Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986


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       INTERNATIONALISIERUNG - EINE GRUNDTENDENZ
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       DER SMK-ENTWICKLUNG HEUTE
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       Horst Heininger/Lutz Maier
       
       1. Staatsmonopolistische Anpassung in der Gegenwart - 2. Interna-
       tionalisierung und staatsmonopolistische Anpassungsprozesse - 2.1
       Wachsende ökonomische  Interdependenz zwischen  den  kapitalisti-
       schen Industrieländern - 2.2 Neue Formen der Verflechtung von Mo-
       nopolen und Staat auf internationaler Ebene - 2.3 Verstärkte Ten-
       denz einer  internationalen staatsmonopolistischen  Regulierung -
       3. Charakteristika  staatsmonopolistischer  Internationalisierung
       heute - 3.1 Eine neue Stufe kosmopolitischer Ausbeutung - 3.2 Mo-
       difikationen in  den zwischenimperialistischen  Beziehungen - 3.3
       Haupttypen regulierter  Rivalität - Konflikte und Differenzen im-
       perialistischer Strategiebildung  - 4. Hemmnis gleichberechtigter
       internationaler Zusammenarbeit.
       
       Die nunmehr  seit dem  Anfang der  70er Jahre  andauernde Periode
       vermehrter Krisenhaftigkeit und Labilität des Kapitalismus hat zu
       einer erneuten  Belebung der Diskussion über Grundfragen der SMK-
       Theorie geführt.  1) Dies  ist auch verständlich, denn zum ersten
       Mal  ist  der  staatsmonopolistische  Kapitalismus  "auf  eigener
       Grundlage" in  die Krise geraten. Es erweist sich, daß die Formen
       staatsmonopolistischer Produktionsverhältnisse,  die in  den ver-
       gangenen 25 Jahren, seit der vollen Herausbildung des staatsmono-
       polistischen Kapitalismus,  kennzeichnend waren, den Erfordernis-
       sen der modernen Produktivkraftentwicklung immer weniger entspre-
       chen. Hierin besteht die grundlegende Ursache für die Überakkumu-
       lation von  Kapital und die mit ihr verknüpften mannigfachen Kri-
       senprozesse, wie sie gegenwärtig das kapitalistische Wirtschafts-
       system kennzeichnen.
       
       1. Staatsmonopolistische Anpassung in der Gegenwart
       ---------------------------------------------------
       
       Den Kernpunkt  der gegenwärtigen  Diskussion unter  den Marxisten
       über Probleme  der SMK-Theorie  bildet daher  die Frage  nach den
       M ö g l i c h k e i t e n   u n d   G r e n z e n   und vor allem
       nach dem  bisher    e r r e i c h t e n    S t a n d    e i n e r
       A n p a s s u n g  der staatsmonopolistischen Produktionsverhält-
       nisse und  Wirtschaftsregulierung an neue ökonomische und politi-
       sche Erfordernisse.  Unter letzteren  werden sowohl die neuen Re-
       produktions- und Verwertungsbedingungen verstanden, die vor allem
       mit dem  Voranschreiten der  wissenschaftlich-technischen Revolu-
       tion einhergehen  als auch die weiter eingeschränkten äußeren Ex-
       pansionsspielräume des  Monopolkapitals, wie sie sich im Ergebnis
       der veränderten  internationalen Kräfteverhältnisse zugunsten des
       Sozialismus, des gesamten revolutionären Weltprozesses herausbil-
       deten. 2)
       Wenn von  Anpassungsprozessen im  gegenwärtigen Kapitalismus  die
       Rede ist, dann gilt es im Auge zu behalten, daß der Spielraum für
       eine Anpassung der Produktionsverhältnisse gegenüber früheren Pe-
       rioden kapitalistischer  Entwicklung -  auch im  Vergleich zu den
       50er und  60er Jahren  - wesentlich  geringer geworden  ist; denn
       heute geht  es nurmehr  um Anpassung   i m   R a h m e n    d e s
       s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e n
       K a p i t a l i s m u s,   der letzten Entwicklungsstufe des nie-
       dergehenden  Kapitalismus.  Anpassungsprozesse  können  sich  nur
       i n n e r h a l b   d e r s e l b e n   G r u n d q u a l i t ä t
       heutiger kapitalistischer  Produktionsverhältnisse, d.  h. in den
       Grenzen     s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e r    P r o-
       d u k t i o n s v e r h ä l t n i s s e  bewegen.
       Dieser Umstand  ist für  die Analyse  der heutigen  Situation von
       großer Bedeutung.  Er weist  uns u.a.  darauf hin, Anpassungspro-
       zesse in den staatsmonopolistischen Produktionsverhältnissen sehr
       genau und  zugleich umfassend zu untersuchen. Es geht darum, Ver-
       änderungen  in   den    e i n z e l n e n    S e i t e n    u n d
       F o r m e n  d e r  P r o d u k t i o n s v e r h ä l t n i s s e
       - in  den monopolistischen  Konkurrenzbeziehungen, im  Verhältnis
       von Monopolen  und Staat, in den zwischenimperialistischen Bezie-
       hungen, in  den Stadien des Kapitalkreislaufes, im Verhältnis von
       Kapital und  Arbeit, im  widerspruchsvollen Zusammenhang von ein-
       zelstaatlicher Entwicklung  und Internationalisierung  usw. -  zu
       analysieren, in ihrer Entwicklungstendenz einzuschätzen und dabei
       n e u e n  P r o z e s s e n  auf die Spur zu kommen. Nur so wird
       es möglich  sein, Hauptrichtungen  und Ausmaß  der Anpassungspro-
       zesse einzuschätzen  und damit  auch bestimmte  Aufschlüsse  über
       verbleibende Spielräume  und neue Konfliktfelder der weiteren ka-
       pitalistischen Entwicklung zu gewinnen.
       In der bisherigen Diskussion unter den Marxisten wird darauf ver-
       wiesen, daß  sich seit Beginn der 80er Jahre bei Andauern der La-
       bilität und  Krisenhaftigkeit des Kapitalismus zugleich bestimmte
       Tendenzen einer  Anpassung des  staatsmonopolistischen Systems an
       die neuen  Erfordernisse der  Produktivkraftentwicklung sowohl im
       Maßstab der  einzelnen nationalen  Volkswirtschaften als auch auf
       internationaler Ebene abzeichnen. Im Innern der imperialistischen
       Länder umfassen sie - in sehr knapper Zusammenfassung - neue For-
       men der Monopolisierung, eine gewisse Reorganisation der ökonomi-
       schen Rolle  des Staates  zugunsten einer  gezielteren Einwirkung
       auf die Forschung und Entwicklung, einer entsprechenden Förderung
       der Akkumulation  und Veränderungen in den Verteilungsverhältnis-
       sen zwischen  den Klassen  und Schichten im Interesse des Profits
       und andere Formen. 3) Es handelt sich hierbei um bestimmte Verän-
       derungen in den Formen staatsmonopolistischer Produktionsverhält-
       nisse, wie  sie für  die vergangenen Jahrzehnte kennzeichnend wa-
       ren.
       Im Ergebnis  des zwischenimperialistischen  Konkurrenzkampfes und
       der wachsenden Bedeutung der Ökonomie, der Wissenschaft und Tech-
       nik in der Systemauseinandersetzung zwischen Kapitalismus und So-
       zialismus wachsen die Erfordernisse einer internationalen Produk-
       tivkraftentwicklung. Der staatsmonopolistische Kapitalismus steht
       vor der Notwendigkeit, sich diesen Erfordernissen anzupassen.
       
       2. Internationalisierung und
       ----------------------------
       staatsmonopolistische Anpassungsprozesse
       ----------------------------------------
       
       Als Anpassungsprozesse  auf internationaler  Ebene zeichnen  sich
       eine wachsende  ökonomische  Verflechtung  der  imperialistischen
       Staaten untereinander  und verstärkte Tendenzen einer internatio-
       nalen staatsmonopolistischen  Regulierung ab.  Dabei fällt beson-
       ders ins Auge, daß neben den transnationalen Monopolen, deren Ex-
       pansion bereits über mehr als zwei Jahrzehnte zurückreicht, jetzt
       der imperialistische Staat über zwischenstaatliche Vereinbarungen
       und andere Formen immer stärker in den Internationalisierungspro-
       zeß hineingezogen wird. Diese Entwicklungstendenzen haben für den
       Umfang und den Charakter der gegenwärtigen staatsmonopolistischen
       Anpassungsprozesse besonderes  Gewicht, denn  in  der  bisherigen
       Entwicklung war  der staatsmonopolistische Kapitalismus vor allem
       durch die Herausbildung bestimmter Formen der Produktionsverhält-
       nisse im  e i n z e l s t a a t l i c h e n  Maßstab gekennzeich-
       net. Ein Hinaustreten dieser durch die Wechselwirkung von Monopo-
       len und Staat gekennzeichneten Verhältnisse über die einzelstaat-
       lichen Grenzen  hinaus, wie  es bisher bereits im regionalen Maß-
       stab -  in Gestalt der westeuropäischen Integration - zu beobach-
       ten war, bedeutet ohne Zweifel etwas qualitativ Neues in der Ent-
       wicklung des  staatsmonopolistischen Kapitalismus. Aufmerksamkeit
       verdient dabei  besonders die Rolle des Staates. Die Einbeziehung
       des Staates  in die  kapitalistischen Produktionsverhältnisse auf
       internationaler Ebene  muß von  vornherein in  anderen Formen vor
       sich gehen als auf nationaler Ebene.
       Die Internationalisierung  von Produktion  und Kapital  schreitet
       voran, die  Aufgliederung der  kapitalistischen Weltwirtschaft in
       "einzelstaatliche Volkswirtschaften" bleibt aber gleichzeitig be-
       stehen. Die Herausbildung von staatlichen Elementen internationa-
       ler kapitalistischer  Produktionsverhältnisse ist  daher auf neue
       Weise mit Interessenkoalitionen und -konflikten zwischen Staaten,
       zwischen Monopolen  und Staaten  wie auch  zwischen den Monopolen
       "verschiedener Nationalität" verknüpft.
       Die nähere  Untersuchung des Prozesses staatsmonopolistischer In-
       ternationalisierung ist  darum  besonders  geeignet,  Aufschlüsse
       über den  gegenwärtigen Charakter  und Umfang  der Anpassungspro-
       zesse zu vermitteln. Wie diese internationalen Anpassungsprozesse
       zu erfassen  und zu  werten sind, welche  A n s ä t z e  sich aus
       der  gegenwärtigen  staatsmonopolistischen  Internationalisierung
       für die weitere Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalis-
       mus ergeben, darüber gehen die Meinungen in der marxistischen Li-
       teratur weit auseinander. 4)
       In der Literatur finden sich Einschätzungen der heutigen Interna-
       tionalisierungstendenzen    des     Kapitalismus,     die     vom
       "Hinüberwachsen in einen zwischenstaatlich-monopolistischen Kapi-
       talismus in  seine transnationale  Form" 5)  und der Feststellung
       von einem Prozeß der "widersprüchlichen Herausbildung internatio-
       naler Formen  des staatsmonopolistischen  Kapitalismus" 6) bis zu
       der Feststellung reichen, daß von einer Internationalisierung des
       staatsmonopolistischen  Kapitalismus   nicht  gesprochen   werden
       könne. 7)  Dabei sind sich die meisten Autoren einig, daß die zu-
       nehmende Internationalisierung  der Wirtschaft seit den 50er Jah-
       ren ein  wesentlicher Grundzug  der kapitalistischen  Entwicklung
       ist und  sich dieser Prozeß auch in der letzten Zeit beschleunigt
       hat. Auseinander  gehen die  Meinungen vor allem in der Bewertung
       dieses Prozesses,  vor allem  in der  Einschätzung, inwieweit  es
       sich hierbei  um eine bestimmte neue Qualität im Entwicklungspro-
       zeß des staatsmonopolistischen Kapitalismus handelt.
       Diese Frage  kann nur durch eine Analyse der jüngsten Entwicklung
       in den internationalen ökonomischen Prozessen beantwortet werden.
       Unerläßlich ist  dabei die  Herausarbeitung bestimmter  Kriterien
       der heutigen  staatsmonopolistischen  Internationalisierung,  die
       näheren Aufschluß  über Haupttendenzen der SMK-Entwicklung geben.
       Nach unserer  Auffassung lassen  sich zumindest  d r e i  solcher
       K r i t e r i e n   bestimmen, denen  zufolge wir  es gegenwärtig
       mit einer  neuen Qualität,  mit einer neuen Stufe staatsmonopoli-
       stischer Internationalisierung zu tun haben.
       
       2.1 Wachsende ökonomische Interdependenz zwischen
       -------------------------------------------------
       den kapitalistischen Industrieländern
       -------------------------------------
       
       Als ein   e r s t e s  wesentliches  K r i t e r i u m  der neuen
       Stufe  staatsmonopolistischer  Internationalisierung  zeigt  sich
       seit den  60er Jahren  eine   w a c h s e n d e    w e c h s e l-
       s e i t i g e    ö k o n o m i s c h e    A b h ä n g i g k e i t
       z w i s c h e n  d e n  k a p i t a l i s t i s c h e n  I n d u-
       s t r i e l ä n d e r n, eine  zunehmende ökonomische Interdepen-
       denz zwischen  ihnen. Mit  dieser Entwicklung erreicht der Prozeß
       der Internationalisierung  der kapitalistischen  Wirtschaft  eine
       weitere wesentliche Ausprägung.
       Während bis  zum zweiten  Weltkrieg die Internationalisierung vor
       allem der  Zirkulationssphäre charakteristisch war, ist jetzt mit
       dem Übergang  zur  wissenschaftlich-technischen  Revolution  eine
       wachsende Internationalisierung der Produktionsphäre im kapitali-
       stischen Weltwirtschaftssystem  zu beobachten.  Von ihr werden in
       erster Linie  die kapitalistischen  Industrieländer  erfaßt.  Ein
       Kriterium für den Entwicklungsstand ist die starke Ausprägung der
       internationalen Arbeitsteilung zwischen diesen Staaten.
       Ihren Ausdruck  findet die   n e u e   S t u f e    d e r    i n-
       t e r n a t i o n a l e n   A r b e i t s t e i l u n g   8)  vor
       allem in  der Tatsache,  daß neben einer weiteren Entwicklung der
       Arbeitsteilung "im  allgemeinen" besonders  seit den  60er Jahren
       eine weitere  Differenzierung und  Vertiefung  bei  der  Arbeits-
       teilung "im besonderen", d.h. bei der Arbeitsteilung zwischen den
       Sparten, Branchen  und Bereichen der Industriezweige, zu beobach-
       ten ist.  Die "Sortimentsexplosion"  bei  Produktionsmitteln  und
       Konsumgütern hat  eine bedeutende  Vertiefung des wechselseitigen
       Warenaustausches zur  Folge. Die wachsende Importabhängigkeit al-
       ler kapitalistischen  Industrieländer in allen Zweigen der verar-
       beitenden Industrie ist hierfür ein beredter Ausdruck.
       So stieg  in dem relativ kurzen Zeitraum von 12 Jahren der Anteil
       der Importe aus den kapitalistischen Industrieländern am Inlands-
       verbrauch der verarbeitenden Industrie der EG-Staaten von 12 Pro-
       zent im  Jahre 1968  auf 24  Prozent 1980/81  und für  den  Wirt-
       schaftsraum USA/Kanada  von 5 auf 8 Prozent. Besonders rasch ent-
       wickelten sich  dabei die Anteile der Importe am Inlandsverbrauch
       von Maschinen und Geräten, nämlich von 15 auf 33 Prozent bzw. von
       5 auf 11 Prozent. 9)
       Neu ist  mit dem  Voranschreiten der wissenschaftlich-technischen
       Revolution die  Vertiefung der Arbeitsteilung "im einzelnen". Mit
       dem Heraustreten  aus der  betrieblichen Arbeitsteilung  in  eine
       Form der  gesellschaftlichen Arbeitsteilung entwickelt diese Form
       eine besondere  Dynamik. In dem Warenaustausch der verarbeitenden
       Industrie nehmen  auf Grund  wachsender internationaler Speziali-
       sierung und Kooperation Baugruppen, Einzelteile und Zulieferungen
       ein immer  größeres Gewicht  ein. Dieser  Prozeß ist Ausdruck des
       modernen wissenschaftlich-technischen  Fortschritts und in seiner
       Vertiefung objektiv bedingt.
       Einige Autoren weisen zu Recht darauf hin, daß Volumen und Struk-
       tur dieses  Warenaustausches  durch  den  monopolkapitalistischen
       Charakter der  internationalen Arbeitsteilung  geprägt werden und
       damit nur  ungenügend über  den "wirklichen" Grad der Arbeitstei-
       lung Auskunft geben könnten. 10) In der Tat bringt der Kapitalis-
       mus solche  Verzerrungen hervor, weil die internationale Arbeits-
       teilung eindeutig  den Verwertungsinteressen  und Machtpositionen
       der  konkurrierenden  Kapitale  untergeordnet  wird.  Gegenwärtig
       rechnen zu  solchen Verzerrungen  im Warenaustausch  zwischen den
       kapitalistischen Industrieländern  in erster  Linie die durch die
       Profitstrategie der  internationalen Konzerne hervorgerufene Aus-
       dehnung des  Austausches gleicher  Waren. Namentlich im Konsumgü-
       terbereich handelt  es sich  teilweise um  eine künstlich manipu-
       lierte Sortimentsdifferenzierung.  In diesen  Fällen kann man von
       einem Austausch von Substituten sprechen.
       Von einigen  Autoren wird aber die neue Stufe der internationalen
       Arbeitsteilung mit dem Hinweis auf den substitutiven Handel über-
       haupt in  Abrede gestellt.  Die Argumentationskette ist folgende:
       Ein großer  Teil des  Warenaustausches zwischen  den kapitalisti-
       schen  Industrieländern  entfalle  auf  "intraindustriellen  Aus-
       tausch" und  sei damit  im wesentlichen  ein "substitutiver"  und
       kein "komplementärer"  Handel. Damit  werde deutlich,  daß wir es
       eher mit einer abnehmenden Arbeitsteilung zu tun hätten.
       Nicht überzeugend ist bei dieser Argumentation vor allem eine be-
       stimmte    Gleichsetzung     von     "intraindustriellem"     und
       "substitutivem" Austausch.  Es wird  nämlich übersehen,  daß  die
       sich im Ergebnis der wissenschaftlich-technischen Revolution ver-
       stärkende Arbeitsteilung  "im besonderen" und "im einzelnen" eine
       wachsende Sortimentsdifferenzierung  bei  Produktionsmitteln  und
       Verbrauchsgütern, eine  weitere Untergliederung  der  bestehenden
       und die  Herausbildung immer  neuer Branchen  und Zweige wie auch
       eine Ausgliederung der Erzeugung von Einzelteilen, Baugruppen und
       Vorprodukten als selbständige Produktion und damit einen entspre-
       chenden  Warenaustausch   zur  Folge   hat.   Dies   alles   sind
       "intraindustrielle" Prozesse.  Ihre Zunahme ist folglich eher ein
       Indiz für  wachsende internationale  Arbeitsteilung denn  für das
       Gegenteil. Sie  ist gerade  wesentlicher Ausdruck der Arbeitstei-
       lung  i n  d i e  T i e f e,  des Voranschreitens der Entwicklung
       der Produktivkräfte  und nicht  schlechthin eines wachsenden sub-
       stitutiven Austauschs.
       Dabei gilt  es zu berücksichtigen, daß sich mit dem weiteren Vor-
       anschreiten der  wissenschaftlich-technischen Revolution die For-
       men der  internationalen Arbeitsteilung  und  Kapitalverflechtung
       verändern können  und davon auch Umfang und Struktur des interna-
       tionalen Austausches beeinflußt werden. Schon in den letzten Jah-
       ren zeichnete  sich deutlich ab, daß die wissenschaftlich-techni-
       sche und  Produktionskooperation zwischen den Monopolen zunehmen-
       des Gewicht erhält und dabei der wissenschaftlich-technische Aus-
       tausch besondere Bedeutung erlangt. Gleichzeitig wächst die Rolle
       der Dienstleistungen  und damit der in diesem Sektor tätigen Kon-
       zerne im  internationalen Austausch.  Alle diese  Prozesse führen
       besonders zu  einer Zunahme des Austauschs immaterieller Leistun-
       gen. Die  weitere Vertiefung  der internationalen  Arbeitsteilung
       wird daher künftig auch in neuen Formen vor sich gehen, die nicht
       mit einer  Vergrößerung des  Warenaustausches in  dem  bisherigen
       Ausmaß verbunden sein müssen.
       Wachsende ökonomische  Interdependenz bedeutet  gleichzeitig, daß
       sich in  den 60er  und 70er  Jahren beschleunigt  eine   w e c h-
       s e l s e i t i g e   K a p i t a l v e r f l e c h t u n g  zwi-
       schen den imperialistischen Staaten herausbildet. Es geht hierbei
       um  die   Direktinvestitionen  transnationaler  Monopole  in  den
       kapitalistischen Industrieländern.  Etwa 70 Prozent aller Direkt-
       investitionen  werden   wechselseitig  in   den  kapitalistischen
       Industrieländern angelegt.   H a u p t t r ä g e r  d e s  P r o-
       z e s s e s     s i n d    d i e    t r a n s n a t i o n a l e n
       K o n z e r n e,   die nach wie vor ihre "nationale" Kapitalbasis
       in den einzelnen imperialistischen Ländern haben.
       Mit der qualitativ neuen Stufe der internationalen Arbeitsteilung
       und der Internationalisierung der Produktion vollziehen sich auch
       tiefgreifende Veränderungen  im Niveau der "Weltkonzentration des
       Kapitals". Es  kommt zur   H e r a u s b i l d u n g    n e u e r
       M e r k m a l e    d e s    i n t e r n a t i o n a l e n    F i-
       n a n z k a p i t a l s.   Seit den  60er Jahren  vollzieht  sich
       eine geradezu  sprunghafte Ausdehnung der internationalen Aktivi-
       täten der großen Industrie- und Bankmonopole, die sich bis in die
       Gegenwart weiter  fortsetzt. Anfang der 80er Jahre betrug der An-
       teil des  Auslandsgeschäfts bei den größten transnationalen Indu-
       striemonopolen 40  Prozent und der Anteil der im Auslandsgeschäft
       realisierten Profite  bereits über 50 Prozent. Die größten Banken
       der kapitalistischen  Länder realisieren heute zwischen 40 und 80
       Prozent ihrer  Bankprofite im  Auslandsgeschäft. Mit  dieser Ent-
       wicklung werden die Bedingungen der Kapitalverwertung immer stär-
       ker internationalisiert.
       Zugleich erfahren  die Formen der internationalen finanzkapitali-
       stischen Verflechtung  eine wesentliche  Weiterentwicklung. Neben
       der Ausdehnung  des Beteiligungssystems  entstehen in den letzten
       Jahren zunehmend  Formen der gegenseitigen Verflechtung "ohne Ei-
       gentum", wie Kooperationsvereinbarungen, Konsortienbildungen län-
       gerfristigen Charakters,  Technologieaustauschverträge u.  a.  Es
       bilden sich  neuartige internationale  Leihkapitalmärkte, wie der
       Eurodollarmarkt, die  Off-shore-Bankplätze u.  a. heraus, die von
       den nationalen  Leihkapitalmärkten und  Devisengesetzen  getrennt
       fungieren und  auf denen  die Banken direkten Zugang zu allen ge-
       suchten Währungen haben.
       Die Ausdehnung  der internationalen  Produktions- und Kapitalver-
       bindungen bringt immer enger werdende gegenseitige Interessenver-
       flechtung und ökonomische Abhängigkeit zwischen den Konzernen und
       Banken mit  sich. Daraus resultiert für alle monopolistischen Un-
       ternehmen, finanzkapitalistischen  Gruppen und  "nationalen"  Fi-
       nanzkapitale der  Zwang, die  Verfolgung ihrer eigenen Konkurren-
       zinteressen gegen  die anderen mit einem bestimmten Maß an Koope-
       ration, mit Kompromissen und einer gewissen gegenseitigen Berück-
       sichtigung und Abstimmung der Interessen zu verbinden.
       Natürlich ist  diese wechselseitige ökonomische Abhängigkeit kein
       Prozeß des  automatischen Zusammenwachsens  der verschiedenen na-
       tionalen Kapitale.  Im Gegenteil,  diese wechselseitige Verflech-
       tung bildet  wiederum die  Grundlage für das Entstehen neuer Kon-
       flikte und  den Rahmen für die Auseinandersetzung und die Rivali-
       tät zwischen  den imperialistischen  Ländern. Auch  ist die  Ver-
       flechtung in  den einzelnen  Bereichen und  Zweigen durchaus kein
       gleichförmiger und  ununterbrochener Prozeß.  Es ist möglich, und
       in einzelnen  Zweigen ist das bereits festzustellen, daß sich be-
       stimmte wechselseitige  Abhängigkeiten wiederum  abschwächen kön-
       nen. Das  bedeutet, daß  die wachsende ökonomische Interdependenz
       weder eine Grundlage für das Verschwinden der Konkurrenz- und Ri-
       valitätskämpfe noch ein sich ständig beschleunigender Prozeß ist.
       Wesentlich ist aber, daß sich seit den letzten beiden Jahrzehnten
       gewissermaßen der   "S o c k e l    d e r    w e c h s e l s e i-
       t i g e n     ö k o n o m i s c h e n    A b h ä n g i g k e i t"
       erhöht hat,  und daß  die weitere Zunahme der ökonomischen Inter-
       dependenz ein  objektiver  Prozeß  ist.  Internationale  Arbeits-
       teilung in  ihrer  neuen  Stufe  und  die  wachsende  Kapitalver-
       flechtung sind  unumkehrbar  und  damit  ein  deutliches  Zeichen
       dafür. All  dies bedeutet keineswegs, daß die konkrete Gestaltung
       der  Export-Import-Strukturen   und  anderer   Formen   der   Au-
       ßenwirtschaftsverflechtungen eines Landes im einzelnen festgelegt
       ist, was  in einem  Prozeß demokratischer Veränderungen besondere
       Bedeutung erlangen kann.
       
       2.2 Neue Formen der Verflechtung von Monopolen und Staat
       --------------------------------------------------------
       auf internationaler Ebene
       -------------------------
       
       Ein   z w e i t e s   entscheidendes   K r i t e r i u m  für die
       Einschätzung der  heutigen staatsmonopolistischen Internationali-
       sierung besteht darin, daß sich auf der Basis der wachsenden öko-
       nomischen Interdependenz eigenständige Formen des Zusammenwirkens
       von Monopolen  und Staat auf internationaler Ebene entwickelt ha-
       ben, die sich von denen im nationalen Maßstab unterscheiden.
       Wie alle  gesellschaftlichen Erscheinungen  betrachtet die marxi-
       stisch-leninistische Theorie  auch die Verflechtung von Monopolen
       und Staat  und den  staatsmonopolistischen Kapitalismus insgesamt
       seit jeher  nicht als eine starre, feststehende Erscheinung, son-
       dern untersucht  sie in  ihrer  historischen  Konkretheit,  ihrer
       Dynanik, ihrer Bewegung und Veränderung. Bekanntlich entwickelten
       sich staatsmonopolistische  Formen kapitalistischer  Produktions-
       verhältnisse in unterschiedlichem Tempo und Reifegrad zunächst im
       nationalen Maßstab  der Volkswirtschaften der einzelnen kapitali-
       stischen Länder. Jetzt zwingt die wachsende Internationalisierung
       der Produktivkraftentwicklung zur Herausbildung von Formen inter-
       nationaler staatsmonopolistischer Produktionsverhältnisse, in die
       nicht nur die transnationalen Monopole, sondern auch der Staat in
       seinen ökonomischen Funktionen immer mehr einbezogen wird.
       Grundlage dieses  Prozesses ist die schrittweise Verflechtung der
       Kapitalkreisläufe und damit der nationalen Reproduktionsprozesse.
       Diese Verflechtung  geht in  den einzelnen Stadien des Kreislaufs
       des industriellen  Kapitals -  vor allem in der Produktion - von-
       statten. Jedes Stadium des Kapitalkreislaufs vollzieht sich heute
       nicht nur im Rahmen einzelner kapitalistischer Länder, sondern in
       wachsender internationaler Verflechtung, und in jedem dieser Sta-
       dien sind Aktivitäten des imperialistischen Staates notwendig, um
       die Durchsetzung der internationalen Profitstrategie "seiner" Mo-
       nopole zu sichern. Da der Kapitalismus keinen "Weltstaat" hervor-
       bringen kann,  vollzieht sich  die Herausbildung  von staatlichen
       Elementen internationaler  Produktionsverhältnisse auf  zwischen-
       staatlicher Basis  und über internationale zwischenstaatliche Or-
       ganisationen. Diese  Verflechtung von Monopolen und Staat ist da-
       durch gekennzeichnet,  daß die Internationalisierung des Kapitals
       den nationalen  staatlichen  Rahmen  gewissermaßen  "überwindet",
       ohne eine "übernationale" staatliche Entsprechung zu finden.
       So erweitern  sich mit  der wachsenden  Internationalisierung des
       Wirtschaftslebens die  außenwirtschaftlichen Funktionen des Staa-
       tes in den kapitalistischen Industrieländern. Das gilt sowohl für
       die verschiedenen  Gebiete der  internationalen Wirtschaftsbezie-
       hungen -  Kapitalexport, Währung,  Kredit, Handel u.a. - als auch
       für die  einzelnen staatlichen  Subjekte dieser Beziehungen - die
       Staaten, die  internationalen Organisationen  und  Institutionen.
       Dabei gewinnt  die Rolle  von bilateralen und multilateralen Ver-
       einbarungen mit  anderen Staaten  an Bedeutung.  In ihnen  kommen
       zeitweilige Kompromisse  entsprechend den  jeweiligen  Kräftever-
       hältnissen zum Ausdruck.
       So erfolgt  die "Einbeziehung" des Staates in die Produktionsver-
       hältnisse auf der internationalen Ebene anders als auf nationaler
       Ebene, nämlich  nur über solche Elemente, die auf internationaler
       Ebene auch  durchsetzbar sind:  a u f  z w i s c h e n s t a a t-
       l i c h e r  B a s i s  und  ü b e r  i n t e r n a t i o n a l e
       k a p i t a l i s t i s c h e  O r g a n i s a t i o n e n  u n d
       r e g i o n a l e  I n t e g r a t i o n s g e b i l d e  wie die
       westeuropäische Integration.
       Ihren besonderen Ausdruck findet die staatsmonopolistische Inter-
       nationalisierung vor  allem in dem Zusammenwirken transnationaler
       Industrie- und  Bankkonzerne mit internationalen Wirtschaftsorga-
       nisationen wie IWF, Weltbank, OECD, GATT und EG. Gerade hier fin-
       den sich  auch neue Ansätze einer internationalen staatsmonopoli-
       stischen Regulierung.
       
       2.3 Verstärkte Tendenzen einer internationalen
       ----------------------------------------------
       staatsmonopolistischen Regulierung
       ----------------------------------
       
       Wie die  Entwicklung auf  wichtigen Gebieten  - vor allem auf dem
       der Energiewirtschaft  sowie der Welthandels-, Währungs- und Kre-
       ditbeziehungen -  beweist, zeichnen  sich im  Verlaufe  der  70er
       Jahre Prozesse  einer verstärkten  Herausbildung des  internatio-
       nalen staatsmonopolistischen Regulierungsmechanismus an die neuen
       Erfordernisse der  Internationalisierung ab. Hierin sehen wir ein
       d r i t t e s   K r i t e r i u m  für die neue Stufe staatsmono-
       polistischer Internationalisierung.
       Entsprechend der  Entfaltung der  internationalen staatsmonopoli-
       stischen Produktionsverhältnisse kann es sich auch bei der Anpas-
       sung auf dem Gebiet der internationalen Regulierung nur um Stufen
       innerhalb der  staatsmonopolistischen  Entwicklung  handeln.  Als
       Subjekte treten  hier die  internationalen Monopole,  die Staaten
       und die  internationalen Organisationen  bzw. regionalen Gruppie-
       rungen auf. Neue Tendenzen der internationalen staatsmonopolisti-
       schen Regulierung zeigen sich vor allem in drei Richtungen:
       E r s t e n s  bildet sich ein Mechanismus wirtschaftspolitischer
       Konsultationen und  Abstimmungen zwischen den Regierungen der im-
       perialistischen Länder  sowie zwischen  den Vertretern dieser Re-
       gierungen und  internationalen monopolistischen Interessenverbän-
       den heraus. Dazu zählen regelmäßige Treffen auf Ministerebene, im
       Rahmen der EG sowie die jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel
       der führenden  kapitalistischen  Staaten.  Eine  wachsende  Rolle
       spielen "Gruppentreffen"  führender  Vertreter  imperialistischer
       Staaten zu  ausgewählten internationalen Wirtschaftsproblemen (z.
       B. "Fünfergruppe" auf finanz- und währungspolitischem Gebiet, die
       "Vierergruppe" zu Handelsfragen u.a.).
       Z w e i t e n s     zeigt  sich   eine  Funktionserweiterung  und
       -veränderung bei den bereits bestehenden internationalen ökonomi-
       schen Organisationen,  und es  kommt auch  zur Neubildung solcher
       Institutionen. Im  Mittelpunkt dabei  stehen u.  a. der  IWF, die
       Weltbank, das  GATT, die OECD und die Internationale Energieagen-
       tur (IEA) sowie auch neue Ansätze bei den Versuchen, die Regulie-
       rung im Rahmen der westeuropäischen Integration voranzubringen.
       D r i t t e n s   handelt es  sich in engem Zusammenhang damit um
       das neuartige  und verstärkte  Zusammenwirken von transnationalen
       Industriekonzernen und  Banken mit derartigen internationalen In-
       stitutionen. Dieser Prozeß vollzieht sich auf der Grundlage einer
       weiteren Expansion  der internationalen  Industrie- und Bankmono-
       pole, die  ihren Einfluß auf die Wirtschaftsbeziehungen noch wei-
       ter ausbauen können. Als Beispiel können hier vor allem die Akti-
       vitäten transnationaler  Banken im Zusammenwirken mit dem IWF und
       der Weltbank  beim sogenannten  Schuldenmanagement gegenüber  den
       Entwicklungsländern genannt werden.
       Auch unter  den Bedingungen verstärkter staatlicher und zwischen-
       staatlicher Einwirkung  auf die ökonomischen Prozesse und der da-
       durch bewirkten  Modifizierungen bildet der Profit-Preismechanis-
       mus nach  wie vor die Grundlage der kapitalistischen Wirtschafts-
       regulierung -  auch im internationalen Maßstab. Nach wie vor sind
       es vor allem solche Kategorien wie Preis, Zins und Währungskurse,
       die über  die Zirkulation ihre regulierende Funktion bei der Her-
       stellung der  vom Profit diktierten Proportionalität der interna-
       tionalen Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft ausüben. Die
       ökonomischen Gesetze und Kategorien wirken als objektive ökonomi-
       sche Zwänge  auf die  Tätigkeit der  Wirtschaftssubjekte, und sie
       setzen sich  - wenn  auch durch  staatsmonopolistische  Eingriffe
       stark modifiziert  und verzerrt - bei der Regulierung der kapita-
       listischen Wirtschaft durch.
       Bei dem  heutigen Mechanismus der internationalen staatsmonopoli-
       stischen Regulierung  handelt es  sich also  um die widerspruchs-
       volle Einheit und Wechselwirkung zwischen der Tätigkeit der Wirt-
       schaftssubjekte auf  den verschiedenen  Ebenen dieser Regulierung
       und dem Wirken objektiver Zwänge der ökonomischen Gesetze und Ka-
       tegorien in  den internationalen Wirtschaftsbeziehungen des Kapi-
       talismus.
       
       3. Charakteristika staatsmonopolistischer
       -----------------------------------------
       Internationalisierung heute
       ---------------------------
       
       3.1 Eine neue Stufe kosmopolitischer Ausbeutung
       -----------------------------------------------
       
       Ausgehend von  den dargelegten  Kriterien läßt sich die Feststel-
       lung treffen, daß die staatsmonopolistische Internationalisierung
       eine neue  Stufe erreicht,  daß sie  sich zu einem  M e r k m a l
       d e s  h e u t i g e  K a p i t a l i s m u s  entwickelt.
       Auf diesem  Wege versucht  das Monopolkapital, sich eine stärkere
       Nutzung der  Potenzen der modernen Produktivkräfte und der inter-
       nationalen Arbeitsteilung  sowie gewisse  Möglichkeiten zur Regu-
       lierung akuter  Konflikte in den zwischenimperialistischen Bezie-
       hungen zu  erschließen. Zugleich erweitern und vertiefen sich je-
       doch die  kapitalistischen  Ausbeutungsverhältnisse,  der  Wider-
       spruch zwischen Kapital und Arbeit sowie alle sozialen Antagonis-
       men in internationalen Dimensionen. Die staatsmonopolistische In-
       ternationalisierung führt  auf der  Grundlage der transnationalen
       Kapitalexpansion und der internationalen Verflechtung der einzel-
       staatlichen Reproduktionsprozesse  dazu, daß  die Werktätigen von
       immer mehr  kapitalistischen Ländern und viele Entwicklungsländer
       in ein   i n t e r n a t i o n a l e s    N e t z    f i n a n z-
       k a p i t a l i s t i s c h e r     A u s b e u t u n g     u n d
       H e r r s c h a f t   eingebunden werden, in dem sich ständig in-
       ternationale  Umverteilungsprozesse   von   Wert   und   Mehrwert
       zugunsten der  stärksten Monopole  und  imperialistischen  Länder
       vollziehen.
       Marx sprach  seinerzeit in  Verbindung mit  der Herausbildung des
       Weltmarktes von der "Ausbeutung in ihrer kosmopolitischen Gestal-
       tung". 11) Auf ihrer heutigen Stufe vollzieht sich diese kosmopo-
       litische Ausbeutung  in mannigfaltigen  Formen. Ihre    e r s t e
       u n d   H a u p t f o r m   bildet die international organisierte
       direkte  Ausbeutung   von   Arbeitskräften   in   der      P r o-
       d u k t i o n s s p h ä r e.  Die transnationalen Monopole nutzen
       hier besonders  die  bedeutenden  Lohnunterschiede  zwischen  den
       einzelnen  Ländern,   vor  allem  zwischen  Industrieländern  und
       Entwicklungsländern, wo  die Lohndifferenz  je nach  Branche  und
       Qualifikation von der Hälfte bis zum Fünffachen beträgt. Eine we-
       sentliche Rolle  spielt auch die internationale Migration von Ar-
       beitskräften. Anfang  der 80er  Jahre wurden  in den kapitalisti-
       schen Industrieländern  rund  25  Millionen  Arbeitskräfte  (ein-
       schließlich ihrer  Familienangehörigen) aus  dem  Ausland  heran-
       gezogen. Verschärft  wird dieser  Ausbeutungsprozeß dadurch,  daß
       ein wachsender Teil der Profite speziell aus den Entwicklungslän-
       dern in  die großen kapitalistischen Industrieländer transferiert
       wird und  dieser Profittransfer  inzwischen die  in den  Entwick-
       lungsländern von  den ausländischen Monopolen getätigten Neuinve-
       stitionen beträchtlich übersteigt. 12)
       Millionen von  Arbeitern und Angestellten arbeiten somit heute zu
       einem großen  Teil an  Produktionsmitteln, die Monopolen gehören,
       deren Leitungszentrale  in anderen  Ländern  oder  gar  Erdteilen
       liegt, wo  die Aneignung  der Ergebnisse ihrer Arbeit erfolgt und
       die strategischen  Entscheidungen über  ihr  Dasein  fallen,  was
       zweifellos eine  neue Stufe sozialer Unsicherheit und Entfremdung
       der Arbeit bedeutet.
       Eine   z w e i t e   F o r m   dieser internationalen  Ausbeutung
       bildet die  Nutzung der  Z i r k u l a t i o n s k a n ä l e  für
       die Umverteilung (über konzerninterne Preise, Unterschiede im in-
       ternationalen  Preisgefüge,  Nichtäquivalentenaustausch,  Kredite
       und Zinsen, Währungsschwankungen usw.) Eine  d r i t t e  F o r m
       umfaßt schließlich  die   A u s p l ü n d e r u n g,   die   B e-
       n a c h t e i l i g u n g   und das   A b h ä n g i g m a c h e n
       (heute  zunehmend   in   wissenschaftlich-technischer   Hinsicht)
       g a n z e r   L ä n d e r   u n d  N a t i o n e n,  vor allem im
       Bereich der  Entwicklungsländer, aber  auch vieler kleiner Länder
       in der  Zone des  entwickelten Kapitalismus  durch die  stärksten
       imperialistischen Staaten.
       Die staatsmonopolistische  Internationalisierung der Ausbeutungs-
       verhältnisse  hat   also  eine    s o z i a l e    und    e i n e
       n a t i o n a l e  Komponente. Dies stimuliert eine entsprechende
       Spezifik und  Verbindung von sozialen Antagonismen und nationalen
       Konflikten sowie  aus ihr  erwachsende gesellschaftliche Bewegun-
       gen, deren  Inhalt und Richtung zunehmend von den internationalen
       Dimensionen und  neuen Formen der staatsmonopolistischen Entwick-
       lung geprägt  wird. (Ein  charakteristisches  aktuelles  Beispiel
       sind die  Auseinandersetzungen um  die  internationale  Verschul-
       dung.)
       Zugleich darf  man nicht  übersehen, daß  es zu  einer   s t ä r-
       k e r e n   i n t e r n a t i o n a l e n    I n t e r e s s e n-
       v e r k n ü p f u n g   d e s  F i n a n z k a p i t a l s  d e r
       v e r s c h i e d e n e n   L ä n d e r,   vor allem hinsichtlich
       der  Abschirmung  ihrer  Ausbeutungs-  und  Einflußsphären  gegen
       demokratische und revolutionäre Entwicklungen, kommt.
       
       3.2 Modifikationen in den zwischenimperialistischen Beziehungen
       ---------------------------------------------------------------
       
       In der  Diskussion um die Einschätzung der heutigen Internationa-
       lisie-rungstendenzen wird  immer wieder die Frage nach deren Aus-
       wirkungen auf  die Beziehungen  der imperialistischen Staaten un-
       tereinander  aufgeworfen.   Wird  der   Imperialismus   zunehmend
       "einheitlicher" und schwächen sich etwa die Rivalitätskämpfe, die
       die Einzelstaaten  und nationalen  staatsmonopolistischen Kapita-
       lismen gegeneinander  geführt haben,  allmählich ab?  Stehen  wir
       heute mehr  und mehr  einer imperialistischen Gesamtstrategie ge-
       genüber oder  lassen sich  neue Differenzen zwischen ihnen erken-
       nen, die den Kapitalismus als System schwächen und im Kampf gegen
       ihn genutzt werden können?
       Die Fragen sind zu wichtig, um eine schnelle und einfache Antwort
       zu geben,  zumal offenkundig  das Bild der Erscheinungen eher wi-
       dersprüchlicher, komplizierter  und in mancher Beziehung auch an-
       ders geworden ist.
       Betrachtet man  die gegenwärtigen  und absehbaren  künftigen Ent-
       wicklungstendenzen der  staatsmonopolistischen Internationalisie-
       rung, so  gibt es offensichtlich keine Anzeichen dafür, daß damit
       die Eigenständigkeit  der national  organisierten staatsmonopoli-
       stischen Kapitalismen  und die spezifischen gegeneinander gerich-
       teten Expansions- und Konkurrenzinteressen der Finanzkapitale der
       verschiedenen imperialistischen  Länder und  Ländergruppen -  der
       USA, Japans,  der BRD, Frankreichs, Großbritanniens usw. - aufge-
       hoben würden.  Auch in ihren staatsmonopolistischen Formen bleibt
       die kapitalistische Internationalisierung engstens mit dem Wirken
       des Gesetzes  der ungleichmäßigen  ökonomischen  und  politischen
       Entwicklung der  kapitalistischen Länder  verbunden, was sich vor
       allem in  der Herausbildung von mehreren imperialistischen Macht-
       zentren und  ihren ständigen  Auseinandersetzungen  gegeneinander
       äußert. In  dieser Verknüpfung  von Internationalisierung und Un-
       gleichmäßigkeit tritt  aber eine Reihe von neuen Momenten und Mo-
       difikationen zutage,  die zunehmend  auch durch  die  veränderten
       globalen Existenzbedingungen des Kapitalismus beeinflußt werden.
       Wir möchten  im Ergebnis  unserer Untersuchungen fünf solcher Mo-
       mente hervorheben:
       E r s t e n s   entsteht mit  der  Herausbildung  internationaler
       Formen des staatsmonopolistischen Kapitalismus bei Weiterexistenz
       der rivalisierenden  nationalen staatsmonopolistischen Strukturen
       und Interessen  e i n e  n e u a r t i g e  "V e r k n o t u n g"
       w i d e r s p r ü c h l i c h e r   o b j e k t i v e r    T e n-
       d e n z e n  analog (oder besser in Fortsetzung) jener seinerzeit
       von   L e n i n   formulierten "Verknotung"  der Monopole mit der
       freien Konkurrenz,  in der er eine Eigenart des imperialistischen
       Stadiums und  letztlich die  Hauptursache dafür sah, warum keiner
       der grundlegenden  Widersprüche des  kapitalistischen Systems auf
       dem  Wege  monopolistischer  Zusammenschlüsse  überwunden  werden
       kann. 13)  Auch die  Verflechtung der  privaten Monopole  mit dem
       Staat  setzte   diesen  Prozeß  der  Verknotung  widerstreitender
       Tendenzen fort  und heute  wird hiervon zunehmend die internatio-
       nale Sphäre erfaßt.
       Ein   z w e i t e s  M o m e n t  im Aufeinanderwirken von Inter-
       nationalisierung  und   Ungleichmäßigkeit  bildet  das  Entstehen
       z w e i e r   E b e n e n  der staatsmonopolistischen Internatio-
       nalisierung selbst, einer  r e g i o n a l e n  (vor allem in Ge-
       stalt der  westeuropäischen Integration) und einer überregionalen
       (also zwischen den Zentren) Ebene, die sich  n e b e n e i n a n-
       d e r  und  g e g e n e i n a n d e r  entwickeln.
       Es waren  wesentlich das ungleiche und wechselhafte Tempo und die
       unterschiedliche Intensität  im Voranschreiten der International-
       sierungsprozesse in  den verschiedenen  Regionen der kapitalisti-
       schen Welt,  die -  neben der Schwächung der USA-Positionen - zur
       Herausbildung mehrerer  imperialistischer Machtzentren beitrugen.
       So entwickelte  sich in  den 50er  und 60er Jahren in Gestalt der
       westeuropäischen Integration  die Verflechtung  der  Wirtschaften
       der westeuropäischen  Länder untereinander  (besonders in der EG)
       wesentlich schneller  als mit  anderen Regionen.  Später änderten
       sich diese  Relationen. Die in Westeuropa geschaffenen Formen ei-
       ner regionalen staatsmonopolistischen Integration wurden und wer-
       den zunehmend  von Internationalisierungsprozessen  im Rahmen der
       gesamten kapitalistischen  Weltwirtschaft, vor  allem von  Formen
       der transnationalen Expansion der Monopole der drei imperialisti-
       schen Zentren,  von  Kooperationsbeziehungen  und  Verflechtungen
       zwischen ihnen  durchdrungen und  zum Teil  auch überholt.  Heute
       sind wir  Zeuge des  Versuchs einer  erneuten  Gegenreaktion  der
       westeuropäischen Staaten,  während die  USA vor allem die überre-
       gionalen Internationalisierungsprozesse  für eine  Stärkung ihrer
       Hegemoniepositionen zu nutzen suchen.
       Ein   d r i t t e s   M o m e n t  ist die stärkere Hinwendung zu
       einer   "r e g u l i e r t e n   R i v a l i t ä t",   die sowohl
       den Hauptinhalt als auch die Hauptfunktion der vielfältigen Koor-
       dinierungsaktivitäten  von   internationalen  zwischenstaatlichen
       Gremien und Institutionen ausmacht.
       Die  zwischen  den  kapitalistischen  Industrieländern  erreichte
       Stufe der gegenseitigen ökonomischen Verflechtungen und Abhängig-
       keiten bildet  eine neue    o b j e k t i v e    R a h m e n b e-
       d i n g u n g     für  das   weitere  Wirken   des  Gesetzes  der
       ungleichmäßigen  Entwicklung  des  Kapitalismus,  eine  neuartige
       Grundtatsache in  der  ökonomischen  Interessenstruktur  der  ka-
       pitalistischen Länder  in bezug  auf ihre Beziehungen untereinan-
       der. Immer  häufiger ist für ein kapitalistisches Land das Errin-
       gen von  Vorteilen auf  Kosten eines  anderen Landes  mit eigenen
       Nachteilen aus  dessen  Gegenreaktionen  verknüpft,  wodurch  das
       ständige Abwägen  und Bilanzieren  von Nutzen  und Schaden in den
       Konkurrenz- und  Rivalitätskämpfen zu  einer unerläßlichen Bedin-
       gung der Wahrung der eigenen Interessen geworden ist.
       Die Bedeutung  dieses Problems  wird durch seine enge Verknüpfung
       mit der  Politik  unterstrichen.  Das  gemeinsame    p o l i t i-
       s c h e   Klasseninteresse des  Monopolkapitals  aller  Länder  -
       gerichtet  vor   allem  auf   den  Erhalt   der  kapitalistischen
       Ausbeuterordnung, auf  den Kampf  gegen den  Sozialismus und  den
       weiteren sozialen Fortschritt in der Welt - erhält damit eine Art
       ö k o n o m i s c h e  Fundierung. Hieraus ergibt sich ein objek-
       tiv bedingtes  wesentlich intensiveres  Nebeneinander von  gegen-
       sätzlichen   u n d   gemeinsamen Interessen, von Rivalität  u n d
       Zusammenarbeit in  den Beziehungen  der imperialistischen  Länder
       und nationalen Monopolgruppen untereinander.
       Der Imperialismus  bedarf heute eines Mechanismus für die Austra-
       gung der  zwischenimperialistischen Widersprüche und Rivalitäten,
       in dessen  Rahmen sich  das Prinzip der Verteilung und Neuauftei-
       lung von Ausbeutungs- und Einflußsphären nach der "Stärke der Be-
       teiligten" (W.I. Lenin) durchsetzen kann und gleichzeitig das In-
       teresse aller  am Erhalt  des kapitalistischen Systems und an der
       Entwicklung gegenseitiger  ökonomischer Beziehungen gewährleistet
       wird. Unter  den Bedingungen  der außerordentlich  geringen Wahr-
       scheinlichkeit  eines   Krieges  zwischen  den  imperialistischen
       Hauptmächten und  Zentren, angesichts  des endgültigen Verschwin-
       dens der Kolonialreiche und des Entstehens einer großen Zahl sou-
       veräner Staaten,  schließlich auf Grund der zunehmenden gegensei-
       tigen Beeinflussung und Abhängigkeit der Wirtschaften der kapita-
       listischen Industrieländer  führt der  Zugang zu  den Märkten des
       anderen, zu  den Rohstoffquellen  und zu günstigen Kapitalanlagen
       auf dem Territorium des anderen zur Nutzung der wissenschaftlich-
       technischen Errungenschaften  des anderen in der heutigen kapita-
       listischen Welt vorwiegend über die von Lenin als "vertragsmäßige
       Aufteilung"  bezeichnete   Form   des   Rivalitätskampfes,   über
       "Vereinbarungen" und  "Abmachungen im Weltmaßstab" zwischen Mono-
       polverbänden, Kapitalistengruppen  und imperialistischen  Staaten
       (auch unter Einschaltung internationaler Organisationen), was na-
       türlich nach wie vor auch mit Konkurrenzkampf, mit Übervorteilung
       und Ausnutzung von Ungleichheiten der gegenseitigen Verflechtung,
       mit politischem Druck und mit unterschiedlichen Positionsgewinnen
       je nach Stärke der Beteiligten verbunden ist.
       Bekanntlich haben sich seit Anfang der 80er Jahre die Konkurrenz-
       kämpfe zwischen  den USA, Westeuropa und Japan um die Nutzung der
       neuen Produktivkräfte,  um den  größtmöglichen Anteil an neu sich
       bildenden wie  auch traditionellen  Märkten, im  Bereich der Wäh-
       rungs- und Finanzbeziehungen außerordentlich verschärft; sie neh-
       men teilweise  wirtschaftskriegsähnliche Formen an. Zugleich ent-
       wickeln sich  - als  Mittel dieses  Konkurrenzkampfes - auch neue
       Kooperationsformen zwischen  Konzernen, Banken  und  kapitalisti-
       schen Staaten.
       Der staatsmonopolistischen Verbindung von Regulierung und Rivali-
       tät ist  somit ein  ständiger innerer  Widerspruch eigen, der auf
       kapitalistischem Boden  unüberbrückbar ist.  Die  internationalen
       Regulierungsaktivitäten und  -formen werden selbst zum Gegenstand
       von Rivalitätskämpfen  und scharfen  Konflikten, was immer wieder
       spontane Wirkungen  hervorbringt, durch  die die getroffenen Ver-
       einbarungen durchkreuzt  und ihre Effektivität eingeschränkt wer-
       den.
       
       3.3 Haupttypen regulierter Rivalität - Konflikte und Differenzen
       ----------------------------------------------------------------
       imperialistischer Strategiebildung
       ----------------------------------
       
       V i e r t e n s   hat die  Hinwendung zu  einer mehr "regulierten
       Rivalität" zur Folge, daß sich auf der Basis ungleicher und wech-
       selnder Kräfteverhältnisse  sowie  unterschiedlicher  subjektiver
       Konzeptionen  A u s e i n a n d e r s e t z u n g e n  u m  d i e
       A r t   u n d   W e i s e,  u m  d e n  C h a r a k t e r  b z w.
       T y p  d i e s e r  R e g u l i e r u n g  der zwischenimperiali-
       stischen Beziehungen entwickeln.
       Aus dieser  Sicht kann  man davon sprechen, daß die zwischenimpe-
       rialistischen Beziehungen in eine sehr komplizierte Entwicklungs-
       phase eingetreten  sind.  E i n e r s e i t s  geht unter den Be-
       dingungen der  Existenz mehrerer  imperialistischer  Machtzentren
       von der heute erreichten Stufe der ökonomischen Interdependenz in
       der kapitalistischen  Weltwirtschaft und  von den  Nivellierungs-
       tendenzen im  ökonomischen Niveau  der führenden kapitalistischen
       Staaten eine  Tendenz zu  einem solchen  Typ der  Regulierung der
       zwischenimperialistischen Beziehungen aus, der diesen Bedingungen
       einigermaßen zu  entsprechen vermag  und der einen Rahmen für die
       immer wieder  erforderlichen Kompromisse  und Konsensbildungspro-
       zesse darstellen  kann. Unvermeidlich  ist dabei, daß es auch in-
       nerhalb dieses  Rahmens zu ständigen und wechselhaften Positions-
       kämpfen zwischen  den führenden  imperialistischen Mächten kommt,
       zumal diese  auf den  verschiedensten  Gebieten  unterschiedliche
       Stärken und Schwächen haben.
       A n d e r e r s e i t s   sind die  USA in der neuen multipolaren
       Kräftestruktur nach  wie vor die stärkste imperialistische Macht,
       wollen auf  ihre deutliche  Hegemonie und  die mehr  oder weniger
       rücksichtslose, auf  Kosten ihrer "Partner" betriebene Verfolgung
       ihrer eigenen Interessen nicht verzichten.
       Die Eigenart  der Situation  besteht also darin, daß bereits meh-
       rere imperialistische  Machtzentren existieren und darüber hinaus
       ein hoher  Grad gegenseitiger Verflechtung und Abhängigkeit aller
       vom Zustand  der kapitalistischen  Weltwirtschaft als  Ganzes und
       von der  jeweiligen Lage des "Partners" besteht, was zwar relativ
       weniger, aber  zunehmend auch  für die  USA gilt, diese aber nach
       wie vor  an ihrer  Hegemonialkonzeption festhalten  und sie sogar
       weiter ausbauen.
       Gerade diese  Widersprüchlichkeit prägt  auch  den  gegenwärtigen
       Prozeß der Internationalisierung des staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus und widerspiegelt sich im tendenziellen Hervortreten von
       z w e i   H a u p t t y p e n  (o d e r  H a u p t r i c h t u n-
       g e n)   der staatsmonopolistisch  regulierten zwischenimperiali-
       stischen Beziehungen:
       Der   e r s t e   ist der   h e g e m o n i s t i s c h e  T y p,
       bei dem  die Prinzipien,  Regeln und  institutionellen Formen der
       Beziehungen zwischen  den  kapitalistischen  Staaten  vollständig
       oder weitgehend durch den Anspruch auf die Führung von Seiten der
       stärksten imperialistischen  Macht, den  USA, durch die Forderung
       nach uneingeschränkter  Anerkennung dieses  Anspruchs seitens der
       anderen kapitalistischen  Länder und  nach Unterordnung ihrer In-
       teressen unter  die des  Hegemons geprägt werden. Eine solche Art
       hegemonistischer Interessenregulierung schließt zwangsläufig eine
       betont konfrontative  "Gemeinsamkeit nach außen", vor allem gegen
       die sozialistischen Ländern, ein.
       Die Hauptträger dieser Tendenz sind die reaktionärsten Kreise der
       staatsmonopolistischen Oligarchie der USA, die sich dabei auf den
       internationalen Einfluß  ihrer transnationalen  Monopole und  auf
       die  überlegenen   militärischen,  politischen  und  ökonomischen
       Machtpositionen der USA in der kapitalistischen Welt stützen.
       Den  z w e i t e n  T y p  der Regulierung der zwischenimperiali-
       stischen Beziehungen  könnte man  als  den    k o l l e k t i v -
       s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e n   T y p   bezeichnen.
       Konzeptionelle Vorstellungen  dafür und einige Elemente konkreter
       Formen, Institutionen und Mechanismen entwickelten sich vor allem
       im Zuge  der Herausbildung mehrerer imperialistischer Rivalitäts-
       zentren. In  Kreisen  der  USA-Monopolbourgeoisie  widerspiegelte
       sich dies  in einer  Hinwendung zu Konzepten einer mehr kollektiv
       organisierten Interessenregulierung unter den führenden kapitali-
       stischen Staaten (wie z.B. im Konzept des "Trilateralismus"), was
       dem Streben  der westeuropäischen  Staaten,  Japans  und  anderer
       kapitalistischer Mächte  nach mehr eigenständigem Einfluß auf die
       Prozesse im imperialistischen Gesamtsystem, auf die verschiedenen
       Elemente  von   Vereinbarungen  über  eine  internationale  Wirt-
       schaftspolitik und anderes mehr entgegenkam. Es handelt sich also
       um ein  seinem Charakter  nach imperialistisches, von einer Reihe
       realistischer Elemente  der Berücksichtigung veränderter globaler
       und  innerimperialistischer   Kräfteverhältnisse  und   Tendenzen
       getragenes Anpassungskonzept.
       Gleichzeitig enthält  jedoch auch  dieser zweite Typ hegemonisti-
       sche Elemente,  so in Gestalt eines kollektiven Führungsanspruchs
       der großen  kapitalistischen Länder,  die zwar untereinander mehr
       "Gleichberechtigung" akzeptieren,  von der  großen Zahl mittlerer
       und kleinerer  kapitalistischer Länder aber eine Unterordnung der
       Interessen unter  ihre kollektive  Führung, deren Spitze wiederum
       die USA bilden, verlangen.
       Die tatsächliche weitere Entwicklung und Ausprägung der staatsmo-
       nopolistischen Formen  zwischenimperialistischer Beziehungen wird
       mit Sicherheit  zu keinem  "reinen" Typ  führen, sondern zu einer
       Mischung beider,  wobei die bestimmenden Akzente maßgeblich durch
       den künftigen Verlauf der ungleichmäßigen Entwicklung der Kräfte-
       verhältnisse zwischen  den kapitalistischen Hauptmächten und Zen-
       tren, aber  auch durch  die gesamte  internationale Lage  gesetzt
       werden.
       Das   f ü n f t e    M o m e n t    betrifft    n e u a r t i g e
       D i f f e r e n z e n   i m  B e r e i c h  d e r  i m p e r i a-
       l i s t i s c h e n   S t r a t e g i e b i l d u n g,   die eine
       ihrer   wesentlichen    Quellen    im    Aufeinanderwirken    von
       staatsmonopolistischer Internationalisierung  und ungleichmäßiger
       ökonomischer und  politischer Entwicklung,  von  gemeinsamen  und
       gegensätzlichen Interessen  der kapitalistischen  Staaten  haben.
       Während sich  die Formulierung  und Diskussion  gemeinsamer stra-
       tegischer Interessen  der "westlichen  Welt",  "transatlantischer
       Gemeinsamkeiten"  usw.   deutlich  verstärkt   haben,  kommt   es
       gleichzeitig   z u    u n t e r s c h i e d l i c h e n    A u f-
       f a s s u n g e n      u n d      I n t e r p r e t a t i o n e n
       ü b e r   d e r e n   I n h a l t   u n d   d i e   A r t   u n d
       W e i s e   i h r e r  V e r f o l g u n g.  Dies tritt vor allem
       da hervor,  wo es  um die  Beurteilung  der  Weltentwicklung  als
       Ganzes und  um die künftigen Beziehungen zwischen den Staaten der
       beiden Gesellschaftssysteme  geht. Einen  wesentlichen  und  neu-
       artigen Einflußfaktor  bildet  dabei  die  globale  Gefahr  einer
       nuklearen Weltvernichtung,  mit der sich heute die internationale
       Monopolbourgeoisie  in  ihrer  Gesamtheit  angesichts  des  mili-
       tärstrategischen  Gleichgewichts   zwischen  den   USA  und   der
       Sowjetunion und  angesichts des  Standes der  Waffentechnik  kon-
       frontiert sieht.
       So bilden sich mehr oder weniger deutlich zwei für die Außenpoli-
       tik der  sozialistischen Staaten und für die Kampfbedingungen der
       Friedenskräfte in allen Ländern besonders wichtige unterschiedli-
       che Strategierichtungen  heraus, die sowohl  z w i s c h e n  den
       einzelnen imperialistischen  Machtzentren und  Staaten  auftreten
       als auch  - und zwar weitaus stärker als früher -  q u e r  durch
       alle kapitalistischen  Staaten und Fraktionen der internationalen
       Finanzoligarchie.
       E i n e  R i c h t u n g  sieht das überragende gemeinsame Inter-
       esse des  "Westens" vor allem im Streben nach Wiedererlangung der
       Herrschaft  des  Kapitalismus  über  die  ganze  Welt,  in  einer
       "sozialen Revanche"  gegen den  Sozialismus und  gegen die  Fort-
       schritte der revolutionären Bewegung in der Welt, wodurch dem Ka-
       pitalismus -  auch unter Einsatz militärischer Gewalt - für lange
       Zeit neuer  Expansionsspielraum  verschafft  werden  soll.  Diese
       Richtung wird  verkörpert vor allem durch die aggressiven und mi-
       litaristischen Kreise des USA-Monopolkapitals, die an die militä-
       rische und ökonomische Überlegenheit der USA und der NATO glauben
       und auf diesem Wege die Führungsrolle der USA innerhalb des kapi-
       talistischen Systems  und in  der Weltentwicklung als Ganzes ver-
       wirklichen wollen.  Die Entwicklung  internationaler  Formen  des
       staatsmonopolistischen Kapitalismus  wird vorrangig  unter dieser
       Zielstellung gesehen  und beeinflußt,  so daß militärstrategische
       Aspekte, Elemente  des Wirtschaftskrieges,  der Bevormundung  und
       des Diktats, selbst den "Klassenpartnern" gegenüber, bei den Kon-
       zepten einer  internationalen staatsmonopolistischen Wirtschafts-
       regulierung, einschließlich  der Beziehungen  zu  sozialistischen
       Staaten und  zu Entwicklungsländern  Priorität genießen oder eine
       wesentliche Rolle spielen.
       Die   a n d e r e  R i c h t u n g  des strategischen Denkens be-
       trachtet die  entstandenen internationalen Kräfteverhältnisse und
       die Existenz  von Staaten  verschiedener Gesellschaftssysteme zu-
       mindest für  einen längeren Zeitraum als eine Realität, deren ge-
       waltsame Veränderung  oder Überwindung  das Risiko eines atomaren
       Weltkrieges heraufbeschwört. Sie sieht die strategische Priorität
       im Überleben, im Vermeiden des "letzten Risikos", und in der Kon-
       zentration der  Kräfte auf die Verbesserung der ökonomischen, so-
       zialen und  politischen Funktionsfähigkeit  des  kapitalistischen
       Systems verbunden  mit dem langfristigen Ziel, auf diesem Weg den
       Sozialismus in der Welt zurückzudrängen und möglichst gänzlich zu
       beseitigen. Die  Berücksichtigung von  ökonomischen und  sozialen
       Zwängen in  der Richtung einer stärkeren internationalen Koopera-
       tion und  einer koordinierten  internationalen Wirtschaftspolitik
       im Interesse  des besseren  Funktionierens und der Ausstrahlungs-
       kraft des  kapitalistischen Systems  spielt in  den Vorstellungen
       über die Herausbildung internationaler Formen des staatsmonopoli-
       stischen Kapitalismus,  über entsprechende Vereinbarungen und Me-
       chanismen zur  Regulierung der  Beziehungen zwischen  den Staaten
       und Monopolgruppen eine wesentliche Rolle.
       Neben dem  traditionellen imperialistischen  Hegemonie- und Welt-
       herrschaftsstreben, dessen Spitze heute gegen die sozialistischen
       Länder gerichtet  und das  besonders stark  in den USA ausgeprägt
       ist, entwickelt  sich also  tendenziell ein  vom  Standpunkt  des
       Friedens als Hauptfrage der Weltentwicklung  "v e r n ü n f t i g
       a u f g e f a ß t e s        m o n o p o l k a p i t a l i s t i-
       s c h e s   K l a s s e n i n t e r e s s e",   das trotz  seiner
       Klassenbedingtheit der  von der  sozialistischen Staaten  vertre-
       tenen Doktrin  der friedlichen  Koexistenz  und  der  friedlichen
       Lösung internationaler Konflikte entgegenkommt.
       Dieses "vernünftig  aufgefaßte Klasseninteresse" des Monopolkapi-
       tals erwächst  aus jenen  konkreten wirtschaftlichen  und wissen-
       schaftlich-technischen, kulturellen  und politischen  Interessen,
       wie sie  in verschiedenen  großbürgerlichen Kreisen und mit ihnen
       verbundenen Gruppen  in den  vergangenen Jahren in Verbindung mit
       den Fortschritten  im internationalen Entspannungsprozeß, bei der
       Anwendung der Prinzipien der friedlichen Koexistenz sowie im Pro-
       zeß der  Ausdehnung der  internationalen  Wirtschaftsbeziehungen,
       darunter vor  allem zwischen Ost und West, gewachsen sind. Es er-
       wächst aber  auch aus dem Erkennen jener Gefahren für das Überle-
       ben der  Menschheit im  Zeitalter des  Atoms und der Erschließung
       des Kosmos,  die die Klasseninteressen durchdringen und ein alles
       überragendes, übergreifendes  humanistisches Erfordernis darstel-
       len. Dieses Erkennen äußert sich heute in neuen Denkansätzen quer
       durch die  politischen Parteien  in den kapitalistischen Ländern,
       in neuartigen  strategischen Konzeptionen  wie in  der Konzeption
       einer   "Sicherheits p a r t n e r s c h a f t   zwischen Ost und
       West", in  Initiativen zur  Einstellung des  Wettrüstens und  zum
       Ausbau der Ost-West-Wirtschaftsbeziehungen.
       All dies steht in einem diametralen Gegensatz zu der nach wie vor
       dominierenden militärischen  Machtpolitik des  USA-Imperialismus,
       seinem Streben  nach militärischer Überlegenheit, nach Ausdehnung
       des Rüstungswettlaufes  auf den  Weltraum usw.,  die er versucht,
       allen anderen  kapitalistischen Staaten  als gemeinsame Strategie
       aufzuzwingen und  der mehr  oder weniger auch alle anderen Berei-
       che, vor  allem die  Wirtschaftsbeziehungen untergeordnet  werden
       sollen.
       Es zeigt  sich, daß  die Differenzierungsprozesse  im Bereich der
       Strategiebildung viele  Zusammenhänge und  Parallelen zu den oben
       genannten   unterschiedlichen    Typen   der    Regulierung   der
       /wischenimperialistischen Beziehungen  aufweisen. Sie sind gewis-
       sermaßen ihre  weltpolitische Komponente,  was insgesamt deutlich
       macht, daß  die Internationalisierung  des staatsmonopolistischen
       Kapitalismus nicht nur alte innerimperialistische Differenzen und
       Konflikte bestehen  läßt, sondern  auch neuartige Quellen von Wi-
       dersprüchen mit großer strategischer Bedeutung hervorbringt.
       Die weitere  Entwicklung dieser  Differenzierungsprozesse und un-
       terschiedlichen Tendenzen,  ihr  Verhältnis  zueinander  und  die
       Frage, welche  der möglichen  Varianten sich  als Entwicklungstyp
       der internationalen  Formen des staatsmonopolistischen Kapitalis-
       mus künftig  durchsetzen wird,  berühren die Lebensinteressen der
       ganzen Menschheit. Gerade deshalb verdienen diese Prozesse unsere
       größte wissenschaftliche und politische Aufmerksamkeit.
       
       4. Hemmnis gleichberechtigter internationaler Zusammenarbeit
       ------------------------------------------------------------
       
       Eine für  die Politik außerordentlich wichtige Erkenntnis der Un-
       tersuchung der neuen Tendenzen staatsmonopolistischer Internatio-
       nalisierung besteht darin, daß sich diese Prozesse bei weiter an-
       haltender und zum Teil wachsender Bedeutung der  N a t i o n a l-
       s t a a t l i c h k e i t   im Gesamtsystem  der kapitalistischen
       Weltwirtschaft vollziehen. Jedes der nationalen Monopolkapitale -
       vor allem  der führenden  kapitalistischen Länder - ist bestrebt,
       die  Prozesse   der  Internationalisierung  vorrangig  in  seinem
       Interesse zu nutzen und sie in einer Richtung zu fördern, die vor
       allem seinen  Wünschen und  Zielen am meisten entspricht. So sind
       die Konkurrenzkämpfe  und Rivalitäten der Einzelstaaten, die sich
       periodisch zu  außerordentlich scharfen  Formen bis  zum Handels-
       und Wirtschaftskrieg  zuspitzen können, auch heute ein immanenter
       Bestandteil  der   staatsmonopolistischen  Internationalisierung,
       setzen ihr  immer wieder Hindernisse und Schranken entgegen. Dazu
       kommt, daß  die hegemonistischen  Ambitionen,  wie  sie  von  den
       stärksten imperialistischen  Mächten und  vor allem  von den  USA
       ausgehen, bei  vielen kapitalistischen  Ländern  geradezu    g e-
       s e t z m ä ß i g   T e n d e n z e n    d e s    S t r e b e n s
       n a c h   G e w ä h r l e i s t u n g  e i n e r  n a t i o n a l
       u n a b h ä n g i g e n ,   e i g e n s t ä n d i g e n    ö k o-
       n o m i s c h e n  E n t w i c k l u n g  auslösen.
       Starke Impulse  hat das nationalstaatliche Element in der kapita-
       listischen Weltwirtschaft  auch durch den Zusammenbruch des Kolo-
       nialsystems und  das Entstehen einer Vielzahl selbständiger, jun-
       ger Staaten erhalten. Deren Streben nach politischer und ökonomi-
       scher Souveränität  wird besonders  artikuliert durch ihre Forde-
       rungen nach  einer neuen  internationalen Wirtschaftsordnung,  in
       der sich ihre nationalen Selbständigkeitsbestrebungen in eine auf
       neuen Prinzipien beruhende gleichberechtigte internationale Wirt-
       schaftszusammenarbeit einordnen und mit ihr verbinden sollen.
       Indem die  Internationalisierung des staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus die  bestehenden imperialistischen  Machtstrukturen kon-
       serviert und weiter ausbaut, wirkt sie dieser objektiv progressi-
       ven Tendenz eines gleichberechtigten internationalen Zusammenwir-
       kens nationaler  Volkswirtschaften entgegen  und engt  damit  die
       Entfaltung der  Internationalisierungsprozesse des Wirtschaftsle-
       bens ein, gibt ihnen monopolistisch begrenzte und einseitige Ent-
       wicklungsformen. Hierin  besteht einer  der tiefen  inneren  Kon-
       flikte staatsmonopolistischer Internationalisierung.
       Insgesamt  ist  die  staatsmonopolistische  Internationalisierung
       eine Reaktion  des Kapitalismus  auf Erfordernisse der Produktiv-
       kräfte, die  heute bereits  über den  Kapitalismus und  die durch
       seine Produktionsverhältnisse  gesetzten Motive und Ziele hinaus-
       weisen. Das  gilt sowohl  für die Notwendigkeit der Neugestaltung
       des Verhältnisses von nationaler und internationaler Wirtschafts-
       entwicklung in  den Ländern,  die zum kapitalistischen Weltsystem
       gehören, als  auch für  die Bewältigung  jener Probleme  globalen
       Charakters, die  heute im  Grunde genommen alle Völker und Länder
       der Welt,  große und  kleine, kapitalistische, sozialistische und
       Entwicklungsländer in   e i n e   n e u e   A r t    w e l t u m-
       s p a n n e n d e r      I n t e r d e p e n d e n z ,      v o n
       g l o b a l e r     g e g e n s e i t i g e r    A b h ä n g i g-
       k e i t     u n d     S c h i c k s a l s v e r f l e c h t u n g
       einbinden.
       Möglichkeiten und  Grenzen der  innerhalb des  Kapitalismus  sich
       vollziehenden Internationalisierungsprozesse sowie ihren histori-
       schen Stellenwert  wird man  zunehmend auch daran messen, wie sie
       sich zu  diesen für die Menschheit als Ganzes lebenswichtigen Er-
       fordernissen verhalten.
       Trotz enger werdender Interessenverflechtungen zwischen den Mono-
       polen und Staaten der kapitalistischen Welt und trotz der allmäh-
       lichen Herausbildung eines System internationaler staatsmonopoli-
       stischer Regulierung  bleibt die  letztlich auf Privateigentum an
       Produktionsmitteln, Profitstreben und Konkurrenz basierende kapi-
       talistische Weltökonomie  eine Quelle  der Instabilität und immer
       wieder neu  entstehender wirtschaftlicher,  sozialer und  politi-
       scher Konflikte.  Mehr noch. Die sich entfaltende Internationali-
       sierung  verknüpft  die  kapitalistischen  Länder  zu  einer  Art
       "Krisenverbund", d.h. bildet einen Mechanismus der wesentlich in-
       tensiveren   i n t e r n a t i o n a l e n  A u s b r e i t u n g
       u n d   g e g e n s e i t i g e n   Ü b e r t r a g u n g   v o n
       K r i s e n p r o z e s s e n     unterschiedlichen   Charakters,
       steigert also  tendenziell das  Krisen- und  Konfliktpotential in
       der kapitalistischen Welt.
       Zweifellos steht  das Monopolkapital  dieser Tendenz nicht passiv
       gegenüber. Da  jedoch der staatsmonopolistische Kapitalismus auch
       auf seiner  internationalen Stufe  die von seinen Produktionsver-
       hältnissen gesetzten  Schranken für eine gelenkte weltwirtschaft-
       liche Entwicklung und für gleichberechtigte internationale Zusam-
       menarbeit der  Länder und Nationen, größerer wie kleinerer, nicht
       überwinden kann,  laufen seine  Regulierungsbemühungen  und  sein
       Krisenmanagement  den   von  ihm  selbst  ausgelösten  Konflikten
       ständig hinterher,  wächst  tendenziell  sein  Regulierungsbedarf
       zunehmend schneller,  als er  ihm zu  entsprechen vermag.  Es ist
       dies die  weitere Entfaltung  jenes fehlerhaften Kreislaufes, der
       seinen Ausgangspunkt  mit der  staatsmonopolistischen Entwicklung
       innerhalb der einzelnen Länder nahm, der schon hier innerhalb der
       herrschenden Kreise immer wieder zu Auseinandersetzungen um "mehr
       oder weniger  Staat" führte und der nunmehr seine Fortsetzung auf
       internationaler Stufenleiter findet.
       Schon jetzt  ist daher zu erkennen, daß die von der staatsmonopo-
       listischen Internationalisierung  ausgelösten Widersprüche, Hemm-
       nisse und Gegentendenzen als neue Triebkräfte des weiteren histo-
       rischen Niedergangs des Kapitalismus wirken werden.
       Ein Ausweg  kann nur auf der Basis alternativer Strategien gefun-
       den werden, die der transnationalen Monopolexpansion und der Nut-
       zung der  Potenzen des Staates dafür demokratische Prinzipien der
       Lenkung des  internationalen Wirtschaftsaustausches,  für die Tä-
       tigkeit seiner  Institutionen und  für die Wahrung der nationalen
       Entwicklungsbedürfnisse im Rahmen solcher Internationalisierungs-
       prozesse entgegenstellen.
       
       _____
       1) Siehe hierzu  z.B. die Ausführungen von Heinz Jung zum Krisen-
       typ des  heutigen Kapitalismus in: Jahrbuch des IMSF, 9, 1985, S.
       27 ff. sowie: IMSF-Informationsbericht 41, Große Krisen des Kapi-
       talismus -  Lange Wellen  der Konjunktur?,  Frankfurt/Main  1985;
       Staatsmonopolistischer Kapitalismus  - neue  Tendenzen und Wider-
       sprüche, IPW-Forschungshefte, Nr. 1/1986, Berlin/DDR.
       2) Siehe  nähere   Ausführungen  dazu   in:  IPW-Forschungshefte,
       1/1986, a.a.O.
       3) Ebenda.
       4) W.A. Tscheprakow,  Die Kosmopolitisierung  der SMK und die In-
       ternationalisierung des  Kampfes der  Arbeiterklasse, in: Die Ar-
       beiterklasse und die heutige Welt, Moskau 1982, Nr. 1, S. 37.
       5) W. Sagladin/S. Menschikow/J. Frolow, Karl Marx und der welthi-
       storische Prozeß  der Befreiung des Menschen, in: Kommunist, Mos-
       kau 1983, Nr. 6, S. 36, 37.
       6) "Multis",  Proletariat,  Klassenkampf,  Akademie  für  Gesell-
       schaftswissenschaften beim ZK der SED, Berlin 1981, S. 36.
       7) W. Martynow,  Die wissenschaftlich-technische  Revolution  und
       die Widersprüche  der kapitalistischen  Ökonomik,  in:  Weltwirt-
       schaft und internationale Beziehungen, Moskau 1986, Nr. 2.
       8) Wir beziehen  uns hier auf die von Marx im "Kapital" vorgenom-
       mene Unterscheidung  von drei  Arten der  Arbeitsteilung,  siehe:
       Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, in: Marx/Engels, Werke, Band
       23, S. 371 ff.
       9) Berechnet nach:  Handbook of International Trade and Develope-
       ment Statistics, UN, New York 1979, 1984.
       10) Hierzu geht  z. B.  Bernhard Roth in seiner interessanten Ar-
       beit Weltökonomie oder Nationalökonomie, Marburg 1984, ein.
       11) MEW, Band 4, S. 456.
       12) Siehe Fidel  Castro, Die ökonomische und soziale Krise in der
       Welt, Berlin 1983, S. 39 ff.
       13) W.I. Lenin, Werke Bd. 24, S. 465.
       

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