Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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       ASPEKTE DER NEUEREN MARXISMUS-DISKUSSION IN DER BUNDESREPUBLIK
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       Johannes Henrich von Heiseler
       
       1. Tendenz  und Stil  in der  Marxismus-Diskussion - 2. Hegemonie
       und Arbeiterklasse - 2.1 Kapital und Vergesellschaftung - 3. Mar-
       xismus und Natur-Konzept
       
       1. Tendenz und Stil in der Marxismus-Diskussion
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       Die Beschäftigung mit Karl Marx und mit seiner Theorie - dies ist
       nach Auffassung  der Anhänger  des klassischen  und kämpferischen
       Marxismus eine Auseinandersetzung mit den brennendsten Fragen der
       Gegenwart. 1) Verfolgt man die neuere Marxismus-Diskussion in der
       Bundesrepublik, wird man unterschiedliche Tendenzen und verschie-
       denartige Stile  der Debatte feststellen. So gilt für die Vertre-
       ter des  klassischen ("orthodoxen",  d.h. weder dogmatischen noch
       revisionistischen) Marxismus,  was für  jede  ernsthafte  Wissen-
       schaft selbstverständlich  ist: Sie  bemühen sich um die Entwick-
       lung der  Theorie und  ihrer eigenen Ausgangspunkte im Lichte der
       neuen Erfahrungen  und entfalteten  Wissens; zugleich  nehmen sie
       konkurrierende Auffassungen  zur Kenntnis, setzen sich kritisch -
       zustimmend oder  ablehnend - mit ihnen auseinander. Als kenntnis-
       reicher und  an der  Marxschen Theorie  nicht nur interessierter,
       sondern sich auch an ihr orientierender politischer Soziologe und
       Historiker der Arbeiterbewegung und des wissenschaftlichen Sozia-
       lismus stellt so Frank Deppe die Frage nach der politischen Theo-
       rie von Marx in den Zusammenhang von heutiger Massenarbeitslosig-
       keit, Angriffen  neokonservativer Regierungen gegen den materiel-
       len Lebensstandard  und die  sozialpolitischen Erfolge der Arbei-
       terbewegung und  ideologischer und  politischer Agressivität  des
       Imperialismus und  der Kriegsgefahr. 2) Bilanzierend kommt er zum
       Urteil der "ungebrochenen Lebendigkeit" des Marxschen Werks.
       In der  gesellschaftlichen Wirklichkeit der Bundesrepublik ist es
       nicht überraschend,  daß dieses Urteil aber nicht unwidersprochen
       Tendenz und  Stil der  Marxismus-Diskussion  bestimmt.  Da  sucht
       Claus Offe  anläßlich eines  Frankfurter Kongresses am 22.11.1986
       den "Standpunkt  der kritischen  Immanenz" als  heute allein noch
       möglichen zu begründen; da kann Johannes Berger behaupten: "Hätte
       es noch weiteren Anschauungsunterrichts bedurft, daß... die Marx-
       sche Theorie keine praktische Kraft mehr entfaltet, so wurde die-
       ser reichlich  geliefert durch die Art und Weise, wie in Feuille-
       tons und  Fachzeitschriften des 100. Todestages von Karl Marx ge-
       dacht wurde."  3) Für ideologische Apparate dieses Staates stellt
       sich das Problem derart einfach nicht; sie sehen den Zusammenhang
       zwischen Marxismus-Beschäftigung  und Politik. Die Bundeszentrale
       für Politische  Bildung etwa hat eine Reihe von Gründen zusammen-
       getragen, die  nach ihrer Ansicht dafür sprechen, daß man sich in
       den Schulen ausführlicher mit dem Marxismus und Marx beschäftigen
       solle. Dazu  gehören die  "deutsche  Frage",  die  weltpolitische
       Lage, die  Renaissance des  Marxismus in  der Bundesrepublik, die
       Auseinandersetzung um  Marx und  den Marxismus von unterschiedli-
       chen Positionen  aus in der internationalen Arbeiterbewegung u.a.
       4) Es ist bemerkenswert, daß vom Kampfplatz der unmittelbaren und
       bewußten Gegner aus die Verbindung zwischen marxistischer Theorie
       und praktischer  Bewegung begriffen  wird, daß  sie jedoch in der
       Perspektive nur  theoretischer Marxismus-Diskussion verschwindet.
       Die nichtmarxistische  Beschäftigung mit Marx läßt darüber hinaus
       erkennen, daß  sie die  Wissenschaftlichkeit des Marxismus unter-
       bietet: Häufig wird weder das Corpus des marxistischen Wissens in
       seiner Gesamtheit  studiert noch  die Fülle neuerer marxistischer
       Studien und Forschungen überhaupt zur Kenntnis genommen.
       Eine andere  Variante von  Tendenz und Stil ist, daß die Vielfalt
       und die  Unterschiede innerhalb zeitgenössischen Denkens - werden
       sie zur  Kenntnis genommen - in der Erwartung Bedeutung gewinnen,
       Positionsvorteile zu  erlangen. Die "Vielfalt" gewinnt aus dieser
       gegnerischen Position heraus Bedeutung, weil "trennende Elemente"
       konstituiert werden,  insofern der "Moskauer Richtung" Abweichun-
       gen gegenüberstehen,  da dies  als Herausforderung an den Marxis-
       mus-Leninismus gelesen  wird. 5) Gegensätze im marxistischen Den-
       ken werden also von diesem Gegner her in ihrer praktischen Bedeu-
       tung gewertet und eingeschätzt.
       Um so  mehr muß  die Naivität  erstaunen, in der diese Gegensätze
       als frohe  Botschaft des  "Marxismus in  der Mehrzahl" verstanden
       werden, eines "pluralen Marxismus", der erst, wenn er sich selbst
       als plural  versteht, auch von seiner "praktischen Notwendigkeit"
       neu bestimmt werden kann. 6)
       Es ist  von Lothar Peter und von Hans Heinz Holz darauf hingewie-
       sen worden,  daß das Moment der Verallgemeinerung ein Moment ist,
       das für  den Marxismus als eine Weltanschauung, die  W i s s e n-
       s c h a f t  u n d  P h i l o s o p h i e  einschließt, schon aus
       theoretischen Gründen unverzichtbar ist. Der Marxismus als Moment
       einer weltweit   k ä m p f e n d e n  B e w e g u n g  bedarf aus
       diesem Praxiszusammenhang  erst recht  der Vereinheitlichung  und
       Verallgemeinerung. 7)  Wenn bei  Wolfgang Fritz  Haug  "Geschlos-
       senheit"  zu   einer  herabsetzenden  Bezeichnung  wird  und  mit
       Abgeschlossenheit, Endgültig-Fertig-Sein,  Sterilität verwechselt
       wird, so  markiert dies  die Trennung von einer fortschrittlichen
       Tradition des Denkens, die weit älter ist als der Marxismus, aber
       von ihm  positiv aufgenommen  und, ergänzt  durch das Nach-Vorne-
       Offen-Sein, von ihm aufgehoben wurde. 8)
       Daher ist  an der inneren Einheit von Klassenentwicklung und Ent-
       wicklung der  marxistischen Theorie  festzuhalten. Diese  Einheit
       erschließt sich  wissenschaftsgeschichtlich. Die  Entfaltung  des
       Marxschen Wissenschaftsprogramms, so argumentiert Hans Jörg Sand-
       kühler, "vollzog  sich im  Maße der Verwirklichung dessen, worauf
       es historisch  zielte: der politischen und ideologischen Klassen-
       konstituierung." 9)  Es ist  kein Zufall,  daß der  Auflösung des
       Marxismus in  Marxismen die  Auflösung der marxistischen Philoso-
       phie in Nicht-Philosophie vorausging und der Wissenschaftscharak-
       ter des Marxismus bestritten wurde. 10)
       Es kann  heute als  erfreulich vermerkt werden, daß auf verschie-
       denen Problem-Ebenen eine Marxismus-Diskussion eingesetzt hat, zu
       der auch  Nicht-Marxisten mit seriösen Forschungserträgen beitra-
       gen. Gewiß  handelt es  sich dabei noch selten um zentrale Fragen
       der öffentlichen  Diskussion, doch  sind sie  von Bedeutung  auch
       dann, wenn  einzelnen Ergebnissen  nicht zuzustimmen  ist.  Neben
       Beispielen, die  im folgenden herangezogen werden, kann verwiesen
       werden auf  historiographische Arbeiten  des Karl-Marx-Hauses  in
       Trier,  auf  systemtheoretische  rechtswissenschaftliche  Studien
       oder z.B.  auf den Versuch eines Vergleichs von Marxismus und An-
       throposophie. 11)  Hier ist  das Bemühen erkennbar, die Argumente
       und Positionen  des klassischen Marxismus von denen marxianischer
       Standpunkte abzuheben,  sie exakt  wiederzugeben (auch  wenn hier
       viele Kontroversen  entfacht werden  müssen) und sachlich dagegen
       zu argumentieren.  Vielleicht wird, was in anderen Ländern längst
       existiert, von  Randgebieten her auch in der Bundesrepublik Wirk-
       lichkeit: eine  scharfe, heftige,  kontroverse,  aber  sachliche,
       wissenschaftliche und  an humanistischen  Positionen  orientierte
       Diskussion über  den Marxismus.  Wichtige Aspekte  der Marxismus-
       Diskussion sollen nun an zwei Problemfeldern erörtert werden.
       
       2. Hegemonie und Arbeiterklasse
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       In der  Marxismus-Diskussion ist die Frage nach der Hegemonie der
       Arbeiterklasse -  theoretisch durch Lenin und Gramsci vorbereitet
       - ein  zentrales Problem  unserer Zeit. Zum Hegemonie-Begriff ge-
       hört der  Hegemon. Das heißt: Zur Frage, wie kulturelle und ideo-
       logische Macht-  und Gegenmacht-Strukturen entwickelt werden kön-
       nen, gehört die Frage, an welchem gesellschaftlichen Ort potenti-
       ell diese Macht- (oder Gegen-Macht-) Struktur begründet wird, auf
       welches (mögliche)  gesellschaftliche Subjekt  sich  eine  solche
       Struktur beziehen  könnte. Wolfgang  Fritz Haug  will eben  diese
       Frage nicht  stellen. Er versucht, "den Gedanken einer hegemonia-
       len Struktur ohne klassischen Hegemon zu entwickeln". 12) Abgese-
       hen davon, daß Haug unbestritten ausführt, eine hegemoniale Poli-
       tik dürfe um den Preis des Hegemonie-Verlusts nicht sektiererisch
       sein, bleiben  Ausgangspunkt und  Zielrichtung  seines  Gedankens
       noch im Nebel. Als Ausgangspunkte lassen sich lediglich feststel-
       len, daß der Hegemon im Sinne Gramscis und Lenins für uns derzeit
       nicht in  Sicht ist und daß es in der Volksuni in West-Berlin er-
       mutigende Erfahrungen gibt. Als Zielrichtungen lassen sich ledig-
       lich die  "plurale Formation", die "plurizentrische Aktivierungs-
       struktur" erkennen. Es ist zu vermuten, daß alles hinausläuft auf
       "keine parteipolitische  Vormachtstellung". 13)  Aber  ganz  klar
       wird es  nicht. Immerhin  bleibt für  die alternative Hegemonial-
       struktur der  Bezugspunkt Arbeiterklasse  und Wissenschaft  14) -
       das hebt Haug positiv von anderen ab.
       Inhaltlich neue Überlegungen zum Hegemonialbegriff sind von Heinz
       Jung vorgelegt  worden. 15)  Auf Seiten  der herrschenden  Klasse
       macht er  im staatsmonopolistischen  Kapitalismus der Bundesrepu-
       blik zwei  konkurrierende Hegemonialvarianten  aus: Einer konser-
       vativen, in der neben den konservativen Parteien die Unternehmer-
       verbände, die Organisationen der Landwirtschaft und der gewerbli-
       chen Mittelschichten, die katholische Kirche, die Flüchtlingsver-
       bände usw.  die wichtigsten Transmissionsriemen darstellen, steht
       eine sozial-liberale  Hegemonialvariante gegenüber,  die auf  der
       Spange Regierung  - Monopolverbände  einerseits, Regierung - Par-
       teiführungen -  Gewerkschaftsführungen -  aus der  Arbeiterklasse
       hervorgegangene Organisationen andererseits beruht. Gemeinsam ist
       beiden der Bezug auf die Machtstruktur des staatsmonopolistischen
       Kapitalismus und  insofern auch  die Orientierung auf sozialpart-
       nerschaftliche Einbindung  der Arbeiterklasse. Aber vor allem ge-
       genüber den  Führungsgruppen der Arbeiterorganisationen bestimmen
       die beiden Varianten die Bedingungen anders.
       Bedeutsam für diese Entwicklung des Hegemoniebegriffs ist die Be-
       ziehung auf  den Prozeß  der Interessenvermittlung über Verbände-
       bindungen. Dem  in der  nicht-marxistischen  Literatur  geführten
       Streit um  die Legitimations-Problematik  liegt  ein  Realproblem
       zugrunde, an  dessen materialistische Lösung mit Hilfe eines sol-
       chen Begriffs von hegemonialem System gegangen werden kann. Diese
       Fassung des Hegemonie-Begriffs macht auch den Vorgang der Erosion
       sozialliberaler Macht  in der  Zeit der Schmidt-Regierung wissen-
       schaftlich greifbar  als einen  Prozeß, der auf der Ebene der In-
       teressenvermittlung einsetzte,  zum Hintergrund  die Verschärfung
       der objektiven  Krisenprozesse und die staatsmonopolistische Hal-
       tung der  Schmidt-Regierung hatte  und sich  der Entwicklung  der
       neuen und  alten demokratischen  und alternativen Bewegungen aus-
       drückte. Trotz  der Stabilität der klassenautonomen Strömungen in
       den Gewerkschaften  war die  sozialdemokratische Hegemonie in den
       Gewerkschaften noch ungebrochen (Jung greift hier zum Begriff der
       besetzten Felder),  was wiederum den Aufstieg der Grün-Alternati-
       ven als  parlamentarische Verallgemeinerung der Protestbewegungen
       erklärt. Auch zur Frage nach dem potentiellen Subjekt und Zentrum
       einer alternativen Hegemonialstruktur äußert Jung sich anders als
       Haug: Perspektivisch  sind antimonopolistische  Koalitionen unter
       Hegemonie klassenautonomer  Strömungen  der  Arbeiterklasse  Mög-
       lichkeiten, deren  Verwirklichungsbedingungen genauerer  Untersu-
       chungen bedürfen.
       Analytisch und  sachlich unterscheidet Jung die Ebene der Hegemo-
       nialvarianten von der Ebene unterschiedlicher sozialer und ökono-
       mischer Entwicklungsvarianten,  einer Frage,  die auch zur gegen-
       wärtigen Marxismus-Diskussion  gehört. Diese  Unterscheidung  ist
       gerade deshalb  wichtig, weil  Zusammenhänge zwischen  den beiden
       Ebenen nicht zu übersehen sind.
       Heinz Jung hat vorgeschlagen, auf der Ebene von Entwicklungsvari-
       anten nicht  Kennzeichen wie Reformorientierung - Konservatismus,
       liberale Herrschaftsformen  - verstärkte Repression, primäre Bin-
       nenmarktorientierung -verstärkte Außenexpansion oder ähnliche zum
       Ausgangspunkt zu  machen, sondern  die Konkurrenz  zwischen einer
       betont etatistisch-administrativen und einer betont privatmonopo-
       listischen Wirtschafts-  und Sozialpolitik zum Kriterium der Ent-
       wicklungsvarianten zu  nehmen. 16) Dabei bleibt unbestritten, daß
       beide auf  der Grundlage der erreichten Phase der Entwicklung des
       staatsmonopolistischen Kapitalismus  wirken; insofern  gehen Ein-
       wände fehl,  die  in  dieser  Konzeption  eine  Abschwächung  des
       staatsmonopolistischen Wesens  des  heutigen  Kapitalismus  sehen
       wollen. 17)
       
       2.1 Kapital und Vergesellschaftung
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       Der eingangs schon zitierte Johannes Berger mag als Vertreter ei-
       ner Art  von Marxismus-Kritik  gelten, die die neuen alternativen
       und demokratischen  Bewegungen als  Beleg dafür  ansieht, daß die
       klassischen Fragestellungen  der marxistischen  Theorie  überholt
       seien. 18)  Freilich gelingt dies nur, nachdem zunächst Max Weber
       an die  Stelle von  Marx gesetzt  wird. Denn  daß  der  Webersche
       "Rationalismus der  Weltbeherrschung" an Grenzen gelangt ist, mag
       ja zutreffen  (ich habe  selbst da  meine Zweifel, weil Webersche
       Kategorien - als Kategorien vollentfalteter bürgerlicher Soziolo-
       gie im  Übergang zum  Imperialismus - auch über die damalige Ent-
       wicklungsphase des Kapitalismus hinaus entwickelbar sind); jeden-
       falls heißt das gerade nicht, daß die Fragestellungen und Katego-
       rien des Marxismus durch neue Problemlagen obsolet werden.
       Die Analyse  des Zyklus  neuer sozialer  Bewegungen in Kategorien
       der marxistischen  Theorie ist von Witich Roßmann angedeutet wor-
       den. 19) Er zeigt, wie gerade neu in den Kampf von Lohnarbeit und
       Kapital einbezogene  Gruppen, die  sich mit Brüchen in ihrer Exi-
       stenz auseinandersetzen  müssen, zu  einer Radikalisierung  ihres
       Selbstverständnisses neigen,  die oft  unter  der  Hegemonie  von
       hochmotivierten und  qualifizierten Minderheiten (linke Christen,
       Sozialisten, Kommunisten) verlaufen. Die Differenzierungsprozesse
       und Konflikte  mit den  traditionellen Organisationen  (Stichwort
       "besetzte Felder")  sind so  erfaßbar und in ihren unterschiedli-
       chen Entwicklungsmöglichkeiten  (hegemo-niale Strömungen  im  Be-
       reich der  neuen Bewegungen, Verarbeitungsfähigkeit der traditio-
       nellen Organisationen) einzuschätzen.
       Roßmann knüpft  in seinen  Untersuchungen an  die von Frank Deppe
       hervorgehobene und  weiterentwickelte  Kategorie  der  Vergesell-
       schaftung an. 20) Beide haben dargelegt, wie diese Grundkategorie
       für die Untersuchung wesentlicher Prozesse in der Entwicklung des
       subjektiven Faktors  nutzbar gemacht  werden kann. Deppe hat dar-
       über hinaus  gezeigt, welche  Bedeutung diese  Kategorie  erhält,
       wenn man versucht, eine marxistische Theorie der Spezifik des Po-
       litischen zu entwickeln. 21)
       Die Frage  der Form  und  des  Inhalts  gesellschaftlichen  Fort-
       schritts in  unserem Land hängt mit der Frage nach dem Inhalt des
       Vergesellschaftungsprozesses eng zusammen. Dabei kann in der mar-
       xistischen Analyse  auch nicht  mehr annäherungsweise  einerseits
       von Vergesellschaftungsprozessen der Produktivkräfte und der Pro-
       duktion (sozusagen  "für sich") und von einer Anpassung der kapi-
       talistischen Eigentumsformen  daran andererseits  gesprochen wer-
       den. Der  objektive  Vergesellschaftungsprozeß  selbst  vollzieht
       sich in  staatsmonopolistisch deformierter  Gestalt. Das  ist von
       Jung monographisch dargestellt worden. 22)
       Berger schließt  aus dem  Strukturbruch, der sich zeigt, wenn man
       die neuen  sozialen Bewegungen  in ihren tieferliegenden Ursachen
       erfaßt, auf  die Notwendigkeit, die Marxsche Theorie als eine von
       der Arbeiterbewegung  zu trennende  Vergesellschaftungstheorie zu
       entwickeln. "Ich  möchte ...  dafür plädieren", schreibt er, "die
       analytischen Möglichkeiten der Marxschen Theorie dadurch zur Gel-
       tung zu  bringen, daß  sie nicht mehr dadurch belastet wird, eine
       Revolutionstheorie des  Proletariats zu  sein, sondern abstrakter
       als 'reine'  Theorie der  industriell-kapitalistischen Vergesell-
       schaftung konzipiert  wird." 23)  Marx so  zu lesen,  hieße  laut
       Berger, ihn  "in Richtung  des westlichen  Marxismus"  zu  lesen.
       24) Jung kommt  gerade im  Zusammenhang mit  der  Vergesellschaf-
       tungs-Theorie zu  einem diametral  entgegengesetzten Ergebnis. Er
       zeigt, daß  die deformierte  Vergesellschaftung zu  einer solchen
       Art von  "Überreife" des kapitalistischen Systems führt, daß dies
       System keine  immanente positive Entwicklungsperspektive mehr be-
       sitzt, "es sei denn, sie wird von 'außen' oder durch den Klassen-
       kampf im inneren erzwungen". 25)
       
       3. Marxismus und Natur-Konzept
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       Die Wellen der Konjunktur in der Marxismus-Diskussion sind beson-
       ders deutlich zu erkennen, verfolgt man die Behandlung des Natur-
       Themas. Noch  vor wenigen Jahren galten heute wieder populäre na-
       turphilosophische Fragestellungen  (man denke  z.B. an das Ab und
       Auf in  der Wertschätzung  Ernst Blocks) als völlig veraltet. Den
       Vertretern des klassischen Marxismus wurde meist (in Anlehnung an
       den Georg  Lukács von  "Geschichte und Klassenbewußtsein") vorge-
       worfen, sie ebneten die prinzipiellen Unterschiede zwischen Natur
       und menschlicher  Gesellschaft ein,  wenn sie von einer Dialektik
       der Natur  sprächen. 26)  Wenn es  den Vertretern des klassischen
       Marxismus bisher  noch nicht  gelungen war, ihre Kritiker von der
       Wirksamkeit der  Natur-Dialektik zu überzeugen, so hat die ökolo-
       gische Krise  jetzt Überzeugungsarbeit geleistet. Freilich führte
       das oft  zu einem neuen Angriff auf den Marxismus aus umgekehrter
       Richtung. Nicht  mehr, daß die Theorie von Marx, Engels und Lenin
       der Natur eine zu große, sondern daß sie ihr eine zu kleine Rolle
       einräume, wirft ihr heute der Marx-Kritiker vor, der mit der Mode
       geht.
       So sieht  Hans Immler  schon im  Denken von Marx das Natur-Unver-
       ständnis sozialistischer  Systeme ebenso  vorgeprägt, wie bei Ri-
       cardo im  Kern bereits  das Natur-Unverständnis  kapitalistischer
       Systeme vorgeprägt sei. 27) Zwar beziehe der Marxsche philosophi-
       sche Ansatz  Natur ein;  aber die Marxsche Kritik der politischen
       Ökonomie stehe  nur auf  einem Bein,  der Marxschen  Arbeitswert-
       lehre. Darin  zeige sich  ein kennzeichnender innerer Widerspruch
       des Marxismus,  der nur  aus der  damaligen Nicht-Existenz  einer
       ökologischen Krise historisch entschuldbar sei.
       Hans Immler  ist an der gleichen Stelle von Wolfdietrich Schmied-
       Kowarzik kritisiert  worden. 28)  Dabei hat  Winfried Schwarz  zu
       Recht darauf  verwiesen, daß offenbar der Fach-Philosoph Schmied-
       Kowarzik dem  Fach-Ökonomen Immler  einige Einführungshinweise in
       politischer Ökonomie  geben mußte.  29)  Auch  in  der  einfachen
       Kenntnis der  marxistischen Theorie  ist Schmied-Kowarzik  seinem
       Gegenspieler eindeutig  überlegen. Der  entscheidende Gedanke bei
       Schmied-Kowarzik ist,  daß die  Entfremdung nicht  notwendig  und
       allgemein dem  Mensch-Natur-Verhältnis  anhaftet,  sondern  durch
       eine gesellschaftliche  Praxis hervorgebracht  wird, deren Ergeb-
       nisse freilich  - da dies die Praxis einer antagonistischen Klas-
       sengesellschaft ist  - nicht  den Absichten und Vorhaben der Han-
       delnden entsprechen.  Diese Entfremdung  könne -  so kennzeichnet
       Schmied-Kowarzik zu  Recht die  Marxsche Gedankenführung, mit der
       er insofern  übereinstimmt -  durch die  gesellschaftliche Praxis
       der bewußt und solidarisch Handelnden prinzipiell überwunden wer-
       den. Zwar bleibt hier (vorläufig?) der Umriß der Einheit der Han-
       delnden, der  Umriß des  historischen Subjekts  im dunkeln;  aber
       völlig zu  Recht besteht Schmied-Kowarzik auf der Einheit von so-
       zialökonomischer Umwälzung  der Produktionsverhältnisse  und  der
       Möglichkeit zur "Auflösung des Widerstreits zwischen dem Menschen
       mit der Natur und mit dem Menschen". 30)
       Auf der  anderen Seite  fällt bei Schmied-Kowarzik sowohl die Un-
       kenntnis der konkreten Dialektik im Naturverhältnis in den sozia-
       listischen Ländern  31) wie auch seine Unkenntnis etwa der Arbei-
       ten  des  marxistischen  Ökologen  Edgar  Gärtner  auf.  So  geht
       Schmied-Kowarzik ausdrücklich aus von der hier bedeutsamen Grund-
       bestimmung menschlicher  Existenz, einerseits  das  Lebewesen  zu
       sein, das  kraft seiner naturbeherrschenden Potenz sich selber in
       der Geschichte  seine Welt aufbaut, andererseits unauflöslich mit
       der Natur  verbunden zu  sein, deren Teil die menschliche Produk-
       tion bleibt.  32) Aber die Darlegungen von Edgar Gärtner, der be-
       reits Jahre vorher vom gleichen Ansatz ausging und darüber hinaus
       in diesem  Zusammenhang zu  wichtigen ideologiekritischen Überle-
       gungen kommt, sind Schmied-Kowarzik offenbar unbekannt geblieben.
       Gärtner hatte  aus dieser  doppelten Bestimmung  des menschlichen
       Naturverhältnisses   u n d  der kapitalistisch bedingten Entfrem-
       dung zwischen Menschen und Natur vorgeschlagen, sowohl die Verab-
       solutierung des  technisch aktiven  Verhaltens zur  Natur wie die
       gegenläufigen, naturalisierenden  Begriffe vom Menschen als Ideo-
       logien eben  dieser Wirklichkeit,  als notwendigerweise  reprodu-
       zierten Ausdruck  dieser Wirklichkeit  im bürgerlichen Bewußtsein
       zu fassen. 33)
       Die Marxismus-Diskussion in der Bundesrepublik ist  a u c h  eine
       Diskussion innerhalb  der Reihen  des kämpferischen,  des klassi-
       schen Marxismus.  Denn es  gilt auch, die Beiträge nicht vom Mar-
       xismus herkommender  Wissenschaftler für  die schöpferische  Wei-
       terentwicklung marxistischer  Positionen zu  nutzen. Zu dem Thema
       Natur muß  hier vor  allem auf  Hans Heinz Holz verwiesen werden.
       Diesem marxistischen  Philosophen ist es gelungen, in Fortsetzung
       Engelsscher Anfänge, die Arbeiten des bürgerlichen Soziologen und
       Philosophen Helmuth  Plessner, dessen  Werk von der Bedrohung des
       Menschen in  unserer Welt  ausging, in bedeutsamen Teilen für den
       Marxismus nutzbar zu machen. 34) Holz verortet die Nahtstelle, an
       der sich  der Umschlag  vom Naturwesen des Menschen zu seiner Ge-
       sellschaftlichkeit vollzieht,  in seiner Bedürftigkeit. Der Über-
       gang, in dem er durch seine Arbeit aus dem Naturgegebenen heraus-
       tritt, die  Organisation der  Bedürfnisse durch Werkzeugverferti-
       gung, die  Schaffung dessen,  was Hegel  das "System  der Bedürf-
       nisse" nennt,  bedingen die  "natürliche Künstlichkeit"  des Men-
       schen (hier tut sich eine Verbindung zu Plessners Begriff der Ex-
       zentrizität auf);  35) sie  bedingen auch die Unumkehrbarkeit des
       Geschichtsprozesses.
       "Wir können  das aus  arbeitsteiliger Produktion  hervorgegangene
       zivilisatorische System  der Bedürfnisse nicht mehr auf die Stufe
       der Natürlichkeit zurückbringen, ohne dabei den Menschen als Men-
       schen preiszugeben." 36) Das Programm einer unvermittelten Natür-
       lichkeit ist deshalb das verzweifelte Programm einer Dehumanisie-
       rung. Diese  Erkenntnis bedeutet  nun freilich kein Sich-Abfinden
       mit den  Widersprüchen, die die kapitalistische Organisationsform
       der natürlichen  Künstlichkeit des Menschen verursacht. Holz ent-
       wickelt  vielmehr,   wie  insofern  die  Zukunftsperspektive  der
       Menschheit mit  der weltgeschichtlichen  Aufgabe des Proletariats
       zusammenfällt.
       
       _____
       1) Vgl. z.B.  Herbert Mies: Zukunftsherausforderungen der politi-
       schen Arbeiterbewegung  in der  Bundesrepublik. In:  Marxistische
       Studien 9. Jahrbuch des IMSF 11/1985, S. 329 ff.
       2) Frank Deppe:  Vergesellschaftung und  Politik. Zur politischen
       Theorie von  Karl Marx.  In: Marxistische  Studien. Jahrbuch  des
       IMSF. Sonderband I, 1983, S. 86-109, hier S. 86 f.
       3) Johannes Berger:  Marx, soziologische  Problemlagen der Gegen-
       wart und neue soziale Bewegungen. In: Mehrwert. Beiträge zur Kri-
       tik der politischen Ökonomie, 25/1984, S. 126-145, hier S. 126.
       4) Bundeszentrale für  politische Bildung  (Hrsg.): Informationen
       zur politischen  Bildung, Heft  184: Kommunistische Ideologie. 2,
       Bonn 1980,  S. 51  (zit. nach dem lesenswerten Aufsatz von Horst-
       Dieter Strüning:  Tendenzen der Marx-Beschäftigung in Schulen der
       Bundesrepublik Deutschland,  in: Dialektik.  Beiträge zu Philoso-
       phie und Wissenschaften 6, 1983, S. 161, 173).
       5) Ebenda.
       6) Wolfgang Fritz  Haug: Pluraler Marxismus. Beiträge zur politi-
       schen Kultur, Band 1, West-Berlin 1985. Hier S. 20 u. S. 13 f.
       7) Hans Heinz  Holz: Vom vermeintlichen Untergang und der wunder-
       samen Rettung der Philosophie durch Wolfgang Fritz Haug. In: Hans
       Heinz Holz,  Thomas Metscher, Josef Schleifstein, Robert Steiger-
       wald (Hrsg.):  Marxismus - Ideologie - Politik. Krise des Marxis-
       mus oder  Krise des "Arguments"? Frankfurt 1984, S. 28-53. Lothar
       Peter: Die Ideologie des "Arguments" in der Krise. Anmerkungen zu
       W. F. Haug: Krise oder Dialektik des Marxismus? In: Ebda., S. 54-
       73.
       8) Vgl. hierzu  auch: Johannes Henrich von Heiseler: Geschlossen-
       heit, absolute Wahrheit und Religion. Bemerkungen zu Lenin anläß-
       lich einer Bemerkung von Wolf gang Fritz Haug. In: Ebda., S. 209-
       217.
       9) Hans Jörg  Sandkühler: Proletariat  und Wissenschaft. Zur Kon-
       stituierung der  Arbeiterklasse als  Voraussetzung des  Marxschen
       Wissenschaftsprogramms. In:  Marxistische Studien.  Jahrbuch  des
       IMSF, Sonderband I, 1983, S. 305-331. Hier: S. 331.
       10) Wolfgang Fritz Haug: Was soll marxistische Erkenntnistheorie?
       Das Argument,  Nr. 81 (1973). Wolfgang Fritz Haug: Wider den bloß
       verbalen Materialismus.  Das Argument,  Nr. 92  (1975).  Wolfgang
       Fritz Haug:  Für eine materialistisch-dialektische Begründung des
       dialektischen Materialismus. Das Argument, Nr. 108 (1978).
       11) Werner Krawietz: Recht als Regelsystem, Wiesbaden 1984. Chri-
       stoph Strawe: Marxismus und Anthroposophie, Stuttgart 1986.
       12) Wolfgang Fritz Haug: Pluraler Marxismus, a.a.O., S. 172.
       13) Ebda., S.  183. Vgl.  auch insgesamt  die  Kritik  von  Frank
       Deppe: Intellektuelle,  "Arbeiterklassenstandpunkt" und "struktu-
       relle Hegemonie".  Einige  Gegenargumente.  In:  Holz,  Metscher,
       Schleifstein,  Steigerwald   (Hrsg.):  Marxismus  -  Ideologie  -
       Politik (vgl. Fußnote 7), S. 97-117. In einer wenig überzeugenden
       Replik hat  Haug Deppe vorgeworfen, dieser mißverstehe Überlegun-
       gen zur  Hegemonie-Frage als strategisch-politische Überlegungen,
       sie seien  aber doch  - zumindest vorläufig - auf den kulturellen
       Bereich beschränkt. (Wolfgang Fritz Haug: Einwände gegen das Kon-
       zept der "Strukturellen Hegemonie". In: Haug, a.a.O., S. 185-195,
       hier S.  186 und S. 195). Nun ist allerdings der eigentliche Witz
       des Hegemonie-Begriffs,  die politisch-strategische  Dimension im
       ideologisch-kulturellen Bereich freizulegen.
       14) Haug, ebda., S. 182.
       15) Heinz Jung:  "Korporatismus" statt "Etatismus". Staatsmonopo-
       listische Vergesellschaftung  und  politisch-staatlicher  Überbau
       heute. In: Marxistische Studien 4, Jahrbuch des IMSF 1981, S. 11-
       41, hier  besonders S.  30 ff.  Heinz Jung  in: Heinz  Jung/Josef
       Schleifstein (Hrsg.): Der Staat im staatsmonopolistischen Kapita-
       lismus der  Bundesrepublik, IMSF-Beiträge  6, Bd.  I, S.  245 ff.
       Heinz Jung:  Deformierte Vergesellschaftung,  Frankfurt 1986,  S.
       278 ff.  Eine weitgehend  ähnliche  Begrifflichkeit  und  Analyse
       (darauf hat  Jung selbst  hingewiesen) liegt  vor in:  SOST: Eine
       linke Alternative  zum gescheiterten  "Modell  Deutschland".  In:
       Probleme des Klassenkampfs H. 40 (1980), S. 64 ff.
       16) Heinz Jung:  Die  privatmonopolistische  Entwicklungsvariante
       des staatsmonopolistischen Kapitalismus der BRD. In: Marxistische
       Studien 1.  Jahrbuch des  IMSF 1978,  S. 9-58. Heinz Jung: Defor-
       mierte Vergesellschaftung, a.a.O., S. 42-54.
       17) Klaus Borchardt,  Thomas Sauer: Zur Kritik der These der pri-
       vatmonopolistischen Entwicklungsvariante  des SMK  der  BRD.  In:
       Marxistische Studien 5. Jahrbuch des IMSF 1983, S. 393-405.
       18) Berger, a.a.O., S. 136.
       19) Witich Roßmann: Vergesellschaftung, Krise und gewerkschaftli-
       che Gegenmacht.  Studien zu Strukturveränderungen der industriel-
       len Beziehungen  in der Bundesrepublik (1969-1984), Marburg 1986.
       Hier S. 255 ff. und 258 ff.
       20) Frank Deppe: Autonomie und Integration, Marburg 1979.
       21) Frank Deppe:  Vergesellschaftung und Politik. Zur politischen
       Theorie von  Karl Marx.  In: Marxistische  Studien. Jahrbuch  des
       IMSF, Sonderband I, 1983, S. 86-109.
       22) Heinz Jung: Deformierte Vergesellschaftung, Frankfurt 1986.
       23) Berger, a.a.O., S. 140 f.
       24) Berger, a.a.O., S. 144.
       25) Jung, a.a.O., S. 83.
       26) Vgl. etwa  die Debatte  auf der  Konferenz des IMSF 1970: Die
       Frankfurter Schule  im Lichte  des Marxismus.  Hrsg. v.  Johannes
       Henrich von  Heiseler, Robert Steigerwald und Josef Schleifstein,
       Frankfurt 1974.
       27) Hans Immler:  Ist nur  die Arbeit wertbildend? Zum Verhältnis
       von politischer  Ökonomie  und  ökologischer  Krise,  Sozialismus
       5/1983, S. 53-58.
       28) Wolfdietrich Schmied-Kowarzik: Politische Ökonomie und ökolo-
       gische Krise.  Die Entfremdung  der gesellschaftlichen Produktion
       von der  Natur und ihre revolutionäre Überwindung, a.a.O., S. 50-
       53.
       29) Winfried Schwarz:  Zur Kritik ökorevisionistischer Positionen
       zur  Naturfrage   bei  Marx.  In:  Marx-Engels-Stiftung  (Hrsg.):
       Mensch, Natur und Umwelt im Werk von Friedrich Engels. Schriften-
       reihe der  Marx-Engels-Stiftung 5, Wuppertal 1986, S. 29-33, hier
       S. 29.
       30) Karl  Marx:  Ökonomisch-philosophische  Manuskripte  aus  dem
       Jahre 1844. In: MEW, Ergänzungsband I, S. 536.
       31) Vgl. dazu Winfried Schwarz, a.a.O., S. 32.
       32) Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, a.a.O., S. 50.
       33) Edgar Gärtner:  Arbeiterklasse und Ideologie, Frankfurt 1979,
       S. 67 f.
       34) Hans Heinz  Holz: Menschheit,  Natur  und  gesellschaftlicher
       Fortschritt.  In:  Marxistische  Studien  9.  Jahrbuch  des  IMSF
       11/1985, S. 46-60, hier S. 50 ff.
       35) Plessner begründet  die "natürliche"  Künstlichkeit des  Men-
       schen, ebenso  wie seine "vermittelte Unmittelbarkeit" und seinen
       "utopischen Standort"  ausdrücklich in  dem,  was  er  als  seine
       "Exzentrizität" bezeichnet, Vgl. Helmuth Plessner: Die Stufen des
       Organischen und der Mensch. 3. A., Berlin 1975, S. 309 ff. András
       Gedö hat  vor einigen  Jahren den  überzeugenden Versuch gemacht,
       nachzuweisen, daß  die beiden  Grundmuster bürgerlichen Krisenbe-
       wußtseins, der Neopositivismus in klassischer und formgewandelter
       Gestalt und  die Lebensphilosophie  in klassischer und formgewan-
       delter Gestalt,  das gesamte nicht-marxistische Denken der Gegen-
       wart durchdringen,  ja auch  das Denken  von an Marx orientierten
       Denkern, soweit  es nicht marxistisch ist. (András Gedö: Philoso-
       phie der  Krise. Berlin  1978). Will  man diese Erkenntnis jedoch
       produktiv nutzen,  so heißt  das im  Sinne Lenins  "Zur Frage der
       Dialektik" (1915)  (Lenin, Werke  38, S.  339 ff.), die positiven
       Erkenntnisse auch  der lebensphilosophischen  Strömung, losgelöst
       von ihren  erkenntnistheoretischen "Blüten"  für den Marxismus zu
       verarbeiten. Holz hat das in bezug auf Plessner geleistet.
       36) Holz, ebenda, S. 53.
       

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