Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


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       "KRITISCHE KRITIK" UND ISOLATIONSHAFT
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       Zum Verständnis des Marxschen Diskurses über die "neue
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       Straftheorie" in der "Heiligen Familie". Ein Lektürevorschlag
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       Hartwig Zander
       
       1. Kriminalpolitik  und eingreifender  Diskurs -  2. Elemente der
       Marxschen Eristik - 3. Kriminalpolitik als Sachverhalt im - VIII.
       Kapitel" der  "Heiligen Familie"  - 4. "Straftheorie" als eristi-
       sche Paradoxie
       
       1. Kriminalpolitik und eingreifender Diskurs
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       Marx und  Engels haben, zum Leidwesen so mancher "kritischer Kri-
       minologen",  keine   begrifflich  geschlossenen   Schriften  über
       "Verbrechen und  Strafe" hinterlassen.  Gleichwohl haben sie sich
       vor allem  in jungen  Jahren immer  wieder zu diesen Fragen geäu-
       ßert, zwischen  1842 und  1845 sogar  recht häufig. Mit einzelnen
       Veröffentlichungen griff  vor allem Marx in rechts- und kriminal-
       politische Debatten ein, die in der damaligen Öffentlichkeit eine
       bedeutsame Rolle gespielt haben. Sieht man einmal von den revolu-
       tionären Ereignissen  der Jahre  1848/49 ab, die insbesondere den
       Chefredakteur der  "Neuen Rheinischen  Zeitung" zwangen, sich of-
       fensiv mit  straf- und prozeßrechtlichen Belangen zu befassen, so
       sind es  die Artikelserie über die Debatten des Rheinischen Land-
       tages zur  Holzdiebstahlsgesetzgebung aus  der "Rheinischen  Zei-
       tung" und  das "VIII.  Kapitel" der  "Heiligen Familie",  die den
       kriminologisch  interessierten   Marx-Forscher  anziehen  müssen.
       Beide Texte  sind, ihrem argumentativen Gehalt nach, für die Ent-
       wicklung der  Marxschen Theoriebildung  viel zu  wichtig, als daß
       man sich  zu ihnen  als bloß zeitgenössischen Dokumenten nebenhin
       äußern könnte  - eine  Haltung, die  dem Gelegenheitsaufsatz, den
       Marx 1846  über den  "Selbstmord" schrieb,  sicherlich angemessen
       wäre. 1)
       Unbestreitbar ist,  daß bislang  weder die  Artikelserie aus  der
       "Rheinischen Zeitung"  noch das VIII. Kapitel der "Heiligen Fami-
       lie" kritisch gelesen wurden; daß unsere Textkenntnis gerade die-
       ser beiden Marxschen Schriften immer noch recht dürftig ist. Dies
       mag darauf  zurückzuführen sein,  daß diese Texte ihrer literari-
       schen Form  nach sehr spröde sind. Sie sperren sich einer schnel-
       len Lektüre, ganz im Gegensatz zu anderen, darstellerisch und be-
       grifflich durchgearbeiteten  Texten von Marx und Engels aus jener
       Zeit. Es ist weniger die Denkweise, also die Argumentation im en-
       geren Sinne,  als die Redeweise, also die Rhetorik, die nicht nur
       dem modernen  Leser Schwierigkeiten bereitet. Der nonchalante Um-
       gang von  Marx mit den rhetorischen Techniken dialektischer Rede-
       weise und  sophistischer Disputation,  die für  die  literarische
       Form von  Pamphleten unverzichtbar  sind, scheint so manchen gut-
       willigen Leser erst einmal abzustoßen.
       Schon die  Zeitgenossen von  Marx wußten  offensichtlich nicht so
       recht, ob  sie mehr ihre Bewunderung über den "scharfsinnigen In-
       tellekt" und  die dialektischen  Fähigkeiten ausdrücken  sollten,
       mit denen  Marx sich in die "hohlen Phrasen" der Abgeordneten des
       Rheinischen Landtags  geradezu "hineingefressen  hatte", um diese
       von innen  her zu  vernichten; oder  ob sie  Klage darüber äußern
       sollten, daß  man nicht,  wie es  ja in Marxens Absicht zu liegen
       schien, "alles"  mit den  Mitteln der "abstrakten Vernunft rekon-
       struieren" könne.
       Ähnlich schwankend  und unsicher  waren auch die Reaktionen demo-
       kratischer und  sozialistischer Kampfgefährten  auf die  "Heilige
       Familie": mal  Bewunderung, mal  Widerwillen äußernd,  aber  ohne
       rechtes Verständnis  für die  Texte selbst. Marx, der bekanntlich
       jeden Gefährten  brüskieren konnte, wenn es um die Wahrheit ging,
       äußerte sich hierüber denn auch sehr ungehalten und nannte selbst
       die gutwillige  Rezension Lünings, eines politischen Sympathisan-
       ten, "mittelmäßig", "konfus" und "lächerlich". 2)
       Natürlich war  den  Zeitgenossen  der  Pamphlet-Charakter  beider
       Texte nicht verborgen geblieben. Sie hatten schon gesehen, daß es
       Marx in  den Artikeln der "Rheinischen Zeitung" zunächst nicht um
       die Holzdiebstahlsgesetzgebung  oder die  Gesetzwidrigkeiten  der
       subalternen Klassen  ging, sondern die Art und Weise, wie die Ab-
       geordneten über die Gesetzesvorlage debattierten und entschieden;
       sie hätten  leicht sehen  können, daß  es Marx im "VIII. Kapitel"
       dann auch  zunächst nicht  um die  aktuelle Gefängnisreform ging,
       sondern darum, wie sich die "kritische Kritik" diesen Sachverhalt
       aneignete und  ihn als  "Idee" rekonstruierte.  Die Texte  zielen
       nicht unvermittelt  auf die  strafrechts- oder  kriminalpolitisch
       relevanten Sachverhalte der Jahre 1841 und 1844, sondern sie zie-
       len auf den Diskurs über diesen Sachverhalt. Zweifelsohne greifen
       die Marxschen  Texte in die damalige Strafrechts- und kriminalpo-
       litische Debatte  ein; der  Marxsche  Diskurs  ist  ein    e i n-
       g r e i f e n d e r  D i s k u r s.  Nur: Er greift nicht direkt,
       sondern gebrochen  ein. Nicht  Bagatelldelikte und  exzeptionelle
       Strafgesetzgebung, nicht  Gefängnisreform und Isolationshaft sind
       der Gegenstand  des  eingreifenden  Diskurses,  sondern  ein  be-
       stimmter, je  herrschende Bewußtseinsformen  darstellender gegne-
       rischer Diskurs.
       In den Artikeln der "Rheinischen Zeitung" führte Marx die Ausein-
       andersetzung mit  den Abgeordneten  des Rheinischen  Landtags vor
       dem öffentlichen  Forum der "Rheinischen Zeitung". Kaum eine rhe-
       torische Figur  politisch-deliberativer und  judizialer Rede gibt
       es, die Marx nicht benutzt, um vor diesem "Tribunal" seiner Zeit,
       der "Rheinischen"  als Institution der demokratischen Öffentlich-
       keit, den  judizial stichhaltigen Nachweis zu führen, daß den Ab-
       geordneten des  Rheinischen Landtags die Befähigung zum Gesetzge-
       ber abgesprochen  werden muß.  Die Abgeordneten  der Nationalver-
       sammlung von  1848 werden dieses Urteil, das die "Rheinische Zei-
       tung" bereits im Herbst 1842 aussprach, dann an sich selbst voll-
       ziehen.
       Die "Heilige  Familie" dagegen ist eine Streitschrift ad hominem.
       Sie will  den Gegner  entlarven, ihn demaskieren, demystifizieren
       und ein  für allemal mit ihm abrechnen: Die interessierte Öffent-
       lichkeit soll  definitiv wahrnehmen,  daß die  "kritische Kritik"
       der "Allgemeinen  Literaturzeitung" nichts  anderes ist  als eine
       mystifizierte Theologie,  der Rückfall  der  bereits  durch  Marx
       emanzipierten Kritik  in deren dogmatische Vorgeschichte. Um über
       den Gegner  ein endgültiges Urteil zu fällen, sein "Todesurteil",
       gibt es  nur einen  Weg, nämlich ihn mit seinen eigenen Waffen zu
       schlagen, ihn  von innen  her zu  treffen. Die "kritische Kritik"
       mußte als  Karikatur ihrer selbst offengelegt werden; die Öffent-
       lichkeit sollte  mitansehen, wie  das Weltdrama  der spekulativen
       Vernunft sich  als billige  Komödie darstellt.  Die Technik,  die
       Marx und Engels einsetzen, ist die Kunst der sophistischen Wider-
       legung, jene  Technik, die  die  Argumentation  des  Gegners  als
       Scheinargumentation von  innen her  aufbricht. Ich  nenne  dieses
       Verfahren, im  Unterscheid  zur  Rhetorik  der  Artikelserie  der
       "Rheinischen Zeitung",  die Marxsche   E r i s t i k    ("Streit-
       rede").
       Diese Eristik,  die Marx und Engels in der "Heiligen Familie" zum
       ersten Mal  und gemeinsam  als  argumentative  Technik  anwenden,
       durchzieht dann  als literarisch-methodische  Form alle  späteren
       Streitschriften, vom  "Anti-Proudhon" bis hin zum "Anti-Dühring".
       Sie beherrscht als literarische Form auch jenes VIII. Kapitel der
       "Heiligen Familie", in dem Marx sich auf das ideologische Terrain
       des Gegners  begibt, um  dort, also  auf fremdem Terrain, mit den
       s a c h l i c h e n   kriminalpolitischen Fragen der Gefängnisre-
       form und  der Isolationshaft  konfrontiert zu  werden.  Marx  hat
       diese Fragestellungen nicht von sich aus gesucht.
       Ein Umstand  erleichtert nun doch etwas das Textverständnis. Denn
       ein Grundzug  ist der  Marxschen Eristik  in allen ihren weiteren
       Variationen gemeinsam - und findet sich im übrigen in der Engels-
       schen Streitschrift gegen Dühring wieder ", das ist die dominante
       rhetorische Figur  der Antithese,  an der man sich relativ leicht
       bei der  Lektüre orientieren kann. Bekanntlich hatte Marx während
       seines Studiums  die Rhetorik des Aristoteles besonders gründlich
       studiert. 3) In dieser Rhetorik spielt nun neben der "refutatio",
       der negativ  formulierten Bekämpfung  der gegnerischen Beweisfüh-
       rung, die  "probatio", die  positiv formulierte  Aufstellung  des
       kontra-positionell zusammengetragenen  Beweismaterials, eine her-
       ausragende Rolle.  Als Antithese  zum  spekulativen  Diskurs  der
       "Kritischen Kritik" stellt Marx eine Reihe sachlicher Kenntnisse,
       die dem  rational-materialistischen Diskurs geläufig sind, zusam-
       men. Die entsprechenden Sätze werden meist eingeleitet durch Par-
       tikel wie  "tatsächlich", "in  Wirklichkeit",  "in  der  Realität
       aber" usw.  Sie kennzeichnen  auf gar  keinen Fall Marxens eigene
       Position. Er geht mit ihnen auch äußerst behutsam um. So heißt es
       einmal: "Diese und ähnliche Sätze findet man fast wörtlich selbst
       in den  ältesten französischen  Materialisten. Es  ist hier nicht
       der Ort,  sie zu  beurteilen". 4)  Sie haben indessen den Vorzug,
       den Leser  von dem Diskurs weg und auf den Sachverhalt, um den es
       geht, hinzulenken.  Wir finden diese Sätze fast durchweg dort, wo
       Marx antithetisch  den  "Standpunkt  der  Massen"  gegenüber  dem
       "Standpunkt der kritischen Kritik" geltend macht.
       Wir benötigen  zum Textverständnis  zwei Arten von Informationen.
       Wir müssen  uns zunächst  mit einigen  elementaren Techniken  der
       Marxschen Eristik  vertraut machen.  Anschließend gehe  ich  drei
       zeitgenössischen kriminalpolitischen  Ereignissen nach,  die Marx
       sachlich in den Beweisgang des "VIII. Kapitels" aufnimmt.
       Doch zuvor erläutere ich in wenigen Worten meine Interpretations-
       hypothese. In  seinem großen  Werk über  die frühen Schriften von
       Marx und  Engels hatte  Auguste Cornu  Anfang der  60er Jahre zum
       "VIII. Kapitel" noch schreiben können: "Von seiner etwas umständ-
       lichen Kritik,  die umso  weitschweifiger erscheint, als Szeligas
       Abhandlung kein Interesse erregt, ziehen wir nur das in Betracht,
       was Marx Gelegenheit bot, seine eigenen Ansichten darzulegen". 5)
       Cornu liest nicht Marx, sondern gibt im folgenden einige Marxsche
       Äußerungen paraphrasierend wieder. Er sieht nicht, was Marx prak-
       tisch tut;  er sieht nicht, was sich hinter der "Umständlichkeit"
       und "Weitschweifigkeit" an eristischer Technik verbirgt. Und weil
       er die Technik nicht erkennt, entgeht ihm auch, was Marx sachlich
       sagt. So  schließt er fehl, wenn er dem "VIII. Kapitel" einen un-
       bedeutenden Platz in der "Heiligen Familie" zuweist.
       Ich halte  dagegen gerade  dieses Kapitel  für das  Kernstück der
       Marxschen Argumentation.  Ich werde  zeigen,  wie  für  Marx  die
       "Kritische Kritik",  die aus sich selbst heraus die Kasuistik der
       modernen Isolationshaft  erzeugt, hier  ihren Paroxysmus erreicht
       und sich  in der  Karikatur ihrer  selbst vollendet. Dazu nur ein
       vorläufiger  Beleg.   In  dem   von  Moses   Heß  herausgegebenen
       "Gesellschaftsspiegel" erschien  im Januar  1846 eine  unter  dem
       Signum "Brüssel, 20. November" anonym verfaßte Replik auf die Re-
       plik, die  Bruno Bauer  gegen die  "Heilige Familie"  geschrieben
       hatte. Die  Replik, die  sein Schwager  verfaßt hatte, wurde wohl
       von Marx  selbst redigiert.  In ihr hält Marx Bruno Bauer vor, er
       habe die "Heilige Familie" überhaupt nicht zur Kenntnis genommen,
       sondern lediglich  aus einer  zwar breiten, aber "lächerlich miß-
       verstehenden" Rezension abgeschrieben. Neben anderen Textstellen,
       wie denen zur "Französischen Revolution" und zum "Socialismus und
       Communismus", habe Bauer "den ganzen Abschnitt über die kritische
       Kritik als Rudolf Fürst von Gerolstein", 6) das heißt, das "VIII.
       Kapitel", nicht zur Kenntnis genommen und - folglich die "Heilige
       Familie" auch nicht verstanden.
       
       2. Elemente der Marxschen Eristik
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       In den  Vertretern der "Kritischen Kritik" hat es Marx zum ersten
       Mal mit  Gegnern zu  tun, die  eine Sache nicht beweisen, sondern
       diese lediglich  zu beweisen  scheinen. Sie  überzeugen vor allem
       durch die  Art und Weise, wie sie Worte verwenden. Sie unterstel-
       len, daß, was für die Worte gelte, auch für die Sache gelte.
       Sie gewinnen  ihre Kenntnis nicht aus begründeten Voraussetzungen
       und einem  gesicherten Wissen,  sondern eher aus dem, was sie für
       wahrscheinlich halten, ohne dies aber genauer überprüft zu haben.
       Dabei spielen insbesondere solche Satzsentenzen, Denkgewohnheiten
       und Redeweisen eine Rolle, wie sie durch überliefertes Wissen na-
       hegelegt werden,  und das ist in dem konkreten Fall vor allem das
       Wissen der  Theologie und  die Kasuistik  der Moral.  Der Umstand
       gilt insbesondere  dann, wenn  die  wahrscheinlichen  Sätze,  aus
       denen die  Argumente gewonnen  werden, solche Sätze sind, wie sie
       nur denen als wahr erscheinen, die in die Geheimnisse der Doktrin
       eingeweiht sind und die, nach Marx, an den "Mysterien" teilhaben.
       So ist  es zunächst  naheliegend, daß  die Marxsche  Eristik, dem
       klassischen Vorbild  gemäß, die  gleiche  Technik  anwendet.  Das
       Hauptinteresse der  Eristik liegt in der Widerlegung (refutatio),
       also dem  Nachweis, daß  die bloß aus wahrscheinlichen Sätzen ge-
       wonnenen Behauptungen  über einen  Sachverhalt unmöglich  haltbar
       sind. Sie  zielt darauf ab, Paradoxien aufzudecken, nachzuweisen,
       daß aus  bloß wahrscheinlichen Vordersätzen unwahrscheinliche und
       unglaubwürdige Behauptungen getroffen werden; daß der Gegner, wie
       sich Aristoteles ausdrückt, eine "barbarische Redeweise" benutzt;
       oder sie  verdreht die  Worte und  Redewendungen des  Gegners  so
       lange, bis  Sätze nur  noch als  leeres Geschwätz erscheinen, so,
       als ob er ständig dasselbe sagen würde - oder tatsächlich sagt.
       Die Tatsache, daß Marx seine Widerlegung der spekulativen Methode
       der "Kritischen  Kritik" gerade  in der  Parodie der Szeligaschen
       Sue-Rezeption auf  einen Höhepunkt zutreibt, hängt mit einer wei-
       teren Technik  eristisch-sophistischer Widerlegung zusammen, näm-
       lich die "Erörterung auf einen Punkt zu ·leiten, wo man mit Argu-
       menten wohl  versorgt ist".  7) Sehr  allgemein vom Gesichtspunkt
       der Rhetorik aus betrachtet, ist der Marxsche Diskurs ein partei-
       licher Eingriff  in eine  konkrete Diskurssituation,  mit der Ab-
       sicht vorgetragen,  die Macht,  die tatsächlich oder vermeintlich
       von dem  gegnerischen Diskurs  ausgeht, zu  vernichten und zu den
       eigenen Gunsten  zu verändern (oder auch zugunsten eines Dritten,
       wie in den Artikeln der "Rheinischen Zeitung", in denen Marx Ele-
       mente des Ethos und des Pathos einsetzt, um den Leser der Zeitung
       für das  Gewohnheitsrecht der  subalternen,  sich  gesetzeswidrig
       verhaltenden besitzlosen  Bevölkerungsgruppen  zu  gewinnen).  Im
       Verständnis des Aristoteles und auch in dem von Marx richten sich
       weder die  Rhetorik noch die Eristik auf den Sachverhalt bzw. Ge-
       genstand, sondern  ausschließlich auf den Diskurs. Eine wesentli-
       che Technik  der Marxschen  Eristik bilden  die  Paradoxien.  Mit
       Hilfe der  Paradoxien werden die Sätze des Gegners, vor allem die
       von diesem verwandten Wortbedeutungen, so lange verdreht, bis sie
       schließlich in ihr Gegenteil verkehrt werden.
       Überzeichnungen der  vom Gegner  vertretenen Meinung  bis hin zur
       Verfremdung in  der Karikatur  kennzeichnen durchgängig  den Stil
       der "Heiligen Familie"; freilich auch bis hin zur Unverständlich-
       keit beim  Leser -  wie der Marxsche Ärger über die Rezension Lü-
       nings zeigt. Marx hatte - als "Komödiant", wie er sich selbst be-
       zeichnete - die Komödie der "Kritischen Kritik" mit Hilfe von Pa-
       radoxien so weit getrieben, daß der eigentliche Gehalt der ganzen
       Streitschrift nicht  mehr so  recht sichtbar  wurde. Am Ende ris-
       kierte er, daß sich die Zeitgenossen nur noch darüber amüsierten,
       wie sich Marx mit seinen Gegnern amüsierte.
       Noch einmal: Dies alles sind rhetorische Techniken ad hominem ge-
       richtet, die  vom ideologisch fremden Terrain des Gegners aus an-
       gewandt werden. Es wäre grob irreführend, solche Aussagen mit ei-
       ner argumentativ  begründeten Problemstellung  des Autors zu ver-
       wechseln, also  zu verwechseln mit der Dialektik als methodischer
       Praxis der  wissenschaftlichen Kritik,  die eine  Sache aus  sich
       selbst heraus entwickelt und darstellt. 8)
       
       3. Kriminalpolitik als Sachverhalt im "VIII. Kapitel"
       -----------------------------------------------------
       der "Heiligen Familie"
       ----------------------
       
       Im "VIII.  Kapitel" finden sich drei Äußerungen von Marx, die un-
       mittelbar Rückschlüsse auf konkrete kriminalpolitische Ereignisse
       der Zeit zulassen. Die  e r s t e  Äußerung lautet: "In den dies-
       jährigen Verhandlungen der Deputiertenkammer über das Zellularsy-
       stem...". 9) - Die Verhandlungen fanden vom 22. April bis 18. Mai
       1844 statt.  Ihnen waren bereits 1840 und 1843 Verhandlungen über
       den Gesetzesentwurf  der Regierung zur Reform des Gefängniswesens
       vorausgegangen. Obgleich  beide Kammern  des französischen Parla-
       ments schließlich einer modifizierten Gesetzesvorlage zustimmten,
       trat die  Vorlage in  dieser Form niemals in Kraft. Die Auseinan-
       dersetzungen sollten  sich noch bis weit hinein in die dritte Re-
       publik fortsetzen.  Offensichtlich war ihr Vorstoß, vor allem der
       Alexis de  Tocquevilles, die radikale Version des Zellulargefäng-
       nisses in Frankreich einzuführen, verfrüht.
       Tocqueville hatte den Untersuchungsausschuß des Parlaments gelei-
       tet, der  die wichtige  Debatte in der Deputiertenkammer vom Juli
       1843 vorbereitete.  Am 5.  Juli 1843 wurde der Kommissionsbericht
       verlesen. Wir  besitzen über den Verlauf der Julisitzung 1843 un-
       ter anderem  das literarische  Zeugnis eines  aufmerksamen, eben-
       falls in  Frankreich emigrierten  Beobachters,  nämlich  Heinrich
       Heines Artikel  über "Gefängnisreform  und Strafgesetzgebung" vom
       Juli 1843.  Auch Heine  bleibt nicht  unbeeindruckt vom Auftreten
       Tocquevilles als Ausschußvorsitzenden vor der Kammer: "... Er ist
       ein Mann  von Kopf,  der wenig  Herz hat und bis zum Gefrierpunkt
       die Argumente seiner Logik verfolgt; auch haben seine Reden einen
       gewissen frostigen Glanz, wie geschnittenes Eis". 10)
       Tatsächlich war  die Unerbittlichkeit,  mit der  Tocqueville über
       Jahrzehnte  die   Einführung  des  Zellulargefängnisses  verfolgt
       hatte, weniger  auf politische denn auf positivistisch-scientifi-
       sche Motive  zurückzuführen. Das Gefängnis war für ihn die Archi-
       tektur, wie  er in  einem Brief  aus dem  Jahre 1836 zu verstehen
       gibt, mit  deren Hilfe  er Strafe  in ihrer  letzten methodischen
       Konsequenz durchführen  wollte, das  Verbot jeder  Verständigung,
       sei es  der der  Seele, ihres  Verstandes und der des Leibes zwi-
       schen den  Gefangenen. "Dies  ist es,  was ich als erstes Prinzip
       der Wissenschaft betrachte". 11)
       Angesichts des  Umstandes, daß  die französische parlamentarische
       Opposition der  Logik Tocquevilles  wenig entgegenzusetzen hatte,
       fragte Heine  sein deutsches  Publikum, nun  wieder spöttelnd und
       mit gewohnter Ironie, ob nicht auf diesem Felde der Idee, bei der
       "allgemeinen Frage  über die Bedeutung der Strafe überhaupt", die
       "deutsche Opposition",  insbesondere die Vertreter der Präventiv-
       lehre, die  nicht einmal  mehr von Strafe redeten, "weil hier die
       Verhütung der Verbrechen das leitende Prinzip ist", "ihre gelehr-
       testen Lorbeeren  erfochten" hätten. Zu den Anhängern der Präven-
       tionslehre zählten  zunächst "alle  sozialistischen Schulen", für
       die in  letzter (also utopischer) Konsequenz selbst "die Idee ei-
       nes Strafrechts  als eine  Blasphemie erscheinen  würde". Daneben
       aber gäbe  es "minder  schwärmerische und  sogar praktische Natu-
       ren", deren "ganz besonderen staatsökonomischen Vorschläge... da-
       hin zielen,  den Verbrecher vor seinen eigenen bösen Anfechtungen
       zu schützen, in derselben Weise, wie die Gesellschaft vor der Un-
       tat selbst  hinreichend bewahrt wird. Hier stehen wir auf dem po-
       sitiven Boden der Präventionslehre. Der Staat wird hier gleichsam
       eine große  Polizeianstalt, im  edelsten und würdigsten Sinne, wo
       den bösen  Gelüsten jeder  Antrieb entzogen wird..., wo das demo-
       kratische Beispiel unterdrückt wird". Kommen nun trotz aller Vor-
       kehrungsmaßregeln dennoch Verbrechen zum Vorschein, "so suche man
       den Verbrecher  unschädlich zu  machen", und Strafe verhänge "die
       Regierung, als  Mandatarin der  Gesellschaft..., als  Notwehr...,
       von dem Grad des Bedürfnisses der sozialen Selbstverteidigung be-
       stimmt".
       "Im Prinzip  sind also unsere Ansichten", fährt Heine fort, "ganz
       übereinstimmend mit denen der französischen Regierung. Aber... in
       diesem Lande  der Sociabilität wäre die Absperrung in Zellen, die
       pennsylvanische  Methode,  eine  unerhörte  Grausamkeit...  Diese
       Burgverliese des  neuen Bürgerrittertums wird das Volk ebenso un-
       willig niederreißen, wie es einst die adelige Bastille zerstörte.
       So furchtbar  und düster  dieselbe von außen gewesen sein mochte,
       so war  sie doch  gewiß nur ein heiterer Kiosk, ein sonniges Gar-
       tenhaus, im  Vergleich mit jenen kleinen, schweigenden amerikani-
       schen Höllen,  die mehr ein blödsinniger Pietist ersinnen und nur
       ein herzloser  Krämer, der  für sein  Eigentum zittert,  billigen
       konnte. Der gute fromme Bürger soll hinfüro ruhiger schlafen kön-
       nen -  das will  die Regierung mit löblichem Eifer bewirken. Aber
       warum sollen  sie nicht  etwas weniger  schlafen? - Bessere Leute
       müssen jetzt wachend die Nächte verbringen...". 12)
       Das Geselligkeitsargument, an das Heine offenbar große Hoffnungen
       knüpfte, wird  er wahrscheinlich  der  parlamentarischen  Debatte
       selbst entnommen haben. Es war eine der Stützen der philanthropi-
       schen Opposition  gegen die  Einführung  des  Zellularsystems  in
       Frankreich. Obgleich selbst von Charles Lucas, dem Generalinspek-
       tor des  Gefängniswesens und erbitterten Gegner Tocquevilles vor-
       getragen, blieb  es ein mehrdeutiges Argument. Zweifelsohne wurde
       die Geselligkeit,  der relativ großzügige Verkehr der Strafgefan-
       genen untereinander und mit der Außenwelt als Ursache dafür ange-
       sehen, daß  die Gefängnisse als "Schule des Verbrechens" betrach-
       tet wurden.  Gewiß  kannte  die  philantropische  Auffassung  des
       Strafwesens den  physischen Zwang als Korrektur allzu freimütiger
       Geselligkeit. Nur  die Verfechter  der  Präventionslehre  lehnten
       diese, in  Heines Worten "patriarchalisch gemütliche ... chinesi-
       sche Bambuslehre" als anti-aufklärerisch und Rückfall in die Bar-
       barei ab.  Nicht die Physis, sondern die Psyche und die Moral des
       Menschen sollten  Objekt des  modernen, wissenschaftlichen Straf-
       vollzugs werden. 13)
       Die   z w e i t e   Äußerung  aus  dem  "VIII.  Kapitel"  lautet:
       "Hätten Herr  Tocqueville und Herr Beaumont den Roman Eugene Sues
       gründlich studiert,  sie hätten unfehlbar die absolute, vollstän-
       dige Anwendung  des Zellularsystems  durchgesetzt". 14)  1842 er-
       scheint im "Journal des Debats", in 147 Folgen, ein "Roman Feuil-
       leton", betitelt:  "Les Mysteres  de Paris". Dieser Zeitungsroman
       wird auf  Anhieb ein  immenser Erfolg  und macht seinen Verfasser
       sofort berühmt.  Es ist  denkbar, daß  Beaumont  und  Tocqueville
       nicht erkannten,  daß sich hinter den geheimnisvollen Ereignissen
       eines vielgelesenen Trivialromans ein leidenschaftlicher Verfech-
       ter des  Zellularsystems verbarg, und den Einfluß verkannten, den
       Eugène Sue möglicherweise auf sein bürgerliches Publikum ausgeübt
       hat. 15)
       Der vom Parlament eingesetzte Ausschuß hatte eine Gesetzesvorlage
       vorbereitet, die  in der Tat einen Kompromiß darstellte. Zwei Mo-
       delle, zwischen denen der Gesetzgeber zu entscheiden hatte, lagen
       vor, "Auburn"  oder "Philadelphia". Beide Modelle sahen die Indi-
       vidualzelle als Regeleinrichtung vor. Allerdings wurden die Häft-
       linge in  Auburn nur nachts isoliert; Arbeit und Essen wurden ge-
       meinsam  eingenommen,  freilich  unter  Beachtung  eines  rigiden
       Sprechverbots. Die Isolierung in Philadelphia galt dagegen unein-
       geschränkt, Tag  und Nacht.  Das Auburner  Modell war nun für den
       Ausschuß indiskutabel,  da prinzipiell jeder Kontakt zwischen den
       Gefangenen unterbunden  werden sollte.  Man suchte  den Kritikern
       des Zellulargefängnisses  auf anderen Wegen entgegenzukommen. Die
       philantropische Kritik  habe das  Prinzip der  Isolationshaft mit
       Bildern  vom   "Vorhof  der   Hölle",  "antipiziertem  Sarg"  und
       "seelischem Wahnsinn"  assoziiert. In  einem am 9. September 1843
       im "Siècle"  anonym erschienen  Artikel über  die Gesetzesvorlage
       erläuterte Beaumont  selbst die  Motive des  "Kompromisses".  Wie
       soll man  die individuelle  Haft  realisieren  und  zugleich  die
       "Laster" des pennsylvanischen Systems vermeiden? Sie sei das Pro-
       blem gewesen,  für das der Ausschuß eine glückliche Lösung gefun-
       den habe.  Er habe  nämlich zwischen  "Isolierung" und "Trennung"
       unterschieden; die Gefangenen werden durch die Zellen voneinander
       isoliert,  und   sie  werden  von  der  Außenwelt  getrennt.  Die
       "Trennung" bedeute  nichts anderes als eine sorgfältig filtrierte
       "Öffnung" der  Zellen "auf alle heilbringenden Einflüsse...", wie
       den "Anstaltsarzt,  den  -erzieher  und  -geistlichen,  wie  aber
       auch... Familienangehörige  und Mitglieder  karitativer Vereine".
       16)
       Es ist  bekannt,  daß  Marx  während  seines  Pariser  Exils  den
       "Siècle" las.  Möglicherweise hatte er von dieser anonym erschie-
       nen Artikelserie Kenntnis. Er konnte allerdings nicht wissen, daß
       ausgerechnet Beaumont,  der Mitstreiter  und unzertrennliche  Ge-
       fährte Tocquevilles, ihr Verfasser war. Marx kannte zumindest ei-
       nige der Schriften, die Gustave de Beaumont und Alexis de Tocque-
       ville als  Ertrag ihres  Aufenthaltes in  den Vereinigten Staaten
       veröffentlicht hatten.  Er hatte ihre Beschreibung über die Reli-
       giosität in  den "Nordamerikanischen Staaten" als empirischen Be-
       leg für seine These der Unzulänglichkeit der Bauerschen Kritik am
       theologischen Begriff des Staates herangezogen. "An diesem Punkt,
       wo die  Frage aufhört,   t h e o l o g i s c h   zu sein", wo sie
       sich hinwendet  zur Kritik  des politischen Begriffs des Staates,
       "hört Bauers Kritik auf, kritisch zu sein". 17)
       Beide von  Marx benutzten Schriften, die von Beaumont und die von
       Tocqueville, enthielten im Titel den erläuternden Hinweis, daß es
       sich um  einen der beiden Autoren des Werkes "Du Systeme peniten-
       tiaire aux  Etats-Unis" handele. Vom Frühjahr 1831 an halten sich
       die beiden "Unzertrennlichen", wie sie Heine halb spöttelnd, halb
       bewundernd nennt,  fast ein  Jahr zum  Studium des nordamerikani-
       schen Gefängniswesens in den USA auf. Die beiden Richter des Ver-
       sailler Tribunals  führten vor  Ort bemerkenswert  exakte und de-
       taillierte Studien  durch. Neben sorgfältigen Beobachtungen sich-
       teten sie,  durchaus kritisch,  die vorhandenen statistischen Da-
       ten, zeichneten  die Architektur  der Gefängnisse bis in die Ein-
       zelheiten nach,  nahmen teilnehmend  am Gefängnisalltag  teil und
       nutzten jede Gelegenheit, die ihnen als Fremden gewährt wurde, um
       die Strafgefangenen  zu interviewen. Besonders eingehend widmeten
       sie sich  den Strafgefangenen,  die in  den Einzelzellen  des Ge-
       fängnisses von Philadelphia einsaßen.
       Über Motiv  und Absicht  dieser im  Auftrag des Innenministeriums
       durchgeführten Reise  ließen die  beiden Verfasser  der rasch be-
       rühmt gewordenen  Schrift über  das "Gefängniswesen  in den  USA"
       keinen Zweifel:  in die in Frankreich und der romanischen Schweiz
       beginnenden Debatten über die Reform des Strafvollzugs einzugrei-
       fen und diese Reform auf ihren radikalen Kern zu lenken, die Ein-
       schließung und die Isolierung des einzelnen Gefangenen von seiner
       sozialen Umgebung.  Beaumont und  Tocqueville hielten alle Formen
       körperlicher Züchtigung, schließlich auch die Todesstrafe für ar-
       chaisch und  mit dem modernen rationalistischen Denken für unver-
       einbar. Das  aufgeklärte Strafwesen müsse "die Seele des Menschen
       erreichen, seinen Geist treffen". 18)
       Schließlich die   d r i t t e   Äußerung: "Die vier holländischen
       Agrikulturkolonien, die  Verbrecherkolonie Ostwald  im Elsaß sind
       wahrhaft menschliche  Versuche, gegenüber der Blendung des maître
       d'école". 19)  - Durch  die Lektüre  des Werkes von Eugene Buret,
       "De la  misere  des  classes  laborieuses  en  Angleterre  et  en
       France", von  dem er vor der Niederschrift der "Heiligen Familie"
       ausführliche Exzerpte  anfertigte, hatte  Marx von dem Experiment
       der "colonies  agricoles" in  den Niederlanden  Kenntnis. 20) Die
       1818 in  Den Haag  aufgrund privater Initiative gegründeten Agri-
       kulturkolonien können  als zeitgenössische Alternativbewegung zur
       allgemeinen Strafreformdebatte angesehen werden. Sie stellen eine
       Art philanthropischer  Genossenschaftsbewegung dar. In ihr verei-
       nigten sich  zunächst mittellose Bürger, die gegen einen geringen
       Beitrag die Mitgliedschaft und mit ihr das Recht auf Urbarmachung
       brachliegenden Bodens  erwarben. Das Land wurde von der Genossen-
       schaft mit Hilfe großzügiger Stiftungen erworben und anschließend
       den Familien  gegen einen  zinslosen Kredit  überlassen. Zugleich
       stellte die  Genossenschaft den  Familien die erforderlichen Pro-
       duktionsmittel zur Verfügung.
       Neben diesen  "freien" Siedlern  gab es  Erziehungs- bzw.- Besse-
       rungskolonien für Waisen und "Straf-Agrikulturkolonien" für Häft-
       linge. Im Prinzip funktionierten sie ähnlich wie die freien Kolo-
       nien, nur  daß hier  der Staat  finanzielle Mittel aufbrachte und
       die Justiz  die Disziplinierungsmaßnahmen  garantierte. Wenn  man
       den damals in Westeuropa sehr verbreiteten Schriften einigermaßen
       vertrauen kann,  so soll  es Ende  der zwanziger Jahre in Belgien
       und Holland so um die 9000 Siedler, einschließlich der Waisen und
       Häftlinge, gegeben haben.
       Natürlich   kannten    auch   Beaumont    und   Tocqueville   die
       "Agrikulturkolonien". Nur  stellten sie  in ihren Augen keine Al-
       ternative zum  Zellengefängnis dar,  sondern eine Alternative zur
       herrschenden Strafentlassenenfürsorge.  In der  Tat bildeten  für
       sie die "in Holland florierenden Agrikulturkolonien" eine weitaus
       sinnvollere Institution  zur gesellschaftlichen  Wiedereingliede-
       rung entlassener Strafgefangener als die in Frankreich jener Zeit
       praktizierte reine Polizeiaufsicht. Auf diese Weise könne die Ge-
       sellschaft ihrer Verpflichtung nachkommen, den entlassenen Straf-
       gefangenen Arbeit zu verschaffen. 21)
       "Ostwald", das  1842 durch  die Stadt  Straßburg gegründet wurde,
       war zu  der Zeit,  als Marx  die Kolonie  erwähnte,  keine  "Ver-
       brecherkolonie", sondern  noch  eine  landwirtschaftliche  Erzie-
       hungsanstalt für  Waisen. Sie  zählte, ihrer  Konzeption nach, zu
       der durch  die Niederlande,  aber auch  durch das 1832 gegründete
       und von  Wichern geleitete  "Graue Haus" bei Hamburg stark beein-
       flußten philanthropischen  Bewegung der  "colonies penitentiaires
       agricoles". Die  Bewegung gründete  zwischen 1838  und 1850,  dem
       Jahr, in dem die Nationalversammlung unter Louis Napoleon der Be-
       wegung per  Gesetz einen  öffentlichen Status  verlieh, um die 50
       Einrichtungen. Ihre  berühmteste, in sich hoch differenzierte und
       arbeitsteilig komplexe  Einrichtung war  die Anfang 1840 geschaf-
       fene Musterkolonie  "Mettray", in  der jugendliche und heranwach-
       sende Strafgefangene  untergebracht wurden. Die Insassen waren in
       Kleingruppen aufgeteilt,  in denen  sich die Totalität dieser In-
       stitution widerspiegelte.  Diese Gruppen  waren zugleich,  in den
       Worten Foucaults,  "Familie", "Schule",  "Werkstätte", "Heer" und
       "Rechtsprechungsinstanz". 22)
       Ich fasse  kurz zusammen: Tocqueville sieht in der Zellenhaft die
       Vollendung des  aufgeklärten Strafwesens;  er weist den "colonies
       penitentiaires agricoles" ihren arbeitsteilig bestimmten Ort zu -
       außerhalb seines  geschlossenen Systems, in der Strafentlassenen-
       fürsorge. - Marx, für den die Zellenhaft im Grunde nichts anderes
       ist als  die Isolationshaft,  pervertierte Schöpfung spekulativer
       Einbildungskraft, erblickt  in den "colonies penitentiaires agri-
       coles" paradigmatisch  die menschliche, die materialistische Per-
       spektive, die  der spekulativen  Perversion  antithetisch  entge-
       genzuhalten sei.
       
       4. "Straftheorie" als eristische Paradoxie
       ------------------------------------------
       
       Der Ausgangpunkt:  Marx bekämpft in der "Kritischen Kritik" nicht
       die sich  ihrem eigenen Begriff gemäß reproduzierende spekulative
       Dialektik. So  nimmt er  die Kritik  der Hegelschen  Straftheorie
       ausdrücklich aus  seiner Eristik  heraus;  obgleich  diese  einer
       oberflächlichen Betrachtung gleichfalls als "Verkehrung der Wirk-
       lichkeit der  Philosophie"  erscheinen  mag:  "Eine    S t r a f-
       theorie,   welche zugleich  im Verbrecher  den    M e n s c h e n
       anerkennt, kann  dies nur  in der  A b s t r a k t i o n,  in der
       Einbildung tun...". 23) Nein, die Marxsche Eristik streitet gegen
       die in  der "Kritischen  Kritik" "als   K a r i k a t u r   sich,
       reproduzierende     S p e k u l a t i o n",    eine  "inhaltslose
       Karikatur,... die sich damit begnügt, irgendeine Bestimmtheit aus
       einem geistigen  Produkt oder  aus den  realen Verhältnissen  und
       Bewegungen herauszunehmen...,  (sie) in  eine   K a t e g o r i e
       zu verwandeln  und diese  Kategorie für  den  S t a n d p u n k t
       des Produkts... auszugeben". Die "Kritische Kritik" verkehrt sich
       hiermit in  eine "Kasuistik", der jede reale Bestimmtheit sich in
       den Standpunkt  des "Guten" oder des "Bösen" verwandelt. Erst auf
       der Stufe  der kasuistischen  Verkehrung der Wirklichkeit, in der
       Rezeption der  "Mysteres de  Paris" durch die "Kritische Kritik",
       erweist sich  die "Kritische  Kritik" in den Augen von Marx "umso
       lehrreicher", als  sie  sich  nun  "zur  anschaulichsten  Komödie
       vollendet". 24)
       Es liegt  im Gang  und in  der Absicht der Marxschen Eristik, das
       Augenmerk des  Lesers auf  jenen Punkt  zu  lenken,  an  dem  die
       "Kritische Kritik",  gleichsam aus  sich selbst  heraus, sich von
       der Profanität  der realen  Massen löst und sich, wie ein zeitge-
       nössischer Rezensent  aufmerksam beobachtete,  in  "ihrer  einsa-
       men...  selbstgenügsamen,   absoluten  Existenz  herausgearbeitet
       hat...", um  sich fortan  "als Kunstgestalt,  als Rudolph" darzu-
       stellen. 25)  Marx läßt  die "Kritische  Kritik" sich  selbst zur
       Fiktion, zu einem "imaginären Unterschied" von der Realität voll-
       enden, der  alle "realen  Gegensätze anheimgefallen sind..."; und
       die nun  die Realität  als fiktive, imaginäre Welt "wiedererzeugt
       ... Es  versteht sich, daß die Wunder der kritischen spekulativen
       Weltschöpfung, sollen  sie nicht  entweiht werden,  der  profanen
       Masse nur  unter der Form der  M y s t e r i e n  mitgeteilt wer-
       den können...  als Geheimniskrämerei".  26) Dank  ihrer Sophismen
       verwandelt die  "Kritische Kritik" durch Herrn Szeliga "wirkliche
       Trivialitäten in  Geheimnisse". Welche  Trivialitäten des  realen
       Lebens aber  scheinen für die "profane Masse" geheimnisvoller als
       Verbrechen und  Strafe? Was  liegt also  näher, als die trivialen
       Tatsachen des  sozialen Verkehrs  in "Geheimnisse der Triebfedern
       zum Bösen"  27) zu  verdrehen, wie Eugène Sue auf die "furchtsame
       Neugier" des profanen Lesers kasuistisch spekulierend?
       D i e   C h a r a k t e r m a s k e n   d e r    "m o d e r n e n
       S t r a f t h e o r i e":   Drei Gestalten  aus der Welt des Sue-
       schen  Trivialromans   nimmt  Marx   auf.  Da  ist  zunächst  der
       "Chorineur" - ein kleiner Zuhälter und Gelegenheitsdelinquent der
       Pariser Unterwelt;  ein "naturwüchsiger"  Verbrecher, den Sue auf
       den "Bildungsgang"  tiefer Läuterung  schickt, an  dessen Ende er
       sich in ein "heuchlerisches", sich verstellendes "infames morali-
       sches Wesen" wandelt. 28) Da ist ferner der Maître d'école" - der
       Antiheld des  Romans, der  "Standpunkt" des Bösen in Szeligas Re-
       zension; in  der Marxschen  Paradoxie jedoch  die Darstellung des
       realen Menschen,  der seiner individuellen Natur nach "von herku-
       lischer Körperkraft und großer geistiger Energie" 29) ist und als
       Verbrecher antithetisch  über  die  "positive  Macht"  (verfügt),
       "seine wahre  Individualität geltend  zu machen". 30) Schließlich
       ist da  Rudolph - der geheimnisvolle Protagonist des Romans, über
       dessen triviale  Wirklichkeit Sue  seine Leser  lange im  dunkeln
       läßt. Rudolph,  der "Standpunkt" des Guten, vernichtet in der Fi-
       gur des  "maître d'école" den "Standpunkt" des Bösen, tatsächlich
       aber zerstört er die gesellschaftliche Natur dieses Menschen. Ru-
       dolph läßt  den Anti-Helden  blenden; er isoliert ihn allegorisch
       von dem  sozialen Raum, der "für seine Lebensäußerung wesentlich"
       ist. Sehr  zum Wohlgefallen  der Leser,  die bei  Marx genau  die
       gleichen "gens  honnetes" sind, an die sich auch die Gesetzesvor-
       lage Tocquevilles  richtet, die  Repräsentanten der  "Gesetze und
       Gewohnheiten der bürgerlichen Gesellschaft, deren allgemeines Maß
       die Mittelmäßigkeit,  die zarte Moral und der stille Handel ist".
       31)
       D i e   "K r i t i s c h e    K r i t i k"    a l s    S t r a f-
       t h e o r i e:    In  der  reinen  Kasuistik,  die  den  profanen
       Menschen von  dem sakralen löst, die den realen Menschen zu einem
       moralischen Wesen verkürzt, vollendet sich die "Kritische Kritik"
       als Karikatur  und stellt  sich als  "moderne Straftheorie"  dar.
       Über den Rückgriff auf die fiktive Version dieser Straftheorie im
       Sueschen Trivialroman treibt die Marx-sche Eristik die Motive der
       Vertreter des Zellularsystems auf ihren nicht-fiktiven Paroxysmus
       zu: Der  Leib des  Verurteilten,  dessen  "Kraft  ...  nicht  der
       Menschheit"  angehört,  Inbegriff  des  Profanen,  wird  gelähmt,
       geblendet, gebrochen.  Bis zu  diesem Punkte, wo wesentliche Ele-
       mente der  Vergeltung, des ius talionis hineinspielen, teilen die
       "massenhafte" und  die "kritische"  Jurisprudenz den  Standpunkt.
       Beide verfolgen  noch das  gleiche Ziel: im Häftling, im Menschen
       die sinnliche  Welt zu  einer bloßen  Idee zu  verkehren. Nur das
       "Exempel", das Rudolph "für die  j u r i s t i s c h e  Welt sta-
       tuieren" 32)  wird, kündigt  die Gemeinsamkeit  auf und geht über
       sie hinaus:  "Der Mensch, dem die  s i n n l i c h e  W e l t  zu
       einer   b l o ß e n  I d e e  w i r d,  ihm verwandeln sich dage-
       gen bloße  Ideen in  s i n n l i c h e  W e s e n.  Die Gespinste
       seines Gehirns nehmen körperliche Formen an". 33)
       Die Romanfigur Rudolph, die den moralischen Standpunkt der Isola-
       tionshaft verkörpert,  wandelt sich  nun endgültig zur Charakter-
       maske einer  "Kritischen Kritik",  die "ihre  eigene Dummheit als
       Dummheit  der   Masse...   darstellt".   34)   Der   kasuistische
       "Selbstgenuß der  eigenen Vortrefflichkeit"  35) schlägt  in  ein
       reines Gewaltverhältnis  um: Der  "imaginäre Unterschied" des Be-
       wußtseins von der Welt zwingt das seiner realen Möglichkeiten be-
       raubte Individuum in den  W a h n s i n n.
       Diese letzte Konsequenz seiner Eristik, daß die als Komödie ihrer
       selbst die Wirklichkeit in starren Masken des "Standpunktes" auf-
       lösende spekulative  Dialektik Gewalt  gegen die die Wirklichkeit
       darstellenden "Massen"  anwendet, braucht  Marx nicht mehr auszu-
       sprechen. Die Paradoxien des "VIII. Kapitels" der "Heiligen Fami-
       lie"  überlassen   es  dem  Leser,  das  "Todesurteil"  über  die
       "Kritische Kritik" selbst zu fällen.
       
       _____
       1) Karl Marx,  Peuchet: vom  Selbstmord, MEGA 1 Abt. I, Bd. 3, S.
       391-407. Die  Marxsche Artikelserie aus der "Rheinischen Zeitung"
       ist ausführlich  dargestellt in: Pierre Lascoümes/Hartwig Zander,
       Marx: Du  vol de  bois à  la critique du droit. Marx à la Gazette
       Rhenane: Naissance  d' une  methode, Paris 1984. Zu Fragen krimi-
       nalpolitischer Begriffsbildung  s. Hartwig Zander, 'Ultima Ratio'
       ou 'Double Pouvoir'. Le discours marxiste sur la politique crimi-
       nelle et ses debuts dans l'oeuvre philosophique de Karl Marx, in:
       Gerhard Seel (ed.), Marx et les sciences humaines, Lausanne 1985.
       - Den  Leser, der  mit der "Heiligen Familie" nicht vertraut ist,
       verweise ich  auf die  Anmerkungen der  MEW-Ausgabe, Bd.  2.  Der
       Dietz-Verlag hat eine überarbeitete Neuausgabe angekündigt.
       2) MEGA 1,  Abt. I, Bd. 1: Karl Marx, Werke und Schriften bis An-
       fang 1844.  Zweiter Hbd.,  Frankfurt am Main 1929, S. 153. Ferner
       die Dokumentation  in: Wolfgang  Mönke, Die  heilige Familie. Zur
       ersten Gemeinschaftsarbeit  von Karl  Marx und  Friedrich Engels,
       Berlin 1972.
       3) "Dann übersetzte  ich Aristoteles  Rhetorik  theilweise  ...",
       Brief  vom  10./11.  Nov.  1837,  in:  MEGA2.  Dritte  Abteilung,
       (Briefwechsel) Band 1, Berlin 1975, S. 16. Zur Bedeutung bestimm-
       ter Stilmittel  des Marxschen  "eingreifenden Diskurses" vgl. die
       Darstellung  des   Marxschen  "Sarkasmus"   in:  Pierre   Lascoû-
       mes/Hartwig Zander, a.a.O., S. 26-31.
       4) MEW, 2, S. 138.
       5) Auguste Cornu, Karl Marx und Friedrich Engels. Leben und Werk,
       Bd. 2, 1844-1845, Berlin 1962, S. 336.
       6) Der Artikel wurde unter dem Titel [Sankt Bruno contra die Ver-
       fasser der "Heiligen Familie"] abgedruckt in: MEGA 1, Abt. I, Bd.
       5, S.  541-544; unter  demselben Titel bei Mönke, a.a.O., S. 264-
       267, Zitat  S. 266. Mönke weist darauf hin, daß Marxens Mitautor-
       schaft nicht  eindeutig bewiesen  ist (ebd.,  S. 264). Allerdings
       hatte schon  Adoratskij, der Hrsg. von MEGA I, Bd. 5, darauf ver-
       wiesen, daß in dem gleichnamigen Abschnitt der "Deutschen Ideolo-
       gie" Teile  dieses  Artikels  fast  wörtlich  aufgenommen  wurden
       ("...einer konfusen  und von  Mißverständnissen wimmelnden Rezen-
       sion", MEW,  3, S.  96 f.).  Beide Texte wurden zur gleichen Zeit
       geschrieben, und  der Schwager, Edgar v. Westphalen, lebte damals
       in Brüssel mit der Familie Marx zusammen.
       7) Aristoteles, Sophistische Widerlegungen, 172b, 25-26. Ed. W.D.
       Ross, Oxford 1984, 214 f.
       8) Vgl.  Marxens  Nachwort  zur  zweiten  Auflage  des  "Kapital"
       (1873), Engels  Rezension "Karl Marx, 'Zur Kritik der Politischen
       Ökonomie'" (1859), in: Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Öko-
       nomie, Berlin  1963, S.  209/10, sowie insbesondere Friedrich En-
       gels, 'Anti-Dühring', MEW 20, S. 89 und 578.
       9) MEW, 2, S. 198.
       10) Heinrich Heine,  Werke und  Briefe in  zehn Bänden, hrsg. von
       Hans Kaufmann.  Band 6, hrsg. von Gotthard Erler, Berlin 1962, S.
       547 f.
       11) Alexis de Tocqueville, Berits sur le Système Pénitentiaire en
       France et  à l'Etranger. Oeuvres Completes Tome IV, Vol. 2, hrsg.
       von Michelle Perrot, Paris 1984, S. 89.
       12) Heinrich Heine,  a.a.O., S. 551-554. Das Urteil über die Her-
       kunft des Zellulargefängnisses aus dem nordamerikanischen Pietis-
       mus ist  ein hartnäckiges Vorurteil, das bis in unsere Zeit fort-
       dauert. Tatsächlich sollte die Isolierung der Insassen des ersten
       Staatsgefängnisses der USA (Philadelphia 1790) verhindern, daß es
       zu Aufständen  unter den  Häftlingen komme,  die bei der Bevölke-
       rung, die  andere Vorstellungen  von Freiheit  hatte als  die zur
       Macht gelangte  Oligarchie, Unterstützung  gefunden hätten.  Vgl.
       Paul Takagi, The Walnut Street Jail: a penal reform to centralize
       the powers  of the  State, in:  David F. Greenberg (ed.), Crime &
       Capitalism, Palo Alto 1981, S. 279-291.
       13) Es gibt  zahlreiche Hinweise  darauf, daß  Marx mittelbar von
       den Parlamentsdebatten  Kenntnis hatte. Die Äußerung "... die An-
       sicht der  honetten Leute,  welche die Ausbreitung der Verbrechen
       aus der  Einrichtung der  Gefängnisse erklären. Um den Verbrecher
       der schlechten Gesellschaft zu entziehen, überlassen sie ihn sei-
       ner eigenen  Gesellschaft" (MEW,  2, S. 197) findet ihre Entspre-
       chung bei Tocqueville, a.a.O., S. 135 und S. 141.
       14) MEW, 2, S. 198.
       15) Vgl. "Introduction"  zu: Eugène  Sue, Les  Mysteres de Paris,
       tome 1, Paris 1977.
       16) Die Artikelserie wurde in den "Werken" Alexis de Tocqueville,
       a.a.O., Vol. 1, aufgenommen. Das Zitat findet sich auf S. 477.
       17) Karl Marx, Zur Judenfrage, in: MEGA2. Erste Abteilung, Bd. 2:
       Karl Marx,  Werke. Artikel.  Entwürfe. März  1843 -  August 1844.
       Berlin 1982, S. 146 (MEW l, S. 351).
       18) Tocqueville in  der Parlamentssitzung vom 26. April 1844. In:
       Alexis de Tocqueville, Oeuvres Complètes, a.a.O., Vol. 2, S. 231.
       19) MEW, 2, S. 190.
       20) Marx hatte diese Feststellung, seinen Gewohnheiten gemäß, aus
       den eigenen Exzerptheften des ersten Bandes von "Eugene Buret, De
       la misère  des classes  laborieuses en  Angleterre et en France",
       übernommen. Diese  Exzerpte sind  Teil der  "Pariser  Hefte".  Es
       heißt dort:  "Holland hat  den Versuch der colonies agricoles ge-
       macht. 4  Armencolonien...". In: MEGA ². Vierte Abteilung. Bd. 2:
       Karl Marx/Friedrich  Engels, Exzerpte und Notizen 1843 bis Januar
       1845, Berlin  1981, S. 569. Da Marx bekanntlich seit dem 6.9.1844
       kontinuierlich an  dem Manuskript  der "Heiligen  Familie" arbei-
       tete, erhärtet  sich die  Vermutung der  Herausgeber dieses MEGA-
       Bandes, "daß das genannte Exzerptheft bereits im Sommer 1844 vor-
       handen war  (MEGA ²,  a.a.O., S.  722). Die bisherige vorsichtige
       Datierung "Zwischen  Sommer 1844 und Januar 1845" (ibid., S. 801)
       könnte m.E. in Zukunft aufgegeben werden.
       21) Alexis de Tocqueville, a.a.O., Vol. 2, S. 244.
       22) Vgl. hierzu:  Henri Gaillac, Les maisons de correction, 1830-
       1945, Paris  1971, S.  86-98, Ferner J.-G. Petit, L'amendement ou
       l' entreprise  de réforme  morale des  prisons en  France au XIXè
       siecle, in: Deviance et Societe, Vol. VI/4, 1982, S. 331-351. Mi-
       chel Foucault, Surveiller et punir. Naissance de la prison, Paris
       1975, S.  300-307. Wichern wurde nach der 48er Revolution, die er
       erbittert bekämpfte,  zum  sozial-klerikalen  Propagandisten  der
       Einzelhaft in  Preußen -  freilich ohne  auch nur entfernt an die
       Argumentation Beaumonts oder Tocquevilles heranzureichen.
       23) MEW, 2, S. 190.
       24) MEW, 2, S. 7.
       25) Wolfgang Mönke, a.a.O., S. 198/99.
       26) MEW, 2, S. 56.
       27) A.a.O., S. 58.
       28) A.a.O., S. 173.
       29) A.a.O., S. 187.
       30) A.a.O., S. 138.
       31) A.a.O., S. 187.
       32) Ibid.
       33) A.a.O., S. 215.
       34) A.a.O., S. 195.
       35) A.a.O., S. 218.
       

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