Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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       ZUSAMMENFASSUNGEN
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       Hans Jörg Sandkühler
       
       Geschichtlicher Raum und gesellschaftliche Zeit des Marxismus -
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       K. Marx, F. Engels, MEW, MEGA
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       Das Werk von Marx und Engels und der Marxismus müssen in der Per-
       spektive der gesellschaftlichen Bewegung, des Ganzen ökonomischer
       Gesellschaftsformationen interpretiert werden. Das Werk löst sich
       im historischen  Prozeß der  Vergesellschaftung von den Urhebern:
       es vollendet  sich in  dem Maße,  wie es der Wissenschaft und der
       sozialistischen Bewegung  bekannt wird.  Das eigentliche "Werk im
       Werden" ist erst die MEGA ². Hinweise zur Geschichte der Marx-En-
       gels-Editionen und  Argumente zur Geschichtlichkeit des Marxismus
       münden in eine Kritik an der These "Krise des Marxismus".
       
       
       Erich Kundel/Alexander Malysch
       
       Die neuen Schwerpunkte der Marx-Engels-Forschung in der
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       DDR und UdSSR in den nächsten fünf Jahren MEGA-Edition
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       Bis 1990  werden weitere  17 Bände  der Marx-Engels-Gesamtausgabe
       erscheinen. Über  deren Inhalt  sowie über  die Hauptschwerpunkte
       der begleitenden  Forschung berichten die Leiter der Marx-Engels-
       Abteilungen der beiden Herausgeberinstitute in Berlin und Moskau.
       Es geht erstens um den Schaffenszeitraum von 1844 bis 1849; zwei-
       tens um  die Tätigkeit  von Marx  und Engels in den 50er und 60er
       Jahren; drittens um den dritten "Kapital"-Entwurf (1863-65) sowie
       die Nachauflagen  des ersten Bandes und viertens um die Tätigkeit
       von Marx und Engels von den 70er Jahren bis zu ihrem Lebensende.
       
       
       Gian Mario Bravo
       
       Der "Marxismus von Marx" als politische Theorie
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       Die politische  Theorie des  Marxismus  ist  wesentlich  die  ge-
       schichtliche Theorie  vom Klassenkampf.  Sie hat  ihren Ausgangs-
       punkt im  "Kommunistischen Manifest"  von 1848. Dessen Entstehung
       ist entscheidend eine kollektive Leistung der internationalen und
       deutschen Arbeiterbewegung,  zu der  die politisch aktiven Denker
       Marx und  Engels als ideellen Beitrag den Gedanken der geschicht-
       lichen Gebundenheit  des Klassenkampfes  an bestimmte historische
       Entwicklungsstufen  beitrugen.   Der  kritische  Kommunismus  des
       "Manifests" bleibt im Kapitalismus wissenschaftlich und politisch
       aktuell als  revolutionäres Projekt  der Umwandlung  der  Gesell-
       schaft durch  das Proletariat - trotz dessen innerer Strukturver-
       änderungen.
       
       
       Lothar Knatz
       
       Wissenschaftlicher Sozialismus und Arbeiterkommunismus
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       Karl Marx  gilt gemeinsam  mit Friedrich Engels als der Begründer
       des wissenschaftlichen Sozialismus. Als bloßes Statement verkommt
       dieser Satz  zur Phrase; die Aneignung des wissenschaftlichen So-
       zialismus als  gesellschaftlicher Emanzipationstheorie  setzt die
       Rekonstruktion seiner historischen Gewordenheit voraus. Das Marx-
       sche Theorie-Programm  entwickelt sich  in den  1840er Jahren  im
       Prozeß theoretischer  Auseinandersetzung und  praktischer  Erfah-
       rung. Ein  wesentlicher Bezugspunkt  ist dabei der Arbeiterkommu-
       nismus Weitlingscher Prägung. In der Diskussion über die Begriffe
       'Kritik', 'positive  Wissenschaft' und  'System' entwickelt  Marx
       dabei einen  Theorie-Typus, der  sich in  Status und Funktion für
       die soziale Emanzipationsbewegung deutlich von anderen Theoriean-
       geboten unterscheidet.
       
       
       Werner Goldschmidt
       
       Bruno Bauer als Gegenstand der Marx-Forschung
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       Die Entwicklung  des idealistischen Philosophen und Religionskri-
       tikers Bruno  Bauer, eines  engen Freundes von Marx bis 1842, da-
       nach vorübergehend Hauptadressat Marxscher Kritik am junghegelia-
       nischen Idealismus, ist in der Marx-Forschung erst ungenügend un-
       tersucht. Der  Autor teilt  Bauers Entwicklung  im Jahrzehnt  von
       1835 bis  1845 in drei Phasen ein: 1. diejenige der "spekulativen
       Theologie" (1835-1839); 2. die der "Philosophie des Selbstbewußt-
       seins" (1839-1843);  3.  die  der  "reinen  Kritik"  (1843-1845).
       Schließlich wird  noch das  Verhältnis zwischen Bauer und Marx im
       Kontext der  Entwicklung des  wissenschaftlichen Sozialismus the-
       senhaft untersucht.
       
       
       Niels Mader
       
       Philosophen, Ideologen und Deutsche Ideologie:
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       Charles Fouriers Bedeutung für Friedrich Engels
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       Im Spannungsfeld  von Philosophie  und Ökonomie sind es nicht nur
       die ökonomiekritischen  Gedanken Fouriers,  die Bedeutung für En-
       gels und  Marx erhalten,  sondern ebensosehr  die ideologiekriti-
       schen und  -theoretischen Einwände Fouriers gegen die Philosophen
       und die Philosophie der Perfektibilität der Zivilisation. Fourier
       weiß um  den Zusammenhang  von "verkehrter  Welt" und "verkehrtem
       Bewußtsein" dieser  Welt, der  nur in der sozialen Reorganisation
       zu durchbrechen  ist. In  der Auseinandersetzung von Marx und En-
       gels mit  den "deutschen  Ideologen" wurden Fouriers Gedanken zum
       Ausgangspunkt prinzipieller  Absage an  verselbständigte Philoso-
       phie.
       
       
       Martin Hundt
       
       Zehn Thesen über die Kölner Zentralbehörde des
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       Bundes der Kommunisten (1850/51)
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       Die Spaltung  des Bundes  der Kommunisten im Herbst 1850 wird ge-
       wöhnlich als  sein Ende  betrachtet. Die  neue Forschungslage er-
       laubt eine  historisch gerechtere  Einschätzung. Zwischen  Herbst
       1850 und der Verhaftungswelle im Mai 1851 nahm die erste interna-
       tionale und  zugleich erste deutsche revolutionäre Partei der Ar-
       beiterklasse noch  einmal einen  hervorragenden Aufschwung  - und
       zwar unter  der Leitung  der von  London nach Köln verlegten Zen-
       tralbehörde. In  engem Kontakt mit Marx, dem Präsidenten der vor-
       angegangenen Zentralbehörde,  entfaltete die Kölner Parteiführung
       ein Dreivierteljahr lang intensive organisatorische und propagan-
       distische politische Tätigkeit, unter den erschwerten Kampfbedin-
       gungen nach der Niederlage der Revolution.
       
       
       Helmut Elsner
       
       Zur Erstveröffentlichung von Roland Daniels' "Mikrokosmos"
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       Roland Daniels (1819-1855) gehörte zu den rheinischen Ärzten, die
       sich politisch  der Arbeiterbewegung  verbunden fühlten und aktiv
       im Bund  der Kommunisten wirkten. Während eines Studienaufenthal-
       tes in Paris 1844/45 lernte Daniels Karl Marx kennen. Sie blieben
       brieflich, während  der Revolution  1848/49 wieder persönlich und
       danach notgedrungen  auf schriftlichem  Wege in  engstem Kontakt.
       Nach Vorträgen  über Physiologie im Kölner Arbeiterbildungsverein
       schrieb Daniels  1850/51 ein  umfangreiches Manuskript "Mikrokos-
       mos. Entwurf  einer physiologischen  Anthropologie", das  er nach
       Kritik von  Marx überarbeitete.  Infolge  der  1851  einsetzenden
       Kommunistenverfolgungen konnte es damals nicht gedruckt werden.
       
       
       Ferdinande Vidoni
       
       Das Laboratorium von Marx:
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       Die Bedeutung der Naturwissenschaften für das Marxsche Werk
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       Marx selbst  (nicht nur  Engels) war  an den  Naturwissenschaften
       sehr interessiert.  In diesen fand er erstens methodologische An-
       weisungen oder Analogien für das Verfahren seiner historisch-öko-
       nomischen Theorie.  Außerdem fand  er Inhalte, d. h. konkrete In-
       formationen (aus  der Technologie, der Agrarchemie usw.), die für
       diese Theorie  nützlich waren, und endlich benutzte er manche na-
       turwissenschaftlichen Erkenntnisse  (Evolutionismus,  Gesetz  der
       Erhaltung der  Kraft usw.) für die Ausarbeitung seiner materiali-
       stischen Weltanschauung. Die dynamische, durch die neueren natur-
       wissenschaftlichen Theorien ermöglichte Vorstellung der Natur kam
       Marx' dialektischem Standpunkt sehr entgegen.
       Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 12, 1987, S. 123-128
       
       Konrad Lotter
       
       "Positivismus" - Kritik und "positive Theorie"
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       bei Marx und Engels
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       Marx und  Engels kritisieren  einerseits den "falschen Positivis-
       mus" der idealistischen Philosophie (Hegel), der Nationalökonomie
       (Smith) und des Positivismus (Comte), andererseits nehmen sie den
       Begriff der  Positivität selbst  für ihre Theorie (und Praxis) in
       Anspruch. Trotz einiger Parallelen zum (Neo-)Positivismus des 20.
       Jhdts. überwiegen  die Gegensätze,  die in  der unterschiedlichen
       Auffassung des "Positiven" selbst ihre Grundlage haben.
       
       
       Manfred Hahn
       
       Forschung und popularisierende Literatur
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       in der Sowjetunion zum Sozialismus vor Marx
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       In der  Sowjetunion besteht  eine lange Tradition der Erforschung
       des Sozialismus  vor Marx, des utopiceskij socializm. Dieser Tra-
       dition nachgehend  vergegenwärtigt der  Aufsatz wichtige Teilent-
       wicklungen im  Prozeß der  Durchsetzung und  des institutionellen
       Absicherns marxistischer Forschung zur Ideengeschichte der sozia-
       len Bewegung.  Er bezieht sich auf sieben Jahrzehnte eigengearte-
       ter Interpretation,  die von hergebrachten Verständnissen des So-
       zialismus vor  Marx abweicht.  Schwerpunkte der  Forschung kommen
       zur Sprache, daneben deren besonderes Interesse an Quellenstudium
       und Quellenedition.
       
       
       Ljudmila Wassina
       
       Die Manchester-Exzerpthefte von Marx im Sommer 1845
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       Nach seiner  Hinwendung zur Arbeitswerttheorie förderte die erste
       gründliche Auseinandersetzung  mit  den  englischen  bürgerlichen
       Ökonomen die  Weiterentwicklung der Marxschen Positionen. Erstens
       reifte seine hohe Wertschätzung Pettys als "Vater der politischen
       Ökonomie" heran. Zweitens bereitete die Lektüre von Tookes Wider-
       legung der  Krisenerklärung  aus  Störungen  der  Geldzirkulation
       seine eigenen  Methoden zur Krisenerklärung vor. Drittens beginnt
       seine Kritik  an der  Malthusschen Bevölkerungstheorie.  Viertens
       lernt er  über die  Ricardoschüler MacCulloch und J. St. Mill ei-
       nige der  erst später  von ihm selbst beseitigten Mängel Ricardos
       kennen.
       Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 12, 1987, S. 152-162
       
       
       Wolfgang Jahn
       
       Die "Londoner Hefte 1850-1853" in der Entwicklung
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       der politischen Ökonomie von Karl Marx
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       Eine Analyse der 24 Londoner Hefte weist diese als einen Wissens-
       speicher  aus,  auf  den  sich  Marx  bei  der  Ausarbeitung  der
       "Grundrisse" 1857/58  stützen konnte. Zugleich dokumentieren sie,
       daß sich  der Marxsche  Forschungsprozeß - in Erwartung der näch-
       sten Wirtschaftskrise  und eines neuen revolutionären Aufschwungs
       begonnen -  mehrstufig vollzog:  Marx faßte  die Erkenntnisse der
       bürgerlichen Ökonomen  nicht nur zusammen, er überprüfte und kom-
       mentierte sie,  legte kleine Monographien zur Selbstverständigung
       an. Die  Erschließung aller  Hefte in der ME-GA gestattet, besser
       die Methode  kennenzulernen, die schließlich zur Revolutionierung
       der politischen Ökonomie führte.
       
       
       Jörg Goldberg
       
       Die Beobachtung der kapitalistischen Weltwirtschaftskrise
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       von 1857/58 durch Marx und Engels und die Entwicklung der
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       Krisentheorie
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       Die Weltwirtschaftskrise  von 1857/58  war  die  erste  zyklische
       Krise auf der Grundlage eines industriell entwickelten und inter-
       national ausgebreiteten  Kapitalismus. Marx und Engels verfolgten
       diese Krise  intensiv, einmal weil sie von ihr revolutionäre Wir-
       kungen erwarteten, zum anderen weil sie empirisches Material über
       den Zusammenhang zwischen Kreditwesen, Welthandel und industriel-
       ler Produktion  brachte. Dabei erkennt Marx, daß es keinen unmit-
       telbaren Zusammenhang  zwischen Edelmetallvorräten, Geldmenge und
       wirtschaftlicher Aktivität  gibt. Darüber  hinaus zeigt sich, daß
       die Grundlage  des industriellen Zyklus das fixe Kapital ist, daß
       erst ein  industriell entwickelter  Kapitalismus die  Gesetze der
       kapitalistischen Produktionsweise zur vollen Entfaltung bringt.
       
       
       Michael Ternowski/Alexander Tscherpurenko
       
       "Grundrisse": Probleme des zweiten und dritten Bandes des
       ---------------------------------------------------------
       "Kapitals" und das Schicksal des Begriffs des "Kapitals im
       ----------------------------------------------------------
       Allgemeinen"
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       Die  These   lautet,  daß   der   strukturierende   Begriff   der
       "Grundrisse", nämlich das "Kapital im Allgemeinen" von vornherein
       zu eng  war, um eine umfassende Analyse des Zirkulationsprozesses
       und des  Profits zuzulassen.  Ohne die  von jenem  Begriff ausge-
       schlossene Wechselbeziehung  der Kapitale untereinander sind u.a.
       Kreislauf und  Gesamtreproduktionsprozeß des  Kapitals  bzw.  der
       Fall der Profitrate nicht angemessen zu entwickeln. Marx' spätere
       Arbeit ist  keine Vertiefung  des "Kapitals im Allgemeinen", son-
       dern die Abkehr von dessen "abstrakt-allgemeiner" Form.
       
       
       Irina Antonowa
       
       Zu Forschungsmethode und Struktur des "Grundrisse"-Manuskripts
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       von 1857-1858
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       Der erste  "Kapital"-Entwurf -  im Januar 1857 begonnen, dann un-
       terbrochen und  im Oktober wieder aufgenommen - zeigt stärker als
       der fertige  Band die Erarbeitung der Logik des Aufstiegs vom Ab-
       strakten zum Konkreten. Bezeichnend für Marx ist sein konkret-hi-
       storisches Herangehen  an die  Produktionsweise, die er auf hohem
       Reifegrad untersucht,  von dem aus erst ihre Entstehung erschlos-
       sen werden kann. Die diversen methodologischen Überlegungen, the-
       matischen Abschweifungen  und Exkurse  zur bürgerlichen  Ökonomie
       sind nicht disfunktional zur systematischen Textentwicklung, son-
       dern notwendige Selbstverständigungsschritte auf dem Weg zu ihr.
       
       
       Joachim Bischoff/Axel Otto
       
       Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses
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       Im  einzigen   überlieferten  Kapitel   des  ersten   Buches  des
       "Kapital"-Manuskripts von  1863-85 untersucht  Marx u. a. den Un-
       terschied zwischen  der Ware  als Voraussetzung  und als Resultat
       des Produktionsprozesses. Anhand der Bestimmung Waren als Produkt
       des Kapitals  diskutiert er  das sich  verändernde Verhältnis von
       Wert- und Preisbestimmung, damit den Zusammenhang zwischen allge-
       meinem Begriff  des Kapitals,  gesamtwirtschaftlichen Dimensionen
       des Wertgesetzes und ihren oberflächlichen Erscheinungsformen. Es
       ist verständlich,  daß Marx  infolgedessen seine Arbeit nicht di-
       rekt mit dem 2. Buch, sondern mit dem 3. Buch fortsetzt.
       
       
       Winfried Schwarz
       
       Die Geldform in der 1. und 2. Auflage des "Kapital"
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       Das Geld  wird in der 1. Auflage des "Kapital" noch nicht im Rah-
       men der  Wertformanalyse betrachtet, sondern erst im Kapitel über
       den wirklichen  Austauschprozeß, weil  es keine  ideelle Wertform
       ist, sondern  eine gesellschaftlich  real gewordene.  Die Herein-
       nahme der  Geldform in  die Wertformanalyse in der 2. Auflage er-
       leichtert zwar dem Leser das Verständnis des inneren Zusammenhan-
       ges des Geldes mit der Ware, erleichtert aber auch die Fehlinter-
       pretation, daß Marx die vorkapitalistische Entwicklungsgeschichte
       der Geldbildung  intendiere. Das Marxsche Vorgehen in der 2. Auf-
       lage erklärt  der Autor nicht mit "methodologischer Unsicherheit"
       (Backhaus) oder "Reduzierung der Dialektik" (Göhler), sondern mit
       der bewußten  Absicht, die  Wirkung des "Kapital" durch leichtere
       Verständlichkeit der Wertformanalyse zu erhöhen.
       
       
       Barbara Lietz
       
       Die "Ergänzungen und Veränderungen zum ersten Band des 'Kapitals'
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       (Dezember 1871 - Januar 1872)" von Karl Marx
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       Marx hat  die wichtigen  Veränderungen an der Werttheorie von der
       1. zur  2. Auflage des ersten Bandes des "Kapitals" weitgehend in
       einem Manuskript vorbereitet, welches im MEGA-Band II, 6 erstmals
       veröffentlicht wird.  Präziser erfaßt  werden darin u.a. die Ver-
       sachlichung der  gesellschaftlichen Verhältnisse,  die Natur  von
       Wertsubstanz und Wertgröße, die abstrakte Arbeit und insbesondere
       der Zusammenhang zwischen dem Wertbegriff und der Wertform.
       Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 12, 1987, S. 220-225
       
       
       Jürgen Jungnickel
       
       Zur Textveränderung von der 1. zur 2. deutschen Auflage
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       des ersten Bandes des "Kapitals"
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       Die Veränderungen  an Text  und Gliederung  der  2.  Auflage  des
       "Kapitals" von  1872/73 (erscheint  in: MEGA II, 6) gegenüber der
       Erstauflage von 1867 haben sowohl innertheoretische als auch wir-
       kungsgeschichtliche Ursachen.  Eine  übersichtlichere  Gliederung
       (Arbeitslohn als  selbständiger Abschnitt),  die Beseitigung  der
       doppelten Darstellung  der Wertformalanalyse sollten die Aufnahme
       des Werks  in der  Arbeiterbewegung fördern.  Theoretischer Natur
       sind z.B. die eindeutigere Unterscheidung zwischen Arbeit und Ar-
       beitsprozeß, zwischen  Technologie und  Technik oder  die weitere
       Präzisierung des  Begriffes der  organischen  Kapitalzusammenset-
       zung.
       
       
       Witali S. Wygodski
       
       Die ökonomische Theorie von Marx als politische Ökonomie
       --------------------------------------------------------
       im weiteren Sinne
       -----------------
       
       Obwohl die  bürgerliche Produktionsweise  sein eigentliches  For-
       schungsthema war,  entwickelte Marx auch eine politische Ökonomie
       "im weiteren  Sinne". Das  heißt erstens, daß er im Rahmen seiner
       Auffassung von der gesetzmäßigen Ablösung einer Gesellschaftsfor-
       mation durch  die nächsthöhere  den  Kapitalismus  als  Glied  im
       welthistorischen Prozeß  betrachtete, daß  er zweitens von diesem
       Standpunkt aus  vorkapitalistische Formationen erforschen und die
       künftige kommunistische Formation in allgemeinen Zügen prognosti-
       zieren konnte  und daß er drittens die - wenigen - ganz allgemei-
       nen Gesetze  jeder Produktionsweise  formulierte. Letztere gewann
       er dadurch,  daß er  bei bestimmten  ökonomischen Kategorien zwi-
       schen ihrem stofflichen Inhalt und ihrer sozialen Form trennte.
       
       
       Wladimir Schkredow
       
       Die Untersuchungsmethode der Entstehungs- und
       ---------------------------------------------
       Entwicklungsgeschichte der kapitalistischen
       -------------------------------------------
       Produktionsweise im "Kapital"
       -----------------------------
       
       Das "Kapital"  ist die  theoretische ("logische") Widerspiegelung
       objektiv vorhandener,  keineswegs vergangener  ökonomischer  Pro-
       zesse. Die Vorgeschichte des Kapitalismus wird daher vor allem in
       Form retrospektiver Abhandlungen betrachtet. Grundlage dieser Me-
       thode ist,  daß nur in der entwickelten, reifen Form zugleich die
       spezifischen historischen  Züge des jeweiligen Gegenstandes voll-
       ständig hervortreten, deren Kenntnis erst erlaubt, seine histori-
       sche Genesis zu erklären. Was die Entwicklungsgeschichte des her-
       ausgebildeten Kapitalismus  selber betrifft,  warnt der Autor vor
       einer unvermittelten  Verknüpfung der  theoretischen Aussagen des
       "Kapitals" mit den veränderten Fakten seit dem Tode von Marx. Die
       historisch veränderte  Struktur der kapitalistischen Produktions-
       weise müsse  vielmehr, wie der Kapitalismus zu Lebzeiten von Marx
       im "Kapital",  eine angemessene theoretische bzw. logische Wider-
       spiegelung erfahren.
       
       
       Wiktor A. Wasjulin
       
       Das Historische und Logische in der Methodologie von Karl Marx
       --------------------------------------------------------------
       
       Das Problem  des Historischen  und Logischen ist von Marx und En-
       gels nicht  gegensätzlich, sondern unter unterschiedlichen Aspek-
       ten hervorgehoben  worden. Während  es für  Engels' Rezension von
       1859 genügte,  allgemein die  Einheit beider Methoden zu betonen,
       die je  auf ihre Weise einen Entwicklungsprozeß ausdrücken, mußte
       Marx das  im Logischen abgebildete Historische stärker unterglie-
       dern. Bestimmend  für die  logische Abfolge im "Kapital" wird bei
       ihm der  historisch-transitorische Gegenstand  im Stadium  seiner
       historischen Reife,  in seiner  gewordenen inneren  Struktur. Die
       davon zu unterscheidenden historischen Abfolgen einzelner Momente
       des Gegenstands  im geschichtlichen Entstehungsprozeß bzw. ganzer
       Gesellschaftsformationen kommen  ebenfalls im "Kapital" vor. Aber
       auch sie sind in ihrer Abbildung im Denken "Logisches".
       
       
       Teinosuke Otani / Iichiro Sekine
       
       Beschäftigung mit Marx und Engels in Japan
       ------------------------------------------
       
       Innerhalb der  sehr lebendigen  und umfangreichen - meist an Uni-
       versitäten betriebenen  Marx-Engels-Forschung kommt  der  politi-
       schen Ökonomie  größte Bedeutung zu und darunter wiederum der Me-
       thode und  der Entstehungsgeschichte  des "Kapitals". Alle Haupt-
       strömungen  der  Marxforschung  der  Nachkriegszeit  -  orthodoxe
       Schule, Uno-Schule, civil-society-Schule u.a. - befassen sich da-
       mit. Die in der Originalsprache jeweils neuveröffentlichten Marx-
       texte von  den "Grundrissen" über die MEW bis zur neuen MEGA wur-
       den und werden in Japan schnell rezipiert (und übersetzt), so daß
       sich die  nationale Forschung mit eigenen Beiträgen an den inter-
       nationalen Diskussionen produktiv beteiligen kann.
       
       
       Monserrat Galceran Huguet
       
       Beschäftigung mit Marx und Engels in Spanien
       --------------------------------------------
       
       Bis in die Jahrhundertmitte war die Verbreitung des Marxismus re-
       lativ schwach,  mit Ausnahme der Jahre vor dem spanischen Bürger-
       krieg. Von  Anfang der  sechziger Jahre  bis in die letzten Jahre
       der Franco-Diktatur  nahm er  dagegen einen  Aufschwung, und zwar
       hauptsächlich in  Form von Zeitschriftendebatten. Viele Werke von
       Marx und  Engels wurden übersetzt und veröffentlicht. An der Uni-
       versität von  Barcelona lehrte  der marxistische Philosoph Sacri-
       stán. Zu  Beginn des Übergangs zur Demokratie erreichte die Nach-
       frage nach  dem Marxismus  ihren Höhepunkt,  sank aber  Ende  der
       siebziger Jahre  wieder stark  ab. Auch  früher mit dem Marxismus
       verbundene politische  Parteien trennten sich von Marx und Engels
       (PSOE) oder  brachen auseinander (PCE). Allerdings bleibt Marx im
       Schulunterricht und an verschiedenen Universitäten präsent.
       
       
       Andrés Barreda
       
       Entwicklung der Diskussion und Erforschung der Werke von Marx
       -------------------------------------------------------------
       und Engels in Mexiko während der letzten drei Jahrzehnte
       --------------------------------------------------------
       
       Der Aufschwung  des Interesses für das Studium der Werke von Marx
       und Engels  Ende der 60er Jahre war mit dem strategischen Bedürf-
       nis verknüpft, Mexiko als kapitalistisch entwickelt und einer so-
       zialistischen Revolution  für fähig nachzuweisen. Hauptgebiet der
       Forschung wurde  daher die  politische  Ökonomie,  begleitet  von
       enormer Übersetzungs-  und Editionstätigkeit. Vergleichbar in ih-
       rer Bedeutung  wurde außerdem die Debatte um die Marxsche Staats-
       theorie, vor dem Hintergrund dessen, daß der Staat in Mexiko eine
       große Rolle  bei der  Durchsetzung  kapitalistischer  Entwicklung
       spielt. Mit  Niederlagen der Arbeiterbewegung Ende der 70er Jahre
       und massiver Integration von Intellektuellen in den Staatsapparat
       ging das  Interesse für Marx stark zurück. Trotzdem haben die De-
       batten unter den gegenwärtigen marxistischen Wissenschaftlern in-
       ternational hohes  Niveau; ihre Themen sind vorrangig die Theorie
       der Technik, der Entwicklung und des Staats.
       
       
       Jacques Milhau
       
       Marxismus - eine Analyse seiner Lage und Veränderungen
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       in Frankreich
       -------------
       
       Der Marxismus,  der dem  Wesen des Marxschen Werks gerecht werden
       will, muß  zwischen überholtem  und aktualisierbarem  Wissen  bei
       Marx und  in der  Geschichte des  Marxismus unterscheiden; er ist
       radikal kritisch,  sowohl intern  wie gegenüber den Verhältnissen
       und deren  wissenschaftlichen und ideologischen Widerspiegelungen
       und bereit, in der Kritik an bürgerlichen Funktionen nicht-marxi-
       stischer Wissenschaft von dieser zu lernen. Integriert in den po-
       litischen Kampf  um Befreiung,  muß sich  marxistische  Forschung
       über den  akademischen Sektor  hinaus erweitern in breite Bevöke-
       rungsschichten, deren  Teilhabe am  Marxismus eine  Voraussetzung
       jeder Veränderung ist.
       
       
       Robert Steigerwald
       
       Zur philosophischen Marxismus-Debatte
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       in der bundesdeutschen Geschichte
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       Während unmittelbar  nach Kriegsende  die geschwächte Bourgeoisie
       zur linksbürgerlichen Untermauerung eines "dritten Wegs" zwischen
       Kapitalismus und  Sozialismus eine auf Marcuse und de Man zurück-
       gehende Interpretation  des jungen  Marx ins Spiel brachte, wurde
       die Periode  des Kalten  Krieges zur  Zeit frontaler Angriffe auf
       den Marxismus,  die zunächst  von klerikalen Kräften geführt wur-
       den. Die  Linksentwicklung der Intelligenz und ihr wachsendes In-
       teresse am  Marxismus Ende der sechziger Jahre begünstigten - un-
       ter der kaum gebrochenen ideologischen Vorherrschaft des Antikom-
       munismus -  wiederum Varianten des "dritten Wegs", die sich außer
       auf Marcuse  auch auf  die Traditionslinie  Lukács-Korsch und die
       neubelebte "Frankfurter  Schule" beriefen. Seit Mitte der siebzi-
       ger Jahre  geben im  ideologischen Klassenkampf  von bürgerlicher
       Seite wieder  extrem konservative  Kritikmuster am  Marxismus den
       Ton an.
       Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 12, 1987, S. 312-321
       
       
       Johannes Henrich von Heiseler
       
       Aspekte der neueren Marxismus-Diskussion in der Bundesrepublik
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       Der Artikel  stellt einige  kennzeichnende Züge der gegenwärtigen
       Diskussion um Marx und den Marxismus in der Bundesrepublik in den
       Vordergrund. Die Argumente der Anhänger des klassischen Marxismus
       werden dargestellt,  ihre  Fragestellungen  an  die  marxistische
       Theorie und  ihre Versuche,  sie schöpferisch weiterzuentwickeln.
       Zugleich wird  verdeutlicht, daß  es die gleichen brennenden Pro-
       bleme der Gegenwart sind, an die anknüpfend andere ihre Ablehnung
       integraler Elemente  des Marxismus  anknüpfen. Die  Vielfalt  und
       Verwickeltheit dieser  theoretischen Auseinandersetzungen mit un-
       geheuer praktischer  Bedeutung wird  lebendig, indem  einige  um-
       strittene Felder  genauer betrachtet  werden, vor allem die Frage
       von Hegemonie  und Arbeiterklasse,  das Problem  von Kapital  und
       Vergesellschaftung und die neu aufgeflammte Debatte um die Natur.
       
       
       Michael Knieriem
       
       Das Firmenarchiv von Ermen & Engels in Engelskirchen
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       im 18. und 19. Jahrhundert
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       Das als kriegszerstört gegoltene Archiv der von Friedrich Engels'
       Vater gegründeten Textilfirma Ermen & Engels in Engelskirchen ist
       wiederentdeckt worden.  Der Leiter  des Wuppertaler Engels-Hauses
       gibt über  das ihm vom letzten Firmeninhaber zur Auswertung über-
       lassene reichhaltige Archivmaterial einen ersten Überblick.
       
       
       Manfred Schöncke
       
       Eine unerwartete Erbschaft für Karl Marx
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       Durch den  Fund des  Nachlasses von  Esther Kosel,  geb. Marx, im
       Stadtarchiv Frankfurt  am Main  können erstmals eine eigenhändige
       Vollmacht von  Karl Marx  vom 6. November 1865 sowie zwei von ihm
       veranlaßte Schreiben  veröffentlicht werden.  Die Beziehungen von
       Marx zu seinen Tanten Esther Kosel und Babette Blum werden anhand
       neuer Daten präzisiert.
       

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