Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987


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       POLITISCHE KULTUR - EIN FORSCHUNGSWEG DES MARXISMUS?
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       Friedhelm Kröll/Kaspar Maase
       
       1. Zur  Herkunft des Konzepts politische Kultur - 2. Neues Inter-
       esse seit  dem Ende  der 70er Jahre - 3. Politische Kultur in der
       neueren sowjetischen  Politikforschung - 4. Zu Problemen und Per-
       spektiven eines marxistischen Konzepts politische Kultur aus bun-
       desdeutscher Sicht  - 5.  Einige Diskussions-  und Arbeitsschwer-
       punkte
       
       1. Zur Herkunft des Konzepts politische Kultur
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       Mit der  Veröffentlichung des  "Handwörterbuchs  zur  politischen
       Kultur der Bundesrepublik Deutschland" 1) hat der Begriff politi-
       sche Kultur  den Status  eines zitierfähigen Konzepts angenommen,
       wenngleich bis  heute die  Stimmen des  Zweifels nicht  verstummt
       sind. Jedenfalls,  die  Lektüre  des  dortigen  Stichwortartikels
       "Politische Kultur"  2) verstärkt  einmal mehr  den Eindruck, daß
       Herkunft und  Ambiente nicht dazu angetan sind, das Konzept poli-
       tische Kultur  so ohne  weiteres in  die marxistische Politikfor-
       schung einzufügen.  Galkin, dessen  Vorschläge die  entsprechende
       Diskussion wiederbelebt  haben, hat  zu Recht daran erinnert, daß
       "der Begriff  der politischen  Kultur ... außerhalb der marxisti-
       schen Tradition entstanden" 3) und also erhöhte Aufmerksamkeit im
       Zuge einer kritischen Aneignung geboten ist.
       Nimmt man das Auftauchen des Begriffs "political culture" als In-
       dikator, dann  ist die  Grundlegung dieses  Konzepts in der Mitte
       der fünfziger Jahre zu verorten. Damals begannen einige US-ameri-
       kanische Politik- und Sozialforscher nach neuen Zugängen Ausschau
       zu halten,  um die Politik mit realitätsnäheren Modellen zur Ana-
       lyse der  "Kalkulierbarkeit und Steuerung von Stabilität und Wan-
       del politischer  Systeme -  vor allem aus der Perspektive und von
       den Interessen  einer Super-  oder Weltordnungs- bzw. Interventi-
       onsmacht wie  die USA  -" 4)  zu versorgen. Wohin entwickeln sich
       die jungen  Staaten, die sich aus der kolonialen Hegemonie lösen?
       Wohin bewegen  sich die  vom Faschismus befreiten, politisch-kul-
       turellen "Modernisierungsnachzügler"  Bundesrepublik, Italien und
       Japan? Diese vom Standpunkt des Erhalts der hegemonialen Stellung
       der USA aus aufgeworfenen Fragen bildeten den ursprünglichen Pro-
       blemhorizont.
       In methodologischer  Hinsicht stellte die Einführung des Konzepts
       politische Kultur den Versuch dar, die Kluft zwischen politikwis-
       senschaftlicher Mikro-  und Makroanalyse  zu verringern.  Im Wege
       der Herausarbeitung  von Vermittlungsmomenten  zwischen der Ebene
       der politischen  Sozialisation und der der Funktionsweise politi-
       scher Systeme  sollte die  Grundschwäche der Politologie, Zerfäl-
       lung der  Analyse in  behavioristischen Psychologismus und stati-
       sche Institutionenlehre, überwunden werden. Politische Kultur be-
       zog sich  dementsprechend auf die vermittelnden Ebenen und Mecha-
       nismen, worüber  das Verhalten im politischen Sinn geleitet wird.
       Sie wurde  als Gesamtheit  von Orientierungen, Grundüberzeugungen
       und stereotypisierten  Meinungen aufgefaßt,  die dem  politischen
       Prozeß Folgerichtigkeit und Sinn vermitteln und die zugleich die-
       jenigen Leitvorstellungen  und Normen  enthalten, die das politi-
       sche Verhalten  der Individuen steuern. Anders, das Konzept poli-
       tische Kultur  sollte den "verallgemeinerten Ausdruck der psycho-
       logischen und  subjektiven Dimension  der Politik" 5) zur Geltung
       bringen, ohne  in den Fehler eines psychologischen Reduktionismus
       zurückzufallen.
       Mit der  komparatistisch arbeitenden  Studie von Almond und Verba
       "The Civic  Culture" (1963),  6) inzwischen eine Art "Klassiker",
       wurde der  erste umfassende  Entwurf empirisch-typologischer  Er-
       forschung politischer  Kultur(en) vorgelegt.  Gerade der  ideolo-
       gisch-affirmative,  der  politikfunktionalistische  Grundzug  des
       Konzepts und  die hierüber intonierte Apologie der imperialen Am-
       bitionen der  US-democracy 7)  haben wesentlich dazu beigetragen,
       daß dieses  Konzept zu  Anfang der  siebziger Jahre innerhalb der
       konservativen Politikforschung  der BRD auf freundlichen Rezepti-
       onswiderhall gestoßen  ist. (Erst um einiges später, in gleichsam
       partizipationskultureller Uminterpretation ist die Forschungsidee
       politische Kultur  von sozialdemokratisch  orientierten  Politik-
       und Sozialwissenschaftlern aufgegriffen worden.)
       Die Einfahrt der politischen Kulturforschung sowie deren spezifi-
       sche Akzentuierung  erfolgte in  der  BRD  vornehmlich  über  die
       Wegstrecke der Wahlsoziologie. In einer 1972 erschienenen Disser-
       tation, an  der der  spätere bayerische  Kultusminister Maier als
       Berater und  Korreferent mitgewirkt hat, wurden erstmals der Ent-
       wicklungs- und Rezeptionsstand umfassend resümiert sowie die For-
       schungsziele für  die bundesdeutsche  Politikwissenschaft  formu-
       liert. Diese Zwischenbilanz wird mit einem ebenso bemerkenswerten
       wie bezeichnenden  Vorwort, das Licht auf die politisch-inhaltli-
       chen Motive wirft, eröffnet: "Die Anfänge dieser Arbeit gehen zu-
       rück auf  die häufig  gestellte Frage,  warum  es  nicht  gelang,
       'Westminster nach  Afrika zu  verpflanzen', bzw. in Afrika und in
       'Entwicklungsländern' im  allgemeinen stabile  politische Systeme
       zu errichten, die der doppelten Herausforderung nach ökonomischer
       Leistungsfähigkeit unter  Wahrung demokratischer und rechtsstaat-
       licher Prinzipien gerecht werden könnten." 8) Aber nicht nur die-
       ser Problematik  sollte die Forschungsperspektive politische Kul-
       tur  gewidmet   sein.  In   Anspielung  auf   das   Problem   der
       "Unregierbarkeit der  westlichen Demokratien"  galt das Interesse
       zugleich der  Leistungskraft des Konzepts für die Erforschung der
       Determinanten und  Mechanismen des Erhalts des politischen Status
       quo namentlich in der BRD. 9)
       Zum Zeitpunkt  der Justierung  des Blicks auf die Problematik der
       politischen Kultur als verallgemeinertem Ausdruck der subjektiven
       Dimension des  politischen Prozesses  erschienen hierzulande  die
       ersten Studien  zur Untersuchung  des Wählerpotentials  der  DKP.
       Studien, die  um die  Frage des  sog. Radikalismuspotentials, als
       Reflex wachsender ökonomischer, politischer und geistig-kulturel-
       ler Krisenhaftigkeit der BRD-Gesellschaft, kreisten. 10) Studien,
       die einige  Zeit später,  gleichsam in  Farbenverschiebung,  ihre
       Fortsetzung in der Erforschung des wachsenden "Protestpotentials"
       als möglicher  Quelle der  Etablierung der Grünen ins Parteienge-
       füge der  BRD fanden. 11) Anders: Insbesondere die bundesdeutsche
       Wahlforschung erhoffte  sich von der Einbeziehung der Forschungs-
       konzeption politische Kultur eine Bereicherung sowie theoretische
       Fundierung ihrer  symptomatologischen Analysen zur Krisendiagnose
       möglicher Umbrüche  in der  wahlpolitischen Landschaft  bzw.  des
       Wählerverhaltens. Es  ging letztlich  um die Frage der Steuerbar-
       keit, der  stabilitätsorientierten Verarbeitung und systemkonfor-
       men Lösung  der sich  abzeichnenden "Krise  des Parlamentarismus"
       infolge sich  ausbreitender neuer sozialer Bewegungen und politi-
       scher Alternativen. 12) Das Konzept politische Kultur ist auch in
       der bundesdeutschen Rezeption von Anfang an dem Geist der ideolo-
       gischen Affirmation  und des  Erhalts der  Funktionsfähigkeit des
       politischen Systems  der staatsmonopolistischen Ordnung zugeformt
       gewesen.
       
       2. Neues Interesse seit dem Ende der 70er Jahre
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       1979 erschien  (nach Teilabdruck als SPIEGEL-Serie) unter dem Ti-
       tel "Ein schwieriges Vaterland" eine Studie von Martin und Sylvia
       Greiffenhagen. 13) Diese Schrift markiert den Beginn einer erneu-
       ten Zuwendung  zum Konzept  politische Kultur in der akademischen
       Politikwissenschaft der  BRD. 14) Welche Gründe dafür lassen sich
       nennen?
       Einen aktuellen  Anlaß bildete  die Sorge  sozialdemokratisch und
       radikaldemokratisch orientierter Wissenschaftler, mit der repres-
       siven Reaktion  des Staates  auf terroristische  Aktionen und mit
       der massenmedial angepeitschten Hatz auf widerständige Minderhei-
       ten werde  eine Wende zum drastischen Abbau bürgerlich-demokrati-
       scher Positionen  eingeleitet. 15)  Sie sorgten  sich um  die be-
       drohte "Fähigkeit  zum Dialog"  und fragten  nach den autoritären
       Traditionen, die  im "kollektiven  Gedächtnis" wirkten und in den
       Berufsverboten aktualisiert schienen. Vor diesem Hintergrund sind
       die Versuche  zu sehen, ein Leitbild politische Kultur zu entwer-
       fen, das  jene Wertorientierungen, Einstellungen und Normen poli-
       tischer Konfliktaustragung zusammenfaßt, die eine offene Entwick-
       lung pluralistischer  Demokratie sichern  sollen. 16)  In  diesem
       normativen, wertenden  Sinn hielt  der Begriff Einzug bei Politi-
       kern und  Publizisten, wurde  zum Kampfbegriff  der verschiedenen
       Lager und  etablierte sich in der politischen Sprache der Bundes-
       republik.
       Ein zweiter,  tieferliegender Grund  für die  Wiederbelebung  des
       Konzepts: Im Laufe der 70er Jahre wurde unübersehbar, daß die po-
       litische Integration über die Institutionen des parlamentarischen
       Repräsentativsystems Bruchstellen  aufwies. Bürgerinitiativen und
       außerparlamentarische Bewegungen  machten ebenso  wie  die  trotz
       Krise aufrechterhaltene  Streikfähigkeit der  Gewerkschaften  auf
       ein wachsendes  Potential "unkonventioneller" Formen der Interes-
       senvertretung aufmerksam,  dessen  alle  "Partizipations"theorien
       nicht Herr  wurden. Der  in der  Politikwissenschaft dominierende
       Bezug auf  die Institutionen, die Konzentration auf Umfrageergeb-
       nisse, die  die Bewertung  des traditionellen politischen Systems
       widerspiegeln sollten,  und die Reduktion der Politik auf "how to
       vote" waren für die neuen Herausforderungen nicht gerüstet.
       Ein dritter Impuls: In der bürgerlichen Reaktion auf diese Verän-
       derungen fand  die Dimension  der Werte als Faktor wie als Gegen-
       stand der  Politik neue  Aufmerksamkeit. Das  Spektrum reicht von
       analytisch akzentuierten  Studien in  der  Folge  von  Ingleharts
       "Wertwandel"-These 17)  über Versuche,  aus Befragungsergebnissen
       Rezepte für  ein systemerhaltendes "Werte-Management" abzuleiten,
       18) bis  zum offenen  Weltanschauungskampf um  "Grundwerte", "Mut
       zur Erziehung" und "Tendenzwende".
       Empirische Studien  zu politischen Orientierungen und Verhaltens-
       dispositionen stellen fest, daß die bisher verwendeten Raster und
       Abgrenzungslinien, mit  deren Hilfe Einstellungen und politisches
       Verhalten vorherzusagen  und auch zu beeinflussen war (Zugehörig-
       keit zur  Arbeiterschaft, zur  Gewerkschaft  oder  zu  einer  der
       beiden christlichen  Konfessionen z.B.),  tendenziell durch  neu-
       artige Determinanten  ("ökologische", "subjektthematische", "glo-
       balethische" etc.  Konfliktlinien) erweitert bzw. "durchschossen"
       werden. Zwischen  die grundlegenden sozialen Bestimmungen und das
       politische  Verhalten   schieben  sich  Einflüsse,  die  von  den
       Sozialwissenschaften in  Form von  Wertebündeln 19)  oder von  in
       Lebensstilen bzw.  sozialen Milieus  verfestigten Wertprioritäten
       20) erfaßt werden.
       Derartige politische  und theoretische  Herausforderungen führten
       zur Bereitschaft, den politischen Kultur-Ansatz erneut zu prüfen.
       Trotz aller  Bedenken dominierte letztlich das Votum für den Ver-
       such, "den  Pudding an  die Wand  zu nageln" (Kaase). Das Konzept
       politische Kultur  komme nämlich  offensichtlich  dem  "Bedürfnis
       nach besserem  Verständnis insbesondere der Faktoren und Prozesse
       entgegen, die  Kontinuität und  Wandel (revolutionär oder anders)
       der politischen  Ordnung bedingen. Hinzu tritt... seine vermutete
       Fähigkeit, politische Prozesse besser als nur unter Berücksichti-
       gung struktureller  und institutioneller  Faktoren zu  erklären."
       21) Die  von Kaase  in seinem "Pudding"-Bild angedeutete Fragwür-
       digkeit beruht  auf dem  bewußten Eklektizismus 22) des gewählten
       Ansatzes. Die  Analyse politischer Prozesse im Rahmen eines mate-
       rialistischen Geschichts-  und Gesellschaftskonzepts und beruhend
       auf den  grundlegenden Instrumenten  der Klassen- und Interessen-
       analyse wird als überholt, weil vorgeblich nicht in der Lage, die
       subjektive Seite  der Politik zu erfassen, abgelehnt. Aus dem em-
       pirischen Nachprüfen  einzelner Beziehungen  zwischen politischem
       Verhalten und  erfragbaren subjektiven  Orientierungen der Bürger
       soll Stück  für Stück eine Theorie der politischen Kultur im Rah-
       men eines  System- bzw.  regulationstheoretischen Modells erwach-
       sen. 23)
       Genau umgekehrt,  nämlich nicht  regulations-, sondern bruch- und
       veränderungsthematisch motiviert  sind vereinzelte  Versuche  von
       Marxisten, die in der zweiten Hälfte der 70er Jahre die Kategorie
       politische Kultur  aufgriffen. Ihnen  ging es  darum, die  histo-
       risch-materialistische Gesellschafts-  und Klassenanalyse zu dif-
       ferenzieren. Bemüht,  die Kategorie "Kultur" zur Analyse der sub-
       jektiven Vermittlungen  des  historischen  Prozesses  zu  nutzen,
       richtete sich  der Blick auf geschichtlich-soziologisch und sozi-
       alpsychologisch erfaßbare  Seiten der Subjektivität der Arbeiter-
       klasse: "politische  Kultur" und "Organisations- und Kampfkultur"
       wurden ebenso  thematisiert wie  ihre Prägung  und Stabilisierung
       durch spezifische  lokal-kulturelle Umfelder.  24) R.  Opitz ver-
       suchte, für  die historische Politikforschung das Konzept politi-
       sche Kultur  zur Fassung der "Komplexität der Bestimmungsfaktoren
       ideologischer Entwicklungsprozesse und Klimaveränderungen" 25) zu
       nutzen.
       Wenn auch  diese tastenden  Versuche in  der Bundesrepublik nicht
       sichtbar weiterentwickelt wurden, so scheinen sie doch in der Lo-
       gik des  Fortschreitens der  marxistischen Theorie  und Forschung
       gelegen zu haben. Denn inzwischen liegt auch aus der sowjetischen
       Politikwissenschaft ein  Vorschlag vor,  das  Konzept  politische
       Kultur aufzunehmen.
       
       3. Politische Kultur in der neueren sowjetischen Politikforschung
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       In der neueren sowjetischen Politikforschung wird politische Kul-
       tur als  sozialpsychologisches Konzept  in dezidiert historischer
       Dimensionierung präsentiert.  Die Problemachse  bildet dabei  das
       Bemühen, Untersuchungen zum gesellschaftlichen und zum Klassenbe-
       wußtsein dynamischer  und facettenreicher  zu  konzeptualisieren,
       unter Bezugnahme  auf die  historisch gewordenen Prägemechanismen
       des politischen  Verhaltens in Gestalt von "psychischen Stereoty-
       pen, ideologischen  Traditionen und  Verhaltensnormen,  die  ihre
       Wurzeln in  der Vergangenheit  haben". 26) Im Unterschied zur US-
       Politikforschung wird der klassen- und sozialstrukturelle Bezugs-
       rahmen herausgestellt: "Jede Gesellschaft und jede Klasse besitzt
       ihren Mechanismus  des 'kollektiven  Gedächtnisses', durch dessen
       eigentümliche Prismen alle neue Erfahrung geformt wird." 27)
       Galkin  richtet   seine  Anstrengungen   darauf,  mit  Hilfe  des
       "Begriffs der politischen Kultur... die Erscheinungen des gesell-
       schaftlichen Bewußtseins...,  die auf die Formierung, Entwicklung
       und Tätigkeit der politischen Institutionen sowie auf das politi-
       sche Massenverhalten  der Bürger  einwirken", 28)  auf ihre nicht
       lotrecht aus  der sozialökonomischen  Grundlage ableitbaren  Ver-
       mittlungsdeterminanten hin tiefenschärfer zu fixieren. Dabei rüc-
       ken der "Stellenwert und die Rolle der Tradition" 29) in den Vor-
       dergrund des analytischen Interesses. Der Begriff politische Kul-
       tur habe  es ermöglicht, "daß sich die Aufmerksamkeit der Wissen-
       schaftler nicht  nur auf das Problem der historischen Traditionen
       insgesamt konzentrierte,  sondern auf  jenen spezifischen Aspekt,
       der den  Schlüssel liefert  zu dem sehr aktuellen Problem der Be-
       ziehung zwischen  dem Allgemeinen  und Besonderen  im Prozeß  der
       Entwicklung der  politischen Institutionen, der politischen Orga-
       nisationen, der Formen des politischen Bewußtseins und Verhaltens
       in Ländern,  die sich auf einer ähnlichen Etappe der sozialökono-
       mischen Entwicklung befinden." 30)
       Die realtypologisch-komparatistische  Absicht  ist  unverkennbar,
       wie auch  ersichtlich wird,  daß Galkin  dem "Zwischenreich"  der
       Wirkungsweise der  politischen Kultur  als verallgemeinertem Aus-
       druck der  zu Kristallisationsformen des "kollektiven Gedächtnis-
       ses" geronnenen  subjektiven Dimension des Politischen eine rela-
       tiv eigenständige Geltung und Wirkungsmacht zuerkennt. "Die poli-
       tische Kultur  bildet die  Grundlage des  politischen Verhaltens"
       31) insofern,  als sozialökonomische  Determinanten erst über die
       Brechung durch  Sedimente, Strukturen  und Prozesse der Akkumula-
       tion historischer und vor allem sozialer Erfahrungen bestimmenden
       und formierenden  Einfluß ausüben.  Der definitorische  Vorschlag
       Galkins ist  wohl geeignet,  politische Kultur  als genuinen Pro-
       blembereich der  politikwissenschaftlichen Analyse zu etablieren:
       "Unter  politischer  Kultur  wird  die  institutionalisierte  und
       nichtinstitutionalisierte historische und soziale Erfahrung einer
       nationalen  oder  transnationalen  Gemeinschaft  verstanden,  die
       einen mehr oder minder starken Einfluß auf die Formierung der po-
       litischen Orientierungen  und schließlich des politischen Verhal-
       tens der  Individuen, kleinen und großen gesellschaftlichen Grup-
       pen ausübt.  Mit anderen  Worten ist politische Kultur das in Ge-
       setzen, in  Gewohnheiten und  im politischen  Bewußtsein fixierte
       Gedächtnis über  die Vergangenheit sowohl der Gesellschaft insge-
       samt als auch ihrer einzelnen Elemente, vor allem der Klassen und
       sozialen Schichten." 32)
       Galkins Versuch,  politische Kultur als theoretisches und empiri-
       sches Element  der marxistischen  Politikforschung auszuarbeiten,
       kann getrost  als Beherzigung  der Klarstellung  des alten Engels
       aufgefaßt werden, daß nach materialistischer Geschichtsauffassung
       das  i n  l e t z t e r  I n s t a n z  bestimmende Moment in der
       Geschichte die  Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens
       ist, aber  es dem  marxistischen Forscher  nicht  erspart  werden
       kann, "die  übrigen an  der Wechselwirkung" zwischen ökonomischer
       Lage und  gesellschaftlichem Bewußtsein  "beteiligten Momente  zu
       ihrem Recht kommen zu lassen." 33)
       Allerdings, Galkins  Definition sollte  eher als  Zwischenbilanz,
       als Ermunterung  zu weiterer Ausformulierung des Konzepts politi-
       sche Kultur  verstanden werden  denn als  fertiges Resultat einer
       bereits erfolgten  organischen Einfügung in das wissenschaftliche
       Arsenal des  Marxismus. Wenngleich Galkin differenzierende Analy-
       sen zur theoretischen Bestimmung a) der Grenzen des Phänomens po-
       litische Kultur  und seiner  Wechselbeziehung zu benachbarten Er-
       scheinungen, so insbesondere mit Blick auf die Spezifik der ideo-
       logischen Verhältnisse,  b) der  Mechanismen der Formierung, Ent-
       wicklung und  Ablösung der  politischen Kultur  sowie c) zu deren
       innerer Strukturiertheit vorgelegt hat, so gibt es doch noch eine
       Reihe von  offenen Fragen, die sich vor allem auf die Problematik
       einer angemessenen  Abbildung der Prozesse der Weitergabe der po-
       litischen Kultur  "von Generation  zu  Generation"  beziehen.  Es
       spricht  einiges  dafür,  daß  der  Generationsbegriff  sich  als
       Schlüsselkategorie erweist,  insofern, als hierüber der Bezug zur
       Realisierung der  politischen Kultur "vor allem auf der Ebene der
       Persönlichkeit" 34)  hergestellt werden kann, ohne den Kollektiv-
       charakter dieses  gesellschaftlichen Phänomens psychologisch auf-
       zulösen.
       Die neuere  sowjetische Forschung  zur politischen Soziologie des
       Kapitalismus, die  mit dem  Begriff der politischen Kultur arbei-
       tet, zeigt  eine auffällige  Neigung, dieses Konzept insbesondere
       bei der  Erforschung des "elektoralen Verhaltens" anzuwenden. 35)
       Gewiß, es  gibt keinen  Grund, die Thematisierung und Erforschung
       der politischen  Kultur auf das Feld der Wahlforschung einzuengen
       (wenngleich in  der BRD die marxistische Wahlforschung nicht eben
       üppig gedeiht  und also  belebender Impulse bedarf); aber Galkins
       Programm  einer   sozialstrukturellen  und  politisch-kulturellen
       Feinanalyse der  "Wählerschaften", der "Parteiwählerschaften" so-
       wie einer  gewichteten Faktorenanalyse  des konkreten Wahlverhal-
       tens ist  ein eindrucksvolles  Exempel dafür,  daß es sich lohnt,
       für die  marxistische Analyse  der  allemal  verzwickten  Formie-
       rungs- und Deformierungsprozesse des gesellschaftlich-politischen
       Bewußtseins und Verhaltens auf das Konzept politische Kultur, auf
       die Analyse von Kontinuität und Brüchen des "kollektiven Gedächt-
       nisses" zurückzugreifen.
       
       4. Zu Problemen und Perspektiven eines marxistischen Konzepts
       -------------------------------------------------------------
       politische Kultur aus bundesdeutscher Sicht
       -------------------------------------------
       
       Beim gegenwärtigen  Forschungsstand wäre ein Streit darum, ob der
       B e g r i f f   verwendbar und was denn nun genau politische Kul-
       tur "ist", wenig fruchtbar. Der Vorstoß der sowjetischen Forscher
       scheint vielmehr darauf zu verweisen, daß es in der Weiterführung
       bisheriger Analysen  ein objektives Forschungsinteresse und einen
       realen Theoriebedarf  gibt; sie  richten sich auf die historisch-
       kulturellen und  sozialpsychischen Dimensionen  und Determinanten
       individuellen wie  kollektiven politischen Handelns. Woran könnte
       sich der Nutzen einer derartigen Forschungsperspektive erweisen?
       Die gegenwärtigen  Umbruchprozesse in Lage, Bildung, Generations-
       zusammensetzung und  sozial-kulturellen Orientierungen der Arbei-
       terklasse mit der unübersehbaren Tendenz zu ihrer Differenzierung
       und der  wachsenden Gefahr  der Segmentierung  der  verschiedenen
       Schichten und  Gruppen gegeneinander  machen es unabdingbar, über
       die Analyse  der ökonomischen  und sozialen Interessen und Erfah-
       rungen hinaus  zu untersuchen,  welche neuen Klassenzusammenhänge
       sich bilden  und wie politische Orientierungen durch unterschied-
       liche Milieus beeinflußt werden. Solche Milieus lassen sich nicht
       mit den Instrumenten der bisherigen marxistischen Sozialstruktur-
       analyse allein  bestimmen. Angesichts  des Nebeneinanders und der
       komplexen Wechselwirkung von traditionellen Sozialmilieus, um so-
       ziale Bewegungen  sich bildenden Kommunikationszusammenhängen so-
       wie in Lebensstilen sich verdichtenden Wertorientierungen und Ge-
       nerationsprägungen ist  die Fortentwicklung der Fragestellung und
       auch der begrifflichen Werkzeuge dringend eingefordert. Im Gegen-
       satz zu bürgerlichen Konzepten von politischer Kultur und Lebens-
       stil steht  für die  marxistische Forschung aber nicht die Preis-
       gabe des  Klassenkonzepts an,  weil  sich  "klassenkulturell  be-
       stimmte Lebenswelten"  angeblich auflösen, 36) sondern seine dif-
       ferenzierte Weiterführung:  Politikanalyse ohne  sozialökonomisch
       fundierte Interessenanalyse greift daneben.
       Bei  realistischer  Betrachtung  von  Aufgabenstellung  und  For-
       schungsstand scheint  es gegenwärtig  vorrangig,  einige  Knoten-
       punkte und  Einflußlinien zu untersuchen, von denen aus ein Koor-
       dinatenfeld für  die Bestimmung und komplexe Untersuchung der po-
       litischen Kultur  gezeichnet werden  kann. Als Anregungen zur Er-
       forschung, Konkretisierung  und Verdichtung  dieser Eckpunkte und
       ihrer Beziehungen sind die folgenden Definitionsansätze und Über-
       legungen zu  verstehen. In  Modifikation der  Galkinschen Defini-
       tion, 37)  unter Einschluß  des Zentralaspekts des "Prozesses der
       Transmission der  politischen Kultur",  38) ließe sich der Gegen-
       standsbereich etwa so umreißen: Unter politischer Kultur wird die
       in Gestalt  von konservierenden   M i l i e u s   institutionali-
       sierte  und  nichtinstitutionalisierte  historische  und  soziale
       E r f a h r u n g   einer nationalen, transnationalen sowie Klas-
       seneinheit verstanden  (unter Berücksichtigung  regionaler  Teil-
       ausprägungen), die  einen mehr  oder minder  starken, mithin kon-
       trollierenden Einfluß  auf die  Formierung der politischen Orien-
       tierungen und schließlich des politischen Verhaltens der nach so-
       zialstruktureller Lage  und Interessen  unterschiedenen bzw. ver-
       einheitlichten, d.  h. gesellschaftlichen  Individuen ausübt. Die
       institutionell/strukturell in  Milieus sich festsetzenden politi-
       schen Kulturen verdichten sich sozialpsychologisch in kollektiven
       Gedächtnissen, die  in Traditionen und Gewohnheiten, Erinnerungen
       und Wertstandpunkten,  im "Klassenethos"  (Bourdieu) 39)  oder in
       Gesetzen ihre Fixpunkte haben. Politische Kulturen erzeugen mili-
       euspezifische, historisch-kulturell  bestimmte Klimata,  die  die
       Art und  Weise der kontinuierlichen bzw. diskontinuierlichen Tra-
       dierung des  Gedächtnisses von   G e n e r a t i o n   zu Genera-
       tion, die  sich im  Medium von Sozialisationsprozessen vollzieht,
       prägen.
       
       5. Einige Diskussions- und Arbeitsschwerpunkte
       ----------------------------------------------
       
       5.1 Politische Kultur von Klassen(fraktionen)
       ---------------------------------------------
       
       Wesentliches Ziel  muß es  sein, Bestimmungsfaktoren  politischen
       Verhaltens in  verschiedenen  K l a s s e n (f r a k t i o n e n)
       einer nationalen  Gesellschaft herauszuarbeiten. Dies ist wesent-
       lich aktuell   s y n t h e t i s i e r e n d e    und  methodisch
       komparatistisch-typologische Arbeit,  da sich die politische Kul-
       tur einer Klasse nicht im luftleeren Raum oder einem nur klassen-
       mäßig bestimmten  "Äther" bildet.  Hier sind die Erkenntnisse von
       Heiseler 40)  und Werner  41) zur   n o t w e n d i g  w i d e r-
       s p r ü c h l i c h e n   S t r u k t u r   d e s    B e w u ß t-
       s e i n s   d e r  L o h n a r b e i t e r  aufzunehmen. Auch die
       politische Kultur von Klassen(gruppen) zu einem bestimmten Moment
       ist ein  höchst widersprüchliches Konglomerat. Eine Vereinheitli-
       chung oder  zumindest  Hierarchisierung  im  Klassensinn  ist  in
       erster Linie  Auswirkung der Erfahrung eigenen Handelns, dem dann
       psychische Umorientierungen folgen.
       Die Widersprüchlichkeit  der politischen  Kultur in der Arbeiter-
       klasse folgt  auch daraus, daß in sie die Traditionen verschiede-
       ner, sich  geschichtlich und sozial überschneidender Gemeinschaf-
       ten eingehen:  in Deutschland  religiöse Traditionen mit wiederum
       unterschiedlicher regionaler Färbung, Traditionen aus der politi-
       schen und  Sozialgeschichte verschiedener Räume, landsmannschaft-
       liche Besonderheiten. Auch die Traditionen und das kollektive Ge-
       dächtnis der Arbeiterbewegung sind stark lokal/regional differen-
       ziert und  haben sogar  bedeutende Akzente,  die sich aus der Ge-
       schichte einzelner  Großbetriebe und ihrer Belegschaften ergeben.
       Im Fortgang  der Analyse kommt es v.a. darauf an, den Komplex je-
       ner   F a k t o r e n   zu bestimmen,  d i e  d i e  B e r e i t-
       s c h a f t    z u    i n t e r e s s e n v e r t r e t e n d e m
       H a n d e l n  b e e i n f l u s s e n  u n d  a u s m a c h e n.
       Wesentliche Schnittpunkte und Erkenntnisinstrumente marxistischer
       Analyse politischer Kultur liegen im  B e z i e h u n g s f e l d
       K l a s s e n-  u n d  S o z i a l s t r u k t u r  -  I n s t i-
       t u t i o n e n   -   G e n e r a t i o n e n.  Wandlungen in der
       Sozialstruktur sind einerseits grundlegende Faktoren der Verände-
       rung politischer  Kultur. Andererseits  ist die  subjektive Wahr-
       nehmung und  Beantwortung der  mit dem  Wandel verbundenen  neuen
       Erfahrungen gebrochen  und  geprägt  durch  die  Traditionen  des
       sozial-kulturellen Umfelds.  In diesem Umfeld - für das im heuti-
       gen SMK der Begriff "Milieu" neu zu fassen ist - spielen Institu-
       tionen mit  sozialisierender Wirkung eine wesentliche Rolle, v.a.
       Medien und Bildungssystem. Sie sind in ihrer Wirkung wiederum ge-
       brochen und vermittelt über soziale Organisationen bzw. stabilere
       persönliche Kommunikationszusammenhänge: Familie, Gleichaltrigen-
       gruppen, Vereine.  Intensiv zu  untersuchen sind die Organisatio-
       nen/Institutionen von Arbeiterklasse und Arbeiterbewegung: Beleg-
       schaft, Gewerkschaft,  Partei, ihre  Medien und Öffentlichkeiten.
       Sie haben  wesentlichen Einfluß  auf die  Entwicklung und Wirkung
       des kollektiven Gedächtnisses der Klasse.
       All diese  Stränge gilt es zusammenzuführen, wenn Kontinuität und
       Bruch im   G e n e r a t i o n s ü b e r g a n g  untersucht wer-
       den. Hier  ist der  wesentliche Ort des Wandels, hier realisieren
       sich die quantitativen Veränderungen in Sozialstruktur, Bildungs-
       schichtung etc.  unter dem Einfluß bestimmter prägender Generati-
       onserfahrungen in qualitativen Veränderungen der politischen Kul-
       tur der Klasse(nfraktion). 42)
       
       5.2 Milieutheorie - Milieuanalyse
       ---------------------------------
       
       Es schält  sich heraus, daß eine vorrangige Forschungsaufgabe die
       Entwicklung einer marxistischen, empirisch gestützten Theorie der
       Milieus bildet.  Im allgemeinsten  Sinn wird  damit ein  spezifi-
       sches, in  die alltägliche Kommunikation einbezogenes und das in-
       dividuelle wie kollektive Bewußtsein und Verhalten bis zur sozia-
       len Kontrolle  beeinflussendes soziales  Umfeld bezeichnet. Diese
       "Mikroumwelt" ist  im Prozeß auch ihres Wandels zu fassen, in dem
       spontane, traditionelle und organisierte Faktoren des Milieus zu-
       sammenwirken.
       Unter den Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus der
       BRD stellen  sich neue  Fragen. Eine zentrale lautet: Wie ist die
       soziale und  "ökologische" Basis  wesentlicher für die politische
       Kultur in der Arbeiterklasse relevanter Milieus zu bestimmen? Mit
       der Abtrennung  betrieblicher von außerbetrieblichen Lebenszusam-
       menhängen (Nachbarschaft,  Vereine etc.), mit der Schrumpfung so-
       zial homogener  Arbeiterwohngebiete ist  die Basis traditioneller
       Arbeitermilieus geschwächt,  verstärken sich Tendenzen der Umbil-
       dung und  Neuformierung. Gleichzeitig bilden sich "quer" oder zu-
       mindest "schräg"  zu den  sozialstrukturellen Milieulinien Zusam-
       menhänge wie  die jugendliche  "Gesellschaft der Altersgleichen",
       43) die stark über das Milieusegment Schule geprägt sind. Mit den
       Jugendkulturen öffnen  sich Einflußschienen  für  die  Ideologien
       konsum- und  markenorientierter Lebensstile; aber zugleich können
       bestimmte Sektoren  der musikalischen  Massenkultur wie die enga-
       gierte Rock-  und Popszene zu Kristallisationspunkten werden, die
       mit dem  Einfluß und Umfeld progressiver sozialer Bewegungen ver-
       knüpft sind  (Künstler für  den Frieden, Rock gegen Apartheid und
       Ausländerfeindlichkeit etc.).
       Kaum Untersuchungsergebnisse  liegen bisher  vor über  Milieus im
       weitgespannten Angestellten-  und Beamtenbereich,  über die  Ver-
       schränkung mit  den Einflüssen verschiedener Mittelschichtgruppen
       und der Intelligenz usw. Schließlich dürfte wichtig sein, die Be-
       ziehungen zwischen  Milieus, sozialen Bewegungen und Massenmedien
       zu untersuchen.  Die Allgegenwart der Massenmedien und ihre poli-
       tisch nivellierende und prägende Wirkung gehören zu den Wesenszü-
       gen der  politischen Kultur im SMK und werden mit den gegenwärti-
       gen Umbrüchen in Technologie und Lebensweise eher noch verstärkt.
       Milieus sind  also auch als ein sozialer Ort der kollektiven Ver-
       arbeitung von  Medienbotschaften auf  dem Hintergrund und mit den
       Mitteln einer  spezifischen sozialen Erfahrung und eines spezifi-
       schen, lokal und regional akzentuierten kollektiven Gedächtnisses
       zu untersuchen.  Dabei ist  der Bezug zu und Einfluß von sozialen
       Bewegungen und ihren Organisationen ein wesentlicher Faktor.
       Die Weitergabe  von Orientierungen und Bindungen an die Arbeiter-
       bewegung über familiär und nachbarschaftlich verankerte Traditio-
       nen verliert an Bedeutung; die Kommunikations- und Ausstrahlungs-
       punkte eines dezidierten Arbeiterbewegungsmilieus in Organisatio-
       nen, Freizeitgesellung, politischen, sozialen und kulturellen In-
       itiativen bedürfen dringend der Untersuchung. Gleichzeitig können
       wir beobachten,  wie ein auf die "neuen sozialen Bewegungen" ori-
       entiertes Milieu  mit einem  relativ stabilen  Fundus gemeinsamer
       Wertorientierungen sich  auch "ökologisch" in bestimmten Quartie-
       ren und  Regionen verankert  und auch jenseits der "Szene" in so-
       zial gemischten Wohn- und Lebenszusammenhängen über eine spezifi-
       sche Mittelschichtbasis hinaus Einfluß gewinnt.
       Um Entwicklungen  und Wandlungen in der politischen Kultur zu er-
       fassen, scheint  es daher  angebracht, die Untersuchungseinheiten
       oder Trägergruppen  flexibel zu  bestimmen. Zu  den prägenden und
       verändernden Faktoren zählen offensichtlich jene recht homogenen,
       wesentlich durch  gemeinsame Anschauungen und Wertstandpunkte so-
       wie ein bewußt homogenisiertes kollektives Gedächtnis ausgezeich-
       neten Milieus,  die sich  um die  aktiven Kerne und ideologischen
       Strahlpunkte sozialer Bewegungen bilden. 44) Das gilt für die Ak-
       tivisten der  klassenautonomen Arbeiterbewegung wie für die dezi-
       diert alternative  Szene. Die Beziehungen zwischen den beiden Di-
       mensionen -  einer primär sozialstrukturell definierten und einer
       wertmäßig-ideologisch-kulturell definierten - als Indikatoren und
       Formen der  Entwicklung der  politischen Kultur scheinen größerer
       Aufmerksamkeit wert.
       
       5.3 "Weite" oder "enge" Auffassung politischer Kultur?
       ------------------------------------------------------
       
       Zu diskutieren  ist ebenfalls,  ob politische Kultur vorrangig in
       einem weiteren oder engeren Sinn zu untersuchen ist. Eine Analyse
       von Milieus  liegt als  "Einstieg" nahe  und verspricht  Erkennt-
       nisse, die  auf wichtige Entwicklungstendenzen und Formierungsbe-
       dingungen in  der Arbeiterklasse  und den Mittelschichten hinwei-
       sen. Dabei  wird zu  prüfen sein,  wie weit es notwendig ist, die
       n a t i o n a l - h i s t o r i s c h e   D i m e n s i o n   der
       politischen Kultur intensiver zu erforschen. So ist zu fragen, ob
       die Spezifika  der Krisenreaktion  in Arbeiterbewegung  und Bour-
       geoisie der BRD, die im internationalen Vergleich mit anderen an-
       tietatistisch-aggressiven SMK-Varianten  45) die  Positionen  der
       demokratischen und  sozialen Bewegungen sowie den materiellen und
       ideologischen Status  quo relativ wenig verschoben haben, nur aus
       dem aktuellen  Kräfteverhältnis oder auch aus Momenten der natio-
       nalen politischen  Kultur zu erklären sind. Da wäre an die Veran-
       kerung antifaschistisch-demokratischer  Einstellungen v.a. in den
       jüngeren und  mittleren Generationsgruppen  46) ebenso  zu denken
       wie an die Fixierung der positiven Erfahrungen, die die Großbour-
       geoisie mit dem "Produktionsfaktor sozialer Frieden" gemacht hat.
       Eng oder weit ist aber auch der Kreis der Faktoren zu fassen, die
       als Determinanten politischen Handelns herangezogen werden. Empi-
       risch praktikabler  ist sicher die Beschränkung auf Einstellungen
       und Werte,  die sich  direkt auf  das politische  System und  den
       Klassenkampf um  die Macht im Staat beziehen. Im Forschungsprozeß
       wird sich  erweisen, wie notwendig eine Ausdehnung in jene Dimen-
       sionen ist,  die Galkin  etwa mit  dem Bezug  auf den  "National-
       charakter" anspricht  47) und  die, sozial  zugespitzt,  mit  dem
       Begriff  der  Klassenpsychologie  der  Arbeiterklasse  diskutiert
       werden. 48) Hier ginge es dann um das  g e s a m t e  S y s t e m
       ü b e r k o m m e n e r  W e r t e,  Verhaltensorientierungen und
       -muster -  das allerdings   s p e z i f i s c h   n a c h  s e i-
       n e r  "p o l i t i s c h e n  R e l e v a n z"  (im weiten Sinn)
       b e f r a g t   wird. Einstellungen  zur Arbeit, Auffassungen von
       den  Geschlechterrollen   oder  Vorstellungen   von  der  zu  re-
       spektierenden persönlichen  Würde des  einzelnen beeinflussen, ob
       und wie  Individuen und Gruppen politisch eingreifen. Mit der zu-
       nehmenden Vergesellschaftung  und damit  Politisierung aller  Le-
       bensbereiche scheint ein derart komplexes Herangehen bedeutsamer.
       Das verlangt  allerdings  auch  eine  innere  Strukturierung  des
       Werte-  und  Traditionsfundus  unter  dem  Gesichtspunkt,  welche
       S c h l ü s s e l e i n s t e l l u n g e n  ausschlaggebend sind
       dafür, ob  sich bestimmte  Erfahrungen und Ansprüche auch in Han-
       deln umsetzen.
       
       5.4 Schwerpunkt: Wahlforschung oder
       -----------------------------------
       interessenvertretendes Handeln?
       -------------------------------
       
       Eine weitere  wichtige Entscheidung  ist die, in bezug auf welche
       Bereiche des  politischen Verhaltens die marxistische Erforschung
       der politischen  Kultur  vorrangig  zu  entwickeln  ist.  Einiges
       spricht dafür,  der Empfehlung Gal-kins zu folgen und das Konzept
       im Bereich der Wahlforschung voranzutreiben. Hierzulande ist "die
       Teilnahme (oder Nichtteilnahme) an der Wahlprozedur die am weite-
       sten verbreitete  und massenhafte  Form  politischen  Verhaltens;
       insofern hat das Studium des elektoralen Handelns der Massen eine
       außerordentlich große  Bedeutung für ein Verständnis der dort ab-
       laufenden Prozesse."  49) Wählen  bzw. Nichtwählen ist, wie alles
       politische Verhalten,  ein eminent  kollektiver,  milieugeprägter
       Vorgang, der  ergiebige Aufschlüsse über das aktualpolitische Be-
       wußtsein gibt.  Wir können derzeit bemerkenswerte Umbrüche in den
       Milieu-Landschaften beobachten,  Prozesse des  Zerfalls  und  der
       Neubildung, die  sich an  wahlsoziologischen  Indikatoren  messen
       lassen; Ansätze  der neueren  nichtmarxistischen Wahlforschung in
       Richtung auf  Differenzierung der sozialstrukturellen und ideolo-
       gischen Scheidelinien  50) und  Milieus bzw. Lebensstile 51) sind
       dabei zu nutzen. 52)
       So werden  politische Kulturanalyse  und Theoriebildung von vorn-
       herein dem  heilsamen Zwang  zur Empirie unterworfen. Schließlich
       können empirienahe  Längsschnittanalysen mit  Hilfe der  ökologi-
       schen Wahlstatistik  dazu beitragen, einen politik-soziologischen
       Begriff der Generation zu entwickeln.
       Mit dieser,  einschlägige Defizite  abbauenden  Fokussierung  auf
       Trendanalytik des Wahl- und Wählerverhaltens ist keine konzeptio-
       nelle Einengung  der politischen  Kulturforschung auf den Bereich
       elektoraler Soziologie  präjudiziert. Gleichwohl geht die Diskus-
       sion darüber,  ob eine  derartige Gewichtung  der  Wahlsoziologie
       nicht dazu  führt, die  Stimmabgabe, die  Wählerbewegung bzw. die
       parlamentarische Ebene  politischer Ausdrucksformen unzulässig zu
       überschätzen. Denn  gerade das marxistische Herangehen an die Po-
       litik relativiert  das Wahlverhalten  bzw. die Stimmabgabe im Ge-
       samtspektrum der  Formen interessenvertretenden Handelns. Darüber
       hinaus ist  offen, ob  die Verschiebungen  im Wählerverhalten ein
       brauchbarer Indikator  sind für  jene tiefgreifenden  Wandlungen,
       denen Einstellungen  und Praxen großer Bevölkerungsteile seit dem
       Ende der 60er Jahre unterworfen sind. Reflektiert sich im Wähler-
       verhalten zureichend  die spannungsreiche  Wechselbeziehung  zwi-
       schen neuen  Formen  interessenvertretenden  Handelns,  dem  Auf-
       schwung außerparlamentarischer  Bewegungen und  der Trägheit tra-
       dierter, hier:  elektoraler Ausdrucksformen?  Verdeckt die  Wahl-
       und Wählerlandschaft nicht eher die Dynamik der Veränderungen der
       politischen Einstellungen und Handlungsformen (bis hin zum Wandel
       der Einschätzung  und des  Verhaltens gegenüber dem parlamentari-
       schen Repräsentativsystem)  als daß sie sie zum Vorschein bringt?
       Die Leistungskraft  von Wahlforschung als symptomatologisches Or-
       gan politischer Prozesse steht zur weiteren Diskussion an.
       Wir haben oben schon darauf hingewiesen, daß nach den Ergebnissen
       der marxistischen  Bewußtseinsforschung gerade das eigene Handeln
       und seine  Erfahrungen ein dynamisches Moment in Richtung auf das
       klassenmäßige Verarbeiten  der Widersprüche  des Arbeiterbewußts-
       eins bilden.  Das dürfte  auch für seinen Einfluß auf die politi-
       sche Kultur  gelten. Auch für diese Wandlungen liegt vielfältiges
       empirisches  Material   vor,  da  ja  die  wachsende  Neigung  zu
       "'unkonventionellen' (Protest-)Verhaltensbereitschaften"  53) und
       die Sicherung  der Systemakzeptanz  54) anhaltende Aufmerksamkeit
       der bürgerlichen  Politikwissenschaft finden.  Der  Generationsa-
       spekt und  seine Beziehung zum Sozialstrukturwandel sind auf die-
       sem Feld ebenfalls fruchtbar zu studieren.
       
       5.5 Wandlungen im "politischen Stil"
       ------------------------------------
       
       Schließlich scheint  es sinnvoll, bestimmte Dimensionen des poli-
       tischen Verhaltens,  die man  als den  spezifischen  "politischen
       Stil" von Bewegungen und Organisationen bezeichnen könnte, in die
       politische Kulturforschung  einzubeziehen. Wie Bewegungen und Or-
       ganisationen ihr "Leben" und ihre Entscheidungsbildung gestalten,
       welche Ansprüche  an Engagement  und Loyalität  sie  durchsetzen,
       welche Form  sie ihren Aktionen geben und was sie damit insgesamt
       an kollektiver Identität oder "Image" ausstrahlen, verändert sich
       gegenwärtig in  der BRD deutlich. Darin artikuliert sich u.a. ein
       kultureller Wandel in Lebensauffassung und Persönlichkeitsansprü-
       chen, in individuellen Kompetenzen und sozialen Bedürfnissen, der
       für die Zukunft der Arbeiterbewegung bedeutsam ist. Ansprüche und
       Präferenzen in bezug auf den "politischen Stil" der verschiedenen
       kollektiven politischen  Subjekte (Initiativen,  Bewegungen,  Ge-
       werkschaften, Parteien  etc.)  beeinflussen  Entscheidungen  über
       Stimmabgabe, Organisierung und aktives Engagement. Sie überlagern
       sich mit  sozialstrukturellen und Interessenlinien und bilden ein
       wesentliches Moment  der "kulturellen  Barrieren" zwischen Arbei-
       terbewegung und "neuen sozialen Bewegungen". 55) Zugleich gründen
       gewandelte Erwartungen  an den "politischen Stil" der Arbeiterbe-
       wegung in  den Veränderungen  der Klasse selber und erfordern von
       den Organisationen,  solche Ansprüche  zu berücksichtigen  und in
       ihre gesamte politische Kultur zu integrieren.
       
       _____
       1) M. Greiffenhagen,  S.  Greiffenhagen,  R.  Prätorius  (Hrsg.),
       Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutsch-
       land, Opladen 1981.
       2) P. Reichel, Artikel Politische Kultur, in: Greiffenhagen u.a.,
       a.a.O.
       3) A.A. Galkin,  Herrschaftselite. Politisches Verhalten. Politi-
       sche Kultur.  Zur politischen  Soziologie des heutigen Kapitalis-
       mus, Frankfurt/M. 1986, S. 138.
       4) Reichel, a.a.O., S. 320.
       5) L. Pye,  Political Culture,  in: International Encyclopedia of
       Social Sciences, New York 1961, vol. 12, S. 218.
       6)  G.A.  Almond, S. Verba, The Civic Culture - Political Attitu-
       des and  Democracy in  Five Nations,  Neudruck Princeton 1972. Zu
       erwähnen sind noch die Nachfolgestudien L.W. Pye, S. Verba (ed.),
       Political Culture and Political Development, Princeton 1965; W.A.
       Rosenbaum, Political Culture, London 1975.
       7) Vgl. zur  Kritik F. Kroll, Bemerkungen zum Konzept "Politische
       Kultur" in der bürgerlichen Wahlforschung, in: IMSF (Hrsg.), Kul-
       turelle Bedürfnisse  der Arbeiterklasse, München 1978; ders., Die
       Mythologisierung der  Wahlkabine.  Zur  Kritik  der  herrschenden
       Wahlforschung, in:  Blätter für deutsche und internationale Poli-
       tik 4/1980.
       8) D. Berg-Schlosser, Politische Kultur - Eine neue Dimension po-
       litikwissenschaftlicher Analyse, München 1972, S. 9.
       9) Vgl. ebd.
       10) H.-D. Klingemann,  F.U. Pappi, Politischer Radikalismus, Mün-
       chen/Wien 1972.
       11) R.-O. Schultze,  Nur Parteiverdrossenheit  und diffuser  Pro-
       test?, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 2/1980.
       12) Vgl. Kroll, Die Mythologisierung ..., a. a. O.
       13) M. und S. Greiffenhagen, Ein schwieriges Vaterland. Zur Poli-
       tischen Kultur Deutschlands, München 1979.
       14) Einen guten  Überblick gibt  der Forschungsbericht  von  W.M.
       Iwand, Paradigma  Politische Kultur,  Opladen 1985, hier v. a. S.
       220 ff.
       15) Vgl. H. Gerstenberger, Politische Kultur und Klasseninteresse
       in der Bundesrepublik Deutschland, in: H. Brüggemann, H. Gersten-
       berger, W.  Gottschalch u.a., Über den Mangel an politischer Kul-
       tur in Deutschland, Berlin/W. 1978, S. 67 ff.
       16) Vgl. neben  den Greiffenhagens den Versuch einer partizipati-
       onstheoretischen Neubegründung des Konzepts durch P. Reichel, Po-
       litische Kultur  - mehr als ein Schlagwort?, in: Politische Vier-
       teljahresschrift 4/1980,  S. 382ff.;  ders., Politische Kultur in
       der Bundesrepublik, Opladen 1981.
       17) Vgl. dazu J.H. v. Heiseler, Wandel des Wertsystems?, in: Mar-
       xistische Studien.  Jahrbuch des IMSF 5, Frankfurt/M. 1982, S. 72
       ff.
       18) Vgl. E.  Noelle-Neumann, Werden wir alle Proletarier?, Zürich
       1978; Zukunftsperspektiven  gesellschaftlicher Entwicklungen, Be-
       richt  im  Auftrag  der  Landesregierung  von  Baden-Württemberg,
       Stuttgart 1983, v.a. S. 38 ff.; H. Klages, W. Herbert, Wertorien-
       tierung und Staatsbezug, Frankfurt/New York 1983.
       19) Vgl. Klages/Herbert, a.a.O.
       20) Zum Milieu-Ansatz  vgl. Sinus,  Planungsdaten für  eine mehr-
       heitsfähige SPD,  Heidelberg, März 1984; zum Lebensstil-Ansatz P.
       Gluchowski, Lebensstile  und Wandel  der Wählerschaft in der Bun-
       desrepublik  Deutschland,  in:  Aus  Politik  und  Zeitgeschichte
       12/1987, S. 18 ff.
       21) M. Kaase,  Sinn oder  Unsinn des Konzepts "Politische Kultur"
       oder auch:  Der Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln, in:
       M. Kaase,  H. - D. Klingemann (Hrsg.), Wahlen und politisches Sy-
       stem, Opladen 1983, S. 166.
       22) Vgl. ebd.
       23) Vgl. ebd., S. 162 ff.
       24) Vgl. D.  Ulle, Kulturtheoretische Imperialismusforschung, in:
       Kultur der  Arbeiterklasse (Marxismus  Digest 31,  hg. v.  IMSF),
       Frankfurt/M. 1977,  S. 32; K. Maase, Arbeiterklasse, Reproduktion
       und Kultur im heutigen Kapitalismus, in: IMSF (Hrsg.), Kulturelle
       Bedürfnisse..., a.a.O.,  S.41-45; F.  Kroll, Bemerkungen...,  in:
       ebd., v.a. S. 115-121.
       25) R. Opitz,  Politische Ideologiekonzeptionen  im  Vorfeld  der
       Gründung der Bundesrepublik, in: U. Albrecht u.a., Geschichte der
       Bundesrepublik. Beiträge, Köln 1979, S. 36 (Fn.).
       26) W.P. Jerusalimskij,  Proletarische Psyche. Zum sozialökonomi-
       schen und  politischen Bewußtsein  der Arbeiterklasse in der Bun-
       desrepublik, Frankfurt/M. 1984, S. 22.
       27) Ebd.
       28) Galkin, a.a.O., S. 134.
       29) Ebd., S. 135.
       30) Ebd., S. 138.
       31) Ebd., S. 161.
       32) Ebd., S. 156.
       33) F. Engels,  Brief an  Joseph Bloch  vom 21.9.1890, MEW 37, S.
       463 ff.
       34) Galkin, a.a.O., S. 167.
       35) Vgl. ebd., S. 120 ff.
       36) U. Beck,  Risikogesellschaft, Frankfurt/M.  1986, bringt eine
       Vielzahl bedenkenswerter  Beobachtungen und treffender soziologi-
       scher Hinweise  (v. a. S. 115-160) auf diesen fragwürdigen Nenner
       (Zitat S. 157).
       37) Galkin, a.a.O., S. 156.
       38) Ebd., S. 164.
       39) Vgl. P.  Bourdieu, Entwurf  einer Theorie  der Praxis auf der
       ethnologischen Grundlage  der  kabylischen  Gesellschaft,  Frank-
       furt/M. 1976,  S.  166  f.  Dazu  K.  Maase,  Arbeiterklasse  und
       "Habitus" - Zu einigen Aspekten von Pierre Bourdieus Kultursozio-
       logie, in: Marxistische Blätter 6/1986, S. 95 ff.
       40) J.H. v.  Heiseler, Die  elementare Basis bürgerlichen und so-
       zialistischen Bewußtseins in der Arbeiterklasse, in: Marxistische
       Studien. Jahrbuch des IMSF 2, Frankfurt/M. 1979, S. 70 ff.
       41) H. Werner,  Zwischen Sozialpartnerschaftsideologie  und Klas-
       senbewußtsein - zur Bedeutung der Widersprüche im Arbeiterbewußt-
       sein, in: ebd., S. 341 ff.
       42) Vgl. H.  Jung, Zur  Arbeiterklasse der 80er Jahre, in: Marxi-
       stische Studien.  Jahrbuch des  IMSF 6,  Frankfurt/M. 1983, S. 62
       ff., sowie den Beitrag von K. Dörre in diesem Band.
       43) Vgl. K.  Allerbeck, W.  Hoag, Jugend  ohne  Zukunft,  München
       1985, v.a. Kap. 2.
       44) Vgl. dazu die Überlegungen von W.P. Jerusalimskij, Neue linke
       politische Kultur  als Kampffeld  für die Hegemonie der Arbeiter-
       klasse, in:  IMSF (Hrsg.), Intelligenz, Intellektuelle und Arbei-
       terbewegung in Westeuropa, Frankfurt/M. 1985, S. 254 ff.
       45) Vgl. H.  Jung, Zum  Konzept der Entwicklungsvarianten des SMK
       heute, in:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF 11,  Frank-
       furt/M. 1986, S. 65 ff.
       46) Vgl. den Beitrag von E. Gottschaldt in diesem Band.
       47) Galkin, a.a.O., S. 160.
       48) Vgl. G.  G. Diligenski,  Sozialpsychologie und Klassenbewußt-
       sein der  Arbeiterklasse im  heutigen Kapitalismus,  Frankfurt/M.
       1978, S.  6-44; H.  Werner, Die  Sozialpsychologie der  Arbeiter-
       klasse und die "neuen sozialen Bewegungen", in: Marxistische Stu-
       dien. Jahrbuch  des IMSF  5, 1982,  S. 80 ff.; Die soziale Psyche
       der Klassen  und Schichten  im heutigen  Kapitalismus, Berlin/DDR
       1987.
       49) Galkin, a.a.O., S. 120.
       50) Vgl. U. Fest, H. Krieger, Alte und neue Scheidelinien des po-
       litischen Verhaltens, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 12/1987,
       S. 33 ff.
       51) Vgl. Fn. 20.
       52) Vgl. den Beitrag von J. Dietrich in diesem Band.
       53) Klages/Herbert, a.a.O., S. 13.
       54) Vgl. O.  W. Gabriel, Politische Kultur, Postmaterialismus und
       Materialismus in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1986.
       55) Vgl. K. Maase, Neue Bewegungen: Gesellschaftliche Alternative
       oder kultureller  Bruch?, in:  Marxistische Studien. Jahrbuch des
       IMSF 5, Frankfurt/M. 1982, S. 37 ff.
       

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