Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       DIE ARMEE DER REVOLUTION UND DIE ENTSTEHUNG DES MODERNEN KRIEGES
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       Eberhard Dähne *)
       
       1. Zur  ökonomischen und  sozialen Struktur  Frankreichs - 2. Zur
       französischen Kriegsmacht am Vorabend und in der ersten Phase der
       Revolution -  einzelne Waffengattungen - 3. Veränderungen der Ar-
       mee, vor allem der Infanterie, im Verlauf der Revolution - 4. Der
       "totale Krieg"  - 5. "Friede den Hütten ..." - Zur Rolle von Agi-
       tation und Propaganda - 6. Der Krieg ernährt den Krieg - Zur Ver-
       selbständigung des militärischen Apparats
       
       1953. Die  Franzosen begannen  sich bei Dien Bien Phu einzuigeln.
       "Jahrelang hatten  die Stäbe  in Hanoi  davon geträumt, dem Feind
       endlich in  offener Feldschlacht  zu begegnen und ihn zu vernich-
       ten." 1)  Oberbefehlshaber Navarre  und Festungskommandant de Ca-
       stries gingen  davon aus,  daß es unmöglich sei, Artillerie durch
       den Gebirgsdschungel zu transportieren.
       200 000 Menschen,  die 50 000  Fahrräder in Bewegung hielten, und
       die Armee  der  Volksbefreiungsfront  widerlegten  die  Experten.
       "Schon unter  den ersten Salven der Belagerer brachen die Vertei-
       digungsanlagen der  Franzosen, die  allenfalls auf  Granatwerfer-
       feuer eingerichtet  waren, zusammen."  2) Dien  Bien Phu  kapitu-
       lierte am 7.5.1954. Hätten die Generäle doch die Geschichte ihres
       Volkes aufmerksamer studiert.
       
       1.) Zur ökonomischen und sozialen Struktur Frankreichs
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       Frankreich war  gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach England, den
       Niederlanden und  Holland das entwickeltste Land der Welt. Insge-
       samt noch  Agrarland, nahm  die Schwerindustrie in den Jahren vor
       der Revolution  einen stürmischen  Aufschwung, andere  Industrien
       und Manufakturen produzierten mit Zuwachsraten. Der Kolonial- und
       Außenhandel vervierfachte  sich zwischen 1716 und 1789  3), womit
       eine Ausweitung  der Handels- und Kriegsflotte einherging. Die in
       der  Zeit   Colberts  (1619"1683)   oder  in   seiner   Nachfolge
       (Chausseen) entstandene  Verkehrsinfrastruktur war beeindruckend,
       was für  die zunächst  auf der "Inneren Linie" geführte Verteidi-
       gung der Republik wichtig war. 4)
       Die ausweglose  Lage der  Staatsfinanzen und die "allgemeine Zer-
       rüttung" am  Vorabend der Revolution ist relativ zu den desolaten
       Zuständen in anderen Ländern zu sehen.
       
       Einwohnerzahlen und  -dichte, Landtruppen und Seestreitkräfte eu-
       ropäischer Staaten um 1800
       
       Land                Einwohner      Landtruppen       Schiffe
                       in Mio. pro qkm a)   in 1000     Linien/Fregatten
       
       Rußland          36,4       9          510           60/100
       Frankreich b)    32,4      56          601           32/40
       Österreich-
       Ungarn c)        23,8      38          356            -/26
       Italienische
       Staaten d)       15,3      54          100            8/22
       England          15,0      46          200          242/279
       Spanien          10,7      21           76           67/44
       "Deutschland" e) 12,0      44          160            -/-
       Preußen f)        9,9      32          240            -/-
       Portugal          3,3      31           45           10/5
       Schweden g)       3,3       4           48           26/13
       Dänemark h)       2,5       5           75           23/23
       Batavische
       Republik i)       1,9      67           23           16/15
       _____
       a) von  geografischen Quadrat-Meilen  (ca. 55  qkm) auf qkm umge-
       rechnet; b)  abzüglich eines  Teils der linksrheinischen und ita-
       lienischen Departements; zum Zeitpunkt des Friedens von Luneville
       umschlossen die  Grenzen 35,2  Millionen Einwohner; c) Ohne Vene-
       dig, Dalmatien;  d) einschl.  Venedig, Dalmatien, Sardinien, aber
       ohne die  französisch gewordenen  Departements; e)  ohne Preußen,
       die habsburgischen  Lande, Schleswig und Holstein, Vorpommern so-
       wie die nach Frankreich eingegliederten Departements; f) einschl.
       Ansbach/Bayreuth, Neuenburg  und der  bei der  3. Teilung  Polens
       (24.10.1795) annektierten  Gebiete; g)  einschl.  Vorpommern  und
       Finnland, h) einschl. Schleswig, Holstein, Norwegen, Island, i) =
       Holland und Niederlande
       Quelle: Zusammengestellt und  berechnet nach Georg Kassel, Stati-
       stischer Umriß  der sämtlichen  Europäischen Staaten  in Hinsicht
       ihrer Größe,  Bevölkerung, Kulturverhältnisse,  Handlung, Finanz-
       und Militärfassung  und ihrer  außereuropäischen Besitzungen, Er-
       ster Theil, Braunschweig 1805.
       
       Frankreich war  am Vorabend  der Revolution  mit ca. 25 Millionen
       Einwohnern das  volkreichste Land  Mittel- und  Westeuropas;  die
       hohe Bevölkerungsdichte  unterstreicht das  relativ hohe Entwick-
       lungsniveau. Die  Masse der  Bevölkerung wohnte  auf dem "flachen
       Land"; in  Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern um 1800 ca. 2,8
       Millionen, also weniger als 10% der Gesamtbevölkerung.
       Zumal in  der ersten  Phase der Revolution "explodierte" die Zahl
       der Geburten.  Die Ursachen dafür dürften in dem von Abgaben ent-
       lasteten erweiterten  Nahrungsmittelkonsum, der Stellenvermehrung
       infolge der  Aufteilung der Nationalgüter (und in der Art wie sie
       erfolgte) 5) und dem endgültigen Zusammenbruch der traditionellen
       Bevölkerungsweise zu  suchen sein.  1790 stieg  die Zahl der Ehe-
       schließungen um 25 %, was tendenziell anhielt 6).
       Vom 11.  Januar bis  zum 7. Oktober 1813 wurden z.B. 840 000 Mann
       ausgehoben 7).
       
       2. Zur französischen Kriegsmacht am Vorabend und in der
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       ersten Phase der Revolution - einzelne Waffengattungen
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       Das Ansehen  der französischen Armee beim Volk war bescheiden wie
       in allen  Ländern Europas.  Michelet zitiert  Quesnay: "Die Söhne
       der Landwirte  haben solches Grauen vor dem Heeresdienst, daß sie
       lieber das  Land verlassen und sich in den Städten verbergen" 8).
       Die spezifische historische Entwicklung 9) und die Ideen der Auf-
       klärung führten  aber dazu,  daß die  Behandlung der   G e m e i-
       n e n   menschlicher als z.B. in Preußen war. "Der Kriegsminister
       Saint-Germain führte  1776 die  preußischen Stockprügel  ein; die
       geprügelten Soldaten  erschossen sich, und die Stockprügel mußten
       noch im  selben Jahr abgeschafft werden." 10). Das galt nicht für
       die Hilfstruppen,  die im Solde des französischen Königs standen.
       Vor allem bei den Schweizern waren noch barbarische Körperstrafen
       üblich.
       Übereinstimmend -  so auch  von Lafayette 11) - wird die Qualität
       des   U n t e r o f f i z i e r s k o r p s  - das eben kein Prü-
       gelapparat war  - gelobt. Die Unteroffiziere spielen im Revoluti-
       onsprozeß der  Armee eine große Rolle. Der konstitutionell einge-
       stellte Kriegsfreiwillige  Gabriel Noel beobachtet mit Mißfallen:
       "unter den  Unteroffizieren gibt  es eine  große Zahl  Aufrührer,
       Agitatoren, vielleicht  bezahlte Agenten, die fortwährend mit den
       Freiwilligen zusammenstecken und ihren Geist verderben." 12)
       Michelet schätzt  ihren Einfluß  auf die Freiwilligen anders ein:
       "Die Lehrmeister,  die sie  unterrichteten und  ihre Begeisterung
       disziplinierten, die  gleich einer Feuersäule vor ihnen herzogen,
       das waren  die Unteroffiziere  oder Soldaten  des ancien  régime"
       13). Schon  im Frühjahr 1792 werden die Korporale (in der preußi-
       schen Armee die "Stockmeister") von den Soldaten gewählt! 14)
       Das französische   O f f i z i e r s k o r p s    war  aristokra-
       tisch. Die höheren Dienstgrade wurden schon immer dem Adel vorbe-
       halten. Auch  für die  niedrigen Dienstgrade war seit 1780 vorge-
       schrieben, daß  sie vier Generationen adeliger Vorfahren nachwei-
       sen mußten. Aber schon vorher waren im Grunde nur noch Artillerie
       und Geniekorps  für Bürgersöhne zugänglich. Die niedrigen Dienst-
       grade waren manchmal Freimaurer, und es gab gesellige Einigungen,
       die sich  "Callotiner" nannten  und nur  Offiziere bis zum Haupt-
       mannsrang aufnahmen. Napoleon formulierte 1788 die Verfassung der
       entsprechenden Vereinigung von Auxonne im Geiste Rousseaus 15).
       Wie bei  anderen feudalistischen Armeen gab es auch bei den Fran-
       zosen das System der Regimentskassen, aus denen die laufenden Ko-
       sten bestritten  wurden und die zur zusätzlichen Bereicherung der
       Kommandeure dienten.  Abgesehen davon,  daß die höheren Offiziere
       schon frühzeitig  emigrierten und  die mittleren,  teilweise auch
       die unteren  Ränge vielfach den Bürgereid verweigerten, kam es zu
       Konflikten, als  die Soldaten  und Unteroffiziere Rechnungslegung
       über diese Kassen verlangten 16). "So vollzog sich die natürliche
       Trennung: Der  Soldat näherte  sich dem  Volke, der  Offizier dem
       Ausland" 17). Schon recht früh wurde aufgrund dieser Auseinander-
       setzungen die  Kassenverwaltung Verwaltungsräten  auf  Bataillon-
       sebene übertragen:  "Man hat  da einen  Kapitän, einen  Leutnant,
       einen Feldwebel, einen Sergeanten, einen Gefreiten und vier Frei-
       willige hinein zu wählen" 18).
       Das Ausbildungsprogramm  der französischen  Linien -   I n f a n-
       t e r i e   war partiell  eine Kopie  des  preußischen  Exerzier-
       reglements, das  seine Überlegenheit  im 7-jährigen  Krieg (Frie-
       densschluß zu Hubertusburg 1763) bewiesen hatte: Lineartaktik mit
       Soldaten, die zu Schießmaschinen gedrillt waren 19).
       23 Handgriffe  waren zu Zeiten des "Alten Dessauers", der den ei-
       sernen Ladestock  erfunden hatte, notwendig, um einen Schuß abzu-
       feuern. Die Preußen brachten es zu dieser Zeit auf drei Schuß pro
       Minute 20).
       Neben dieser  Hauptstreitmacht gab  es -  vor allem bei der deut-
       schen Infanterie (stark bei den Hessen) - Jägereinheiten, die mit
       relativ zielsicheren  Büchsen (gezogene  Läufe) bewaffnet  waren.
       Dieses Gewehr  war aber  sehr umständlich  zu laden,  und es ließ
       sich kaum  mit einem Bajonett bewehren. Diese Jäger tiraillierten
       und waren  auf Einfangen von Deserteuren abgerichtet. Wegen ihrer
       bevorzugten Stellung und Bewegungsfreiheit wurden sie überwiegend
       aus Nachkommen  von Staatsbeamten,  etwa  Jägern,  Dorfvorstehern
       usw., rekrutiert.
       Die angedeuteten  Fähigkeiten der  Linien-Infanterie konnten  nur
       über einen  ungeheuren Drill  erlangt werden: Jeder Handgriff und
       Schritt mußte  gewissermaßen zur ersten Natur geworden, menschli-
       che Regungen  zur zweiten erniedrigt sein. Und das galt nicht nur
       für jeden einzelnen Soldaten, sondern auch für die jeweilige For-
       mation -  gefeuert wurde  gruppenweise in Pelotons von außen nach
       innen -  und für  diese in der gesamten Linie; die Armee im Manu-
       fakturzeitalter.
       Die Qualität  dieser gedrillten Soldaten machte sie zu wertvollen
       Objekten. Daraus  erklären sich die mannigfachen Vorkehrungen, um
       sie vor  Erkrankungen zu schützen, sie im Feldzug gut zu ernähren
       und sie  (den jeweiligen  Umständen entsprechend) schonend einzu-
       setzen; schließlich wirksame Maßnahmen gegen Desertion zu treffen
       21). Viele Merkmale der Kriege des Feudalzeitalters erklären sich
       zum Teil  aus den  skizzierten spezifischen  Eigenheiten und  dem
       Wert der Infanterie 22).
       Das französische  Infanteriegewehr -  eingeführt 1777  - galt als
       das modernste seiner Zeit. Es unterschied sich nicht in der tech-
       nischen Gesamtkonzeption, aber in vielen kleinen Einzelheiten von
       anderen Batterieschloßgewehren. "Infolge der Umrüstung der Artil-
       lerie auf  Geschütze des  Systems Gribeauval im Jahre 1774 werden
       auch die Handfeuerwaffen von Seiten der Artilleriefachleute einer
       kritischen Prüfung  unterzogen und folgende ... Neuerungen einge-
       führt: Systematische  Erfassung sämtlicher Waffenteile in Propor-
       tions- und Dimensionstabellen zwecks gleichartiger Herstellung in
       den staatlichen  Manufakturen; geänderte  Hahnform  ...  Messing-
       pfanne, die  der Korrosion besser widersteht (und in der sich we-
       niger Pulverreste  festsetzen, d.  Verf.); Befestigung  des Laufs
       mittels dreier  Laufringe und  verbesserter,  stärker  gekrümmter
       Kolben mit ausgeschnittener Backe" 23) (wodurch es überhaupt erst
       möglich wurden ein Ziel anzuvisieren, d. Verf.). 1800/1801 werden
       weitere Verbesserungen vorgenommen.
       Auch beim genannten "System Gribeauval" wurden (abgesehen vor der
       Verbesserung der  Lafettierung) keine  grundlegenden  technischen
       Veränderungen bei  der  A r t i l l e r i e  vorgenommen 24). Die
       Reform bestand im wesentlichen in einzelnen, kleinen Verbesserun-
       gen sowie  einer Systematisierung  und Normierung der Einzelteile
       und ihrer Produktion, was die Reparatur vor Ort erleichterte. Den
       Artillerieeinheiten wurden  Feldschmieden und Handwerkerkompanien
       beigegeben, was in Preußen erst seit 1808 erfolgte 25).
       Im Zuge  der Systematisierung  wurde schließlich die Belagerungs-
       von der  Feldartillerie getrennt und "die Vierpfünder auf die In-
       fanterie verteilt,  wobei jedes  Bataillon 2 erhielt" 26). In der
       Schlacht bei  Wattignies (16.10.1793) entschied unter anderem die
       beim Sturm  mitgefühlte Artillerie  über den Sieg des linken Flü-
       gels und die Schlacht 27).
       "Dank der  Verbesserungen Gribeauvals  übertraf die  französische
       Artillerie während  der Revolutionskriege jede andere und entwic-
       kelte sich in den Händen Napoleons bald zu einer Waffe von bisher
       unbekannter Wirksamkeit" 28).
       An der französischen  K a v a l l e r i e  läßt Engels kein gutes
       Haar. "Die  Franzosen sind  entschieden die  schlechtesten Reiter
       Europas und  ihre Pferde, die gut vor dem Wagen sind, eignen sich
       nicht für  den Sattel." 29). Dies hatte sich durch die Revolution
       verschärft. Zum  einen waren aus dieser traditionell aristokrati-
       schen Waffenart die Offiziere als erste übergelaufen. Zum anderen
       bestand die  leichte Kavallerie  zum großen  Teil  aus  deutschen
       Söldnern. Deutsche Husaren, nebenbei im Einfangen von Deserteuren
       gedrillt, nehmen  in einer  Stärke von  1400 Mann  am Blutbad von
       Nancy teil,  sind Bedeckungstruppe  bei der  gescheiterten Flucht
       von Ludwig dem XVI. und begleiten den Überläufer Dumouriez 30).
       Scharnhorst gesteht der französischen Kavallerie zu, daß sie man-
       gelndes Können  zum Teil durch Schneid ersetzte und die berittene
       Artillerie häufig das Schlimmste verhütete 31). "Diese Waffengat-
       tung fand  wieder die  vollste Aufmerksamkeit  und war sehr zahl-
       reich in  den französischen Armeen vertreten, in denen ihre rich-
       tige taktische Verwendung zuerst praktisch begründet wurde." 32)
       Die Engländer  legten, nachdem  sie im amerikanischen Unabhängig-
       keitskrieg die  Seeüberlegenheit gegen  die vereinigten  F l o t-
       t e n   Frankreichs, Spaniens  und Hollands  zeitweilig  verloren
       hatten, ein  Flottenbauprogramm auf.  Die  in  der  Tabelle  dar-
       gestellte drückende Überlegenheit um 1800 (141 Linienschiffe 7279
       Fregatten der  Engländer gegen  115 bzw.  99 Schiffe Frankreichs,
       Spaniens und der Batavischen Republik) zeichnet das Bild nach der
       Seeschlacht von  Abukir (17.8.1798)  und der  verlorenen Schlacht
       der Spanier bei Samt Vincent (1797).
       Die französische  Flotte - Engels urteilt, daß die Schiffe besser
       konstruiert gewesen  seien und  günstigere Segeleigenschaften als
       die englischen  besessen hätten  33) - hat im Verlauf der Revolu-
       tion herbe  Verluste. Das  gesamte Offizierskorps emigrierte, und
       am 27.8.1793 wird Toulon mit der Mittelmeerflotte, allen Vorräten
       und Werften  an die  damals  verbündeten  Engländer  und  Spanier
       ausgeliefert. Die 1793 einsetzenden Reorganisationsbemühungen des
       Wohlfahrtsausschusses müssen Flickwerk bleiben, weil Personalver-
       luste im  manu-fakturellen Segelschiffzeitalter, wo Augenmaß, Er-
       fahrung und  Drill die  Qualifikation ausmachen,  in kurzer  Zeit
       nicht auszugleichen  sind. Das  Seegefecht vor  Brest Anfang Juni
       1794 -  bei dem  die Franzosen einen amerikanischen Lebensmittel-
       konvoi in  den Hafen  geleiten - bezahlen sie mit dem Verlust von
       sechs Linienschiffen 34).
       Auch wenn numerische Überlegenheit bestand, unterliegen Franzosen
       und Spanier.  Bei Trafalgar (21.10.1805) kämpfen 27 Linienschiffe
       unter Nelson gegen 33 der Franzosen und Spanier, von denen nur 11
       Schiffe entkamen.  Die Stärke der Engländer beruhte in der Haupt-
       sache auf  der besseren  Ausbildung der  Seeoffiziere  und  eines
       Stamms von  Seeleuten, die,  wie damals  überall, ihre "Karriere"
       als "Gepreßte"  begonnen hatten.  Zwar war  auch in  England  die
       Flotte  eine   der  vorrangigen  Beschäftigungsmöglichkeiten  der
       nachrangigen Söhne der Landlords, aber die Trennlinie zum Bürger-
       tum war  nicht scharf gezogen. Nelson - Sohn eines Landpfarrers -
       befehligt bereits  im Alter von 21 Jahren eine englische Fregatte
       im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
       Die englischen  Schiffe waren  zudem mit  Karronaden ausgestattet
       (ein kurzes Geschütz aus Gußeisen (!), 1779 in einer schottischen
       Gießerei in  Carron hergestellt  35). 1781  - also nur zwei Jahre
       später! -  waren schon  "429 Schiffe  der britischen Kriegsmarine
       über ihre reguläre Bestückung hinaus mit 6 bis 10 Karronaden aus-
       gestattet" 36). Ihre Wirkung war unter einem Kilometer Schußweite
       verheerend.
       
       3. Veränderungen der Armee, vor allem der Infanterie,
       -----------------------------------------------------
       im Verlauf der Revolution
       -------------------------
       
       Am Beginn des ersten Koalitionskrieges 1792 - die mit den preußi-
       schen und  österreichischen Truppen  vorrückende Konterrevolution
       und ihr  weißer Terror  (die weißen Kokarden gegen die blau-weiß-
       roten der Republik) wüten bereits - spendet ein kleines französi-
       sches Dorf 300 000 Franken. "Geht der Bauer einmal soweit, daß er
       sein Geld  anbietet, so gibt er sein Blut ohne weiteres; er gibt,
       er verschwendet  es" 37). Das ganze Frankreich - und es ist immer
       noch überwiegend Bauernland - steht auf wider die Tyrannen. Jeder
       Vorteil, den  sich die  Invasionsarmeen erkämpfen, zerrinnt, kann
       in einem  feindseligen Land  nicht ausgenutzt  werden, gegen "den
       Bauern, der  vom Rhein bis zur Marne bewaffnet auf seiner Scholle
       steht" 38).  Die Invasionsarmee des Herzogs von Braunschweig wird
       nicht nur  durch den  Bewegungskrieg  in  den  Argonnen  und  die
       Schlacht bei  Valmy zum Rückzug gezwungen 39). "Das Getreide ver-
       schwand, und  als hätte  ein Sturmwind  es entführt,  enteilte es
       nach Westen.  Nur eines blieb auf dem Weg des Feindes zurück, die
       unreifen Trauben, Krankheit und Tod." 40)
       Ganz ähnlich  beschreibt Lenin  die Situation  der  Denikin-  und
       Koltschak-Armeen  im   Interventionskrieg  gegen  die  junge  So-
       wjetunion 41).
       Auch die  Masse der  Soldaten kam  vom Land und aus kleinen Land-
       städten. Spätestens seit der Aushebung der 300 000, freilich mel-
       deten sich  nur 160 000   42),  auf alle Fälle nach der Aushebung
       von sieben  Jahrgängen infolge des "Gesetzes über das Volksaufge-
       bot (levée  en masse)" vom 23.8.1793, bestand die Armee - die bis
       1794 auf  1,2 Millionen  Mann anschwoll - überwiegend aus Bauern-
       jungen.
       Mit dem  Fortschreiten der  Revolution und dem Prozeß der Heraus-
       bildung des französischen Parzellenbauern bedeutete "Verteidigung
       des Heimatlandes"  stets zweierlei:  Verteidigung des eigenen Bo-
       dens, der  in einem Dorf in der Republik Frankreich lag. Napoleon
       - dem  dieses Problem  stets bewußt war - stellt in seiner ersten
       Rede nach  seiner Landung  von Elba  sinngemäß die  Frage: "Wollt
       Ihr, daß  Euch Land  wieder weggenommen wird?" Und noch sein ent-
       fernter Verwandter, der sich viele Jahre später mit dem Titel Na-
       poleon III. schmückt, kann an dieses Bewußtsein anknüpfen 43).
       Nur wenige  Bauernsoldaten -  dazu sind  sie als angehende kleine
       Warenproduzenten viel  zu nüchtern - dürften freilich so weit ge-
       gangen sein,  wie der  Freiwillige Joliclerc, der an seine Mutter
       schreibt: "Unser  Leben, unser  Vermögen und unsere Gaben gehören
       nicht uns. Das gehört alles der Nation, dem Vaterland" 44). Wobei
       wir inzwischen  wissen, für welche unehrenhaften und verbrecheri-
       schen Zwecke  ein derartiger klassenneutraler Patriotismus in den
       modernen Kriegen des Imperialismus mißbraucht wurde.
       Diese soziale Zusammensetzung der Armee hatte verschiedene Konse-
       quenzen, die  durchaus nicht  nur vorteilhaft waren. Der Freiwil-
       lige Noel, der aus besseren Kreisen stammte, schreibt am 6.2.1792
       empört, "ein großer Teil der Landleute, die unter uns sind, haben
       keinen anderen  Wunsch als nach Hause zurückzukehren, um ihre Äc-
       ker zu  bestellen" 45). Etwas Ähnliches spielte sich dann mit den
       Freiwilligen vom Sommer und Herbst 1792 ab 46), die sich vielfach
       nur für  ein halbes  Jahr verpflichtet hatten. Trotz der beschwö-
       renden Worte  des Konvents  "Bürger, das  Gesetz erlaubt es Euch;
       der Patriotismus  verbietet es"  schrumpfte die  Armee vom Herbst
       1792 bis zum Frühjahr 1793 von 400 000 auf 250 000 Soldaten 47).
       Die Bauernsoldaten  wollten natürlich  nicht Äcker bestellen, das
       taten ihre Väter, Mütter und Schwestern, sondern nachschauen, was
       die in  verschiedenen Etappen  verlaufende Neugestaltung  der Be-
       sitzverhältnisse auf  dem Land  an Veränderung  und Chancen  bot.
       Auch hier die Parallele zu Rußland, wo sich nach der Oktoberrevo-
       lution die Armee auflöst.
       Das Problem  trat aber  nicht nur  bei der Truppe auf, die an den
       Grenzen stand,  sondern auch  bei der  Nationalgarde im Land. Mit
       Erlaß vom  28. Dezember  1791 mußten  die Gardisten  sich für ein
       Jahr verpflichten, unter der Androhung einer Strafe, die den Wan-
       del gesellschaftlicher  Verhältnisse  und  des  Bewußtseins  mar-
       kierte: Wer  sich nicht  daran hielt,  wurde damit bestraft "zehn
       Jahre lang der Ehre, Soldat zu sein, verlustig zu gehen" 48).
       Die Bauernsoldaten, die wußten, wofür sie kämpften, waren relativ
       anspruchslos und  hatten ein, "Gefühl" für das Relief einer Land-
       schaft, für  die taktischen  Möglichkeiten von Gehölzen, Gebäuden
       usw. (seit  Moltkes Zeiten greinen die Militärs darüber, daß dies
       bei den immer mehr verstädterten Soldaten verloren gegangen sei).
       Das gleiche hatte sich im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ab-
       gespielt. Die  Farmer kämpften  zunächst in aufgelösten Schützen-
       schwärmen und  schossen mit ihren Gewehren und Büchsen aus Gehöl-
       zen und  Gebäuden. Bei  den ersten  Schlachten von  Lexington und
       Concord (19.4.1775)  verloren die  Engländer jeden  dritten Mann,
       während die Verluste der tiraillierenden Amerikaner minimal waren
       49). Dieses Moment der neuen Infanterietaktik verdankte sich also
       nicht nur  der Tatsache,  daß für die Freiwilligen nur wenig Aus-
       bildungszeit vorhanden  war. Sie setzte sich gewissermaßen natur-
       wüchsig durch;  auch deshalb,  weil die  in den  alten Formen ge-
       drillte Infanterie nur noch weniger als 100 000 Mann betragen ha-
       ben dürfte.  Sie hatte zudem den Vorteil, daß sie die Unterlegen-
       heit an  Kavallerie -  deren massenhafter Einsatz offenes Gelände
       voraussetzt -  zum Teil  ausglich. "Und  es ist  eine ausgemachte
       Wahrheit" -  schreibt Scharnhorst  - "daß  die französischen  Ti-
       railleurs den größten Teil der Affären in diesem Kriege entschie-
       den haben" 50).
       Die Tirailleurtaktik  eignete sich für jedes Gelände, war Vertei-
       digungs- und  Angriffsmittel. Schlachtentscheidend waren aber die
       hinter den  Schützenschwärmen -  je nach  den Umständen sich auch
       aus ihnen  bildenden -  Schützenkolonnen,  die  geballt  auf  die
       schwachen Stellen des Gegners losbrachen. Angewandt wurde die Ko-
       lonnenform erstmals  bei Jemappes  (6.11.1792), wo  sie nach  der
       Beschreibung von  Michelet zum  Teil durch  das Gelände unterhalb
       der stark  verschanzten Österreicher  erzwungen wurde  51).  Eine
       vielleicht noch  wichtigere Rolle spielte die Zusammensetzung des
       "Volksaufgebots", das  neben der  alten Linieninfantrie  "aus wer
       weiß wieviel Banden von Freiwilligen bestand, die teils ohne Uni-
       form waren,  teils die verschiedenen Uniformen der Föderation von
       1790 trugen.  Ein Bataillon ... war noch in den Leinenkitteln mit
       der Bauernmütze  ... Jedes  Korps bildete  sich aus den einzelnen
       Städten oder  Dörfern, den  Bezirken, den  Freundschaften und be-
       nannte sich, wie es ihm gefiel." 52)
       Bei  Jemappes   entfaltete   sich   auch   das,   was   wir   als
       "republikanische Raserei"  bezeichnen. Die  Kolonnen gingen unter
       dem gemeinsamen Gesang der "Marseillaise" und dem Schlachtruf "ça
       ira!" vorwärts. Obwohl es mehrmals kritische Situationen gab, gab
       es kein  Halten, wobei  die österreichischen Söldner "eine solche
       Raserei nicht begriffen" 53).
       Auch dieses  zweite Moment  der neuen  Taktik,  die  Kolonnenform
       (und, im  übertragenen Sinne,  auf einen ganzen Feldzug bezogen),
       die Konzentration der Kräfte, entstand zunächst spontan und wurde
       in seiner Bedeutung nicht begriffen. Engels schreibt über Carnot:
       "Was mich  an der ihm zugeschriebenen Erfindung des Massenkrieges
       pour sa part (für seinen Teil, der Verf.) zweifeln macht, ist be-
       sonders, daß  seine weitaus gehendsten Pläne von 1793/94 geradezu
       auf der  entgegengesetzten Kriegsmanier  beruhten; er  teilte die
       französischen Armeen, statt sie zu konzentrieren" 54). In den An-
       weisungen ist  auch sehr  häufig von Umgehen, Einkesseln usw. die
       Rede; Manöver,  die schon  wegen der unterlegenen Kavallerie ris-
       kant waren.  Einer der  ersten, der  das erkannte, war der damals
       25-jährige General  Hoche (Sohn eines Stallknechts und beim Sturm
       auf die Bastille Korporal). In einem Brief vom August 1793 an das
       Mitglied des  Wohlfahrtsausschusses, Couthon:  "... pflanzen  wir
       uns kühn  im Zentrum der feindlichen Armeen auf, stärker in unse-
       rer Vereinigung als jede von ihren getrennten; von der Armee, die
       wir besiegt haben, wollen wir auf die losmarschieren, die wir be-
       siegen werden!"  55) Saint-Just  formuliert im Oktober 1793: "Das
       Kriegssystem der  französischen Armee  muß die  Stoßtaktik sein."
       56)
       Auch das  dritte Moment  der neuen  Infanterietaktik -  die  Ein-
       schränkung der  Bagage und die Abschaffung der Mannschaftszelte -
       setzte sich nur zögernd durch. Bei der Moselarmee z.B. wurden die
       Zelte im  Dezember 1793  abgeschafft. 57)  Auch dies  wird später
       allgemein, wobei  Clausewitz überzeugend  begründet, daß  "in der
       Verminderung des  Trosses mehr  eine Einsparung  von Kräften  als
       eine Beschleunigung  der Bewegungen"  liegt 58).  Er rechnet vor,
       daß, abgesehen  von der  Bedeckung des Trosses, für die Zelte von
       100 000 Soldaten  6000 Zeltpferde  erforderlich sind; stattdessen
       können 5000  Mann Reiterei oder ein paar Hundert Geschütze mitge-
       führt werden 59).
       Auch die  neue Gliederung  der Armee, die zwingend aus der Kolon-
       nenformation hervorging,  brauchte ihre  Zeit.  Zunächst  gab  es
       Halbbrigaden, die  die skizzierte  Buntscheckigkeit  beseitigten,
       aus den  spontanen Kolonnen  Einheiten der  französischen  Natio-
       nalarmee machten.  Aus ihnen gingen dann im Laufe des Jahres 1794
       die Divisionen  hervor, die Infanterie, Kavallerie und Artillerie
       vereinigten. "So wurde jede Division zu einer vollständigen Armee
       kleineren Formats,  fähig zum selbständigen Handeln und mit einer
       beachtlichen Widerstandskraft  auch gegenüber  einem  zahlenmäßig
       überlegenen Feind." 60)
       Am 2.2.1794  formulierte der Wohlfahrtsausschuß dann die Doktrin,
       die Teile  der neuen Erkenntnisse zusammenfaßte: "Immer in Massen
       handeln und  zwar offensiv; ... die Truppe stets in Bewegung hal-
       ten, ohne  sie zu  erschöpfen ... bei jeder Gelegenheit den Kampf
       mit der  blanken Waffe aufnehmen und den Feind beharrlich verfol-
       gen bis zu seiner vollständigen Vernichtung." 61)
       Daß die  Momente der  neuen  Infanterietaktik  sich  nur  zögernd
       durchsetzten, hatte auch damit zu tun, daß das Offizierskorps und
       die Generalsebene  neu formiert  werden mußten. Die Anforderungen
       an die  Kommandeure aller  Ebenen waren  ungemein gestiegen.  Wie
       Blücher waren  aber noch viele Generäle Napoleons "nicht imstande
       eine Karte  zu lesen" 62). Schon seit Beginn des Jahres 1793 wur-
       den die  Unteroffiziere von  den Mannschaften gewählt. Diese wie-
       derum bezeichneten  für zwei Drittel der höheren Grade "drei Kan-
       didaten mit einem Grad unter dem zu vergebenden; die Chargen die-
       ses Grades, mithin die Gleichrangigen wählten dann unter den drei
       Vorgeschlagenen" 63).  Das letzte  Drittel blieb für die Beförde-
       rung von  Berufsoffizieren; die Generäle wurden von der Exekutive
       ernannt.
       Die höhere  Qualifikation war natürlich auch bei den Soldaten er-
       forderlich. Interessant  ist das Maß an politischer Bildung - ab-
       zulesen an den vielen Lesern der linken Presse 64) und der allge-
       meinen Teilnahme  am politischen Leben. In der Armee erhielt sich
       der jakobinische Geist am längsten, und in den Kriegspausen heim-
       kehrende Soldaten  waren meistens  entschiedene Gegner  der  sich
       nach dem Thermidor überall regenden, verschiedenen Spielarten der
       Konterrevolution. 65)
       Durch die  Revolution wurde "mit einem Male eine ganz andere Welt
       von kriegerischen  Erscheinungen" eröffnet,  "die   a n f a n g s
       e t w a s   r o h  u n d  n a t u r a l i s t i s c h,  dann spä-
       ter unter  Bonaparte in  eine großartige  Methode zusammengefaßt,
       Erfolge hervorbrachte."  66) Diese "moderne Kriegsführung ist das
       notwendige Produkt  der Französischen Revolution. Ihre Vorausset-
       zung ist  die soziale und politische Emanzipation der Bourgeoisie
       und der  Parzellenbauern. Die  Bourgeoisie schafft  das Geld, die
       Parzellenbauern stellen die Soldaten" 67).
       
       4. Der "totale Krieg"
       ---------------------
       
       Als die  deutsche Armee Leningrad einschloß, betrug das quantita-
       tive Kräfteverhältnis  nach Menschen und Waffen zugunsten der Fa-
       schisten (am  10.7.1941): Infanterie  usw. 2,4:1; Artillerie 4:1;
       Panzer 1,2:1;  Flugzeuge 10:1.  Als die Rote Armee Leningrad ent-
       setzte, betrug  das quantitative  Kräfteverhältnis an  der Lenin-
       grader  und   Wolchowfront  (14./15.1.1943)   zugunsten  der  So-
       wjetunion: Soldaten 1,7:1; Artillerie 2,1:1; Panzer und Geschütze
       auf Selbstfahrlafetten 3,8:1; Flugzeuge 4,1:1  68).
       Wer hat  einen größeren  Anteil am Sieg im Großen Vaterländischen
       Krieg, die  Soldaten, die die Waffen gebrauchten, oder die Frauen
       und Männer, die sie produziert hatten? Die dafür sorgten, daß die
       Soldaten auch zu essen hatten, bekleidet waren usw.?
       Das ist  das Neue, was mit den Verteidigungskriegen der Französi-
       schen Revolution  in die  Welt trat und später auch Triebkraft in
       ihrer Angriffs- und Okkupationsphase und seitdem aller imperiali-
       stischen Schlächtereien war: die totale Mobilisierung des Volkes.
       So hieß es u.a. im berühmten "Dekret zur allgemeinen Volksbewaff-
       nung" (die  "levee en  masse") des  Konvents vom 23. August 1793:
       "Artikel I.  Von jetzt  an bis zu dem Tage, an dem die Feinde vom
       Gebiet der  Republik vertrieben sind, unterliegen  a l l e  Fran-
       zosen der   s t ä n d i g e n   Heeresdienstpflicht.  Die  j u n-
       g e n   M ä n n e r   ziehen in  den Kampf, die  v e r h e i r a-
       t e t e n   schmieden Waffen  und befördern  die Verpflegung; die
       F r a u e n   fertigen Zelte  und Uniformen  und leisten  in  den
       Lazaretten Dienst,  die   K i n d e r  zupfen altes Leinenzeug zu
       Scharpie,   d i e   A l t e n   lassen sich  auf die öffentlichen
       Plätze tragen,  um in  den Kriegern  Mut und Haß gegen die Könige
       anzustacheln und  ihnen die  Einheit der  Republik  ans  Herz  zu
       legen." 69)
       Eine alberne Vorstellung, daß eine solche Massenmobilisierung mit
       Zwang und  Gewalt durchgesetzt  werden könnte, obwohl dies natür-
       lich eine Rolle spielt. Auch der "Totale Krieg" des deutschen Fa-
       schismus und der 1. Weltkrieg konnten auf Massenunterstützung zu-
       rückgreifen, die 1914"1918 in allen imperialistischen Ländern bis
       in die organisierte Arbeiterbewegung hineinreichte.
       In jedem  modernen Krieg  und bei seiner Vorbereitung spielt des-
       halb die  ideologische und  Propagandaarbeit -  der Kampf  um die
       Hirne der eigenen Bevölkerung - eine zentrale Rolle. Friedrich H.
       konnte sich,  als er  den ersten  Schlesischen  Krieg  vom  Zaune
       brach, noch  mit einer durch und durch fadenscheinigen Begründung
       begnügen 70),  in den  Kriegen der  Französischen Revolution  war
       dies nicht  mehr möglich.  Dabei genügte zur Mobilisierung in der
       Verteidigungsphase der Republik fast allein die Tatsache, daß die
       "Tyrannenheere" den Boden des Vaterlandes betreten hatten. Terror
       und Druck  treten hinzu (bzw. verketten sich mit der Propaganda),
       um abweichende,  etwa friedfertige  Positionen oder  offene  oder
       verdeckte Gegnerschaft einzuschüchtern und zu unterdrücken.
       Am 26.7.1793  wurde die  Todesstrafe für Warenhortung eingeführt,
       ein Tag später die für Plünderer und Deserteure, und ab September
       1793 gab es den "Terreur". Als er sich teilweise verselbständigte
       und im November 1793 eine Gegenbewegung einsetzte, deren publizi-
       stischer  Sprecher  unter  anderem  Desmoulins  war,  Robespierre
       schwankt, scheitert  der Vorstoß  unter anderem an Carnot, Lindet
       und den  beiden Prieurs. Auf Schreckmittel verzichten? "Das hieß,
       auf die  vorläufige Requisition verzichten, die der Schrecken al-
       lein möglich  machte. Womit sollten sie, ohne den Schrecken, ihre
       eine Million zwei-hunderttausend Soldaten ernähren, bekleiden und
       ausrüsten?" 71)
       Der "Republikanischen  Raserei" an  den Fronten  stand die in der
       Etappe nicht  nach. Am  23.7.1793 verfügt  der Wohlfahrtsausschuß
       die Verwandlung  von 200000 Kirchenglocken in Geschütze. Nach der
       Ausrufung der  allgemeinen Wehrpflicht - eingezogen wurden sieben
       Jahrgänge -  kommt die  Gewehrproduktion in  Schwung: "Die Amboße
       von Charleville  ertönen vom  Hämmern der  Gewehre. Was sagen wir
       Charleville? Zweihundertachtundfünfzig  Schmieden stehen  auf den
       offenen Plätzen  von Paris  ... ihrer 140 in der Invaliden-Espla-
       nade, 54  im Luxembourg-Garten;  grimmige Schmiede  schlagen  und
       hämmern dort  an Schloß  und Lauf.  Man hat Uhrmacher aufgeboten,
       die Zündlöcher,  das Schlagloth  und die Feilenarbeit machen müs-
       sen... Und tüchtige Schäfter meißeln und raspeln, und alles rührt
       und regt sich, jeder nach seinem Geschick;" 72).
       Auch die "Salpeterkampagne" kam im Herbst auf Touren. Sie beruhte
       auf der technischen Ausnutzung des Wissens, daß alle Stätten men-
       schlicher und tierischer Ansiedlung Spuren von Ammoniakverbindun-
       gen enthalten. "Wie schnell die Bürger mit zurückgeschobenem bon-
       net rouge oder mit bloßem Kopfe und schweißtriefendem Haar gewal-
       tig, jeder  in seinem  Keller nach Salpeter graben. Vor jeder Tür
       erhebt sich ein Erdhaufen, die Bürgerinnen tragen in Korb und Ei-
       mer die Erde herauf" 73).
       Häufig wird Carnot als "Vater des Sieges" bezeichnet. Aus unseren
       Andeutungen dürfte  deutlich geworden  sein, daß  es nicht einen,
       sondern unzählige  "Väter und  Mütter" des Sieges gegeben hat. An
       der Front wie in der Etappe.
       Selbstverständlich mußte die rücksichtslose Nutzung der materiel-
       len und  personellen Ressourcen  des Landes  auf Ziele orientiert
       und koordiniert,  wo der  spontane Eifer nachließ mit abgestuftem
       Zwang in  Bewegung  gehalten  werden.  Diese  Aufgabe  übernahmen
       1793/94 verschiedene  Institutionen,  deren  Zusammensetzung  und
       Kompetenzen sich  zeitweilig überschnitten  74): der Nationalkon-
       vent unter  anderem mit  seinen insgesamt 200 Konventskommissaren
       auf Mission,  der Wohlfahrts-  und der  Sicherheitsausschuß,  das
       Schatzamt.
       Dem  W o h l f a h r t s a u s s c h u ß  (seit dem 6.4.1793) un-
       terstanden -  zunächst nur in "dringenden Fällen" - alle Ministe-
       rien, unter  anderem das  Kriegsministerium. 75) Seine exekutiven
       Vollmachten wuchsen  mit der Zuspitzung der militärischen und po-
       litischen Krise durch Intervention und innere Konterrevolution.
       Zumal der ("große") Ausschuß vom 20. September 1793 bis zum Ther-
       midor (28.7.1794)  mit einer Ausnahme - Herault de Sechelles wird
       am 5.4.1794  geköpft -  in seiner personellen Zusammensetzung mo-
       natlich vom Konvent bestätigt wird.
       "Trotz Spezialisierung  einiger Mitglieder auf bestimmte Ressorts
       verzichtet keiner  auf seine  Teilnahme an der gemeinschaftlichen
       Leitung von Politik und Krieg" 76).
       Der "Spezialist"  mit der schwierigsten Aufgabe war der normanni-
       sche Advokat und Abgeordnete Lindet. Er war für die Versorgung im
       Innern (also  vor allem  von Paris) sowie für Verpflegung und Be-
       kleidung der Armee und der Beschäftigten in den Rüstungswerkstät-
       ten verantwortlich.  Zusätzlich war er zu verschiedenen Missionen
       an der Nordfront und zur Beruhigung der Normandie abgeordnet.
       Er wurde  von Carnot  jeden Tag über die Bewegungen der 14 Armeen
       informiert 77).  In dieser  Zeit wurden  die Grundlagen  für eine
       ausgeklügelte Organisation des Nachschubsystems gelegt, das Napo-
       leon perfektionierte.  Die relativ  gut ausgebaute Verkehrsinfra-
       struktur des  Landes trug in dieser Phase - in der die Truppener-
       nährung zunächst  überwiegend aus dem eigenen Land erfolgen mußte
       - ihre  Früchte. Hauptmittel  war die  Requisition. Jedem  Bezirk
       wurde zur  Pflicht gemacht,  ein Bataillon oder eine Schwadron zu
       bekleiden und  auszurüsten. Für Transporte - monatlich mußten zum
       Beispiel 100 000  dz Getreide bewegt werden 78) - wurde jedes 25.
       Pferd und jedes 12. Maultier requiriert.
       Carnot, vor  der Revolution Offizier des Geniekorps, Mitglied des
       Wohlfahrtsausschusses seit  dem 14.8.93,  war für die Operationen
       des Heeres  zuständig. 1792  leitete er  die Arbeiten an der Ver-
       schanzung des  Montmartre, über  die sich die Aristokraten lustig
       machten, ebenso voreilig wie über seine Initiative zur massenhaf-
       ten Herstellung  von Piken im gleichen Jahr. Er stellt am 9. März
       1793 -  also einen  Monat, bevor  Dumouriez zu  den Österreichern
       überläuft -  den Antrag im Konvent, daß sich 92 seiner Mitglieder
       zur Armee  begeben sollten  79). Wenn  wir so wollen, tritt damit
       die Figur des "Politkornmissars" in die Geschichte.
       Carnot  initiiert   und/oder  unterstützt   die  Einrichtung  der
       "Polytechnischen Schule",  deren Besuch Voraussetzung für die Of-
       fizierslaufbahnen bei der Artillerie und dem Land- und Seeingeni-
       eurskorps wurde.  Mit dem wasserstoffgefüllten Luftballon - erst-
       mals als  schlachtbeeinflussendes Beobachtungsmittel  bei Fleurus
       (26.6.1794) eingesetzt  - erblickt  im  Keim  eine  neue,  später
       furchtbare, Waffengattung  das Licht der Welt. Bedeutsam war auch
       die Einführung des mechanischen Telegrafen von Chappe - durch den
       Konvent am  25. 7. 1793 dekretiert ", durch den eine relativ kom-
       plexe Nachricht  von Lilie  nach Paris  in 2  Minuten übermittelt
       werden konnte 80).
       Bei seiner  Arbeit stützte  sich Carnot auf Leute aus seiner Waf-
       fengattung und  auf den  alten Apparat  des "ancien régimes", der
       "nicht unterzukriegen  war und  unterm Empire  wieder  aufblühte"
       81), was  ja auch  aus der  zweiten weltbewegenden Revolution der
       Neuzeit bekannt ist 82).
       Jeanbon Saint-André  war "Feuerwehrmann", der neben seinen vielen
       Abordnungen als Kommissar des Konvents im Auftrag des Wohlfahrts-
       ausschusses Gießereien,  Gewehrmanufakturen,  Salpeterwerkstätten
       und Werften  inspizierte und  zu höchsten  Leistungen antrieb. Er
       hat die  französische Kriegsflotte innerhalb kürzester Zeit - al-
       lerdings wenig  nachhaltig -  reorganisiert. Ähnliche  Funktionen
       wie er nahmen Prieur de la Marne und der Genieoffizier Prieur (de
       la Cote d'Or) wahr.
       Verantwortungsvolle militärische  Missionen erfüllte an verschie-
       denen Fronten  mehrmals Saint-Just, wobei eine seiner Straßburger
       Initiativen auf  ein neues Moment der Kriegsführung verweist, das
       ebenfalls von Napoleon zur Reife entwickelt wurde. Die systemati-
       sche, massenhafte  Versorgung von  Verwundeten: "Die Stadtverwal-
       tung von Strasbourg hält binnen 24 Stunden 2000 Betten zur Verfü-
       gung der  Soldaten bei  den Reichen  bereit." 83) Das dient nicht
       nur der  moralischen Stärkung,  sondern ist  notwendige Ergänzung
       der neuen  Formen der  Kriegsführung: Die  Verluste bei den Bewe-
       gungskriegen neuen  Typs sind  selbst  ohne  Feindeinwirkung  be-
       trächtlich, wenn die Soldaten nicht gesundheitlich betreut werden
       84).
       Leiter des  Schatzamtes und Verwerter der enteigneten Nationalgü-
       ter, auf  die die  Assignaten  bezogen  waren,  war  Cambon.  Das
       Schatzamt war  ausdrücklich vom  Zugriff durch den Wohlfahrtsaus-
       schuß ausgenommen.  Seine Leistung  - trotz  seines Amtes  ist er
       während der  Revolution ärmer  geworden -  ist überhaupt nicht zu
       überschätzen. Er  hat es alles in allem geschafft, häufig um sei-
       nen Kopf  fürchtend, die  Autorität des  Staates zu  sichern, die
       sich wesentlich  über die Anerkenntnis seiner Zahlungsmittel her-
       stellt. Ohne dies wäre die Kriegswirtschaft kaum denkbar gewesen.
       Der Platz  reicht nicht aus, um die Leistungen der "representants
       en mission"  - von  745 Mitgliedern  des Konvents waren insgesamt
       200 unterwegs  - in  den Departements  und bei  den Armeen zu be-
       schreiben. Nichts falscher auch als die Vorstellung, daß der Kon-
       vent angesichts  der Ausschüsse - ohne ihn hätten sie keine Auto-
       rität gehabt  - nicht  auch als  eigene Institution tätig gewesen
       wäre.
       Schließlich ist auf den breiten Unterbau an lokalen Institutionen
       - mit  der für die Revolutionszeit typischen Vermischung von zen-
       traler Administration und demokratischer Basisaktivität - zu ver-
       weisen.
       
       5. "Friede den Hütten ..." -
       ----------------------------
       Zur Rolle von Agitation und Propaganda
       --------------------------------------
       
       "Die Franzosen  sind Brüder  aller derer, welche frei sein wollen
       wie sie.  Es hängt  von Euch ab, uns nachzuahmen, und das ist es,
       wozu wir  Euch einladen" 85), hieß es auf Flugblättern, die fran-
       zösische Soldaten  an das bei Valmy geschlagene Interventionsheer
       verteilten. Goethe  beobachtet, daß Franzosen mit den preußischen
       Vorposten ihr  "Weniges zur  Nahrung" teilten  86). Georg Forster
       schreibt an seinen Schwiegervater, Christian Gottlob Heyne: "Über
       die gute  Behandlung, die  man von  den Franzosen  erfahren  hat,
       erschallt aus  Worms und  Speyer nur  eine Stimme, selbst von der
       aristokratischen Partei.  Der Kommandant  in Straßburg ... hat 25
       Mainzer Soldaten  ihre Freiheit  geschenkt, sie sind nun hier und
       können des  Rühmens nicht  müde werden,  wie  man  sie  und  ihre
       Mitgefangenen auf  Händen getragen  und als Brüder behandelt hat"
       87).
       Kaum etwas Klügeres denkbar, um die Verteidigungsmoral der einfa-
       chen Mainzer  Festungssoldaten und der mit ihnen kommunizierenden
       Teile der Mainzer Bevölkerung zu untergraben. Nicht nur der Kampf
       um die Hirne der eigenen Bevölkerung, sondern auch der um die der
       gegnerischen Partei  wird im  Zuge der  Vertiefung und Ausweitung
       des "Kriegstheaters" wichtiger.
       Versuche in  dieser Richtung  beschränken sich  nicht nur auf die
       Frühphase der Französischen Revolution, sondern spielen auch noch
       in der  Direktorialphase und  später eine - freilich abnehmende -
       Rolle. Der  bayerische Infanterist  Deiftl - auf Grund der Rhein-
       bundverträge in  den Kampf gegen das Volk von Tirol gehetzt - be-
       richtet fast  20 Jahre nach Valmy, daß die Franzosen bei den Bay-
       ern darauf  drangen, mit  den Tirolern  weniger brutal  umzugehen
       88). Napoleon  richtet zusammen  mit dem Kommissar des Direktori-
       ums, Saliceti, nachdem die piemontesische Armee ausgeschaltet war
       und nur  noch die  Österreicher im Feld standen, einen "Aufruf an
       das Volk  der Lombardei"  (19.5.1796): "Die französische Republik
       hat einen  Schwur des  Hasses gegen  die Tyrannen und der Brüder-
       lichkeit mit  den Völkern abgelegt ... Die republikanische Armee,
       die gezwungen  ist, gegen die Monarchen einen Krieg auf Leben und
       Tod zu  führen, ist den Völkern, die durch ihre Siege von der Ty-
       rannei befreit werden, freundlich gesinnt. Achtung vor dem Eigen-
       tum, Achtung vor der Persönlichkeit, Achtung vor der Religion des
       Volkes - solches sind die Gefühle der Regierung der Französischen
       Republik und der siegreichen Armee in Italien" 89).
       Die Agitationsmühen  - durch  deutsche Demokraten  wurden sie oft
       propagandistisch vertieft  -  appellierten  auch  in  Deutschland
       nicht ohne  Erfolg an  ein verbreitetes  Unbehagen an den eigenen
       und Sympathien  für die französischen Zustände. "Man hörte nichts
       als Stöhnen,  Klagen und  Flüche" der  Interventionssoldaten 90),
       die zudem  in großer Zahl desertierten 91). Es gab seit 1790 eine
       nicht abreißende  Kette größerer  und kleiner  Volksbewegungen in
       Deutschland. Weniger  wirksam in ihrer Zeit - unter anderem durch
       zeitliche Verschleppung  ihrer Gründung  durch den  französischen
       General Custine  -, aber  Symbol für  alle Nachgeborenen  war die
       Mainzer Republik.
       Die republikanischen  Bestrebungen wurden  schon 1796  nicht mehr
       ohne weiteres  von den Franzosen unterstützt. General Moreau nach
       dem Rheinübergang:  "Im Rücken der Armee duldet man keine Revolu-
       tion". Anders Augerau, der vom Direktorium wenig später abberufen
       wurde 92).  Aber selbst  noch der  rasche Zerfall der preußischen
       Verwaltungs- und  Militärmacht nach der Schlacht von Jena und Au-
       erstedt (1806)  hatte etwas mit Bewußtseinsveränderungen vieler -
       auch hochgestellter  - Preußen  zu tun, die ihren Kopf nicht mehr
       für diesen maroden Prügelstaat hinhalten mochten.
       
       6. Der Krieg ernährt den Krieg -
       --------------------------------
       Zur Verselbständigung des militärischen Apparats
       ------------------------------------------------
       
       Die revolutionäre  Agitation und  Propaganda entfaltete  freilich
       nur solange  eine "produktive" Wirkung, wie sie mit den Taten der
       französischen  Armeen  und  später  der  Staatsbehörden  überein-
       stimmte. Am 19.11.1792 erklärte der Konvent "im Namen der franzö-
       sischen Nation, daß er allen Völkern, die ihre Freiheit wiederge-
       winnen wollen, brüderliche Hilfe gewähren wird" 93).
       Die Ausführung  wurde der  vollziehenden Gewalt  und  den  Armeen
       überlassen. Über  das Dilemma,  das daraus erwuchs, berichtete am
       10. September  Cambon: "Je mehr wir in Feindesland vordringen, um
       so ruinöser wird der Krieg, vor allem mit unseren Grundsätzen von
       Philosophie und  Großmut. ... Man sagt ohne Unterlaß, daß wir die
       Freiheit zu  unseren Nachbarn  tragen. Wir tragen aber auch unser
       Hartgeld dorthin,  unsere Lebensmittel,  denn  unsere  Assignaten
       will man  dort nicht!"  94) Fünf Tage später trägt er dem Konvent
       die "revolutionäre"  Lösung des  Problems vor 95): Wir müssen "in
       den Ländern,  in denen wir Einzug halten, als revolutionäre Macht
       in Erscheinung  treten", unverzüglich  den Zehnten, die Feudalla-
       sten und  jede Form  von Hörigkeit beseitigen. Auch die alte Ver-
       waltung müsse zerschlagen und eine neue gebildet werden.
       Zuallererst müsse  aber das "Vermögen unserer Feinde" in "Besitz"
       genommen werden.  "Damit die  lauteren und aufrichtigen Absichten
       der Republik  Frankreich nicht  mißverstanden werden",  soll  das
       durch die  neue Administration  - der  ein Konventskommissar  und
       französische Beamte  über die Schulter gucken - durchgeführt wer-
       den. "Wir  eignen uns  nichts an,  wir  behalten  alles  für  die
       Kriegskosten zurück."  Schließlich werden  wir "diesem Land unser
       Revolutionsgeld darbieten.  Dieses Zahlungsmittel  wird auch  das
       seinige werden; dann werden wir uns nicht zum Erwerb von Hartgeld
       in große  Unkosten stürzen  müssen, um  uns in demselben Land mit
       Bekleidung und Lebensmitteln zu versorgen".
       Neben  diesem  Absaugmechanismus  -  die  Assignatenpresse  stand
       schließlich in  Paris, ohne  daß die  "befreiten Völker"  Einfluß
       daraufhatten -  werde man  auch ab und an auf "Sondersteuern" zu-
       rückgreifen müssen.  Sie sollen  aber nicht  vom Militär  erhoben
       werden, weil  das dazu  angetan wäre,  "unwürdiges Mißtrauen  ge-
       genüber unseren  Grundsätzen zu  wecken." Das solle gemeinsam von
       den provisorischen  Regierungen und  den Kommissaren durchgeführt
       werden; "sie  werden von dieser Maßnahme die Klasse der Arbeiten-
       den und Armen ausnehmen."
       Ganz abgesehen  von der  Erwägung, die  Robespierre zu Beginn des
       Jahres 1792 vorgetragen hatte - "Niemand liebt Missionare in Waf-
       fen" 96)  -, konnte dieses System nur solange ohne den Widerstand
       des "gemeinen Volkes" funktionieren, wie aus den "Palästen" etwas
       herauszuholen war.
       Aber diese  Quellen versiegten  angesichts der  im Vergleich  zum
       Feudalzeitalter großen Heere und der Dauer der Kriege bald. Alle-
       mal dann, wenn es die sogenannten militärischen Sachzwänge erfor-
       derten, wurde auch "das Volk" nicht mehr nur über die Pariser As-
       signatenpresse ausgenommen. Etwa weil die alten Verhältnisse noch
       nicht beseitigt  waren und  die Lasten "notwendig zuletzt auf die
       arbeitenden Klassen zurückfallen müssen." 97)
       Eine detaillierte  Aufstellung von  Klagen verfaßte G. Forster zu
       den Übergriffen und Requisitionen der Franzosen bei der Vorberei-
       tung der Verteidigung von Mainz. Er schreibt, "daß Männer die ge-
       glaubt hatten,  nun endlich  die reine Luft der Freiheit einatmen
       und die  Vorrechte ihrer  Natur genießen  zu können, sich auf die
       unwürdigste Art, mit dem allerunleidlichsten Despotismus, nämlich
       dem militärischen,  von jedem,  der eine  Uniform anhatte, mußten
       hudeln lassen." 98)
       Der Freiwillige  Joliclerc schrieb an seine Mutter über den Rück-
       zug aus  der Pfalz:  "Ich will  Ihnen nur  sagen, daß wir uns ...
       unter die Mauern von Landau zurückgezogen und alles Vieh und alle
       Lebensmittel, die sich im Lande befanden, mit uns nahmen. Was wir
       nicht mitnehmen  konnten, verbrannte oder verwüstete man. Wir ha-
       ben den  Einwohnern dieses  Landes nichts gelassen als ihre Augen
       zum Weinen." 99)
       Das von  Cambon vorgetragene  "Rezept" - "wie der Krieg den Krieg
       ernähren könne"  - hatte  immerhin noch  eine  antifeudalistische
       Stoßrichtung. Es verkam nach dem Thermidor, noch mehr in der spä-
       teren Regierungszeit  Napoleons, zur blanken Rechtfertigungsideo-
       logie 100).  Aber selbst noch in dieser Phase hatte die französi-
       sche Expansion  zwieschlächtigen Charakter.  Auf der  einen Seite
       rücksichtslose Ausplünderung  der Ressourcen der eroberten Länder
       und Unterdrückung der nationalen Identität; auf der anderen Seite
       Beförderung der Erosion von feudaler und klerikaler Macht.
       Die Ausbeutung der besetzten Länder und der Agressionsdrang waren
       aber nicht allein allgemeiner Ausdruck von Gelüsten der französi-
       schen Bourgeoisie.  Sie resultierten  speziell auch  aus der Exi-
       stenz eines  riesigen militärischen  Apparats, der beim damaligen
       Kräfteverhältnis in  der französischen Gesellschaft nur unterhal-
       ten werden  konnte, wenn er sich kriegerisch betätigte. Selbst in
       Friedenszeiten, wie  sie unsere  Tabelle wiedergibt,  kamen (ohne
       die Flotte) auf 1000 Einwohner Frankreichs 19 Soldaten. Und diese
       Einwohner waren  zum großen  Teil Kinder,  Resultat der  Bevölke-
       rungsexplosion nach der Revolution.
       Übertroffen wurde  die französische  "Soldatendichte"  unter  den
       größeren Staaten  nur von  Preußen. Dieses  hatte aber keine nen-
       nenswerte Kriegsflotte,  eine für  damalige Verhältnisse  normale
       Bevölkerungspyramide, und  seine Bauern  und Bürger  waren  nicht
       durch eine  Revolution gegangen,  konnten also  in  herkömmlicher
       Weise ausgepreßt  werden. Und in Frankreich waren es ja nicht al-
       lein Heer  und Flotte, die vom gesellschaftlichen Mehrprodukt er-
       nährt werden  mußten, sondern  auch ein für damalige Verhältnisse
       großer militärischer Ausbildungs-, Forschungs- und Verwaltungsap-
       parat. Die  gewaltige nationale  Anspannung in der Verteidigungs-
       phase der  Revolution hatte  schließlich zur Folge, daß die Indu-
       strien und Manufakturen überdurchschnittlich in Richtung Militär-
       produktion orientiert  waren. Dieser gesamte Apparat - Ansätze zu
       einem "Militär-Manufaktur/Industrie-Komplex"  sind zu  erkennen -
       hatte Eigengewicht, mit der solchen Apparaten eigenen Tendenz zur
       Verselbständigung, die  nach dem Thermidor auch spürbar wird. Na-
       poleon und  das junge,  "hungrige" und  bis in die höchsten Ränge
       sozial neu  rekrutierte Offizierskorps  waren nicht  zuletzt  Arm
       dieses Apparates und seines Expansionsdrangs.
       Und so  gingen aus der Französischen Revolution die beiden Haupt-
       typen des  modernen Krieges  hervor. Die  Armee und der Krieg des
       kapitalistischen Industriezeitalters,  der sich zur imperialisti-
       schen Massenschlächterei  weiterentwickelte. Aber auch die Volks-
       kriege gegen  nationale Unterdrückung  und  koloniale  Ausbeutung
       wurzeln in den Ideen und Taten der Französischen Revolution. Auch
       diese Kriege sind furchtbar und bar jeder Romantik.
       Der wichtigste  Krieg des  modernen Zeitalters  ist  deshalb  der
       Kampf für eine Welt, in der Schwerter zu Pflugscharen werden.
       
       _____
       *) Für viele Anregungen und Hinweise danke ich Uli Schüler.
       1) P. Scholl-Latour,  Tod im  Reisfeld, Frankfurt - Berlin - Wien
       1981, S. 72.
       2) Ebenda.
       3) Stichworte zur  wirtschaftlichen Situation  bei: W. Markov und
       A. Soboul,  1789. Die Große Revolution der Franzosen, 2. Auflage,
       Köln 1980, S. 21 ff.
       4) Vgl. G.  v. Scharnhorst,  Entwicklung der allgemeinen Ursachen
       des Glücks  der Franzosen  in dem Revolutionskriege und insbeson-
       dere in  dem Feldzuge  von  1794,  in:  Ausgewählte  militärische
       Schriften, Berlin (DDR) 1986, S. 115 ff.
       5) Vgl. J. Michelet, Geschichte der französischen Revolution, be-
       arb. u.  hrsg.  von  F.M.  Kircheisen,  Wien-Hamburg-Zürich  (ca.
       1930), Bd. II, S. 237; Bd. III, S. 135.
       6) Ebenda, Bd. I, S. 182; Bd. III, S. 135.
       7) F. Sieburg,  Napoleon. Die  Hundert Tage,  7. Aufl., Stuttgart
       1960, S. 40.
       8) Michelet, a.a.O., Bd. u, S. 241.
       9) Vgl. H.  Koller u. B. Töpfer, Frankreich. Ein historischer Ab-
       riß, Köln 1978.
       10) F. Engels, Das Reichs-Militärgesetz, in: MEW, Bd. 18, S. 505.
       11) Vgl. Michelet, a.a.O., Bd. III, S. 198 f.
       12) G. Noel, Brief vom 17.8.1792, in: G. Landauer, Briefe aus der
       Französischen Revolution, II. Bd., S. 261.
       13) Michelet, a.a.O., Bd. II, S. 399.
       14) G. Noel, Brief vom 1.3.1792, in: Landauer, a.a.O., H. Bd., S.
       250.
       15) Vgl. A.S. Manfred, Napoleon Bonaparte, Köln 1981, S. 42.
       16) Vgl. Michelet, a.a.O., Bd. I, S. 396.
       17) Ebenda, S. 395.
       18) G. Noel,  Brief vom  1.3.1792, in: Landauer, a.a.O., II. Bd.,
       S. 250.
       19) Vgl. F.  Engels, Armee, in: MEW, Bd. 14, vor allem S. 36 ff.;
       ders., Infanterie,  in: MEW, Bd. 14, vor allem S. 359 ff.; ders.,
       Taktik der  Infanterie aus  den materiellen  Ursachen  abgeleitet
       1700-1870, in: MEW, Bd. 20, S. 597 ff.
       20) Vgl.  Militärgeschichtliches   Forschungsamt  Freiburg  i.B.,
       Wehrgeschichtliches Museum  Rastatt, 2  Handfeuerwaffen, Teil  I:
       Die historisch-technische  Entwicklung, 2.  erg.  Aufl.,  Koblenz
       1980, S. 23.
       21) Vgl. I.  Mittenzwei, Friedrich  II. von Preußen. Eine Biogra-
       fie, 2. Aufl., Köln 1980, S. 127f.
       22) Vgl. C. v. Clausewitz, Vom Kriege. Hinterlassenes Werk. Unge-
       kürzter Text,  Frankfurt -  Berlin - Wien 1980, S. 550 ff.; siehe
       auch S. 653 ff.
       23) Militärgeschichtliches Forschungsamt, a.a.O., S. 58 f.
       24) Vgl. F. Engels, Artillerie, in: MEW, Bd. 14, vor allem S. 198
       f.
       25) G.  v.   Scharnhorst,  Ausgewählte   militärische  Schriften,
       a.a.O., S. 389, Anm. 191.
       26) F. Engels, Artillerie, a.a.O., S. 198.
       27) Vgl. Michelet, a.a.O., Bd. IV, S. 335.
       28) F. Engels, Artillerie, a.a.O., S. 198.
       29) F. Engels, Kavallerie, in: MEW, Bd. 14, S. 298.
       30) Vgl. Michelet,  a.a.O., Bd.  I, S. 401, Bd. H, S. 92, Bd. IV,
       S. 36.
       31) G. v.  Scharnhorst, Entwicklung der allgemeinen Ursachen ...,
       a.a.O., S. 128 f.
       32) F. Engels, Artillerie, a.a.O., S. 199.
       33) F. Engels, Flotte, in: MEW, Bd. 14, S. 372.
       34) Vgl. Th.  Carlyle, Die  Französische Revolution, Zweiter Bd.,
       5. Auflage,  Leipzig 1907,  S. 371;  Michelet, a.a.O.,  Bd. V, S.
       110.
       35) F. Engels, Kanonade, in: MEW, Bd. 14, S. 236.
       36) F. Engels, Flotte, a.a.O., S. 371.
       37) Michelet, a.a.O., Bd. III, S. 9.
       38) Ebenda, S. 97.
       39) Vgl. Michelet  in ebenda,  S. 102  ff.; Th.  Carlyle, a.a.O.,
       Zweiter Bd., S. 170 ff.
       40) Michelet, Bd. III, S. 101.
       41) W.I. Lenin,  Über die gegenwärtige Lage und die nächsten Auf-
       gaben der Sowjetmacht, in: Lenin-Werke, Bd. 29, S. 446 ff.
       42) Vgl. W.  Markov, Revolution  im Zeugenstand. Frankreich 1789-
       1799, Bd. 1, Aussagen und Analysen, Leipzig 1982, S. 290.
       43) K. Marx,  Der achtzehnte  Brumaire des  Louis Bonaparte,  in:
       MEW, Bd. 8, S. 198 ff.
       44) F.X. Joliclerc,  Brief vom  13.12.1793, in: Landauer, a.a.O.,
       II. Band, S. 291.
       45) Landauer, a.a.O., II. Bd., S. 245.
       46) Über die  Pariser Freiwilligen vgl. Briefe der Madame Jullien
       v. 2. und 6.9.1792, in: Landauer, a.a.O., I. Bd., S. 307 ff.
       47) W. Markov, a.a.O., Bd. 1, S. 290.
       48) Michelet, a.a.O., Bd. H, S. 241.
       49) Vgl. Akademie d. Wissenschaften d. UdSSR, Hg., Weltgeschichte
       in zehn Bänden, Bd. 5, Berlin/DDR 1966, S. 569.
       50) G. v.  Scharnhorst,  Entwicklung  der  allgemeinen  Ursachen,
       a.a.O., S. 129.
       51) Michelet, a.a.O., Bd. III, S. 193.
       52) Ebenda, S. 185.
       53) Ebenda, S. 196.
       54) F. Engels,  Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Hei-
       ligen Allianz  gegen das  revolutionäre Frankreich im Jahre 1852,
       in: MEW, Bd. 7, S. 473.
       55) Landauer, a.a.O., II. Bd., S. 351.
       56) W. Markov  u. A. Soboul, 1789. Die große Revolution der Fran-
       zosen, 2. Auflage 1980, S. 372.
       57) General Hoche  an General le Veneur (28. 12. 1793), in: Land-
       auer, a.a.O., E. Bd., S. 356.
       58) C. v. Clausewitz, a.a.O., S. 318.
       59) Ebenda, S. 307.
       60) F. Engels, Armee, a.a.O., S. 37.
       61) W. Markov u. A. Soboul, a.a.O., S. 372.
       62) K. Marx u. F. Engels, Blücher, in: MEW, Bd. 14, S. 173.
       63) W. Markov u. A. Soboul, a.a.O., S. 369 f.
       64) Vgl. ebenda, S. 370; Michelet, a.a.O., Bd. IV, S. 251 f.
       65) Vgl. Michelet, a.a.O., Bd. V, S. 373 ff.
       66) C. v. Clausewitz, a.a.O., S. 571; Hervorhbg. v. Verf.
       67)  Engels,  Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heili-
       gen Allianz ..., a.a.O., S. 477.
       68) H.S. Salisbury,  900  Tage.  Die  Belagerung  von  Leningrad,
       Frankfurt 1970, S. 210, 557 (teilweise eigene Berechnungen).
       69) W. Markov, a.a.O., Bd. 2, S. 481 f; Unterstr. v. Verf.
       70) Vgl. I. Mittenzwei, a.a.O., S. 49.
       71) Michelet, a.a.O., Bd. IV., S. 417.
       72) Th. Carlyle, a.a.O., Zweiter Bd., S. 365.
       73) Ebenda, S. 366.
       74) Vgl. W. Markov u. A. Soboul, a.a.O., S. 350ff., auch zum fol-
       genden.
       75) Vgl. Michelet, a.a.O., Bd. IV, S. 252.
       76) W. Markov u. A. Soboul, a.a.O., S. 352.
       77) Vgl. Michelet, a.a.O., Bd. IV, S. 402.
       78) Michelet, a.a.O., Bd. V, S. 271.
       79) Michelet, a.a.O., Bd. m, S. 444.
       80) Vgl. F.J.L.  Meyer, Meine Erlebnisse in Paris während der Di-
       rektorialzeit; als Anhang zu Michelet, a.a.O., Bd. V, S. 483.
       81) Michelet, a.a.O., Bd. V, S. 253.
       82) Vgl. W.I. Lenin, Brief an den Parteitag, Lenin-Werke, Bd. 36,
       S.  581;   ders.,  Zur   Frage  der   Nationalitäten   oder   der
       "Autonomisierung", Lenin-Werke, Bd. 36, S. 591.
       83) W. Markov, a.a.O., Bd. 1, S. 366.
       84) C. v. Clausewitz, a.a.O., S. 307, S. 320 ff.
       85) F. Ch.  Laukhard, Leben  und Schicksale.  Von ihm  selbst be-
       schrieben, Leipzig  1955, S.  250; zitiert  nach:  J.  Streisand,
       Deutschland von  1789 bis  1815, 3.  überarb. u. erg. Aufl., Ber-
       lin/DDR 1973, S. 41.
       86) Ebenda.
       87) Brief v.  16.10.1792, in:  C. Träger, Hg., Mainz zwischen Rot
       und Schwarz. Die Mainzer Revolution 1792-1793 in Schriften, Reden
       und Briefen, Berlin (DDR) 1963, S. 121.
       88) E. v.  Frauenholz, Hg.,  Infantrist Deiftl.  Ein Tagebuch aus
       napoleonischer Zeit, München 1939, S. 24.
       89) A.S. Manfred, a.a.O., S. 137.
       90) F.C. Laukhard,  Briefe eines preußischen Augenzeugen über den
       Feldzug des  Herzogs von  Braunschweig gegen  die  Neufranken  im
       Jahre 1792; zitiert nach J. Streisand, a.a.O., S. 39.
       91) G. Forster,  Brief an Ch. G. Heyne v. 20. 10. 1792, in: Mainz
       zwischen Rot und Schwarz, a.a.O., S. 124.
       92) Vgl. J. Streisand, a.a.O., S. 89.
       93) W. Markov u. A. Soboul, a.a.O., S. 255.
       94) Ebenda, S. 256.
       95) Cambons Bericht  an den Konvent, 15. 12. 1792, in: W. Markov,
       a.a.O., Bd.  2, S.  332 -  340; alle folgenden Cambon-Zitate nach
       dieser Quelle.
       96) Zweite Rede  Robespierres  gegen  den  Krieg.  Jakobinerclub,
       2.1.1792, in: W. Markov, a.a.O., Bd. 2, S. 210.
       97) G. Forster; zitiert nach: J. Streisand, a.a.O., S. 47.
       98) G. Forster,  Entwurf eines Schreibens der allgemeinen Admini-
       stration von  Mainz an die Kommissarien des Nationalkonvents, in:
       Mainz zwischen Rot und Schwarz, a.a.O., S. 337.
       99) Brief vom 17.8.1793, in: G. Landauer, a.a.O., n. Bd., S. 288.
       100) Vgl. H.  Heitzer, Insurrectionen  zwischen Weser  und  Elbe.
       Volksbewegungen gegen  die französische Fremdherrschaft im König-
       reich Westfalen (1806-1813), Berlin (DDR) 1959, S. 21 und an ver-
       schiedenen Stellen.
       

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