Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       DIE JAKOBINERBEWEGUNG IN DEN DEUTSCHEN TEILSTAATEN
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       Walter Grab
       
       Unter deutschen  Jakobinismus faßt  die Forschung drei ineinander
       übergehende, jedoch  durch sozialen  Standort, Kampfmethoden  und
       Adressaten unterschiedliche  Bewegungen zusammen.  1) Es  handelt
       sich in  erster Linie  um kosmopolitische,  bürgerliche Aufklärer
       und Publizisten, die die von den französischen Revolutionären er-
       kämpften demokratischen Errungenschaften auf Deutschland zu über-
       tragen suchten und sich in ideologischer Hinsicht während der Ge-
       samtdauer der französischen Republik auf den Sieg der Revolution,
       in sozialer  Hinsicht auf  die gesellschaftlichen  Interessen und
       wirtschaftlichen Bedürfnisse der mittleren und niederen Schichten
       des eigenen  Volks orientierten.  Die begeisternde  Kunde von der
       französischen Staatsumwälzung führte diesseits des Rheins auch zu
       sozialen Protestbewegungen  von Stadt- und Landplebejern, die ja-
       kobinische Forderungen erhoben: Im sächsischen Bauernaufstand von
       1790, der  Hamburger Handwerkerrevolte von 1791, der Empörung der
       schlesischen Weber und Handwerksgesellen von 1793 waren die spon-
       tanen Aktionen  verelendeter Volksmassen  gegen  Fronpflicht  und
       versteinerte Zunftordnung  gerichtet. Bei den sporadisch aufflam-
       menden Unruhen,  die seit  1794 in Süddeutschland beachtliche In-
       tensität erreichten, ging es vor allem um Beseitigung der aristo-
       kratischen Privilegien,  Aufhebung von  Steuern, Verbesserung der
       Lebensbedingungen und  Beendigung des Kriegs. 2) Schließlich sind
       auch die  konstitutionellen Klubs,  die zur Zeit des Direktoriums
       in dem von Frankreich annektierten Rheinland entstanden, als Teil
       der Bewegung  zur Demokratisierung des öffentlichen Lebens zu be-
       trachten. 3)  Diese Zirkel,  die sich  vorwiegend aus Handwerkern
       und Kaufleuten  zusammensetzten, unterscheiden  sich von  der ei-
       gentlichen Jakobinerbewegung  insofern, daß sie es nicht als ihre
       Aufgabe ansahen, die Bevölkerung zu revolutionären Aktionen anzu-
       feuern, daß  sie keine  Strafe durch traditionelle Machtträger zu
       befürchten hatten,  und daß ihr Kampfmittel die Massenpetition an
       die französische  Okkupationsverwaltung war.  Diese Bewegung  ist
       als Neojakobinismus zu bezeichnen.
       Die deutsche  Jakobinerbewegung stand  stets  im  Schatten  ihres
       französischen Vorbilds.  Es wäre ahistorisch, in Mitteleuropa, wo
       die revolutionäre  Massenagitation niemals eine dem französischen
       Vorbild gleichkommende  Gewalt  erreichte,  nach  gleichkarätigem
       "reinem" Jakobinismus zu fahnden. Vielmehr gilt es, die Kriterien
       weiter zu  spannen und zu untersuchen, welche Bewegungen eine dem
       französischen  Jakobinismus    v e r g l e i c h b a r e    Rolle
       spielten: Denn  im deutschsprachigen  Raum bedurfte  es jakobini-
       scher Entschlossenheit,  um die  Bevölkerung überhaupt  in  wirt-
       schaftlich-sozialer und in institutionell-politischer Hinsicht an
       Theorie und Praxis der Revolution heranzuführen. Im Fall des nor-
       mativen französischen  Beispiels waren kleinbürgerlich-revolutio-
       näre Demokratie  und Jakobinismus  in  eine  untrennbare  Einheit
       verschmolzen; der  unter weniger ausgereiften politischen und ge-
       sellschaftlichen Bedingungen  entstehende  deutsche  Jakobinismus
       besaß keinen festen sozialen Standort und war in kein starres so-
       ziometrisches Schema  zu pressen,  weil das  Bürgertum -  das die
       Führung hätte  übernehmen müssen  - sich  noch nicht  zu  eigenem
       Selbstverständnis durchgerungen,  also den  Sprung von der Klasse
       "an sich"  zur Klasse  "für sich" noch nicht vollzogen hatte. Der
       soziale Einzugsbereich  des  deutschen  Jakobinertums  erstreckte
       sich auch  auf einige  Mitglieder des privilegierten Adelsstands,
       die sich  trotz ihrer Herkunft mit den Unterklassen solidarisier-
       ten.
       Die Grenzen zwischen gemäßigten und reformistischen Liberalen ei-
       nerseits und radikalen und revolutionären Demokraten andererseits
       sind schwer  zu ziehen; jede Schematisierung tut der Wirklichkeit
       Gewalt an. Da die Privilegienordnung keinen politischen Zusammen-
       schluß von Untertanen zuließ, existierten keine organisierten und
       institutionalisierten Parteien  mit Statuten  und Programmen; die
       zu den  herrschenden Oligarchien in Opposition stehenden Richtun-
       gen gingen  oft ineinander über. Die Intellektuellen, die sich in
       Deutschland  zu  jakobinischen  Positionen  durchrangen,  machten
       einen Erkenntnisprozeß  durch, der sowohl durch die eigene Situa-
       tion und  Erfahrung als  auch durch  die Verschiebung der politi-
       schen Machtverhältnisse  in  Frankreich  bedingt  war.  Nur  eine
       kleine Minderheit der deutschen Aufklärer wurde zu revolutionären
       Demokraten, zu  Jakobinern; den  meisten fiel es schwer, sich vom
       anerzogenen Untertanengehorsam  zu lösen. Die Mehrheit blieb ehr-
       furchtsvoll vor den Thronen stehen und forderte die erblichen Ge-
       walthaber lediglich  auf, ihre  Macht freiwillig  zu beschneiden,
       das traditionelle Bündnis mit Adel und Klerus zu lockern und eine
       Verfassung zu  gewähren, die dem wohlhabenden und gebildeten Bür-
       gertum eine gewisse Mitbestimmung zugestand.
       In der  zeitgenössischen Publizistik gingen liberale und demokra-
       tische Postulate,  die zuweilen unvereinbar waren, durcheinander.
       Beide antifeudalen  Richtungen verlangten Gewaltenteilung, Aufhe-
       bung der  Zensur, Freiheit  der Rede,  des Glaubens und der wirt-
       schaftlichen Betätigung,  Sicherheit der Person und des bürgerli-
       chen Eigentums, Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, Unabhängig-
       keit und  Öffentlichkeit der  Rechtsprechung. Infolge des Mangels
       an politischer  Praxis blieb manchem Publizisten verborgen, welch
       großer Unterschied  zwischen einer   k o n s t i t u t i o n e l-
       l e n   Monarchie bestand, bei der die monarchische Exekutive der
       (erblichen,  ernannten  oder  nach  dem  Zensussystem  gewählten)
       Legislative  übergeordnet  war,  und  der    p a r l a m e n t a-
       r i s c h e n  Monarchie, in der der Herrscher die Kompetenz über
       die politischen  Entscheidungen einbüßte  und sich  den  von  der
       Volksvertretung beschlossenen Gesetzen unterwarf. Mit der konsti-
       tutionellen Monarchie konnten sich die traditionellen Machtträger
       zur Not  einverstanden erklären,  weil sie  die Prärogativen  der
       Krone nicht antastete und auf politischer Ungleichheit - also ei-
       nem antidemokratischen  Prinzip -  beruhte. Diese Staatsform ent-
       sprach den  Zielvorstellungen der  Liberalen, war  jedoch mit den
       Grundsätzen der revolutionären Demokraten nicht vereinbar.
       Eine wichtige  weltanschauliche Kontroverse  zwischen den  beiden
       bürgerlichen Oppositionsströmungen betraf die Frage, ob der sitt-
       lichen Vervollkommnung des einzelnen oder dem politischen Umsturz
       der Vorrang gebühre. Der Königsberger Philosoph Immanuel Kant und
       seine Anhänger  - darunter  die klassischen  Dichter des Weimarer
       Musenhofs -  meinten, daß  der absolutistische  Ständestaat durch
       Bildung des einzelnen und Erziehung von Herrschern und Beherrsch-
       ten allmählich  in ein weltbürgerliches und moralisches Gemeinwe-
       sen verwandelt werden könne. Die konsequenten Demokraten hingegen
       argumentierten,  daß   die  Willkürherrscher  niemals  freiwillig
       Volkssouveränität, Menschenrechte  und staatsbürgerliche Freiheit
       zugestehen würden  und daß daher ein gewaltsamer Umsturz unerläß-
       lich sei. Der Hamburger Jakobiner Heinrich Würzer stellte in sei-
       ner Zeitschrift  "Der patriotische Volksredner" kategorisch fest:
       "Revolutionen sind  zur Erhaltung  der Welt  und der bürgerlichen
       Gesellschaft so notwendig, als es das Brot zur Erhaltung des men-
       schlichen Lebens  ist"; 4)  der Breslauer  Radikaldemokrat  Jakob
       Contessa betonte  im Jahre 1794, daß "die politische Freiheit der
       moralischen vorausgehen  und der  letzteren zur Grundlage dienen"
       müsse 5), und der aus Franken stammende Jakobiner Georg Friedrich
       Rebmann pflichtete  ihm zwei Jahre später bei: "Um ein Volk mora-
       lisch besser  zu machen, muß man erst seine Verfassung zu bessern
       suchen, wenn man nicht Wasser in einem Siebe tragen will". 6)
       Eine jakobinische Kardinalforderung war das von der französischen
       Konstituante feierlich verkündete und vom Konvent bekräftigte na-
       tionale Selbstbestimmungsrecht. Dieses Prinzip, das auf der rous-
       seauistischen Vorstellung  eines einheitlichen  Volkswillens  be-
       ruhte, war  revolutionär, weil  es zu  der von der traditionellen
       Obrigkeit gepredigten  Unterwerfung unter  den Herrscherwillen in
       unversöhnlichem Widerspruch  stand. Die  revolutionären Patrioten
       erkannten, daß  eine stabile Basis für eine nationale Entwicklung
       nur durch  Beseitigung des  lebensunfähigen  "Heiligen  Römischen
       Reichs deutscher  Nation" zu  gewinnen war. Da sie die bestehende
       politische Zerrissenheit Deutschlands in 350 Teilstaaten überwin-
       den wollten,  lehnten sie es ab, mit den herrschenden Partikular-
       gewalten Kompromisse  zu schließen. Um die dumpfe Unzufriedenheit
       der Bauern und der Stadtarmut mit ihrem materiellen Elend auf po-
       litische Ziele  zu richten und in Revolutionsbereitschaft zu ver-
       wandeln, suchten sie die durch Herkunft und Bildung bedingten und
       vom Absolutismus konservierten ständischen Schranken niederzurei-
       ßen: Orientierung  auf die Revolution mußte auch Orientierung auf
       die sozialen Bedürfnisse des "gemeinen Haufens" bedeuten. Die von
       patriotischer Volksverbundenheit und zukunftsfreudigem Optimismus
       erfüllten Schriften  der jakobinischen  Volkstribunen sollten die
       Leser zu  kritisch denkenden  und politisch aktiven Staatsbürgern
       heranbilden, sie  von der geistigen Bevormundung durch Kirche und
       Adel befreien und über die engen Grenzen der deutschen Zwergstaa-
       ten hinweg ein demokratisches Nationalbewußtsein entfachen.
       Ihr Patriotismus  hatte nichts  mit chauvinistischer Überheblich-
       keit, Stolz  auf das eigene Volkstum und Haß auf andere Völker zu
       tun. Laut  jakobinischer Vorstellung  konnte Patriotismus  nur in
       einem Land  existieren, wo  das souveräne,  seine  Mandatare  und
       staatliche Einrichtungen  selbst bestimmende Volk die Macht inne-
       hatte; denn  nur dort handelte es seinen wahren Interessen gemäß.
       Da nun  alle unterdrückten  Völker dieselben Forderungen nach Be-
       freiung von  feudalem Joch erhoben, identifizierten die Jakobiner
       die politische  Emanzipation von  den eigenen Machthabern mit der
       Solidarität gegenüber  ändern Völkern,  die um  ihre Souveränität
       und Selbstbestimmung rangen. Die Losung der Fraternite besaß also
       einen sozialen  und einen nationalen Aspekt: Sie bedeutete sowohl
       Völkerverbrüderung als  auch Volksverbundenheit. Patriotismus und
       Kosmopolitismus waren  kein Gegensatz, sondern bildeten zwei Sei-
       ten derselben  Medaille. Je  mehr der  einzelne Aufklärer die so-
       ziale Vertiefung der Revolution voranzutreiben suchte, je mehr er
       also auf  aktive Beteiligung  der Volksmassen  an den politischen
       Entscheidungen drängte,  desto eifriger bemühte er sich auch, die
       realen und  bewußtseinsmäßigen Ghettomauern  niederzureißen,  die
       die Juden  von der  übrigen Bevölkerung  trennten. Die  Forderung
       nach Gleichberechtigung  der jüdischen Minderheit ist ein wichti-
       ges Merkmal der deutschen Jakobinerbewegung; Judenfeindschaft und
       Jakobinismus sind kontradiktorische, unvereinbare Begriffe.
       Das höchste  Ziel der patriotischen Weltbürger war die Errichtung
       demokratischer Republiken in Europa, in denen die brüderliche Ge-
       meinschaft aller  Staatsbürger - ungeachtet ihrer ethnischen Her-
       kunft, ihres  Eigentums und  Berufs und ihrer sozialen Position -
       an die  Stelle des bestehenden Antagonismus zwischen privilegier-
       ter Minderheit  und politisch  rechtloser Mehrheit treten sollte.
       Dabei ist  darauf hinzuweisen,  daß  der  Begriff  "Republik"  im
       Sprachgebrauch der Aufklärung den durch die Beteiligung des Volks
       an der  Gesetzgebung legitimierten  Rechts- und  Verfassungsstaat
       bedeutete,  also  die  parlamentarische  Monarchie,  in  der  die
       aufgrund  politischer  Gleichheit  gewählte  Volksvertretung  die
       höchste  Entscheidungsbefugnis   innehat,  einbezog.  Mit  dieser
       rationalen Ableitung  der Monarchie  durch die  Volkssouveränität
       war die  Entzauberung und Negierung des fürstlichen Gottesgnaden-
       tum verbunden.
       Jede Aufforderung,  das politische  Kräfteverhältnis  zu  ändern,
       lief auf  eine revolutionäre Lösung hinaus, weil die adeligen und
       klerikalen Obrigkeiten  zu keinen  Konzessionen an  die politisch
       rechtlose Bevölkerungsmehrheit  bereit waren.  Sie erblickten  im
       Entstehen einer  Jakobinerbewegung mit  Recht eine  ernste Gefahr
       für die Existenz der ständischen Hierarchie. Diese Gefahr bestand
       hauptsächlich darin, daß sich hier zum erstenmal in der deutschen
       Geschichte seit  den Bauernkriegen eine Anzahl politischer Publi-
       zisten nicht  mehr mit  Bitten an  die Herrschenden um Abstellung
       dieses oder  jenes Übelstandes  wandte, sondern  prinzipiell  die
       Privilegienordnung als  solche in Frage stellte, indem sie an die
       eigentumslosen Unterklassen  Aufforderungen zum Umsturz richtete.
       Solange nur eine liberale Opposition existierte, die sich von der
       geschundenen handarbeitenden  Bevölkerung elitär distanzierte und
       in Servilität  und Obrigkeitsdenken  verharrte, konnten  sich die
       Machthaber den  Luxus leisten,  einzelne Aufklärer zu protegieren
       und als  Feigenblätter des  Absolutismus zu  benutzen; die  wirt-
       schaftliche Abhängigkeit  der Gebildeten, die in staatlichen oder
       kirchlichen Diensten  standen, bot  meist genügende Garantie, daß
       die Kritik  an den  Mißständen zahm und ungefährlich ausfiel. Das
       Auftreten von  Jakobinern, die  den Kampf  für eine demokratische
       Ordnung einem  bequemen Höflingsamt  vorzogen, bedeutete  jedoch,
       daß der  revolutionäre Brand  Frankreichs auf Deutschland überzu-
       greifen begann.  Die Fürsten  und ihre Anhänger trafen daher Vor-
       kehrungen, um  den Unruheherd  im eigenen  Machtbereich  auszulö-
       schen.
       Je mehr  sich die  Französische Revolution  gesellschaftlich ver-
       tiefte und  auf Mitteleuropa  übergriff, desto  mehr neigten  die
       deutschen Machtträger  dazu, alle Oppositionellen im eigenen Land
       als jakobinisch  zu verketzern und jeden Vertreter von Reformfor-
       derungen als  potentiellen Terroristen anzuschwärzen. Als während
       der großen revolutionären Krise des Jahres 1793 die französischen
       Jakobiner zur  Verteidigung ihres  Landes und  der demokratischen
       Errungenschaften diktatorische Zwangs- und Gewaltmaßnahmen anwen-
       deten, behaupteten  die adeligen  Machtträger der deutschen Teil-
       staaten, daß  jeder Versuch  zur Errichtung  einer demokratischen
       Ordnung   unweigerlich    zu   Blutvergießen,   Bürgerkrieg   und
       Schreckensherrschaft führen  müsse. So wurde der Jakobinerbegriff
       zu einem  Reiz- und  Schimpfwort, mit  dem man  alle  Gegner  des
       Privilegiensystems diffamierte, egal ob es sich um zahme liberale
       Aufklärer in  ihrer Studierstube oder um radikale Volksagitatoren
       handelte, die  gewaltsamen Umsturz  predigten. Sogar  der in ganz
       Europa berühmte siebzigjährige Philosoph Immanuel Kant, der stets
       das Widerstandsrecht der Untertanen emphatisch negierte, zog sich
       1793 wegen einiger Bemerkungen in seiner Abhandlung "Die Religion
       in den Grenzen der bloßen Vernunft" den Zorn seiner Majestät, des
       Preußenkönigs Friedrich  Wilhelm II. zu, der den Gelehrten wissen
       ließ, er  habe "bei  fortgesetzter Renitenz unfehlbar unangenehme
       Verfügungen zu gewärtigen". 7)
       Die Machthaber verfolgten alle Publizisten, die zur Sprengung der
       Privilegienfesseln aufriefen,  als "Freiheitsschwindler"  und be-
       raubten sie durch Verbot ihrer Schriften ihrer Existenzgrundlage.
       Die Religions-  und Zensuredikte  Preußens, die verschärften Zen-
       surbestimmungen Kaiser  Leopolds II.  von Österreich,  die Gesin-
       nungsschnüffelei, die  Polizeischikanen und  das Spitzelwesen  in
       allen deutschen Teilstaaten machten es demokratischen Publizisten
       nahezu unmöglich,  ihre Aufstandsappelle, Gedichte und Kommentare
       zum Zeitgeschehen  unter eigenem  Namen zu veröffentlichen. Durch
       die Gewalthaber  von der ersehnten Teilnahme am Staatsleben abge-
       drängt, von  einem Teilstaat in den ändern gejagt, ständig in Ge-
       fahr, eingekerkert  und ausgewiesen zu werden, war die demokrati-
       sche Opposition  genötigt, mit  geschlossenem Visier  zu kämpfen,
       ihre Schriften anonym oder pseudonym erscheinen zu lassen und mit
       falschen oder  fingierten Druckorten  zu versehen. Verlagsangaben
       wie "Gebrüder  Redlich und  Ehrlich, Wahrheitsburg", "Bagdad, vor
       der Sündflut"  und "Athen,  bei Aristoteles  Erben"  waren  daher
       keine Seltenheit.
       Die kosmopolitischen  Vorkämpfer der deutschen Demokratie forder-
       ten in  ihren Flugblättern und Zeitschriften die Bevölkerung auf,
       das französische  Beispiel nachzuahmen  und ein Kampfbündnis zwi-
       schen der  bürgerlichen Opposition und den in feudale Fesseln ge-
       schlagenen plebejischen  Klassen herzustellen.  Stil und  Diktion
       der jakobinischen Revolutionsaufrufe, Gedichte und Aufsätze waren
       der Vorstellungswelt und dem Begriffsvermögen der Minderbemittel-
       ten und Mindergebildeten angepaßt. So wandte sich in einem anony-
       men Gedicht "Ein Deutscher an seine Brüder":
       Auf, Brüder, trinkt der Freiheit Wohl
       Im deutschen Vaterland!
       Und jedem der, ein freier Mann,
       Tyrannenfesseln brechen kann,
       Reicht brüderlich die Hand.
       Und euer Schwert dem Schändlichen,
       Der eure Freiheit raubt;
       Reißt dem gekrönten Bösewicht,
       Reißt ihm die Larve vom Gesicht,
       Die Krone von dem Haupt! 8)
       In einem  Freiheitsgedicht, das  an die  Soldaten der preußischen
       und österreichischen,  in Frankreich eindringenden Interventions-
       armee gerichtet war, hieß es:
       Wollt ihr für den Despoten fechten
       Und seiner Habsucht Knechte sein?
       Ihm eine Lorbeerkrone flechten
       Und schnitzen euch ein hölzern Bein?
       Nein, Brüder! Wenn wir kämpfen müssen,
       Dann soll nur unser warmes Blut
       Für Menschenrecht und Freiheit fließen
       Und nicht für Fürsten-Übermut! 9)
       In einem  anonymen "Sendschreiben  an  alle  benachbarten  Völker
       Frankreichs, zum  allgemeinen  Aufstand"  das  fünfmal  aufgelegt
       wurde und  in Deutschland  weite Verbreitung  fand, richtete  der
       emigrierte Jakobiner Karl Clauer bohrende Fragen an die politisch
       rechtlosen Untertanen der Fürstenstaaten:
       "Wie stünde  es um  die Gewalt  eines Souveräns,  wenn seine Hof-
       schranzen und  sein Schmeichlergeschmeiß  ihm seinen Willen nicht
       täten? ... Beruht ihre Machthabung nicht gänzlich auf eurer güti-
       gen Unterwürfigkeit,  auf eurem  freiwilligen Gehorsam?  ...  Mit
       welchem Arm wollten sie Kriege führen, wenn ihr, die ihr ihnen im
       Kriege dienet,  euch nicht  mehr wolltet für sie niedersäbeln und
       verstümmeln lassen, da unterdessen sie für euch, und auf eure Ko-
       sten, sich lustig machen?
       Wie lange,  sagt doch,  wie lange wollet ihr fortfahren, euch und
       die Eurigen,  euer Glück,  eure Ehre,  euer Blut, euer Leben, den
       schändlichen Eigenschaften,  dem unerträglichen  Übermut, den zü-
       gellosen Begierden solcher Leute aufzuopfern, die doch eigentlich
       berufen sind, für die Wohlfahrt der Nation Sorge zu tragen? Einem
       solchen Haufen nichtswürdiger, aufgedunsener, trotziger, barbari-
       scher Tagediebe, die sich von anderm Blut entsprossen, aus besse-
       rem Lehm  gebildet zu  sein dünken  und die  euch daher  für ihre
       Sklaven, für  ihr Vieh halten, weil ihr wollet, daß sie nur immer
       fortfahren, euch  zu meistern,  zu placken,  zu verhöhnen  und zu
       schinden; -  denen wollet  ihr noch ferner eure Nacken darhalten,
       und den Staub von ihren Füßen lecken?" 10)
       Viele von  der Obrigkeit verfolgte Jakobiner waren gezwungen, ihr
       Wirkungsfeld in  deutschsprachige Gebiete  zu verlegen,  in denen
       die Presse  nicht geknebelt  war. Der  wichtigste Mittelpunkt der
       deutschen Demokraten wurde seit Mitte 1791 Straßburg; denn in dem
       zu Frankreich gehörenden, vom Feudalismus befreiten Elsaß konnten
       die jakobinischen Publizisten als gleichberechtigte Citoyens wir-
       ken und  die unterdrückte  Bevölkerung rechts  des Rheins zu Auf-
       standsaktionen ermutigen.
       Der Höhepunkt der jakobinischen Revolutionspropaganda in Deutsch-
       land fällt  mit der Hegemonie der Gironde in Frankreich zusammen,
       die in  der Legislativversammlung  und der ersten Konventsperiode
       (Oktober 1791  bis Mai 1793) führende Positionen einnahm. Als po-
       litische Sachwalter  des Großbürgertums negierten die Girondisten
       die Ansprüche der Unterklassen, an den staatlichen Entscheidungen
       teilzunehmen, und  erblickten in den unterdrückten Nachbarvölkern
       Frankreichs die  potentiellen Bundesgenossen.  Die Wortführer der
       Gironde gehörten im Winter 1791792 zu den Kriegstreibern und tra-
       ten für  den Export der Revolution ein, um die inneren Sozialkon-
       flikte zu  verwischen, die Radikalisierung der Revolution zu hem-
       men und  in einem nationalen Aufschwung die "natürlichen" Grenzen
       Frankreichs zu  erreichen. Robespierre widersprach im Pariser Ja-
       kobinerklub und  später im  Konvent diesen Tendenzen entschieden,
       weil die  Losung von der Befreiung anderer Völker von der Notwen-
       digkeit ablenkte, die innere Konterrevolution zu bezwingen.
       In die  Periode der  erbitterten Richtungskämpfe zwischen Gironde
       und Bergpartei  im Konvent  fallen die Eroberung des Rheinlandes,
       die Errichtung  des Mainzer  Jakobinerklubs und  die  Wahlen  zum
       Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent,  die "Krönung der revolutio-
       när-demokratischen Bewegung",  als im März 1793 die Mainzer Repu-
       blik -  das erste  auf Volkssouveränität  beruhende demokratische
       Staatswesen auf deutschem Boden - unter französischer Schirmherr-
       schaft proklamiert  wurde. 11)  In diese  "weltbürgerliche" Phase
       der Französischen Revolution fiel auch der Aufschwung der revolu-
       tionären Propaganda  im Rechtsrheinischen,  als die Sansculotten-
       heere nach  Deutschland vorstießen  und es  eine Zeitlang schien,
       als ob die Privilegienordnung zusammenbrechen werde.
       Die Hinrichtung  des französischen  Königs am 21. Januar 1793 zog
       einen deutlichen Trennungsstrich zwischen liberalen und jakobini-
       schen Positionen.  Während Immanuel  Kant die Enthauptung Ludwigs
       XVI. als  eine Perversion  des Staatsrechts  ansah und  Friedrich
       Schiller die  Franzosen  "elende  Schindersknechte"  nannte,  12)
       stellte der  führende Mainzer  Jakobiner Georg  Forster fest, daß
       der König  "lauter Halsverbrechen"  begangen habe,  sein Tod eine
       "Sicherheitsmaßregel" sei  und seine Verurteilung "nicht nach Ge-
       setzbüchern, sondern  nach dem  Naturrecht geschehen"  mußte; 13)
       auch der  nach Straßburg emigrierte frühere Franziskanermönch Eu-
       logius Schneider,  der nach seiner Entkuttung zum Haupt der deut-
       schen Jakobiner  im Elsaß  emporstieg, konstatierte, daß "die Ge-
       rechtigkeit und die wahre Politik" Ludwigs Blut gefordert hätten.
       14)
       Nicht nur  in Straßburg,  sondern auch  in der  von  wohlhabenden
       Kaufherren beherrschten  Hansestadt Hamburg,  wo die Zensur milde
       gehandhabt wurde, und im benachbarten, zu Dänemark gehörenden Al-
       tona entstand  1792 ein  jakobinischer Sammelpunkt. Die vom däni-
       schen Reformer Johann Friedrich Struensee 1770 verkündete Presse-
       freiheit wurde  auch während  der Französischen  Revolution nicht
       aufgehoben. Der aus Sachsen stammende Jakobiner Friedrich Wilhelm
       von Schütz,  der seit 1787 in Altona ansässig war und einige auf-
       klärerische   Zeitschriften   herausgab,   begrüßte   in   seinem
       "Niedersächsischen  Merkur"   begeistert  den  "unwiderstehlichen
       Fortgang der  Revolution". Er  erblickte seine Aufgabe darin, die
       Geburt der  bürgerlichen Gesellschaft  zu beschleunigen,  die  im
       Schöße der  Privilegienordnung allmählich  herangereift war.  "Um
       uns einer  passenden Allegorie zu bedienen, so sind wir gleichsam
       die Geburtshelfer,  die Entbindung  zu erleichtern, und wir sehen
       den verständigen Teil des Publikums als die Gebärerin an, die ei-
       gentlich die  Hauptrolle spielen  muß, und  welcher wir die Wehen
       erleichtern helfen". 15)
       Nicht nur  demokratische Intellektuelle,  sondern auch  politisch
       wache Teile  der Unterschichten  Norddeutschlands  erwarteten  im
       Winter 1792/93  eine radikale  Umwälzung. In Altona konstituierte
       sich ein  plebejisches Jakobinerkon-ventikel,  dessen  Mitglieder
       handgeschriebene Flugblätter  mit der  Aufforderung zum Sturz des
       dänischen Königs und zur Abstellung sozialer Mißstände an öffent-
       lichen Gebäuden  befestigten; in  Kiel schlössen sich etwa 200 in
       Elend lebende  Unterprivilegierte, von  denen viele  in Kellerlö-
       chern hausten, zu einem "Patriotischen Klub" zusammen und verfaß-
       ten Petitionen  an die Behörden; beim Singen von Freiheitsliedern
       fragten sie,  "ob nur  die Leute  im Norden  Sklaven ihrer  Obern
       bleiben" müßten. 16)
       Auch in  ändern Teilen des deutschen Sprachraums entstanden Jako-
       binerzirkel: In  Wien schlössen  sich etwa  vierzig Staatsbeamte,
       Kaufleute, Anwälte,  Hofmeister und  andere Angehörige  der  Bil-
       dungsschichten um  den ehemaligen  Ratgeber des verstorbenen Kai-
       sers Leopold II., Andreas Riedel, und den Platzoberleutnant Franz
       Hebenstreit von  Streitenfeld zusammen, um gegen den reaktionären
       Kurs des  Kaisers Franz zu protestieren, Flugblätter zu verfassen
       und zu beratschlagen, wie man dem Kampf der französischen Sanscu-
       lottenarmeen zu  Hilfe kommen könne; die Wiener Jakobiner hielten
       auch Kontakt  mit Gesinungsgenossen aus anderen Teilen der Donau-
       monarchie, die  in Ungarn,  in der  Steiermark und in Krain tätig
       waren. 17)  In Schlesien  kam es  zur Gründung eines freimaureri-
       schen "Evergetenbundes",  dessen radikale  Mitglieder zu  politi-
       schem Handeln  drängten und  "bei einer  entstehenden Veränderung
       der Dinge  das Volk und die Revolution zu leiten oder doch leiten
       zu helfen" hofften. 18)
       Auch an  einigen Universitäten  waren radikale Demokraten zu fin-
       den, so  in Leipzig, wo der Philosophieprofessor Johann Friedrich
       Hilscher 1794  ebenso seines  Lehramts wegen revolutionsfreundli-
       cher Haltung  enthoben wurde  wie der  Orientalist Karl Friedrich
       Gramer in  Kiel; beide  waren zur  Emigration nach Frankreich ge-
       zwungen. 19)  An der Universität Jena agitierte der aus der Pfalz
       stammende Philosophiestudent  Johann Franz Jakob Brechtel für die
       jakobinischen Revolutionsideale; er ließ sich im Mai 1794 von dem
       in Basel residierenden Leiter des republikanischen Geheimdienstes
       in Mitteleuropa, Theobald Bacher, als Agent im Dienst des franzö-
       sischen Wohlfahrtsausschusses  anwerben. 20)  Ein anderer  junger
       Jakobiner, Friedrich  Joseph Emerich,  der in  Mainz und  Marburg
       Jura studiert  hatte und  Verfasser einiger Freiheitsgedichte und
       Revolutionsaufrufe war,  wurde  1796  am  Reichskammergericht  in
       Wetzlar zur  Advokatur nicht  zugelassen. 21)  Er trat ebenso als
       Soldat in die französische Revolutionsarmee ein wie der ehemalige
       Magister der Theologie Friedrich Christian Laukhard, der die Dik-
       tatur des Wohlfahrtsausschusses uneingeschränkt rechtfertigte und
       in seinen  Memoiren betonte,  daß  "Frankreich  dem  Jakobinismus
       seine Rettung und Existenz zu verdanken habe". 22)
       Diese jakobinischen Intellektuellen, deren Anzahl nach dem bishe-
       rigen Forschungsstand im gesamten deutschen Sprachraum etwa drei-
       hundert betrug,  forderten die Ersetzung der herrschenden Oligar-
       chien durch  "tugendhafte" und  uneigennützige Staatsbürger,  die
       sich lediglich von den Interessen der Allgemeinheit leiten lassen
       sollten. Ebenso  wie die französischen Jakobiner stellten sie das
       Postulat der  allgemein-menschlichen Emanzipation  in einer  sich
       frei bestimmenden sittlichen Gesellschaftsordnung auf und griffen
       damit ins  Utopische vor. In der vorindustriellen Welt aufgewach-
       sen und  dem  fortschrittsoptimistischen  Perfektibilitätsglauben
       verhaftet, glaubten  sie die  sozialen Konflikte der entstehenden
       kapitalistischen Klassengesellschaft  auf dem Weg ideologisch-ra-
       tionaler Argumentation  überbrücken zu  können. Sie  waren in der
       Illusion befangen,  daß es nur der Beseitigung der feudalbürokra-
       tischen Bevormundung  und der  Willkürherrschaft bedürfe, um eine
       von politischen  und sozialen  Zwängen freie, gerechte und humane
       harmonische Ordnung zu errichten. Von den Rousseauischen Vorstel-
       lungen der  natürlichen Gleichheit aller Menschen und der Volonté
       Générale ausgehend,  maßen sie  den historischen Prozeß an utopi-
       schen Gesellschaftsidealen  und sahen den Fortschritt als Ausfluß
       des freien  Willens an.  Die Jakobiner waren der Überzeugung, daß
       nach der  Abschaffung der ständischen Privilegienordnung jede Un-
       terdrückung aufgehoben  und die  Beziehungen zwischen den Indivi-
       duen und zwischen den Staaten durch die Anwendung aufklärerischer
       Vernunftprinzipien geregelt  sein würden. Ebenso wie ihre franzö-
       sischen Gesinnungsfreunde  hofften sie,  daß das  bürgerliche Ge-
       meinwesen, das  politische Gleichheit und Freiheit verfassungsmä-
       ßig verankern  sollte, den  uralten Menscheitstraum verwirklichen
       und eine auf den Grundlagen der Moral beruhende Politik betreiben
       werde. Ihre  Hoffnungen waren  jedoch illusorisch,  weil sie  das
       bürgerliche Eigentum  als Palladium  der sittlichen  Ordnung  be-
       trachteten und  ihm den  Charakter eines  unverletzlichen  Natur-
       rechts zusprachen.
       Diese Illusionen waren kein Zufall, sondern entsprangen dem Klas-
       sencharakter der  Französischen Revolution.  Der siegreiche Kampf
       Frankreichs hatte ja nicht die Begründung eines ethischen Staats-
       wesens zur  Folge, sondern  führte vielmehr  dazu, das markt- und
       profitorientierte dynamische  Leistungs- und  Konkurrenzsystem an
       die Stelle der aus dem Mittelalter tradierten statischagrarischen
       Bedarfdeckungswirtschaft zu  setzen und  alle feudalen  Schranken
       des Kapitals aus dem Wege zu räumen. Obwohl Frankreich damit eine
       höhere Stufe  der  Gesellschaftsentwicklung  erklomm,  reduzierte
       sich die Verwirklichung der von den Jakobinern für  a l l e  Men-
       schen erstrebten  Freiheitsideale auf die wirtschaftliche Selbst-
       bestimmung und  politische Macht  von wenigen,  nämlich der bour-
       geoisen Eigentümer.  Für die  Mehrheit der  Bevölkerung bedeutete
       die Etablierung  kapitalistischer  Verhältnisse  in  ökonomischer
       Hinsicht nichts  anderes als  die Ersetzung  der Fronknechtschaft
       durch die Lohnknechtschaft. Die materiellen Interessen der besit-
       zenden Nutznießer  der Revolution beruhten auf Ausbeutung der Ei-
       gentumslosen, die ihre Arbeitskraft zu verkaufen gezwungen waren,
       und ließen  die erhabenen  Ideale der Brüderlichkeit und Egalität
       zu hohlen Phrasen erstarren.
       Auch nach dem Sturz des Privilegiensystems, nach dem Niederreißen
       ständischer Sozialschranken  blieben antagonistische Herrschafts-
       und Abhängigkeitsverhältnisse  bestehen, die der kapitalistischen
       Produktionsweise immanent  und daher  unaufhebbar waren. Die ent-
       stehende bourgeoise  Ordnung, deren  entscheidende Triebkraft das
       individualistische und  egoistische Profitmotiv  - und  nicht das
       moralische Streben  nach , Jugend" und harmonischer Entwicklung -
       war, ließ  die Verwirklichung  der demokratisch-egalitären Ideale
       nicht zu.  Weshalb aber die Gesetze des Marktes und nicht die Ge-
       setze der Moral zum wichtigsten Vehikel des von den Adelsvorrech-
       ten befreiten  Frankreich wurden,  blieb den deutschen revolutio-
       nären Demokraten ebenso verborgen wie dem "unbestechlichen" Robe-
       spierre, der  vergeblich Terror  und Tugend zu verknüpfen suchte.
       Die Jakobiner  vermochten das  Ausbleiben der ersehnten gerechten
       Sozialordnung nicht  materialistisch zu  begründen, nicht auf die
       objektiven sozialökonomischen Bedingungen zurückzuführen, sondern
       blieben subjektiven  und moralischen  Kategorien  verhaftet.  Sie
       neigten  daher  zur  Personalisierung  der  Klassenkonflikte  und
       schrieben die mangelnde Harmonie und Bruderliebe der Bosheit, der
       Unfähigkeit, dem  Unverstand, dem  Egoismus und der Habsucht ein-
       zelner politischer Gegner zu.
       Einige deutsche Jakobiner, die erkannten, daß das bürgerliche Ei-
       gentumsprivileg die Verwirklichung ihrer emanzipatorischen Ideale
       nicht zuließ, erhoben Forderungen nach Aufhebung des Privateigen-
       tums. Der  Hamburger  Sozialutopist  Franz  Heinrich  Ziegenhagen
       schlug in  seinem Buch  "Lehre vom  richtigen Verhältnisse zu den
       Schöpfungswerken, und  die durch öffentliche Einführung derselben
       allein zu  bewirkende allgemeine  Menschenbeglückung" (1792)  die
       Errichtung von  landwirtschaftlichen Gemeinschaftssiedlungen vor,
       aus denen alles Privateigentum verbannt sein sollte. 23) Der Ber-
       liner Gesellschaftstheoretiker  Carl Wilhelm  Frölich propagierte
       in seinem  im gleichen  Jahr erschienenen Buch "Über den Menschen
       und seine Verhältnisse" die Begründung kommunistischer Gemeinden,
       in denen jeder Privatbesitz aufgehoben und die Produktion gelenkt
       sein sollte. 24) Der Wiener Jakobiner Franz Hebenstreit zeichnete
       in seinem  in lateinischen Hexametern verfaßten Lehrgedicht "Homo
       Hominibus" (Mensch unter Menschen) ein Idealgemälde einer auf Ge-
       meineigentum und  gemeinschaftlichem Genuß beruhenden kommunisti-
       schen Gesellschaft,  die den  Menschen zu seiner wahren und edlen
       Natur zurückführte. 25) Während Ziegenhagen, der bei dem Bankrott
       der von  ihm errichteten Gemeinschaftssiedlung sein gesamtes Ver-
       mögen verlor,  Selbstmord beging und Frölich einsam und vergessen
       im Armenhaus  starb, wurde Hebenstreit wegen "Staats- und Landes-
       verräterei" zum Tode verurteilt und hingerichtet.
       Während der  Jakobinerdiktatur in  Frankreich hielten die revolu-
       tionären Demokraten  der deutschen Teilstaaten an der Überzeugung
       fest, daß  die Franzosen  für die  Sache der  gesamten Menschheit
       kämpften, und  schrieben die  terroristischen Exzesse den Untaten
       einzelner zu.  Von den französischen Jakobinern hatten ihre deut-
       schen Gesinnungsfreunde  keine Hilfe  zu erwarten;  schon am  13.
       April 1793,  als noch  die Fraktionskämpfe  zwischen Gironde  und
       Montagne tobten,  beschloß der  französische Konvent,  alle welt-
       bürgerlichen Parolen  fallenzulassen, sich  nicht mehr in Angele-
       genheiten anderer  Völker einzumischen und die Befreiung Deutsch-
       lands vom  feudalen Joch  den dortigen  Demokraten zu überlassen.
       Die vereinzelten  revolutionären Publizisten,  die  untereinander
       wenig Kontakt  hatten, konnten  unmöglich das  leisten,  was  das
       deutsche Bürgertum als Klasse versäumte. Robespierre, der ab Juli
       1793, während  der großen  Krise der  Revolution, ein  Jahr  lang
       französischer Regierungschef  war, erklärte  wiederholt, daß  man
       bewaffnete Missionäre  nirgends liebe  und daß  der Krieg nur die
       Verteidigung und  Sicherung der  revolutionären Errungenschaften,
       nicht jedoch  die Befreiung der Nachbarländer oder die Errichtung
       einer Weltbürgerrepublik  zum Ziele habe. Aufgrund des im Septem-
       ber 1793  erlassenen "Gesetzes  über die  Verdächtigen", das alle
       Fremden als  potentielle Spione  und Agenten der Konterrevolution
       ansah, wurden  viele deutsche  Kosmopoliten, die  ins  "Land  der
       Freiheit" geflüchtet waren, eingekerkert und einige von ihnen so-
       gar hingerichtet.
       Nach Robespierres  Sturz hofften  die meisten deutschen Jakobiner
       wiederum auf  französischen Beistand, um das Privilegiensystem zu
       Fall zu bringen. Die Tatsache jedoch, daß die französischen Jako-
       biner als Regierungspartei vernichtet waren, bedeutete, daß nicht
       mehr die Träger der Revolution, sondern ihre Nutznießer, also die
       bourgeoisen Kriegsgewinnler,  und ihre politischen Wortführer das
       Staatsruder Frankreichs  lenkten. Die Thermidorianer und Direkto-
       ren benutzten  die Parolen  der Freiheit  und Gleichheit nur mehr
       als Phrasen  zur Beschönigung ihrer Eroberungsabsichten und waren
       an der  Umwandlung Deutschlands in einen demokratischen Freistaat
       nicht interessiert. Sie betrachteten das eroberte und 1797 annek-
       tierte Rheinland  in erster Linie als Ausbeutungsobjekt, paktier-
       ten mit  den alten  Mächten und  lehnten es  ab, die Aktionen der
       süddeutschen Jakobiner  zu einer  Mobilisierung der  Volksmassen,
       die in Vorbereitungen zur Sprengung des Rastatter Kongresses gip-
       felten, zu unterstützen.
       Die im  April 1795  abgeschlossenen Baseler Friedensverhandlungen
       akzentuierten die  Abwendung Frankreichs  von den  ursprünglichen
       Revolutionsprinzipien und führten zu einem Abkommen, laut dem das
       nördliche Deutschland  von Kriegshandlungen  verschont blieb.  Im
       Süden aber  gingen die  Zusammenstöße zwischen  dem  bürgerlichen
       Frankreich und  den Mächten der alten Ordnung, vornehmlich Öster-
       reich, unvermindert  weiter. Dies führte zu einer starken Häufung
       von Volksunruhen.  Die Wortführer  waren oft wandernde Handwerks-
       burschen, die die Umwälzung in Frankreich teilweise selbst miter-
       lebt hatten  und die  revolutionäre Kunde  überall  verbreiteten.
       Eine Analyse  der Flugblätter,  die in  München, Stuttgart,  Ulm,
       Nürnberg und  ändern Städten angeschlagen wurden, ergibt, daß na-
       hezu überall auf das leuchtende französische Vorbild Bezug genom-
       men wurde und die Flugblattverfasser gut über die politischen Zu-
       stände in  Frankreich Bescheid  wußten. Allerdings  gelang es den
       deutschen Demokraten  im allgemeinen nicht, die durch Bildung und
       Herkunft bedingten  Schranken zu  durchbrechen und  sich  an  die
       Spitze der  Aufruhrhaufen zu  setzen. Daher  sind  objektiv  "die
       deutschen Jakobiner  'ohne Volk'  geblieben, denn  nirgends - das
       Linksrheinische bis  zu einem  gewissen Grade ausgenommen - haben
       sie tatsächlich  Massen in Bewegung gebracht". 26) Die in einigen
       Kleinstaaten und  Reichsstädten  ausbrechenden  sozialen  Unruhen
       blieben unkoordiniert  und sanken nach Anfangserfolgen wie Stroh-
       feuer in sich zusammen.
       Die in den Archiven erhalten gebliebenen Dokumente vermitteln ein
       erschütterndes Bild der Not und Rechtlosigkeit der Unterschichten
       und zeigen, daß die Erkenntnis der deutschen Freiheitsapostel von
       der Notwendigkeit  einer revolutionären  Umgestaltung eine bedeu-
       tende Höhe erreichte. Die jakobinischen Aufrufe zur Volkserhebung
       in Süddeutschland  sind ungemein  vielgestaltig und erreichten in
       der Endphase  der französischen  Republik einen  hohen Reifegrad,
       wie der  im März 1799 publizierte anonyme "Entwurf zu einer repu-
       blikanischen Verfassungsurkunde,  wie sie  in Deutschland  taugen
       möchte", der Sozialrevolutionären Charakter trug, beweist. 27)
       Die deutschen  Jakobiner verfügten über drei Wege zur Verbreitung
       ihrer Grundsätze  und zur  Einwirkung auf  das Publikum. Es waren
       die Maurerbünde,  die Publizistik und die Bühne. Mehrere Demokra-
       ten benutzten alle drei Plattformen gleichzeitig.
       Die meisten Jakobiner waren Freimaurer. In den sektenmäßigen Ver-
       bindungen der Freimaurerlogen, die über die deutschen Binnengren-
       zen hinweg Beziehungen unterhielten, suchten sie gleichsam hinter
       dem Rücken  der Privilegienordnung die Revolutionsideen der Frei-
       heit, Egalität  und Bruderliebe  zu verwirklichen. Die Standesun-
       terschiede galten  nicht in den Logen, in denen sich der einzelne
       als Gleicher  unter Gleichen  fühlen konnte. Im Bruderbund war er
       kein Untertan  mehr, der  die Anordnungen  seines willkürlich und
       unmoralisch herrschenden  Fürsten befolgen  mußte; hier konnte er
       frei und furchtlos seine Kritik an den gesellschaftlichen und po-
       litischen Mißständen  äußern. Die große Bedeutung des Freimaurer-
       wesens in  Deutschland zur  Revolutionszeit war  ein Zeichen  der
       Schwäche des Bürgertums, das nicht imstande war, den absolutisti-
       schen Staat  und die hierarchische Privilegienordnung auf revolu-
       tionäre Weise  analog zu Frankreich zu beseitigen und daher seine
       Opposition in Geheimzirkeln ausdrückte. Zum Wesen der Geheimbünde
       gehörte aber  die beschränkte Anzahl ihrer Mitglieder und die Ab-
       grenzung gegenüber den Unterklassen.
       Die Publizistik ist als Höhepunkt der jakobinischen Tätigkeit und
       Wirkungsmöglichkeit anzusehen.  Die Popularisierung  der  politi-
       schen Ideen  durch Journale  und  Flugschriften  ermöglichte  den
       Übergang von  der abstrakten  Diskussion über  die Vorzüge dieses
       oder jenes  Regierungssystems zur tatsächlichen Anwendung auf die
       Verhältnisse in den deutschen Teilstaaten, um den politischen Be-
       wußtseinsstand der  Leser zu  heben. Die  demokratische Literatur
       weist viele  Gattungen auf;  die  Skala  reicht  von  schwierigen
       staatstheoretischen Werken  und philosophisch-lehrhaften  Romanen
       bis zu Zukunftsutopien, Satiren, Reisebeschreibungen, Agitations-
       broschüren, Freiheitsgedichten und kritischen Kommentaren zum Ta-
       gesgeschehen. In der Literaturproduktion, die oft an liturgische,
       dem Volk  vertraute Formen wie Predigt, Katechismus und Gebet an-
       knüpfte, ließ  sich der  Versuch der  Mobilisierung  der  unteren
       Klassen gut  erkennen. Obwohl  sich fast  alle Jakobiner publizi-
       stisch und  schriftstellerisch betätigten, hatte sich nahezu kei-
       ner von  ihnen ursprünglich  den Journalismus als Lebensberuf ge-
       wählt. Alle  Bildungsberufe -  Theologen,  Offiziere,  Advokaten,
       Ärzte, Lehrer,  Universitätsprofessoren - waren unter den Jakobi-
       nern zu finden. Nur Angehörige dieser Berufe konnten sich das für
       einen Publizisten  unerläßliche historische und politische Wissen
       aneignen. Bei dem damaligen Fehlen einer staatlichen Grundausbil-
       dung vermochten  Menschen aus den unteren Klassen die zur Heraus-
       gabe von  Zeitschriften nötigen Kenntnisse nicht zu erwerben. Die
       revolutionäre Publizistik  trieb  unzufriedene  und  verzweifelte
       Plebejer in  Stadt und  Land zur revolutionären Aktion, und umge-
       kehrt gingen durch die lokalen Aufstände der Unterklassen Impulse
       auch an Gebildete aus, die darob zu Jakobinern wurden.
       Nicht nur  durch die  Presse, sondern  auch von  der Bühne  herab
       konnte auf  die öffentliche  Meinung Einfluß genommen werden. Das
       Theater, auf  dem sich ein Stück bürgerlichen Emanzipationskampfs
       abspielte, konnte  eine erzieherische  Funktion ausüben und demo-
       kratisches Gedankengut  vermitteln. Die  Wirkungsbreite der Bühne
       übertraf infolge des Analphabetentums breiter Bevölkerungsschich-
       ten sogar  noch die  Presse. Ebenso  wie sich die Freimaurerlogen
       durch Geheimhaltung  dem Zugriff  der Willkürherrscher  entzogen,
       konnten die  Stückeschreiber von der Bühne herab über die Untaten
       und die  Unfähigkeit der  Gewalthaber Verdammungsurteile  fallen,
       ohne Gefahr zu laufen, Rechenschaft ablegen zu müssen. Allerdings
       barg die  Bühnentätigkeit der  Jakobiner auch einen Nachteil: Das
       Theater konnte  in seiner  künstlerischen Aussage  zwar eine ver-
       steckte moralische Verurteilung der bestehenden Zustände ausspre-
       chen, war aber viel weniger als die Presse imstande, die Privile-
       gienordnung unverhüllt zu bekämpfen. 28)
       Jenseits des  Rheins vermochten  die Jakobiner die Staatsmacht im
       Bund mit den Unterklassen zu erobern, dem Ansturm der inneren und
       äußeren Konterrevolution  siegreich standzuhalten und das Feudal-
       wesen ihres Landes endgültig zu vernichten. Den deutschen revolu-
       tionären Demokraten hingegen gelang die Vewirklichung ihrer Ziele
       nicht. Dir Scheitern war auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzu-
       führen. Die territoriale und konfessionelle Zersplitterung machte
       eine gleichzeitige Volkserhebung in den deutschen Teilstaaten un-
       möglich; die  durch Luthertum und Katholizismus geförderte Unter-
       tanengesinnung war  stärker als in Frankreich verwurzelt; vor al-
       lem jedoch mangelte es infolge der rückständigen wirtschaftlichen
       Zustände an  der entscheidenden  Voraussetzung, nämlich  an einem
       politisch reifen  und kühnen  Bürgertum, das  sich -  wie  es  in
       Frankreich geschehen war - an die Spitze aller politisch Unprivi-
       legierten hätte  stellen müssen.  In Deutschland  gab es kaum die
       ersten Ansätze  der industriellen Revolution; Handwerk und Handel
       waren noch  weitgehend von den Bedürfnissen der Höfe und der Ade-
       ligen abhängig.  Die Aufrufe der jakobinischen Patrioten, daß das
       deutsche Volk  seine Freiheit   s e l b s t   erobern  müsse  und
       nicht von  den Franzosen  als Geschenk annehmen dürfe, wurden nur
       ungenügend befolgt.
       Nach dem  Machtantritt des gestiefelten Erben der Revolution ver-
       sandete die deutsche Jakobinerbewegung; ihre deutsch-französische
       Freundschaftsidee wurde  durch den  deutschtümelnden Franzosenhaß
       der politischen  Romantik überwuchert, dem bei der Geburt der mo-
       dernen bürgerlichen  Nation die  ideologische Patenschaft zufiel.
       Napoleon Bonaparte  "vollzog den  Terrorismus, indem er an Stelle
       der permanenten  Revolution den permanenten Krieg setzte". 29) Er
       war jedoch  nicht nur  Vernichter, sondern  auch  Testamentsvoll-
       strecker des jakobinischen Erbes, weil er mit der Beseitigung des
       in politische Verwesung übergegangenen alten Reichs eine wichtige
       Forderung der  revolutionären Demokratie  erfüllte. "Jenseits der
       französischen Grenzen  fegte er überall die feudalen Gestaltungen
       weg, soweit  es nötig  war, um  der bürgerlichen  Gesellschaft in
       Frankreich eine  entsprechende zeitgemäße  Umgebung zu  verschaf-
       fen". 30) Das deutsche Volk, das sich nicht aus eigener Kraft von
       den alten  Gewalten zu  emanzipieren vermocht  hatte, erlebte die
       bürgerliche Revolution als eine Invasion feindlicher Armeen. "Ein
       fremder Eroberer  hat in  Deutschland die  alten Zwingburgen  der
       Feudalherren und die Klöster der Ordensherren in Trümmer geschla-
       gen und  die gesellschaftlichen  Grundlagen des nationalen Staats
       geschaffen ... Politisch hat es die deutsche Bourgeoisie nie ver-
       wunden, daß  sie sich nicht selbst emanzipiert hat, sondern durch
       ausländische Hilfe  emanzipiert worden ist. Deshalb ist der deut-
       sche Bürgersmann  auch nie ein Freier geworden, sondern immer nur
       ein Freigelassener,  dem die zerbrochene Kette bei jedem Schritte
       mit verräterischem Klirren nachschleicht". 31)
       
       _____
       1) Die vorliegende  Übersicht übernimmt  teilweise  Gedankengänge
       und Formulierungen meiner Abhandlung "Die deutsche Jakobinerbewe-
       gung",  in:   Helmut  Berding  und  Hans-Peter  Ulbnann  (Hrsg.),
       Deutschland zwischen  Revolution und Restauration, Königstein/Ts.
       1981, S.  208-227, und stützt sich auch auf die ersten beiden Ka-
       pitel meines  Buchs "Ein  Volk muß seine Freiheit selbst erobern.
       Zur Geschichte  der deutschen  Jakobiner", Büchergilde Gutenberg,
       Frankfurt/Main 1984.  Dort findet  sich eine ausführliche Biblio-
       graphie zu dem Thema.
       2) Vgl. Heinrich Scheel, Süddeutsche Jakobiner. Klassenkämpfe und
       republikanische Bestrebungen  im deutschen  Süden  Ende  des  18.
       Jahrhunderts, Berlin/DDR  1962, 3. Aufl. 1980, und ders. (Hrsg.),
       Jakobinische Flugschriften  aus dem  deutschen Süden Ende des 18.
       Jahrhunderts, Berlin/DDR 1965.
       3) Vgl. Axel  Kuhn, Jakobiner  im Rheinland. Der Kölner konstitu-
       tionelle Zirkel  von 1798,  Stuttgart  1976  und  ders.  (Hrsg.),
       Linksrheinische deutsche  Jakobiner. Aufrufe,  Reden, Protokolle,
       Briefe und Schriften 1794-1801, Stuttgart 1978.
       4) Heinrich Würzer,  Der patriotische  Volksredner,  Altona  1796
       (Reprint Nendeln/Liechtenstein 1976), 1. Stück, S. 15.
       5) Diese Worte  aus einem  Brief Contessas sind von Aurelius Feß-
       ler, Aktenmäßige  Aufschlüsse über  den  Bund  der  Evergeten  in
       Schlesien, Freyberg 1804, S. 146 überliefert.
       6) Georg Friedrich  Rebmann, Die  Schildwache, Paris  (vielm. Al-
       tona) 1796 (Reprint Nendeln 1972), 1. Stück, S. 74.
       7) Einzelheiten über  Kants politische  Auffassungen finden  sich
       bei Peter  Burg, Kant  und die französische Revolution, Berlin/W.
       1974. Vgl.  auch W.  Grab, Ein Volk muß seine Freiheit selbst er-
       obern (oben, Anm. 1), S. 29-32.
       8) (Friedrich Wilhelm  von Schütz, Hrsg.), Niedersächsischer Mer-
       kur, sehr  vermischten Inhaltes (künftig NM), Altona (vielm. Ham-
       burg) 1792, (Reprint Nendeln 1972), 1. Bändchen, 6. Stück, S. 81.
       Das Gedicht  ist auch  abgedruckt bei  Hans Werner Engels, Lieder
       und Gedichte deutscher Jakobiner, Stuttgart 1971, S. 65 f.
       9) NM, 2. Bändchen, 3. Stück, S. 35, auch abgedruckt bei H.W. En-
       gels (oben,  Anm. 8),  S. 72. Das Gedicht, dem diese Strophe ent-
       stammt, war  im ganzen  Reichsgebiet verbreitet und wurde noch in
       der Revolution von 1848 gesungen.
       10) Hans Werner Engels, Karl Clauer. Bemerkungen zum Leben und zu
       den Schriften eines deutschen Jakobiners, in: Jahrbuch des Insti-
       tuts für  deutsche Geschichte,  Bd. 2,  Tel Aviv 1973, S. 101-144
       (135). Der  volle Wortlaut  des "Sendschreibens"  Clauers  findet
       sich ebd., S. 126-144.
       11) Vgl. Heinrich  Scheel (Hrsg.), Die Mainzer Republik I. Proto-
       kolle des Jakobinerklubs, Berlin/DDR 1975, und ders., Die Mainzer
       Republik II.  Protokolle des Rheinisch-deutschen Nationalkonvents
       mit Quellen  zu seiner  Vorgeschichte, Berlin/DDR 1981. Vgl. auch
       Franz Dumont, Die Mainzer Republik von 1792/93. Studien zur Revo-
       lutionierung in Rheinhessen und der Pfalz, Alzey 1982.
       12) Brief Schillers  an Christian  Gottfried Körner,  8.  Februar
       1793, in:  Fritz Jonas  (Hrsg.), Schillers Briefe, 3 Bde., Stutt-
       gart und Leipzig o.J., Bd. 3, S. 224.
       13) Brief Forsters  an seine  Frau, 28.  Januar 1793, in: Gerhard
       Steiner (Hrsg.),  Georg Forster.  Werke in vier Bänden, Frankfurt
       und Leipzig 1970, Bd. 4, S. 828.
       14) (Eulogius Schneider,  Hrsg.), Argos oder der Mann mit hundert
       Augen, 2.  Jg., 1.  Halbjahr,  Straßburg  1793  (Reprint  Nendeln
       1976), Nr. VII, 25. Januar 1793, S. 50.
       15) NM, 2. Bändchen, 12. Stück, S. 183 f.
       16) Landesarchiv Schleswig-Holstein,  Abt. 10  (Königliche Statt-
       halterschaft), Nr.  553. Einzelheiten  über den  Kieler  "Patrio-
       tischen  Klub"   finden  sich   bei  Walter  Grab,  Demokratische
       Strömungen in  Hamburg und Schleswig-Holstein zur Zeit der ersten
       französischen Republik, Hamburg 1966, S. 113-117.
       17) Vgl. Ernst  Wangermann, From Joseph II to the Jacobin trials,
       Oxford 21967;  Dana Zwitter-Tehovnik, Wirkungen der Französischen
       Revolution  in   Krain,  Wien-Salzburg   1975;  Helmut  Reinalter
       (Hrsg.), Jakobiner in Mitteleuropa, Innsbruck 1977.
       18) Das Zitat  ist dem  Brief Jakob  Contessas an Aurelius Feßler
       vom 29.  März 1795  entnommen, vgl.  A. Feßler,  Aktenmäßige Auf-
       schlüsse (oben,  Anm. 5),  S. 157f. Über den Evergetenbund finden
       sich Einzelheiten bei W. Grab, Ein Volk muß seine Freiheit selbst
       erobern (oben, Anm. 1) S. 437-443 und bei Peter Barton, Erzieher,
       Erzähler, Evergeten, Wien-Köln-Graz 1980, S. 267-290.
       19) Vgl. Alain  Ruiz, Les  dernierès étapes d'un Jacobin Allemand
       en exil:  Johann Friedrich Hilscher, Fonctionnaire de la Républi-
       que Française  et sa  fin à  Paris de l'Empire à la Restauration,
       in: Cahiers  d'études germaniques,  revue annuelle, Université de
       Provence, Aix-en-Provence, 1983, No. 7, 173-204, und 1984, No. 8,
       212-250; Alain  Ruiz, Un  admirateur  allemand  de  Sieyès,  Karl
       Friedrich Gramer,  in: Revue d'histoire diplomatique, 1974, No 3-
       4, S. 1-53; ders., Karl Friedrich Cramers ideologisch-politischer
       Werdegang. Vom  deutschtümelnden Freiheitsbarden  zum engagierten
       Anhänger der Französischen Revolution, in: Jahrbuch des Instituts
       für deutsche Geschichte, Bd. 7, Tel Aviv 1978, S. 159-214.
       20) Vgl. Alain Ruiz, Universität Jena Anno 1793/94. Ein jakobini-
       scher Student  und Geheimagent im Schatten Reinholds und Fichtes,
       in: Julius  H. Schoeps  und Imanuel Geiss (Hrsg.), Revolution und
       Demokratie in  Geschichte und  Literatur. Zum  60. Geburtstag von
       Walter Grab, Duisburg 1979, S. 95-132.
       21) Vgl. Sigfrid  Gauch, Friedrich Joseph Emerich - ein deutscher
       Jakobiner. Studien  zu Leben  und Werk,  Frankfurt-Bern-New  York
       1986.
       22) Vgl. Hans Werner Engels, Friedrich Christian Laukhards Recht-
       fertigung der  revolutionären Jakobinerdiktatur,  in: Otto  Busch
       und Walter  Grab (Hrsg.), Die demokratische Bewegung in Mitteleu-
       ropa im  ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert, Berlin 1980,
       S. 56-72. Das Zitat dortselbst, S. 65.
       23) Vgl. Gerhard  Steiner, Franz  Heinrich Ziegenhagen  und seine
       Verhältnislehre. Ein Beitrag zur Geschichte des utopischen Sozia-
       lismus in  Deutschland, Berlin/DDR 1962. Ziegenhagens Buch "Lehre
       vom richtigen  Verhältnisse zu  den Schöpfungswerken..." ist 1980
       im Topos-Verlag, Vaduz/Liechtenstein als Reprint erschienen.
       24) Vgl. Gerhard  Steiner, Der Traum vom Menschenglück. Leben und
       literarische Wirksamkeit  von Carl Wilhelm und Henriette Frölich,
       Berlin/DDR 1959,  und ders. (Hrsg.), C. W. Frölich: Über den Men-
       schen und seine Verhältnisse, Berlin/DDR 1960.
       25) Vgl. Alfred Körner (Hrsg.), Die Wiener Jakobiner. Darstellung
       und Dokumentation, Stuttgart 1972; Franzjosef Schuh, Franz Heben-
       streit 1747-1795.  Mensch unter Menschen. Seine Schriften ediert,
       übersetzt und  kommentiert nebst  einer  Einleitung,  Trier  1974
       (Schriften aus dem Karl-Marx-Haus, Nr. 11).
       26) Heinrich Scheel,  Deutsche Jakobiner, in: Zeitschrift für Ge-
       schichtswissenschaft, Bd. 17, Berlin/DDR 1969, S. 1131.
       27) Der Wortlaut  dieses Dokuments ist bei H. Scheel (Hrsg.), Ja-
       kobinische Flugschriften (oben, Anm. 2), S. 130-182 abgedruckt.
       28) Vgl. Gerhard Steiner (Hrsg.), Jakobinerschauspiel und Jakobi-
       nertheater. Darstellung und Dokumentation, Stuttgart 1973.
       29) Karl  Marx/Friedrich   Engels,  Die   heilige  Familie,   in:
       Marx/Engels Werke, Bd. 2, S. 130.
       30) Karl Marx,  Der achtzehnte  Brumaire des Louis Bonaparte, in:
       Marx/Engels Werke, Bd. 8, S. 116.
       31) Franz Mehring,  Zur deutschen  Geschichte von  der  Zeit  der
       Französischen  Revolution   bis  zum  Vormärz  (1789  bis  1847),
       (Gesammelte Schriften, Bd. 6), Berlin/DDR 1965, S. 154 und 163.
       

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