Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       DIE HEROISCHE ILLUSION UND DAS 19. JAHRHUNDERT.
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       GRÖSSE UND BEGRENZTHEIT DER BÜRGERLICHEN REVOLUTION IN FRANKREICH
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       Kurt Holzapfel/Michael Zeuske
       
       1986 wurden mehrere Artikel zum Thema "heroische Illusion" veröf-
       fentlicht 1) und damit auf die spezifische revolutionshistorische
       Dimension eines Problemkomplexes verwiesen, der seit längerem die
       Aufmerksamkeit von  Vertretern  verschiedenster  Wissenschaftsge-
       biete fand.  Der historische Gedankenansatz erregte lebhaftes In-
       teresse 2),  rief aber  auch kontroverse Diskussionen hervor. Aus
       diesem Grunde  seien im  Zusammenhang mit dem Thema dieses Bandes
       einige  Grundgedanken   der  Beschäftigung   von  Marx   mit  der
       "Heroischen Illusion"  (in der Chronologie der Marxschen Arbeiten
       selbst) und  einige Probleme  der Verbindung von heroischer Illu-
       sion, Größe, Grenzen und des "Scheiterns" 3) der bürgerlichen Re-
       volution in  der französischen  Revolutionsgeschichte  seit  1789
       dargelegt.
       In der  DDR-Revolutionsforschung und Weltgeschichtsschreibung ha-
       ben sich  vor allem Walter Markov und Manfred Kossok mit dem Pro-
       blem "heroische  Illusion" befaßt. Von letzterem stammt die Defi-
       nition, von  der auch  wir ausgehen:  "Auf den Kern gebracht, be-
       stand das  Wesen der heroischen Illusion in der Fähigkeit der zur
       Übernahme der  politischen Herrschaft  berufenen Klasse, d.h. der
       Bourgeoisie, ihre  (Klassen-)'Interessen' als Gesamtinteresse der
       Nation zu  artikulieren. Von  der  Dauer  und  Intensität  dieses
       (stets zeitweiligen  und relativen)  Zusammenfalls von 'Idee' und
       'Interesse' hing letztlich der Grad der Radikalität (die histori-
       sche  Dimension)   einer  bürgerlichen   Revolution  ab  ...  die
       'heroische Illusion"  (ist) die  Fähigkeit der  Bourgeoisie, ihre
       eigene  Emanzipation   ("Interesse")  als   allgemein-menschliche
       ("Idee") zu  begreifen und  darin von  der "Nation"  (vulgo  oder
       Masse) akzeptiert zu werden." 4) So verstanden, ist das ideologi-
       sche Phänomen  der "heroischen Illusion" engstens mit der "Größe"
       der  Französischen  Revolution  verbunden.  Wo  aber  liegen  die
       "Grenzen"? Wir  glauben, daß  diese "Grenzen" auf zwei Ebenen ge-
       sucht werden  müssen: 1.  In der  Revolution von 1789 selbst; und
       zwar einerseits  überall dort,  wo der  allgemeine "Zusammenfall"
       von Idee und Interesse in den aufsteigenden Phasen der Revolution
       (bis 1794)  gefährdet schien  oder war, sowie andererseits in dem
       bereits in  der Jakobinerdiktatur  anhebenden  Auseinanderklaffen
       von Idee und Interesse (was zunächst versucht wurde durch ideolo-
       gische Surrogate  zu ersetzen). Dieses Auseinanderklaffen manife-
       stierte sich mit dem 9. Thermidor.
       2. Im Laufe  des 19.  Jhs., besonders  ab 1815,  kehren sich  die
       Fronten um. Aus der Sicht der beteiligten Revolutionäre, der Ent-
       täuschten, sind  die "Grenzen" nur im Reichtum, in der Gier u.a.,
       d.h. in den äußeren Erscheinungen des bürgerlichen Charakters der
       Revolution, in  den Enthüllungen  ihres "bürgerlichen  Festkerns"
       (Markov) nach  1794 zu  suchen. Gleichzeitig aber war dieser bür-
       gerliche Charakter,  dieses immer  offener und  klarer hervortre-
       tende Klasseninteresse  auf lange  Zeit der historisch notwendige
       Träger  des  gesellschaftlichen  Fortschritts.  Die  Enttäuschung
       wurde also  nicht nur eine Quelle vielfältiger ideologischer Phä-
       nomene (hier  seien nur die Empire-Ideologie und die Napoleon-Le-
       gende oder  die "Entdeckung" des Klassenkampfes durch die libera-
       len französischen  Historiker erwähnt  sowie die Utopien, die al-
       lerdings bereits  eine andere  Wurzel haben), sondern sie brachte
       auch Teilerkenntnisse  über die  Größe und  die Historizität  der
       "Großen" hervor. Im Verlaufe des 19. Jhs. kehren sich die Sichten
       und Verständnisse der "Grenzen" in einem komplizierten Prozeß um.
       Der historische  Fortschritt beginnt  den Träger zu wechseln (aus
       heutiger Sicht muß dieser Prozeß als viel viel länger und kompli-
       zierter gedacht  werden, als noch vor wenigen Jahren angenommen).
       Jetzt  muß   sich  das  Proletariat  aus  den  Nachwirkungen  der
       "heroischen Illusion" von 1789 lösen, d.h. aus einer Vielzahl von
       Illusionen, oftmals  manipulatorisch durch  Staat und Bourgeoisie
       ausgenutzt. Das  geschah über  ein Zwischenstadium  von  Utopien,
       die, obwohl auf neuer sozialer Basis wachsend, nichtsdestoweniger
       gezwungen waren, Elemente und Bausteine objektiv überlebter hero-
       ischer Illusion  zu nutzen, um die Größe der eigenen historischen
       Aufgabe überhaupt zu erahnen.
       
                                    *
       
       In nur  einem Jahrfünft  - von Mitte 1843 bis 1848 - schufen Marx
       und Engels  theoretische Grundlagen der kommunistischen Strategie
       und Taktik  in der  Revolution von 1848/49. Dabei erarbeitete vor
       allem der  "junge Marx"  5) in der Etappe seines Schaffens, deren
       Ergebnisse in  den Arbeiten  "Zur Judenfrage"  bis einschließlich
       der "Heiligen Familie" niedergelegt sind, eine Reihe von philoso-
       phisch-gesellschaftstheoretischen Ansätzen zur Interpretation der
       Französischen Revolution 6).
       Die dazugehörige  unvermittelte  Entgegensetzung  der  Kategorien
       "Idee" und  "Interesse" ist  eine fruchtbare  Problemstellung für
       die heutige  Revolutionsforschung. In  der  Form  der  Hegelschen
       Widerspruchsdialektik verbergen sich unter diesen Kategorien zwei
       Grundprobleme, vor  denen Marx  in der  Zeit seines Übergangs auf
       materialistische Positionen  7) stand: Die Erforschung der Anato-
       mie der  "bürgerlichen Gesellschaft"  8) und der sog. "Ideologie-
       Komplex" 9).  Die öffentliche  Anerkennung der Revolution als dem
       wichtigsten Mittel  zur Gesellschaftsveränderung  10)  flankierte
       diese theoretischen  Erkenntnisse. So  nimmt es nicht wunder, daß
       auf Marx  die bis dahin einmalige Radikalität der Jakobinerdikta-
       tur einen  besonderen Reiz ausübte. Stellte der Ideologie-Komplex
       ein  übergreifendes  theoretisches  Problem  dar,  so  boten  die
       "Momente besonderen  Selbstgefühls" 11)  der geschichtlichen  Ak-
       teure und  die "kolossale  Täuschung" 12)  ihrer  Ideale  in  den
       "großen organischen  allgemeinen Revolutionen"  13) ein ungewöhn-
       lich wertvolles  Material für  das Studium des konkreten Verhält-
       nisses von Interesse und Idee. Die Große Revolution der Franzosen
       14) stellte für Marx und Engels eine einzigartige historische Er-
       fahrung für  die Ausarbeitung der eigenen Theorie sowie Strategie
       und Taktik  dar. Über die intensive zeitgenössische Diskussion um
       die französische  Julirevolution von  1830 hatte Marx 15) die Un-
       terschiede zwischen  den Postulaten der Aufklärung und den Ergeb-
       nissen der bürgerlichen Revolution bereits als revolutionärer De-
       mokrat rezipiert  und sich somit immer mehr dem Studium der Poli-
       tik zugewandt.  Auch die Bedeutung materieller Bedürfnisse begann
       er bereits  vor 1843  zu erkennen.  Das Verhältnis von "Idee" und
       "Interesse" der  Bourgeoisie in der Revolution aber bekam erst in
       der "Heiligen  Familie" jene  Fassung, für  die sich  der Begriff
       "heroische Illusion"  eingebürgert hat.  Marx hat  ihn  expressis
       verbis in seinen Frühschriften nicht benutzt. Auch Engels nicht.
       Das Problem der "heroischen Illusion" war, analog des stürmischen
       wissenschaftlichen und  politischen Voranschreitens  von Marx  in
       den frühen  40er Jahren,  eine sich  entwickelnde Komponente, auf
       die er  in den historischen Passagen seiner Arbeiten immer wieder
       zurückkam. Während  Marx in der "Heiligen Familie" unter dem Ein-
       fluß der Engelsschen Fourier-Rezeption 16) die Blamage der "Idee"
       gegen B.  Bauer hervorhob, hat er in der klassischen Formulierung
       in den  Einleitungspassagen zum  "18. Brumaire"  die  Geschichts-
       mächtigkeit von ideologischen Formen und Traditionen vor allem in
       Verbindung mit  den "Grenzen"  der bürgerlichen  Revolution  aus-
       drücklich anerkannt.
       
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       In dem  unter starkem Feuerbach-Einfluß 17) geschriebenen Aufsatz
       "Zur Judenfrage"  fixierte Marx  eine Reihe theoretischer Ansätze
       zur Erklärung  der bürgerlichen Revolution. Für die Thesen gilt -
       wie für  die nachfolgenden Arbeiten - mutatis mutandis die Bemer-
       kung Jaecks  zur Interpretation  der Menschen-  und  Bürgerrechte
       durch Marx:  sie bedurften keiner regelrechten späteren Revision,
       sondern einer  gegenstandsadäquaten ökonomisch-gesellschaftstheo-
       retischen Begründung  18). Marx,  auf der Suche nach der totalen,
       der "menschlichen Emanzipation", typisierte die bürgerliche Revo-
       lution als  "politische Emanzipation" 19), d.h. er sieht zunächst
       ihre Grenzen. Er untersucht das Verhältnis des "politischen Staa-
       tes" zur  "bürgerlichen Gesellschaft"  20) während der Jakobiner-
       herrschaft anhand  der Kategorien "citoyen und bourgeois". Im Er-
       gebnis konstatierte  Marx eine "optische Täuschung", "ein psycho-
       logisches, ein  theoretisches Rätsel"  im "Bewußtsein der politi-
       schen Emanzipatoren" 21).
       Marx faßte die Jakobiner als politische Emanzipatoren. Es geht um
       die Frage,  wieso die Jakobiner 1793, kurz nach ihrem von der Pa-
       riser Volksbewegung  erkämpften Machtantritt, als 2/3 des franzö-
       sischen Territoriums  von der  Konterrevolution oder föderalisti-
       schen Revolte  erfaßt sind,  die "Droits  de l'homme", - von Marx
       als die "Rechte des Mitglieds der bürgerlichen Gesellschaft, d.h.
       des egoistischen  Menschen" 22)  bezeichnet -  in ihrer "Theorie"
       anerkennen und  gleichzeitig  in  ihrer  revolutionären  "Praxis"
       ernstgemeinte Absichten  unterließen, "die chimärische Gleichheit
       und Brüderlichkeit  des politischen  Lebens"  23)  durchzusetzen.
       Marx "mißt" die politische an der menschlichen Emanzipation. Dar-
       aus resultierte  für Marx  eine "verkehrte" Stellung des Verhält-
       nisses von  Theorie und  Praxis in  den Köpfen der Jakobiner, und
       für unseren  Gegenstand wird  eine eigentümliche Fassung des Pro-
       blems der  "heroischen Illusion" deutlich 24). Marx zeigt, daß es
       einer die  Massen mitreißenden  Praxis mit Zügen der menschlichen
       Emanzipation bedurfte,  um die Durchsetzung des Klasseninteresses
       der Bourgeoisie  in der "politischen Emanzipation" von der Feuda-
       lität zu  sichern 25). In dialektischer Weise, allerdings mit ei-
       nem idealistischen  Gattungsbegriff, versuchte  Marx hier  sowohl
       die Größe,  besser die  Höhepunkte (soziale Praxis), wie auch die
       Grenzen (Politik, bürgerliche "Theorie") der bürgerlichen Emanzi-
       pation zu erfassen.
       Marx verteidigte  wohl die politische Konsequenz und die histori-
       sche Leistung der Jakobiner, kritisierte aber das Wesen der poli-
       tischen Emanzipation 26). Er demonstrierte an den Verfassungszie-
       len, an  den Menschen-  und Bürgerrechten,  daß die Jakobiner die
       Grenze der "politischen Emanzipation" nicht überschreiten konnten
       27). Zwar  war der  Jakobinerstaat in  "Momenten  des  besonderen
       Selbstgefühls" gezwungen, "... seine Voraussetzungen, die bürger-
       liche Gesellschaft  und ihre  Elemente", zu  unterdrücken 28) und
       eine ideale Gemeinschaft "guter" Citoyens anzustreben, gleichzei-
       tig mußten  die Jakobiner  in der  freigesetzten bürgerlichen Ge-
       sellschaft diesen  citoyen notwendig "zum Diener des egoistischen
       homme" 29) erklären.
       Das Idealbild des citoyen stand für die heroische Selbsttäuschung
       der Akteure  von 1793/94;  für Marx  stand auf  ihrer Seite ein ,
       weltgeschichtlicher Irrtum,  aber kein  persönlicher" 30).  Diese
       Selbsttäuschung war  notwendig, um ihre Ziele zu erreichen und um
       ihre Zielvorstellung  in nationaler  Form darzulegen.  In  diesem
       Sinne gehen  übergreifende Ebene  der  heroischen  Illusion  (die
       langfristige ideologische  Legitimierung der Hegemonie in Gestalt
       der Antikerezeption,  Traditionen, überhaupt  ideologische Orien-
       tierungen)   und   ihre   konkrete   sozial-politische   Funktion
       (Bündelung der  Triebkräfte, Ausrichtung auf ein Ziel) ineinander
       über. In der heroischen Illusion von 1793/94 flössen die Erkennt-
       nis der Größe der heroischen Aufgabe mit der Stimulierung des re-
       volutionären Kampfelans  zusammen. Selbstanfeuerung der Jakobiner
       und Enthusiasmierung der Sansculotten ergänzten sich bis zu stoi-
       schem Republikanismus.  Marx deutete  damit die  Funktion der von
       den Jakobinern  vertretenen Ideen für die Verbindung des Klassen-
       interesses der  Bourgeoisie mit den antifeudalen Interessen aller
       Nichtprivilegierten (gefaßt als "Nation") an. Damit erkannte Marx
       auch "Ideale  und  Utopismen  als  echte,  historisch  notwendige
       Selbsttäuschungen über wahre Klasseninteressen" 31).
       Allen jenen  von der Aufklärung , vorgegebenen" und von den Jako-
       binern "umgearbeiteten"  Parolen der Revolution war nicht nur das
       Klasseninteresse der  Bourgeoisie in  allgemeiner  Form  inhärent
       (abgesehen von  den utopischegalitären  Komponenten  der  Aufklä-
       rung), im  Laufe der  Revolution konnten  an ihren  Idealen  auch
       "alle Spannungsgrade revolutionären Umsturzwillens" 32) ansetzen.
       Aber so  unterschiedliche soziale  Interessen auch  die verschie-
       denen Klassenkräfte den Ideen unterlegten, so sehr auch die Jako-
       biner um Robespierre bemüht waren, "sich auf das Volk zu stützen"
       und das politische Interesse der Revolution beschworen, im Ergeb-
       nis stand die "menschliche Selbstbefreiung unter der Form der po-
       litischen Selbstbefreiung"  33), womit Marx die bürgerliche Revo-
       lution durchaus als historischen Fortschritt erfaßte, ihre Grenze
       allerdings noch in der Form sah.
       In Paris  1844 rezipierte Marx den Begriff Klasse und verband ihn
       mit der Präzisierung seiner Revolutionskonzeption 34). Hatte Marx
       in der "Judenfrage" das allgemeine Ziel, die "menschliche Emanzi-
       pation", formuliert 35) und in allgemein-abstrakter Form wichtige
       Phänomene des  Verhältnisses von  Interesse und  Idee fixiert, so
       analysierte er  in "Zur  Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie.
       Einleitung" die sozialen Voraussetzungen der kommenden Revolution
       36). Diese Problemstellung, der Klassenbegriff und die Gegenüber-
       stellung von "deutschen" und "französischen" Zuständen ermöglich-
       ten es  Marx, den Erfolg, die Größe und die Grenzen der Französi-
       schen Revolution auf für die damalige Zeit einmalige Weise zu er-
       klären 37).
       In der  "Judenfrage" hatte  Marx auch den "Momenten (des)... noch
       jugendfrischen und  durch den  Drang der  Umstände auf die Spitze
       getriebenen Enthusiasmus"  38) besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
       Er wies damit zum ersten Mal auf die emotionale Seite in der Ver-
       bindung zwischen  Hegemonie und  Triebkräften hin.  Damit ist ein
       wesentlicher Aspekt der Annahme der" Akzeptanz" der Hegemonie er-
       faßt: Das  Verhältnis der  Führungskräfte zum Volk war wesentlich
       rational, das  der Volkskräfte  zum Hegemon wesentlich emotional.
       Enthusiasmus war ein Schlüsselbegriff der literarisch-philosophi-
       schen Debatte  jener Zeit  und bezeichnete geschichtliche Leiden-
       schaft, die  sich über  private Interessen  erhebt  und  auf  die
       selbstlose Verwirklichung  von Ideen  gerichtet ist 39). Marx hat
       den Begriff  "Enthusiasmus" als Element der "heroischen Illusion"
       immer benutzt.  Bei Dezamy  hatte Marx  aber dessen Sentenz: "...
       selbstlose Hingabe ist zweifellos schön, aber sie ist unserer Na-
       tur wenig  gemäß; sie ist ein fiebriger, gewaltsamer und künstli-
       cher Zustand,  der solange  anhält wie die Krise" 40), wiederholt
       unterstrichen. In  der "Einleitung"  baute er diesen Gedanken zur
       These von  der materiellen Verankerung der Ideen und des Enthusi-
       asmus sowie der Revolution selbst aus. "Die Revolutionen bedürfen
       nämlich eines passiven Elements, einer materiellen Grundlage. Die
       Theorie wird  im Volk  immer nur soweit verwirklicht, als sie die
       Verwirklichung seiner  Bedürfnisse ist"  41). Wenn hier auch noch
       nicht von  ökonomischen Interessen  die Rede ist, so umreißt doch
       Marx eine  Erkenntnis, die  von den  Führungskräften bürgerlicher
       Revolutionen bei  Strafe ihres Unterganges erst in der Praxis er-
       worben wird.  Die Freiheit der Rede, neue Rechte oder Institutio-
       nen machten  noch keinen  Menschen satt.  Eine Revolution, sollte
       sie politisch radikal sein, mußte stets auch eine "Revolution ra-
       dikaler Bedürfnisse"  42) sein.  Andererseits hatte Marx auch er-
       kannt, daß  im Prozeß der bürgerlichen Revolution die Bourgeoisie
       nicht nur mit nationalen Parolen im Interesse des Volkes auftrat,
       sondern mit  den eigenen antifeudalen Interessen bedingt auch die
       Interessen von  Teilen der  Bevölkerung (Bauern)  gegen den  Adel
       durchsetzte, bzw. daß die jakobinischen Führungskräfte oftmals im
       Interesse der  Sansculotten Maßnahmen  gegen die  Bourgeoisie er-
       greifen mußten.  Die Grenze bürgerlichen Interesses mußte oftmals
       überschritten werden, wurde aber nicht beseitigt.
       Jugendfrisch war  der Enthusiasmus  der französischen Bourgeoisie
       1789, weil  sie das Ausmaß der kommenden Kämpfe kaum ahnen konnte
       und weil  sie ihr Klasseninteresse und das Interesse aller Nicht-
       privilegierten 1789  an die Spitze der Bewegung brachte. "Nation"
       gegen Ancien  Regime. Die  Bourgeoisie als  Korrelat des  gesell-
       schaftlichen Fortschritts konnte so über Ideologen und politische
       Vertreter als  Hegemon  der  revolutionären  Bewegung  auftreten,
       wurde als solcher anerkannt und band die Interessen aller anderen
       Klassen und  Schichten an  das  antifeudale  Grundinteresse.  Der
       Grundwiderspruch und  die Frage  Revolution und  Konterrevolution
       verdeckten als  Antiaristokratismus, Republikanismus oder Einheit
       der "Nation", d.h. als ein Grundkonsens bis 1794 die Widersprüche
       im III. Stand, bzw. der Grundkonsens wurde durch die Radikalisie-
       rung der  Hegemonie immer  wieder hergestellt.  Damit erst erwies
       sich die  Wirklichkeit des Hegemonieanspruches und die Bündnisbe-
       reitschaft der  Bourgeoisie, damit  erst konnte  die "Nation" von
       den Advokaten, Journalisten und Politikern wirklich vertreten und
       geführt werden.  Allerdings bestand  der "Enthusiasmus" der Bour-
       geoisie -  immer in der Verallgemeinerung als Gesamtklasse - wohl
       mehr darin,  die Verhältnisse  in  ihrem  Interesse  "vernünftig"
       (worunter einzelne Fraktionen durchaus Unterschiedliches verstan-
       den) zu gestalten. Der "Enthusiasmus" der fortgeschrittenen Teile
       der Volksmassen ging unter der Führung der Jakobiner dann soweit,
       die revolutionären  Mittel bis  zum Terror und zum revolutionären
       Krieg zu  treiben. Die  einmal begonnene  Umwälzung führte bis zu
       jenem Punkt,  wo die  Revolution nicht  mehr rückgängig zu machen
       war, wo  allerdings auch  eine Grenze  des Enthusiasmus  erreicht
       war. Unter  dem Eindruck  der modernen  Mentalitätsforschung  43)
       müssen aus dem Marxschen Ansatz des "Enthusiasmus" differenzierte
       Folgerungen gezogen  werden. Faßt  man unter  diesem Enthusiasmus
       auch Interessenbewußtsein  (was durchaus  manipulierbar ist)  und
       die Quelle  für neue und langwirkende Mentalitäten, Alltagsgefühl
       und -bewußtsein  der Beteiligten  oder ist  es nur die emotionale
       Seite der  Ideologie, die  zusammenbricht,  wenn  die  Revolution
       beendet ist?
       Daß im  Laufe der  Revolution die  Einheit des  EU. Standes durch
       einzelne Fraktionen der Bourgeoisie zerrissen wurde, lastete Marx
       dem "Egoismus"  der bürgerlichen  Gesellschaft 44),  ihrem Wider-
       spruch zum  "Allgemeininteresse" an. Dieses Allgemeininteresse an
       der Revolution  wurde für Marx von einer radikalen Führungsgruppe
       "politischer Emanzipatoren"  45) vertreten,  die mit  politischem
       Enthusiasmus die  Revolution vorantrieben.  Damit deutete  er die
       für die Revolutionsgeschichte wichtige Erkenntnis an, daß die He-
       gemonie durch eine Gruppe von Hegemonieexponenten ausgeübt wurde,
       deren politische  Interessen eine  bestimmte Eigenständigkeit ha-
       ben, und daß diese Führungspersönlichkeiten der "heroischen Illu-
       sion" bis  zu einem  bestimmten Grade  einen persönlichen Stempel
       aufdrückten. 46) Bei dem Stand seiner ökonomischen Studien aller-
       dings und der Verwendung des Feuerbachschen Menschen-Begriffs 47)
       konnte Marx  zwar die  Widersprüche an der Oberfläche des revolu-
       tionären Prozesses, ihre dialektische Verknüpfung markieren, aber
       noch nicht  die treibenden  ökonomischen Kräfte  des Enthusiasmus
       und die  Verknüpfung sozial-ökonomischer und politischer Klassen-
       interessen fixieren.
       In der  "Einleitung" fragte  Marx danach, worauf eine "teilweise,
       eine politische  Revolution" im sozialen Sinne beruhe? Er antwor-
       tete: "Darauf,  daß ein  Teil der  bürgerlichen Gesellschaft sich
       emanzipiert und  zur allgemeinen  Herrschaft gelangt, darauf, daß
       eine bestimmte Klasse von ihrer besonderen Situation aus die all-
       gemeine Emanzipation der Gesellschaft unternimmt" 48). Die Allge-
       meinheit des  Ausdrucks "besondere  Situation" zeigt,  wie  wenig
       dieser hier  verwandte Klassenbegriff schon "marxistisch" 49) ist
       und daß  Marx noch  nicht von  der Bindung der Entwicklungsstufen
       der Gesellschaft  an sozialökonomische Grundprozesse ausgeht. Bis
       zur "Heiligen  Familie" maß Marx der Kategorie "materielle Inter-
       essen" keine  positive Bedeutung  bei 50).  Marx unterterstreicht
       allerdings klar die Bedeutung der Eroberung der politischen Macht
       im Interesse  der fortgeschrittensten Klasse der bürgerlichen Ge-
       sellschaft. Er schreibt, daß "Revolution eines Volkes und Emanzi-
       pation einer  besonderen Klasse" 51) zusammenfallen müssen. Damit
       zielt er  auf die Gesetzmäßigkeit des Vorganges und die Bedeutung
       eines Bündnisses  zwischen Bourgeoisie und Volksmassen. Bedeutsam
       erscheint  in   diesem  Zusammenhang  die  Bindung  des  Begriffs
       "Revolution" an  "Volk" in bezug auf die für die Emanzipation der
       Bourgeoisie notwendigen  Mittel. Offensichtlich rechnete Marx die
       Bourgeoisie nicht zur Kategorie Volk.
       Marx nimmt  in der "Einleitung" zum ersten Mal Bezug auf das Pro-
       blem der  vertikalen sozialen Mobilität in der bürgerlichen Revo-
       lution: "Diese  Klasse befreit  die ganze  Gesellschaft, aber nur
       unter der  Voraussetzung, daß  die ganze Gesellschaft sich in der
       Situation dieser  Klasse befindet, also z.B. Geld und Bildung be-
       sitzt oder  beliebig erwerben  kann" 52).  Marx meint  damit  den
       "Aufstieg" von  Teilen der unteren Volksklassen ("Tüchtige") über
       ihre Klassengrenzen  hinweg in  die neue herrschende Klasse unter
       den von  der Bourgeoisie  diktierten neuen Verhältnissen, Verhal-
       tensmustern und  Werten. Marx' spätere Hinweise zu diesem Problem
       ("Deutsche Ideologie"  53)) berechtigen zur These, daß dieses In-
       teresse am  "Aufstieg" ein  starkes Motiv  für die Bindung an die
       Interessen der  Bourgeoisie und  eine  objektive  Basis  für  die
       "heroische Illusion" in den Umbruchzeiten der Revolution war.
       Die Hinweise  von Marx auf das Klassenbündnis, die revolutionären
       Mittel und die soziale "Blutauffrischung" zeigen, daß für ihn die
       bürgerliche ,  politische" Revolution weit mehr als nur die Revo-
       lution der Bourgeoisie ist 54).
       Als unumgänglich  für die Machtübernahme durch den jeweiligen He-
       gemon oder  "Emanzipator" 55)  stellt Marx  heraus: "Keine Klasse
       der bürgerlichen  Gesellschaft kann diese Rolle spielen, ohne ein
       Moment des  Enthusiasmus in  sich und in der Masse hervorzurufen,
       ein Moment, worin sie mit der Gesellschaft im allgemeinen frater-
       nisiert und  zusammenfließt, mit  ihr verwechselt  und als  deren
       a l l g e m e i n e r  R e p r ä s e n t a n t  empfunden und an-
       erkannt wird,  ein Moment,  worin ihre  Ansprüche und  Rechte  in
       Wahrheit die  Rechte und  Ansprüche der Gesellschaft selbst sind,
       worin sie wirklich der soziale Kopf und das soziale Herz ist. Nur
       im Namen der allgemeinen Rechte der Gesellschaft kann eine beson-
       dere Klasse  sich die  allgemeine  Herrschaft  vindizieren"  56).
       Aber, fährt  Marx fort: "Zur politischen Ausbeutung aller Sphären
       der Gesellschaft  im Interesse der eigenen Sphäre reichen revolu-
       tionäre Energie und geistiges Selbstgefühl allein nicht aus" 57).
       Der Gegensatz, der Grundwiderspruch, hier noch wesentlich als po-
       litischer und sozialer gefaßt, zum französischen Adel war die äu-
       ßere Klammer  für das  Bündnis von Hegemon und Triebkräften. Marx
       gibt hier  eine Vorform  dessen, was er unter heroischer Illusion
       versteht. Er bezeichnet sie an dieser Stelle noch undifferenziert
       mit "Moment  des Enthusiasmus" und beschreibt sie im wesentlichen
       mit psychologischen bzw. anthropologischen Termini. In der Erklä-
       rung der "Idee" überwiegt für ihn noch die "Leidenschaft".
       In Paris  studierte Marx  die Geschichte  der Revolution von 1789
       und intensivierte  seine ökonomischen Studien (was seinen konzen-
       trierten Ausdruck  in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten
       fand). Hatte  er in  der "Einleitung" Klassen und Revolution noch
       wesentlich politisch  bestimmt 58),  so wird die abstrakte Gegen-
       überstellung von  politischer und  sozialer Revolution  auch  be-
       grifflich mehr  und mehr am historischen Material abgebaut. "Jede
       Revolution löst  die alte  Gesellschaft  auf;  insofern  ist  sie
       s o z i a l.   Jede Revolution  stürzt die  alte Gewalt; insofern
       ist sie  politisch... Die  Revolution überhaupt - der Umsturz der
       bestehenden Gewalt und die  A u f l ö s u n g  der alten Verhält-
       nisse - ist ein politischer Akt" 59).
       In der  "Heiligen Familie" von 1845 setzte sich Marx mit dem eli-
       tären Konzept  der Gegenüberstellung von "Geist" und "Masse" aus-
       einander. Es  ist, schreibt Marx, "ferner genau zu unterscheiden,
       inwieweit die  M a s s e  sich für Zwecke 'interessierte' und in-
       wieweit sie  sich für dieselben  'e n t h u s i a s m i e r t e'.
       Die  I d e e  blamierte sich immer, soweit sie von dem  'I n t e-
       r e s s e'   unterschieden war.  Andererseits ist  es  leicht  zu
       begreifen,  daß  jedes  massenhafte,  geschichtlich  sich  durch-
       setzende   'I n t e r e s s e',   wenn es  zuerst  die  Weltbühne
       betritt, in  der   'I d e e'   oder   'E r s t e l l u n g'  weit
       über seine  wirklichen Schranken  hinausgeht  und  sich  mit  dem
       m e n s c h l i c h e n  Interesse schlechthin verwechselt. Diese
       I l l u s i o n   bildet das, was Fourier den  T o n  einer jeden
       Geschichtsepoche nennt" 60).
       Marx verwendete  hier das  Prinzip des materiellen Interesses, er
       stützte sich dabei auf seine Studien zur Französischen Revolution
       und verwies  direkt auf  Fourier, der  den "Überbaucharakter ent-
       sprechender Illusionen ahnte" 61).
       Marx begriff  die "Idee"  oder die ideologischen Formen bzw. Aus-
       drucksformen jetzt  als durchaus gesetzmäßiges Korrelat einer be-
       stimmten Entwicklungsstufe  der Gesellschaft  62), als deren Fah-
       nenworte "Freiheit  und Gleichheit"  das Zentrum  in einem ganzen
       ideologischen System bildeten. Er hat diesen ideologischen Formen
       aber auch  als "heroischer  Illusion" in der Revolution einen be-
       sonderen Stellenwert eingeräumt.
       Marx gab  in der Analyse der Revolution der Kategorie "Interesse"
       eine ökonomische  Fundierung, indem  er sie  mit der  materiellen
       Existenzweise einer  sozialen Klasse  63) -  Träger der neuen Ge-
       sellschaftsordnung  -   verband.  Er   zeigt  auch,  daß  er  die
       "wirklichen Schranken"  weitausgreifender historischer  Ideen  im
       Klasseninteresse sieht.  Das heißt  aber nicht,  daß  er  in  dem
       "massenhaften, geschichtlich  sich  durchsetzenden  'Interesse'",
       das in  der "'Idee' ... weit über seine wirklichen Schranken hin-
       ausgeht und  sich mit  dem   m e n s c h l i c h e n    Interesse
       schlechthin verwechselt",  im speziellen  Fall der  Französischen
       Revolution ausschließlich  profanes Klasseninteresse im Sinne des
       "ökonomischen Berufs"  der Bourgeoisie sah. Der Kern  d i e s e s
       Interesses   i n   der Revolution  war geprägt  vom  zeitweiligen
       wirklichen  Zusammenfall  von  politischem  Klasseninteresse  der
       Bourgeoisie und Nationalinteresse 64) in der Form einer notwendi-
       gen Selbsttäuschung. Größe und Grenzen erwachsen unter diesem Ge-
       sichtspunkt dem  gleichen Boden.  Marx hat diesen Gedanken in der
       "Deutschen Ideologie" im Zusammenhang mit dem Klassenbegriff ver-
       tieft: "Die  revolutionierende Klasse tritt von vornherein, schon
       weil sie  einer   K l a s s e   gegenübersteht, nicht als Klasse,
       sondern als  Vertreterin der  ganzen Gesellschaft  auf,  sie  er-
       scheint als die ganze Masse der Gesellschaft gegenüber der einzi-
       gen herrschenden  Klasse" 65).  In einer Randbemerkung dazu heißt
       es: "Die  Allgemeinheit entspricht...  der Illusion  der  gemein-
       schaftlichen Interessen [im Anfang diese Illusion wahr]" 66). Die
       Bindung des  Begriffs "Enthusiasmus"  an die Volksbewegung stellt
       einen  entscheidenden   Unterschied  zu   den  Passagen   in  der
       "Einleitung" dar,  bildet aber  zugleich mit  der dort  erfolgten
       Hervorhebung der  Volksrevolution eine Einheit. Nur unter der He-
       gemonie der  Bourgeoisie (in der progressiven Abfolge ihrer Frak-
       tionen) war  die Bündelung der Triebkräfte zu einem "antifeudalen
       Block" (A.  Soboul) solange möglich, bis die Revolution unumkehr-
       bar war.  Ideologische Grundlagen, Traditionen, Kunstformen, Pro-
       paganda, Feierlichkeiten, Orientierungen, Mentalitäten, Einheits-
       begriff und  Ziel"vorgaben", revolutionäre Energie und Alltagsge-
       fühl, in  denen sich  das "Interesse"  der  Bourgeoisie  und  der
       "Enthusiasmus" des Volkes konkret und durchaus bewußt gewählt ar-
       tikulierten, bildeten  ein ganzes  ideologisches System  um die -
       von den  verschiedenen Formen  der ,  politischen Aufklärung" 67)
       entwickelte und  als  Wert  verbreitete  -  allgemein-menschliche
       "Idee" von Vernunft, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
       Dieses ideologische  System ließ  die Jakobiner "ihre" Revolution
       als einen  "totalen" Umbruch erkennen. Im römisch-antik gedachten
       Staatswesen überbot  sich, nach  Marx, die  politische Aufklärung
       selbst und  wurde überschwenglich.  68) Dieser antik geformte mo-
       derne Staat  über der  entspringenden kapitalistischen  Basis war
       nur temporär,  mit Tugend  und  Terror,  aufrechtzuerhalten.  Das
       Klasseninteresse,  verstanden   als  dürres  bürgerliches  Durch-
       schnittsinteresse, konnte  sich erst  nach der  Jakobinerdiktatur
       und der  "Erfahrung Volksrevolution" durchsetzen und zeigen. "Die
       Bourgeoisie beginnt  also ihr  Regiment" 69),  schreibt Marx. Die
       Desillusionierung der  Bourgeoisie, nicht  nur des Durchschnitts-
       bourgeois, sondern  auch von  Wortführern und  Vollblutpolitikern
       wie Barere,  Brissot oder  Danton hatte schon lange vorher einge-
       setzt. Der Alltag bestimmte nach der Jakobinerdiktatur das Denken
       des Bourgeois,  die Idee als nunmehrigen adäquaten Ausdruck ihrer
       wirklichen Interessen, es richtete sich nach dem Wirken der , we-
       sentlichsten materiellen  Interessen, Handel  und Industrie" 70).
       Neue ideologische  Formen entstanden. Und die Blamage der "Idee",
       die die Revolution beseelte? Sie hat tragische Züge für die Revo-
       lutionäre. Werner  Krauss schreibt  in  einem  Utopie-Essay  über
       Saint-Just, einen  der wesentlichen  Träger der "heroischen Illu-
       sion": "In  Saint-Justs nachgelassenen Fragmenten vermischen sich
       Gedanken von  kühnem politischen  Realismus mit solchen, die ganz
       und gar  ins Utopische zurückfallen..." 71). Utopie ist nicht he-
       roische Illusion.
       Marx schreibt weiter: "Das  I n t e r e s s e  der Bourgeoisie in
       der Revolution  von 1789,  weit entfernt   'v e r f e h l t'   zu
       sein, hat  alles  'g e w o n n e n' und hat den 'eingreifendsten'
       Erfolg gehabt,  so sehr der  'P a t h o s'  verraucht und so sehr
       die   'e n t h u s i a s t i s c h e n'  Blumen, womit dieses In-
       teresse seine  Wiege bekränzte,  verwelkt sind.  Dieses  I n t e-
       r e s s e   war so  mächtig, daß  es die  Feder eines  Marat, die
       Guillotine und  das Vollblut  der Bourbonen  siegreich  überwand.
       'Verfehlt' ist  die Revolution  nur für   d i e   Masse,  die  in
       d e r  p o l i t i s c h e n  'Idee' nicht die Idee ihres wirkli-
       chen  I n t e r e s s e s  besaß, deren wahres Lebensprinzip also
       mit dem  Lebensprinzip der  Revolution nicht  zusammenfiel, deren
       reale Bedingungen  der Emanzipation  wesentlich verschieden  sind
       von den Bedingungen, innerhalb deren die Bourgeoisie sich und die
       Gesellschaft emanzipieren  konnte. Ist  also die  Revolution, die
       alle großen  geschichtlichen Aktionen  repräsentieren kann,  ver-
       fehlt, so  ist sie  verfehlt, weil die Masse, innerhalb deren Le-
       bensbedingungen sie wesentlich stehenblieb, eine exklusive, nicht
       die Gesamtheit  umfassende, eine   b e s c h r ä n k t e    Masse
       war. Nicht  weil die  Masse sich  für die Revolution  'e n t h u-
       s i a s m i e r t e'   und  'i n t e r e s s i e r t e',  sondern
       weil der zahlreichste, der von der Bourgeoisie unterschiedne Teil
       der Masse  in dem Prinzip der Revolution nicht sein  w i r k l i-
       c h e s  Interesse, nicht  s e i n  eigentümliches revolutionäres
       Prinzip, sondern  nur eine   'I d e e'  also nur einen Gegenstand
       des momentanen   E n t h u s i a s m u s   und  einer scheinbaren
       Erhebung besaß" 72).
       
                                    *
       
       Die 1789  erreichte einmalige  Konkordanz von  allgemeiner "Idee"
       und bürgerlichem "Interesse" ist einer der Gründe für die Klassi-
       zität   u n d   damit für die Größe der Französischen Revolution.
       Gegenüber der  morbiden Welt  des Ancien  régime ist  das von den
       "lumières" entwickelte und auch noch verklärte Reich der Vernunft
       Sammelpunkt  aller  objektiv  antifeudalen  Kräfte  und  zugleich
       Quelle mobilisierender  Hoffnungen, Illusionen  und (Selbst)-Täu-
       schungen über  Weg und  Ziel der kommenden, vorerst indes besten-
       falls erahnten Klassenkämpfe. Nur so aber können als unabdingbare
       Voraussetzung für  den späteren  Erfolg "Revolution  eines Volkes
       und die Emanzipation einer besonderen Klasse" 73) zusammenfallen.
       Hinter dieser  prägnanten Kurzfassung  der Wirkungsweise der Dia-
       lektik von Hegemon und Volksbewegung verbirgt sich gleichwohl ein
       ganzes Bündel  komplizierter gesellschaftlicher  Bedingungen  für
       dann eintretende  Bewegungsabläufe. Die  spätere Einschätzung von
       Friedrich Engels: "Die Bourgeoisie ist, im besten Falle, eine un-
       heroische Klasse.  Selbst ihre glänzendsten Errungenschaften, die
       englischen des  17. Jahrhunderts  und die  französischen des  18.
       Jahrhunderts, hat  nicht sie  sich erkämpft, sondern die plebeji-
       sche Volksmasse für sie, die Arbeiter und Bauern" 74), würde ohne
       simultane Beachtung  des Phänomens,  daß gerade in der Aufstiegs-
       phase dieser  Klasse ihre  herausragendsten Vertreter  noch  über
       Jahrhunderte aus  dem "Durchschnitt" eben ihrer Klasse heraustre-
       ten konnten, die Realität einseitig widerspiegeln. Ähnliches gilt
       für die  Volksmassen, die  keineswegs für den Kampf um dieses En-
       dergebnis angetreten  waren. Es  wäre zu  simpel, anzunehmen, daß
       z.B. das  Tugend- und Terrorsystem der Jakobiner und deren intel-
       lektueller Selbstbetrug  mittels des  Rückgriffs auf die römische
       Antike in  den Massen "außer" der Zustimmung zur konsequenten Be-
       strafung der  Konterrevolution und  der Freude am kurzzeitig ver-
       süßten Alltag  während der republikanischen Feste andere nennens-
       werte revolutionäre Potenzen freigesetzt hätten. Sie hatten viel-
       mehr sehr  handgreifliche Interessen,  und die  Revolution dünkte
       ihnen das  Vehikel, solche Ambitionen durchzusetzen: "Die Revolu-
       tion geschah für das Volk, das Glück des Volkes ist ihr Ziel; die
       Liebe zum  Volk ist  der Prüfstein  für die  revolutionäre Gesin-
       nung." 75)  Nachgeborene wußten,  daß dieser  Anspruch illusionär
       war. Der  Zeitgenosse mußte  es anders  sehen, und es scheint aus
       diesem Grund  problematisch und weiterer Überlegungen wert, Theo-
       rien oder Ideen als falsch, verdreht oder utopisch zu bezeichnen,
       die im   g e g e b e n e n   Augenblick  r i c h t i g e  Verhal-
       tensweisen und  einen engen  Verbund der  Volksbewegung mit jenen
       bürgerlichen Führern bewirkten, von denen sie sich eine Erfüllung
       ihrer z.T. utopisch verschlüsselten Sehnsüchte versprachen.
       Die von  Karl Marx im Frühwerk erkannte Bündelung von bourgeoisem
       Klasseninteresse und plebejischer Massenbasis der Revolution ver-
       leiht der  "heroischen Illusion"  die Funktion  einer transitori-
       schen Größe.  Ihr weltgeschichtliches Optimum realisiert sich be-
       reits im  Jahre II, wo die notwendige Selbsttäuschung der Klassen
       und Schichten am ausgeprägtesten ist. Deshalb ist Saint-Justs re-
       signierende Bemerkung  von der "revolution glacée" nichts anderes
       als Ausdruck  der Tatsache, daß "heroische Illusion" und Enthusi-
       asmus der  Volksmassen ihren  Gipfelpunkt überschritten haben und
       sich voneinander zu lösen beginnen. Bis dahin aber gelingt es vor
       allem den  Robespierristen dank dieser "heroischen Illusion", das
       bürgerliche Klasseninteresse  mit dem  Nationalinteresse zum  Ge-
       samtinteresse der Revolution zu verschmelzen. Dadurch erhält auch
       die Einschätzung von Friedrich Engels aus dem Jahre 1895 (!), der
       die Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts auch dann als Revo-
       lutionen von  Minoritäten begriff, wenn die Majorität mittat, 76)
       ihren tieferen Sinn.
       Spätere Forschungsergebnisse  haben diese für die komparative Me-
       thode essentielle  Aussage weiter  erhärtet und die Grundlage für
       eine Sicht mitgeschaffen, der Beckmesserei so fremd ist wie unan-
       gebrachte Heroisierung. Insofern kann der Vorwurf, die Historiker
       der Linken  hätten Wachstum und politisches Gewicht des französi-
       schen Industrieproletariats  immer überhöht  dargestellt 77), und
       die (ernüchternde?)  Feststellung, selbst in der Großen Französi-
       schen Revolution habe die Mehrheit des Volkes eher unter bzw. ne-
       ben der  Revolution, statt  "mit ihr" gelebt 78), weiterer Arbeit
       nur förderlich  sein. Uns scheint, daß in dieser Engelsschen Sen-
       tenz und  in der heute allseits geteilten Anerkennung des Charak-
       ters der  1789 eröffneten Epoche als Epoche des Aufstiegs und des
       vollen Sieges der Bourgeoisie 79) ein wichtiger erkenntnistheore-
       tischer und  noch längst  nicht ausgeschriebener  Aspekt für  ein
       noch tieferes Verständnis der Geschichte des 19. Jahrhunderts ge-
       geben ist.  Denn von  dem Historiker  verlangt die Verwendung des
       Epochebegriffs u.a., zu berücksichtigen, daß der Widerspruch zwi-
       schen Kapital  und Arbeit  folglich in diesem Zeitraum noch nicht
       zur Lösung drängte, wie eine partielle Bündnisfähigkeit bürgerli-
       cher Klassenkräfte  sogar bis über die Grenzscheide "Pariser Com-
       mune" ja auch belegt, die politischen und ökonomischen Krisen des
       19. Jahrhunderts  das kapitalistische System in der Substanz noch
       nicht gefährdeten  und alle  Bestrebungen und  Klassenkämpfe  der
       Zeit daher  vielmehr fast zwangsläufig in qualitative Veränderun-
       gen zu  Gunsten des  Kapitalismus einmündeten  oder -  unter  dem
       Aspekt der proletarischen Emanzipation - (unverzichtbare) antizi-
       patorische Funktion  besaßen. Historischer Ort und reale Möglich-
       keiten der Erfolgsaussichten einer häufig versuchten" zweiten Re-
       volution" und damit der Volksbewegung werden für die Untersuchung
       gleichfalls durch  den Charakter  der Epoche bestimmt, auch dann,
       wenn instinktives  Weiterdrängen oder programmatische Plattformen
       80) schon  historisch neue  Ufer und  bessere Zeiten anvisierten.
       Aber es  hieße schon aus diesem Grund einer falschen Problemsicht
       aufsitzen, würde  man deshalb einfach von "Scheitern der Volksbe-
       wegung" sprechen.  81) Sie gilt es vielmehr stärker danach zu be-
       fragen, wie  sie sich  organisierte und  manifestierte, warum sie
       wann was  erreichte und worin ihr spezifischer Beitrag zur Beför-
       derung des historischen Fortschritts tatsächlich bestand.
       Ein solches  Herangehen erlaubt  auch eine differenziertere Sicht
       auf Geschichte und Funktion der französischen Arbeiterbewegung im
       19. Jahrhundert.  Gewiß waren  die Revolutionen des französischen
       Revolutionszyklus' eben  mehr  als  nur  Revolutionen  der  Bour-
       geoisie: Die  Große unter ihnen hatte unter dem großen Mantel der
       heroischen Illusion auch die Idee des neuen Weltzustandes hervor-
       gebracht, und  die nachfolgenden hatten diese Idee in Gestalt des
       utopischen Sozialismus  und Kommunismus sowie der Klassenschlach-
       ten der  Zeit um wesentliche Gedanken und Erfahrungen bereichert.
       Gleichwohl bleiben  wenigstens zwei Marxsche Erkenntnisse für die
       Analyse der  ganzen Epoche  unverändert gültig:  sein am Beispiel
       der Jakobinerdiktatur  herausfiltrierter Hinweis,  daß jede gegen
       die Bourgeoisie  gerichtete Aktion "nur ein Moment im Dienste der
       bürgerlichen Revolution"  82) darstellte, solange die materiellen
       Bedingungen für  die Beseitigung  der  bürgerlichen  Gesellschaft
       nicht existierten, und die mit Blick auf den Zustand von Ökonomie
       und Bewußtsein  1870 (!)  formulierte Feststellung,  nach der die
       Arbeiterklasse für  die proletarische Revolution noch immer nicht
       reif sei.  83) Mancher  geht heute - gestützt auf breitgefächerte
       Quellenbasis -  noch ein  ganzes Stück  weiter mit der These, bis
       1914 seien  nicht einmal  die objektiven  Voraussetzungen für die
       Herbeiführung einer  um die Arbeiterklasse geschälten breiten re-
       volutionären Allianz  existent gewesen. 84) Deutlich wird an all-
       dem neben  anderem für  das 19. Jahrhundert die Aufgabe, die kom-
       plizierten Beziehungen  zwischen Hegemon  und Triebkräften,  zwi-
       schen Führung und Masse sowie innere Bewegungsgesetze von gesell-
       schaftlichen Abläufen noch weiter zu erhellen, in denen die klas-
       sische Funktion  des Kleinbürgertums nicht reproduzierbar war und
       ihre proletarische Kompensation noch nicht möglich gewesen ist.
       In seiner Beschäftigung mit der Geschichte löste sich Marx selbst
       1846 von  der Ansicht,  daß, wieder  am deutschen  Beispiel,  die
       "menschliche Emanzipation" sofort möglich sei. 85) Bis dahin aber
       ging Marx  davon aus,  daß  d i e  bürgerliche Revolution das un-
       mittelbare Vorspiel  der proletarischen  sei.  Die  Meinung,  bei
       "reiferen Bedingungen"  sei   d i e    kommunistische  Revolution
       quasi sofort  vollziehbar, teilt  er nicht nur mit vielen Zeitge-
       nossen, sie erklärt auch die zeitweise "proletarische Verklärung"
       der Jakobiner  86). Jakobinerdiktatur  und Wohlfahrtsausschuß als
       Instrumentarium für  die Bewerkstelligung der eigenen (lies: pro-
       letarischen) Revolution  boten sich  damals nachgerade an und be-
       stimmten bekanntlich auch noch Diskussionen der Bol'seviki um Le-
       nin. Dabei  bleibt aber  Marx' Erkenntnis bedeutsam, daß sich die
       ungeheure innere Dynamik der Revolution von 1789 u.a. aus der Fä-
       higkeit der  Bourgeoisie erklärt,  mittels der Abfolge ihrer ein-
       zelnen Fraktionen  die Hegemonie zu wahren und mit kleinbürgerli-
       cher Hilfe die sozialen Revolutionskomponenten zeitweilig zu bün-
       deln.
       Im Unterschied  zur Großen  Revolution trifft die Julirevolution,
       ohnehin mitunter  als Karikatur  zu 1789  begriffen 87), bei Marx
       trotz des  persönlichen Zugangs  auf eine relativ geringere Wert-
       schätzung. Dieses scheinbare Musterbeispiel für den Ausgang einer
       Revolution, in  der die  Massen negativ  manipuliert worden seien
       88), vergleicht  er mit  1688  89) - auch manche andere Wertungen
       scheinen uns  wenig treffend.  90) Für ihn war der Bruch zwischen
       postulierter  Idee   des  Hegemons  und  seines  Appells  an  die
       "Unterschichten" einerseits  und der  brutalen Wirklichkeit bour-
       geoiser Klassenherrschaft  nach dem  Sturz Karls  X. andererseits
       besonders frappierend, und der Zorn im Tageskampf stehender Revo-
       lutionäre bleibt  daher hier und anderswo verständlich, wenn auch
       nicht geeignet,  von den  Nachgeborenen als  Alibi eigener Thesen
       benutzt zu  werden. Gleichwohl  bleiben wenigstens  zwei Erkennt-
       nisse zu  1830 von  zeitloser Relevanz: Mit der Feststellung, daß
       die "Lebensgeschichte  der französischen  Revolution ..., wo eins
       ihrer  Momente,   nun  bereichert   mit  dem   Bewußtsein  seiner
       s o z i a l e n   Bedeutung, den Sieg davontrug, noch nicht been-
       digt" 91)  sei, ist  die wissenschaftliche Theorie des (französi-
       schen bürgerlichen)  Revolutionszyklus geboren;  der Hinweis  auf
       das "böse Gewissen und die schlechte Absicht der Apologetik", die
       seit  1830   an  die   "Stelle  unbefangener   wissenschaftlicher
       Untersuchung" 92)  tritt, kündet  vom definitiven  Ende einstiger
       politischer Jungfräulichkeit  der neuen  aufstrebenden Bourgeois-
       Klasse. Nur  ist diese  Grenze keine  totale im  Sinne  jeglichen
       Verlustes von  Bündnisfähigkeit  nach  links.  Industriebourgeois
       zögerten nicht,  1848 erneut proletarischen Beistand zu erbitten,
       und Teile  der republikanischen  Bourgeoisie sollten Gleiches bis
       in die  Jahre der  Dritten Republik  auf nämliche  Weise in Szene
       setzen. Eindeutig wird hier die Kategorie "Illusion" durch solche
       wie "Selbstbewußtsein" und "Pragmatismus" ersetzt.
       Das revolutionstheoretische  Grundproblem der  "heroischen" Illu-
       sion besteht  darin, daß ohne ihre Berücksichtigung viele Ausfüh-
       rungen über Notwendigkeit, Verlauf und Ergebnis nicht in der not-
       wendigen Einheit  von Objektivem  und Subjektivem gesehen werden.
       Um die  Totalität einer  Revolution unter Einschluß der Ideologie
       zu erklären, muß von deren  e i g e n e n  Maßstäben und Denkwei-
       sen   a u s g e g a n g e n  werden. Erst die Beurteilung ex post
       vermag genau  zwischen Illusion  und profaner Täuschung zu unter-
       scheiden.  Für   den  Revolutionshistoriker   ist  die  Kategorie
       "heroische Illusion"  mitnichten ein  Generalschlüssel,  aber  in
       Verbindung mit  den objektiven  Prozessen die zentrale Frage, die
       ihm sowohl die Ideologie, das unterschiedliche Revolutionsverhal-
       ten als auch die Einheit im Widerspruch aller zeitweilig im revo-
       lutionären Block  vereinten Kräfte  zu erklären vermag. So stellt
       die Einsicht von Vertretern des Hegemons, daß die gemäßigten Pro-
       gramme (der  Aufklärung) nicht mehr ausreichen, gewiß einen unge-
       heuren (durch  die "Umstände" allerdings erzwungenen) Erkenntnis-
       sprung dar.  Aber ohne  die subjektive Fähigkeit und Bereitschaft
       bürgerlicher  Revolutionäre,   adäquat  dieser  Erkenntnisse  und
       Drücke auch zu handeln, wäre die Erkenntnis selbst wenig wert und
       bestenfalls  ein   unverbindliches  Lippenbekenntnis   geblieben.
       Strukturanalysen, empirische  Forschungen zur politischen, ökono-
       mischen und sozialen Geographie (jeder Revolution) gewinnen daher
       durch die  Berücksichtigung des  subjektiven Faktors  an Aussage-
       kraft. In  diesem Sinne ist das Problem der "heroischen Illusion"
       ein wichtiges  Forschungsdesiderat vor  allem der  v e r g l e i-
       c h e n d e n   Revolutionsforschung, der  es um eine weitere Er-
       hellung der  Subjekt-Objekt-Relationen in einer gegebenen gesell-
       schaftlichen Totalität geht.
       Hierbei verdient die Rolle des subjektiven Faktors eine erste An-
       merkung, zumal  sie uns  generell in  den Analysen zur Geschichte
       des 19. Jahrhunderts unterbelichtet scheint. Daß nicht die Ökono-
       mie allein das Handeln der Menschen bestimmt, gehört übrigens von
       altersher zu  den Grundelementen  der klassischen  Interpretation
       der Französischen  Revolution. 93)  Stand ab  1827  der  Terminus
       "arbeitende Klasse"  für "gefährliche Klasse" 94), so ist für die
       Forschung mit  der bloßen  Übernahme  dieser  Metapher  noch  gar
       nichts gewonnen. Sie birgt vielmehr in sich die Gefahr unzulässi-
       ger Vereinfachung,  sobald man  darauf verzichtet,  Wesen und Er-
       scheinung für  die "Betroffenen",  wie für  jene, von  denen eine
       solche "Bedrohung"  ausging, säuberlich  und  sehr  differenziert
       auszuloten. Eine  Reihe von  Einzelfragen kann hier weiterhelfen.
       Die wichtigste  von ihnen  scheint uns die nach der ideologiebil-
       denden Funktion  von politisch-sozialer und industrieller Revolu-
       tion zu  sein, beides  aufgefaßt als   d i e  Schlüsselereignisse
       der Geschichte des 19. Jahrhunderts. So besaß die Große Französi-
       sche Revolution für den Prozeß der Klassenkonstituierung des Pro-
       letariats politisch,  ökonomisch und  sozial herausragende Bedeu-
       tung. Gleichwohl verlief die proletarische Rezeption dieser Revo-
       lution und  der auf  sie folgenden  widersprüchlich und war - auf
       lange Sicht  - nicht immer Quelle ausschließlich positiver Umset-
       zung im  Sinn sowohl  der Attraktivität  der Anwendung revolutio-
       närer Mittel  und Methoden für die Lösung gesellschaftlicher Kon-
       flikte als  auch des Erfassens der Dialektik von bürgerlicher Re-
       volution und  proletarischer Emanzipation.  Mit dem Entstehen des
       wissenschaftlichen Kommunismus  war fürderhin diese Frage theore-
       tisch eindeutig  geklärt, aber  es brauchte Jahrzehnte, diese Er-
       kenntnis in  der Arbeiterbewegung Frankreichs heimisch zu machen.
       Pillot blieb  bei seiner  Auffassung bereits  aus dem Jahre 1840,
       die bürgerliche  Revolution als notwendige Zwischenetappe auf dem
       Weg der  Befreiung des  Proletariats zu  begreifen 95), lange al-
       lein. Derlei  Erscheinungen wirkten  nicht kurzzeitig. Ihre lang-
       fristigen Folgen für das subjektive Selbstverständnis werktätiger
       Massen erlauben  nicht, das Problem lediglich zu registrieren und
       es dann als Nebenerscheinung abzutun.
       Für den  Problemkreis "industrielle Revolution" gilt es, bekannte
       Haupttendenzen näher nach ihren langfristigen Konsequenzen zu be-
       fragen. So  ist mit der unverändert existierenden zerstreuten Ma-
       nufaktur, die großer Investitionen nicht bedurfte, für Frankreich
       der Fortbestand  des so  zählebigen, widerstandsfähigen und typi-
       schen Handelskapitalismus  besonders signifikant.  Er stellte die
       Trennlinie zwischen  Kleinbürgertum und  Proletariat extrem  ver-
       schwommen dar  und machte  u.a. die  französische Textilindustrie
       bei Verzicht  auf nennenswerte  Mechanisierung und Modernisierung
       zeitweilig  zur  größten  in  Europa.  96)  In  der  Tat  lag  in
       Frankreich der  Konzentrationsprozeß von  Kapital und  Produktion
       bedeutend unter  dem Niveau  vergleichbarer Entwicklungen in Eng-
       land, den  Vereinigten Staaten  und Deutschland. 97) Dieser Sach-
       verhalt erklärt  zum einen die Unterschiede in den Wegen der bür-
       gerlichen Umgestaltung  im 19.  Jahrhundert 98) und die Spezifika
       der französischen Arbeiterbewegung zum anderen. Unter dem Einfluß
       der um 1830 verstärkt einsetzenden industriellen Revolution setz-
       ten selbst  in den  proletarischen Quartiers  der  großen  Städte
       vielfältige soziale (und in Perspektive: politische) Differenzie-
       rungsprozesse mit  dem Ergebnis ein, daß proletarische Mentalität
       trotz gleichen  sozialen Umfelds  alles andere denn als eine uni-
       forme Größe  erscheint. 99)  Die hieraus  ableitbaren, aber  erst
       allmählich wirkenden  und damit  "begreifbaren" ideologischen und
       politischen Folgerungen für proletarisches Bewußtsein und politi-
       sche Aktion sind heute trotz immenser Einzelstudien in ihrer Kom-
       plexität eher  erahnt und heuristisch vorbelastet als schon empi-
       risch umfassend  abgesichert. Die  Aufarbeitung  des  subjektiven
       Selbstverständnisses der  Massen, über  das bisher schon aufgrund
       wenig überlieferter Quellen kaum etwas bekannt ist, muß aber füg-
       lich davon  ausgehen, daß in Frankreich die Hauptaufgaben der in-
       dustriellen Revolution  - die  Bildung moderner  Fabriken und die
       Herausbildung eines Stammes qualifizierter (Industrie-)Arbeiter -
       sehr zögerlich  in Angriff genommen wurden und der "geborene Pro-
       letarier" im  Unterschied zum  "künstlich gezeugten  Proletarier"
       100) relativ  spät die  Arena des modernen Klassenkampfes betrat.
       Das verwandelt  die denkbare  Prämisse, der Lohnarbeiter (der mo-
       dernen Großproduktion)  sei besonders  kampfbereit,  schlicht  in
       eine Legende.  Die ungleichmäßige  Entwicklung des  französischen
       Kapitalismus nach Qualität, Tempo und Region verschärfte noch zu-
       sätzlich seit  längerem bestehende  Unterschiede in  der sozialen
       Lage, dem  Können, dem  Lohn und den Lebenshaltungskosten mit dem
       Ergebnis einer  unterschiedlichen  proletarischen  Revolutionsbe-
       reitschaft, der  Regionalisierung der frühproletarischen und pro-
       letarischen Bewegung  und ihrem Unvermögen zu gemeinsamer Aktion.
       Neuere Studien  belegen denn  auch, daß die Massen in den Revolu-
       tionen des 18. und 19. Jahrhunderts eher durch soziale Zwänge und
       durch den  Kampf um  die Republik  bewegt waren denn durch spezi-
       fisch "eigene"  Interessen 101),  und noch  am Ausgang der Epoche
       scheint das Bild der Klasse der Zukunft geprägt durch einen hohen
       Organisationsgrad, allerdings auf der Basis ihrer fast grenzenlo-
       sen nationalen und lokalen Zersplitterung. 102)
       Aus der  - grob skizzierten - Dialektik von materieller Basis und
       subjektiver Reflexion  ergibt sich  eine Reihe  fruchtbarer  For-
       schungsdesiderata. Es  scheint sinnvoll,  bei künftigen  Analysen
       der französischen  Klassenkämpfe im  19. Jahrhundert hinsichtlich
       der partizipierenden  "Unterschichten" säuberlich  zwischen ihrer
       s o z i a l e n   S t r u k t u r  (Volks- oder Arbeiterbewegung)
       und der  konkreten   Z i e l s t e l l u n g   (antibourgeois  im
       Sinn des  Kampfes um demokratischen Freiraum / antikapitalistisch
       im Sinne  der Überwindung  dieser Gesellschaftsordnung) zu unter-
       scheiden. Marxens  Hinweis, die Theorie werde "im Volke immer nur
       soweit verwirklicht,  als sie  die Verwirklichung  seiner Bedürf-
       nisse ist"  103), gestattet  andererseits, den wirklichen Einfluß
       der Vorhut(en)  auf die Massen, den Zeitgenossen und Nachgeborene
       in beiden  Richtungen zu  häufig mit Wunschdenken zu erfassen su-
       chen, präziser  zu ermitteln.  Uns scheint bemerkenswert, daß die
       proletarische Avantgarde sich zunächst nicht in der (industriell)
       höher entwickelten  Region artikulierte,  sondern dort, wo sie an
       revolutionäre Traditionen  anknüpfen konnte  (Paris) oder  wo die
       industrielle Revolution  neue  soziale  Veränderungen  einleitete
       oder vorankündigte  (Lyon, Paris).  Schließlich interessiert  die
       Frage, wer wann warum das Vertrauen der Massen besaß: Der hervor-
       ragende Kommunist  Blanqui, der  neben unmenschlichem Terror sei-
       tens der herrschenden Klasse auch die Bitternis persönlicher Nie-
       derlagen erfuhr, oder jene, die meinten, man müsse nicht den Men-
       schen (:  dem System,  die Vf.),  sondern den  "idées decevantes"
       104) einen unversöhnlichen Kampfansagen? Bei alledem darf endlich
       nicht übersehen  werden, daß sich die Ideologie der Massen letzt-
       lich nur  aus ihrer  Sozialgeschichte heraus  erklärt. Naturgemäß
       aber bleibt  diese Sozialgeschichte,  besonders die der Arbeiter-
       klasse, immer  ein Segment  der Sozialgeschichte der Ganzheit der
       bürgerlichen Gesellschaft,  allerdings meist ohne eigene Quellen-
       basis.
       
                                    *
       
       Über die (heroische) Illusion der "Emanzipatoren" hat Walter Mar-
       kov geforscht  105) - manches bleibt auch heute noch für die For-
       schung eine  offene Frage.  106) In den Jakobinern des Jahres II,
       auf deren  Politik der  Druck der  Konterrevolution wie die Sehn-
       süchte und  Forderungen der  Massen einen  hervorragenden Einfluß
       ausübten, stellt  sich  ein  kleinbürgerlich-demokratisches  Füh-
       rungspotential dar,  das über längere Zeit den bürgerlichen Hege-
       mon und  die Volksbewegung  vereint 107), womit der Sieg über das
       Ancien régime  endgültig und  mit maximalen Ergebnissen sicherge-
       stellt  wird.  Die  Jakobinerdiktatur  verdankt  ihre  Entstehung
       w i e  ihre Daseinsberechtigung  a u s s c h l i e ß l i c h  den
       gegebenen Umständen der Zeit, was ihre Vertreter nicht einmal ah-
       nen, und  der subjektiven  Fähigkeit der  Jakobiner, auf der Höhe
       dieser Zeit  zu stehen. 108) In diesem Sinn kann man an Jakobiner
       u n d   Sansculotten den Begriff der Elite binden, der bislang zu
       Unrecht monopolisiert  wird für  Adel, Klerus  und  herausragende
       Einzelvertreter des Bürgertums. 109) Unter diesem Aspekt sind die
       Jakobiner selbst die konsequentesten Träger der "heroischen Illu-
       sion". Das  beginnt u.a.  mit Robespierres  Annahme, die zu große
       Diskrepanz zwischen  Armut und  Reichtum stehe der Errichtung der
       "reinen Demokratie" im Wege, und setzt sich fort vor allem in der
       Sozialpolitik des  Jahres II,  die letztlich niemanden zufrieden-
       stellen wird.  Mit der  eben nur für kurze Zeit möglichen revolu-
       tionärdemokratischen Diktatur  und dem  aufrichtigen Versuch, die
       ideale Gemeinschaft aller citoyens zu schaffen, setzten die Jako-
       biner unbeschadet  ihrer subjektiven  Wünsche  und  Vorstellungen
       nichts anderes  als die  von ihrem  feudalen Ballast  nun  ledige
       reale bürgerliche  Gesellschaft frei. Als grundlegende Erkenntnis
       fixiert Marx,  daß für den Ausgleich der Widersprüche während der
       politischen Emanzipation die Diktatur einer zur "totalen" Revolu-
       tion entschlossenen  Führungsgruppe notwendig ist. Das robespier-
       ristische Idealbild  des  citoyen  steht  so  für  die  heroische
       Selbsttäuschung der  Akteure von  1793/94 - eine Selbsttäuschung,
       die  Fleurus  und  den  9.  Thermidor  zu  Zwillingsbrüdern  hat.
       "Bürgerliche Begrenztheit  der Jakobiner" heißt daher nicht beck-
       messerische Kritik,  sondern meint,  daß sie , "unvermeidlich nur
       über eine Teilperspektive, nicht über eine Fehlperspektive verfü-
       gen konnten."  110) Natürlich  ist nicht alles in der Politik des
       Jahres II dieser "heroischen Illusion" geschuldet - es würde aber
       im Rahmen dieses Beitrages zu weit führen, die absolut notwendige
       Unterscheidung zwischen  ihr und der Kategorie "politischer Prag-
       matismus" auszuformulieren.  Immerhin: Spätestens  in den  Wochen
       unmittelbar nach  dem Sturz der Gironde machten gerade die Führer
       der Bergpartei  die Erfahrung,  daß ihr  von der Aufklärung über-
       nommener Glaube  an die  Allmacht der Tugend und an das Gute, das
       letztlich im Menschen immer obsiege, den Gegebenheiten nicht mehr
       standhielt. Ihre  hernach eingeleitete Politik auf dem Gebiet der
       Landesverteidigung, der  Wirtschaft und des Kampfes gegen die in-
       nere Konterrevolution  war, wiewohl unter dem Druck von unten und
       durch die  allgemeine Lage erzwungen und daher mitnichten das Er-
       gebnis vorgedachter  Dogmen, Realpolitik  im besten Wortsinn. Sie
       selbst schufen  damit neue  Theorien und Beispiele verwirklichter
       Staatsmacht, die  indes im  19. Jahrhundert  bei Übertragung  auf
       völlig veränderte gesellschaftliche Prämissen selbst wieder illu-
       sionäre Züge annehmen mußten.
       Die Frage  nach dem  Ende der  "heroischen Illusion"  ist weniger
       simpel, als  man - vor allem mit Blick auf damit verbundenen Kon-
       sequenzen - meinen möchte. Wir gehen von folgender, heute von der
       marxistisch-leninistischen  Historiographie   allseits  geteilter
       Überlegung aus:  Fraktionen der Bourgeoisie suchen die Revolution
       immer dann  zu "beenden", wenn ein ihrem partiellen Durchschnitt-
       sinteresse  adäquates   Herrschafts-  oder  Machtsystem  erreicht
       s c h e i n t:  Feuillants und Girondisten eint quasi das Bestre-
       ben, das  Volk aus der Revolution zu entlassen und die politische
       Macht an  geeignete Personen zu delegieren bzw. selbst wahrzuneh-
       men. Der  unlösbare Widerspruch  mit tragischen  Konsequenzen für
       Vertreter des  Hegemons besteht  darin, daß  die Revolution trotz
       (und   wegen)   der   subjektiven   Selbsteinschätzung   an   der
       "angenommenen" Stelle  eben noch  längst nicht  wirklich  gesiegt
       hat. Der  selbstbewußte Klassenegoismus  der Bourgeoisie war erst
       ab erfolgreichem  Ausgang der  Revolution auch wirklich "gerecht-
       fertigt". Die  Revolution von  1789/95 gleicht in dieser Hinsicht
       einem  Nadelöhr,  durch  das  die  Bourgeoisie  als  Gesamtklasse
       nolens/volens hindurch  muß. Auffallend  ist indes, daß sie diese
       Passage zunehmend  widerwillig und  am Ende mehrheitlich nur noch
       feindselig zu ertragen gewillt ist. Im Verlauf der Revolution und
       durch ihre  bisherigen Teilergebnisse  ändert sich naturgemäß die
       Dialektik zwischen  Erkenntnis der  wirklichen  Klasseninteressen
       und Illusion,  vornehmlich auf  Seiten der  bourgeoisen Elemente.
       Die Girondisten  nach dem  2. Juni  1793 sind  alles andere  denn
       Opfer einer "heroischen Illusion": Dir Untergang ist das logische
       Resultat eines  zum falschen  Zeitpunkt sich äußernden Realismus,
       dessen  Sonderinteresse   mit  dem   allgemeinen  Interesse   der
       Revolution notwendig (noch) kollidiert. Ähnliches wiederholt sich
       mit Danton,  und die  "Täuschung der  Terroristen" 111) endet mit
       dem 9.  Thermidor in der persönlichen Tragik der wirklichen Jako-
       biner. Daher begrenzen wir das Wirkungsfeld der "heroischen Illu-
       sion" auf die eigentliche Revolution (im engeren Sinn 112), wobei
       schon innerhalb  dieser  selbst  der  Prozeß  des  Verlustes  der
       "heroischen Illusion"  einsetzt  (Sieyes)  und  schließlich  auch
       durch die  b e w u ß t e  Selbsttäuschung ("Fest des Höchsten We-
       sens") überlagert  wird. In ihrer klassischen Erscheinung ist das
       Ende der  "heroischen Illusion"  folglich unter Einschluß der Er-
       fahrungen des  Jahres U  mit dem Ende der aufsteigenden Phase der
       Großen Französischen  Revolution selbst  identisch. Daraus  "eine
       Kluft zwischen  der Bilanz  der Revolution  und den Absichten der
       Revolutionäre" 113)  zu entdecken, ist lediglich Methode revisio-
       nistischer Geschichtsschreibung, historischen Ort, internationale
       Ausstrahlung der Revolution und die von ihr bewirkte Zäsur "1789"
       aus der  Geschichte herauszureden.  114) Keiner  verhehlte damals
       (wie heute)  den offenkundigen Widerspruch zwischen dem erklärten
       Wollen des  gebildeten Bürgertums  vor  der  Revolution  und  den
       d a n n   erreichten tatsächlichen Ergebnissen. Gleichwohl sollte
       man aber Historizität, Realität und Folgerungen dieser Revolution
       nicht miteinander verwechseln.
       Für die Volksmassen und ihre Sprecher ist ähnliches feststellbar.
       Wenn Jacques Roux bei Gelegenheit des Prozesses gegen Ludwig XVI.
       meint, es  kommt darauf  an, "eine  Herrschaft von  Menschen über
       Menschen ein  für allemal auszurotten" 115), dann kann diese spe-
       zifische Art  der Revolution nicht besser formuliert werden. Aber
       es vergeht  kein halbes  Jahr, und aus der Illusion wird eine Vi-
       sion, die  in die Zukunft schon einer anderen Gesellschaftsforma-
       tion weist,  auch wenn  sie dem  (verkannten bürgerlichen) Augen-
       blick antwortet:  "Die Freiheit ist ein leerer Wahn, solange eine
       Menschenklasse die andere ungestraft aushungern kann. Die Gleich-
       heit ist  ein leerer Wahn, solange der Reiche mit dem Monopol das
       Recht über  Leben und Tod seiner Mitmenschen ausübt. Die Republik
       ist ein  leerer Wahn, solange die Konterrevolution Tag für Tag am
       Werk ist  ..." 116).  Spätestens von da an ist für den, der lesen
       kann, der profunde Unterschied zwischen vorweggenommener proleta-
       rischer und  bürgerlicher Gleichheit kein Geheimnis mehr. Aber es
       ist diese  Illusion, mit  partiell realistischen  Zügen, die  die
       Volksbewegung befähigt,  die Revolutionsführer  vor allem  im Be-
       reich der  sozialen Gleichheit beim Wort zu nehmen und, indem sie
       letztlich (noch)  Unmögliches anstrebt,  die Revolution  über den
       Durchschnitt ihrer  bürgerlichen Ziele  weit hinaustreibt, um auf
       diese Weise  den  essentiellen  Beitrag  für  die  Sicherung  des
       (gerade) Möglichen  zu  leisten.  Vor  analogen  Problemen  stand
       zunächst auch  die vormarxsche  Arbeiterbewegung  in  den  ersten
       Jahrzehnten des  19. Jahrhunderts. Wir wissen heute, daß hier die
       jakobinische Tradition  und Rezeption  breiter angelegt  war  und
       länger wirkte,  als gemeinhin  angenommen wurde  117); auch,  daß
       seit der  Julirevolution von  1830 der  danach einsetzende Prozeß
       der Verschmelzung  von kleinbürgerlicher  Demokratie und  elemen-
       tarer Arbeiterbewegung  von herausragender  Bedeutung für  beider
       Verständnis von  der Dialektik  zwischen  politischem  Kampf  und
       sozialer Sehnsucht  gewesen ist. Gleichwohl bleiben Fragen offen.
       Die Forderung  von Karl  Marx, die  "soziale Revolution  des  19.
       Jahrhunderts [könne]  ihre Poesie  nicht  aus  der  Vergangenheit
       schöpfen, sondern nur aus der Zukunft" 118), blieb offensichtlich
       weit über  das Ereignis  hinaus gültig,  aus dem  sie  abgeleitet
       worden  war.  Die  Tatsache,  daß  die  spätere  Überwindung  des
       kleinbürgerlichen  Sozialismus   in  Theorie  (wissenschaftlicher
       Kommunismus) und  Praxis (Juni 1848) nicht mit dem Verlust seiner
       Anziehungskraft identisch  war, wirft  auf  die  bittere  Sentenz
       Blanquis aus dem Jahre 1832, das Volk sei damals falschen Führern
       gefolgt, neues  Licht. Aktuell  bleibt unter  diesem  Aspekt  die
       Frage, wie  lange das Proletariat mit welchen Konsequenzen später
       ebenfalls solchen  "falschen", weil  "klassenfremden Führern"  im
       Sinn der  historischen Mission der Arbeiterklasse vertraute. Denn
       viele Dokumente  der Zeit  und  nachfolgende  Verallgemeinerungen
       erlauben -  als Arbeitsthese  -, das Grundanliegen der Vorhut als
       antikapitalistisch  bei   Differenzierung  der  in  Anwendung  zu
       bringenden  Mittel   und  Methoden,   das  der  Massen  aber  als
       antibourgeois  bei   hoher   Kampfbereitschaft   im   Sinne   der
       Durchsetzung  des   "reformerischen  Weges"   für   die   soziale
       Emanzipation aufzufassen.  Wenig wissen  wir auch darüber, was im
       Bewußtsein der  Zeitgenossen, die Arbeiter eingeschlossen, solche
       Standardtermini  wie  "rote  Republik"  oder  "soziale  Republik"
       tatsächlich meinten:  War es  schon  jene,  die  am  Ausgang  der
       Julimonarchie  eine   allgemeine  (offizielle)  Kommunistenfurcht
       auslöste oder  noch die  Republik des Jahres II, die es lediglich
       vor bourgeoisem Mißbrauch zuverlässig abzuschotten galt?
       
                                    *
       
       Was die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um die bürgerliche Re-
       volution und  um die Wege des Übergangs vom Feudalismus zum Kapi-
       talismus angeht,  so scheint eine Marx-Sentenz aus dem Jahre 1847
       von zeitloser  Relevanz, in der er jene Zeitgenossen kritisierte,
       die den  "entwicklungslosen Zustand  der Idylle"  den  "geräusch-
       vollen Umwälzungsepochen,  d.h. der  geschichtlichen  Verderbnis"
       entgegenstellen.  119)  Diskussionen  über  Mittel  und  Methoden
       zielten und  zielen gerade  bei so  brisanten Debatten über Größe
       und Grenzen gesellschaftlichen Aufbruchs - so oder so - immer auf
       Inhalt  und   Gesetzmäßigkeit  des  Ereignisses.  Angesichts  der
       Existenz  eines   (inneren,  zumeist  aber  äußeren)  gemeinsamen
       Feindes wird  unter bestimmten  Voraussetzungen die  Illusion zur
       Illusion, die  Täuschung selbst zur Täuschung: Die temporäre Ein-
       heit zur  Begegnung drohender Gefahren ist selbst zwischen sozial
       extrem divergierenden Kräften oftmals möglich gewesen.
       
       _____
       1) Kossok, Manfred,  Realität und  Utopie des  Jakobinismus.  Zur
       "heroischen Illusion"  in der  bürgerlichen Revolution, in: Zeit-
       schrift für  Geschichtswissenschaft (ZfG), 34. Jg, 1986, H. 5, S.
       415 ff;  Holzapfel, Kurt  u. Zeuske,  Michael, L'"illusion héroï-
       que", Karl  Marx et  les révolutions de 1789 et 1830, in: La Pen-
       sée, Nr. 249, Jan.-Febr. 1986, S. 18 ff.
       2) Siehe die Berichte in: Cahiers d'histoire de l'institut de re-
       cherches marxistes,  Nr. 21 (1985), S. 37; Middell, Matthias, Die
       Französische Revolution  und der  bürgerliche  Revolutionszyklus,
       in: ZfG, 34. Jg, Berlin 1986, H. 12, S. 1104 f.
       3) Vgl. Holzapfel, Kurt, Zum Problem des Scheiterns der Französi-
       schen Revolution,  in: 1789  und der  Revolutionszyklus  des  19.
       Jahrhunderts -  Dem Wirken  Walter Markovs  gewidmet. Sitzungsbe-
       richte der Akad. d. Wiss. d. DDR, 3 G, Berlin 1986, S. 105 ff.
       4) Kossok, Realität und Utopie, S. 418 f.
       5) Lapin, Nikolai, Der junge Marx, Berlin/DDR 1974.
       6) Jaeck, Hans-Peter,  Die französische bürgerliche Revolution im
       Frühwerk von Karl Marx, Berlin/DDR 1979.
       7) In der  Zeit von Mitte März 1843 bis Ende August 1844 "... war
       der Übergang auf materialistische Positionen endgültig vollzogen,
       und es  begann der Prozeß der Ausarbeitung des wissenschaftlichen
       Kommunismus" (MEGA , Abteilung I, Band 2, S. 11).
       8) Hegel hatte  die materiellen  Lebensverhältnisse nach dem Vor-
       gang der Engländer (Ferguson, A. Smith) in ihrer Gesamtheit unter
       dem Begriff "bürgerliche Gesellschaft" zusammengefaßt. Marx über-
       nahm 1843  diesen Begriff  und  unterschied  zwischen  der  alten
       (Antike, Feudalität)  und der  modernen bürgerlichen Gesellschaft
       (vgl. ebenda, S. 12f).
       9) Zur  Bedeutung,  Entwicklung  und  den  Quellen  des  Begriffs
       "Ideologie" bei Marx siehe: Sandkühler, Hans Jörg, Kritik und po-
       sitive Wissenschaft,  in: Karl  Marx. Kritik und positive Wissen-
       schaft (Studien zur Wissenschaftsgeschichte des Sozialismus, Band
       6), hrsg. von Hahn, Manfred/Sandkühler, Köln 1986, S. 24 ff.
       10) Marx, Karl,  Kritische Randglossen  zu dem Artikel "Der König
       von Preussen  und die Sozialreform. Von einem Preussen", in: MEW,
       Bd. 1, S. 392 ff.
       11) Karl Marx, Zur Judenfrage, in: Ebenda, S. 357 (Herbst 1843).
       12) Karl Marx/Friedrich  Engels, Die Heilige Familie, in: Ebenda,
       Bd. 2, S. 129 (Herbst 1844).
       13) Marx, Kritik  des Hegelschen Staatsrechts, in: Ebenda, Bd. 1,
       S. 260  (Sommer 1843); siehe auch: Schmidt, Walter, 1789 und 1848
       im historischen  Revolutionsvergleich bei  Marx und Engels in der
       Zeit des  Vormärz, in:  1789 und  der Revolutionszyklus  des  19.
       Jahrhunderts. Dem  Wirken Walter  Markovs  gewidmet,  Sitzungsbe-
       richte der  Akademie der  Wissenschaften der  DDR, 3 G 1985, Ber-
       lin/DDR 1986, S. 115 ff.
       14) Jaeck, Hans-Peter, Einleitung.
       15) Kossok, Manfred,  Vergleichende Geschichte  der neuzeitlichen
       Revolutionen, in:  Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaf-
       ten der DDR, 2 G 1981, Berlin/DDR 1981, S. 12.
       16) Sandkühler, Kritik, S. 28.
       17) MEW, Bd. 21, S. 272 und Bd. 31, S. 290.
       18) Jaeck, S. 68.
       19) Finger, Otto, Philosophie der Revolution, Berlin/DDR 1975, S.
       21.
       20) Marx, Zur Judenfrage ... in: MEW, Bd. 1, S. 357 ff.
       21) Wie das Vorangehende, ebenda, S. 367.
       22) Ebenda.
       23) Jaeck, S. 62.
       24) Siehe: Kienner,  Hermann, Marxismus  und Menschenrechte, Ber-
       lin/DDR 1982.
       25) Zu den  vieldiskutierten Problemen  dieser Zeit, ob die Jako-
       binerdiktatur der  Beginn oder  die Vorstufe einer sozialen Bewe-
       gung im  Interesse des  Proletariats gewesen sei, wie Engels noch
       1845 annahm,  vgl. Engels,  Das Fest  der Nationen in London, in:
       MEW, Bd. 2, S. 612f.
       26) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. l, S. 364.
       27) Ebenda, S. 356.
       28) Ebenda, S. 357.
       29) Ebenda.
       30) Marx, Zur  Kritik der  Hegelschen Rechtsphilosophie.  Einlei-
       tung, in: Ebenda, S. 381 (Ende 1843/Anfang 1844).
       31) Jaeck, S. 68.
       32) Markov, Walter, Die Brücke der Aufklärung, in: Weltgeschichte
       im Revolutionsquadrat,  hrsg.  von  Kossok,  Manfred,  Berlin/DDR
       1979, S. 71.
       33) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. 1, S. 357.
       34) Jaeck, S. 68 f.
       35) Finger, Philosophie, S. 32.
       36) Höppner, Joachim, Einleitung zu: Deutsch-Französische Jahrbü-
       cher, hrsg. von Ruge, Arnold und Marx, Leipzig 1973, S. 47.
       37) MEGA ², Bd. 1/2, S. 31 f.
       38) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. 1, S. 367.
       39) Jaeck, S. 62.
       40) Dézamy, Theodore,  Code de  la Communauté, Paris 1842, S. 28,
       zit. in: Jaeck, S. 62.
       41) MEGA , Bd. 1/2, S. 178.
       42) Marx, Zur  Kritik der  Hegelschen Rechtsphilosophie  ...  in:
       MEW, Bd. 1, S. 387.
       43) Vovelle, Michel, La mentalite revolutionnaire, Paris 1985.
       44) Marx, Zur Judenfrage, in: MEW, Bd. 1, S. 366.
       45) Ebenda.
       46) Massin, Jean, Robespierre, Berlin 1976, S. 385.
       47) Marx/Engels, Die  Deutsche Ideologie,  in: MEW, Bd. 3, S. 217
       f.
       48) Marx, Zur  Kritik der  Hegelschen Rechtsphilosophie  ...  in:
       Ebenda, Bd. 1, S. 388.
       49) Jaeck, S. 69.
       50) Höppner, Marx  und das  Materialismusproblem bei Fourier, in:
       Bürgerliche Gesellschaft  und theoretische  Revolution, hrsg. von
       Hahn/Sandkühler, S. 182 f.
       51) Marx, Zur Kritik ... MEW, Bd. l, S. 388.
       52) Ebenda.
       53) K. Marx  /F. Engels,  Die deutsche Ideologie, in: MEW, Bd. 3,
       S. 48.
       54) Kossok, Manfred, Vergleichende Geschichte, S. 16.
       55) Marx, Zur Kritik ... in: MEW, Bd. l, S. 390.
       56) Ebenda, S. 388.
       57) Ebenda.
       58) Jaeck, S. 81.
       59) Marx, Kritische Randglossen ..., in: MEW, Bd. l, S. 409.
       60) Marx/Engels, Die Heilige Familie, in: MEW, Bd. 2, S. 85.
       61) Höppner, Marx und das Materialismusproblem, S. 182.
       62) Diesen Ansatz  hat Marx konkret an den Begriffen Freiheit und
       Gleichheit, z.B. in den "Grundrissen" durch die Ergebnisse seiner
       ökonomischen  Studien   vertieft  und   auf  der   Grundlage  des
       Tauschwertes behandelt,  siehe: Marx,  Grundrisse der  Kritik der
       politischen Ökonomie, Berlin/DDR 1974, S. 156 u. 916.
       63) Jaeck, S. 109.
       64) Kossok, Vergleichende Geschichte, S. 16.
       65) Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, in: MEW, Bd. 3, S. 47 f.
       66) Ebenda.
       67) Ebenda, Bd. 2, S. 129 f.
       68) Marx/Engels, Die Heilige Familie, in: MEW, Bd. 2, S. 129.
       69) Ebenda, S. 130.
       70) Ebenda, S. 131.
       71) Krauss, Werner,  Überblick über die französischen Utopien von
       Cyrano de  Bergerac bis zu Etienne Cabet, in: Krauss, Werner, Die
       Innenseite der Weltgeschichte. Essays, hrsg. von Bergmann, Helga,
       Leipzig 1983, S. 228.
       72) Marx/Engels, Die  Heilige Familie  ..., in: MEW, Bd. 2, S. 85
       f.
       73) Marx, Zur Kritik ..., in: Ebenda, Bd. l, S. 388.
       74) Ebenda, Bd. 18, S. 291.
       75) Instruktion für  die republikanischen  Behörden des  Departe-
       ments Rhone et Loire. Zit. in: Markov, Revolution im Zeugenstand.
       Frankreich 1789-1799, Bd. 2, Leipzig 1982, S. 538.
       76) Engels,  Friedrich,   Einleitung  zu:  Die  Klassenkämpfe  in
       Frankreich 1848-1850, in: MEW, Bd. 8, S. 515.
       77) Vgl.: Lequien, Yves C., De crises en avance: La croissance et
       la classe  ouvriere, in:  Huard, Raymond / Lequien, Yves / Mazau-
       ric, Claude  / Mesliand, Claude / Scott, Jean-Paul / Vovelle, Mi-
       chel, La  France contemporaine.  Identite et  mutations de 1789 a
       nos jours, Paris 1982, S. 268.
       78) Vovelle, La mentalité ...
       79) Lenin, Werke, Bd. 21, S. 135.
       80) Höppner /  Seidel-Höppner, Waltraud,  Von Babeuf bis Blanqui.
       Französischer Sozialismus und Kommunismus vor Marx, 2 Bde., Leip-
       zig 1975.
       81) Vgl. u.a.: Cobb, Richard, La protestation populaire en France
       (1789  -1820),   Paris  1975;  Holzapfel,  Die  Arbeiterfrage  in
       Frankreich zur  Zeit der  Julirevolution: Probleme und Wirkungen,
       in: ZfG, 31. Jg, Berlin/DDR 1983, H. 7, S. 596 ff.
       82) Marx, Die  moralisierende Kritik und die kritisierende Moral,
       in: MEW, Bd. 4, S. 338 f. (Oktober 1847).
       83) Vgl. zum  Gesamtproblem Meschkat,  Klaus, Die Pariser Kommune
       von 1871  im Spiegel  der sowjetischen Geschichtsschreibung, Ber-
       lin/DDR 1965.
       84) Lequien, Yves L., De crises en avance, S. 277.
       85) Vgl. Förder,  Hedwig, Marx und Engels am Vorabend der Revolu-
       tion. Die  Ausarbeitung der politischen Richtlinien für die deut-
       schen Kommunisten (1846-1848), Berlin/DDR 1960, S. 33 ff.
       86) Marx, Die  moralisierende Kritik  ..., in: MEW, Bd. 4, S. 338
       f., S.  341 f.; Engels, Der Schweizer Bürgerkrieg, in: Ebenda, S.
       396 f. (Nov. 1847).
       87) MEW, Bd. 7, S. 271.
       88) Moissonier, Maurice,  Souverainete du  peuple et souverainete
       des peuples, in: Die Julirevolution und Europa. Studien zur Revo-
       lutionsgeschichte, hrsg.  von Kossok  u. Loch,  Werner (f),  Ber-
       lin/DDR 1985, S. 75.
       89) MEW, Bd. 9, S. 148.
       90) Vgl. dazu:  Holzapfel, Zur  Dialektik von inneren und äußeren
       Faktoren in  der bürgerlichen  Revolution - Eine Studie zu ausge-
       wählten Aspekten der Julirevolution von 1830 in Frankreich, Phil.
       Diss. B, Leipzig 1980 (Ms.), S. IV ff.
       91) Marx/Engels, Die Heilige Familie ..., in: MEW, Bd. 2, S. 131.
       92) MEW, Bd. 23, S. 21.
       93) Vgl. Soboul,  Albert Marius, Die klassische Geschichtsschrei-
       bung zur  Französischen Revolution:  Aktuelle  Kontroversen,  in:
       Rolle und Formen der Volksbewegung im bürgerlichen Revolutionszy-
       klus. Studien  zur Revolutionsgeschichte,  hrsg. von Kossok, Ber-
       lin/DDR 1976, S. 48ff.
       94) Chevalier, Louis, Classes laborieuses et classes dangerieuses
       pendant la premiere moitie du XIXe siècle, Paris 1958.
       95) Vgl. J.J.  Pillot: Weder  Schlösser noch Hünen oder der Stand
       der sozialen Frage im Jahre 1840, in: Höppner/Seidel-Höppner, Bd.
       2, S. 436 ff.
       96) Vgl. Scott,  Jean-Paul, La voie française du capitalisme, in:
       La France contemporaine, S. 48f.
       97) Ebenda, S. 17 f.
       98) Holzapfel /  Kossok, 1789  und der  Revolutionszyklus des 19.
       Jahrhunderts: Ereignis  und Wirkung,  in: ZfG, 34. Jg, Berlin/DDR
       1986, H. 12, S. 1059 ff.
       99) Vgl. Problèmes  éthnographiques aux  quartiere  proletariens.
       Colloque tenu le 8-10-1983 au Centre d'Histoire économique et so-
       ciale de la region lyonnaise, Lyon.
       100) Vgl. zu  Problemstellung und Forschungsstand Zwahr, Hartmut,
       Proletariat und  Bourgeoisie in Deutschland. Studien zur Klassen-
       dialektik, Köln 1980, S. 15 ff.
       101) Vgl. Margairaz,  Dominique, Le Pouvoir en France; L'Etat, la
       democratie (1789-1980), in: La France contemporaine, S. 310 ff.
       102 Vgl.  Haupt, Heinz-Gerhard, Frankreich: Langsame Industriali-
       sierung und  republikanische Tradition, in: Europäische Arbeiter-
       bewegungen im 19. Jahrhundert, hrsg. von Kocka, Jürgen, Göttingen
       1983, S. 39 ff.
       103) MEW, Bd. 1, S. 386.
       104) Vgl. Perdiguer, Agricole, Correspondance inédite avec George
       Sand et  ses amis. Lettres choisies et commentées avec une Intro-
       duction par Jean Briquet, Paris 1966.
       105) Vgl. Markov, Grenzen des Jakobinerstaates, in: Grundpositio-
       nen der französischen Aufklärung. Neue Beiträge zur Literaturwis-
       senschaft, hrsg.  von Krauss und Mayer, Hermann, Berlin/DDR 1955,
       S. 209 ff.
       106) Vgl. u.a.:  Wolikow, Claudine,  Jacobins et Jacobinisme, in:
       Cahiers d'histoire de l'Institut Maurice Thorez, Nr. 32/33, Paris
       1979; Mazauric, Jacobinisme et Révolution, Paris 1984.
       107) Kossok, Das  Salz der Revolution: Jakobinismus in Lateiname-
       rika. Versuch einer Positionsbestimmung, in: Universalhistorische
       Aspekte und  Dimensionen des  Jakobinismus, hrsg.  von  Akad.  d.
       Wiss. d. DDR, Berlin/DDR 1976, S. 129.
       108) Vgl. Holzapfel,  Einige resümierende  Gedanken zur  histori-
       schen Positionsbestimmung  des  französischen  Jakobinismus,  in:
       Wissenschaft!. Zeitschr. d. Karl-Marx-Universität, H. 32, Leipzig
       1983.
       109) Vgl. Bianchi,  Serge, La  revolution culturelle  de l'an  U.
       Elites et peuples 1789-1799, Paris 1982.
       110) Markov, Grenzen, S. 210, Anm. 5.
       111) Marx/Engels, Die  Heilige Familie  ..., in:  MEW, Bd.  2, S.
       129.
       112) Lenin, Unter fremder Flagge ..., in: LW, Bd. 16, S. 201.
       113) Furet, François,  1789 - Vom Ereignis zum Gegenstand der Ge-
       schichtswissenschaft, Frankfurt  a.M./Berlin(West)/Wien 1980,  S.
       25.
       114) Zum Gesamtproblem  vgl. Holzapfel,  Die französische Revolu-
       tion und  ihr Einfluß  auf die Wege der bürgerlichen Umwälzung im
       19. Jahrhundert  - Zu Stand und Aufgaben der Forschung, in: 1789:
       Weltwirkung einer  großen Revolution, hrsg. von Kossok/Kroß, Edi-
       tha (in Vorbereitung).
       115 Vgl.  Markov, Die  Freiheiten des  Priesters Roux, Berlin/DDR
       1967, S. 159.
       116) (J. Roux)  zit. nach:  Ders., Revolution im Zeugenstand, Bd.
       2, S. 450.
       117) Vgl. Seidel-Höppner, Zur Jakobinismusrezeption der französi-
       schen Kommunisten der dreißiger und vierziger Jahre des 19. Jahr-
       hunderts, in: Universalhistorische Aspekte, S. 53 ff.
       118) Marx, Der  achtzehnte Brumaire  des Louis Bonaparte ..., in:
       MEW, Bd. 8, S. 117.
       119) Marx, Die moralisierende Kritik ..., in: MEW, Bd. 4, S. 337.
       

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