Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       1789 - VERSUCH EINER POSITIONSBESTIMMUNG
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       Manfred Kossok
       
       1. Schicksale  einer Zweihundertjährigen  - 2.  Revolutionstriade
       der Neuzeit  - 3.  Revolution und  Epochenwende -  4. Frankreichs
       Stellung im  Transformationsprozeß - 5. Doppelrevolution und neue
       Alternativen bürgerlicher Umwälzung
       
       1. Schicksale einer Zweihundertjährigen
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       Wie alt  muß ein historisches Ereignis werden, ehe der Historiker
       davon "sine ira et Studio" sprechen kann, "der Parteien Gunst und
       Haß" sich gelegt haben? François Furet glaubte erst unlängst, die
       Französische Revolution  für "beendet"  erklären zu  können;  sie
       endlich als  einen abgeschlossenen  Gegenstand einzustufen,  über
       den sich mit intellektueller Distanz und Kühle sprechen lasse. 1)
       Stattdessen hat die Debatte um 1789 im Vorfeld des 200. Jahresta-
       ges einen  neuen Höhepunkt erreicht. In der medialen Vielfalt ist
       die Zahl  der Wortmeldungen  unübersehbar. Schon die Mitteilungen
       über die  Kongresse und  Publikationen anläßlich des Bicentenaire
       füllen einige  Bände. 2) Konsens der Meinungen steht nicht zu er-
       warten. Die von Edgar Quinet im Jahre 1867 pathetisch beschworene
       unparteiische Deutung  der Revolution  will sich nicht einstellen
       und ist  auch für  die Zukunft  nicht abzusehen. Eher scheint das
       Gegenteil der Fall zu sein. Um die Nation um den bürgerlichen Ra-
       dikalismus der  Dritten Republik  zu scharen,  konnte es sich ein
       Politiker vom Format Georges Clemenceaus, nicht ganz unbeeinflußt
       von seiner  Jugendliebe zu Auguste Blanqui, noch leisten, die Re-
       volution "en bloc" zu beschwören. Diese Zeiten sind lange vorbei,
       auch wenn mit der Berufung auf die Menschen- und Bürgerrechte ge-
       zielt die  "belle epoque"  der Revolution  in den Vordergrund ge-
       rückt wird. Deutlicher denn je brechen die Divergenzen - um nicht
       zu sagen,  Fronten -  auf. Dafür gibt es eine einfache Erklärung:
       Der immer wieder auflodernde Konflikt der Meinungen ist nicht nur
       historiographischer Natur,  ein Dialog von Eingeweihten und Beru-
       fenen, er trägt ebenso, wenn nicht oft sogar vorrangig eine poli-
       tische Note.  Revolutionen gehören  nun einmal zu den Ereignissen
       der Weltgeschichte, von denen sich am wenigsten in der Vergangen-
       heit denken  und schreiben  läßt, schon  gar nicht von der großen
       Revolution der  Franzosen. Revolutionsgeschichte  mit dem  Rücken
       zur Gegenwart ist schlechthin undenkbar.
       Ein Jahrhundert  wie das  unsrige, in seinem Wesen selbst Revolu-
       tion und  das im denkbar umfassendsten Sinne dieses Begriffs, be-
       gibt sich  immer wieder  auf die  Suche nach den eigenen Quellen.
       Nie zuvor ist über Revolution so angestrengt gedacht, geschrieben
       und gestritten  worden: Verheißung oder Verhängnis, Notwendigkeit
       oder  Zufall,  Gesetzmäßigkeit  oder  Irrweg  menschlichen  Fort-
       schritts? Ausnahme  von der  Regel eines  in seinem Wesen organi-
       schevolutionären und  reformerischen Voranschreitens,  wie  einst
       schon Friedrich Karl von Savigny entdeckte? Die von François-René
       Chateaubriand so  eindringlich beschriebene  Folge der  Erbsünde?
       Der Rückfall in die Barbarei, die Entfesselung der Instinkte, das
       Reich der  zügellosen Gewalt,  der sinnlose  Opfergang für Ideen,
       die ohnehin  unerreichbar bleiben. In letzter Instanz: die Preis-
       gabe des Menschen auf dem Altar der " konkreten Utopie"? Oder das
       Produkt bloßer  Manipulation und  nackten Machtanspruchs,  wie es
       uns aus  dem geistigen  Zerrspiegel der "Philosophie nouvelle" 3)
       entgegenschaut?
       Diese Fragen,  die in  grobem Raster einige der Hauptstreitpunkte
       um 1789 und die Folgen skizzieren, sind weder neu noch originell.
       Sie bewegten bereits die Protagonisten in unmittelbarer Entschei-
       dungssituation 4)  und wurden seitdem immer und immer wieder for-
       muliert, gewendet,  modifiziert -  von Historikern,  Publizisten,
       Literaten, Soziologen,  Philosophen. Auf  welches Phänomen  träfe
       also das  Dictum Benedetto  Croces mehr  zu, daß Geschichte immer
       Zeitgeschichte sei, denn auf Revolution? Nachdenken über 1789 und
       1793 ist und bleibt eine Konstante des ununterbrochenen Bemühens,
       dem Sinn der Geschichte auf die Spur zu kommen und damit die Mög-
       lichkeiten  und   Grenzen  gesellschaftlicher  und  individueller
       Selbstverwirklichung des  Menschen in den Grenzsituationen histo-
       rischen Umbruchs zu erfassen. So bedeutet "Debatte um 1789" nicht
       nur Streit  um den  Platz einer  Revolution  in  der  Nationalge-
       schichte Frankreichs.  Im Positiven  wie im  Negativen geht es um
       den Ort  der bürgerlichen  Revolution in  der  neuzeitlichen  Ge-
       schichte wie  um die  Revolution und  ihren Rang  in der  gesell-
       schaftlichen Entwicklung überhaupt.
       Die runden  Jahrestage der  Revolution hatten stets ihre eigenen,
       Frankreich weit  übergreifenden Schicksale.  Im fünften Jahrzehnt
       ihrer Wiederkehr  durchlebte das Land den Niedergang seiner schon
       dritten Revolution.  Zwar beherrschten  die "Montagnards" um Ale-
       xandre Auguste  Ledru-Rollin das radikale Vokabular ihrer Vorbil-
       der von 1793; an entsprechenden Taten fehlte es jedoch. 5) Es be-
       stand jene  Situation, die  Karl Marx  zu der  Erkenntnis führte:
       "Was in  diesen Niederlagen  erlag, war  nicht die Revolution. Es
       waren die  vorrevolutionären traditionellen  Anhängsel."  6)  Und
       weiter: Wenn  Geschichte sich zweimal ereigne, dann "das eine Mal
       als Tragödie, das andere Mal als Farce". 7) Eine Epochenwende vom
       Format des  Jahres 89  ist eben  nicht beliebig wiederholbar. Was
       der Erinnerung  an 1789  neuen Impuls verlieh, war das Werk eines
       großen Dreigestirns, das die von Augustin Thierry, Adolphe Thiers
       und François Auguste Marie Mignet personifizierte romantische Hi-
       storiographie 8)  krönte: die  ersten  Bände  der  Revolutionsge-
       schichte von  Louis Blanc  9), das  große Werk von Jules Michelet
       10) und  die epische  Apotheose des  Girondismus von  Adolphe  de
       Lamartine 11).  Diese, alle  im Jahre  1847 erschienenen Arbeiten
       beschrieben nicht  nur Geschichte, sie machten sie. Das Vermächt-
       nis der  Revolution als Anleitung zum Handeln für die neue Klasse
       statt retrospektiven Räsonnements.
       Der einhundertste Jahrestag stand im Zeichen der Gründung der II.
       Internationale. Bewußt nahm das Proletariat - neben dem französi-
       schen insbesondere  auch das deutsche - die von der Masse des sa-
       turierten Bürgertums  im Feuer  der Commune preisgegebenen Tradi-
       tionen von  89 und 93 in das Verständnis der eigenen historischen
       Mission auf  12). Von  hier datierte auch die Neubelebung der so-
       zialistischen Rezeption  in ihren  unterschiedlichen Orientierun-
       gen: Die  Histoire socialiste de la Révolution française von Jean
       Jaures stellte  "das Volk"  in das  Zentrum der  Handlung 13) und
       mündete in  das Bekenntnis:  "Je suis  avec Robespierre". Fast um
       dieselbe Zeit,  da Jaures  seine Arbeiten  begann, befragte Pjotr
       Kropotkin, vom Hochadel in die Reihen des Anarchismus gewechselt,
       die Revolution  der Franzosen  nach ihren Lehren für die kommende
       russische Revolution  und sah  deren Haupttriebkraft in der Bewe-
       gung der  Bauern 14).  Und schließlich  jene historische  Polemik
       zwischen Georgi  Plechanov und  W.I. Lenin  anläßlich der  ersten
       russischen Revolution  von 1905  um die Wiederholbarkeit der Kon-
       stellation von  1789 unter  gänzlich veränderten historischen Be-
       dingungen 15).
       Die Emotionen,  die in  Frankreich anläßlich  des Centenaire  von
       1889 aufbrachen, sind völlig zu Unrecht heute vergessen und brau-
       chen den  Vergleich mit  dem gegenwärtigen Meinungsstreit kaum zu
       scheuen 16). Kirche und Royalisten machten mobil. Die "Nachkommen
       des Gekreuzigten"  standen den  "Söhnen Voltaires"  unversöhnlich
       gegenüber; die (Anti-)Geschichte der Französischen Revolution des
       Msgr Freppel  erschien in 23. Auflage 17). Edmund Burke, Stammva-
       ter aller  Revolutionskritik 18),  tauchte aus der Versenkung auf
       ... Trotzdem fand gegen den erbitterten Widerstand der Ci-devants
       anläßlich des  Centenaire die  Gründung des  Lehrstuhls  für  Ge-
       schichte der  Französischen Revolution an der Sorbonne statt. Ei-
       ner Revolution eine eigene akademische Heimstatt zu schaffen, war
       nicht nur Novum, sondern blieb für lange Zeit einmalig in der Ge-
       schichtswissenschaft. Erst  die Oktoberrevolution von 1917 sollte
       auf ähnlich  beherrschende Weise zum Gegenstand der wissenschaft-
       lichen Forschung und ideologischen Auseinandersetzung werden. Die
       Frage nach  den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden in den bei-
       den großen Epochenzäsuren der modernen Weltgeschichte ist seitdem
       nicht verstummt.
       Alphonse Aulard,  erster Inhaber  des neuen  Lehrstuhls, sah  die
       Helden der  Revolution in Danton und den Dantonisten 19): die Re-
       volution als  Identifikationsmodell für  den bürgerlichen Radika-
       lismus, aber  auch als Barriere gegen deren "Plebejisierung" à la
       Jaurès. Mit Aulards Nachfolger Albert Mathiez 20) setzte sich die
       "lecture socialiste"  21) - bis dahin extrauniversitäres Phänomen
       - in  der akademischen  Forschung durch. Ihr verschrieb sich noch
       prononcierter Georges  Lefebvre 22). Zentralen Bezugspunkt bilde-
       ten nun  Robespierre und  die Robespierristen,  insbesondere  von
       Lefebvre als Inkarnation der Linken in Epochen gesellschaftlichen
       Umbruchs verstanden,  woraus seine  Sympathien für die Generation
       von 1917 als Jakobiner des 20. Jahrhunderts erwuchsen.
       Über dem  150. Jahrestag lagen bereits die Schatten des II. Welt-
       krieges. Die im Frankreich der Volksfront unversöhnliche Konfron-
       tation für  und gegen  die Gefahr des Faschismus ließ die Erinne-
       rung an  1789 nicht  aus. Alle  politischen Gruppierungen griffen
       auf die  Revolution zurück, und erneut gewann die Debatte um 1789
       internationale Dimension. Lefebvres flammender Aufruf "Jugend von
       1939! Verstehe  die Stimme der Vorfahren, die zu Dir reden!" 23),
       fand den  brillanten Niederschlag  in den Werken über Robespierre
       und das Jahr 89. Die Gegenattacke ritt erneut Pierre Gaxotte 24),
       der bereits  1929 mit einer Revolutionsgeschichte hervortrat, die
       eigentlich auf Mathiez zielte und das Trauma von 1917 zu beschwö-
       ren suchte.  Dazu der  Stoßseufzer von  Donald Halévy: "Nur keine
       Jahrestage mehr!"  Es  lag  in  der  Logik  der  Ereignisse,  daß
       Lefebvres "Quatre-vingt-neuf"  bald auf Befehl aus Vichy vernich-
       tet wurde,  und der Zerstörung von Edition sociales internationa-
       les fiel  auch das  Buch eines  jungen unbekannten  Autors "1789.
       L'An Un de la Liberté" zum Opfer. Sein Name: Albert Marius Soboul
       25). Habent  sua fata libelli - wir fügen hinzu: et autores. Wäh-
       rend Charlotte  Corday ihre Wiederauferstehung als Antiheldin der
       Action Française  feierte, widmeten  Romain  Rolland  und  Lucien
       Febvre der  Großen Revolution  eine eigene  Ausgabe von  "Europe"
       26), und  die erst  mit der Volksfront wieder unter die Trikolore
       zurückgekehrte FKP brachte einen Sonderband der Cahiers du Commu-
       nisme heraus  27). Außerhalb Frankreichs stellte die in der UdSSR
       veröffentlichte Revolutionsgeschichte  den repräsentativsten  in-
       ternationalen Beitrag  der progressiven  Historiographie dar 28).
       Unabhängig von  Herkunft und  Weltanschauung gingen die Ideen von
       89 und  93 in  das geistige Arsenal der Résistance ein, wofür die
       Namen von Sagnac, Lefebvre, Camus, Malraux, Soboul... stehen 29).
       Ohne den Jakobinismus als Epizentrum der großen Revolution preis-
       zugeben, blieb es Albert Soboul vorbehalten, von der Position des
       materialistischen Historismus  aus und in der unmittelbaren Nach-
       folge von Georges Lefebvre stehend, das Spektrum des Revolutions-
       bildes weiter nach links zu öffnen (nicht zu verschieben, wie oft
       fälschlich behauptet) und die bäuerlich-städtischen Volksklassen,
       speziell die  "Sansculotten  von  Paris",  30)  aus  historischer
       Anonymität zu befreien und damit dem "Peuple" konkrete Gestalt zu
       geben. Diese "Sansculottisierung" hat für das Verständnis der Re-
       volution, speziell  für  das  Verhältnis  von  Revolutionsführung
       (Hegemon) und Volksbewegung völlig neue Dimensionen begründet. Um
       das Erbe von Georges Lefebvre gruppierte sich - mit Albert Soboul
       an der  Spitze -  eine ganze Phalanx von hervorragenden Revoluti-
       onshistorikern: Armando  Saitta in  Italien, Walter Markov in der
       DDR, Richard  Ch. Cobb in England, Kåre D. Tønnesson in Norwegen,
       Kálmán Benda  in Ungarn, Boguslaw Lesnodorski in Polen, Kveta Me-
       jdricka in  der CSSR,  George F. Rudé in Australien, Samuel Bern-
       stein in  den USA,  Koahiro Takahashi  in Japan...; dazu die Aus-
       strahlung auf  die sowjetische  Revolutionshistoriographie  (A.Z.
       Manfred, V.M.  Dalin, Ja.  M. Zacher, V.G. Revunenkov, bis in die
       jüngere Generation  um A.V.  Ado und dessen Schüler). Eine solche
       Sternstunde der  Geschichtsschreibung, dem  Erbe  der  Revolution
       nicht weniger verschrieben als dem Vermächtnis der antifaschisti-
       schen Résistance,  ist so  leicht nicht wieder vorstellbar. Schon
       hat der Tod schmerzliche Lücken gerissen, 31) und die Nachfolgen-
       den wissen um die Last des Überkommenen. Ihnen kann nur die jako-
       binische Maxime,  es gelte,  nicht nur  zu bewundern,  sondern zu
       übertreffen, helfen.  Von "Schule" zu sprechen, hieße - abgesehen
       von der direkten Generationsfolge Mathiez, Lefebvre, Soboul - die
       Dinge wohl  zu sehr  zu vereinfachen. Was unabweisbar bleibt, ist
       die Tatsache,  daß in den fünfziger und sechziger Jahren eine von
       gemeinsamer Grundhaltung  geprägte Gruppe von Historikern die Re-
       volution auf neue Weise und primär "von unten" in den Mittelpunkt
       der Aufmerksamkeit  rückte und  damit meinungsbildend wirkte. Die
       allseits verstandene Herausforderung lag nicht nur im Verständnis
       des Ganzen,  des historischen Orts der Revolution, sondern ebenso
       und gewiß  vorrangig in der Erschließung neuer Quellen, die einem
       elitären Revolutionsbild,  gleich ob  royalistisch, liberal  oder
       radikal, den  Boden entzogen.  Theorie und  Empirie bildeten eine
       organische Einheit.
       Man möge  es einem  Vertreter der  Leipziger Revolutionsforschung
       nachsehen, wenn  ein zusätzliches Wort über Walter Markov 32) ge-
       sagt wird. Sein Verdienst als eine der profilgebenden Persönlich-
       keiten dieser  Gruppe besteht  darin, daß  er, abgesehen  von der
       bahnbrechenden Arbeit  über die  "Äußerste Linke" um Jacques Roux
       33) (hier  eher in  der Tradition von Zacher 34) als von Lefebvre
       stehend), gemeinsam mit Albert Soboul das Scharnier einer weitge-
       faßten internationalen  Kooperation abgab,  auf  deren  Grundlage
       sich eine  "Gelehrtenrepublik" sui  generis formierte  - eine für
       die Zeit des kalten Krieges gewiß nicht gering zu veranschlagende
       Leistung. Ebensowenig  sei der Hinweis ausgespart, welche Impulse
       von der  Revolutionsforschung speziell für das Weltgeschichtsver-
       ständnis der Leipziger Schule 35) ausgegangen sind.
       An Etikettierungsversuchen  gegenüber dem  dem Erbe  von Lefebvre
       verpflichteten Historiker  hat es  nicht gefehlt.  Was Soboul aus
       eigenem Traditionsverständnis  als  "klassische  Historiographie"
       bezeichnete, fußte auf der geglückten Symbiose von "lecture jaco-
       bine" (einschließlich  Marcel Reinhard  36) und  Jacques Godechot
       37)) und  "lecture marxiste" der Revolution. So wird der Alptraum
       verständlich, der  Richard R. Palmer beim Erscheinen des interna-
       tionalen Gemeinschaftsbandes  "Maximilien Robespierre"  anläßlich
       dessen 200. Geburtstages (1958) 38) beschlich und der in die Mah-
       nung mündete,  welches Verhängnis es doch wäre, wenn nur die Mar-
       xisten das Volk in der Revolution verstünden. 39) Anders als Kas-
       sandra blieb Palmer nicht ungehört.
       Wie schon  die Revolution  selbst, so  fand die progressive Linie
       ihres Verständnisses  wiederum ihre  Gegengeschichte. Der erneute
       konzertierte Aufmarsch  gegen die  klassische Historiographie da-
       tiert seit  den fünfziger Jahren unter dem selbstgewählten Stich-
       wort einer  Revision des  Geschichtsbildes. Für  die Summe dieser
       Versuche hat  sich inzwischen  der Begriff  des "historischen Re-
       visionismus" eingebürgert,  eine gewiß  nicht unzutreffende Loka-
       tion, die  desungeachtet dazu angetan ist, unterschiedliche Quel-
       len, Qualitäten  und Absichten  zu verschütten statt bloßzulegen.
       Einen der  ersten Streiche führte der englische Historiker Alfred
       Cobban, 40)  der im welthistorischen Übergang zum Kapitalismus im
       Falle Frankreichs  weder Feudalität  - die  in den Cahiers de do-
       leances so  ausgiebig kritisierten Feudalprivilegien beruhten of-
       fensichtlich auf  einem Irrtum  der Zeitgenossen,  und die Grande
       Peur im Sommer und Herbst 1789 war ein Schattenboxen wildgeworde-
       ner Bauern?  - noch Bürgertum auszumachen vermochte und die Revo-
       lution zum  Mythos erklärte:  ein Schlag- und Modewort, das rasch
       Anhänger fand. 41) Im Verlaufe der Auseinandersetzung sekundierte
       ihm sein  Landsmann Perez  Zagorin mit  der Behauptung, Karl Marx
       habe die  bürgerliche Revolution  erfunden, um die sozialistische
       historisch rechtfertigen zu können. 42) Einer wesentlich subtile-
       ren Revolutionskritik bedient sich - zunächst in Gemeinschaft mit
       Denis Richet  - der gegenwärtig wohl einflußreichste Exponent des
       historischen Revisionismus,  François Furet.  43) Für Furet redu-
       ziert sich die wahre Revolution auf das Wirken der aufgeklärt-li-
       beralen Elite  in den  Jahren 1789 bis 1791; die danach kommenden
       Ereignisse von  1793 und 1794, das aktive Eingreifen der Volksbe-
       wegung, die  revolutionäre  Diktatur  der  Jakobiner  werden  als
       "dérapage" -  das Entgleisen  und Umkippen  der Revolution  - be-
       zeichnet.  Wie  stark  meinungsbildend  Furet  über  die  Grenzen
       Frankreichs gewirkt  hat, ist im Falle der BRD an Arbeiten von E.
       Schmitt und  R. Reichardt 44) ablesbar. In der Folge hat sich Fu-
       ret darauf  kapriziert, die wissenschaftliche Widersprüchlichkeit
       und Unhaltbarkeit  der Marxschen  Vorstellungen von  bürgerlicher
       Revolution und  bürgerlichem Staat  nachzuweisen. 45)  Die Kritik
       stellte gegenüber  Furet inzwischen  nicht nur sein bemerkenswert
       selektives Verfahren  der Quellenauswertung, 46) sondern auch die
       Ahistorizität der  gewählten Prämissen heraus. 47) Für einen kri-
       tischen Dialog  mit dem historischen Revisionismus scheint es an-
       gebracht, zwei  Ebenen voneinander  zu trennen:  den Versuch, die
       Revolution als  Gesamtphänomen in Frage zu stellen einerseits und
       die aus  fundierter Quellenforschung neu gewonnene Sicht auf Pro-
       blemfelder, die  bislang für  die klassische  Historiographie  am
       Rande des  Interesses lagen,  andererseits. Was die zweitgenannte
       Ebene betrifft,  so reicht  der Spannbogen  der Streitpunkte  vom
       Charakter des Ancien Régime, Agrarstruktur und Agrarbewegung, un-
       ternehmerische Potenzen  des Reformadels  bis hin zu Struktur und
       Hegemoniefähigkeit des  Bürgertums; 48)  nicht zu  vergessen  die
       Kontroverse um die revolutionäre ("schöpferische") oder vorrangig
       regressiv-negative,  in  Traditionalismus  verhaftete  Rolle  der
       Volksklassen. 49)  In diesen und anderen Kardinalpunkten (bis hin
       zur Mentalitätsforschung) 50) kann Wettstreit neuen Erkenntnissen
       nur dienlich sein.
       Einen anderen  Stellenwert hat  die eindeutig politisch-ideologi-
       sche Debatte  um den historischen Ort von 1789, mit dem Ziel, die
       Revolution zu  relativieren, zu minimieren, einzuebnen oder über-
       haupt zum  Unereignis zu machen. Dabei spielt der genannte histo-
       rische Revisionismus  - an führender Stelle wäre wiederum auf Fu-
       ret zu verweisen - eine nicht unwesentliche Rolle. Aber für diese
       Generalrevision müssen  auch andere  Quellen in  Betracht gezogen
       werden.
       Zeitweilig schien es, als könnte sich die auf dem Welthistoriker-
       kongreß in  Rom 1955  von Palmer und Godechot aus der Taufe geho-
       bene Theorie  der atlantischen  Revolution 51)  behaupten.  Diese
       Theorie ging von der epochesetzenden Priorität der nordamerikani-
       schen Revolution  aus und ließ die Wende von 1789 in der amorphen
       Summe der  Nachfolgerevolutionen untergehen;  hinzu trat  der An-
       spruch, den Begriff der - sozial bewußt unbestimmten - demokrati-
       schen Revolution allein den Atlantikanliegern zu reservieren, was
       dem Vorsatz, die NATO zu historisieren, nicht eben unähnlich war.
       Darob entbrannte  speziell in Frankreich eine heftige Diskussion,
       in der  Marcel Reinhard  und Georges Lefebvre die besondere Stel-
       lung der  Französischen Revolution  im Epochenumbruch  am Ausgang
       des 18.  Jahrhunderts betonten. Gewiß nicht nur eine Reaktion aus
       der Sicht  der "Grande  Nation". 52)  Inzwischen gehört diese De-
       batte der Geschichte an. 53)
       Einen anderen  Ansatz, um  die Revolution  als Wende- und Knoten-
       punkt gesellschaftlicher  Entwicklung einzuebenen und ihrer Rele-
       vanz zu  entkleiden, ergibt die einseitige Orientierung auf Lang-
       zeitzyklen und subjektive Epochebestimmungen. Im Ergebnis der von
       der Annales-Schule  im Stil von Lucien Febvre und Fernand Braudel
       bevorzugten Prozeßanalysen zur "longue duree" ökonomisch-struktu-
       reller und kulturell-psychologischer Entwicklungstrends, reduzie-
       ren sich  (politisch-soziale) Revolutionen  auf Eruptionen sekun-
       därer Größenordnung (Revolution als "Epiphänomen"). 54) Sie büßen
       ihren Rang  als Brennpunkte  der Alternativität  historischen Ge-
       schehens ein.  Nach Meinung  der nordamerikanischen  Historikerin
       Lynn Hunt führe auch die in Mode kommende geschlossene Epochenbe-
       stimmung von  der Aufklärung  (seit dem  Ausgang des 17. Jahrhun-
       derts) bis zur Romantik (dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts)
       mit dem Instrumentarium der sozial-historischen Semantik zur fak-
       tischen Einebnung der Revolution. 55)
       Derartige Korrekturen an der Realgeschichte verblassen vor anläß-
       lich des Bicentenaire in Szene gesetzter Verteufelung der Revolu-
       tion durch  Publizisten, Historiker und Philosophen der "Nouvelle
       droite". 56)  Dazu gehört  die absolute und unkritische Rehabili-
       tierung der  konterrevolutionären Historiographie. Dafür nur drei
       Beispiele: Wie  anno 39 wird Edmund Burke "neu" gelesen, Augustin
       Cochins Antijakobinismus  kommt via Furet wieder in Mode, 57) die
       "Schreckensherrschaft" in  Lyon wird  anhand der Memoiren des kö-
       nigstreuen Abbe  de Montleon  rekonstruiert. 58) Erneute Aktuali-
       sierung erfährt  die einst  von Jacob Talmon und Hannah Arendt in
       ihren Ursprüngen auf Rousseau und die Jakobinerexzesse historisch
       zurückgeführte Totalitarismusdoktrin, 59) die folgerichtig in das
       "Goulag" gemündet sei. Bei Pierre Chaunu, dem exponiertesten Ver-
       treter der  "Nouvelle droite"  unter den Historikern, (allerdings
       ohne eigene  Studien zum  Thema 89),  denaturierte die Revolution
       zum "Génocide  franco-français" 60)  mit nicht  weniger als  ima-
       ginären 600000  Opfern: 1789  wieder als der große Sündenfall der
       modernen Weltgeschichte  oder - laut Jacques Juillard - "c'est la
       faute à Rousseau". 61) In dieser Atmosphäre kann es nicht verwun-
       dern, daß  - wie  in Lyon  - Vereinigungen  aufkommen, deren Bei-
       trittsbedingung darin  besteht, den  Nachweis führen  zu  können,
       einen Vorfahren  auf der  Guillotine eingebüßt zu haben. Da liegt
       es schon näher, der tausendjährigen Erinnerung an die Krönung von
       Hugo  Capet  (987)  und  die  insgesamt  folgenden  33  Monarchen
       nachzuhängen...
       Die philosophische Fraktion der "Nouvelle droite", eine Spätfolge
       der  revolutionären   Krise  von   1968,  fehlt   im   Chor   der
       "Goulagistes" nicht:  Revolution entpuppt sich post festum in ih-
       rem Wesen  als totalitäres  Phänomen, die  Ideen, die  eine ganze
       Welt bewegten,  als bloße  machtpolitische Lockmittel oder Konse-
       quenz der Macht der Dummheit. 62)
       Auf die zahllosen Versuche, 1789 totzusagen und damit die Revolu-
       tionen generell  als große geschichtsumwälzende Kraft aus dem Ge-
       schichtsbewußtsein zu  eliminieren, hat  Albert Soboul  in  einer
       seiner großen  Vorlesungen an  der Sorbonne  lapidar und zwingend
       geantwortet: Das  Malheur ihrer Gegner, damals wie heute, bestehe
       nun einmal  darin, daß  sie eben doch stattgefunden haben. So wi-
       derlegt sich  Negation der Revolution am deutlichsten in der Ste-
       tigkeit ihrer Wiederholung.
       
       2. Revolutionstriade der Neuzeit
       --------------------------------
       
       Gewiß wäre  es ein  vergebliches Unterfangen, im Sinne von Stefan
       Zweig die  "Weltminute" festzuhalten,  in der  sich das Schicksal
       zwischen Feudalität  und bürgerlicher Gesellschaft entschied. Im-
       merhin erstreckte sich die Herauslösung aus der Feudalität allein
       für Europa  über einen  Zeitraum von mehr als dreihundert Jahren.
       Auf bisher  nicht gekannte  Weise setzte  eine Beschleunigung des
       historischen Fortschritts  in allen  Sphären ein. Auf dem Hinter-
       grund der relativen Ruhelage der vorangegangenen Epochen bedeutet
       es kaum eine Übertreibung, die Zeit vom Beginn des 16. bis in die
       zweite Hälfte  des 19. Jahrhunderts als eine Epoche der permanen-
       ten Revolution zu bezeichnen. Kein Sektor gesellschaftlicher Exi-
       stenz blieb von dieser Umwälzung ausgenommen. Das von Ullrich von
       Hütten so enthusiastisch zum Ausdruck gebrachte neue Lebensgefühl
       bietet ein  Beispiel für  die von Generation zu Generation verän-
       derte Weltsicht.
       Erst bei näherer Betrachtung rücken die Ebenen, Kettenglieder und
       Etappen des  revolutionären Prozesses  deutlicher auseinander. In
       letzter Instanz  überkreuzten sich im Übergang von der Feudalität
       zum  bürgerlichen  Zeitalter  zwei  Entwicklungskomponenten:  die
       spätfeudal-absolutistische und  die aufsteigend-bürgerliche  Kom-
       ponente. Schritt für Schritt konstituierte sich das Bürgertum als
       eine Klasse  der  historischen  Initiative  -  zur  "historischen
       Klasse" im  Sinne von Antonio Gramsci 63) -, wogegen der Adel zu-
       nehmend in die Position der Klasse der historischen Defensive ge-
       riet. Dieser  Prozeß verlief  keineswegs linear.  Noch lange  be-
       durfte das  Bürgertum zur Genesis seiner Produktions- und Gesell-
       schaftsformen der Stütze des Absolutismus. 64) Vor der Konfronta-
       tion stand  die Symbiose der Interessen, ehe das jeweilige Ancien
       Regime der  Revolution weichen mußte. Auf der unhistorischen Ver-
       absolutierung der  zeitweiligen und relativen Interessenkongruenz
       von Krone  und Bourgeoisie  - besonders deutlich in der französi-
       schen Rentenbourgeoisie: "la bourgeoisie inactive" 65) - fußt ei-
       nes der  wesentlichen Argumente,  um das Revolutionspotential und
       die Hegemoniefähigkeit  der Bourgeoisie  in Frage zu stellen oder
       total zu bestreiten.
       Für die Bestimmung des Charakters, der Richtung und der konkreten
       Ergebnisse in  der Überwindung der Feudalität kommt dem bürgerli-
       chen Revolutionszyklus die entscheidende Bedeutung zu. Allerdings
       bedarf es  eines ebenso exakten wie differenzierten und flexiblen
       Umgangs mit  der Grundkategorie  "Bürgerliche Revolution". Dieser
       Begriff hat  - obwohl  Gegenstand ständiger  Polemik 66) - längst
       aufgehört, an  marxistisches  Geschichtsverständnis  gebunden  zu
       sein. Um  so dringender  erscheint die Aufgabe, gerade aus marxi-
       stischer Sicht  das theoretische und methodologische Instrumenta-
       rium um  dieses Problemfeld weiter auszuarbeiten. Hier setzen die
       Forschungen der Leipziger Schule 67) an.
       Wie jeder  andere Grundtyp von Revolution ist bürgerliche Revolu-
       tion nicht  "an sich"  oder "als  solche" bestimmbar. Es gilt, an
       die Stelle  des abstrakten (beliebig deklinierbaren) Revolutions-
       verständnisses das  konkret-gesellschaftliche zu setzen. Ein sol-
       ches, der Realgeschichte gerecht werdendes Herangehen an die Ana-
       lyse eines  der komplexesten  und kompliziertesten  Phänomene ge-
       sellschaftlicher Transformation ist per se an drei Hauptbedingun-
       gen gebunden:
       a. die Einordnung  in den   C h a r a k t e r  d e r  E p o c h e
       und die  daraus resultierende   D i a l e k t i k   v o n  F o r-
       m a t i o n s e n t w i c k l u n g       u n d      R e v o l u-
       t i o n s t y p;
       b. das   P r i n z i p   d e r   H i s t o r i z i t ä t,  um die
       Revolution als  Produkt der  Geschichte - Historisch-gewordenes -
       zu begreifen, die ihrerseits wieder auf den weiteren Gang der Ge-
       schichte zurückwirkt. Die Historizität des bürgerlichen Revoluti-
       onstyps folgt  aus dem  Umstand, daß  "die ökonomischen  Formen",
       d.h. die  epoche- und formationsspezifischen Grundbedingungen ih-
       rerseits wieder "vorübergehende und historische" 68) sind;
       c. die   D i a l e k t i k  v o n  E i n h e i t  u n d  V i e l-
       f a l t   im bürgerlichen  Revolutionszyklus generell,  aber auch
       innerhalb der  einzelnen  revolutionären  Teilprozesse.  Mit  dem
       Übergang zum  bürgerlichen Zeitalter tritt die Bourgeoisie in das
       Zentrum des  Geschehens, was  indes keineswegs heißt, daß sie für
       diese Zeit auch das politisch-soziale Zentrum jeder einzelnen Re-
       gion oder jedes Landes abgab. Die Vielfalt bürgerlicher Umwälzung
       ist also nicht an einem soziometrisch oder auf ähnliche Weise be-
       stimmbaren "Epochendurchschnitt" meßbar.
       In letzter  Instanz fußte  die Dynamik des welthistorischen Über-
       gangs von  der Feudalität (und anderen Formen vorkapitalistischer
       Existenz) zur  bürgerlichen Gesellschaft  auf einer  R e v o l u-
       t i o n s t r i a d e,   deren Komponenten  (Ebenen) sich  - grob
       formuliert - auf die folgende Weise bestimmen lassen:
       - die Freisetzung  der neuen  Produktionsformen in  ihren  histo-
       rischstrukturellen Stufen  vom Frühkapitalismus über die Manufak-
       turperiode bis  zur vollen  Entfaltung der  industriellen Revolu-
       tion; 69)
       - die politisch-soziale Umwälzung (Konstituierung der Bourgeoisie
       als herrschende  Klasse in "reiner" Form oder, was der Regel ent-
       sprach, auf  der Basis  eines Klassenkompromisses) in Gestalt des
       Revolutionszyklus vom 16. bis zum 19. Jahrhundert; 70)
       - der Umbruch im philosophischen Denken (als Kernstück der allge-
       meinen Kulturrevolution) von der Renaissance über die großen Den-
       ker des  17. Jahrhunderts  und die  Aufklärung bis zur Vollendung
       der klassischen Philosophie. 71)
       Natürlich handelt  es sich  auch in diesem Falle insofern um eine
       Abstraktion, da diese Prozesse in der historischen Realität weder
       immer parallel  noch in  gleich intensiver  Ausprägung  verliefen
       bzw. existierten.  Stattdessen gab es zeitlich stadial-regionale,
       strukturelle und  zeitliche Verschiebungen zwischen den Komponen-
       ten der Triade, von Region zu Region, wie auch innerhalb der ein-
       zelnen Regionen  und Länder.  Vom jeweils Einzelnen auf das Ganze
       schließen zu wollen, hieße apriori sich den Weg der Erkenntnis zu
       verbauen. Hier  berühren wir übrigens einen Kardinalaspekt in der
       Auseinandersetzung um den historischen Ort der bürgerlichen Revo-
       lution. In  der Regel  fußt die Kritik der nichtmarxistischen Hi-
       storiographie auf einem einseitig-subjektiven Verständnis des ma-
       terialistischen Historismus, das die inzwischen vorliegenden For-
       schungsergebnisse zum  erheblichen Teil oder völlig ignoriert 72)
       und sich  eines selbstgezimmerten, leicht widerlegbaren Deutungs-
       modells bedient. Das Informationsproblem haben stets die anderen.
       Im Revolutionszyklus  der Neuzeit  sind wiederum bestimmte Stufen
       erkennbar: eine  Phase der  Inkubation,  danach  des  klassischen
       Durchbruchs und schließlich des Wachstums in die Breite. So wenig
       die Feudalität  des 16.  Jahrhunderts den  Feudalverhältnissen im
       17., 18.  Jahrhundert oder gar noch später gleicht, 73) so falsch
       wäre es,  die vielfältigen  Unterschiede der bürgerlichen Revolu-
       tion in  ihren historisch-typologischen  Entwicklungsetappen (und
       -formen) zu  übersehen. Eigentlich überflüssig, darauf zu verwei-
       sen, daß  dieses Prinzip der Historisierung für alle wesentlichen
       Kategorien des Revolutionsverständnisses gelten sollte. G.V. Tay-
       lor begründet  seine These von der Nichtexistenz eines Bürgertums
       um 1789 und damit die Unhaltbarkeit des Begriffes Bürgerliche Re-
       volution mit dem Hinweis auf das Fehlen einer industriellen Bour-
       geoisie und nichtkapitalistischer Akkumulationsquellen des Reich-
       tums 74);  eine solche  Argumentation spricht eher für das Nicht-
       verständnis  der  genetisch-historischen  Entwicklungsstufen  von
       Bürgertum, da  eine Industriebourgeoisie vor Vollendung der indu-
       striellen Revolution eine Contradictio in adjecto wäre.
       Ähnlich ergeht  es Lynn Hunt, die den Klassenbegriff primär poli-
       tischkulturell faßt, zugleich jedoch offen bekennt, daß es leich-
       ter sei,  gegen den  Begriff Bürgerliche Revolution zu polemisie-
       ren, als  "etwas Überzeugendes  an seiner  Stelle zu bieten". 75)
       Wenn bei  Theda Scocpol  mit unterschwelliger Kritik am marxisti-
       schen Revolutionsverständnis  die Aussage  erfolgt: "The  men who
       dominated after the Revolution were not industrialists or capita-
       list entre-preneurs  but primarily  bureaucrats, soldiers"  -  ab
       welchem Rang,  möchte man  fragen ", "and owners of real estate",
       76) dann  gehen gleich  mehrere  Kriterien  durcheinander  -  die
       grundsätzliche Tatsache,  daß 1789  die französische  Bourgeoisie
       noch eine  Klasse in  struktureller Entwicklung war und die Funk-
       tion der Revolution ja gerade darin bestand, die Weichen zu ihrer
       endgültigen Konstituierung zu stellen, bürgerliche Macht sich nie
       direkt, sondern  stets in "übersetzter" Form realisiert (was neu-
       erlich durch  die vielleicht  nicht ganz  unproblematische Unter-
       scheidung von  "sozialer" und  "politischer" Klasse  zum Ausdruck
       gebracht wird),  verbürgerlichter Großgrundbesitz zumindest funk-
       tionell Teil der Bourgeoisie bzw. des kapitalistischen Eigentums-
       systems ist,  etc. Solche und andere Selbstverständlichkeiten wä-
       ren bei genauer Kenntnisnahme der Literatur- und Forschungssitua-
       tion eigentlich kaum Gegenstand des Meinungsstreites. Noch einige
       in diesem  Zusammenhang erwähnenswerte  Beispiele: Immanuel  Geiß
       sieht sich  durch die  Auffassung, bürgerliche Revolution sei vor
       industrieller Revolution nicht denkbar, veranlaßt, den Gesamtkom-
       plex "Frühbürgerliche  Revolution" als  wichtige genetische Phase
       auszusparen und selbst Umbrüche von europäischer Relevanz wie die
       Englische Revolution  in die Kategorie eines Aufstandes zurückzu-
       stufen. In  der jüngsten  Arbeit von Perez Zagorin zerfließen die
       Grenzen zwischen Aufstand, Rebellion, Meuterei und Revolution bis
       zur Unkenntlichkeit.  77) Auch  der "Revolutionsdekalog" von Fer-
       dinand Seibt  78) trennt nicht sehr überzeugend zwischen objekti-
       ven und  subjektiven Revolutionskriterien;  so ist das Januskopf-
       Problem -  exakter ausgedrückt das Verhältnis von Kontinuität und
       Bruch im  Transformationsprozeß - in "frühen" Revolutionen natür-
       lich anders ausgeprägt als in "reifen" und "späten".
       
       3. Revolution und Epochenwende
       ------------------------------
       
       Im Zyklus  der neuzeitlichen Revolution kommt Frankreich die zen-
       trale Position zu. Ungleich mehr als die Englische Revolution war
       die Französische  nicht nur  Ausdruck der Weltteile, in denen sie
       vorfielen, sondern  einer epocheprägenden Entscheidungssituation.
       79) Bereits  die Zeitgenossen  -  noch  vom  ungebrochenen  Fort-
       schrittsbewußtsein der  Aufklärung durchtränkt - bezeichneten die
       Französische Revolution  als "Große Revolution", eine Ortsbestim-
       mung, die  also nicht  erst von  den Historikern  erfunden werden
       mußte. Mit der Französischen Revolution profilierte sich zugleich
       der moderne Revolutionsbegriff. 80) Was dem Historiker von heuti-
       ger Warte  auch für die Zeit vor 1789 fast kommentarlos als Revo-
       lution gilt,  hatte für ihre Protagonisten und Zeitgenossen nicht
       selten einen  völlig anderen  subjektiven Stellenwert: Es ging um
       Verfassungskämpfe,  Bürgerkriege;   Verteidigung   altständischer
       Rechte, Reformatio im Sinne der Wiederherstellung des (guten) Al-
       ten, Wende  zum (einstigen)  Goldenen Zeitalter,  Abwehr tyranni-
       scher Macht  ... In der Geschichte kommt es nicht selten vor, daß
       Erscheinung und  Begriff auseinanderfallen,  oder,  aus  späterer
       Sicht, sogar  in Widerspruch zueinander stehen. Für den Revoluti-
       onsbegriff scheint dieses Phänomen auf besondere Weise zu gelten.
       Keineswegs kann  aber der  Historiker für die geschichtliche Ein-
       ordnung der  Ereignisse um 1789 übersehen, daß objektive Epochen-
       konstellation und  subjektives Epochenverständnis  eine bis dahin
       einmalige Intensität  erreichten. "Durch  die Aufklärung  und die
       Revolution sind  erstmals die  Widersprüche der modernen Welt ins
       allgemeine Bewußtsein geraten." 81)
       Die Französische Revolution markierte den Höhe- und Wendepunkt im
       Übergang zur  bürgerlichen Gesellschaft,  sie leitete die Schluß-
       phase dieses  Transformationsprozesses und  die endgültige Durch-
       setzung der  neuen Formation  ein. Weltgeschichte  ab  1789  hieß
       Weltgeschichte im Zeichen der Bourgeoisie und der sich vollenden-
       den bürgerlichen Umwälzung. 82) Diese Begriffsbestimmung betrifft
       die quantitative  wie die qualitative Seite der weiteren histori-
       schen Entwicklung. Erst mit dem Umbruch von 1789 fällt die Haupt-
       macht des Ancien Régime, senkt sich die Waage endgültig gegen die
       feudalabsolutistischen Staaten  und zu  Gunsten der Welt des Bür-
       gertums.
       Was als  "Bürgerliche Umwälzung" bezeichnet wird, ist eine in ih-
       rer Dramatik kaum überbietbare Folge von Revolution - Konterrevo-
       lution - Reform - Krise - Krieg - Aufschwung - Stagnation - Deka-
       denz, aus  deren Feuer eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte
       Gestalt gewinnt, vielgestaltig und doch einheitlich in ihrem bür-
       gerlichen Grundcharakter,  eben das  "Bürgerliche Zeitalter" (ein
       Begriff, der  wiederum nicht  pauschal mit "Zeitalter des Bürger-
       tums" synonym gesetzt werden sollte).
       Im Voranschreiten  der bürgerlichen  Gesellschaft (und ihrer Pro-
       duktionsweise) verdichtete sich die Menschheitsgeschichte in qua-
       litativ neuer  Weise zur   W e l t g e s c h i c h t e.  Im Jahre
       1857 notierte  Karl Marx: "Weltgeschichte existierte nicht immer;
       die Geschichte  als Weltgeschichte  Resultat".  83)  Noch  früher
       steht zu  lesen: "Je  weiter sich im Laufe dieser Entwicklung nun
       die einzelnen  Kreise, die  aufeinanderwirken, ausdehnen, je mehr
       die ursprüngliche  Abgeschlossenheit der einzelnen Nationalitäten
       durch die  ausgebildete Produktionsweise, Verkehr und dadurch na-
       turwüchsig hervorgebrachte  Teilung der Arbeit zwischen verschie-
       denen Nationen  vernichtet wird,  desto mehr  wird die Geschichte
       zur Weltgeschichte..." 84) Welche Ereignisse im Übergang zur bür-
       gerlichen Gesellschaftsformation  hatten größere "Kreise" gezogen
       als die Große Revolution Frankreichs und die industrielle Revolu-
       tion Englands?
       Das Verhältnis  von politisch-sozialer  und industrieller Revolu-
       tion gestaltete  sich im  Prozeß der  bürgerlichen Umwälzung sehr
       unterschiedlich: 85)
       - Im Falle  Englands ging die politisch-soziale der industriellen
       Umwälzung um  mehr als  einhundert Jahre  voran, worin  einer der
       Faktoren für die Pionierfunktion dieses Landes in der Freisetzung
       der kapitalistischen  Produktionsweise zu  suchen ist. Nicos Pou-
       lantzas hat  daraus (zu  einseitig) die Modellfunktion der Engli-
       schen Revolution abgeleitet. 86)
       - Für Frankreich  kann von einer faktischen Parallelität zwischen
       Revolution und  industrieller Umwälzung  ausgegangen werden.  Die
       Konsequenzen dieser Kombinationen (intern wie extern) bilden noch
       immer einen  Hauptstreitpunkt in  der Debatte um die Ursachen der
       industriellen Rückständigkeit Frankreichs im 19. Jahrhundert 87),
       mit anderen  Worten:  Es  geht  um  die  mögliche  Divergenz  von
       "klassischer" ökonomischer  und "klassischer" politischer Revolu-
       tion, den Grad des Auseinanderdriftens der unterschiedlichen Ebe-
       nen des bürgerlichen Umwälzungsprozesses.
       - Schließlich bleibt  auf eine  dritte Kategorie  von Ländern  zu
       verweisen (Spanien  und Rußland  seien als Beispiele gesetzt), wo
       die industrielle  Revolution (und mit ihr die Formierung der pro-
       letarischen Gegenklasse)  schon einsetzte,  bevor die Bourgeoisie
       die "eigene"  Revolution vollzogen  hatte. Spanien  trat etwa  um
       1840 in die industrielle Revolution (Zentrum Katalonien) ein 88),
       der bürgerliche  Revolutionszyklus des  19.  Jahrhunderts  endete
       aber für  dieses Land  erst 1874   89), dazu noch mit der politi-
       schen Niederlage  des Bürgertums.  Rußland wiederum  öffnete sich
       der industriellen  Revolution im  Ergebnis der  Reformen von 1861
       90); der  Zyklus der Revolutionen begann aber erst 1905, dazu un-
       ter historischen Bedingungen einer Ablösung der revolutionsabsti-
       nenten Bourgeoisie in der Hegemonie durch das Proletariat. 91) In
       der Forschung  ist die  entscheidende Bedeutung  des spezifischen
       Verhältnisses von  politisch-sozialer und industrieller Umwälzung
       in ihrer  Wirkung auf  Charakter und typologische Differenzierung
       der bürgerlichen  Revolution zwar erkannt, aber bislang empirisch
       nicht hinreichend analysiert. 92)
       Auch für die genannte Problematik gewinnt die genauere Bestimmung
       des Begriffs  R e v o l u t i o n s z y k l u s  kardinale Bedeu-
       tung; dasselbe  gilt für  die Unterscheidung  von  Revolution  im
       e n g e r e n  und im  w e i t e r e n  S i n n e.
       Die Kategorie  Revolutionszyklus umfaßt  verschiedene Ebenen, die
       es auseinanderzuhalten gilt:
       - zunächst ist damit der zyklische Ablauf jeder einzelnen Revolu-
       tion, ihre Phasenfolge, die Bewegung in auf- und absteigender Li-
       nie 93) gemeint;
       - da in  der Regel  ein Land bis zur Konstituierung der bürgerli-
       chen  Ordnung   mehrere   Revolutionen   durchläuft   (Beispiele:
       Frankreich 1789,  1830, 1848,  1870, 1871;  Spanien  1808,  1820,
       1834, 1854,  1868), existieren  auch nationale  Revolutionszyklen
       94);
       - darüber hinaus  sind  kontinentale  Revolutionszyklen,  wie  im
       Falle Lateinamerikas  ab 1810 oder in Europa 1848/49, nachweisbar
       95);
       - schließlich stellt  die "Weltrevolution des Bürgertums" vom 16.
       bis 19.  Jahrhundert in  ihrer Summe  einen universalhistorischen
       Revolutionszyklus dar.
       Gegen Soboul hat Furet den Einwand erhoben, daß es kaum vorstell-
       bar sei,  eine neue  Gesellschaft als  das Resultat  des Klassen-
       kampfes von  wenigen Jahren  (in Frankreich von 1789 bis 1794/95)
       zu interpretieren. 96) Eine solche Kritik ist Ausdruck eines ver-
       kürzten Revolutionsverständnisses. "Die Epoche der sozialen Revo-
       lution" 97)  fußt auf  der Einheit  von Revolution(en) im engeren
       und im weiteren Sinne. Die Revolution im engeren Sinne umfaßt die
       historisch in  der Regel  relativ kurze  Etappe  der  Lösung  der
       Machtfrage (die  "politische" Revolution), die von entscheidender
       Bedeutung für die Weichenstellung der weiteren gesellschaftlichen
       Entwicklung ist.  Dagegen umfaßt  die völlige  Konstituierung und
       Konsolidierung der neuen Ordnung (die "soziale" Revolution) einen
       ungleich längeren  Zeitraum. In diesem Sinne deckte in Frankreich
       die bürgerliche  Revolution (im  weiteren Sinne) den Zeitraum bis
       1870/71.
       
       4. Frankreichs Stellung im Transformationsprozeß
       ------------------------------------------------
       
       Die epochale  Wirkung der Revolution von 1789  98) impliziert die
       Frage  nach   den  inneren   und  äußeren   Besonderheiten,   die
       Frankreichs historischen  Umbruch aus  dem Gesamtverlauf und über
       das "Durchschnittsniveau"  des welthistorischen  Transformations-
       prozesses hervorheben. In diesem Zusammenhang von "Weltminute" zu
       sprechen, erscheint durchaus angebracht, da sich die Bedingungen,
       unter denen  Frankreichs große  Revolution verlief, als nicht be-
       liebig reproduzierbar erwiesen. Ohne die Fülle der Besonderheiten
       der Französischen Revolution auch nur im geringsten andeuten oder
       ausschöpfen zu können, 99) sind für das Verständnis der zäsurset-
       zenden Rolle  der Ereignisse  ab 1789 vorrangig die folgenden Ge-
       sichtspunkte in Anschlag zu bringen:
       1. Die für  Frankreich kennzeichnende  Verbindung von klassischem
       Feudalismus, klassischem  Absolutismus, klassischer Leitideologie
       des 18. Jahrhunderts in Gestalt der Aufklärung, klassischer Revo-
       lution und  Wirkung als  Leitrevolution des  19. Jahrhunderts ist
       nicht willkürlich  auflösbar. Diese  Kombination (historisch-dia-
       lektische Einheit)  macht Frankreichs  unverwechselbaren Platz in
       der Schlußphase  des Übergangs  von der feudalen zur bürgerlichen
       Gesellschaft aus.  100) Dem entsprach ebenso eine historisch ein-
       malige Reife  objektiver und  subjektiver Revolutionsbedingungen.
       Bildlich gesprochen  war die klassische Revolution zudem das Pro-
       dukt einer  "klassisch" ausgeprägten  Krise des Ancien Regime mit
       ihren Hauptbestandteilen  Finanz-, Handels-, Manufaktur-, Agrar-,
       Staats- und Ideologiekrise. Nur am Rande sei bemerkt, daß die De-
       batte um  das Wesen der Krise des Ancien Regime kaum weniger hef-
       tig geführt  wird als um die Revolution selbst. Für reformerische
       Krisenbewältigung gab  es, wenn überhaupt, nach dem Sturz von Fi-
       nanzminister Turgot (1776) keinen Raum mehr. "Klassisch" auf ihre
       Weise auch  die Revolte der Privilegierten, die entgegen den The-
       sen von  einer "Pre-Revolution"  weit eher die heillose Zerstrit-
       tenheit einer altherrschenden Klasse im Moment ihrer existentiel-
       len Bedrohung  demonstrierte 101);  und das zu einer Zeit, da die
       Bourgeoisie den  sich ihr auftuenden Manövrierraum weder erkannte
       noch nutzte.
       2. Wenn nach  Karl Marx  "die Bourgeoisie  ...  wirklich  an  der
       Spitze der Bewegung" 102) das Kriterium darstellt, um von bürger-
       licher Revolution  sprechen zu können, dann hat Frankreichs Revo-
       lution diesem Erfordernis als einzige voll entsprochen, da es nur
       in ihr  zur "reinen"  (ungeteilten) Hegemonie des Bürgertums kam,
       wogegen die  übrigen Revolutionen  der Neuzeit (davor und danach)
       von den  vielfältigen Varianten  eines  positiven  (progressiven)
       oder negativen (regressiven) Klassenkompromisses zwischen Bürger-
       tum und  Adel durch diverse Formen sozialer bzw. institutioneller
       Hegemoniesubstitution gekennzeichnet waren. 103)
       Bürgerliche Hegemonie realisierte sich in Frankreich auf den ver-
       schiedenen Ebenen  mit gleich stark ausgeprägter Intensität: öko-
       nomisch (als  am schnellsten  akkumulierende Klasse),  sozial (im
       Sinne der Konstituierung als nationale Klasse), kulturell-ideolo-
       gisch (mit  dem Blick  auf die emanzipatorische Funktion der Auf-
       klärung) und  schließlich politisch-institutionell  (durch  Über-
       nahme der  Macht und Schaffung eines bürgerlichen Staates par ex-
       cellence). 104)
       Wie die Revolution selbst, so zeigt sich die Hegemonieproblematik
       nicht gegen schematisierende Deutung gefeit. Hegemonie heißt kei-
       neswegs unmittelbare  Ausübung der  politischen Gewalt  durch den
       "Durchschnitts"bourgeois; den  "Bankier auf der Barrikade" gab es
       1789 ebensowenig  wie in  anderen Revolutionen.  Zur Regel gehört
       vielmehr die  partielle Diskrepanz  zwischen sozialer und politi-
       scher Hegemonieklasse, d.h. bürgerliche Hegemonie realisiert sich
       - wie  schon betont - auf, "übersetzte" (im Extremfall indirekte)
       Weise. Nur  so ist  verständlich, warum die Jakobiner die  b ü r-
       g e r l i c h e   Revolution  g e g e n  bestimmte Fraktionen des
       Bürgertums verteidigen und zum Ziel bringen mußten.
       3. Bei Ausbruch  der Revolution  war Frankreichs  Bourgeoisie  in
       mehrfachem Sinne eine nationale Klasse: durch ihre Konstituierung
       über das  Gesamtterritorium des  Staates, wofür  die Zentralisie-
       rungspolitik des  Absolutismus wesentliche  Prämissen schuf, ohne
       damit der  bekannten Auffassung  zu huldigen, die Revolution habe
       die Zentralisierungspolitik  des Ancien  Régime nur  "vollendet";
       durch ihr  Selbstverständnis als  führende Kraft  der Nation, das
       auch durch  den elitären  Egalitarismus der Aufklärung 105) nicht
       verdeckt werden konnte; und schließlich die Anerkennung der Bour-
       geoisie als  führende Klasse  der Nation im Prozeß der revolutio-
       nären Umwälzung.  Im letztgenannten Aspekt lag die Voraussetzung,
       um die Interessen und Ziele der unterschiedlichen, oft sogar kon-
       trären Klassen  und Schichten  in einem "revolutionären Block" zu
       bündeln, 106)  wobei es darum ging, über die Einheit in der Nega-
       tion (Beseitigung des Absolutismus) hinaus dieses Bündnis für die
       Konstituierung der  neuen Gesellschaft  tragfähig zu  machen, was
       sich allerdings  schon mit der Wende des 9. Thermidor als proble-
       matisch erwies.
       Die Frage, wie unterschiedliche und divergierende Klassenpositio-
       nen in  einer bürgerlichen  Revolution auf  einen Nenner gebracht
       bzw. auf  ein Ziel  fixiert werden konnten, ist von Karl Marx und
       Friedrich Engels in verschiedenstem Zusammenhang gestellt worden,
       so z.B. für 1848, für den spanischen Revolutionszyklus, im Zusam-
       menhang mit  den Besonderheiten der englischen oder der deutschen
       frühbürgerlichen Revolution.  Ausführlich wandten sie sich diesem
       Phänomen unter  theoretischem wie  praktischem Gesichtspunkt  be-
       reits in  der "Judenfrage", der "Kritik der Hegelschen Rechtsphi-
       losophie", der  "Deutschen Ideologie"  und der "Heiligen Familie"
       zu. Zentraler  Bezugspunkt war  der Grundwiderspruch von  I d e e
       und  I n t e r e s s e  in einer bürgerlichen Revolution. Auf den
       Kern gebracht,  bestand das Wesen der Idee (der  I l l u s i o n)
       in der Fähigkeit der zur Übernahme der politischen Herrschaft be-
       rufenen Klasse,  d.h. der  Bourgeoisie, ihre (Klassen-)Interessen
       als  übergreifendes,   gleichsam  wertfreies  ("höheres")    G e-
       s a m t i n t e r e s s e   der Nation  zu artikulieren. 107) Die
       militante Streitschrift  des Abbé  Sieyès über  den Dritten Stand
       und seinen  Führungsanspruch  kann  dafür  als  Schlüsseldokument
       gelten. Ihr  historischer Vorläufer, die "Petition of Rights" des
       Jahres 1629,  nimmt sich  dagegen mehr  als bescheiden  aus.  Von
       Dauer und  Intensität dieses  (stets zeitweiligen  und relativen)
       Zusammenfalls von Idee und Interesse hing auf entscheidende Weise
       die historische Durchschlagkraft einer bürgerlichen Umwälzung ab.
       Es sind  offensichtlich nicht  nur die Historiker, sondern ebenso
       die Protagonisten  der Revolution,  die "speziell  bei jeder  ge-
       schichtlichen  Epoche   die    I l l u s i o n e n    d i e s e r
       E p o c h e   teilen müssen".  108) Unter  Illusion (= Idee) ver-
       standen Marx  und Engels  keine alltägliche Täuschung oder bloßen
       Betrug, sondern die weltgeschichtliche Selbsttäuschung  a l l e r
       die Revolution prägenden Klassen. Insofern ist es berechtigt, von
       einer  h e r o i s c h e n  Illusion zu sprechen, ohne deren Exi-
       stenz und Wirkung die Rolle von 1789 als Leitrevolution der neuen
       Epoche unverständlich bliebe. Dank der von M. Vovelle aufgearbei-
       teten Zeugnisse über die "Mentalité révolutionnaire" beginnt sich
       die volle Breite und Ausdrucksvielfalt der heroischen Illusion in
       den Jahren  1789 bis 1794/95 zu erschließen. 109) Unter der Fülle
       der Äußerungen  sei nur auf die integrierend mobilisierende Funk-
       tion der  "Fetes nationales" verwiesen. Das in der heroischen Il-
       lusion enthaltene  utopische Element  fand  seinen  prägnantesten
       Ausdruck im  idealisierten Rückgriff auf die Antike, zentriert um
       den Begriff der Vertu. Saint-Just faßte das antik-utopische Ideal
       in die  Worte: "Que  les hommes  révolutionnaires soient  des ro-
       mains!" Dazu der Kommentar in der "Heiligen Familie": "Welche ko-
       lossale Täuschung,  die moderne,  bürgerliche Gesellschaft ... in
       den   M e n s c h e n r e c h t e n  anerkennen und sanktionieren
       zu müssen und zugleich die  L e b e n s ä u ß e r u n g e n  die-
       ser Gesellschaft  hinterher an  einzelnen Individuen  annullieren
       und zugleich  den  p o l i t i s c h e n  K o p f  dieser Gesell-
       schaft in   a n t i k e r  Weise bilden zu wollen!" 110) Zweifel-
       los stellte  der Jakobinismus an der Macht die höchste und konse-
       quenteste Ausprägung  der heroischen  Illusion in  der Epoche der
       bürgerlichen Revolution  dar. Illusion  hieß aber zugleich, Hoff-
       nungen und  Erwartungen in eine Klasse zu setzen, die diese nicht
       erfüllen konnte:  Das subjektive  Moment dominierte für bestimmte
       Zeit über  das objektive und setzte außergewöhnliche Energien für
       die gesellschaftliche Transformation frei.
       Idee hieß  für Marx  und Engels keineswegs Idealisierung oder My-
       thologisierung der  Revolution (unabhängig davon, daß die Revolu-
       tion ihren  eigenen, im  Kult des Höchsten Wesens kulminierenden,
       Mythos hervorbrachte). Notwendigkeit - bildlich gefaßt: die Rolle
       der Selbsttäuschung als historische Triebkraft -, aber auch Gren-
       zen jener  geschichtsumwälzenden Einheit  von Idee  und Interesse
       haben Marx  und Engels  eindeutig formuliert:  "Keine Klasse  der
       bürgerlichen Gesellschaft  kann diese Rolle spielen, ohne ein Mo-
       ment des Enthusiasmus in sich und in der Masse hervorzurufen, ein
       Moment, worin  sie mit  der Gesellschaft im allgemeinen fraterni-
       siert... und  als deren  a l l g e m e i n e r  Repräsentant emp-
       funden und  anerkannt wird,  ein Moment, worin ihre Ansprüche und
       Rechte in  Wahrheit die  Rechte und  Ansprüche  der  Gesellschaft
       selbst sind,  worin sie wirklich der soziale Kopf und das soziale
       Herz ist. Nur im Namen der allgemeinen Rechte kann eine besondere
       Klasse sich  die allgemeine  Herrschaft vindizieren." 111) Analog
       dazu heißt  es in  der "Deutschen  Ideologie": "Die revolutionäre
       Klasse tritt  von vornherein,  schon weil  sie einer  K l a s s e
       gegenübersteht, nicht  als Klasse,  sondern als  Vertreterin  der
       ganzen Gesellschaft  auf, sie  erscheint als  die ganze Masse der
       Gesellschaft  gegenüber   der  einzigen,   herrschenden  Klasse."
       112) Eine Randbemerkung  ergänzt: "Die  Allgemeinheit  entspricht
       der Illusion der  g e m e i n s c h a f t l i c h e n  Interessen
       (am  Anfang   diese  Illusion   wahr).  113)   Als  Ausdruck  der
       "gemeinschaftlichen Interessen"  kann die Erklärung der Menschen-
       und Bürgerrechte am 26. August 1789 gelten. Seinen ersten Riß er-
       hielt der Interessengleichklang mit der Verfassung von 1791, wei-
       tere Stationen  des fortschreitenden  und schließlich endgültigen
       Auseinander-driftens von  Idee und  Interesse schienen  im Denken
       und in  den Aktionen der Jacqueroutins und der Gleichen um Babeuf
       auf. Was am Ende blieb, war die Hoffnung: "Die Französische Revo-
       lution ist  nur der  Vorbote einer  anderen, noch  viel größeren,
       viel feierlicheren  Revolution, die  die letzte  sein wird." 114)
       Der dualistische  Charakter des  bürgerlichen Fortschritts offen-
       barte sich  in der  Tatsache, "daß  jede Klasse,  sobald sie  den
       Kampf mit  der über  ihr stehenden  beginnt, in den Kampf mit der
       unter ihr  stehenden verwickelt  ist." 115) Als dieser Kampf voll
       ausbrach, war  jedoch die Hauptaufgabe der Revolution, die Besei-
       tigung der  feudalabsolutistischen Gesellschafts- und Machtstruk-
       turen, auf exemplarisch-klassische Weise gelöst.
       4. Ihre außergewöhnliche politisch-soziale Dynamik gewann die Re-
       volution aus der Volksbewegung, deren Säulen die städtisch-plebe-
       jischen und die bäuerlichen Volksklassen abgaben. Nicht unbegrün-
       det ist  in diesem  Zusammenhang der  besondere  Stellenwert  der
       Frauen als  Triebkraft und  Krisenbarometer der Revolution betont
       worden. 116)  Die dominierende  antifeudale Komponente hat Albert
       Soboul wiederholt  veranlaßt -  und A.  V. Ado lieferte dafür den
       empirischen Nachweis  117) -,  von einer  "bürgerlich-bäuerlichen
       Revolution" zu  sprechen. Tatsächlich  bieten  die  strukturellen
       Veränderungen im  Agrarsektor, deren  Charakter über Fortexistenz
       oder Verschwinden  des Ancien Regime entscheiden mußte, ein lehr-
       reiches Beispiel dafür, wie schwer es der jeweils machtausübenden
       Fraktion in  Nationalversamlung, Legislative  oder Konvent  fiel,
       die weitgehend  spontan handelnde  Basis unter  politischer  Kon-
       trolle zu  halten, d.h.  zu "hegemonisieren". Sowohl die Agrarge-
       setze vom  August 1789,  die "girondistischen"  Agrardekrete  des
       Herbstes 1792  (14. bis  28. August),  als auch  die jakobinische
       Agrargesetzgebung vom Sommer 1793 (17. Juni) schrieben eigentlich
       in den  Kerngebieten der  Revolution nur  post festum die auf dem
       Lande faktisch  schon durchgesetzten oder in Durchsetzung begrif-
       fenen Umwälzungsprozesse fest.
       In gewisser  Hinsicht vollzog Frankreich eine Revolution, die als
       erste im  Kreis der  erfolgreichen Revolutionen in vollem Umfange
       die Bezeichnung  antifeudale Revolution  verdient. 118) Ein Blick
       zurück: In  den Niederlanden  gab es kein tiefverwurzeltes tradi-
       tionelles Feudalsystem; die weitestgehend freibäuerlich bestimmte
       Ökonomie hatte sich schon lange vor der Unabhängigkeitsrevolution
       dem frühen  Kapitalismus geöffnet;  die feudale Hypothek der Süd-
       provinzen wurde  im Ergebnis  einer staatlich-nationalen Spaltung
       abgeworfen. Als  England in  die Revolution  des 17. Jahrhunderts
       eintrat,   hatte    das   Land   eine   fast   zweihundertjährige
       "Agrarrevolution" hinter  sich, die dem Feudalismus auf dem Lande
       zum erheblichen  Teil (wenn  auch durchaus nicht vollständig) den
       Garaus gemacht  hatte. Ob  dieser Prozeß als klassischer Aufstieg
       des Kapitalismus  (so die  Akzentsetzung bei  Karl Marx) oder als
       klassischer Niedergang des Feudalismus (so die Meinung von Jürgen
       Kuczynski) interpretiert  wird, mag  reine Ansichtssache bleiben.
       Was zählt,  ist die  Tatsache, daß der Schwerpunkt der englischen
       Revolution im politisch-institutionellen Bereich (Beseitigung des
       Absolutismus) lag, während sich der Prozeß der "Verbürgerlichung"
       in wirtschaftlicher  Basis und Sozialstruktur schon vor der Revo-
       lution voll  entfaltet hatte. Bleibt schließlich noch auf die Re-
       volution der USA zu verweisen. Sowohl die weitgehend bürgerlichen
       Ausgangsbedingungen der  Kolonisation als  auch die  Struktur der
       kolonisierten Gebiete ließen eine vom traditionellen europäischen
       Feudalismus freie  Gesellschaft entstehen;  selbst die  Sklaverei
       als eine  "Anomalie" des  Kapitalismus spielte bis zur Revolution
       eine untergeordnete Rolle. 119)
       Frankreichs vorrevolutionäre  Situation war  grundsätzlich anders
       beschaffen. Das  Strukturproblem Nr.  1 bestand  im  "Widerspruch
       zwischen dem generellen Fortschritt des Kapitalismus und der Auf-
       rechterhaltung der  Feudalrechte und  des Bodenzinses".  120) Für
       die französischen  Nationalversammlungen waren  die "Droits  feo-
       daux" und  das "Complexum  feodale" keine  Chimäre,  sondern  die
       Masse der Bevölkerung bedrückende soziale Realität. So ist es nur
       logisch, daß die erwähnten Versuche, die Revolution zum Mythos zu
       erklären, die Notwendigkeit einer Leugnung von feudaler Abhängig-
       keit am  Ausgang des Ancien Regime zur Folge haben. 121) Ein Ver-
       gleich der  vor- und  nachrevolutionären Besitzstruktur  auf  dem
       Lande verdeutlicht,  daß die Bauern (speziell deren Ober-und Mit-
       telschichten) einen  bemerkenswerten, letztlich  aber  keineswegs
       überdimensionierten Zugewinn  auswiesen. Immerhin machte das bäu-
       erliche Eigentum  vor 1789 schon etwa 40% aus. Der so oft für die
       Schwächen des französischen Kapitalismus in die Verantwortung ge-
       setzte "Parzellenbauer"  erweist sich  also nicht als eine Schöp-
       fung erst  der Revolution. Die Hauptstoßrichtung des antifeudalen
       Kampfes zielte  nicht auf  zusätzlichen Bodenerwerb  (obwohl  die
       Konflikte um  die Communaute rurale durchaus davon gekennzeichnet
       waren), sondern  auf die  Entfeudalisierung des schon in bäuerli-
       chem Besitz  befindlichen Bodenanteils.  122) Dank ihrer Agrarge-
       setzgebung gewann  die Revolution  und die  aus ihr hervorgehende
       bürgerliche Gesellschaft eine stabile bäuerliche Massenbasis, aus
       der in der Folge vor allem der Bonapartismus Nutzen zog.
       Ungleich komplizierter als die Beziehung Agrarstruktur - bäuerli-
       che Bewegung - Revolution stellte sich das Verhältnis des Bürger-
       tums zum  städtisch-plebejischen Fundament  der  Revolution  dar.
       Eine   erhebliche    soziale   Besserstellung   der   städtischen
       Unterschichten vermochte  die Revolution nicht zu erbringen. 123)
       Im Gegenteil:  Der Wirtschaftsliberalismus der ersten und zweiten
       Revolutionsphase begünstigte  vorwiegend das  große und  mittlere
       Bürgertum. Schon  das Kleinbürgertum,  das den  sozialen Kern des
       Jakobinismus  ausmachte,   erfuhr  die  frühen  Folgen  des  sich
       etablierenden Systems der freien Konkurrenz. Was im Verhalten des
       Kleinbürgertums gelegentlich als "Antikapitalismus" interpretiert
       wird, erweist  sich bei  genauem Hinsehen  als der historisch zum
       Scheitern verurteilte  Versuch, dem  aufkommenden  Laissez-faire-
       Kapitalismus eine  demokratisch-egalitäre  Variante  bürgerlicher
       Entwicklung entgegenzusetzen, wofür Robespierre seine Thesen über
       die soziale  Bedingtheit von  Eigentum entwarf,  die  prompt  der
       Ablehnung  verfielen.   Nach  der   Aufgliederung  der  nach  dem
       Buchstaben der  Erklärung der  Menschen- und  Bürgerrechte "glei-
       chen" Individuen  in Aktiv- und Passivbürger durch die Verfassung
       von 1791  war es  vor allem  das Gesetz  Le Chapelier  (15.  Juni
       1791), das  die Grenzen  der neuen Ordnung gegen unten absteckte.
       124)
       Es ist  deshalb kein  Zufall, daß  sich der  radikalste  Ausdruck
       städtisch-plebejischen Selbstverständnisses  im Anspruch  auf di-
       rekte, d.h. auf die Pariser Sektionen und Volksgesellschaften ge-
       stützte, Demokratie manifestierte. Diese Dimension der Revolution
       überschritt am  Ende sogar  den Horizont des radikalen Jakobinis-
       mus. In  Gestalt der "Äußersten Linken", 125) deren Kern wiederum
       die Enrages um Jacques Roux abgaben, verfügte die Revolution über
       ein dynamisches  Ferment, das die Grenzen im Klassencharakter des
       gesellschaftlichen Umbruchs bloßlegte. Das "Manifest der Enrages"
       126) brachte  die Eigenständigkeit der Volksbewegung auf program-
       matische Weise  zum Ausdruck und zielte auf die "Idee eines neuen
       Weltzustandes", 127)  jenseits besitzbürgerlicher Wertvorstellun-
       gen.
       Bis zur Konstituierung der proletarischen Komponente in den Revo-
       lutionen von  1830 und  1848 bildete  die Revolution von 1789 das
       Ereignis mit der ausgeprägtesten Volksbewegung. Auch die vorange-
       gangenen Revolutionen  hatten ihre  Äußerste Linke  (Komitees der
       Achtzehn in  den Niederlanden,  Leveller und  vor allem Digger in
       England, radikale Vertreter der Sons of Liberty in den USA), ohne
       jedoch ein  vergleichbares Maß  an prägendem  Einfluß und politi-
       scher Mobilisierung  der Volksklassen zu erreichen. Die Französi-
       sche Revolution  war in  dem Sinne  eine Volksrevolution, daß der
       "Menu peuple"  die Revolution  nicht nur  stützte oder  "ertrug",
       sondern mit eigenen Aktionen und Zielsetzungen den revolutionären
       Prozeß prägte und ihn vorantrieb: Die großen Journées der Revolu-
       tion zeugen davon. Sie legen zugleich dem Historiker den zwingen-
       den Schluß auf, daß bürgerliche Revolution ungleich mehr bedeutet
       als Revolution der Bourgeoisie oder für die Bourgeoisie; ihre hi-
       storische Dimension  mißt sich nicht weniger am Freiraum, den die
       Volksklassen in  sozialer und  politischer Hinsicht durchzusetzen
       vermochten. Eben  dieses Kriterium, abgeleitet aus der Gesamtheit
       der  in   der  Revolution   intervenierenden  Komponenten,   hebt
       Frankreichs Revolution weit über den Pegel der "normalen" bürger-
       lichen Revolutionen hinaus.
       5. Anders als die vorangegangenen Revolutionen, die peripher oder
       insular eingegrenzt  blieben und die bedeutendsten (systemtragen-
       den) Feudalstaaten  fast unberührt  ließen -  auch wenn  Kardinal
       Mazarin seit  der Hinrichtung  Karls I.  von England alle europä-
       ischen Monarchen  an Leib  und Seele  gefährdet sah 128) -, wuchs
       sich die  Französische Revolution  zur Existenzfrage  für  Adels-
       herrschaft,  Feudalität  und  Absolutismus  aus:  Das  Jahr  1789
       öffnete endgültig den Weg in das bürgerliche Zeitalter. Auf viel-
       fältige Weise  wirkte die  Revolution über  die Grenzen ihres Ur-
       sprunges hinaus - durch die ansteckende Wirkung der Ideen "dieses
       größten und  interessantesten aller  Dramen, die  jemals auf  dem
       Weltschauplatz gespielt  wurden", 129)  das unmittelbare Hinüber-
       springen des revolutionären Funkens (wie im Falle der Mainzer Re-
       publik oder  der italienischen Jakobiner), die mittelbare Wirkung
       auf bäuerliche und bürgerliche Insubordination, schließlich durch
       den großen  Krieg seit  1792 bis zum Sturz des napoleonischen Em-
       pire. Mochte  auch der  Charakter der  französischen Revolutions-
       kriege spätestens seit dem Directoire zunehmend in Expansionismus
       und Vormachtstreben umschlagen, so blieb ihre direkte oder unter-
       schwellige antifeudale  Sprengkraft weitgehend erhalten. Aufrich-
       tung der französischen Macht erwies sich stets an ein Minimum von
       bürgerlichen Reformen gebunden, eine Erfahrung, die unaustilgbare
       Spuren hinterließ. Selbst der politische und militärische Triumph
       der  Siegermächte   über  das   postrevolutionäre   napoleonische
       Frankreich konnte  den entscheidenden  Fakt  nicht  aus  der  Ge-
       schichte verbannen: Um Frankreich besiegen zu können, mußten sich
       die feudal-monarchischen Gegenstaaten dem Prozeß der Reformen und
       der partiellen  strukturellen Umgestaltung öffnen, einer Entwick-
       lung, die Preußen paradigmatisch ab 1806 vollzog.
       6. Ab der Epochenwende von 1789 datiert die "bürgerliche Moderne"
       in der  Vielfalt ihrer  Ausdrucksformen, die in ihrer Summe einen
       Staat neuen  Typs, den  bürgerlichen Nationalstaat, prägten: 130)
       Vom politischen  System über  das Rechtswesen in Gestalt des Code
       Napoleón, der seinen Schöpfer bis in die Gegenwart überlebte, bis
       hin zum  neuen politisch-gesellschaftlichen Vokabular, dem moder-
       nen Revolutionsbegriff  und den  neuen ethischen und ästhetischen
       Normen in  Malerei, Architektur,  bildender Kunst, Musik, Litera-
       tur, Philosophie.  Nicht zuletzt  die politischen Parteiungen und
       Parteibegriffe weisen  in ihrem Ursprung auf die Französische Re-
       volution zurück.  Wie schon in den einleitenden Bemerkungen skiz-
       ziert, standen die Ideenkämpfe des gesamten 19. Jahrhunderts vor-
       rangig im  Zeichen des  Ringens um das Erbe von 1789. Eine solche
       politisch-psychologische Tiefenwirkung  hinterließ keine der vor-
       angegangenen Revolutionen und danach - schon mit Abstrichen - die
       europäische Revolution  von 1848.  Sowohl die liberal-bürgerliche
       als auch  die in  den dreißiger Jahren intensiv einsetzende demo-
       kratisch-proletarische Rezeption  legen Zeugnis  ab vom zentralen
       geistigen Stellenwert der Ideen von 89 und 93. 131) Rückbesinnung
       auf die  große Revolution  hieß stets Befragung im Lichte der je-
       weiligen zeitgenössischen Situation und ihrer unmittelbaren prak-
       tisch-politischen Bedürfnisse.
       7. Zu einem  Zeitpunkt, da die Revolution von innen wie von außen
       unwiderruflich besiegt  schien und  der Legitimitätsanspruch  der
       Heiligen Allianz  die Idee  des Status  quo ante beschwor, lebten
       die Prinzipien  von 1789 in einer Welle von Nachfolgerevolutionen
       weiter, 132)  die von  Spanien und Portugal im Westen bis Rußland
       und Polen  im Osten, von Schweden im Norden bis Italien und Grie-
       chenland im Süden reichte und ihre Wurzeln in Mittel- und Südame-
       rika von  Mexiko bis  Chile  und  zur  Banda  Oriental  (Uruguay)
       schlug. So  erfüllte sich  Schritt für  Schritt die  Vision Robe-
       spierres: "Möge  Frankreich, das ehemals bei den versklavten Län-
       dern hochberühmte, das alle bestehenden Völker an Ruhm überstrah-
       lende, möge  Frankreich das  Vorbild  der  Nationen  werden,  der
       Schrecken der Bedrücker, der Trost der Bedrückten, die Zierde des
       Weltalls." 133)  Auch die nachfolgenden revolutionären Wellen von
       1830 über  1848 bis  in die sechziger Jahre und die neue histori-
       sche Wende  von 1871 trugen in vielem den Stempel des großen Vor-
       bildes. Zu  denen, die  die nachhaltige Wirkung von 1789 und 1793
       nie verleugnet haben, gehörten Karl Marx und Friedrich Engels.
       Für den  Zeitgenossen der Revolution teilte sich der Lauf der Ge-
       schichte eindeutig in die Epoche vor und nach 1789. Das neue Epo-
       chegefühl stellte  sich weit  eher ein,  da es Goethe seinem Ver-
       trauten Eckermann  aufs Blatt  diktierte. 134)  "Man fängt  an zu
       lernen", meinte  Johann Gottlieb  Fichte 1793 in seinen Beiträgen
       zur Berichtigung  der Urteile  über die  Französische Revolution.
       135) Dieser  historische Lernprozeß,  den Anhänger wie Gegner der
       Revolution durchliefen,  überdauerte den  Abstieg des Citoyen zum
       profitbewußten Bourgeois,  die Kapitulation  der Idee vor dem In-
       teresse, und  er setzte die Kraft frei, an den Idealen der großen
       Revolution auch  dann  noch  festzuhalten,  als  die  bürgerliche
       Klasse längst auf die andere Seite der Barrikade gewechselt war.
       
       5. Doppelrevolution und neue Alternativen bürgerlicher Umwälzung
       ----------------------------------------------------------------
       
       Zu den entscheidenden Folgewirkungen der Französischen Revolution
       gehörte der  Durchbruch neuer Alternativen der gesellschaftlichen
       Transformation, 136) als deren wesentlicher Inhalt das qualitativ
       und quantitativ  veränderte Verhältnis von Revolution und Reform,
       d.h. die  neue Konstellation  der  W e g e p r o b l e m a t i k,
       angesehen werden kann.
       Seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts begannen sich grundsätzlich
       veränderte Voraussetzungen  für den weiteren Prozeß der bürgerli-
       chen Umwälzung  herauszukristallisieren. Sie resultierten aus der
       dialektischen  Einheit   von  politisch-sozialer  Revolution  (in
       Frankreich) und  ökonomisch-technologischer Revolution  (in  Eng-
       land) und  ihrer unaufhaltbaren  Wirkungen als   D o p p e l r e-
       v o l u t i o n.  Diese neue welthistorische Konstellation in den
       Voraussetzungen und  Bedingungen für  die  bürgerliche  Umwälzung
       veränderte Charakter  und Erscheinungsformen  der Revolution, er-
       öffnete zugleich  aber die  Möglichkeit reformerischer  Transfor-
       mation.
       1. Hinsichtlich des neuen  r e v o l u t i o n ä r e n  W e g e s
       handelte es  sich um  das rasche Wachsen in die Breite und in die
       Tiefe. Mit  der Französischen  Revolution  trat  der  bürgerliche
       Fortschritt aus  seiner bisherigen  peripheren und insularen Iso-
       lierung heraus.  Die Durchsetzung  der bürgerlichen Ordnung wurde
       zum epocheprägenden  Phänomen, sie bestimmte die Grundtendenz der
       historischgesellschaftlichen Entwicklung.  Bürgerliche  Umwälzung
       setzte sich  nicht linear durch, sondern über eine Fülle struktu-
       reller, stadialer, regionaler und nationaler Verwerfungen und Ge-
       fälleerscheinungen. Ein  derartiges  Gefalle  bestand  in  unter-
       schiedlicher Graduierung  nicht nur  von West nach Ost (wie R. R.
       Palmers Theorie der atlantischen Revolution voraussetzt), sondern
       generell vom  "Zentrum" (Niederlande,  England,  Frankreich)  aus
       auch gegen  den Norden  (Skandinavien), den  Süden  und  Südosten
       (Italien, Balkan)  und den  äußersten Westen (Spanien, Portugal).
       Einen besonderen  Platz in dem sich herausbildenden Beziehungsge-
       füge nahm die außereuropäisch-koloniale "Peripherie" ein, die in-
       folge ihrer Objektfunktion im System der internationalen Arbeits-
       teilung bürgerlich-kapitalistische  Entwicklungsansätze nur rudi-
       mentär oder  deformiert ausbildete.  Am deutlichsten  ist für die
       ersten Dezennien  des 19. Jahrhunderts die duale Wirkung der Dop-
       pelrevolution außerhalb  Europas am Beispiel Lateinamerikas nach-
       weisbar. Während Frankreichs politischsoziale Revolution in tief-
       greifender Weise  das Denken  und Handeln  der ,  'Generation von
       1810" beeinflußte  und diese  Revolution zu einem der auslösenden
       Faktoren der  Independencia wurde, erwies sich Englands industri-
       elle Revolution  und dessen  daraus resultierende  neue Stufe der
       kommerziellen und finanziellen Expansion als das wichtigste Vehi-
       kel für die nun einsetzende indirekte Rekolonisation Lateinameri-
       kas.
       Frankreichs Revolution  wirkte in  ihrer Dreidimensionalität: als
       n a t i o n a l e    ("französische"),    k o n t i n e n t a l e
       ("europäische") und   g l o b a l e   ("universale")  Revolution.
       Das Wachstum der bürgerlichen Revolution in die Breite - erst das
       19. Jahrhundert wurde das eigentliche , Jahrhundert der bürgerli-
       chen Revolution"  137) - verband sich mit einer zunehmenden typo-
       logischen Auffächerung.  138) Neben dem "Typ Frankreich 1789" als
       Prototyp der  bürgerlichen Revolution ("Revolution im Feudalismus
       gegen den Feudalismus") traten andere stadiale Formen der Revolu-
       tion: die  Revolution vom  "Typ Frankreich  1830 bzw.  1848"  als
       "Revolution im  Kapitalismus für  den Kapitalismus" mit dem Ziel,
       eine schon etablierte bürgerliche Ordnung in ihrer Konsolidierung
       voranzubringen, oder  die Revolution  vom "Typ  Deutschland 1848"
       ("auf dem Wege zum Kapitalismus"), die darüber entschied, ob eine
       auf reformerischem  Wege eingeleitete  bürgerliche Umwälzung  (in
       Preußen seit  1806) auf reformerisch-konservative oder revolutio-
       när-demokratische Weise  zu Ende  geführt und endgültig verankert
       wird.
       Unter besonderer  Berücksichtigung der  Agrarfrage lassen sich in
       der neuzeitlichen  Revolutionsgeschichte drei Varianten des revo-
       lutionären Weges  herausarbeiten: der   e n g l i s c h e,    der
       a m e r i k a n i s c h e  und der  f r a n z ö s i s c h e  Weg.
       Es handelt  sich dabei  nicht um  nationale, sondern  historisch-
       strukturelle Grundtypen;  "national" sind  die Wege nur insofern,
       daß sie  sich  in  den  genannten  Ländern  auf  besonders  klare
       ("reine") Weise  durchsetzten. Was den französischen Weg deutlich
       von den  anderen Wegetypen abhob, war nicht schlechthin seine re-
       volutionäre, sondern die  d e m o k r a t i s c h - revolutionäre
       Qualität. 139)  Die Frage, ob Frankreichs Übergang von der feuda-
       len zur  bürgerlichen Ordnung  auf revolutionärem oder reformeri-
       schem Wege  vollzogen wird,  war weder mit der Konstituierung der
       Nationalversammlung, noch  mit dem  Sturm auf die Bastille ausge-
       fochten. Noch  die Beschlüsse  der Nationalversammlung vom 4. bis
       11. August  1789 - eindeutig von einem gemäßigt-liberalen Physio-
       kratismus bestimmt - ließen den von den Tiers nicht nur gebillig-
       ten, sondern  bejubelten Willen  des  Reformadels  erkennen,  die
       Agrarfrage durch  Ablösung, d.h.  auf reformerischem Wege, zu lö-
       sen.
       Erst die  Intervention der  Plebejer von  Paris, die  sich in der
       Grande Peur entladende Energie der Bauernbewegung und die von der
       Munizipalrevolution  vorangetriebene   Etablierung   bürgerlicher
       Macht "von unten" her brachten die Revolution über den kritischen
       Punkt der  ersten Phase hinweg. Die zyklische Entwicklung vom ad-
       lig-bürgerlichen Liberalismus  über den  Republikanismus der  Gi-
       ronde bis  zur kleinbürgerlich verankerten Demokratie kulminierte
       unter den Jakobinern. Im Ergebnis dieses Prozesses wurden die An-
       sätze und Tendenzen einer reformerischen Lösung endgültig zu Gun-
       sten der  Durchsetzung des  revolutionären Weges  überwunden, und
       zwar in einem solchen Maße, daß selbst die nachfolgende Restaura-
       tion die neuen Strukturen nicht mehr aus den Angeln zu heben ver-
       mochte. Von Albert Soboul 140) ist wiederholt die Rolle der klei-
       nen Warenproduzenten  für die Durchsetzung des revolutionären We-
       ges betont  und nachgewiesen  worden; er hat damit die suggestive
       These von  Jürgen Kuczynski 141), ob wirklich anzunehmen sei, die
       Volksmassen hätten  den Feudalismus beseitigt, um mit dem Kapita-
       lismus ihren  künftigen Ausbeuter  in den Sattel zu heben, beant-
       wortet, lange  bevor sie formuliert wurde. Die Realgeschichte der
       Revolution -  damit die Problematik der Formationsablösung in ih-
       rer Gänze  - erweist sich als komplizierter. Das für alle bürger-
       lichen Revolutionen nachweisbare Spannungsverhältnis von Ökonomie
       und Politik trifft für Frankreich auf besondere Weise zu. Die auf
       dem Höhepunkt  der Revolution  eingeführten  Elemente  des  Wirt-
       schaftsdirigismus bildeten keinen organischen Bestandteil der ja-
       kobinischen Gesellschaftsvision,  die auf der Utopie einer egali-
       tären Gemeinschaft  frei wirtschaftender kleiner Warenproduzenten
       ("eine Nation von Eigentümern") fußte 142), sondern stellten eine
       Folge  der   extremen  inneren   wie  äußeren   Ausnahmesituation
       Frankreichs dar  und mußten  überdies die  existenziellen Bedürf-
       nisse der  Sansculotterie befriedigen.  Auf  Dauer  zeigten  sich
       selbst die  radikalsten Jakobiner  nicht geneigt,  das "Streitroß
       der Bourgeoisie"  (J.-R. Suratteau),  die Wirtschaftsfreiheit, zu
       schlachten. Allerdings  trafen in  der Revolution,  wie A.V.  Ado
       formulierte 143), zwei Konzeptionen von Kapitalismus aufeinander:
       der auf  dem Primat  von Kleineigentum und einfacher Warenproduk-
       tion faßende  Capitalisme paysan mit mehr oder weniger ausgepräg-
       ten egalitären  Grundzügen, und  der liberale, offen profitorien-
       tierte und  auf Eigentumskonzentration zielende Capitalisme bour-
       geois. Das  Problem lag also nicht - wie z.B. Volker Hunecke oder
       Nicos Poulantzas  vermuteten -  im "Antikapitalismus" der kleinen
       Warenproduzenten, deren Niederlage aus dieser Sicht die Bedingung
       für den  Sieg der  Revolution gewesen wäre, sondern in der Unver-
       meidbarkeit zwischen  zwei unterschiedlichen Optionen für den Ka-
       pitalismus, einer demokratischen und einer liberalen Variante.
       Der lebhaft diskutierte "Sieg der Bauern über die physiokratische
       Revolution" 144),  den französischen  Modus des englischen Weges,
       gehört damit  in die  Vorgeschichte dieser  Konfliktsituation. Im
       zeitweiligen Triumph  der von  den Jakobinern (genauer: den Robe-
       spierristen) verkörperten  demokratischen Variante, die sich zwar
       politisch, aber nicht ökonomisch durchsetzte, lag die wesentlich-
       ste Bedingung  für die  Beseitigung der Feudalität in allen ihren
       Erscheinungsformen. Wenn  also bürgerliche Revolution und revolu-
       tionärer Weg  nicht auf  bloße ökonomische  Parameter reduzierbar
       sind -  diese Tendenz  spielt bei der anhaltenden Auseinanderset-
       zung um die "Rückständigkeit" des französischen Kapitalismus eine
       beträchtliche  Rolle   145)  -,   ihren  Sinn   dagegen  in   der
       T o t a l i t ä t  aller die Transformation bestimmenden Elemente
       besitzen, dann  ist der französische Weg vor allem gekennzeichnet
       durch die  optimale  Freisetzung  der  politischen  und  sozialen
       Transformationspotenzen. Demgegenüber  zeigt  der  Vergleich  mit
       England, in welchem Maße das beeindruckende ökonomische "Take off
       Frankreichs ab  1789 durch Expansion, Dauerkrieg und Blockade de-
       naturiert und  fehlgelenkt wurde.  Gewiß trug die Tatsache dieses
       Optimums an  politischer und  sozialer Demokratie wesentlich dazu
       bei, daß  der sich rasch verfestigende Antagonismus Bourgeoisie -
       Volk, erstmals  in den  Aufständen des  Germinal und Prairial von
       1795 ausgefochten,  am Zusammenbruch  der heroischen Illusion und
       der Ablösung  des revolutionären  Citoyen durch  den  bourgeoisen
       Plusmacher besonders  dramatische Züge annahm. Anspruch, Möglich-
       keit und  Wirklichkeit kollidierten  in der  großen Revolution in
       einer Weise, die ihre Spuren in allen Sphären des gesellschaftli-
       chen Lebens über das ganze 19. Jahrhundert hinterließ, Revolutio-
       näre wie Konterrevolutionäre traumatisierte und bis in die Gegen-
       wart die  Debatte um 1789 und die Alternativen gesellschaftlicher
       Entwicklung prägt 146).
       2. Worin  bestand  die  neue  Qualität  des    r e f o r m e r i-
       s c h e n   W e g e s?   Reformen und  Reformpolitik gab es schon
       vor der Französischen Revolution. Schließlich war der aufgeklärte
       Absolutismus in seinem Wesen Reformabsolutismus 147), der sich je
       nach politischer  Schwerpunktsetzung als Reformabsolutismus herr-
       schaftlichen Typs  ("Prince éclairé")  oder  ministeriellen  Typs
       ("Ministre éclairé")  einordnen  läßt.  Eine  solche  Entwicklung
       erwies sich  als möglich in bestimmten Ländern unter Bedingungen,
       daß das Bürgertum infolge objektiver und subjektiver Schwäche den
       Aufstieg nicht  gegen, sondern  innerhalb des bestehenden Systems
       zu  vollziehen   suchte.  Die   Reformpolitik  des   aufgeklärten
       Absolutismus scheiterte  in den  meisten Ländern  in der  zweiten
       Hälfte der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts; den Schlußstrich
       unter den  Reformwillen absoluter Herrscher setzten das Jahr 1789
       und seine  Folgen. Bis  zur Französischen  Revolution erwies sich
       der   "reformerische    Ausstieg"   aus   dem   Feudalismus   als
       unrealisierbar,  unternehmerischen  Ansätzen  und  Absichten  der
       Adelsklasse zum Trotz, was keineswegs die These stützt, das dyna-
       mische Potential  habe primär  beim aufgeklärt-liberalen Adel und
       weniger beim Bürgertum gelegen.
       In funktionaler  Hinsicht gilt es bei der Verwendung des Begriffs
       Reform als  konstitutivem Element  gesellschaftlicher Entwicklung
       zwischen zwei  Kategorien zu entscheiden: Reformen systemstabili-
       sierender,  systemmodifizierender   und  systemsprengender  (oder
       -überwindender) Natur.  So wie  zwischen  Revolution  und  Reform
       keine chinesische  Mauer bestand,  da keine  Region und kein Land
       nur auf revolutionärem Wege oder nur reformerischem Wege die bür-
       gerliche Umwälzung  vollzog, lassen  sich auch die drei genannten
       Kategorien von  Reform nicht schematisch gegeneinander abgrenzen.
       Das gilt  vor allem für die Reformen systemmodifizierender Natur,
       die sowohl einer Systemstabilisierung dienen konnten als auch un-
       ter bestimmten  historischen Voraussetzungen die Öffnung in Rich-
       tung Systemanpassung oder Systemüberwindung vorbereiteten. Die im
       Rahmen der Leipziger Forschungen laufenden quantitativen Analysen
       zur Bevölkerungsregulierung  am Ende des 18. und in der 1. Hälfte
       des 19. Jahrhunderts 148) erlauben den Schluß, daß dieselben Per-
       sönlichkeiten und  ihre mathematisch-statistischen  Methoden, die
       vor der Französischen Revolution im Dienste einer proabsolutisti-
       schen Systemstabilisierung  durch Modifikation  angewandt wurden,
       nach der Revolution eine politisch-strategische Rolle bei der An-
       passung ihrer Machtbereiche an die neue Situation gespielt haben.
       Von weiterführenden gesicherten Erkenntnissen steht Auskunft über
       das Phänomen  der  P r ä f i g u r a t i o n  bürgerlicher Umwäl-
       zung zu  erwarten, d.h.  des Einflusses,  den der Charakter eines
       bestimmten feudalabsolutistischen Systems ("Muttermale des Feuda-
       lismus" könnte  man in  Abwandlung von  Karl Marx  sagen) auf die
       Spezifik der folgenden revolutionären oder/und reformerischen Um-
       wälzung nimmt.  Selbst  die  radikalste  Revolution  -  auch  die
       "französischen Typs"  - setzt  keine Stunde  Null für die weitere
       gesellschaftliche Entwicklung,  sondern steht  vielmehr in  einem
       ebenso komplizierten  wie  vielschichtigen  Bedingungsgefüge  von
       Bruch und  Kontinuität, woraus  sich wiederum  die Absurdität der
       Fragestellung "Revolution - Zufall oder Notwendigkeit" ergibt.
       Angesichts der  neuen  politisch-sozialen,  institutionellen  und
       ideologischen Kräftekonstellation,  verbunden mit  der Entfaltung
       einer neuen  ökonomischen Dynamik, sahen sich die altherrschenden
       Klassen in  den von Auswirkungen der Doppelrevolution unmittelbar
       oder mittelbar  betroffenen Staaten zu Anpassung und Neuorientie-
       rung gezwungen. Auf Dauer erwies sich als unmöglich, der histori-
       schen Herausforderung  nur durch  militärische Abwehr, politische
       Reaktion oder  ideologische Abwehrhaltung zu begegnen. Selbst der
       Erfolg der  "Reaktion" hing  von der Fähigkeit zur "Regeneration"
       149) ab.  Das Wesen  der notwendig  werdenden  Anpassung  bestand
       darin, unter neuen Epochebedingungen sich auf die Gesetze der ka-
       pitalistischen  Ökonomik  einzustellen,  dem  bürgerlichen  Fort-
       schritt die  revolutionäre Spitze zu nehmen und das eigene Macht-
       monopol zu  bewahren oder  mit dem  Bürgertum in  einer Weise  zu
       "feilen", ohne den Primat der Grundbesitzerklasse preiszugeben.
       Erst unter  den Auspizien  der Doppelrevolution  seit dem Ausgang
       des 18.  Jahrhunderts wurde der reformerische Weg zu einer realen
       Perspektive gesellschaftlicher  Entwicklung im  Prozeß des  Über-
       gangs vom Feudalismus zum Kapitalismus. Inwieweit die skandinavi-
       sche Peripherie  auszuklammern bleibt (der "skandinavische Weg"),
       soll hier  nicht erörtert  werden 150).  Es handelt sich folglich
       beim reformerischen  Weg nicht um eine deformierte oder irgendwie
       abartige Form  gesellschaftlicher Transformation, sondern eben um
       eine der   z w e i  G r u n d v a r i a n t e n  kapitalistischer
       Entwicklung, nachdem die Frage Wer - wen? durch die Doppelrevolu-
       tion in epocheprägender Weise entschieden, der Point of no return
       eindeutig überschritten  war. Damit  veränderten sich  Charakter,
       historischer Stellenwert, Zielstellung, Ergebnisse, aber auch die
       gesellschaftlichen Träger  der Reformen  in entscheidender  Weise
       gegenüber den Versuchen reformerischer Politik in der spätabsolu-
       tistischen Phase. In diesem Sinne besteht keine organische Konti-
       nuität zwischen  vor- und  nachrevolutionärer Reformpolitik,  was
       nicht ausschließt,  daß -  wie skizziert  - Vorgedachtes nach der
       großen Revolution  realisiert werden  konnte. Worauf  es ankommt,
       ist das Faktum der qualitativ neuen historischen Realisierungsbe-
       dingungen. Eine  unauflösbare Verbindung von Revolution - der er-
       folgreichen, wie  der steckengebliebenen  (wiederum nach  Antonio
       Gramsci: "Rivoluzione  mancata") und  der gescheiterten - und Re-
       form bestand folglich im allgemeinen wie im besonderen Sinne: Ge-
       nerell durch  die Notwendigkeit  der revolutionären  Epochenzäsur
       als unabdingbare  Voraussetzung (Herausbrechen des entscheidenden
       - keineswegs  schwächsten -  Kettengliedes der feudalabsolutisti-
       schen Staatenwelt) und durch die Dialektik von Revolution und Re-
       form im  jeweiligen Lande.  Nach 1789 bildete die Revolution zwar
       immer noch  das bestimmende Bewegungselement der bürgerlichen Um-
       wälzung 151),  aber diese reduzierte sich eben nicht mehr nur auf
       Revolution. Sowohl  als realhistorischer  Vorgang  wie  auch  als
       theoretisch-methodologische  Kategorie  geschichtswissenschaftli-
       cher Erkenntnis  handelt es  sich bei  dem revolutionären und dem
       reformerischen Weg nicht nur um Kontrast-, sondern ebenso um Kom-
       plementärphänomene.
       Eine notwendige  Bemerkung zur Rolle des subjektiven Faktors: Der
       hohe Rang  der subjektiven Elemente in Epochen gesellschaftlichen
       Umbruchs ist  schwerlich überschätzbar. Diese Sicht gilt auch für
       Zeiten reformerischer  Umgestaltungen, in  denen die  subjektiven
       Faktoren insofern  eine ausgeprägte  Rolle spielten,  da es  sich
       seitens der  herrschenden Klasse  (d.h. ihrer weitsichtigen Expo-
       nenten und  Fraktionen) um  einen gezielt  herbeigeführten Prozeß
       der Anpassung  und Systemveränderung  unter der Voraussetzung des
       Erhalts der  wesentlichen historisch überkommenen Machtpositionen
       in Ökonomie und Politik unter den neuen Epochebindungen handelte.
       Objektiver Strukturwandel  und Veränderungen subjektiver Wertvor-
       stellungen traten in enge Wechselwirkung. Aus der vorangegangenen
       großen Revolution  resultierte ein tiefgreifender Demonstrations-
       effekt und  in dessen Folge ein mehr oder minder intensiver Lern-
       prozeß. Nicht nur die Mentalität der Parteigänger der Revolution,
       auch die  ihrer Gegner modifizierte sich. Es ist an der Zeit, den
       intensiven Forschungen  zur Mentalité  révolutionnaire solche zur
       Mentalität der  Konterrevolution und der Reformer an die Seite zu
       stellen  152).  Inwieweit  Systemanpassung  unter  Hegemonie  der
       Grundaristokratie tatsächlich  Aussicht auf  Erfolg  hatte,  hing
       nicht nur  vom Grad, dem Tempo und dem Charakter der Verbürgerli-
       chung der Adelsklasse ab, sondern auch vom Kompromißverhalten und
       der (seit  1830  zunehmenden)  Revolutionsabstinenz  einer  Bour-
       geoisie, die  - wie im Falle Deutschlands - bereit und fähig war,
       sich ihre  "politischen Niederlagen"  in "industrielle Siege" um-
       münzen zu  lassen 153).  Auch hier  spielte die  Epochenzäsur von
       1789, die  eine vom  Jakobinismus traumatisierte Bourgeoisie hin-
       terließ, die bestimmende Rolle. Zur Klassizität der Französischen
       Revolution gehörte  nicht nur  die Tatsache ihrer Unwiederholbar-
       keit. Klassisches  ist nicht  beliebig multiplizierbar. Nach 1789
       bestand auch  keine Notwendigkeit mehr, französischen "Maximalis-
       mus" an  den Tag  zu legen,  um bürgerliche  Umwälzung zu  reali-
       sieren. Allerdings  sank mit  dem Preis  des Fortschritts  dessen
       demokratische Dimension.
       In die  Reihe der ersten Versuche, eine Politik gegen die Revolu-
       tion nicht  nur spontan-emotional,  gleichsam aus  dem Moment des
       Schreckens heraus,  sondern rational-theoretisch,  modern  formu-
       liert: strategisch  angelegt, zu  begründen, gehört Friedrich von
       Gentz 154), nachdem er unter dem Einfluß von Edmund Burke anfäng-
       lichem Revolutionsenthusiasmus  abgeschworen hatte  und später an
       der Seite  des österreichischen  Staatskanzlers Metternich - ohne
       je den  Blick für  Realitäten in  wie außer Europa zu verlieren -
       zur Grauen Eminenz der Heiligen Allianz avancierte. Den unter dem
       Eindruck von 1775 und speziell 1789 ins Kraut schießenden Revolu-
       tionstheorien setzte  Gentz eine  R e f o r m t h e o r i e  ent-
       gegen. Gentz  war, wie  seine theoretischen  Einsichten  und  die
       praktischen Ratschläge zeigten, kein "normaler", im Ewiggestrigen
       verharrender  Konterrevolutionär   Koblenzer  oder   Turiner  Zu-
       schnitts.  Er  begriff  die  Unwiderruflichkeit  des  Epochenein-
       schnitts von  1789, denn  für ihn  stellte sich die Revolution in
       Frankreich -  wie der  Aufstand der  Dreizehn Kolonien - als eine
       "Totalrevolution" dar,  erwachsen aus  dem Willen, "eine durchaus
       neue Ordnung  der Dinge  zu schaffen  und zwischen  diese und die
       alte Ordnung  eine entscheidende Kluft zu setzen". Bewußt stellte
       Gentz England  als Modell  Frankreich gegenüber - die Kontroverse
       hat also  schon Tradition und ist keine Erfindung professioneller
       Historiker. Bereits  1797 plädierte  er für  Steuerermäßigung und
       Pressefreiheit. Dieses  und  anderes  mündete  in  die  Forderung
       "zeitiger und  überlegter Staatsreformen",  d.h. der  Gedanke des
       reformerischen Weges  war geboren  vor der Möglichkeit seiner Re-
       alisierung, die  erst aus  der Staatskrise  Preußens 1806/07  er-
       wuchs. Konterrevolution bedeutete folglich nicht mehr allein Wie-
       derherstellung des Status quo ante, sie vertrug sich in zunehmen-
       dem Maße  mit dem  Bekenntnis zu  Reformen - auch gegen Intransi-
       genz aus den eigenen Reihen. Noch handelte es sich bei diesen Re-
       formvorstellungen nicht  um eine bewußte Öffnung in Richtung bür-
       gerliche Umwälzung, sondern aus subjektiver Sicht zunächst um den
       Versuch, die  Auswirkungen der  Epochenwende durch  partielle und
       dosierte Flucht  nach vorn  einzugrenzen. War  jedoch der Weg von
       der gedanklichen  zur realen  Reform einmal beschritten, wie eben
       in Preußen  ab 1807   155),  ließ sich die Entwicklung auf halbem
       Wege -  "zwischen Ancien Régime und bürgerlicher Moderne" - nicht
       mehr aufhalten,  es sei  denn um den Preis der Stagnation, wie im
       Falle Spaniens. Um den reformerischen Weg in erforderlicher Weise
       zu dynamisieren,  bedurfte es  allerdings weiterer revolutionärer
       Einschnitte ("Wellen", wie weiter oben erwähnt): 1820, 1830, 1848
       und die sechziger Jahre bis 1870/71.
       Im Unterschied zur (relativ) ausgereiften Differenzierung des re-
       volutionären Weges in seinen wichtigsten historisch-strukturellen
       und stadial-regionalen  Varianten, stehen die Bemühungen um typo-
       logische Differenzierung des reformerischen Weges noch am Anfang.
       So verstehen sich die hier formulierten Gedanken als Diskussions-
       beitrag für ein weitestgehend noch offenes Problemfeld.
       Einige der  wesentlichen Ansatzpunkte für eine typologisch diffe-
       renzierte Analyse des reformerischen Weges sind die folgenden:
       1. Die - wie dargestellt - qualitativen Veränderungen des Epoche-
       charakters und  der inneren  wie äußeren  Grundkonstellation  des
       Klassenkräfteverhältnisses unter  dem Einfluß der epocheprägenden
       Leitrevolution und  der  Verbindung  von  politisch-sozialer  und
       industrieller  Revolution   (Doppelrevolution).  In  Abhängigkeit
       davon wächst die Vielfalt der Formen bürgerlicher Umgestaltung.
       2. Existenz und  Wirkungsweise der objektiven und subjektiven An-
       passungsfaktoren, die  auf das  Verhalten und die Entwicklung der
       Feudalklasse einwirken, d.h. der Grad ihrer tendenziellen Verbür-
       gerlichung und  der damit  verbundenen Hegemoniefähigkeit  im Re-
       formprozeß.
       3. Der Platz  und die Funktion der betreffenden Region im entste-
       henden oder bereits voll ausgebildeten System der internationalen
       Arbeitsteilung (Weltmarkt).  Dieser Faktor  gewinnt besondere Be-
       deutung für  die Spezifik  der bürgerlich-kapitalistischen Umwäl-
       zung in den außereuropäischen Gebieten.
       4  Genesis  und Struktur der Bourgeoisie und die daraus resultie-
       renden Konsequenzen  für deren totale oder partielle Hegemonieun-
       fähigkeit im bürgerlichen Umwälzungsprozeß und die Formen der da-
       mit verbundenen  Hegemoniesubstitution (auch durch protokapitali-
       stische Elemente).
       5. Die Existenz  von  bäuerlichen,  plebejischen,  proletarischen
       oder auch kleinbürgerlich-demokratischen Bewegungen, die als Trä-
       ger von  "allgemeindemokratischen Vorstößen" (W.I. Lenin) den re-
       formerischen Systemwandel von unten beschleunigen oder beeinflus-
       sen.
       6. Schließlich stellt  sich das  Problem der  Gesamtstruktur  und
       Spezifik der  feudalen Wirtschafts- und Gesellschaftsverhältnisse
       und des  damit verbundenen Grades einer Präfiguration für den re-
       formerischen Weg,  etwa in  dem Sinne,  wie G. Moll die Frage für
       Preußen und den preußischen Weg stellt 156).
       Für Deutschland  ist das  Problemfeld Reform - reformerischer Weg
       auf dem Hintergrund der auslösenden Rolle der Französischen Revo-
       lution und  ihrer Folgewirkungen durch intensive Forschungen auf-
       gearbeitet worden  (H. Bleiber,  H. Bock,  E. Engelberg,  H. Har-
       nisch, G.  Heitz, G.  Moll, W.  Küttler, H.  Scheel,  W.  und  S.
       Schmidt u.a.)  157). Abgesehen  von der Debatte um das Verhältnis
       von Reform  und Revolution von oben, d.h., ob der Begriff Revolu-
       tion von  oben bereits  für die  Zeit der preußischen Reformen ab
       1806/07 oder erst für die Periode nach der Revolution von 1848/49
       zutrifft 158),  besteht zum  genannten Problemkreis  ein  breiter
       Konsens zwischen  den Historikern. Was den reformerischen Weg der
       Agrarentwicklung (Preußischer Weg) angeht, so gibt es Divergenzen
       um die Frage nach dem Ende der agrarischen Umwälzung. Der Begriff
       preußischer Weg  hat sich durchgesetzt und allgemeine Anerkennung
       gefunden.
       Insbesondere hat Ernst Engelberg den Zusammenhang von preußischem
       Weg und  der Revolution  von oben in Preußen - Deutschland betont
       und auf  dessen klassische Elemente verwiesen: "Die Große Revolu-
       tion war die klassische Revolution von unten, die preußisch-deut-
       sche Umwälzung  der Jahre 1866"1871 die klassische Revolution von
       oben" 159).
       Ohne auf  die von H. Harnisch und G. Moll ausführlich dargestell-
       ten (und z.T. kontrovers interpretierten) Merkmale gesondert ein-
       zugehen, erscheint für den Gesamtkomplex Wegeproblematik das fol-
       gende besonders  relevant: Unabhängig von gewissen Nuancen in der
       Definition des preußischen Weges (z.B. über den Platz der feudal-
       herrlichen Eigenwirtschaft oder der Gutswirtschaft) steht vom Er-
       gebnis her  fest, daß neben dem amerikanischen und dem englischen
       Weg der  preußische Weg  zur Grundlage einer überdurchschnittlich
       dynamischen  Kapitalismusentwicklung   geworden  ist   und  damit
       gleichsam  den   französischen  Weg   in  ökonomischer   Hinsicht
       "überholt" hat.  Hier liegt  auch der rationelle Kern für die von
       N. Poulantzas  versuchte Gleichsetzung  von englischer Revolution
       und preußischem  Weg. Die  Bilanz fällt natürlich ungleich anders
       aus, wenn  unter Anwendung  des Totalitätsprinzips die Gesamtheit
       aller Faktoren  der bürgerlichen Umwälzung, vor allem deren nega-
       tive politisch-soziale Begleitumstände, in die Betrachtung einbe-
       zogen wird. So wie das Ergebnis der bürgerlichen Revolution nicht
       nur an den Interessen der Bourgeoisie gemessen oder auf diese re-
       duziert werden  kann, lassen  sich ebensowenig  die Resultate der
       bürgerlichen Umwälzung auf reformerischem Wege auf den erreichten
       Grad der  Verbürgerlichung des Grundbesitzes fixieren. Grundsätz-
       lich handelt  es sich  ja bei der Kontroverse um den Versuch, für
       den Übergang  vom Feudalismus zum Kapitalismus das dynamische und
       Richtung gebende  Element im Grundbesitzer und nicht im Bourgeois
       zu sehen,  was auf eine Umkehrung der Hegemoniekonstellation hin-
       ausläuft. Die  Frage nach Charakter, Struktur und dem "Preis" des
       gesellschaftlichen Fortschritts  ist aber  ungleich  vielfältiger
       und komplizierter.
       Eine schematische  Anwendung des Begriffs preußischer Weg verbie-
       tet sich  schon auf  Grund der  Tatsache, daß dieser Weg selbst -
       wie G.  Heitz 160) betonte  - durch  eine Reihe von Varianten ge-
       kennzeichnet und  in sich deutlich differenziert ist. Die für die
       Regionen mit Gutswirtschaft kennzeichnenden Merkmale der Agrarum-
       wälzung sind  nicht linear auf Gebiete grundherrschaftlichen Typs
       übertragbar. Auch  die Vermutung,  der preußische  Weg  reduziere
       sich auf die Gebiete der 2. Leibeigenschaft oder Ostelbiens, läßt
       sich an  Hand der neueren Forschung nicht aufrechterhalten. Unter
       dem Gesichtspunkt  der Dialektik von gesamtgesellschaftlicher und
       agrarischer Umwälzung  auf reformerischem  Wege stellt  sich  die
       Frage, inwieweit  wir es beim preußischen Weg mit der klassischen
       Variante der reformerischen Agrarumwälzung zu tun haben.
       Bei dem  Bemühen, den  historischen Ort  des reformerischen Weges
       (im Sinne  des Gesamtcharakters der bürgerlichen Umwälzung) exak-
       ter zu bestimmen, sind berechtigte Einwände gegen den gekoppelten
       Begriff konservativ-reformerischer Weg als Gegenstück zum revolu-
       tionären Weg formuliert worden, und zwar mit dem Argument, daß es
       nicht  angebracht  sei,  die  Struktur  des  Umwandlungsprozesses
       (Voraussetzungen, Realisierungsmodalitäten,  ökonomische und  so-
       ziale Ergebnisse)  mit bestimmten  gesellschaftspolitischen  Aus-
       drucksformen zu verbinden. Für eine weitergehende Typisierung der
       Grundkategorie reformerischer  Weg ist es unumgänglich, die Hege-
       monieproblematik einzubeziehen,  da die hegemonietragenden Kräfte
       des Prozesses nicht nur dessen Charakter bestimmen, sondern auch,
       weil der  reformerische Weg  - analog  zum revolutionären  Weg  -
       stets die  Machtfrage tangiert.  In der  Diskussion wird überdies
       übersehen, daß  der reformerische  Weg nicht nur das "historische
       Privileg" einer  sich verbürgerlichenden und dem Kapitalismus an-
       passenden Grundbesitzerklasse  darstellt, sondern  daß  auch  die
       Bourgeoisie zum  Hegemon eines  reformerischen Weges werden kann,
       was in der Regel unter den Bedingungen ihrer wachsenden Revoluti-
       onsabstinenz der Fall ist. Angesichts der unterschiedlichen Hege-
       moniekonstellation und der damit verbundenen divergierenden poli-
       tisch-sozialen Ausgangskonstellation  wäre es  folglich sinnvoll,
       zwischen einem konservativ-reformerischen Weg (eindeutige Hegemo-
       nie der Grundbesitzerklasse) und einem liberal-reformerischen Weg
       zu unterscheiden  (Hegemonie der  Bourgeoisie, in  der  Regel  im
       Bündnis mit  dem liberalen Flügel der Grundaristokratie). Die ad-
       jektivisch unterschiedliche Bestimmung gewinnt ihre Bedeutung vor
       allem dann,  wenn über  die sektorale Problematik der Agrarumwäl-
       zung hinaus nach den politisch-sozialen Formen der Konstituierung
       der neuen  Ordnung gefragt wird. Was den Unterschied in der Hege-
       moniekonstellation anbelangt,  fallt dieser Aspekt vor allem dann
       ins Gewicht,  wenn über  Preußen-Deutschland hinaus der Vergleich
       zu anderen  Regionen Europas  und Außereuropas  hergestellt  wird
       161). Das für die Revolution trotz nicht unerheblicher Spannungen
       bestehende Junktim  von ökonomischer  und  politischer  Umwälzung
       trifft auf die Reform nicht zu. Ökonomische Dynamisierung vertrug
       sich durchaus mit politischem Konservatismus.
       Legt man  die angedeutete These zu Grunde, daß der preußische Weg
       die klassische  Variante des reformerischen Weges der Agrarumwäl-
       zung darstellte und damit prägend für jene historische Konstella-
       tion geworden  ist, die  F. Engels als "Epoche der Revolution von
       oben" 162)  gefaßt wissen wollte, dann erweist sich die mehr oder
       minder unkritische  Übertragung des  Begriffs preußischer Weg auf
       alle Länder,  die den Übergang zum Kapitalismus vorwiegend refor-
       merisch vollzogen,  als extrem  problematisch. Zunächst  wäre  zu
       fragen, ob  die für  den preußischen  Weg im  Detail erarbeiteten
       Kriterien gegeben  sind oder  nicht. Ist dem nicht so, dann redu-
       ziert sich  der Begriff  auf eine  Metapher,  die  nicht  weniger
       Schwierigkeiten aufwirft  als die  pauschale Verwendung  des  Be-
       griffs der Revolution von oben. Metaphern beleben zwar die histo-
       rische Darstellung,  tragen in  der Regel aber wenig zur analyti-
       schen Klarheit bei.
       In eindeutiger  Analogie zur  Variantenvielfalt der  bürgerlichen
       Revolution(en) problematisiert  sich der  Begriff preußischer Weg
       mit der Entfernung von seiner Ursprungsregion, besonders aber für
       den außereuropäischen  Raum. Mit gewisser Präzision ist die Frage
       bislang eigentlich  nur für  Japan durch  Kuachiro Takahashi 163)
       untersucht worden.  Ein der  vergleichenden  Revolutionsforschung
       ähnlicher Ansatz  zur universalen  Sicht auf die Durchsetzung des
       reformerischen Weges  und dessen  Realisierungsformen fehlt  bis-
       lang. Die  in eine solche Richtung zielende Arbeit von Barrington
       Moore jr.  164), deren  bahnbrechend-anregende Bedeutung nicht in
       Frage gestellt  sei, wird  der dem  reformerischen Weg immanenten
       Dialektik von  Einheit und  Vielfalt nicht  gerecht,  stattdessen
       handelt es  sich eher  um einander ausschließende Modelle von We-
       gen.
       Neben dem  genannten Beispiel  Japan (Meiji-Revolution  ab  1868)
       165) verdienen  für das 19. Jh. außerhalb Europas die USA und La-
       teinamerika das besondere Interesse. In den USA war nach dem Sieg
       der antikolonialen  Revolution die  weitere Entwicklung durch den
       Nord-Süd-Gegensatz geprägt,  der sowohl  ökonomisch-struktureller
       (Farmersystem/freie Lohnarbeit  vs. Plantagensklaverei)  als auch
       politischer Natur  (Ringen um  die Kontrolle  der Macht  über die
       Union)  war.   Es  bedurfte  immerhin  einer  zweiten  Revolution
       (Bürgerkrieg von  1861/65), um den revolutionären Weg als bestim-
       mende Tendenz in der weiteren Entwicklung des Kapitalismus durch-
       zusetzen, wenn  auch um  den Preis wesentlicher Zugeständnisse an
       den Süden 166). Insgesamt aber sicherte die zweite Revolution die
       Dominanz des  revolutionären Weges  amerikanischer  Prägung,  was
       zugleich die  Herauslösung aus der Abhängigkeit gegenüber England
       (Baumwollexport für die Textilindustrie) bedeutete.
       Auf völlig entgegengesetzte Weise verlief die Verankerung des Ka-
       pitalismus in  Lateinamerika. Entgegen den Behauptungen, die ibe-
       rische Kolonisation  und das aus ihr resultierende ökonomisch-so-
       ziale System  seien kapitalistischen  Charakters gewesen,  woraus
       der Streit  um das Verhältnis von Feudalismus und Kapitalismus in
       der Geschichte  Lateinamerikas ständig  neue Nahrung  gewinnt (G.
       Frank, M.  Marini, Vitale),  erfolgte - von rudimentären Ansätzen
       in der  Kolonialperiode abgesehen - eine Freisetzung kapitalisti-
       scher Elemente  erst im  Verlauf des 19. Jh. und dauerte bis weit
       hinein in das 20. Jh. 167) Zwar bedeutete die iberische Kolonisa-
       tion eine  zunehmende Integration  Mittel- und Südamerikas in die
       entstehende internationale  Arbeitsteilung, die Formen des Eigen-
       tums und  der Ausbeutung besaßen jedoch eindeutig vorkapitalisti-
       schen Charakter.  Es dominierten  feudal-halbsklavische  und  auf
       "reiner" Plantagensklaverei basierende Abhängigkeitsverhältnisse.
       Selbst die  in den  überlebenden Teilen der indianischen Bevölke-
       rung verbliebenen  Refugien der Comunidades indigenas reduzierten
       sich zusehends.  Hinzu kommt, daß die Blütezeit des Latifundismus
       (Estancias, Haciendas)  und der  Plantagen nach  der  Unabhängig-
       keitsrevolution als  Resultat des  steigenden Rohstoffbedarfs  im
       Ergebnis der industriellen Revolution lag. Seit der Mitte des 19.
       Jh. erlöschten zwar zunehmend die aus der Kolonialzeit tradierten
       Formen der  Zwangsarbeit -  selbst die Krise der Sklaverei begann
       sich abzuzeichnen  ", was  ihnen folgte  waren in  der Regel aber
       nicht die  freie Lohnarbeit  europäischen Stils,  sondern hybride
       Mischformen der  Ausbeutung: Peonage-,  Inquilino-, Huasipungero-
       u.a. Systeme  mit einem weithin hohen Anteil an außerökonomischem
       Zwang.
       Die historische Entwicklung Lateinamerikas seit der Independencia
       (1810/26) wurde durch zwei Hauptelemente geprägt: 168)
       1. Die Nichtvollendung  der  Unabhängigkeitsrevolution  in  ihrer
       tendenziell bürgerlichen  Grundsubstanz stellte  für die nachfol-
       genden Generationen den Kampf um das Erbe von 1810 auf die Tages-
       ordnung ("zweite Unabhängigkeit").
       2. Etwa seit  Mitte des  19. Jh.,  insbesondere aber  ab den 70er
       Jahren, erfolgte  eine intensive  ausländische,  zunächst  primär
       englische, Kapitalinvasion  (Kreditvergabe,  Kapitalinvestitionen
       in exportorientierten  Produktionszweigen), wodurch der Subkonti-
       nent einer  indirekten Rekolonisation  (die in  späterer Zeit  in
       neokolonialistische Abhängigkeitsformen  hinüberwuchs) ausgesetzt
       blieb.
       Mehr als  gemeinhin bekannt,  ist die  Entwicklung Lateinamerikas
       über das  19. Jh.  und bis  zur Mexikanischen Revolution von 1910
       169) durch  die Dialektik von Revolution - Reform - Konterrevolu-
       tion geprägt.  Lateinamerika war eine der Hauptzonen für die Uni-
       versalisierung und Globalisierung des bürgerlichen Revolutionszy-
       klus seit  1789, allerdings  unter objektiven und subjektiven Be-
       dingungen, die eine "normale", d.h. eigenständige kapitalistische
       Entwicklung - oder deren "Nachholen" im Stile des japanischen We-
       ges - nicht mehr zuließen. Selbst die Mexikanische Revolution von
       1910 -  zweifellos die  radikalste Tatsache  der lateinamerikani-
       schen Geschichte  seit 1810   170) - vermochte diese negative Bi-
       lanz nur  teilweise zu  korrigieren. So  blieb in letzter Instanz
       für Lateinamerika,  bei  Anerkennung  gravierender  subregionaler
       Struktur- und  Niveauunterschiede, der reformerische Weg entwick-
       lungsbestimmend. Jedoch  erreichten weder die konservativ-oligar-
       chische noch  die liberal-bürgerliche Variante des reformerischen
       Weges der  gesellschaftlichen Transformation in Lateinamerika Re-
       sultate, die einen Vergleich mit analogen Prozessen in Europa zu-
       lassen. Um  diesen Unterschied  begrifflich zu  fassen, sollte im
       Falle Lateinamerikas  von einem  reformerisch-abhängigen Weg  ge-
       sprochen werden,  da infolge  des Scheiterns der Revolutionen und
       der  ihnen   immanenten  revolutionären   Entwicklungsperspektive
       zugleich die  historische Möglichkeit für die Überwindung von Un-
       terentwicklung und Abhängigkeit unter bürgerlich-kapitalistischen
       Voraussetzungen definitiv  blockiert wurde.  Stattdessen trug die
       Konsolidierung der  reformerisch-abhängigen Alternative dazu bei,
       die tradierte  Situation auf ständig höherer Ebene zu reproduzie-
       ren.
       1789 und die Folgen - bleibt, gleich ob der Akzent auf Revolution
       oder auf  Reform liegt,  der Schlüssel  zum  Verständnis  gesell-
       schaftlicher Umwälzung  in ihrer  Totalität und Mannigfaltigkeit,
       über die Grenzen bürgerlichen Fortschritts hinaus.
       
       _____
       1) François Furet,  Intervista con  lo storico  francese, in: Ri-
       nascita, 5  febbr. 1982.  - Ders.,  Penser la  Révolution,  Paris
       1978. -  Ders., Faut-il célébrer le bicentenaire de la Révolution
       française, in: L'Hi-stoire, janvier 1983, n° 52.
       2) 1789-1989 bicentenaire de la révolution Française. Bulletin de
       la Commission  Nationale de Recherche Historique pour le bicente-
       naire de  la Revolution Francaise, hrsg. von Michel Vovelle, n° 1
       ff., Paris 1984 ff.
       3) Regina Benjowski,  Abkehr vom Revolutionsdenken, in: spectrum,
       18. Jg., 1987, H. 5, S. 16 f.
       4) Neben der  umfangreichen Memoirenliteratur  wäre vor allem auf
       die Arbeiten von Antoine Barnave, Alexandre de Lameth und Antoine
       Fantin Desodoards zu verweisen.
       5) Jean Dautry,  Histoire de la revolution de 1848 en France, Pa-
       ris 1948.  Ders., 1848 et la IIe République, Paris 1957  2, S. 87
       ff.
       6) Karl Marx,  Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, in:
       MEW, Bd 7, S. 11.
       7) Karl Marx,  Der 18te  Brumaire des Louis Napoleon, in: MEW, Bd
       8, S. 115.
       8) Augustin Thierry,  Lettres sur  l'histoire  de  France,  Paris
       1820-1836. - Adolphe Thiers, Histoire de la Revolution française,
       10 Bde,  Paris 1823  -1827. -  François Auguste Marie Mignet, Hi-
       stoire de  la Révolution  française depuis  1789 jusqu'en 1814, 2
       Bde, Paris 1824.
       9) Louis Blanc, Histoire de la Révolution françcaise, 12 Bde, Pa-
       ris 1847-1863.
       10) Jules Michelet,  Histoire de  la Révolution française, 7 Bde,
       Paris 1847-1853.
       11) Adolphe de  Lamartine, Histoire  des Girondins,  8 Bde, Paris
       1847.
       12) Vgl. u.a.  Karl Kautsky,  Die Klassengegensätze  im Zeitalter
       der  Französischen  Revolution.  Zum  100jährigen  Gedenktag  der
       großen Revolution, Stuttgart 1889.
       13) Jean Jaurès,  Histoire socialiste  (1789-1900), Bd 1-4, Paris
       1901-1904; u.d.T. Histoire socialiste de la Revolution française,
       8 Bde,  hrsg. von  Albert Mathiez, Paris 1922-1924. Von A. Soboul
       kommentierte und  ergänzte Neuaufl.  Paris 1969, 1984 ², 4 Bde. -
       Eine umfassende Übersicht zu der mit Jaures beginnenden "sozialen
       Interpretation" vermittelt: Irmgard A. Hartig (Hrsg.), Geburt der
       bürgerlichen Gesellschaft 1789, Frankfurt/M. 1979.
       14) P.A. Kropotkin, La grande Revolution 1789-1793, hrsg. von Ju-
       les Guillaume,  Paris 1909.  - Dt. Ausg. bes. von Gustav Landauer
       1909, Neuausgabe 1982 (mit einem Nachw. von V.M. Dalin).
       15) V.I. Lenin  an I.I. Skvorzov-Stepanov, 14. Dezember 1909, in:
       LW, Bd  10, S.  127ff. -  Wolfgang Rüttler, Zu Lenins historisch-
       ökonomischer Analyse der objektiven Voraussetzungen für die demo-
       kratische und sozialistische Revolution in Rußland. Begriffliches
       Instrumentarium und  Methoden, in:  IfG, Bd. 17, Berlin/DDR 1977,
       S. 9  -44. - Ders., W.I. Lenin und die Große Französische Revolu-
       tion. Die  Erfahrungen von  1789 aus der Sicht des revolutionären
       Kampfes der russischen Arbeiterbewegung (Aufsatz i. Dr.).
       16) Kurzer Abriß  bei Alice Gérard, La révolution française - my-
       thes et interprétations 1789-1970, Paris 1970, S. 66 ff.
       17) La Revolution française, Paris 1889  23.
       18) Edmund Burke, Reflections on the Revolution in France, London
       1790. -  François Furet,  Burke ou la fin d'une seule histoire de
       l'Europe, in: Le Débat, 1986, n° 2, S. 56-66.
       19) Alphonse François Aulard, Histoire politique de la Revolution
       francaise, 2 Bde, Paris 1901. - Ders., Danton, Paris 1884.
       20) Albert Mathiez,  Etudes sur  Robespierre  (1758-1794),  Paris
       1958. - Ders., La Révolution française, 2 Bde, Paris 1922-1927. -
       I. Friguglietti,  Mathiez -  historien révolutionnaire 1874-1932,
       Paris 1974.  - Georges Lefebvre, L'Oeuvre historique d'Albert Ma-
       thiez, in:  A.H.R.F., n°  51, mai-juin  1932, S. 193-210. - Nicht
       zuletzt die  1908 erfolgte  Gründung der Société des études robe-
       spierristes ließ  die politische  Rechte aufschrecken. Die Gründe
       für diese  Initiative ließ Albert Mathiez im Januar 1920 nochmals
       in einem programmatischen Vortrag mit dem Titel: , "Pourquoi nous
       sommes robespierristes?" Revue passieren.
       21) Michel Vovelle,  L'Historiographie de la Revolution Française
       à la  veille du  bicentenaire (Aufsatz i. Dr.), in übers. Fassung
       im vorliegenden Band.
       22) Georges Lefebvre,  La Révolution française, 2. veränd. Aufl.,
       Paris 1951. - Ders., quatre-vingt-neuf, Paris 1939. - Ders., Etu-
       des sur la Révolution Française, Paris 1954.
       23) Gérard, a.a.O., S. 90.
       24) Gérard, ebda.  - Pierre Gaxotte, La Révolution française, Pa-
       ris 1928, jüngste Ausg. 1970.
       25) Albert Soboul,  1789. "L'An Un de la Liberté". Etude Histori-
       que. Textes Origineaux. 2. erw. u. durchges. Aufl., Paris 1950.
       26) L'Europe, n° spécial, 15 juillet 1939.
       27) Cahiers du  communisme, n° spécial 1939, Beiträge von M. Tho-
       rez, J.  Duclos, G.  Peri, J.  Solomon, J.  Bruhat, E.  Fajon, P.
       Bouthonnier, G. Politzer, M. Prenant, J. Billiet, H. Sauverplane.
       28) Francuzskaja burzuaznaja  revoljucija  1789-1794,  hrsg.  von
       V.P. Volgin und E.V. Tarlé, Moskau-Leningrad 1941.
       29) Vgl. die  Bilanz der 150-Jahrfeier bei Pierre Caron, Le Cent-
       cinquantenaire de  la Revolution francaise, in: A.H.R.F., n° 102,
       avril-juin 1946, S. 97-114.
       30) Albert Soboul,  Les sans-culottes  parisiens en l'an II. Mou-
       vement populaire et gouvernement revolu-tionnaire 2 juin 1793 - 9
       thermidor, La Roche-sur-Yonne 1958. - Dt. Teilausg. unter dem Ti-
       tel: Die  Sansculotten von  Paris. Dokumente  zur Geschichte  der
       Volksbewegung 1793-1794.  Hrsg. von  Walter Markov und Albert So-
       boul. Mit e. Vorw. von Georges Lefebvre, Berlin/DDR 1957.
       31) Jacques Godechot/Ernest  Labrousse/Armando  Saitta/Jean  René
       Suratteau, Albert Soboul, in: A.H.R.F., n° 249, juillet-septembre
       1982, S. 321-327. - Walter Markov, Forschungsprobleme der Franzö-
       sischen Revolution.  Aus Anlaß  des Todes  von Albert Soboul, in:
       ZfG, 32,  1984, H.  6, S.  483-489. Die  Beiträge von Jacques Go-
       dechot, Jean  Bruhat, Walter Markov und Didier Lemaire zum Geden-
       ken an  Albert Soboul,  in: Francuzskij  Ezegodnik  1982,  Moskau
       1984, S. 138-163. Nachruf auf V.M. Dalin, in: Francuzskij Ezegod-
       nik 1984, Moskau 1986, S. 5 f.; Walter Markov, V.M. Dalin zum Ge-
       denken, in:  ZfG, 34, 1986, H. 5, S. 443 f. - Auch Takahashis ist
       zu gedenken.
       32) Manfred Kossok,  Revolution und  Weltgeschichte im  Werk  von
       Walter Markov,  in: Walter  Markov, Weltgeschichte  im  Revoluti-
       onsquadrat, hrsg. u. eingel. von Manfred Kossok, Berlin/DDR 1979,
       S. VII-XV.
       33) Walter Markov, Jacques Roux und Karl Marx. Zum Einzug der Er-
       trages in  die Heilige Familie, Berlin/DDR 1965. - Ders., Jacques
       Roux oder vom Elend der Biographie, Berlin/DDR 1966. - Ders., Die
       Freiheiten des  Priesters Roux,  Berlin/DDR 1967. - Jacques Roux,
       Scripta et  Acta. Textes  presentes par Walter Markov, Berlin/DDR
       1969. - Walter Markov, Exkurse zu Jacques Roux. Berlin/DDR 1970.
       34) J.M. Zacher,  Besenye, Moskau  1930; 2., veränd. Aufl. u.d.T.
       Dvizenie "besenych", Moskau 1961.
       35) Manfred Kossok,  Karl Marx und der Begriff der Weltgeschichte
       (= Sitzungsberichte  der AdW der DDR, Gesellschaftswissenschaften
       4 G/1984), Berlin/DDR 1984.
       36) Marcel Reinhard,  Nouvelle Histoire  de Paris:  La Revolution
       1789-1799, Paris  1970. -  Ders., Le  grand Carnot,  2 Bde, Paris
       1950. - Albert Soboul/Jean Rene Suratteau, Marcel Reinhard (1899-
       1973), in: A.H.R.F., n° 215, janviermars 1974, S. 1-9.
       37) Jacques Godechot,  La grande  nation, 2  Bde, Paris  1956.  -
       Ders., Les Revolutions (1770-1799), Paris 1970 (Nouvelle Clio).
       38) Maximilien Robespierre 1758-1794, mit einem Vorwort von Geor-
       ges Lefebvre, hrsg. von Walter Markov, Berlin/DDR 1958, 1961  2.
       39) Robert R. Palmer, Populär Democracy in the French Revolution,
       in: French Historical Studies, vol. 1, 1960, H. 3, S. 447.
       40) Alfred Cobban,  The Myth  of the  French  Revolution,  London
       1955. - Ders., Aspects of the French Revolution, London 1968.
       41) Zur Auseinandersetzung  vgl. Georges Lefebvre, Le mythe de la
       Revolution francaise,  in:  A.H.R.F.,  n°  145,  octobre-decembre
       1956, S.  337-345. -  Sogar der  für 1990  in Madrid  vorgesehene
       Welthistorikerkongreß will sich dem Thema "Revolution als Mythos"
       stellen.
       42) Perez Zagorin,  Theories of revolution in contemporary histo-
       riography, in: Pol. Sc. Quart., n° 28-29, 1973.
       43) François Furet/Denis  Richet, La Révolution française, 2 Bde,
       Paris 1965/66.  - François  Furet, Le catechisme revolutionnaire,
       in: Annales E.S.C., 26, 1971, S. 255-289.
       44) Rolf Reichardt/Eberhard  Schmitt, Die Französische Revolution
       - Umbruch oder Kontinuität?, in: Zeitschrift für Historische For-
       schungen, Bd 3, 1980, S. 257 - 320. - Die Französische Revolution
       - zufälliges oder notwendiges Ereignis? Akten des internationalen
       Symposions an  der Universität Bamberg vom 4. bis 7. Juni 1979 (=
       Ancien  Régime,   Aufklärung  und   Revolution,  hrsg.  von  Rolf
       Reichardt und  Eberhard Schmitt,  Bd. 9/1-3), 3 Bde, München/Wien
       1983.
       45) François Furet, Marx et la Révolution française, Paris 1986.
       46) Die Lücken  macht ein  Vergleich mit: Sur la Révolution fran-
       caise. Ecrits de Marx et Engels, hrsg. von Claude Mainfroy, Paris
       1985, deutlich.
       47) Claude Mazauric,  Sur la Révolution française. Contribution à
       l'histoire de la revolution bourgeoise, Paris 1970, spez. I, 1.
       48) Vgl. den Aufriß bei Walter Markov, Revolution im Zeugenstand,
       Frankreich 1789-1799,  2 Bde,  Leipzig 1982; ausführliche Litera-
       turhinweise auch bei William Doyle, Origins of the French Revolu-
       tion, New York 1980.
       49) Volker Hunecke, Antikapitalistische Strömungen in der Franzö-
       sischen Revolution.  Neuere Kontroversen  der Forschung,  in: Ge-
       schichte und Gesellschaft, Bd 4, 1978, H. 3, S. 291-323.
       50) Michel Vovelle, La mentalité révolutionnaire. Société et men-
       talite sous la Révolution française, Paris 1985.
       51) Robert   R.   Palmer/Jacques   Godechot,   Le   problème   de
       l'Atlantique du  18e au 20e siècle, in: Relazioni del X Congresso
       Internazionale di Scienze Storiche, V, Roma 1955, S. 275 ff.
       52) Peter Amann, The Eighteenth Century Revolution. French or We-
       stern? Boston 1965.
       53) Gerhard Schilfert, Über das Verhältnis von Weltgeschichte und
       Nationalgeschichte, in:  Zeitschrift  für  Geschichtswissenschaft
       (im folgenden:  ZfG), Sonderheft  1962, S.  70-89. - Vgl. die di-
       stanzierte Bilanz  bei Robert  R. Palmer, La "Révolution atlanti-
       que" -  vingt ans après, in: Die Französische Revolution - zufäl-
       liges oder notwendiges Ereignis?, a.a.O., S. 89-104.
       54) Vgl. Vovelle, L'Historiographie, a.a.O.
       55) Handbuch politisch-sozialer  Grundbegriffe in Frankreich 1680
       -1820, hrsg. von Rolf Reichardt und Eberhard Schmitt in Verb, mit
       Gerd van  den Heuvel  und Anett Höfer, H. 1 ff. (= Ancien Regime,
       Aufklärung und  Revolution, hrsg. von Rolf Reichardt und Eberhard
       Schmitt, Bd 10/lff.), München 1985 ff.
       Lynn Hunt,  Recent trends in the historiography of the French Re-
       volution. (Aufs,  vom Febr.  1987, im  Druck). Dabei gemeint ist:
       Rolf Reichardt,  Zur Geschichte  politisch-sozialer  Begriffe  in
       Frankreich zwischen  Absolutismus  und  Restauration,  in:  Zeit-
       schrift für  Literaturwissenschaft und Linguistik, 12. Jg., 1982,
       n° 47, S. 49-74.
       56) Vgl. dazu  Claude Mazauric, Jacobinisme et révolution. Autour
       du bicentenaire de Quatre-vingt-neuf, Paris 1984, S. 12 ff.
       57) François Furet, Penser la Révolution, a.a.O., S. 212 ff.
       58) Albert Champdor, Lyon pendant la Révolution, Lyon 1987, endet
       mit dem  Schlußsatz "Enfin,  écrivit Talleyrand,  la France était
       sortie des horreurs de la Révolution".
       59) Jacob L.  Talmon, The origins of Totalitarian Democracy, Lon-
       don 1952.  - Hannah  Arendt, Elemente  und Ursprünge  totalitärer
       Herrschaft, Frankfurt  a.M. 1962.  - Dies.,  Über die Revolution,
       München 1966.
       60) Vgl. die  Vorbemerkungen von  Pierre Chaunu  zu: Yves Durand,
       Vivre au  pays au XVIIIe siècle. Essai sur la notion du pays dans
       l'ouest de  la France,  Paris 1984, und: Raymond Secher, Le géno-
       cide francofrançais. La Vendée-Vengée, Paris 1986.
       61) Vgl. Vovelle, L'Historiographie, a.a.O.
       62) Vgl. Anm. 3.
       63) Antonio Gramsci, Zu Politik, Geschichte und Kultur, hrsg. von
       Guido Zamis, Leipzig 1980, S. 277 ff. - Antonio Gramsci, Quaderni
       del carcere,  Edizione critica  dell'Istituto Gramsci.  A cura di
       Valentine Gerratana, Turin 1975, Bd 3, S. 2010 ff.
       64) Fritz Härtung/Roland  Mousnier, Quelques problemes concernant
       la monarchie  absolue, in:  Rel. del  X  Congr.  Intern,  di  Sc.
       istor., Bd 4, Florenz 1955.
       65) Vgl. Art. "Bourgeoisie", in: Guy Cabourdin/Georges Viard, Le-
       xique historique de la France d'Ancien Régime, Paris 1978, S. 41.
       66) Lynn Hunt, Politics, Culture, and Class in the French Revolu-
       tion, Berkeley  - Los  Angeles -  London 1984, S. 4ff. - Vgl. die
       Beiträge von Theodor Schieder, Helmut Böhme, Eberhard Schmitt und
       Andreas Dorpalen,  in: Revolution  und Gesellschaft.  Theorie und
       Praxis der  Systemveränderung, hrsg.  von Theodor Schieder, Frei-
       burg - Basel - Wien 1973 (= Herderbücherei, Bd 462). - Zur Kritik
       vgl. Manfred  Kossok,  Bürgerliche  Revolution  -  Fortschritt  -
       Transformation, in:  Politische Theorie und sozialer Fortschritt,
       hrsg. von Karl-Heinz Röder, Berlin / DDR 1986, S. 38-73.
       67) Studien zur  vergleichenden Revolutionsgeschichte,  hrsg. von
       Manfred Kossok  in Verb, mit Walter Markov, Gerhard Schilfert und
       Walter Schmidt,  bisher mit  den Bänden: Studien über die Revolu-
       tion (1969);  Studien  zur  vergleichenden  Revolutionsgeschichte
       (1974); Rolle  und Formen der Volksbewegung im bürgerlichen Revo-
       lutionszyklus (1976);  Walter Markov, Weltgeschichte im Revoluti-
       onsquadrat (1979);  Revolutionen der  Neuzeit  1500-1917  (1982);
       Bauern und  bürgerliche Revolution (1985); Die Französische Juli-
       revolution von  1830 und Europa (1985); Proletariat und bürgerli-
       che Revolution (erscheint 1989) und die Arbeiten in den Leipziger
       Beiträgen zur  vergleichenden Revolutionsforschung  (LBR),  H.  l
       ff., Leipzig 1982 ff. - Vergleichende Revolutionsgeschichte. Pro-
       bleme der  Theorie und  Methode, hrsg.  von Manfred  Kossok, Ber-
       lin/DDR 1989.
       68) Karl Marx  an Pawel  Wassiljewitsch  Annenkow,  28.  Dezember
       1846, in: MEW, Bd. 27, S. 452 f.
       69) Handbuch Wirtschaftsgeschichte,  hrsg. vom Institut für Wirt-
       schaftsgeschichte der AdW der DDR, Berlin/DDR 1981, Bd 1.
       70) Revolutionen der  Neuzeit 1500-1917,  hrsg. und  eingel.  von
       Manfred Kossok, Berlin/DDR 1982.
       71) Helmut Seidel, Philosophiehistorische Bemerkungen zum Begriff
       "Aufklärung", in: DZfPh 28, 1980, H. 11, S. 1371 -1378. - Hermann
       Ley, Geschichte  der Aufklärung  und  des  Atheismus,  Berlin/DDR
       1971, Bd 2/2ff.
       72) Beispiele: Perez Zagorin (1986), Samuel N. Eisenstadt (1982),
       Ekkart  Zimmermann  (1981),  Theda  Scocpol  (19803),  John  Dumm
       (1974), W. F. Wertheim (1974).
       73) Vgl. die  Beiträge von  Charles Parain,  Pierre Vilar, Albert
       Soboul, Guy Lemarchand, in: Sur le féodalisme (Centre d'Etudes et
       de Recherches Marxistes), Paris 1971.
       74) George V. Taylor, Noncapitalist Wealth and the Origins of the
       French Revolution,  in: American  Historical Review,  vol. LXXII,
       1967, S. 469-496.
       75) Lynn Hunt, a.a.O., S. 178.
       76) "Die Männer, die nach der Revolution dominierten, waren nicht
       Industrielle oder  kapitalistische Handelsunternehmer, sondern in
       erster  Linie  Bürokraten,  Soldaten"  -  "und  Grundeigentümer."
       (Übers, d. Red.), Theda Scocpol, States and Social Revolutions. A
       comparative Analysis  of  France,  Russia  and  China,  Cambridge
       (Mass.) 1980  3.
       77) Perez Zagorin,  Rebels and  Rulers 1500-1660,  t. 1: Society,
       States and  Early Modern  Revolution. Agrarian and Urban Rebelli-
       ons, Cambridge (Mass.) 1984  2).
       78) Ferdinand Seibt, Revolution in Europa, München 1984. Deutlich
       davon inspiriert sind die jüngsten Äußerungen von Robert Kalivoda
       über die Hussiten und die Frühbürgerliche Revolution (Zur Proble-
       matik um  die Theorie  der europäischen  Revolution, in: Communio
       viatorum, XXIX, 1986, S. 67-78).
       79) Karl Marx/Friedrich Engels, Die Bourgeoisie und die Konterre-
       volution, in: MEW, Bd 6, S. 107.
       80) Karl Griewank,  Der neuzeitliche  Revolutionsbegriff. Entste-
       hung und  Entwicklung, Weimar  1955. - Karl-Heinz Bender, Revolu-
       tionen. Die  Entstehung des  politischen  Revolutionsbegriffs  in
       Frankreich zwischen Mittelalter und Aufklärung, München 1977.
       81) Werner Krauss,  Lesebuch der französischen Literatur, Teil 1:
       Aufklärung und Revolution, Berlin/DDR 1952, S. 9.
       82) Kossok, Revolution  und Weltgeschichte, a.a.O. - Kurt Holzap-
       fel /  Manfred Kossok,  1789 und  der Revolutionszyklus  des  19.
       Jahrhunderts: Ereignis  und Wirkung, in: ZfG, 34, 1986, H. 12, S.
       1059-1079.
       83) Karl Marx,  Einleitung zur  Kritik der  Politischen Ökonomie,
       in: MEW, Bd 13, S. 640.
       84) Karl Marx/Friedrich  Engels, Die deutsche Ideologie, in: MEW,
       Bd 3, S. 45.
       85) Manfred Kossok,  Zur Dialektik von Formationswechsel und neu-
       zeitlichen Revolutionen,  in: Wissenschaftliche  Mitteilungen der
       Historiker-Gesellschaft der DDR, 1983, Teil I-II.
       86) Nicos Poulantzas,  Pouvoir politique et classes sociales, Pa-
       ris 1968, Bd. 1, S. 178 ff.
       87) Fernand Braudel/Ernest Labrousse (Hrsg.), Histoire économique
       et sociale  de la  France, t. III: L'avènement de l'ère industri-
       elle (1789-années  1880), 2  Bde, Paris  1976. -  Kurt Holzapfel,
       Bürgerliche Revolution  und historischer  Fortschritt: Frankreich
       1830-1848, in: ZfG, 1984, H. 6.
       88) Pierre Vilar, La Catalogne dans l'Espagne moderne. Recherches
       sur les  fondements economiques des structures nationales, 3 Bde,
       Paris 1962.
       89) Manfred Kossok, Karl Marx und der spanische Revolutionszyklus
       des 19. Jahrhunderts (= Sitzungsberichte der AdW der DDR, Gesell-
       schaftswissenschaften 4 G/1987), Berlin/DDR 1987.
       90) Maria Anders,  Reform und  Revolution in Rußland (1825-1917),
       in: Studien  zur vergleichenden  Revolutionsgeschichte 1500-1917,
       S. 114-134.
       91) Maria Anders/Wolfgang  Kultier, Die  bürgerlich-demokratische
       Revolution in  Rußland 1905  "1907, in: Revolutionen der Neuzeit,
       S. 473-497.
       92) Vgl. die  Studien, in:  LBR, 16/1987 zum Thema Revolution und
       Reform.
       93) Manfred Kossok/Walter  Markov, Zur  Methodologie der verglei-
       chenden Revolutionsgeschichte  der Neuzeit,  in: Studien zur ver-
       gleichenden Revolutionsgeschichte, S. 14.
       94) Werner Loch  / Walter  Markov, Die französischen Revolutionen
       zwischen 1789  und 1871  im Lichte von Lenins Auffassung über den
       Revolutionszyklus, in: ebd., S. 74-91. - Manfred Kossok, Der spa-
       nische Revolutionszyklus  des 19.  Jahrhunderts. Probleme der Er-
       forschung und  Interpretation im  Lichte der  vergleichenden  Me-
       thode, in: ZfG, 32, 1984, H. 6, S. 490-499.
       95) Manfred Kossok,  Die Unabhängigkeitsrevolution  in  Spanisch-
       Amerika, 1810"1826,  in: Revolutionen der Neuzeit, S. 161 -180. -
       Walter Schmidt  u.a., Die  europäischen Revolutionen 1848/49, in:
       ebd., S. 271-348.
       96) François Furet, Le catechisme revolutionnaire, S. 258 ff.
       97) Karl Marx,  Zur Kritik  der politischen Ökonomie, in: MEW, Bd
       13, S. 9.
       98) Claude Mazauric  spricht sehr plastisch von "événement fonda-
       teur"  und  "révolution  exemplaire"  (was  unserem  Begriff  der
       Leitrevolution entspricht).  Vorbemerkung zu  Michel Vovelle,  La
       Révolution Française. Images et Récits, Bd 1, Paris 1986, S. 9).
       99) Walter Markov,  Die Große  Französische Revolution 1789-1795,
       in: Revolutionen der Neuzeit, S. 111-142.
       100) Zur Feudalismusproblematik  vgl. die  Studien von Guy Lemar-
       chand: Le  féodalisme dans  la France  rurale des temps modernes.
       Essai de  caractérisation, in: A.H.R.F., 1969, vol. 1 (Melanges),
       S. 77-108.  - La  féodalité dans  la Campagne  et  la  Révolution
       Française: Seigneurie  et Communaute Paysanne de 1780 à 1789, in:
       Die Französische  Revolution, S.  7-26. - Un cas de transition du
       feodalisme au  capitalisme. L'Angleterre,  in:  Rev.Hist.Mod.  et
       Cont., 1978,  vol. 2,  S. 275-305. - Ebenfalls aufschlußreich die
       Regionalstudie: La  fin du feodalisme dans le pays de Caux (1640-
       1795), vorgelegt  als These  de Doctorat  de l'Etat  (1986),  als
       Resümee in:  L'Information Historique, 1987, vol. 49, S. 57-62. -
       Vgl. auch: Cah. bist, de l'Inst.de rech, marx., 1986, vol. 26, S.
       102-110.
       101) Albert Mathiez,  Die Französische  Revolution, Bd l, Hamburg
       1950, S. 29 ff.
       102) Karl Marx/Friedrich  Engels, Die Bourgeoisie und die Konter-
       revolution, in:  MEW, Bd.  6, S.  107. - Friedrich Engels betonte
       später das Unvermögen der Bourgeoisie, als Gesamtklasse die Macht
       auszuüben (Einleitung zur englischen Ausgabe von "Entwicklung des
       Sozialismus", in: MEW, Bd. 22, S. 207).
       103) Manfred Kossok,  Hegemonie und  Machtfrage in den neuzeitli-
       chen Revolutionen.  Theoretische Fragestellungen  und  empirische
       Probleme, in: LBR 17/1, 1987, S. 6-31.
       104) Kossok, a.a.O.,  S. 15ff. über die unterschiedlichen Hegemo-
       nieebenen.
       105) Werner Bahner,  Aufklärung als  europäisches Phänomen. Über-
       blick und  Einzeldarstellungen, Leipzig  1985, S.  42 ff.  - Vgl.
       auch die Studien in: Französische Aufklärung. Bürgerliche Emanzi-
       pation, Literatur und Bewußtseinsbildung, Leipzig 1974.
       106) Im wesentlichen  handelte es sich um die "Bündelung" adelig-
       liberal-bürgerlicher, demokratisch-kleinbürgerlicher,  bäuerlich-
       agrarischer und städtisch-plebejischer Komponenten.
       107) Vgl. für  das folgende:  Manfred Kossok, Realität und Utopie
       des Jakobinismus.  Zur "heroischen  Illusion" in der bürgerlichen
       Revolution, in: ZfG, 1986, H. 5, S. 415-426.
       108) Karl Marx/Friedrich  Engels, Die deutsche Ideologie, MEW, Bd
       3, S. 39.
       109) Vovelle, La mentalité, S. 97 ff.
       110) Friedrich Engels/Karl Marx, Die heilige Familie, in: MEW, Bd
       2, S. 129.
       111) Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Ein-
       leitung, in: MEW, Bd 1, S. 388.
       112) Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, in: MEW,
       Bd 3, S. 47 f.
       113) Ebenda, S. 48 (Fußnote).
       114) Silvain Maréchal,  Manifest der  Gleichen,  hrsg.  von  Kurt
       Schnelle, Leipzig 1963, S. 39.
       115) Karl Marx,  Zur Kritik,  a.a.O., S.  389; MEGA(2),  I, 2, S.
       181.
       116) Susanne Petersen,  Marktweiber und  Amazonen. Frauen  in der
       Französischen Revolution, Köln 1987.
       117) A. V. Ado, Krest'janskoe dvizenie vo Francii vo vremja Veli-
       koj burzuaznoj revoljucii konca XVIII veka, Moskau 1971. - Ders.,
       krest'jankie vosstanija  i likvidacia  feodal'nych povinnostej vo
       vremja francuzkoj  burzuaznoj revoljucii konca XVIII v., in: Stu-
       dien über  die Revolution,  hrsg. von  Manfred Kossok, Berlin/DDR
       1969, S. 94-107.
       118) Manfred Kossok,  1640-1789. Gedanken  über zwei  Zäsuren der
       Weltgeschichte, in: WZ der Humboldt-Universität, Ges.wiss. Reihe,
       198.
       119) Gerhard Schilfert,  Die nordamerikanische Unabhängigkeitsre-
       volution 1775-1783, in: Revolutionen der Neuzeit, S. 85-100.
       120) Albert Soboul, in: Sur le feodalisme, S. 74.
       121) Claude Mazauric,  Note sur  l'emploi de , 'régime féodal" et
       de "féodalité" pendant la Révolution française", in: Sur la Révo-
       lution française,  S. 119 -134. - Über Historiographie und histo-
       riographische Polemik  vgl. Guy  Lemarchand, Sur etudes agraires,
       le féodalisme et la Révolution française. Un itineraire historio-
       graphique. (Aufs. i. Druck, erscheint 1988).
       122) Die Ergebnisse  der allgemein  als  "klassisch"  empfundenen
       Agrarrevolution sind  durch den  späten Soboul  auffällig relati-
       viert worden.  (Proprieté foncière  et conditions  de terres dans
       l'Europe napoleonienne.  Le cas  de la  France,  in:  Com.int.des
       Sc.hist., XVe Congres, Bukarest 1980, Rapports, III).
       123) E.M. Kozokin,  Francuzkie rabocie. Ot Velikoj burzuaznoj re-
       voljucii do  revoljucii 1848  goda, Moskau 1985, S. 57 ff. - Jean
       Bruhat, Histoire du Mouvement ouvrier français, Bd 1, Paris 1952,
       S. 99  f. -  Vgl. auch  die einschlägigen Beiträge in: Mouvements
       populaires et  conscience sociale.  XVIe - XIXe siècles. Actes du
       Colloque de  Paris 24-26  mai 1984, hrsg. von Jean Nicolas, Paris
       1985.
       124) A.V. Ado,  Zur Geschichte der Anwendung des Gesetzes Le Cha-
       pelier während der Französischen Revolution von 1789 (Resümee in:
       Die proletarische  Komponente  in  der  Bürgerlichen  Revolution,
       hrsg. von  Manfred Kossok  und Michael  Zeuske, Leipzig  1985, S.
       139- 140.  Vollst. Veröffentlichung  im  vorgesehenen  Protokoll-
       band).
       125) Walter Markov, Robespierristen und Jacquesroutins, in: Welt-
       geschichte im Revolutionsquadrat, S. 194-241.
       126) Walter Markov,  Revolution im  Zeugenstand. Frankreich 1789-
       1799. Bd  1, Leipzig  1982, S.  328 ff.  - Jacques Roux, Freiheit
       wird die Welt erobern. Reden und Schriften, hrsg. von Walter Mar-
       kov, Leipzig 1985, S. 147-156.
       127) Friedrich Engels/Karl Marx, Die heilige Familie, in: MEW, Bd
       2, S. 126.
       128) Paul Guth,  Mazarin.  Frankreichs  Aufstieg  zur  Weltmacht,
       Frankfurt/M. 1974.
       129) Christoph Martin Wieland an Gerhard Anton von Halem, 30. No-
       vember 1780, in: Die französische Revolution im Spiegel der deut-
       schen Literatur,  hrsg. von  Claus  Träger  unter  Mitarbeit  von
       Frauke Schäfer, Leipzig 1975, S. 40.
       130) Guy Lemarchand,  Claude Mamfroy,  Roger  Martelli,  Germaine
       Willard, Michel  Zylberberg, Sur  la nation,  in: Cah. d'Hist. de
       l'Inst. de  Rech. Marx., 1983, N° 12 (Debot), S. 11-33. - Guy Le-
       marchand, Le  fait national  avant le  capitalisme.  Propositions
       pour une etude comparée en Europe, in: Cah. d'Hist. de l'Inst. de
       Rech. Marx., 1981, N° 7, S. 41-70.
       131) Waltraud Seidel-Höppner,  Die Große  Französische Revolution
       im Denken  des Bundes der Geächteten und des Bundes der Gerechten
       (Studie i. Druck).
       132) Kossok/Holzapfel, a.a.O., S. 1067.
       133) Rede vom  5. Februar 1774. (Maximilien Robespierre, Habt Ihr
       eine Revolution  ohne Revolution  gewollt? Reden,  hrsg. von Kurt
       Schnelle, Leipzig o.J., S. 322).
       134) Der Freiheitsbaum.  Die Französische  Revolution in Schilde-
       rungen Goethes  und Forsters  1792 793,  hrsg. von Günter Näckel,
       Berlin/DDR 1983, S. 36ff.
       135) Johann Gottlieb  Fichte, Beiträge  zur Berichtigung  der Ur-
       teile des  Publikums über  die französische Revolution, in: J. G.
       Fichte -  Gesamtausgabe, hrsg.  von R. Lauth/H. Gliwitzky, Stutt-
       gart 1965.  - Vgl. auch Claus Träger, Fichte als Agitator der Re-
       volution. Über  Aufklärung und  Jakobinismus in  Deutschland, in:
       Wissen und Gewissen. Beiträge zum 200. Geburtstag Johann Gottlieb
       Fichtes 1762  - 1814,  hrsg. von Manfred Buhr, Berlin/DDR 1962. -
       Über Hegels  Position: Joachim Ritter, Hegel und die französische
       Revolution, Frankfurt/M. 1972 (= edition suhrkamp 114).
       136) Vgl. für  das folgende:  Manfred Kossok,  Revolutionärer und
       reformerischer Weg  beim Übergang  vom Feudalismus zum Kapitalis-
       mus. Ein Diskussionsbeitrag, in: LBR, 16, 1967, S. 6-39.
       137) Eric Hobsbawm,  The Age  of Revolution  1789  "1848,  London
       1962.
       138) Zur Typologie  vgl. Manfred Kossok, Vergleichende Geschichte
       der neuzeitlichen  Revolutionen. Methodologische  und  empirische
       Forschungsprobleme, Berlin/DDR  1981 (= Sitzungsberichte der Aka-
       demie der Wissenschaften der DDR, Gesellschaftswissenschaften, ZG
       1981 S. 9ff.).
       139) Wolfgang Küttler,  Theoretische und methodologische Probleme
       des reformerischen Weges der bürgerlichen Umwälzung, in: LBR, 16,
       1987, S.  40-62 (mit  ausführlichen Literaturbezügen auf die Dis-
       kussion in der DDR-Historiographie).
       140) Albert Soboul,  in: La Pensee, 1956. - Bemerkungen zum Arti-
       kel von  Michel Grenon  und Regine Robin, in: Bürgerliche Revolu-
       tionen. Probleme  des Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus,
       hrsg. vom Inst. f. Marxist. Stud. u. Forsch. (IMSF), Frankfurt/M.
       1979, S. 196.
       141) Zur Debatte  um die schöpferische Rolle der Volksmassen vgl.
       Kossok, Bürgerliche  Revolution, S.  61. -  Jürgen Kuczynski, Die
       Rolle der  Volksmassen in  der Geschichte, in: Aus der Arbeit von
       Plenum und Klassen der AdW der DDR, 10/1962.
       142) Walter Markov,  Grenzen des Jakobinerstaates, in: Grundposi-
       tionen der französischen Aufklärung, hrsg. von Werner Krauss/Hans
       Mayer, Berlin/DDR  1955, S. 209-242. (= Neue Beiträge zur Litera-
       turwissenschaft, 1).
       143) A.V. Ado,  Vortrag vor  dem Interdisziplinären  Zentrum  für
       Vergleichende Revolutionsforschung (IZR) 1975.
       144) Florence Gauthier,  Theorie des einen Weges der bürgerlichen
       Revolution oder  Negation der  Französischen Revolution, in: Bür-
       gerliche Revolution. Probleme des Übergangs, S. 161 f. (Bezug auf
       A. Pelletier).
       145) Zur Kritik  vgl. Kurt  Holzapfel, Bürgerliche Revolution und
       historischer Fortschritt:  Frankreich 1830  bis  1848,  in:  ZfG,
       1984, H. 6 - Vgl. auch die bei Kossok, Vergleichende Revolutions-
       geschichte, S. 60-61, ausgewiesene Literatur.
       146) Jean-Rene Suratteau,  La Révolution française. Certitudes et
       controverses. Paris  1973. (=  Dossiers Clio,  diriges par Claude
       Fohlen).
       147) Grundlegend: L'Absolutisme  éclairé, hrsg. von Bela Köpeczi,
       Albert Soboul, E. H. Balázs, Demos Kosáry, Budapest 1985.
       148) Hier ist auf die laufenden Arbeiten von Werner Deich und Ro-
       land Kolzenburg  zu verweisen.  Vgl. den Beitrag von Werner Deich
       in Rohrbacher Manuskripte, 1/1987, Leipzig, S. 57 ff.
       149) Karl Marx,  Das revolutionäre Spanien II, in: MEW, Bd 10, S.
       444.
       150) Kåre Tønnesson definiert die Reformpolitik des dänischen Ab-
       solutismus als  "Revolution von oben", in: L'Absolutisme éclairé,
       S. 299 ff., S. 311 ff.
       151) Zum Überblick  ab 1789 vgl. die Fallstudien in: Revolutionen
       der Neuzeit, S. 111 ff.
       152) Diesem Aspekt widmet im Rahmen der Leipziger Revolutionsfor-
       schung Matthias  Middell besondere  Aufmerksamkeit (vgl.  JfG, Bd
       40, 1989).  - Manfred  Kossok, Die Sansculotten von Dolores. Eine
       Studie über  Vokabular und Mentalität der Konterrevolution in der
       mexikanischen  Unabhängigkeitsbewegung  von  1810,  in:  JfG  von
       Staat, Wirtschaft  u. Gesellschaft  Lateinamerikas, Bd 24, Köln -
       Wien 1987, S. 390-415.
       153) Walter Schmidt,  1789, 1848 und der bürgerliche Revolutions-
       zyklus in Marx' und Engels' Sicht (1852"1895) (Aufsatz i. Dr.).
       154) Für das  folgende vgl. Griewank. - Wie die nordamerikanische
       und die  französische war  für Gentz auch die lateinamerikanische
       Revolution von  1810 ein  unwiderrufliches historisches  Ereignis
       (Bolfvar y  Europa en  las cronicas, el pensamiento politico y la
       historiografía, vol.  I, Siglo  XIX. Caracas  1980. Doc.  280, S.
       812-815).
       155) Preußische Reformen  - Wirkungen  und Grenzen. Aus Anlaß des
       150. Todestages  des Freiherrn vom und zum Stein, Berlin/DDR 1982
       (Hauptreferat Helmut  Bock, z.T.  kontroverse Beiträge  von Ernst
       Engelberg, Heinrich Scheel, Helmut Bleiber).
       156) Vgl. die von Georg Moll auf Grund seiner Forschungen getrof-
       fene Synthese, in: LBR, 16, 1987, S. 73-98.
       157) Vgl. auch die in der Reihe "Probleme der Agrargeschichte des
       Feudalismus und  des Kapitalismus"  Rostock 1972 ff. erschienenen
       Beiträge. Insbesondere  T. VHI-IX  der  Tagungsmaterialien  1976.
       Weiterhin: Hartmut  Harnisch, Bürgerliche Agrarumwälzung in Preu-
       ßen. Von  den Versuchen  der Konservierung  des Feudalsystems zur
       kapitalistischen Agrarstruktur,  in: LBR,  16, 1987,  S. 63-72. -
       Ders., Zum  Stand der Diskussion um die Probleme des "preußischen
       Weges" kapitalistischer  Agrarentwicklung in  der  deutschen  Ge-
       schichte, in: Preußen in der deutschen Geschichte nach 1789, Ber-
       lin/DDR 1983.
       158) Knappe  Charakteristik  der  DDR-Debatte  in:  Deutsche  Ge-
       schichte, Bd  4, Berlin/DDR 1984, Kap. 2, FN 8, S. 515. - Kossok,
       Bürgerliche Revolution, S. 53 ff. - Im Nachgang: Ernst Engelberg,
       Immer noch Meinungsverschiedenheiten über die Epoche der sozialen
       Revolution von  1789 bis 1871, in: ZfG, 1985, H. 8, S. 728 - 736.
       - Zur  Abgrenzung von  "Revolution von oben" gegenüber den Thesen
       von einem  "deutschen Sonderweg"  vgl. Gustav Seeber, in: LBR 16,
       1977, S. 84-98.
       159) Engelberg, Theorie, S. 403.
       160) Gerhard Heitz,  in:  Jb.  f.  Wirtschaftsgesch.,  Berlin/DDR
       1969, T. III.
       161) Manfred Kossok,  Charakter und historischer Ort der Unabhän-
       gigkeitskriege Lateinamerikas,  in: ALAA,  Bd 4,  1976, H.  6, S.
       937-960. -  Ders., Probleme  einer vergleichenden Analyse der la-
       teinamerikanischen Unabhängigkeitsrevolution,  in: ZfG,  1977, H.
       2, S. 143-155.
       162) Vgl. dazu:  Ernst Engelberg,  Über die  Revolution von oben.
       Wirklichkeit und Begriff, in: ZfG, 1974, H. 11, S. 1183-1212.
       163) Vgl. u.a.  die Arbeit:  Meiji-Restauration in  Japan und die
       Französische Revolution. Ein historischer Vergleich unter dem Ge-
       sichtspunkt der  Agrarfrage und der Bauernbewegungen, in: Studien
       über die Revolution, S. 303-314.
       164) Barrington Moore jr., Social Origins of Dictatorship and De-
       mocracy: Lord  and Peasant in the Making of the Modern World, Bo-
       ston 1966 (Dt. Ausg. 1969).
       165) Ingrid Göthel, Meiji ishin-Kabsin dsongpjo. Eine komparative
       Studie über die bürgerliche Revolution in Japan, in: ALAA, 1987.
       166) Max Zeuske, Bürgerkrieg und zweite bürgerliche Revolution in
       den USA, in: Revolutionen der Neuzeit, S. 369-392.
       167) Max Zeuske,  Sozialökonomische Entwicklung und demokratische
       Bewegung im  bürgerlichen n  Übergangsprozeß Lateinamerikas 1825-
       1917, Diss.  B, Leipzig  1980. -  Tulio Haiperm  Donghi, Historia
       contemporánea de América Latina, Madrid 1970 , S. 11 ff.
       168) Manfred Kossok, in: ZfG, 1972, H. 7.
       169) Hans Werner  Tobler, Die  mexikanische  Revolution.  Gesell-
       schaftlicher Wandel  und politischer  Umbruch  1876-1940,  Frank-
       furt/M. 1984, S. 137 ff.
       170) Im Gegensatz  dazu bietet  Jean Mayer,  La revolution  mexi-
       caine, Paris  1973, eine  "revisionistische"  Interpretation  und
       sieht in der Revolution nichts anderes als die Fortsetzung der im
       Porfiviat begonnenen "Modernisierung Mexikos".
       

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