Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987


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       WISSENSCHAFTLICH-TECHNISCHE REVOLUTION UND
       ==========================================
       DEFORMIERTE PRODUKTIVKRAFTENTWICKLUNG
       =====================================
       
       André Leisewitz
       
       1. Zur Konzeption der "wissenschaftlich-technischen Revolution" -
       2. Neuer Produktivkrafttyp - neuer Rationalisierungstyp? - 3. De-
       formationen der Produktivkraftentwicklung - 4. Kontrolle der Pro-
       duktivkraftentwicklung - ein soziales und technisches Problem
       
       1. Zur Konzeption der "wissenschaftlich-technischen Revolution"
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       In der  marxistischen Diskussion  wird der  Begriff der  "wissen-
       schaftlich-technischen  Revolution"   zur  Charakterisierung  der
       industriellen Produktivkraftentwicklung  der Gegenwart  verwandt.
       Seine Verbreitung  und inhaltliche Bestimmung sind wesentlich mit
       den Arbeiten  J.D. Bernais  verbunden, der  als einer  der ersten
       marxistischen Wissenschaftler  seit den  dreißiger Jahren  syste-
       matisch den vielschichtigen Zusammenhang zwischen Wissenschafts-,
       Technik- und  Produktivkraftentwicklung in  verschiedenen Gesell-
       schaftsformationen erforschte.  1) Der  Begriff knüpft  direkt an
       die Marxschen Formulierungen über die permanente Revolutionierung
       der Produktivkräfte  durch das Kapital an: "Die moderne Industrie
       betrachtet und  behandelt  die  vorhandne  Form  eines  Produkti-
       onsprozesses nie  als definitiv.  Ihre technische Basis ist daher
       revolutionär, während  die aller  früheren Produktionsweisen  we-
       sentlich konservativ  war. Durch  Maschinerie, chemische Prozesse
       und andre Methoden wälzt sie beständig mit der technischen Grund-
       lage der  Produktion die  Funktionen der Arbeiter und die gesell-
       schaftlichen Kombinationen des Arbeitsprozesses um." 2)
       Besonders in  den Vorarbeiten  zum "Kapital" hatte Marx sich aus-
       führlich der  h i s t o r i s c h e n  D i m e n s i o n  der ka-
       pitalistischen Produktivkraftentwicklung  und der  besonderen Be-
       deutung zugewandt,  die dabei  "die allgemeine  wissenschaftliche
       Arbeit, (die)  technologische Anwendung der Naturwissenschaften",
       "die Verwandlung  des Produktionsprozesses  aus dem einfachen Ar-
       beitsprozeß in  einen wissenschaftlichen Prozeß, der die Naturge-
       walten seinem Dienst unterwirft", gewinnt. 3) Hier wurde auch der
       Begriff von der "Wissenschaft als Produktivkraft" geprägt. 4) Für
       die spätere  Ausarbeitung der  Konzeption der  "wissenschaftlich-
       technischen Revolution"  war nicht zuletzt die scharfe Akzentuie-
       rung von  Bedeutung, mit  der Marx  die zu  seinen Lebzeiten sich
       erst andeutende Tendenz hervorhob, daß wissenschaftliche (Natur-)
       Forschung zur  unabdingbaren Voraussetzung und nicht mehr nur Be-
       gleit- oder  Folgeerscheinung von Schüben der Produktivkraft- und
       Technikentwicklung wird  5) -  eine Tendenz,  die inzwischen ihre
       eindrucksvolle Bestätigung gefunden hat und die gerade das Inter-
       esse von Bernal und anderen auf sich zog.
       Die Konzeption  der wissenschaftlich-technischen  Revolution  hat
       ihre Wurzeln  also in  der Marxschen Analyse der kapitalistischen
       Industrialisierung  und  Produktivkraftentwicklung.  Der  Begriff
       wird jedoch  im einzelnen durchaus unterschiedlich interpretiert.
       Lange Zeit  dominierte ein  mehr deskriptiver,  gelegentlich auch
       inflatorischer Gebrauch.  Inzwischen zeichnen  sich die  Konturen
       der innermarxistischen Diskussion um eine schärfere Fassung deut-
       licher ab.  6) Bekanntlich  wird im  gesellschaftlich-produktiven
       Stoffwechsel die Natur vom Menschen nicht direkt, sondern mittel-
       bar, über  die Vermittlung  durch Arbeitsmittel,  angeeignet. Für
       die Ausweitung  dieses Stoffwechsels,  also die umfassendere Nut-
       zung der  natürlichen Umwelt als Quelle von Stoff und Energie und
       die Ausdehnung  der produktiv  dienstbar gemachten Naturprozesse,
       ist die  Entwicklung dieser  Aneignungsmittel und damit die Über-
       tragung von Funktionen leiblicher Organe des Menschen auf techni-
       sche Mittel der entscheidende und notwendige Schlüsselprozeß.
       Dieser Vorgang  vollzieht sich mit der Entwicklung der Arbeitsin-
       strumente permanent,  er kennt jedoch qualitative Einschnitte und
       Sprünge. Sie  stehen  im  Mittelpunkt  tiefgreifender  Produktiv-
       kraftumwälzungen. Es  ist daher auch keine formale Analogie, wenn
       das Wesen  der wissenschaftlich-technischen  Revolution im  Sinne
       einer solch einschneidenden Umwälzung nicht primär in der Verfüg-
       barmachung qualitativ  neuer  technologischer  Verfahren  gesehen
       wird, sondern - ebenso wie im Falle der von Marx studierten indu-
       striellen Revolution  -   m i t   B l i c k   a u f   d e n  A r-
       b e i t s p r o z e ß:   in  der  Übertragung  jetzt  geistig-in-
       tellektueller (Steuerungs- und Verarbeitungs-)Funktionen des Men-
       schen auf  technische Mittel. Die mathematisch-naturwissenschaft-
       lichen Grundlagen  für die Entwicklung solcher "Denkzeuge" wurden
       vor ziemlich  genau einem  halben Jahrhundert  geschaffen; 7) die
       technologische Möglichkeit  eines solchen  Umbruchs deutete  sich
       seit den  fünfziger Jahren  (oftmals vorschnell  konstatiert) an,
       und der  Umbruch beginnt  sich nun  seit Ende der siebziger Jahre
       mit großem  Tempo in faktisch allen Bereichen der gesellschaftli-
       chen Arbeit  durchzusetzen. 8) "Informatisierung" und "Elektroni-
       sierung" sind  die technischen  Formen  dieses  Umbruchs,  dessen
       "allgemeiner  Agent"   9)  heute  der  Prozessor  als  universell
       verwendbarer, logischer Zentralbaustein der mit der Informations-
       und Kommunikationstechnik  auf Computerbasis  verbundenen Rechen-
       technik ist.
       Wenn hierin  heute der entscheidende Inhalt der wissenschaftlich-
       technischen Revolution  und das einen qualitativen Sprung bestim-
       mende Moment  gesehen wird,  so wäre doch eine ausschließlich ar-
       beitsprozeßlich-technologische Sicht  oder Reduzierung  auf einen
       technischen Umbruch  eine unzulässige  Verengung. Der Begriff der
       wissenschaftlich-technischen Revolution bekommt für die Arbeiter-
       bewegung überhaupt erst einen Sinn, wenn er mit Blick auf die Ge-
       samtheit der  Produktivkraftentwicklung, auf  die  Umwälzung  der
       "Funktionen der Arbeiter" und der "gesellschaftlichen Kombinatio-
       nen des  Arbeitsprozesses", mit  Blick auf den gesellschaftlichen
       Reproduktionsprozeß und  seine neuen  Widersprüche gesehen  wird.
       Nur so  kann er  auch für  die Diskussion  um eine  antikapitali-
       stisch-antimonopolistische Strategie  und  Alternativenkonzeption
       der Arbeiterbewegung nutzbar gemacht werden.
       Dies schließt  die Notwendigkeit  ein,  die    M e n s c h - U m-
       w e l t - B e z i e h u n g e n   als Teil der gesellschaftlichen
       Produktivkraftentwicklung in  die Betrachtung  einzubeziehen.  In
       der Vergangenheit dominierte die Konzentration auf die Entfaltung
       gesellschaftlicher Produktivkraft  im  Bereich  der    S t o f f-
       u n d    E n e r g i e v e r a r b e i t u n g s t e c h n o l o-
       g i e n   als Kernbereich  der  Produktion.  Dies  ist  auch  der
       Kernbereich kapitalistischer  Industrialisierung  und  Vergesell-
       schaftung der  Arbeit, der  die Dynamik  gesellschaftlicher  Ent-
       wicklung und Umbrüche bestimmt. Aber gerade die Dynamik in diesem
       Sektor ging  einher mit  der systematischen  (und,  wie  noch  zu
       diskutieren  ist,  formationsspezifischen)  Unterentwicklung  der
       Produktivkräfte  im  Bereich  der  Ressourcenbewirtschaftung  und
       Naturquellenreproduktion.
       Es handelt  sich hierbei jedoch nicht einfach um zwei voneinander
       getrennte "Abteilungen"  der Produktivkraftentwicklung;  vielmehr
       schließt eine  bestimmte Form  der Entwicklung von Verarbeitungs-
       technologien zwangsläufig  Raubbau an Naturressourcen und Schädi-
       gung der  für die menschliche Existenz unabdingbaren Umweltbedin-
       gungen ein.  10) Erst mit der Dynamik kapitalistischer Industria-
       lisierung und  der heute erreichten Dimension von Natureingriffen
       hat sich  diese auch  technologisch fixierte Mensch-Umwelt-Bezie-
       hung zu  einem globalen  Problem ersten  Ranges  entwickelt.  11)
       Hierin äußert  sich eine  spezifische Deformation  der Produktiv-
       kraftentwicklung. Sie  verbietet es,  die technologische Entwick-
       lung sozusagen  als einen  "neutralen" Prozeß  zu betrachten  und
       verweist auf  die Notwendigkeit, die Konzeption der wissenschaft-
       lich-technischen Revolution stärker im Kontext formationsspezifi-
       scher Produktivkraft- und Technikentwicklung zu diskutieren.
       Die folgenden  Bemerkungen beziehen sich auf einige Probleme, die
       im Zusammenhang  mit dem gegenwärtigen Produktivkraftumbruch dis-
       kutiert  werden.   Dabei  wird   versucht,   diese   Probleme   -
       "Produktivkrafttyp" und "neuer Rationalisierungstyp", Deformatio-
       nen der  Produktivkraftentwicklung und Probleme ihrer technischen
       und gesellschaftlichen  Beherrschbarkeit - mit Bezug auf die mar-
       xistische Produktivkrafttheorie zu diskutieren. Dies schließt die
       Herausarbeitung von  Anforderungen an  eine  Alternativkonzeption
       der Arbeiterbewegung  zur herrschenden  Technik-  und  Produktiv-
       kraftentwicklung des  Kapitals ein.  Viele der dabei angedeuteten
       Fragestellungen werden  im Rahmen  von einzelnen Beiträgen dieses
       Jahrbuchs detaillierter  und faktenbezogener behandelt. Auf diese
       Beiträge ist daher in erster Linie zu verweisen.
       
       2. Neuer Produktivkrafttyp - neuer Rationalisierungstyp?
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       Bei dem  Versuch, die   B e s o n d e r h e i t e n   d e r  g e-
       g e n w ä r t i g e n  P r o d u k t i v k r a f t e n t w i c k-
       l u n g   genauer zu  erfassen, soll  in  diesem  Abschnitt  noch
       einmal auf die entsprechenden Analysen gesellschaftlicher Produk-
       tivkraftentwicklung bei  Marx zurückgegriffen  werden.  Ausgangs-
       punkt ist  die Feststellung,  daß der  Mensch als  Naturwesen  in
       seiner Produktion  nicht anders  verfahren  kann  als  die  Natur
       selbst, "d.  h. nur  die Formen  der Stoffe ändern", und daß dies
       durch die  über  die  Produktionsmittel  bewirkte  Aneignung  von
       Naturprozessen ("Naturkräften")  geschieht. 12)  Die Form  dieser
       Aneignung von  Naturkräften und  deren Charakter  verändern  sich
       aber. Damit bilden sich - in Verbindung mit den großen geschicht-
       lichen Produktivkraftrevolutionen  - auch  u n t e r s c h i e d-
       l i c h e   T y p e n  v o n  g e s e l l s c h a f t l i c h e r
       P r o d u k t i v k r a f t  heraus. 13)
       
       2.1 Geschichtliche Typen gesellschaftlicher Produktivkraft
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       1. In den  nach der neolithischen oder agrarischen Revolution der
       Produktivkräfte auf  landwirtschaftlicher  Produktion  beruhenden
       Gesellschaften zielt  die an  den Boden als wichtigstes Produkti-
       onsmittel gebundene Arbeit darauf ab,  g a n z h e i t l i c h e,
       "komplexe", nach biologischen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Natur-
       prozesse (Wachstumsprozesse) zu nutzen. Ihr innerer Ablauf bleibt
       unverstanden, aber  sie können  über die Regulation ihrer Randbe-
       dingungen empirisch  in zunehmendem  Maße und  zumindest temporär
       beherrscht werden.  Arbeit (Kultivierung, Bodenbearbeitung, Tier-
       hütung, Ernte  usf.) bezieht sich in erster Linie auf die Gestal-
       tung dieser  Ausgangs- und  Rahmenbedingungen der  ansonsten "von
       selbst" ablaufenden  Naturprozesse sowie auf die "Extraktion" von
       Naturprodukten. 14)  Die genutzten Naturkräfte bedürfen, wie Marx
       dies für  einen anderen,  aber doch  verwandten Fall  charakteri-
       siert, "menschlicher Nachhilfe", vollziehen sich selbst aber ohne
       seine "Beihilfe".  15) Gemeint  ist, daß der Produzent mit seiner
       Leiblichkeit nicht  in den  unmittelbaren  "technischen"  (stoff-
       wandelnden)  Prozeß   einbezogen  ist.   Eben  deshalb  wird  die
       "Mitarbeit der Naturkräfte" im Falle der Agrarproduktion von Marx
       auch als  "Automat" bezeichnet.  16) Dieser Begriff findet später
       im Zusammenhang  mit dem entwickelten Maschinensystem wieder Ver-
       wendung.
       2. Demgegenüber wird beim handgeführten Werkzeuggebrauch der Pro-
       duzent zur "Beihilfe" in den technischen Prozeß eingegliedert. Er
       hat sowohl energetische wie Steuerungsfunktionen auszuführen. Da-
       mit bildet sich ein im Vergleich zur Nutzung "natürlicher Automa-
       ten" anderer  geschichtlicher Typ  von Produktivkraft heraus, der
       zeitlich   parallel    auftritt   und   auf   der   Nutzung   von
       i s o l i e r t e n  Naturkräften und Wirkprinzipien beruht. Die-
       ser Produktivkrafttyp  bleibt weitgehend  an die  engen Schranken
       physischen Vermögens  des individuellen  Produzenten gebunden. Er
       vervollkommnet sich  durch weitere Arbeitsteilung und Kombination
       der Einzelarbeit.  Dies ist (zumindest im Kern und unabhängig von
       früheren Formen  des Maschinengebrauchs)  der Typ  von Produktiv-
       kraft, der  mit der kapitalistischen Industrialisierung umgewälzt
       und aufgehoben wird.
       Die entscheidende  Rolle fällt dabei der Werkzeugmaschine zu. Die
       Übertragung der  Werkzeugführung auf die Maschine markiert jedoch
       nur den  ersten (wenn auch entscheidenden) Schritt der Umwälzung,
       denn in  der Maschine  "erscheint das  handwerksmäßige Instrument
       wieder, aber in zyklopischem Umfang". 17) Das bedeutet, daß es im
       ersten Gang  der Produktivkraftumwälzung  noch bei  der   "I s o-
       l i e r u n g   d e r   S o n d e r p r o z e s s e"  bleibt. 18)
       Auf diesem  Prinzip beruht  auch die  Herausbildung der "modernen
       Wissenschaft der Technologie", die alle Formen gesellschaftlicher
       Produktionsprozesse  "in   bewußt  planmäßige  und  je  nach  dem
       bezweckten Nutzeffekt  systematisch  besonderte  Anwendungen  der
       Naturwissenschaft" auflöst. 19)
       3. Mit dieser  technologischen Aufsplitterung des Produktionspro-
       zesses in  seine Einzelvorgänge  und mit deren technischer Fixie-
       rung im Rahmen der Maschinenanwendung wird jedoch eine Gegenbewe-
       gung ausgelöst.  20) Im  entwickelten Fabriksystem  tritt an  die
       Stelle ihrer Isolierung "die Kontinuität der Sonderprozesse". 21)
       Der  Ausbau   des  Maschinensystems  zielt  auf  einen  möglichst
       k o n t i n u i e r l i c h e n  Fluß der Arbeitsgegenstände, auf
       die   t e c h n i s c h   v e r m i t t e l t e    K o m b i n a-
       t i o n   der einzelnen  Produktionsprozesse. Dies erfolgt zuerst
       in Form ihrer Addition und Hintereinanderschaltung. Zugleich wird
       der Gesamtprozeß  von der  energetischen  Seite  her  durch  eine
       zentrale Antriebskraft  mit  ihrem  Netzwerk  des  Transmissions-
       apparates vereinheitlicht.  Das Stichwort, das dem heutigen Leser
       einfällt, heißt  "Vernetzung", allerdings auf mechanischer Grund-
       lage. Später  findet der  Motor als "allgemeiner Agent der großen
       Industrie" mit  der Elektrifizierung  seine wirkungsvollere,  de-
       zentrale Form.  Als Perspektive erscheint jetzt das "automatische
       System der Maschinerie", 22) wobei der Begriff des Automaten hier
       in  klassischem   Sinne  energetisch  gemeint  ist.  Automatische
       Steuerung  und  Regelung  gehören  noch  nicht,  wie  heute,  zum
       Begriffsinhalt.
       Die neue Produktivkraft beruht sozial auf der Schaffung der Lohn-
       arbeit, technisch  auf der  Loslösung der  Arbeitsmittel von  den
       Grenzen physischer Kraft und Geschicklichkeit des Menschen. Damit
       ist der Weg eröffnet, Naturkräfte in neuer Dimension und auf ver-
       wissenschaftlichter Grundlage  anzuwenden. Beides  sind  einander
       entsprechende  und  sich  wechselseitig  bedingende  Umwälzungen.
       Zugleich deutet sich mit der "Kontinuität der Sonderprozesse" der
       Übergang zu  einer Stufe an, bei der  k o m p l e x e  N a t u r-
       p r o z e s s e   und nicht  mehr nur  einzelne Wirkprinzipien im
       Rahmen von zu Anlagen weiterentwickelten Produktionsmitteln ange-
       wandt werden  können. Dies  hat - wie bei den frühen "natürlichen
       Automaten", nun  aber auf  anderer, verwissenschaftlichter Grund-
       lage -  zur  Folge,  daß  die  Arbeitstätigkeit  wieder  aus  dem
       unmittelbar technischen  Prozeß herausgelöst  wird.  "Die  Arbeit
       erscheint  nicht  mehr  so  sehr  als  in  den  Produktionsprozeß
       eingeschlossen, als  sich der Mensch vielmehr als Wächter und Re-
       gulator zum  Produktionsprozeß selbst  verhält." "Er  tritt neben
       den Produktionsprozeß,  statt sein  Hauptagent  zu  sein."  Diese
       Stufe der  Produktivkraftentwicklung könnte  auch  als  Anwendung
       "industrieller Naturprozesse" 23) bezeichnet werden.
       
       2.2 Herausbildung "industrieller Naturprozesse"
       -----------------------------------------------
       
       Die Entwicklung  zu solchen "industriellen Naturprozessen" bildet
       einen wichtigen  Leitfaden für  das Verständnis  der Umbrüche  in
       Technik und Arbeit, die mit der permanenten Produktivkraftrevolu-
       tionierung seit  der industriellen Revolution verbunden sind. Das
       gilt gerade  für die aktuelle Umbruchperiode, bei deren Interpre-
       tation ein  Rückblick auf  die wichtigsten großen Entwicklungsli-
       nien der Vergangenheit nützlich ist. Auch hier soll nur der indu-
       strielle Sektor  als dynamikbestimmender  Kernbereich  der  Wirt-
       schaft betrachtet werden. 24)
       In einer  Reihe von Industriezweigen, die seit Ende des 19. Jahr-
       hunderts zu  breiter  Massenproduktion  übergehen  und  in  denen
       stoffverformend-montierende Produktions-  und  Fertigungsprozesse
       vorherrschen, ist dieser Übergang mit einschneidenden technologi-
       schen und  arbeitsorganisatorischen Veränderungen  verbunden. Die
       Werkzeugmaschine, die  ursprünglich als Universalmaschine entwic-
       kelt wurde, wandelt sich im Rahmen des arbeitsteiligen Maschinen-
       systems zur  Sonder-(Spezial-)Maschine. Die  mit dem elektrischen
       Maschinenantrieb gestiegene  innerbetriebliche Flexibilität führt
       zu neuen  Formen der Maschinenverkettung: Anordnung der Maschinen
       nach dem  technologischen Prozeßablauf der Erzeugnisfertigung und
       Verkettung durch  technische Hilfseinrichtungen.  Dies gilt  auch
       für die  handarbeitsintensiven Fertigungsabschnitte, insbesondere
       die Montage, mit Verbreitung des Fließbandprinzips und der Taylo-
       risierung der  Arbeit (in  den USA  seit den achtziger Jahren des
       19. Jahrhunderts,  in Europa  in den zwanziger Jahren sich durch-
       setzend).   H i e r   e r r e i c h t  d i e  A u f t e i l u n g
       i n   S o n d e r p r o z e s s e   i h r e n  H ö h e p u n k t,
       aber nur  auf der  Grundlage ihrer  verketteten, Kontinuität  des
       Produktionsflusses garantierenden Form. Erhöhung der Durchlaufge-
       schwindigkeit und  taktgebundene Steigerung der Arbeitsintensität
       sind wesentliche  Ziele. Diese  Technologie wird  typisch für auf
       Massenproduktion beruhende Industriezweige wie die Automobilindu-
       strie, die  hier Schrittmacher  mit zugleich  weitreichender Aus-
       strahlung auf andere Zweige ist, die Elektro- und Feinmechanische
       Industrie u.a.
       Dies ist auch die ökonomisch-technologische Voraussetzung für die
       umfassende Durchsetzung der im kapitalistischen Produktionsprozeß
       immer wirksamen  Tendenz zur Reduzierung komplizierter auf einfa-
       che Arbeit.  Die technische  Entwicklung der Werkzeugmaschine und
       das mit  steigendem Maschinenwert gleichfalls steigende Interesse
       des Kapitalisten  an intensiver  Maschinenauslastung, an Reduzie-
       rung von  Stillstandszeiten durch  Fähigkeit des Arbeitspersonals
       zu Reparatur  und Maschinenwartung  usw. hatten zur Herausbildung
       von Maschinenfacharbeit  geführt. Dort,  wo der Übergang zur Mas-
       senfertigung auf  Maschinenbasis sich vollziehen kann, wird diese
       Facharbeit weitgehend zersetzt und dominiert die Ausbeutung ange-
       lernter "Massenarbeiter".  Jedoch bilden  sich zugleich  kleinere
       Segmente neuer,  "sekundärer" Facharbeit  im Bereich der Instand-
       haltung und  in anderen,  vor- und nebengelagerten Betriebsabtei-
       lungen heraus. 25)
       Eine andere  Entwicklung vollzieht  sich in  den (zahlenmäßig der
       Beschäftigung nach  schmäleren) industriellen  Sektoren, in denen
       kein Übergang  zur  Massenfertigung  möglich  ist,  sondern  sog.
       "klein- und  mittelserige" Fertigung  (wie  im  Maschinenbau  als
       hierfür typischem  Zweig) vorherrscht.   H i e r   w i r d  d i e
       F a c h a r b e i t    a l s    d o m i n i e r e n d e r    A r-
       b e i t s t y p u s   n i c h t   a u f g e l ö s t.   Gerade die
       Durchsetzung der  in hohem  Maße auf  Sondermaschinen  beruhenden
       Technologie mechanisierter Massenfertigung und -produktion in an-
       deren Zweigen ist die Basis, auf der sich hier der Typus qualifi-
       zierter Facharbeit als stabil erweisen kann. Die ökonomisch-tech-
       nischen Determinanten  sprechen gegen eine Taylorisierung der Ar-
       beit.
       Eine dritte  Entwicklungslinie realisiert sich in den auf Prozeß-
       technologien beruhenden  Zweigen stoffumwandelnder  Massenproduk-
       tion (Chemieindustrie,  Stahlindustrie u.a.). Die Produktionsmit-
       tel haben  hier bereits früh den Charakter von Anlagen. Der Über-
       gang vom  sog.  "Chargen-"  zum  kontinuierlichen  Anlagenbetrieb
       vollzieht sich  in wichtigen  Abschnitten der Massenproduktion in
       den zwanziger  und dreißiger Jahren. Er ist mit einer Mechanisie-
       rung der  Produktionshilfsarbeiten verbunden,  der  schweren  und
       körperlich stark  belastenden Tätigkeiten,  die in diesen Zweigen
       die Lohnarbeit  von Anfang  an dominierten.  Ähnlich wie sich die
       Theorie der  Fertigungstechnik der klein- und besonders der groß-
       serigen mechanischen Fertigung seit den zwanziger Jahren als wis-
       senschaftliche Analyse der dort genutzten Verfahren herausbildet,
       entwickelt sich  eine chemische  Verfahrenstechnik, in der chemi-
       schen Industrie in erster Linie für den Bereich der Massenproduk-
       tion von Grundstoffen. 26) Sie schafft die Voraussetzung für eine
       Rationalisierung im  Bereich der  Apparatetechnik und,  seit  den
       vierziger Jahren, die Einführung  e r s t e r  F o r m e n  d e r
       P r o z e ß s t e u e r u n g.  27)
       Dies ist ein Novum bei der Herausbildung "industrieller Naturpro-
       zesse". Die  Verfahrenstechnologie hatte die chemischen Produkti-
       onsprozesse in  einzelne "Grundoperationen" zerlegt, die für sich
       und  in  ihrer  Koppelung  nun  einer    h a l b a u t o m a t i-
       s c h e n   R e g e l u n g   zugänglich gemacht  werden konnten.
       Diese seit  den vierziger  Jahren eingeführte  sog.  pneumatische
       statt manueller  Regelung unterscheidet  sich  jedoch  von  einer
       (rechnergestützten) automatisierten  Prozeßführung  dadurch,  daß
       die Regler  nur "Sollwerte" einstellen können, daß sie aber nicht
       zu einer  Integration und  Verrechnung von  Informationen aus dem
       Gesamtverlauf des  Prozesses und  zu seiner  Optimierung geeignet
       sind.  Dies   bleibt  nach  wie  vor  die  Funktion  menschlicher
       Steuertätigkeit -  Meßwartenarbeit.  Diese  "Halbautomatisierung"
       ist ebensowenig  geeignet, Prozesse an- und abzufahren oder Stör-
       fälle (Prozeßzusammenbrüche) aufzufangen. Es handelt sich also um
       eine  technische   Unterstützung  der  Anlagensteuerung  für  den
       Normalbetrieb. Die  in den  sechziger Jahren erstmals eingeführte
       Rechnersteuerung  von   Prozeßanlagen  erwies   sich  wegen   der
       seinerzeit vorherrschenden  zentralen Rechnerkonfiguration als zu
       störanfällig, inflexibel  und unökonomisch.  Daher befindet  sich
       die Prozeßführung  zumindest im Bereich der Chemieindustrie heute
       noch auf  dem Stand  der Halbautomatisierung. Dabei hat sich hier
       eine  sehr   scharfe  und   rigide  Arbeitsteilung  durchgesetzt.
       Traditionellerweise ist der Chemiearbeiter als "Anlagenfahrer" im
       Gegensatz zum Maschinenfacharbeiter etwa der Metallindustrie "nie
       Herr des Arbeitsprozesses", 28) da die eigentliche Anlagenführung
       stets Aufgabe  des  (wissenschaftlich  qualifizierten)  Betriebs-
       leiters bleibt.
       Je nach  ökonomischen Bedingungen  und technologischen  Verfahren
       haben sich  in den  industriellen Kernsektoren also "industrielle
       Naturprozesse" bis  zu einem  bestimmten Grad  ausformen  können.
       Fließprinzip, Maschinenverkettung  und  kontinuierliche  Stoffum-
       wandlungsverfahren sind  die Hauptprinzipien.  Der Unterschied im
       Niveau ist  bei gegebener Massenproduktion verfahrensabhängig. In
       den auf  chemischen Verfahren  beruhenden Zweigen erleichtert die
       Selbstreaktivität der  Prozesse aufgrund  der physikalisch-chemi-
       schen Eigenschaften  der Stoffe  bei bestimmten Rahmenbedingungen
       (Temperatur, Mengenverhältnisse,  Katalysatoren) die Prozeßkonti-
       nuität. In der Masse gesellschaftlicher Produktion herrschen aber
       mechanische Verfahren  vor. Hier  muß, was in der chemischen Pro-
       duktion aufgrund  der Stoffeigenschaften  weitgehend  automatisch
       abläuft (räumliche  Annäherung  der  in  Reaktion  zu  bringenden
       Stoffe, wechselseitige  Stoffverformung und  -wandlung etc. unter
       Energiezufuhr und -freisetzung), jeweils gesteuert und unter Auf-
       wendung gezielter,  diskreter Energiemengen herbeigeführt werden.
       Der Steuerungsaufwand und Regelungsbedarf ist also sehr viel grö-
       ßer. Das produzierende Naturwesen Mensch bleibt in seiner konkre-
       ten Tätigkeit  an die  verschiedenen  Verfahren  der  Natur  oder
       "Bewegungsformen der Materie" gebunden.
       
       2.3 Produktivkraftsprung: Universelle Integrationstechnologie
       -------------------------------------------------------------
       
       Das mit  der industriellen Revolution entstandene kapitalistische
       Maschinen- und Fabriksystem hatte sofort seine inneren Widersprü-
       che produziert,  die zur technologischen Weiterentwicklung in ei-
       ner bestimmten Richtung drängten. Diese Widersprüche zeigten sich
       auf den  verschiedensten Ebenen  - zwischen zentralem Antriebssy-
       stem und  Einzelmaschinenbetrieb; in  der Gliederung  der  Fabrik
       entgegen dem  technologischen Fertigungsablauf; mit dem Eigenwil-
       len der in den technischen Prozeß integrierten lebendigen Arbeit,
       der nur durch die Dreieinigkeit von ökonomischem Zwang, Fabrikge-
       setzen und  technischer Unterordnung  durch Arbeitszerlegung  und
       Maschinentakt zu brechen war.
       Bei der  Herausbildung der "industriellen Naturprozesse" hat sich
       auf der  technologischen Seite  ein neuer Widerspruch in den Mit-
       telpunkt geschoben,  der Widerspruch  zwischen den in zunehmendem
       Maße beherrschten,  manuell oder instrumentell regel- und steuer-
       baren Einzelprozessen  und dem technischen Produktionsprozeß ins-
       gesamt. 29)  Die Herstellung  von Kontinuität,  die Erhöhung  von
       Durchlauf- und  Durchsatzgeschwindigkeiten erfordern ein größeres
       Maß an   I n t e g r a t i o n  des Gesamtablaufs. Diese Integra-
       tion wird  auch heute  gewährleistet - dies ist auf der Stufe von
       Einzel- und  Gesamtprozessen eine der wesentlichen Funktionen le-
       bendiger Arbeit.  Das einzige  bisher natur- und sozialgeschicht-
       lich entwickelte,  den verschiedenen  Bewegungsformen der Materie
       bezüglich der  Informationsaufnahme und -Integration "gewachsene"
       Organ ist aber das leibliche Organ des Menschen, sein Gehirn. Und
       da es  bisher kaum eine Möglichkeit gab, abgesehen von den primi-
       tivsten "Sollregelungen",  entsprechende Steuerungs- und Integra-
       tionsaufgaben, wie  sie etwa  bei so wenig anspruchsvollen Tätig-
       keiten wie  der Fließbandmontage  in hohem  Grade auftreten,  auf
       technische Mittel  zu übertragen, bleibt der produzierende Mensch
       technisch auch  in entsprechend  ermüdende, monotone,  hoch bela-
       stende und  im Grunde  wenig menschenwürdige  Produktionsvollzüge
       integriert -  mit allen Restriktionen, die dies für "die Entwick-
       lung der vollen Produktivkräfte der Einzelnen" 30) bedeutet.
       Der Vorzug  des leiblichen Organs Gehirn für die Informationsver-
       arbeitungsprozesse  kann,   technisch  betrachtet,  auf  dasselbe
       Stichwort gebracht  werden, wie  dies für  das andere  bedeutende
       menschliche Arbeitsorgan,  die Hand,  gilt:  U n i v e r s a l i-
       t ä t   31). Der Hauptinhalt des aktuellen Produktivkraftumbruchs
       besteht offenkundig darin, daß mit den neuen, dezentralisierbaren
       Informationsverarbeitungstechnologien  nicht   nur  einfach  eine
       schnellere, nicht  ermüdbare, präzisere  (zugleich:  nicht-intel-
       ligente), sondern  in erster  Linie eine  universelle Technologie
       der Informationsverarbeitung  entsteht, die  - über die bekannten
       Elemente der  Hard-  und  Software  vergegenständlicht  -    A r-
       b e i t s i n s t r u m e n t     menschlicher  Tätigkeit  werden
       kann. 32)
       Die Universalität  der neuen  Arbeitsmittel beruht  auf der  D i-
       g i t a l i s i e r u n g   der Informationen. Sie erhalten damit
       eine  von   der  stofflichen  Spezifik  der  jeweiligen  Vorgänge
       unabhängige Form,  in der sie allgemeiner programmgesteuerter In-
       tegration und  Verarbeitung zugänglich  sind.  Informationen  aus
       verschiedenen Prozessen  können damit verknüpft werden. Universa-
       lität ergibt  sich ebenso  aus der Möglichkeit der Dezentralisie-
       rung wie der inner- und überbetrieblichen Vernetzung. All das ist
       Voraussetzung für  den "Zugriff  auf industrielle Gesamtprozesse,
       gestattet eine  genauere Abstimmung  der zu  koordinierenden Ein-
       zelabläufe, der  Stoff-, Energie-  und Informationsflüsse, ermög-
       licht mehr  Flexibilität, steigert also die "Kontinuität der Son-
       derprozesse" und  ermöglicht einen  weiteren Schritt  in Richtung
       auf ihre  Integration zu  "industriellen Naturprozessen", für die
       das Heraustreten  des Produzenten  aus dem  unmittelbaren techni-
       schen Vorgang charakteristisch ist.
       Zu unterstreichen  bleibt: Es handelt sich um neue Arbeitsmittel,
       die bestimmte  Formen menschlicher  Tätigkeit ersetzen,  aber In-
       strumente menschlichen  Handelns sind.  Sie gestatten einerseits,
       Komplexität zu  reduzieren und  damit steuerbar  zu machen,  sind
       aber andererseits  selbst höchst  komplexe, insofern  schwer  be-
       herrschbare und  störanfällige Instrumente.  33) Sie werden unter
       kapitalistischen  Klassen-   und  Eigentumsverhältnissen    a l s
       P r o d u k t i v k r ä f t e   d e s   K a p i t a l s   entwic-
       kelt, sind  insofern keine "neutrale" Technik, sondern Mittel der
       Intensivierung und  Ökonomisierung der  Kapitalreproduktion,  was
       die Gestaltung  ihrer betrieblichen Einsatz- und Anwendungsformen
       wesentlich beeinflußt.  Ihre Universalität  hebt ihre  Bindung an
       das einzelkapitalistische  Verwertungsinteresse nicht  auf,  ihre
       Anwendung bewegt  sich vielmehr  innerhalb des  Widerspruchs  von
       einzelkapitalistischer Rationalität und Planung und gesamtgesell-
       schaftlicher Konkurrenz.  Sie sind  Instrumente kapitalistischer,
       auf Intensivierung  von Lohnarbeit  gerichteter  Rationalisierung
       und nicht  Mittel bewußter,  geplanter Entfaltung von Persönlich-
       keit und Produktivkräften der Individuen.
       
       2.4 Neuer Rationalisierungstyp und "Zukunft der Fabrik"
       -------------------------------------------------------
       
       Das sind  die sozialen Merkmale, die den heute zu konstatierenden
       "neuen Rationalisierungstyp" 34) auszeichnen; er bildet die tech-
       nisch-arbeitsorganisatorische Umsetzung des in der Logik der Her-
       ausbildung "industrieller  Naturprozesse" liegenden  Schritts zur
       Integration von Einzelprozessen der Produktion mit dem Gesamtpro-
       zeß. Er zielt, wie andernorts mehrfach dargelegt, auf eine Ökono-
       misierung aller  Kapitalbestandteile, auf  die Durchsetzung eines
       intensiven Reproduktionstyps  unter  den  Bedingungen  der  neuen
       Technik. 35)
       Die in  der ingenieurtechnischen  Literatur formulierten Vorstel-
       lungen zur  Zukunft der Fabrik verdienen es, trotz aller technik-
       fixierten Übertreibung  ernst genommen zu werden. Sie lassen sich
       weniger auf  den Nenner  einer "menschenleeren  Fabrik",  sondern
       eher auf  den eines datentechnisch durchdrungenen, flexiblen Pro-
       duktions- und Ausbeutungsmechanismus bringen. "Die Fabrik der Zu-
       kunft entsteht  aus einer neuen Generation von Produktionstechno-
       logien unter  Einfluß rechnergestützter  Informationssysteme  und
       rechnergeführter Fertigungsprozesse. Ihre Einführung wird die Ab-
       laufbedingungen der  traditionellen  Stückfertigung  und  Montage
       grundlegend verändern und voraussichtlich auch das Organisations-
       gefüge und die Wettbewerbsstrategien ganzer Unternehmen umgestal-
       ten. Die  Fabrik der  Zukunft ist  rechnerintegriert und flexibel
       automatisiert. Sie  ist frei  von geschriebener Informationsüber-
       mittlung, verfügt  über einen  kontinuierlichen  Fertigungsablauf
       und ist energietechnisch, materialtechnisch und informationstech-
       nisch verknüpft." 36)
       Die Technikfixiertheit und Borniertheit dieser Konzeption besteht
       darin, daß  sie die  Rolle der  lebendigen Arbeit im Rahmen eines
       solchen Produktionsmechanismus als aktives, den Produktionsprozeß
       tragendes Element  nicht reflektiert  und ebensowenig die Grenzen
       und Probleme der Übertragung von Steuerungsfunktionen auf Rechner
       problematisiert. 37) Solche mathematisch-technischen, organisato-
       rischen, ökonomischen Schranken zeigen sich heute in der betrieb-
       lichen Praxis allerorten; die entsprechende "Fachpresse" ist voll
       davon. CAD,  CAM, CIM und ähnliche computerunterstützte Technolo-
       gien setzen  sich, auch als Detaillösungen, nur schleppend und in
       immer noch  engen Grenzen durch. Es herrscht eine Vielfalt inkom-
       patibler Systeme  vor, eine  "babylonische  Sprachverwirrung"  im
       Softwarebereich; je umfangreicher die Programme, je größer die zu
       bewältigenden Datenmengen,  desto  komplexer  und  störanfälliger
       werden die Systeme, desto mehr Redundanz ist aus Sicherheitsgrün-
       den erforderlich,  desto mehr Rechenaufwand und desto unrentabler
       auch das  Gesamtsystem. Auch  unter Ingenieuren und Mathematikern
       gibt es eine Diskussion über die Grenzen mathematisch-technischer
       Realisierbarkeit und den betriebsökonomischen Sinn "vollautomati-
       sierter" Systeme - usw.
       All dies  sind jedoch Probleme, die zwar die Gestaltung der neuen
       Informationsverarbeitungssysteme und die Funktionsteilung Mensch-
       Technik nachhaltig  betreffen, die  aber den  G r u n d t r e n d
       i n     R i c h t u n g    a u f    d a t e n t e c h n i s c h e
       D u r c h d r i n g u n g   u n d   I n t e g r a t i o n   d e r
       B e t r i e b e  keineswegs brechen. Dieser Grundtrend zeigt sich
       gegenwärtig im  Schub an  Einführung datentechnischer Arbeitsmit-
       tel, in  rationalisierungsbedingten Veränderungen  von Arbeitsbe-
       dingungen und  den entsprechenden gewerkschaftlichen Auseinander-
       setzungen und organisationsinternen Diskussionen. 38)
       Während technische  Rationalisierung auf  der Stufe  der mechani-
       schen Technologien  im wesentlichen an einzelnen Arbeitsvollzügen
       und Fertigungsprozessen ansetzte, besteht das Neue des "neuen Ra-
       tionalisierungstyps" gerade  in seinem Zugriff auf gesamtbetrieb-
       liche Abläufe  und in  der daran orientierten Verknüpfung von In-
       formationsflüssen der verschiedensten Produktions-, Logistik- und
       Verwaltungsabläufe. Dem  korrespondiert die  überbetriebliche Da-
       tenintegration und Vernetzung über die staatliche kommunikations-
       technologische Infrastruktur. Der neue Rationalisierungstyp zielt
       auf die  "Flexibilitätspotentiale" von  Technik und Anlagen sowie
       auf arbeitsorganisatorisch  an deren Abläufe und Auslastung ange-
       paßte Arbeitskräfte.  Dem universellen  Zuschnitt seiner  techni-
       schen Grundlagen entspricht der für die unterschiedlichsten Bran-
       chen und betrieblichen Abteilungen konstatierte "systemische" 39)
       Charakter dieses Rationalisierungstyps.
       Die Integrationsprozesse  vollziehen sich  jedoch nicht,  wie  in
       früheren Konzeptionen  der Rechnerintegration  gedacht, in streng
       zentralistischer und  ausschließlich  hierarchisch  organisierter
       Form. Es  bilden sich  vielmehr verschiedene  Ebenen  und  unter-
       schiedliche Regelkreise  heraus. Auf der Ebene der Konzernführung
       geht es  um die Abstimmung der "großen Ströme" im Gesamtprodukti-
       onsprozeß -  Logistik, Verknüpfung zwischen den Fertigungslinien,
       Abstimmung zwischen  vor- und nachgelagerten Sektoren der Produk-
       tion, Realisierung  von Just-in-Time-Verfahren und Eintaktung der
       Zulieferer, Koordination  zwischen Verwaltung und Produktion usf.
       Eine zweite  Ebene ist die der Neukombination von Anlagenlauf und
       Beschäftigung im  Rahmen der  Flexibilisierungsstrategien mit dem
       Ziel der  intensiveren Anlagenausnutzung. Drittens geht es um den
       Aufbau "kleiner  Regelkreise" zur  Optimierung der Arbeitsabläufe
       in Abteilungen, Einzelbetrieben etc. Das ist sozusagen der Unter-
       bau der Flexibilisierungskonzeption und wichtigster Hebel der In-
       tensivierung der  Arbeit. Hier  kommt voll die dezentrale Gestal-
       tungsmöglichkeit der  neuen Technik zum Tragen, die jetzt auch in
       bisher technisch  nicht durchdringbare Arbeitsabläufe - traditio-
       nell Gestaltungs"reservate"  qualifizierter Arbeiter  wie etwa im
       Maschinenbau 40)  - Datentransparenz  und damit Kontroll- und In-
       tensivierungsmöglichkeiten bringt.  Vom  Betriebsmanagement  wird
       dies als  "neuer Gestaltungsspielraum"  der Betriebs-  und Fabri-
       kleiter begrüßt.  41) Hier sind auch die neuen Motivationsstrate-
       gien als Konzeptionen einer Leistungssteigerung "mit den Beschäf-
       tigten" einzuordnen.  In diese Richtung zielen Team- und Arbeits-
       gruppenkonzepte, Qualitätszirkel  usw. 42)  In ihnen  reflektiert
       sich zugleich  die Notwendigkeit der Mobilisierung qualifizierter
       Arbeit und  Kenntnisse dort,  wo die Anwendung der technisch kom-
       plizierten Systeme  so ausgelegt ist, daß sie von den Beschäftig-
       ten kompetenten  und raschen  Eingriff in Programmablauf und Pro-
       zeßsteuerung verlangt  - und es zeigt sich hierin der vielerorten
       beschriebene umfassendere  Zugriff auf das Leistungsvermögen. We-
       der das  "Ende der  Massenproduktion" noch das "Ende der Arbeits-
       teilung" sind  eigentliche Merkmale  des neuen Rationalisierungs-
       typs, wohl  aber die Flexibilisierung von Technik, Arbeitsorgani-
       sation und Beschäftigungsverhältnissen und die auf der wachsenden
       Transparenz von  Abläufen beruhende, übergreifende Intensivierung
       der Arbeit.
       
       3. Deformationen der Produktivkraftentwicklung
       ----------------------------------------------
       
       3.1 "Industrielle Naturprozesse" und natürliche Kreisläufe
       ----------------------------------------------------------
       
       Als spezifische Form der mit der kapitalistischen Industrialisie-
       rung hervorgetriebenen  Produktivkraftentfaltung war die Entwick-
       lung "industrieller Naturprozesse" herausgestellt worden. Die als
       "wissenschaftlich-technische Revolution"  bezeichnete  Produktiv-
       kraftumwälzung der Gegenwart, mehr noch der Zukunft, stellt einen
       Knotenpunkt in dieser Entwicklung dar.
       Geht man  nun vom  "Stoffwechsel"-Begriff aus,  den die Klassiker
       des Marxismus  durchgängig für  das durch Arbeit zu realisierende
       Wechselverhältnis Mensch-Natur  verwenden 43)  - dadurch  auch im
       Begriff die  Naturverhaftetheit dieses Gesellschaftsprozesses zum
       Ausdruck bringend  -, so stellt sich sofort die Frage, ob die der
       Gewährleistung dieses Stoffwechsels dienenden Produktionsprozesse
       dieser Funktion  wirklich angemessen  sind. Die Menschen agieren,
       wie eingangs betont, nur als Teil der Natur und sind an die Bewe-
       gungsformen und  Gesetzmäßigkeiten außermenschlicher  Natur schon
       mit ihrer  evolutiv entstandenen Leiblichkeit gebunden. Mit einer
       "zweiten", anthropogenen  Natur mögen sie deren Grenzen zwar hin-
       ausschieben und  so lebenswidrigen Umständen begegnen; sie müssen
       jedoch auch dabei ihre natürlichen Existenzbedingungen (hinsicht-
       lich  Temperatur,   Nahrung,  Strahlungsbelastung,  Qualität  der
       Umweltmedien usw.)  in engen  Toleranzen einhalten,  erhalten und
       reproduzieren, wenn  sie überleben  wollen. Als  Teil  der  Natur
       müssen sie  Natur erhalten, um als die eine Seite im widersprüch-
       lichen Mensch-Natur-Verhältnis  nicht mit  der anderen unterzuge-
       hen.
       "Stoffwechsel" kann sich daher geschichtlich bei gegebenem Bevöl-
       kerungszuwachs nur temporär als rein "extraktive" Naturnutzung im
       Sinne des  "Nicht-Säens" und "Nicht-Erntens" vollziehen, wie dies
       für die vor-neolithischen Sammler gelten mochte, denen "die Natur
       selbst  das  Vorrathshaus  (war),  worin  der  Mensch...  fertige
       Naturproducte zum Consum vorfindet". 44) Mit dem Übergang zur ak-
       tiven, "umgestaltenden" Naturaneignung 45) - wie sie mit der neo-
       lithisch-agrarischen Revolution einsetzte - war zugleich das Pro-
       blem der  Reproduktion ihrer  wichtigsten Existenzgrundlage - des
       Bodens und der Bodenfruchtbarkeit als Träger des vom Menschen ge-
       nutzten primitiven "Automaten" - gegeben; über lange Zeit ein ge-
       sellschaftlich kaum zu lösendes Problem, das sich aber angesichts
       der Möglichkeit  des lokalen  oder regionalen Ausweichens auf an-
       dere Naturquellen bei Erschöpfung der Bodenfruchtbarkeit nicht zu
       einem überregionalen  oder gar  globalen Existenzproblem  auswei-
       tete. 46)
       Bis zur  Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise blie-
       ben - trotz der vielen "Wüsten", die die Zivilisation hinter sich
       ließ - die zerstörerischen Einflüsse nichtreproduktiver Naturnut-
       zung lokal und aufgrund ihrer quantitativ im Vergleich zu den na-
       türlich Stoff- und Energiekreisläufen noch geringen Dimension von
       den Selbstreinigungs-  und Pufferungssystemen der Natur noch auf-
       fangbar. Das regional konzentrierte Hochschnellen der anthropoge-
       nen Eingriffe in die natürlichen Stoff- und Energiekreisläufe mit
       der kapitalistischen  Industrialisierung und dem - über Weltmarkt
       und imperialistische  Weltökonomie durchgesetzten  - Zugriff  auf
       globale Ressourcen  und Naturpotentiale  setzte dagegen eine Ent-
       wicklung in  Gang, die  die Dimension dieser Eingriffe inzwischen
       annähernd in  die Größenordnung  einiger  natürlicher  Kreisläufe
       selbst gesteigert hat 47) - was dem Problem der "Stoffwechsel-Ad-
       äquatheit" der  "industriellen Naturprozesse"  nun eine ganz neue
       Qualität verliehen hat: die Qualität eines "globalen Problems".
       
       3.2 Technologische Fixierung des
       --------------------------------
       kapitalistischen Naturverhältnisses
       -----------------------------------
       
       Die "industriellen  Naturprozesse", die sich mit der kapitalisti-
       schen Industrialisierung  herausgebildet haben und die heute glo-
       bal, d.h. auch unter nichtkapitalistischen Produktionsverhältnis-
       sen, das  Bild der  industriellen Produktionstechnologien prägen,
       sind zwar insofern "Naturprozesse", als sie diese in einer zuneh-
       mend komplexen  Form nutzen; sie unterscheiden sich aber zugleich
       von den  natürlich vorzufindenden  Naturprozessen i.d.R. dadurch,
       daß sie  nicht in  die großen Naturkreisläufe eingepaßt sind. Sie
       tragen vielmehr  l i n e a r e n  C h a r a k t e r.  Während für
       die Naturprozesse  die Kombination von Auf- und Abbauvorgängen in
       geschlossener,  zyklischer   Form  über   kürzere  oder   längere
       Zeiträume charakteristisch  ist, beginnen  die "industriellen Na-
       turprozesse" als Stoff- oder Energieentnahme und enden nach einem
       "linearen" Verlauf  mit dem Ausscheiden von Produktions- und Kon-
       sumtionsabfällen, die  nur in sehr bescheidenem Ausmaß wieder re-
       zykliert, das heißt zu (sekundären) Rohstoffen der Produktion ge-
       macht werden.  Dies ist  jedoch nicht einfach eine Frage des Tuns
       oder Lassens; darüber, wie diese "linearen" Prozesse zyklisch ge-
       staltet werden  können, liegen  jedenfalls für die Masse der Pro-
       duktionsprozesse noch  kaum Stoff- und Verfahrenskenntnisse sowie
       technologische Erfahrungen  vor. Die  Größenordnung des  Problems
       ergibt sich  daraus, daß hier geschichtlich Produktivkraftsysteme
       in gewaltiger Dimension entstanden sind, die - ökonomisch vermit-
       telt  -  ein  bestimmtes,  kapitalismusgeprägtes  Naturverhältnis
       technologisch fixiert haben.
       Das in  weiten Bereichen  nichtreproduktive und insofern raubbau-
       hafte Verhältnis  zur Natur hatte der Kapitalismus von vorkapita-
       listischen Produktionsweisen  übernommen. Die  spezifische, nicht
       gebrauchs-, sondern  tauschwertorientierte und  auf  industrielle
       Warenproduktion als Träger von Tauschwert gerichtete kapitalisti-
       sche Produktionsweise  treibt es nun in besonderer Form voran. Wo
       die Übernutzung  und unterbleibende Reproduktion von Naturquellen
       sich als  gravierendes Hemmnis zu erweisen beginnt, ist eine sol-
       che Wirtschaftsform  durchaus in  der Lage, durch Aufbau entspre-
       chender Industrien und Technologien Abhilfe zu schaffen. Dies ge-
       schieht jedoch  in der  Hauptsache  i n  F o r m  d e r  n a c h-
       t r ä g l i c h e n   E n t - S o r g u n g  (bei über 90 Prozent
       der heutigen  umwelttechnologischen Verfahren  handelt es sich um
       "additive" "End-of-pipe"-Technologien),  48) also  ohne zyklische
       Gestaltung des  Produktionsprozesses und  damit ohne prinzipielle
       Lösung; und  es geschieht in sozial parasitärer, weil vornehmlich
       (über Subventionen, Kostenabwälzung etc.) aus Einkommen der Lohn-
       abhängigen finanzierter Form.
       Zur kapitalistischen  Warenproduktion gehört  das ständige, durch
       die Konkurrenzverhältnisse  aufgezwungene Bemühen,  den Produkti-
       onsprozeß im  Sinne   d e r  E i n s p a r u n g  nicht an aufge-
       wandter, sondern  an  b e z a h l t e r  A r b e i t  zu ökonomi-
       sieren. Die  Maschinenanwendung ist  hierbei  ein  entscheidendes
       Mittel. 49)  Ökonomisierung des konstanten Kapitals in allen sei-
       nen Formen  (Anlagen und Rohstoffe, Energie und Hilfsstoffe usf.)
       sowie der  lebendigen Arbeit  unterliegen diesem  Prinzip der Ko-
       stenreduktion. Die  Nutzung natürlicher Kreisläufe und Naturquel-
       len als  nicht zu  reproduzierende "Gratisnaturkräfte" (zu unter-
       scheiden von  den für ihre Ausbeutung und Konsumtion aufzuwenden-
       den Investitionen)  ist ein  Grundzug dieser Form der Ökonomisie-
       rung. Seine  produktionstechnologische Konsequenz  besteht in der
       Entwicklung  einer   Verarbeitungstechnologie  zum   Zwecke   der
       "Änderung der  Form der Stoffe", die auf Steigerung der Produkti-
       vität der Arbeit mit dem Ziel der Einsparung bezahlter Arbeit und
       damit zugleich  auf eine   E r h ö h u n g   d e s  (auf  e i n e
       Verwendung begrenzten)    S t o f f u m s a t z v e r m ö g e n s
       der  Arbeitskraft  gerichtet  ist,  ohne  das    S t o f f a u s-
       n u t z u n g s v e r m ö g e n   in seiner ganzen Komplexität in
       gleicher Weise  zu stimulieren.  50) Einsparung von gesellschaft-
       licher, zu  bezahlender Arbeit,  die  für  die  Reproduktion  der
       Naturquellen aufzuwenden  wäre,  und  Entwicklung  einer  Produk-
       tionstechnologie, die  primär auf  Kostenreduktion durch Erhöhung
       des Stoff-  und Energieumsatzvermögens  orientiert ist,  sind die
       Grundtendenzen, die  sich in  der Herausbildung  der  nichtzykli-
       schen,  linearen  Produktionsstrukturen  niedergeschlagen  haben.
       Übermäßige Nutzung  und Vergeudung von Rohstoffen und Energieträ-
       gern, Vergiftung  von Naturkreisläufen,  globale  Schädigung  von
       Ökosystemen sind die damit programmierten Folgen. 51)
       Die oft  zitierte Marxsche  Formulierung über die kapitalistische
       Produktionsweise, daß  sie "die  Technik und  Kombination des ge-
       sellschaftlichen Produktionsprozesses (nur entwickelt), indem sie
       zugleich die  Springquellen alles  Reichtums untergräbt: die Erde
       und den  Arbeiter", 52)  bringt den genannten Zusammenhang defor-
       mierter  Produktivkraftentwicklung  prägnant  zum  Ausdruck.  Die
       technische Fixierung dieses destruktiven Naturverhältnisses macht
       die Ökologisierung  der  Produktivkräfte  zu  einem  wesentlichen
       Aspekt einer auf Erhaltung und Reproduktion der Naturquellen, auf
       rationellen Umgang  mit den Naturgrundlagen der Gesellschaft ori-
       entierten nichtausbeuterischen Produktionsweise. Eine solche Öko-
       logisierung im  Sinne der Einpassung der "industriellen Naturpro-
       zesse" in  den Zusammenhang  natürlicher Stoff- und Energiekreis-
       läufe hat ihre radikale - auch technische - Umgestaltung in Rich-
       tung auf zyklische Prozesse zur Voraussetzung. Ein entsprechendes
       Konzept der  Ökologisierung ist bei Marx im Zusammenhang mit sol-
       chen Fragen  wie Recycling  ("Rückverwandlung der  Exkremente der
       Produktion... in neue Produktionselemente"), abfallarme Technolo-
       gien usw. angedeutet. 53)
       Geschichtlich ist  auf die  geschilderte Weise ein gewaltiges Sy-
       stem linearer Produktionsabläufe entstanden, das mit den natürli-
       chen Kreisläufen  in disfunktionaler  Weise verbunden ist. Dieses
       System umzubauen und zu ökologisieren ist ein akutes und dringen-
       des Problem.  Seine Inangriffnahme bedarf einer völlig neuen Wis-
       senschafts- und Technologieorientierung. Eine in diesem Sinne ra-
       tionelle Regelung des Mensch-Natur-Stoffwechsels 54) findet unter
       Bedingungen gesamtgesellschaftlicher Planung und einer gebrauchs-
       wertorientierten, sozialistischen Produktionsweise schon heute in
       vieler Hinsicht  günstige Voraussetzungen;  jedoch wird  ein ent-
       sprechender Umbau  des gesamten Produktivkraftsystems von Autoren
       sozialistischer Länder  bei den  gegebenen materiellen Vorausset-
       zungen als ein langfristiger Prozeß angesehen. "Bei der Schaffung
       und dem  Ausbau der  materiell-technischen Basis  des Sozialismus
       können zunächst  nur die schlimmsten naturwidrigen Wirkungen die-
       ses Produktivkraftsystems  beschränkt werden...  Dennoch kann der
       Sozialismus nicht umhin, die Masse der umweltschädigenden Wirkun-
       gen der  modernen Produktivkräfte  zunächst noch erweitert zu re-
       produzieren, nicht  nur, weil  er im  ökonomischen Wettbewerb mit
       dem Kapitalismus steht, sondern vor allem, weil auch die kommuni-
       stische Formation  das ihr  adäquate Produktivkraftsystem  nur im
       Verlauf eines  längeren  historischen  Prozesses  hervorzubringen
       vermag." 55)
       
       3.3 Gesamtgesellschaftliche Deformationen
       -----------------------------------------
       von Produktivkraftstrukturen
       ----------------------------
       
       Mit der  wissenschaftlich-technischen Revolution  entwickelt sich
       heute ein Techniktyp, der nicht nur als arbeitskraftsparend, son-
       dern auch  als    k a p i t a l-    u n d    r e s s o u r c e n-
       s p a r e n d   bezeichnet wird.  56) Für  ihn ist  offenbar  die
       Umkehr des  bisher vorherrschenden  Trends charakteristisch,  daß
       mit  der   Übertragung  von   Funktionen  lebendiger  Arbeit  auf
       Maschinerie  der   Aufwand  an   vergegenständlichter  Arbeit  im
       Verhältnis zur  Menge der  erzeugten Produkte  relativ  ansteigt.
       Wachsende Produktivität  der lebendigen  Arbeit wurde  so erkauft
       mit abnehmender  Produktivität der  vergegenständlichten  Arbeit.
       Die neuen  Technologien repräsentieren  nun einen Techniktyp, bei
       dem steigende  Arbeitsproduktivität nicht  mit einem Absinken der
       sog. "Kapitalproduktivität" verbunden ist. Ein solcher Trend läßt
       sich inzwischen  für die Kernbereiche der Industrie der BRD nach-
       weisen, in  denen ein  steigender  Bedarf  an  Investitionsgütern
       (besonders Rationalisierungstechnologien) mit einem relativ lang-
       samer wachsenden  Investitionsaufwand befriedigt werden kann. 57)
       Hierin drückt  sich der Übergang zu einem Typ intensiver Kapital-
       reproduktion unter den Bedingungen der neuen Technik aus.
       Dieser   n e u e  T e c h n i k t y p,  der auf der Ebene einzel-
       kapitalistisch angewandter  Produktionsprozesse die relative Ein-
       sparung von  Energie und  Ressourcen begünstigt und insofern eine
       effektivere Nutzung  von  Naturpotentialen  gestattet,  entfaltet
       sich jedoch  auch heute  nur auf  der Basis  der gegebenen Grund-
       struktur linearer  Produktionsabläufe und eines insgesamt im Ver-
       gleich zur  Effektivität von Naturprozessen ausgeprägt extensiven
       Nutzungsgrades von  Rohstoffen und  Energie. 58)  Wenn man die in
       der Vergangenheit  in der  Wirtschaft der Bundesrepublik durchge-
       setzten, durchaus  beachtlichen Energieeinsparmaßnahmen  betrach-
       tet, 59)  so sind  auch hier  das absolute Niveau des Energiever-
       brauchs, das nach wie vor raubbauhafte Verhältnis zu den für eine
       energetische Nutzung viel zu wertvollen Ressourcen, die gewaltige
       Vergeudung von Energie durch mangelnde Abwärme-Nutzung und andere
       vom gesamtgesellschaftlichen  Standpunkt aus  völlig unrationelle
       Strukturen der  Energiewirtschaft als  ökologisch  disfunktionale
       Grundmerkmale erhalten  geblieben. Mit der wissenschaftlich-tech-
       nischen Revolution gegebene Möglichkeiten einer effektiveren Res-
       sourcenbewirtschaftung, die  auf der Ebene der Einzelkapitale und
       Konzerne mit  Intensität genutzt  werden, stoßen unweigerlich auf
       die Grenzen einer Wirtschaftsweise, der es nicht um die gesamtge-
       sellschaftlich gesehen  effektivste und  sparsamste Erzeugung von
       Gebrauchswerten und Dienstleistungen bei sorgsamem Umgang mit den
       insgesamt zur  Verfügung stehenden  Ressourcen geht,  sondern  um
       einzelwirtschaftlichen Gewinn.
       Deformationen gesellschaftlicher  Produktivkraftstrukturen zeigen
       sich nicht  nur  in  der  formationsspezifischen  Ausprägung  des
       Mensch-Natur-Verhältnisses und der Gestaltung des gesellschaftli-
       chen Naturstoffwechsels.  Die Profitorientierung kapitalistischer
       Produktionsweise, Konkurrenz, ständige Störung der Proportionali-
       tätserfordernisse wirtschaftlicher Entwicklung und der Ausbau des
       Macht- und  Herrschaftsapparates erlegen  der Gesellschaft  einen
       hohen Tribut  in Form der Vergeudung von nicht genutztem Arbeits-
       vermögen einerseits  und von  verausgabter (lebendiger und verge-
       genständlichter) Arbeit  andererseits auf.   M a ß s t a b  i s t
       h i e r   d i e   M ö g l i c h k e i t   e i n e r    r a t i o-
       n e l l e n,  a u f  d i e  g e b r a u c h s w e r t m ä ß i g e
       B e f r i e d i g u n g     d e r    g e s e l l s c h a f t l i-
       c h e n   B e d ü r f n i s s e   g e r i c h t e t e n    N u t-
       z u n g   d e r   g e g e b e n e n   p r o d u k t i v e n  P o-
       t e n z e n   d e r  G e s e l l s c h a f t.  Eine möglichst ra-
       tionelle Bewirtschaftung  dieser Ressourcen  schließt neben ihrer
       optimalen Ausnutzung  zugleich den  pfleglichen und reproduktiven
       Umgang mit  ihnen ein.  Dies gilt  für  das  Arbeitsvermögen  der
       Gesellschaft ebenso  wie für  das vorhandene  Anlagevermögen, die
       Naturressourcen usf. Daß die Realität kapitalistischer Wirtschaft
       und  Vergesellschaftung   dem  Hohn   spricht,  ist   seit  ihrer
       Herausbildung offenkundig. 60)
       Die Verschwendung  gesellschaftlicher Produktionsmittel  und Res-
       sourcen äußert sich nicht nur in "quantitativen Effekten" wie der
       Überproduktion von  Produktionsmitteln, der  Brachlegung von  Ar-
       beitskräften durch  "Freisetzung" und  Massenarbeitslosigkeit und
       der Vernichtung  überschüssiger  Produkte  und  Produktionspoten-
       tiale. Sie  findet ihren  Ausdruck auch  in durchaus "funktionie-
       renden", materiell fixierten Produktivkraftstrukturen. Für solche
       Systeme wie  - um  nur einige Beispiele zu nennen - Transport und
       Verkehr, Energieerzeugung  und -nutzung,  Agrarproduktion, Terri-
       torialstrukturen usf.  läßt sich  zeigen, daß  die von  ihnen  zu
       erbringenden   Funktionen   gesellschaftlicher   Produktion   und
       Dienstleistung bei  Abstreifung ihrer  Kapitalform mit  sehr viel
       geringerem Aufwand  an Ressourcen,  an  vergegenständlichter  und
       lebendiger Arbeit  erbracht werden  können. 61) Jedoch setzt auch
       dies  nicht   einfach  eine   andere  Wirtschafts-   und  Gesell-
       schaftspolitik voraus, sondern erfordert zugleich einen tiefgrei-
       fenden materiellen Umbau.
       Es ist  daran zu erinnern, daß solche Deformationen gesellschaft-
       licher Produktivkraftentwicklung  bereits von Lenin in seiner Im-
       perialismus-Analyse thematisiert wurden. Lenin hatte dort vor al-
       lem den  Widerspruch von außerordentlich rascher technischer Ent-
       wicklung und  den von ihm als "Stagnation und Fäulnistendenz" be-
       zeichneten Deformationen und Disproportionen, Krisenprozessen und
       Vergeudungen gesellschaftlichen  Reichtums herausgearbeitet.  62)
       Technologische Produktivkraftrevolutionierung geht einher mit dem
       Aufbau materieller  Strukturen in - dem imperialistischen Stadium
       kapitalistischer Entwicklung  entsprechend -  globaler Dimension.
       (Lenin demonstriert diesen Zusammenhang am internationalen Eisen-
       bahnnetz). Methodisch  ist dieser Gesichtspunkt mit Blick auf die
       heutigen Formen  weltmarktorientierter Wirtschafts- und Struktur-
       politik und  die daraus  resultierenden Deformationen  nationaler
       Produktivkraftpotentiale wichtig;  und er verweist uns nachhaltig
       auf die  ungeheure Zerstörung subjektiver Entwicklungsmöglichkei-
       ten und  buchstäblich Lebenschancen der Massen in den Ländern der
       Dritten Welt. 63)
       Es braucht  hier nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß der
       Aufbau des  Macht- und  Herrschaftsapparates und die Militarisie-
       rung der Wirtschaft durch den Entzug von finanziellen und materi-
       ellen Ressourcen  sowie von  Wissenschafts- und  Forschungspoten-
       tialen eine  besonders ausgeprägte  und die  für die  Zukunft der
       Menschheit bedrohlichste Variante deformierter Produktivkraftent-
       wicklung,  ihrer  Verkehrung  in  Destruktivkraft  im  wörtlichen
       Sinne, darstellt. Zudem sind hier die indirekten Auswirkungen der
       Militarisierung auf  die  Gesamtentwicklung  der  Produktivkräfte
       nicht zu  unterschätzen: die  besondere Dynamik, die militärische
       Aufträge der  Entwicklung in  einzelnen Bereichen verleihen, ihre
       spezifischen, sich auch in der Technik niederschlagenden Anforde-
       rungen usw.  Gerade die für die wissenschaftlich-technische Revo-
       lution so  entscheidenden Bereiche der Elektronik und luK-Techno-
       logien sind  hierfür ein  Paradebeispiel (von  der Entstehung der
       Elektronik bis  zu superschnellen  Rechnern,  Programmiersprachen
       und Softwaregestaltung,  militärtechnischen Bedürfnissen angepaß-
       ten Chips  usf.). 64)  Hier wird von Experten die Auffassung ver-
       treten, daß  die Konversion derartiger militarisierter Strukturen
       wegen der  zunehmenden Spezialisierung der Militärtechnik im Ver-
       gleich zur Vergangenheit eher schwerer denn leichter wird und auf
       jeden Fall viel umfassendere, gesamtgesellschaftliche Alternativ-
       konzeptionen  wissenschaftlicher,  technischer  und  wirtschafts-
       struktureller Natur verlangt. 65)
       Die Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit
       bezeichnete Marx  als "die  historische Aufgabe  und Berechtigung
       des Kapitals.  Eben damit schafft es unbewußt die materiellen Be-
       dingungen einer  höhern Produktionsform."  66) Es  ist der Wider-
       spruch zwischen  dem "beschränkten Zweck, der Verwertung des vor-
       handnen Kapitals"  und dem  "Mittel -  unbedingte Entwicklung der
       gesellschaftlichen Produktivkräfte",  67) der  Deformationen  und
       destruktive Tendenzen  bewirkt. Die   K r i t e r i e n    s o l-
       c h e r   B e u r t e i l u n g   ergeben sich  nicht aus irgend-
       einem abstrakten  Plan oder  einer inneren  Logik  "harmonischer"
       Wissenschafts-, Technik-  und Produktivkraftentwicklung; sie sind
       allein dem  eigentlichen geschichtlichen Ziel menschlicher Verge-
       sellschaftung  abzugewinnen:   "Kraftentwicklung,  die  sich  als
       Selbstzweck gilt",  und die  zur Voraussetzung  hat, daß die Men-
       schen "ihren  Stoffwechsel mit  der Natur rationell regeln, unter
       ihre gemeinschaftliche  Kontrolle bringen...; ihn mit dem gering-
       sten Kraftaufwand und unter den, ihrer menschlichen Natur würdig-
       sten und  adäquatesten Bedingungen  vollziehn." 68)  Eben  dieses
       Ziel muß auch Maßstab aktueller Politik sein.
       
       4. Kontrolle der Produktivkraftentwicklung -
       --------------------------------------------
       ein soziales und technisches Problem
       ------------------------------------
       
       Die rationelle  Gestaltung des  Mensch-Natur-Stoffwechsels, seine
       gemeinschaftliche "Kontrolle"  schließt daher  neben der sozialen
       Dimension der  Entfaltung von Gegenmacht gegen die Grundtendenzen
       kapitalistischer  Vergesellschaftung  eine  stoffliche  Dimension
       ein. Der  Begriff der "Kontrolle" erhält insofern auch eine tech-
       nisch-technologische  Bedeutung.   Alternativen  der   Produktiv-
       kraftentwicklung, Alternativen  der betrieblichen  Gestaltung von
       Technik und Arbeit gehören heute zunehmend zum Kanon der sozialen
       und politischen Forderungen der Arbeiterbewegung.
       Mit der wissenschaftlich-technischen Revolution gewinnt die tech-
       nologische Dimension  der Kontrolle der Produktivkraftentwicklung
       außerordentlich an  Bedeutung. Dies nicht nur wegen der bedrohli-
       chen Steigerung  des Gegensatzes  von Forcierung  der Stoffaneig-
       nungs- und  -umsatztechnologien einerseits  und dem Zurückbleiben
       auch der technischen Befähigung zur Naturquellenreproduktion oder
       wegen  der  Möglichkeiten  betrieblicher  und  gesellschaftlicher
       Herrschaftsausübung durch  die neuen  IuK-Technologien  usw.  Die
       wissenschaftlich-technische Revolution  schafft  auch  ganz  neue
       Probleme der technischen Beherrschung von technologischen Prozes-
       sen selbst,  die mit  der Anwendung  der neuen  Arbeitsmittel auf
       elektronischer Basis  und dem  durch sie ermöglichten Zugriff auf
       N a t u r p r o z e s s e   h ö h e r e r   K o m p l e x i t ä t
       u n d  D y n a m i k  geschaffen werden. Die Auseinandersetzungen
       entzünden sich  hier besonders  an solchen  Fragen  wie  der  Be-
       herrschbarkeit der  neuen gentechnologischen Verfahren, der Reak-
       torsicherheit und  Kernenergienutzung überhaupt, der Kontrollier-
       barkeit komplexer  Datenverarbeitungssysteme,  den  Möglichkeiten
       und Grenzen  von künstlicher  Intelligenz, Expertensystemen  usf.
       Hierzu einige abschließende Bemerkungen.
       Produktionstechnologie bestand  in der Vergangenheit im wesentli-
       chen in  der Nutzung einer großen Zahl von praktisch beherrschten
       Verfahren,   deren    technische   Anwendung    in   hohem   Maße
       "experimentell" erprobt  und weiterentwickelt  wurde.  Trotz  des
       großen Schubs  an Verwissenschaftlichung der Produktionstechnolo-
       gie beruht auch heute noch die übergroße Zahl der Produktionspro-
       zesse auf  vorwiegend empirischer  Grundlage. 69)  Aber auch  bei
       vollständiger   t h e o r e t i s c h e r  Beherrschung der einem
       Verfahren zugrunde liegenden Naturgesetze und -prozesse wirft die
       t e c h n i s c h e   Beherrschung des  Verfahrens  weitergehende
       Probleme auf,  weil auch die Kenntnis aller Rand- und Ausgangsbe-
       dingungen dann  erforderlich ist,  wenn der  technische Prozeß in
       seinem Verlauf "absolut" vorhersagbar sein soll.
       Dies ist in totaler Vollständigkeit weder möglich noch notwendig.
       Gerade das "Versuch-und-Irrtum"-Verfahren bei der Entwicklung von
       Technologien und Anlagen war die ingenieurtechnische Form des Um-
       gangs mit dieser Diskrepanz. Wie die Praxis zeigt, gestattete sie
       durchaus die  Beherrschung entsprechender  Technologien (trotz  -
       wenn man  das klassische  Beispiel nimmt  - der  großen Zahl  von
       Dampfkesselexplosionen).
       Diese Form  der Entwicklung und Erprobung ist jedoch bei bestimm-
       ten neuen  Technologien und  Großanlagen, die auf der Nutzung von
       hochdynamischen und  -komplexen Prozessen  mit  außerordentlichem
       Risikopotential beruhen,  nicht mehr  zu verantworten.  Und  zwar
       deswegen, weil  die Dimension  des hier  gegebenen  Risikos  (der
       "Folgewirkungen") in  globaler Form an die Dimension der natürli-
       chen Existenz-  oder Lebensbedingungen  der Menschen heranreicht,
       70) die in engen Toleranzen konstant gehalten werden müssen. Dies
       gilt z.B.  für die  Strahlenbelastung im Fall von Kernenergienut-
       zung, und  dies ist  ebenso denkbar für den Fall unkontrollierter
       und unkontrollierbarer Verbreitung genetisch manipulierter Mikro-
       organismen. Die  Entwicklung entsprechender  Technologien - deren
       Folgeprobleme man  zumindest nicht kennt - macht also prinzipiell
       andere Wege  ihrer Erforschung,  Erprobung  und  gesellschaftlich
       kontrollierten Beurteilung  notwendig - was angesichts der mögli-
       chen Risikodimension  die  Entscheidungsmöglichkeit  einschließen
       muß, entsprechende  Systeme nicht  zu entwickeln bzw. nicht anzu-
       wenden.
       Ähnliche Probleme zeigen sich bei der technischen Auslegung auto-
       matisierter Anlagen.  Anwendung von  Automationsmitteln auf elek-
       tronischer Basis  der Informationsverarbeitung erfolgt gerade mit
       dem Ziel,  die Grenzen  der Handlungs- und Eingriffsmöglichkeiten
       des Menschen  bei der  Steuerung technischer  Prozesse (besonders
       hinsichtlich der  Komplexität von zu verarbeitenden Informationen
       und der  dafür erforderlichen  hohen Geschwindigkeit) zu überwin-
       den. Das  macht jedoch  die Modellierung der ablaufenden Prozesse
       bei möglichst umfassender Berücksichtigung aller relevanten gege-
       benen und  denkbaren Randbedingungen  notwendig. Die Leistungsfä-
       higkeit von  Automatisierungssystemen hängt  erheblich davon  ab,
       "wie exakt  die Bedingungen für das Treffen einer speziellen Ent-
       scheidung vorherbestimmbar sind. Für viele technische Systeme ist
       dies aber  nur unvollständig möglich - u.a. weil der Aufwand, der
       erforderlich ist,  um zu den aktuellen Prozeßzuständen die erfor-
       derlichen Steuerungen  der Prozeßparameter zu bestimmen, exponen-
       tiell mit  der Komplexität der zu beherrschenden Systeme wächst."
       71) Auch hochautomatisierte Systeme erfordern insofern immer men-
       schlichen Eingriff in den Prozeß - insbesondere dann, wenn "Stör-
       fälle" auftreten,  Prozesse zusammenbrechen  oder "überschießen".
       Dies aber  sind Situationen  besonders hoher Belastung mit großer
       Wahrscheinlichkeit  von  Fehlreaktionen,  zumal  gerade  auf  den
       "nicht vorhersehbaren Fall" reagiert werden muß. Der Mensch tritt
       also als  "Wächter und  Regulator" einerseits aus dem technischen
       Steuerungsprozeß heraus,  muß  aber  in  besonders  komplizierter
       Situation in  ihn eingreifen.  Das wirft  die Frage nach einem in
       der Natur  gängigen, in  technischen  Systemen  und  der  Mensch-
       Maschine-Interaktion  aber   kaum   realisierten   Prinzip,   der
       "Fehlerfreundlichkeit", auf.  Technische Systeme, die die fehler-
       freie Bedienmannschaft  verlangen, sollten  besser  nicht  einge-
       schaltet werden.
       Der Prozessor  als "allgemeiner  Agent" faktisch universeller An-
       wendung schneller,  dezentraler, verknüpfbarer Informationsverar-
       beitungstechnologie eröffnet  den Zugang  zum menschlichen Umgang
       mit Prozessen großer Dynamik, Komplexität und Energie. Gerade die
       Komplexität solcher  Prozesse und  die neue  Dimension  möglicher
       Folgewirkungen sind  zentrale Probleme  für einen verantwortungs-
       vollen, planvollen  und an  gesamtgesellschaftlichen (statt  ver-
       selbständigten Einzel-)Interessen  ausgerichteten Umgang  mit ih-
       nen. Dies  sind neue  und ungelöste Probleme für die Wissenschaft
       wie für die Arbeiterbewegung.
       Das Schlüsselwort  für rationelle  Gestaltung und  Kontrolle  der
       Produktivkraftentwicklung heißt  heute   D e m o k r a t i s i e-
       r u n g.   Die Sensibilität  gegenüber den Problemen der modernen
       Produktivkraft- und Technikentwicklung ist in den zurückliegenden
       Jahren auch  in der Arbeiterklasse außerordentlich gewachsen. Um-
       weltprobleme, Informations-  und Kommunikationstechnologien, Fra-
       gen der  Herrschaft und  Kontrolle, Furcht vor Ausweitung techno-
       kratischer Macht,  Belastung durch  technologische Intensivierung
       der  Arbeit   sind  heute   wichtige  Themen  im  Bewußtsein  der
       Lohnabhängigen,  mit   denen  sie  ihre  eigenen  Interessen  und
       Bedürfnisse nach  Mitentscheidung  und  Mitbestimmung  über  ihre
       Lebens- und  Arbeitsbedingungen in  Verbindung bringen. Dies sind
       Ansatzpunkte, um  den Alternativkonzeptionen der Arbeiterbewegung
       für  eine   den  Interessen   der  Lohnabhängigen   entsprechende
       Produktivkraft- und Technikentwicklung Rückhalt und Unterstützung
       zu gewinnen.
       
       _____
       1) Vgl.  J.D.  Bernal,  Die  soziale  Funktion  der  Wissenschaft
       (London 1939), Köln 1986.
       2) Karl Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW Bd. 23, S. 510 f.
       3 Karl Marx, Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Ber-
       lin (DDR) 1953, S. 587, 588.
       4) Ebd., S.  587. "Die Entwicklung des capital fixe zeigt an, bis
       zu welchem  Grade das  allgemeine gesellschaftliche Wissen, know-
       ledge,  zur     u n m i t t e l b a r e n      P r o d u k t i v-
       k r a f t   geworden ist..." (Hervorhebung im Original), ebd., S.
       594.
       5) Ebd., S. 312 ff., 438 ff., 582 ff., 592 ff.
       6) Vgl. u.a.: Mensch - Wissenschaft - Technik. Versuch einer mar-
       xistischen Analyse  der  wissenschaftlich-technischen  Revolution
       (Moskau/Prag 1973),  Berlin 1977;  Yvette  Lucas,  La  révolution
       scientifique et  technique. Un  débat pour l'homme et la société,
       Paris 1981;  Harry Nick, Wissenschaftlich-technische Revolution -
       historischer Platz,  Entwicklungsetappen, soziales  Wesen, Berlin
       (DDR) 1983.
       7) 1936 wurde die Arbeit von Alan Turing zu den logischen Prinzi-
       pien von Rechenautomaten veröffentlicht. Vgl. dazu: Peter Brödner
       u.a., Der programmierte Kopf. Eine Sozialgeschichte der Datenver-
       arbeitung, West-Berlin  1981, bes. S. 40ff.; Dirk Hanson, Die Ge-
       schichte der Mikroelektronik, München 1984, S. 56 ff.
       8) Die Miniaturisierung  der Großrechner begann 1970 mit der Ent-
       wicklung von Mikroprozessoren, dem "Computer auf einem Chip", bei
       Intel. Vgl.  D. Hanson, a.a.O., S. 146ff. Ihre Verbreitung kam in
       Verbindung mit  technischen Verbesserungen seit Mitte der siebzi-
       ger Jahre in Gang.
       9) K. Marx,  Das Kapital,  1. Bd.,  a.a.O., S. 398, mit Blick auf
       den Motor  in der  industriellen Revolution. Die Parallele ziehen
       Klaus Fuchs-Kittowski  und Bodo  Wenzlaff, Probleme der theoreti-
       schen und  praktischen Beherrschung  moderner  Informations-  und
       Kommunikationstechnologien, in: Deutsche Zeitschrift für Philoso-
       phie (DZPh) H. 6/1987, S. 502ff.
       10) Vgl.  hierzu:  Autorenkollektiv,  Leitung:  Hans  Roos/Günter
       Streibel, Umweltgestaltung und Ökonomie der Naturressourcen, Ber-
       lin (DDR) 1979.
       11) Dieser Zusammenhang  wird bei Marx und Engels an vielen Stel-
       len behandelt.  Aber aufgrund des bei Beginn der kapitalistischen
       Industrialisierung noch niedrigen Niveaus des Stoffwechselprozes-
       ses Natur-Gesellschaft  wird er  nicht systematisch thematisiert.
       Vgl. dazu:  Horst Paucke, Karl Marx und Friedrich Engels zum Ver-
       hältnis von  wissenschaftlich-technischem Fortschritt  und ratio-
       neller Naturnutzung, Berlin (DDR) 1983 (Gesellschaftswiss. Infor-
       mationen, H.  23). Eine  der ersten Studien, die dies als Problem
       der Konzeption der wissenschaftlich-technischen Revolution disku-
       tierte, war G. Goudojnik, La revolution scientifique et technique
       et l'ecologie, Moskau, russ. 1975, franz. 1980. In der BRD: Edgar
       Gärtner, Arbeiterklasse und Ökologie, Frankfurt/M. 1979.
       12) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., a.a.O., S. 57, 58.
       13) Vgl. zum folgenden auch die in vieler Hinsicht anregende Dis-
       sertation von Rainer Land, Zum Zusammenhang von innerer Logik und
       sozialökonomischer Determination der Produktivkraftentwicklung in
       der monopolistischen Bewegungsform des Kapitals, Humboldt-Univer-
       sität Berlin (DDR) 1984.
       14) Vgl. Handbuch  Wirtschaftsgeschichte, 1.  Bd.,  Berlin  (DDR)
       1981, Stichworte  "Landwirtschaft", S.  309 ff., 363 ff., 442 ff.
       sowie "Agrare Produktivkräfte", S. 478 ff.
       15) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., a.a.O., S. 402.
       16) K. Marx, Theorien über den Mehrwert, 1. T., in: MEW Bd. 26.1,
       S. 19.
       17) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., a.a.O., S. 406.
       18) Ebd., S. 401.
       19) Ebd., S. 510.
       20) Vgl. Handbuch  Wirtschaftsgeschichte, 2.  Bd., a.a.O., Stich-
       wort "Industrielle Produktivkräfte", S. 665 ff.
       21) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., a.a.O., S. 401.
       22) Ebd., S. 402.
       23) K. Marx,  Grundrisse der  Kritik  der  Politischen  Ökonomie,
       a.a.O., S. 592, 593.
       24) Vgl. zum  folgenden u.a.:  Allgemeine Geschichte  der Technik
       von 1870 bis etwa 1920 (Moskau 1982), Leipzig 1984; David S. Lan-
       des, Der entfesselte Prometheus, Köln 1979; Handbuch Wirtschafts-
       geschichte, 2.  Bd., a.a.O.,  Stichworte "Energiewirtschaft",  S.
       644 ff.,  "Industrielle Produktivkräfte", S. 665 ff., "Transport-
       und Nachrichtenwesen", S. 763 ff.; Otto Bauer, Rationalisierung -
       Fehlrationalisierung (Kapitalismus und Sozialismus nach dem Welt-
       krieg, 1.  Bd.), Wien 1931, in: Werkausgabe, Bd. 3, Wien 1976, S.
       719-914.
       25) Vgl. Otfried  Mickler, Facharbeit im Wandel. Rationalisierung
       im industriellen  Produktionsprozeß, Frankfurt/M., New York 1981;
       zu den  verschiedenen Arbeitstypen:  Horst Kern/Michael Schumann,
       Rationalisierung und  Arbeiterverhalten, in:  R. Jokisch (Hrsg.),
       Techniksoziologie, Frankfurt/M. 1982, S. 368 ff.
       26) Klaus Krug,  Zur Herausbildung  der  Verfahrenstechnik,  und:
       Siegfried H.  Richter, Zur  Entwicklung der Fertigungstechnik als
       Technikwissenschaft in  der ersten  Hälfte des  20. Jahrhunderts,
       beide in:  W. Wendel (Hrsg.), Wissenschaft und Gesellschaft 1917-
       1945, Berlin (DDR) 1984, S. 183 ff. und 199 ff.
       27) Vgl. Horst  Kern/Michael Schumann,  Das Ende  der Arbeitstei-
       lung? Rationalisierung  in der  industriellen Produktion, München
       1984, S. 235 ff.; Otfried Mickler, Eckhard Dittrich, Uwe Neumann,
       Technik, Arbeitsorganisation und Arbeit, Frankfurt/M. 1976, S. 85
       ff.
       28) H. Kern/M.  Schumann, Das Ende der Arbeitsteilung? a.a.O., S.
       265.
       29) Vgl. dazu:  Horst Wolffgramm,  Allgemeine  Technologie.  Ele-
       mente, Strukturen  und Gesetzmäßigkeiten technologischer Systeme,
       Leipzig 1978, S. 179 ff.
       30) K. Marx,  Grundrisse der  Kritik  der  Politischen  Ökonomie,
       a.a.O., S. 595.
       31) Vgl. Friedrich  Engels, Dialektik  der Natur, in: MEW Bd. 20,
       S. 322 f., 444 ff.
       32) Wenn vom Ersatz menschlicher Funktionen oder Arbeitstätigkeit
       gesprochen wird,  verwischt sich  gerade dieser entscheidende Un-
       terschied zwischen Arbeitsmittel als Bedingung der Arbeit und Ar-
       beitstätigkeit. Vgl.  Hans Heinz Holz, Dialektik und Widerspiege-
       lung, Köln 1983, S. 33 ff.
       33) Dazu u.a.  Peter Brödner,  Fabrik 2000.  Alternative Entwick-
       lungspfade in die Zukunft der Fabrik, Westberlin 1985.
       34) Eine Zusammenfassung  geben Norbert Altmann u. a., Ein "neuer
       Rationalisierungstyp" - neue Anforderungen an die Industriesozio-
       logie, in: Soziale Welt, H. 2-3/1986, S. 191-207.
       35) Vgl. dazu  u. a.  verschiedene Beiträge in: Marxistische Stu-
       dien. Jahrbuch  des IMSF  7, 1984; 9, 1985; 11, 1986; Autorenkol-
       lektiv unter Leitung von Reinhold Kowalski, Staatsmonopolistische
       Intensivierung und Widersprüche der Reproduktion, IPW-Forschungs-
       hefte 4/1986.
       36) G. Spur,  Aufschwung, Krisis und Zukunft der Fabrik, in: Pro-
       duktionstechnisches Kolloquium  West-Berlin 1983, Die Zukunft der
       Fabrik, S.  11. Vgl. auch: H. Dieter Jorissen u. a., Die neue Fa-
       brik. Chance und Risiko industrieller Automatisierung, Düsseldorf
       1986.
       37) Vgl. dazu Peter Brödner, Fabrik 2000, a.a.O.
       38) Vgl. zuletzt:  Hans-Böckler-Stiftung (Hrsg.),  Gewerkschaften
       vor den  Herausforderungen der 90er Jahre, Düsseldorf o.J. (1987)
       (Infas-Studie).
       39) Der Begriff geht zurück auf Martin Baethge, Herbert Oberbeck,
       Zukunft der  Angestellten. Neue  Technologien und berufliche Per-
       spektiven in Büro und Verwaltung, Frankfurt/M., New York 1986.
       40) Fred Manske,  Ende oder Wandel des Taylorismus? Von der punk-
       tuellen zur  systemischen Kontrolle des Produktionsprozesses, in:
       Soziale Welt, H. 2/1987, S. 166-180.
       41) Vgl. "Fabrik  der Zukunft", Sonderteil der VDI-Nachrichten v.
       13.6.1986.
       42) Vgl. dazu  die Berichte  von der "Analytik '87", in: Handels-
       blatt v. 4. 3. 1987; VDI-Nachrichten v. 6. 3. 1987.
       43) Die klassische  Formulierung ist in Erinnerung zu rufen: "Die
       Arbeit ist  zunächst ein  Prozeß zwischen  Mensch und  Natur, ein
       Prozeß, worin  der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch
       seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem
       Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leib-
       lichkeit angehörigen  Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand,
       setzt er  in Bewegung,  um sich  den Naturstoff in einer für sein
       eignes Leben  brauchbaren Form  anzueignen. " (K. Marx, Das Kapi-
       tal, 1. Bd., a.a.O., S. 192.)
       44) Karl Marx,  Zur Kritik  der Politischen  Ökonomie (Manuskript
       1861-1863), in: MEGA II. 3.1, S. 58.
       45) G.S. Gudoznik  entwickelte ein  interessantes Konzept der Ge-
       schichte der  "gesellschaftlichen Produktionstechnologie" aus ei-
       ner sorgfältigen Analyse der Marxschen Studien zur Geschichte der
       Arbeit. Gudoznik  weist darauf hin, daß die Marxschen Bezeichnun-
       gen für  die Formen  der Arbeit  -  das  "Vermitteln",  "Regeln",
       "Kontrollieren" -  keineswegs Synonyma darstellen, sondern unter-
       schiedliche und geschichtlich zu unterschiedlichen Zeiten auftre-
       tende Formen  der Arbeit, die ihrerseits geschichtliche Typen der
       umgestaltenden gesellschaftlichen  Produktionstechnologie begrün-
       den. Vermitteln:  das Herauslösen  einzelner Stoffe  und Elemente
       und ihre  Nutzung in anderem Zusammenhang (Tierzähmung, Erzgewin-
       nung, Pflanzenkultur, Werkzeuggebrauch usw.). Regeln: Veränderun-
       gen  im   Wechselverhältnis  von   Elementen  und  Naturprozessen
       (Nutzung  von   Muskelkraft,  Windenergie  usw.).  Kontrollieren:
       Schaffung von  Prozeßabläufen, die  zu einem erwünschten Resultat
       führen. Die  umgestaltende gesellschaftliche Produktionstechnolo-
       gie bringt  er dabei in Zusammenhang mit dem Prinzip der Zerglie-
       derung von  Natursystemen und  -kräften. Vgl. G. S. Gudoznik, Ge-
       sellschaftliche Produktionstechnologie  als wissenschaftliche Ka-
       tegorie, in:  Vestnik Moskowskaja  Universiteta, Ser. Filosofija,
       H. 6/1984,  S. 10  ff. (Für Hinweis und Übersetzung danke ich Jan
       Vogeler, Moskau.)
       46) Siehe dazu: Karl Hermann Tjaden, Gesellschaftliche Produktiv-
       kraft und  ökonomische Gesellschaftsformation,  in: Dialektik  9.
       Ökologie -  Naturaneignung und  Naturtheorie (Red.  E. Gärtner/A.
       Leisewitz), Köln 1985, S. 60 ff.
       47) Vgl. Horst  Paucke/Adolf Bauer, Zum Verhältnis von Natur- und
       Produktionskreisläufen, in: DZPh H. 8/1980, S. 905 ff.; P. Musio-
       lek u.a.,  Zu Problemen von Gesellschaft und Umwelt in den vorka-
       pitalistischen Produktionsweisen, in: Jahrbuch für Wirtschaftsge-
       schichte 4/1983,  S. 105 ff.; Wilfried Strenz u.a., Zu den Bezie-
       hungen zwischen Gesellschaft und Umwelt von der Industriellen Re-
       volution bis zum Übergang zum Imperialismus, in: ebd., 1/1984, S.
       81 ff.
       48) R.U. Sprenger,  Der Umweltschutzmarkt wächst, in: umweltmaga-
       zin 1/1986, S. 18 ff.
       49) Vgl. K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., a.a.O., S. 414 f.; ebenda,
       Bd. 3, in: MEW Bd. 25, S. 272 f.
       50) Dazu H.  Roos/G. Streibel u.a., Umweltgestaltung und Ökonomie
       der Naturressourcen,  a.a.O., S.  20-87. Dieser Ansatz ist in der
       Bundesrepublik insbesondere  von K.  H. Tjaden aufgenommen und im
       Sinne einer  auf Umgestaltung der Produktivkraftentwicklung bezo-
       genen antikapitalistischen  Politik weiterentwickelt worden. Vgl.
       u.a. K.H.  Tjaden, Was  heißt: Die  Produktivkräfte sprengen  die
       Produktionsverhältnisse?, in: Moderne Zeiten H. 5/1983, S. 46ff.;
       Margarete Tjaden-Steinhauer,  K. H.  Tjaden, Vergeudung  und Ver-
       elendung, in:  Das Argument  141, 1983,  S. 725ff.; K. H. Tjaden,
       Gesellschaftliche Produktivkraft  und ökonomische  Gesellschafts-
       formation, a.a.O.
       51) Vgl. Global  2000. Der  Bericht an  den  Präsidenten,  Frank-
       furt/M. 1980;  Umwelt - weltweit. Bericht des Umweltprogramms der
       Vereinten Nationen  (UNEP)  1972-1982,  West-Berlin  1983;  Edgar
       Gärtner, Die  ökologische Krise,  in: Marxistische Studien. Jahr-
       buch des IMSF 9, 1985, S. 197 ff.
       52) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., a.a.O., S. 530.
       53) K. Marx,  Das Kapital,  3. Bd., a.a.O. S. 89. Vgl. auch ebd.,
       S. 110 ff. zur Abfallwirtschaft.
       54) Vgl. ebd., S. 828.
       55) H. Paucke,  A. Bauer, Zum Verhältnis von Natur- und Produkti-
       onskreisläufen, a.a.O., S. 912.
       56) Vgl. zusammenfassend:  Emil Rechtziegler,  Neue  Technologien
       und ihre  Wirkungen auf  die Reproduktion des fixen Kapitals, in:
       IPW-Berichte, H. 5/1987, S. 22 ff.
       57) Siehe dazu: Jörg Goldberg, Von Krise zu Krise. Die Wirtschaft
       der Bundesrepublik im Umbruch, Köln 1987.
       58) Vgl. H.  Paucke/A. Bauer,  Zum Verhältnis von Natur- und Pro-
       duktionskreisläufen, a.a.O., S. 914.
       59) Vgl. Staatsmonopolistische  Intensivierung  und  Widersprüche
       der Reproduktion, IPW-Forschungshefte, a.a.O., S. 51 ff.
       60) "Während die  kapitalistische Produktionsweise in jedem indi-
       viduellen Geschäft  Ökonomie erzwingt,  erzeugt ihr  anarchisches
       System der  Konkurrenz die  maßloseste Verschwendung  der gesell-
       schaftlichen Produktionsmittel und Arbeitskräfte, neben einer Un-
       zahl jetzt  unentbehrlicher, aber  an und  für sich überflüssiger
       Funktionen." (K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., a.a.O., S. 552.)
       61) Dies untersucht  Winfried Schwarz, Die große Vergeudung, Köln
       1987, mit Bezug auf die BRD.
       62) W.I. Lenin,  Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapi-
       talismus, in:  Lenin Werke,  Bd. 22, S. 189 ff. Vgl. besonders S.
       194 f., 212, 244 f., 266, 305 f.
       63) Zur Dramatik  dieser Probleme  siehe Hermann  Bömer, Die dro-
       hende Katastrophe.  Globale Probleme der Menschheit, Frankfurt/M.
       1984; IMSF/ASK  (Hrsg.), Die  Dritte Welt  in der Schuldenkrise -
       Rolle der  Bundesrepublik -  Diskussion um  Alternativen,  Frank-
       furt/M. 1986.
       64) Aus der  vielfältigen Literatur soll nur verwiesen werden auf
       Bernhelm Booß/Jens  Høyrup, Von  Mathematik  und  Krieg,  Marburg
       1984. Es  scheint, als ob sich die gesamte US-amerikanische Halb-
       leiterindustrie jetzt  um  eine  solche  militarisierte  Struktur
       gruppieren könnte.  Vgl. FAZ  vom 9. 2. 1987 zu den Planungen der
       "Semiconductor Industry Association" und des Pentagons.
       65) Vgl. verschiedene  Beiträge in  Jörg  Huffschmid/Eric  Burhop
       (Hrsg.), Von der Kriegs- zur Friedensproduktion, Köln 1980.
       66) K. Marx, Das Kapital, 3. Bd., a.a.O., S. 269.
       67) Ebd., S. 260.
       68) Ebd., S. 828.
       69) H. Wolffgramm, Allgemeine Technologie, a.a.O., S. 179.
       70) Wolf Häfele,  einer der zentralen Promotoren der Kernenergie-
       industrie in  der Bundesrepublik, hatte dies Anfang der siebziger
       Jahre ohne Umschweife zum Ausdruck gebracht. Vgl. ders., Hypothe-
       zität und die neuen Herausforderungen - Kernenergie als Wegberei-
       ter, dt.  in: Zeitschrift  für die  gesamte  Versicherungswissen-
       schaft, Bd.  64, 1975,  S. 541  ff. Häfele verband dies natürlich
       mit dem  Hinweis darauf,  daß auch  die Schutzmaßnahmen bei kern-
       technischen An-
       lagen in  gleichem Maße  angepaßt seien.  Wie man Joachim Radkau,
       Aufstieg und  Krise der deutschen Atomwirtschaft 1945-1975, Rein-
       bek 1983,  entnehmen kann,  eine absolute  Irreführung, denn eine
       Sicherheitsforschung auf  diesem Gebiet  wurde in der Bundesrepu-
       blik erst seit Anfang der siebziger Jahre betrieben. Konzepte der
       "inhärenten Sicherheit" - eine durch die physikalischen Parameter
       von kerntechnischen  Anlagen mögliche Schadensbegrenzung - wurden
       von Anfang  an ausgeschaltet.  Das Risiko  wurde nach dem Entsor-
       gungsverfahren behandelt  - ein  nachträglich  durch  zusätzliche
       Einrichtungen zu  beseitigendes Folgeprodukt.  Vgl. ebd.,  S. 344
       ff.
       Zum Problem der neuen Dimension von Risiken vgl. Patrick Lagadec,
       Das große  Risiko. Technische  Katastrophen und gesellschaftliche
       Verantwortung, Nördlingen 1987.
       71) Uwe Fiedler, Frank Baldeweg, Technische Diagnostik in komple-
       xen Anlagen, in: Wissenschaft und fortschritt, H. 2/1987, S. 40.
       

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