Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


       zurück

       
       DIE NEUEN SCHWERPUNKTE DER MARX-ENGELS-FORSCHUNG IN DER DDR
       ===========================================================
       UND UDSSR IN DEN NÄCHSTEN FÜNF JAHREN MEGA-EDITION
       ==================================================
       
       Erich Kundel / Alexander Malysch
       
       1. Der  Zeitraum Mitte 1844 bis Mitte 1849 - 2. Wissenschaftliche
       Studien, journalistische und politische Tätigkeit in den 50er und
       60er Jahren  - 3. Der dritte "Kapital"-Entwurf und die Nachaufla-
       gen des  ersten Bandes - 4. Wissenschaft und Politik von Marx und
       Engels von den 70er Jahren bis zu ihrem Lebensende.
       
       Seit dem  Erscheinen der  ersten Bände  unserer historisch-kriti-
       schen Gesamtausgabe  des literarischen  Nachlasses von  Karl Marx
       und Friedrich  Engels sind  über elf  Jahre vergangen. Inzwischen
       haben wir  den 30.  Band der MEGA der internationalen Öffentlich-
       keit vorgelegt. Bis 1990 werden weitere 17 MEGA-Bände erscheinen,
       1991 kann  mit dem  Erscheinen des  50. Bandes der MEGA gerechnet
       werden. Alle  diese Bände  sind bereits in Arbeit, und die Vorbe-
       reitungen für weitere 10 Bände haben begonnen. Die Herausgeberin-
       stitute stellen  sich das Ziel, bis zum Jahr 2000 die Edition der
       Bände der  Ersten und  Zweiten Abteilung  der MEGA abzuschließen.
       Die Arbeiten an der Dritten und Vierten Abteilung werden kontinu-
       ierlich fortgesetzt.
       Mit den MEGA-Bänden, die in der zweiten Hälfte der 80er Jahre und
       zu Beginn  der neunziger Jahre fertigzustellen sind, ergeben sich
       eine Reihe von Schwerpunktthemen, deren Erforschung nicht nur für
       die Arbeit an der MEGA wichtig sind, sondern auch für die theore-
       tische und  ideologische Arbeit  von großem  aktuellem  Interesse
       sein dürften. Es geht dabei um solche Fragen wie z.B.:
       - Die Einheit  und wechselseitige Durchdringung der drei Bestand-
       teile des  Marxismus. Der  Kampf von  Marx und Engels um die Wei-
       terentwicklung und  Durchsetzung der  wissenschaftlichen  Weltan-
       schauung und  um die Zurückdrängung bürgerlicher und kleinbürger-
       licher Ideologien in der Arbeiterbewegung.
       - Die  weitere Entwicklung  der Revolutionstheorie durch Marx und
       Engels, insbesondere ihres Kernstücks, der Lehre von der proleta-
       rischen Partei,  als wichtige  Voraussetzung für die Vorbereitung
       der Arbeiterklasse auf die Verwirklichung ihrer historischen Mis-
       sion.
       - Die Ausarbeitung  und Weiterentwicklung  der  materialistischen
       Geschichtsauffassung durch Marx und Engels, insbesondere die ver-
       tiefte Herausarbeitung der Wechselbeziehungen von Basis und Über-
       bau, von Ökonomie und Politik sowie der wachsenden Rolle des sub-
       jektiven Faktors, der Bewußtheit der revolutionären Klasse.
       - Marx' weitere  Forschungen zum  Produktionsprozeß des  Kapitals
       sowie seine  Untersuchungen über  die einfache und erweiterte Re-
       produktion. Die  wissenschaftlich-technische Revolution  und  die
       Entwicklung der  Produktivkräfte. Der  Zusammenhang zwischen Pro-
       duktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen.
       - Proletarischer Internationalismus  und proletarischer Friedens-
       kampf im Wirken von Marx und Engels als Führer der I. Internatio-
       nale und  Engels' Bemühen um das weitere internationale Zusammen-
       wirken des  revolutionären Proletariats im Kampf um gesellschaft-
       lichen Fortschritt und gegen wachsende Kriegsgefahr.
       Diese Forschungsthemen  sind mit der MEGA-Edition wichtiger Werke
       des Marxismus wie "Die deutsche Ideologie", "Das Elend der Philo-
       sophie", "Das  Manifest der  Kommunistischen Partei", die Inaugu-
       raladresse, Statuten und andere Dokumente der Internationalen Ar-
       beiterassoziation, dem "Anti-Dühring", "Der Ursprung der Familie,
       des Privateigentums  und des  Staats" sowie  weiterer Manuskripte
       und Ausgaben  des "Kapitals" und vieler bisher unveröffentlichter
       Briefe und  Exzerpte auf  das engste  verbunden. Mit  der wissen-
       schaftlichen und  editorischen Bearbeitung  dieser  Arbeiten  von
       Marx und  Engels werden  in den nächsten Jahren grundlegende Pro-
       bleme des  Marxismus untersucht, die für die aktuelle Politik der
       revolutionären Partei  und die  Unterstützung ihrer theoretischen
       und ideologischen Arbeit eine große Bedeutung haben.
       
       1. Der Zeitraum Mitte 1844 bis Mitte 1849
       -----------------------------------------
       
       Bekannt ist  der Satz des alten Friedrich Engels, den dieser 1889
       an den dänischen Sozialisten Gerson Trier geschrieben hat: "Damit
       am Tag  der Entscheidung das Proletariat stark genug ist, zu sie-
       gen, ist  es nötig - und das haben Marx und ich seit 1847 vertre-
       ten -,  daß es eine besondre Partei bilde, getrennt von allen än-
       dern und  ihnen entgegengesetzt,  eine selbstbewußte  Klassenpar-
       tei." 1)
       Es ist  eine der  konkreten Aufgaben  der MEGA, lückenlos und auf
       höchstem wissenschaftlichen  und editorischen  Niveau zu dokumen-
       tieren, wie  Marx und Engels diese entscheidende Erkenntnis - die
       auch heute  noch im  Zentrum  der  Auseinandersetzung  mit  allen
       Spielarten der  bürgerlichen Ideologie  steht - erstmalig vertre-
       ten, ständig  weiterentwickelt und  polemisch  verteidigt  haben.
       Hier geht  es unmittelbar um die Parteiauffassungen der Begründer
       unserer Weltanschauung,  die den  Kern  ihrer  Revolutionstheorie
       bilden.
       Die Herausgabe der Bände der MEGA, die den Beginn ihres gemeinsa-
       men Ringens um die Ausarbeitung der materialistischen Geschichts-
       auffassung, die Verbindung des wissenschaftlichen Sozialismus mit
       der Arbeiterbewegung,  ihren gemeinsamen  Kampf um die Herausbil-
       dung einer  kommunistischen Partei  und die Führung dieser Partei
       in der Revolution von 1848/49 dokumentieren, muß natürlicherweise
       besonderes Interesse beanspruchen.
       Nachdem das  Heranreifen des Marxismus in den MEGA-Bänden 1,1 bis
       1,3 dokumentiert  ist, ebenso  die Auswertung der Erfahrungen der
       Revolution und  damit die letzte Phase des Bundes der Kommunisten
       in den  Bänden 1,10  und 1,11, nachdem auch die zeitlich entspre-
       chenden Bände  der Briefabteilung  sowie einige Exzerptbände vor-
       liegen, geht  es nun um die wissenschaftliche und editorische Er-
       schließung der  Jahre von  Mitte 1844 bis Mitte 1849. Das umfang-
       reiche theoretische  und praktisch-politische Wirken von Marx und
       Engels zur  Schaffung der  ersten proletarischen  Partei und ihre
       Bewährung am  Vorabend und vor allem während der europäischen Re-
       volution von 1848/49, wird den Inhalt von sechs Bänden der Ersten
       Abteilung der MEGA bilden. Es sind dies die Bände 4-9, die am In-
       stitut für  Marxismus-Leninismus in Berlin bearbeitet werden. Fe-
       ster Bestandteil  dieses Forschungskomplexes  sind aber  auch die
       Bände 3,  4 und  5 der  Exzerptabteilung, deren wissenschaftliche
       Bearbeitung am  Institut für  Marxismus-Leninismus in  Moskau er-
       folgt.
       Das komplexe  Herangehen an die Erarbeitung dieser Bände muß sich
       von Anfang an daran orientieren, daß ein inhaltlich "roter Faden"
       die "Heilige  Familie", "Die  Lage der arbeitenden Klasse in Eng-
       land", die  "Deutsche Ideologie",  das "Manifest  der Kommunisti-
       schen Partei"  und die Herausgabe der "Neuen Rheinischen Zeitung"
       verbindet -  und dieser  rote Faden, der ebenso die Bände der Ex-
       zerptabteilung durchzieht,  ist eben  die Schaffung einer solchen
       "besondren", "selbstbewußten Klassenpartei", die Ausarbeitung und
       Durchsetzung eines  wissenschaftlich begründeten Programms dieser
       Partei und ihre politische Führung in einer großen Revolution.
       In den  nur dreieinhalb  Jahren vom Beginn der gemeinsamen Arbeit
       von Marx  und Engels  im August  1844 bis  zur Niederschrift  des
       "Manifest der  Kommunistischen Partei" entstanden jene Werke, Ma-
       nuskripte und  Artikel, die  den Prozeß der Ausarbeitung des wis-
       senschaftlichen Sozialismus,  vor allem der materialistischen Ge-
       schichtsauffassung  und   wichtiger  ökonomischer  Kategorien  in
       höchst eindrucksvoller  Weise dokumentieren.  In diese  Zeit fiel
       eine intensive  kritische Auseinandersetzung  mit der klassischen
       deutschen Philosophie,  der klassischen  bürgerlichen politischen
       Ökonomie und  dem utopischen  Sozialismus und  Kommunismus. Damit
       eng verbunden  war die Kritik der nachhegelschen Philosophie, des
       wahren Sozialismus  und der  Auffassungen Proudhons. Marx und En-
       gels begannen  den Kampf  um die  Verbindung  der  revolutionären
       Theorie mit  der Arbeiterbewegung  und führten  ihn gemeinsam mit
       bewährten Kampfgefährten  bis zur Herausbildung einer kommunisti-
       schen Partei, des Bundes der Kommunisten.
       Die Etappe  der Ausarbeitung  des wissenschaftlichen  Sozialismus
       bis zum  "Manifest der Kommunistischen Partei" steht bis heute im
       Mittelpunkt  bürgerlicher  Marx-Engels-Verfälschung.  Charakteri-
       stisch für  diese Verfälschung sind nach wie vor die Angriffe auf
       Wesenszüge und  zentrale Erkenntnisse  der materialistischen  Ge-
       schichtsauffassung, um  die wissenschaftliche Einsicht in Vergan-
       genheit, Gegenwart  und Zukunft  gesellschaftlicher  Prozesse  zu
       leugnen oder  mindestens in Frage zu stellen. Zu diesen Merkmalen
       gehören zum  Beispiel Versuche einer sogenannten Entpolitisierung
       der Philosophie,  indem der Entstehungsprozeß des wissenschaftli-
       chen Sozialismus  von den  konkrethistorischen Klassenkämpfen der
       Arbeiterklasse getrennt  wird. Die  Einengung und Reduzierung des
       komplizierten Prozesses  der Ausarbeitung  des wissenschaftlichen
       Sozialismus zu  einem abstrakten,  rein ideengeschichtlichen Vor-
       gang führt letztlich dazu, das Verhältnis des Marxismus zu seinen
       Quellen zu verzerren und damit die Lehren von Marx und Engels ge-
       nerell zu verfälschen.
       Unsere Forschung  wird sich  in nächster Zeit auf die Bearbeitung
       der "Deutschen  Ideologie", der  "Misère de la Philosophie", "Das
       Manifest der  Kommunistischen Partei"  und der  Exzerpte aus  der
       Brüsseler und  Manchester  Zeit  konzentrieren.  Einen  besonders
       wichtigen Platz nimmt im Entstehungsprozeß der wissenschaftlichen
       Weltanschauung der Arbeiterklasse "Die deutsche Ideologie" ein.
       Erstmals werden  die wichtigsten  Erkenntnisse der  materialisti-
       schen Geschichtsauffassung zusammenhängend dargelegt, wesentliche
       Einsichten erstmals  begründet. Dadurch  wurden gesellschaftliche
       Verhältnisse und Prozesse in Vergangenheit und Gegenwart für eine
       wissenschaftliche Untersuchung  zugänglich gemacht. Möglich wurde
       eine wissenschaftlich  begründete Voraussicht  gesellschaftlicher
       Entwicklungen. Die  materialistische Geschichtsauffassung  ermög-
       lichte erstmals  die wissenschaftliche Einsicht in die objektiven
       Bedingungen, den  Weg und das Ziel des Kampfes der Arbeiterklasse
       und ihrer  Partei. Unter  den Bedingungen  sozialistischer Eigen-
       tumsverhältnisse werden,  so wiesen Marx und Engels nach, gesell-
       schaftliche Prozesse  beherrschbar, und  es entstehen  qualitativ
       neue Beziehungen der Menschen zu den Produktionsmitteln, zur Pro-
       duktion und ihren Zielen und vor allem neue soziale Verhältnisse.
       Marx und  Engels führten  in der  "Deutschen Ideologie" die Lehre
       von der historischen Rolle der Arbeiterklasse weiter.
       In der Schrift "Misère de la philosophie" entwickelte Marx Grund-
       züge der  neuen Geschichtsauffassung  weiter, verbunden mit einer
       eingehenderen Untersuchung  der kapitalistischen  Produktionsver-
       hältnisse und  einer Kritik wichtiger Kategorien der bürgerlichen
       politischen Ökonomie. Das "Manifest" wurde zur Geburtsurkunde des
       wissenschaftlichen Sozialismus und zugleich das wissenschaftliche
       Programm der Partei für die bevorstehenden revolutionären Ausein-
       andersetzungen.
       Über die  Ausarbeitung der materialistischen Geschichtsauffassung
       gibt es  umfangreiche Forschungen. Die Edition des Kapitels I der
       "Deutschen Ideologie"  im MEGA-Probeband  widerspiegelte  bereits
       einen beachtlichen Forschungsstand. Daran gilt es anzuknüpfen. Es
       wird von besonderer Bedeutung sein, den Entstehungsprozeß des ge-
       samten Werkes  sowie den Entstehungsprozeß seiner Teilmanuskripte
       noch tiefer auszuloten. Dabei gilt es, den mittelbaren und unmit-
       telbaren Zusammenhängen  mit den  politischen  und  ideologischen
       Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterbewegung sowie den Be-
       ziehungen zu  den parallel  entstandenen Brüsseler und Manchester
       Exzerpten besondere  Aufmerksamkeit zu  schenken, die  in der IV.
       MEGA-Abteilung erscheinen.
       Dort wird der Leser Auszüge aus Werken von fast 60 Autoren finden
       und damit  einen umfassenden Eindruck von Marx' und Engels' viel-
       seitigen, intensiven  Studien im  Vorfeld solcher bedeutsamen Ar-
       beiten wie  der "Deutschen Ideologie" oder "Misère de la philoso-
       phie" gewinnen.  Für manche  noch nicht endgültig geklärte Frage-
       stellungen, z.B. wie sich Marx' Übergang auf die Arbeitswerttheo-
       rie vollzog, werden die Exzerpte neue Anregungen zu weiteren For-
       schungen vermitteln.
       Der Inhalt  der Exzerpte  - zumeist  handelt es sich um englische
       und französische  Ökonomen -  zeigt, daß Marx und Engels die Ent-
       wicklung der  politischen Ökonomie als theoretischen Ausdruck der
       Entwicklung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse verstan-
       den, wie es dann ja auch im nachfolgenden List-Manuskript, in der
       "Deutschen Ideologie"  oder in  "Misère de la philosophie" darge-
       stellt wird.  Interessant dürfte  auch die Beantwortung der Frage
       sein, welchen  Beitrag gerade diese ökonomischen Studien zur Fun-
       dierung  der   grundlegenden  Thesen  der  materialistischen  Ge-
       schichtsauffassung geleistet haben.
       Eine weitere  wichtige Forschungsaufgabe besteht darin, Marx' und
       Engels' Auseinandersetzung  mit dem Junghegelianismus, dem wahren
       Sozialismus, den Auffassungen Stirners und Proudhons umfassend zu
       erforschen. Dabei  gilt es auch hier, die bereits vielfältig vor-
       handene Literatur  auszuwerten und kritisch zu sichten, aber auch
       die Untersuchungen  weiterzuführen. Unser zentrales Anliegen wird
       es sein, die objektive Funktion dieser bürgerlichen und kleinbür-
       gerlichen Auffassungen  differenzierter zu  untersuchen,  um  die
       zeitgenössische und  zugleich aktuelle Bedeutung dieser Auseinan-
       dersetzungen noch fundierter herauszuarbeiten. Von besonderer Ak-
       tualität ist, daß es Marx und Engels in der "Deutschen Ideologie"
       erstmals gelang,  diese Auffassungen  auf ihre sozialökonomischen
       Wurzeln zurückzuführen,  womit sie  uns bis  in die heutigen Tage
       ein wirksames Instrument im Kampf gegen die bürgerliche Ideologie
       in die Hand gegeben haben.
       Auch  über  den  Beginn  von  Marx'  und  Engels'  Kampf  um  die
       revolutionäre Partei,  über ihr  Wirken in  den Reihen des Bundes
       der Kommunisten  liegt bereits  eine umfangreiche  Literatur vor,
       und Arbeit  an der  MEGA bedeutet  auch,  alle  Resultate  dieser
       langjährigen  internationalen   Forschungsarbeiten   zu   nutzen.
       Dennoch gilt  es, angesichts  der  spezifischen  Bedürfnisse  der
       MEGA, eine  beachtliche Anzahl  von Forschungslücken  der  unter-
       schiedlichsten Art zu schließen. Um nur einige zu nennen:
       1. Marx' und  Engels' Tätigkeit in der Revolution, d.h. in erster
       Linie die  Herausgabe der "Neuen Rheinischen Zeitung", wurde bis-
       her noch  nicht in  vollem Maße als Parteitätigkeit gewürdigt. Es
       ist noch gründlicher und allseitiger als bisher zu zeigen, inwie-
       fern die Zeitung tatsächlich das Organ des Bundes der Kommunisten
       war. Diese  Problematik wird im Mittelpunkt einer Monographie zur
       Geschichte des Bundes stehen.
       2. Es ist  eine der langlebigsten und verbreitetsten Verfälschun-
       gen, Marx  und Engels  hätten in jenen frühen Jahren faktisch au-
       ßerhalb der praktischen Politik gestanden, sie wären nicht gehört
       worden, ihre Meinungen seien wirkungslos geblieben. Schon die Be-
       folgung der  Editionsrichtlinien der  MEGA, die  uns den Nachweis
       der unmittelbaren  zeitgenössischen Wirkung  zur Pflicht  machen,
       wird ergeben,  daß z. B. die "Neue Rheinische Zeitung" in Dutzen-
       den Zeitungen  Europas und  besonders  Deutschlands  nachgedruckt
       worden ist.  Um hier  einen wirklich repräsentativen Überblick zu
       gewinnen, sind  noch außerordentlich  aufwendige Arbeiten  durch-
       zuführen.
       3. Noch nicht  alle Komponenten  der  Strategie  und  Taktik  der
       "Neuen Rheinischen  Zeitung" in  bezug auf  bestimmte Länder oder
       durchgängige Probleme  sind gründlich  genug  erforscht.  Während
       z.B. in  bezug auf  Frankreich, Polen,  Großbritannien und Öster-
       reich inzwischen spezielle Arbeiten vorliegen, sind solche zu Un-
       garn lückenhaft  und zu  Schleswig-Holstein gar  nicht vorhanden.
       Gerade zu  den beiden  letzteren Ländern hat aber Engels mehr als
       einhundert Artikel geschrieben. Nicht minder wichtig ist eine Un-
       tersuchung über  die Haltung  der "Neuen Rheinischen Zeitung" ge-
       genüber den  revolutionären Vorgängen  in Italien  in den  Jahren
       1848 und 1849.
       
       2. Wissenschaftliche Studien, journalistische und
       -------------------------------------------------
       politische Tätigkeit in den 50er und 60er Jahren
       ------------------------------------------------
       
       Die theoretische  und praktisch-politische Tätigkeit von Marx und
       Engels in den 50er und 60er Jahren, vor allem ihre Rolle als Füh-
       rer der  I. Internationale,  hat schon immer auf Marx-Engels-For-
       scher der  verschiedensten gesellschaftswissenschaftlichen Diszi-
       plinen eine  besondere Anziehungskraft ausgeübt. Die außerordent-
       liche Breite  des Forschungsfeldes  wird unter anderem auch daran
       sichtbar, daß  über diesen Zeitraum in allen vier Abteilungen der
       MEGA intensiv  gearbeitet wird.  Neben den  Bänden der I. und II.
       Abteilung sind  es Bände  der IV.  Abteilung und  vor allem  eine
       große Anzahl von ME-GA-Bänden aus der III., der Briefabteilung.
       Gegenwärtig konzentrieren sich die Mitarbeiter des IML Moskau auf
       die wissenschaftliche und editorische Bearbeitung von 6 Briefbän-
       den, von denen die Bände 5, 6,7 und 8 bis 1990 erscheinen werden.
       Damit steht  dem Benutzer  der MEGA der Briefwechsel von Marx und
       Engels bis  1857 zur  Verfügung. Trotz  dieser beachtlichen Fort-
       schritte ist das jedoch erst ein Anfang. Inzwischen wissen wir es
       genau, daß  der in  der MEGA veröffentlichte Briefwechsel von und
       mit Marx  und Engels  45 Bände  füllen wird.  Nach dem bisherigen
       Kenntnisstand werden  in der  Dritten Abteilung  4119 Briefe  von
       Marx und  Engels veröffentlicht. Hinzu kommen 9881 Briefe, die an
       sie gerichtet sind.
       Diese bisher  umfangreichste Briefpublikation  in der  Geschichte
       der Marx-Engels-Edition  wird für  den Benutzer der MEGA noch zu-
       sätzlich an  wissenschaftlichem Wert  gewinnen, weil  im  wissen-
       schaftlichen Apparat zu den einzelnen Briefbänden auch jene Doku-
       mente vollständig  abgedruckt werden,  die den  Briefen beigelegt
       waren. Auf  diese Weise  wird zum  Beispiel im wissenschaftlichen
       Apparat zu  den Bänden  5 und 6 die Tätigkeit von Marx und Engels
       in der  Zeit des  Kommunistenprozesses durch die Heranziehung von
       Materialien aus  Zeitungen, Polizeiberichten  und anderer zeitge-
       nössischer Dokumente  weitaus tiefer  ausgelotet, als  es  allein
       durch den Abdruck der Briefe möglich wäre.
       Nicht minder wichtig für die weitere Herausgabe der MEGA sind die
       6 Exzerptbände aus diesem Zeitraum der 50er und 60er Jahre. Abge-
       sehen von  den Londoner  Exzerpten, die einen besonders engen Zu-
       sammenhang mit dem ökonomischen Schaffen von Marx aufweisen, han-
       delt es  sich hier um solche Exzpertbände, die in einer besonders
       engen inhaltlichen  Beziehung zu  den entsprechenden  MEGA-Bänden
       der Abteilung I stehen.
       In Halle  und Leipzig  wird bereits  an den Exzerpten und Notizen
       von Marx  und Engels  von 1853/54 bzw. 1860/63 gearbeitet, die in
       Band IV, 12 und Band IV, 17 nach 1990 erscheinen werden.
       In der Abteilung I werden im Anschluß an die bereits vorliegenden
       Bände 10-13 die Arbeiten an den Bänden 14 und 15 fortgesetzt. Das
       erfordert weitere  Untersuchungen über die Mitarbeit von Marx und
       Engels an  der "New-York  Tribüne". Sie  schrieben mehr  als zehn
       Jahre für  diese große  amerikanische Zeitung.  Die  erschienenen
       Bände 11-13  und die bisherigen Ergebnisse bei dem Band 14 zeigen
       die große  Bedeutung der  dort veröffentlichten Publikationen. Da
       in der  Zeit der  Herrschaft der  politischen Reaktion  in Europa
       nach der Niederlage der Revolutionen von 1848/49 die Veröffentli-
       chung größerer Werke von Marx und Engels nicht möglich war, blieb
       für die Verbreitung inzwischen gewonnener neuer theoretischer und
       politischer Erkenntnisse  nur der  Weg über die Presse, wobei die
       "New-York Tribüne",  da sie  die damals  auflagenstarkste Zeitung
       überhaupt war  und außerdem  eine sehr  breite Thematik behandelt
       werden konnte  und mußte,  an erster  Stelle stand.  Daher wurden
       viele der in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts gewonnenen
       neuen theoretischen  Erkenntnisse und politischen Erfahrungen von
       Marx und  Engels zuerst  durch ihre  Beiträge für  die New Yorker
       Zeitung bekannt.
       Die Bedeutung  der in der "New-York Tribüne" veröffentlichten Ar-
       tikel verpflichtet uns, auch weiterhin große Anstrengungen zu un-
       ternehmen, um  alle Schätze  zu heben,  die noch bis heute in den
       Spalten der  Zeitung verborgen geblieben sind. Besonders deutlich
       zeigt die  Arbeit am Band I, 14, daß mittels einer genauen Durch-
       sicht der  Zeitung weitere  Artikel von Marx und Engels identifi-
       ziert werden  können. Alle  Hinweise in den verschiedenen Quellen
       auf die  Beziehungen zwischen  Marx und  Engels und der Redaktion
       müssen auf das genaueste ausgewertet werden. Autorschaftsuntersu-
       chungen und die Erforschung der Geschichte der Zeitung bilden da-
       her eine untrennbare Einheit.
       Diese Anstrengungen  sind nicht  zuletzt auch deshalb so wichtig,
       weil es in den letzten zwanzig Jahren eine ganze Reihe von Veröf-
       fentlichungen in den USA und anderen westlichen Ländern gibt, die
       sich mit  der Mitarbeit von Marx und Engels an der "New-York Tri-
       büne" beschäftigten und dabei auf die verschiedenste Weise versu-
       chen, diesen  Teil des  Werkes der  beiden Begründer  des wissen-
       schaftlichen Sozialismus  zu verfälschen.  Eine Methode dabei ist
       die schon seit langem geübte Praxis, damalige Äußerungen von Marx
       und Engels  - vor  allem über die Außenpolitik des russischen Za-
       rismus -  aus ihrem  historischen Zusammenhang  herauszulösen und
       für die  jetzigen antikommunistischen Attacken reaktionärer Ideo-
       logen zu  mißbrauchen. Mitunter  werden Marx  auch Beiträge zuge-
       schrieben, die  er gar  nicht verfaßt  hat. Die darin enthaltenen
       Auffassungen werden  dann zu antimarxistischen Ausfällen benutzt.
       Daher haben  hier Autorschaftsuntersuchungen auch unmittelbar et-
       was mit Auseinandersetzung, mit dem Kampf gegen Verfälschungen zu
       tun. Ebenso  wie hinsichtlich der "New-York Tribüne" ist die Mit-
       arbeit von Marx und Engels an der "Neuen Oder-Zeitung", der "Free
       Press", aber  auch an  den Zeitungen aus der Zeit der I. Interna-
       tionale zu untersuchen.
       Die Internationale Arbeiterassoziation besiegelte die Vereinigung
       von Marxismus  und Arbeiterbewegung,  die im Bund der Kommunisten
       eingeleitet worden  war. "Die I. Internationale", erklärte Lenin,
       "legte den Grundstein zum internationalen proletarischen Kampf um
       den Sozialismus". Die von ihr geschaffenen unvergänglichen inter-
       nationalistischen Traditionen  gewinnen  in  den  internationalen
       Klassenauseinandersetzungen Ende des 20. Jahrhunderts für die Ar-
       beiterklasse und alle antiimperialistischen Kräfte erhöhte Bedeu-
       tung. Das  unterstrichen  viele  Teilnehmer  der  internationalen
       Marx-Konferenz des  Zentralkomitees der SED im April 1983 in Ber-
       lin. Zugleich suchen bürgerliche Ideologen verstärkt, die IAA aus
       der Geschichte  der internationalen  Arbeiterbewegung auszuradie-
       ren. Um  so wichtiger  ist es, in der MEGA diesen Abschnitt ihres
       Schaffens auf  höchstem wissenschaftlichen  Niveau zu dokumentie-
       ren.
       Zwei gewichtige  MEGA-Bände mit Materialien der I. Internationale
       aus der  Zeit nach  der Pariser  Kommune liegen  bereits vor, die
       Bände I,  22 und  I, 24.  Nunmehr haben wir uns den Anfangsjahren
       der IAA  zugewandt. Das geschah auch mit Hinblick darauf, daß die
       revolutionäre Arbeiterbewegung  1989 gemeinsam  mit anderen fort-
       schrittlichen Kräften den 125. Gründungstag der I. Internationale
       wie auch den 100. Gründungstag der II. sowie den 70. Gründungstag
       der III.  Internationale  begehen  wird.  Wir  konzentrieren  uns
       zunächst auf  die Erarbeitung  von Band  I, 20,  der die Zeit von
       September 1864  bis September 1867 und damit den Konstituierungs-
       prozeß der IAA sowie deren Bewährung während der Wirtschaftskrise
       von 1866/67  zum Inhalt hat. Die konzeptionelle Vorbereitung wird
       in diesem  Fünfjahresplanzeitraum auch noch für Band I, 21 begon-
       nen, der in zwei Halbbänden das Wirken von Marx und Engels an der
       Spitze der  Internationale von  September 1867 bis März 1871, bis
       zum Vorabend der Pariser Kommune, dokumentieren wird.
       Viele bürgerliche Ideologen suchen glauben zu machen, der Marxis-
       mus habe sich während Marx' Arbeit am "Kapital" in einen ökonomi-
       schen Determinismus  bzw. in eine Spontanitätstheorie verwandelt,
       und sprechen  von einer Vernachlässigung des subjektiven Faktors,
       zu der  es in  dieser Zeit  gekommen sei.  Davon kann  jedoch gar
       keine Rede  sein, und das ist in den MEGA-Bänden aus der Zeit der
       Internationalen Arbeiterassoziation  umfassend  zu  belegen.  Das
       Wirken von  Marx und Engels in der I. Internationale kann nur als
       außerordentlich bedeutungsvolle Etappe in ihrem Kampf um die pro-
       letarische Partei  begriffen werden,  in der  viele  neue  Fragen
       praktisch und  theoretisch zu  lösen waren. Die erste mit der IAA
       verbundene proletarische  Partei entstand in Deutschland: die So-
       zialdemokratische Arbeiterpartei,  die Partei der Eisenacher. Das
       Wirken von  Marx als  Korrespondierender Sekretär des Generalrats
       für Deutschland  noch  genauer  zu  untersuchen,  ist  daher  ein
       Schwerpunkt bei  der Arbeit  an den MEGA-Bänden über die Zeit der
       I. Internationale.
       Besonders möchten wir aus diesem Forschungskomplex folgendes her-
       vorheben: In  der Inauguraladresse begründete Marx programmatisch
       die Notwendigkeit der eigenen Außenpolitik der Arbeiterklasse und
       deren Grundsätze.  Die weitere Ausarbeitung und Durchsetzung die-
       ser Prinzipien war ein untrennbarer Bestandteil des gesamten Wir-
       kens von  Marx und Engels in der IAA. Das bei der Bearbeitung der
       Dokumente und  Protokolle des  Generalrats umfassend  zu untersu-
       chen, ist  heute wichtiger denn je. Marx wies nach, daß der Kapi-
       talismus ständig  Kriege hervorbringt  und deren Verwüstungskraft
       immer mehr steigert. Schon während seiner Tätigkeit in der I. In-
       ternationale zeigte  Marx aber  auch immer  wieder, daß  es keine
       schicksalhafte Unvermeidlichkeit  von Kriegen  gibt, sondern  die
       Arbeiterklasse den  kapitalistischen Kriegstreibern  in die  Arme
       fallen kann  und muß.  1869 rief  er die  amerikanischen Arbeiter
       auf, "Frieden  zu gebieten,  wo diejenigen,  die ihre Herren sein
       wollen, Krieg  schreien". In  den umfangreichen  Diskussionen, zu
       denen es in der I. Internationale über die Stellung der Arbeiter-
       klasse zu  Krieg und  Frieden kam, sorgte Marx für die notwendige
       Abgrenzung vom  bürgerlichen Pazifismus  einerseits und für Bünd-
       nisse mit demokratischen Friedenskräften andererseits. Vieles ist
       noch zu tun, um das genauer zu erhellen.
       Dank der  internationalistischen Erziehung  durch die IAA wandten
       sich während  des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 erst-
       mals Arbeiter zweier kriegführender Länder, die fortgeschrittenen
       Arbeiter Frankreichs  und Deutschlands,  solidarisch  gegen  ihre
       herrschenden Klassen.  Marx erklärte: "Diese einzige große Tatsa-
       che, ohnegleichen in der Geschichte der Vergangenheit, öffnet die
       Aussicht auf eine hellere Zukunft. Sie beweist, daß, im Gegensatz
       zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem po-
       litischen Wahnwitz, eine neue Gesellschaft entsteht, deren inter-
       nationales Prinzip  der Friede  sein wird,  weil bei jeder Nation
       dasselbe Prinzip herrscht - die Arbeit!"
       
       3. Der dritte "Kapital"-Entwurf und
       -----------------------------------
       die Nachauflagen des ersten Bandes
       ----------------------------------
       
       Mit dem  "Kapital" hat Marx dem gesamten Marxismus die unerschüt-
       terliche Basis  gegeben, und  dieses Werk wird daher zu Recht das
       Hauptwerk unserer  wissenschaftlichen Weltanschauung genannt. Die
       einmalige Edition  des "Kapitals"  in der  MEGA, mit allen seinen
       Vorarbeiten und  mit allen  seinen autorisierten Nachauflagen und
       Übersetzungen entrollt das Panorama einer wissenschaftlichen Lei-
       stung, die  ihresgleichen sucht. Marx hat mit diesem Werk den Ka-
       pitalismus für alle seine Entwicklungsstadien analysiert, aber er
       hat gleichzeitig  darin derartig fruchtbare und anregende Denkan-
       stöße für  alle die gegeben, die die neue, sozialistische Gesell-
       schaft aufbauen,  daß das "Kapital" für die Errichtung der sozia-
       listischen Gesellschaft  ein unentbehrliches und immer wieder neu
       zu durchforschendes  Reservoir  wissenschaftlicher  Schätze  dar-
       stellt. Dies Werk in der Gesamtheit seiner überlieferten Materia-
       lien der  internationalen Arbeiterbewegung  zugänglich zu machen,
       ist eine verpflichtende Aufgabenstellung der MEGA.
       Während  der   Schwerpunkt  der   Forschung  zur  Geschichte  des
       "Kapitals" bisher  auf den  Zeiträumen von 1857 bis 1863 und 1866
       bis 1867 lag, verlagerte er sich seit geraumer Zeit und gegenwär-
       tig mehr  und mehr auf die Jahre 1850 bis 1853, 1863 bis 1865 und
       1871/1872 bis  zu Marx'  Tod 1883 sowie auf die Arbeit von Engels
       am "Kapital"  seit 1883.  Dem entsprechen folgende drei Editions-
       und Forschungsschwerpunkte,  die bereits alle in Angriff genommen
       worden sind  und bis  zum Beginn der neunziger Jahre die Aufmerk-
       samkeit und Anstrengung der betreffenden Forscherkollektive bean-
       spruchen werden.
       Einen  spürbaren  Beitrag  zur  Erschließung  der  Entstehungsge-
       schichte des "Kapitals" leistet erstens die Erforschung und erst-
       malige Edition  von 24  sog. Londoner Heften von 1850-1853 in den
       Bänden IV, 7 - IV, 11 an der Martin-Luther-Universität Halle. Die
       Londoner Hefte  1850-1853 bilden  einen Wissensspeicher,  auf den
       sich Marx  unmittelbar  bei  der  Ausarbeitung  der  "Grundrisse"
       stützte, die  aber auch  bei allen  folgenden ökonomischen Werken
       herangezogen wurden. 2)
       Den   z w e i t e n   Editions- und  Forschungsschwerpunkt bildet
       das Manuskript aller drei theoretischen Bücher des "Kapitals" von
       1863-1865, soweit  es überliefert  ist, sowie  einige zum zweiten
       und dritten  Band gehörige, von Marx in den Jahren 1866/1867 ver-
       faßte Materialien. Nach der Veröffentlichung des ersten und zwei-
       ten Entwurfs  des Hauptwerkes von Marx aus den Jahren 1857/58 be-
       ziehungsweise 1861-1863  stellt die  Herausgabe des  dritten, der
       seinen Selbstverständigungsprozeß abschloß, einen neuen Höhepunkt
       dar; sicherlich  nicht nur für die Marx-Engels-Forschung, sondern
       gleichermaßen für  die marxistisch-leninistischen  Gesellschafts-
       wissenschaften. Das  gilt wohl  insbesondere für  den Entwurf des
       dritten Bandes  des "Kapitals", auf dessen Grundlage  E n g e l s
       die Druckfassung  besorgte.   A l l e   d i e s e  M a t e r i a-
       l i e n   w e r d e n   i m   B a n d   4   d e r   Z w e i t e n
       A b t e i l u n g   e n t h a l t e n   s e i n.   Er besteht aus
       drei Büchern,  wovon das  erste sich  im  Druck,  das  zweite  in
       Redaktion und das dritte in Vorbereitung befindet. Die Aufzählung
       der Materialien  deutet bereits die inhaltlichen Probleme an, die
       der Band birgt.
       Im Band II, 4.1 werden bestimmte ökonomische Manuskripte von Marx
       aus der  Zeit von  1863 bis  1867 veröffentlicht. Dazu gehört das
       Fragment "Sechstes Kapitel. Resultate des unmittelbaren Produkti-
       onsprozesses", das  thematisch zum ersten Band des "Kapitals" ge-
       hört. Dazu  kommt das  "Manuskript I" des zweiten Bandes mit Pro-
       blemen des Zirkulationsprozesses des Kapitals und schließlich der
       Text der späteren Broschüre "Lohn, Preis und Profit" von Marx.
       Das zweite  Buch des  vierten Bandes  der Zweiten  Abteilung wird
       Marx' sehr  umfangreichen und  einzigen Entwurf  für den  dritten
       Band des  "Kapitals" enthalten. Es handelt sich hier um 575 Hand-
       schriftenseiten, also  um etwa 1000 MEGA-Druckseiten. Dieser Band
       enthält die erste systematische Darstellung einer der fundamenta-
       len Entdeckungen  von Marx,  der  Theorie  der  Durchschnittspro-
       fitrate und  des Produktionspreises sowie die Darlegungen zum Ge-
       setz des  tendenziellen Falls  der Profitrate und die Analyse der
       besonderen, verwandelten  Formen des  Mehrwerts  -  industrieller
       Profit, absolute  Rente und  Differentialrente, Handelsprofit und
       Zins.
       Die Darstellung  des Gesamtprozesses der kapitalistischen Produk-
       tion ist  nicht zuletzt  aus weltanschaulichen  und  methodischen
       Gründen von  Bedeutung. Mit diesem Band lag die wissenschaftliche
       Begründung der  historischen Mission der Arbeiterklasse vollstän-
       dig vor;  ist es ein Wunder, daß sich die Marx-Kritik seit seinem
       Erscheinen besonders  massiv auf  Marx'  Hauptwerk  stürzte?  Sie
       griff sowohl  die ökonomischen  Aussagen an,  als auch die innere
       Logik und Geschlossenheit der Darstellung. Vor allem wurde dieser
       Band metaphysisch  vom ersten Band zu trennen versucht, sogar als
       Torso hingestellt,  und es wurde auch behauptet, erst Engels habe
       auf der Grundlage eines prinzipiellen Mißverständnisses der Marx-
       schen Lehre  aus dem  nachgelassenen Entwurf  etwas Einheitliches
       gemacht. Die  weitere Forschung muß, anknüpfend an die bisherigen
       Ergebnisse, den  spezifischen Charakter und Stellenwert des Manu-
       skripts von  1863-1865 bestimmen.  Was die  Probleme des  dritten
       Bandes betrifft, so muß bei allen Untersuchungen stets der Zusam-
       menhang zwischen  dem Marxschen  Manuskript für  den dritten Band
       und der  von Engels  besorgten und herausgegebenen Fassung dieses
       Bandes berücksichtigt  werden. Das ist, wie gesagt, wesentlich in
       Beziehung auf  gegenwärtige bürgerliche  Fehlinterpretationen be-
       ziehungsweise Verfälschungen dieser Zusammenhänge.
       Im Zeitraum  von Januar  1866 bis  August 1867 schrieb Marx nicht
       nur die  Druckfassung des  ersten Bandes  des "Kapitals"  nieder,
       sondern verfaßte  auch verschiedene  ergänzende, für  die Fertig-
       stellung des  zweiten und  dritten Bandes des "Kapitals" vorgese-
       hene Materialien.  So gibt  es ein Manuskript mit der Überschrift
       "Zu Buch  3 Gehöriges",  das aus  ca. 160 Handschriftenseiten be-
       steht, und  weitere Materialien.  Sie alle werden das dritte Buch
       des Bandes  4 der  Zweiten Abteilung  bilden.  Die  gesamte  For-
       schungsproblematik, die sich hier offensichtlich auftun wird, ist
       heute noch nicht völlig zu übersehen. Doch zweifellos sind da nä-
       here Aufschlüsse  über bisher nicht bekannte Aktivitäten von Marx
       im Zusammenhang  mit den  theoretischen Problemen des zweiten und
       dritten Bandes des "Kapitals" zu erwarten. Es deutet sich an, daß
       Marx in  den Jahren  1866/67 nicht  nur um die Fertigstellung des
       ersten Bandes  bemüht war, sondern auch nach der Veröffentlichung
       des zweiten  und dritten trachtete; wenn schon nicht gleichzeitig
       mit dem  ersten, sollten  sie mindestens unmittelbar nach ihm er-
       scheinen.
       D r i t t e n s   schließt die bisherige Edition nahezu alle Vor-
       arbeiten für den ersten Band des "Kapitals" sowie die Erstausgabe
       desselben von  1867 ein.  Nunmehr steht  zur Bearbeitung  und Er-
       forschung der  Komplex von MEGA-Bänden, der alle Ausgaben des er-
       sten Bandes, deutsch oder fremdsprachig, umfaßt, die von Marx und
       Engels selbst  bearbeitet beziehungsweise  intensiv betreut  oder
       autorisiert worden  sind. Das  sind fünf Ausgaben und dementspre-
       chend fünf MEGA-Bände.
       So hat  Marx die  zweite Auflage des ersten Bandes des "Kapitals"
       unter dem  Eindruck und mit den Erfahrungen der fünfjährigen Wir-
       kungs- und  Rezeptionsgeschichte der  ersten Auflage,  also unter
       Kenntnis seiner  Aufnahme bei  Freund und Feind, in Überarbeitung
       genommen. Diese  Überarbeitung aber  war ihrerseits  eng verwoben
       mit seinen  engagierten Bemühungen um eine durchgehende theoreti-
       sche und  darstellerische Vervollkommnung der französischen Über-
       setzung des  Werkes von Joseph Roy. Die historisch-kritische Ver-
       antwortung der  MEGA-Editoren trifft  bereits hier auf gewichtige
       Fragestellungen. Inwiefern  ist Marx'  Äußerung über  den eigenen
       wissenschaftlichen Wert der französischen Textfassung berechtigt,
       welche theoretischen  Weiterentwicklungen an diesem Text bestäti-
       gen dies  im einzelnen und im ganzen? Woraus resultierten die of-
       fensichtlichen Schwierigkeiten, die Marx bei der endgültigen Fas-
       sung des  Abschnitts über  die Wertform für die zweite Auflage zu
       überwinden hatte  und die durch erstmals zu veröffentlichende Ma-
       nuskripte dieser  Überarbeitung eindrucksvoll  belegt werden?  Es
       ist in diesem Zusammenhang auch die Zeit gekommen, einer zwar be-
       reits angeschlagenen,  jedoch bisher  nicht voll  widerlegten Le-
       gende durch ausreichende und überzeugende wissenschaftliche Argu-
       mente den  Garaus zu  machen: Beginnend mit Kautskys Volksausgabe
       von 1914  bis heute,  und da meist in nichtmarxistischen Kreisen,
       wird die zweite deutsche Auflage als Marx' Ausgabe "letzter Hand"
       und damit als der wissenschaftliche Schlußpunkt des ersten Bandes
       des "Kapitals"  ausgegeben. Demgegenüber  werden die  dritte  und
       vierte Auflage als Bearbeitungen von Engels als unbedeutend abge-
       tan. Diese Problematik führt uns zu den interessanten Beziehungen
       zwischen zweiter und dritter deutscher und französischer Ausgabe.
       Für Marx  war nach seinen eigenen Aussagen zunächst die französi-
       sche  Ausgabe  der  "wissenschaftliche  Höchststand",  nicht  die
       zweite deutsche.  Als sich 1877 die Aussicht eröffnete, eine eng-
       lische Übersetzung in Amerika herauszubringen, schrieb er mehrere
       umfangreiche Anweisungen  bis hin  zu Seiten-  und  Zeilenzahlen,
       welche Stellen unbedingt der französischen Ausgabe zu folgen hät-
       ten. Das  Projekt zerschlug  sich; doch  kam Anfang der achtziger
       Jahre die  dritte deutsche  Auflage in  Sicht, d. h. der Verleger
       Meißner forderte  sie. Marx  engagierte sich  trotz seiner schwer
       geschädigten Gesundheit  in dieser  Angelegenheit.  Viel  hat  er
       selbst bearbeitet, immer in dem Bestreben, die wissenschaftlichen
       Errungenschaften der französischen Ausgabe in die dritte deutsche
       zu übernehmen.  Engels setzte in diesem Geist die Erarbeitung der
       dritten Ausgabe  nach Marx'  Tod fort und vollendete sie. So ver-
       körperte, wenn  man sich  so ausdrücken will, gerade diese dritte
       Ausgabe den  letzten Willen von Marx hinsichtlich des ersten Ban-
       des seines Hauptwerkes.
       Die dritte  Auflage ihrerseits  wurde nun  wiederum zur  Überset-
       zungsgrundlage für  die englische  Fassung des  ersten Bandes des
       "Kapitals", die  Samuel Moore  und Edward  Aveling als Übersetzer
       entwarfen und  an der  Engels intensive  Kontrollredaktion durch-
       führte. Erfahrungen  und Arbeitsergebnisse  dieser Ausgabe wurden
       relevant für die vierte deutsche Auflage, doch auch die französi-
       sche Ausgabe  wurde bei dieser "endgültigen Feststellung des Tex-
       tes", wie  Engels sagte, herangezogen und ausgewertet. Die vierte
       deutsche Auflage  des ersten  Bandes des  "Kapitals" von 1890 ist
       somit die  Ausgabe letzter Hand von Marx und Engels gemeinsam. In
       ihr sind alle theoretischen Weiterentwicklungen seit der Erstaus-
       gabe von 1867 aufgehoben.
       Es versteht  sich von selbst, daß diese anspruchsvollen Editions-
       aufgaben zahlreiche  Forschungen notwendig  machen. Sie  sind be-
       reits im vollen Gange, aber vieles bleibt selbstverständlich noch
       zu tun.  Im September  1987 begehen  wir den  120. Jahrestag  des
       erstmaligen Erscheinens  des "Kapitals". Ein würdiger Anlaß, neue
       Forschungsergebnisse zu Marx' Hauptwerk vorzubereiten.
       
       4. Wissenschaft und Politik von Marx und Engels
       -----------------------------------------------
       von den 70er Jahren bis zu ihrem Lebensende
       -------------------------------------------
       
       Als Friedrich Engels im "Anti-Dühring" erstmals die beiden großen
       Entdeckungen von Marx charakterisierte, durch die der Sozialismus
       zu einer Wissenschaft wurde - die materialistische Geschichtsauf-
       fassung und  die Mehrwerttheorie -, schloß er daran die Feststel-
       lung, daß es sich nun darum handle, den wissenschaftlichen Sozia-
       lismus in  allen "Einzelheiten und Zusammenhängen weiter auszuar-
       beiten". Die  weitere Ausarbeitung  des wissenschaftlichen Sozia-
       lismus und  damit die allseitige Begründung der historischen Mis-
       sion der  Arbeiterklasse waren eine wesentliche Seite im Schaffen
       von Marx  bis in  die letzten  Jahre seines Lebens, sowie von En-
       gels, der sich nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftstätigkeit
       Anfang der  siebziger Jahre  mit ganzer Kraft der politischen und
       theoretischen Arbeit zuwandte.
       An erster  Stelle ist hier Engels' Werk "Herrn Eugen Dünrings Um-
       wälzung der Wissenschaft" zu nennen, das gemeinsam mit den Vorar-
       beiten und  der aus  dem "Anti-Dühring"  hervorgegangenen Schrift
       "Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft"
       in ihrer  französischen und deutschen Fassung den Inhalt des the-
       matischen  Bandes   I,  27   bildet.  Nachdem  bereits  1985  die
       "Dialektik der  Natur" als thematischer Band I, 26 erschien, wird
       dem nun  der "Anti-Dühring"  zur Seite gestellt. Weitere themati-
       sche Bände  zu theoretischen  Arbeiten von Marx und Engels werden
       sich anschließen.  Hierzu gehört  der an der Akademie der Wissen-
       schaften der  DDR edierte  Band I,  29, der Engels' Werk "Der Ur-
       sprung der Familie, des Privateigentums und des Staates" enthält,
       sowie der  an der  Lomonossow-Universität in  Moskau  bearbeitete
       Band I,  28 mit Marx' mathematischen Manuskripten. An zwei Bänden
       mit naturwissenschaftlichen  Exzerpten wird  an der Humboldt-Uni-
       versität in  Berlin die Arbeit aufgenommen. Das sind der Band IV,
       31 mit Marx' Exzerpten zur Geologie, Physiologie und Chemie sowie
       der Band  IV, 39  mit den  naturwissenschaftlichen Exzerpten  von
       Marx und Engels aus den frühen achtziger Jahren.
       Nimmt man  die Gesamtheit  dieser fünf  MEGA-Bände, so zeigt sich
       zweierlei:   Z u m   e i n e n  wird mit den mathematischen Manu-
       skripten und  naturwissenschaftlichen Exzerpten eine bisher wenig
       erforschte Seite  des theoretischen  Schaffens von Engels und von
       Marx weiter  erschlossen und damit zugleich gezeigt, wie Marx bis
       in die  letzten Jahre  seines Lebens  sich  vielfältigen  wissen-
       schaftlichen Studien widmete.  Z u m  a n d e r e n  werden durch
       den "Anti-Dühring",  den "Ursprung"  und die naturwissenschaftli-
       chen Exzperte  Umfang und  Vielfalt des theoretischen Wirkens von
       Engels, vor  allem seine  Leistungen bei  der allseitigen wissen-
       schaftlichen Fundierung der Weltanschauung der Arbeiterklasse do-
       kumentiert.
       Die dabei  gewonnenen  neuen  Forschungsergebnisse  werden  zwei-
       felsohne dazu beitragen, die bis heute strapazierte These bürger-
       licher und mancher sozialreformistischer Ideologen zu entkräften,
       Engels habe den Marxismus vereinfacht und dogmatisiert und ihm in
       dieser verflachten  Form zum  Durchbruch in  der Arbeiterbewegung
       verhelfen.  Wie   eh  und   je  wird   bei  dem  Gerede  von  dem
       "Vereinfacher" Engels insbesondere auf den "Anti-Dühring" verwie-
       sen. Die  wissenschaftlichen Untersuchungen  für diesen MEGA-Band
       erbrachten eine  Reihe neuer  Ergebnisse, durch die derartige Be-
       hauptungen in  das Reich  der Legende  verwiesen werden und unser
       Standpunkt durch die Forschung bestätigt wird.
       Umfassender und noch tiefschürfender als bisher konnte nachgewie-
       sen werden,  wie Engels die Weltanschauung der Arbeiterklasse als
       wissenschaftliche Theorie  und als organische Einheit philosophi-
       scher, ökonomischer  und sozialpolitischer Lehren betrachtete und
       darstellte. Diese  Einheit und  die gegenseitige  Bedingtheit der
       drei Hauptbestandteile  des Marxismus  wird unmittelbar  am  Werk
       konkret untersucht  und dem Benutzer zugänglich gemacht. Dank der
       Forschungen während  der Arbeit am Band I, 27 konnte darüber hin-
       aus wesentlich  umfassender als bisher die vielfältige Mitwirkung
       von Marx am "Anti-Dühring" ermittelt werden. Marx schrieb für ein
       Kapitel nicht  nur -  wie bisher  bekannt -  die gesamte Vorlage,
       sondern fertigte auch umfangreiche Vorarbeiten an, die in Band I,
       27 erstmals  veröffentlicht werden.  Darüber hinaus  bezeugt eine
       Reihe weiterer  Belege Marx'  unmittelbare Mitarbeit. Die gültige
       Darstellung  seines   erheblichen   Anteils   am   "Anti-Dühring"
       widerlegt  sehr   eindrucksvoll   die   künstlich   konstruierten
       Gegensätze zwischen  Marx und  Engels  seitens  der  bürgerlichen
       Marx-Engels-Verfälschung.
       Die prinzipielle  Übereinstimmung der  Ansichten von Marx und En-
       gels nachzuweisen,  ist auch ein Anliegen der Forschungen für den
       "Ursprung der  Familie ..." Es ist zu analysieren, wie Engels die
       Morgan-Exzerpte von  Marx sowie  weitere Quellen  auswertete  und
       welche eigenständige  wissenschaftliche  Leistung  er  erbrachte.
       "Der Ursprung  der Familie ..." erhält durch die Aufarbeitung der
       Ur- und  Frühgeschichte und deren Einbeziehung in das Geschichts-
       bild der  Arbeiterklasse für die wissenschaftliche Begründung der
       Ablösung der  kapitalistischen durch  die kommunistische  Gesell-
       schaftsformation außerordentliche Bedeutung. Seinen geschichtsme-
       thodologischen Gehalt  zu erschließen  ist zugleich  hochaktuell,
       denn das Werk bietet den revolutionären Kräften, vor allem in den
       Entwicklungsländern, bei  der  Ausarbeitung  ihrer  Strategie  im
       Kampf um  eine von  Ausbeutung und Unterdrückung befreite Gesell-
       schaft eine wichtige theoretische Orientierung.
       Lenin betonte,  daß in  den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts
       die Bedeutung  von Marx und Engels als geistige Führer der Arbei-
       terbewegung immer  größer wurde,  "weil auch  die Bewegung selbst
       ununterbrochen wuchs".  Nach dem  Tod von Marx lag auf Engels al-
       lein die  Verpflichtung, "als Berater und Führer der europäischen
       Sozialisten zu  wirken". Wie  engagiert und  wie unermüdlich  der
       alte Engels den Arbeiterführern in den einzelnen Ländern Europas,
       aber auch  in Amerika  mit Rat und Tat zur Seite stand, das doku-
       mentieren in eindrucksvoller Weise die Bände 30 bis 32 der I. Ab-
       teilung, an  denen in Berlin und Jena gearbeitet wird. Der Inhalt
       dieser Bände vermittelt eine Vorstellung davon, welche bedeutende
       Rolle Engels bei der Verallgemeinerung der Erfahrungen der inter-
       nationalen Arbeiterbewegung  spielte. Nach  dem Tod von Marx fand
       Engels in  den Führern  der internationalen Arbeiterbewegung mehr
       und mehr  die Partner für den Meinungsaustausch über theoretische
       und aktuell-politische  Fragen, der für ihn und Marx zu einem un-
       entbehrlichen Bestandteil des gemeinsamen Schaffens geworden war.
       Gestützt auf bereits vorliegende Forschungen werden bei der Bear-
       beitung der  MEGA-Bände aus  diesen Jahren neue wissenschaftliche
       Ergebnisse erbracht  werden, die  sowohl für die Marx-Engels-For-
       schung als  auch für die Erforschung der Geschichte der Arbeiter-
       bewegung besonders  aufschlußreich sein dürften. So wird zum Bei-
       spiel immer  wieder  behauptet,  Engels  habe  die  marxistischen
       Grundsätze nach  dem Tode von Marx einer Revision unterzogen. Wie
       haltlos derartige  Unterstellungen sind, werden wir nicht zuletzt
       dadurch nachweisen  können, daß wir in der MEGA alle Wiederaufla-
       gen und  Übersetzungen der  Schriften von Marx und Engels bringen
       werden, die  dank der  Initiative von Engels nach 1883 erschienen
       sind. Das betrifft außer dem "Kapital" solche grundlegenden Werke
       des Marxismus  wie zum Beispiel "Das Manifest der Kommunistischen
       Partei", "Das  Elend der  Philosophie", "Der  achtzehnte Brumaire
       des Louis  Bonaparte", "Der  Bürgerkrieg in Frankreich" oder "Die
       Entwicklung des  Sozialismus von  der Utopie  zur  Wissenschaft".
       Nach unseren  bisherigen Ermittlungen sind es über 20 Übersetzun-
       gen, die Engels nach 1883 redigierte oder an denen er selbst mit-
       arbeitete. Engels  sorgte  nicht  nur  für  eine  inhaltlich  und
       sprachlich exakte  Übertragung der Texte in andere Sprachen, son-
       dern erwarb sich darüber hinaus auch besondere Verdienste bei der
       Heranbildung von Spezialisten, die in der Lage waren, den wissen-
       schaftlichen Sozialismus  der Arbeiterbewegung  in den  einzelnen
       Ländern zugänglich  zu machen.  Die Arbeit an den MEGA-Bänden der
       Jahre 1883  bis 1895  wird diese  Tätigkeit von Engels, die zwei-
       felsohne eine  wichtige Seite  seiner umfangreichen Bemühungen um
       die Verbreitung  des Marxismus umfaßt, voll erschließen und damit
       auch wichtige Impulse für die gegenwärtige Marxismus-Rezeption in
       der internationalen Arbeiterbewegung vermitteln.
       Die Versuche,  den alten  Engels zum  Revisionisten abzustempeln,
       werden aber  vor allem  durch den  enormen Beitrag widerlegt, den
       Engels in  den 80er und 90er Jahren zur Weiterentwicklung der re-
       volutionären Theorie erbracht hat. Die in den Bänden 30 bis 32 in
       der MEGA  veröffentlichten Arbeiten,  wie zum  Beispiel über  die
       "Rolle der  Gewalt in der Geschichte" oder die "Kritik des Erfur-
       ter Programmentwurfs"  bezeugen seine Leistungen bei der weiteren
       Ausarbeitung der  wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiter-
       klasse, besonders  der dialektisch-materialistischen  Geschichts-
       auffassung sowie der Staats- und Revolutionstheorie. Gleichzeitig
       dokumentieren sie  Engels' schöpferischen  Beitrag zur Weiterent-
       wicklung der  Strategie und Taktik der revolutionären Arbeiterbe-
       wegung unter  den neuen Bedingungen des Klassenkampfes am Ausgang
       des 19. Jahrhunderts.
       Engels' Hinweise  zu konkreten Fragen des Kampfes um die Verwirk-
       lichung der historischen Mission der Arbeiterklasse - sei es über
       den dialektischen  Zusammenhang zwischen Demokratie und Sozialis-
       mus, sei  es über  Fragen der Bündnispolitik oder sei es über die
       Möglichkeiten und  Grenzen des  parlamentarischen Kampfes - waren
       richtungweisend. Dabei  war  Engels  stets  darauf  bedacht,  die
       Grundprinzipien marxistischer  Strategie und Taktik gegen rechts-
       und linksopportunistische  Auffassungen zu verteidigen. Stets war
       er bemüht, die neuen Erscheinungen in der Entwicklung des Kapita-
       lismus zu  erkennen und  die Menschheit vor einem Krieg zu bewah-
       ren. Angesichts  des Wettrüstens  und der wachsenden Widersprüche
       zwischen den  kapitalistischen Ländern  veröffentlichte Engels zu
       Beginn der 90er Jahre das erste wissenschaftlich begründete Abrü-
       stungsprogramm der internationalen Arbeiterbewegung.
       Engels' Schrift "Kann Europa abrüsten?" war für den Kampf der Ar-
       beiterklasse richtungweisend.  Mit der Forderung nach der stufen-
       weisen Abrüstung  in allen europäischen Staaten und dem Stopp des
       Wettrüstens war  der internationalen Arbeiterbewegung eine unmit-
       telbare Aufgabenstellung  für den  Kampf gegen  Militarismus  und
       Krieg gegeben.  Diese gemeinsame Aufgabenstellung ermöglichte ein
       geschlossenes Vorgehen aller Abteilungen des internationalen Pro-
       letariats und  schuf günstige  Voraussetzungen für gemeinsame Ak-
       tionen. Der Abrüstungsvorschlag von Engels ermöglichte gleichzei-
       tig ein  breites Bündnis der Arbeiterklasse mit allen antimilita-
       ristischen und  friedliebenden Kräften  und ist  heute  aktueller
       denn je.  In unserer  MEGA-Edition gilt es, auch diese Schätze zu
       heben, führt  doch ein direkter Weg von dieser Schrift zu den Ab-
       rüstungsvorschlägen  und   den  Abrüstungsverhandlungen  der  So-
       wjetunion und  der anderen  sozialistischen Länder in unseren Ta-
       gen.
       Die Wirkung  der MEGA  auf die internationale Öffentlichkeit wird
       um so  größer sein, je besser es uns mit jedem einzelnen Band ge-
       lingt, den Benutzer unserer Ausgabe von der Qualität unserer wis-
       senschaftlichen und  editorischen Arbeit zu überzeugen. Das uner-
       müdliche Ringen  um die  Realisierung des Forschungsprogramms für
       die weitere  Herausgabe der  MEGA in den 80er und 90er Jahren ist
       die wichtigste  Voraussetzung dafür, daß die Marx-Engels-Forscher
       und -Editoren  in aller Welt bei der Verbreitung der Weltanschau-
       ung der  Begründer des Marxismus in unserer historisch-kritischen
       Gesamtausgabe eine  zuverlässige, auf  einem hohen  theoretischen
       Niveau stehende Grundlage finden.
       
       _____
       1) MEW 37, S. 326.
       2) Wegen des  ausführlichen Beitrags  von W.  Jahn in diesem Band
       können wir uns auf diese Andeutungen beschränken.
       

       zurück