Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 10/1986


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       METHODOLOGISCHE ALTERNATIVEN EINER PSYCHOLOGIE
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       DES UNBEWUSSTEN 1)
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       A.A. Leont'ev
       
       Beim Nachdenken  über das  Problem des  Unbewußten lohnt  es sich
       wahrscheinlich, mit  der grundlegenden Divergenz der Ansichten zu
       diesem Problem  zu beginnen. Wir meinen insbesondere jenen Stand-
       punkt, den einer der führenden Vertreter der französischen Schule
       der Psychoanalyse  und enger  Mitarbeiter von Jacques Lacan, Pro-
       fessor Serge  Leclaire, in seinem Vortrag auf dem Internationalen
       Symposium zum  Problem des Unbewußten in Tbilisi (1979) vertreten
       hat. Wir werden auf seine Konzeption ausführlicher eingehen, weil
       sie uns den Schlüssel für einige ungewöhnliche philosophisch-psy-
       chologische Fragestellungen liefert.
       Über Lacan  und den Lacanismus ist so manches in russischer Spra-
       che geschrieben  und auch  veröffentlicht worden.  Zum ersten Mal
       aber begegneten wir nun, wenn man so sagen darf, einem lebendigen
       Lacanisten. Dies  war wichtig, da kein Text eine vollständige und
       adäquate Vorstellung  vom gesamten  System der wissenschaftlichen
       Weltanschauung Lacans  und seiner Anhänger vermittelt: Die Herme-
       tik ihrer  Texte verwandelt diese in eine Art chiffrierte Mittei-
       lungen, deren  Schlüssel man  in ihnen  selbst suchen  muß. Lacan
       kann grundsätzlich nicht in die Sprache der Wissenschaft - so wie
       wir Wissenschaft begreifen - übersetzt werden. Und gerade deshalb
       ist der  von Leclaire unternommene Versuch, seine Idee populär zu
       machen, besonders wichtig.
       Nun die  erste These  Leclaires (Lacans):  "Heutzutage wird jeden
       Tag eine  besondere Form  von Lebewesen  geschaffen, als das sich
       das Sprechwesen  2) erweist, das nicht nur aus chemischen Molekü-
       len, sondern zu gleicher Zeit und ebenso entscheidend aus Worten,
       Erzählungen, Geschichte, Mythen, aus Grammatik und Lexik besteht.
       D i e S p r a c h e  i s t k e i n Ü b e r b a u, der zu dem phy-
       sikalisch-chemischen System  hinzugefügt worden  ist: Jede objek-
       tive Analyse  zeigt, daß das Sprechwesen hinsichtlich der Materie
       gleichfalls aus Rede besteht" (11, S. 5).
       Hinter dem  Neologismus "Sprechwesen"  (parlêtre), den  Lacan ge-
       schaffen hat, steht nicht einfach die Idee von der sozialen Natur
       der Persönlichkeit  - oder, richtiger, keineswegs diese Idee! Das
       stellt sich  sehr rasch  heraus: "Der Mensch kann 'empfangen', d.
       h. einen  anderen (ein  Sprechwesen) in  Abhängigkeit von  Worten
       (Mythen, Gesetzen,  Rede) erzeugen,  und dies  nicht nur aufgrund
       einer Paarungszeit... 3). Der Phallus 4) stellt einen zweigesich-
       tigen Operator  dar, halb  Körper, halb Wort, dessen Einfluß sich
       in den  alltäglichen menschlichen  Beziehungen offenbart, ... ein
       Zeuge der  geteilten und  widersprüchlichen Natur, die eine Bewe-
       gung antreibt,  aus der  das Leben des Sprechwesens besteht" (11,
       S. 7-8).
       Das Sprechwesen ist nach Lacan und Leclaire ein "Wesen des Begeh-
       rens". Wo  liegen die  Wurzeln dieses Begehrens? In der Dialektik
       der "körperlichen Materialität" und der "bedeutungsträchtigen Ma-
       terialität". Sie  sind beide  für den  Menschen (das Sprechwesen)
       organisch, und  ihr Zusammenwirken  ist eben  auch das Leben, das
       "Reale" (in  der Terminologie Lacans). Dieses "Reale" ist prinzi-
       piell "nicht  durch die  Symbolik zu erfassen"; es "entzieht sich
       jedem Versuch, es auf Worte zu reduzieren" (11, S. 8-9): "Für das
       Sprechwesen gibt  es  kein  Jenseits-der-Logik  ...,  k e i n e n
       Ü b e r b a u,   der imstande ist, die aus Körper und  Worten be-
       stehende Struktur  zu erklären  ... Es  gibt keine  Meta-Sprache"
       (11, S. 8).
       Das bedeutet,  es gibt  keine -  und kann sie auch nicht geben! -
       Metasprache irgendeiner  Wissenschaft vom  Menschen, die Anspruch
       auf die Erschließung einer Ontologie des "Realen" erheben könnte.
       Das "Sprechwesen"  ist auf  einer wissenschaftlichen,  rationalen
       Grundlage prinzipiell  unerkennbar: "Es  wird offensichtlich, daß
       keinerlei Verbindung  existiert ..., von der ausgehend es möglich
       sein würde,  den fortwährenden Prozeß, den unser Leben darstellt,
       vollständig zu erfassen" (11, S. 9).
       Aber wo  ist hier  der Ort des Begehrens? Die Kraft des Begehrens
       (sie ist  schließlich eine Lebenskraft) "entstammt einer spezifi-
       schen Ökonomie, die die psychischen Kräfte steuert, welche in Ab-
       hängigkeit zu den von der Psychoanalyse formulierten kategorialen
       Elementen stehen:  die Körperteile  ..., die bedeutungsträchtigen
       Elemente (unbewußte  Vorstellungen),  die  Phantasievorstellungen
       ..., das  subjektive Skandieren  (Teilen des Subjekts)... Das Be-
       dürfnis wird durch ein gewöhnliches Objekt befriedigt..., während
       das Objekt  des Begehrens,  wie es  bereits Freud klar aufgezeigt
       hat, nur  aus dem Unterschied zwischen der erlangten Befriedigung
       und der  Erinnerung an die erste, mythische Befriedigung besteht"
       (11, S.  9). Das  Unbewußte ist auch die "Gesamtheit der Systeme,
       die durch die Kräfte des Begehrens gesteuert werden" (ebd.).
       Jeder, der  mit der Entwicklung des philosophischen und psycholo-
       gischen Denkens  im 20.  Jahrhundert vertraut ist, wird in dieser
       für sich  genommen harmonischen  Konzeption nicht nur die Anspie-
       lung auf  Freud und  den "orthodoxen"  Freudismus, sondern  -  im
       gleichen Maße - auf die existentialistische Phänomenologie leicht
       wahrnehmen können.  Eine eingehende  Analyse dieser  Bezüge würde
       uns zu weit führen. Wir begnügen uns mit dem Hinweis auf die Idee
       von der  "Unfehlbarkeit der  Empfindung", die  bei Gabriel Marcel
       dem Irrtum  der Reflexion gegenübergestellt wird, und die Sartre-
       sche These von der Absolutheit des "Subjekts der konkreten Reali-
       tät". "Wir  schmelzen mit einem Körper zusammen, der mehr als un-
       ser eigener  über diese Welt, über die Ziele und Verfahren zu ih-
       rer Synthetisierung  im Bilde  ist" (22, S. 276). 5) Ist das etwa
       nicht analog  Lacans Theorie  des "Sprechwesens"?  Ebenso das von
       Sartre erfundene  "Wesen des  Begehrens": "Der  Mensch -  das ist
       eine fruchtlose Leidenschaft" (23, S. 708). 6)
       Wir haben  nicht vor,  auf einer  direkten Anleihe Lacans bei den
       Existentialisten hinsichtlich  ihrer Konzeption  vom Menschen  zu
       beharren. Darum  geht es  hier nicht. Viel wichtiger ist die Ähn-
       lichkeit im  methodologischen Aufbau  des Persönlichkeitsmodells,
       in jenen  gnoseologischen Ausgangspostulaten,  auf die  sich - ob
       nun bewußt  oder nicht - sowohl die Existentialisten als auch die
       Lacanisten stützen.  Was den  Lacanismus betrifft, kann diese Me-
       thodologie als  eine Art wissenschaftliche Mythologie charakteri-
       siert werden, als ein freies Spiel mit phänomenologischen Konzep-
       ten, die  keinen anderen als den in der Modellstruktur erworbenen
       Inhalt besitzen, bzw. als ein Versuch der Ontologisierung des me-
       taphorischen Abbilds der Welt.
       Erläutern wir das bisher Gesagte. Wir alle - Philosophen, Psycho-
       logen, Linguisten,  Fachleute der  exakten Wissenschaften und der
       Naturwissenschaften -  sind mit einem bestimmten Stil des wissen-
       schaftlichen Denkens, einer bestimmten Vorstellung von der Struk-
       tur und  der Sprache  der Wissenschaft  großgeworden. Diesen Stil
       kann man  in einer  ersten Annäherung  als   R a t i o n a l i s-
       m u s   d e s  w i s s e n s c h a f t l i c h e n  D e n k e n s
       definieren. Seine  Hauptmerkmale sind Allgemeingültigkeit, Refle-
       xivität und objektive Systemhaftigkeit.
       Eine andere  Sache ist  es, daß bei der Lösung eines Kernproblems
       der Philosophie und angesichts anderer Antinomien, die der Lösung
       bedürfen, im  Rahmen verschiedener  philosophischer  Systeme  und
       Richtungen verschiedene kategoriale Begriffssysteme entstehen. So
       kommt es,  daß die  ganz fundamentale  Frage nach  der  Beziehung
       dieser Systeme  zur Wirklichkeit,  zur Erfahrung, zum Denken (und
       nach ihrer  Beziehung untereinander)  auf  verschiedene  Art  und
       Weise beantwortet wird. Den Höhepunkt der rationalen Wissenschaft
       in unserer Zeit bildet zweifellos der marxistische philosophische
       Materialismus.
       Als ein klassisches Beispiel für diesen Rationalismus des wissen-
       schaftlichen Denkens  kann man  den Leninschen  Gedanken von  der
       Einheit von  Logik, Gnoseologie  und  Erkenntnistheorie  ansehen.
       Aber selbst wenn wir eine nichtmarxistische Philosophie heranzie-
       hen, sind  die drei  angeführten Hauptmerkmale  des Stils wissen-
       schaftlichen Denkens  auch für sie charakteristisch - solange wir
       innerhalb der  Grenzen eines Rationalismus verbleiben, der belie-
       big weit ausgelegt werden kann.
       Bereits das  19. Jahrhundert hatte einen philosophischen Irratio-
       nalismus  mit   sich  gebracht,   der  auch   sogleich   in   der
       "positivistischen" Wissenschaft zum Ausdruck kam. Dilthey war ei-
       ner der  ersten, der  die Konzeption  vom "Menschen in all seiner
       Lebensfülle" und  der ursprünglichen Ganzheitlichkeit des von der
       wissenschaftlichen Psychologie  zergliederten  Seelenlebens  auf-
       stellte. Zu  einer wirklichen  Blüte gelangte der Irrationalismus
       jedoch in  den verschiedenen  Ausprägungen des  Existentialismus,
       angefangen bei  den Arbeiten Heideggers, die zu Klassikern gewor-
       den sind.  Genau von  ihm stammt  die bekannte, oftmals (auch von
       Lacan) wieder aufgegriffene These, daß "das Dasein ständig 'mehr'
       (ist), als  es tatsächlich  ist, wollte  man es und könnte man es
       als Vorhandenes  in seinem  Seinsbestand  registrieren"  (21,  S.
       145). 7) Als logische Fortentwicklung dieser These erscheint auch
       die oben angeführte Überlegung Lacans bzw. Leclairs, nach der der
       heuristische Wert  der "Registrierung"  im allgemeinen  abgelehnt
       wird. Aber wie dem auch sei, der Irrationalismus erkennt die Idee
       der Reflexivität  von vornherein  nicht an.  An ihre Stelle tritt
       die These  von der prinzipiellen Unzugänglichkeit der wichtigsten
       wesenstiftenden Charakteristika  des Menschen  seitens der Refle-
       xion. Daraus  folgt logisch  der Austausch der objektiven System-
       haftigkeit durch  die subjektive  Ganzheitlichkeit. Ist dies aber
       so, dann  taucht eine  berechtigte Frage  auf: Wenn das Wesen des
       Menschen prinzipiell  nicht reflektierbar  ist und  die  Faktoren
       seiner Ganzheitlichkeit außerhalb der einer positiven Analyse zu-
       gänglichen Grenzen  liegen ("sich  nicht  registrieren  lassen"),
       kann man dann zu Recht von einem allgemeinen Modell sprechen, das
       eine hinreichende Aussagekraft für jeden Menschen besitzt und die
       Einzigartigkeit seines  "Seins in  der Welt" (Sartre) berücksich-
       tigt? Verwandelt  sich die Wissenschaft, ihr kategorialer Apparat
       (es ist  hierbei unwesentlich, ob es sich um die "reine" Philoso-
       phie, Psychologie  oder Soziologie  handelt - in diesem Falle be-
       finden sie sich alle in derselben Situation) nicht in ein subjek-
       tives System  von Mythologemen,  das nur  einen Sinn  für  seinen
       Schöpfer hat?
       Wir stehen  vor einem Paradoxon, das grundsätzlich nicht zu lösen
       ist: Folgen  wir dem  philosophischen Labyrinth,  stoßen wir  auf
       eine Sackgasse,  aus der es keinen Ausweg gibt und auch nicht ge-
       ben kann.  Wenn wir  folgerichtig auf diesem Weg zur Negation der
       Allgemeingültigkeit einer  wissenschaftlichen Erklärung gelangen,
       andererseits aber  doch nach einer irgendwie gearteten Sinngebung
       unserer selbst  streben, dann  sind wir  gezwungen, die Verfahren
       dieser Sinngebung  aus Bereichen zu entlehnen, die einer rationa-
       len Wissenschaft  fremd sind. Dies mag beispielsweise der Bereich
       des  G l a u b e n s,  das Abwandern in einen religiösen Agnosti-
       zismus sein:  "Was seh'  ich! /  Sankt  Johann,  erleuchte  meine
       Blicke, /  Daß deiner  Dichterei Gewalt mich schier verzücke" (2,
       S. 308).  Natürlich ist der christliche Pseudorationalismus, ins-
       besondere der  Neothomismus nicht  die einzige  Form, die Wissen-
       schaft gegen  die Theologie  auszutauschen. Immer  geht es  dabei
       aber darum,  ein transzendentales Modell von der Ganzheitlichkeit
       des Menschen zu schaffen, die Aufgabe menschlicher Selbsterkennt-
       nis auf  den "lieben Gott" abzuwälzen, wie V.I. Lenin gern sagte.
       Dies mag  das "Erdgeschoß"  des menschlichen  Ichs sein,  das als
       Sphäre allgemeinmenschlicher,  durch eine abschließende Reflexion
       nicht erfaßbarer,  letzten Endes  biologischer  Triebe  behandelt
       wird, die  a priori  vorgegeben sind und als Grundlage des Erklä-
       rungsmodells dienen. Das war der Weg des philosophischen Freudis-
       mus, den  wir hier nicht ausführlicher behandeln können. Dies mag
       ein Bereich der Kultur, insbesondere der Mythologie sein, die na-
       türlich,  solange   sie  irrational   ist,  eine   Persönlichkeit
       "zementieren" kann.  Diesen Weg ist zum Beispiel Gaston Bachelard
       gegangen. Eine ähnliche Richtung schlägt Jacques Lacan mit seiner
       Theorie von  der Metapher  ein, nach der bekanntlich die Vereini-
       gung von zwei Signifikanten ihren Tod, die Umwandlung in Signifi-
       kate bedeutet: Die Struktur oder Signifikantenkette entsteht oder
       existiert nach  den Gesetzen  eines transzendenten,  irrationalen
       Plans. Nebenbei  bemerkt liegt in beiden Fällen ein voluntaristi-
       sches,  subjektivistisches  "Vorgegebensein"  der  Modellelemente
       vor, das keine rationale Erklärung fordert (und auch nicht zu er-
       halten vermag).
       Ein weiteres Paradoxon besteht darin, daß sich alle beschriebenen
       Wege mit  Erfolg miteinander verbinden lassen. Im übrigen gibt es
       hier im  Grunde genommen  gar kein Paradoxon. Wenn man die Erklä-
       rung "aus  der Luft"  greift, so  wird ihr Erkenntniswert und die
       Möglichkeit zur Kombination mit anderen Erklärungen desselben Ur-
       sprungs nur  durch die  persönliche Überzeugung des Forschers be-
       stimmt. Hieraus entsteht der religiöse Existentialismus, die psy-
       choanalytische Theorie  der Archetypen,  der Neofreudismus Lacans
       ...
       Aber kommen  wir auf  den Vortrag Leclaires zurück. Er vermittelt
       den Eindruck  einer unstreitig  logischen Harmonie  und Ganzheit-
       lichkeit der  dargelegten Konzeption.  Bei  aufmerksamer  Prüfung
       stellen wir jedoch fest, daß jeder der in dem Vortrag verwendeten
       Begriffe nur  im Rahmen  des vorgegebenen logischen Systems einen
       Sinn ergibt.  Selbst wenn  man einen solchen scheinbar allgemein-
       gültigen Begriff  wie das  "Wort" nimmt,  zeigt sich,  daß  seine
       "erzeugende Potentialität ... sowohl das Zeichen als auch das Be-
       zeichnete unendlich  übersteigt... Er  läßt sich unmöglich erfas-
       sen" (11,  S. 6).  Anders ausgedrückt,  im  Rahmen  des    e n t-
       s p r e c h e n d e n   Systems handelt es sich nicht um das Wort
       als Element  der  Sprache,  sondern  als  eine  Art  irrationales
       Äquivalent des Wortes. Das einzige, was die "potentielle" Inhalt-
       losigkeit jedes beliebigen Begriffes einschränkt, ist sein Zusam-
       menwirken mit anderen Begriffen. Dem Wort steht der Körper gegen-
       über, der  ebenso unbestimmt  aufgefaßt wird:  ein "physikalisch-
       chemisches System".  Ihre Beziehungen  bringen die  Kategorie des
       "Imaginären" hervor;  diese vermittelt uns ihrerseits - unter Zu-
       hilfenahme der  Kategorie des  Symbolischen, die  vom Begriff des
       Wortes (der Sprache, der Rede) abgeleitet ist - das "Subjekt" und
       das "Reale"  und führt  zu den  "Kräften des Begehrens". Aber nur
       dieses ganze  System (wir  haben nicht  mehr als das Fragment be-
       schrieben) gestattet  es, das  Wort als eines seiner Elemente, in
       seinem  augenblicklichen  Kontext  zu  verstehen.  Außerdem  "...
       stellt der  Autor seine Theorie in derselben Sprache vor, für de-
       ren Analyse  die Theorie  im voraus  bestimmt ist:  Wenn Sie  die
       Theorie verstehen,  verstehen Sie  ihre Darlegung  und umgekehrt"
       (24, S.  15). Deshalb sind die von ihm verwendeten Termini grund-
       sätzlich metaphorisch:  Ihre Verbindung  verwandelt sie  in bloße
       "Bezeichnende"; die Bezeichneten hingegen (und ihre Wechselbezie-
       hung) entschwinden  in den Bereich des transzendentalen Glaubens.
       Wir können  diese Wechselbeziehung nicht  s e h e n  und noch we-
       niger   b e s c h r e i b e n:  Man ist genötigt, dem Wort Lacans
       und Leclaires zu glauben, daß sie existiert und zwar genau so ...
       Aber wie?  Auf diese Frage gibt auch Leclaire keine Antwort: Jede
       Einmischung seinerseits  in diese  Wechselbeziehung würde  sie ja
       bereits stören.
       Aus dem  Gesagten wird ersichtlich, daß eine Diskussion mit Lacan
       und den  Lacanisten außerordentlich  schwierig ist. Zum einen er-
       weist sich der Gegenstand der Diskussion als nicht faßbar. In der
       Tat: Das  Unbewußte wird durch das Bewußte interpretiert; das ra-
       tional Unerkennbare durch die Behauptung der Unerkennbarkeit; der
       Gegenstand wissenschaftlicher  Erkenntnis durch  die Negation der
       Gesetzmäßigkeit jeder  beliebigen wissenschaftlichen  Erkenntnis.
       Zum anderen  ist es nicht möglich, den Lacanismus (ebenso wie den
       Existentialismus) von  einem Standpunkt  aus zu  kritisieren, den
       man  als  "Vulgärrationalismus"  in  der  Psychologie  bezeichnen
       könnte. Darin besteht eine der wichtigsten Lehren aus der mit ihm
       geführten Diskussion.
       Erläutern wir unseren Gedanken. Indem wir das Primat einer ratio-
       nalen Herangehensweise  bei der Wissenschaft vom Menschen behaup-
       ten, geraten  wir in die Gefahr einer Art Reduktionismus. Es han-
       delt sich  um die Reduzierung der komplizierten psychischen Onto-
       logie der  Persönlichkeit und  der Tätigkeit  auf einzelne Ebenen
       und Komponenten  des psychischen  Lebens, die durch eine diskrete
       reflexive Analyse  erfaßbar sind;  um die  Reduzierung der Psyche
       auf das  Bewußtsein; um  das Zurückführen des Allgemeinen auf das
       Besondere. Natürlich  ist keiner  der führenden sowjetischen Psy-
       chologen, die  die Schaffung  eines globalen  Modells der Psyche,
       des Bewußtseins,  der Tätigkeit, der Persönlichkeit anstrebten, -
       insbesondere weder  S.L. Rubinstejn  noch A.N.  Leont'ev - in das
       Netz eines  solchen Reduktionismus gegangen; von einigen anderen,
       die ihre  Ansichten weiterentwickelt haben, kann man leider nicht
       dasselbe sagen.  Einer der  Gründe hierfür  liegt im mangelhaften
       Begriffsapparat der  modernen Psychologie  und in  der Notwendig-
       keit, auf  einer bestimmten Etappe eine wissenschaftliche Theorie
       im Rahmen  eines begrifflich-terminologischen  Systems aufzustel-
       len, das dieser Theorie nicht vollkommen adäquat war. Hieraus er-
       klären sich  solche für  die Psychologie  neuen Begriffe wie etwa
       "intentionale" und  "operationale" Komponenten  der Tätigkeit bei
       A. N.  Leont'ev (s.  hierzu weiter  unten); hieraus  erklärt sich
       auch das  neue Interesse der Psychologen am Unbewußten und an der
       Psychologie der Kunst als eine Art Versuchsfeld für die Forschung
       im Hinblick auf den Ausbau und die Erneuerung eines wissenschaft-
       lichen Apparates  der psychologischen  Theorie - und so fort. Auf
       jeden Fall  ist die Fruchtlosigkeit des oben beschriebenen Reduk-
       tionismus jetzt  jedem denkenden  Psychologen klar,  obgleich die
       Wege zu  seiner Überwindung  konkret noch  nicht ausreichend  be-
       stimmt worden  sind. Die Psychologie steht vor der Notwendigkeit,
       ihren Gegenstand  aufs neue  zu bestimmen  und auch  die  wissen-
       schaftliche Reflexion  selbst wie  die objektive Systemhaftigkeit
       des psychischen Lebens auf eine neue Weise zu begreifen, ohne da-
       bei dem  Irrationalismus Grundpositionen  zu überlassen.  Andern-
       falls werden wir zwischen der Scylla eines "reflexiven" Reduktio-
       nismus (Vulgärrationalismus)  und der Charybdis eines Agnostizis-
       mus und Intuitivismus hin- und herpendeln. Mit anderen Worten: Es
       muß eine  klare Grenze  zwischen dem  philosophischen Problem der
       subjektiven Ganz-heitlichkeit menschlichen Seins (die dem wissen-
       schaftlichen Rationalismus  gegenübergestellt wird)  und dem psy-
       chologischen Problem der ontologischen Einheit von Persönlichkeit
       und Tätigkeit  gezogen werden.  In unserer Auseinandersetzung hat
       sich einerseits  eine subjektivistische, irrationale, quasiphilo-
       sophische Anthropologie, andererseits eine wissenschaftliche, ma-
       terialistische, rationale Philosophie des Menschen offenbart. Und
       eben darin  - nicht  aber in der Beziehung zu Freud und dem Freu-
       dismus und  nicht in  den konkret-psychologischen  Stimmungen der
       einen oder  anderen wissenschaftlichen  Schule -  bestand und be-
       steht die wesentliche, grundsätzliche Divergenz.
       Welche Positionen  vertraten und  vertreten nun aber die Anhänger
       einer auf  dem Rationalismus  basierenden Herangehensweise an das
       Unbewußte? Um  diese Frage zu beantworten, müssen wir das Problem
       des Unbewußten  in zwei  Aspekten, auf  zwei Ebenen anreißen: als
       eigentlich   p h i l o s o p h i s c h e s  und als  p s y c h o-
       l o g i s c h e s   Problem. Die  methodologische  Divergenz  der
       zwei philosophischen Lager erschöpft sich nicht in der Opposition
       von wissenschaftlichem  Rationalismus  und  irrationaler,  quasi-
       philosophischer  Anthropologie   à  la   Lacan.   Nicht   weniger
       zugespitzt erscheint  eine andere philosophische Alternative: der
       philosophische   D u a l i s m u s    und  der  dialektisch-mate-
       rialistische   M o n i s m u s.   In jüngster Zeit hat V.L. Kaka-
       badse 10)  die Wurzeln des ontologischen Dualismus jeder beliebi-
       gen "Tiefenpsychologie  und in  diesem Zusammenhang  insbesondere
       die organische  Verbindung zwischen  Intuitivismus, Agnostizismus
       und dem Anerkennen des psychophysischen Parallelismus überzeugend
       aufgewiesen.   Kakabadses Analyse  der Ansichten  S. Freuds, C.G.
       Jungs und  A. Adlers kann ohne weiteres auf jede irrationale Psy-
       chologie der  Vergangenheit wie der Gegenwart ausgeweitet werden.
       Eine klare  methodologische Alternative zu einer solchen Herange-
       hensweise hatte  L. S.  Vygotskij bereits im Jahre 1926 in seiner
       bekannten Arbeit "Die Krise der Psychologie in ihrer historischen
       Bedeutung" vorgelegt.  Rufen wir  uns seine  Hauptthesen ins  Ge-
       dächtnis. 8)
       Vygotskij konstatiert, daß es  z w e i  Psychologien - die natur-
       wissenschaftliche und  die spiritualistische  - gibt,  "d.h.  ...
       zwei verschiedene,  unvereinbare Wissenschaftstypen, zwei prinzi-
       piell unterschiedliche Konstruktionen von Wissenssystemen... Aber
       ein wirklicher  Kampf findet  nur zwischen  zwei Tendenzen statt,
       die hinter  allen miteinander  streitenden  Strömungen  vorhanden
       sind und  wirken ...  Alles übrige  (ist) ein  Kampf   i n n e r-
       h a l b   jeder dieser zwei Psychologien" (7, S. 192). Gegenstand
       der materialistischen,  naturwissenschaftlichen  Psychologie  ist
       nach Vygotskij  das psychische  Sein."  "Meine  Freude  und  mein
       introspektives Erfassen  dieser Freude sind zwei unterschiedliche
       Dinge" (7,  S. 239). "Es fragt sich, was wir untersuchen sollen -
       diesen (sinnlichen  - A.  L.) Akt an sich, so wie er ist oder so,
       wie er  mir erscheint?  Der Materialist  überlegt nicht lange ...
       und sagt:  den objektiven  Akt   a n   s i c h"  (ebd.). Wenn wir
       aber diesen  Weg beschreiten,  wer wird  dann den psychologischen
       "Schein" studieren?  Laut Vygotskij  ist die  Problemstellung  an
       sich schon  falsch. "In  der Wissenschaft  wollen  wir  doch  die
       w a h r e   und nicht  die    s c h e i n b a r e    Ursache  des
       Scheins erkennen.  ... Wenn  ich die physische Natur ... zwei(er)
       Linien kenne  sowie die  objektiven Gesetze des Auges, wie sie an
       sich sind,  so erhalte  ich als  Schluß daraus  die Erklärung des
       Scheins, der  Täuschung" (7, S. 240 f). Einfacher: Das Subjektive
       ist nicht  Gegenstand der  Psychologie. "In der Erkenntnistheorie
       gibt es  den Schein,  und von ihm zu behaupten, er wäre Sein, ist
       eine Lüge.  In der  Ontologie gibt es den Schein überhaupt nicht.
       Entweder es  gibt psychische  Phänomene, dann  sind sie materiell
       und objektiv, oder es gibt sie nicht, dann sind sie nicht vorhan-
       den, und  man kann  sie nicht untersuchen. Es kann keinerlei Wis-
       senschaft geben  von nur  Subjektivem, vom Schein, von Phantomen,
       von dem,  was nicht  vorhanden ist.  Was nicht  ist, das  gibt es
       überhaupt nicht.  Man kann auch nicht sagen, halb gibt es das und
       halb nicht.  Das muß  man begreifen"  (7, S.  244 f). Und weiter:
       "Das Subjektive  an sich, als Phantom ist als Folge, als Ergebnis
       . .  . zweier  objektiver Prozesse  zu verstehen.  Das Rätsel des
       Psychischen läßt  sich .  .. nicht  durch  die  Untersuchung  der
       Phantome lösen,  sondern indem  man die  beiden Reihen objektiver
       Prozesse untersucht,  aus deren  Wechselwirkung die  Phantome als
       scheinbare Spiegelungen  des einen  im anderen  entstehen" (7, S.
       246).
       Diese Überlegung kann den materialistischen Standpunkt im Bereich
       des Unbewußten  sehr scharf "ausleuchten". Wir verfügen über eine
       andere Arbeit   V y g o t s k i j s,   in  der er sich direkt der
       Analyse dieses  Problems zuwendet.  Er unterstreicht  dort, daß -
       bei einer  materialistischen Herangehensweise  - die  Psyche "als
       Bestandteil eines  komplizierten Prozesses  (auftritt), der durch
       seinen bewußten  Teil  keineswegs  abgedeckt  wird,  und  deshalb
       scheint es uns vollkommen legitim, daß man in der Psychologie vom
       psychologisch Bewußten  und psychologisch Unbewußten spricht: Das
       Unbewußte ist  das potentiell  Bewußte" (8,  S. 146).  Aus diesen
       Thesen von  Vygotskij folgen weitere Schlüsse, die für unser Pro-
       blem grundsätzlich von Bedeutung sind.
       Die erste Schlußfolgerung lautet: Das Unbewußte besitzt keine ei-
       gene spezielle  Ontologie. Es  gibt und kann - für einen Philoso-
       phen oder  Psychologen, der  Materialist ist  -  keine  spezielle
       "Wissenschaft vom  Unbewußten" geben.  Das wäre eine Wissenschaft
       vom Schein. Die Tatsache, daß unbewußte Erscheinungen existieren,
       ist unbestreitbar;  es gibt  jedoch  keine  methodologische  oder
       theoretische Grundlage, das Unbewußte als einen speziellen Gegen-
       stand auszusondern.  Vygotskij hat das Unbewußte sehr präzise als
       potentiell Bewußtes  definiert und an anderer Stelle des gleichen
       Artikels  angemerkt,   daß  es   sich  um   einen      u n t e r-
       s c h i e d l i c h e n   B e w u ß t h e i t s g r a d   und  um
       komplizierte,  dynamische  Wechselbeziehungen  von  bewußten  und
       unbewußten Elementen in der Psyche handelt.
       Nebenbei bemerkt  hat sich  durchaus nicht  von ungefähr  auf dem
       Symposium in  Tbilisi herausgestellt,  daß es  unter den sowjeti-
       schen Teilnehmern  im Grunde genommen keine "Spezialisten für das
       Unbewußte" gab.  Es gab  Spezialisten für  die Psychotherapie von
       Neurosen, die  experimentelle und  theoretische  Psychologie  der
       Einstellung, die  Persönlichkeitspsychologie, die  Ebenen der Tä-
       tigkeitsregulation und so weiter und so fort.
       Auf psychologischer  Ebene tritt die These vom Fehlen einer eige-
       nen Ontologie  des Unbewußten  bereits in  den grundlegenden Pro-
       blemstellungen zutage. Nehmen wir beispielsweise solch eine Frage
       wie die  nach den  Ebenen der Tätigkeitsorganisation. Bekanntlich
       stützt sich  die moderne sowjetische Psychologie in dieser Bezie-
       hung auf  die psychophysiologische  Theorie N.A.  Bernstejns  und
       insbesondere auf  seine These  von der  leitenden Ebene  und  den
       Grundebenen (4, S. 99-100 u.a.). Vom eigentlichen psychologischen
       Aspekt aus verfügen wir hier in bezug auf die Ebenen einer belie-
       bigen Tätigkeit  über die  ausgezeichnete Untersuchung  von  A.N.
       Leont'ev.
       Im Grunde genommen ist diese (nach Vygotskij ontologische) Heran-
       gehensweise -  zumindest im  Rahmen einer Tätigkeitspsychologie -
       für die Behandlung aller Probleme charakteristisch, bei denen wir
       es mit  "unbewußten" psychischen  Prozessen zu tun haben. Sie ist
       bei der Analyse unbewußter Komponenten der Persönlichkeit, in er-
       ster Linie  der Sinnbildungen der Persönlichkeit, besonders wich-
       tig. Überhaupt  stellt aus unserer Sicht die Dynamik des Bewußten
       und Unbewußten  in der Persönlichkeitsstruktur ein zentrales Pro-
       blem der Persönlichkeitspsychologie dar.
       Wenn man  auf die oben angeführten Thesen von L. S. Vygotskij zu-
       rückkommt, so  kann man  in ihnen ein eigenständiges methodologi-
       sches Programm  für die Weiterentwicklung einer materialistischen
       Psychologie sehen, das bis jetzt noch keine konsequente Umsetzung
       in konkret-psychologische  (theoretische und  experimentelle) Un-
       tersuchungen erfahren  hat. Obgleich  wir mit Vygotskij in seiner
       grundsätzlichen Haltung  zum Problem  der  psychischen  Ontologie
       übereinstimmen, fahren  wir nichtsdestoweniger  auf  Schritt  und
       Tritt fort,  mit dem  psychologischen "Schein"  zu operieren. Die
       Ursache hierfür liegt in bedeutendem Maße in einem vereinfachten,
       vergröberten Verständnis vom Ideellen und seiner Wechselbeziehung
       zum Subjektiven.
       Führen wir  ein konkretes Beispiel an. In dem Buch K.K. Platonovs
       "Das System der Psychologie und die Widerspiegelungstheorie" wird
       die Behauptung aufgestellt, daß das Ideelle stets das Psychische,
       aber nicht  alles Psychische  ideell sei. Der Autor zitiert wohl-
       wollend S. L. Rubinstejn, der davon ausging, daß die Beschreibung
       des Psychischen  als Ideellem  auf das  Abbild, auf die Idee bzw.
       auf das  Produkt der psychischen Tätigkeit im allgemeinen, in ih-
       ren Beziehungen  zu einem Gegenstand oder zu einem Ding verweist.
       K.K. Platonov entwickelt diese Auffassung weiter und vertritt die
       Ansicht: "Das  Ideelle - das ist eine subjektive Erscheinung, die
       in Form  eines mit  einem Begriff  oder mit Begriffen verbundenen
       Abbilds existiert  und die durch ein Wort oder durch Worte ausge-
       drückt wird.  Das Ideelle  ist die  höchste Form des Subjektiven,
       denn alles Ideelle ist subjektiv, aber nicht alles Subjektive ist
       ideell" (16, S. 160).
       Wenden wir  uns der neuesten Ausgabe des "Philosophischen Wörter-
       buchs" zu. Dort heißt es: "Das Subjektive wird im Marxismus nicht
       als innerer  (psychischer), dem  Objekt entgegengesetzter Zustand
       des Subjekts, sondern als aus der Tätigkeit des Subjekts Abgelei-
       tetes begriffen,  das in  den Formen  dieser Tätigkeit den Inhalt
       des Objekts  reproduziert" (19,  S. 358).  Die erste marxistische
       Definition des  Subjektiven, die  ihre Bedeutung  bis heute nicht
       eingebüßt hat, stammt bekanntlich von Karl Marx. "Der Hauptmangel
       alles bisherigen Materialismus. ..", so Marx, bestehe darin, "daß
       der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form
       des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinn-
       liche menschliche  Tätigkeit, Praxis, nicht subjektiv" (l, S. 5).
       Man kann leicht erkennen, daß das "Philosophische Wörterbuch" dem
       Gedanken von  Marx hier sehr nahe kommt. Folglich ist das Subjek-
       tive   a u f   k e i n e n   F a l l  e t w a s  "Antiobjektives"
       oder "Antiobjekthaftes".  Es ist  die   A b b i l d u n g   d e s
       O b j e k t s   i n   d e r   T ä t i g k e i t   d e s    M e n-
       s c h e n;   es ist  die Charakteristik  der  Tätigkeit  mit  dem
       Objekt. Es  kann auch nur in den Formen der Tätigkeit existieren!
       Es tritt,  wie Ju. F. Buchalov richtig schreibt, als soziale Cha-
       rakterisierung der  zielgerichteten praktischen und erkenntnisbe-
       zogenen Tätigkeit  auf. "Das  Subjekt, ausgehend  von den eigenen
       Bedürfnissen und  Zielen ...,  gestaltet sie  (die Tätigkeit,  d.
       Red.) zuerst gedanklich und hierauf praktisch um . . . Bei diesem
       Prozeß findet  auch eine  Umgestaltung des Subjekts selbst statt,
       bilden  sich  neue  gesellschaftliche  Beziehungen,  Bedürfnisse,
       Ziele, Kenntnisse  usw. heraus"  (6, S.  112). Anders ausgedrückt
       müssen wir  das Subjektive entweder auf philosophischer Ebene als
       eine Eigenschaft der Tätigkeit oder auf psychologischer Ebene als
       etwas begreifen,  das den Prozeß der Tätigkeit sozusagen von sel-
       ten des  Subjekts lenkt  und bestimmt.  Und dies ist es auch, was
       wir als "psychisch" bezeichnen. Hieraus erklärt sich die bei K.K.
       Platonov durch  und durch  fehlerhafte Auffassung des Subjektiven
       als einer  Eigenschaft, die  auch für das Tier, und nicht nur für
       den Menschen charakteristisch ist.
       Ebenso fehlerhaft  ist K.K.  Platonovs Idee,  daß das  Subjektive
       (darunter das  Ideelle) das   R e s u l t a t  psychischer Wider-
       spiegelung sei. Diese Idee läßt sich aber gut mit seinem Gedanken
       verknüpfen, daß  "das Ideelle  stets das  Psychische" ist:  Dabei
       stellt die Idealität "nichts anderes als die im Ding präsentierte
       Form gesellschaftlich-menschlicher  Tätigkeit" (9,  S. 148)  dar,
       und "das  Bewußtsein und  der Wille  des Individuums  treten  als
       Funktion der  Idealität der  Dinge auf"  (ebd.). Sie sind genauso
       wie andere  psychische Phänomene  psychische Formen des Ausdrucks
       des Ideellen.  Des   A u s d r u c k s,  nicht aber der Existenz!
       Ihre Existenz  ist, wie  A. N.  Leont'ev es gern ausgedrückt hat,
       mit "extrazerebralen" Prozessen verbunden.
       Die zweite These, die das Unbewußte betrifft und die aus dem oben
       dargelegten Standpunkt  L.S. Vygotskijs  folgt, lautet:  Es  gibt
       keine unterschiedlichen  Konzeptionen vom Unbewußten. Es gibt nur
       eine unterschiedliche Auffassung von den Beziehungen des Menschen
       zur Welt,  zur gegenständlichen Tätigkeit; es gibt, wie Vygotskij
       sagt, "unterschiedliche  Konstruktionen eines Wissenssystems". Es
       scheint, daß  eine der  grundlegenden Divergenzen unter den Teil-
       nehmern des  Symposiums zum  Unbewußten sich  auch daraus  ergab,
       welche allgemeine Vorstellung sie jeweils vom Charakter der Wech-
       selbeziehungen zwischen  Mensch und gegenständlicher Wirklichkeit
       und von der Stellung psychischer Prozesse in diesem Beziehungssy-
       stem hatten.  E. Amado Levy-Valensihat in diesem Sinn recht, wenn
       er in  seinem Artikel  über die Epistemologie des Unbewußten her-
       vorhob, daß "die verschiedenen, scheinbar widersprüchlichen Defi-
       nitionen des  Unbewußten die Widersprüche der Wissenschaftler und
       der Schulen,  nicht aber  die Widersprüchlichkeit  der  konkreten
       Wirklichkeit selbst  widerspiegeln" (20, S. 142). Wenn man diesen
       Gedanken ergänzt  und vertieft,  kann man es auch so sagen: nicht
       bloß  der  Schulen,  sondern  verschiedener    m e t h o d o l o-
       g i s c h e r  R i c h t u n g e n.
       Aber wenn  dem so  ist, dann  besteht die vordringlichste Aufgabe
       für einen  Psychologen und  Materialisten darin,  "solche  Analy-
       seeinheiten in  die Psychologie  einzuführen, die  die psychische
       Widerspiegelung, untrennbar von den sie erzeugenden und durch sie
       vermittelten Momenten  menschlicher Tätigkeit,  in  sich  tragen"
       (12, S.  12-13) und sich zu bemühen, das Unbewußte im System sol-
       cher Analyseeinheiten  zu interpretieren.  Ist unsere Psychologie
       dazu bereit?
       Über diese  Aufgabe, die  wir hier  mit den Worten A.N. Leont'evs
       aus seiner  letzten Monographie formuliert haben, war er sich be-
       reits Ende  der dreißiger  Jahre im  klaren, als er "das Sein des
       Psychischen ...  im Vorhandensein  eines einheitlichen und unzer-
       legbaren, beseelten  Lebensprozesses", d.  h. der  Tätigkeit, be-
       stimmte. "Daher  ist der Gegenstand der Psychologie die Tätigkeit
       des Subjekts  in bezug auf die Wirklichkeit, die durch die Abbil-
       dung dieser  Wirklichkeit vermittelt wird" [Manuskript; zit. nach
       (15, S.  87)]. Im  Grunde genommen  war die ganze weitere wissen-
       schaftliche Tätigkeit  A.N. Leont'evs  und seiner  Schüler darauf
       gerichtet, diese  Auffassung zu erschließen und ihr adäquate Ana-
       lyseeinheiten auszuarbeiten.  Diese Arbeit blieb jedoch unvollen-
       det. Im  gegenwärtigen Begriffssystem  der  Tätigkeitspsychologie
       existieren zwei  Reihen von Begriffen und Einheiten friedlich ne-
       beneinander: Einige  von ihnen wie "Einheit" (Vygotskij), "Ebene"
       (Bernstejn, A.N. Leont'ev), "Sinneinstellung" (Asmolov), "Aktivi-
       tät" (V.A.  Petrovskij), "Motiv"  (A.N. Leont'ev,  S.D.  Smirnov)
       sind das  Ergebnis  einer  Überprüfung  des  Begriffssystems  der
       traditionellen Psychologie  vom Standpunkt  des  methodologischen
       Programms Vygotskijs aus; andere, und das ist die Mehrzahl, spie-
       geln das  kartesianische Modell des Verhältnisses von Psychischem
       und Objektiv-Gegenständlichem wider.
       Eine derartige  Überprüfung der psychologischen Einheiten basiert
       auf einigen  Ausgangsthesen. Die erste These ist, wie bereits ge-
       sagt, die Idee des materialistischen Monismus. Die zweite besteht
       in  der   Idee  von   der  Einheit   des  "Extrazerebralen"   und
       "Intrazerebralen", des  Psychischen, wobei  ersterem, d.  h. "der
       Tätigkeit des  Subjekts in  bezug auf die Wirklichkeit", der Vor-
       rang gebührt.  Die dritte These, die aus den ersten beiden folgt,
       ist die These von der dynamischen Natur der grundlegenden psycho-
       logischen Einheiten  und von  der Notwendigkeit,  sie aus der in-
       haltlichen Analyse  und der  Verallgemeinerung  konkreter  Tätig-
       keitsakte abzuleiten.  Beispiel einer  solchen Analyse,  die eine
       Uminterpretation des  Begriffs Motiv zur Folge hatte, ist der Ar-
       tikel von  S.D. Smirnov. Die vierte Ausgangsthese kann folgender-
       maßen formuliert  werden: Das   r e a l e  Verhalten des Menschen
       in der  Welt, nicht  aber eine  bedingte, künstlich ausgesonderte
       und begrenzte  Situation "Mensch  - Gegenstand" muß die Basis für
       eine derartige  Analyse abgeben;  genau in diese Richtung zielten
       die Gedanken A.N. Leont'evs bezüglich des "Abbilds der Welt": Je-
       der aktuelle Einfluß trägt sich in das Abbild der Welt, d. h. ei-
       nes gewissen Ganzen, ein" (14, S. II).
       Somit erfordert auch der Zugang zum Phänomen des Unbewußten nicht
       einfach  nur   die  Eliminierung   psychologischer  Mythen,   des
       "Scheins", und  die Hinwendung zu einem ganzheitlichen System der
       gegenständlichen Tätigkeit  und der sie vermittelnden psychischen
       Faktoren, sondern erfordert - was grundsätzlich von Bedeutung ist
       - eine  i n h a l t l i c h - p s y c h o l o g i s c h e  Heran-
       gehensweise an  die Analyse  der Tätigkeit,  eine    d y n a m i-
       s c h e,   prozeßhafte Herangehensweise. Schließlich erfordert er
       auch die  Zurückweisung eines  in sich  geschlossenen Abbilds der
       Welt und  die Erfassung  einzelner  Einheiten  und  Prozesse  als
       verschiedener Formen  und Aspekte  von Bewegung in einem einheit-
       lichen psychologischen Raum.
       In diesem Zusammenhang stellt sich ganz besonders das Problem des
       "Wahrnehmungshintergrunds" und der Dynamik von Bewußtem und Unbe-
       wußtem, sobald  die aktuell  bewußten und  bewußt  kontrollierten
       Komponenten des Abbilds der Welt von diesem Hintergrund ausgeson-
       dert werden.  Letzten Endes sind ja gerade der Beitrag, die Funk-
       tion und  die Erscheinungsformen des Unbewußten bei der Schaffung
       und Existenz  des menschlichen Abbilds der Welt fast das Wichtig-
       ste am Problem des Unbewußten.
       Die dritte Schlußfolgerung hinsichtlich einer Psychologie des Un-
       bewußten  ist  mit  Vygotskijs  Idee  vom  Individuum  als  einem
       "sozialen Mikrokosmos"  verbunden. Die Tätigkeit, von der hier so
       häufig als  einem Schlüssel zur Interpretation des Psychischen im
       allgemeinen und des unbewußten Psychischen im besonderen die Rede
       war, ist  nicht einfach  etwas Extrazerebrales:  Bei der Untersu-
       chung der  Tätigkeit "muß  man nicht vom einzelnen Individuum und
       der Beschreibung  seiner individuellen  Verhaltensakte  ausgehen,
       sondern von  den Formen sozialer Tätigkeit und sozialer Beziehun-
       gen, die für das ganze gesellschaftliche System in seiner Gesamt-
       heit charakteristisch  sind", welches wiederum den Inhalt und die
       Formen dieser  Tätigkeit vorgibt  (5, S.  61). Deshalb müssen wir
       notwendigerweise zu  der These gelangen, daß das Unbewußte außer-
       halb einer  konkret-sozialen Herangehensweise an die Tätigkeit im
       ganzen nicht  richtig erfaßt  werden kann. Diese These hat ihrer-
       seits zwei  Seiten. Zum  ersten bestimmt eine solche Herangehens-
       weise unser  allgemeines Verständnis  von unbewußten  psychischen
       Phänomenen und  gibt zugleich eine bestimmte Behandlung jener ob-
       jektiven Ausgangsprozesse  vor, deren  dynamische  Wechselwirkung
       die Entstehung  subjektiv-psychischer  Erscheinungen  verursacht.
       Dies ist  an und für sich schon eine äußerst komplizierte Aufgabe
       für eine  Interpretation. Zum  zweiten gibt  es aber sogar in der
       Phänomenologie des Unbewußten eine ganze Reihe von Erscheinungen,
       die außerhalb  einer derartigen konkret-sozialen Herangehensweise
       wissenschaftlich überhaupt  nicht erfaßbar sind, Erscheinungen in
       der Art  der Emphatie  und des  subjektiven Erlebnisses zwischen-
       menschlicher Beziehungen allgemein, in der Art der sozial-psycho-
       logischen Massenprozesse, die seinerzeit von A. S. Prangisvili am
       Phänomen der  Panik ausgezeichnet  untersucht worden  sind,  usw.
       Hier steht in beiden Fällen der materialistischen Auffassung eine
       besondere Form von interaktionistischem Standpunkt gegenüber, der
       am deutlichsten  von der Lacanschen Konzeption des "Sprechwesens"
       hervortritt.
       "Eine Überprüfung der Lehre vom 'Unbewußten' auf ihrer allgemein-
       sten Ebene  vom  Standpunkt  einer  dialektisch-materialistischen
       Philosophie aus  ... stellt  nach unserer Überzeugung die einzige
       Strategie dar, die dieser Lehre umfassende Möglichkeiten für eine
       Weiterentwicklung eröffnet"  (3, S.  375), schrieb F.V. Bassin im
       Jahre 1968.  Die Vorbereitung  auf das  Symposium zum Problem des
       Unbewußten und  dessen Verlauf haben die Richtigkeit dieser Worte
       voll und ganz bestätigt. Es bleibt nur noch hinzuzufügen, daß die
       Bedingung für eine Realisierung dieser Strategie in der Ausarbei-
       tung  einer   methodologisch  konsequenten     a l l g e m e i n-
       p s y c h o l o g i s c h e n   Theorie besteht,  an der auch die
       Psychologie der  unbewußten Prozesse  - oder  der nicht  bewußten
       Tätigkeit - ihren Anteil haben muß.
       
       (Übersetzung aus dem Russischen: Dorina Ting)
       
       Literatur
       ---------
       
       1. K. Marx,  Thesen über  Feuerbach, in: MEW, Bd. 3, Berlin 1969,
       S. 5ff; Ergänzungsband 2, S. 308.
       2. F. Engels,  Biblii cudesnoe  izbavlenie ot derzkogo pokusenija
       (Die frech  bedräute, jedoch  wunderbar befreite Bibel. Oder: Der
       Triumph des Glaubens.), in: K. Marx, F. Engels, Iz rannich proiz-
       vedenij (Aus den frühen Werken), M. (Moskau) 1956.
       3. F.V. Bassin,  Problema bessoznatel'nogo (Das Problem des Unbe-
       wußten), M. (Moskau) 1968.
       4. N.A. Bernstejn, Ocerki po fiziologii dvizenij i fiziologii ak-
       tivnosti (Skizzen  zur Physiologie der Bewegung und zur Physiolo-
       gie der Aktivität), M. (Moskau) 1966.
       5. L.P. Bueva, Social'naja sreda i soznanie licnosti (Das soziale
       Milieu und das Bewußtsein der Persönlichkeit), M. (Moskau) 1968.
       6. Ju. F.  Buchalov, O  dialektike sub-ektivnogo  i  ob-ektivnogo
       (Über die Dialektik des Subjektiven und des Objektiven), in: Len-
       inskaja teorija  otrazenija i  sovremennaja nauka  (Die Leninsche
       Widerspiegelungstheorie  und   die  moderne   Wissenschaft),   M.
       (Moskau) 1966.
       7. L.S. Vygotskij,  Die Krise  der Psychologie  in ihrer histori-
       schen Bedeutung,  in: Lew Wygotski, Ausgewählte Schriften, Bd. l,
       Köln 1985, S. 57-278.
       8. Ders., Psichika,  soznanie, bessoznatel'noe  (Psyche,  Bewußt-
       sein,  Unbewußtes),  in:  L.  S.  Vygotskij,  Sobranie  socinenij
       (Gesammelte Werke), t. l (Bd. 1), M. (Moskau) 1982.
       9. E.V. Il'enkov, Problema ideal'nogo (Das Problem des Ideellen),
       in: Voprosy filosoffii, 1979, 7.
       10. V.L. Kakabadse,  Teoreticeskie problemy glubinnoj psichologii
       (Theoretische Probleme der Tiefenpsychologie), Tbilisi 1982.
       11. S. Leclaire,  Zak Lakan  i vozglavljaemoe  im  psichoanaliti-
       ceskoe dvizenie (Jacques Lacan und die von ihm angeführte psycho-
       analytische Bewegung), Rotaprint /russ./, Tbilisi 1979.
       12. A.N. Leont'ev,  Dejatel'nost', soznanie, licnost' (Tätigkeit,
       Bewußtsein, Persönlichkeit), Izd. 2 (2. Aufl.), M. (Moskau) 1977.
       13. Ders.,  Psichologiceskie   voprosy   soznatel'nosti   ucenija
       (Psychologische Fragen  der Bewußtheit  des  Lernens),  in:  A.N.
       Leont'ev, Dejatel'nost',  soznanie, licnost'  (Tätigkeit, Bewußt-
       sein, Persönlichkeit), Izd. 2 (2. Aufl.), M. (Moskau) 1977.
       14. ders., Psichologija obraza (Die Psychologie des Abbilds), in:
       Vestnik MGU,  serija psichologija (Mitteilungen der Moskauer Uni-
       versität, Serie Psychologie), 1979, 2.
       15. A.A. Leont'ev,  L.S. Vygotskij  i predmet naucnoj psichologii
       (L.S. Vygotskij und der Gegenstand der wissenschaftlichen Psycho-
       logie), in:  Naucnoe tvorcestvo  L.S. Vygotskogo  i  sovremennaja
       psichologija (Das  wissenschaftliche Werk L.S. Vygotskijs und die
       moderne Psychologie), M. (Moskau) 1981.
       16. K.K. Platonov, Sistema psichologii i teorija ostrazenija (Das
       System  der  Psychologie  und  die  Widerspiegelungstheorie),  M.
       (Moskau) 1982.
       17. S.D. Smirnov,  Psichologiceskaja teorija dejatel'nosti i kon-
       cepcija N.  A. Bernstejna  (Die psychologische  Tätigkeitstheorie
       und die  Konzeption N.  A. Bernstejns),  in: Vestnik  MGU, serija
       psichologija (Mitteilungen  der Moskauer  Universität, Serie Psy-
       chologie), 1978, 2.
       18. L.I. Filippov,  Filosofskaja antropologija  Zana Polja Sartra
       (Die philosophische Anthropologie Jean-Paul Sartres), M. (Moskau)
       1977.
       19. Filosofskij slovar'  (Philosophisches Wörterbuch), Izd. 4 (4.
       Aufl.), M. (Moskau) 1981.
       20. E.   Amado    Levy-Valensi,   Pour   une   epistemologie   de
       l'inconscient, in:  Bessoznatel'noe:  priro-da,  funkcii,  metody
       issledovanija (Das  Unbewußte: Wesen,  Funktion, Untersuchungsme-
       thoden), S. Tbilisi 1978.
       21. M. Heidegger, Sein und Zeit, Halle 1941.
       22. M. Merleau-Ponty,  Phénoménologie  de  la  perception,  Paris
       1945.
       23. J.-P. Sartre, L'être et le néant, Paris 1943.
       24. A. Wilden, System and Structure, N.Y. 1972.
       
       _____
       1) Der Aufsatz  wird im  Original  veröffentlicht  in:  Bessozna-
       tel'noe (Das  Unbewußte), Tom  4 (Band 4), Pod redakciej Bassina,
       Prangisvili i  dr. (Red.:  Bassina, Prangisvili  u. a.), Tbilisi:
       Mecnierba 1985. - Anm. d. Red.
       2) französisch: le  parletre; von Lacan geschaffener Neologismus.
       Ausgedrückt werden sollen die Dimension des Sprechens (nach Saus-
       sure) ebenso  wie die  existentielle Dimension als zentrale Merk-
       male menschlicher Existenz. "Sprechen ist keine Eigenschaft, son-
       dern konstituiert  das Sprechwesen  (parletre), das ein menschli-
       ches Subjekt  ist" (s.  Die Verleugnung  des Politischen,  einge-
       reicht beim FB Philosophie und Sozialwissenschaften I der EU Ber-
       lin als Habilitationsschrift von Athanasios Lipowatz, West-Berlin
       1985, S. 40). - Anm. d. Red.
       3) Gemeint ist: auf Grund eines Triebes - Anm. d. Red.
       4) "Phallus" ist  in der  Philosophie Lacans   d a s j e n i g e,
       w o r a u f   m a n   s i c h  b e z i e h t.  Umfassender ausge-
       drückt ist  der Phallus  dasjenige, was  den Realitätsbezug  dar-
       stellt.  Es   ist  unmöglich,  sich  nicht  darauf  zu  beziehen.
       "Phallus" und "Begehren" sind komplementäre Begriffe: Der Phallus
       ist das  Objekt des  Begehrens. Sekundär hierzu die engere Bedeu-
       tung des  Phallus: das objektivierte Symbol für Geltung und Macht
       sowie für den Zugang der Menschen zur Macht. - Anm. d. Red.
       5) Im Original:  "Dans la  perception nous ne pensons pas l'objet
       et nous ne nous pensons le pensant, nous sommes à l'objet et nous
       nous confondons  avec ce  corps qui  en sait plus que nous sur le
       monde, sur  les motifs  et les  moyens qu'on a d'en faire la syn-
       thèse." - Anm. d. Übers.
       6) Im Original:  "Mais l'idée  de Dieu est contradictoire et nous
       nous perdons  en vain; rhomme est une passion inutile." - Anm. d.
       Übers. Ein  entfernter Vorgänger  all dieser Definitionen ist na-
       türlich Spinoza,  dem jedoch die für den Existentialismus so cha-
       rakteristische Ontologisierung des Begehrens fremd war. S. hierzu
       (18, S. 143).
       7) Die Anfänge dieser These führen uns zu Schopenhauer und seinem
       Dualismus von  Willen und  Vorstellung; hieraus  erklärt sich die
       Heideggersche Kategorie  der "Intentionalität".  An dieser  These
       als solcher  kann man  keinen Anstoß  nehmen; sie  ist  nur  dann
       falsch, wenn  man sie  in eine  theoretische  Rechtfertigung  des
       Agnostizismus umzuwandeln versucht.
       8) Zitiert nach  der kürzlich erschienenen deutschen Übersetzung.
       - Anm. d. Red.
       

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