Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


       zurück

       
       ZUSAMMENFASSUNGEN
       =================
       
       Heinz Jung
       
       Umbruchperiode? Die BRD bis zum Jahr 2000
       -----------------------------------------
       
       Der Beitrag  erörtert, ausgehend  von der Veränderung der Produk-
       tivkräfte mit  dem Wirksamwerden des wissenschaftlich-technischen
       Fortschritts und  den Krisenprozessen  des Kapitalismus,  die er-
       kennbaren Veränderungen  in der  BRD. Ein  Hauptakzent besteht in
       der Wechselwirkung  innerer und  äußerer Entwicklungsprozesse und
       Widersprüche. Er  gelangt zu  dem Schluß, daß die BRD in eine Um-
       bruchperiode steuert,  in der Situationen entstehen werden, deren
       Widersprüche nicht  im  normalen  Gang  der  Reproduktion  gelöst
       werden können.  Diese Situationen  sind insofern  offen, als  die
       zukünftige  Entwicklungsrichtung   an   ausgekämpfte   Kräftever-
       hältnisse gebunden sein wird. Für die nähere Zukunft wird mit dem
       Übergang  zu   einer  etatistisch-reformistischen   Entwicklungs-
       variante gerechnet,  die sich  unter dem Druck der Krisenprozesse
       und breiter  Massenbewegungen bei  einer Regierungsbildung  durch
       die SPD durchsetzen könnte.
       
       
       Hans Heinz Holz
       
       Menschheit, Natur und gesellschaftlicher Fortschritt.
       -----------------------------------------------------
       Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft
       -------------------------------------
       
       Der Autor entwickelt, daß die gegenwärtige wissenschaftlich-tech-
       nische Revolution  als Sprung  in der  Entwicklung der Produktiv-
       kräfte eine  neue historische  Situation schafft.  In ihr  liegen
       Möglichkeiten der Selbstvernichtung der Menschheit wie erweiterte
       Selbstverwirklichung in  einer vernünftigen Ordnung der Produkti-
       onsverhältnisse. In  diesem Formationswechsel ist die Entwicklung
       des zivilisatorischen  Systems der  Bedürfnisse aufzuheben, nicht
       zurückzunehmen. Die Hauptkonflikte der gegenwärtigen Übergangspe-
       riode sind nur unter dem Gesichtspunkt der weltumspannenden Klas-
       senauseinandersetzung zu erfassen und letztlich zu lösen.
       
       
       Hans Jörg Sandkühler
       
       Die Notwendigkeit des Möglichen. Über Zukunftsdenken und Utopie.
       ----------------------------------------------------------------
       
       Das Nachdenken  über Zukunft  gehorcht Interessen, und der Wider-
       spruch der  pluralisierten Zukunftsperspektiven  scheint ein ein-
       heitliches, humanistisch  verantwortliches Subjekt der Verwirkli-
       chung des  Möglichen auszuschließen.  Das Plädoyer  für "Zukunft"
       als historische Kategorie geht von den Problemen des Zukunftsden-
       kens in  der Krise  und den  Schwierigkeiten der  Individuen aus,
       ihre Lebenszeit  in der  Dimension der  allgemeinen Weltzeit, der
       geschichtlichen Zukunft,  zu  verstehen.  Geprüft  werden  unter-
       schiedliche Bedeutungen  von "Utopie"  und die  Berechtigung  der
       Utopie-Kritik: Der  bürgerlichen Abwehr  des Utopischen  wird die
       Konzeption der  sozialistischen Arbeiterbewegung entgegengesetzt.
       Abschließend wird  auf die Rolle der Intellektuellen im Zukunfts-
       denken verwiesen.
       
       
       Jürgen Reusch
       
       Keine Zukunft ohne Frieden
       --------------------------
       
       Jedes Nachdenken  über die Zukunft muß Frieden und Abrüstung ein-
       schließen. Die  Fortsetzung der  vom Imperialismus verantworteten
       Rüstungstrends und  Kriegsvorbereitungen wird  die  ökonomischen,
       sozialen und  ökologischen Probleme  der Menschheit bis ins Uner-
       trägliche verschärfen  und die  Weltlage weiter  destabilisieren.
       Das erfordert,  den Kampf  um die  Verhinderung eines  Atomkriegs
       durch eine breite Koalition des Friedens und der Vernunft mit ei-
       nem Zukunftskonzept alternativer Friedens- und Sicherheitspolitik
       zu verbinden und weiterzuarbeiten an der wissenschaftlich begrün-
       deten Vision  von Gesellschaftsverhältnissen,  die nicht den Keim
       neuen Krieges in sich tragen.
       
       
       Leonid Abalkin
       
       Die neuen Anforderungen des entwickelten Sozialismus
       ----------------------------------------------------
       an die politische Ökonomie des Sozialismus in der UdSSR
       -------------------------------------------------------
       
       Der Verfasser  untersucht, welche  Konsequenzen der  Übergang der
       UdSSR zu  einem Typ  intensiven sozialistischen Wirtschaftswachs-
       tums für den realen Entwicklungsprozeß des entwickelten Sozialis-
       mus und  für das  ökonomische Denken hat. Er plädiert für die ra-
       sche Überwindung  konservativer Stereotypen, die der Durchsetzung
       des wissenschaftlich-technischen  Fortschritts in  der Produktion
       und der den neuen Produktivkräften entsprechenden Produktionsver-
       hältnisse im  Wege stehen.  Er geht davon aus, daß sich die UdSSR
       heute in  einer Umbruchsituation  befindet und  der  Übergang  zu
       neuen Entwicklungsformen  unabdingbar geworden ist. Von Bedeutung
       ist dabei  die Herausarbeitung von Kriterien, die das angestrebte
       Reifestadium des entwickelten Sozialismus kennzeichnen werden.
       
       
       Otto Reinhold
       
       Die Gestaltung des entwickelten Sozialismus -
       ---------------------------------------------
       strategisches Ziel der Gesellschaftspolitik der SED
       ---------------------------------------------------
       
       Der Verfasser  erläutert die Konzeption der entwickelten soziali-
       stischen Gesellschaft  im Kontext  der Aussagen  von Marx, Engels
       und Lenin  und der  historischen Erfahrungen  bei der Entwicklung
       der sozialistischen  Gesellschaft. Er  setzt sich  mit  Ansichten
       auseinander, die  die eigenständigen und langfristig orientierten
       Entwicklungsaufgaben des  Sozialismus ignorieren oder ihnen unge-
       nügend Rechnung  tragen. Ein  Übergang zum  Kommunismus erscheint
       nur nach  und mit  der vollen Entfaltung der Entwicklungspotenzen
       des Sozialismus  möglich. Bei  der Darstellung  der Merkmale  des
       entwickelten Sozialismus  geht der Verfasser insbesondere auf die
       spezifischen sozialökonomischen Grundlagen, die Einheit von Wirt-
       schafts- und  Sozialpolitik im  Prozeß der Produktivkraftentwick-
       lung und die Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft ein.
       
       
       Erzsébet Gidai
       
       Wege und Möglichkeiten der gesellschaftlichen
       ---------------------------------------------
       und wirtschaftlichen Entwicklung Ungarns
       ----------------------------------------
       
       Der Beitrag  geht von  den  Anpassungsproblemen  der  ungarischen
       Wirtschaft in  den 70er  Jahren aus,  die mit der Veränderung der
       außenwirtschaftlichen Bedingungen  eingetreten waren. Die Wieder-
       herstellung des  wirtschaftlichen Gleichgewichts machte eine ein-
       schneidende  Änderung  des  Wirtschaftskurses  erforderlich.  Ein
       Schlüsselproblem ist  die Weiterentwicklung des Systems der Wirt-
       schaftsführung und  -regulierung, und dabei besonders die größere
       Selbständigkeit der  Unternehmen und  die Demokratisierung  ihrer
       Leitungsstrukturen. Die  Marktbeziehungen erhalten  einen höheren
       Stellenwert. Der  Beitrag erörtert ferner die Entwicklung des Ar-
       beitskräftepotentials und  seiner Struktur  sowie die Einkommens-
       verhältnisse. Mit der zunehmenden Differenzierung der Arbeitsein-
       kommen erhöht sich die Bedeutung sozialpolitischer Maßnahmen.
       
       
       Peter Fleissner
       
       Zum Umbruch des Produktivkraftsystems
       -------------------------------------
       
       Im vorliegenden  Papier wird  eine Präzisierung des entwicklungs-
       leitenden vergegenständlichten  Elements der  Produktivkräfte der
       Gegenwart, der  informationsverarbeitenden Maschinerie, versucht.
       Die bereits in den Labors befindlichen technischen Realisierungen
       ihrer Bestandteile  werden referiert.  Einige weniger diskutierte
       Rückwirkungen auf die lebendige Arbeit und die Gestaltung der Ar-
       beitsprozesse   sowie    auf    das    makroökonomische    System
       (formeller/informeller Sektor) werden anschließend dargestellt.
       
       
       Hermann Bömer
       
       Global denken - Vor Ort handeln? Zu einigen Auswirkungen
       --------------------------------------------------------
       der globalen Probleme auf die BRD
       ---------------------------------
       
       Zwar wird die Zuspitzung der globalen Probleme in der Bundesrepu-
       blik rezipiert,  aber oftmals  im grün-alternativen  Spektrum mit
       der Losung  "Global denken  - Vor Ort handeln" letztlich verharm-
       lost. Die  Analyse der  Zuspitzung der  globalen Probleme und der
       strategischen Antworten von Konservativen, Sozialdemokraten, Grü-
       nen und Marxisten zeigt, daß diese Orientierung zu kurz greift.
       
       
       Edgar Gärtner
       
       Die ökologische Krise. Waldsterben, Bodenzerstörung,
       ----------------------------------------------------
       Wasserbelastung - Stand und Perspektiven
       ----------------------------------------
       
       Ausgehend  von  einer  vorläufigen  Definition  der  ökologischen
       Krise, werden  die Ursachen, das Ausmaß und die Dringlichkeit der
       drei wichtigsten  Umweltprobleme der  BRD (Waldsterben, Bodenver-
       giftung und Trinkwasserverknappung) untersucht. Die drei eng mit-
       einander verflochtenen  Krisenprozesse können  sich noch  vor dem
       Jahre 2000  zu einer  Katastrophe ausweiten, wenn in den nächsten
       Jahren keine grundlegende Wende in der wirtschaftlichen und tech-
       nischen Entwicklung  vollzogen wird. Noch sind die unumgänglichen
       Reparaturen am  Naturhaushalt und  an der menschlichen Gesundheit
       bezahlbar. Offen ist aber die Frage, wer sie bezahlt.
       
       
       Jörg Goldberg
       
       Die Perspektiven der Akkumulation von fixem Kapital.
       ----------------------------------------------------
       Ökonomische Tendenzen bis zum Jahr 2000
       ---------------------------------------
       
       Vielfach wird  von der  bevorstehenden breiten  Nutzung der neuen
       Technologien, von  der Modernisierung  des  Produktionsapparates,
       eine Revitalisierung  der Akkumulations- und Wachstumsdynamik des
       Kapitalismus erwartet.  Die Mikroelektronik  und andere Techniken
       sind jedoch vorwiegend Rationalisierungstechnologien, deren kapi-
       talistische Anwendung im Rahmen der bestehenden industriellen Ba-
       sisstrukturen möglich ist. Ihr relativ "kapitalsparender" Charak-
       ter erlaubt die Einführung ohne umfangreiche Neuanlagen von fixem
       Kapital. Die Akkumulation von fixem Kapital als materielle Grund-
       lage der  Widersprüche auf allen Ebenen der Gesellschaft wird da-
       her durch  die Rationalisierung  keine wesentliche Beschleunigung
       erfahren. Bis zum Jahr 2000 ist mit einem Anhalten der durch Kri-
       sen, strukturelle Überakkumulation von Kapital und wachsende Dis-
       proportionen auf  allen Ebenen  gekennzeichneten ökonomischen Si-
       tuation zu rechnen.
       
       
       Jörg Huffschmid
       
       Ökonomische Strukturen im Wandel.
       ---------------------------------
       Basistrends und Entwicklungsvarianten
       -------------------------------------
       
       Die Analyse  der ökonomischen  Krisenprozesse verweist  auf  eine
       Veränderung von Dichte und Festigkeit des Zusammenhangs von Kapi-
       talverwertung und  gesellschaftlicher Reproduktion.  Als histori-
       sche Grundtendenz  ergibt sich  eine chronische  und  ansteigende
       Überakkumulation. Die  Anpassungsreaktionen des  kapitalistischen
       Systems (Monopolisierung, staatsmonopolistische Regulierung) füh-
       ren unter  den Bedingungen  der gegenwärtigen antietatistisch-ag-
       gressiven Entwicklungsvariante zur Verstärkung der Entkoppelungs-
       effekte. Die  Zerrüttung der Reproduktionsgrundlagen und des Bin-
       nenmarktes sind  die zwangsläufigen Folgen. Als aktuelle Alterna-
       tive steht  die  Durchsetzung  einer  etatistisch-reformistischen
       Entwicklungsvariante des SMK, deren innere Grenzen und Widersprü-
       che nur  in dem  Maße überwunden werden können, wie die Übergänge
       zu einem antimonopolistischen Weg durchgesetzt werden.
       
       
       Klaus Dieckhoff
       
       BRD 2000 - Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftswachstum,
       --------------------------------------------------------
       Arbeitslosigkeit. Aus vorliegenden Szenarien und Prognosen
       ----------------------------------------------------------
       
       Die BRD-Wohnbevölkerung  wird im  Jahre 2000  kleiner  als  heute
       sein. Anhaltend  niedrige Geburtenziffern werden zu einer deutli-
       chen Abnahme der bundesdeutschen Bevölkerung führen. Durch die zu
       erwartende Verminderung  des Sterberisikos wird sich zugleich der
       Altersaufbau der Bevölkerung zugunsten älterer Altersklassen ver-
       ändern. Für  die wirtschaftliche  Entwicklung werden niedrige Zu-
       wachsraten für  das gesamtwirtschaftliche  Wachstum  und  weitere
       Produktivitätsfortschritte  vorausgeschätzt.  Daraus  resultiert,
       daß auch  für das  Jahr 2000 mit einer hohen Arbeitslosigkeit ge-
       rechnet werden muß.
       
       
       Eberhard Dähne
       
       Klassenstruktur und Herrschaft. Zur Sozial- und Klassenstruktur
       ---------------------------------------------------------------
       in der Mitte der achtziger Jahre. Tendenzen ihrer zukünftigen
       -------------------------------------------------------------
       Entwicklung
       -----------
       
       Es werden  die voraussichtlichen  Tendenzen der  Bevölkerungsent-
       wicklung, des  Erwerbsverhaltens  und  der  Arbeitsmarktsituation
       analysiert. Es  wird geschätzt,  daß im  Jahr 2000  3,7 Millionen
       Arbeitsplätze fehlen werden. Zur Entwicklung der Klassen- und So-
       zialstruktur wird  prognostiziert: Die Kapitalistenklasse wird in
       ihrem Umfang  etwa bestehenbleiben;  die  lohnabhängigen  Mittel-
       schichten werden,  wenn auch verlangsamt, wachsen. Für die Arbei-
       terklasse werden  Tendenzen weiterer  Differenzierung charakteri-
       stisch sein;  die Zone der wechselseitigen Beeinflussung zwischen
       Arbeiterklasse  und  Mittelschichten  erweitert  sich.  Insgesamt
       wächst das  Widerspruchspotential, das der Entwicklung von Arbei-
       terpolitik zugrunde liegt.
       
       
       Christoph Butterwegge
       
       Politisches System in der Krise - Krise des politischen Systems?
       ----------------------------------------------------------------
       
       Mit den  etwa 1974  einsetzenden Krisenerscheinungen  begann auch
       eine nachhaltige Veränderung des politischen Systems der BRD. Die
       Widersprüchlichkeit dieses Prozesses wurde vor allem nach der Zä-
       sur des  Regierungswechsels 1982  sichtbar: Einerseits die Durch-
       setzung einer  konservativen Hegemonievariante  als Präventivmaß-
       nahme gegen  oppositionelle Entwicklungen,  andererseits aber das
       Fehlen einer  breiten Massenbasis für diese Variante und die Her-
       ausbildung der  Bürgerinitiativen, der  Grünen usw. Die gegenwär-
       tige politische  Systemkrise wirft  die Frage auf, ob die zukünf-
       tige Staatsentwicklung  zum "Rüstungs-  oder  Sozialstaat"  gehen
       wird.
       
       
       Klaus Pickshaus
       
       Umbruchperiode und Zukunft der Gewerkschaften
       ---------------------------------------------
       
       Der Beitrag  geht von einer grundlegenden Veränderung der gewerk-
       schaftlichen Handlungsbedingungen in der gegenwärtigen Umbruchpe-
       riode aus.  Erörtert werden die Perspektiven der weiteren sozial-
       strukturellen  Umschichtungen   und  Polarisierungen   unter  den
       Lohnabhängigen, die  die Angestellten  zur größten  Gruppe werden
       lassen, sowie  daraus resultierende neue Anforderungen an die Ge-
       werkschaftspolitik. Im  Verhältnis von Betrieb und Reproduktions-
       sphäre sind  neue Ansatzpunkte  sichtbar, die zur Gewinnung neuer
       Sektoren der  Lohnabhängigen und  zu einer  Politisierung der Ge-
       werkschaftsarbeit auch  im betrieblichen  Bereich genutzt  werden
       können. Die  Zukunft der  Gewerkschaften wird nicht nur durch die
       strukturellen Umbrüche  bestimmt werden, sondern hängt in starkem
       Maße auch  davon ab,  welche politische Entwicklungsrichtung sich
       durchsetzen wird.
       
       
       Herbert Mies
       
       Zukunftsherausforderungen der politischen Arbeiterbewegung
       ----------------------------------------------------------
       in der Bundesrepublik
       ---------------------
       
       Der Kampf  um die Durchsetzung friedlicher Koexistenz und zur Ab-
       wehr der  sozialen Existenzbedrohungen  der Arbeiterklasse bildet
       das Hauptfeld für eine Veränderung der politischen Kräfteverhält-
       nisse in der Bundesrepublik. Schlüssel dazu sind das einheitliche
       Handeln der Arbeiterklasse und die Entwicklung der Bündnisse zwi-
       schen Arbeiterbewegung  und  anderen  demokratischen  Bewegungen,
       nicht zuletzt  Kräften der  Intelligenz. Breite  Massenbewegungen
       können die  Möglichkeit Wirklichkeit  werden lassen,  die Rechts-
       kräfte in der Regierung durch eine Mehrheit links von der CDU ab-
       zulösen.
       
       
       Georg Fülberth
       
       Die Herausbildung von Zukunftsvorstellungen in der CDU nach 1973
       ----------------------------------------------------------------
       
       Der Beitrag  verfolgt die  Erarbeitung einer  neuen  Programmatik
       nach dem  Machtverlust der  CDU 1969. Er benennt die wesentlichen
       ideologischen Zentren um Geißler und Biedenkopf. Konstatiert wer-
       den die  Fortsetzung des  Konzepts der  "Formierten Gesellschaft"
       und ihre Verbindung mit Elementen der katholischen Soziallehre im
       Konzept der "Neuen sozialen Frage". Eine eher technokratische Vi-
       sion mit vielen Widersprüchen zeigt sich im "Späth-Bericht". Fra-
       gen zur ostpolitischen Strategiebildung und Hinweise auf grundle-
       gende Widersprüche im CDU-Lager schließen den Beitrag ab.
       
       
       Rainer Eckert
       
       Sozialdemokratischer Reformismus in der Krise.
       ----------------------------------------------
       Zwischenbemerkungen zu aktuellen programmatischen
       -------------------------------------------------
       Diskussionen in der bundesdeutschen Sozialdemokratie
       ----------------------------------------------------
       
       Die SPD,  seit 1982  Oppositionspartei im Bundestag, arbeitet zur
       Zeit in  Kommissionen und eher informellen Zirkeln an einem neuen
       Grundsatzprogramm. Deutlich  zeichnen sich  dabei Positionen  ab,
       die durch breite demokratische Massenbewegungen - allen voran die
       Friedensbewegung und  die Gewerkschaften  - induziert  wurden und
       die sich  im Kern  auf tiefgreifende  Zuspitzungen der  Frage von
       Krieg und Frieden sowie der sozialen Frage beziehen. Unterschied-
       liche Strömungen  des sozialdemokratischen  Reformismus sind der-
       zeit dabei, ihre weltanschaulichen, ideologischen und politischen
       Einstellungen an  grundlegende Veränderungen  in der  Welt und in
       der BRD anzupassen.
       
       
       Hermann Sittner
       
       Zur Programmdebatte bei den Grünen. Einige Anmerkungen
       ------------------------------------------------------
       
       Die Programmdebatte bei den Grünen widerspiegelt das Bestehen un-
       terschiedlicher Strömungen und das Bestreben, eine Art Kompromiß-
       und Minimalkonsenspolitik  zu betreiben. Dies bestätigte sich ge-
       nerell auch  auf dem  Parteitag 1985  in Hagen.  Vielfach verengt
       sich die  Debatte auf  die Frage nach dem Für und Wider einer Zu-
       sammenarbeit/Koalition mit  der SPD.  In einigen programmatischen
       Teilbereichen gab  es in der letzten Zeit gewisse Präzisierungen.
       Insgesamt entspricht  das von den Grünen angebotene gesellschaft-
       liche Entwicklungsmodell mit all seinen unkonkreten und z. T. wi-
       dersprüchlichen kritischen  Zügen den  Hoffnungen und Erwartungen
       vieler Kräfte in den neuen sozialen Bewegungen.
       
       
       Willi Gerns
       
       Demokratische Wende - Sozialistische Zukunft.
       ---------------------------------------------
       Die Programmatik der DKP
       ------------------------
       
       Der Beitrag arbeitet heraus, welche Veränderungen seit der Formu-
       lierung des Programms der DKP 1978 stattgefunden haben und einzu-
       schätzen sind.  Die Aufgabe, das Erreichte zu verteidigen und da-
       bei die  Kräfte für eine grundlegende Wende zu demokratischem und
       sozialem Fortschritt  zu sammeln,  steht noch dringlicher. Kräfte
       dafür haben  sich in den großen Kämpfen der vergangenen Jahre ge-
       zeigt. Sie gilt es weiterzuführen zur grundlegenden Alternative -
       dem Sozialismus. Auszugehen ist vom Nächstliegenden, dem Kampf um
       Frieden, Arbeit  und demokratische Rechte. Dabei ist die Stärkung
       der DKP unerläßlich.
       
       
       Heinrich Werner
       
       Der Streit in den Kirchen um die Zukunft
       ----------------------------------------
       
       Der Krisencharakter unserer historischen Epoche läßt Christen die
       Frage nach  ihrem Glaubensverständnis  neu stellen. Die Radikali-
       sierung des Glaubens führt zur Parteinahme im Kampf für eine men-
       schliche Welt.  Dieser Wandel  wird exemplarisch  am Beispiel der
       Theologie der  Befreiung dargestellt. Der Ausbruch aus dem tradi-
       tionellen christlichen  Bewußtsein hat  einen grundsätzlichen in-
       nerkirchlichen Streit  zur Folge,  in dem  sich der Grundkonflikt
       unserer Zeit  widerspiegelt. Auf  diesem Hintergrund  stellt sich
       die Frage nach dem Bündnis zwischen Christen und Marxisten neu.
       Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 9, 1985, S. 648-661
       
       
       Hartwig Zander
       
       "Kritische Kritik" und Isolationshaft. Zum Verständnis
       ------------------------------------------------------
       des Marxschen Diskurses über die "neue Straftheorie"
       ----------------------------------------------------
       in der "Heiligen Familie". Ein Lektürevorschlag
       -----------------------------------------------
       
       Zweimal ist  Marx mit kriminalpolitischen Fragen seiner Zeit kon-
       frontiert, in  der "Rheinischen Zeitung" mit der Kriminalisierung
       von Bagatelldelikten,  in der  "Heiligen Familie" mit der Einfüh-
       rung des  Zellengefängnisses. Die Debatte über die Isolationshaft
       bildet den Streitpunkt, auf den Marx seine Polemik gegen die spe-
       kulative Dialektik  in der  "Heiligen Familie" lenkt. Dieser Bei-
       trag zeigt,  über den zeithistorischen Rahmen der Debatte hinaus,
       wie Marx  Techniken der Streitrede, der Eristik, anwendet, um die
       Idee der  Isolationshaft als  Resultat des  spekulativen  Denkens
       darzustellen.
       

       zurück