Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       1789 - LEGENDE UND WIRKLICHKEIT EINER GROSSEN REVOLUTION *)
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       Walter Markov
       
       Warum und  worin streiten  die Historiker eigentlich immer noch -
       oder schon  wieder -  über ein Ereignis, das einer längst versun-
       kenen Epoche  angehört, einer  Zeit, in  der die Mannsbilder noch
       mit bepuderten  Zöpfen herumliefen  und mit dem Gänsekiel schrie-
       ben? Kann  es denn  -  außer  einer  ganz  engen  professionellen
       Fachriege -  noch irgendetwas vermitteln, was sozusagen unter die
       eigene Haut  geht? Was  hebt diese  Revolution aus  der Reihe  so
       vieler anderer bürgerlicher Revolutionen dermaßen heraus, daß Le-
       nin sie  - und   n u r  sie - die Große unter ihresgleichen nennt
       und zu bedenken gibt, daß einige ihrer Traditionen möglicherweise
       für immer  ein Vorbild  bestimmter  revolutionärer  Kampfmethoden
       bleiben werden?
       Über das  innerste Wesen  dieser Revolution  haben sich schon die
       Miterlebenden die Köpfe zerbrochen, und jeder auf seine Weise.
       Den blaublütigen Verlierern der Geschichte erschien sie als Welt-
       untergang; genauer: als das Ende  i h r e r  dolce vita; als auf-
       gegangene Drachensaat  der Ketzerlehren eines Voltaire oder Rous-
       seau, als Triumph plebejischer Unverfrorenheit über organisch Ge-
       wachsenes, des Chaos über gottgewollte Ständeordnung, der Vermas-
       sung über  die Auslese. Es gab Abstufungen, und es gibt sie noch,
       denn ausgestorben  ist royalistische Nostalgie in den beaux quar-
       tiers an der Seine bis heute nicht. Indessen kommt ihr trotz mit-
       unter gefälliger  Verpackung (wie  etwa  beim  duc  de  Castries)
       höchstens noch  ein Kuriositätswert  zu, über den zu dissertieren
       schwerlich lohnt.  Nahezu alle  Wirklichkeit  gerinnt  darin  zur
       Schwarz-Weiß-Legende mit ihren zurechtgemachten Heiligen und Teu-
       feln.
       Immerhin: Der  Gewichtigkeit des  Vorgangs zollten die Kämpen der
       Alten Ordnung  unfreiwilligen Tribut: keine Revolte Mißgelaunter,
       sondern eine  Revolution, in der es um das Ganze ihrer noblen Ge-
       sellschaft ging. Das verstanden sie schon und wehrten sich, nicht
       nur mit  der Feder, sondern mit Händen und Füßen und Dolchen. Mit
       einem König  vorneweg, der  seiner Nation bereitwilligst Dutzende
       Meineide schwor,  riefen sie die Fürsten Europas zur Intervention
       herbei:
       Sie wurden  Knecht, um  noch Tyrann  zu sein, wie es in Bérangers
       K o s a k e n l i e d  heißen wird. Ihr anhaltender Starrsinn und
       demzufolge die  Internationalisierung des  französischen Klassen-
       konflikts ließ einer Revolution, die im Zeichen der Humanität an-
       getreten war  und einem  friedlichen Interessenausgleich  eher zu
       lange hinterherlief, gar keine andere Wahl, als den Kampf mit al-
       len Mitteln  fortzusetzen: bis  zur   V e r n i c h t u n g   des
       einen oder  des anderen  Kombattanten, wie die lapidare Feststel-
       lung von Friedrich Engels lautet.
       Die Bourgeoisklasse  ihrerseits, die sich an der Spitze der Bewe-
       gung befand,  erfühlte in  überschäumendem Jugenddrang die Spann-
       weite ihrer historischen Mission, und der frischgebackene Citoyen
       sah sich in seiner anspruchsvollen Rolle von Mitdenkenden aus nah
       und fern  bestätigt. Nicht  als   Welt u n t e r gang,    sondern
       vielmehr als   Sonnen a u f gang  wird das Jahr 1789 noch dem ge-
       alterten Wahlberliner  Hegel im  Gedächtnis haften - einem Hegel,
       der einstmals als Student mit Schelling und Hölderlin in Tübingen
       seinen ersten Freiheitsbaum pflanzte.
       Campe, der "deutsche Robinson", schreibt vor Ort, aus Paris:
       Diese französische  Staatsumwälzung ist die größte und allgemein-
       ste Wohltat, welche die Vorsehung, seit Luthers Glaubensverbesse-
       rung, der Menschheit zugewandt hat.
       Frankreich schuf sich frei, dichtet Klopstock in Altona:
       Des Jahrhunderts  edelste Tat  hub da  sich  zum  Olympus  empor.
       Durchwandre die Weltannalen und finde etwas darin,
       Das ihr ferne nur gleicht - wenn du kannst...
       Für George Washington jenseits des Großen Wassers ist die Revolu-
       tion, die  in Frankreich  durchgeführt wurde,  von so wunderbarer
       Natur, daß  der Geist  sich die  Tatsache  kaum  vergegenwärtigen
       kann.
       Von Goethe  das Wort,  das den  schlichten Gedenkstein der Sieger
       von Valmy  schmückt: Von hier und heute geht eine neue Epoche der
       Weltgeschichte aus.
       Und Herder, der manche Vorbehalte des Größeren in Weimar über die
       Revolution teilt, wird dennoch aus zehnjährigem Abstand bilanzie-
       ren:
       Seit 1789  geschahen Dinge,  die sonst in Jahrhunderten nicht ge-
       schehen. Auf  der Tafel der Zeiten stehen sie unauslöschlich, un-
       wiederbringlich gezeichnet. Die Früchte davon werdet ihr und eure
       Nachkommen ernten.  Ungeheuer viele  sonst schlafende  Kräfte hat
       sie geweckt und Gedankenverbindungen gewagt...
       Haben sie  und so viele andere, die ähnlich urteilten, das anbre-
       chende Reich  der Bourgeoisie  idealisiert? Zweifellos.  Und auch
       i h r e   - feinere  - Legende  vom Durchbruch  des Nus  und  der
       Vertu, von  Vernunft und Tugend, wird sich lange gegen eine Wirk-
       lichkeit behaupten, die komplizierter, härter und größer zugleich
       war. Daß  der Rousseausche Vernunftstaat, den die Revolution ent-
       binden und  in ihren  Menschenrechtserklärungen  gleich  für  das
       ganze Universum  festschreiben wollte,  nicht weniger ausbeutende
       und unterdrückende Klassenherrschaft war als die ihm vorausgegan-
       gene feudal-absolute  Monarchie, nur  eben eine  produktivere und
       von anderer  Klassen s u b s t a n z:  Das gaben nur zu Außensei-
       tern gestempelte  Linke zu.  Erste Ansätze  zum Erkennen sozialer
       Klassenaspekte aber fanden sich.
       Nach Fantin Desodoards bewohnten im Ancien Régime zwei feindliche
       Nationen den Boden Frankreichs. Das war fast die einzige Bindung,
       die sie  zusammenhielt, ohne  sie zu  vereinigen. Die eine dieser
       Nationen war das erniedrigte und zu Boden gedrückte Volk, die an-
       dere der  Adel, der  kaum ein  Sechzigstel der  Nation ausmachte,
       aber ausschließlich  sich selbst  als die französische Nation be-
       trachtete.
       Diese Revolution  nun entreißt, laut Isnard, dem Despotismus sein
       eisernes Zepter,  der Aristokratie  ihre Geißeln,  der Theokratie
       ihre Goldminen.  Sie entwurzelt  die feudalen  Eichen, entwaffnet
       die Intoleranz,  zerreißt die  Mönchskutte, stürzt den Sockel des
       Adels um, zerbricht den Talisman des Aberglaubens, tilgt die Miß-
       bräuche aus,  besiegt die  Vorurteile, beseitigt die Rechtskniffe
       und den Steuerdruck.
       Barnave schließlich  begründet darüber  hinaus die   N o t w e n-
       d i g k e i t   des  Machtwechsels  aus  einem  der  Zufälligkeit
       entkleideten  s o z i a l e n  Wandel:
       Sobald Gewerbe  und Handel sich bei einem Volk Eingang verschafft
       haben und  ihre produktive  Klasse damit  über neue Möglichkeiten
       verfügt, Reichtum  zu erlangen, bereitet sich eine Revolution der
       politischen Gesetze vor, denn: eine neue Verteilung des Reichtums
       eröffnet den  Weg zu  einer neuen  Verteilung der  Macht. Wie der
       Grundbesitz den  Adel nach  oben getragen  hat, so steigert jetzt
       gewerblicher Besitz  die Macht  der Gemeinen.  Sie erringen  ihre
       Freiheit, vermehren  sich und beginnen, Einfluß auf die öffentli-
       chen Angelegenheiten zu nehmen.
       Barnaves ökonomische Argumentation kam einer Wirklichkeit, in der
       Ideen   a l l e i n   bekanntlich gar  nichts bewirken, schon be-
       trächtlich näher.  Sehr viel  schärfer noch spitzte das Jean-Paul
       Marat in seinem  V o l k s f r e u n d  zu:
       Unstreitig, schreibt  er, hat  die Philosophie  der gegenwärtigen
       Revolution den  Weg bereitet,  sie eröffnet  und gefördert. Worte
       jedoch sind  unzureichend. Es bedarf der Taten. Und wem sonst au-
       ßer der Erhebung des Volkes verdanken wir die Freiheit?
       Marat schlug  damit dem   d e m o k r a t i s c h e n  Selbstver-
       ständnis der  Revolution eine  Bresche -  einem Verständnis,  das
       sich im  Gleichschritt zum  unglaublich raschen politischen Lern-
       prozeß der  werktätigen Massen,  der Sansculotten  in  Stadt  und
       Land, weiter  vertiefen wird  bis hin zum Enrage Jacques Roux und
       zum Communautaire Babeuf.
       Die von  den Zeitgenossen  eingenommenen Kontrovershaltungen  zum
       Phänomen Revolution  pflanzten sich auf ihre nachgeborenen Inter-
       preten fort. Jetzt erst, als der unmittelbare Schlachtenlärm ver-
       stummt war,  konnten sie darangehen, ein Gesamtgemälde mit grobem
       oder feinem  Pinsel auszuführen. Und es wurde jedesmal, wenn Mei-
       sterhände am  Werk waren,  ein lebendiges  Bild; ein Bild, das in
       seiner Revolutionsdeutung den Epochencharakter der Schöpfungszeit
       widerspiegelte. Ihre  eigenen Fragestellungen  legten sich in die
       jeweilige Darstellung  ein. Die Revolutionsgeschichte, soweit der
       Beachtung wert,  wurde in  Frankreich zum  getreuen Indikator der
       jeweiligen politischen Standorte und Klassenauseinandersetzungen.
       Nur wenige  Historiker vermochten  dabei gleich  Tocqueville  der
       Versuchung zu  widerstehen, sich  selber, wie  man gesagt hat, um
       einen Sitzplatz in Konstituante oder Konvent zu bewerben.
       Von  solcher  legitimer  Aktualisierung  hat  die  Revolutionsge-
       schichte jedoch  gewonnen, weil  sich ihr Hauptstrang in aufstei-
       gender Linie  bewegte: vom  großbürgerlichen  Liberalismus  eines
       Thiers und  Mignet, die  gegen die  bourbonische Restauration er-
       folgreich zu  Felde zogen, zu den achtundvierziger Demokraten Mi-
       chelet und  Louis Blanc, zum Radikalen Aulard und zum Sozialisten
       Jaurès, zu  seinen  geistigen  Fortsetzern  Mathiez  und  Georges
       Lefebvre. Aus  dessen Schülerkreis  wiederum ging die gegenwärtig
       niveaubestimmende marxistische  Forschungsrichtung hervor. Albert
       Soboul, Ehrendoktor  unserer alma mater, nennt diese erstaunliche
       Kette die   k l a s s i s c h e  T r a d i t i o n  der französi-
       schen Revolutionsgeschichte.
       Doch weit  gefehlt, daß sie deshalb über jede Kritik erhaben sei.
       So viele  neue Bausteine  zur Kenntnis  des Revolutionsgeschehens
       sie auch  herbeitragen mochte, schloß die progressive bürgerliche
       Geschichtsschreibung des  19. Jahrhunderts  neue  Legendenbildung
       nicht gänzlich  aus. Mignet  erhob zum  unpersönlichen Helden der
       Revolution  den  Mittelstand,  Michelet  einen  undifferenzierten
       Anonymus "Volk".  Aulard fand bei den korrupten Politikastern der
       Dritten Republik so viel Zustimmung, daß er ihnen ein Denkmal für
       seinen -  in Geldsachen  ja ebenfalls  nicht pingeligen  - Kraft-
       menschen Danton  abringen konnte:  ein Denkmal, auf das ein Robe-
       spierre in der ville lumière bis heutigentages vergeblich wartet.
       Sogar die  Festschrift zu Ehren seines 200. Geburtstages im Jahre
       1958 erschien  ja nicht  in Paris,  sondern in Berlin, Hauptstadt
       der Deutschen  Demokratischen Republik.  Und dies trotz des uner-
       müdlichen Einsatzes  von Jaurès und Mathiez, die dem Unbestechli-
       chen endlich zu seinem historischen Recht verhelfen wollten, die-
       weil sie  in ihm  die Fülle  der Revolution,  die    R é v o l u-
       t i o n  e n  b l o c  verkörpert sahen und ihm sogar eine sozia-
       listische Komponente  unterlegten, die  in Wahrheit  den Horizont
       des großen Jakobinerführers überstieg.
       Ungetrübte Anerkennung  der objektiven Realität, wie sie Marx vom
       Revolutionshistoriker auch  dort fordert, wo sich gerechtfertigte
       Emotionen aufladen und vielleicht dagegen sträuben, verträgt sich
       mit Legende nicht. Schon dann nicht, wenn sie sich auf Glättungen
       im Antlitz  der Braven  und Karikierung  der negativen Helden be-
       schränkt. Wobei  für die  bürgerliche Revolution  in Frankreich -
       mit der  Vendée, dem Prairialgesetz, dem Aufstand vom Vendémiaire
       im Gepäck  - noch zu fragen wäre: Wo sind eigentlich Gut und Böse
       so fein säuberlich geschieden, daß man es getrost nach Hause tra-
       gen kann?
       Das Wort an Friedrich Engels:
       In jeder  Revolution geschehen  unvermeidlich eine Menge Dummhei-
       ten, gerade  wie zu jeder anderen Zeit; und wenn man sich endlich
       wieder Ruhe genug gesammelt hat, um kritikfähig zu sein, so kommt
       man notwendig  zum Schluß:  wir haben  viel getan, was wir besser
       unterlassen hätten,  und wir haben viel unterlassen, was wir bes-
       ser getan hätten, und deshalb ging die Sache schief. Welcher Man-
       gel an  Kritik liegt  aber darin, die Kommune [von 1871] geradezu
       heilig zu  sprechen, sie für unfehlbar zu erklären, zu behaupten,
       jedem Haus, das abgebrannt, jedem Geisel, der erschossen, sei ge-
       nau und  aufs Pünktchen überm i sein Recht widerfahren? Heißt das
       nicht behaupten, während der Maiwoche sind vom Volk gerade  d i e
       Leute erschossen  worden, und nicht mehr, die zu erschießen nötig
       war, gerade   d i e   Gebäude verbrannt, und nicht mehr, die ver-
       brannt werden mußten? Heißt das nicht dasselbe wie von der ersten
       französischen Revolution  sagen: Jedem  einzelnen  Geköpften  ist
       recht geschehen,  zuerst denen,  die Robespierre köpfen ließ, und
       dann dem Robespierre selbst? Zu solchen Kindereien führt es, wenn
       im Grund  ganz gutmütige  Leute dem  Drang, haarsträubend  zu er-
       scheinen, freien Lauf lassen.
       Nur möchten  wir uns  von keinem  Wortspiel narren  lassen.  Wann
       hätte der  vielzitierte subjektive  Faktor aus  kühler Überlegung
       oder Berechnung allein resultiert? Emotionen sind nicht schlecht,
       sondern im Gegenteil unersetzlich. Sie sind positiver Bestandteil
       der revolutionären  Realität, oft, als Aufschrei aus unerträglich
       gewordener Pein, ihr Auslöser. Wo Herz und Hirn nicht auf dersel-
       ben Barrikade stehen, wird es weder jemals zur Revolution noch zu
       ihrer Weitergabe  in Gedanken und Tat langen. Dazu bedarf es ein-
       prägsamer Sinnbilder,  "legendärer"  Revolutionäre,  "legendärer"
       Kampfanstrengungen, "legendärer"  Opfergänge, die  in der Erinne-
       rung ein  heller Schimmer  bekränzt. Damit hängt es doch wohl zu-
       sammen, wenn  nach Heinrich Heines nachdenklich stimmendem Aperçu
       das Volk  seine Geschichte  lieber aus  der Hand des Dichters als
       der des  Kathedergelehrten entgegennimmt.  Um wieviel  ärmer wäre
       unsere Revolutionsgeschichte  ohne ihre  künstlerische Überhöhung
       in Beethovens  Tonschöpfungen, ohne Davids Palette, ohne ihre Ab-
       bilder in  der Literatur, ohne ihre Aneignung - die zugleich Aus-
       wahl bedeutet  - durch  die Masse  des Volkes, in dessen schweren
       Alltag sie leuchtet und Hoffnung trägt wie 1795 im Lied eines Un-
       bekannten:
       Man sagt uns, Knechtschaft sei nicht schändlich,
       da schlief manches Volk lange nun.
       Und das sei weise und verständig.
       Wir täten gut, es auch zu tun.
        Mann, Mann,
        Mann, das kann sein.
        Mann, Mann,
        mir fällt's nicht ein.
       Aber das hoffe ich für später,
       in hundert Jahren
       Enkel verfahren
       so, wie verfuhren ihre Väter.
       Grünes Licht  also für die freie Liebe zur Geschichte der Revolu-
       tion? Warum nicht? Unter einer einzigen Bedingung: daß die Anlie-
       gen  nicht   vermengt  werden.   Was  heißen  will,  daß  in  der
       w i s s e n s c h a f t l i c h e n   Kontenführung der - wie im-
       mer ungedankte  -  w i s s e n s c h a f t l i c h e  Boden nicht
       verlassen wird.  Keine   p h a n t a s t i s c h e  Totenbeschwö-
       rung, sondern  Aufspürung und Aufbereitung des Besonderen im All-
       gemeinen und des Einzelnen im Besonderen; keine Abschweifung, wie
       es gekommen  wäre, wenn..., sondern Nachvollzug des gesellschaft-
       lichen Fortschritts  in der  konkreten revolutionären Aktion, die
       Millionen ergreift;  ohne dabei  die  g e b r o c h e n e  Linie,
       ohne die   G r e n z e n  jedweden Fortschritts in der Klassenge-
       sellschaft -  und also  auch in der von den Massen auf demokrati-
       sche Höhen  gehobenen bürgerlichen Revolution - zu übersehen oder
       gar unterschlagen  zu wollen.  Aus der  Revolution, wie  sie war,
       keine Revolution  zu machen, wie sie hätte sein sollen. Nicht von
       ungefähr warnt Lenin:
       Historische Verdienste  sind nicht  danach zu beurteilen, was hi-
       storische Persönlichkeiten, gemessen an den heutigen Erfordernis-
       sen   n i c h t  geleistet haben, sondern danach, was sie im Ver-
       gleich zu ihren Vorgängern Neues geleistet haben.
       Seltsam genug,  bezichtigen einige  spätbürgerliche Historiker in
       konzertierter Aktion  ausgerechnet die marxistische Forschung des
       Verstoßes gegen  die von  uns  aufgestellte  Grundregel.  Demnach
       seien wir  es, die  als Opfer eines schematisierten ideologischen
       Vorurteils zu Trägern einer neuen Legende über die Revolution und
       nicht ihrer geschichtlichen Analyse geworden seien. Ohne den Tie-
       fenraum ihres  Manövers überzubewerten,  bedarf solches    H a l-
       t e t  d e n  D i e b!  doch wohl einer Erläuterung.
       Soboul nennt  es Revisionismus. Seine Vokabel zu übernehmen, emp-
       fiehlt sich  wenig, da  sie sich bei uns in einem anderen Kontext
       fest eingebürgert hat. In der Sache aber muß man ihm recht geben.
       Besagten Autoren  geht es  um nicht  weniger als  um eine prinzi-
       pielle Zurücknahme  der Forschungsergebnisse,  die in Jahrzehnten
       erarbeitet   wurden;    kurz,   um    eine   Totalretusche    des
       (marxistischen) Revolutionsbildes oder, wie Furet es gegen Soboul
       zugespitzt ausdrückt,  seiner zum "Katechismus" erstarrten neoja-
       kobinischen Verflachung.
       Daß zwischen der Revolution und dem Übergang von der feudalen zur
       kapitalistischen Gesellschaftsordnung  ein kausaler  Zusammenhang
       bestünde, erklärte  schon davor  der britische Tory Cobban ebenso
       für einen  Mythos wie den Begriff der bürgerlichen Revolution als
       solchen. Da  es schlecht  angeht, die Existenz der Revolution von
       1789 ab ovo zu leugnen, wird sie durch  z w e i  Revolutionen er-
       setzt: eine  mehr oder weniger vertretbare, die eine aufgeklärte,
       gemischtklassige Elite aus liberalen Seigneurs, Großbürgertum und
       gehobener Beamtenschaft  mit Einblick  in die Regierungsmisere in
       Richtung auf eine Modernisierung des Staatswesens vollzieht.
       Sodann eine  zweite, die  nach Furets  Neudefinition  "entgleist"
       oder "ins  Schleudern gerät"  und von beiden Enden her auch nicht
       mehr das  Gütezeichen ,  "bürgerliche" Revolution  verdient.  Sie
       wäre, folgt  man dieser  Lesart, der Aufstand fehlgeleiteter Mas-
       sen, der  seinen Gletschergipfel  in  der  Jakobinerdiktatur  er-
       klimmt. Diese  zweite oder  Abfallrevolution habe  aber  mit  der
       Durchsetzung der  kapitalistischen Produktionsweise (die überdies
       bei den  Sansculotten in  Stadt und  Land weithin  auf  Ablehnung
       stieß) ebensowenig  zu tun wie die erste, deren praktikables Kri-
       senmanagement sie auf lange hinaus nur verdorben habe.
       Wir halten  uns nicht  damit auf,  daß gewissen  Ohren marktwirt-
       schaftliche Ordnung  inoffensiver klingt als Kapitalismus und So-
       zialstruktur besser  als Klassenverhältnisse.  Bleiben  wir  beim
       Kern der  Sache! Unser  Schuldkonto soll  nach Obigen vornehmlich
       darin bestehen, daß wir
       1. mit Kategorien des 19. Jahrhunderts im 18. herumfuhrwerken und
       einen Klassenkampf  dort erfinden,  wo es  ihn noch nicht gegeben
       habe;
       2. eine längst  im Gange  befindliche ökonomische  Transformation
       der Weltwirtschaft  kurzfristig in  das Movens unserer Revolution
       umfunktionieren;
       3. revolutionäre Diskontinuität auf Kosten der Entwicklungskonti-
       nuität von  der Manufakturperiode  zur  industriellen  Revolution
       überziehen; und
       4. Positiva wie  Negativa dieser Revolution durcheinanderbringen,
       weil wir  mit einem  Auge immer  von 1789 nach 1917 schielen oder
       umgekehrt;
       wir also,  alles in  allem, generalisierenden  Theoremen  zuliebe
       eine Revolutionsautomatik  konstruieren, die  mit der  lebendigen
       Revolution wenig  gemein habe,  und wir  - man  staune! - am Ende
       laut Eberhard  Schnürt et  soci sogar ein paar nette Einfalle des
       jungen Marx fehl- und umgelenkt hätten.
       Es soll nun nicht darum gehen, wohlfeile rhetorische Siege in der
       Polemik gegen  Abwesende zu  erfechten. Ihre glücklosen Kreuzzüge
       wider den  historischen Materialismus als solchen entbehren über-
       dies des  Reizes der  Originalität. Wir  fragen, uns an das Thema
       haltend, lediglich  zurück: Wo liegt die Wirklichkeit der Revolu-
       tion?
       Z u m   e r s t e n:  Bekanntlich hat Marx nie beansprucht, Klas-
       sen und Klassenkämpfe in der Geschichte entdeckt zu haben. Er hat
       dieses Verdienst  bürgerlichen Historikern  zugewiesen, die ihren
       fruchtbaren Ansatz - ausgerechnet aus dem Anschauungsmaterial der
       Französischen Revolution  - gewannen  und ihn auch sogleich - wie
       Thierry und Guizot - auf weit zurückliegende Zeiten des Mittelal-
       ters übertrugen. Eine Bestimmung des Begriffs setzt somit in kei-
       ner Weise  voraus, daß  ihn schon die Träger der Erscheinung ver-
       wenden mußten: Was sie im übrigen in der Französischen Revolution
       aber, wenngleich  mit Unscharfen,  sogar reichlich  taten, sobald
       die ständischen Verhüllungen gefallen waren.
       Wovor gerade der Marxist unausgesetzt warnt, ist eine undialekti-
       sche, mechanische  Vermanschung und  Modernisierung der französi-
       schen Klassenverhältnisse  und -bezeichnungen, die auch bei wohl-
       wollenden bürgerlichen  Forschern anzutreffen  ist. Das läßt sich
       nachweisen. Welcher  unter ihnen  hätte je mit gleicher Präzision
       die   Klassen h e t e r o g e n i t ä t   der Sansculotterie her-
       auspräpariert wie  Soboul in  seinem kapitalen Opus? Wessen Klas-
       senanalyse der  Vendée kann  sich mit  den fast schmerzhaft unbe-
       stechlichen Feststellungen  Mazaurics messen? Wer von ihnen hätte
       je die  äußerste Linke  mehr als über den Daumen gepeilt und ihre
       gewiß mit  Fußangeln gespickte  Differenzierung neidlos uns über-
       lassen, sogar uns hier in Leipzig, fern von Paris?
       Die Diskussion  ist keineswegs  ausgestanden, und der Pariser Mai
       vom Jahr  1968 hat ihr neue Nahrung zugeführt: Es genüge, auf die
       Stichworte Jakobinertum, Bauernkrieg, Terreur, Hébertismus, Rand-
       schichten, Vorproletariat  zu verweisen.  Doch wenn  nicht  alles
       täuscht, werden wir, die wir den Wald vor lauter Bäumen im Gegen-
       satz zu  anderen eben doch sehen, sie unter uns austragen müssen.
       Was nicht  heißen soll, daß keiner von uns Fehler macht oder auch
       schon mal schlechter schreibt (und spricht...), als erlaubt ist.
       Z u m   z w e i t e n:   Es stimmt, daß in populärwissenschaftli-
       chen Darstellungen  die sozialökonomischen Verursachungen der Re-
       volution bisweilen  zu hastig  angebunden wurden.  So etwa, indem
       man sie geradlinig aus dem Zusammenfall der Handels- und Gewerbe-
       krise mit  der Finanzkrise  und der  Mißernte von 1788 ableitete.
       Daraus fließend,  wenn sie  so wollen, die Legende: Hungerwinter,
       ergo Aufruhr,  ergo Revolution.  Theodor Fontanes Urteil über Ib-
       sens analytische  Dramatik möchte  auch hierauf passen: "Es geht,
       aber es geht mir zu flink." Doch wiederum ist es kein anderer als
       Engels, der  in seinem berühmten Brief an Kautsky vom 20. Februar
       1889 gegen  solche Kurzatmigkeit  der Schlußfolgerungen Einspruch
       erhebt. Und  es ist  Ernest Labrousse,  ein "Klassiker",  der die
       longue duree  des Wirtschaftszyklus und das Einsetzen der Stagna-
       tionsphase schon  Ende der siebziger Jahre statistisch belegt und
       auf ihre Tragweite hingewiesen hat.
       Nie konnte ferner ein Marxist behaupten, daß eine bürgerliche Re-
       volution wie  die Französische  eine Produktionsweise - in diesem
       Falle die kapitalistische - hervorgebracht habe. Es ist im Gegen-
       teil eine unserer Grundeinsichten, daß sich die bürgerliche Revo-
       lution von  der proletarisch-sozialistischen darin unterscheidet,
       daß in  ihr der ökonomische wie der ideologische Umschlag dem po-
       litischen vorangeht;  daß sie die Machtfrage, die Frage der Klas-
       senmacht löst, um die aufklaffende Diskrepanz zwischen potenzier-
       ten Produktivkräften  und abgestandenen  Produktionsverhältnissen
       zu schließen.  Indem  sie  für  adäquate  Herrschaftsverhältnisse
       sorgte, hat  die Französische  Revolution,  teils  zielgerichtet,
       teils auch  unabsichtlich  die  unverzichtbaren  politischen  und
       rechtlichen   R a h m e n b e d i n g u n g e n  für die ungehin-
       derte Entfaltung  und schließliche Dominanz der alternativen Pro-
       duktionsweise geschaffen:  nicht mehr,  aber auch  nicht weniger.
       Wie gut oder wie schlecht, das ist - bei diesem wie bei jedem an-
       deren Einzeltest  -  eine  ganz  andere  Frage,  und  keine  ganz
       leichte, denn aus der größten unter den bürgerlichen Revolutionen
       ging ja keineswegs zugleich der "vollkommenste" Kapitalismus her-
       vor: auch  das ein Stück Wirklichkeit, die keine Legende verklei-
       stern darf.
       Z u m   d r i t t e n:   Man hält  uns entgegen, die gesetzmäßige
       N o t w e n d i g k e i t  der Revolution leuchte nicht ein. Eher
       wäre sie  schicksalhafte Resultante  aus Fehlern  und  schlechtem
       Willen, also  Betriebspanne. Es hätte des hohen Preises nicht be-
       durft, den sie  a l l e n  Beteiligten abverlangte; und nicht der
       Konvulsionen, die sich über 1830 und 1848 bis hin zur Commune von
       1871 fortpflanzten.  War ein  Hinüberwachsen in den neuzeitlichen
       bürgerlichen Staat  nicht bereits unter dem Ancien Régime auf be-
       stem Wege?  Hätte mit  mehr Geduld  und weniger Demagogie - lang-
       samer zwar,  dafür aber harmonischer - eine unblutige "Revolution
       von oben"  ihre Chance  gehabt? Hängt  nur Legende der Revolution
       die Schelle  eines Geburtshelfers  um, während es in Wirklichkeit
       die eines lärmenden Störenfrieds war?
       Sicher: alles hätte erheblich anders verlaufen können. Wir predi-
       gen weder  Determinismus noch  Teleologie. Die  Geschichte -  und
       erst recht  die Revolution - hält immer mehr als nur eine Antwort
       parat. Wo  kämen sonst  ihre Rückschläge  her?  Die  Aristokratie
       hätte verschämt  kapitulieren können;  sie tat es nicht. Die Für-
       sten Europas konnten vornehme Nichteinmischung üben; sie taten es
       nicht. Neureiche  Revolutionsgewinnler  konnten  die  Volksmassen
       einladen, mit  ihnen zu  teilen; sie  taten es nicht. Robespierre
       konnte seinen  Kopf retten,  sofern er sich selber thermidoriani-
       schem Opportunismus  verschrieb; auch  er tat es nicht. Und jeder
       besaß seine einleuchtenden Beweggründe, es nicht oder nicht so zu
       tun.
       Das ändert  mithin nicht, sondern unterstreicht, daß die Spannung
       1789 jenen point of no return erreicht hatte, an dem - Sie kennen
       Lenins Aussage  dazu - die Herrschenden auf bisherige Weise nicht
       mehr weiter   k o n n t e n   und  die Beherrschten es nicht mehr
       w o l l t e n.  Die Revolution war heilsame Folgewirkung ebendes-
       halb, weil  "Reformer" an die Grenze gestoßen waren, die zu über-
       schreiten sie  als unzumutbaren  Selbstmord ausschließen  mußten:
       die Übertragung der Klassenmacht. Das genau aber war die Volkser-
       hebung. Und  schließlich: Gerade  und nur  w e i l  die Französi-
       sche Revolution  einen im Weltmaßstab unumkehrbaren gesellschaft-
       lichen Durchbruch  erzielte, den  kein systemimmanenter Wandel je
       erzielen konnte,  wurde   n a c h   ihr, im Nachholeverfahren des
       19. Jahrhunderts,  sowohl bürgerliche Revolution  i m  Kapitalis-
       mus   f ü r   den Kapitalismus,  als auch "Revolution von oben" -
       sei sie metaphorisch oder mit Ernst Engelberg wörtlich genommen -
       möglich. Legende ist demzufolge die "entbehrliche", nicht die un-
       entbehrliche Revolution.
       V i e r t e n s   u n d  l e t z t e n s  - zeigen wir uns kulant
       und machen ein Zugeständnis: Unsere Optik der Revolution von 1789
       hat in  der Tat immer auch etwas mit 1917 zu tun. Ich frage aber:
       Kann man bei der Ermittlung ihres Stellenwertes denn anders, ohne
       jenem Scholastiker zu gleichen, der sich weigerte, durch Galileis
       Fernrohr zu  blicken, um  nicht sehen  zu müssen,  was nicht sein
       d u r f t e   am Firmament?  Wo hinzu  käme, daß der Rote Oktober
       doch noch etwas mehr bedeutet als ein Jupitermond mehr oder weni-
       ger ...  Als Labrousse, kein Kommunist, auf dem 13. Internationa-
       len Historikerkongreß  in Moskau  1970 auf "die beiden großen Re-
       volutionen" ein  Hoch ausbrachte, das die Teilnehmer von den Sit-
       zen riß,  war dies keine Artigkeit an die Adresse des Gastgebers,
       sondern eine Quersumme aus zwei Jahrhunderten abrechenbarer Revo-
       lutionserfahrung.
       Denn die beiden Revolutionen haben miteinander zu tun, obwohl sie
       wesens u n g l e i c h   sind und  die eine  die andere  in einem
       weiteren Sinne  in sich aufgehoben hat. Bürgerliche, auch bürger-
       lich-demokratische Revolutionen  und  proletarisch-sozialistische
       gehorchen nicht  denselben  Bewegungsgesetzen  und  sind  deshalb
       nicht ohne  weiteres vergleichbar. Jakobiner und Bolschewik! sind
       nicht austauschbar;  jede solche  Allusion oder Illusion wäre ein
       Erkenntnisschritt zurück und nicht vorwärts.
       Wohl aber  fällt von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution
       neues Licht  auch auf  die Revolution der Franzosen. Insbesondere
       erlaubt der  jetzt vollziehbare  - und  vollzogene - Übergang vom
       Kapitalismus zum  Sozialismus, jenes  Helldunkel besser zu durch-
       dringen, in  dem sich unter der Trikolore Utopie und Vision einer
       Gemeinschaft der Freien und Gleichen begegnet waren, deren Stunde
       noch nicht geschlagen hatte.
       Unsere Aufmerksamkeit  gilt -  wären wir  sonst Historiker? - der
       g a n z e n  Realität einer unteilbaren Revolution. Wir schneiden
       sie nicht  in Scheiben,  um uns  nur an  den schmackhaftesten  zu
       laben. Ein  Mirabeau gehört  ebenso dazu  wie Claire Lacombe. Wir
       würdigen sie,  ohne Kritik  zu unterdrücken, als nicht modellhaf-
       ten, doch  auf ihre  spezifische Weise  vorbildlichen Beitrag des
       französischen Volkes  zur universalen  Durchsetzung einer höheren
       Gesellschaftsformation. Sie drückte, laut Marx, mehr noch die Be-
       dürfnisse  der   damaligen   Welt   als   des      W e l t a u s-
       s c h n i t t e s   aus, in  dem sie vorfiel: eine Revolution, an
       deren Leit-  und Reizworten  sich  der  Citoyen  beim  Klang  der
       Marseillaise ein  Jahrhundert lang aufrichten wird. Wir bewundern
       den Kampfelan und die Unerschrockenheit der Massen, die in keiner
       anderen bürgerlichen  Revolution ihre  Forderungen  mit  so  viel
       Kraft, Reife  und Würde  vortrugen und  durch ihren Druck auf den
       jakobinischen Generalstab  der Revolution  die  politische  Demo-
       kratie herausgezwungen  haben: sie und nicht die Bourgeoisie, die
       sie erst viel später zu manipulieren lernte.
       Ohne also  die antifeudale Hauptkampflinie der Revolution auf je-
       der ihrer Etappen im geringsten vernebeln zu wollen, muß indessen
       gestattet sein,  abschließend noch auf ein anderes Erbe hinzuwei-
       sen, das sie uns - mit Auflagen - vermacht hat.
       Die Französische  Revolution gebar  nicht nur neue Gegenwart. Sie
       stieß auch  ein Fenster  in die  Zukunft auf.  Noch eine Legende?
       Jean Bruhat hat die Botschaft der Revolution als sozusagen vierte
       Quelle des wissenschaftlichen Sozialismus beansprucht. Er mag da-
       mit nicht haargenau ins Schwarze treffen. Die Beziehung aber, die
       sie uns  teuer macht,  besteht. Und  gerade sie ist es ja wohl in
       letzter Instanz,  die sie bei den verkümmerten Nachfahren in Ver-
       ruf gebracht hat:
       Die revolutionäre  Bewegung -  lesen wir  in der  H e i l i g e n
       F a m i l i e",  welche im Cercle social begann, in der Mitte ih-
       rer Bahn  Leclerc und Roux zu ihren Hauptrepräsentanten hatte und
       endlich mit  Babeufs Verschwörung  für einen Augenblick unterlag,
       hatte die   k o m m u n i s t i s c h e    Idee  hervorgetrieben,
       welche Babeufs  Freund Buonarroti  nach der  Revolution von  1830
       wieder in Frankreich einführte.
       D i e s e   I d e e,   k o n s e q u e n t   a u s g e a r b e i-
       t e t,   i s t   d i e   I d e e   d e s    n e u e n    W e l t-
       z u s t a n d e s.
       
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       *) Um die  Eingangspassagen  gekürzter  Vortrag,  erschienen  in:
       Leipziger Universitätsreden,  Neue Folge  Heft 59,  Leipzig  o.J.
       (1981).
       

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