Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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       MARXISMUS - EINE ANALYSE SEINER LAGE
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       UND VERÄNDERUNGEN IN FRANKREICH
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       Jacques Milhau
       
       1. Marxismus  - Kampf- und Forschungspraxis - 2. Neue Strategien:
       Von der  Politik zur Forschung - 3. Die Praxis der Transformation
       - Zentrum der Analyse der Wirklichkeit - 4. Marx - orientierender
       Bezugspunkt für  einen neuen  Weg -5. Neue Profile, neue Einstel-
       lungen, breitere  Teilnahme an  der marxistischen  Forschung - 6.
       Marxistische Forschung und Kritik - 7. Einheit und Pluralität ei-
       ner Forschung im Wandel
       
       Die hier vorgelegte Studie bezieht sich auf die gegenwärtigen Be-
       mühungen kommunistischer  Wissenschaftler  in  Frankreich,  deren
       Forschungsaktivitäten in  eine revolutionäre  Praxis inmitten der
       Realität eingreifen  und einen  Beitrag zur Entwicklung einer Er-
       neuerungsstrategie bilden.
       Den heutigen  Marxismus insbesondere  unter dem  vorrangigen  Ge-
       sichtspunkt der  Forschungstätigkeit von Spezialisten zu betrach-
       ten, die  zugleich als  aktive Kommunisten mit der revolutionären
       Partei in  der Transformationsbewegung  der Gesellschaft  in  der
       Krise engagiert sind, hat nichts mit Willkür oder sektiererischer
       Voreingenommenheit und  noch weniger  mit theoretischer  Inkonse-
       quenz zu tun. Im Gegenteil, das gemeinsame Bemühen, den Marxismus
       in seiner  mehrdimensionalen Realität  zu erfassen, ermöglicht es
       ihnen, sowohl  den Beschränkungen der akademischen Konzeption ei-
       nes abstrakten Marxismus als auch seiner empiristischen und prag-
       matischen Reduzierung  auf das Niveau einer bloßen Klassenideolo-
       gie zu entgehen.
       
       1. Marxismus - Kampf- und Forschungspraxis
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       1. Die kommunistische  Praxis des  Marxismus versetzt diejenigen,
       die mit seinen theoretischen Arbeiten befaßt sind, mitten in eine
       Welt, in  der auf vielfältige Weise die historische Tragweite des
       nationalen und  internationalen Handelns der revolutionären Bewe-
       gungen, das  in seinen  Mitteln höchst  unterschiedlich, aufgrund
       seines gemeinsamen  Endzieles aber  um so  einiger ist, zusammen-
       spielt mit  dem seit seiner Entstehung unablässig aufgearbeiteten
       Erbe des  marxistischen Gedankenguts  und mit einer Massenkultur,
       die in der Praxis und durch die Praxis äußerst differenziert ist,
       entsprechend der  Dynamik eines Klassenbewußtseins, das die Eman-
       zipationsbewegungen weltweit beseelt.
       Insoweit, als  der Marxismus in der Menschheitsgeschichte Gewicht
       hat und  an der Schwelle zum Jahr 2000 eine entscheidende zivili-
       satorische Herausforderung darstellt, ist er zugleich ein organi-
       sches Werden  mit ungleichen Entwicklungen, die zahlreichen, von-
       einander in  zunehmendem Maße  abgehobenen Problematiken entspre-
       chen.
       2. Die marxistischen  Verfahren, von  denen hier  die  Rede  sein
       soll, wollen  im allgemeinen  so wenig wie möglich von diesem le-
       bendigen materiellen und menschlichen Gesamtkomplex abstrahieren,
       es sei  denn aufgrund von Erfordernissen der Methode oder der be-
       sonderen Untersuchung  eines Einzelaspekts  bzw.  seiner  eigenen
       Geschichte und Logik, die jedoch nie absolut unabhängig sind. Sie
       befassen sich mit Theorie nicht um ihrer selbst willen, d. h. ab-
       getrennt von ihren gesellschaftlichen und praktischen, objektiven
       Komponenten. Sie  erproben sie  auf kritische  und zukunftsorien-
       tierte Weise  gemäß Klassen-Positionen  und -Interventionen,  die
       der Geschichte ihre revolutionäre Zukunft eröffnen.
       In einer  mehr als  hundertjährigen historischen  Entwicklung hat
       sich dank  der aktiven Vermittlung der Protagonisten des Klassen-
       antagonismus die  Wirksamkeit des Marxismus entfaltet; sie ist so
       groß, daß  jede Variante  dieser  Konzeption  stets  verpflichtet
       bleibt; deshalb kann die epistemologische Frage des Verhältnisses
       der kommunistischen  Forschung zu Marx, zu dem theoretischen Erbe
       des Marxismus und zu den gegenwärtigen Bedürfnissen und Bedingun-
       gen der  marxistischen Arbeit  nicht in Verkennung oder unter Au-
       ßerachtlassung dessen behandelt werden, womit sie eine feste Ein-
       heit bildet.  Denn diese Frage wird gestellt, um allen, deren re-
       volutionäres Bewußtsein  vom Marxismus  getragen wird, Mittel für
       eine wissenschaftlich  besser fundierte,  wirksamere Intervention
       im Kampf  um die  Veränderung der Gesellschaft an die Hand zu ge-
       ben.
       Wenn es  einen Standpunkt  gibt, von dem aus wirklich überzeugend
       dargestellt werden  kann, daß  der Marxismus notwendigerweise be-
       ständig sein  Verhältnis zu seinen eigenen Ursprüngen und zu sich
       selbst in  zugleich neu  bewertender, rückgreifender, antizipato-
       rischer und  innovativer Weise  verändern muß,  dann kann das nur
       derjenige von  Frauen und Männern in der gesellschaftlichen Bewe-
       gung und  in der  revolutionären Praxis sein, der Partei ergreift
       und Faktor der Veränderung ist.
       3. Diese einführende  Erinnerung soll  nicht bloß  die Wahl einer
       Reflexionsebene rechtfertigen, für die es gute historische, poli-
       tische und  theoretische Gründe  gibt. Sie erleichtert es sicher-
       lich auch,  die historische  Perspektive und die besonderen, noch
       nie dagewesenen  Umstände unserer Zeit der Revolutionen einzuord-
       nen, von denen ausgehend die Rückbesinnung der heutigen marxisti-
       schen Forschung auf sich selbst zu einer neuen Klärung ihres The-
       mas beitragen kann.
       
       2. Neue Strategien: Von der Politik zur Forschung
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       1. Unsere Gesellschaft  befindet sich  tatsächlich in einer tief-
       greifenden, dauerhaften Krise. Sie leidet unter deren entstruktu-
       rierenden und  enthumanisierenden Auswirkungen  trotz der  Wider-
       stände gegen  die Bewegung  des Kapitals.  Aber diese Krise birgt
       auch die Faktoren ihrer möglichen Beseitigung in sich, ob es sich
       nun um  die von  der Logik der finanziellen Rentabilität zwar be-
       hinderte, aber  doch reale und zwingende Entfaltung der materiel-
       len und  menschlichen Produktivkräfte  handelt, um die Schübe der
       technologischen Revolution,  um die  entfremdete, gleichwohl aber
       effektive Transformation der Lebens-, Verhaltens- und Denkweisen,
       um den  konfusen, aber starken Aufschwung neuer Bestrebungen oder
       um den wachsenden Druck der Forschung, die sich ihrer Funktionen,
       ihrer Perspektiven  und ihrer Bedürfnisse nach eingreifenden Mit-
       teln immer  stärker bewußt  wird. Neue  Rationalitäten entstehen,
       die unsere Konzeptionen von der Wissenschaft grundlegend wandeln;
       erstaunliche Entdeckungen  führen zur  kollektiven Forderung nach
       neuen Formen  des Zusammenlebens,  der Arbeit,  des Handelns, des
       Wissens, der Kommunikation, des Erfindens und der Kreativität.
       So gerät  alles in dieser Gesellschaft, die in ihrer kapitalisti-
       schen Entwicklungsweise  zu sehr  eingeengt ist,  ins Wanken. Die
       wissenschaftliche Perspektive  trägt heute - gleichgültig ob ihre
       Vertreter sich  dessen bewußt  sind oder  nicht -  dazu bei,  die
       Überlegungen der  Menschen auf  die Möglichkeiten  zu lenken, die
       radikale gesellschaftliche  Veränderungen für  eine breitere Ent-
       faltung der Forschung eröffnen würden.
       2. Der  Marxismus entgeht  weder dieser  Bewegung von  Denken und
       Handeln noch  den Erfordernissen einer zugleich realistischen und
       erfolgreichen Zukunftsorientierung.  Auch er  ist in einem Wandel
       begriffen, er ist die beste Seite einer Krise, in der weinerliche
       Gemüter nur  ein Zeichen für den unwiderruflichen Niedergang oder
       einen Anlaß  für die  Abrechung mit der eigenen Vergangenheit se-
       hen. Das Leben drängt ihn zur Vielseitigkeit, zur Erneuerung jen-
       seits seiner klassischen Ära und der gravierenden Verfälschungen,
       die seine spätere Entwicklung gezeichnet haben.
       Auf diese  Weise schaffen  die verschiedensten Wandlungen und die
       strategische Neuorientierung,  die sich daraus verspätet und all-
       mählich im  letzten Jahrzehnt  ergeben hat, ganz neue Bedingungen
       für den Marxismus. Dazu gehören die Bedeutsamkeit und Neuheit der
       gestellten Fragen,  die Aufgabe,  Forschungshypothesen zu entwic-
       keln, und  die revolutionären Herausforderungen der theoretischen
       Arbeit.
       Daß weder  dogmatische Tabus, noch die Autorität der Zitate, noch
       skeptische Rückzieher  angesagt sind, sondern daß alles erneut in
       Angriff genommen  wird, darin  sehen wir die Zeichen für den Ein-
       tritt des  Marxismus in  die produktive Phase einer neuen Genera-
       tion von marxistischen Fragestellungen, Thesen, Konzepten und Er-
       klärungen. Eine  das soziale  Leben und  die objektive Erkenntnis
       tief durchdringende  Bewegung läßt  somit das  Interesse an einer
       bewußten Zukunftsorientierung  in der  Welt der  Wissenschaft wie
       auch in der marxistischen Theorie der gesellschaftlichen Entwick-
       lung entstehen.  Sie ist Träger der historischen und universellen
       Bedeutung eines  Sprunges nach  vorn, den  das menschliche Wissen
       schaffen muß,  und in ihrem Rahmen hat der Marxismus die Pflicht,
       Lücken in  seinen theoretischen  und praktischen  Aktivitäten  zu
       schließen. Seine Forschungsobjekte sind also keineswegs abstrakte
       Wesenheiten, sondern die Logiken realer, d. h. konkreter und ein-
       zelner Prozesse,  die eine genaue Untersuchung der besonderen Ge-
       gebenheiten erfordern. Mehr denn je erweist sich hier die Gültig-
       keit einer  Äußerung von Marx. Demnach "muß man die Dinge nehmen,
       wie sie sind, d. h. das revolutionäre Interesse in einer den ver-
       änderten Umständen entsprechenden Weise geltend machen." 1)
       3. Sicherlich ist  die Reflexion  über das Problem der engen Ver-
       bindung der  marxistischen Forschung mit der revolutionären Bewe-
       gung kein  völlig neues Phänomen. Etliche Jahre sind bereits seit
       den ersten  Versuchen vergangen, sich tatsächlich von doktrinären
       Fesseln zu  befreien und ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen,
       um entscheidende Fragen konkret anzugehen.
       So konnte  1975 der  Versuch einer ersten Bilanz unternommen wer-
       den, in  der die  globale Neubewertung  der materialistischen Ge-
       schichtsauffassung, die theoretische Verarbeitung des staatsmono-
       polistischen Kapitalismus  und seiner  Krise, das  neueste Wissen
       über die  Probleme der  Persönlichkeit, die theoretischen Überle-
       gungen zur Kultur und zur Ideologie, die Beiträge großer Debatten
       über die  marxistische Philosophie  oder über die Frage des Huma-
       nismus erfaßt  wurden. Nach fünfzehnjährigen, von allerlei Wider-
       ständen und Schwierigkeiten behinderten Anstrengungen, nach einer
       Reihe von  mühsamen Vorstößen konnte damals endlich deutlich wer-
       den, daß  der Marxismus dank der Arbeit von marxistischen und vor
       allem von kommunistischen Forschern wieder Auftrieb bekam. 2)
       Rückblickend scheint  es jedoch, als sei dieses Werk "Der Marxis-
       mus in  Bewegung" sowohl  gelegen als auch ungelegen gekommen. In
       bezug auf die Vergangenheit konnte man denken, daß es zum richti-
       gen Zeitpunkt eine Bestandsaufnahme lieferte; vielleicht war dies
       in gewissem  Maße der Fall, zumindest hatte der Autor diesen Ein-
       druck. Aber dieser letzten Endes voreilige Schritt mußte schon im
       darauffolgenden Jahr an seine Grenzen stoßen, als der 22. Kongreß
       der Französischen  Kommunistischen Partei eine neue Strategie des
       Sozialismus in den Farben Frankreichs ins Leben rief und die ver-
       pflichtende Bezugnahme  auf die Diktatur des Proletariats strich.
       Drei Jahre  später wurde die kanonische Konzeption des Marxismus-
       Leninismus unmißverständlich  verworfen, während sich infolgedes-
       sen neue Beziehungen zwischen der Theorie und der Politik heraus-
       bildeten. Nicht  mehr die  nun abgelehnte  Konzeption der Anglei-
       chung an sozialistische Transformationsmodelle war angesagt, son-
       dern die Eröffnung eines demokratischen Weges zu einem neuen, na-
       tionale und  volksnahe Möglichkeiten  in sich tragenden Sozialis-
       mus, dem demokratischen, selbstverwalteten Sozialismus.
       4. Die radikale  Überprüfung der  Bedingungen für die sozialisti-
       sche Revolution  hatte nicht nur politische Folgen, so ausschlag-
       gebend diese auch gewesen sein mögen. Sie hatte auch theoretische
       Konsequenzen, die  von enormer  Bedeutung waren,  weil sie in der
       Tat die  ersten, bereits erwähnten Versuche, den Marxismus neu zu
       beleben, von der Zwangsjacke befreiten, in der sie zuvor gefangen
       gewesen waren,  ohne daß die epistemologisch negativen Folgen an-
       gemessen hätten eingeschätzt werden können.
       Fortan mußten  alle Analysen,  die alten  wie die neuen und sogar
       die ergiebigsten, wiederaufgenommen, umgearbeitet und neu gestal-
       tet werden, aus einer strategischen Perspektive heraus, die nicht
       länger die Form des Eingreifens in die sozialen Bewegungen vorge-
       fertigten Modellen  unterordnete. Endlich  bot sich  die Möglich-
       keit, die  Forschungen über einen konkreten und kreativen, erfin-
       derischen und  antizipatorischen experimentellen  wissenschaftli-
       chen Sozialismus in Angriff zu nehmen. 3)
       5. Den allergrößten Wert auf den lebendigen revolutionären Sozia-
       lismus zu  legen, ist  keine bloße Floskel: Die Rolle der politi-
       schen Initiative für eine strategische Erneuerung innerhalb eines
       bestimmten nationalen  Kontextes erwies sich als entscheidend, um
       die Transformation der Objekte der marxistischen Forschung einzu-
       leiten, um  ihr volle  theoretische Verantwortung und die schwie-
       rige, aber notwendige Aufgabe, über sich selbst nachzudenken, zu-
       zuweisen.
       Der neuen,  mit dem  Heranreifen der  objektiven Bedingungen  für
       einen sozialistischen  Ausweg aus  der Krise  verbundenen politi-
       schen Strategie  entspricht eine neue Strategie der marxistischen
       Forschung und  Erkenntnis,  deren  Hauptgegenstand  die  Probleme
       sind, die  sich durch  die im Wandel befindlichen gesellschaftli-
       chen Realitäten sowie durch die Konkretisierung der Ziele der re-
       volutionären Transformation ergeben: in erster Linie die Erarbei-
       tung von  neuen wirtschaftlichen Planungskriterien, die unmittel-
       bar wirksam  sind für  ein neues, durch die bewußte, gezielte und
       aktive Intervention  der Arbeiter  getragenes Wachstum.  In einer
       Art Kettenreaktion  dokumentieren sich auf diese Weise die moder-
       nen Produktivkräfte,  die gesellschaftliche  Expansion der intel-
       lektuellen Arbeit,  die Entstehung von Selbstverwaltungspraktiken
       und auch  die Auswirkungen  von Wissenschaft  und Technik auf die
       Produktion, die  Betriebsführung und den Konsum sowie die materi-
       ellen und  menschlichen Implikationen  der Automatisierung in der
       Ausbildung, Arbeit und Freizeitgestaltung der Menschen. Das glei-
       che gilt  für die  reale Bewegung  der französischen Gesellschaft
       und vor  allem für  die der Arbeiterklasse. Das Interesse richtet
       sich auch  auf die spezifischen Krisen der sozialen Gemeinschaft,
       die Krisen  der Lebensweisen, des Bildungssystems, der Informati-
       onsund Kommunikationsmechanismen,  der ideologischen  und politi-
       schen Prozesse, von denen die Blockierungen wie auch die Verände-
       rungen der  Mentalität in  so hohem Maße abhängig sind. Insgesamt
       sind diese Forschungen, die letzten Endes den konfliktreichen Re-
       produktionsbedingungen der  Menschlichkeit des  Menschen gewidmet
       sind, mit  denen verknüpft,  die den  weiten Bereich der sozialen
       Formen der  historischen Individualität  und der Personalisierung
       der Individuen betreffen.
       Es ist nunmehr angebracht, die erkenntnistheoretische Kritik die-
       ses forschenden  Marxismus näher  zu betrachten,  um,  vermittelt
       über die  auftauchenden Hindernisse,  seine  Ausdrucksformen  und
       theoretischen Bedeutungen zu erkennen.
       
       3. Die Praxis der Transformation -
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       Zentrum der Analyse der Wirklichkeit
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       1. Den Marxismus  vollständig zu  begreifen, zu  Marx und zur Au-
       thentizität seines  Weges zurückzukehren,  heißt, den  über seine
       theoretische, auch angewandte Verfahrensweise hinaus entscheiden-
       den Einfluß  einer die Wirklichkeit verändernden Praxis besser zu
       ermessen, den  Einfluß jener  "eingreifenden Dialektik",  von der
       Brecht sprach  und die  er in  der Dramaturgie verwendete, um die
       Sicht der  Realitäten zu entmystifizieren, ihre Widersprüche her-
       vorzuheben, die  Kräfteverhältnisse zu  verändern und das soziale
       Bewußtsein zu formen. 4)
       Die Betrachtung  der materiellen  und intellektuellen  Formen der
       Praxis, die  in einem  intensiven Klassenkampf  Anwendung finden,
       umfaßt sowohl die Realitäten, wie sie in der kritischen Erfahrung
       begriffen werden,  als auch  die Ideen, wie sie sich in ihrer Be-
       deutung, ihrem Wert und ihrer Funktion verändern.
       2. Änderungen in  der Wortwahl  sind hier symptomatisch für einen
       klarer begriffenen  materialistischen Standpunkt,  der, indem  er
       Praxis und  Bewußtsein in  die Materialität  integriert und diese
       nicht nach  Art der alten Formulierung der philosophischen Grund-
       frage dem  Idealismus gegenüberstellt, die subjektiven und objek-
       tiven Formen  des Denkens nicht von den sie bedingenden konkreten
       Prozessen trennt:  H e r a u s f o r d e r u n g e n,  K r i t e-
       r i e n,   K u l t u r e n  sind in der Tat Begriffe, die bedeut-
       sam sind  für eine  politische  Sichtweise  der  Transformations-
       kämpfe, in  denen die  beteiligten Menschen  die maßgebende Rolle
       spielen müssen, sowie kennzeichnend für eine Forschungsstrategie,
       für die  der Standpunkt  der Praxis  nicht  nur  die  wesentliche
       Verknüpfung jeder  materiellen  und  symbolischen  Realität  ist,
       sondern ein  Operator, der  geeignet ist,  den Gesamtkomplex  der
       objektiven Bedingungen,  in deren  Rahmen jeder  Forschungsgegen-
       stand untersucht werden muß, zu bestimmen.
       Daß jede  soziale Realität, sei sie eine ökonomische, technologi-
       sche oder  wissenschaftliche, künstlerische  oder ethische  usw.,
       daß jedes individuelle oder kollektive gesellschaftliche Phänomen
       systematisch als   H e r a u s f o r d e r u n g    interpretiert
       wird, bereitet  z. B. zahllosen epistemologischen Abschweifungen,
       gleichgültig ob sie positivistisch, pragmatistisch oder theorizi-
       stisch sind, ein rasches Ende. Die komplexen und antagonistischen
       Realitäten, die durch den Widerspruch der positiven und negativen
       Aspekte der  Krise geprägt  sind und  selbst ihre eigene Krise in
       sich tragen  infolge der hegemonialen Kräfte, die in der ökonomi-
       schen und  sozialen Ordnung  wirken, sind keine rohen Fakten, für
       die eine  bloße Analyse  von Erscheinungen  ausreichend wäre.  Es
       darf hier  kein Platz  sein für  einen solchen  positivistischen,
       konservativen oder  opportunistischen "faitalisme", den Nietzsche
       auf seine  Weise als  Faktenhuberei anprangerte.  5) Es geht auch
       nicht um  den bloß kurzfristigen, mehr scheinbaren als realen Er-
       folg einer gesellschaftlichen Intervention unter Außerachtlassung
       der intellektuellen Beherrschung der Realitäten.
       Desgleichen verweist  der Rückgriff  auf die    K r i t e r i e n
       gleichzeitig auf die unerläßliche Prüfung der drei Parameter, die
       in der  gesellschaftlichen Entwicklung  zur Debatte  stehen:  der
       Stand der Dinge in einer historisch definierten Gesellschaft, die
       Formen der  sozialen Praxis, die darauf ausgerichtet sind, ihn zu
       erhalten, seine  Möglichkeiten ohne  Identitätsverlust zu entfal-
       ten, ihn zu reformieren oder aber ihn von Grund auf zu verändern,
       und schließlich  die mehr  oder weniger geeigneten entsprechenden
       Strategien, mit Hilfe derer die gesellschaftlichen Kräfte ein Ka-
       pital von Gefühlen, Erfahrungen, Reflexionen, Erkenntnissen, aber
       auch von  Illusionen und Irrtümern in die Praxis und in ihre Exi-
       stenzbedingungen einbringen.
       Es ist  ebenfalls keineswegs belanglos, daß heutzutage soviel von
       Kultur des  Verzichts, von rechter oder linker Kultur, von kommu-
       nistischer Kultur die Rede ist. Dieser besondere Gebrauch des Be-
       griffs   K u l t u r   betont in  der Tat eine soziale Dimension,
       die zu einer Zeit maßgebend ist, wo die lebendige Arbeit über die
       tote Arbeit,  das selbstverwaltete Leben der Bürger über die ver-
       knöcherten Machtinstitutionen  die Oberhand  gewinnen müßten;  er
       betrifft auch die Dimension eines gesellschaftlichen Bewußtseins,
       das -  entsprechend seiner  Information, seiner  Bildung,  seinen
       Kommunikationsformen -  bei der  Wahl der Möglichkeiten verschie-
       dene Richtungen einschlägt, von denen der Ablauf der kontingenten
       Realisierung der geschichtlichen Notwendigkeit abhängt.
       Im Grunde  beinhalten  H e r a u s f o r d e r u n g e n,  K r i-
       t e r i e n   und   K u l t u r e n  auf unterschiedliche Art und
       Weise Realität,  Praxis und  Bewußtsein und  deuten damit auf die
       Dialektik hin,  die  das  charakterisiert,  was  Marx  einst  den
       "praktischen Materialismus" nannte.
       3. Die meisten  der gegenwärtigen  Forschungsvorhaben unterliegen
       also vor  allem der  Forderung  nach  einer  Herausarbeitung  von
       k o n k r e t e n  Wahrheiten, wobei die soziale Praxis nicht als
       bloße Folge,  sondern als Quelle, Mittel und Kriterium der objek-
       tiven Erkenntnis und der subjektiven Beherrschung des Realen ein-
       geschlossen ist.
       Deshalb begnügen  sich die kommunistischen Forscher nicht mit der
       a l l g e m e i n e n  Theorie der Produktionsweise, der ökonomi-
       schen und  sozialen Ordnung  usw. Sie halten sich an die konkrete
       Analyse der  gegenwärtigen Kapitalbewegung, an die Wandlungen un-
       serer Gesellschaft  und an die nationalen Bedingungen für die so-
       zialistische Transformation  der Produktionsweise,  indem sie die
       möglichen bzw.  günstigsten Wege untersuchen, die sich in der Lo-
       gik der allgemeinen Bewegung abzeichnen.
       
       4. Marx - orientierender Bezugspunkt für einen neuen Weg
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       1. Die  marxistische Erkenntnistheorie  kann nicht  auf die bloße
       Theorie der Erkenntnis, wie sie die klassische Philosophie in der
       Linie eines  metaphysischen Gegensatzes  zwischen Denken und Sein
       stets verstanden  hatte, reduziert  werden. Sie erstreckt sich im
       Gegenteil auf  alle praktischen  wie theoretischen Formen der Be-
       ziehung zwischen  dem Sein und dem Denken, der Menschheit und der
       Welt, vermittelt  über die  konkrete Dialektik der unterschiedli-
       chen Arten  der Aneignung der materiellen, sozialen und kulturel-
       len Welt  durch die  Arbeit, die  Erkenntnis, die  intellektuelle
       Produktion, den sozialen Kampf und die sonstigen menschlichen Tä-
       tigkeiten; folgerichtig  sind alle  Formen von Entfremdung dieser
       Aneignung in der Klassengesellschaft impliziert.
       2. Wenn  von einer  neuen Beziehung  des Marxismus zu sich selbst
       die Rede  sein kann,  dann sagen  wir, daß es die eines heuristi-
       schen, zugleich  kritischen  und  zukunftsorientierten  Marxismus
       ist. Im Jahre 1987 Marxist zu sein, bedeutet also nicht, eine ge-
       wissenhaft erlernte Doktrin an alles mögliche anzupassen oder de-
       ren für  unverzichtbar erachteten  allgemeinen Erläuterungen  mit
       einigen besonderen  Beigaben kumulativer  Natur auszustatten;  es
       lädt zu  einer konkreten Analyse der zentralen Fragen der gesell-
       schaftlichen Reproduktion ein.
       Das Erbe  von Marx  anzutreten, bedeutet  somit für uns, ganz von
       vorn beginnend,  unter neuen  Bedingungen seinen Weg wiederaufzu-
       nehmen, der darin bestand, durch die Analyse der objektiven Bewe-
       gungen und  Praktiken, denen  er nie gleichgültig gegenüberstand,
       die Begriffe oder Systeme der Dynamik und Widersprüchlichkeit des
       Realen zu  erarbeiten, sie zu berichtigen und zu schärfen und sie
       anhand der  Erfahrungen und durch das Studium neuer Gegebenheiten
       zu bewerten.  Die intellektuelle  Biographie von Marx und die um-
       strittene Geschichte  der Wandlungen des Marxismus zeigen uns, wo
       er zeitweilig  mit den  sich ändernden Realitäten in Konflikt ge-
       riet, wo  er erneut  ansetzte, und welche Faktoren sich als über-
       holt erwiesen.  Sie ermöglichen  es, die  nicht mehr  gültige Ge-
       schichte des  Marxismus von  seiner sanktionierten  Geschichte zu
       scheiden; also, um mit Bachelard zu sprechen, die veralteten Ana-
       lysen von den noch anwendbaren oder zur Umgestaltung und zur Wie-
       deraufnahme geeigneten Analysen abzusondern.
       3. Es  ist also angebracht, eine gut durchdachte Rückkehr zu Marx
       entsprechend den Notwendigkeiten des gegenwärtigen Erkenntnispro-
       zesses in  Form einer  rekursiven und somit historisch-kritischen
       Lektüre anzutreten.
       Es ist unsere Aufgabe, auf die Frage zu antworten, die er uns un-
       beantwortet hinterlassen  hat, wie  auch auf  diejenigen, die  er
       noch nicht  stellen konnte,  wobei allerdings die Fragen und Ant-
       worten nicht  vernachlässigt werden  dürfen, durch  die er uns in
       der einen  oder anderen Weise weiterhelfen konnte. Lassen wir uns
       also nicht  auf eine  einseitige oder  oberflächliche, punktuelle
       oder voreingenommene  Lektüre ein,  sondern auf eine erforschende
       und kämpferische Lektüre, die kritische und stimulierende Wirkun-
       gen zeitigt.
       
       5. Neue Profile, neue Einstellungen, breitere Teilnahme
       -------------------------------------------------------
       an der marxistischen Forschung
       ------------------------------
       
       1. Diese von  doktrinären Vorurteilen  freie Herangehensweise  an
       die Realität  muß für  eine größere  Vielfalt  der  Möglichkeiten
       Sorge tragen,  zwischen denen  die historische Notwendigkeit sich
       ihren Weg bahnt. Eine derartige, für unsere Epoche typische Viel-
       falt ergibt  sich aus dem zunehmenden Stellenwert der intellektu-
       ellen Arbeit  in allen  Tätigkeitsbereichen und aus dem damit zu-
       sammenhängenden Anstieg  der Fülle  und des Niveaus der Interven-
       tion des  Menschen in seine Geschichte. Der subjektive Faktor ge-
       winnt zunehmend an Gewicht, wobei er objektiv in seinen Modalitä-
       ten und  in der  Effizienz seines  Wirkens konditioniert  bleibt.
       Aber die externen Bedingungen dieses Wirkens werden wiederum mehr
       und mehr  an und für sich von der Beeinflussung durch das soziale
       Bewußtsein und  die soziale Erkenntnis bestimmt. Die individuelle
       und kollektive  Kreativität, die nie ein Geschenk des Himmels war
       und die  im Laufe  der Zeit  nie sich selbst gleich bleibt, tritt
       nun -  unter der  Gefahr schweren Mißbrauchs und einer möglicher-
       weise sogar  selbstmörderischen, apokalyptischen  Verwertung - in
       eine neue  Expansionsphase ein,  die endgültig die von Fatalismus
       und borniertem Determinismus zeugenden Ideen verbannen sollte.
       Daß die  wissenschaftliche und  politische Sprache  z.B. die  Be-
       griffe des  Möglichen, die  Antizipation ohne  Vorausfestlegungen
       erlauben, in  den Vordergrund  schiebt, daß  jede Form des Abwar-
       tens, des  Aufgebens und des Verzichts - angesichts der Probleme,
       welche die  Gesellschaft lösen könnte, wenn es den fortschrittli-
       chen Kräften gelänge, sich durchzusetzen, und angesichts der Auf-
       gabe, die  zu bewältigen die Menschen in der Lage wären - vom ge-
       botenen Standpunkt  des Wahrscheinlichen  aus prinzipiell zu ver-
       werfen ist,  - das  alles deutet auf den qualitativen Sprung hin,
       den  die  Menschheit  gegen  Ende  dieses  Jahrhunderts  schaffen
       könnte. Sie  engagiert sich  bereits in  diesem Sinne auf techni-
       schem, wissenschaftlichem  und sozialem Gebiet, wenn auch die ra-
       dikalen Transformationen hier wie in anderen Bereichen noch lange
       nicht sichergestellt sind.
       Daraus erwächst  das noch  niemals so  stark empfundene Bedürfnis
       nach einer wahrhaft dialektischen Untersuchung, die die Beziehun-
       gen der  produktiven Basis der materiellen Reichtümer zu den kul-
       turellen Dimensionen  des sozialen  Lebens nicht  als äußerliche,
       nebeneinander existierende sieht, sondern als innerlich miteinan-
       der verbundene,  was letzten  Endes den wechselseitig bedingenden
       Charakter der  materiellen und der kulturellen Seite der sozialen
       Realität hervorhebt.
       In der  Tat gibt  es keine materielle Arbeit, die nicht durch die
       in ihr  enthaltenen Kenntnisse  intellektuelle Arbeit wäre. Umge-
       kehrt sind zahlreiche kulturelle Tätigkeiten nun in weiten Teilen
       auf hohem  technischem und  wissenschaftlichem Niveau  materiali-
       siert und  in kapitalistischer  Form industrialisiert.  In beiden
       Fällen ist  die materielle Durchführung von genau ausgearbeiteten
       Konzeptionen abhängig,  und die allgemeinen rechtlich-politischen
       und ideologischen Strukturierungen verleihen, vermittelt über die
       Veränderungen in  der  gesellschaftlichen  Arbeitsteilung,  allen
       menschlichen Aktivitäten ihr Gepräge.
       Die heutige  Zeit ist  also gekennzeichnet durch die Verflechtung
       des materiellen Lebens mit den symbolischen Tätigkeiten. Betrach-
       tet man  z. B. den Einfluß der neuen Technologien auf die Produk-
       tion, das  Verkehrswesen, den Güterkonsum oder die Dienstleistun-
       gen, so  kann man die Technik nicht für neutral halten; wobei das
       Urteil, daß  sie nicht  unschuldig sei,  nicht bedeutet,  daß sie
       schuldig wäre. Ihre für die Gesellschaft nützlichen oder schädli-
       chen Auswirkungen hängen genauso, wenn nicht noch mehr, von ihrer
       gesellschaftlichen Nutzungsweise  wie von ihrer eigenen Effizienz
       ab. Und  ob ihre Entwicklung und ihr Gebrauch zuungunsten der le-
       bendigen Arbeit  erfolgen, oder  ob sie  unter der Herrschaft und
       Kontrolle von  Arbeitskollektiven, die  sich ihrer annehmen, von-
       statten gehen,  ist keinesfalls  gleichgültig für  den Charakter,
       den die  sozialen Beziehungen, die Lebens- und Arbeitsweisen, die
       Bedingungen der  mehr oder  weniger entfremdeten  Entwicklung des
       einzelnen annehmen.
       2. All dies führt zu einer notwendigen Verallgemeinerung der Ana-
       lysen, die  alle Bereiche der sozialen Erfahrung verknüpfen. Eine
       solche Verallgemeinerung  schließt jede  mechanistische  Trennung
       von Objektivem  und Subjektivem aus; sie rückt ihre Rückkoppelung
       innerhalb der Tätigkeiten, bei denen die Menschen immer eindeuti-
       ger zur  treibenden Kraft  werden, in  den  Vordergrund.  Deshalb
       reift für  den heutigen  Marxismus eine subtilere Problematik des
       gesellschaftlichen Determinismus  heran, den  man nicht  mit  den
       Formen des  Determinismus der Natur verwechseln darf. Der dialek-
       tische Determinismus ist es sich schuldig, brauchbare Konzepte zu
       erarbeiten, die  mit der  größtmöglichen Genauigkeit  den  Unter-
       schied zwischen  der anorganischen  und der organischen Natur auf
       der einen  Seite und  der menschlichen Gesellschaft und dem Leben
       des einzelnen auf der anderen kennzeichnet, ohne dabei die Bedin-
       gungen auszulassen, die für individuelle und kollektive Initiati-
       ven, die  auf die Dinge und die Menschen einwirken wollen, erfor-
       derlich sind.  Es ist  im übrigen  kein Zufall,  daß sich  dieses
       theoretische Problem mit dem praktischen Problem der historischen
       Verantwortung verbindet  und deshalb mit so neuralgischen Punkten
       in Berührung kommt wie denen der sozial- und geopolitischen Stra-
       tegien, der  ökologischen Herausforderungen,  der heiklen  Fragen
       der Bioethik  und der  perversen Auswirkungen der Vermarktung des
       sozialen Lebens einschließlich der Freizeit.
       3. Aus diesem  Grunde bedeutet  die Aktualisierung  des marxisti-
       schen Weges für die Forscher, die Abgrenzung der Forschungssekto-
       ren, die  Formen der  individuellen und  kollektiven Beiträge zur
       Erarbeitung der  Erkenntnisse und  die Möglichkeiten der Beteili-
       gung an ihrer Erwerbung sorgfältig zu überdenken. Denn die Bezie-
       hungen, die  sich in  der ökonomischen, sozialen, politischen und
       kulturellen Realität  knüpfen,  erfordern  eine  Beseitigung  der
       Trennwände zwischen  den traditionellen Disziplinen zugunsten von
       multilateralen Untersuchungen,  die die  Mitarbeit  verschiedener
       Spezialisten bei  ein und  demselben Thema  verlangen und von ein
       und demselben  Forscher erwarten, daß er ein wenig Ökonom, Sozio-
       loge, Demograph oder Psychologe, ein wenig Historiker oder Philo-
       soph sei.  Die marxistische Untersuchung beinhaltet eine enzyklo-
       pädische Ausrichtung, allerdings ohne jeden Anspruch auf erschöp-
       fendes Wissen.
       4. Darüber  hinaus ist  der Augenblick  gekommen, den  Kreis  der
       Sachkundigen zu  erweitern, insbesondere  auf dem  Umweg über die
       Forschung im  Betrieb, in den lokalen Gemeinschaften oder im Ver-
       einsmilieu, und  die Menschen vor Ort, die Frauen und Männer, die
       im Alltag  die Transformation  der Praxis, ihre individuellen und
       gesellschaftlichen Auswirkungen und ihre Entwicklungswidersprüche
       in einer  Gesellschaft am  Scheidewege erleben,  aktiv und eigen-
       ständig am  Erkenntnisprozeß teilnehmen  zu lassen. Nicht daß wir
       einem wie  immer gearteten  Spontaneismus der Erkenntnis huldigen
       oder den  Vorrang gegenüber dem unersetzlichen wissenschaftlichen
       Potential geben  sollten! Es  empfiehlt sich vielmehr, durch eine
       langfristige Zusammenarbeit  die Produktivität  der verschiedenen
       Partner einer  Forschung neuen  Typs zu  wecken. Die Spezialisten
       haben auf  diese Weise Kontakt zu den erlebten Realitäten und ih-
       rem Wandel. Die Arbeiterinnen und Arbeiter werden sich von nun an
       auf eine konzertierte Erläuterung ihrer eigenen Erfahrung stützen
       können, die  es ihnen gestattet, genauer zu durchschauen, was sie
       erleben und  was sie tun, um daraus Informationen abzuleiten, die
       ihrerseits stimulierend  auf die Reflexionen und Forschungen wir-
       ken können. In diesem Rahmen kann und muß das neue Verhältnis zum
       Marxismus sich  in der  neuen Figur des Kollektivintellektuellen,
       in der Gründung eines neuen Fundaments der intellektuellen Arbeit
       innerhalb der revolutionären Bewegung niederschlagen.
       
       6. Marxistische Forschung und Kritik
       ------------------------------------
       
       1. Wenn es  zutrifft, daß  der Marxismus eine sowohl theoretische
       als auch praktische Kritik der herrschenden Zustände leistet und,
       indem er  unmißverständlich den  Klassenstandpunkt einnimmt,  der
       diese radikal  in Frage stellt, für ihre bewußte Veränderung Par-
       tei ergreift,  indem er  sich auf  die Widersprüche in ihrer Ent-
       wicklungslogik beruft,  dann sind  seine Zukunftsperspektiven un-
       trennbar mit  der scharfen  Kritik an  den Konzeptionen, die sich
       der Transformation  entgegenstellen, verbunden. Das versteht sich
       natürlich von  selbst, was  die neoliberalen Argumentationen oder
       die Reden zugunsten des krisengeschüttelten Kapitalismus, die in-
       tellektuelle Feigheit  und die reformistische Jasagerei betrifft,
       die zur widersinnigen Erhaltung dieses Systems beitragen.
       Aber diese  Kritik darf auch nicht die wissenschaftlichen Verfah-
       rensweisen selbst  außer acht  lassen, insofern sie implizit oder
       explizit von  dem Postulat  ausgehen, daß  diese Zustände, so be-
       stürzend sie  auch sein  mögen,  naturgegeben  und  unveränderbar
       seien, und ihre oft minutiösen, aber alternativlosen Analysen al-
       lein auf  die von  der Logik  dieses Systems  abhängigen  Aspekte
       richten, als  befände sich  dieses nur  in  vorübergehenden,  be-
       langlosen Schwierigkeiten,  die seine Existenz überhaupt nicht in
       Frage stellen könnten.
       2. Es ist  in der  Tat ein Hauptcharakteristikum des Marxismus in
       seiner ganzen  Bandbreite, daß  er sich  im Leben  wie in der Er-
       kenntnis manifestiert  und sich  in beiden  Bereichen gegen alles
       wendet, was  die emanzipatorischen gesellschaftlichen Transforma-
       tionen durchkreuzen  und behindern  möchte. Nicht  nur  darf  die
       theoretische Kritik des Kapitalismus nicht von seiner praktischen
       abgekoppelt werden, sondern der Marxismus könnte nur verknöchern,
       wenn er  aufhören würde,  die konservativen  oder die Veränderung
       hemmenden Kräfte  in ihren  Antagonismen zu  denjenigen zu unter-
       scheiden, die  als Förderer sozialen Fortschritts besser in Bewe-
       gung gebracht werden können, wenn die Perspektiven, die ihnen ge-
       boten werden, ihre Erfahrung in der Klassenauseinandersetzung und
       die objektive  Erkenntnis, die  sie daraus  gewinnen, die Bildung
       revolutionären Bewußtseins erleichtern.
       Es gehört  zum Wesen des Marxismus, daß er in jeder Situation und
       in allen  Fragen theoretische  und praktische  Kritik übt.  Schon
       jetzt sind  viele marxistische  Ideen und Analysen Gemeingut, und
       zwar nicht  nur die klassischsten und allgemeinsten, sondern auch
       diejenigen, die  aus der  ganz  aktuellen  Kritik  hervorgegangen
       sind. Die Menschen von dieser Anziehungskraft abzulenken, ihr sy-
       stemerhaltende Konzeptionen  entgegenzusetzen, in negativer Weise
       auf Widersprüche, Lücken, Verzögerungen oder noch bestehende Wis-
       sensmängel hinzuweisen, das sind unter anderem die Formen der Ge-
       genkritik, denen  der Marxismus ausgesetzt ist. Deshalb hängt die
       Zukunft der  marxistischen Forschung  von der Fähigkeit ab, seine
       eigene konkrete Verbreitung zu fördern, indem er jedes Einzelphä-
       nomen der Wirklichkeit der Kritik unterzieht und die Resultate in
       die Gesamtkritik einordnet.
       3. Dasselbe kritische  Potential des Marxismus beseelt, um es po-
       sitiv auszudrücken,  alle seine  Arbeitshypothesen, auch  um  den
       Preis bisweilen strenger Neubewertungen aller Erkenntnisse, woher
       auch immer  sie stammen mögen. Die kommunistischen Forscher sich-
       ten das  gesamte Feld  der bestehenden  Forschungen,  und  sicher
       bleibt das  nicht ohne  Rückwirkung auf  ihre eigene  Arbeit. Sie
       meiden also  keinesfalls den  Pluralismus der  Forschung, sondern
       fordern dort  ihren Platz für sich. Sie wollen ihn vor allem för-
       dern und  suchen Gespräche,  Austausch und  Diskussionen,  woraus
       alle Beteiligten  Vorteile ziehen können. Keinerlei Vorbehalt vor
       antikommunistischen Positionen, die allerdings nicht unwiderspro-
       chen bleiben  dürfen, hält  sie davon  ab, die wissenschaftlichen
       Beiträge derer, die jene Positionen einnehmen, aufmerksam zu ver-
       folgen. Die  wissenschaftliche Diskussion scheint ihnen sogar der
       beste Weg  zu sein,  um die ideologischen Diskurse zu disqualifi-
       zieren, die  ihre scheinbare  Stärke aus  Unwissenheit,  irrigen,
       verfälschenden oder  tendenziösen Interpretationen  und theoreti-
       schen Inkonsequenzen beziehen.
       Das Bedürfnis  nach mehrdimensionalen,  vielfältigen, viele Rich-
       tungen umfassenden Kenntnissen des sozialen Lebens kann nicht da-
       durch erreicht  werden, daß  man die wissenschaftliche Kommunika-
       tion ausspart, an der die marxistische Forschung aktiv teilnehmen
       möchte. Ihre  Hypothesen werden  auf diese  Weise  transformiert,
       ihre Thesen  korrigiert, ihre Wissensinhalte durchdachter und um-
       fassender, ohne  daß dabei die strategischen Ziele der revolutio-
       nären Forschung  vernachlässigt würden. Denn es geht nicht darum,
       Erkenntnisse anzuhäufen,  um einen  Tatbestand zu  sanktionieren,
       als enthalte  er keine  Probleme, sondern vielmehr darum, auf die
       objektiven Widersprüche  aufmerksam zu machen, die diese Erkennt-
       nisse hervortreten lassen, um dann Veränderungen zu fordern.
       
       7. Einheit und Pluralität einer Forschung im Wandel
       ---------------------------------------------------
       
       1. Kritisch ist die marxistische Forschung auch in ihrem internen
       Bereich, gegenüber  ihren Gegenständen und entsprechend ihrer be-
       grifflichen Ausrüstung  oder ihrer Arbeitshypothesen, deren theo-
       retische Bezüge variieren können. Die marxistischen Forscher sind
       zwar vereint  durch einen  gemeinsamen Fundus  an intellektuellen
       Konzeptionen und  Interessen und  durch einen gemeinsamen revolu-
       tionären Anspruch, aber sie unterscheiden sich gleichwohl vonein-
       ander in  ihren persönlichen Vorgehensweisen; hierzu bietet eines
       der Charakteristika  der gegenwärtigen  epistemologischen  Situa-
       tion, das  offene Spiel  der Möglichkeiten,  die  tendenzenreiche
       Entwicklung der sozialen Realität, die Voraussetzung. Die Verant-
       wortung der  kommunistischen Forscher  wird insofern noch größer,
       als sie  in der Wissenschaft und über die wissenschaftliche Ebene
       hinaus gilt. Denn wenn auch die marxistische Forschung unabhängig
       sein muß, ohne deswegen neutral zu sein, so ist sie weder von der
       politischen Planung  auf höchster strategischer Ebene abgeschnit-
       ten, noch  steht sie  der historischen  Bedeutung und den gesell-
       schaftlichen Auswirkungen ihrer Umsetzung gleichgültig gegenüber.
       2. Auf diese  Weise konnte  z. B.  die Selbstverwaltung,  die zum
       Schwerpunkt des Aufbaus des Sozialismus nach französischem Muster
       geworden ist,  unter dem  Gesichtspunkt der staatlich-institutio-
       nellen Integration oder aber unter dem Gesichtspunkt der Wechsel-
       wirkung der  Selbstverwaltungskämpfe und ihrer allmählichen Koor-
       dinierung beurteilt  werden, je  nachdem, ob  man einen mehr oder
       weniger direktiven  Blickwinkel auf nationaler Ebene oder den ei-
       nes Politisierungsprozesses  an der  Basis bevorzugte.  6) Ferner
       hat das, was zuvor wissenschaftlich-technische Revolution genannt
       wurde, heute  eine Diskussion zwischen den Anhängern der informa-
       tionellen Revolution  und denen  der  technologischen  Revolution
       hervorgerufen, wobei  es um  die Frage ging, was die Originalität
       und das  Hauptmerkmal der wissenschaftlichen und technischen Ver-
       änderungen unserer  Epoche ausmacht. 7) Viele Veröffentlichungen,
       Bücher und Zeitschriften sind der Beweis dafür, daß die gegenwär-
       tigen Reflexionen  über den  Staat uns unterschiedliche Gesichts-
       punkte zur  Kenntnis bringen, die bewirken, daß die Forscher sich
       erneut mit  der marxistischen Gesamtkonzeption und der Geschichte
       des Staates  auseinandersetzen. 8) Die Analyse der Beschaffenheit
       und der  Dynamik der  Produktivkräfte und ihrer Einbettung in die
       sozialen Beziehungen ist ebenfalls eine Aufgabe. 9) Das gilt auch
       für die  Debatte über  die Frage der menschlichen Natur, die sich
       um ein  anthroponomisches Projekt  und dessen richtige Begründung
       dreht. 10)
       Die allgemeinere  Untersuchung der Strategien der Wirtschaftspla-
       nung oder  des Krisenmanagements  führt zu Kontroversen hinsicht-
       lich einer hypothetischen Fähigkeit des Kapitalismus, die Auswir-
       kungen der  Krise zu  mildern und sich, ausgehend von ihren Zwän-
       gen, neue Wege zu bahnen.
       3. Es wäre  gewiß unpassend, an dieser Vielzahl unterschiedlicher
       oder divergierender Hypothesen Anstoß zu nehmen. Ein solcher Plu-
       ralismus ist  vor allem  das Ergebnis  einer ernsthaften  wissen-
       schaftlichen Arbeit,  die weder  die Komplexität  noch die Wider-
       sprüche der  Themen, die sie behandelt, verheimlicht. Aber er ist
       auch das  Abbild einer  historischen Situation, in der das Ausmaß
       und die  Form der  Veränderung der Kräfteverhältnisse im Klassen-
       kampf eine  größere Variabilität  der Möglichkeiten  der  gesell-
       schaftlichen Entwicklung,  entsprechend der  Breite,  Ausrichtung
       und Zusammensetzung  der sich zusammenschließenden Volksbewegung,
       zur Folge hat.
       Wenn in  der Tat  gesagt worden ist, daß die Wege zum Sozialismus
       in Frankreich  neu sind, bedeutet das nicht, daß die Berufung auf
       frühere oder zeitgenössische Modelle unrichtig wäre. Die Argumen-
       tation führt  vor allem  zu dem  Gedanken, daß  die Zukunft,  die
       jetzt vorbereitet  wird, sehr offen und den historischen Möglich-
       keiten verpflichtet  bleibt, die diese mehr oder weniger gründli-
       che Vorbereitung  ihr einräumt.  Aus den  Realitäten ergeben sich
       mehrere kohärente  und plausible Perspektiven, die die revolutio-
       näre Bewegung  auszunutzen versucht,  um  voranzuschreiten;  weil
       aber ihre  Entwicklungsformen in jeder Etappe vielfältig bleiben,
       ist ihre Analyse weiterhin kompliziert. Keine der Forschungshypo-
       thesen, der  Erklärungsformen und der antizipatorischen Reflexio-
       nen darf  also bei der kollektiven Untersuchung der im Wandel be-
       findlichen Gesellschaft  vernachlässigt werden.  Für jede  dieser
       Richtungen, gleichgültig wie zuverlässig sie sein mögen, kann die
       Beachtung der anderen Standpunkte nur stimulierend wirken.
       4. Die marxistische Forschung kann nur dann kreativ, korrigierend
       und erneuernd wirken, wenn sie ihre Widersprüche in einheitlicher
       Absicht und mit der Zielsetzung, abschließend zur Übereinstimmung
       der Standpunkte  zu gelangen,  akzeptiert. Sie kann das nur, wenn
       ihre Kollektive  Vertrauen in  die intellektuelle  und politische
       Erfahrung des  einzelnen setzen  und wenn sie Geduld und Ausdauer
       bei dem  Bemühen beweisen,  die unweigerlich auftretenden Schwie-
       rigkeiten zu  bewältigen. Nichts  wäre schlimmer als die magische
       Verdrängung dieser Widersprüche oder die Beschränkung der notwen-
       digen Diskussionen.  Denn es  versteht sich  von selbst,  daß die
       kommunistischen Forscher den Wunsch haben, einander zu verstehen,
       was nicht  immer bedeutet, daß man einer Meinung ist, sondern daß
       man die Positionen der anderen mit Hilfe von Kriterien beurteilt,
       deren Niveau  über intellektuelle  und gefühlsmäßige Verkrampfun-
       gen, unkontrollierte  Polemiken  oder  wechselseitige  Unkenntnis
       hinausreicht.
       Die marxistische  Forschung befindet sich somit aus sowohl inter-
       nen als auch externen Gründen in einer epistemologisch unbequemen
       Lage, denn  sie muß ihr eigener Bürge sein, ohne erwarten zu kön-
       nen, ihn anderswo zu finden. Aber das ist auch das Pfand für eine
       Fruchtbarkeit, die  durch den kritischen Anspruch sich selbst ge-
       genüber und durch den Willen, die konkreten Veränderungen und die
       entsprechende gesellschaftliche  Praxis zum  Prüfstein der Arbeit
       zu machen, garantiert wird.
       Dadurch, daß  die Forschung sich als theoretische Dimension einer
       breiteren, unter der Ägide der Ideen und Methoden von Marx in der
       ganzen Welt  entwickelten Kultur  begreift, daß  sie sich auf die
       Ursachen und Wirkungen der gesellschaftlichen Praktiken sowie auf
       die Strategie,  die am  geeignetsten ist,  sie im  Interesse  der
       Mehrheit zu  revolutionieren, stützt,  ist sie sicherlich in eine
       Krise geraten.  Aber es handelt sich um eine Krise des Wachstums,
       des Heranreifens der Zeit der Revolutionen und nicht des Alterns.
       Die Bewältigung  dieser Krise verlangt neue Beziehungen der Unab-
       hängigkeit und  der Komplementarität zwischen der Theorie und der
       Politik. Sie  erfordert eine  immer gezieltere  und  fruchtbarere
       Wissenschaftlichkeit, neue  Beziehungen zur  Welt der  Erkenntnis
       und eine neue Art von gesellschaftlichen Beiträgen zur kognitiven
       Aneignung der gesellschaftlichen Entwicklung.
       
       Übersetzung: Christa Schulz
       
       _____
       1) K. Marx, Brief an Kugelmann, 23. 8. 1866, in: MEW 31, S. 521.
       2) J. Milhau, Le marxisme en mouvement, Paris 1975.
       3) L. Sève,  Où en  sommes-nous avec le socialisme scientifique?,
       in: La Pensée, Nr. 232 - Mars-Avril 1983.
       4) B. Brecht,  Schriften zu Politik und Gesellschaft: Notizen zur
       Philosophie, in:  Gesammelte Werke, Bd. 20, Frankfurt/M. 1967, S.
       146 ff.
       5) F. Nietzsche,  Zur Genealogie  der Moral,  in: Werke in 6 Bdn.
       hg. v.  K. Schlechta, Bd. 4, München 1980, S. 890. <Bei Nietzsche
       heißt es: "... jenes Stehen-bleiben-Wollen vor dem Tatsächlichen,
       dem factum  brutum, jener  Fatalismus der 'petis faits' (ce petit
       faitalisme, wie  ich ihn  nenne), worin  die französische Wissen-
       schaft jetzt  eine Art  moralischen Vorrangs  vor  der  deutschen
       sucht"; Anm. d. Übers.>.
       6) L'autogestion. Colloquium des Institut de Recherches Marxistes
       (IRM) 6.-8. Juni 1980, Paris 1980.
       7) Révolution industrielle,  revolution informationnelle,  in: La
       Pensée, Nr.  241, 1984.  Perspectives technologiques, une revolu-
       tion culturelle, in: La Pensee, Nr. 253, 1986. Symposium La tech-
       nologie pour quoi faire? 25-26-27-Novembre 1982, Paris 1983.
       8) Etats et  société, in: La Pensée, Nr. 217/218, 1981. Paul Boc-
       cara, Etat  capitaliste contemporain,  formes et  contradictions,
       in: La Pensée, Nr. 224, 1981. A. Le Pors, Hegemonie, consensus et
       reforme de  l'appareil d'Etat,  in: La  Pensee, Nr. 236, 1983. P.
       Boccara, Theorie  marxiste et voies autogestionnaires de la revo-
       lution en France, in: La Pensee, Nr. 249, 1986. Autogerer l'Etat?
       in: La  Pensee, Nr.  247, 1985. J. Lojkine, La classe ouvriere en
       mutation, Paris 1986.
       9) Forces productives,  individualités, société,  in: La  Pensee,
       Nr. 207,  1979. Le  devenir de la classe ouvriere, in: La Pensee,
       Nr. 234,  1983. Intellectuels,  travail intellectuel, in: La Pen-
       see, Nr. 240, 1984.
       10) Formes historiques  de l'individualité,  in: La  Pensée,  Nr.
       228, 1982. P. Boccara, Marx, marxisme, economie et anthroponomie,
       in: La  Pensée, Nr.  232, 1983. Cl. Gindin, Société en mouvement,
       in: La Pensée, Nr. 235, 1983.
       

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