Krise, die über den Rahmen
       der zyklischen  Rückgänge hinausgeht  und vor allem in einer fie-
       berhaften Inflation,  in  einer  allgemeinen  Preissteigerung  in
       Friedenszeiten zum  Ausdruck kommt.  Es ist  dies eine  Währungs-
       krise, die die Währungen einer Reihe von kapitalistischen Ländern
       bis in den Grund erschüttert. Es ist dies eine Krise des gesamten
       Systems der  Beziehungen zwischen  dem Imperialismus und den Län-
       dern, die  sich vom  Kolonialjoch befreit haben. Es ist dies eine
       Krise in  den Beziehungen zwischen den gegenwärtigen Machtzentren
       des imperialistischen  Lagers -  den USA, den Ländern Westeuropas
       und Japan.  Es ist  dies eine  Energiekrise, die  gegenwärtig den
       Charakter einer  echten Katastrophe  in den kapitalistischen Län-
       dern angenommen  hat. Es  ist dies  eine ökologische  Krise - ein
       heftiger Konflikt  mit der  Umwelt im  Ergebnis der räuberischen,
       kapitalistischen Ausbeutung.  Es ist dies eine Krise des gesamten
       außenpolitischen Kurses des Imperialismus und zahlreicher militä-
       risch-politischer Doktrinen,  die auf  eine bewaffnete Unterdrüc-
       kung des Sozialismus berechnet sind. Es ist dies schließlich eine
       politische und  ideologische Krise,  die in  der allseitigen Ver-
       schärfung des Klassenkampfs an der 'inneren Front' des Kapitalis-
       mus, sozusagen in seiner Zitadelle, Ausdruck findet". 27)
       
       4. Zukunftsaufgaben und Strategien
       ----------------------------------
       
       Die Ballung der Monopole und die durch die wissenschaftlich-tech-
       nische Revolution  bereitgestellten Möglichkeiten  für Aggression
       und Repression  erhöhen die  Gefahr, daß  der Kapitalismus  seine
       Krise durch  einen dritten  und dann  letzten Weltkrieg  zu lösen
       versucht und  dabei durch Illusionen über die Gewinnbarkeit eines
       Krieges sich  darüber hinwegtäuscht,  daß die Vernichtung des So-
       zialismus zugleich die Selbstvernichtung des Kapitalismus und der
       Untergang der  menschlichen Zivilisation sein würde. Der Kampf um
       die Sicherung  des Friedens  hat daher  drei Dimensionen:  1. die
       wissenschaftliche und technologische Aufklärung über die tatsäch-
       lichen Ausmaße der Folgen eines möglichen Krieges; 2. die Sicher-
       stellung  von  Abwehrsystemen  und  einer  ausreichenden  second-
       strike-capacity durch  den Sozialismus, die eine Gewinnchance für
       die imperialistische  Aggression aussichtslos macht; 3. die Mobi-
       lisierung der  Massen gegen  Aufrüstung und  Offensiworbereitung.
       Auf dieser  p o l i t i s c h e n  Grundlage werden dann auch di-
       plomatische Initiativen  zur Rüstungsbeschränkung  und  Abrüstung
       Erfolgschancen haben.  Der Kapitalismus  ist so  sehr auf  die  -
       langfristig zwar  ökonomisch  selbstzerstörerischen,  kurzfristig
       jedoch höchst  profitablen - Wachstumsraten der Rüstungsindustrie
       angewiesen, daß  es ein frommer Wunsch wäre, zu glauben, er würde
       freiwillig auf dieses Aufputschmittel verzichten. Nur der koordi-
       nierte Druck  von wissenschaftlichen Erkenntnissen, militärischem
       Gleichgewicht und  demokratischen Massenbewegungen  kann ihn dazu
       zwingen. Die Zweideutigkeit des sympathischen, aber realitätsfer-
       nen Slogans "Frieden schaffen ohne Waffen" kann darum gegen seine
       Absicht selbst  friedensgefährdend wirken:  Frieden zu  schaffen,
       ohne daß  Waffen zur  Selbstverteidigung die  Friedenspolitik si-
       chern, ist nicht möglich, weil für ein seinen Produktionsverhält-
       nissen entsprechend  expansives Gesellschaftssystem ein schutzlo-
       ser Gegner  immer zum  Objekt der Aggression würde; seit der Dul-
       les-Doktrin von  der "Eindämmung  des Kommunismus"  haben die USA
       genügend Beispiele  dafür geliefert.  Wohl aber  gilt  es,  einen
       Welt-Frieden zu schaffen, der die Existenz von Waffen überflüssig
       macht - eben als Resultat einer Weltfriedensordnung. 28)
       So bleibt der Kampf für den Frieden die "vorrangige Aufgabe, weil
       die Erhaltung  des Friedens  die unabdingbare Voraussetzung dafür
       ist, daß  die Menschheit überhaupt eine Zukunft haben und weitere
       Aufgaben in  Angriff nehmen  kann. Alle anderen politischen Ziel-
       setzungen sind daher diesem ersten Ziel nachgeordnet - und dieses
       Hauptziel ist  eines, das  nicht nur  Sozialisten und Kommunisten
       erstreben, sondern  in dem sich alle vernünftigen, nicht verblen-
       deten Menschen einig sind, einig sein müssen: Der Frieden ist ein
       Apriori des  Gattungslebens geworden; diese neue Qualität der Ge-
       sellschaftlichkeit zu Bewußtsein zu bringen, ist ein wesentlicher
       Teil sowohl der wissenschaftlichen Aufklärung wie der politischen
       Bildungsarbeit und  Agitation 29).  Denn das  Wesentliche an  der
       weltpolitischen Lage  besteht heute darin, daß es - anders als in
       früheren Zeiten  - kein individuelles oder partikulares Interesse
       mehr geben  kann, dem  durch Krieg  gedient würde,  weil eben die
       Überlebensbedingungen der "siegreichen" Partei genauso vernichtet
       würden wie  die der  verlierenden. Das heißt, die Kategorien Sieg
       und Niederlage haben ihren Sinn verloren. Genau das muß aber erst
       noch zur allgemeinen Erkenntnis werden, ehe die friedliche Koexi-
       stenz gesichert ist.
       Der Kampf  um den  Frieden ist  zugleich global und punktuell. Er
       kann und muß in jedem Augenblick und an jedem Punkt der Bedrohung
       gleichzeitig geführt  werden, und jeder kleinste Teilerfolg, auch
       jede Öffentlichkeitsresonanz,  ist ein  Erfolg im  ganzen.  Diese
       Universalität und  Ubiquität der Friedensfrage bestimmt die Stra-
       tegie der Friedenspolitik. Sie übergreift die gegensätzlichen Ge-
       sellschaftssysteme. Nicht  in  gleicher  Weise  kann  die  zweite
       große, globale Zukunftssorge der Menschheit behandelt werden: die
       Erhaltung der  natürlichen  Umwelt  als  Überlebensbedingung  der
       Menschheit. Zweifellos ist die Funktionsfähigkeit des gegenwärti-
       gen Reproduktionssystems  menschlichen Lebens von der Aufrechter-
       haltung der  technischen Produktionsmittel  abhängig; wir  können
       nicht aus  unserer Zivilisation heraustreten, die Entwicklung des
       Systems der  Bedürfnisse und Mittel ist nicht reversibel. Nun ist
       aber gerade  die Massierung  der technischen Geräte und Verfahren
       und ihre  Vernetzung im  ökonomisch-technischen Zusammenhang  die
       Ursache vom  Umweltschäden mit  langfristigen Folgen. Die Einpas-
       sung der  Technik in  den Naturzusammenhang  (also die Umweltver-
       träglichkeit von  Technik) -  weil Gesellschaft  immer im Kontext
       der Dialektik der Natur steht - ist eine vordringliche Aufgabe.
       Diese Einpassung  kann gewiß nicht in einem Akt und global erfol-
       gen. Andererseits  sind punktuelle Umweltschutzmaßnahmen zwar an-
       zustreben und  nützlich; aber  sie gewinnen  ihren Sinn  und ihre
       Wirksamkeit erst  in umfassenderen  Zusammenhängen, die durch sie
       noch nicht geschaffen werden. So ist zwar die schrittweise Durch-
       setzung von  umweltschützerischen Maßnahmen notwendig; und allein
       in einer schrittweisen Ablösung umweltschädlicher Techniken durch
       neue Produktions- und Verkehrsmittel ist überhaupt eine Umgestal-
       tung unserer  Zivilisation zu realisieren, weil auf die Kontinui-
       tät der äußeren Rahmenbedingungen unseres Lebens Rücksicht genom-
       men werden  muß. Das gilt ebenso für sozialistische wie für kapi-
       talistische Gesellschaften.  Aber diese  punktuellen und schritt-
       weisen Anpassungen  an die  Natur reichen  nicht aus, solange die
       Durchsetzung von  Sonderinteressen sie  immer wieder durchkreuzt.
       Die Welt  bedarf global  eines anderen "Wirtschaftsstils" als des
       auf Ausbeutung der Natur gerichteten 30).
       Es gibt gute Gründe, aus denen man bezweifeln kann, daß innerhalb
       des kapitalistischen  Systems und  mit den  am "Menschenrecht auf
       privates Eigentum" orientierten und auf dem konkurrierenden Stre-
       ben nach  Durchsetzung individueller  Interessen beruhenden  ord-
       nungspolitischen Konzepten der bürgerlichen Gesellschaft mehr als
       punktuelle Verbesserungen  erreicht werden können. Moralische Ap-
       pelle und  abstrakte Vernunfteinsichten reichen nicht aus, um In-
       teressen aus  der Welt  zu schaffen, die im System der Produktion
       selbst (also in den Produktionsverhältnissen) entspringen. Letzt-
       lich wird  also die ökologische Krise, die ein nicht herauslösba-
       res Moment der allgemeinen Krise des Kapitalismus ist, erst durch
       die revolutionäre  Veränderung des  Gesellschaftssystems  behoben
       werden können.  Und da  in der  Epoche der Koexistenz von Gesell-
       schaften  mit   unterschiedlichen  Produktionsverhältnissen  eine
       wechselseitige Beeinflussung  der materiellen Existenzbedingungen
       der Gesellschaften  stattfindet, ist  die Öko-Krise ein nur durch
       globale Veränderungen  der  Produktionsverhältnisse  zu  lösendes
       Problem. Ein  bloßes "Krisen-Management" reicht langfristig nicht
       aus.
       Die Erhaltung  des Friedens  ist also möglich und nötig unter der
       Form der  friedlichen Koexistenz  zweier antagonistischer Gesell-
       schaftssysteme, und die (außen)politische Strategie der Friedens-
       sicherung muß  von diesem  Dualismus ausgehen.  Die Erhaltung der
       Umwelt indessen  erfordert systemverändernde Eingriffe in die ka-
       pitalistische Ordnung,  und die  (innen)politische Strategie  des
       Umweltschutzes muß  zugleich eine gesellschaftspolitische Strate-
       gie der  allmählichen Systemveränderung  sein. Sowohl gesetzgebe-
       rische Neuerungen  als auch größere Mitbestimmungsrechte und Kon-
       trollzuständigkeiten der  Basis (z.B.  der Gewerkschaften  in den
       Betrieben, von Bürgerausschüssen in den Quartieren und Gemeinden,
       von Wissenschaftlergremien in der Legislative und Exekutive) sind
       hier unerläßlich.
       Vollends ist  der Kampf um die Nutzung der wissenschaftlich-tech-
       nischen Revolution  und der aus ihr folgenden Produktivitätsstei-
       gerung der  menschlichen Arbeit zur größeren Selbstentfaltung des
       Menschen, also zu Erschließung und Verwirklichung der ihm gegebe-
       nen Möglichkeiten,  eine Aufgabe,  die die  Schaffung eines neuen
       Gesellschaftstypus voraussetzt. Die Veränderung der gesellschaft-
       lichen Verhältnisse,  der Eigentumsverhältnisse,  ist  der  erste
       notwendige Schritt,  um auf  der objektiven Grundlage eines neuen
       Weltverhältnisses (Gesellschaft  und Natur  umfassend), das keine
       Ausbeutung mehr kennt, den neuen Menschen, die sozialistische Le-
       bensweise entstehen  zu lassen.  "Das Endziel der gesellschaftli-
       chen Produktion"  sei "die Schaffung von Bedingungen für die all-
       seitige Entwicklung  der Persönlichkeit",  sagte J.W. Andropow in
       seiner programmatischen Rede zum 100. Todestag von Karl Marx; und
       er fuhr fort: "Marx sah die historische Bestimmung der Formation,
       die den  Kapitalismus ablösen  wird, darin,  die Arbeit aus einer
       quälenden, unfreiwilligen  Pflicht in  das erste  Lebensbedürfnis
       der Persönlichkeit zu verwandeln. Wir wissen heute aus Erfahrung,
       wieviel auf  dem langen Weg zur Verwirklichung dieser Idee in ih-
       rer Gesamtheit  getan werden  muß... Die Umwälzung der Eigentums-
       verhältnisse läuft  keineswegs nur  auf einen einmaligen Akt hin-
       aus, in  dessen Ergebnis die wichtigsten Produktionsmittel Eigen-
       tum des ganzen Volkes werden. Rechtmäßiger Besitzer zu werden und
       ein solcher tatsächlich zu sein - ein wirklicher, weiser und für-
       sorglicher Besitzer  - ist bei weitem nicht ein und dasselbe. Ein
       Volk, das  die sozialistische  Revolution vollzogen hat, muß noch
       lange lernen,  seine neue  Stellung  als  oberster  und  uneinge-
       schränkter Eigentümer  des gesamten  gesellschaftlichen Reichtums
       zu beherrschen  - sowohl  ökonomisch als auch politisch und, wenn
       man so will, psychologisch - und dabei gemeinschaftliches Bewußt-
       sein und  Verhalten zu entwickeln" 31). Die Eigentumsverhältnisse
       umzuwälzen und  das Bewußtsein der Menschen auf eine neue Gesell-
       schaft der  Solidarität vorzubereiten  - das  sind Inhalte, durch
       die für  einen Kommunisten die Zukunft bestimmt und seine Aufgabe
       definiert ist.  "Das revolutionäre sozial-historische Schöpfertum
       der Arbeiterklasse  und aller arbeitenden Menschen zu orientieren
       und zu  lenken, diese grandiose Aufgabe wird heute von der marxi-
       stisch-leninistischen Theorie  und der  Praxis des Kampfes um den
       Fortschritt der Menschheit gelöst. Das ist jene Aufgabe, die Karl
       Marx sich, seinen ideologisch und politisch Gleichgesinnten sowie
       seinen Nachfolgern gestellt hat: Die Welt zu erkennen und zu ver-
       ändern". 32)
       
       _____
       1) Friedrich Engels,  Der Anteil  der Arbeit an der Menschwerdung
       des Affen, MEW 20, S. 444 ff.
       2) Vgl. Hans  Heinz Holz,  Zur Logik der Koexistenz, DIALEKTIK 4,
       1982, S. 62 ff.
       3) Vgl. Hans  Heinz Holz, Historischer Materialismus und ökologi-
       sche Krise, DIALEKTIK 9, 1984, S. 30 ff.
       4) Vgl. Hans  Heinz Holz, Zur Kritik der bürgerlichen Technikphi-
       losophie, in:  IMSF (Hrsg.),  Technik -  Umwelt - Zukunft, Frank-
       furt/M. 1980, S. 87 ff.
       5) Zitiert nach  Dmitri Jermolenko,  Die wissenschaftlich-techni-
       sche Revolution und die internationalen Beziehungen, Moskau 1973,
       S. 12.
       6) Ebd., S. 4.
       7) Ebd., S.  18 f. Vgl. auch Günter Kröber, Wissenschaft, Gesell-
       schaft und wissenschaftlich-technische Revolution, in: Marxismus-
       Digest 21,  S. 3 ff., hier S. 8 und 11: "Die gegenwärtige wissen-
       schaftlich-technische Revolution...  ist ein Prozeß, in dem revo-
       lutionäre Veränderungen  in Wissenschaft,  Technik und Produktion
       gleichzeitig, Hand  in Hand, in enger Wechselwirkung vor sich ge-
       hen; sie ist eine Revolution in der Wissenschaft, eine technische
       Revolution durch  die Wissenschaft  und wächst in den sozialisti-
       schen Ländern in eine Revolution der Produktionsprozesse hinüber"
       ... "Wir  stellen also fest, daß die Herausbildung des einheitli-
       chen Komplexes Wissenschaft-Technik-Produktion ... ein Hauptmerk-
       mal  der  gegenwärtigen  wissenschaftlich-technischen  Revolution
       ist." Vgl.  auch Andre Leisewitz, Entwicklungsgeschichte des wis-
       senschaftlich-technischen Fortschritts und seiner gesellschaftli-
       chen Anwendung,  in: IMSF  (Hrsg.), Technik  - Umwelt  - Zukunft.
       a.a.O., S. 13 ff.
       8) Günter Kröber, a.a.O., S. 9.
       9) Vgl. Hans  Heinz Holz,  Grundsätzliches zu Naturverhältnis und
       ökologischer Krise,  in IMSF  (Hrsg.), "...einen großen Hebel der
       Geschichte", Marxistische Studien, Sonderband I zum 100. Todestag
       von Karl Marx, Frankfurt/M. 1982, S. 155 ff.
       10) Jean Paul  Sartre, Kritik der dialektischen Vernunft, Reinbek
       bei Hamburg 1967, S. 129 ff., hier S. 130 und 148.
       11) Joachim Ritter,  Historisches Wörterbuch der Philosophie, Ar-
       tikel "Lebenskriterien"  (von K.  Sadegh-Zadeh), Band  5, Sp. 129
       ff., Basel 1980.
       12) Helmuth Plessner,  Die Stufen des Organischen und der Mensch,
       Berlin und Leipzig 1928, S. 194.
       13) Ebd., S. 132.
       14) Arnold Gehlen,  Der Mensch,  Frankfurt/M. und  Bonn 19627, S.
       33.
       15) Friedrich Engels,  a.a.O., S.  444 f.  Helmuth Plessner,  Die
       Frage nach der Conditio humana, Frankfurt/M. 1976, S. 37 ff.
       16) Georg Wilhelm  Friedrich Hegel,  Grundlinien der  Philosophie
       des Rechts,  §§ 190-192.  Werke, ed.  Moldenhauer-Michel, Band 7,
       Frankfurt/M. 1970, S. 347 ff.
       17) Georg Wilhelm  Friedrich Hegel, Vorlesungen über Rechtsphilo-
       sophie, hg. von Karl Heinz Ilting, Band 4, Stuttgart 1974, S. 491
       (Vorlesungsnachschrift von  Karl Gustav  Julius  von  Griesheim).
       Vgl. die  Studienausgabe der  Rechtsphilosophie von Hermann Kien-
       ner, Berlin 1981, S. 480.
       18) Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Rechtsphilosophie, § 194.
       19) Vgl.  Günter   Ropohl,  Technik   als  Gegennatur,  in:  Götz
       Grossklaus/Ernst Oldemeyer,  Natur als Gegenwelt, Karlsruhe 1983,
       S. 87 ff., hier S. 95 ff.
       20) Helmut Plessner,  Die Stufen  des Organischen und der Mensch,
       a.a.O., S.  309 ff. Zur Bedeutung Plessners für eine naturdialek-
       tische Auffassung  vom Menschen  vgl.  Bernhard  Delfgaauw,  Hans
       Heinz Holz,  Lolle Nauta  (Hrsg.), Philosophische  Rede vom  Men-
       schen, Bern 1985.
       21) Vgl. Hans  Heinz Holz, Grundsätzliches zu Naturverhältnis und
       ökologischer Krise, a.a.O.
       22) Auf diese  Irrationalität hat  auch Hegel aufmerksam gemacht,
       a.a.O., §  195; und  in der  Vorlesungsnachschrift von Griesheim,
       a.a.O.,  S.   494  (=   Kienner,  a.a.O.,   S.  481):   Mit   dem
       "zirkulierenden Reichtum" ... "vermehrt sich die Abhängigkeit und
       Not... weil  die Mittel  der Befriedigung  in der Willkür Anderer
       sind... Man  hat es nicht mehr mit der äusseren Natur zu tun, je-
       der Baum,  jedes Tier gehört nicht mehr der Natur an, sondern ei-
       nem Eigentümer, die Abhängigkeit ist so viel grösser... Indem der
       Reichtum grösser  wird, konzentriert  er sich  in wenigen Händen,
       und ist  erst einmal  dieser Unterschied,  dass in einigen Händen
       grosse Kapitale  sind, so  erlaubt dies  auf wohlfeilere Weise zu
       erwerben, als  bei einem  geringeren Vermögen, so wird der Unter-
       schied immer größer."
       23) Vgl. Remo  Bodei, Natura,  finalità, effetti  perversi  nell'
       analisi economica  di Marx,  in: Quaderni  dell' Istituto Galvano
       della Volpe, Messina 1982, S. 7 ff. Außerdem Hans Heinz Holz, Na-
       tura e  storia in  Marx, in:  Jahrbuch des Gramsci-Instituts, Pa-
       lermo (in  Vorb.);  finnisch:  Teesejä  luonnosta,  in:  tiede  &
       edistys, Heft 2/1984, S. 135 ff.
       24) Vgl. dazu Hans Heinz Holz, Zur Logik der Koexistenz, a.a.O.
       25) Boris Ponomarjow, Wladimir Iljitsch Lenin und die kommunisti-
       sche Weltbewegung, Neues Deutschland, 11. April 1974, S. 5 f.
       26) Wladimir Iljitsch Lenin, Werke (LW) Band 23, S. 102.
       27) Boris Ponomarjow, a.a.O.
       28) Vgl. Hans Heinz Holz, Zur Logik der Koexistenz, a.a.O.
       29) Kampf um den Frieden - nun erst recht. Plenartagung des Frie-
       densrats der  DDR am  9. März 1984, Berlin 1984, insbesondere die
       Ausführungen von  Günther Drefahl,  S. 10 ff., und Hermann Klare,
       S. 34 f.
       30) Auf einen  alternativen "Wirtschaftsstil"  hebt Klaus Michael
       Meyer-Abich, Wege zum Frieden mit der Natur, München 1984, S. 278
       ff., ab. - Er meint allerdings, ein auf Ausbeutung der Natur ver-
       zichtender "Wirtschaftsstil"  sei auch unter kapitalistischen Be-
       dingungen realisierbar,  zitiert indessen als Orientierungsmatrix
       dann Karl  Marx: "Vom  Standpunkt einer  höheren ökonomischen Ge-
       sellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen
       am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen wie das Privateigentum
       eines Menschen  an einem  anderen Menschen. Selbst eine ganze Ge-
       sellschaft, eine  Nation, ja  alle gleichzeitigen  Gesellschaften
       zusammengenommen, sind  nicht Eigentümer  der Erde.  Sie sind nur
       ihre Besitzer,  ihre Nutzniesser,  und haben  sie als boni patres
       familias den  nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlas-
       sen" (MEW 25, S. 784).
       31) J.W. Andropow,  Die Lehre von Karl Marx und einige Fragen des
       sozialistischen Aufbaus  der Sowjetunion,  Moskau 1983,  S. 16 f.
       und 10 f.
       32) Ebd., S. 40.
       

       zurück