Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       ZUR FRAGE DER ERGEBNISSE DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION
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       AUF DEM LANDE
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       Anatolij Vasil'evic Ado
       
       Das Problem der Ergebnisse der Französischen Revolution im Agrar-
       bereich ist  nach wie vor eine der kompliziertesten und strittig-
       sten Fragen  der Revolutionsgeschichte. In der historischen Lite-
       ratur ist  wiederholt die  Auffassung vertreten  worden, daß  die
       agrarischen Umwälzungen, wie sie von der Französischen Revolution
       unter dem  mächtigen Einfluß  der Bauern  realisiert worden sind,
       einen hemmenden  Einfluß auf  die weitere sozial-ökonomische Ent-
       wicklung Frankreichs ausgeübt, die kapitalistische Umwandlung der
       Landwirtschaft und  die Dynamik des industriellen Umbruchs aufge-
       halten haben.  Bekanntlich hat  seinerzeit Georges  Lefebvre  1),
       wenn auch  nicht ohne Schwankungen, zu dieser Auffassung geneigt.
       Mit besonderer Entschiedenheit wird diese These von verschiedenen
       zeitgenössischen Historikern formuliert, welche die "klassische",
       vor allem die marxistische Interpretation der Französischen Revo-
       lution anzweifeln.  Diese Bewertung ist eng mit ihrem Verständnis
       der Bauernbewegung  der revolutionären  Epoche als einer überwie-
       gend konservativen,  ihrer historischen Richtung nach archaischen
       Bewegung verbunden 2).
       Wenn wir  uns der marxistischen Literatur zuwenden, bemerken wir,
       daß die  Lösung der  komplizierten Frage  nach der  Bedeutung der
       agrarischen Ergebnisse der Französischen Revolution für die nach-
       folgende kapitalistische  Entwicklung Frankreichs, wie wir sie in
       den Arbeiten  in der  Zeit von  den 50er  bis zu  Beginn der 70er
       Jahre finden,  nicht frei  von gewissen  inneren  Unstimmigkeiten
       ist. Auf  der einen Seite wird in ihnen die Radikalität der agra-
       rischen Umwälzungen  unterstrichen, welche  die französische Bau-
       ernschaft in  der Revolutionsperiode  erlangt  hat;  gleichzeitig
       wird gerade  die Festigung  des bäuerlichen Landeigentums und der
       Wirtschaft als  Resultat der  Revolutionsbewegung in  den  Jahren
       1789 bis  1794 als  ein wichtiger  Grund für das (im Vergleich zu
       England) verlangsamte  Tempo der kapitalistischen Entwicklung und
       Industrialisierung Frankreichs  in den Jahrzehnten nach der Revo-
       lution angesehen.  So  bemerkte  beispielsweise  der  sowjetische
       Wirtschaftshistoriker F.  Ja. Poljanskij,  daß bei den Jakobinern
       "die Revolution  bis zum  Ende geführt  wurde" und für Frankreich
       ein "revolutionärer Weg der Entwicklung des Kapitalismus" charak-
       teristisch war; aber dann schreibt der Autor über die ökonomische
       Geschichte des 19. Jahrhunderts, daß die kapitalistische Entwick-
       lung in  Frankreich langsamer ablief als in England, da hier "der
       revolutionäre Bruch  des feudalen Regimes mit einer Festigung des
       bäuerlichen Eigentums an Grund und Boden einherging und der Über-
       gang zum  Kapitalismus sich  unter für die Bauern günstigeren Be-
       dingungen vollzog"  3). In  ähnliche Richtung  weist ein Gedanke,
       den Pierre  Vilar formuliert  hat. Die Entwicklung des Kapitalis-
       mus, schreibt  Vilar, hat neben jenen Landkonfiskationen (vor al-
       lem der  Kirchenländereien), welche  die Revolution  durchführte,
       "vielleicht noch  mehr erfordert - nämlich eine Expropriation der
       kleinen und  mittleren Bauern;  aber jenes Klassenbündnis, das es
       ermöglichte, die  politische Revolution durchzuführen (es handelt
       sich um  das Bündnis  von Bürgertum und den Volks-, besonders den
       Bauernmassen, A.A.),  hat seine Forderungen gestellt: Im Ergebnis
       hat die Verdrängung eines bestimmten Typus der Bauernschaft nicht
       stattgefunden, was sich zweifellos als ein Hindernis für die fol-
       gende kapitalistische Entwicklung erwiesen hat." 4)
       Natürlich taucht  die Frage auf, ob nicht gerade die Erfolge, die
       von der  Bauernschaft in ihrem Kampf um eine Festigung und Erwei-
       terung ihrer  Wirtschaft in den Revolutionsjahren erreicht worden
       sind, sich  letztlich als einer der - unter dem Gesichtspunkt des
       sozial-ökonomischen Fortschritts  - negativen Faktoren der späte-
       ren französischen  Geschichte erwiesen haben. Es ist daran zu er-
       innern, daß  Karl Marx und V. I. Lenin, die der Analyse des agra-
       risch-bäuerlichen Aspekts  der  bürgerlichen  Revolutionen  große
       Aufmerksamkeit zugewandt haben, zu dem Schluß kamen, daß eine ra-
       dikale Lösung  der Agrarfrage  im Interesse  der Bauernschaft die
       Schaffung günstiger  Bedingungen für  die weitere kapitalistische
       Entwicklung bedeutet  hat. Gut bekannt sind die in Beschreibungen
       der französischen  Agrarstruktur der  ersten Hälfte des 19. Jahr-
       hunderts ständig angeführten Schlußfolgerungen Marx' über die or-
       ganischen Mängel des Kleineigentums und der Kleinwirtschaft sowie
       ihr historisches Schicksal unter den Bedingungen des sich entwic-
       kelnden Kapitalismus.  5) Hier  ist die Rede von dem unvermeidli-
       chen Resultat dieser Entwicklung. Aber nicht weniger wichtig sind
       auch die  anderen Schlußfolgerungen Marx', die dieser Analyse un-
       mittelbar vorausgehen  und den  Ausgangspunkt  der  Evolution  im
       Blick haben. "Das freie Eigentum des selbstwirtschaftenden Bauern
       ist offenbar  die normalste Form des Grundeigentums für den klei-
       nen Betrieb; d.h. für eine Produktionsweise, worin der Besitz des
       Bodens eine  Bedingung für das Eigentum des Arbeiters an dem Pro-
       dukt seiner  eigenen Arbeit  ist (...). Das Eigentum am Boden ist
       zur vollständigen  Entwicklung dieser  Betriebsweise ebenso nötig
       wie das  Eigentum am  Instrument zur freien Entwicklung des hand-
       werksmäßigen Betriebs.  Es bildet hier die Basis für die Entwick-
       lung der persönlichen Selbständigkeit. Es ist für die Entwicklung
       der Agrikultur selbst ein notwendiger Duchgangspunkt." 6)
       Ähnliche Gedanken  hat V.I. Lenin wiederholt geäußert wenn er die
       Bedeutung der  Agrar- und Bauernfrage in der bürgerlichen Revolu-
       tion betrachtete. "Das freie Eigentum des kleinen Bauern an Grund
       und Boden" - schrieb er 1907 - "ist ein notwendiger Begleiter der
       Kleinproduktion in  der Landwirtschaft  unter bestimmten histori-
       schen Bedingungen." 7) Was die Französische Revolution angeht, so
       hat Lenin  gerade "den Übergang des ganzen Landes... zu einer hö-
       heren Produktionsweise, zum freien bäuerlichen Bodenbesitz..." 8)
       als eines ihrer wichtigsten Ergebnisse bezeichnet.
       
                                    *
       
       All dies gibt Anlaß, sich erneut der Frage der agrarischen Ergeb-
       nisse der  Französischen Revolution  zuzuwenden und über den Maß-
       stab und  die Stabilität der in ihrem Verlauf erreichten bäuerli-
       chen Erfolge nachzudenken.
       Vor allem  ist ein  Ergebnis unzweifelhaft: Die Bauernschaft wies
       entschieden jenes  Programm des Kompromisses mit der alten Agrar-
       ordnung zurück, mit dem der liberale Adel und die gemäßigte Bour-
       geoisie die  Revolution begannen und in den ersten Jahren anführ-
       ten. 9)  Die Bauernschaft  lehnte dieses  Programm nicht  nur ab,
       sondern brachte  es auch  größtenteils zum  Scheitern.  Im  Kampf
       "zweier Linien"  bei der Lösung der Agrar- und Bauernfrage konnte
       sie vielfach der bürgerlichen Revolution ihre Entscheidungen auf-
       zwingen. Die Bauern erreichten eine radikale Abschaffung der feu-
       dalseigneuralen Ordnung, eine völlige Beseitigung der ständischen
       Rechtsungleichheit sowie  der Überreste außerökonomischen Zwangs.
       Der Bauer  wurde eine  freie gleichberechtigte Persönlichkeit (im
       Rahmen der  bürgerlichen Freiheiten);  er wurde freier Eigentümer
       seines Landes,  wenn er zu Beginn der Revolution bereits über un-
       freies Eigentum  verfügte. Somit eroberte sich der landbesitzende
       Bauer jene 10 bis 15 Prozent der Bruttoernte, die im Durchschnitt
       auf die  feudalen Dienste  und den Zehnten entfallen waren (deren
       Gesamtumfang erreichte jedoch auch größere Werte - bis zu 20 Pro-
       zent und zuweilen sogar noch mehr).
       Innerhalb gewisser  Grenzen nutzten die Bauern auch die durch die
       Revolution vollzogenen  gewaltigen  Landverschiebungen  zu  ihren
       Gunsten. Die  Gesetzgebung der Jahre 1792-1793 über die Gemeinde-
       länder löste dieses jahrhundertalte Problem radikal zugunsten der
       kleinen Bauern.  Die Rückkehr  der usurpierten  Länder in die Ge-
       meinden bedeutete eine teilweise Expropriierung der früheren Sei-
       gneurs und  der mit dem Land verbundenen alten Bourgeoisie zugun-
       sten der dörflichen Gemeinde. Deren Aufteilung, von der Dorfarmut
       durchgesetzt, eröffnete  dieser den Zugang zur Bodenparzelle, ob-
       gleich wir  nicht sagen  können, in  welchem Ausmaß dies geschah.
       Die Bauern  konnten sich  auch einen  Teil der Ländereien aus dem
       nationalen Fonds  zurückerobern (die  gesamte Fläche  der während
       der Revolution  verkauften nationalen Güter betrug offensichtlich
       nicht  weniger   als  1/7   bis  1/8   des   gesamten   Landfonds
       Frankreichs). Natürlich  sind solche  Gebiete wie  das  Cambresis
       (die Gegend  von Cambrai,  Departement Nord),  wo die Bauern ihre
       Assoziationen, ferner  Drohungen und  sogar Gewalt  zur Anwendung
       brachten und  in den Jahren 1791-1793 zweimal soviel Land kauften
       wie die  Bourgeoisie, eine Ausnahme. Aber irgendetwas kauften sie
       überall; bis  zum Jahr IV der Republik gingen sie an vielen Orten
       der Bourgeoisie,  was den  Umfang des  gekauften  Landes  angeht,
       voran. 10)
       Den Bauern gelang die Aneignung von Land durch Kauf nicht nur auf
       den nationalen  Gütern. Nicht  wenige Familien  des Adels und der
       alten Bourgeoisie  waren gezwungen, ihre Länder zu verkaufen. Die
       Bauern nutzten  den Verfall  der Bodenpreise und ließen auch hier
       keine Möglichkeit  aus, etwas zu erwerben. Die Bauern kauften das
       Land sogar von Weiterverkäufern, welche Güter von der Nation oder
       von Privatpersonen erworben hatten, um sie später aufgeteilt wei-
       terzuverkaufen. Somit  vergrößerte die  Revolution die Fläche des
       bäuerlichen Landbesitzes.  In welchem  Umfang?  Leider  existiert
       kein zusammenfassendes  Material für  einen Vergleich der Vertei-
       lung des Bodeneigentums zwischen den verschiedenen sozialen Klas-
       sen im Jahr 1789 und nach der Revolution, etwa 1815. Die einzigen
       vollständigen Angaben  - die  Frucht, das Ergebnis der mühevollen
       Arbeit von  Georges Lefebvre  - beziehen sich auf das Departement
       Nord.
       
       Landeigentum         1789    1802
                            (in Prozent)
       Geistlichkeit     etwa 20       -
       Ade                    22      12
       Bourgeoisie            16      28
       Bauernschaft           30      42
       
       Es ist  nicht nötig  zu beweisen,  daß der Löwenanteil des Landes
       von der  bäuerlichen Oberschicht  erworben wurde.  Aber auch  die
       Zahl der  kleinen und  kleinsten  bäuerlichen  Eigentümer  wuchs;
       diese Tatsache  haben die  Präfekten der  Departements in den Be-
       richten an  die Regierung  in den  Jahren IX-XIII übereinstimmend
       bezeugt. Im  Departement Nord wuchs die Zahl der Eigentümer um 35
       Prozent. Am  meisten vergrößerte  sich die Zahl der Kleineigentü-
       mer, die bis zu 5 ha besaßen; die Zahl jener Eigentümer, die mehr
       als 5  ha hatten, wuchs kaum, aber ihr Besitz hatte sich abgerun-
       det. Darüber hinaus vergrößerte sich die Zahl der Kleinwirtschaf-
       ten - besonders der Wirtschaften bis zu 1 ha, aber auch der Wirt-
       schaften mit  1 bis  10 ha; umgekehrt schwächte sich die Position
       der großen  Farmen ein  wenig infolge der - aus unterschiedlichen
       Gründen durchgeführten  - Teilung der Farmen. Wahrscheinlich gibt
       es Gründe  für die Annahme einer gewissen "Vermittelbauerung" des
       französischen Dorfes in jenen Regionen, in denen der Fonds natio-
       naler Ländereien  beträchtlich war  und es den Bauern gelang, die
       im Verlauf  der Revolution stattgefundene Umverteilung des Boden-
       eigentums zu  ihren Gunsten  auszunutzen (im Departement Bas-Rhin
       kauften die  Bauern 50  Prozent der Kirchenländer, im Departement
       Nord 52 Prozent).
       Wesentlich ist der Hinweis, daß es den Bauern während der Revolu-
       tion vielfach  gelang, dem Ansturm des "agrarischen Individualis-
       mus" zu  widerstehen. Das Recht der Landeigentümer, ihr Land ein-
       zuzäunen, und  die Möglichkeit  einer Aufhebung der Servitute der
       Gemeinde wurden im Prinzip per Gesetz bestätigt, aber die prakti-
       sche Ausführung hing in hohem Maße vom Willen der Gemeinde ab. So
       bewahrten die kleinen und mittleren Bauern teilweise auch die für
       die Lebensfähigkeit  ihrer Wirtschaft  notwendigen  gemeindlichen
       Nutzungsrechte (vor  allem die  mit der Gemeindeweide verbundenen
       Rechte).
       Insgesamt hat  die Revolution  zweifellos zu  einer Festigung und
       Ausweitung der  Positionen des Landeigentums der Bauern und ihrer
       Wirtschaft geführt.  Kann dies  die oben erwähnte Schlußfolgerung
       begründen, daß  die Französische Revolution mit ihrer machtvollen
       und effektiven  Bauernbewegung sich  als ein  Hindernisfaktor für
       die kapitalistische  Entwicklung Frankreichs  erwies? Wir meinen,
       daß eine solche Konklusion methodologische und konkrethistorische
       Einwände hervorruft.
       Vor allem  ist daraufhinzuweisen,  daß eine  solche Bewertung der
       agrarischen Resultate  der Revolution  notwendig damit  verbunden
       ist, daß  man diese  unter dem Gesichtspunkt eines Vergleichs mit
       dem "Modell"  der Festigung  des Kapitalismus in England betrach-
       tet, d.h.   i n   a n d e r e n   h i s t o r i s c h e n    B e-
       d i n g u n g e n,   d i e  s i c h  v o n  d e n e n  F r a n k-
       r e i c h s  u n t e r s c h e i d e n.  So schreibt der bekannte
       englische  Gelehrte   E.  Hobsbawm,   der  sich  gerade  von  der
       englischen, harten  Variante der  Expropriation  der  Bauern  ab-
       gestoßen fühlt,  von dem  "kolossalen Paradox" der nachrevolutio-
       nären Entwicklung in Frankreich, wo der "kapitalistische Teil der
       Wirtschaft einen  Überbau über der immobilen Basis, bestehend aus
       Bauernschaft und  Kleinbürgertum,  darstellte",  deren  Lage  die
       Französische Revolution  festigte; sie  wurden nicht expropriiert
       wie in  England. Resultat  war eine Verlangsamung des technologi-
       schen Fortschritts und der Konzentration des Kapitals 11) Charak-
       teristisch ist  das Urteil von Le Roy Ladurie: "Die Bauernrevolu-
       tion (der  Jahre 1789-1793,  A.A.) hielt  die Herausbildung eines
       französischen landwirtschaftlichen  Kapitalismus nach  englischem
       Typ für mehr als ein Jahrhundert auf." 12)
       All diese  - und  viele andere  - Urteile über die (unter dem Ge-
       sichtspunkt der  ökonomischen Dynamik) negative Rolle der agrari-
       schen Resultate der Französischen Revolution gehen in irgendeiner
       Weise davon aus, daß die Revolution auch ein gänzlich anderes Re-
       sultat hätte  zeitigen und den englischen Weg einer erbarmungslo-
       sen Expropriation der Bauernschaft gehen können. Aber bei der Lö-
       sung jener  Fragen, die mit den langfristigen Prozessen der sozi-
       alökonomischen Entwicklung  verknüpft waren, mußten die Umgestal-
       tungsmöglichkeiten  der   französischen  bürgerlichen  Revolution
       durch bestimmte  Grenzen eingeschränkt sein. Ihre agrarischen Re-
       sultate waren  unvermeidlich mit jenen Tendenzen der bürgerlichen
       Agrarentwicklung verbunden,  die real und fest genug in den fran-
       zösischen Landverhältnissen  gegen Ende des Ancien régime wurzel-
       ten und sich auf die Gruppierung der gesellschaftlichen Kräfte in
       jenem harten Kampf auswirkten, der sich um die im Verlauf der Re-
       volution  aufgeworfenen   alternativen  Lösungsmöglichkeiten  der
       Agrarfrage entwickelte.  Besonders wenn  wir die  Realitäten  der
       Agrarentwicklung Frankreichs  in jener Zeit untersuchen, gelangen
       wir zu dem Ergebnis, daß die Revolution nicht die Bedingungen für
       eine feudal-bürgerliche "Säuberung des Landes" für den Kapitalis-
       mus, d.h. für eine radikale Expropriation der kleinen bäuerlichen
       Produzenten sichern  konnte. Der erbitterte Widerstand der Dörfer
       hatte eine  feste Grundlage:  Trotz des im 16. Jahrhundert ablau-
       fenden Prozesses  der "ursprünglichen  Akkumulation" und der Wie-
       derherstellung der  seigneuralen Domänen  konnte die Bauernschaft
       Frankreichs zur  Zeit der  Revolution etwa  40 Prozent des Bodens
       fest in  der Hand  halten, und  die bäuerliche Wirtschaft stellte
       eine breite  Grundlage für  die Entwicklung  der kapitalistischen
       Verhältnisse dar 13). Indem die Revolution schließlich die erhal-
       ten gebliebenen feudalen Verhältnisse entschlossen beseitigte und
       den Bauern in vielerlei Hinsicht entgegenkam, festigte und stimu-
       lierte sie  jene Wege der agrar-kapitalistischen Entwicklung, die
       sich gegen  Ende des  18. Jahrhunderts im Land mit genügender Fe-
       stigkeit herausgebildet  hatten; in  diesem Ergebnis  zeigte sich
       deutlich jene  eigentümliche Dialektik  von revolutionärem  Bruch
       und historischer  Kontinuität in der Geschichte der Französischen
       Revolution. Die  zeitgenössischen französischen marxistischen Hi-
       storiker heben  mit guten  Gründen die  historischen Wurzeln  der
       Wege der bürgerlichen Entwicklung Frankreichs nach der Revolution
       hervor. "Gerade  auf der  Basis des reichen und komplizierten hi-
       storischen Erbes",  schreibt M.  Vovelle, "bringt  die Revolution
       den französischen  Weg des  Übergangs vom Feudalismus zum Kapita-
       lismus in  seiner ganzen  Eigentümlichkeit  zur  Kristallisation"
       14).
       Im Gefolge  der Revolution bildeten sich in Frankreich zwei Typen
       des bürgerlichen  Landeigentums heraus - das bäuerliche (sein An-
       teil wuchs)  und das  große Eigentum der ehemaligen Adligen (sein
       Anteil ging zurück) und der Bourgeoisie. Das Vordringen kapitali-
       stischer Verhältnisse  auf der  Grundlage des  großen Grundeigen-
       tums, das  vor der  Revolution existierte,  setzte sich unter den
       neuen, von der Revolution geschaffenen Verhältnissen fort. In den
       Gebieten der  "großen Kultur"  erhielt die  kapitalistische Farm-
       wirtschaft eine  weitere Entwicklung. Während der Revolution wur-
       den einige  große Farmen,  die auf  den ehemaligen Kirchenländern
       oder dem  Land von Emigranten lagen, beim Verkauf der Nationalgü-
       ter aufgeteilt,  wenn dies die örtlichen Bedingungen gestatteten.
       Die Farmer,  die vor  der Revolution  die feudalen  Dienste  oder
       Zehnte gepachtet  hatten, verloren  diese  Einnahmequellen.  Aber
       insgesamt hat sich die große Farmwirtschaft im Ergebnis der Revo-
       lution gefestigt,  vor allem in ihrem wichtigsten Verbreitungsge-
       biet -  dem Pariser Becken. Einige Farmer wurden beim Verkauf der
       Nationalgüter Herren  von eigenen  Wirtschaften. Erhalten blieben
       auch zahlreiche  alte Farmer-Dynastien,  aus deren  Mitte im  19.
       Jahrhundert dörfliche  Unternehmer und  Kapitalisten  neuen  Typs
       hervorgingen. J.  M. Moriceau  verfolgte die  Geschichte von vier
       Dynastien dieser  Art im  Gebiet von  Valois und der angrenzenden
       Örtlichkeiten der  Ile de France vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.
       Ihre Stabilität  ist verblüffend.  So brachte eine Farmerdynastie
       vom Beginn des 17. bis zum 19. Jahrhundert 20 Pächter großer Far-
       men hervor;  eine andere  (seit 1640) 17, eine weitere 22; aus 13
       Generationen einer  weiteren Familie  stammten vom  Ende des  16.
       Jahrhunderts bis  zum 19.  Jahrhundert mehr  als 50 große Farmer.
       15) Die  Farmwirtschaft der  Getreidegebiete der  "großen Kultur"
       erbrachte die  Hauptmasse des  Warengetreides für  die Versorgung
       der wachsenden  Bevölkerung von Paris und der großen Städte Nord-
       frankreichs.
       Wir müssen  uns jedoch  daran erinnern, daß eines der wichtigsten
       Resultate der  Französischen Revolution  die Vergrößerung und Fe-
       stigung des  bäuerlichen Landeigentums  und der bäuerlichen Wirt-
       schaft war.  Der von  der Last  der seigneuralen Ordnung befreite
       Bauer war die Zentralfigur der landwirtschaftlichen Produktion in
       einem großen  Teil Frankreichs. Die Existenz eines mächtigen, mit
       der kleinen  Warenproduktion verbundenen  bäuerlichen Sektors war
       eine der  wichtigsten Besonderheiten  der wirtschaftlichen Evolu-
       tion und  sozialen Struktur  des Landes  (und drückte auch seiner
       politischen Geschichte einen tiefen Stempel auf). Der von Maurice
       Agoulon geschriebene  Abschnitt  der  großen  kollektiven  Arbeit
       "Geschichte des  dörflichen Frankreich",  der die  Jahre 1789 bis
       1852 umfaßt, hat die Überschrift: "Der Aufstieg der Bauernschaft"
       16). Tatsächlich  vollzog sich im Verlauf einiger Jahrzehnte nach
       der  Französischen   Revolution  neben   der  Konzentration   des
       Bodeneigentums auch  ein Prozeß  seiner Aufteilung  17), darunter
       beim Verkauf  der Besitzungen  durch einige große Landeigentümer;
       diese Güter  wurden teilweise von den Bauern aufgekauft. Es wuchs
       die Zahl  der kleinen  und kleinsten Eigentümer und Wirtschaften,
       es wuchs auch die Gesamtzahl der dörflichen Bevölkerung (von 23,4
       Millionen 1811 auf 29,6 Millionen 1841).
       In der  ersten Hälfte  des 19. Jahrhunderts hatte sich noch nicht
       die technische  Basis für  die landwirtschaftliche Großproduktion
       herausgebildet, die  auf der  Anwendung von Maschinen beruht. Die
       Marktkonjunktur war  günstig für  die Bauern  - in dieser Periode
       war die  "Preisschere" zugunsten der Landwirtschaft geöffnet: Die
       Preise für  Industriewaren fielen  fünfmal stärker als die Preise
       für Nahrungsmittel  18). Unter  diesen Bedingungen  bewahrte  die
       kleinbäuerliche Wirtschaft  nicht nur  ihre Lebensfähigkeit, son-
       dern konkurrierte  auch recht erfolgreich mit der Großwirtschaft.
       Dies war natürlich mit übermäßigen Arbeitsverausgabungen der bäu-
       erlichen Familie  verbunden. Aber  die Historiker  bemerken auch,
       daß die  sich in  dieser Periode festigende Schicht von mittleren
       Bauern in  der Lage  war, auch ohne Mechanisierung die ihr mögli-
       chen Verbesserungen  in der  Viehzucht, im Weinbau, bei der Züch-
       tung technischer  Kulturen einzuführen  19).  Das  bemerkenswerte
       Wachstum der  landwirtschaftlichen Produktion,  das in Frankreich
       in der  ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht wurde (es be-
       ziffert sich  von 1815 bis zu Beginn der 50er Jahre des 19. Jahr-
       hunderts auf 73"78 Prozent), weiter die Vergrößerung der bearbei-
       teten Flächen,  die Ausweitung  des Sortimentes der Kulturen, das
       Wachstum der Ernteerträge waren nicht nur mit dem Fortschritt der
       großen Farmwirtschaft verbunden, sondern in nicht geringem Ausmaß
       auch eine  Folge der  Anstrengungen der  Bauern. Die Bauernschaft
       stellte in dieser Periode auch einen großen Markt für die franzö-
       sische Industrie dar, die nach dem Verlust des vor der Revolution
       blühenden Überseehandels (eine Folge der revolutionären und napo-
       leonischen Kriege) gezwungen war, sich auf den Binnenmarkt umzuo-
       rientieren. Die  Existenz eines mächtigen Massivs bäuerlicher Be-
       völkerung nach  der Revolution war kein Hindernis dafür, daß sich
       um die  Wende vom  18. zum 19. Jahrhundert im Lande der industri-
       elle Umbruch  zu entfalten  begann und  Frankreich, wie A. Soboul
       schrieb, "auf  seine Weise  ... in  die industrielle Ära eintrat.
       Die Jahre von 1800 bis 1810 waren hier die entscheidenden." 20)
       Mit dem  ständigen Anwachsen  der Warenproduktion in der bäuerli-
       chen Welt  verstärkte sich  die soziale  Differenzierung und  ge-
       langte ein  eigentümlicher "bäuerlicher Weg" der kapitalistischen
       Evolution der Landwirtschaft zum Durchbruch. Es festigte sich die
       Schicht wohlhabender  und reicher Bauern. Deren Wirtschaft konnte
       in der  Region der  "kleinen Kultur"  von der  Fläche her relativ
       klein sein  - von  entscheidender Bedeutung war die hohe Qualität
       des Weinbergs,  der Parzelle  mit Gartenbau, mit Gemüseanbau oder
       mit anderen  Spezialkulturen. Gleichzeitig  waren Mitte  des  19.
       Jahrhunderts 37  Prozent der  bäuerlichen Höfe  (von insgesamt  8
       Millionen) aufgrund  ihrer Armut  von der  Steuerzahlung befreit.
       Anfang der  1850er Jahre  hatten 37,3  Prozent der  Kleinstbauern
       (manouvriers) Landeigentum, aber die Einnahmen aus der Wirtschaft
       reichten nicht für den Unterhalt der Familie aus; so waren sie zu
       Erwerbstätigkeiten außerhalb  ihrer  Wirtschaft  gezwungen.  62,7
       Prozent dieser Personen waren ohne Land und existierten nur durch
       den Verkauf ihrer Arbeitskraft 21).
       Das kleine bäuerliche Eigentum erschöpfte seine Möglichkeiten und
       trat in  die Periode  seines Verfalls ein, als sich die industri-
       elle Revolution  ihrem Abschluß  näherte; diese schuf die techni-
       sche Basis  für die  große mechanisierte  Produktion in der Land-
       wirtschaft. Die  grundlegende Arbeit  von Ju. G. Trunskij erlaubt
       es, diesen Prozeß statistisch zu verfolgen. Wenn in den 50er-60er
       Jahren des  19. Jahrhunderts  der massenweise  Auszug der ärmsten
       Bauern, die  ihre Arbeitskraft  verkauften, aus  dem Dorf  begann
       (ihre Zahl  verringerte sich in dieser Periode um 30 Prozent), so
       beginnt in  den 80er Jahren auch die Zahl der kleinen und mittle-
       ren bäuerlichen  Eigentümer ständig  zu sinken. 90 Jahre nach der
       Französischen Revolution verblieben etwa 35 Prozent des Bodens in
       ihren Händen;  über 64  Prozent konzentrierten sich in den Händen
       der kapitalistischen Schichten des Dorfes. Der Prozeß der Konzen-
       tration des  Landeigentums wurde  zum wichtigsten und dominieren-
       den. Dies gilt auch für die Expropriation der kleinen und mittle-
       ren Bauernwirtschaften.  In den  Jahren 1882  - 1892  verringerte
       sich erstmalig  die Zahl  der Wirtschaften  mit 1  bis 10  ha (um
       17 472). Nach  dieser Zeit  verlief dieser  Prozeß in  wachsendem
       Tempo 22).
       Die unter  den Bedingungen des Kapitalismus unvermeidliche Expro-
       priation kleiner  und mittlerer  Bauern, die  bis Mitte  des  19.
       Jahrhunderts mit der parallel verlaufenden Teilung des Landeigen-
       tums und der Wirtschaften verknüpft war, erlangte somit endgültig
       einen unumkehrbaren  Charakter. Aber trotz all dem Elend, das mit
       dieser  Expropriation   verbunden  war,  vollzog  sich  diese  in
       Frankreich in einem anderen, einem "glatteren" Tempo und in ande-
       ren Formen  als in  England. Hier  war nicht jener "unbarmherzige
       Vandalismus" bei  der Ausplünderung der dörflichen Bevölkerung zu
       beobachten, wie  er für die Liquidierung der Bauernschaft auf der
       anderen Seite  des Ärmelkanals  kennzeichnend war.  "Wenn  unsere
       agrarische Evolution  - so  schrieb Georges  Lefebvre -  nicht so
       stolz auf  den wirtschaftlichen  Fortschritt sein  kann  wie  die
       Agrarentwicklung in  anderen Ländern,  so hat  sie doch zumindest
       weniger Leiden mit sich gebracht und war menschlicher. Dies rührt
       daher, daß  Frankreich eine bäuerliche Revolution gekannt hatte."
       23)
       
                                    *
       
       Diese Erörterungen  bestätigen, so meinen wir, daß die Schlußfol-
       gerung über den bremsenden Einfluß der agrarischen Ergebnisse der
       Französischen Revolution  auf die  sozial-ökonomische Entwicklung
       vom rein  wissenschaftlichen Standpunkt  aus vereinfacht  ist, da
       sie nicht  die komplizierte "dialektische Beziehung" von vor- und
       nachrevolutionären Realitäten  im ökonomischen  Leben Frankreichs
       berücksichtigt. Speziell  gilt dies  auch für  die Frage nach der
       Wechselbeziehung zwischen  dem System  der Agrarverhältnisse nach
       der Revolution mit der für es charakteristischen großen Rolle des
       bäuerlichen Sektors  und der  Entwicklung des  industriellen  Um-
       bruchs. In der neueren Literatur wird der unserer Auffassung nach
       richtige Gedanke  formuliert, daß es kaum berechtigt ist, eine zu
       direkte  kausale   Beziehung  zwischen   den  Besonderheiten  der
       Agrarstruktur Frankreichs  und der  Intensität des  industriellen
       Umbruchs in  diesem Land herzustellen. Die Besonderheiten der In-
       dustrialisierung Frankreichs,  schreibt A.D. Ljublinskajam, "sind
       nicht nur  und nicht vorrangig mit seiner Agrarstruktur verbunden
       als vielmehr  mit vielen  anderen Gründen,  welche die  Industrie
       selbst und  das Land insgesamt betreffen." 24) Es ist auch zu be-
       rücksichtigen, daß  die Hauptrolle  in der  kapitalistischen Ent-
       wicklung insgesamt  nicht die  Landwirtschaft spielt, sondern die
       Industrie; sie  stellt den  führenden Faktor dar, zieht die Land-
       wirtschaft mit  sich und  stimuliert deren bürgerliche Evolution.
       S.D. Skazkin,  der über die Ursachen für das Auseinandergehen der
       Wege der  Agrarentwicklung und  der unterschiedlichen  Schicksale
       der Bauernschaft in England und Frankreich im 17.-19. Jahrhundert
       nachgedacht hat, sah diese gerade in der unterschiedlichen Inten-
       sität des  industriellen Wachstums  sowie  in  den  verschiedenen
       Zeiträumen der industriellen Revolution in beiden Ländern 25).
       Gleichwohl existierte  ohne Zweifel  eine wechselseitige Bedingt-
       heit der  Prozesse, die  im agrarischen  und im industriellen Be-
       reich abliefen.  Offensichtlich mußten  unter den Bedingungen des
       kleinbäuerlichen Frankreichs  der  nachrevolutionären  Jahrzehnte
       die spezifischen  Züge der  parzellierten bäuerlichen  Wirtschaft
       einen bestimmten Einfluß auf Tempo und Besonderheit des industri-
       ellen Umbruchs ausüben.
       Die in  dieser Periode ablaufende Parzellierung des Landeigentums
       führte in  Verbindung mit  der Bewahrung traditioneller Institute
       der Dorfgemeinde  dazu, daß auch ein verarmter Bauer die Möglich-
       keit hatte,  das Dorf  nicht zu  verlassen, ein Stückchen Land zu
       behalten, sich  dem Gemeindeland  zuzuwenden  und  Nutzungsrechte
       auszuüben. Dies verstärkte die agrarische Überbevölkerung, hemmte
       den Weggang  der Dorfarmut  in die Stadt und schuf in den Dörfern
       eine gewaltige  Reserve billiger Arbeitskräfte. Hierdurch verlän-
       gerte  sich   für  eine  gewisse  Zeit  die  relative  Stabilität
       "vorindustrieller", handwerklicher und manufaktureller Formen der
       industriellen Produktion, deren Rentabilität durch die Ausnutzung
       der billigen  Arbeitskraft der  dörflichen Armut  gesichert wurde
       und nicht  durch einen  technischen Wandel  mit Anwendung von Ma-
       schinen und  neuer  Technologie.  In  der  Landwirtschaft  selbst
       vollzog sich  der agrotechnische  Wandel verlangsamt,  die Formen
       des traditionellen  Systems der  Wirtschaftsführung zeigten  eine
       große Lebensfähigkeit,  und in  den Gebieten der "kleinen Kultur"
       erhielten sich archaische Formen der Pacht.
       All diese Faktoren sind wiederholt in der Literatur vermerkt wor-
       den. Aber  darf man  diese Faktoren in erster Linie mit jenen Er-
       folgen verknüpfen, die im Verlauf der Revolution hinsichtlich der
       Festigung der  bäuerlichen Wirtschaft  und der  Behauptung  eines
       spezifischen "bäuerlichen  Weges" der agrar-kapitalistischen Evo-
       lution in  großen Teilen  des Landes erreicht wurden? Wir meinen,
       daß es im Gegenteil für eine Lösung dieser Frage wichtig ist, die
       Aufmerksamkeit auf  die Beschränktheit  der agrarischen Resultate
       der Revolution  zu lenken und die Grenzen der bäuerlichen Erfolge
       in der  Revolutionszeit zu markieren. Tatsächlich wurden sogar in
       den Jahren  1793 -  1794 die  egalisierenden Bestrebungen auf dem
       Lande, wie  sie von  verschiedenen Schichten der Bauernschaft und
       am konsequentesten  von ihren  "Unteren" vorgetragen  wurden, nur
       zum Teil  gesetzlich sanktioniert.  Noch weniger gelang es, diese
       Bestrebungen in der kurzen Zeitspanne vollständig zu realisieren.
       Nach den  Arbeiten von  Georges Lefebvre  ist dies in der Wissen-
       schaft allgemein anerkannt.
       Bedeutend weniger  Aufmerksamkeit ist  einem anderen  Aspekt  des
       Problems zugewendet  worden -  der Tatsache,  daß die endgültigen
       Ergebnisse nicht  nur  nach  den  Resultaten  der  Offensive  der
       dörflichen Demokratie zu beurteilen sind, die in den Jahren 1792-
       1794 erreicht  wurden, sondern auch danach, was sich in den Kämp-
       fen um  die Agrarfrage  im niedergehenden  Stadium der Revolution
       abspielte, also in der Periode zwischen Thermidor und Brumaire.
       Wenn man die Masse der Petitionen zu Agrarproblemen liest, die im
       Konvent in den ersten Monaten nach dem thermidorianischen Umsturz
       eintrafen, kann man deutlich spüren, wie die Forderungen der ver-
       mögenden Oberschichten  immer lauter  vorgebracht wurden - es ist
       Zeit, mit  dem Gerede von der Gleichheit Schluß zu machen, es ist
       Zeit, dem  großen Eigentum das ganze Prestige und den ganzen Ein-
       fluß zurückzugeben.  Die Anlässe  für diese Petitionen waren ver-
       schieden, aber  dieses Motiv klang immer wieder durch. Unter die-
       sen Dokumenten  ist die  Petition der "Bürger Landeigentümer" des
       Distrikts Villefort  (Departement Lozere)  besonders aussagekräf-
       tig: "Gerade  das Eigentum  bestimmt den  Menschen, da es ... ihn
       mit anderen  Bürgern verbindet;  es antwortet  für ihn in der Ge-
       sellschaft und  fördert seine  Tugend. Wer kein Eigentum besitzt,
       ist ganz  isoliert und  fremd in  seinem Vaterland,  er hängt  an
       nichts, für ihn sind alle Länder gleich und gleichgültig". Es ist
       Zeit, "die  Gesetzlosigkeiten des  Sansculottismus zu  beseitigen
       und zu  einer besseren Ordnung der Dinge überzugehen." 26) Schluß
       mit den  "Ungesetzlichkeiten des  Sansculottismus", das "Land muß
       von den  Eigentümern regiert  werden" (wir  fügen hinzu:  von den
       Großeigentümern) -  dies waren von nun an die Losungen des Tages.
       Ihre nächste Folge war eine energische Offensive gegen die Errun-
       genschaften der  bäuerlichen Unterschichten  und sogar  teilweise
       gegen die  Resultate, welche  die Bauernschaft insgesamt erreicht
       hatte.
       Die Gegenattacke entwickelte sich vor allem um die Landfrage. Die
       egalisierende Welle  des Jahres II. in der Agrarbewegung verebbte
       nicht unmittelbar  nach dem  9. Thermidor.  Aber dem geschwächten
       und nun  nicht mehr  von oben  unterstützten egalisierenden Strom
       leistete der  "antiegalitäre" Ansturm der Bourgeoisie Widerstand,
       der alle Seiten der Landpolitik betraf. Die zitierte Petition der
       Landbesitzer des Distrikts Villefort formulierte die Ziele dieses
       Angriffs deutlich: "Es gab eine Zeit, wo eine Clique ein Agrarge-
       setz haben  wollte. Sie wagte es nicht, offen auf dieses Ziel zu-
       zugehen, sondern  wollte es  auf Umwegen erreichen. So setzte sie
       ein Gesetz  über den Loskauf ewigwährender Pachten durch, ein Ge-
       setz über  die Aufteilung  der Gemeindeländer  und zahlreiche an-
       dere, die das geheiligte Recht auf Eigentum mehr oder weniger un-
       tergraben ...  Die Aufgabe,  die euch  (den Gesetzgebern  - A.A.)
       würdig ist,  besteht darin,  diese Denkmäler der Unterdrückung zu
       beseitigen ... Wir wissen, daß die Gleichheit dekretiert ist, und
       wir begrüßen  sie ... Aber die Gleichheit birgt einen eigenen Fa-
       natismus in  sich -  man kann  mit allem  Mißbrauch treiben.  Die
       Gleichheit, die  ihr dekretiert  habt, ist eine Gleichheit in den
       Rechten; eine  jede andere Gleichheit wäre abscheulich und unmög-
       lich".
       Die Reaktion  wandte sich zuerst gegen die Gesetzgebung der Jahre
       1792-1793 über  die Gemeindeländer.  Hauptgegenstand der  Attacke
       wurde das Gesetz vom 10. Juni 1793. Genauer: Es waren jene seiner
       Bestimmungen, welche  die Möglichkeiten  der dörflichen Gemeinden
       stark erweiterten, das Land zurückzuerhalten, das ihnen weggenom-
       men worden  war, und eine Aufteilung der Gemeindeländer erlaubten
       und stimulierten.  Formal wurde  das Gesetz  vom 10. Juni niemals
       aufgehoben, aber  durch eine Serie von gesetzgeberischen, admini-
       strativen und  gerichtlichen Akten  wurden die Wirkung seiner er-
       wähnten Bestimmungen  und insbesondere die bereits erreichten Re-
       sultate strikt begrenzt oder gänzlich unwirksam gemacht. Es wurde
       bereits bemerkt, daß die in diesem Gesetz festgelegte Ordnung für
       die Rückgabe  der Gemeindeländer  nicht nur  den ehemals privile-
       gierten, sondern auch den bürgerlichen Landbesitz durch teilweise
       Expropriation zugunsten  der Bauern bedrohte. Während der jakobi-
       nischen Herrschaft  nutzten die Bauern in großem Umfang die durch
       das Gesetz  eingeführte Prozedur  der Arbitrage und eigneten sich
       manchmal ganze  Farmen und  Güter an,  die im 18. Jahrhundert auf
       früheren Gemeindeländern  und  nichtgenutzten  Flächen  errichtet
       worden waren.  Die Proteste der alten Eigentümer wurden unmittel-
       bar nach  dem Thermidor  heftiger. Der  thermidorianische Konvent
       und das Direktorium brachten ihnen die größte Aufmerksamkeit ent-
       gegen. Am 29. Ventôse des Jahres IV wurde die Zwangsarbitrage ab-
       geschafft. Noch  früher begann  die Offensive  gegen die  von den
       Bauern bereits  erhaltenen Länder.  Am 7. Brumaire des Jahres III
       wurden den  Kommunen die Wälder weggenommen, die sie auf Beschluß
       der Schlichter  in Besitz  genommen hatten.  Durch das Gesetz von
       12. Prairial  des Jahres  IV erhielten alle Eigentümer, die unter
       den Beschlüssen der Schlichter gelitten hatten, das Recht auf Ap-
       pellation. Das Gesetz vom 28. Brumaire des Jahres VII schrieb be-
       reits direkt eine Überprüfung aller Arbitrage-Beschlüsse vor. Die
       Forderungen nach  ihrer Kassierung  schwollen zu  einem Strom an,
       und viele  Urteile der Schlichter wurden durch Entscheidungen der
       Kassationskammer aufgehoben. Überprüft wurden auch die Beschlüsse
       normaler Gerichte (das Gesetz vom 19. und 20. Germinal des Jahres
       IX erstreckte sich auf die entsprechenden Bestimmungen des Geset-
       zes vom 28. Brumaire des Jahres VII). So wurde den Bauern ein ge-
       wisser Teil  der Länder  weggenommen, die  sie auf den Gütern der
       ehemaligen Seigneurs und der Bourgeoisie erobert hatten.
       Besonders unversöhnlich war die Reaktion auf die Bestimmungen des
       Gesetzes vom 10. Juni über die Aufteilung der Gemeindeländer. Die
       gegen sie  gerichteten Petitionen  waren  durch  unterschiedliche
       wirtschaftliche Interessen diktiert, aber sie gingen alle von den
       Reichen aus.  Betrachten wir  die vorgebrachte Argumentation: Die
       Autoren einer  Petition aus  dem Departement Creuze (Prairial des
       Jahres IV;  Distrikt und  Gemeinde sind nicht genannt) erwarteten
       "mit Ungeduld  die Revision  des Gesetzes  vom 10. Juni 1793 über
       die Aufteilung der Gemeindeländer, da dieses Gesetz der Natur des
       Menschen widerspricht  sowie allen  alten und neuen Gesetzen"; es
       gestattet den Pächtern, Teilpächtern, Landarbeitern und Arbeitern
       auf den  Farmen die  gleiche Aufteilung; es "raubt den wahren Ei-
       gentümern ihr  Vermögen"; es ist schädlich für die Landwirtschaft
       usw. 27)
       Die Bestimmungen  des Gesetzes  über die  Aufteilung wurden nicht
       formell aufgehoben,  aber faktisch  wurde ihre  Ausführung unmög-
       lich. Der  vom Direktorium  am 21.  Prairial des Jahres V gefaßte
       Beschluß unterbrach alle Prozesse, die mit der Aufteilung der Ge-
       meindeländer verbunden  waren und  sicherte den jetzigen Eigentü-
       mern die  Landstücke, die  sich bereits in ihren Händen befanden.
       Das Gesetz  vom 2.  Prairial des  Jahres V nahm den Gemeinden das
       Recht, ihr  Land zu  veräußern oder  zu tauschen; somit wurde das
       Recht auf  Aufteilung indirekt  aufgehoben, die als eine Form der
       Veräußerung angesehen  werden konnte.  Letztlich wurden die alten
       Aufteilungen aufrechterhalten,  wenn die  Gemeinden  sich  selbst
       nicht von  ihnen lossagten.  Aber die weitere Möglichkeit für die
       Kleinbauern, eine Parzelle auf Kosten des Gemeindefonds zu erhal-
       ten (dort,  wo für  eine Aufteilung  geeignetes Nutzland erhalten
       geblieben war), wurde faktisch beseitigt.
       Bedeutend wichtiger  war jedoch  der Umstand, daß den Bauern, die
       in der Lage waren, etwas zu kaufen, der Zugang zu den Ländern des
       Nationalfonds allmählich versperrt wurde. Vor dem Ende des Direk-
       toriums wurde  das Verfahren  für ihre  Veräußerung dreimal geän-
       dert, in den Jahren IV, V und VII. Jeglicher private Handel (d.h.
       eine Landaufteilung) fiel fort, die Operation des Verkaufs selbst
       wurde vom Zentrum des Distrikts in die Departementszentren verla-
       gert, die  Zahlung in Raten wurde eingeschränkt, im Jahre V mußte
       die Hälfte  des Preises  in Metallgeld  beglichen werden. Bereits
       vor diesem Jahr begann der Anteil der Bauern stark zurückzugehen.
       Nach den  Neuerungen des  Jahres VII (Bezahlung mit Metallgeld im
       Verlauf von  3 Jahren) wurden die Bauern fast vollständig vom Bo-
       denhandel verdrängt.  Aber gerade  unter dem Direktorium gelangte
       die Aktivität der nouveaux riches, der Spekulanten, die gewaltige
       Landerwerbungen abschließen konnten, zu üppiger Blüte.
       Bald nach dem Thermidor begann auch eine Revision der von den Ja-
       kobinern durchgeführten  Bodenkonfiskationen. Die  Sequestrierung
       des Vermögens jener Personen wurde aufgehoben, die der Emigration
       verdächtig waren  und zeitweilig aus den Listen gestrichen wurden
       (Dekret vom 5. Brumaire des Jahres III), weiter des Vermögens der
       "Verdächtigen" (12.  Brumaire des Jahres III), der Ehefrauen oder
       Kinder von  Verurteilten (20.  Fructidor des Jahres III), der El-
       tern von  Emigranten (19. Fructidor des Jahres IV), der Föderali-
       sten von  Bordeaux und  Lyon (9. Floréal des Jahres III). Mit der
       Zeit des  Konsulats (Senats-Konsult  vom 6. Floréal des Jahres X)
       begann die  teilweise Aufhebung des Sequesters der Ländereien von
       Emigranten sowie  die Übergabe  nichtverkauften Vermögens  an zu-
       rückkehrende Emigranten.  In einer  Reihe von  Regionen gelang es
       den ehemaligen  Emigranten, ihre Güter in nicht unerheblichem Um-
       fang wiederherzustellen.  Teilweise geschah  dies auch  durch den
       Aufkauf des  bereits verkauften  Landes; die  Käufe  wurden  über
       Strohmänner abgewickelt,  es wurden fiktive Ehescheidungen vorge-
       nommen usw.  A. Soboul  ist der Auffassung, daß insgesamt bis zum
       Jahr 1815  der Adel  auf verschiedenen Wegen etwa ein Viertel des
       Landes zurückgewinnen konnte, das von den Konfiskationen und Ver-
       käufen der Revolutionszeit betroffen war 28).
       Die Offensive  gegen die  Eroberungen der  Bauern betraf auch die
       vor dem  Thermidor durchgeführte radikale Umwandlung des gesamten
       vorrevolutionären Systems  der Dienste  oder Renten, wie sie nach
       der Beseitigung  der seigneuralen  Ordnung genannt  wurden. Diese
       Offensive hatte  einige Erfolge  in Hinblick  auf die  Renten der
       Ewigpacht und  der Inhaber  von spezifischen  Nutzungsformen, die
       sich juristisch  vom Grundzins (censive) unterschieden. Vom Buch-
       staben des vorrevolutionären Rechts her wurden diese Renten nicht
       zu den  feudalen gerechnet.  Sie wurden  vom Konvent  nicht abge-
       schafft, aber die Schuldner erhielten das Recht auf Loskauf. Die-
       ses Prinzip erstreckte sich auch auf die domaine congeable in der
       Unteren Bretagne, auf bau à complant und vigne à condition in den
       Weinbaugebieten (Maine,  Anjou, Teile  der Bretagne,  Poitou, Gu-
       yenne, Auvergne  und andere) sowie auch auf locaterie perpetuelle
       - eine  sehr häufige Form bäuerlichen Besitzes im Süden - in Lan-
       guedoc, in  der Provence, in einigen Gebieten von Guyenne. In dem
       Maße, wie  der Kurs der Assignaten verfiel, wurde die Möglichkeit
       des Loskaufs  für die  Bauern immer verführerischer. Dabei betrug
       die Höhe  der Rente  nicht selten ein Drittel bis ein Viertel der
       Bruttoernte. Im Departement Allier beispielsweise zahlten die Bo-
       deninhaber auf  der Grundlage  von vigne  à condition ein Drittel
       bis ein  Fünftel; im Departement Gers erreichte die Rente auf der
       Grundlage von  locatérie perpétuelle  die Hälfte  bis ein Drittel
       der Ernte. Nun eröffnete sich den Schuldnern die Perspektive, den
       Loskauf mit  Assignaten zu  bezahlen, die ihren Wert verloren, in
       die Reihen  der kleinen  bäuerlichen Eigentümer  einzutreten  und
       sich von  allen Pflichten gegenüber den früheren Landbesitzern zu
       befreien. Die  Unterlagen des  Gesetzgebenden Komitees  enthalten
       viele bittere  Klagen von Angehörigen der Bourgeoisie, von Besit-
       zern von  Renten und  von nominellen  Bodeneigentümern (vor allem
       aus den zentralen und südlichen Departements) über böswillige Be-
       mühungen der Bauern, den Loskauf zu beantragen und freie Eigentü-
       mer zu  werden. Alle  Petitionen riefen  das geheiligte Recht auf
       Eigentum an.  So schrieben  die Verfasser  einer Petition aus der
       Gemeinde Merjuez  (Lozère) vom  15. Prairial des Jahres HI: "Wenn
       30 Pfund Getreide für 150 Livres verkauft werden, so ist die Ein-
       nahme eines  Jahres mehr als ausreichend für den Pächter, das Ka-
       pital der  Rente zu bezahlen ... Kann man dies Gerechtigkeit nen-
       nen? Nein, dies ist ganz offensichtlicher Diebstahl, ... eine un-
       erträgliche Räuberei,  ... und  dieses System war jenen Gleichma-
       chern würdig, die vor kurzem Frankreich unterdrückt haben". 29)
       Die neuen  Regierungen Frankreichs  versuchten,  auch  in  dieser
       Frage die  Errungenschaften der  Revolution zu beschneiden. Am 9.
       Brumaire des Jahres VI stellten die Räte des Direktoriums die do-
       maine congéable in der Unteren Bretagne wieder her, indem sie das
       Augustdekret des  Jahres 1792 beseitigten. Die bereits getätigten
       Loskäufe unterlagen der gerichtlichen Überprüfung; einige blieben
       in Kraft,  andere wurden annulliert. Derselbe Beschluß beseitigte
       das Dekret  vom 2. Prairial des Jahres II über die locatérie per-
       pétuelle. Als Bauern wurden nur Dauerpächter anerkannt, und ihnen
       wurde die  Möglichkeit genommen, durch Loskauf der Rente Eigentü-
       mer zu  werden. Unter dem Konsulat wurde eine analoge Maßnahme in
       bezug auf  die Weinbauern der Unteren Loire durchgeführt, die das
       Land auf  der Grundlage  von bail  à complant bearbeiteten. Somit
       wurde eine ganze Kategorie von Kleinbauern faktisch erneut in die
       Lage von zu Diensten verpflichteten ewigen Erbpächtern zurückver-
       setzt.
       Der Thermidor  gab das Signal für erneute Versuche, eine Revision
       auch des  Gesetzes vom 17. Juli 1793 über die vollständige Aufhe-
       bung der  feudalen Dienste zu erreichen. Dies war bereits ein An-
       schlag auf  die wichtigste  Errungenschaft der französischen Bau-
       ernschaft in der ganzen Revolutionszeit. Es wurden Pläne für eine
       gesetzliche Revision dieses berühmten Dekrets erwogen. Hierum ba-
       ten die  Petitionen  der  expropriierten  Angehörigen  der  Bour-
       geoisie, der  Eigentümer der abgeschafften Dienste. Eine Petition
       des Bürgers  Julien, eines "Ackerbürgers" aus dem Departement In-
       dre, drückte  deren allgemeine  Stimmung deutlich  aus.  "Zu  dem
       Zeitpunkt, wo  der Nationalkonvent  bestrebt ist,  die  kleinsten
       Spuren der  Ungerechtigkeit und Unterdrückung auszulöschen, unter
       deren Joch  Frankreich während  ganzer 15  Monate stöhnte, wo das
       Rechtswesen aus  dem Kodex  unserer Gesetze die Bestimmungen her-
       ausreißt, die  dort durch  die Tyrannei und den Wunsch, alles Ei-
       gentum zu vernichten, eingeführt wurden, erlaube ich mir, von eu-
       rer Weisheit  eine Revision des Gesetzes vom 17. Juli 1793 zu er-
       bitten, das,  indem es  die verhaßten  Spuren des Feudalismus für
       immer vertrieben  hat, ...  gleichzeitig einen  verderblichen An-
       schlag auf das Eigentum von vielen Bürgern ausgeübt hat, von Kre-
       ditoren von Renten, die auf einem Abtreten von Land basierten; es
       beraubte sie  ihres geheiligten Gutes, um die Schuldner zu berei-
       chern." 30)  Die konkreten  Vorschläge dieser Petition und vieler
       anderer, die  ihr ähnelten, waren dieselben, die im Jahre II for-
       muliert wurden  31) und  ständig bis  1830 wiederholt werden - im
       Vertrag über  das Abtreten von Land auf der Grundlage einer Rente
       einen symbolischen Teil von der Hauptsumme abzutrennen und zu an-
       nullieren, aber  das Recht  auf Ablösung der Hauptsumme zu behal-
       ten. Dies  war gleichbedeutend  mit einer Annullierung der realen
       Bedeutung des Gesetzes vom 17. Juli.
       Beginnend mit dem Jahr IV gab es immer neue Versuche zur Revision
       des Gesetzes. Das Direktorium schlug dem Rat der Fünfhundert vor,
       sich mit  der Überprüfung der Gesetze aus den Jahren 1792-1793 zu
       beschäftigen, die "viele Familienväter ruiniert haben und der Re-
       publik Verluste  von 120  Millionen nach dem Kurs des Jahres 1790
       erbracht haben."  Am 14.  Germinal des  Jahres V  folgte der Vor-
       schlag von  J.B. Treilhard,  dessen Ziel es war, jene Renten wie-
       derherzustellen, die  durch titres  primitifs fixiert waren, also
       faktisch das jakobinische Dekret abzuschaffen. Dieses Projekt kam
       nicht durch.  Am 4.  Thermidor desselben  Jahres wurde  ein neuer
       Vorschlag geboren  - das  Dekret nicht  zu beseitigen, sondern so
       auszulegen, daß  der reine landgebundene Teil der Renten erhalten
       bleib; der Vorschlag wurde an eine Kommission überwiesen und dort
       begraben. Am 11. Prairial des Jahres VI folgte ein neuer Versuch,
       die Wiederherstellung  der  Zahlungen  zu  erreichen,  die  "eine
       falsche Anwendung  des Dekrets  vom 17. Juli 1793 zu den feudalen
       Renten gerechnet  hat"; das  Projekt wurde wieder an eine Kommis-
       sion verwiesen. Wir unterbrechen hier die Geschichte solcher Ver-
       suche, aber  sie wurden  im Konsulat, im Kaiserreich und schließ-
       lich in den Jahren 1814"1815 fortgesetzt, als unter der Restaura-
       tion zum  letzten Mal in der Geschichte Frankreichs die Welle ei-
       ner spezifischen seigneuralen Reaktion heranrollte.
       Trotz allem gelang es nicht, das berühmte Dekret der Jakobiner zu
       revidieren oder  eingeschränkt auszulegen.  Auf den Versammlungen
       des Direktoriums,  des Konsulats  und des  Kaiserreichs (sogar in
       der Umgebung  der zurückgekehrten  Bourbonen) meldeten sich genü-
       gend nüchterne  Köpfe zu  Wort, die  begriffen, daß es eine Sache
       ist, die Interessen dieser oder jener Gruppe von Bauern, speziell
       der armen,  einzuschränken, aber eine ganz andere, einen Anschlag
       auf die Lebensinteressen der gesamten Bauernschaft auszuüben, auf
       ihr Eigentum, das sie eben erst durch große Anstrengungen erobert
       hatte.
       Weil der  direkte Weg  ohne Erfolg blieb, versuchte man auf Umwe-
       gen, eine  immer engere  Anwendung des Gesetzes vom 17. Juli 1793
       in der gerichtlichen und administrativen Praxis zu erreichen. Ge-
       rade dies  zeigen die Untersuchungen von P. Massé und Jean Millot
       für einige  Gebiete des  Westens und des Ostens. Ohne auf Einzel-
       heiten einzugehen,  geben wir die wichtigste Schlußfolgerung Mil-
       lots wieder:  Gemeinsam mit  der Administration nahmen die Tribu-
       nale und Gerichtshöfe "den Schutz der Besitzer von Zahlungen, die
       für ungültig  erklärt worden  waren, in  ihre Hände  und retteten
       durch eine  extrem enge,  immer strengere  Auslegung des Gesetzes
       ... einen  bedeutenden Teil  der Dienste,  die auf einer früheren
       Abtretung von  Land basierten,  vor dem  völligen  Zusammenbruch;
       dies geschah häufig zu Bedingungen, die weniger streng waren, als
       das Gesetz  des Jahres 1792 vorschrieb." 32) Es ist nicht möglich
       festzustellen, in welchem Umfang es auf diese Weise gelang, einen
       Teil der durch den jakobinischen Konvent abgeschafften Dienste zu
       erhalten. Aber  daß es  gleichwohl nicht gelang, einen bestimmten
       Teil dieser  Dienste wiederherzustellen,  dies kann nicht bezwei-
       felt werden.
       In der  schlechtesten Lage befanden sich die bäuerlichen Pächter,
       insbesondere die  riesige Armee der Teilpächter. Der jakobinische
       Konvent unternahm in dem Dekret vom 1. Brumaire des Jahres II den
       Versuch, ihnen wenigstens den von ihnen früher gezahlten Teil des
       Zehnten und  der feudalen  Dienste zurückzugeben. Dieser Beschluß
       rief damals  jedoch viele  Streitigkeiten und Unklarheiten hervor
       und wurde bei weitem nicht überall angewendet. Deshalb versuchten
       die Pächter  auch nach  dem Thermidor,  in den Jahren III und IV,
       eine Abschaffung  des "feudalen  Komplexes" zu  ihren Gunsten und
       ein in  dieser Hinsicht klareres Gesetz zu erreichen. Diese Hoff-
       nungen der  bäuerlichen Pächter stürzten bald zusammen. Zu Beginn
       des Direktoriums  wurde das  Gesetz der Jakobiner vom 1. Brumaire
       des Jahres  II abgeschafft.  Das weitere Schicksal dieser Dienste
       muß noch untersucht werden. Die von P. Massé in den Notariats-Ar-
       chiven des  Departements Vienne  vorgenommene Untersuchung zeigt,
       daß die  feudalen Rechte  im Verlauf der nächsten Jahrzehnte all-
       mählich  mit  den  Pachtzahlungen  zusammenflössen.  Ein  anderes
       Schicksal hatte  der Zehnte.  Er wurde  als ein Teil der Produkte
       des Landes  berechnet und  konnte eine  autonome Existenz führen,
       die von  Vertrag zu Vertrag fortlebte. Noch im Jahr 1909 enthiel-
       ten die  Verträge der  Teilpächter im  Gebiet der  Stadt Lectoure
       (Departement Gers)  die Verpflichtung  zur Zahlung  des  Zehnten.
       Dieser wurde  beispielsweise im Ober-Armagnac im Verlauf des gan-
       zen 19.  Jahrhunderts erhoben,  und die  Bezeichnung "der Zehnte"
       hielt sich  hier (wie  auch in  Les Landes) bis in die 30er Jahre
       des 20. Jahrhunderts. 33)
       Trotz des  großen Maßstabs der agrarischen Umwälzungen im Gefolge
       der Französischen  Revolution, trotz  der wichtigen Schritte, mit
       denen sie den Forderungen der Bauern entgegenkam, blieb somit die
       Lage des  Landeigentums und  der Wirtschaft  der Kleinproduzenten
       schwierig genug.  Erstens gelang  es ihnen nicht, sich völlig von
       den verschiedenen "Renten" zu befreien, von denen sie vor der Re-
       volution belastet waren. Zweitens - und dies ist die Hauptsache -
       gelang es den Bauern und vor allem den bäuerlichen Unterschichten
       ebenfalls nicht,  ihre agrar-egalitären  Forderungen  vollständig
       durchzusetzen und  eine Umverteilung  des großen Landbesitzes und
       der großen  Landnutzung zu  ihren Gunsten zu erreichen. Das große
       Landeigentum blieb (zusammen mit dem kleinen) eine der Grundlagen
       der Agrarverfassung  Frankreichs; hierbei blieb das große Landei-
       gentum, wie  A. Soboul  unterstrich, "in großem Umfang aristokra-
       tisch" 34). Gerade deshalb bemerkte der sowjetische Historiker N.
       M. Lukin,  daß "sogar die Große Revolution dem französischen Bau-
       ern keine   r a d i k a l e   Lösung der Agrarfrage brachte", und
       A. Soboul schrieb von dem "unvollendeten Charakter der Agrarrevo-
       lution" im Ergebnis des revolutionären Jahrzehnts 1789-1799  35).
       In dem Maße, wie die Linie des "bäuerlichen Weges" der agrar-bür-
       gerlichen Entwicklung  siegte, setzte  sie sich in ihrer gemäßig-
       ten, nicht in einer radikalen Variante durch 36).
       In seiner interessanten und inhaltsreichen Arbeit über die Bedeu-
       tung des  agrarischen Egalitarismus während der Französischen Re-
       volution äußerte  der portugiesische  Historiker H.  Resende  die
       Vermutung, es  hätten "vielleicht  nur zufällige  Gründe" verhin-
       dert, daß  sich in  Frankreich als  Resultat der  Revolution  der
       "Bäuerliche Weg" der agrar-bürgerlichen Entwicklung in jener kon-
       sequenten Variante durchsetzte, wie sie in den radikal-egalitären
       Forderungen der  dörflichen "Unteren" in den Jahren 1793-1794 zum
       Ausdruck gebracht wurde 37). Unter Berücksichtigung der Besonder-
       heiten der  Agrarentwicklung Frankreichs  gegen Ende  des  Ancien
       régime sowie  der Kräftekonstellation,  die sich  in  der  Agrar-
       bewegung der revolutionären Zeit herausbildete, meinen wir nicht,
       daß es für die von Resende formulierte Hypothese reale Grundlagen
       gab. Aber  wir sind auch nicht der Auffassung, daß alle konkreten
       Grenzen der  bäuerlichen Errungenschaften schicksalsmäßig vorher-
       bestimmt waren. Diese oder jene Umschwünge in der Entwicklung des
       gesellschaftlichen Kampfes, der politischen und militärischen Er-
       eignisse konnten  die agrarischen  Umwälzungen wesentlich  beein-
       flussen und  die Erfolge des agrar-egalitären Ansturms der Unter-
       schichten des Volks vergrößern.
       Bekanntlich ist es hierzu nicht gekommen. Die Hauptmasse der Bau-
       ern litt  nach der  Revolution unter  sehr großem Landmangel; die
       Koexistenz von  Kleinbauernschaft und  großem Landbesitz erzeugte
       unvermeidlich die  bäuerliche  Landnot.  Daher  waren  zahlreiche
       Kleinproduzenten gezwungen,  ihre akkumulierten  Mittel nicht für
       die Verbesserung  der Wirtschaft,  sondern  für  den  Erhalt  des
       Rechts, sie zu führen, zu verwenden, d.h. für Kauf oder Pacht von
       Land. Hierbei  war die  kleine Pacht  am teuersten, da der Klein-
       bauer zustimmen  mußte, mehr  zu zahlen  als der  kapitalistische
       Farmer, für  den die Grenze der Pachtzahlung in der Notwendigkeit
       bestand, aus  dem angelegten Kapital Profit zu ziehen. Die Histo-
       riker bemerken  übereinstimmend, daß  die großen  Landbesitzer es
       meist vorzogen,  ihr Land als Land-Rentiers zu nutzen. Das Wachs-
       tum der  Bodenrente im  19. Jahrhundert, das in den 1850er Jahren
       besonders stark  war, wurde  teilweise auch von den Bauern ausge-
       nutzt, aber  den größten  Vorteil hieraus  zogen gerade die Land-
       Rentiers. Neben  dem großen  Landbesitz zur Ausbeutung des Klein-
       bauern schaltete  sich der Wucherer ein, es wuchs die Hypotheken-
       schuld der  Bauernschaft. Das  große Landeigentum  ermöglichte in
       Kombination mit der bäuerlichen Landnot das Überleben von für die
       kapitalistische Epoche archaischen Formen der Pacht in den Gebie-
       ten der  "kleinen Kultur" (Teilpacht, traditionelle Zwischenpacht
       u.a.).
       Während ein immer größerer Teil der Bauern einen zusätzlichen Ar-
       beitslohn benötigte und ein großes Reservoir an billigen Arbeits-
       kräften für die mit der Manufaktur (und teilweise bereits mit der
       Fabrik) verbundene Bourgeoisie entstand, erlaubte es der niedrige
       Arbeitslohn der  nicht völlig  vom Land getrennten dörflichen Ar-
       beiter, die notwendige Profitrate herauszuziehen, ohne eine wirk-
       same technische Vervollkommnung und Umorganisation der Produktion
       einzuführen.
       Dies bezieht sich bereits auf die Probleme der agrar-kapitalisti-
       schen Entwicklung  Frankreichs in der ersten Hälfte des 19. Jahr-
       hunderts, die,  trotz der  bemerkenswerten Akkumulation neuer Er-
       kenntnisse in  den vergangenen Jahrzehnten, der weiteren gründli-
       chen Untersuchung bedürfen. Hier möchten wir nur hervorheben, daß
       - wenn  wir über  die nachrevolutionären Schicksale der französi-
       schen Agrarentwicklung sowie über die sozial-ökonomische Entwick-
       lung insgesamt  unter dem  Aspekt der  für sie charakteristischen
       "extensiven" Tempi  und Formen des technisch-ökonomischen Wandels
       nachdenken -  wir nicht nur und nicht vorrangig im Blick behalten
       müssen, was  die Kleinbauern  der bürgerlichen Revolution  a u f-
       z w i n g e n   k o n n t e n,  sondern auch jenes,  w a s  s i e
       n i c h t   e r r e i c h e n   k o n n t e n,   als sie  um  die
       Schaffung möglichst  günstiger Bedingungen  für die  breite  Ent-
       wicklung jener  Möglichkeiten kämpften,  die in  der  bäuerlichen
       Wirtschaft der damaligen historischen "Übergangszeit" lagen.
       
       Übersetzung aus dem Russischen: Gert Meyer
       
       _____
       1) Georges Lefebvre.  Études sur la Révolution française. 2-e éd.
       Paris, 1963, S. 353, 366-367.
       2) Vgl.: Alfred  Cobban. The  Social Interpretation of the French
       Revolution. Cambridge, 1964, S. 52, 79, 91-119, 169-170; Emmanuel
       Le Roy  Ladurie, L'Histoire  immobile, "Annales. E.S.C.", 1974, N
       3, p.  688, 691;  Histoire de la France rurale, t.2. Paris, 1975,
       S. 562, 568, 570-571, 583; R. Reichardt et E. Schmitt, La Révolu-
       tion française  - rupture  ou continuité? Pour une conceptualisa-
       tion plus  nuancée, in: Französische Revolution - zufälliges oder
       notwendiges Ereignis?,  hrsg. von  E. Schmitt  und R.  Reichardt.
       Teil 3. München-Wien, 1983, S. 26, 39.
       3) F.Ja. Poljanskij,  Ekonomiceskaja istorija  zarubeznych stran.
       Epocha   kapitalizma.    Moskau   1961,    S.   151,   333,   339
       (Wirtschaftsgeschichte ausländischer  Staaten. Die Epoche des Ka-
       pitalismus).
       4) Pierre Vilar,  Problèmes théoriques  de l'histoire économique,
       in: Aujourd'hui l'histoire. Paris, 1974, p. 128.
       5) Karl Marx,  Der achtzehnte  Brumaire des  Louis Bonaparte, in:
       MEW, Band  8, S.  200-202; ders., Das Kapital. Dritter Band, MEW,
       Band 25, S. 815.
       6) Karl Marx, Das Kapital. Dritter Band. MEW, Band 25, S. 815.
       7) V.I. Lenin,  Agrarnaja programma  social-demokratii  v  pervoj
       russkoj revoljucii  1905-1907 godov,  in: Lenin,  Polnoe sobranie
       socinenij, Band  16, Moskau  1968, S.  293 (Das Agrarprogramm der
       Sozialdemokratie in  der ersten  russischen Revolution  der Jahre
       1905 bis 1907).
       8) V.I. Lenin,  Grozjascaja katastrofa  i  kak  s  nej  borot'sja
       (1917), in:  Polnoe sobranie  socinenij, Band 34, Moskau 1969, S.
       195 (Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll).
       9) Vgl. A.V. Ado, Krest'janskoe dvizenie vo Francii vo vremja Ve-
       likoj burzuaznoj  revoljucii konca XVIII vekach, Moskau 1971, Ka-
       pitel IV:  "Politika kompromissa  co starym  porjadkom i revolju-
       cionnoe dvizenie  v derevne."  (Die Bauernbewegung  in Frankreich
       zur Zeit  der Großen  Französischen Revolution Ende des 18. Jahr-
       hunderts. Kapitel  IV: Die Politik eines Kompromisses mit der al-
       ten Ordnung und die revolutionäre Bewegung im Dorf).
       10) Vgl. die  Zahlen in  dem Aufsatz von Georges Lefebvre, in dem
       die Daten  jener Untersuchungen zusammengefaßt sind, die vor 1962
       durchgeführt worden  sind. (G.  Lefebvre, Op.  cit., S.  324-325,
       334-337).
       11) Eric Hobsbawm, The Age of Revolution. London, 1962, S. 177.
       12) Zit. nach:  V.M. Dalin, Istoriki Francii XIX - XX vekov, Mos-
       kau 1981,  S. 245-246  (Die Historiker Frankreichs im 19. und 20.
       Jahrhundert).
       13) Sergej Danilovic  Skazkin, der bekannteste sowjetische Histo-
       riker zur  Geschichte der europäischen Bauernschaft, ist der Auf-
       fassung, daß  die Schicksale der Bauern in Frankreich und England
       bereits seit  dem 16.  Jahrhundert große  Unterschiede aufwiesen.
       (Vgl. S.D.  Skazkin, Izbrannye  trudy po istorii, Moskau 1973, S.
       200) (Gesammelte Arbeiten zur Geschichte).
       14) Michel Vovelle. Ruptures et continuités dans l'histoire de la
       France contemporaine,  in: La  France contemporaine. Identités et
       mutations de 1789 à nos jours. Paris, 1982, S. 10.
       15) J.M. Moriceau. Les vices-rois des campagnes? - Annales histo-
       riques compiègnoises, 1985, N 31, S. 3-18.
       16) Histoire de la France rurale, t. III. Première partie. Paris,
       1976.
       17) Vgl.: Ju. G. Trunskij, Iz istorii differenciacii francuzskogo
       krest'janstva za  poslednee stoletie,  in: Francuzskij ezegodnik.
       1962, Moskau  1963 (Aus  der Geschichte  der Differenzierung  der
       französischen  Bauernschaft   im  vergangenen   Jahrhundert.  In:
       Frankreich-Jahrbuch. 1962).  M.A. Kudrjavceva,  O koncentracii  i
       droblenii zemel'noj  sobstvennosti vo  Francii v 50-60-ch gg. XIX
       v. -  Francuzskij ezegodnik.  1963. Moskau 1964 (Über die Konzen-
       tration und  Teilung des  Landeigentums in Frankreich in den 50er
       und 60er  Jahren des  19. Jahrhunderts.  In: Frankreich-Jahrbuch.
       1963).
       18) Vgl. Ju.  G. Trunskij, Osnovnye tendencii ékonomiceskoj evol-
       jucii francuzskoj  derevni (1862-1962),  in:  Problemy  vseobscej
       istorii, Band  II, Kazan' 1969, S. 59-60 (Haupttendenzen der öko-
       nomischen Evolution  des französischen  Dorfes  (1862-1962),  in:
       Probleme der allgemeinen Geschichte, Band II, Kazan' 1969).
       19) Vgl.: Histoire  de la  France rurale,  t. III, p. 135-137; La
       France contemporaine, p. 13, 53-54.
       20) Histoire economique  et sociale  de la France. Dirigée par F.
       Braudel et  E. Labrousse.  t. III,  I-er volume.  Paris, 1976, p.
       107.
       21) Ju. O.  Trunskij, Francuzskaja derevnja v XIX-XX vekach, Mos-
       kau 1986, S. 94-95 (Das französische Dorf im 19. und 20. Jahrhun-
       dert).
       22) Ju. G.  Trunskij, ebenda.  - Problemy vseobscej istorii, Band
       II, Kazan'  1969, S.  169-170, 176, 182-183. (Probleme der allge-
       meinen Geschichte, Band II, Kazan' 1969).
       23) Georges Lefebvre. Etudes sur la Révolution française. 2-e ed.
       Paris, 1963, S. 367.
       24) A.D. Ljublinskaja,  Francuzskie krest'jane  v XVI-XVIII  vv.,
       Leningrad 1978,  S. 247 (Die französische Bauernschaft im 16.-18.
       Jahrhundert, Leningrad 1978).
       25) S.D. Skazkin, Op. cit., S. 201-202.
       26) Archives Nationales (im folgenden: AN), D HI 139.
       27) AN, F 10 BB.
       28) Albert Soboul. Propriété foncière et condition de terres dans
       l'Europe Napoléonien.  Le Cas  de la France - XV Congrès interna-
       tional des  sciences historiques.  Rapports,  t.  III.  Bucarest,
       1980, S. 394.
       29) AN, D III 112.
       30) Ebenda. Die Petition trägt kein Datum und wurde dem Gesetzge-
       benden Komitee am 28. Fructidor des Jahres III übermittelt.
       31) Vgl. hierzu:  A.V.Ado, K istorii bor'by za provedenie z zizn'
       agrarnogo zakonodatel'stva  jakobincev, in: Francuzskij ezegodnik
       1967. Moskau 1968 (Zur Geschichte des Kampfes um die Realisierung
       der  Agrargesetzgebung  der  Jakobiner,  in:  Frankreich-Jahrbuch
       1967.
       32) Jean Millot.  L'abolition des  droits seigneuraux dans le de-
       partement du Doubs et la region comtoise. Besançon, 1941, S. 212.
       33) Pierre Massé.  Survivances des  droits féodaux  dans  l'Ouest
       (1793-1902), in:  Annales historiques de la Révolution française,
       1965, N 181; Georges Lefebvre, Questions agraires aux temps de la
       Terreur. 2-e éd. La Roche-sur-Yonne, 1954, S. 112.
       34) Albert Soboul,  Op. cit.,  XV Congres  intern,  des  sciences
       bist. Rapports, t. HI. Bucarest, 1980, S. 339.
       35) N.M. Lukin,  Izbrannye trudy,  Band I,  Moskau 1960,  S. 340,
       Anm. 54; A. Soboul, Op. cit., S. 406.
       36) Vgl. die  Untersuchung von  F. Gauthier  über das  Gebiet von
       Amiens (Picardie):  Florence Gauthier,  La voie  paysanne dans la
       Revolution française. L'exemple picard. Paris 1977.
       37) Hernani Resende. Egalitarisme et question agraire dans la Ré-
       volution française, in: Contributions à l'Histoire paysanne de la
       Révolution française. Paris, 1977, S. 117.
       

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