Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987


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       ZUSAMMENFASSUNGEN
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       André Leisewitz
       
       Wissenschaftlich-technische Revolution
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       und deformierte Produktivkraftentwicklung
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       Der Beitrag  sieht das  Wesen der gegenwärtigen wissenschaftlich-
       technischen Revolution  mit Blick  auf den  Arbeitsprozeß in  der
       Übertragung geistig-intellektueller  Funktionen des  Menschen auf
       technische Mittel.  Entsprechend bestimmen universelle Integrati-
       onstechnologien den  neuen Rationalisierungstyp.  Der neue, kapi-
       talsparende Techniktyp bleibt bestimmt von den Deformationen, die
       das gesamte Produktivkraftsystem durch die Entwicklung in kapita-
       listischer Formbestimmtheit,  v. a.  durch die  Orientierung  auf
       Steigerung von  Stoff- und  Energieumsatz (statt komplexer Stoff-
       ausnutzung) erfahren hat. Angesichts neuer Risikopotentiale heißt
       das Schlüsselwort  für rationelle  Gestaltung und  Kontrolle  der
       Produktivkraftentwicklung heute Demokratisierung.
       
       
       Alexander von Pechmann
       
       Technischer Fortschritt - Umbruch im Weltbild?
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       Zur Diskussion über die Notwendigkeit "alternativer Weltbilder"
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       Der wissenschaftlich-technische  Fortschritt hat zur Debatte über
       ein "neues  Denken" geführt, das den Zukunftsproblemen angemesse-
       ner sei.  Der Beitrag  befaßt sich mit zwei derzeit wichtigen Al-
       ternativkonzepten: der Forderung nach einem "ganzheitlichen Welt-
       bild" (Capra,  Roszak u.a.) und nach einem neuen "Prinzip Verant-
       wortung" (Jonas).  Er skizziert die aktuelle marxistische Diskus-
       sion über  den neuen Wissenschaftstyp "Globalistik" und die neuen
       Theorieprobleme, die  mit der Informations- und der Gen-Technolo-
       gie entstanden sind.
       
       
       Edgar Gärtner
       
       Die Stabilisierung der Biosphäre.
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       Über die Aufgaben der Ökologie vom Standpunkt des Marxismus
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       Der vom  Marxismus von der Aufklärung übernommene Begriff der Na-
       turbeherrschung wird  durch die Konzeption der Stabilisierung der
       Biosphäre ersetzt,  weil sich die Gesellschaft angesichts der Zu-
       spitzung globaler  Probleme kein anderes Ziel setzen kann als das
       der Bewahrung  bzw. Wiederherstellung  menschenwürdiger Lebensbe-
       dingungen  und  weil  nur  dafür  hinreichende  wissenschaftliche
       Grundlagen vorhanden  sind. Es  wird hergeleitet, daß die globale
       Stabilisierung regional  im Sinne  antikapitalistischer Heimatge-
       staltung über  Formen direkter  Demokratie  konkretisiert  werden
       muß.
       Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 13, 1987, S. 68-80
       
       
       Hans Mikosch
       
       Komplexe Systeme in Natur und Technik -
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       Probleme und Lösungsmöglichkeiten
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       Der Beitrag  geht davon aus, daß politische Entscheidungen (v. a.
       Abrüstung) bedeutende  Möglichkeiten erschließen  können, um mit-
       tels Erkenntnis und Kontrolle die Gefährdung durch technische Sy-
       steme zu  verringern. Es  gibt aber  grundsätzliche Probleme  der
       wissenschaftlichen Erfassung  und technischen Steuerung komplexer
       Systeme in  Natur und  Technik, die  anhand von Normalsituationen
       und Unfällen  diskutiert werden.  Es werden Lösungsansätze vorge-
       stellt und  ihre gegenwärtigen Probleme und Grenzen erörtert. Mit
       dem Fortschritt  der Produktivkräfte  bleibt der Verzicht auf ge-
       fährliche, in  ihren Auswirkungen nicht abschätzbare Technologien
       ein wichtiges Instrument.
       
       
       Bernhelm Booß-Bavnbek/Martin Bohle-Carbonell
       
       Machbarkeit nichtbeherrschbarer Technik durch Fortschritte
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       in der Erkennbarkeit der Natur
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       Erfahrungen mit  mathematischen Methoden in Naturwissenschaft und
       Technik werden  vermittelt. Die Sicherheit und die Unzuverlässig-
       keit mathematischer  Berechnungen und die Gründe dafür werden be-
       handelt; Machbarkeit  ohne Verstehen  und Kontrolle wird gezeigt,
       aber auch  die Sensibilität von Mathematik und Physik für die in-
       nerfachlichen Risiken  im Grenzbereich unseres gegenwärtigen Wis-
       sens. Aus  der Einschätzung  von Fortschritten  in der mathemati-
       schen Modellierung  und Simulation  und in  anderen Bereichen der
       Naturerkenntnis und  den dadurch ermöglichten Neuerungen in Tech-
       nik, Politk  und Alltag  wird eine  Verschärfung des Widerspruchs
       zwischen Machen  und  Beherrschen  und  die  Notwendigkeit  einer
       Neuorientierung unseres  Denkens, Diskutierens und Handelns abge-
       leitet.
       
       
       Ulrich Dolata/Arno Gottschalk
       
       Neue Technik - Rüstung - Destruktivkraftentwicklung.
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       Empirische Hinweise für die Bundesrepublik
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       Ausgehend von einer knappen Skizze der allgemeinen Durchsetzungs-
       bedingungen des wissenschaftlich-technischen Umbruchs im heutigen
       Kapitalismus untersucht  der Beitrag  am Beispiel der BRD Auswir-
       kungen von Rüstungsforschung und Produktion auf die Entwicklungs-
       richtungen und  die Struktur  der  gesellschaftlichen  Produktiv-
       kräfte. Er  belegt, daß  der Rüstungssektor  dem zivilen  Bereich
       nicht einfach  Mittel und  Ressourcen entzieht,  sondern  darüber
       hinaus auch  qualitativ, strukturverzerrend  und hemmend  auf die
       Durchsetzung des  wissenschaftlich-technischen Umbruchs einwirkt:
       Militärische Anforderungen  präformieren technologische  Entwick-
       lungslinien und  beeinflussen Struktur  und Ausrichtung  auch des
       zivilen Forschungssektors; ganze Industriezweige und Regionen ge-
       horchen vornehmlich den Bedürfnissen des Rüstungs- und Militärap-
       parates.
       
       
       Horst Holzer
       
       Der Weg der Bundesrepublik in die "Informationsgesellschaft" -
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       zu wessen Gunsten, auf wessen Kosten
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       Das, was Wirtschafts-, Staats-, Postvertreter heute in verschlei-
       ernder Absicht  "Informationsgesellschaft" nennen, wird in seinen
       Qualitäten und  Konsequenzen beschrieben, die aus einen aktuellen
       kapitalökonomischen und  staatlich-administrativen Formbestimmun-
       gen resultieren.  Vor diesem  Hintergrund wird zweierlei verdeut-
       licht: 1.  die Folgen, die die "Informationsgesellschaft" für die
       Werktätigen und ihre Familien hat - Rationalisierung, Intensivie-
       rung und  Kontrolle am Arbeitsplatz, Verdatung und lückenlose Er-
       fassung durch die staatliche Administration, kommerzielle Ausbeu-
       tung von Kommunikationsmöglichkeiten; 2. die Ansatzpunkte der Ge-
       genwehr auf der betrieblichen, staatlich-postalischen und der ge-
       samtgesellschaftlichen Ebene.
       
       
       Lothar Peter
       
       Neue Formen der Rationalisierung. Industriesoziologische
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       Analysen, Veränderungen der Arbeit und Herausforderungen
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       für die Arbeiterbewegung
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       In der  aktuellen arbeitssoziologischen Forschung ist der Begriff
       des "neuen  Rationalisierungstyps" geprägt worden. Er will die am
       weitesten fortgeschrittenen  Tendenzen der  Rationalisierung  des
       Arbeitsprozesses systematisch  beschreiben. Der Beitrag versucht,
       empirische und theoretische Aspekte des "neuen Rationalisierungs-
       typs" hinsichtlich  seiner Auswirkungen auf die Lage der abhängig
       Beschäftigten darzustellen  und zu  interpretieren. Dabei geht es
       im letzten  Teil des Beitrags insbesondere um die Herausforderun-
       gen, mit  denen der "neue Rationalisierungstyp" die Arbeiterbewe-
       gung konfrontiert. Ideen, wie die der "neuen Produktionskonzepte"
       oder der "sozialen Beherrschbarkeit" des technischen Fortschritts
       werden einer kritischen Betrachtung unterzogen.   .
       
       
       Ursula Schumm-Garling
       
       Neue Technik und Rationalisierung von Angestelltenarbeit
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       Der Beitrag greift zunächst die Frage auf, ob wir uns auf dem Weg
       in die  "Dienstleistungsgesellschaft" befinden;  betont wird  die
       Notwendigkeit einer Differenzierung, die die Rolle produktionsna-
       her Dienstleistungen  berücksichtigt. Am Beispiel der computerun-
       terstützten Sachbearbeitung  wird dann  diskutiert, welche Folgen
       "systemische Rationalisierung"  für  Angestelltenarbeit  hat.  Es
       steigen Intensität  und herrschaftliche  Verfügbarkeit der Arbeit
       mit widersprüchlichen Folgen für Qualifikation und Berufsperspek-
       tive. Im  Bewußtsein dominiert  weiterhin eine Aufstiegsorientie-
       rung. Gewerkschaftliche  Politik kann  ansetzen  an  verbreiteter
       kritischer Haltung  zu neuen  Technologien und  dabei spezifische
       Orientierungen auf  Arbeit und Beruflichkeit unter den Angestell-
       ten aufgreifen.
       
       
       Johanna Hund
       
       "Neue Technik" und Frauenarbeit
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       Im wesentlichen  kennzeichnen die  Situation zwei  Tendenzen: Auf
       der einen Seite verschlechtern sich die Möglichkeiten für Frauen,
       erwerbstätig zu  sein. Ihr  Betroffensein von Rationalisierungen,
       Teilzeitarbeit, ungeschützten Arbeitsverhältnissen, Arbeitslosig-
       keit und  Armut ist ungleich stärker als das von Männern. Auf der
       anderen Seite  tun sich  mit dem  Einsatz "Neuer  Techniken" auch
       neue Chancen  für Frauen  auf. Sie liegen insbesondere darin, daß
       mit dem  Wegfall von  einfachen, stupiden  Routinetätigkeiten die
       Arbeitsinhalte sich  verändern, Tätigkeiten  somit qualifizierter
       und anspruchsvoller  werden und generell neue Formen der Arbeits-
       organisation und  -gestaltung gefunden  werden müssen,  die  eine
       alte geschlechtsspezifische  Arbeitsteilung tendenziell  überholt
       erscheinen lassen.
       
       
       Klaus Pickshaus
       
       Das Flexibilisierungskonzept des Kapitals und die Perspektive
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       des Kampfes um das Normalarbeitsverhältnis
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       Das Flexibilisierungskonzept  der bundesdeutschen Kapitalverbände
       stellt eine Reaktion auf neue Anforderungen der Kapitalverwertung
       unter den  Bedingungen des  Umbruchs zur  informationstechnologi-
       schen Integration  der Produktion dar; es zielt auf Rationalisie-
       rung und  intensivierte Reproduktion  des Kapitals.  Es verbindet
       sich mit  einer Offensive  zur sozial- und tarifpolitischen sowie
       arbeitsrechtlichen Deregulierung, die die lebendige Arbeit unein-
       geschränkt verfügbar  machen und  Gegenmachtpotenzen der  Gewerk-
       schaften schwächen  soll. Schon  ein Drittel  der  Lohnabhängigen
       fällt heute nicht mehr unter die Regelungen des Normalarbeitsver-
       hältnisses. Gefragt  wird, ob  eine Strategie  zu Schutz und For-
       tentwicklung des Normalarbeitsverhältnisses sowie zum Abbau unge-
       schützter Arbeit  die Ansätze gewerkschaftlicher Arbeitszeitpoli-
       tik weiterführen kann.
       
       
       Rainer Einenkel/Gero von Randow
       
       Rationalisierung und betriebliche Gegenmacht -
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       Opel-Belegschaft im Umbruch
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       Mit Milliardenaufwand investiert General Motors in neue Technolo-
       gien als  Unterlage für  neue Unternehmensstrategien  und  Ferti-
       gungsprinzipien. Die Automobilarbeit in den Opel-Werken verändert
       sich radikal,  und mit ihr die Belegschaften. Wenigen "Gewinnern"
       stehen dabei  viele "Verlierer"  gegenüber. Die Suche nach Orien-
       tierungen führt  zu neuen  Konzepten der  Gegenwehr;  ein  wider-
       spruchsvoller Prozeß,  auch innerhalb der Interessenvertretungen.
       Die neuen  Betriebsrealitäten sind  nur im Kontext übergreifender
       Veränderungen zu  verstehen ("Umbruch"). Es bilden sich neue Ele-
       mente politischen Klassenbewußtseins.
       
       
       Hellmuth Lange
       
       Gewerkschaften und Technologiepolitik
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       Die "soziale  Beherrschung des technischen Wandels" ist heute in-
       nerhalb der DGB-Gewerkschaften allgemein als dringendes Erforder-
       nis anerkannt. Was unter "sozialer Beherrschung" zu verstehen ist
       und wie  sie zu erreichen wäre, ist dagegen kontrovers geblieben.
       Der Verfasser  zeichnet die  betreffenden Kontroversen  nach  und
       stellt sie insbesondere in den Zusammenhang jener Herausforderun-
       gen, die  sich aus der fraglichen technikpolitischen Zielstellung
       für die Gewerkschaften selbst ergeben.
       
       
       Werner Stürmann/Stephan Voets
       
       Politik und Technologie. Zu Ausgangspunkten
       -------------------------------------------
       technologiepolitischer Alternativen und Strategien der
       ------------------------------------------------------
       Arbeiterbewegung
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       Die Autoren  entwickeln aus  marxistischer  Sicht  Ausgangspunkte
       technologiepolitischer Alternativen  und Strategien der Arbeiter-
       bewegung. Für  die entscheidende  politische Zuspitzung  bei  der
       Entwicklung und  Durchsetzung technologiepolitischer Alternativen
       halten sie den radikalen Anspruch auf demokratische Kontrolle und
       Öffentlichkeit. Dies  müsse alle Politikbereiche durchdringen. Es
       werden Umrisse  von Alternativen  dazu  dargelegt.  Hervorgehoben
       wird, daß  sich demokratische  Technologiepolitik vor  allem  mit
       Wirtschafts-, Wissenschafts- und Bildungspolitik verbindet, sowie
       Teil einer  alternativen Friedens-  und Ökologiepolitik sein muß.
       Diese Anlage erfordere ein erweitertes und vertieftes Verständnis
       von Politik  der und im Interesse der Arbeiterklasse, eine gewal-
       tige Anstrengung  für die  Integrations- und Bündnisfähigkeit der
       demokratischen Kräfte
       
       
       Friedhelm Kroll/Kaspar Maase
       
       Politische Kultur - ein Forschungsweg des Marxismus?
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       Der Beitrag  erörtert die  Frage, ob das Konzept der "politischen
       Kultur" für die marxistische Politikanalyse von Nutzen sein kann.
       Nach einer  kritischen Prüfung  der Herkunft aus der bürgerlichen
       Politologie wird  ein neuerer sowjetischer Versuch zur Bestimmung
       der Kategorie  politische Kultur  vorgestellt. Die  Autoren legen
       eine eigene  Definition vor  und skizzieren, wie die marxistische
       Analyse der  politischen Kultur(en) in der BRD anzugehen wäre. In
       den Mittelpunkt stellen sie die Aufgabe, die Ergebnisse der Klas-
       sen- und  Sozialstrukturanalyse mit  der Untersuchung von Milieus
       und Generationswandlungen zu verbinden.
       
       
       Klaus Dörre
       
       Die Krisengeneration - zwischen Massenprotest
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       und konservativer Hegemonie
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       Veränderungen politischer  Kultur setzen sich wesentlich über den
       Generationswandel durch. Das Konzept der "politischen Generation"
       zielt auf das Aufspüren von Vermittlungsgliedern zwischen gesell-
       schaftlicher Klassenstruktur  und politischem  Verhalten. Im  An-
       schluß an  eine knappe Skizze der intergenerativen Weitergabe po-
       litischer Kultur  sucht der Artikel Konturen des politischen Pro-
       fils der  Krisengeneration nachzuzeichnen. Die Generationsgestalt
       der Jugend  der 80er Jahre wurde in starkem Maße durch den Zyklus
       der neuen  sozialen Bewegungen  bestimmt. Teile der Krisengenera-
       tion haben  die Herausbildung  einer neuen oppositionellen Kultur
       vorangetrieben, die  als Katalysator für links-alternative Werto-
       rientierungen fungiert.  Verlängerte Jugendphase und kapitalisti-
       sche Umbruchkrise bedingen, daß Generationsunterschiede verstärkt
       bis in  die gewerkschaftlich  organisierte Arbeiterklasse hinein-
       wirken. Die  Zugehörigkeit zu  politischen Generationen  ist  ein
       Filter für  die Wahrnehmung  und Verarbeitung  gesellschaftlicher
       Widersprüche und  Konflikte durch die Lohnabhängigen. Für die or-
       ganisierte Arbeiterbewegung  wird der Generationswandel zunehmend
       zu einer  Herausforderung, die  zu raschen, flexiblen Neueinstel-
       lungs-prozessen zwingt.
       
       
       Jochen Dietrich
       
       Zwischen Stabilität und Wandel -
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       Tendenzen im Wahlverhalten in der Bundesrepublik Deutschland
       ------------------------------------------------------------
       
       Das Wahlverhalten  ist in Bewegung geraten. Es ist - bei weiterem
       Wirken starker  Momente der Stabilität und Kontinuität - seit der
       Mitte der  siebziger Jahre  gekennzeichnet durch  eine  wachsende
       Flexibilität, durch  größer werdende  Wechselbereitschaft und der
       Zunahme von Wahlabstinenz, durch abnehmende traditionelle Bindun-
       gen an  die Parteien  und durch  eine  "Dekonzentration"  in  der
       Stimmabgabe. Der Beitrag untersucht die Veränderungen im Wahlver-
       halten, die sich aus dem Wandel der Sozialstruktur, aus Wertewan-
       del und konfessionellem Wandel sowie aus der Generationenablösung
       ergeben. Darüber  hinaus werden erste Schlußfolgerungen, die sich
       aus den Veränderungen des Wahlverhaltens für die politische Ziel-
       stellung "Neue  Mehrheiten für eine neue Politik" ergeben, aufge-
       zeigt.
       
       
       Friedemann Schuster
       
       Veränderungen im Sozialismusbild der Bevölkerung
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       der Bundesrepublik
       ------------------
       
       Wichtige Veränderungen  im Bewußtsein der Bevölkerung der Bundes-
       republik vollziehen sich in der Bewertung des realen Sozialismus,
       vor allem  der Sowjetunion. Mehrere Ursachen sind anzunehmen: das
       neue kommunistische  Herangehen an  die Friedensfrage  angesichts
       der Selbstvernichtungsgefahr,  in die die Menschheit geraten ist;
       das Entstehen  einer neuen  Friedensbewegung in der BRD, die kri-
       tisch die Friedensfähigkeit der Gesellschaftssysteme hinterfragt;
       die tiefe Verwurzelung sozialistischer Ideen im Bewußtsein.
       
       
       Eva Gottschaldt
       
       Zur Einschätzung eines Ansprechpotentials
       -----------------------------------------
       für neofaschistische Agitation
       ------------------------------
       
       Die -  sich unter  anderem in jüngsten Wahlergebnissen widerspie-
       gelnde -  steigende Attraktivität  neofaschistischer Gruppen  und
       neofaschistischer Propaganda fordert zu einer genauen Analyse des
       entsprechenden Ansprechpotentials  heraus. Allerdings liegen bis-
       her keine  exakten Studien über soziale Herkunft, Lebenssituation
       und Motivation  der Rechtsaußenwähler vor. Auch deshalb läßt sich
       noch keine bestimmte Bevölkerungsgruppe als besonders ansprechbar
       herausfiltern. In das Selbstverständnis und die Staatsdoktrin der
       frühen Bundesrepublik sind eine Reihe von Denkmustern aus dem Fa-
       schismus nahezu  unverändert übernommen worden und bis heute bie-
       ten (latenter)  Rassismus, Revanchismus und Denken in den Katego-
       rien der  Totalitarismusdoktrin Ansätze für neofaschistische Agi-
       tation. Die  Paralysierung faschistischer Ideologie und damit das
       "Aushungern" eines Ansprechpotentials für faschistische Agitation
       erfordern ein  wirksames Aufarbeiten der Geschichte und die Über-
       windung der  Totalitarismus-Theorie.  Seit  Mitte  der  sechziger
       Jahre sind hier von verschiedenen demokratischen Kräften wichtige
       Erfolge erzielt worden, die die Basis der NPD zu Beginn der sieb-
       ziger Jahre  deutlich schmälern konnten. Die erneut steigende At-
       traktivität faschistischer  Gruppierungen verlangt  nun wiederum,
       daß die  fortschrittlichen Kräfte  neue  politische  Perspektiven
       aufzeigen und  durchsetzen, wie: eine aktive und konstruktive Ab-
       rüstungspolitik, wirksame  Beschäftigungsprogramme,  konsequenten
       Umweltschutz ...
       
       
       Vera Kissel
       
       Rassistische Erneuerung des Konservatismus
       ------------------------------------------
       
       Die  Geschichte   des  deutschen   Imperialismus  zwingt   seinen
       "Erneuerern" in  der Bundesrepublik  spezifische Züge auf, die es
       erlauben, an  die wesentlichen konservativen Inhalte anzuknüpfen,
       ohne die  historische Hypothek  der Verbindung  zum Faschismus zu
       übernehmen. Dabei  ist die  Durchsetzung eines modernen Rassismus
       notwendiges Moment im Konstitutionsprozeß eines neuen Nationalis-
       mus, in  dessen Mittelpunkt  die Gefährdung  und Verteidigung der
       "deutschen nationalen Identität" steht.
       
       
       Eberhard Dähne/Martin Kutscha
       
       Die Auseinandersetzung um die Volkszählung 1987 -
       -------------------------------------------------
       Versuch einer Zwischenbilanz
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       Der offene  und verdeckte  Boykott sowie  Unzulänglichkeiten  der
       amtlichen Erhebung  haben dazu  geführt, daß  die Zählung  stati-
       stisch und politisch gescheitert ist. Die Arbeit der Boykottbewe-
       gung und  anderer Organisationen  wird kritisch  dargestellt. Für
       die Herrschenden ist die Volkszählung eine "Probe auf die Regier-
       barkeit", und  die Auseinandersetzung wird letztlich um das Rang-
       verhältnis von  Staatsgewalt und  Volkssouveränität geführt.  Ab-
       schließend wird  gefragt, ob der Widerstand gegen die Zählung als
       Ansatz für eine Demokratiebewegung dienen kann.
       

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