Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987


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       ZWISCHEN STABILITÄT UND WANDEL - TENDENZEN IM WAHLVERHALTEN
       ===========================================================
       IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
       =================================
       
       Jochen Dietrich
       
       1. Determinanten  des Wahlverhaltens  - 2.  Die Bundesrepublik  -
       eine Insel  der Stabilität?  - 3.  Ursachen der  Veränderung  des
       Wahlverhaltens -3.1  Sozialstruktur und Wahlverhalten - 3.2 Wert-
       wandel, konfessioneller Wandel und Wahlverhalten - 3.3 Generatio-
       nenablösung und Wahlverhalten - 4. Einige Schlußfolgerungen
       
       1. Determinanten des Wahlverhaltens
       -----------------------------------
       
       Die Beteiligung  an Wahlen  ist in der Bundesrepublik Deutschland
       wie in  allen hochentwickelten  kapitalistischen Staaten die mas-
       senhafteste Form  politischen Verhaltens.  Und wie das politische
       Verhalten im  allgemeinen wird  das Wahlverhalten von einer Viel-
       zahl von Faktoren determiniert, 1) die sich grob in vier - unter-
       schiedlich gewichtige - Kategorien unterteilen lassen:
       -  s t r u k t u r e l l e    D e t e r m i n a n t e n,    allen
       voran die  sozioökonomische Stellung  von Individuen  und  ganzen
       Klassen und  Schichten und  die damit weitgehend zusammenhängende
       Milieuzugehörigkeit, spezifische regionale und landsmannschaftli-
       che Prägungen, Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie das hi-
       storisch herausgebildete Parteien- und Institutionengefüge etc;
       -  k u l t u r e l l e   D e t e r m i n a n t e n   wie der Ein-
       fluß der  Konfessionszugehörigkeit, die gesellschaftlichen Normen
       und Wertorientierungen  sowie deren  spezifische  Ausprägung  und
       Wandlung zwischen den Generationen etc.;
       -  k o n j u n k t u r e l l e   F a k t o r e n,   worunter  die
       wirtschaftspolitische Lage,  die außen-und innenpolitische Situa-
       tion, die  Gewichtung, Veränderung  und Bedeutung der politischen
       Themen, die  im Zentrum  der Auseinandersetzungen stehen, zu ver-
       stehen sind, und
       -  p o l i t i s c h - s i t u a t i v e   F a k t o r e n,  wor-
       unter die  Gesamtheit der Bedingungen des aktuellen Parteienwett-
       bewerbs zu verstehen ist, (Meinungsklima, Ansehen der Kanzlerkan-
       didaten, Kanzlerbonus,  Wahlkampf etc.). 2) Die Vielschichtigkeit
       der Wechselbeziehungen  zwischen diesen Determinanten kann gerade
       im Falle  des Wahlverhaltens nicht genug betont werden. Gewiß ist
       die Zugehörigkeit  zu Klassen und Schichten der gewichtigste Fak-
       tor, der das Wahlverhalten bestimmt, "er ist von allgemeinem Cha-
       rakter und kommt in den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten im Verlaufe
       einer langen  Zeitspanne zum Vorschein." 3) Doch gerade in Zeiten
       gesellschaftlicher Umbrüche,  eines dynamischen Wandels der Sozi-
       alstruktur, eines Schwundes stabiler, traditioneller Bestimmungs-
       faktoren des  politischen Verhaltens,  des ökonomischen, sozialen
       und kulturellen  Wandels bekommen Differenzierungen und Überlage-
       rungen ein wachsendes Gewicht.
       Das Wahlverhalten  ändert sich  nicht kurzfristig.  Es  vollzieht
       sich wie  "jede politische  Handlung im  Rahmen von  Grenzen, die
       sich historisch  herausgebildet haben; diese sind im Prinzip ver-
       änderlich, jedoch während einer bestimmten Zeitspanne stabil." 4)
       In diesem  Beitrag sollen längerfristige Tendenzen des Wandels im
       Wahlverhalten untersucht  werden, von denen aufgrund der Verände-
       rungen der  strukturellen und kulturellen Determinanten mit eini-
       ger Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.
       
       2. Die Bundesrepublik - eine Insel der Stabilität?
       --------------------------------------------------
       
       Die Bundesrepublik gilt als eine parlamentarische Demokratie "mit
       einmaliger politischer  Stabilität". 5) Zu diesem Bild der Stabi-
       lität gehören folgende Fakten:
       - In den  fast 40  Jahren der  Existenz der Bundesrepublik ist es
       auf Bundesebene  nur zweimal zu einem Regierungswechsel gekommen.
       Herbeigeführt wurden diese Wechsel jedoch nicht durch Wahlen, der
       Wähler hatte sie lediglich "ratifiziert". Ähnlich stabil sind die
       Verhältnisse auf Länderebene. Ein Regierungswechsel durch Wähler-
       votum ist  die Ausnahme, ein im Vergleich zu anderen kapitalisti-
       schen  Industriestaaten   (Italien,  Großbritannien,  Frankreich)
       grundlegender Unterschied.
       - Die Wählerbewegung,  der "swing", war bei fast allen Wahlen bis
       zum Ende  der 70er  Jahre (außer 1969) äußerst gering und bewegte
       sich in einer Größenordnung von drei bis vier Prozent. 6)
       - Die nationale  Wahlbeteiligung lag  in der  Bundesrepublik  mit
       Ausnahme der  Wahlen von  1949 und  1987 immer um die 90-Prozent-
       Marke herum,  deutlich höher  als  in  vergleichbaren  westlichen
       Staaten.
       - In den  ersten 30  Jahren der Geschichte der Bundesrepublik war
       das Wählerverhalten  geprägt von  einer "Konzentration  zu  einem
       zweipoligen Parteiensystem".  7) Bis 1980 konnten Union und Sozi-
       aldemokraten über  90 Prozent  der abgegebenen  Stimmen auf  sich
       vereinigen (s. Tab. 1).
       
       Tabelle 1:
       Ergebnisse der Bundestagswahlen seit 1949
       
       Anteil der Zweitstimmen in %
       Jahr    WBT in %    CDU 1)    SPD    FDP    GRU    SON 2)
       
       1949 *)   78,5      31,0      29,2   11,9     -    27,8
       1953      85,8      45,2      28,8    9,5     -    16,5
       1957      87,8      50,2      31,8    7,7     -    10,3
       1961      87,7      45,3      36,2   12,8     -     5,7
       1965      86,8      47,6      39,3    9,5     -     3,6
       1969      86,7      46,1      42,7    5,8     -     5,5
       1972      91,1      44,9      45,8    8,4     -     0,9
       1976      90,7      48,6      42,6    7,9     -     0,9
       1980      88,6      44,5      42,9   10,6   1,5     0,5
       1983      89,1      48,8      38,2    7,0   5,6     0,4
       1987      84,4      44,3      37,0    9,1   8,3     1,4
       _____
       *) 1949 hatte jeder Wähler nur eine Stimme
       1) In Bayern CSU, 1957, auch im Saarland
       2) 1949 davon  BV 4,2;  KPD 5,7; DP 4,0; Z 3,1; WAV 2,9; Unabhän-
       gige 4,8
       1953 davon BP 1,7; KP 2,2; GB/BHE 5,9; DP 3,3
       1957 davon DP 3,4; GB/BHE 4,6
       1961 davon DFU 1,9; GDP 2,8
       1965 davon DFU 1,3; NPD 2,0
       1969 davon NPD 4,3; ADF 1,2
       1972 davon DKP 0,4
       1976 davon DKP 0,5
       1980 davon DKP 0,3
       1983 davon DKP 0,2.
       Quelle: Forschungsgruppe Wahlen,  Bundestagswahl 1987 - eine Ana-
       lyse der  Wahl zum  11. Deutschen  Bundestag am  25. Januar 1987,
       Mannheim 1987, A 1.
       
       Die Entwicklung  zum "zweipoligen  Parteiensystem", in  der  sich
       CDU/CSU und  SPD zu "Volksparteien" entwickelten, vollzog sich in
       zwei Etappen.  Zunächst führte  sie auf der Grundlage des bundes-
       deutschen Nachkriegskonsenses,  als dessen  Eckpfeiler  (auf  der
       Basis des  "Wirtschaftswunders") sich das Bekenntnis zu Westinte-
       gration, sozialer  Marktwirtschaft  und  Restauration  sowie  die
       "Staatsdoktrin Antikommunismus" herausbildeten, zur Konzentration
       der bürgerlichen  Wählerschichten auf  die CDU/CSU.  Im Laufe der
       60er Jahre  wurden die  Sozialdemokraten stärker, "als es der SPD
       durch weitgehende  Anpassung gelang, in neue, einstmals traditio-
       nell bürgerliche  Parteien wählende  Bevölkerungsschichten einzu-
       dringen." 8)
       Seit der  Mitte der siebziger Jahre, die allgemein gekennzeichnet
       sind durch  die Vertiefung  der kapitalistischen  Krisenprozesse,
       die Verschärfung  der globalen Probleme und den durch die wissen-
       schaftlich-technische Revolution beschleunigten ökonomischen, so-
       zialen und kulturellen Wandel, verändert sich auch das Wählerver-
       halten. Im  Zuge der  sozialdemokratischen "Krisenmanagementpoli-
       tik" und  der Entwicklung starker außerparlamentarischer Bewegun-
       gen konnte  sich seit dem Ende der 70er Jahre eine vierte Partei,
       die Grünen,  im parlamentarischen  Bereich etablieren. Die "lange
       unaufhaltsam scheinende  Entwicklung zum Zwei-Parteien-System" 9)
       war damit gestoppt, offensichtlich inzwischen ein bewußtes Anlie-
       gen der  Wähler: 70 Prozent befürworteten 1987 den Einzug der FDP
       ins Parlament  (1983: 54  Prozent), 54  Prozent  den  der  Grünen
       (1983: 28  Prozent), und  eine wachsende  Zahl der  Wähler  lehnt
       "absolute Mehrheiten" ab. 10)
       Insgesamt nahm  die "Konzentration"  des Wahlverhaltens  ab.  Die
       beiden "etablierten  Volksparteien" erhielten bei der Bundestags-
       wahl 1987  zusammen nur  noch 81,3 Prozent der Stimmen. Erstmalig
       verloren die  beiden großen Parteien gleichzeitig. Zugleich stieg
       die Zahl  der Wechselwähler.  Während sie in den 60er Jahren rund
       10 Prozent  der Gesamtwählerschaft ausmachte, 11) wird ihr Anteil
       heute zwischen  20 und  40 Prozent geschätzt. Des weiteren machen
       die Wähler  bei Bundestagswahlen  in wachsendem Maße von der Mög-
       lichkeit des  Stimmensplittings Gebrauch. "Bezogen auf die jewei-
       lige Gesamtwählerschaft  ist der  Splittingwähleranteil seit  der
       Bundestagswahl 1961 von 6,5 Prozent auf 11,6 Prozent bei der Bun-
       destagswahl 1983 angestiegen." 12)
       Die Parteibindungen schwächten sich ab. "Während zu früheren Zei-
       ten bis  zu zwei  Drittel der Anhänger der beiden großen Parteien
       starke Bindungen  und etwa  ein Viertel mäßige Parteibindungen zu
       ihren Parteien  gezeigt hatten,  gaben 1983 nur noch etwa 40 Pro-
       zent der  SPD-Anhänger und  45 Prozent  der Unionsanhänger starke
       Parteibindungen an. Diese Tendenzen zeigten sich vor der jetzigen
       Wahl (Bundestagswahl 1987, d.V.) noch deutlicher." 13)
       Die Wahlbeteiligung  sinkt. Die  Bundestagswahl  1987  hatte  die
       niedrigste Wahlbeteiligung  seit 1949, und auch auf der Ebene der
       Kommunal- und  Landtagswahlen ist  ein Rückgang, wenn auch in un-
       terschiedlichem Ausmaß,  sichtbar. Alles  in allem  scheinen  die
       Wähler "unberechenbarer,  differenzierender, wechselhafter,  ent-
       haltungsbereiter, aber  auch emotionaler und ungebundener" 14) zu
       entscheiden.
       
       3. Ursachen der Veränderung des Wahlverhaltens
       ----------------------------------------------
       
       3.1 Sozialstruktur und Wahlverhalten
       ------------------------------------
       
       Die Beziehungen zwischen der Sozialstruktur und dem Wahlverhalten
       sind offensichtlich  und scheinen in weiten Bereichen seit langer
       Zeit stabil  zu sein.  Bei den  A r b e i t e r n  dominiert seit
       1953 eindeutig  die Sozialdemokratie.  Seit den  60er Jahren kann
       die SPD  immer über  50 Prozent der Stimmen der Arbeiter auf sich
       vereinigen, zeitweise  (in den  70er Jahren) betrug ihr Vorsprung
       vor der  Union über  30 Prozentpunkte. Die Affinität der Arbeiter
       zur SPD  ist besonders  ausgeprägt, wenn diese Mitglieder der Ge-
       werkschaft sind, und sie steigt zugleich mit wachsender Größe der
       Betriebe. 15)  Aus einer  von INFAS  vorgenommenen Unterscheidung
       nach Qualifikationsgesichtspunkten  geht hervor, daß in den letz-
       ten 10 Jahren der Einfluß der SPD bei den "Ungelernten" ansteigt,
       während er  bei "Angelernten  und Facharbeitern"  rückläufig ist.
       16)
       Bei den   A n g e s t e l l t e n   u n d  B e a m t e n  ist das
       Wahlverhalten wesentlich  instabiler. Die  Union konnte sich hier
       seit dem  Ende der  60er Jahre,  mit Ausnahme der "Willy wählen"-
       Wahl 1972 und der "Anti-Strauß"-Wahl 1980 zwischen 45 und 48 Pro-
       zent einpendeln.  Der SPD ist es nicht gelungen, die im Laufe der
       60er Jahre gewonnenen Potentiale unter den Angestellten und Beam-
       ten konstant  an sich  zu binden;  sie mußte  von 1972-1987 einen
       Verlust von  13 Prozentpunkten  hinnehmen (s. Tab. 2), so daß die
       Union in  diesem Bereich  mittlerweile einen deutlichen Vorsprung
       hat. Auffällig  ist weiterhin das überdurchschnittliche Potential
       für die Grünen unter Angestellten und Beamten.
       
       Tabelle 2:
       Wahlabsicht von Arbeitern, Angestellten und Beamten von 1953-1987
       (in %)
       
       Arbeiter:
       Parteien 1953 1961 1965 1969 1972 1976 1980 1983 1987
       
       CDU/CSU    35   36   42   39   27   37   30   41   33
       SPD        48   56   54   58   66   60   62   55   59
       FDP         4    5    2    1    6    2    6    1    2
       Grüne       -    -    -    -    "    -    1    3    6
       Andere     14    3    1    2    1    1    0    0    0
       
       Angestellte und Beamte:
       Parteien 1953 1961 1965 1969 1972 1976 1980 1983 1987
       
       CDU/CSU    49   50   54   45   33   48   37   47   47
       SPD        27   30   34   46   50   43   50   43   37
       FDP        14   18   10    7   17   10   11    4    6
       Grüne       - ·  -    -    -    -    -    2    6   10
       Andere     10    2    2    3    0    0    0    0    0
       _____
       Quelle: F.U. Pappi, Parteiensystem und Sozialstruktur in der BRD,
       in: Politische  Vierteljahresschrift 2/  1973;  Infas-Repräsenta-
       tivumfragen, jeweilige Wahl.
       
       Bei den   S e l b s t ä n d i g e n   dominiert konstant und ein-
       deutig die  CDU/CSU. Bei  der Bundestagswahl 1987 erzielte sie 70
       Prozent, die SPD 16, die FDP 8 und die Grünen 6 Prozent. Alles in
       allem bietet  sich im  Verhältnis von Sozialstruktur und Wahlver-
       halten -  mit Ausnahme  der "Wellenbewegung" bei Angestellten und
       Beamten - ein Bild der Stabilität und Kontinuität.
       Doch der  Schein trügt,  wurden doch  bisher nicht der Wandel der
       Wirtschafts- und  Sozialstruktur, dem die Bundesrepublik seit ge-
       raumer Zeit  unterliegt, und  die darin  zum Vorschein  kommenden
       neuen Momente des Wandels im Wahlverhalten - die insbesondere für
       die zukünftige  Entwicklung der Bundesrepublik von Bedeutung sind
       - erfaßt.
       1. Die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Bundesrepublik erfährt
       seit geraumer Zeit bedeutsame Veränderungen. Die Verschiebung der
       Anteile der  verschiedenen Wirtschaftsbereiche  an der Beschäfti-
       gung ist  gewaltig. Zwischen 1960 und 1984 erfuhr der Agrarsektor
       einen Rückgang  von 13,4  auf 5,2  Prozent der Beschäftigten, und
       der Bereich  der nichtagrarischen Produktion (Bergbau, Industrie,
       Baugewerbe, Verkehr,  Nachrichtenübermittlung) sank  von 53,7 auf
       47,7 Prozent,  während der Dienstleistungssektor (Handel, Dienst-
       leistungen, Banken, Versicherungen, Staat etc.) von 32,9 auf 47,2
       Prozent anstieg.
       Damit verbunden  ist ein  Wandel in  der Zusammensetzung  der er-
       werbstätigen  Bevölkerung.   Zum   einen   ist   die   Zahl   der
       "Selbständigen" gesunken  und die Zahl der Lohnabhängigen gestie-
       gen, auf  der anderen  Seite gibt  es deutliche Verschiebungen in
       den Anteilen  von Arbeitern einerseits und Angestellten und Beam-
       ten andererseits.  1960 waren  70,9  Prozent  der  Erwerbstätigen
       lohnabhängig, davon  50,9 Prozent  Arbeiter und  20 Prozent Ange-
       stellte und  Beamte. 1984  waren 87,5 Prozent lohnabhängig, davon
       jedoch nur  noch 41,2  Prozent Arbeiter  und 46,3  Prozent  Ange-
       stellte und Beamte. 17)
       Die Umwandlung  der Sozialstruktur  ist mit wesentlichen Verände-
       rungstendenzen der  Lebensweise verbunden: Die Bindungen zwischen
       betrieblicher Klassenerfahrung  und außerbetrieblichem  Lebenszu-
       sammenhang lockern  sich. Ehemals  homogene proletarische Milieus
       unterliegen einem  Erosionsprozeß. Innerhalb  der  Arbeiterklasse
       bilden sich  Gruppen mit  höchst  unterschiedlichen  Lebensstilen
       heraus, politisch-kulturell gleichgesinnte Kleingruppen und Mili-
       eus gewinnen an Bedeutung. Mit dem Abbau traditioneller Lebenszu-
       sammenhänge und  Lebensformen wachsen  die Zwänge und Fähigkeiten
       für eine  individuelle Bewältigung und Gestaltung des eigenen Le-
       bens, die Ansprüche auf Entfaltung der Persönlichkeit gewinnen in
       der Lebensweise und -planung einen neuen Stellenwert. 18)
       Die wahlpolitischen  Folgen der  Wandlung von  Sozialstruktur und
       Lebensweise sind tiefgreifend:
       - Das Schrumpfen  des Anteils  der Arbeiter an den Erwerbstätigen
       hat zur  Folge, daß  der Anteil der Wählerschaft mit traditionell
       starken Bindungen an die Sozialdemokratie sinkt.
       - Mit der Anteilszunahme von Angestellten und Beamten, der Verän-
       derung der  inneren Zusammensetzung  der Arbeiterklasse sowie dem
       Anwachsen der  lohnabhängigen Mittelschichten und der Intelligenz
       ist der  Teil der  Wählerschaft angewachsen,  der "über keine ge-
       wachsenen Parteiloyalitäten verfügt und überdies wegen seiner so-
       zialökonomischen Heterogenität  in seinen politischen Präferenzen
       nicht eindeutig festgelegt" 19) ist. Der Einfluß der traditionel-
       len Bestimmungsfaktoren auf das Wahlverhalten verringert sich da-
       mit.
       Am deutlichsten sichtbar werden die Folgen in den Großstädten, wo
       der Wandlungsprozeß die größte Dynamik aufweist. Hier zeigt sich,
       daß vor  allem die  Sozialdemokratie unter  dem Wandel  zu leiden
       hat. In  nicht weniger  als neun der zehn größten Städte der Bun-
       desrepublik verlor die SPD bei der Bundestagswahl 1987 überdurch-
       schnittlich an Stimmen: In Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Mün-
       chen über  5 Prozentpunkte, in Bremen, Hannover, Düsseldorf, Köln
       und Nürnberg  2-4 Prozentpunkte.  Der Vergleich der Ergebnisse in
       den "Metropolen"  zwischen 1972  und 1987  verdeutlicht den Trend
       noch klarer,  wobei auffällig  ist, daß die Verluste der SPD fast
       identisch sind mit den Stimmenergebnissen der Grünen (s. Tab. 3).
       
       Tabelle 3:
       Städte im Vergleich 1972-1987
       
                              SPD                Grüne
                   1972 %    1987 %     Diff.    1987 %
       München      47,9      30,9     -17,0      13,4
       Frankfurt    47,0      33,7     -13,3      13,3
       Hamburg      54,5      41,2     -13,3      11,0
       Stuttgart    44,7      31,8     -12,9      12,7
       Bremen       58,1      46,5     -11,6      14,5
       Köln         52,9      43,0      -9,9      11,2
       Hannover     53,2      43,4      -9,8      10,6
       Essen        58,9      52,0      -6,9       7,4
       Dortmund     61,9      55,2      -6,7       8,0
       Duisburg     64,0      59,4      -4,6       6,5
                    ----------------------------------
       Bundesgebiet 45,8      37,0      -8,8       8,3
       _____
       Quelle: Infas-Wahlberichterstattung zur Bundestagswahl 1987.
       
       2. Ein relativ  neues Phänomen  in der Geschichte der BRD ist die
       dauerhafte Massenarbeitslosigkeit. Sie hat Auswirkungen weit über
       die unmittelbar  Betroffenen hinaus,  muß doch  ein viel größerer
       Kreis von Menschen mit der ständigen Angst um den Verlust des Ar-
       beitsplatzes leben.  Eine INFAS-Analyse,  die  das  erwerbstätige
       Elektorat (Arbeiter,  Angestellte und  Beamte) differenziert nach
       sicheren und  unsicheren Arbeitsplätzen,  gibt erste Hinweise auf
       die Auswirkungen  der Massenarbeitslosigkeit  auf das Wahlverhal-
       ten. 20)  Aus der Analyse geht hervor: Je sicherer der eigene Ar-
       beitsplatz eingeschätzt  wird, um so größer ist die Präferenz für
       die CDU/CSU;  oder andersherum:  Je gefährdeter  der Arbeitsplatz
       erscheint, um  so mehr dominieren die Bonner Oppositionsparteien.
       Diese Einschätzung  deckt sich  mit der Tatsache, daß die SPD bei
       der Bundestagswahl  1987 in  Gebieten mit  überproportionaler Ar-
       beitslosigkeit und  in den  Standorten der  Krisenbranchen Kohle,
       Stahl und  Werften überdurchschnittliche  Wahlergebnisse erzielen
       konnte.
       Erste Untersuchungen über das Wahlverhalten von Arbeitslosen, die
       derzeit immerhin über 5 Prozent der Gesamtwählerschaft ausmachen,
       kommen zu folgenden Hauptergebnissen: 21)
       - Der Anteil  der Nichtwähler  ist bei  den Arbeitslosen deutlich
       höher als bei den Wahlberechtigten insgesamt. Bei der Bundestags-
       wahl 1983  (Wahlbeteiligung insgesamt:  89,1 Prozent) hatten zwi-
       schen 17  (INFAS) und  26 Prozent  (Rattinger)  der  Arbeitslosen
       nicht die Absicht, zur Wahlurne zu gehen. Besonders drastisch ist
       die Wahlapathie bei den Erwerbslosen mit niedriger Qualifikation:
       30 Prozent von ihnen gingen laut Rattinger 1983 nicht zur Wahl.
       - Gehen die  Arbeitslosen zur Wahl, so wählen sie überwiegend so-
       zialdemokratisch, was  nicht verwunderlich  ist, rekrutiert  sich
       das Heer  der Erwerbslosen  doch vorrangig aus dem Stammwählerpo-
       tential der Sozialdemokratie, aus der Arbeiterschaft. Anfang 1985
       hatten die  Sozialdemokraten einen  deutlichen Vorsprung  vor den
       Unionsparteien: 49  Prozent der  Arbeitslosen wollten SPD, nur 17
       Prozent CDU/CSU  wählen. Besonders beachtlich ist das Abschneiden
       der Grünen mit 17 Prozent, während die FDP bei Arbeitslosen keine
       Rolle spielt.
       Im Vergleich zum Beginn der achtziger Jahre sind die Parteipräfe-
       renzen bei  Arbeitslosen im wesentlichen stabil geblieben. Damals
       erreichte die SPD einen Anteil von 44 Prozent, die Union hingegen
       nur 24  Prozent, Grüne und andere Parteien 10 Prozent. Doch diese
       Stabilität täuscht. Die Analyse im Zeitverlauf zeigt, daß im Vor-
       feld der  Bundestagswahlen 1983  erhebliche Veränderungen eintra-
       ten. SPD und CDU/CSU lagen Kopf an Kopf, der Kompetenzverlust der
       SPD im  Bereich der  Arbeitsmarktpolitik und die "Aufschwung wäh-
       len"-Propaganda der Union schlugen durch.
       Überdurchschnittlich ist die Neigung der Arbeitslosen zu den Grü-
       nen, was  kaum daran liegen kann, daß sie hier zur Lösung der Be-
       schäftigungsprobleme die größere Kompetenz vermuten. Die Wahl der
       Grünen widerspiegelt  vielmehr das ausgeprägte Protestwahlverhal-
       ten unter den Arbeitslosen. Die Affinität zu den Grünen ist unter
       allen Gruppen von Arbeitslosen deutlich höher als in der gesamten
       Wählerschaft, wenn auch nicht überall gleich stark. An der Spitze
       liegen die  Gruppen der  Intelligenz: 41 Prozent der arbeitslosen
       Abiturienten und  Akademiker tendieren  laut INFAS zu den Grünen,
       bei den  unter 25jährigen  sind es  nach Rattinger  sogar über 50
       Prozent. Doch auch unter arbeitslosen Jungwählern mit niedrigeren
       Bildungsabschlüssen erzielen  die Grünen  beachtliche Ergebnisse:
       30 Prozent  neigen zu  den Grünen, mehr als dreimal soviel wie in
       der vergleichbaren  Gruppe der  beschäftigten Arbeiter  und Ange-
       stellten. Insgesamt  sind bei  den Arbeitslosen die Elemente Apa-
       thie und Protest prägender für das Wahlverhalten als beim übrigen
       Elektorat.
       3. Ein wesentlicher Faktor des wirtschaftlichen Wandels ist heute
       der breite Einsatz von neuen Technologien. In einer ersten INFAS-
       Untersuchung wird  der Versuch unternommen, Unterschiede im Wahl-
       verhalten zwischen den Erwerbstätigen, die mit neuen Technologien
       umgehen, und denen, die mit konventioneller Technologie arbeiten,
       herauszufinden. Danach  lagen im  Vorfeld der Bundestagswahl 1987
       bei  den  Erwerbstätigen,  die  mit  neuer  Technologie  umgehen,
       CDU/CSU und  SPD mit jeweils 43 Prozent gleichauf. Die Grünen er-
       reichten 9 Prozent bei den "High-Tech"-Beschäftigten.
       Bemerkenswert deutlich  sind die  Unterschiede zwischen Arbeitern
       und Angestellten:  Arbeiter, die  mit neuer  Technologie umgehen,
       präferierten zu  66 Prozent  die SPD, zu 31 Prozent die Union und
       zu 5  Prozent die  Grünen. Fast  umgekehrt ist das Verhältnis bei
       den Angestellten. Nur 31 Prozent präferierten die SPD, 47 Prozent
       hingegen die CDU/CSU und 14 Prozent die Grünen. Besonderes Augen-
       merk  verdienen   die  Ergebnisse   bei  Gewerkschaftsmitgliedern
       (Arbeiter und Angestellte): "Der Umgang mit neuer Technologie mo-
       dulierte bei  dieser Bundestagswahl  wesentlich den  traditionell
       SPD-affinen Einfluß  gewerkschaftlicher Bindung an das politische
       Verhalten. Gewerkschaftsmitglieder, die mit modernen Technologien
       umgehen, präferierten  zu 53  Prozent die SPD; unter Mitgliedern,
       die Arbeit  an konventionellen  Maschinen verrichten, waren es 67
       Prozent. Die Union ist damit relativ stark bei denjenigen Gewerk-
       schaftsmitgliedern verankert  (39 Prozent), die mit neuer Techno-
       logie umgehen.  In der  Gegengruppe - d.h. bei Arbeitnehmern, die
       konventionelle Arbeitsmittel  bei ihrer  Arbeit einsetzen  -  er-
       reichte die  Union (18  Prozent) weniger als jedes fünfte Gewerk-
       schaftsmitglied." 22)
       Die Ergebnisse  dieser Untersuchungen sind keine "gehärteten Fak-
       ten", dennoch machen sie auf Tendenzen aufmerksam, die angesichts
       des sich fortsetzenden Wandlungsprozesses für die weitere wahlpo-
       litische Entwicklung der BRD von großer Bedeutung sein können.
       4. Ein weiteres  wesentliches Moment des wirtschaftlichen und so-
       zialen Wandels  ist die veränderte Stellung der Frauen in der Ge-
       sellschaft. Die  gewachsene Erwerbstätigkeit,  die Ausweitung der
       Bildungschancen für  Frauen, die  Ausweitung des  "kommunikativen
       Umfeldes" und die nachhaltigen Wirkungen der Frauenbewegung haben
       weitreichende Veränderungen im Wahlverhalten der Frauen bewirkt.
       In den  fünfziger und sechziger Jahren unterschied sich das Wahl-
       verhalten der Frauen deutlich von dem der Männer (s. Tab. 4). Die
       Frauen waren  eine wahlpolitische Domäne der Union. Von 1953-1969
       hatte die CDU/CSU einen "Frauenüberschuß" zwischen 9,9 (1969) und
       8,3 (1953)  Prozentpunkten. Umgekehrt  verhielt es  sich bei  der
       SPD. Sie  hatte von  1953-1969 ein  "Frauendefizit" zwischen  7,7
       (1965) und  4,9 (1953)  Prozentpunkten. Die  FDP mußte damals wie
       heute  (mit   Ausnahme  der   Wahl  1980)   mit  einem   leichten
       "Frauendefizit" leben.
       
       Tabelle 4:
       Das Wahlverhalten der Geschlechter
       
                             1953 1961 1969 1972 1976 1980 1983 1987
       
       CDU/CSU  Frauen       47,2 49,6 50,6 46,0 48,8 43,8 49,2 45,1
                Männer       38,9 40,3 40,6 43,0 47,2 44,2 47,7 42,5
                gesamt       43,3 45,3 46,0 44,6 48,0 44,0 48,5 43,8
       SPD      Frauen       27,6 32,9 40,4 45,7 43,1 43,9 39,4 37,8
                Männer       32,5 39,7 45,6 46,9 43,6 43,1 38,4 38,5
                gesamt       29,9 36,1 42,8 46,3 43,3 43,5 38,9 38,1
       FDP      Frauen       10,4 12,2  5,3  7,7  7,6 10,8  6,3  8,3
                Männer       11,7 13,6  6,1  8,8  8,1 10,5  7,2  9,2
                gesamt       11,0 12,9  5,6  8,2  7,8 10,6  6,7  8,7
       Grüne    Frauen                                 1,2  4,8  7,7
                Männer                                 1,6  5,9  8,3
                gesamt                                 1,4  5,3  8,0
       Andere   Frauen       14,8  5,3  3,7  0,6  0,5  0,3  0,3  1,2
                Männer       16,9  6,4  7,7  1,3  1,2  0,6  0,7  1,6
                gesamt       15,8  5,8  5,6  0,9  0,8  0,4  0,5  1,4
       _____
       Quelle: Repräsentative Wahlstatistiken  des Statistischen Bundes-
       amtes, jeweilige Wahl.
       
       Die Bundestagswahlen 1972 brachten die Wende im Wahlverhalten der
       Frauen. Bei  der CDU/CSU  reduzierte sich  1972 der  "Frauenüber-
       schuß" auf 3 Prozentpunkte. 1980 erzielte die Union erstmalig ein
       "Frauendefizit" und  erhielt auch  absolut weniger  Frauenstimmen
       als die  SPD. Mit  den Wahlen von 1983 und 1987 pendelte sich der
       "Frauenüberschuß" der  Union bei  knapp über  l Prozentpunkt ein.
       Die SPD  konnte 1972  ihr "Frauendefizit"  auf 1,2  Prozentpunkte
       reduzieren und  ab 1980  mehr Frauen-  als Männerstimmen auf sich
       vereinigen.  1987   mußte  die  SPD  wieder  ein  "Frauendefizit"
       hinnehmen.  Die  Partei  der  Grünen,  die  Frauenthemen  in  der
       Öffentlichkeit am  deutlichsten zur Sprache bringt, hat bei allen
       Wahlen  ein   Defizit  an  Frauenstimmen.  Insgesamt  hat  es  im
       Wahlverhalten der  Frauen über  30 Jahre  eine  Verschiebung  von
       rechts nach  links gegeben; seit 1972 haben sich die Parteipräfe-
       renzen der Geschlechter recht kontinuierlich angeglichen.
       Auch in  der Wahlbeteiligung gibt es eine Tendenz der Angleichung
       zwischen Männern  und Frauen,  sie ist  jedoch nach  wie vor  bei
       Frauen geringer als bei Männern. Während 1953 3,1 Prozent weniger
       Frauen zur  Wahl gingen  als Männer,  waren es  1983 nur noch 1,3
       Prozent, vermutlich  ein Ausdruck des gestiegenen politischen In-
       teresses bei  Frauen. 23)  In letzter Zeit ist eine deutliche Zu-
       nahme der  Wahlabstinenz vor  allem bei jungen Frauen zu beobach-
       ten. 24)
       
       3.2 Wertwandel, konfessioneller Wandel und Wahlverhalten
       --------------------------------------------------------
       
       Der ökonomische,  soziale und  kulturelle Wandel der Gesellschaft
       der Bundesrepublik  hat weitreichende  Veränderungen der Einstel-
       lungen, Bedürfnisse  und Wertorientierungen zur Folge. 25) Träger
       des Wertewandels  sind vor  allem die  jungen  Menschen.  Er  ist
       zugleich  dort  am  ausgeprägtesten,  wo  das  Bildungsniveau  am
       höchsten ist. "Die Angehörigen der Intelligenz und der lohnabhän-
       gigen Mittelschichten  haben  diese  Bewegung  schon  tiefer  und
       schneller vollzogen  als Arbeiter;  aber bei  den  Arbeitern  und
       (etwas stärker)  den Arbeiterklassegruppen  der Angestellten  und
       Beamten läßt  sich die  gleiche Tendenz feststellen." 26) Dennoch
       bleiben erhebliche Unterschiede vor allem zwischen den Generatio-
       nen bestehen,  stimmen doch  nur 49 Prozent der "erwachsenen Kin-
       der"  mit   den  "Moralvorstellungen",  nur  47  Prozent  in  den
       "Einstellungen zur  Religion", 28 Prozent in den "Politischen An-
       sichten" und nur 13 Prozent in den "Ansichten zur Sexualität" mit
       den Eltern überein. 27) Der Wertewandel ist vielfältig:
       - Die Einstellungen zu Ehe und Familie haben sich deutlich gewan-
       delt. "Der  Anteil junger  Männer und  Frauen (unter 25), die der
       Ehe keine  entscheidende Bedeutung  für das Gelingen eines Lebens
       beimessen, hat  sich zwischen  1963 und  dem Ende  der  siebziger
       Jahre von 39 auf über 82 Prozent verdoppelt." 28) Damit geht ein-
       her die  Veränderung der Ansprüche an die Ehe. Die Scheidungsrate
       hat sich  zwischen dem  Beginn der  sechziger Jahre und der Mitte
       der siebziger Jahre verdoppelt, die Zahl der unverheiratet zusam-
       menlebenden Partner,  der alleinerziehenden  Mütter und Väter wie
       die Zahl der Ein-Personen-Haushalte ist gestiegen.
       Einschneidend verändert  haben sich die Einstellungen zu den tra-
       ditionellen Rollen  der Geschlechter.  29)  Die  Vorstellung,  es
       müsse in  Gesellschaft und  Ehe Gleichberechtigung  zwischen Mann
       und Frau  geben, ist  inzwischen in  der Mehrheit der Bevölkerung
       verankert. Die  Konsequenzen äußern sich deutlich in der Verände-
       rung des Wahlverhaltens der Frauen.
       - Deutlichen Veränderungen  sind die  Erziehungsziele unterlegen.
       Während das Erziehungsziel "Selbständigkeit und freier Wille" von
       1951-1981 bei  den Befragten  in der Bedeutung von 30 auf 52 Pro-
       zent steigt, fällt das Erziehungsziel "Gehorsam und Unterordnung"
       von 59  auf 30  Prozent. 30) Die hier allgemein sichtbar werdende
       Entwicklung von "Pflicht- und Akzeptanzwerten" (Disziplin, Gehor-
       sam,   Ordnung,   Pflichterfüllung,   Fleiß,   Treue   etc.)   zu
       "Selbstentfaltungswerten" (Emanzipation,  Gleichheit,  Partizipa-
       tion, Autonomie,  Selbstverwirklichung etc.) findet wahlpolitisch
       ihre Entsprechung  in der  wachsenden Bedeutung solcher Werte wie
       "mehr soziale  Gerechtigkeit, weniger  Ungleichheit, mehr Selbst-
       verwirklichung, mehr  Demokratie, mehr grundlegende gesellschaft-
       liche Reformen".
       Die Folge  ist, daß - vor dem Hintergrund wachsender Zukunftspro-
       bleme der  Menschheit -  die globalen  Probleme wie  Umweltschutz
       oder Friedenssicherung  in der  Hierarchie der "political issues"
       an Gewicht gewinnen und neben den für das Wahlverhalten besonders
       wichtigen "Konfliktlinien"  (soziale Lage und konfessionelle Bin-
       dung) eine  neue Scheidelinie  - die  in der Wahlforschung so be-
       zeichnete "ökologische Konfliktlinie" (wobei "ökologisch" im wei-
       testen Sinne  zu verstehen ist) - prägenden Einfluß auf das Wahl-
       verhalten vor allem der exponierten Träger des Wertewandels hat.
       - Die konfessionell-religiöse Bindung hat bedeutenden Einfluß auf
       das Wahlverhalten.  31) Dabei  zeigt sich,  daß  sich  Katholiken
       mehrheitlich für  die CDU/CSU  und Protestanten  mehrheitlich für
       die SPD  entscheiden, ein Faktum, das über die gesamte Geschichte
       der Bundesrepublik zu beobachten ist. 32) Die konfessionelle Prä-
       gung des  Wahlverhaltens durchzieht  alle  sozialen  Klassen  und
       Schichten. Der  Anteil der  CDU/CSU-Wähler ist unter den katholi-
       schen Arbeitern, Angestellten und Beamten wie Selbständigen deut-
       lich höher  als in  den Gesamtgruppen.  33) Die Präferenz für die
       Union steigt mit dem Grad der Kirchenbindung. Dies gilt in beson-
       derem Maße für die Katholiken, aber auch für die Protestanten.
       Da weniger  die allgemeine Konfessionszugehörigkeit, sondern mehr
       die Bindung  an die jeweilige Kirche das Wählerverhalten nachhal-
       tig beeinflußt,  34) ist  von einem  Rückgang der  Bedeutung  der
       "konfessionellen Konfliktlinie" für das Wahlverhalten auszugehen,
       da sowohl bei Protestanten wie auch bei Katholiken, deren konfes-
       sionelle Bindung traditionell größer ist, die Bindung an die Kir-
       che nachläßt. Die Verankerung der religiösen Werte und Normen hat
       abgenommen. Nur  noch jeder Dritte hält sich für religiös, nur 17
       Prozent halten  Religiosität für eines der bedeutendsten Ziele in
       der Erziehung. 35)
       Zugleich haben  wir es seit der Mitte der sechziger Jahre mit ei-
       nem "dramatischen  Schwund der  kirchlich  gebundenen  religiösen
       Praxis" 36)  zu tun. Von 1952-1982 ist der regelmäßige Besuch des
       Gottesdienstes bei  den Katholiken  um 19  Prozentpunkte, bei den
       Protestanten um  7 Prozentpunkte  zurückgegangen. Besonders junge
       Menschen wenden sich von der Kirche ab: In 30 Jahren hat sich der
       Anteil der  Katholiken und Protestanten von 16-29 Jahren, die re-
       gelmäßig zur  Kirche gehen,  mehr als  halbiert; der Rückgang ist
       bei den  Katholiken in  absoluten Zahlen erheblich größer als bei
       den Protestanten.
       All das  hat zur  Folge, "daß die konfessionellen Unterschiede im
       Wahlverhalten um so geringer sind, je niedriger das Alter der Be-
       fragten ist, ... was vor allem dadurch zustandekommt, daß auf ka-
       tholischer Seite  die Jüngeren  in wesentlich geringerem Maße den
       Unionsparteien zuneigen als die Älteren". 37) Bei der Bundestags-
       wahl 1987  waren die  Verluste der CDU/CSU in den Wahlkreisen mit
       besonders hohem Katholikenanteil (wie auch schon in früheren Bun-
       des- und  Landtagswahlen zu  beobachten)  überdurchschnittlich  -
       eine Bestätigung des aufgezeigten Trends. 38)
       
       3.3 Generationenablösung und Wahlverhalten
       ------------------------------------------
       
       Das Wahlverhalten weist - differenziert nach Altersstruktur - er-
       hebliche Unterschiede  auf. Das Wahlverhalten der Jungwähler (18-
       25 Jahre) hat sich während der letzten gut 30 Jahre mehrfach ver-
       ändert. Von  1953-1967 hatten  die SPD  und, in  etwas geringerem
       Maße, die CDU/CSU positive Jungwählerbilanzen und die FDP deutli-
       che Jungwählerdefizite.  Von 1969-1980 kam es zu einer deutlichen
       Abkehr der Jungwähler von der Union, während die SPD positive bis
       sehr positive  Jungwähler-Bilanzen  erzielen  (Höhepunkt:  "Willy
       wählen"-Wahl 1972 mit 54,7 Prozent) und auch die FDP im sozialde-
       mokratischen Sog ihre Negativbilanz der sechziger Jahre korrigie-
       ren konnte.
       Seither gibt  es starke  Schwankungen. Die  Union  erzielte  1980
       (Anti-Strauß-Wahl) ein hohes Jungwählerdefizit, das sie 1983 wie-
       der etwas ausgleichen konnte, während die SPD 1983 erstmals deut-
       liche Jungwähler-Defizite  hinnehmen mußte,  wovon vor  allem die
       Grünen profitierten,  die von  1980-1983 ihren Anteil unter Jung-
       wählern um 9 auf 14 Prozentpunkte steigern konnten. Das bedeutet,
       daß die Jungwähler ein Drittel der gesamten Wählerschaft der Grü-
       nen ausmachten.  Die FDP  mußte 1983 aufgrund des "Wendemanövers"
       starke Einbußen bei den Jungwählern hinnehmen.
       Bei der  Bundestagswahl 1987 verfestigte sich der Anteil der Grü-
       nen, die SPD konnte ihre 83er Verluste etwas ausgleichen, während
       die Union  erneut starke  Jungwählerdefizite zu  verzeichnen hat.
       Seit 1969 ist das Jungwählerverhalten im Vergleich zur Gesamtwäh-
       lerschaft deutlich nach links verschoben. Und auch 1987 existiert
       in der "Krisengeneration" 39) eine "Mehrheit links von CDU/CSU".
       Darüber hinaus  ist in  den Altersgruppen von 25-35 und von 35-45
       das "Linkspotential"  in den  letzten 30  Jahren enorm gewachsen,
       wobei in  den achtziger  Jahren eine Verschiebung zuungunsten der
       SPD und  zugunsten der Grünen eingetreten ist. Insgesamt verfügen
       SPD und  Grüne in  den Altersgruppen bis 45 Jahre, unter der Kri-
       sen-, der Reform- und der APO-Generation, 40) über eine Mehrheit,
       während die  gegenwärtigen Regierungsparteien die Mehrheit in den
       Altersgruppen ab  45 haben, die schon immer kontinuierlich in der
       Mehrheit konservativ wählen.
       Das Wahlverhalten  hat sich erst im Laufe der Geschichte der Bun-
       desrepublik deutlich  nach Alter  differenziert. Während 1953 die
       Parteipräferenzen bei allen Altersgruppen nahezu gleichmäßig ver-
       teilt waren,  unterscheiden sich heutzutage die Altersgruppen er-
       heblich. Während  z.B. 1953  bei der  CDU/CSU der maximale Unter-
       schied zwischen den einzelnen Altersgruppen 5,2 Prozentpunkte be-
       trug, so  waren es 1983  11,3 Prozentpunkte. Am deutlichsten wird
       das unterschiedliche Wahlverhalten der Altersgruppen bei den Grü-
       nen. Während  13,8 Prozent  der Jungwähler  den Grünen  1983 ihre
       Stimme gaben,  taten dies  nur 1,2  Prozent der  über 60jährigen,
       eine Differenz von 12,6 Prozentpunkten.
       Der Wandel  des Wahlverhaltens  vollzieht sich  vor allem  in den
       jüngeren Altersgruppen.  Offensichtlich verdichten sich hier alle
       Momente der  durch die Veränderungen der Sozialstruktur bedingten
       Wandlungen in  Lebensweise und Lebensorientierung, der konfessio-
       nelle Wandel sowie die Veränderungen der Wertorientierungen, Hal-
       tungen und Bedürfnisse. 41)
       
       4. Einige Schlußfolgerungen
       ---------------------------
       
       Das Wahlverhalten  ist in Bewegung geraten. Es ist - bei weiterem
       Wirken starker  Momente der  Stabilität und Kontinuität - gekenn-
       zeichnet durch  eine größere  Flexibilität, die sich ausdrückt in
       gewachsener Wechselbereitschaft  und der  Zunahme von  Wahlabsti-
       nenz, in  abnehmender traditioneller  Bindung an die Parteien und
       in der "Dekonzentration" der Stimmabgabe.
       Worin liegen  die Ursachen  für die  gestiegene Flexibilität? Der
       sozialökonomische Wandel  der Gesellschaft der Bundesrepublik hat
       mit der  Veränderung der  Zusammensetzung der Erwerbstätigen Wäh-
       lerschichten hervorgebracht,  deren Wahlverhalten zunehmend weni-
       ger von  den traditionellen  Determinanten des Wahlverhaltens ge-
       prägt ist. Die Dominanz der "sozialen Konfliktlinie" ist nach wie
       vor unübersehbar,  aber sie hat an Gewicht verloren. Die wachsen-
       den Schichten  der Angestellten  und Beamten,  der lohnabhängigen
       Mittelschichten und  der Intelligenz sind die wesentlichen Träger
       des Wandels des Wahlverhaltens.
       "Nicht nur in der sozialen Struktur, sondern auch in der gesamten
       Lebensweise und  kulturellen Existenz der Arbeiterklasse vollzie-
       hen sich  wichtige Änderungen  ... Mit höherer Qualifikation, mit
       der größeren  nervlichen Belastung  im Produktionsprozeß, mit den
       daraus resultierenden  neuen Anforderungen  an die Wiederherstel-
       lung der  Arbeitskraft sowie mit der von der Arbeiterbewegung er-
       kämpften Verkürzung  der Arbeitszeit  entwickeln sich  neue  kul-
       turelle Bedürfnisse,  neue Ansprüche  der  Persönlichkeitsentfal-
       tung" 42)  sowie neue Wertorientierungen und Freizeitbedürfnisse.
       Eine wahlpolitische  Folge ist  ein Rückgang  des Einflusses  der
       "konfessionellen Scheidelinie" auf das Wahlverhalten und die Her-
       ausbildung einer  wesentlich komplexeren, widersprüchlicheren De-
       termination des  Wahlverhaltens, was in der Zunahme der Bedeutung
       der "Überlebensfragen"  der Menschheit  für das Wahlverhalten, in
       der "Überlagerung"  durch den  Generationenwechsel etc.  zum Aus-
       druck kommt.  Der Veränderungsprozeß ist keineswegs eine Entwick-
       lung zu einer entpolitisierten "Amerikanisierung" des Wahlverhal-
       tens, wie  häufig unterstellt wird, 43) sondern ist verbunden mit
       einem Prozeß der "Politisierung" der Wählerschaft.
       Für die in ihrer wahlpolitischen Orientierung in erster Linie auf
       die Interessenvertretung der Arbeiterklasse bezogenen kommunisti-
       schen und sozialistischen Kräfte, über deren Wählerpotential man-
       gels Daten  keine  Aussagen  gemacht  werden  konnten,  erwachsen
       ebenso wie  für die  fortschrittlichen und  demokratischen Kräfte
       der Bundesrepublik  insgesamt aus  dem Wandel  des Wahlverhaltens
       neue Risiken und Probleme, aber auch neue Chancen und Möglichkei-
       ten. Hier sind folgende Gesichtspunkte zu nennen:
       1. Am entwickeltsten  ist die Flexibilisierung des Wahlverhaltens
       zwar in  den wachsenden Gruppen der Angestellten und Beamten, der
       lohnabhängigen Mittelschichten  und der Intelligenz, doch auch in
       der Arbeiterschaft sind aufgrund der zunehmenden Flexibilisierung
       der Arbeit  und  der  damit  verbundenen  Veränderungen  des  Be-
       triebsalltags, der Auflösung der "Einheit" von Arbeit, Wohnen und
       Freizeit durch  das Schwinden geschlossener "Arbeitermilieus" so-
       wie durch  die Veränderungsprozesse in der persönlichen und poli-
       tischen Sozialisation  der jungen Menschen (längerer Bildungsweg,
       früheres Verlassen  der Familienzusammenhänge  etc.) Prozesse des
       Wandels im  Wahlverhalten zu erwarten, die auch die heute wahlpo-
       litisch noch  stabilen Regionen  wie z.B.  das Ruhrgebiet  in den
       nächsten Jahren erfassen werden. Es bedarf des rechtzeitigen Ein-
       stellens insbesondere  der politischen  Kräfte der  Arbeiterbewe-
       gung, will man in diesen Regionen nicht ähnliche Einbrüche wie in
       den großstädtischen "Metropolen" erleben.
       2. Die größere  Beweglichkeit im  Wahlverhalten ist  Ausdruck des
       Differenzierungsprozesses in  der Lebensweise  und der Herausbil-
       dung neuer,  heterogener Milieus. Diese Differenzierung erfordert
       wahlpolitisch ein  differenzierte-res Angebot der politischen In-
       teressenvertretung und die Entfaltung der unterschiedlichsten Zu-
       gänge zu einer gemeinsamen politischen Zielsetzung. Dieser Diffe-
       renzierungsprozeß  geht   einher  mit  einer  wachsenden  "Durch-
       dringung" der  Milieus verschiedener Klassen und Schichten, wobei
       die  stark   meinungsprägenden  Auffassungen  und  Haltungen  der
       lohnabhängigen Mittelschichten  und der  Intelligenz auch  andere
       Schichten - bis hin zu relevanten Teilen der Arbeiterklasse - be-
       einflussen. Für  das wahlpolitische  Kräfteverhältnis hat deshalb
       der Kampf  um Einfluß  in diesen  Schichten eine wachsende Bedeu-
       tung.
       3. Ein zentraler  - auch das Wahlverhalten beeinflussender - Fak-
       tor für die weitere Entwicklung der BRD ist der wissenschaftlich-
       technische Fortschritt  und die Zunahme des Einsatzes neuer Tech-
       nologien.  Gerade  hier  scheint  auch  wahlpolitisch  eine  neue
       "Bruchstelle" zu liegen, die von wachsender Bedeutung für das ge-
       sellschaftliche Kräfteverhältnis ist. Der Kampf der gewerkschaft-
       lichen (siehe  die entwickelte  Angestelltendebatte in der IG Me-
       tall) und  politischen Organisationen der Arbeiterbewegung um die
       Hegemonie in  der gesamten  Arbeiterklasse und  darüber hinaus in
       der wachsenden technischen Intelligenz ist damit vor neue Heraus-
       forderungen gestellt.
       4. Die mit dem sozialen Wandel gewachsene Bedeutung des Reproduk-
       tionssektors sowie  die objektiv  veränderten Problemlagen  haben
       das Interesse  und die  Aufmerksamkeit für  globale Probleme auch
       wahlpolitisch deutlich  erhöht. Fragen  der Umweltzerstörung  und
       der Friedenssicherung  sind in  der Hierarchie der "political is-
       sues" inzwischen  ganz oben  anzusiedeln, auch  wenn nach wie vor
       die wirtschaftlichen  Erwartungen und  die sozialen  Probleme  am
       prägendsten für das Wahlverhalten sind. Für die Kräfte "links von
       der CDU/CSU" wird es darauf ankommen, ihre Zukunftsvision für die
       weitere Entwicklung des Landes noch enger zu verknüpfen mit einer
       "globalen Sicht der Dinge".
       5. Das nach  links verschobene  Kräfteverhältnis unter den jungen
       Wählern ist keineswegs dauerhaft stabil. Schon seit längerem ver-
       suchen konservative  "Modernisierer" von  Geißler bis  Späth "die
       Transformation neuer  kultureller Orientierungen in Zustimmung zu
       entsolidarisierenden,  technokratisch-elitären  Gesellschaftsent-
       würfen. Die  reale Individualisierung soll in individualistisches
       Bewußtsein umgemünzt und zur Zementierung konservativer Hegemonie
       genutzt werden."  44) Seitens der Linkskräfte bedarf es umfassen-
       der Anstrengungen  zur Verstärkung  kollektiver Interessenvertre-
       tung gerade unter der Jugend.
       Für die  Realisierung einer "Mehrheit links von der CDU/CSU" wird
       es darauf  ankommen, neben  der Stabilisierung  des Einflusses in
       der Arbeiterschaft  den Kampf  um den  Einfluß in  den wachsenden
       Schichten der  Angestellten und  Beamten, der lohnabhängigen Mit-
       telschichten und  der Intelligenz aufzunehmen. Dieser entscheidet
       sich zunehmend  daran, wer die besseren Konzeptionen zur Bewälti-
       gung der neuen Menschheitsprobleme (globale Fragen, wissenschaft-
       lich-technische Revolution etc.) hat und diese am überzeugendsten
       mit Vorschlägen zur Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Pro-
       bleme verbinden kann.
       
       _____
       1) Zur Entwicklung  politischen Verhaltens  siehe:  Alexander  A.
       Galkin, Herrschaftselite.  Politisches Verhalten. Politische Kul-
       tur. Zur  politischen Soziologie des heutigen Kapitalismus, hrsg.
       vom Institut  für Marxistische  Studien und  Forschungen,  Frank-
       furt/M. 1986, S. 68 ff.
       2) Vgl. Rainer-Olaf  Schulze, Wählerverhalten  und Parteiensystem
       in der  Bundesrepublik Deutschland,  in: Westeuropas  Parteiensy-
       steme im Wandel, Stuttgart 1983, S. 9.
       3) Galkin, a.a.O., S. 124.
       4) Ebd., S. 69.
       5) Ursula Feist/Klaus Liepelt, Die Wahl zum Machtwechsel: Neufor-
       mierung der  Wählerschaft oder Wählerkoalition aus Hoffnung?, in:
       Journal für Sozialforschung 3/1983, S. 287.
       6) Vgl. Klaus  Liepelt, Wahlforschung  - Was  bewegt den Wähler?,
       in: Politische  Partizipation, Schriftenreihe  der Bundeszentrale
       für politische Bildung, Band 220, Bonn 1985, S. 55.
       7) Schulze, a.a.O., S. 10.
       8) Ebd., S. 17.
       9) FORSA-Analysen, Bundestagswahl am 25. Januar 1987: Bewegung im
       Parteienspektrum, Dortmund 1987, S. 1.
       10) Vgl. Forschungsgruppe Wahlen, Bundestagswahl 1987 - eine Ana-
       lyse der  Wahl zum  11. Deutschen  Bundestag am  25. Januar 1987,
       Mannheim 1987, S. 48.
       11) Vgl. Peter  Radunski, Der  Wähler in der Stimmungsdemokratie,
       in: SONDE 2/1985, S. 5.
       12) Peter Gluchowski,  Lebensstile und Wandel der Wählerschaft in
       der Bundesrepublik  Deutschland,  in:  Aus  Politik  und  Zeitge-
       schichte - Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 12/1987, S.
       18.
       13) Forschungsgruppe Wahlen, a.a.O., S. 9.
       14) Radunski, a.a.O., S. 3.
       15) Vgl. Ursula Feist/Hubert Krieger, Alte und neue Scheidelinien
       des politischen  Verhaltens - Eine Analyse zur Bundestagswahl vom
       25. Januar 1987, in: Aus Politik und Zeitgeschichte - Beilage zur
       Wochenzeitung Das Parlament, B 12/1987, S. 33 ff.
       16) Vgl. ebd.
       17) Alle Angaben  nach: Kurt  Steinhaus,  Materielle  Produktion,
       Dienstleistungen und die Arbeiterbewegung, in: Marxistische Blät-
       ter, 4/ 1987, S. 61.
       18) Vgl. Kaspar  Maase, Leben  einzeln und  frei wie ein Baum und
       brüderlich wie  ein Wald  - Wandel der Arbeiterkultur und Zukunft
       der Lebensweise, Köln 1987.
       19) FAZ, 2.2.1987, S. 11.
       20) Vgl. Feist/Krieger, a.a.O., S. 33 ff.
       21) Vgl. Hans Rattinger, Arbeitslosigkeit, Apathie und Protestpo-
       tential, in:  Max Kaase/Dieter Klingemann (Hrsg.), Wahlen und po-
       litisches System  - Analysen  aus Anlaß  der Bundestagswahl 1980,
       Opladen 1983,  S. 257  ff.; ders.,  Politisches Verhalten von Ar-
       beitslosen, in: Dieter Oberndörfer (Hrsg.), Wirtschaftlicher Wan-
       del, religiöser  Wandel und Wertwandel. Folgen für das politische
       Verhalten in  der Bundesrepublik Deutschland, Berlin (West) 1985,
       S. 97 ff.; Ursula Feist/Dieter Fröhlich/Hubert Krieger, Die poli-
       tischen Einstellungen von Arbeitslosen, in: Aus Politik und Zeit-
       geschichte -  Beilage zur  Wochenzeitung Das  Parlament, 45/1984;
       Hubert Krieger,  Arbeitsmarkt und  politische Stabilität, in: Aus
       Politik und Zeitgeschichte - Beilage zur Wochenzeitung Das Parla-
       ment, 17/1986.
       22) Feist/Krieger, a.a.O., S. 46.
       23) Noch 1966  waren 44  Prozent der  Männer und  32 Prozent  der
       Frauen der Auffassung, Politik sei "Männersache". 1984 waren "nur
       noch" 24 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen dieser Mei-
       nung.
       24) Vgl. Joachim  Hofmann-Göttig, Emanzipation  mit dem Stimmzet-
       tel. 70 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland, Bonn 1986, S. 39.
       25) Die Literatur zum Thema Wertewandel hat in den letzten Jahren
       eine große  Konjunktur. Umfassendes  Material bieten u.a.: Elisa-
       beth Noelle-Neumann/Renate  Köcher, Die  verletzte Nation  - Über
       den Versuch  der Deutschen,  ihren Charakter zu ändern, Stuttgart
       1987; Helmut Klages/Willi Herbert, Wertorientierung und Staatsbe-
       zug, Frankfurt  a.M. 1983; Michael v. Klipstein / Burkhard Strüm-
       pel (Hrsg.),  Gewandelte Werte  - Erstarrte  Strukturen. Wie  die
       Bürger Wirtschaft und Arbeit erleben, Bonn 1985.
       26) Johannes Henrich  von Heiseler, Wandel des Wertesystems?, in:
       Marxistische Studien.  Jahrbuch des IMSF 5, Frankfurt/M. 1982, S.
       77.
       27) Vgl. Noelle-Neumann/Köcher, a.a.O., S. 51.
       28) Ebd., S. 83.
       29) Vgl. Heiseler, a. a. O., S. 77 ff.
       30) Vgl. Helmut  Klages,  Wertorientierungen  im  Wandel,  Frank-
       furt/M., New York, S. 19.
       31) Vgl. Johannes  Henrich von  Heiseler, Bestimmungsfaktoren des
       Wahlverhaltens, in:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF 4,
       Frankfurt/M. 1981, S. 183 f.
       32) Vgl. Karl Schmitt, Religiöse Bestimmungsfaktoren des Wahlver-
       haltens: Entkonfessionalisierung mit Verspätung, in: Oberndörfer,
       a.a.O., S. 191 ff.
       33) Vgl. Franz  Urban Pappi,  Das Wahlverhalten sozialer Gruppen,
       in: Hans-Dieter Klingemann, Max Kaase (Hrsg.), Wahlen und politi-
       scher Prozeß  - Analysen aus Anlaß der Bundestagswahl 1983, Opla-
       den 1986, S. 373.
       34) Wesentlichster meßbarer  Indikator für die Kirchenbindung ist
       die Häufigkeit des Kirchgangs. Des weiteren gehört dazu: Überein-
       stimmung mit  der kirchlichen  Glaubenslehre, politische Relevanz
       des Glaubens,  Bindung an  die Kirche  und an die Kirchengemeinde
       (Schmitt, a.a.O., S. 314).
       35) Vgl. Noelle-Neumann/Köcher, a.a.O., S. 178.
       36) Oberndörfer, a.a.O., S. 12.
       37) Schmitt, a.a.O., S. 321 f.
       38) Vgl. Forschungsgruppe Wahlen, a.a.O., S. 16.
       39) Ich beziehe  mich hier  auf  die  Generationsgruppierung  in:
       Heinz Jung,  Die Arbeiterklasse  der 80er Jahre, in: Marxistische
       Studien. Jahrbuch des IMSF 6, Frankfurt/M. 1983, S. 63.
       40) Vgl. ebd.
       41) Vgl. Klaus  Dörre, Die  neuen Unberechenbaren, in: Demokrati-
       sche Erziehung 1/1987, S. 5 ff.
       42) Thesen des  8. Parteitags  der DKP, in: Protokoll des 8. Par-
       teitages der  Deutschen Kommunistischen  Partei, Neuss  1986,  S.
       573.
       43) Vgl. Radunski, a.a.O., S. 3.
       44) Dörre, a.a.O., S. 9.
       

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