Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


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       PERSONELLER AUFWAND KAPITALISTISCHER WIRTSCHAFTSLENKUNG
       =======================================================
       IN DER BUNDESREPUBLIK
       =====================
       
       Zu Vergeudung und Alternativen
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       Winfried Schwarz
       
       1. Der Nachteil der Zersplitterung - Beispiel Versicherungen - 2.
       Die Aufblähung der unternehmerischen Wirtschaftsverwaltung - 2.1.
       Marktrisiko -  2.2. Staatliche Marktkorrektur - 2.3. Verselbstän-
       digtes Kreditwesen  - 2.4.  Abwehr der Besteuerung - 2.5. Rechts-
       verhältnisse -  2.6. Reservearmee - 2.7. Unternehmerverbände - 3.
       Ergebnis
       
       Mit rund  30 000 industriellen Unternehmungen, die zum bestimmen-
       den Teil unter einheitlicher Konzernleitung stehen, hat der Kapi-
       talismus der  Bundesrepublik  große  Verwaltungsorgane  hervorge-
       bracht. Diese  sind durchaus in der Lage, die ihnen untergeordne-
       ten, jeweils durch das Privateigentum begrenzten Produktions- und
       Zirkulationsprozesse des Kapitals zu dirigieren. Die kapitalisti-
       sche Beschränktheit  dieser Verwaltung betrieblicher Prozesse be-
       steht nach unserer Meinung nicht darin, daß deren bewußte Planung
       und Koordinierung  unterbliebe, sondern  daß sie nicht weit genug
       geht: Jenseits  der Stufe des Konzerns hört sie auf, und die dar-
       über hinausgehende  Regulierung erfolgt  spontan, dem Markt über-
       antwortet. Eine  spezifisch kapitalistische  Eigenart  der  Wirt-
       schaftslenkung ist ihre Zerplitterung.
       Den Positionen gegenüber, die das möglicherweise gerade für einen
       Effizienzvorteil halten,  soll im  folgenden an realen Beispielen
       sowohl begrifflich  als auch  empirisch eine Aufrechnung von Len-
       kungsaufwand versucht werden, der ausschließlich seinem kapitali-
       stischen Charakter  entspringt. Der Vergeudungsmaßstab im Hinter-
       grund ist eine Wirtschaftsordnung mit Gemeineigentum, die gesamt-
       wirtschaftliche Abstimmung  ihrer Teilbereiche erlaubt und außer-
       halb des Zwanges steht, ausschließlich die Verwertung von Kapital
       zu optimieren.
       
       1. Der Nachteil der Zersplitterung - Beispiel Versicherungen
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       Trotz Monopolkapitalismus  und staatsmonopolistischer Regulierung
       ist das  typische Bild  einer Branche  in der Bundesrepublik eine
       Vielzahl von - unterschiedlich großen - Unternehmen. Unsere These
       soll an  einem extremen  Fall überprüft  werden: Wir nehmen einen
       Geschäftszweig mit  fast gleichartigen  Gütern, die von Hunderten
       verschiedener Unternehmen  angeboten werden. Es handelt sich hier
       um den Bereich der Schadensversicherungen (über 100 000 hauptamt-
       lich Beschäftigte  1)). Stellen  wir ihr die Staatliche Sachscha-
       densversicherung der  DDR gegenüber,  die ein Einheitsunternehmen
       ist.
       Im Jahre  1978 wurde  in der Bundesrepublik die finanzielle Absi-
       cherung von  Schadensfällen von 309 Unternehmen der Schadens- und
       Unfallversicherung wahrgenommen.  Sie kassierten  dafür 30,2 Mrd.
       DM an  Beiträgen, wovon  der Versicherungsbetrieb  7,6 Mrd.  oder
       25,2 Prozent in Anspruch nahm. 2) Welches waren die Hauptausgaben
       für diese  umfangreiche Verwaltung?   E r s t e n s   d i e  h o-
       h e n   A b s c h l u ß k o s t e n.   Jedes einzelne der 309 Un-
       ternehmen unterhielt  getrennte Außenorganisationen  für den  Po-
       licenverkauf und die Schadensbearbeitung, die ohne Abstimmung un-
       tereinander, ja  gegeneinander, sich  grundsätzlich einem identi-
       schen Kundenkreis  zuwandten.   Z w e i t e n s   d i e  V i e l-
       z a h l   d e r   I n n e n d i e n s t e,   die prinzipiell alle
       die gleichen  Tätigkeiten ausführten  bzw.  nur  aus  Konkurrenz-
       gründen ihre Tarifsysteme zur allgemeinen Unübersichtlichkeit va-
       riierten und  das  unternehmensspezifische  Verkaufstraining  der
       Vertreter durchführten.   D r i t t e n s   d i e    S i c h e r-
       h e i t s r ü c k l a g e n     a u f     d e m    K a p i t a l-
       m a r k t,     was  dazu  führte,  daß  der  Kompliziertheit  des
       Kreditsystems eine  Vielfalt von  Anlageexperten  entsprach,  die
       versicherungsfremde  Bankgeschäfte   tätigten.    V i e r t e n s
       d i e   R ü c k d e c k u n g.   Sie ist  nicht  nur  ein  teurer
       Verwaltungsposten, der  2,5 Mrd.  DM  verschlingt,  sondern  auch
       unmittelbares Produkt  der Zersplitterung: Da die Finanzkraft der
       309 Versicherungsunternehmen  einzeln bei  großen  Risiken  über-
       fordert wird,  ist ein  System  der  Risikoweitergabe  entwickelt
       worden. 36  Prozent oder  10 Mrd.  DM wurden  zur Rückdeckung von
       Risiken anderen  Unternehmen der  Branche und  den 29 speziellen,
       kapitalkräftigen  Rückversicherungsunternehmen   zugeführt.   Die
       Verteilung von  Risiken zwischen den Versicherungsunternehmen un-
       tereinander im Betrag von 2,3 Mrd. DM erbrachte ihnen zusätzliche
       Verwaltungskosten von  750 Mio.  DM 3),  die von  den  Rückversi-
       cherern übernommenen  Risiken in Höhe von 7,7 Mrd. DM erforderten
       dort einen Verwaltungsaufwand von 1,76 Mrd. DM 4).
       Auf den  Vergeudungscharakter der  Verwaltungsstruktur des Versi-
       cherungswesens hat  vor  allem  B.  Redlich  hingewiesen.  5)  Er
       stellte ein  Modell einer  staatlichen Einheitsversicherung dage-
       gen. Eine  derartige Einheitsversicherung existiert als Branchen-
       monopol in  Form der  Staatlichen Versicherung der DDR. Die Sach-
       und Haftpflichtversicherung  der DDR  nahm 1978  insgesamt  1,978
       Mrd. Mark  ein. 6)  Dieser Betrag  ist geringfügig  höher als die
       1,869 Mrd.  DM, welche  vier typische "Konkurrenzversicherer" der
       Bundesrepublik 1978  zusammen eingenommen  haben. Es handelt sich
       um  "Nordstern"   (654   Mio.),   "Volksfürsorge"   (471   Mio.),
       "Nürnberger" (326  Mio.) und  "Agrippina" (418  Mio.). 7) Von den
       eingenommenen knapp  1,87 Mrd.  gaben diese  vier 610 Mio. in die
       Rückdeckung bei anderen oder bei Rückversicherern, wofür dort ein
       Verwaltungsaufwand von  161,6 Mio. bzw. 25,5 Prozent entstand. 8)
       Für den  Versicherungsbetrieb der  in eigener  Rechnung geführten
       Beiträge von  1,260 Mrd.  DM wendeten die vier 333,3 Mio. DM auf,
       was einem  Kostenanteil an  den Einnahmen  von 26,5  Prozent ent-
       spricht. Die  vier Versicherungsunternehmen verhielten sich unge-
       fähr wie  die anderen  305 Konkurrenten im Durchschnitt. Sichtbar
       wird unmittelbar  der Aufwand  durch die  Rückdeckung: Wären  die
       vier Unternehmen in der Lage gewesen, die von ihnen selbst heran-
       gezogenen 1,869 Milliarden DM bei sich selbst zu halten, wäre die
       Quote der Verwaltungskosten von 26,5 auf 17,8 Prozent gesunken.
       Wie sah  es 1978  in der  DDR aus,  wo nicht  nur die Rückdeckung
       grundsätzlich entfällt,  sondern weitere  Vorteile der  Vereinfa-
       chung existieren?  Für die  Verwaltung der 1,987 Mrd. Mark wurden
       ganze 159  Mio. oder  8 Prozent  aufgewendet. 9) Derartige Unter-
       schiede wirkten sich auch für den Kunden aus. Während trotz höhe-
       rer   Ersatzleistungen    im   Schadensfall    für   eine   Haus-
       rat-/Haftpflichtversicherung in  der DDR  1 Promille  (1 Mark pro
       1000 Mark  Versicherungssumme) an  Prämie bezahlt wird, "läßt ein
       typischer  Wettbewerbsversicherer,  z.  B.  der  Allianz-Konzern,
       seine Kunden 2,5 Promille zur Ader" 10).
       Nun ist der Einspareffekt der DDR-Versicherung gegenüber der Bun-
       desrepublik weit  überzeichnet, und zwar wegen des unterschiedli-
       chen Nominallohnniveaus.  Hätte die DDR-Versicherung ihren Perso-
       naletat, der  etwa 80  Prozent des gesamten Verwaltungsetats aus-
       macht, nach  den Einkommensverhältnissen  der Bundesrepublik  11)
       finanzieren müssen, so wären die Verwaltungsausgaben von 159 Mio.
       Mark auf etwa das Doppelte gestiegen. Der Verwaltungskostenanteil
       hätte dann nicht 8, sondern ca. 16 Prozent betragen. Andererseits
       bearbeitete die  DDR-Versicherung weit  mehr   F ä l l e,  als es
       die vier  genannten Versicherer aus der Bundesrepublik taten. Je-
       denfalls hätte die Einheitlichkeit des Eigentums gegenüber seiner
       Zersplitterung noch  einen enormen  Kostenvorteil erbracht. Gewiß
       ist die  Verwaltungseinsparung der  Schadensversicherung in ihrer
       Dimension nicht  für die  gesamte  Wirtschaft  verallgemeinerbar.
       Zweifellos ist  die Versicherungsbranche  eine der ineffektivsten
       der Bundesrepublik.  Dennoch hoffen wir, zumindest die grundsätz-
       liche Richtung,  die der Lenkungsaufwand infolge von Eigentumszu-
       sammenfassung nähme,  angegeben und  empirisch untermauert zu ha-
       ben.
       Nun ist einheitliche Unternehmensführung im Kapitalismus begrenzt
       auf die  relativ kleinen  Teilbereiche der  Gesamtwirtschaft, die
       das Privateigentum jeweils absteckt. Sicherlich hat sich der Ver-
       waltungshorizont der  einzelnen Unternehmen  und Konzerne im Ver-
       laufe des  Konzentrations- und Zentralisationsprozesses des Kapi-
       tals ständig  erweitert -  durch Errichtung und Eingliederung von
       immer mehr  und größeren  Betrieben. Gegenwärtig befinden sich in
       der Bundesrepublik mehr Betriebe als je zuvor unter einheitlichem
       Regime. Allerdings  gibt es  eine prinzipielle Schranke, die Zer-
       splitterung weiter  zu reduzieren.  Ausdehnung von  einheitlicher
       Leitung auf  den gesamten  Wirtschaftsprozeß - nicht nur auf mehr
       oder weniger  große Ausschnitte  davon - ist ohne Beseitigung des
       Privateigentums nicht möglich. Damit muß sich aber der Kapitalis-
       mus die  Frage nach der Rationalität seiner Lenkungsweise stellen
       lassen.
       
       2. Die Aufblähung der unternehmerischen Wirtschaftsverwaltung
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       Wer der Kritik sozialer Mißstände in der Bundesrepublik entgegen-
       hält, daß  der Preis  ihrer sozialistischen  Beseitigung  ein  zu
       großer Zuwachs  an wirtschaftlicher Lenkungstätigkeit sei, sollte
       sich erst die Gegenrechnung anhören. Obwohl gesamtwirtschaftliche
       Koordination zweifellos  eine aufwendige  Angelegenheit ist,  ist
       die Vorstellung grundfalsch, daß sich die neue Wirtschaftslenkung
       als zusätzlicher  Apparat über die gegebene private Unternehmens-
       ordnung ausbreite.  Sie tritt an deren Stelle. Dies heißt keines-
       wegs, die  bereits bestehende, hochentwickelte planerische Kompe-
       tenz in den kapitalistischen Unternehmen zu negieren oder die vom
       Staat wahrgenommenen  allgemeinwirtschaftlichen Funktionen - etwa
       im Bereich  der Infrastruktur  - auf irgendeine Weise beiseite zu
       schieben. Notwendig  ist allerdings gesamtwirtschaftliche Abstim-
       mung, und dafür wiederum entsprechendes Personal.
       Nachdem im ersten Teil dieses Artikels auf die Verwaltungserspar-
       nis bei  großen Eigentumseinheiten verwiesen wurde, soll jetzt in
       einzelnen Teilbereichen  spezifisch kapitalistisches Lenkungsper-
       sonal aufgespürt  werden, dessen  ein alternatives Lenkungssystem
       nicht mehr bedarf.
       
       2.1. Marktrisiko
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       Mag ein kapitalistischer Markt die für die Gesellschaft billigste
       Regulierungsinstanz von  Preisen, Mengen,  Qualitäten  sein;  vom
       Standpunkt des privaten Produzenten aus betrachtet, ist der Markt
       keineswegs billig.  Im Gegenteil. Ihm ist er eine ständige Quelle
       der Ungewißheit,  für deren Reduzierung er viel Geld und Personal
       aufwenden muß. Was der Markt somit der Gesellschaft einerseits an
       Aufwand für  bewußte Lenkung erspart, lädt er andererseits zumin-
       dest partiell  den Unternehmen  wieder auf  - in Form permanenter
       Bemühungen, sich  seinen Anforderungen  anzupassen oder ihn aktiv
       zu beeinflussen.
       Selbstverständlich wird  von den kapitalistischen Unternehmen der
       Absatz  geplant.  Schon  der  Produktionsprozeß  ist  unmittelbar
       marktbezogen, und die Entscheidungen über Menge, Preis und Quali-
       tät der  jeweiligen Produkte  sind diesem  wiederum  vorgelagert,
       sich gründend  auf Erforschung und Prognosen ihrer Absatzmöglich-
       keiten, des Verhaltens der Konkurrenten, der Verbraucher usw. Die
       Versuche zur  Absicherung des  Verkaufserfolgs -  heutzutage  als
       Marketing bezeichnet 12) - bestimmen das gesamte unternehmerische
       Handeln. Sie  werden jahrelang  vorausgeplant, immer  wieder kon-
       trolliert, und das gilt auch für den finanziell aufwendigsten Be-
       reich, für  die Beeinflussung des Warenverkaufs. Dazu gehören die
       Werbung, die Verkaufsförderung im Bereich des Handels, Verkäufer-
       training und  Vertreterschulung, allgemeine Pflege des Firmenima-
       ges, Rabattierung und Absatzkreditierung nach Kundengruppen usw.
       In einer  alternativen Wirtschaftsordnung,  in welcher  der  Pro-
       duktabsatz zumindest  in groben  Zügen zentral  abgestimmt  wird,
       könnten keineswegs sämtliche Aktivitäten entfallen, die jetzt als
       kapitalistisches Marketing betrieben werden. Nicht nur Vertriebs-
       wesen, Kundendienst,  Produktinformation gehören zum Wirtschafts-
       system einer  jeden auf  entwickelter Vergesellschaftung der Pro-
       duktivkräfte beruhenden  Ordnung. Auch  die  Bedarfsforschung  im
       voraus samt  Erfolgskontrolle bleibt  erhalten und muß auch nicht
       unbedingt auf zentraler Ebene erfolgen.
       Die Quantifizierung des spezifisch kapitalistischen Marketingper-
       sonals fällt schwer. Es gibt nur eine relativ gut gesicherte Zahl
       über das  im Bereich  der Werbung innerhalb und außerhalb der Un-
       ternehmen tätige Personal, gegenwärtig 80 000. 13) Neben der Ver-
       kaufsförderung (sales promotion) ist das der größte Posten inner-
       halb des  Marketing. Insgesamt  dürften etwa 300 000 Personen mit
       Marketing zu  tun haben, wovon wir mindestens die Hälfte der spe-
       zifisch kapitalistischen Unsicherheitsreduzierung des Marktes zu-
       rechnen - 150 000 Personen.
       
       2.2. Staatliche Marktkorrektur
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       Innerhalb des  Gesamtsystems  staatsmonopolistischer  Regulierung
       soll hier nur diejenige Staatstätigkeit hervorgehoben werden, die
       als unmittelbare  Steuerung von  Marktprozessen bezeichnet werden
       kann. Es geht um Korrektur der stofflichen und wertmäßigen Bedin-
       gungen eines  proportionalen Produktionsablaufs, welche der spon-
       tane Markt-Preis-Mechanismus  nicht mehr  zu garantieren  vermag.
       Diese Steuerung funktioniert prinzipiell indirekt, d.h. über Aus-
       weitung oder  Einschränkung der  finanziellen Präsenz des Staates
       in den  Unternehmen -  konkret durch  Variierung  der  verlangten
       Steuern und der positiv zugeführten Haushaltsmittel.
       Die größte regulierende Wirkung auf unternehmerische Entscheidun-
       gen geht vom staatlichen Finanzapparat aus, der auf der Grundlage
       allgemeiner Besteuerung  die von  den Unternehmen effektiv gefor-
       derten Steuern  variiert. Dabei geht es nicht nur um die über 120
       Steuerbegünstigungsprogramme mit  Ausnahmecharakter, sondern auch
       um die  Gesamtanlage der sog. Normalbesteuerung. Der 185 000 Per-
       sonen umfassende  staatliche  Finanzapparat  (Zollverwaltung  des
       Bundes, Finanzverwaltung  der Länder,  Steuerbehörden der Gemein-
       den) ist  nicht primär zur Wirtschaftslenkung da. In erster Linie
       hat er  als Einnahmeapparat  die Mittel für den Staatshaushalt zu
       besorgen. Erst  davon abgeleitet treibt er Finanzpolitik. Mit ei-
       nem Teilansatz  von 20  Prozent bewerten  wir die wirtschaftslen-
       kende Tätigkeit  des Finanzapparates gewiß nicht zu hoch - 36 000
       Personen.
       Wie sieht  die  "positive"  Marktkorrektur  aus?    E r s t e n s
       i s t  s i e  g e z i e l t e  B r a n c h e n f ö r d e r u n g.
       Vor allem  von Wirtschafts-, Forschungs- und Verkehrsministerien,
       die auf  Landesebene in der Regel zu einem Ministerialbüro verei-
       nigt sind, werden direkte Haushaltsmittel - und zwar zehn Prozent
       des Gesamthaushaltes (55 Mrd. DM) - zugeteilt. Dem Wirtschaftsmi-
       nisterium obliegt vor allem die Förderung der Industrie, dem Ver-
       kehrsministerium die  Subventionierung  von  Verkehrsunternehmen.
       Die Produktivkraftentwicklung der Industrie ist Sache des Bundes-
       ministeriums für  Forschung und Technologie. Speziell für die au-
       ßenwirtschaftliche Hilfe  wird das  Bundesministerium  für  wirt-
       schaftliche Zusammenarbeit zugezogen. Die vier genannten Ministe-
       rien unterhalten  eigene Forschungseinrichtungen  zur politischen
       Entscheidungshilfe (z.B.  Wirtschaftsforschungsinstitute), beson-
       dere Überwachungsämter  für ihren Bereich (Bundeskartellamt, Bun-
       desanstalt für  den Güterfernverkehr usw.) sowie Abwicklungsstel-
       len für  Subventionen und  Bürgschaften. Insgesamt  sind mit  der
       Branchenförderung rund 24 000 Personen befaßt.
       Z w e i t e n s    i s t    s i e    l a n d w i r t s c h a f t-
       l i c h e   R e g u l i e r u n g.   Diese ist  finanzielle  För-
       derung durch  die Ministerien (mit 7 Mrd.) und vor allem die sog.
       Marktordnung (Etat: ebenfalls 7 Mrd.). Letztere ist im nationalen
       und EG-Maßstab  notwendig geworden,  seit die  im  Interesse  der
       industriellen Monopole erfolgte Öffnung des nationalen Markts die
       Landwirtschaft  in  eine  chronische  Krise  getrieben  hat.  Vom
       landwirtschaftlichen Lenkungspersonal  arbeiten je  4 000  direkt
       bei  Ministerien,  bei  Forschungseinrichtungen  zur  politischen
       Entscheidungshilfe und  bei den  Marktordnungsbehörden des Bundes
       und der  EG. Insgesamt  zählen 12 000  Personen  zur  staatlichen
       Agrarmarktlenkung.
       D r i t t e n s   i s t   s i e   G e l d-,   K r e d i t-  u n d
       W ä h r u n g s p o l i t i k.  Es ist Aufgabe der Deutschen Bun-
       desbank, den  Markt für  zinstragendes Kapital  zu steuern. Durch
       diverse Einwirkungsinstrumente auf das Bankensystem und durch ei-
       gene Aktivitäten kann sie die Kreditgewährungen mehr oder weniger
       effektiv beeinflussen,  ebenso den  Wechselkurs. Beim Direktorium
       der Bundesbank  und  den  Landeszentralbanken  waren  1984  knapp
       15 000 Personen beschäftigt.
       Insgesamt sind  etwa 90 000 Personen der staatlichen Marktkorrek-
       tur zuzurechnen. 14)
       
       2.3. Verselbständigtes Kreditwesen
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       Die Überdimensioniertheit des kapitalistischen Kreditwesens kommt
       daher, daß es kein lediglich den Bedürfnissen eines reibungslosen
       Reproduktionsprozesses verpflichtetes Werkzeug ist, sondern umge-
       kehrt der  Reproduktionsprozeß bestenfalls ein Mittel für die Be-
       dürfnisse des  Kredits. Das  Kreditsystem ist ein vom Reprodukti-
       onsprozeß abgesondertes und ihm gegenüber verselbständigtes Akti-
       onsfeld für  die Verwertung  von zinstragendem Kapital, Leihkapi-
       tal. Seiner Kapitalnatur entsprechend gibt es für es kein anderes
       Bedürfnis als  das nach  maximaler Aneignung  von Zinsen, und für
       den Verleiher  - ob  Bankier oder  sonstiger Kapitalist - ist bei
       der Kreditvergabe  nur die erzielbare Zinsmasse maßgeblich, nicht
       aber, ob der Borger damit produziert, konsumiert oder seinerseits
       reine Finanzgeschäfte treibt.
       An dem  Geschäft mit  der Zinsbereicherung  ist nicht  nur ein in
       3200 verschiedene  Kreditinstitute  zersplitterter  Bankenapparat
       beteiligt, sondern alle möglichen Geldbesitzer und Finanzierungs-
       vermittler wirken  mit, nicht zuletzt die industriellen Unterneh-
       men selber.  Der einfache,  direkte Bankkredit spielt eine Neben-
       rolle unter  den Hunderten  Formen der  Kreditierung. Und von der
       Seite der  Kreditnachfrager, die  nur zu  einem Drittel produzie-
       rende Unternehmen  sind, ist  seinerseits eine kaum überschaubare
       Formenvielfalt von Beschaffungsinstrumenten entwickelt worden.
       Dementsprechend erhebt sich über der produktiven Sphäre der Wirt-
       schaft ein  gewaltiger Finanzüberbau,  wo  Kapitalverwertung  nur
       noch in  entfernter Beziehung  zum Produktionsprozeß  des Profits
       stattfindet. Mit  zinstragendem Kapital  werden  Finanzierungsge-
       schäfte und Spekulationen aller Art finanziert. Verliehenes Kapi-
       tal wird  in Form  von Eigentumstiteln auf fremde Unternehmensge-
       winne oder auf Teile der Staatskasse selber zum Handelsgegenstand
       (Wertpapierbörse) usw.
       So läuft etwa ein Drittel des Bankgeschäfts  z w i s c h e n  den
       3200 Banken  ab, wo  von ändern  geborgt wird, weil eigene Mittel
       für ein  günstiges Leihgeschäft  gerade fehlen.  So befassen sich
       annähernd zehn  Prozent der  Bankbeschäftigten mit  Effekten, mit
       dem bloßen  Händewechsel von  Eigentumsrechten  auf  Zinsen.  Mit
       wirklich volkswirtschaftlich  notwendigen Operationen - Zahlungs-
       verrechnungen, Bankkrediten,  Verwaltung der  Spareinlagen - sind
       höchstens 50  Prozent des  Personals des  Kreditgewerbes beschäf-
       tigt, erst  recht, wenn  man die  Vergeudung durch die Koexistenz
       von 3200  Bankverwaltungen einbezieht sowie die Börsenjobber, Fi-
       nanzmakler, Anlageberater usw. Zum Kreditsystem sind außerdem die
       Lebensversicherungen zu  zählen, die  ihrem  ökonomischen  Inhalt
       nach nichts  anderes sind  als Kapitalsammei- und -verleihorgani-
       sationen. Spezifisch  kapitalistisch aufgebläht  ist auch  - ent-
       sprechend der  Kompliziertheit der  äußeren Bedingungen - das in-
       nerhalb der  Unternehmen mit  Finanzierung, mit Lieferantenkredi-
       tierung und  zum Teil auch Kapitalbeteiligungen beschäftigte Per-
       sonal.
       Die kapitalistische Aufblähung des Kreditsystems mißt sich an ei-
       ner einfachen  Alternative: Ausreichend  wäre eine  einzige Bank,
       etwa die  Deutsche Bundesbank,  die ein  die ganze Bundesrepublik
       umfassendes Filialnetz  unterhielte und  sämtliche Finanzierungs-
       vorgänge auf  sich vereinigte.  Alles freie Geld würde dort depo-
       niert, der Zahlungsverkehr zwischen den Einlegern intern verrech-
       net, aller  Kreditbedarf würde durch direkten Bankkredit gedeckt.
       Nehmen wir  von den  im Kreditgewerbe  beschäftigten 624 000  15)
       und bei  den in den 100 Lebensversicherungen - hauptamtlich - ar-
       beitenden 76 000 Personen 16) jeweils die Hälfte als nur im Kapi-
       talismus notwendig an, dann würden, gemessen an der einfachen Al-
       ternative eines  Kreditwesens,  wo  nicht  Leihkapital  verwertet
       wird, weitere 350 000 Personen aus dem kapitalistischen Lenkungs-
       system "frei".
       
       2.4. Abwehr der Besteuerung
       ---------------------------
       
       Da Staatsverwaltung und Unternehmensverwaltung in der Bundesrepu-
       blik nicht  in einheitlichem  gesellschaftlichen Auftrag handeln,
       kann es  partiell zu Gegensätzen zwischen ihnen kommen. Schmälert
       der Staat gar das oberste Ziel des kapitalistischen Unternehmens,
       den Profit  - und  das ist  bei der  Besteuerung der Fall -, dann
       wird aus Zusammenarbeit ein feindlicher Gegensatz. Da sich grund-
       sätzlich Steuern  (zumindest direkte)  und Gewinne umgekehrt pro-
       portional zueinander verhalten, orientiert sich jedes unternehme-
       rische Handeln  daran, ob  und wieviel  Steuern dabei  in Gewinne
       verwandelt werden können. Diesem Gegensatz zwischen Privatkapital
       und Staat  entspringen die  Aufblähung der  Finanzabteilungen der
       Unternehmen durch Steuerexperten und die Ausweitung selbständiger
       Praxen von  Steuerberatern und Steuerbevollmächtigten. Der Gegen-
       satz treibt  auf der anderen Seite ebenfalls zusätzlichen Aufwand
       hervor und  führt zur  Vergrößerung des staatlichen Einnahmeappa-
       rates.
       Zusätzliche Verwaltungstätigkeiten  resultieren aus  dem Umstand,
       daß das  Steuerwesen der  Bundesrepublik zu  den kompliziertesten
       überhaupt gehört,  was Steuerrecht,  Steuerarten und Erhebungszu-
       ständigkeiten betrifft.  Weil in der Bundesrepublik den Kapitali-
       sten eine weitgehende Abwälzung der Besteuerung auf die Arbeiter-
       klasse gelang,  spielen die  von Personen, nicht von Unternehmen,
       erhobenen Steuern  die Hauptrolle,  so daß sich die Steuerverwal-
       tung auch aus diesem Grund mit so vielen "Kontrahenten" zu befas-
       sen hat  und ihr  ein so umfangreicher Expertenstab zur Steuerab-
       wehr entgegentritt.
       Da nicht  Steuern spezifisch  kapitalistisch sind,  sondern deren
       Kollision mit  dem Hauptziel  der Unternehmen,  ist ein  gewisses
       Normalmaß von  Tätigkeit der  Steuerabrechnung gegenüber  den Fi-
       nanzbehörden -  solange es Staatsapparate gibt - nicht ersetzbar.
       Das gleiche  gilt für  die staatliche  Steuererhebung.  Bei  rund
       250 000 in  Steuerberatungsunternehmen beschäftigten Personen 17)
       und mindestens 100 000, die innerhalb der Unternehmen mit Steuer-
       beratung befaßt  sind, 18)  können wir  die Hälfte  als kapitali-
       stisch erweitert  ansehen. Ebenso  gehen wir  mit 20  Prozent der
       rund 180 000  im staatlichen  Erhebungsapparat Beschäftigten vor.
       Damit kommen wir auf ungefähr 210 000 freisetzbare Personen.
       
       2.5. Rechtsverhältnisse
       -----------------------
       
       Da die  Interessen von  Privateigentümern ihrer Natur nach gegen-
       sätzlich und  ihre den  Wirtschaftsprozeß konstituierenden Bezie-
       hungen untereinander  notwendig konfliktträchtig  sind, ist deren
       formale Regelung  als Rechtsbeziehungen  absolutes Ordnungsgebot.
       Entgegengesetzte ökonomische  Forderungen  nehmen  den  Charakter
       entgegengesetzter  Rechtsansprüche  an,  für  deren  Durchsetzung
       Rechtsberater innerhalb  und außerhalb der Unternehmen eingesetzt
       werden. Gibt  es auf  diesem Wege keine Einigung, werden zur Ent-
       scheidung staatliche Gerichte herangezogen. Es versteht sich, daß
       die ökonomische  Regulierung auf  dem Rechtsweg  in  einer  Wirt-
       schaftsordnung mit  einheitlichem Eigentum eine gegenüber kapita-
       listischen Verhältnissen untergeordnete Rolle einnehmen wird. Da-
       bei geht es nicht um Strafrecht, auch nicht um Arbeitsrecht, son-
       dern um  zivilrechtliche Konflikte,  die von, gegen oder zwischen
       Unternehmen ausgetragen werden (Vertragsverstöße, Schadensersatz-
       forderungen, Zahlungssäumnis usw.).
       Zur Quantifizierung:  Von den bei ordentlichen Gerichten beschäf-
       tigten 100 000 Personen sind 40 000 mit unternehmensbezogenem Ge-
       schäftsanfall befaßt  19). Von  den 47 000  Anwälten 20)  dürften
       über 30 000  in Praxen  arbeiten, wo  mit nichtfachlichen Kräften
       zusammen rund  150000  Personen  beschäftigt  sind.  21)  Den  in
       Rechtsabteilungen (Justitiariaten)  von Unternehmen beschäftigten
       15 000 Anwälten wird hier jeweils nur eine Bürokraft zugeordnet -
       30 000 Gesamtbeschäftigte.  Wenn wir,  wie bei  den Gerichten, 40
       Prozent des  Geschäftsanfalls in  den Anwaltspraxen  der juristi-
       schen Wirtschaftslenkung  zurechnen und  80 Prozent der Tätigkeit
       der Rechtsabteilungen der Unternehmen 22), so kommen wir auf eine
       Gesamtzahl von  rund 125 000 Personen, die mit Wirtschaftslenkung
       auf dem Rechtsweg befaßt sind. Mindestens 90 000 üben Tätigkeiten
       aus, die  ausschließlich kapitalistischen Verhältnissen entsprin-
       gen.
       
       2.6. Reservearmee
       -----------------
       
       Die öffentliche  Regulierung des Arbeitsmarktes erfolgt unter den
       Verhältnissen der  kapitalistischen Bundesrepublik als Verwaltung
       der relativen Übervölkerung. Die z. Zt. 3,7 Mio. 23) nur potenti-
       ell Erwerbstätigen  sind notwendiges Produkt und zugleich Voraus-
       setzung für einen kontinuierlichen Verlauf des Wirtschaftsprozes-
       ses, der eine jederzeit abrufbare "Reservearmee" menschlicher Ar-
       beitskräfte braucht. Qualifikationsanpassung, Vermittlung und Un-
       terhalt der Reservearmee ist kapitalistische Wirtschaftslenkung.
       Vermittlung und  Berufsberatung behalten in einer geplanten Wirt-
       schaft ohne  relative Übervölkerung  mindestens ihre gegenwärtige
       Bedeutung. Nicht  jedoch die  Reservehaltung von menschlicher Ar-
       beitskraft in  Form von  materieller Überlebenssicherung und lau-
       fender Kontrolle  der Arbeitsfähigkeit.  Diesem Zweck aber lassen
       sich über  40 Prozent der Tätigkeit des Hauptträgers der Arbeits-
       Verwaltung in  der Bundesrepublik,  der Bundesanstalt für Arbeit,
       zurechnen. 24)
       Während  der   Bundesanstalt  die   Verwaltung  der  "flüssigen",
       "latenten" und  "stockenden" Kategorien  der relativen Übervölke-
       rung obliegt  25), werden die kommunalen Sozialbehörden durch die
       zunehmende Verarmung  arbeitsfähiger Arbeitsloser  immer mehr  in
       die Rolle  einer Einrichtung zur Unterhaltung der vierten Katego-
       rie der  ökonomischen Reservearmee  - des Pauperismus - gedrängt.
       Mit der Bestandserhaltung von gegenwärtig über 900 000 arbeitsfä-
       higen Sozialhilfeempfängern  26) sowie  der Vorbeugung gegen ihre
       "Arbeitsentwöhnung" (Sprachgebrauch Bundessozialhilfegesetz) sind
       etwa 10 000 Gemeindebedienstete beschäftigt. 27)
       Die spezifisch  kapitalistische Arbeitsverwaltung  wird durch  40
       Prozent der  63 000 Beschäftigten der Bundesanstalt betrieben und
       durch 10 000  Personen der  kommunalen Sozialbehörden.  Die Summe
       beträgt 35 000.
       
       2.7. Unternehmerverbände
       ------------------------
       
       Die Annahme  wäre verfehlt,  daß Branchendienstleistungen wie Öf-
       fentlichkeitsarbeit, Marktanalysen oder Kontrolle der beruflichen
       Ausbildung u.  ä. erfordern,  daß die  Wirtschaftsunternehmen der
       Bundesrepublik ein  das ganze  Land umfassendes  System von  5000
       Wirtschaftsverbänden mit rund 120 000 Beschäftigten 28) unterhal-
       ten. Entscheidend  ist das  alle vereinigende Band der Kapitalei-
       genschaft. Diese schließt erstens das soziale Gegensatzverhältnis
       zur Arbeiterklasse  ein, für welches eine schlagkräftige Kampfor-
       ganisation des  Gesamtkapitals unter der Bezeichnung Arbeitgeber-
       verbände gegründet wurde. Zweitens heißt Kapitaleigenschaft - be-
       sonders unter  staatsmonopolistischen Bedingungen - Notwendigkeit
       der Einflußnahme  auf den  Staat. Die Herrschaft des Monopolkapi-
       tals über  den Staat,  der die Beziehung der übrigen Kapitale zum
       Staat beigeordnet  ist, realisiert sich nicht so sehr durch Akti-
       vitäten einzelner  Unternehmen, etwa ihrer Abteilung "Außenstelle
       Bonn"; die  Umsetzung der  Kapitalinteressen in  politische  Ent-
       scheidungen wird  u. a.  von den  Branchenverbänden unter inoffi-
       zieller Führung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie wahr-
       genommen. Dieser  stellt z.  B. auch  die Mehrzahl  der etwa 1000
       Verbandsvertreter, die  "in 276  beratenden Ausschüssen, Beiräten
       und Arbeitskreisen  der verschiedenen  Bundesministerien" sitzen.
       29)
       Von den  120 000 Beschäftigten  in den  Unternehmerverbänden ein-
       schließlich der Mitarbeiter von verbandsabhängigen Instituten und
       Organisationen muß  mindestens die Hälfte zu spezifisch kapitali-
       stischer Wirtschaftssteuerung  gezählt werden.  Nicht  spezifisch
       kapitalistisch sind  die zahlreichen  Dienstleistungen der  Bran-
       chenverbände für  ihre Mitglieder,  soweit sie mit dem Gebrauchs-
       wert der  Waren zu  tun haben.  Die  Zahl  der  auf  diese  Weise
       "freiwerdenden" Personen beträgt 60 000.
       
       3. Ergebnis
       -----------
       
       Die personelle  Aufrechnung des  spezifisch kapitalistischen Len-
       kungsaufwands in  der Wirtschaft der Bundesrepublik hat den Sinn,
       die Rede  von der  angeblich so verwaltungssparsamen kapitalisti-
       schen Marktregulierung in Frage zu stellen. Auch ohne die Verwal-
       tungsvereinfachung infolge  von gesamtwirtschaftlicher Eigentums-
       zusammenfassung quantifiziert  zu haben,  konnten wir  im zweiten
       Teil unseres  Beitrags bei  durchaus maßvoller  Schätzung knapp 1
       Million Personen  ermitteln, die mit systemspezifischen Koordina-
       tionsaufgaben befaßt  sind. Unter  den Bedingungen  einheitlicher
       gesamtwirtschaftlicher Leitung würden jene Tätigkeiten verschwin-
       den. Die  Frage, wieviel  Lenkungspersonal erforderlich ist, wenn
       zwischen den  wirtschaftlichen Teilbereichen  zentral  abgestimmt
       werden muß,  ist zwar berechtigt. Doch eine Antwort gibt es nicht
       vom Schreibtisch aus.
       
       _____
       1) Angaben des  Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen
       in Deutschland, München.
       2) Bundesaufsichtsamt für  das  Versicherungswesen,  Geschäftsbe-
       richt 1979, Berlin (West) 1980, S. 109.
       3) A.a.O.
       4) A.a.O., S. 188*.
       5) Bruno Redlich,  Versicherungen unter  der Lupe,  Bonn 1981, S.
       104-117.
       6) Statistisches Jahrbuch der DDR von 1982, S. 254.
       7) Bundesaufsichtsamt  ...,  Geschäftsbericht  1978,  a.a.O.,  S.
       105*-107*.
       8) Das sind  33 Prozent  der Einnahmen  gegenüber 36  Prozent  im
       Durchschnitt aller 305 Unternehmen.
       9) Heinrich Bader  (Hrsg.), Die  Staatliche Versicherung  in  der
       DDR, Berlin  1980, S. 54 - nach Angaben der Staatlichen Versiche-
       rung der DDR.
       10) Bruno Redlich, a.a.O., S. 113.
       11) Vgl. Statistisches  Jahrbuch der DDR von 1982, S. 119. Stati-
       stisches Jahrbuch  der Bundesrepublik  Deutschland von  1980,  S.
       458.
       12) Marketing bedeutet  nur die Förderung des Absatzes, nicht das
       Absetzen bzw. Verkaufen selber. Verkäufer, Vertreter, Handelsver-
       mittler oder  Außendienstmitarbeiter (deren  allein das Versiche-
       rungsgewerbe 50 000  haupt- und 250 000 nebenamtlich beschäftigt)
       sind daher nicht beim Lenkungspersonal mitzuzählen.
       13) Auskunft: Zentralausschuß der Werbewirtschaft, Bonn.
       14) Kategorisierung und quantitative Bestimmung staatlicher Wirt-
       schaftslenkung wurden  anhand von Haushaltsplänen für 1985 durch-
       geführt. Neben dem des Bundes wurden der Haushaltsplan von Hessen
       (1984) und  der der  Stadt Frankfurt  am Main herangezogen, wobei
       die beiden  letzteren hochgerechnet  wurden, und zwar wurden ent-
       sprechend ihres  Einwohneranteils an  der  Gesamtbevölkerung  der
       Bundesrepublik die Hessenzahlen mit 10, die Frankfurter Werte mit
       100 multipliziert.
       15) Auskunft der  Statistischen Bundesamtes  über die EG-Arbeits-
       kräfte-Stichprobe von  1984. Hier  sind auch die bei Börsen, Kre-
       ditvermittlern, Finanzmaklern,  Beteiligungs-  und  Anlagegesell-
       schaften Arbeitenden mitgezählt. Unternehmensinterne Finanzexper-
       ten samt  Bürokräften berücksichtigen wir mangels empirischer Da-
       ten nicht.
       16) Angaben des  Arbeitgeberverbandes der  Versicherungsunterneh-
       men, München.
       17) 44 500  selbständige   Steuerberatungspraxen  mit   insgesamt
       200 000 Beschäftigten  plus  2500  Steuerberatungs-Gesellschaften
       mit etwa  50 000 Beschäftigten (Berechnung nach Angaben des Deut-
       schen Steuerberaterverbandes, Bonn).
       18) 50 000 Steuerberater  (geschätzt)  plus  ebenso  viele  Büro-
       kräfte.
       19) Der Ziffer 40 Prozent liegt die personelle Aufgabenverteilung
       am Landgericht Frankfurt im Jahr 1985 zugrunde.
       20) Auskunft für 1985: Deutscher Anwaltsverein, Bonn.
       21) Bereits 1970,  als die  Gesamtzahl der  Anwälte 18000 betrug,
       waren in 11687 Rechtsberatungsunternehmen insgesamt 69 003 Perso-
       nen beschäftigt  (Statistisches Bundesamt,  Unternehmen  und  Ar-
       beitsstätten. Arbeitsstättenzählung  vom 27. Mai 1970, Heft 7, S.
       68). Es  dürfte nicht übertrieben sein, bei einer Verzweieinhalb-
       fachung der Anwaltszahl eine Verdoppelung der Gesamtbeschäftigten
       zu unterstellen.
       22) Wir setzen  nicht 100  Prozent an, weil wir arbeitsrechtliche
       Streitsachen ausklammern.
       23) Mitteilungen aus  der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Heft
       4/1984, S. 438.
       24) Leistungsabteilung samt Verwaltungsanteil. Errechnet aufgrund
       des jüngsten Geschäftsberichts der Bundesanstalt für Arbeit.
       25) Die Marxschen  Kategorien aus  dem "Kapital"  (MEW Bd. 23, S.
       670-673) hat auf die relative Übervölkerung der BRD zuerst Walter
       Baumann angewendet. Ders., Die im Schatten leben, Köln 1981.
       26) Errechnet aus:  Wirtschaft und  Statistik 4/1985,  S. 326-329
       (Sozialhilfeempfänger 1983).
       27) Teilansatz von 7 % aller kommunalen Sozialbediensteten. Hoch-
       rechnung aufgrund Frankfurter Verhältnisse.
       28) IMSF (Hrsg.), Staatsmonopolistischer Kapitalismus der Bundes-
       republik Deutschland in Daten und Fakten, Frankfurt am Main 1981,
       S. 301.
       29) Metall 24/76, S. 11. In dieser Gewerkschaftszeitung wird eine
       Untersuchung des WSI wiedergegeben.
       

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