Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       TUGEND UND TERROR - NOTIZEN ZUR SOGENANNTEN SCHRECKENSHERRSCHAFT
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       Hans Heinz Holz
       
       1.
       
       Am 10.  Oktober 1793 trug St. Just als Berichterstatter des Wohl-
       fahrtsausschusses dem  Nationalkonvent den Antrag vor, ein Dekret
       über die  Errichtung einer Revolutionsregierung zu verabschieden.
       Die Intention der Konzentration ausübender Gewalt bei Exekutivrat
       und Wohlfahrtsausschuß  1) wird aus den begründenden Ausführungen
       St. Justs  ersichtlich; da heißt es: "Die Republik wird erst dann
       auf festen  Grundlagen ruhen,  wenn der  Wille des  Souveräns die
       monarchistische Minderheit unterdrücken und kraft Eroberungsrecht
       über sie herrschen wird. Ihr dürft die Feinde des jetzigen Regie-
       rungssystems in  keiner Weise mehr schonen, denn die Freiheit muß
       siegen, um  welchen Preis  auch immer  ... Solange  auch nur  ein
       Feind der  Revolution noch atmet, können wir auf kein glückliches
       Gedeihen hoffen.  Ihr habt  nicht nur  die Verräter, sondern auch
       die Gleichgültigen zu bestrafen; ihr habt jeden zu bestrafen, der
       untätig in  der Republik  dahinlebt und  nichts für  sie leistet.
       Denn seit  das französische  Volk seinen  Willen zum Ausdruck ge-
       bracht hat,  zählt jeder, der sich dem Volk entgegenstellt, nicht
       mehr zum Souverän, und jeder, der nicht mehr zum Souverän gerech-
       net wird,  ist ein  Feind" 2).  Die großen  politischen  Prozesse
       folgten: Am  16. Oktober  wurde Marie Antoinette hingerichtet, am
       24. Oktober  begann der Prozeß gegen 21 führende Girondisten, die
       am 31. Oktober guillotiniert wurden. Von Oktober bis Dezember er-
       gingen in  395 Anklagefällen 177 Todesurteile. In den Pariser Ge-
       fängnissen waren am 21.12.1793  4525 Personen inhaftiert. Die Mo-
       nate der sogenannten "Schreckensherrschaft" hatten begonnen.
       Im übrigen Europa reagierten viele Freunde der revolutionären Be-
       wegung mit Ablehnung, Entsetzen, Feindschaft. Die Erklärungen der
       Menschenrechte von  1789 und  1793, die Verfassungen von 1791 und
       1793 hatten Europa aufgewühlt. Fichte hatte, unter Zustimmung der
       besten Vertreter der deutschen Intelligenz, die "Französische Re-
       volution ein  reiches Gemälde  über den großen Text Menschenrecht
       und Menschenwert"  genannt und  hinzugefügt: "Den  Despotismus zu
       schützen, gibt es kein Mittel" 3). Das war immerhin nach der Hin-
       richtung Ludwigs  XVI. (am  21. Januar 1793) - das Ja zur Revolu-
       tion schloß  also durchaus das Ja zur revolutionären Gewalt gegen
       Leib und Leben ein. Anders wäre es auch gar nicht denkbar gewesen
       - denn  schon in  ihren Anfangen waren sich die Revolutionäre be-
       wußt, daß  ihre Sache  ein Kampf  auf Leben und Tod war. In einem
       Brief der Manon Roland vom 26. Juli 1789 - knapp zwei Wochen nach
       dem Sturm  auf die  Bastille! -  heißt es: "Wenn die Nationalver-
       sammlung nicht  in aller Form zwei erlauchten Häuptern den Prozeß
       macht oder wenn nicht edelmütige Männer nach dem Beispiel des De-
       cius ihnen die Köpfe herunterschlagen, holt euch alle der Teufel"
       4). Genau  ein Jahr  später, am  26. Juli 1790, schreibt Marat im
       "Volksfreund": "500  oder 600  abgeschlagene  Köpfe  würden  euch
       Ruhe, Freiheit und Glück sichern. Eine falsch verstandene Mensch-
       lichkeit hat eure Arme gelähmt und euch gehindert, Schläge auszu-
       teilen: Sie  wird Millionen eurer Brüder das Leben kosten. Sobald
       eure Feinde  einen Augenblick lang triumphieren, wird das Blut in
       Strömen fließen.  Unbarmherzig werden  sie euch  umbringen, euren
       Frauen den Bauch aufschlitzen. Ihre blutgierigen Hände werden das
       Herz aus den Leibern eurer Kinder reißen, um unter euch die Liebe
       zur Freiheit  für alle Zeit auszulöschen" 5). Daß im Kampf um die
       Freiheit die  Gegner der  Freiheit nicht  würden geschont  werden
       dürfen, wurde im progressiven Europa akzeptiert.
       Doch die "Schreckensherrschaft" des Jahres 1793/94 bedeutete eine
       neue Qualität. Nicht mehr nur die hartnäckigen Verfechter der al-
       ten Ordnung,  die Royalisten und Propagandisten ausländischer In-
       tervention wurden als Konterrevolutionäre, Volksfeinde und Verrä-
       ter vor  Gericht gestellt, sondern hervorragende Führer der Revo-
       lution selbst,  Protagonisten der  ersten  Stunde.  Die  bis  zur
       Selbstzerfleischung gehende  Selbstreinigung  der  revolutionären
       Kader konnte  von außenstehenden Beobachtern kaum verstanden wer-
       den, die  Fraktionen und  Interessen, die hier gegeneinanderstan-
       den, waren  schwer zu  durchschauen, die  Härte  des  Überlebens-
       kampfes der  revolutionierten, aber  doch noch unstabilen Gesell-
       schaft wurde nur selten richtig erkannt. Die Revolutionäre schie-
       nen mit  Füßen zu treten, was sie selbst als staatliche Norm auf-
       gestellt hatten.  Ratlosigkeit, Furcht  und Kleinmut machten sich
       unter den  Sympathisanten der  Revolution breit.  Ernst Bloch hat
       1937 "die  Schwankungen deutscher  Dichter und  Denker im Verlauf
       der französischen Revolution, ... als der Westwind, unweigerlich,
       auch Blutgeruch  mit sich  führte" 6),  mit bitteren  Worten  als
       "Renegatentum" bezeichnet  und den "konkreten Begriff der Revolu-
       tion gefordert,  der die  Gewaltanwendung  zur  Verteidigung  der
       neuen, fortschrittlichen  Verhältnisse einschließt. Ganz in Über-
       einstimmung mit  St. Just,  der über dem idealen Zweck die Zwänge
       realer Durchsetzung nicht verkannte: "In Anbetracht der Umstände,
       denen sich  die Republik  gegenwärtig ausgesetzt  sieht, kann die
       Verfassung nicht  in Kraft gesetzt werden; man würde die Republik
       durch die  Verfassung selbst  zugrunde richten. Sie würde zur Ga-
       rantie aller Anschläge auf die Republik werden, denn es würde ihr
       an der notwendigen Gewalt fehlen, sie unterdrücken zu können" 7).
       Die Revolutionäre haben die Differenz zwischen der Verfassung vom
       24. Juni  1793 (der  die 2.  Erklärung der  Menschen- und Bürger-
       rechte vorangestellt war) und ihrer eigenen revolutionären Regie-
       rungstätigkeit durchaus  gesehen und  als Problem für ihr Selbst-
       verständnis wahrgenommen.  Die  Gesellschaft,  die  sie  schaffen
       wollten, hatte  nur eine Lebenschance, wenn sie sich gleichzeitig
       gegen ihre  Feinde von  innen und außen und gegen die Selbstsucht
       ihrer  Mitglieder   behaupten  konnte.  Der  Ausnahmezustand  war
       gleichsam der  Kaiserschnitt, mit  dessen Hilfe das Kind zur Welt
       gebracht werden  sollte. Robespierre  hat  die  (revolutionstheo-
       retisch   und   staatstheoretisch   begründende)   Unterscheidung
       zwischen Durchsetzung  und  Ausübung  der  Freiheit  gemacht.  In
       seiner Botschaft  an den  Nationalkonvent über die Grundsätze der
       Revolutionsregierung führt  er aus:  "Die konstitutionelle Regie-
       rung  hat   das  Ziel,   die  Republik  zu  erhalten,  die  Revo-
       lutionsregierung das  Ziel, sie  zu begründen. Die Revolution ist
       der Krieg  der Freiheit gegen ihre Feinde; die Verfassung ist das
       Regime der siegreichen und friedlichen Freiheit. Die Revolutions-
       regierung bedarf  einer außerordentlichen  Aktivität, gerade weil
       sie sich  im Kriegszustand befindet ... Die verfassungsmäßige Re-
       gierung befaßt sich hauptsächlich mit der Bürgerfreiheit; die Re-
       volutionsregierung mit der Staatsfreiheit. Unter dem konstitutio-
       nellen Regierungssystem  genügt es fast, die Individuen gegen den
       Mißbrauch der  Staatsgewalt zu schützen; unter dem System der Re-
       volutionsregierung ist  die Staatsgewalt  selber zur Verteidigung
       gegen alle  sie angreifenden Parteien gezwungen. Die Revolutions-
       regierung schuldet  den guten  Bürgern den  ganzen Schutz der Na-
       tion; den Feinden des Volkes schuldet sie nur den Tod" 8).
       Zwei klassische Argumentationsmuster treffen hier aufeinander und
       werden in eine funktionale Folgeordnung gebunden: Der Vorrang des
       Allgemeinen, des commune bonum, repräsentiert durch die zentralen
       Institutionen des  Staates als  Träger absoluter  Macht, ist Ord-
       nungsprinzip unter  den Bedingungen  des Krieges,  Bürgerkrieges,
       der permanenten  Bedrohung; der  Primat der  Individuen, mit bloß
       formaler Schutzfunktion des Staates und seiner Institutionen, ist
       der Normalfall  der Friedensordnung. Die Verfassung der römischen
       Republik, mit  Senat und  Volkstribunen und  zeitlich  begrenzter
       Diktatur in  Notlagen, bot  ein brauchbares  Analogen  von  hohem
       ideologischem Wert als politisch-moralisches Paradigma.
       
       2.
       
       Für die Beurteilung der Jakobinerdiktatur ist es wichtig, die Re-
       aktion der  breiten Schichten des Volkes auf den Terror zu beach-
       ten. Die  Verfolgung der  Angehörigen des Adels und der monarchi-
       stischen Bürokratie  war von vornherein gemeinsame Sache des Vol-
       kes, wenn  auch lange  Zeit noch  eine - verschieden motivierte -
       Bereitschaft bestand,  dem König  eine konstitutionelle  Rolle zu
       belassen. Doch  die Intrigen  des Hofs und vor allem Ludwigs Ver-
       such, die europäischen Fürstenhöfe zur militärischen Intervention
       zu veranlassen, ließen die Volksstimmung mehr und mehr zu radika-
       leren Konsequenzen  tendieren. Als am 21. Juni 1791 der König mit
       seiner Familie  aus den  Tuilerien floh, um sich nach Deutschland
       zu begeben und an die Spitze der Konterrevolution zu stellen, wa-
       ren die  Fronten geklärt:  Das Volk  erkannte die Gefahr, die ihm
       von einem Bündnis der französischen Aristokraten mit den europäi-
       schen Monarchien  drohte. Als die Nationalversammlung noch an ei-
       ner konstitutionellmonarchischen  Verfassung  festhielt  und  den
       Verfassungsentwurf dem  König zur  Ratifizierung  vorzulegen  be-
       schloß, häuften  sich die Petitionen der Klubs, der Sektionen von
       Paris und  der Departements des Landes auf Abschaffung der Monar-
       chie. Zitiert  sei als Beispiel die folgenreiche Petition auf dem
       Marsfelde vom  17. Juli  1791: "Ludwig XVI. flieht, würdelos ver-
       läßt er seinen Posten, und nur um Fingerbreite ist der Staat noch
       von der  Anarchie entfernt.  Bürger verhaften ihn in Varennes; er
       wird nach Paris zurückgebracht ... Alle Teile des Reiches fordern
       gleichzeitig, Ludwig  vor Gericht zu stellen ... Alle Rücksichten
       auf das  Gemeinwohl..., alles verpflichtet uns, ... zu verlangen,
       seine Abdankung  anzunehmen und eine neue Verfassungsgebende Ver-
       sammlung einzuberufen,  um auf wahrhaft nationale Weise zur Abur-
       teilung des Schuldigen zu schreiten und insbesondere die Ablösung
       der alten und Bildung einer neuen Exekutivgewalt vorzunehmen" 9).
       Die Angehörigen  der Klubs  hatten sich zur Unterzeichnung dieser
       Petition auf  dem Marsfeld  versammelt, die  bürgerliche Mehrheit
       der Nationalversammlung  befahl die  Auflösung der Demonstration.
       "Der Ausnahmezustand wurde verhängt; die ausschließlich bürgerli-
       che Nationalgarde drang in das Champ-de-Mars ein, schoß ohne vor-
       herige Warnung auf die unbewaffnete Menge und tötete 50 Menschen.
       Darauf folgte  eine Zeit  brutaler Unterdrückung; zahlreiche Ver-
       haftungen wurden  vorgenommen; der  Klub der Cordeliers wurde ge-
       schlossen, und die demokratische Partei war vorübergehend führer-
       los. Das  war die  Schreckensherrschaft der tricolore" 10). Jetzt
       war deutlich  geworden: Die  Revolutionäre hatten sich gespalten.
       Eine konstitutionelle,  königstreue und  dem Besitzbürgertum ver-
       pflichtete Fraktion  stand den radikalen Demokraten gegenüber und
       versuchte, ihnen  die Früchte  der Revolution vorzuenthalten. Das
       Jahr vom Sommer 1791 bis zum Sommer 1792 war gekennzeichnet durch
       die Zuspitzung  der Interessengegensätze  und die Desorganisation
       des gesellschaftlichen  Lebens: Preiswucher,  Korruption, Versor-
       gungsschwierigkeiten, Fraktionskämpfe  charakterisierten die Lage
       und ließen den Unmut der Massen steigen. Der König und die Giron-
       disten drängten auf einen Krieg, sei es, um mit Hilfe der eigenen
       Armee die alten Verhältnisse wiederherzustellen, sei es, um durch
       einen Sieg der ausländischen Truppen die Revolution zu unterdrüc-
       ken.
       Die Taktik  der Rechten erwies sich als zweischneidig. Zwar wuchs
       beim Offizierskorps und den Angehörigen der alten Berufsarmee der
       konterrevolutionäre Geist;  und sie  sahen mit Vergnügen, daß die
       freiwilligen Revolutionäre  in den  Gefechten mit  dem Feind  den
       höchsten Blutzoll  zu entrichten  hatten. Der  Ausspruch wird be-
       richtet: "Schon  300 Sansculotten  sind gefallen, bravo! Man rei-
       nige die  Erde von  dieser  Brut,  dann  wird  unser  Herr  König
       sein..." 11).  Niederlagen der  französischen Truppen  wurden  am
       Hofe als Erfolge der eigenen Sache begrüßt.
       Aber andererseits  hatte das Volk begriffen, daß es jetzt die Er-
       rungenschaften der  Revolution verteidigen  mußte,  wenn  es  sie
       nicht verlieren  wollte. Das  Volk bewaffnete  sich,  Freiwillige
       strömten zu  den Nationalgarden.  Unter diesen  Umständen mochten
       die gemäßigten  Bürgerlichen das Bündnis mit dem Hofe, der zugun-
       sten eines Sieges der Landesfeinde intrigierte, nicht aufrechter-
       halten. Der girondistische Minister Roland appellierte an den Kö-
       nig, die  Einheit der  Nation auf  der Grundlage der konstitutio-
       nell-monarchistischen Verfassung zu bewahren, andersfalls mit dem
       Aufstand des  Volkes zu  rechnen sei: "Wegen der Vorrechte, derer
       sich die  Adligen erfreut hatten, sah das Volk in ihnen im ersten
       Jahr der  Revolution hassenswerte  Unterdrücker; nach Abschaffung
       der Privilegien  wäre dieser  Haß aber erloschen, hätte nicht das
       Verhalten des  Adels von  dieser Zeit an alle erdenklichen Gründe
       geliefert und  bestärkt, ihn  zu fürchten und als unversöhnlichen
       Feind zu  bekämpfen ...  Bei diesem  Zusammenprall der Interessen
       haben alle  Gefühle den  Ton der Leidenschaft angenommen. Das Va-
       terland ist  keineswegs eine  Phrase, an  deren Ausschmückung die
       Phantasie Gefallen  gefunden hat. Es ist ein wirklich vorhandenes
       Wesen, dem man Opfer bringt, an das man sich jeden Tag fester an-
       schließt ... Alle Schläge, die man ihm versetzt, sind Mittel, die
       Begeisterung für  das Vaterland  neu zu  entflammen ...  In allen
       Teilen des Reiches hat die Gärung den höchsten Grad erreicht; sie
       wird auf  entsetzliche Weise zum Ausbruch kommen, sofern sie kein
       wohlbegründetes Vertrauen  in die Absichten Ew. Majestät zu beru-
       higen vermag.  Dieses Vertrauen  wird sich jedoch nicht auf bloße
       Versicherungen hin  einstellen, es  kann sich nur noch auf Tatsa-
       chen gründen"  12). Ludwig  entließ daraufhin die girondistischen
       Minister, Lafayette  rief zur Konterrevolution auf. Marat entgeg-
       nete mit  einer leidenschaftlichen  Mahnpredigt an das schlafende
       Volk, und  sein Weckruf  endete mit  der Aufforderung zur Gewalt:
       "Das Volk  ist von den Beamten betrogen worden, die sich mit Ver-
       rätern und  Verschwörern zusammengetan  haben, um seinen Unwillen
       zurückzudrängen, seinen  Groll zu ersticken, seinen Eifer zu zäh-
       men und  seine Kühnheit  zu fesseln  ... Hintergangen  von seinen
       verlogenen Vertretern,  die es  in der  Hoffnung  wiegten,  seine
       Rechte zu  wahren, seine  Souveränität zu  sichern und  die Herr-
       schaft der  Freiheit und  der Gerechtigkeit  zu errichten, hat es
       sich schließlich in allen ihren Fallen fangen lassen ... Das Volk
       ist weit  davon entfernt, zu ahnen, daß es sich nur dann Freiheit
       verschaffen und  Ruhe sichern  kann, wenn es sich der Vaterlands-
       verräter erbarmungslos  entledigt und  die Rädelsführer unter den
       Verschwörern in ihrem eigenen Blut ertränkt" 13).
       Es kann - bedenkt man die Entwicklung der folgenden Monate - kein
       Zweifel sein,  daß Marat  den empfindlichen  Nerv einer  latenten
       Volksstimmung getroffen  hatte. Die  Massen kamen  sich  betrogen
       vor; Wut  gegen die Verräter, die mit den Aristokraten gemeinsame
       Sache machten  und dabei  ihr Schäfchen  ins  Trockene  brachten,
       hatte sich  angestaut und  mußte nur artikuliert werden; dazu kam
       die Angst  vor der Rache der Konterrevolutionäre, durch die Erin-
       nerung an das Blutbad auf dem Marsfeld verstärkt. Milde, Ordnung-
       streue und  Kompromißbereitschaft hatten  sich nicht  ausgezahlt.
       Der Oberbefehlshaber  der österreichisch-preußischen Truppen, der
       Herzog von  Braunschweig, kündigte  am 25. Juli 1792 in einem be-
       rüchtigten Manifest  die strenge Bestrafung der Revolutionäre an:
       Wer sich  den Invasionstruppen widersetze, solle "nach der ganzen
       Strenge des  Kriegsrechts bestraft  und ihre  Wohnungen niederge-
       brannt oder  zerstört werden  ...". Für "die mindeste Beleidigung
       des Königs,  der Königin  und der  gesamten königlichen  Familie"
       würden die  Alliierten "eine  beispiellose und  für  alle  Zeiten
       denkwürdige Rache  nehmen und die Stadt Paris einer militärischen
       Exekution und dem gänzlichen Ruin preisgeben, die Verbrecher sel-
       ber aber dem verdienten Tode überliefern" 14). Jetzt ging es, das
       war den  Volksmassen klar, um die nackte Selbsterhaltung. Wer die
       militärische Verteidigung  und die  politische Führung der Nation
       schwächte, war ein Verräter, ja ein Todfeind, von dessen Handlun-
       gen man den eigenen Untergang zu gewärtigen hatte.
       Ohne die Stufen der Eskalation des Interessenkonflikts zu berück-
       sichtigen, ohne  die Rigidität  der Konterrevolutionäre und ihrer
       ausländischen Verbündeten  in Betracht  zu ziehen, ist die Akzep-
       tanz des  Terrors durch die Massen, die Beteiligung des Volkes an
       der sogenannten  "Schreckensherrschaft" nicht  zu verstehen.  Der
       Schrecken war  die Abschreckung  der Gegner, der Verräter; er war
       Selbstverteidigung gegen  jene, von  denen man Terror zu erwarten
       hatte. Théophile  Leclerc forderte  in einer Rede vor der Commune
       am 4.  Juni 1793: "Warum legt ihr so viel Langsamkeit an den Tag,
       euch eurer  Feinde zu  entledigen? Warum fürchtet ihr euch davor,
       einige Tropfen  Blut zu  vergießen?" 15)  Noch widersprachen  die
       Führer der  Revolution; Hebert brachte den Antrag ein, "jedermann
       als schlechten  Bürger zu betrachten, der Blutvergießen vorschla-
       gen sollte", und fand überwältigende Zustimmung. Aber schon wenig
       später mußte  er in einem Zeitungsartikel des "Pere Duchesne" vor
       jenen warnen, die "Stimmung für ein Blutbad und die Beraubung der
       Reichen machen wollen" 16).
       Die Volksstimmung  hatte sich radikalisiert. Der auf Mäßigung und
       Ausgleich bedachte  Kurs der  Jakobiner konnte angesichts der zu-
       nehmenden Erhitzung  der Gemüter  nicht durchgehalten werden. Zur
       Angst vor der Konterrevolution kam die Empörung über die Händler,
       die sich  an der allgemeinen Notlage bereicherten. Die Jakobiner-
       verfassung vom  24. Juni  1793 schien  bereits überholt,  als sie
       verabschiedet  wurde.  In  einer  Intervention,  die  später  das
       "Manifest der  Enrages" genannt  wurde, fragte  Jacques Roux  den
       Konvent: "Immer  wieder habt ihr uns versprochen, den Blutsaugern
       des Volkes  das Handwerk zu legen ... Habt ihr das Spekulantentum
       geächtet? Nein.  Habt ihr die Todesstrafe für Schieber ausgespro-
       chen? Nein  ... Die  Freiheit ist  ein leerer  Wahn, solange eine
       Menschenklasse die andere ungestraft aushungern kann. Die Gleich-
       heit ist  ein leerer Wahn, solange der Reiche mit dem Monopol das
       Recht über  Leben und  Tod seiner Mitmenschen ausübt... Seit vier
       Jahren ziehen  allein die  Reichen Nutzen  aus der Revolution ...
       Ganz sicher  werden sich die Freunde der Gleichheit nicht auf die
       Dauer an  der Front erwürgen und im Innern vom Hunger quälen las-
       sen. Ganz  sicher werden  sie nicht  ewig die Genasführten dieser
       öffentlichen Pest  sein, dieser  Schwindler, die  uns wie  Würmer
       zerfressen, dieser  Schieber, deren Magazine nichts als Diebshöh-
       len sind" 17).
       Die Frage  nach der  politischen Freiheit hatte sich in der Krise
       mit der  Frage nach  der sozialen Befreiung verknüpft. Der Wider-
       spruch zwischen den bour-geoisen und den plebejischen Kräften der
       Revolution trat  zutage und  offenbarte sich  im  Bewußtsein  der
       Zeitgenossen als  das moralische Versagen derer, die die Erhebung
       der Nation  für private, partikulare Zwecke mißbrauchten. Die mo-
       ralische Integrität  der Revolution  aber  war  das  ideologische
       Band, das die Revolutionäre vereinigte. Der Verstoß gegen die re-
       volutionäre Moral  bedeutete für  das öffentliche  Bewußtsein den
       Ausschluß aus  der nationalen  Gemeinschaft. Es war das Volk, das
       den Terror  forderte und unterstützte als ein Purgatorium der Na-
       tion.
       Albert Soboul faßt diesen Aspekt der Schreckensherrschaft als ei-
       ner nationalen  Massenbewegung zusammen:  "Der Strafwille bildete
       seit 1789 einen der wesentlichen Züge der revolutionären Mentali-
       tät ...  Die Errichtung  der Schreckensherrschaft  war eine Folge
       der Verschärfung der Krise ... Am Vorabend des Feldzugs betätigte
       sich  immer  noch  das    a r i s t o k r a t i s c h e    K o m-
       p l o t t   und zeigte  sich die  ständige  Präsenz  der  Konter-
       revolution. Eine  Terrorwelle erfaßte  die Pariser  Sektionen und
       entfesselte ein leidenschaftliches Strafbedürfnis ... Die Schrec-
       kensherrschaft war  im wesentlichen  ein Instrument zur Verteidi-
       gung der  Nation und der Revolution gegen die Rebellen und Verrä-
       ter. Wie  auch der Bürgerkrieg insgesamt, von dem er nur eine Er-
       scheinungsform ist,  schloß der  Terror die aristokratischen Ele-
       mente und  ebenso diejenigen,  die sich  der  Aristokratie  ange-
       schlossen hatten und deswegen nicht in die Gesellschaft eingeord-
       net werden  konnten, aus  der Nation aus ... Er trug zur Entwick-
       lung des Gefühls nationaler Solidarität bei und brachte die Klas-
       senegoismen vorübergehend zum Schweigen. Insbesondere ermöglichte
       der Terror  die Durchführung  der Zwangswirtschaft,  die für  die
       Kriegsanstrengungen und  die Rettung der Nation notwendig war. In
       diesem Sinne  trug die  Schreckensherrschaft zum  Sieg bei"  18).
       Ohne die  breite Zustimmung  zum Terror als dem politisch-morali-
       schen Mittel zur Homogenisierung und Effektuierung der revolutio-
       nären Bewegung  und des nationalen Widerstands gegen die Invasion
       ist die  Entwicklung der  Jahre 1793 und 1794 nicht zu begreifen.
       Die Jakobinerdiktatur war die Diktatur des Volkes gegen den indi-
       viduellen Egoismus,  die Diktatur  der volonté  générale über die
       partikularen Willen.
       
       3.
       
       Wenn auch der Terror ein Ausdruck "des Gefühls nationaler Solida-
       rität" war, so kann man doch nicht verkennen, daß er gleichzeitig
       eine Funktion der realen Widersprüche innerhalb der gesellschaft-
       lichen Kräfte darstellte, die die Träger der Revolution bildeten.
       Besitzbürger, Kleinbürger,  kleine Bauern und plebejisch-proleta-
       rische Schichten  hatten gemeinsam den Sturz der feudalaristokra-
       tischen Regierung  bewirkt. Von  da an gingen die Interessen aus-
       einander. Zwar  hatten alle  das Ziel,  die Veränderungen der ge-
       sellschaftlichen Ordnung,  die 1789 erzwungen worden waren, gegen
       die Restituierung  der Adelsherrschaft  zu verteidigen - und dies
       gemeinsame Ziel bildete auch den Rahmen, innerhalb dessen die Re-
       volutionäre der  verschiedenen Fraktionen ihre Taktiken entfalte-
       ten, Bündnisse schlössen, Regierungstätigkeit ausübten. Die theo-
       retischen Grundlagen  waren die philosophischen, nationalökonomi-
       schen und  staatsrechtlichen Theorien  der Aufklärung - der Enzy-
       klopädisten und Rousseaus, der Physiokraten und Adam Smiths, Mon-
       tesquieus und Lockes.
       Aber die große Gemeinsamkeit der bürgerlichen Ideologie und Klas-
       seninteressen darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß unter dieser
       Decke eine Vielzahl einander widerstreitender Fraktionen die Par-
       tikularinteressen dieser  oder jener Teile des Bürgertums vertrat
       und außerdem  elementare Bedürfnisse der plebejischen Volksmassen
       mit den  Belangen der  Besitz- und Kleinbürger nicht zusammengin-
       gen. Teile des aus Manufaktur und Handel hervorgegangenen Besitz-
       bürgertums hatten  ihr  Vermögen  (entsprechend  physiokratischen
       Wirtschaftstheorien) in  ländlichem Grundbesitz angelegt und hat-
       ten folglich  gemeinsame Interessen mit dem Adel gegen die einfa-
       chen Bauern  und Landarbeiter zu verteidigen (obwohl sie in ande-
       ren Hinsichten  wiederum die feudalen Rechtsverhältnisse beseiti-
       gen wollten).  Die Kaufmannsbourgeoisie war auf den freien Handel
       und die  ungehinderte Nutzung  der Eigentumsrechte eingeschworen,
       was Lebensmittelwucher  und Maximalgewinne an den Lieferungen zur
       Versorgung der Armee (selbst auf Kosten von deren Kampffähigkeit)
       einschloß. Die  Hausbesitzer trieben  Mietwucher, gegen  den sich
       wiederum die  Arbeiter ebenso  wie die davon betroffenen Kleinge-
       werbetreibenden zur  Wehr setzten.  Beim Studium  des Ablaufs der
       Ereignisse der  Revolution verwirrt der häufige Wechsel von Frak-
       tionsbündnissen. Die  heute radikal waren, konnten morgen kompro-
       mißlerisch sein, und umgekehrt.
       Mit der  Verschärfung der  Versorgungskrise und der militärischen
       Bedrohung durch  die Armeen der ausländischen Interventen und der
       Emigranten mußten einerseits die Widersprüche innerhalb der Bour-
       geoisie schärfer hervortreten, andererseits eine radikal-demokra-
       tische, auf  die plebejischen Massen abgestützte Politik mit zen-
       tralistischer Tendenz als Voraussetzung der Bewahrung der revolu-
       tionären Errungenschaften  an Boden  gewinnen. Diese Verschiebung
       im Klassencharakter  der Revolution  gegenüber 1789  kommt in der
       "Instruktion für  die republikanischen  Behörden der  Departments
       Rhone und  Loire" vom 16. November 1793 zum Ausdruck. Den Verord-
       nungen über die Verhaftung Verdächtiger, die Besteuerung der Rei-
       chen, die  Zwangsbewirtschaftung des  Marktes ist eine allgemeine
       Begründung vorangestellt,  in der  es heißt:  "Die Revolution ge-
       schah für  das Volk, das Glück des Volkes ist ihr Ziel; die Liebe
       zum Volk  ist der  Prüfstein für  die revolutionäre Gesinnung. Es
       versteht sich  von selbst,  daß unter  dem Volk  nicht jene durch
       ihre Reichtümer  privilegierte Klasse  zu verstehen ist, die alle
       Annehmlichkeiten des  Lebens und  alle Güter der Gesellschaft für
       sich in  Anspruch genommen hat. Das Volk - das ist die Gesamtheit
       der französischen  Bürger; das  Volk ist  vor allem die gewaltige
       Klasse der  Armen, die Klasse, die dem Vaterland die Männer gibt,
       Verteidiger unserer  Grenzen, die  die Gesellschaft mit ihrer Ar-
       beit ernährt,  die sie  durch ihre  Talente verschönt, durch ihre
       Tugenden schmückt  und zu Ansehen bringt... Es wäre also eine un-
       verschämte Verhöhnung der Menschheit, immer wieder von Gleichheit
       zu sprechen,  während unermeßliche Unterschiede im Glück den Men-
       schen vom  Menschen trennen, und wenn man sähe, wie durch den Un-
       terschied zwischen  Überfluß und  Armut, zwischen  Wohlstand  und
       Elend die Erklärung von Rechten unterdrückt wird, die keine ande-
       ren Unterscheidungen  kennen als  die  nach  Begabungen  und  Tu-
       genden". 19)
       Den Konflikt  zwischen Allgemeinwohl und Partikularinteressen hat
       Robespierre in seinem Memorandum über die Grundzüge der Revoluti-
       onsregierung vom  25. Dezember  1793 ausgesprochen: "Die Gründung
       der Französischen  Republik ist  kein Kinderspiel. Sie kann nicht
       das Werk  von Launen  oder der Sorglosigkeit sein noch das zufäl-
       lige Ergebnis  des Zusammenpralls aller Sonderansprüche mit allen
       revolutionären Elementen ... Nicht die individuellen Leidenschaf-
       ten sollen sie lenken, sondern vielmehr die Interessen der Allge-
       meinheit" 20)).  Die Festlegung  auf "le bien publique", ja sogar
       "le bonheur publique" war opinio communis, aber zu oft setzte der
       einzelne sein  privates Wohl mit dem öffentlichen gleich. Das öf-
       fentliche Wohl  mußte eine  Abstraktion bleiben, solange es keine
       homogenen Klasseninteressen  gab, die  die Öffentlichkeit  - eine
       mit konsistenten Inhalten gefüllte volonté générale - hätten kon-
       stituieren können.  So blieben die Interessen partikulär, und im-
       mer fand sich eine Mehrheit gegen diese oder jene Partikularität,
       vereinigt in  der Negation der Sondertendenzen, aber uneinig hin-
       sichtlich der positiven Ziele. Von daher bildeten sich immer neue
       Koalitionen, die jeweils die von ihnen Ausgeschlossenen zu Volks-
       feinden deklarierten.  Insofern garantierte  der Terror,  als In-
       strument des  (in bloßer  Abstraktion bestehenden) commune bonum,
       zugleich die  (abstrakte) Einheit  der Nation gegen den spalteri-
       schen Egoismus von einzelnen oder Gruppierungen. Fraktionsbildun-
       gen und  Terror waren  widersprüchliche, aufeinander bezogene und
       zusammenhängende Momente  der abstrakten (weil noch nicht auf ein
       homogenes Interesse  einer hegemonial  geordneten  Gesellschafts-
       struktur gegründeten)  Identität der  neuen Gesellschaftsordnung.
       Das Medium  dieser Identität  wurde eine (selbstverständlich auch
       abstrakt bleibende) staatsbürgerliche Moral, die "Tugend" als po-
       litische Instanz.
       
       4.
       
       Ich übergehe  nun an dieser Stelle die widersprüchlichen Reaktio-
       nen der klassischen bürgerlichen Philosophen Deutschlands auf die
       sog. Schreckensherrschaft  der Jakobiner. Eine radikal-demokrati-
       sche Minderheit,  für die  Johann Benjamin  Erhards Schrift "Über
       das Recht  des Volkes zu einer Revolution" (1795) 21) stehen mag,
       hält auch danach noch an der Parteinahme für die Revolution fest.
       Andere, wie  Friedrich Gentz,  gehen ins  Lager der Reaktion über
       und werden  zu Protagonisten der Konterrevolution. Die die Träume
       ihrer Jugend  nicht ganz  verachten wollen, flüchten in die poli-
       tisch resignative  theoretische Hilfskonstruktion  der  Differenz
       von Ideal und Leben, wie Friedrich Schiller sie in seinem gleich-
       namigen Gedicht artikuliert:
       "Wenn ihr in der Menschheit traur'ger Blöße
       Steht vor des Gesetzes Größe,
       Wenn dem Heiligen die Schuld sich naht,
       Da erblasse vor der Wahrheit Strahle
       Eure Tugend, vor dem Ideale
       Fliehe mutlos die beschämte Tat. ...
       Aber flüchtet aus der Sinne Schranken
       In die Freiheit der Gedanken,
       Und die Furchterscheinung ist entflohn".
       Des Gesetzes  Größe, ausgedrückt  in der  Erklärung der Menschen-
       rechte, wird durch die Schuld der Gewalt verfinstert, der Heilige
       bleibt nicht  heilig, Tat  und Ideal  fallen auseinander, die Tu-
       gend, die  die Tat erzeugte, muß vor der Wahrheit der regulativen
       Idee sich  verstecken -  aber im  Reiche des Gedankens bleibt die
       Freiheit, wenn  auch gesellschaftlich  wirkungslos, moralisch er-
       halten. Die  in dialektischer (das heißt widerspruchsvoller) Ein-
       heit verknüpften  Motive des revolutionären Denkens sind hier er-
       halten, aber  in Antithesen  auseinandergerissen, und die prinzi-
       pielle Antinomie  von Ideal  und Wirklichkeit wird zum metaphysi-
       schen Erklärungsmuster  dieser  Antithetik  stilisiert,  das  bis
       heute zum Repertoire bürgerlicher Ideologie gehört.
       Es wäre ein eigenes Thema, den Ursprung dieses dualistischen Aus-
       wegs in der theoretischen Struktur der Kantschen Philosophie auf-
       zuweisen und dessen Fortwirken - über Friedrich Albert Lange ver-
       mittelt -  in der Denaturierung der geschichtsphilosophischen Be-
       gründung des Sozialismus zur moralischen, also in der sozialdemo-
       kratischen Ideologie zu verfolgen. (Es ist theoretisch nicht kon-
       tingent, daß  der Revolutionär  und Revolutionstheoretiker  Lenin
       immer ein  unerbittlicher Gegner  der philosophischen  Positionen
       Kants gewesen  ist 22).) Die nicht aufgehobene und in der bürger-
       lichen Gesellschaft nicht aufhebbare Differenz zwischen Bourgeois
       und Citoyen,  zwischen der individuellen Privatperson und dem po-
       litischen Staatsbürger, läßt sich in die metaphysische Entzweiung
       von Ideal  und Wirklichkeit transformieren und damit ihr Ursprung
       in den  Produktionsverhältnissen verschleiern.  Auf der Stufe der
       Entwicklung der  bürgerlichen Gesellschaft in Deutschland im spä-
       ten 18.  und frühen 19. Jahrhundert, als die deutsche Bourgeoisie
       die politische  Kraft zur Selbstbestimmung ihrer staatlichen Ord-
       nung noch nicht besaß, war der Dualismus zwischen Ideal und Wirk-
       lichkeit sicher  ein  sinnvoller  theoretischer  Ausdruck  dieses
       Zwiespalts; später  ließ er  sich mühelos  in die  zynische  Form
       überführen, einen prätendierten bürgerlichen Humanismus mit einer
       brutalen imperialistischen  Praxis zu verbinden. Hegel, der diese
       metaphysischen Unterscheidungen  in der  Absolutheit der Bewegung
       des Begriffs  zugrunde gehen ließ, konnte dagegen dem Widerspruch
       von Tugend und Weltlauf, von absoluter Freiheit und Schrecken 23)
       ein einheitliches  geschichtsphilosophisches Erklärungsmuster ge-
       ben.
       
       5.
       
       Hegel hat  gesehen und gezeigt, daß die Kantsche Philosophie wohl
       d a s   P r i n z i p    der  Französischen  Revolution    a u s-
       d r ü c k t e,   nicht aber ihren Begriff konstruierte. Die Revo-
       lution ist das Produkt der Aufklärung. Sie "hat im Gedanken ihren
       Anfang  und   Ursprung  genommen.  Der  Gedanke,  der  allgemeine
       Bestimmungen als  das Letzte  annimmt und das, was da ist, im Wi-
       derspruche mit  ihnen findet,  hat sich  gegen die daseienden Zu-
       stände empört.  Die höchste  Bestimmung, die  der Gedanke  finden
       kann, ist  die der Freiheit des Willens ... Die Freiheit des Wil-
       lens ist  an und  für sich  bestimmt, weil sie nichts ist als das
       Sichselbstbestimmen" 24).  Hegel fragt  nicht mehr nach den Grün-
       den, die  den Gedanken  ihre bestimmten Inhalte gegeben haben, er
       fragt also  auch nicht  nach der  Rolle, die das selbständige und
       sich selbst  bestimmende Denken in einer sich mehr und mehr durch
       methodische, wissenschaftliche Naturerkenntnis entwickelnden Pro-
       duktionsweise spielt;  der Zusammenhang  von Aufklärung,  Wissen-
       schaft und Technik, den die Enzyklopädisten grundsätzlich erkannt
       und doch wenigstens teilweise im Detail aufgehellt hatten, bleibt
       bei Hegel im allgemeinen Epochentitel "Aufklärung" unartikuliert.
       So auch  bei Kant,  der Aufklärung  als den "Ausgang des Menschen
       aus seiner  selbstverschuldeten Unmündigkeit"  definierte 25) und
       damit nur  den Aspekt des Selbstbewußtseins benannt hatte. Aufhe-
       bung der  Unmündigkeit ist Erringen der Selbstbestimmung. Selbst-
       bestimmung ist  eine in staatsrechtliche Institutionen umsetzbare
       Bewußtseinsform. Ich  bestimme mich  selbst durch  meinen Willen,
       daher ist  die Freiheit  des Willens  das Prinzip der politischen
       Freiheit. Kant  bleibt dabei stehen, Hegel zeigt, daß die Setzung
       des freien  Willens nur  abstrakt ist:  "Der Wille  ist frei nur,
       insofern er  nichts Anderes, Äußerliches, Fremdes will, - denn da
       wäre er abhängig, - sondern nur sich selbst, den Willen will. Der
       absolute Wille  ist dies, frei sein zu wollen. Der Wille, der nur
       um des  Willens willen  ist, ist  der reine,  freie Wille ... Der
       reine Wille ist sich sein Gegenstand und sein eigener Inhalt, der
       keiner ist"  26). Eben  auf diesem Standpunkt verharrte die Kant-
       sche Philosophie,  denn "nach  ihr ist  die einfache  Einheit des
       Selbstbewußtseins, Ich, - die undurchbrechbare, schlechthin unab-
       hängige Freiheit  und die  Quelle aller allgemeinen, d.i. Denkbe-
       stimmungen, -  die theoretische  Vernunft, und ebenso die höchste
       aller praktischen  Bestimmungen,  die  praktische  Vernunft,  als
       freier und  reiner Wille;  und die Vernunft des Willens ist eben,
       sich in  der reinen  Freiheit zu  halten, in allem Besonderen nur
       sie zu  wollen, das  Recht nur  um des Rechts, die Pflicht nur um
       der Pflicht willen" 27).
       Tatsächlich aber ist der Wille eines jeden erfüllt von den beson-
       deren Inhalten,  die durch  die individuellen Bedürfnisse des je-
       weils einzelnen  Wollenden bestimmt  sind. Konkret ist das System
       der Bedürfnisse  28), nicht  aber der Wille als Wille (obwohl er,
       allerdings eben  nur abstrakt,  der Anfang  der  Rechtssystematik
       ist). Die  individuellen Willen  wurden zur revolutionären Gewalt
       als volonté  générale, sobald  sie sich  vereinigten in dem Zweck
       der Abschaffung feudaler Herrschaftsverhältnisse und der Herstel-
       lung der  Freiheit =  Selbstbestimmung. "Es  wird nun ausgegangen
       von den  Willensatomen, und jeder Wille ist unmittelbar als abso-
       luter vorgestellt"  29). Die  Allgemeinheit dieses revolutionären
       Willens lag jedoch gerade in seiner Abstraktheit, die Inhalte der
       jeweils individuellen  Selbstbestimmung waren darin nicht enthal-
       ten, sie  konkurrieren miteinander.  Die allgemeine  Freiheit als
       Freiheit aller  und jeder  zu jedem besonderen privaten Zweck war
       das Ende  der politischen  Freiheit -  die Freiheit der Bourgeois
       ist der  Todfeind der  Freiheit der Citoyens. Unter dem Druck der
       Erhaltung des  Gemeinwesens mußten  darum die individuellen Frei-
       heiten der  Diktatur der allgemeinen Freiheit weichen. "Die Rich-
       tung, die an der Abstraktion festhält, ist der Liberalismus, über
       den das  Konkrete immer siegt, und gegen das er überall Bankerott
       macht" 30).
       Die Genauigkeit  der Hegelschen  Analyse liegt  darin, daß er die
       Jakobinerdiktatur nicht als Gegensatz und Unterdrückung der Frei-
       heit, sondern  als die  Wirklichkeit des  abstrakten Prinzips der
       Freiheit begreift,  die sich nur erhalten kann, indem sie die de-
       struktiven Tendenzen  der individuellen Freiheiten auslöscht. Der
       Beseitigung der Staatsform der absoluten Monarchie folgte die An-
       archie der  Interessen und Willen, deren explosiver Partikularis-
       mus  erstickt  werden  mußte,  damit  die  neue  konstitutionelle
       Staatsform errichtet  werden konnte,  in der  die Vermittlung des
       Besonderen zum  Allgemeinen wieder gewährleistet war. Hegel zeigt
       den strukturellen Grund für Robespierres Unterscheidung von revo-
       lutionärer und  konstitutioneller Regierung  auf. Als Zeitgenosse
       der Revolution sah er ganz klar: Der Terror ist ein intrinsisches
       Phänomen der  Revolution und nicht nach moralisierenden Maßstäben
       zu beurteilen. Wer die Revolution und ihr Ergebnis will, kann die
       Schreckensherrschaft nicht  verdammen. Denn  die Freisetzung  der
       Willen war  nötig, um  die Herrschaft zu stürzen, und ihre Unter-
       drückung war nötig, um die Konstitution aufzurichten.
       In der Anarchie der Interessen, Willen und Handlungen der einzel-
       nen war  das einzige,  worauf die  Existenz der  Gesellschaft ge-
       stützt werden  konnte, die  Pflicht zur  unbedingten Unterordnung
       unter die  Belange des  allgemeinen Wohls.  Diese Pflicht  konnte
       aber nicht  aus den  besonderen Interessen  jedes einzelnen  ent-
       springen, sondern  nur als  die unspezifische  Gesinnung  wirksam
       werden, die  die Erhaltung  der Freiheit  als oberstes abstraktes
       Ziel verinnerlichte.  "Es herrschen nun die abstrakten Prinzipien
       der Freiheit  und, wie  diese im  subjektiven Willen ist: der Tu-
       gend. Die  Tugend hat jetzt zu regieren gegen die vielen, die mit
       ihrer Verdorbenheit  und mit  ihren alten  Interessen  oder  auch
       durch die  Exzesse der Freiheit und Leidenschaft der Tugend unge-
       treu sind.  Von Robespierre  wurde das Prinzip der Tugend als das
       höchste aufgestellt,  und man  kann sagen, es sei diesem Menschen
       mit der  Tugend ernst  gewesen. Die Tugend ist hier ein einfaches
       Prinzip und  unterscheidet nur  solche, die in der Gesinnung sind
       und solche,  die es  nicht sind.  Die Gesinnung aber kann nur von
       der Gesinnung erkannt und beurteilt werden. Es herrscht somit der
       Verdacht; die  Tugend aber, sobald sie verdächtig wird, ist schon
       verurteilt ... Es herrschen also jetzt die Tugend und der Schrec-
       ken; denn diese subjektive Tugend, die bloß von der Gesinnung aus
       regiert, bringt  die fürchterlichste  Tyrannei mit  sich. Sie übt
       ihre Macht  ohne gerichtliche  Formen, und ihre Strafe ist ebenso
       nur einfach, - der Tod" 31).
       Der Schrecken ist die Form, in der die Revolution ihre erneuernde
       Kraft durchsetzt.  Im Sturz  des alten Regimes hatte sie sich als
       negative  Gewalt   gegen   ein   verkommenes   Bestehendes   (ein
       "Positives" in  Hegels Sprache)  behauptet. Damit  aber waren die
       Atome des Staatswesens nur freigesetzt, ihre neue Verbindung noch
       nicht geschaffen.  Das Chaos  der Egoismen  mußte erst  gebändigt
       werden -  und darum  waren auch  die Protagonisten der Revolution
       selbst die  Opfer der  Tugendherrschaft: Sie  durften sich  keine
       Sonderinteressen leisten, weil sie ja Träger und Hüter der Allge-
       meininteressen sein  sollten und  mußten; wie  aber hätten sie in
       abstrakt allgemeiner Weise leben und handeln können? Dir Konflikt
       mit dem  eigenen Prinzip, ihr Verstoß gegen den abstrakten "Geist
       der Revolution"  war unausweichlich, ebenso ihr Untergang. In der
       Tat wurden sie, indem sie als Träger des revolutionären Prozesses
       besondere Konzeptionen  hatten und  Fraktionen bildeten,  um  sie
       durchzusetzen, zu Verrätern, denn sie schadeten dem Überleben der
       revolutionären Gesellschaft  in dem  Kampf auf  Leben und Tod, in
       dem diese  sich mit  den Konterrevolutionären befand. Und während
       die Fraktionen  sich bekämpften  und  ausrotteten,  stabilisierte
       sich das Allgemeine, die neue Ordnung, und siegten die revolutio-
       nären Armeen an der Front ...
       "Diese Tyrannei  mußte zugrunde  gehen ...  Sie ging  durch  sich
       selbst vorüber" 32). So konstatiert Hegel leidenschaftslos, fährt
       aber gleich darauf fort - immerhin in der Epoche der Restauration
       und der  Karlsbader Beschlüsse:  "Dabei aber ist die französische
       Revolution als  welthistorische zu  betrachten ... Was die äußere
       Ausbreitung betrifft,  so sind  fast alle  modernen Staaten durch
       Eroberung demselben Prinzip geöffnet oder dieses ist ausdrücklich
       darin eingeführt  worden" 33). Hegel hat festgehalten an der Ein-
       sicht, mit  der er auch schon in der "Phänomenologie des Geistes"
       das Kapitel  über die Freiheit und den Schrecken schloß: Daß näm-
       lich der  Terror eine  aus der Sache der Freiheit selbst geborene
       Form des  Übergangs und der Entwicklung gewesen sei, keine Verir-
       rung und  kein Dementi  der Menschenrechte, sondern die exzessive
       Bewegtheit in  der Ausbildung  einer allgemeinen Richtung aus der
       Vielzahl einzelner einander widerstrebender Tendenzen: "Die abso-
       lute Freiheit  hat also den Gegensatz des allgemeinen und einzel-
       nen Willens  mit sich  selbst ausgeglichen;  der sich entfremdete
       Geist, auf  die Spitze  seines Gegensatzes  getrieben, in welchem
       das reine  Wollen und  das rein Wollende noch unterschieden sind,
       setzt ihn  zur durchsichtigen  Form herab,  und findet darin sich
       selbst" 34). Der Begriff der Schreckensherrschaft läßt sich nicht
       leiten von dem berechtigten Entsetzen, das uns als moralische In-
       dividuen packt;  er ist eingeknüpft in das Muster der Tugend. Tu-
       gend und  Terror zusammen  bilden die  Koordinaten, an denen sich
       der paradigmatische  Verlauf der  Kurve der Französischen Revolu-
       tion von 1789-1794 bemißt. Gesinnung und Gewalt sind die abstrak-
       ten Momente  der geschichtlichen  Bewegung, in der sich eine neue
       Ordnung bildet. Die konkreten Determinanten, deren Ausdruck diese
       abstrakten Momente sind, wird zwei Generationen später der histo-
       rische Materialismus freilegen.
       
       _____
       1) Das Dekret  über die  Errichtung der  Revolutionsregierung vom
       10. Oktober  1793 besagt:  "Art. 1.  Die Provisorische  Regierung
       Frankreichs bleibt  bis zum  Friedensschluß revolutionär ... Art.
       3. Alle  Sicherheitsmaßnahmen werden  nach  Billigung  durch  den
       Wohlfahrtsausschuß, der  dem Nationalkonvent  darüber Bericht er-
       stattet, vom Provisorischen Exekutivrat getroffen ... Art. 5. Die
       kommandierenden Generäle werden vom Nationalkonvent auf Vorschlag
       des Wohlfahrtsausschusses ernannt... Art. 12. Der Oberbefehl über
       die Revolutionsarmee und ihr Einsatz sind unverzüglich auf solche
       Weise zu  regeln, daß  die  Konterrevolutionäre  niedergeschlagen
       werden können.  Der Wohlfahrtsausschuß  legt einen entsprechenden
       Plan vor".  Dokumente werden  zitiert nach Walter Markov, Revolu-
       tion im  Zeugenstand, Leipzig  1982, 2 Bände. Hier: ebd., II, 521
       f.
       2) Markov II. 507 f.
       3) Johann Gottlieb  Fichte, Beitrag  zur Berichtigung der Urteile
       des Publikums  über die Französische Revolution, Sämtliche Werke,
       hrsg. von I.H. Fichte, III. Abt., 1. Band, Vorrede.
       4) Markov, II, 87.
       5) Markov, II, 41.
       6) Ernst Bloch,  Vom Hasard  zur Katastrophe,  Frankfurt am  Main
       1972, S. 281.
       7) Markov, II, 515.
       8) Markov, II, 560 f.
       9) Markov II, 178.
       10) Albert Soboul,  Die Große  Französische Revolution, Darmstadt
       1983  4, S. 197.
       11) Markov, I, 212.
       12) Markov, II, 241.
       13) Markov, II, 258 f.
       14) Markov, II, 262 f.
       15) Markov, I, 329.
       16) Markov, I, 330.
       17) Markov, II, 450 ff.
       18) Albert Soboul, a.a.O., S. 349 ff.
       19) Markov, II, 538 f.
       20) Markov, II, 564 und 562.
       21) Johann Benjamin Erhard, Das Recht des Volkes zu einer Revolu-
       tion und  andere Schriften,  hrsg. von  Helmut G. Haasis, München
       1970.
       22) Selbstverständlich wird  nicht bestritten, daß Kants Philoso-
       phie weiterwirkende progressive Elemente enthält, die in die Vor-
       geschichte des  wissenschaftlichen Sozialismus  eingegangen  sind
       und die  auch nicht  ignorierbare Problemfelder für den dialekti-
       schen Materialismus  markieren. Vgl.  M. Buhr/G. Irrlitz, Der An-
       spruch der Vernunft. Die klassische bürgerliche deutsche Philoso-
       phie als  theoretische Quelle  des Marxismus, Berlin/DDR 1968. M.
       Buhr/T.I. Oiserman  (Hrsg.), Revolution  der Denkart oder Denkart
       der Revolution,  Berlin/DDR 1976. M. Buhr, Immanuel Kant, Leipzig
       1974. -  Auch Kants verhalten und kaschiert positive Stellung zur
       Französischen Revolution,  die Domenico  Losurdo, Immanuel  Kant,
       Freiheit, Recht  und Revolution, Köln 1987, herausgearbeitet hat,
       spricht nicht dagegen, daß die Struktur der Kantschen Philosophie
       im ganzen  ein theoretisches  Hemmnis  für  revolutionäre  Praxis
       (oder auch nur deren Akzeptanz) ist.
       23) Georg Wilhelm  Friedrich Hegel,  Phänomenologie des  Geistes,
       ed. Johannes  Hoffmeister, Leipzig  1949, Seite 274 ff. ("Die Tu-
       gend und  der Weltlauf")  und 413 ff. ("Die absolute Freiheit und
       der Schrecken").
       24) Georg Wilhelm  Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Philoso-
       phie der Weltgeschichte, ed. Georg Lasson, Leipzig 1923, Band IV,
       Seite 920.
       25) Immanuel Kant,  Beantwortung der  Frage: Was  ist Aufklärung.
       Berlinische Monatsschrift IV (1784), Seite 481 ff.
       26) G.W.F. Hegel,  Philosophie der  Weltgeschichte, a.a.O., Seite
       921 f.
       27) G.W.F. Hegel, a.a.O., Seite 922.
       28) Georg Wilhelm  Friedrich Hegel,  Grundlinien der  Philosophie
       des Rechts, Seite 189 ff.
       29) G.W.F. Hegel,  Philosophie der  Weltgeschichte, a.a.O., Seite
       924.
       30) G.W.F. Hegel, a.a.O., Seite 925.
       31) G.W.F. Hegel, a.a.O., Seite 929 f.
       32) G.W.F. Hegel, a.a.O., Seite 930. - Man beachte jedoch, welche
       Implikationen bei  Hegel die  Formulierung "zugrunde  gehen" hat:
       "Die Reflexionsbestimmung,  indem sie  zugrunde geht, erhält ihre
       wahrhafte Bedeutung,  der absolute Gegenstoß ihrer in sich selbst
       zu sein,  nämlich daß das Gesetztsein, das dem Wesen zukommt, nur
       als aufgehobenes Gesetztsein ist, und umgekehrt, daß nur das sich
       aufhebende Gesetztsein  das Gesetztsein  des Wesens  ist".  Georg
       Wilhelm  Friedrich  Hegel,  Wissenschaft  der  Logik,  ed.  Georg
       Lasson, Band  II, Seite  63. Vom  Grund aber heißt es: "Der Grund
       ist...die Reflexion-in-sich,  die ebensosehr Reflexion-in-anderes
       und umgekehrt  ist". Georg  Wilhelm Friedrich Hegel, Enzyklopädie
       der philosophischen Wissenschaften, S. 121.
       33) G.W.F. Hegel,  Philosophie der  Weltgeschichte, a.a.O., Seite
       931.
       34) G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, a.a.O., Seite 432.
       

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