Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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       DAS LABORATORIUM VON MARX:
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       DIE BEDEUTUNG DER NATURWISSENSCHAFTEN FÜR DAS MARXSCHE WERK
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       Ferdinando Vidoni
       
       1. Die  Methode der Naturwissenschaften bei historischen und öko-
       nomischen Fragen  -  2.  Naturwissenschaftliche  Erkenntnisse  im
       Marxschen Werk - 2.1 Naturwissenschaft und Kritik der politischen
       Ökonomie - 2.2 Naturwissenschaft und Marxsche Weltanschauung
       
       1. Die Methode der Naturwissenschaft bei historischen
       -----------------------------------------------------
       und ökonomischen Fragen
       -----------------------
       
       In den  Naturwissenschaften findet Marx methodologische Anweisun-
       gen oder  Analogien für  das Verfahren seiner historisch-ökonomi-
       schen Konstruktion.  Schon die Klassiker der politischen Ökonomie
       waren, was  die Methode betrifft, den großen naturwissenschaftli-
       chen Konstruktionen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts viel schul-
       dig. Im Prinzip stellt sich Marx auf denselben wissenschaftlichen
       Boden der  Klassiker; er  kritisiert sie  aber, soweit  sie  sich
       nicht genug  über die  unmittelbare Erfahrung erheben können: Sie
       kennen z.B. nicht jene Umkehrung des empirischen Scheins, die nö-
       tig ist,  um eine  nicht oberflächliche  Erklärung des Profits zu
       geben.
       Um sein  Verfahren zu  unterstützen, bezieht  sich Marx nicht nur
       auf Themen  der Hegelschen  Logik, auf die Differenz zwischen dem
       unmittelbaren Sein  und dem  Wesen, sondern  auch auf Prozeduren,
       die in  den Naturwissenschaften  gebraucht werden.  Um z.  B. die
       "allgemeine Natur  des Profits" zu erklären, hält sich Marx nicht
       an die  oberflächliche Erfahrung,  nach der  der Profit aus einem
       "Aufschlag auf  die Preise der Waren" zu entspringen scheint, als
       ob die  Waren zu einem "Preis weit über ihrem  W e r t"  verkauft
       würden. Er geht von dem Grundsatz aus, "daß im Durchschnitt Waren
       z u  i h r e n  w i r k l i c h e n  W e r t e n  v e r k a u f t
       werden, d.  h. im Verhältnis zu dem in ihnen vergegenständlichten
       Arbeitsquantum", weil dazu die rationelle, obwohl scheinbar para-
       doxe Analyse  führt: "Dies  scheint paradox  und der alltäglichen
       Beobachtung widersprechend.  Es ist  ebenso paradox, daß die Erde
       um die  Sonne kreist  und das Wasser aus zwei äußerst leicht ent-
       flammenden Gasen  besteht. Wissenschaftliche  Wahrheit ist  immer
       paradox vom  Standpunkt der  alltäglichen Erfahrung,  die nur den
       täuschenden Schein der Dinge wahrnimmt". 1)
       An den Naturwissenschaften schätzt Marx besonders - als Beispiel,
       das auch in der ökonomischen Theorie auf nützliche Weise nachahm-
       bar ist  - den  Mut, vom  Gegenstand, wie er sich in der direkten
       Beobachtung vorstellt,  zu abstrahieren, um eine theoretische Re-
       konstruktion, die  den "inneren  Zusammenhang"  des  Gegenstandes
       hervorhebt, durchzuführen.  Diese Marxsche Auffassung der Komple-
       xität und Nichtunmittelbarkeit des Verhältnisses zwischen Theorie
       und Wirklichkeit erweist sich heute als besonders interessant. In
       der sogenannten  post-positivistischen Richtung der Epistemologie
       werden wichtige  Fragen über  das Daten-Theorie-Verhältnis aufge-
       worfen, obwohl  die Lösungen oft nicht die von Marx vorgeschlage-
       nen sind,  weil sie nicht nur eine relative Autonomie der theore-
       tischen Konstruktion,  sondern eine  Verneinung des realistischen
       Charakters derselben mit sich bringen.
       Neben den  erwähnten allgemeinen  methodologischen Analogien  be-
       nutzt Marx  andere, speziellere,  insbesondere biologische  Meta-
       phern bei  der Behandlung  historischer und  ökonomischer Themen.
       Die Analyse  der großen historischen Produktionsweisen z. B. kann
       sich einige  Aspekte der  vergleichenden Zoologie zunutze machen.
       Erinnern wir  an diese  bekannte Aussage:  "Die Anatomie des Men-
       schen ist  ein Schlüssel  zur Anatomie des Affen"; und umgekehrt:
       die "Andeutungen  auf Höhres  in den  untergeordnetren Thierarten
       können (...)  nur verstanden  werden wenn das Höhere selbst schon
       bekannt ist".  2) Man kann an die Hegelsche Naturphilosophie den-
       ken, die,  was die  "verkümmerten Organisationen"  des Lebendigen
       betrifft, sagte:  "Was bei  ihnen als untergeordnet erscheint, z.
       B. die  Organe, die  keine Funktion haben, das wird erst deutlich
       durch die  höheren Organisationen  in welchen man erkennt, welche
       Stelle es  einnimmt". 3) Offensichtlich dachte Hegel an eine ide-
       elle Steigerung  der lebendigen  Formen, eine  Auffassung, die in
       jener Epoche auch vielen Naturforschern gemein war.
       Eine Erklärung, die sich von der vergleichenden Anatomie deutlich
       inspirieren läßt,  wird von Man: besonders auf die Geschichte der
       Technologie und deren Verhältnis zu den jeweiligen Gesellschafts-
       formationen angewendet. Von Franklins Definition des Menschen als
       "a toolmaking  animal" ausgehend,  sieht Marx  in der Analyse der
       menschlichen Werkzeuge  (von den  primitivsten bis  zu Maschinen)
       die Möglichkeit,  auf die  gesamte Gesellschaft,  innerhalb deren
       jene Werkzeuge  angewendet werden, zurückzugehen. Dies ist analog
       zu einer Methode der Cuvierschen Paläontologie, nach der man sich
       an ein  "Korrelationsprinzip" halten  soll: wenn  z. B. der Magen
       einer Tierart,  den Nahrungsmöglichkeiten  der Umwelt gemäß, ver-
       schieden ist,  sollen auch  andere Organe  verschieden sein:  die
       Zähne, die  Pranken, die  das Futter ergreifen sollen, usw. Schon
       Hegel hatte  bemerkt, daß  "der große  Stifter der vergleichenden
       Anatomie, Cuvier, sich rühmen konnte, aus einem einzelnen Knochen
       die wesentliche  Natur des  ganzen Tieres erkennen zu können"; so
       "ist der  allgemeine Typus des Tiers (tatsächlich unterschied Cu-
       vier einige  große Tiertypen  - d.  V.) durch  die verschiedenen,
       noch so  unvollkommen und disparat erscheinenden Gebilde verfolgt
       und in der kaum beginnenden Andeutung - so wie in der Vermischung
       der Organe  und Funktionen - ihre Bedeutung erkannt". 4) Marx be-
       ruft sich  auf dieses Thema, wenn er schreibt: "Dieselbe Wichtig-
       keit, welche  der Bau von Knochenreliquien für die Erkenntnis der
       Organisation untergegangener  Tiergeschlechter, haben  die  Reli-
       quien von Arbeitsmitteln für die Beurteilung untergegangener öko-
       nomischer Gesellschaftsformationen", denn das Wie, d.h. "mit wel-
       chen Arbeitsmitteln (das Produkt) gemacht wird, unterscheidet die
       ökonomischen Epochen." 5)
       Neben dem  erwähnten Cuvierschen  methodologischen Thema  benützt
       Marx, um die Geschichte der Technologien anzugehen, auch ein Dar-
       winsches Thema. Die Manuskripte aus den Jahren 1861-1863 verglei-
       chen die Differenzierung und Spezialisierung der Organe der Lebe-
       wesen während  der Evolution  mit den  Veränderungen, die die Ar-
       beitswerkzeuge nach  und nach erfahren. 6) Dieses Thema wird auch
       im Kapital  7) behandelt;  Marx zitiert eine Stelle aus Origin of
       Species über  die natürliche  Auslese, wo  Darwin selbst den Ver-
       gleich mit  der Vermehrung  und  Verbesserung  von  verschiedenen
       Werkzeugformen anstellt.  Wie mehrere Wissenschaftler seiner Epo-
       che sieht Marx in der Darwinschen Theorie eine Erklärungsart, die
       die traditionelle  teleologische Auffassung  der Natur-  oder Ge-
       schichtsprozesse beseitigt.  Von diesem Standpunkt aus werden die
       irgendwie neugebildeten Formen durch einen Selektionsprozeß - der
       die Hypothese  einer apriorischen  Finalität überflüssig  macht -
       eliminiert oder  stabilisiert. Was  für die "natürliche Technolo-
       gie" (d. h. für die "Bildung der Pflanzen und Tierorgane als Pro-
       duktionsinstrumente für das Leben" derselben) 8) von Darwin theo-
       retisch erfaßt  wurde, gilt analog für die "durch Teilung der Ar-
       beit" verwirklichte "Differenzierung, Specialisierung und Verein-
       fachung der  Arbeitsinstrumente" und  "ihre exclusive adaption to
       very simple operations", als "eine der technologischen, materiel-
       len Voraussetzungen für die Entwicklung der Maschinerie". 9)
       Das bedeutet  aber nicht, daß Marx seine Geschichtsauffassung auf
       Grund von  rein biologischen  Modellen konstruiert:  In der  men-
       schlichen Tätigkeit  werden die neuen Formen (die selektiert wer-
       den sollen) aktiv, nicht durch ein "apriorisches" 10) Wissen, ge-
       bildet, wie  der bekannte  Marxsche Hinweis  auf Vico  zeigt. 11)
       Ferner muß  man feststellen,  daß Marx von der evolutionistischen
       Biologie -  im Gegensatz  zu den  Sozialdarwinisten (und  auch zu
       mehreren darwinistischen  Sozialisten) -  nicht, als  allgemeinen
       Faktor der Geschichtserklärung, die Metapher des "Kampfes ums Da-
       sein" übernimmt,  weil sie zu undifferenziert und zweideutig ist.
       12)
       Eine biologische Analogie oder Metapher kann auch als ein wichti-
       ger methodologischer  Leitfaden  in  der  Marxschen  Analyse  der
       k a p i t a l i s t i s c h e n  Produktionsweise gesehen werden.
       Im Vorwort  zur 1. Auflage des Kapitals wird die Ökonomie der mo-
       dernen bürgerlichen Gesellschaft durch die Wertform der Ware cha-
       rakterisiert, und  diese wird  als die   Z e l l e n f o r m  er-
       faßt, deren  Vermehrung den ganzen ökonomischen Organismus zusam-
       mensetzt. Der Hinweis auf die Zellulartheorie (von M.J. Schleiden
       und T.  Schwann um  1838 eingeführt) ist offensichtlich, wie auch
       der Parallelismus  mit dem  Marxschen methodischen  Prinzip,  vom
       Einfachsten, Allgemeinsten,  Abstraktesten bis  zum  Konkretesten
       und Kompliziertesten  aufzusteigen: "Die  Wertform, deren fertige
       Gestalt die  Geldform, ist  sehr inhaltslos und einfach"; dennoch
       erwies sie  sich bisher  als schwerer  zu analysieren,  weil "der
       ausgebildete Körper  leichter zu  studieren ist  als die  Körper-
       zelle. Bei  der Analyse der ökonomischen Formen kann außerdem we-
       der das  Mikroskop dienen noch chemische Reagentien. Die Abstrak-
       tionskraft muß  beide ersetzen.  Für die bürgerliche Gesellschaft
       ist aber  die Warenform des Arbeitsprodukts oder die Wertform der
       Ware die  ökonomische Zellenform.  Dem Ungebildeten  scheint sich
       ihre Analyse  in bloßen Spitzfindigkeiten herumzutreiben. Es han-
       delt sich dabei in der Tat um Spitzfindigkeiten, aber nur so, wie
       es sich in der mikrologischen Anatomie darum handelt." 13)
       Man kann eine Andeutung auf Schwanns "Mikroskopische Untersuchun-
       gen" erkennen. 14) Marx besaß die englische Ausgabe dieses Werkes
       (London 1847) und hatte besonders den 3. Abschnitt unterstrichen,
       der ein  Kompendium der  Zellulartheorie enthält. Außerdem können
       wir hier  Andeutungen auf Virchows "Cellularpathologie" annehmen,
       die in  den ersten Kapiteln eine generelle Darstellung der Zellu-
       lartheorie vorlegt.  Im Brief  an L. Kugelmann vom 17. April 1868
       dankt Marx  dem Freund, weil er Virchow das Kapital avisiert hat,
       und sagt,  daß er  selbst das  bekannte Buch  von Virchow gelesen
       hat: "Mit  Ihren Zeilen  an Virchow  haben Sie  mir großen Dienst
       geleistet, obgleich  ich zweifle,  ob er die Geduld und Zeit hat,
       sich in  ein ihm fernliegendes Thema einzuarbeiten. Ich weiß, daß
       es mir  große Überwindung  kostete, seine 'Cellularpathologie' in
       Manchester zu  lesen, namentlich von wegen der Manier des Schrei-
       bens." 15)
       In der  Tat, im Brief an Marx vom 8. April 1868 berichtete Kugel-
       mann, der  Arzt war,  daß er an den berühmten Pathologen (der al-
       lerdings auch viele politischen und sozialen Interessen hatte und
       ein bekannter  Liberaldemokrat war)  geschrieben hatte,  um einen
       klinischen Fall bekanntzugeben. Zum Schluß desselben Briefs hatte
       Kugelmann die  Gelegenheit ergriffen, Virchows Aufmerksamkeit auf
       das Kapital  zu lenken  und auf die methodologische Analogie zwi-
       schen der  ökonomischen Darstellung von Marx und der biologischen
       von Virchow  hinzuweisen. "P.S.  mache ich  ihn nun  auf Ihr Werk
       aufmerksam, sage ihm, wie Sie, von Warenform als Zelle ausgehend,
       die bürgerliche Gesellschaft analysieren etc., daß Sie in der po-
       litischen Ökonomie dieselbe Methode wie er in der Medizin folgen;
       daß man  Ihr 'Kapital' füglich die Zellularpathologie der bürger-
       lichen Gesellschaft  nennen könne  etc." 16) Kugelmann berichtete
       auch, daß  Virchow seinen Brief sehr höflich beantwortet und sich
       an der Kenntnis des Kapitals sehr interessiert gezeigt hatte.
       Wir haben schon gesehen, daß Marx wenig Hoffnungen darauf setzte.
       Nach Engels  (siehe den Brief an Marx vom 17. April 1868) war Ku-
       gelmanns Versuch  fast lächerlich,  den "braven  Bürger"  Virchow
       "zum Kommunisten  zu machen". Man kann aber nicht leugnen (und in
       der Tat haben Marx und Engels es nicht geleugnet), daß die metho-
       dologische Analogie  zwischen der  Marxschen und der Virchowschen
       Prozedur gewissermaßen  begründet ist. Man kann die oben zitierte
       Marxsche Stelle  über die  Wertform der Ware als die "ökonomische
       Zellenform" mit  einigen Passagen  von Virchows Werk vergleichen.
       Hier lesen  wir z. B., daß "die Zelle wirklich das letzte eigent-
       liche Form-Element  aller lebendigen Erscheinungen sei"; 17) "ein
       einfaches Element  (...) welches durch die ganze Reihe der leben-
       digen pflanzlichen  und thierischen  Gestaltungen, so  äusserlich
       verschieden sie  auch sein  mögen (...) eine ganz besondere Form-
       bildung als  bestimmte Grundlage aller Lebenserscheinungen erken-
       nen lässt".  18)  Die  Zelle  also  soll  der    A u s g a n g s-
       p u n k t   des Studiums  aller Gewebe  sein. Eine Zusammenfügung
       von verschiedenartigen  Geweben bildet ein Organ, das sich in der
       "thierischen Oekonomie"  einfügt. 19)  In der  Zellenorganisation
       kann man  Umwandlungen  finden,  kraft  deren,  unter  den  neuen
       "Erscheinungsformen", die  ursprüngliche Natur  des Gewebes  sich
       nicht mehr zu erkennen gibt. 20)
       Analog können  wir an  die Reihe  der Verwandlungen denken, durch
       die die  Marxsche Analyse  von der  Warenform zur  Geldform  usw.
       übergeht,  wie  auch  die  erste  Erscheinungsform  des  Kapitals
       (Kapital als  Geld) neue Existenzformen bei Abstreifung der Geld-
       form annimmt  und  sich  in  die  Faktoren  des  Arbeitsprozesses
       (konstantes und variables Kapital) verwandelt. Endlich scheint es
       im Profit  so, daß  keine Spur  des Ausgangspunktes bleibt, d. h.
       der Wertform  der Waren, die sich im Verhältnis der in ihnen ent-
       haltenen Arbeitsmenge austauschten. Wir finden hier eine Idee der
       Wissenschaft -  als Darstellung der Verwandlungen einer Urform -,
       die in der deutschen Kultur oft vorzufinden war.
       
       2. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse im Marxschen Werk
       --------------------------------------------------------
       
       2.1 Naturwissenschaft und Kritik der politischen Ökonomie
       ---------------------------------------------------------
       
       Gelegentlich entnimmt  Marx in seiner Kritik der politischen Öko-
       nomie konkrete  Informationen aus verschiedenen Naturwissenschaf-
       ten.
       Ein erstes  Beispiel finden  wir in den Hinweisen des Kapital auf
       "die ganz moderne Wissenschaft der Technologie", 21) die auf eine
       immer wachsende Teilung und Mechanisierung der Arbeitsoperationen
       zielt und  zu diesem  Zweck viele  physikalische, chemische  usw.
       Kenntnisse benützt.  Die Kapitel  des 1.  Bandes des Kapital über
       die Maschinerie  sind keine  gelehrten Zusätze;  sie sind wesent-
       lich, um  die Ausbildung, die Merkmale und die Phasen der kapita-
       listischen Produktionsweise  zu bestimmen. Dies versteht man bes-
       ser seit der Publikation der Hefte über Technologie, 22) in denen
       Marx einige  der wichtigsten Studien seiner Epoche auf diesem Ge-
       biet -  insbesondere von  J.H.M. Poppe, A. Ure, Ch. Babbage - ex-
       zerpierte.
       Die Technologie ist seiner Meinung nach für die Erklärung der Ge-
       schichte grundlegend,  obwohl er eigentlich kein "technologischer
       Determinist" ist. Die Produktionsmittel existieren nicht für sich
       allein, sondern sind innerhalb der Produktionsverhältnisse zu be-
       greifen. Aber  die "Technologie enthüllt das aktive Verhalten des
       Menschen zur  Natur, den  unmittelbaren Produktionsprozeß  seines
       Lebens, damit  auch seiner  gesellschaftlichen Lebensverhältnisse
       und der  ihnen entquellenden  geistigen Vorstellungen".  23)  Man
       solle daher  endlich eine  "kritische Geschichte der Technologie"
       entwickeln. 24) Schon hier aber, im Kapital, verbindet Marx seine
       sozialökonomische Analyse  mit technologischen  Aspekten, wenn er
       sowohl den  Anfang wie  auch die  Phasen (Manufaktur, große Indu-
       strie) der kapitalistischen Produktionsweise beschreibt.
       Ein zweites  Beispiel finden  wir in  der Rolle, die Marx bei der
       Diskussion der  Theorien über  die Grundrente der Agrarchemie zu-
       schreibt. Um  das Modell einer entwickelten kapitalistischen Öko-
       nomie zu konstruieren, kann man in der Tat nicht abstrakt von der
       Bodenfruchtbarkeit sprechen, nicht ohne Hinweise auf gewisse wis-
       senschaftliche und  technische Erfindungen,  die es auch ermögli-
       chen, die  pessimistische Auffassung  von Malthus  und Ricardo zu
       widerlegen.
       Da, so  Ricardo, zusätzlich  bebaute Böden immer schlechter sind,
       gibt es  "eine natürliche  Tendenz der Profite zu fallen, weil im
       Fortschritt der  Gesellschaft und  des Reichtums,  das additional
       (Quantum of)  food mehr  und mehr  Arbeit erheischt". 25) So wird
       ein von  der kapitalistischen Struktur der Gesellschaft abhängen-
       des Phänomen  einer Art Naturgesetz zugeschrieben: "Aus der Oeko-
       nomie flüchtet  er (Ricardo; d.V.) in die organische Chemie", und
       es war  "komisch daß  Ricardo, Malthus  etc. zu einer Zeit wo die
       physiologische Chemie  kaum noch existierte, allgemeine ewige Ge-
       setze über  dieselbe aufstellten". Im Gegenteil: daß "das physio-
       logische Postulat von Ricardo als allgemeines Gesetz ausgedrückt,
       falsch ist,  hat die  moderne Chemie bewiesen." Hier hat Marx die
       Forschungen von  Liebig und  Johnston im  Auge, 26)  die z.B. die
       Verbesserungsmöglichkeiten der  chemischen  Bodenkomposition  ge-
       zeigt  haben.  Dies  stellt  einen  positiven  Beweis  gegen  die
       Malthussche Unterstellung einer unüberwindlichen Knappheit an Le-
       bensmitteln im  Verhältnis zur  Bevölkerung dar,  eine Vorausset-
       zung, die den Minderverbrauch der Arbeitermassen und die Privile-
       gien der  herrschenden Klasse rechtfertigte. Ein negativer Beweis
       gegen die  kapitalistische Organisation  der Agrikultur kommt da-
       her, daß diese an sich nicht fähig ist, die Agrarproduktion opti-
       mal zu  fördern, und daß sie außerdem den Boden schädigt. Die ka-
       pitalistische Produktionsweise  "stört", insbesondere  wegen  der
       unverhältnismäßigen Bevölkerungskonzentration in den Städten, den
       natürlichen "Stoffwechsel  zwischen Mensch  und Erde"  und  damit
       "die ewige Naturbedingung dauernder Bodenfruchtbarkeit", wenn sie
       nicht "einer  der vollen menschlichen Entwicklung adäquaten Form"
       endlich das Feld räumt. 27)
       Hier finden  wir den  Begriff des organischen  S t o f f w e c h-
       s e l s,   der im  Kapital grundlegend ist und auch aus naturwis-
       senschaftlichen Studien  stammt. Tatsächlich  nimmt Marx  ihn aus
       dem   K r e i s l a u f   d e s   L e b e n s   (Mainz 1852)  des
       Physiologen und  materialistischen Philosophen J. Moleschott, der
       ihn  seinerseits   aus  Liebigs   Studien  über  die  organischen
       Stoffverwandlungen abgeleitet  hatte (obwohl  er  gegen  ihn  vom
       philosophischen Standpunkt aus polemisierte).
       Mit dem  Begriff des Stoffwechsels charakterisierte Marx auch den
       Arbeitsprozeß im  allgemeinen,  als  Gebrauchswertschöpfer,  denn
       dieser Prozeß bezeichnet eine (den natürlichen Umwandlungsprozes-
       sen analoge) Formveränderung der Materialien. In diesem Sinne ist
       die Arbeit  als "Bildnerin  von Gebrauchswerten"  eine "von allen
       Gesellschaftsformen unabhängige  Existenzbedingung des  Menschen,
       ewige Notwendigkeit,  um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Na-
       tur, also  das menschliche Leben zu vermitteln". Tatsächlich kann
       der Mensch  "in seiner  Produktion nur  verfahren, wie  die Natur
       selbst, d.h.  nur die  Formen der  Stoffe ändern", und "in dieser
       Arbeit der  Formung wird  er beständig unterstützt von Naturkräf-
       ten". 28)
       Die Arbeit,  die einen  Stoffwechsel der  natürlichen Materialien
       zum Ergebnis  hat, ist  also -  abgesehen von  den besonderen Be-
       stimmtheiten der  produktiven Tätigkeit - eine "Verausgabung men-
       schlicher  Arbeitskraft   im  physiologischen   Sinn",  29)  d.h.
       "produktive Verausgabung  von menschlichem  Hirn,  Muskel,  Nerv,
       Hand usw."  Daher bestimmen  die Arbeiten als "bloße gleichartige
       Arbeitsgallerten" die Warenwerte. 30) Der "Tageswert der Arbeits-
       kraft" wird also "geschätzt" auf den "normalen, der Menschennatur
       angemessenen Umsatz von Lebenssubstanz in Bewegung". 31) Hier be-
       ruft sich  Marx auf einen Theoretiker des physikalischen Gesetzes
       der Erhaltung  der Kraft,  W. R.  Grove (von ihm werden wir unten
       nochmals sprechen);  ihm zufolge  kann die "Arbeitsmenge, die ein
       Mann im Laufe von 24 Stunden geleistet hat, (...) annähernd durch
       eine Untersuchung  der chemischen  Veränderungen bestimmt werden,
       die in seinem Körper stattgefunden haben, da veränderte Formen in
       der Materie  die vorherige Anspannung von Bewegungskraft zeigen".
       32)
       Man soll aber nicht denken, daß diese Hinweise auf die physikali-
       schen Kraftwandlungen in den Arbeitsprozessen zu einer Zurückfüh-
       rung spezifisch  ökonomischer auf  physiologische  oder  geradezu
       physikalische Begriffe  führen können;  man vergleiche  etwa  den
       Brief von  Engels an  Marx vom 19. September 1882, wo eine derar-
       tige, in  der Schrift  des russischen  Evolutionisten S.A.  Podo-
       linski enthaltene Hypothese kritisiert wird. 33) Nach Marx jeden-
       falls ist  der Tauschwert  keine Eigenart  der Dinge als solcher,
       also keine  physische Eigenart,  weil "die  T a u s c h w e r t e
       der Waren  nur  g e s e l l s c h a f t l i c h e  F u n k t i o-
       n e n   dieser Dinge  sind und  gar nichts zu tun haben mit ihren
       n a t ü r l i c h e n     Qualitäten";  ihre  "gemeinsame    g e-
       s e l l s c h a f t l i c h e   S u b s t a n z   (...)  ist  die
       Arbeit". 34)
       Gewiß hängt  die Arbeit  mit physikalischen Kräften zusammen; sie
       wird aber  durch die soziale Organisation, die technischen Kennt-
       nisse usw. vermittelt. Die ökonomische Analyse muß zu einem ande-
       ren Betrachtungsniveau  übergehen,  obwohl  ein  naturalistischer
       Hintergrund bestehen bleibt. Dieser wird manchmal durch die Kate-
       gorie der "Produktion im allgemeinen" ausgesprochen, die sich auf
       die physische Notwendigkeit für alle Gesellschaften bezieht, sich
       mittels der  Arbeit durch  Umgestaltung des Naturvermögens zu er-
       halten, während  jede geschichtliche  Epoche eine "bestimmte Form
       der  gesellschaftlichen  Produktion"  und  der  Verteilung  ihrer
       Früchte vorstellt.  35) Man muß präzise hervorheben, was wirklich
       natürlich, generell, unumgänglich ist, um es nicht mit dem Histo-
       rischen zu  verwechseln, wie andererseits das Historische niemals
       von dem Natürlichen getrennt werden soll.
       
       2.2 Naturwissenschaft und Marxsche Weltanschauung
       -------------------------------------------------
       
       Man sollte  nicht vergessen, daß Marx kein Fachmann (z.B. Ökonom,
       Historiker, Politiker  im engen Sinne) ist. Im Hintergrund seiner
       Forschungen steht  eine allgemeine  Geschichtsauffassung, ja eine
       globale, wenn  auch niemals  vollständige und endgültige Weltauf-
       fassung, deren Züge nicht von abstrakter Spekulation, sondern von
       den Naturwissenschaften  herrühren dürften.  Wir  können  an  die
       Funktion des Darwinismus in der Entwicklung der Marxschen Weltan-
       schauung erinnern.  Diese war  von Anfang  an ihrer  Tendenz nach
       evolutionistisch, und  zwar infolge  einiger Aspekte der philoso-
       phischen und  (manchmal unter  dem Einfluß  der Naturphilosophie)
       naturwissenschaftlichen deutschen  Kultur. Später  aber  hat  der
       Darwinismus dieser  Anschauung eine  wirkliche Solidität gegeben;
       deswegen maßen ihm Marx und Engels höchstes Gewicht bei. 36)
       Über die  Evolutionstheorie las  Marx, Ende 1860, Darwins "Origin
       of Species"  (1859), und im Kapital sprach er von diesem Buch als
       von einem "epochemachenden Werk". 37) Dem berühmten Naturforscher
       ließ er  ein Exemplar  der zweiten deutschen Auflage des Kapitals
       mit einer  Widmung zukommen, und Darwin antwortete mit einer höf-
       lichen Karte.  Ein zweiter Brief Darwins, den man an Marx gerich-
       tet vermutet  hat und der eine Ablehnung einer vorgesehenen Dedi-
       kation eines  Buches beinhaltete, wurde jüngst (um 1975) als eine
       Antwort an Edward Aveling, ohne Bezug zu Marx, aufgedeckt. 38)
       Später (1866)  las Marx  das evolutionistische, nicht darwinisti-
       sche Werk von P. Trémaux, Origine et transformation de l'homme et
       des autres  êtres (Paris  1865),  von  dem  er  allzu  vertrauend
       glaubte, daß  "ein sehr bedeutender Fortschritt über Darwin" vor-
       liege 39) und weswegen er von Engels scharf kritisiert wurde. Au-
       ßerdem las  er (1868) L. Büchner, Sechs Vorlesungen über die Dar-
       winsche Theorie... (Leipzig 1868). Obwohl er den Autor nicht sehr
       schätzte, fand er das Buch wegen der Informationen über die deut-
       schen Evolutionisten  interessant. Besonders interessiert scheint
       er an E. Haeckels Versuch gewesen zu sein, eine große evolutioni-
       stische Morphologie  der Lebewesen  zu konstruieren,  die in  den
       einfachsten,   sogar    subzellularen   Lebensäußerungen    ihren
       "Ausgangspunkt" oder  ihre "Urform",  wie Marx  sagt, findet. 40)
       Dieses Verfahren  schien wohl  mit der "deutschen" Idee, die Marx
       von der  wissenschaftlichen Methode  hatte, in  größerer Überein-
       stimmung als die "grob englische Manier der Entwicklung", 41) die
       Marx bei Darwin, trotz seiner großen Verdienste, fand.
       Auch C.  Lyell, The geological evidences of the antiquity of man,
       with remarks  on theories  of the  origin of species by Variation
       (London 21863),  wurde von  Marx -  auf Engels' Anraten - gelesen
       und besonders  im Kap. 19 annotiert, das eine Rekapitulierung der
       Beweise des menschlichen Alters enthält. Es ist auch daran zu er-
       innern, daß  Marx 1862  die populären  Vorlesungen des  berühmten
       Darwinisten T.H. Huxley besuchte. In den drei letzten Jahren sei-
       nes Lebens  stand Marx  in freundschaftlicher  Beziehung zu einem
       wichtigen Evolutionstheoretiker,  dem jungen Professor der Zoolo-
       gie an  der Universität  London E.R.  Lankester, der  durch seine
       Studien über  die "degenerative  evolution" bekannt und in vielen
       seiner Ideen  Huxley nahe war. Lankester leistete Marx und dessen
       Familie -  auch dank einem seiner Freunde, der ein guter Kliniker
       war - Hilfe. 42)
       Ein anderes  für die Marxsche Weltanschauung grundlegendes natur-
       wissenschaftliches Prinzip  ist das der  E r h a l t u n g  d e r
       K r a f t,  das übrigens von allen Wissenschaftlern für epochema-
       chend gehalten  wurde. Es handelt sich um einen Begriff, der, zu-
       sammen mit dem Evolutionismus, die Vorstellung einer dynamischen,
       zahlloser Verwandlungen fähigen Natur stützt. Von diesem Gesetz -
       das auch als eine Fortsetzung des naturphilosophischen Themas der
       Einheit und  Verwandlung der Kräfte erscheinen konnte 43) - hatte
       zuerst Engels  an Marx in einem Brief vom 14. Juli 1858 sehr vage
       geschrieben. Am  17. August  1864 schreibt  Marx an Lion Philips,
       daß er  das Buch  des  obengenannten  englischen  Physikers  W.R.
       Grove, The  correlation of  physical Forces (London 1846, 31855),
       sehr wichtig  gefunden habe.  Diese Schrift gehörte, zusammen mit
       den bekannteren  von R.  Mayer, H.  Helmholtz und /. P. Joule, zu
       den Arbeiten,  die auf  verschiedenen Wegen  zur Formulierung des
       großen Gesetzes  in den 1840er Jahren geführt hatten. "Grove", so
       faßt Marx  zusammen, "zeigt nach, wie mechanische Bewegungskraft,
       Wärme, Licht,  Elektrizität, Magnetismus  und Chemical  affinity,
       eigentlich alle  nur Modifikationen  derselben Kraft  sind,  sich
       wechselseitig erzeugen, ersetzen, ineinander übergehen usw." 44)
       Diese dynamische  Vorstellung der  Natur erscheint  Marx auch vom
       dialektischen Standpunkt  aus als sehr suggestiv (siehe z. B. die
       Kräfte,  die  "ineinander  übergehen").  So  ist  Grove  für  ihn
       "unbedingt der  philosophischste unter  den englischen  (und auch
       deutschen!) Naturforschern".  45) Marx'  Bedürfnis einer  artiku-
       lierten und  dynamischen Naturauffassung zieht also die Dialektik
       hinzu. Auch hält Marx (nicht nur Engels) sie für nützlich, um ei-
       nige Aspekte  der Natur, nicht nur der Geschichte, besser zu den-
       ken. Dies  läßt sich  daraus schließen, daß er (nicht Engels) der
       erste ist,  der naturdialektische Beispiele  p u b l i z i e r t.
       In seinem  Meisterwerk fügt er, als er von der Natur des Kapitals
       in Beziehung  auf die  Größe der  Geldsumme spricht, die folgende
       Bemerkung hinzu:  "Hier, wie  in der  Naturwissenschaft,  bewährt
       sich die  Richtigkeit des  von Hegel in seiner 'Logik' entdeckten
       Gesetzes, daß  bloß quantitative  Verändrungen auf einem gewissen
       Punkt in  qualitative Unterschiede umschlagen". Und in einer Fuß-
       note der 3. Ausgabe wird erklärt: die "in der modernen Chemie an-
       gewandte, von  Laurent und  Gerhardt zuerst wissenschaftlich ent-
       wickelte Molekulartheorie  beruht auf keinem andren Gesetze". 46)
       Ein anderes  naturdialektisches Beispiel  im 1.  Buch des Kapital
       betrifft die  Astronomie und  beruft sich klar auf ein Hegelsches
       Thema, d.h. auf den Widerspruch zwischen Schwer- und Zentrifugal-
       kraft, der sich in die elliptische Bahn der Planeten auflöst. 47)
       Diese Beispiele  von Marx gehen mehr als zehn Jahre dem Anti-Düh-
       ring von Engels voraus, der sich übrigens als eines der vorrangi-
       gen Ziele setzte, die Marxsche Anwendung der Dialektik zu vertei-
       digen und  näher zu  bestimmen. Welches  Gewicht Marx auf die En-
       gelsschen naturwissenschaftlichen Studien legte, kann z.B. seinem
       Brief an  W. Liebknecht  vom 7. Oktober 1876 entnommen werden, in
       dem er  berichtete, daß  Engels "mit  der Dühring-Arbeit beschäf-
       tigt" sei,  "ein großes  Opfer seinerseits, da er zu diesem Behuf
       eine ungleich  wichtigere Arbeit unterbrechen muß", 48) d.h. die,
       deren Fragmente als Dialektik der Natur in diesem Jahrhundert pu-
       bliziert wurden.  Im Brief  an den  Arzt W.A. Freund (in Breslau)
       vom 21.  Januar 1877 bittet Marx um den Gefallen, den Physiologen
       M. Traube  um die  Titel seiner  Studien zu  ersuchen, die  "sehr
       wichtig" für  Engels, der "an einem naturphilosophischen Werk ar-
       beitet", seien.  49) Man  kann also leicht sehen, daß Marx selber
       Engels' Forschungen  zur sogenannten  Dialektik der  Natur unter-
       stützte.
       
       _____
       1) K. Marx,  Lohn, Preis  und Profit, in: MEW 16, S. 129. Vgl. K.
       Marx, Das  Kapital, 1.  Bd., in:  MEW 23, S. 559: "Daß in der Er-
       scheinung die Dinge sich oft verkehrt darstellen, ist ziemlich in
       allen Wissenschaften bekannt, außer in der politischen Ökonomie."
       Über den Marxschen Gebrauch der  A n a l o g i e  zwischen Natur-
       und Geschichtsprozessen vgl. H.J. Sandkühler, Geschichte, gesell-
       schaftliche Bewegung  und Erkenntnisprozeß,  Berlin 1984, S. 262-
       269.
       2) MEGA II, 1.1, S. 40. Grundrisse, S. 26.
       3) G.F.W. Hegel,  System der  Philosophie. II.  Naturphilosophie,
       in: Sämtliche Werke. Jubiläumsausgabe, hrsg. von H. Glockner, Bd.
       9/2, S. 61.
       4) G.W.F. Hegel,  Werke 9,  Enzyklopädie der philosophischen Wis-
       senschaften im  Grundrisse 1830,  Frankfurt/Main 1986, § 368a, S.
       501.
       5) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 194/195.
       6) K. Marx,  Manuskripte aus  den Jahren  1861-1863, in: MEGA II,
       3.6, S. 1913.
       7) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 361, Fn. 31.
       8) Ebenda, S. 392, Fn. 89.
       9) MEGA II, 3.6, S. 1914.
       10) Ebenda, S. 1913.
       11) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 392/393, Fn. 89.
       12) Vgl. insbesondere K. Marx, Brief an L. Kugelmann vom 27. Juni
       1870, in:  MEW 32,  S. 685;  F. Engels, Brief an P. L. Lawrow vom
       12. (-17.)  November 1875,  in: MEW  34, S. 170. Über das Problem
       des Verhältnisses  des Sozialdarwinismus  zur Darwinschen Theorie
       vgl. K. Bayertz, Darwinismus als Ideologie, in: Dialektik, Nr. 5,
       Köln 1982, S. 105-120.
       13) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., Vorwort zur ersten Auflage, in:
       MEW 23, S. 12.
       14) T. Schwann,  Mikroskopische Untersuchungen  über die Überein-
       stimmung in  der Struktur  und dem Wachstum der Thiere und Pflan-
       zen, Berlin 1839.
       15) MEW 32, S. 546.
       16) Zitiert bei  Martin Hundt:  Louis Kugelmann.  Eine Biographie
       des Arztes  und Freundes von Karl Marx und Friedrich Engels, Ber-
       lin 1974, S. 255/256.
       17) R. Virchow,  Die Cellularpathologie  in ihrer  Begründung auf
       physiologische und pathologische Gewebelehre ..., Berlin 1858, S.
       3.
       18) Ebenda, S. 12.
       19) Ebenda, S. 26/27.
       20) Er schreibt,  daß "die  epithelialen Elemente  eine Reihe von
       Umwandlungen erfahren  können, wodurch  sie ihrem  ursprünglichen
       Habitus ausserordentlich unähnlich werden und allmählich Erschei-
       nungsformen annehmen,  die ohne  die Kenntnis der Entwicklungsge-
       schichte es  unmöglich machen, ihre ursprüngliche Epidermis-Natur
       zu veranschaulichen": siehe, als extremes Beispiel, "die Kristal-
       linse des  Auges, welche ursprünglich eine reine Epidermis-Anhäu-
       fung ist." Ebenda, S. 34.
       21) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 510.
       22) Heft V  in: MEGA  II, 3.1,  Berlin 1976, S. 292-317; Heft XIX
       und XX  in: MEGA  II, 3.6, Berlin 1982. Ferner: K. Marx, Exzerpte
       über Arbeitsteilung, Maschinerie und Industrie, Historisch-kriti-
       sche Ausgabe  von  R.  Winkelmann,  Frankfurt/M-Berlin(West)-Wien
       1982; K.  Marx, Die  technologisch-historischen Exzerpte,  Histo-
       risch-kritische  Ausgabe   von  H.-P.   Müller,  Frankfurt/M-Ber-
       lin(West)-Wien 1982.
       23) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 393.
       24) Ebenda, S. 392/393, Fn. 89.
       25) MEGA II, 1.2, S. 626. Grundrisse, S. 639.
       26) MEGA II,  1.2, S. 625-627. Grundrisse S. 638-640. Mit größter
       Wahrscheinlichkeit bezieht sich Marx auf J. von Liebig, Die orga-
       nische Chemie  in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie,
       Braunschweig 4   1842;  J.F.W. Johnston, Lectures on Agricultural
       Chemistry and  Geology, London  2    1847;  ders.,  Catechism  of
       Agricultural Chemistry  and Geology,  Edinburg 23  1849. Exzerpte
       aus diesen  Werken in  einigen Marxschen  Heften von  1851.  Auch
       später interessierte sich Marx für diese Argumente: In den Jahren
       1876-1878 machte  er Auszüge  aus J.  von Kirchbach, Handbuch der
       Landwirte (1873),  M.J. Schleiden,  Die Physiologie  der Pflanzen
       und Tiere  (1850), J.G.  Koppe, Unterricht im Ackerbau und in der
       Viehzucht (1872)  und besonders  J.B. Jukes,  Student's manual of
       geology (1872).
       27) K. Marx,  Das Kapital,  1. Bd.,  in: MEW 23, S. 528. Vgl. Das
       Kapital, 3. Bd., in: MEW 25, S. 821: Während einerseits das große
       Grundeigentum neue  Produktionsmöglichkeiten bietet,  "reduziert"
       es andererseits  "die agrikole Bevölkerung auf ein beständig sin-
       kendes Minimum  und setzt ihr eine beständig wachsende, in großen
       Städten zusammengedrängte  Industriebevölkerung entgegen:  es er-
       zeugt dadurch  Bedingungen, die einen unheilbaren Riß hervorrufen
       in dem Zusammenhang des gesellschaftlichen und durch die Naturge-
       setze des  Lebens vorgeschriebenen  Stoffwechsels, infolge  wovon
       die Bodenkraft  verschleudert und diese Verschleuderung durch den
       Handel weit  über die  Grenzen des  eignen Landes  hinausgetragen
       wird. (Liebig.)"  In bezug  auf Liebigs  obengenanntes Werk  sagt
       Marx (Das  Kapital, 1.  Bd., in:  MEW 23,  S. 529, Fn. 325): "Die
       Entwicklung der  negativen Seite der modernen Agrikultur, vom na-
       turwissenschaftlichen Standpunkt, ist eins der unsterblichen Ver-
       dienste Liebigs".  Auch im  Werk des Botanikers C.N. Fraas, Klima
       und Pflanzenwelt  in der  Zeit, eine  Geschichte beider, Landshut
       1847, fand  Marx wichtige Argumente hierzu. Nach Fraas, berichtet
       er, geht  in den  kultivierten Ländern die Feuchtigkeit mehr oder
       weniger verloren, bis "endlich Steppenbildung eintritt. Die erste
       Wirkung der  Kultur nützlich,  schließlich verödend durch Enthol-
       zung etc. (...) Das Fazit ist, daß die Kultur - wenn naturwüchsig
       vorschreitend und  nicht  b e w u ß t  b e h e r r s c h t  (dazu
       kommt er natürlich als Bürger nicht) - Wüsten hinter sich zurück-
       läßt, Persien,  Mesopotamien etc., Griechenland. Also auch wieder
       sozialistische Tendenzen  unbewußt!". K. Marx, Brief an F. Engels
       vom 25. März 1868, in: MEW 32, S. 52/53.
       28) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 57/58.
       29) Ebenda, S. 61.
       30) Ebenda, S. 58/59...
       31) Ebenda, S. 549.
       32) Ebenda, Fn. 14.
       33) Vgl. S.  A. Podolinski,  II socialismo  e l'unita delle forze
       fisiche, in der Mailänder sozialistischen Zeitschrift "La Plebe",
       1881, Nuova serie, N. 3, S. 13-16; N. 4, S. 5-15. Nach Engels ist
       es wahr,  daß (wie  Podolinski meint) die "menschliche Arbeit im-
       stande ist,  Sonnenenergie länger  auf der  Oberfläche  der  Erde
       festzuhalten und  wirken zu lassen", aber "seine daraus gezogenen
       ökonomischen Folgerungen sind falsch". Die "physikalische Arbeit"
       ist "keine   ö k o n o m i s c h e   Arbeit"; daher: "Ökonomische
       Verhältnisse in  physikalischen Maßen  ausdrücken zu  wollen, ist
       (...) rein  unmöglich". Podolinski ist "auf Abwege gekommen, weil
       er einen neuen naturwissenschaftlichen Beweis für die Richtigkeit
       des Sozialismus finden wollte und daher Physikalisches und Ökono-
       misches vermengt hat". F. Engels, Brief an K. Marx vom 19. Dezem-
       ber 1882, in: MEW 35, S. 133-135.
       34) K. Marx, Lohn, Preis und Profit, in: MEW 16, S. 123.
       35) Vgl. z.B.  K. Marx,  Brief an L. Kugelmann vom 11. Juli 1868,
       in: MEW 32, S. 552 f.
       36) Vgl. hierzu:  F. Vidoni,  Natura e Storia. Marx ed Engels in-
       terpreti del darwinismo, Bari 1985.
       37) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 361, Fn. 31.
       38) Die Daten  zu dieser  Frage in:  G. H.  Müller, Darwin, Marx,
       Aveling -  Briefe und  Spekulationen. Eine  bibliographische  Be-
       trachtung, in: Dialektik, Nr. 6, Köln 1983, S. 145-159.
       39) K. Marx,  Brief an  F. Engels vom 7. August 1866, in: MEW 31,
       S. 248.  Siehe auch:  Engels an Marx, 2. Oktober 1866, ebenda, S.
       256; Marx  an Engels,  3. Oktober 1866, ebenda, S. 257; Engels an
       Marx, 5. Oktober 1866, ebenda, S. 259/260.
       40) "Das Machwerk  von Büchner hat sofern Interesse für mich, als
       darin die meisten deutschen Forschungen im Gebiet des Darwinismus
       - Prof.  Jäger (Wien)  und Prof. Haeckel - zitiert werden. Danach
       ist die  Zelle als Urform aufgegeben, dagegen formlose, aber kon-
       traktile Eiweißklümpchen  als  starting  point.  Diese  Hypothese
       später bestätigt durch die Funde in Kanada (später auch in Bayern
       und some  other places).  Die Urform  muß natürlich  bis zu einem
       Punkt herunter verfolgt werden, wo sie chemisch fabrizierbar ist.
       Und dem  scheint man auf dem Sprung." K. Marx, Brief an F. Engels
       vom 18.  November 1868,  in: MEW  32, S. 206. Marx wurde Büchners
       Buch von L. Kugelmann zugeschickt; später schickte es Marx an En-
       gels.
       41) K. Marx,  Brief an  F. Lassalle  vom 16. Januar 1861, in: MEW
       30, S. 578. Vgl. K. Marx an F. Engels, 19. Dezember 1860, ebenda,
       S. 131;  F. Engels  an K. Marx, 11. (-12.) Dezember 1859, der von
       einer "plumpe(n)  englische(n) Methode"  bei Darwin  spricht, in:
       MEW 29. S. 524.
       42) L.S. Feuer,  The Friendship  of E.  R. Lankester and K. Marx:
       The Last Episode in Marx's Intellectual Evolution, in: Journal of
       the History  of Ideas,  1979, S. 633-648 (mit einigen Briefen von
       Lankester an Marx).
       43) Vgl. hierzu:  P. Bellinazzi,  Forza e materia nel pensiero di
       Marx ed Engels, Milano 1984.
       44) K. Marx, Brief an L. Philips vom 17. August 1864, in: MEW 30,
       S. 670.
       45) K. Marx,  Brief an F. Engels vom 31. August 1864, in: MEW 30,
       S. 424.
       46) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW 23, S. 327. Über Chemie
       hatte Marx  eine Vorlesungsreihe  von A.  W. von Hofmann besucht:
       siehe K.  Marx, Brief  an F. Engels vom 2. Juni 1867, in: MEW 31,
       S. 306. Auch die Bekanntschaft mit C. Schorlemmer war wichtig für
       die Marx' Kenntnisse im chemischen Gebiet.
       47) Vgl. G.W.F.  Hegel, Enzyklopädie  ..., a.a.O.,  S. 224 ff. (§
       270). Zu dieser Frage bei Hegel siehe E. I. Rambaldi, Hegels Kri-
       tik des  Fallgesetzes bei  Newton, Vortrag im Rahmen des Interna-
       tionalen Kongresses  der Internationalen Gesellschaft für dialek-
       tische Philosophie - Societas hegeliana, "Vom Werden des Wissens.
       Philosophie-Wissenschaft-Dialektik", Helsinki, September 1984.
       48) MEW 34, S. 209.
       49) Ebenda, S. 246.
       

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