Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       ZU DEN ABBILDUNGEN
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       Die folgenden Abbildungen reproduzieren Stiche nach Arbeiten, mit
       denen der  Maler und  Zeichner Jacques Louis David den revolutio-
       nären Prozeß  auf seine Weise begleitete und an ihm teilnahm. Da-
       vid wird  am 30.  August 1748  in Paris  geboren. Mit neun Jahren
       verliert er  seinen Vater,  einen  Kaufmann,  als  der  im  Duell
       stirbt. 1766 bis 1769 ist er Mitglied der Akademie; seine maleri-
       sche Darstellung  der Antike  erregt Aufsehen, er gewinnt Preise.
       1789 kehrt  er aus  Italien nach  Frankreich zurück. Er wird Mit-
       glied des Nationalkonvents und bestimmt maßgeblich die republika-
       nische Kunstpolitik;  er organisiert  die Feste  der  Revolution,
       malt die  Bilder ihrer  Helden im  Auftrage der Versammlung. Nach
       der therrnidorianischen  Reaktion wird er als Jakobiner verhaftet
       und entgeht wohl nur durch Fürsprache von Gönnern der Guillotine.
       Der von  ihm verehrte  Napoleon Bonaparte rehabilitiert ihn. Nach
       der Rückkehr  der Bourbonen muß David als einer der Abgeordneten,
       die für  den Tod Ludwigs XVI. gestimmt haben, das Land verlassen.
       Er lebt im Exil in Brüssel bis zu seinem Tode 1825.
       Sein Enkel  J.-L. Jules  David hat  von vielen  seiner Bilder und
       Zeichnungen Stiche  angefertigt und in dem Band "Le peintre Louis
       David 1748-1825" (Paris 1882) herausgegeben; ihm sind die Tafeln,
       wenn nicht anders angegeben, entnommen.
       
       1) Das Selbstbildnis hat David 1794 im Gefängnis gemalt. Nach dem
       Thermidor ist der Jakobiner David bis Ende 1794 eingesperrt.
       2) Die Liktoren  tragen Brutus  die Leichen  seiner Söhne herein.
       Nach der klassischen Sage hatte der Republikaner und erste Konsul
       Roms die Konspiration seiner Söhne mit den Anhängern des gestürz-
       ten Königshauses  entdeckt und  den Gerichten angezeigt. Das Bild
       ist 1789  in Florenz  gemalt. Trotz  der oft verbreiteten Behaup-
       tung, es  sei von aller Politik entfernt, ist schwer vorstellbar,
       daß ein  solches Motiv  am unmittelbaren  Vorabend der Revolution
       gemalt wird,  ohne daß sich der Maler der aktuellen Konnotationen
       bewußt ist.  Allerdings ist  sicher, daß David sich erst im Laufe
       der Revolution zum überzeugten Republikaner entwickelt.
       3) Der Schwur im Ballhaus (Jeu de paume).
       4) Vorarbeit zum  Schwur im  Ballhaus: Von rechts die fünf ersten
       sind Barnave,  Mirabeau, Père Gérard, Dubois-Crancé. Der Sitzende
       ist Barère. Die Dreiergruppe in der Mitte stellt die Anhänger der
       Revolution aus  der Geistlichkeit  dar; von rechts: Pastor Rabaut
       Saint Etienne, Abbé Grégoire und Dom Gerle.
       5) Der "Triumph  des Volkes"  entstand für  ein Schauspiel in der
       Oper am  5. April 1794. Links die besiegten Tyrannen. Rechts hin-
       ter dem  Karren Cornelia  (die Mutter der Gracchen), Brutus, Wil-
       helm Teil  mit seinem  Sohn, Pierre Bayle, Beauvais de Preau (ein
       Märtyrer der  Freiheit, am  27. März  1794 von  den Engländern in
       Montpellier erdrosselt).
       6) Fest für  die Schweizer  des Regiments  Chateau-Vieux  am  15.
       April 1792.  Die erste  der von David inszenierten Selbstdarstel-
       lungen der  Revolution war die Überführung des Leichnams von Vol-
       taire am  11. Juli  1791 (vgl.  Anhang zu  dem Aufsatz  von  Rolf
       Reichardt). Das  Fest der befreiten Schweizer (Fest der Freiheit)
       ist das  erste Fest, das von Beginn bis Ende von David inszeniert
       wurde. (Eine  Entwurfszeichnung ist  gefunden worden und liegt im
       Louvre). Das Regiment hatte im August 1790 gegen seine Befehlsha-
       ber gemeutert  (vgl. Zeittafel), die Anführer waren hingerichtet,
       die anderen  auf die Galeeren verbannt worden. Für die wieder Be-
       freiten wurde das Fest ausgerichtet (Stich von Prieur und Bertho-
       lemet, Bibliotheque Nationale).
       7) Das Fest des höchsten Wesens am 8. Juni 1794 auf dem Marsfeld,
       nach einem  bei Chereau  herausgegebenen Stich (Bibl. nationale).
       Dieses letzte  von David  inszenierte Fest  endete auf dem darge-
       stellten künstlichen  Hügel mit der Hymne: " Avant de déposer nos
       glaives triomphants  - jurons d'anéantir le crime et les tyrans."
       (Bevor wir  unsere siegreichen  Schwerter niederlegen  - schwören
       wir das Verbrechen und die Tyrannen zu vernichten).
       8) 9) 1794 wird David beauftragt, seine Ansichten zu einer Natio-
       nalkleidung, welche den republikanischen Sitten und den Eigentüm-
       lichkeiten der Revolution entspricht, in entsprechenden Entwürfen
       darzulegen.
       8a) Hier: Der Gesetzgeber bei seiner Arbeit.
       8b) Der Volksvertreter bei seiner Arbeit.
       9a) Der Volksvertreter  bei der  Armee (Volksvertreter  wurden in
       der Tat  zur Kontrolle der häufig als unzuverlässig geltenden Of-
       fiziere und Generale zur Armee geschickt).
       9b) Kommunalbeamter.
       10) Der tote Michel Lepelletier de Saint-Fargeau. Michel Lepelle-
       tier, ursprünglich  einer der Repräsentanten des Adels in den Ge-
       neralständen, wurde zu einem bedeutenden revolutionären Politiker
       (vgl. den Beitrag von Hartwig Zander in diesem Band). Er wurde am
       20. Januar 1793 von einem Konterrevolutionär ermordet. Das Origi-
       nal des  Bildes hing  ursprünglich im  Konvent, bis  es nach  dem
       Thermidor zu  David zurückkam. Die Familie kaufte es, es gilt als
       verschollen. (Man  sagt, die  royalistisch gewordene Tochter habe
       es zerstört).
       11) Jean Paul  Marat wurde  am 13. Juli 1793 von Charlotte Corday
       ermordet, während  er im  Bad (er  hatte eine  Krankheit, die ihn
       zwang, große  Teile des Tages im Bad zu verbringen) Korrespondenz
       bearbeitete. Auf  diese Nachricht  hin stürzte  David (er  präsi-
       dierte gerade  im Jakobiner-Klub)  herbei. (Das  andere  berühmte
       Bild des  toten Marat  im Bad  ist vom Konvent in Auftrag gegeben
       worden und wurde gerade noch vor dem Thermidor fertig).
       12) Der dreizehnjährige Joseph Barra hatte als ein Mitkämpfer der
       republikanischen Armee  in der  Vendée zwei Pferde zu führen, als
       Konterrevolutionäre ihn  umringten und, als er sich weigerte, die
       Pferde herauszugeben,  erstachen. Nach der Legende sollen sie von
       ihm verlangt  haben, "Es lebe der König!" zu rufen, worauf er mit
       "Es lebe die Republik!" fiel. Der im Dezember 1793 getötete Junge
       wurde zu  einem populären Märtyrer der Revolution. Die Anknüpfung
       an tief  verwurzelte, schon  vom Christentum aufgegriffene mythi-
       sche Vorstellungen ist nicht zu übersehen.
       13) Es handelt  sich um  eine Zeichnung aus dem Besitz des Barons
       Edmond de  Rothschild, deren  glaubwürdige  Unterschrift  lautet:
       "Darstellung von  Marie Antoinette,  Königin von  Frankreich, auf
       dem Wege zur Hinrichtung; Federzeichnung von David, Zuschauer des
       Zuges, der  am Fenster  der Bürgerin Jullien saß, der Ehefrau des
       Volksvertreters Jullien, von dem ich dieses Stück habe."
       14) David lieferte  die Zeichnung  zu diesem Stich; er stellt die
       englische Regierung dar, die den Handel an sich reißt und mit dem
       Hinterteil (mit dem Gesicht des Königs) die Untertanen durch eine
       Unmenge von Steuern zu Boden streckt (Bibl. nationale).
       15) Nach dem  Thermidor kehrt  David zu den Themen der Antike zu-
       rück. Das  Bild ist  1799 fertiggestellt  und stellt dar, wie die
       Sabinerinnen sich  in den  Kampf zwischen  ihrem Volk  und  ihren
       neuen Männern einmischen, um den Krieg zu beenden.
       16) 1804 setzt  sich Bonaparte  die von Papst Pius VII. (sitzend)
       empfangene Krone  auf. David ist, wie viele Jakobiner, zum Anhän-
       ger und  Bewunderer Napoleons geworden, der für die Konservierung
       vieler vom Jakobinismus errungener Strukturen sorgt.
       
       (Anm.: Die Abbildungen sind nicht im Archiv gespeichert)
       

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