Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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       DIE MANCHESTER-EXZERPTHEFTE VON MARX IM SOMMER 1845
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       Ljudmila Wassina
       
       1. Petty und andere Merkantilisten - 2. Frühe Krisenliteratur und
       Tookes "A  history of prices" - 3. Zu Malthus, Sadler, Atkinson -
       4. Ricardoschule: MacCulloch und J. St. Mill
       
       Zu den  Manchester-Exzerpten von  Marx,  die,  wie  die  Londoner
       Hefte, 1)  nach ihrem Entstehungsort benannt worden sind, gehören
       neun erhaltene  Hefte mit  Auszügen zur politischen Ökonomie, die
       Marx im Juli/August 1845 während seines ersten Besuchs in England
       angefertigt hat.  Diese zusammen  mit Engels  unternommene  Reise
       diente dem  speziellen Ziel,  die notwendigen Materialien für die
       von Marx  geplante zweibändige  Arbeit zur "Kritik an der Politik
       und der politischen Ökonomie" zu sammeln.
       Die Bedeutung dieses Vorhabens für die Ausarbeitung wissenschaft-
       licher Grundlagen  für die Arbeiterbewegung hat Engels damals und
       später unterstrichen, der seinen Freund immer wieder zur Eile an-
       trieb. So schrieb er am 20. Januar 1845 Marx: "Was uns jetzt aber
       vor Allem  noth thut,  sind ein paar größere Werke, um den vielen
       Halbwissenden, die  gern wollen  aber nicht  allein fertig werden
       können, einen  gehörigen Anhaltspunkt  zu geben.  Mach daß Du mit
       Deinem nationaloekonomischen  Buch fertig  wirst, wenn  Du selbst
       auch mit  Vielem unzufrieden  bleiben solltest,  es ist einerlei,
       die Gemüther sind reif und wir müssen das Eisen schmieden weil es
       warm ist  ... Jetzt  ist aber  hohe Zeit." 2) Dieselbe Überlegung
       äußerte am  18. März  1845 Georg Jung, einer der Mitbegründer der
       "Rheinischen Zeitung",  in seinem  Brief an  Marx:  "...  es  ist
       durchaus nöthig,  daß ein  solches Werk  erscheine. Der Kampf mit
       der Religion  ist beendet  und man  kann denselben  füglich einem
       größern Publikum  überlassen, aber was Politik und Nationalökono-
       mie betrifft,  so fehlt  hierin noch jeder bestimmte Anhaltspunkt
       ..." 3)
       Was die  französischen Quellen  anging, so  hatte  Marx  für  die
       "Kritik" bereits  bedeutendes Material in den Pariser und Brüsse-
       ler Exzerptheften  zusammengetragen. 4)  Während  seiner  Analyse
       verschiedener Schulen und Richtungen gelangte Marx zu dem Schluß,
       daß "ihr wirklicher Ausgangspunkt, ihre wirkliche Schule die Bür-
       gerliche Gesellschaft'  (ist), deren verschiedne Entwicklungspha-
       sen man  genau in der Ökonomie verfolgen kann." 5) Die in den Pa-
       riser Exzerptheften  angefertigte Analyse der französischen Über-
       setzungen von Adam Smith: "Recherches sur la nature et les causes
       de la richesse des nations", von David Ricardo: "Des principes de
       l'économie politique  et de l'impôt", sowie der Arbeiten von Say,
       MacCulloch, James  Mill, Prévost,  Skarbek  u.a.  führte  zu  dem
       Schluß, daß  Adam Smith den theoretischen Ausgangspunkt der poli-
       tischen Ökonomie  darstellt und  daß er selbst der "Reihenführer"
       der  französischen   und  englischen   Ökonomie  ist,   "die  das
       G e h e i m n i s   des 'Reichtums' zynisch verraten hat und alle
       Illusionen über  seine Natur,  Tendenz und Bewegung unmöglich ge-
       macht hat". 6)
       Zugleich überzeugte  sich Marx immer mehr davon, daß die histori-
       sche, vor allem klassenmäßige Begrenztheit der bürgerlichen poli-
       tischen Ökonomie,  die von  der Ewigkeit und Unerschütterlichkeit
       des Privateigentums  ausging, die Möglichkeiten für eine wirklich
       wissenschaftliche Lösung zahlreicher ökonomischer Probleme objek-
       tiv einschränkte.
       Eines der  wichtigsten theoretischen  Ergebnisse der Pariser Stu-
       dien war die allmähliche Abkehr Marx' von seiner ursprünglich ne-
       gativen Haltung zur Arbeitswerttheorie.
       In den  Pariser und Brüsseler ökonomischen Exzerpten von Marx wa-
       ren die  Hauptrichtungen seiner  Studien in den 40er Jahren skiz-
       ziert. Es  waren dies  Untersuchungen über  die  Wechselbeziehung
       zwischen Privateigentum,  Konkurrenz und  ökonomischer  Lage  des
       Proletariats im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft, die Aufdec-
       kung der  ausbeuterischen Natur des Kapitals, die Klärung des We-
       sens des Grundeigentums, des Geldes u. a. im Kontext des Studiums
       der Geschichte  der bürgerlichen politischen Ökonomie. Eine wich-
       tige Bedeutung  für die Erforschung dieses Fragenkomplexes hatten
       auch die Manchester-Exzerpte von Marx.
       
       1. Petty und andere Merkantilisten
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       Seine ökonomischen  Studien in Manchester begann Marx mit der Pe-
       riode der  englischen bürgerlichen  politischen Ökonomie vor Adam
       Smith, Zu  dieser Gruppe  von Auszügen  gehörten Exzerpte  aus W.
       Petty, Ch.  Davenant, E.  Misselden und aus dem anonymen Pamphlet
       "His Majesties  propriety and dominion on the British seas", ver-
       faßt von  R. Codrington. Alle Autoren dieser Gruppe waren Merkan-
       tilisten -  ausgenommen Petty (strenggenommen sind Spuren merkan-
       tilistischer Auffassungen  auch bei  Petty noch  nicht ganz  ver-
       schwunden). Sie  brachten die Ansichten ihrer Epoche zum Ausdruck
       und legten  davon Zeugnis ab, wie die bürgerliche politische Öko-
       nomie den  Entstehungsprozeß des Kapitalismus widerspiegelte. Die
       unentwickelte Industrie,  die Enge  des Binnenmarktes bei gleich-
       zeitigem Wachstum  des Außenhandels  zeigten sich in den spezifi-
       schen Zügen der Schriften der Merkantilisten. Marx sieht diese in
       der vorrangigen Betrachtung des Geldes und insbesondere der Edel-
       metalle als  universellem Reichtum, des Außenhandels, in dem eine
       aktive Bilanz  den Zufluß  von Gold  und Silber  in das  Land si-
       cherte, der Bevölkerung, deren Wachstum als notwendige Vorausset-
       zung für  die Vergrößerung des gesellschaftlichen Reichtums ange-
       sehen wurde.  Zugleich lenkt  Marx die Aufmerksamkeit darauf, daß
       bei den  ersten Theoretikern  der bürgerlichen Produktion bereits
       praktisch alle Grundbegriffe vorhanden sind, mit denen später die
       bürgerliche politische Ökonomie operierte - Geld, Reichtum, Kapi-
       tal, Wert, Grundrente, Profit, Zins usw.
       Nicht zufällig  werden sehr viele Einschätzungen der bürgerlichen
       Produktion und  des Standes der ökonomischen Theorie im 17. Jahr-
       hundert, wie sie Marx später in den "Grundrissen", in der Schrift
       "Zur Kritik der politischen Ökonomie", im Manuskript von 1861 bis
       1863 und schließlich im "Kapital" vornimmt, durch Auszüge aus den
       Arbeiten von Petty, Davenant und Misselden illustriert.
       Für eine  Bewertung des Entwicklungsniveaus der marxistischen po-
       litischen Ökonomie  in der  Mitte der 40er Jahre des 19. Jahrhun-
       derts sind  in dieser  Gruppe von Auszügen Marx' Exzerpte aus dem
       Werk Pettys  von größtem Interesse. Bekanntlich hat Marx ihn spä-
       ter als den Begründer der englischen klassischen bürgerlichen po-
       litischen Ökonomie  charakterisiert.  In  der  Manchester-Periode
       konnte Marx zu dieser Bewertung noch nicht kommen - schon deshalb
       nicht, weil  unter den  Schriften, die in den konspektierten Sam-
       melband "Several  essays in political arithmetick" Eingang gefun-
       den hatten, das für die Ausarbeitung der Arbeitswerttheorie wich-
       tigste Werk  Pettys fehlte:  "A treatise of taxes and contributi-
       ons" (Marx  lernte es  erst sehr viel später, in den 60er Jahren,
       kennen). In  den 40er  Jahren bleibt Petty für Marx, wie auch an-
       dere Autoren  dieser Epoche,  ein "englischer Ökonom aus der Zeit
       Karls II 7).
       Aber schon bei einer ersten Bekanntschaft mit dem Werk Pettys nä-
       hert sich  Marx seinem  später im  "Kapital" formulierten Urteil,
       Petty sei  "der Vater  der politischen Ökonomie und gewissermaßen
       der Erfinder  der Statistik".  8) Bei seiner Analyse des Versuchs
       Pettys, in seiner Schrift "An essay on the multiplication of man-
       kind" das Wachstum der Bevölkerungszahl Englands zu prognostizie-
       ren, bemerkt  Marx: "Versuch  die   S t a t i s t i k  zu begrün-
       den." 9) Zugleich sieht er, daß die zu Zeiten Pettys nicht ausge-
       arbeiteten Methoden  der statistischen Analyse, der Mangel an zu-
       verlässigen Ausgangsdaten  über die  Bevölkerungsdynamik den feh-
       lerhaften und sogar "apologetischen" 10) Charakter einiger seiner
       Berechnungen bedingten  - ungeachtet  des Werts  der erstmals von
       Petty angewendeten  neuen Untersuchungsmethode  ("nicht  die  Ge-
       bräuchliche"). Petty, so bemerkt Marx, "sucht überall die heilige
       Schrift in  Einklang mit  der Statistik  zu bringen und nimmt sie
       als statistische Quelle an". 11)
       Für Marx'  Erkenntnis der  Bedeutung der  Arbeiten Pettys spielte
       das Studium  des zweibändigen Werks des Nachfolgers von Petty bei
       der Ausarbeitung  der statistischen  Methode eine wichtige Rolle,
       der zugleich Kritiker einiger Schlußfolgerungen Pettys war: Char-
       les Davenant,  "Discourses on  the publick  revenues, and  on the
       trade of  England." Aus  dem ersten  Band dieses  Werkes notierte
       Marx eine  Charakteristik Pettys  als  "Stifter  der  politischen
       Arithmetik", einer  Wissenschaft, die  "allein  kann  zeigen  die
       Glieder und  Ketten wodurch ein Geschäft mit dem ändern zusammen-
       hängt und  die Dependence,  which all  our various dealings, have
       each upon  the other." 12) Solche gegenseitigen Beurteilungen des
       Werkes der  Ökonomen, die  kritischen Bemerkungen  an die Adresse
       ihrer Vorgänger  waren für  Marx immer von großem Interesse. Aber
       sie hatten eine besondere Bedeutung in der Periode der Formierung
       der marxistischen politischen Ökonomie, als Marx' eigene Vorstel-
       lungen über  die Entwicklungsgeschichte  der bürgerlichen politi-
       schen Ökonomie  sich erst  herauszubilden begannen.  Wichtig ist,
       daß für Marx'Bewertung des Platzes Pettys in der bürgerlichen po-
       litischen Ökonomie vor Adam Smith Pettys Haltung zur Arbeitswert-
       theorie von  ausschlaggebender Bedeutung  war.  Das  Studium  der
       "Politischen Arithmetik",  eines der  bedeutendsten Werke Pettys,
       zeigte Marx, daß dieser die Bedeutung der Arbeit als der einzigen
       Quelle des  gesellschaftlichen Reichtums und des Werts noch nicht
       in vollem  Umfang erkannt  hatte. Marx stellt fest, daß sich dies
       besonders in  Pettys Gleichsetzung von Einkommen aus menschlicher
       Arbeit und  Einkommen aus dem Boden (Grundrente) zeigt. Petty, so
       resümiert Marx, "veranschlagt den Werth der Menschen, wie den des
       Landes, indem er ihr Einkommen kapitalisiert." 13)
       
       2. Frühe Krisenliteratur und Tookes "A history of prices"
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       Einen zentralen Platz in den Manchester-Heften nahm Marx' Analyse
       der politischen Ökonomie nach Ricardo in den 20er bis 40er Jahren
       des 19. Jahrhunderts ein. In dem Manuskript von 1861 bis 1863 be-
       wertet Märe  diese Periode als die bedeutendste in der Geschichte
       der englischen  bürgerlichen politischen Ökonomie: "Die Zeit zwi-
       schen 1820  und 1830 ist die metaphysisch bedeutendste Periode in
       der Geschichte  der  englischen  Nationalökonomie.  Theoretisches
       Lanzenbrechen für  und wider die Ric'sche Theorie. Reihe anonymer
       Streitschriften; die  wichtigsten hier  angeführt, und namentlich
       nur über  die Punkte,  die in  unser Thema  gehören. Es  ist aber
       zugleich das  Charakteristische jener  Streitschriften,  daß  sie
       sich alle  in der  That blos  um die Bestimmung des Werthbegriffs
       und seinem Verhältniß zum Capital drehen." 14)
       Diese Charakteristik  traf sicherlich die Hauptlinie der Entwick-
       lung der  englischen bürgerlichen politischen Ökonomie dieser Pe-
       riode, jedoch erschöpfte sie nicht den ganzen Kreis der Probleme,
       die von den Theoretikern der bürgerlichen Produktionsweise ausge-
       arbeitet wurden.  Unter den  Fragen, die mehr als eine Generation
       der englischen  Ökonomen bewegten, befanden sich die Probleme der
       Geldzirkulation und der Überproduktionskrisen. Nicht zufällig wa-
       ren die  meisten von Ricardos ersten Arbeiten der Regulierung der
       Geldzirkulation gewidmet.  Besonders aktuell  wurde die Problema-
       tik, nachdem  - beginnend mit dem Jahr 1825 - die Wirtschaftskri-
       sen einen  periodischen Charakter annahmen. Marx bemerkte später:
       "die erwähnenswerte  ökonomische Literatur  seit 1830  löst  sich
       hauptsächlich auf  in Literatur  über currency,  Kredit, Krisen".
       15) Die  Überproduktionskrisen wurden  von den  Zeitgenossen  als
       großes Unglück aufgefaßt, das die Lebensinteressen breiter Bevöl-
       kerungsschichten empfindlich  verletzt. Besonders  schwere Folgen
       hatten sie für die proletarischen Massen.
       Für Marx  war es klar, daß die Ursachen der Krisen nicht in einer
       Zerrüttung der  Geldzirkulation oder  in einer zufälligen Störung
       des Gleichgewichts  zwischen Angebot und Nachfrage liegen können,
       16) wie  dies viele der von ihm studierten Autoren glaubten, son-
       dern mit  der Wirkung bestimmter innerer Gesetze der bürgerlichen
       Produktion zusammenhingen.
       Bei seiner  Suche nach  den Ursachen  und Beweisen für die Unver-
       meidlichkeit der  Krisen wandte  sich  Marx,  offensichtlich  auf
       einen Rat  von Engels  hin, 17)  dem zweibändigen Werk von Thomas
       Tooke zu: "A history of prices, and of the state of circulation",
       London 1838.  Dies war die erste Bekanntschaft von Marx mit einem
       Autor, dessen  Untersuchungen er  später zu  den  wenigen  zählt,
       "worin wirklich  neue Entdeckungen  gemacht worden sind." 18) Das
       Studium der  folgenden Bände von "A history of prices" (des drit-
       ten und  vierten Bandes)  in den Londoner Exzerpt-Heften von 1850
       diente Marx,  neben anderen  Quellen, als  Ausgangspunkt für  die
       Kritik und  Reinterpretation der  quantitativen  Geldtheorie  Ri-
       cardos. 19)
       Thomas Tooke betrachtete sich als Nachfolger Ricardos und stellte
       sich keineswegs  die Aufgabe,  dessen Geldtheorie einer Kritik zu
       unterziehen. Aber  er teilte nicht die Positionen der sogenannten
       "currency school",  die, gestützt  auf die  Geldtheorie Ricardos,
       die Krisenschwankungen  der Wirtschaft  durch  Veränderungen  der
       Masse zirkulierenden  Geldes, durch eine Zerrüttung des Geld- und
       Kreditsystems erklärte.  Das von  Tooke gesammelte  und gründlich
       ausgewertete umfangreiche  Material über  die Bewegung der Preise
       für die  wichtigsten Lebensmittel, vor allem für Getreide, in ei-
       nem Zeitraum  von mehr als 50 Jahren zeugte unwiderleglich davon,
       daß kein  direkter Zusammenhang zwischen dem Zustand der Geldzir-
       kulation und den Preisen existierte, die als sensibelstes Barome-
       ter für  Veränderungen der Marktkonjunktur dienten. In jedem ein-
       zelnen Falle  - für  die Krisen der Jahre 1797, 1815, 1819, 1825,
       1837 -  fand Tooke  konkrete Ursachen, welche den Fall der Preise
       bedingten und dem Verlauf der Krise ihren Stempel aufdrückten. So
       resümierte Marx Tookes Erklärung der Ursachen der Krise von 1819:
       "Die Krise von 1818 Sommer bis 19 war erzeugt durch die Ueberfüh-
       rung Englands  mit Rohprodukten  und durch  die Speculationen der
       Kaufleute auf eigne Hand abgesehn von der Industrie." 20)
       Marx' Studium der von Tooke beschriebenen ökonomischen Konjunktur
       zu Beginn  einer jeden  Krise, des  Bildes ihrer Entwicklung, des
       Übergangs von  der Depression nach der Krise zum Aufschwung, d.h.
       die Zerlegung des industriellen Zyklus in seine wesentlichen Pha-
       sen schufen  die Voraussetzungen für den Schluß, daß die Überpro-
       duktionskrisen als  eine der  wesentlichen Gesetzmäßigkeiten  der
       bürgerlichen Produktionsweise  unvermeidlich sind. Nach dem Mate-
       rial der "History of prices" konnte Marx Methoden der Analyse von
       Marktkonjunkturen beherrschen  lernen, die  ihm später sehr nütz-
       lich waren; er lernte es, Anzeichen zu entdecken, die das Eintre-
       ten einer  Krise ankündigten;  er überzeugte sich von der Notwen-
       digkeit, die  ganze Vielfalt  von Faktoren in Betracht zu ziehen,
       welche die  Entwicklung der  Krise beeinflussen. Er stellte fest,
       daß bereits  im Stadium  der Prosperität  die Voraussetzungen für
       die kommende Krise geschaffen werden: "In der Zeit der Prosperity
       verursacht die   N a c h f r a g e   d i e  S p e c u l a t i o n
       - Grösse  der wirklichen  Nachfrage - die Crisis." 21) Die kurzen
       Bemerkungen, die  Marx im Prozeß des Konspektierens machte, waren
       noch sehr  unreif und  allgemein; aber  bereits in diesem Stadium
       formieren sich  seine Methoden  zur Untersuchung  des  Krisenpro-
       blems, die  dann in  seinen Studien  der 40er und 50er Jahre wei-
       terentwickelt werden.
       
       3. Zu Malthus, Sadler, Atkinson
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       Mit Marx' Analyse der Lage der Arbeiterklasse in der bürgerlichen
       Gesellschaft und der Perspektiven ihrer Befreiung vom Kapital war
       seine kritische  Auseinandersetzung mit  der malthusianischen Be-
       völkerungstheorie eng  verbunden. Die damals sehr verbeiteten An-
       sichten von  Malthus, daß das Elend der arbeitenden Klassen durch
       die Natur  selbst bedingt  sei, durch  das Wirken der verhängnis-
       vollen Gesetzmäßigkeit  einer immerfort wachsenden Kluft zwischen
       der Produktion  von Lebensmitteln  und dem  Wachstum der Bevölke-
       rung, war  in keiner Weise mit dem von Marx formulierten Programm
       einer revolutionären  Umgestaltung der Gesellschaft nach kommuni-
       stischen Prinzipien  zu vereinbaren. Bei der Sammlung des umfang-
       reichen konkreten  Materials durch  Marx, das  die Absurdität der
       Malthusschen Bevölkerungstheorie  bewies,  hat  das  Studium  der
       zweibändigen Arbeit  von T.  Sadler "On  the laws  of population"
       eine große  Rolle gespielt.  Nach diesem Autor prüfte Marx einge-
       hend die  Argumentation Malthus.  Dessen Schlußfolgerung, es gebe
       eine stets  wachsende Kluft zwischen der Produktion von Nahrungs-
       mitteln und  dem Wachstum  der Bevölkerung,  wurde mit konkreten,
       auch historischen, Angaben über das wirkliche Verhältnis zwischen
       diesen Größen verglichen. Für Marx, der sich stets darum bemühte,
       die ursprüngliche Quelle bestimmter Ansichten aufzudecken, war es
       sehr interessant, mit Hilfe von Sadler festzustellen, daß die be-
       rüchtigte Bevölkerungstheorie,  die den Namen Malthus' trägt, vor
       diesem durch Townsend, Wallace und Bruckner (den Autor des Werkes
       "Philosophical survey  of the animal creation") entwickelt worden
       ist. Marx stimmt der Auffassung Sudlers zu, daß Malthus in dieser
       Frage eher  "copyist" als  "original writer" gewesen sei. "Sadler
       zeigt noch",  schreibt Marx,  "daß Townsend  in dem citirten Buch
       alle Hauptsätze von Malthus aufgestellt hat...". 22)
       Große Bedeutung  für die Entlarvung der Theorie von Malthus hatte
       die von  Sadler aufgrund  einer  großen  Zahl  verschiedenartiger
       Quellen (allein in dem Exzerpt von Marx werden 44 Autoren und Ti-
       tel genannt  und zitiert)  vorgenommenen Analyse der Lebensbedin-
       gungen und  der Veränderung der Bevölkerungszahl Nordamerikas und
       Chinas, die  als eine  Art von  Modell für die theoretischen Kon-
       struktionen Malthus' dienten.
       Beispielsweise fand  Marx bei  Sadler überzeugende Beweise dafür,
       daß der  rasche Bevölkerungszuwachs  in Nordamerika  (auf  dessen
       Grundlage die  Malthusschen Proportionen  konstruiert waren)  mit
       dem erheblichen  Zustrom von  Immigranten und dem praktisch voll-
       ständigen Fehlen  einer Emigration aus diesem Land verbunden war.
       Was China  angeht, das,  wie Marx  im Anschluß an Sadler ironisch
       bemerkt, "has become the very paradise of our Antipopulationists,
       in which  as they  suppose, their  theory luxuriates  in its full
       vigour and  maturity", 23)  so zeugten  auch hier  die Fakten vom
       Gegenteil -  vom Fehlen  eines  direkten  Zusammenhangs  zwischen
       Bevölkerungswachstum und Bevölkerungswohlstand.
       Interessantes Material  für die  Kritik der Malthusschen Bevölke-
       rungstheorie fand  Marx auch  in  der  Arbeit  von  W.  Atkinson:
       "Principles of  political economy". Im Unterschied zu Malthus sah
       sich Atkinson  gezwungen, anzuerkennen,  daß der  Pauperismus un-
       trennbar mit  dem Wachstum  der industriellen  Produktion und den
       von ihm hervorgerufenen "unvermeidlichen Veränderungen in der in-
       dustriellen Arbeit"  verbunden ist. Marx lenkt die Aufmerksamkeit
       darauf, daß  sogar Malthus selbst den Einfluß der Entwicklung der
       Industrie und der sich verschärfenden Konkurrenz auf die Lage der
       Arbeiter nicht  gänzlich unberücksichtigt  lassen konnte. Die An-
       lage jedes neuen Kapitals in einem Zweig, so exzerpiert Marx nach
       Atkinson Malthus'  Schlußfolgerung, "can  rarely be  done without
       injuring, in some degree, those that were engagend in it before."
       24)
       Die von Marx in den Manchester-Heften niedergeschriebenen Auszüge
       ergaben Material  für eine umfassende, argumentierende Kritik des
       Malthusianismus. Ihr Inhalt wurde von Marx im Manuskript von 1861
       bis 1863  zusammengefaßt: "Malthus  Schrift 'On population' - die
       erste Ausgabe  - da  sie kein  neues wissenschaftliches Wort ent-
       hält, ist blos als eine zudringliche Kapucinerpredigt, eine Abra-
       ham  a  Santa  Clara  Version  der  Entwicklungen  von  Townsend,
       Steuart, Wallace,  Herbert u.s.w.  zu betrachten.  Da sie  in der
       That nur  durch die  populäre Form imponiren will, dreht sich mit
       Recht dagegen der populäre Haß". 25)
       
       4. Ricardoschule: MacCulloch und J. St. Mill
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       Von großer theoretischer Bedeutung war Marx' Studium der Arbeiten
       der bedeutendsten  Vertreter der Ricardo-Schule: /. R. MacCulloch
       und /.  St. Mill. Marx studierte genau "The principles of politi-
       cal economy"  (Edinburgh, London  1825) von  MacCulloch  und  die
       "Essays on some unsettled questions of political economy" (London
       1844) von  /. St.  Mill. Dieses Werk von Mill, resümierte Marx im
       Manuskript von  1861 bis  1863, enthielt "in der That alle origi-
       nellen Ideen  des Herrn  J. St. Mill über political economy". 26)
       Die Ökonomen  der Ricardo-Schule suchten Antworten auf die Fragen
       zu finden, die von Ricardo nicht oder nicht zufriedenstellend ge-
       löst waren  und in  der ökonomischen  Literatur der  20er -  30er
       Jahre des 19. Jahrhunderts diskutiert wurden.
       Die Polemik  um die  Theorie Ricardos war objektiv mit den schwa-
       chen und  anfechtbaren Stellen  seiner Theorie  verbunden. Es war
       Ricardo nicht  gelungen, das  Problem des  Verhältnisses von Wert
       und Gebrauchswert  der Ware  zu lösen, was den Anhängern der Nut-
       zentheorie ihre  Kritik erleichterte.  Ungeklärt blieb  der  Aus-
       tausch zwischen Arbeit und Kapital auf der Grundlage der Arbeits-
       werttheorie. Dies  bedeutete wiederum,  daß das  Problem der Her-
       kunft des  Profits nicht gelöst wurde, obgleich die äußerst wich-
       tige Aussage Ricardos über die entgegengesetzte Bewegung von Pro-
       fit und Arbeitslohn in gewissem Sinn die ausbeuterische Natur des
       Profits aufdeckte.  27) Weiter unterschied Ricardo nicht zwischen
       Profit und  Mehrwert und vermochte nicht zu erklären, warum Kapi-
       tale gleicher  Größe, die sich jedoch durch eine unterschiedliche
       Quantität angewandter  lebendiger Arbeit  unterscheiden, trotzdem
       gleichen Profit  erzielen. Auf  den ersten Blick widersprach dies
       auch der Arbeitswerttheorie.
       Dem Studium  der Arbeiten  von MacCulloch und J. St. Mill ging in
       den Manchester-Heften  eine Analyse  der Auffassungen einiger der
       Kritiker der  Theorie Ricardos voraus - des amerikanischen Ökono-
       men Thomas  Cooper, ferner  William Atkinsons  und Nassau William
       Seniors. Sie  bestritten von  verschiedenen Standpunkten  aus die
       Arbeitswerttheorie Ricardos,  indem sie  den Wert mit dem Tausch-
       wert und  den Produktionskosten  gleichsetzten. Cooper,  der  mit
       Recht die Bedeutung des Moments der Realisierung der Ware hervor-
       hob, ohne  die sie  "werthlos" bleibe, reduzierte den Begriff des
       "Tauschwerts" der Ware auf die Schwankungen von Angebot und Nach-
       frage. Von  den gleichen  Positionen aus kritisierte Atkinson die
       Bestimmung des  Werts der  Ware  durch  die  Arbeitszeit.  Senior
       wiederum meinte,  es sei  unmöglich zu  verstehen, was einer Ware
       unter den  Bedingungen eines  beschränkten Angebots  Nutzen  ver-
       leiht. 28)
       Marx' Exzerpte  in den  Manchester-Heften zeigen die quälerischen
       Versuche der  Ricardo-Schule, das  Problem der  Quelle des  Werts
       (Arbeit) und  des Zentrums  der  Preisschwankungen  (Produktions-
       kosten) miteinander zu vereinen. MacCulloch, so stellt Marx fest,
       versuchte  dieses   Problem   durch   eine   Unterscheidung   von
       "Realwerth" und  "relativem oder Tauschwerth" zu lösen, unter dem
       er die  "Kaufmacht von  certain quantities  of labour,  oder  von
       anderen Waaren"  29) verstand.  Dieser Auszug von Marx zeigt, daß
       jener  Autor   nicht  den   Unterschied  zwischen  dem  Austausch
       verschiedener Waren  und dem  Austausch von  Waren  gegen  Arbeit
       erkannte. Dabei  erstreckte sich  bei Ricardo,  von dem  die  Un-
       terscheidung zwischen  dem wirklichen und dem Tauschwert oder dem
       relativen Wert  übernommen wurde, der Begriff des relativen Werts
       nicht auf  die Arbeit.  Denn in  diesem Falle würde, wenn man den
       Austausch der  Waren (einschließlich  der "Ware Arbeit") als Aus-
       tausch von  Äquivalenten betrachtet,  die Quelle des Profits ver-
       schwinden - die Grundlage der kapitalistischen Produktion. Es ist
       bemerkenswert, daß Marx in dem Exzerpt MacCullochs Bestimmung des
       Werts unmittelbar auf dessen Erklärung der Profitquelle bezog (im
       Buch MacCullochs  sind diese Aussagen durch anderes Material von-
       einander getrennt),  aus welcher folgte, daß der Profit aus einem
       ständigen Überschuß  des Tauschwerts  über den  Wert  entspringt:
       "Der Tauschwerth  keiner Waare  kann wechseln ohne zu verursachen
       eine  simultane  Variation  in  dem  Tauschwerth  aller  der  Sa-
       chen/Waaren, womit  sie verglichen  sind. In  point of  fact,  it
       (eine Waare)  will always exchange for more (Arbeit, als sie pro-
       ducirt hat);  and  it    i s    t h i s    e x c e s s    t h a t
       c o n s t i t u t e s   p r o f i t s".  30) Obwohl dieser Auszug
       im Exzerpt  unkommentiert blieb  und nur  durch eine Randanstrei-
       chung hervorgehoben wurde (die auch bedeutend später gemacht sein
       kann, etwa  in den  60er Jahren,  als Marx am Manuskript von 1861
       bis 1863  arbeitete), ist für diese Forschungsetappe die Tatsache
       wichtig, daß  ein enger  Zusammenhang zwischen den Begriffen Wert
       und Profit (Mehrwert) konstatiert wurde.
       Während des Exzerpierens von J. St. Mills "Essays on some unsett-
       led questions  of political economy" macht sich Marx mit den Ver-
       suchen der Ricardo-Schule bekannt, das Problem der Profitrate auf
       der Basis  von Ricardos  Feststellung über  die Gegensätzlichkeit
       von Profit  und Arbeitslohn  zu lösen.  Beim Studium dieser Frage
       lenkt Marx  das Augenmerk  auf Mills (jun.) Verständnis des Kapi-
       tals nicht  nur als einer Gesamtheit der stofflichen Elemente der
       Produktion, sondern  auch als  "Quantität der  realen productiven
       Macht, welche  der Capitalist,  vermittelst seines Capitals, com-
       mandiren kann".  31) Für  Marx mußte diese Bestimmung interessant
       sein, weil sie faktisch ein Verständnis des Kapitals als  Produk-
       tions v e r h ä l t n i s   und nicht  als    G e g e n s t a n d
       zum Ausdruck brachte.
       Mill versuchte  in den  "Essays on some unsettled questions", den
       Äquivalentcharakter des  Austauschs zwischen  Arbeit und  Kapital
       durch eine Reduktion des Werts der Ware auf die Größe des dem Ar-
       beiter ausgezahlten  Lohns zu  begründen. Indem  er die Wertgröße
       durch die  Produktionskosten bestimmte,  behauptet Mill zunächst,
       daß die Ersetzung des in der Produktion der Ware verausgabten Ka-
       pitals identisch  ist mit  dem Ersatz  des Arbeitslohns. "Die Ar-
       beit, verwandt  im Machen  der tools und materials hinzugefügt zu
       der Arbeit  später employed  in working  up the materials vermit-
       telst der  Maschinen, gibt  die Totalsumme,  das Ganze der Arbeit
       verwandt in  der Production  der completed commodity. Capital er-
       setzen, daher  nichts als  ersetzen die  wages of  the labour em-
       ployed." 32) Obwohl er dann den Profit aber nicht nur im Verhält-
       nis zum  Arbeitslohn begriff, sondern, wie Marx unterstreicht, im
       "Verhältniß zwischen  dem Preiß der Arbeit, Maschinen etc und ih-
       rem Product" 33) (worin bei Mill eine Andeutung auf das konstante
       Kapital aufschimmert),  leitet er  trotzdem den Profit wieder un-
       mittelbar, wie  Ricardo, aus dem Gegensatz allein zum Arbeitslohn
       ab.
       Mill bemerkt genau wie damals Marx nicht den offensichtlichen Wi-
       derspruch seiner Aussagen und wiederholt weiterhin, daß "the only
       expression of  the law  of profits ... ist, that they depend upon
       the cost of production of wages." 34)
       Erst bei  seinen späteren  Analysen dieser Auszüge in den Manche-
       ster-Heften kommt  Marx zu dem Schluß (1861-1863), daß diesen Wi-
       dersprüchen Mills  die Gleichsetzung  von Mehrwert und Profit zu-
       grunde liegt:  "Mill unterscheidet  den Mehrwerth  nicht vom Pro-
       fit". 35)
       Indem Marx die Behandlung des Profits, der Profitrate, die Erklä-
       rung ihres tendenziellen Falls durch J. St. Mill im Detail repro-
       duzierte, war  er, wie  der Charakter  dieser Auszüge beweist, in
       der Manchester-Periode  noch nicht  in der Lage, die Versuche der
       Ökonomen der  Ricardo-Schule kritisch  zu rezipieren, die Theorie
       Ricardos weiterzuentwickeln;  diese Versuche  führten schließlich
       zu ihrer Vulgarisierung und zum Zerfall der Schule Ricardos. Noch
       weniger konnte Marx in dieser Periode eine eigene Antwort auf die
       von MacCulloch  und Mill aufgeworfenen äußerst komplizierten Fra-
       gen der ökonomischen Theorie geben. Eine solche Antwort hätte nur
       auf der  Basis der  Marxschen Theorie  von Wert und Mehrwert, von
       Durchschnittsprofit und  Produktionspreis gegeben  werden können.
       Ohne die Bedeutung der reiferen Analyse der Arbeiten anderer Ver-
       treter der  Ricardo-Schule -  Torrens, Bailey, De Quincey u.a. -,
       wie sie  von Marx  in den 50er - 60er Jahren vorgenommen wird, zu
       verringern, kann  man davon ausgehen, daß die in Manchester ange-
       fertigten Exzerpte  der Arbeiten  von MacCulloch und J. St. Mill,
       den bedeutendsten  Figuren dieser Richtung der bürgerlichen poli-
       tischen Ökonomie,  Marx als  äußerst wichtiges  Material für  die
       Analyse des  Auflösungsprozesses der  Ricardo-Schule dienten.  Er
       führt ihn  im Manuskript  von 1861  bis 1863 bekanntlich auf zwei
       Punkte zurück: "1. Austausch zwischen Capital und Arbeit, dem Ge-
       setz des  Werths entsprechend;  2. Bildung  der allgemeinen  Pro-
       fitrate. Identification  von Mehrwerth  und Profit. Unverstandnes
       Verhältniß zwischen values und costprices". 36)
       Wir konnten hier nur auf einige der theoretischen Probleme einge-
       hen, die  in den Manchester-Heften von Marx erörtert werden. Aber
       bereits eine  solche kurze  und selektive  Analyse  dieser  Hefte
       zeugt davon,  daß das in Manchester vorgenommene Studium der eng-
       lischen bürgerlichen  politischen Ökonomie  der 20er - 40er Jahre
       des 19.  Jahrhunderts Marx umfangreiches neues und wertvolles Ma-
       terial für die Begründung des Gegensatzes von Arbeit und Kapital,
       für die  Analyse der  Krisen, der Konkurrenz, des Geldes u.a. er-
       brachte. Zudem  führte es  Marx  in  einen  neuen  Kreis  äußerst
       schwieriger theoretischer  Probleme ein, die er in dieser Periode
       noch nicht  lösen konnte.  Aber ohne  ihre Lösung war die Nieder-
       schrift des  theoretischen Teils  der "Kritik der Politik und der
       politischen Ökonomie",  wenn sie  damals überhaupt  schon möglich
       war, kaum  zu leisten. Dies war offensichtlich einer der wichtig-
       sten Gründe  dafür, daß Marx - trotz aller Pläne, trotz der stän-
       digen Forderungen Leskes und der Wünsche von Engels - nach seiner
       Rückkehr aus  Manchester nicht mit der Arbeit an der "Kritik" be-
       gann.
       Es bedurfte  noch fast  15 Jahre  vertieften Studiums, bevor Marx
       die "Grundrisse"  schuf, die  erste Variante  seines ökonomischen
       Hauptwerks. Die  Manchester-Hefte von  1845 dienten  zusammen mit
       den Pariser  und Brüsseler Heften der 40er Jahre und den Londoner
       Heften der  50er Jahre als die Grundlage, auf der jene revolutio-
       näre  Umwälzung  in  der  politischen  Ökonomie  begonnen  werden
       konnte, die ihren Abschluß im "Kapital" fand.
       
       Übersetzung: Gert Meyer.
       
       _____
       1) MEGA IV, 7, S. 17*.
       2) MEGA III, 1, S. 260-261. MEW 27, S. 16.
       3) MEGA III, 1, S. 458.
       4) Vgl. MEGA IV, 2. (Siehe auch erste MEGA, 1. Abt., Band 6, Ber-
       lin 1932, S. 597-618).
       5) Karl Marx, Über Friedrich Lists Buch "Das nationale System der
       politischen Ökonomie",  abgedr. in:  Beiträge zur  Geschichte der
       Arbeiterbewegung 3/72, S. 425 ff., hier S. 432.
       6) Ebenda, S. 426.
       7) MEW 4, S. 175.
       8) MEGA II, 5, S. 214. MEW 23, S. 288.
       9) MEGA IV, 4, S. 8.
       10) Ebenda, S. 46.
       11) Ebenda, S. 8.
       12) Ebenda, S. 48,
       13) Ebenda, S. 22.
       14) MEGA II, 3.4, S. 1300. MEW 26.3, S. 105/106.
       15) MEW 25, S. 509.
       16) Als er  auf eine ähnliche Erklärung der Ursachen für die Kri-
       sen in  der Arbeit von J. St. Mill "Essyas on some unsettled que-
       stions of  political economy"  (die dieser von seinem Vater James
       Mill übernommen  hatte) stieß,  bemerkte Marx: "Wenn gesagt wird,
       z.B. von  old Mill,  daß demand und Zufuhr identisch ist, so ver-
       gißt er,  abgesehen vom  G e l d punkt  (es handelt sich nicht um
       Tauschhandel), daß  jeder von dem ändern kaufen will, um mit Pro-
       fit zu  verkaufen, nicht um irgend ein unmittelbares Bedürfniß zu
       befriedigen." MEGA IV, 4, S. 145.
       17) Engels hat  zuerst ausführlich  Tookes "A  history of prices"
       konspektiert. Marx  fertigte zunächst  einen Teil seiner Exzerpte
       nach Engels'  Konspekt an,  dann konspektierte er das ihn am mei-
       sten interessierende  Material über  die Krisen von 1819 und 1825
       nach dem  Buch. Als  er bei der Krise von 1837 angelangt war, no-
       tierte er:  "Über das Weitere siehe Engels Excerpte." MEGA IV, 4,
       S. 145.
       18) MEGA II, 1.1, S. 3. Grundrisse, S. 843.
       19) Vgl. MEGA IV, 7. Siehe auch: L. Wassina, Die Ausarbeitung der
       Geldtheorie durch  Karl Marx  in den Londoner Heften (1850-1851),
       in: Marx-Engels-Jahrbuch, Band 6, Berlin 1983, S. 148-172.
       20) MEGA IV, 4, S. 126.
       21) Ebenda, S. 121-122.
       22) Ebenda, S. 102.
       23) Ebenda, S. 112.
       24) Ebenda, S. 256.
       25) MEGA II, 3.3, S. 772. MEW 26.2, S. 113/114.
       26) MEGA II, 3.2, S. 465-466. MEW 26.3, S. 190.
       27) Es sei  darauf hingewiesen,  daß Marx  bereits in  Paris beim
       Studium der  französischen Übersetzung  von Ricardos "Principles"
       die wissenschaftliche  Redlichkeit Ricardos  bei der Untersuchung
       des Verhältnisses von Profit und Arbeitslohn hoch einschätzte; er
       unterstrich, daß  "vom  Nationalökonomischen  Gesichtspunkt"  die
       Lehre Ricardos "wahr und consequent" sei. MEGA IV, 2, S. 421.
       28) MEGA IV, 4, S. 234.
       29) Ebenda, S. 276.
       30) Ebenda.
       31) Ebenda, S. 346.
       32) Ebenda, S.  347. Vgl.  MEGA II, 3.2, S. 466 bzw. MEW 26.3, S.
       190.
       33) Ebenda.
       34) Ebenda, S. 349.
       35) MEGA II, 3.2, S. 466. MEW 26.3, S. 191.
       36) MEGA II, 3.4, S. 1370. MEW 26.3, S. 233.
       

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