Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       EINIGE ÜBERLEGUNGEN ZUR FRANZÖSISCHEN REVOLUTION
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       UND ZUR KONSTITUIERUNG DER HERRSCHENDEN KLASSE *)
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       Claude Mazauric
       
       Seit über  zwanzig Jahren werden unentwegt Polemiken zwischen den
       Anhängern der  sogenannten  "revisionistischen  Geschichtsauffas-
       sung" der Französischen Revolution - meines Erachtens ein untaug-
       licher Begriff  aufgrund seiner  metaphorischen und ideologischen
       Überfrachtung - und denjenigen geführt, die sich auf die Erkennt-
       nisse der  republikanischen Historiographie  stützen, um  die Er-
       forschung der Geschichte der Revolution zu vertiefen und neue Me-
       thoden zu  entwickeln. Im  Mittelpunkt  der  Auseinandersetzungen
       standen dabei  von jeher die Fragen der klassenmäßigen Realitäten
       im revolutionären  Prozeß sowie  der staatlichen Repräsentations-
       bzw. Herrschaftsfunktionen. In den Jahren nach dem Krieg und wäh-
       rend des  sogenannten "Kalten  Kriegs" arbeitete  Alfred Cobban -
       weniger Historiker im Sinne der sachlichen Arbeit mit den Quellen
       als Essayist und Ideologe - auf eine entscheidende Umorientierung
       hin: Es  begann die  großangelegte Zurückdrängung  der bis  dahin
       mehr oder  weniger dominierenden  Interpretationen der  Französi-
       schen Revolution  als Klassenkonflikt  und Aufstieg der kapitali-
       stischen Bourgeoisie  zur  gesellschaftlich  herrschenden  Macht.
       Zwar war  es offenkundig,  daß die theoretischen und historiogra-
       phischen Quellen von Cobban in der konterrevolutionären Tradition
       von Burke  bis Carlyle wurzelten, aber sein Ziel war durchaus ein
       sehr aktuelles:  Es ging  darum,  "die  französische  historische
       Schule" der Revolution zu diskreditieren, und dies zu einer Zeit,
       als die starke Persönlichkeit von Georges Lefebvre und ein großer
       Kreis von internationalen, durch die marxistische Erkenntnistheo-
       rie der  30er und 40er Jahre geschulten Historikern einen prägen-
       den Einfluß hatten.
       In den  Augen der  späteren "revisionistischen  Geschichtsauffas-
       sung", der  Georges Taylor  in den USA den am stärksten rechtsge-
       richteten, ja  fast  karikaturhaften  Ausdruck  verlieh,  während
       François Furet  und Denis Richet in Frankreich die liberale Strö-
       mung in der Tradition von Tocqueville vertraten, bestand das Ver-
       dienst von Cobban darin, die deterministische Erklärung des poli-
       tischen Prozesses  in der Französischen Revolution auf der Grund-
       lage der  Dialektik der  Klassenkämpfe durchbrochen zu haben. Be-
       stritten wurde  nicht der  Sieg der  Bourgeoisie -  was  nach  so
       vielen Arbeiten  auch schwierig  ist! -, sondern das kausale Ver-
       hältnis zwischen dem gesellschaftlichen Inhalt der Revolution und
       der Dialektik  der Klassenkämpfe in der alten Gesellschaftsforma-
       tion,  d.h.  im  Anden  Regime.  Man  sieht,  daß  die  scheinbar
       "ideologische" Diskussion weitreichende theoretische Auswirkungen
       hatte, und  daß die  grundlegenden Fragen  große Bereiche der ge-
       sellschaftlichen Praxis und der ideologischen Kämpfe tangieren.
       Was mich  betrifft, so habe ich mit Unterstützung von Historikern
       wie Alben  Soboul, Jean  Bruhat und anderen Mitarbeitern des Zen-
       trums für  marxistische Studien und Forschungen (heute IRM in Pa-
       ris) ab 1965 eine Haltung radikaler Kritik gegenüber diesen neuen
       Strömungen eingenommen;  diese sind  politisch  antirevolutionär,
       ideologisch "neoliberal"  - wie  es zehn  Jahre später hieß - und
       ordnen sich  allesamt perfekt in einen großangelegten Versuch der
       Zurückdrängung -  und nicht  der Erneuerung  - des Marxismus ein.
       Über das  Vehikel einer  gewissen Desillusionierung  hinsichtlich
       des Sozialismus  und unter  dem Deckmantel eines legitimen Bruchs
       mit dem  Stalinismus (den  auch Soboul und ich wollten) wurde das
       kommunistische Ideal  der klassenlosen Gesellschaft verworfen und
       in der Praxis jegliche revolutionäre oder auch nur fortschrittli-
       che Aktivität  abgelehnt. Aber  im Gegensatz zu den Behauptungen,
       die  durch   mein  Buch   ausgelöst  wurden  (Sur  la  Révolution
       française, 1970),  war es  weniger die  antimarxistische  ideolo-
       gisch-politische Dimension  dieser sogenannten "revisionistischen
       Historiographie", die mich schockierte, als vielmehr ihre wissen-
       schaftliche Oberflächlichkeit,  ihr dürftiger  Informationsgehalt
       und ihre  geringe Tatsachenbezogenheit. Meine Kritik ging nur von
       dieser einen Feststellung aus. Das war zumindest meine Intention,
       und dahingehend  habe ich  mich 1984 in Jacobinisme et Révolution
       geäußert. Inpolitischer Hinsicht beurteilte ich die mittelfristi-
       gen Aussichten  pessimistisch -  was die Geschichte leider bestä-
       tigt hat!  - und  hatte keinerlei  Illusionen über  die  Chancen,
       meine Auffassungen  in einem  internen  historiographischen  Mei-
       nungsstreit  durchzusetzen;   gegen  eine   sich   herausbildende
       "Schule", die  schnell über  große Möglichkeiten  bei Medien  und
       Verlagen verfügte  und ihre Inhalte aus einer liberalen Ideologie
       schöpfte, die  vor 1968  eine Renaissance erlebte und sich danach
       auf beiden Seiten des Atlantik voll durchsetzte ... Aber mir ging
       es um  zweierlei: Zum  einen wollte  ich uns,  die aus der großen
       Schule von Labrousse, Lefebvre und Soboul hervorgegangenen Histo-
       riker, dazu  zwingen, wieder  zu den  Quellen  zurückzugehen  und
       sowohl unseren  Begriffsapparat als  auch unser Forschungsfeld zu
       erneuern und  zu hinterfragen;  zum anderen sollte der in den Ge-
       sellschaftswissenschaften dominierende  Neopositivismus und logi-
       sche Empirismus nicht die Möglichkeit haben, von unseren Versäum-
       nissen und den Rückständen der marxistischen Theorie zu profitie-
       ren, um in der historiographischen und wissenschaftlichen Diskus-
       sion die  Oberhand zu  gewinnen, mit all den allgemeinen struktu-
       rellen Auswirkungen, die ein solcher Sieg für sie bedeutet hätte.
       Ermutigt wurde  ich dabei  durch renommierte Historiker, die zwar
       häufig dem  Marxismus, ja  sogar der  "Linken" sehr fern standen,
       aber dennoch  die Tragweite der Auseinandersetzung begriffen. Daß
       sie  sich   nicht  öffentlich   zu  Wort  meldeten,  lag  an  der
       Trivialität der  Diskussion -  für die  ich nicht  verantwortlich
       war! Ich  verfüge indessen  über schriftliche  Beweise für  meine
       Behauptung. Die Weigerung, sich dem Diktat der "revisionistischen
       Geschichtsschreibung" zu beugen, ging weit über den kleinen Kreis
       der sogenannten  marxistischen  "jakobinischen",  oder,  kommuni-
       stischen" Historiker  hinaus. Das  galt für Frankreich ebenso wie
       für die anderen europäischen Länder, für Japan und zunehmend auch
       für die USA.
       In dem  Bemühen um eine derartige kritische Reflexion verteidigte
       ich 1979  an der Universität Panthéon-Sorbonne (Paris I) eine Ha-
       bilitationsschrift, in  der meine  sämtlichen Arbeiten ihren Nie-
       derschlag gefunden hatten. In dem Buch Jacobinisme et Revolution,
       autour du  bicentenaire de  la Révolution française (Paris, 1984)
       habe  ich  die  meines  Erachtens  positiven  Konsequenzen  eines
       "Kampfes" aufgezeigt,  der 20 Jahre zuvor aufgenommen worden war:
       mit dem  Instrumentarium, das längst nicht so verfeinert und ent-
       wickelt war wie das heutige, und mit den Kenntnissen eines jungen
       Forschers, der  noch nicht  so viel wie heute über den Umfang der
       Forschungen wußte, die weltweit von den geschichtswissenschaftli-
       chen Experten,  insbesondere in  den USA,  betrieben wurden.  Ich
       verweise  den  Leser  der  vorliegenden  Untersuchung  auf  diese
       selbstkritischen Feststellungen,  denen  ich  fünf  Jahre  später
       nichts hinzuzufügen habe.
       In dieser  Konstellation der  Jahre 1978-1985 wurde ich aufgefor-
       dert, zusammenfassende  Überlegungen zur  Bedeutung der jakobini-
       schen Phase der Revolution bei der Herausbildung der bürgerlichen
       Gesellschaft vorzutragen.  So insbesondere  im Jahre 1979 in Bam-
       berg, wo  es zum  ersten Mal  zu einem direkten Meinungsaustausch
       zwischen den  - aus verschiedenen Ländern angereisten - Anhängern
       der  Cobban-  bzw.  Neo-Cobban-Historiographie,  den  Historikern
       klassischer positivistischer Tradition und marxistischen Histori-
       kern kam.  Die letztgenannte Richtung hat sichtlich einen Erneue-
       rungsprozeß durchgemacht, und soweit es sich um französische Wis-
       senschaftler handelte,  waren ihre  Repräsentanten  Alben  Soboul
       (Die französische Revolution, klassische Revolution oder besonde-
       rer Weg?), Michel Vovelle (Die Geschichte der Mentalitäten im Zu-
       sammenhang mit  den Ideologien und den klassenmäßigen Realitäten,
       insbesondere in  der Geschichte  der Revolution),  Guy Lemarchand
       (Über die  Langlebigkeit des  Feudalismus und seine Endkrise) und
       ich selbst  mit der Geschichte des Politischen, eine Thematik, an
       der ich  seit dem Kolloquium Mathiez-Lefebvre 1974 in Paris gear-
       beitet habe.  Seitdem hatte  ich zahlreiche  Gelegenheiten, meine
       Arbeiten vorzustellen,  und zwar in den USA wie in Frankreich, in
       Moskau wie in Leipzig.
       Dem folgenden  Text liegt  das Referat zugrunde, das ich 1984 auf
       dem Kolloquium in Grenoble gehalten habe: Es stellt eine Synthese
       meiner Auffassungen  dar, die  sich sowohl auf meine historischen
       Arbeiten über  die Stadt  Rouen während der Französischen Revolu-
       tion gründen  als auch  auf meine theoretischen Erkenntnisse über
       die vielgestaltige Struktur der führenden und herrschenden Klasse
       am Ende der bürgerlichen Revolution.
       
       Gestatten Sie  mir, daß  ich zu  dem etwas spektakulär klingenden
       Thema meines  Referats einige  Gedanken und  Hypothesen vortrage,
       die ich  bereits auf  dem internationalen  Kolloquium in  Bamberg
       1979 skizziert  habe, dessen  Protokolle im Jahre 1983 erschienen
       sind. Zwar  werden einige  meiner Thesen aufgrund der Themenstel-
       lung zwangsläufig  abstrakt sein,  aber ich werde trotzdem versu-
       chen, die Fakten darzustellen, die meines Erachtens die Legitimi-
       tät dieser Thesen begründen ...
       Gestatten sie mir auch, daß ich als Standort für meine Überlegun-
       gen die  politisch-gesellschaftliche Entwicklung  der Stadt Rouen
       während der Revolution wähle, um von diesem Beobachtungspunkt aus
       die Prozesse  nachzuzeichnen, die in der revolutionären Phase der
       Geschichte  der   französischen  Nation   zur  Herausbildung  der
       "herrschenden Klasse" geführt haben.
       Ich werde  vorerst darauf  verzichten, den  Begriff  "herrschende
       Klasse" zu definieren und mich auf eine gleichsam impressionisti-
       sche Darstellung  beschränken, die genügend Stoff für die Diskus-
       sion liefern  wird. Zu  Beginn möchte ich lediglich einige Punkte
       klären, damit meinen Ausführungen nicht Unklarheiten oder Ambiva-
       lenzen angelastet  werden, die  nicht von  mir selbst  verursacht
       wurden. Darum  sei an  dieser Stelle  darauf hingewiesen, daß das
       mit dem Begriff "herrschende Klasse" verbundene Begriffsfeld drei
       Determinanten beinhaltet, die seine Voraussetzungen bilden:
       1. - Die Ersetzung  des Normensystems des Ancien Régime durch ein
       Rechtssystem, das auf der rechtlichen Gleichheit der Menschen ba-
       sierte. Dies war das Hauptanliegen des revolutionären Staates von
       1789 bis zur Abfassung des Code civil.
       2. - Der Auflösungsprozeß  der alten  Ordnungen, Zünfte,  Stände,
       Körperschaften ...,  der mit  zunehmender Arbeitsteilung das Ent-
       stehen der  Konkurrenz im großen Maßstab förderte, wobei die Men-
       schen allerdings  noch in  die Keimzelle  der Familie eingebunden
       blieben, die  mit der bürgerlichen Gesetzgebung eine quasi monar-
       chische Form  erhielt. Die  Folge war, daß zum obersten Kriterium
       für die sozialen Unterschiede direkt und unvermittelt das gesell-
       schaftliche Verdienst  wurde, das  sich auf die Marktgesetze oder
       auf die  Anerkennung durch den Staat gründete. Dies waren die in-
       stitutionellen und  juristischen Grundlagen des Liberalismus, auf
       denen die Existenz einer gesellschaftlich herrschenden Klasse be-
       ruhte, die  sich aufgrund  "natürlicher", sprich:  sozialökonomi-
       scher Prozesse herausgebildet hatte.
       3. - Die Nicht-Identität von Staat und bürgerlicher Gesellschaft.
       Sie implizierte  die Autonomie  des Staates im gesellschaftlichen
       System und  damit die  Einführung von komplexen Verfahrensweisen;
       diese funktionierten in der Weise, daß die vermittels des Staates
       ausgeübten  gesellschaftlichen   Machtfunktionen  und   sämtliche
       Machtmechanismen  zugunsten   der  gesellschaftlich  herrschenden
       Klasse wirkten,  die dadurch zur regierenden Klasse aufstieg. Zur
       "staatstragenden Klasse"  wurde sie  über die Abgeordneten, Beam-
       ten, Mitglieder des Verwaltungsapparats usw.
       Bis zum  Jahre 1989  werden sich etliche der angekündigten Kollo-
       quien und  Bücher mit den Fragen befassen, die im Mittelpunkt der
       politischen Philosophie  der ersten  Hälfte des  19. Jahrhunderts
       standen. 1984 greife ich also den kommenden Diskussionen nur vor,
       wenn ich  in bewußter Vereinfachung die folgende These aufstelle:
       Die Realität  der herrschenden  Klasse konkretisierte sich in der
       Ausübung von  Herrschaft vermittels der staatlich-administrativen
       Institutionen, und  diese herrschende Klasse existierte letztlich
       nur durch  die formelle Leugnung des sie tragenden Prinzips sowie
       durch ihre  scheinbare Unterordnung unter den Individualismus bei
       der Machtausübung.
       Daraus ergeben sich zwei im eigentlichen Sinne "historische" The-
       sen:
       1. - Wenn es  eine  A u s ü b u n g  von Herrschaft gibt, gibt es
       folglich auch  Prozeß und  D a u e r;  was bedeutet, daß die Ent-
       wicklung, die  zur  Herrschaftsausübung  vermittels  des  Staates
       führte, im  wesentlichen ein  historisches Phänomen  ist und auch
       als solches untersucht werden muß.
       2. - Wenn die  gesellschaftlich herrschende  Klasse zu der Klasse
       aufsteigt, die  vermittels des Staates regiert, ist es notwendig,
       einerseits die  Form der Regierung und Leitung des Staates zu be-
       trachten - also nach  d e r  P o l i t i k  zu fragen -, anderer-
       seits die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft in ihrem Ver-
       hältnis zu  den staatlichen  Strukturen  zu  untersuchen  -  also
       d a s   P o l i t i s c h e   zu betrachten.  Wie ich bereits ge-
       zeigt habe, ist dieser Unterschied keineswegs von untergeordneter
       Bedeutung.
       Vor diesem  Hintergrund werde ich nun einige Ausführungen machen.
       Zunächst möchte ich auf einen auffallenden Kontrast hinweisen: Es
       ist der empirisch feststellbare Gegensatz zwischen den vielfälti-
       gen  B e s t r e b u n g e n  der städtischen Bourgeoisie, die in
       den  Jahren   1788"1789  direkt  politisch  aktiv  war,  und  den
       n o r m i e r t e n   V e r h a l t e n s w e i s e n   der Nota-
       bein des Konsulats, die in die staatlichen Strukturen eingebunden
       waren. Zehn  Jahre später,  und welch ein  U n t e r s c h i e d.
       Das wirft Fragen auf, auf die ich jetzt eingehen möchte.
       1789 hatte  die Bourgeoisie  in den  Städten und Provinzen starke
       autonomistische und  dezentralistische Bestrebungen.  Wie  Marcel
       Reinhard und  Maurice Genty  gezeigt haben,  waren Verhalten  und
       Auftreten der Pariser Bourgeoisie bei aller Besonderheit von ähn-
       lichen   Tendenzen    geprägt.   Das   städtische   Klein-   oder
       Großbürgertum,  das   noch  eine  starke,  aus  der  Feudal-  und
       Ständeordnung   des    Ancien   Régime   hervorgegangene   innere
       Hierarchisierung  aufwies,   erkannte  sich   recht  gut  in  den
       politischen Initiativen,  oder allgemeiner gesagt, in dem Diskurs
       und der  gesellschaftlichen Praxis  der  gehobenen  nicht-adligen
       Schichten, die  mit  dem  Handelskapital,  dem  Grundbesitz,  dem
       Klerus und häufig auch mit allen gleichzeitig liiert waren. Unter
       diesem Gesichtspunkt scheint der Fall der Familie Perier, auf den
       wir seit  Beginn  dieses  Kolloquiums  hingewiesen  haben,  recht
       beispielhaft zu  sein. Vergleichbare  gesellschaftliche  Umstände
       und Typen  lassen sich  jedoch in  den meisten großen Städten des
       Königreichs ausmachen.  Nebenbei sei  bemerkt, daß  die  Art  der
       Einberufung der Generalstände und die Verfahren bei der Abfassung
       der Cahiers  in den  Städten (mit Ausnahme eines Teils von Paris)
       den Prozeß  der Identifizierung  aller bürgerlichen Schichten mit
       der Elite  noch verstärkt  hat; diese Elite bestimmte sich sowohl
       nach dem  akkumulierten Reichtum  als auch nach ihrer Qualität im
       Sinne der  Kriterien der  offiziellen ständischen Hierarchie, die
       nach dem  Scheitern der  Reform von  Turgot  wieder  zur  Geltung
       gekommen waren.  Nach dem  königlichen Edikt  vom 24. Januar 1789
       gab  es   für  das  Zusammentreten  der  Generalstände  nur  zwei
       Möglichkeiten: entweder  auf der  Basis  des  Distrikts  (wie  in
       Paris), was  bedeutet  hätte,  daß  Reichtum,  gesellschaftliches
       Ansehen sowie  die familien-  und wohngebietsmäßigen Verbindungen
       ausschlaggebend gewesen  wären, oder  im korporativen  Rahmen der
       "Zünfte und  Vereinigungen" (wie  in Rouen),  wodurch das Ansehen
       und die  ökonomische Macht  der verschiedenen  Korporationen  zum
       obersten Bewertungskriterium  geworden wäre,  ohne daß  innerhalb
       derselben der "Rang" eines jeden Meisters gezählt hätte. In allen
       Fällen war  es die  a l t e  b ü r g e r l i c h e  F o r m,  auf
       die sich  die neue  Kraft bezog, die jetzt in Bewegung geriet und
       eine Verfassung,  rechtliche und  politische Gleichheit sowie die
       radikale  Veränderung  des  Verhältnisses  der  Gesellschaft  zur
       Monarchie forderte,  d.h. eine  neue Lösung  für das  Problem der
       Souveränität auf  der Grundlage  der  "grandiosen  Umkehrung  der
       Weltordnung" (Alphonse  Dupront). Alte  Formen, neue Forderungen?
       Diese vorrevolutionäre  Totalität war seit 1786-1787 über die al-
       ten Modelle  politischer Forderungen  vermittelt,  wie  z.B.  der
       Wunsch nach  Wiederherstellung der  Autonomie der Provinzen, nach
       wirksamem Schutz  für die  oft ungesicherten Kompetenzen der Pro-
       vinzialstände und  selbst nach kommunaler Autonomie. Diese Forde-
       rungen zielten darauf ab, den Prozeß administrativer und bürokra-
       tischer Vereinheitlichung des Staates durch eine Monarchie aufzu-
       halten, die  modern und reformwillig war, und von deren gleichma-
       cherischen Bestrebungen   e i n z i g   u n d   a l l e i n   das
       Privileg ausgenommen war. So war es im Dauphine, in der Bretagne,
       in der  Provence und im Languedoc ... In Rouen forderte beispiel-
       weise der  Dritte Stand  unter der  Führung des Advokaten Thouret
       die strikte  Respektierung  der  in  der  "Charte  aux  Normands"
       festgelegten "Privilegien",  die Ludwig X. dem alten Herzogtum im
       Jahre 1315  gewährt hatte. Genau diese Forderung hatten seit 1771
       auch das  "Parlement de  Normandie" und  der Adel in "bailliages"
       (Amtsbezirke im  Norden vor  1789, d.  Übers.) erhoben.  Das  ist
       nicht verwunderlich, war es doch Thouret selbst, der als Sprecher
       einer von der Stadt am 5. Januar 1789 ernannten Ad-hoc-Kommission
       ehemaliger Schöffen  ein "Cahier d'instructions et d'observation"
       verfaßt hatte,  das für  die vorbereitenden Versammlungen der Ge-
       meinden und  Kirchspiele bestimmt  war. Die im Februar veröffent-
       lichten "Instruktionen"  von Thouret wurden berühmt unter dem Ti-
       tel Avis des bons normands à leurs frères, tous les bons français
       de toutes  les provinces  et de  tous les  ordres sur l'envoi des
       lettres de  convocation aux  Etats généraux; dazu gab es eine Er-
       gänzung in Form des Avis des bons normands, dédiée aux Assemblees
       des bailliages  und eines  Essai de Cahier. Diese Richtlinien be-
       einflußten maßgeblich  die Meinung  und Stimmabgabe der bürgerli-
       chen Elite  des Dritten  Standes in  Rouen, die  am Ende  des 18.
       Jahrhunderts die  herrschende Schicht der Stadt war. Diese in al-
       tertümliche Formen  und Titel gekleideten Texte liefen inhaltlich
       darauf hinaus,  die bürgerlichen  Ambitionen auf  die Überwachung
       der Stände  sowie auf drei Forderungen zu beschränken: Gleichheit
       der Besteuerung  als Vorform der völligen rechtlichen Gleichheit,
       die auf  einen späteren  Zeitpunkt verschoben wurde; eine Verfas-
       sung, die  die Autonomie  der Provinz  und der Stadt garantierte;
       die Verdoppelung  der Zahl  der Vertreter des Dritten Stands, die
       bereits durch  den Erlaß  vom 27. Dezember nach dem Sieg der Dau-
       phinois zugestanden worden war ... Aber es war dieser vorsichtige
       und gemäßigte  Text (Marc  Bouloiseau nannte  ihn "konservativ"),
       der die  Privilegierten durch  die Bezugnahme auf die alten Frei-
       heiten beschwichtigte  und in  der Normandie (sowie in 24 anderen
       Städten) für  die engagiertesten Kräfte des politischen Umsturzes
       eine  inhaltlich   begrenzte  und   sehr   schonend   formulierte
       "Plattform" bot.  Es ging um den politischen und nicht um den ge-
       sellschaftlichen Umsturz,  denn auf dieser Ebene der Infragestel-
       lung des Ancien Régime war weder von den Manufakturarbeitern noch
       von den Bauern die Rede.
       Was bedeutet  diese von  verschiedenen Historikern häufig konsta-
       tierte Diskrepanz zwischen der relativ weit fortgeschrittenen Lo-
       gik der  Bewegung und  den vorsichtigen,  ja konservativen,  wenn
       nicht gar  rückwärtsgewandten Aspekten im politischen Diskurs des
       bürgerlichen Dritten  Standes? Unserer  Ansicht nach  kommt darin
       die folgende  Schwierigkeit zum  Ausdruck: Es galt, durch die An-
       wendung einer  kohärenten Strategie eine neue, auf der staatsbür-
       gerlichen Gleichheit  der Menschen  beruhende Form der nationalen
       Souveränität zu finden und dafür Kräfte zu sammeln, die stark ge-
       nug waren, um sich gegen den Monarchen und den Hof durchzusetzen;
       zugleich sollten  jedoch die Chancen eines zukünftigen Kompromis-
       ses nicht  gefährdet werden.  Folglich ging  es darum, die eigene
       geschichtliche Legitimation aus einer idealisierten Vergangenheit
       abzuleiten und  auf diesem  Weg große Teile des Adels zu gewinnen
       oder zu neutralisieren. Gleichzeitig mußte sich das Bürgertum zum
       Anwalt des  Gemeinwohls machen,  indem es  den durch die Teuerung
       und die  Krise der  Manufakturen hart  bedrängten armen Schichten
       eine Wiederankurbelung  der Produktion durch Schutzzölle und eine
       Senkung der  Abgaben versprach.  Die Zukunft  würde durch die Er-
       richtung einer  sozialen und  politischen Ordnung  gesichert, die
       auf Konsens und gesetzlichen Normen basieren und daraus ihre Sta-
       bilität gewinnen  würde - eine für die Besitzenden durchaus beru-
       higende Perspektive.  Da nur  die Beseitigung des Steuerprivilegs
       vorgeschlagen wurde, blieb die Chance für einen Kompromiß mit ei-
       nem Großteil  des Adels.  Gleichzeitig  wurde  der  Weg  für  die
       schrittweise  Verwirklichung  der  staatsbürgerlichen  Gleichheit
       freigemacht.
       Allein in der Forderung nach städtischer provinzieller Autonomie,
       die während der "munizipalen Revolution" des Sommers 1789 den ve-
       hementen Dezentralisierungsbestrebungen  zugrundelag, konnte sich
       die Vorwärtsentwicklung  manifestieren, die  in einem oftmals ar-
       chaisch anmutenden,  wenn nicht gar gegenläufigen Diskurs prokla-
       miert wurde; ein Umstand, der die Historiker häufig verwirrt hat,
       die der  Bedeutung der Worte mehr Aufmerksamkeit schenken als ih-
       rem Gebrauch. Allein die Forderung nach Autonomie ermöglichte es,
       das Gefüge des absolutistischen Staates aufzubrechen und zugleich
       die Chancen  für einen gesellschaftlichen Kompromiß zwischen Adel
       und Bourgeoisie,  also  i n n e r h a l b  der "Elite", zu erhal-
       ten. Beiden  wurde der Zugriff auf den regionalen Wirtschaftsraum
       und die  Ausübung stabiler Herrschaft über eine sich schnell wan-
       delnde   Gesellschaft   garantiert.   Die   Autonomie   und   die
       "Entstaatlichung"  der   historisch  überlieferten  Institutionen
       schienen die Hegemonie der aus dem Ancien Regime hervorgegangenen
       Elite zu  gewährleisten, indem  sie die  Reform "von oben" reali-
       sierten, ohne in eine Revolution zu münden.
       Kommen wir  jetzt zu den auf das Direktorium folgenden Jahren der
       Konsolidierung von  1800 bis  1803, als die "nationale Klasse der
       Besitzenden" in Rouen wie überall in Frankreich den Staatsstreich
       Bonapartes billigte  und  sich  seiner  cäsarenhaft-plebiszitären
       Macht unterwarf.  Das war  ein entscheidender  politischer Augen-
       blick! Die  nationale Klasse der Eigentümer akzeptierte definitiv
       die Verstaatlichung ihrer gesellschaftlichen Macht und die Natio-
       nalisierung ihrer gemeinsamen Interessen. Sie war für das Prinzip
       der zentralistischen Vereinheitlichung der Staatsmacht, als diese
       (durch  das  Plebiszit  und  die  Verfassung)  zum  Ausdruck  der
       nationalen Souveränität  wurde. Ungeachtet der Sehnsucht nach den
       alten Zuständen oder der spontanen Interessenunterschiede, die zu
       heftigen Konflikten, zu nicht-antagonistischen Widersprüchen füh-
       ren konnten,  wurde erkannt, daß die Gegensätze innerhalb der na-
       tionalen Klasse  nicht von  grundsätzlicher Bedeutung  waren. Die
       Institutionen erhielten den Auftrag, die Funktionsmechanismen und
       die Formen der Entscheidungsbildung zu entwickeln, die die Stabi-
       lität der gesellschaftlichen Ordnung garantieren würden. So löste
       sich die verworrene Dialektik der konkreten Interessen einerseits
       in der Suche nach dem besten Funktionieren der Institutionen auf,
       die das  Gemeinwohl, ja  die öffentliche Ordnung überhaupt reprä-
       sentierten, und  mündete andererseits  in  die  Bekräftigung  der
       Grundprinzipien der  bürgerlichen Gesellschaft ein: hier die Ban-
       que de  France und der Franc des Germinal, dort die Abfassung der
       großen Gesetzbücher. Das entscheidende Kriterium für die sozialen
       Unterschiede wurde  die gesellschaftliche Nützlichkeit, wobei der
       berühmte "Mythos  der Meritokratie" (C. Charle) ein wirksamer He-
       bel war. Die Hierarchie der sozialen Stellungen hing von den Ver-
       mögensverhältnissen ab,  wenn man auch versuchte, unter der wach-
       senden Zahl  der Staatsbeamten die Überzeugung zu verbreiten, daß
       das Verdienst  das einzige  Kriterium für  das  gesellschaftliche
       Fortkommen sei. Die ideologische und kulturelle Vereinheitlichung
       schritt voran,  wenngleich in den maßgeblichen "Kreisen" die mon-
       archistischen Notabein  von den  liberalen  mit  republikanischer
       Tradition durch  unterschiedliche politische  Postulate  getrennt
       waren: Da  die Konservativen und die Liberalen eine Zeit lang die
       gleichen Institute  besuchten, da  sie sehr darauf bedacht waren,
       daß die Schulen und großen Lehranstalten vorrangig Eliten für den
       Staatsdienst ausbildeten,  und da  sie außerdem  ähnliche  Treff-
       punkte aufsuchten, um sich zu vergnügen oder persönliche Kontakte
       zu pflegen,  waren sie  trotz aller  "Konflikte" hinsichtlich der
       großen Fragen  der Epoche nicht weit voneinander entfernt. Im üb-
       rigen stimmten  fast alle  dem Konkordat  zu, das den gemeinsamen
       Willen ausdrückte,  die durch Kirche und Religion bedingten alten
       Spaltungen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Wenn die Nota-
       bein in  ihrem politischen  Diskurs auch  dem Kult  der formellen
       Gleichheit und  persönlichen Freiheit  huldigten -  die bei Bona-
       parte allerdings  nicht immer  gut aufgehoben  war ", so war doch
       das eigentliche  ideologische Movens  das Recht  auf Eigentum, um
       das sich Grundbesitzer und Bankiers, Manufakturbesitzer und Kauf-
       leute, Händler  und Bauern, sogar Kleinbauern, scharten. In jedem
       Departement oder Kanton existierten im Bereich der Verwaltung die
       gleichen, um  den Präfekten zentrierten Macht- und Konsultations-
       mechanismen, die  von dem realistisch denkenden Teil der Bevölke-
       rung getragen  wurden. Die  bürgerlichen Schichten  von 1789 ver-
       schmolzen mit  der national  regierenden Klasse,  und daraus ging
       die zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschende Klasse hervor.
       Diese war von ihrem Ursprung her durch zwei Merkmale gekennzeich-
       net:
       1. - Soziologisch gesehen, war sie vielschichtig: Geschäftsleute,
       hohe Staatsbeamte,  Großgrundbesitzer, offizielle  Ideologen  ...
       Sie kamen  sich  allerdings  durch  gemeinsame  gesellschaftliche
       Treffpunkte, den Handel und private Verbindungen näher und akzep-
       tierten allesamt die Schiedsrichterrolle des neuen Staates.
       2. - In     ideologischer      Hinsicht     argumentierte     die
       (re-)konstituierte herrschende  Klasse auf  zwei Ebenen,  die nur
       scheinbar widerspruchsfrei waren: Einerseits war noch der Pragma-
       tismus der  Aufklärung lebendig  - hier machte sich noch der Ein-
       fluß stark  bemerkbar, der  von Condorcet und seiner Synthese der
       französischen Aufklärungsbewegung  ausging -; andererseits wurden
       die Werte  Unterordnung, Gehorsam  und Respekt rehabilitiert, die
       für die  Stabilität der  gesellschaftlichen Ordnung notwendig wa-
       ren.
       Welcher Prozeß  der Zersetzung  und Neubildung  hat dazu geführt,
       daß zwischen  den beiden  Polen dieser  Transformation  -  dieser
       echten Metamorphose, aus der die führende Klasse hervorging - die
       Bourgeoisie des Ancien Regime zu der nationalen Klasse wurde, die
       ihrem Wesen  nach eine  bürgerliche war und den Staat ab 1800 be-
       herrschte?
       Die Antwort auf diese Frage kann ich nur in großen Zügen skizzie-
       ren, indem  ich die  verschiedenen Ebenen einer möglichen Analyse
       benenne.
       Betrachten  wir  zunächst  die  politische  oder  soziopolitische
       Ebene: Sie ist die evidenteste, und ihr hat Albert Soboul in Band
       2 der  Civilisation et Révolution française hervorragende Ausfüh-
       rungen gewidmet.  Ab 1789, genauer gesagt, nach den Steuerbestim-
       mungen von  1792, sodann nach dem rigiden Dirigismus von 1793 und
       des Jahres  II, der  bis zur  Abschaffung der Sklaverei ging, und
       schließlich nach der durch die Männer des Thermidor und durch das
       Direktorium geschürten  Drohpropaganda  von  der  "roten  Gefahr"
       führte die "soziale Furcht", die echte oder vorgegebene Besorgnis
       der Eigentümer zu einer Vereinheitlichung der politischen Verhal-
       tensweisen der  Besitzbürger in der ganzen Republik: Das Eigentum
       wurde zum  einzigen und  obersten Wert  der bürgerlichen  Gesell-
       schaft.  Auf   der  anderen   Seite   hatte   die   sechsmonatige
       "Volksdemokratie" (Juni 1793 bis Dezember 1793), die sich auf den
       Terror und  den Zwangskurs  der Assignaten  stützte, deutlich ge-
       macht, daß die Machtausübung durch Männer aus den unteren Klassen
       durchaus kein  Mythos war:  Dafür standen  die Revolutionskommis-
       sare, die  Agenten der  Überwachungskomitees, die  Mitglieder der
       Kommission für  lebenswichtige Nahrungsmittel,  die Offiziere der
       revolutionären Armee,  die Volksabgeordneten. Es galt also, dage-
       gen einen hierarchischen Regierungsapparat aufzubauen. Diesem Er-
       fordernis entsprach das mitten in der Jakobinerdiktatur erlassene
       Dekret vom  14. Frimaire des Jahres II, mit dem das Funktionieren
       der Verwaltung  geregelt wurde: Bekanntlich fand es in der ganzen
       Republik die Zustimmung der bürgerlichen Schichten. Aber das zen-
       tralistische Staatsmodell  war von begrenzter Dauer und ging spä-
       ter wieder  in den  Institutionen des Direktoriums und des Konsu-
       lats auf:  Trotz der  unterschiedlichen Umstände  gab es eine di-
       rekte Verbindungslinie  zwischen dem nationalen Agenten, dem Kom-
       missar und  dem Präfekten.  Unter diesem  Gesichtspunkt hat,  wie
       Marx feststellte, der jakobinische Terror die Machtstrukturen des
       von Bonaparte  ausgestalteten gegenwärtigen französischen Staates
       vorbereitet. In gewisser Weise war das Jakobinertum mit dem engen
       Netz von  Volksgesellschaften die Existenzform einer Art nationa-
       ler "Partei"  und trug dazu bei, die bürgerlichen Mittelschichten
       an die Politik heranzuführen.
       
       Die jüngsten  Forschungen (Vgl.  Annales historiques  de la R.F.,
       1986, September-Oktober,  Sondernummer zu dem Thema "Volksgesell-
       schaften")  über   die  Zahl   (etwa  5500),   die  geographische
       Verteilung (ungleichmäßig, aber mit starker Konzentration auf die
       am stärksten  urbanisierten Departements  und Regionen)  und  die
       sozio-ideologische Struktur der Volksgesellschaften in den Jahren
       1793"1794 tendieren  immer mehr  zu der  Auffassung, daß  sich in
       dieser Zeit  nicht nur  die Realität  des zentralisierten  Natio-
       nalstaats gefestigt  hat, sondern  daß es in dieser Hinsicht auch
       einen Konsens und eine tiefgehende Akzeptanz auf seifen der Groß-
       und Kleinbürger,  der Groß-  und  Kleinbauern  gegeben  hat.  Die
       Volksgesellschaften, die  die wesentliche  Grundlage für die Wil-
       lensbildung und  Beeinflussung des republikanischen Frankreich in
       der entscheidenden  Phase der Revolution darstellten, trugen mehr
       als jeder andere revolutionäre "Apparat" zur massenhaften Politi-
       sierung der  französischen bürgerlichen  Schichten bei:  darunter
       etwa eine  halbe Million  der gesellschaftlich und kulturell ein-
       flußreichsten Familienoberhäupter  sowie fast 100 000 "Kader". In
       diesem Sinne  leistete das  Jakobinertum einen  eminent wichtigen
       Beitrag zur  Ausbreitung der  M o d e r n e,  die die Lebensweise
       des alten Frankreich, welche den Stempel einer langen, von Feuda-
       lismus und  monarchischem  Absolutismus  beherrschten  Geschichte
       trug, von Grund auf umgestaltete. Während die Anhänger Robespier-
       res vom  Wohlfahrtsausschuß und  Jakobinerclub offensichtlich den
       politischen Zwang  des Staates  und den Terror einsetzen wollten,
       um in  der Gesellschaft  mehr soziale Gerechtigkeit zu verwirkli-
       chen und  eine echte  Volksdemokratie zu errichten, bereitete das
       von ihnen  mitgeschaffene zentralistische und rigorose Instrumen-
       tarium die  institutionellen Rahmenbedingungen  für die Hegemonie
       der Bourgeoisie  über die  Nation vor und förderte die subjektive
       Zustimmung der  Massen zu  den Machtorganen des modernen Staates.
       Bonaparte war  über die Periode des Direktoriums hinaus teilweise
       der Erbe  dieser Struktur.  Marx  verwies  mit  außerordentlichem
       Scharfblick auf  diese zugleich  notwendige und paradoxe Entwick-
       lung, und  zwar in  seinen Schriften  von 1843-1845  sowie in den
       Texten, in  denen er  die  Grundlagen  der  zeitgenössischen  Ge-
       schichte Frankreichs  analysierte und  die in der Zeit der großen
       Bewegung von 1848-1850 erschienen.
       
       So lernten  die Besitzenden  nach und nach, ihre partikularen Be-
       strebungen und  ihre persönlichen  oder  lokalen  Ambitionen  dem
       n a t i o n a l e n  I n t e r e s s e,  d.h. der abstrakten Form
       ihres Klasseninteresses  unterzuordnen. Sie begriffen die Notwen-
       digkeit, ihrer  gesellschaftlichen Herrschaft eine umfassende und
       auf Konsens  beruhende Form zu geben, die darin bestand, daß alle
       die  zentralen   Werte  einer   durch   zehn   Jahre   Revolution
       "entfeudalisierten" Gesellschaft  akzeptierten. In  Rouen machten
       die Notabein  den Präfekten  zum Mittelpunkt  des politischen Le-
       bens.
       Kommen wir  jetzt zur zweiten, zur ideologischen Ebene, auf deren
       Bedeutung Roger  Barny in seinem Referat bereits hingewiesen hat.
       Die ganze Revolution war von einem Konglomerat von Ideen geprägt,
       die allesamt auf den Rousseauschen Begriff der "volonté générale"
       bezogen waren. Aber während zwischen 1789 und 1792 sowohl das re-
       volutionäre Ideal  als auch  die Verteidigung  der Privilegien in
       dem durch das Rousseausche Denken eröffneten Raum angesiedelt wa-
       ren, wurde  nach dem  Thermidor der  Bezug  auf  Rousseau  selbst
       preisgegeben. Die  Rede von  Boissy d'Anglas (Bericht an den Kon-
       vent vom  23. Messidor des Jahres III, 23. Juni 1795), die Arbei-
       ten der  "Elfer-Kommission", die  den Verfassungstext  des Jahres
       III vorbereitete,  sowie das  Wirken eines Daunou, der von wieder
       in den  Konvent aufgenommenen  ehemaligen Girondisten unterstützt
       wurde, basierten  in ihren  Grundprinzipien auf  dem am wenigsten
       typischen und  am wenigsten entscheidenden Teil des  G e s e l l-
       s c h a f t s v e r t r a g s,   und  selbst  dieser  wurde  noch
       seines tieferen  Sinns beraubt:  Die Unterscheidung  zwischen dem
       N a t u r z u s t a n d,   der außerhalb der Geschichte und somit
       der Politik  angesiedelt ist,  und der    b ü r g e r l i c h e n
       G e s e l l s c h a f t,   die allein  durch das  Eigentum garan-
       tiert wird  und daher  auf der  abstrakten Interessengemeinschaft
       der  Eigentümer   beruht,  diente   als  Rechtfertigung  für  die
       Errichtung einer  oligarchischen Macht  und nicht  für  die  all-
       gemeine rechtliche  Gleichheit der  Bürger! Einen Staat aufbauen,
       eine Verfassung  schaffen, das  heißt  gerade,  der  bürgerlichen
       Gesellschaft eine  F o r m  geben, erklärten nacheinander Boissy,
       Champagny, Rolderer,  Bonaparte ...  Die ideologische Vereinheit-
       lichung der  Bourgeoisie  als  Grundlage  ihrer  Entwicklung  zur
       bewußten nationalen  Klasse war in der Tat über ihre Selbstkritik
       in Bezug  auf die  Theorie von  Rousseau vermittelt,  von der sie
       sich 1789 hatte inspirieren lassen.
       Und schließlich ist da noch die ökonomische Ebene, die bislang am
       wenigsten untersucht wurde und am ungeklärtesten ist. Welche Kon-
       sequenzen hatte,  abgesehen von der Verschleuderung der National-
       güter, auf  die ich  in Bamberg hingewiesen habe, das große libe-
       rale Abenteuer der Revolution?
       Welche Auswirkungen hatten der "Abbau der Barrieren" und die for-
       melle Schaffung eines einheitlichen nationalen Marktes, insbeson-
       dere in  der Zeit  des Maximalpreises,  die dem Laissez-faire der
       ersten  Jahre   folgte?  Wie   lassen  sich   die  Resultate  des
       "Nationalisierungs"-Prozesses der Wirtschaft einschätzen und mes-
       sen, der durch die Requirierungen für den Krieg, den Versorgungs-
       dirigismus in  den Städten,  die inflationäre Welle und das Assi-
       gnat-Geld bedingt  war? Was wissen wir über die Konsequenzen, die
       die Einstellung  aller Abgabenzahlungen  von 1789 bis 1793 hatte?
       Über die  Folgen des  daraufhin einsetzenden  "individuellen Auf-
       schwungs"? Oder über die Sozialpolitik der Jakobiner? Welche Aus-
       wirkungen konnten  sich daraus ergeben, daß bis 1793 eine Politik
       der Liberalisierung  des Außenhandels  betrieben wurde  - der Re-
       kordumschlag im Hafen von Le Havre war im Jahre 1793 zu verzeich-
       nen -,  und daß darauf die Blockade folgte, die vom Zusammenbruch
       des Kolonialhandels  und dann  der gesamten  Verteilung begleitet
       war? Wie J.-C. Perrot 1974 in seinen Ausführungen über "Die neuen
       Wege der Wirtschaftsgeschichte der Französischen Revolution" dar-
       gelegt hat,  wäre außerdem  zu untersuchen, was die Erfindung und
       Anwendung der  modernen Statistik  in den revolutionären Untersu-
       chungen bewirkt  haben; inwieweit  sie bei den bürgerlichen Kauf-
       leuten und Manufakturbesitzern, die die erste revolutionäre Welle
       von 1789  lebhaft begrüßt  und unterstützt  hatten, die  geistige
       Einstellung verändert,  die Fähigkeit  zur Vorausschau  gefördert
       und die  Bereitschaft geweckt  haben, sich  neuen, größeren Wirt-
       schafts- und  Spekulationsräumen zuzuwenden.  Dies sind wichtige,
       bislang freilich wenig erforschte Fragen. Daß wir über unsere Re-
       gion, die  Normandie, demnächst etwas mehr wissen werden, verdan-
       ken wir  der Studie  von Guy Lemarchand über "Das Ende des Feuda-
       lismus im  Pays de Caux von 1640 bis 1795", die auch die ökonomi-
       sche Entwicklung  und ihre  sozialen Auswirkungen  in den  ersten
       Jahren der  Revolution umfaßt.  Was jedoch noch aussteht, ist die
       a l l g e m e i n e   Untersuchung der  ab 1796 mitten in der De-
       flationskrise entstehenden  neuen Wirtschaftsräume,  die aus  der
       Zersplitterung und  Neubildung der  alten Binnenmärkte hervorgin-
       gen. Das Gleiche gilt für die Untersuchung der Differenz zwischen
       der Grundrente und dem Profit aus Handels- oder Manufakturbetrie-
       ben; und  schließlich auch für die alte Frage des konjunkturellen
       Umschlags  im   Jahre  1798,   der   die   ersten   Ansätze   der
       "industriellen Revolution"  förderte, die  aufgrund der  Arbeiten
       von L.  Bergeron, D. Wbronoff und S. Chassagne dem Konsulat zuge-
       schrieben wurden.
       Wie hat sich unter diesen verworrenen, aber kreativen Bedingungen
       des Appells  an die wirtschaftliche Initiative die Mentalität der
       Besitzenden entwickelt,  und wie standen diese zu einem Staat und
       einer nationalen Gemeinschaft, von deren Transformationsprozessen
       sie zehn  Jahre lang direkt betroffen waren? Diese Frage habe ich
       mir gestellt,  als dieses  Kolloquium angekündigt wurde. Außerdem
       hat mich  der Beitrag von Robert Chagny und die darin geschilder-
       ten Aktivitäten und der gesellschaftliche Aufstieg der Perier an-
       geregt, die Dinge einmal auf dieser Ebene zu problematisieren.
       Letztlich mündet  die hier  angesprochene Fragestellung  in  eine
       theoretischere Reflexion  über den  Begriff "herrschende  Klasse"
       ein, der  in vielen  Arbeiten über  das 19. Jahrhundert vorkommt,
       aber unterschiedlich  verstanden und  definiert wird. Im heutigen
       politologischen Denken gilt er als ein Begriff marxistischer Pro-
       venienz, wenngleich  Marx ihn  nicht erfunden  hat und bei weitem
       nicht der einzige war, der ihn verwendete. Vor ihm hatte z.B. un-
       ser Barnave  in seinen Notizen aus dem Gefängnis, die heute unter
       dem Titel  Introduction à  la Révolution  française bekannt sind,
       die Frage des Fortschritts unter dem Aspekt der historischen Ver-
       antwortung der  herrschenden Klassen behandelt. Nach Marx hat Max
       Weber erneut  die spezifische  Rolle  der  verschiedenen  gesell-
       schaftlichen Schichten  aufgezeigt und dargestellt, welche Bedeu-
       tung die  organisatorischen Funktionen für die Strukturierung der
       herrschenden Klasse haben (Politik als Beruf, 1919).
       Die von  Marx geleistete  Analyse  des  Entstehungsprozesses  der
       "herrschenden Klasse"  ist jedoch am weitest- und tiefstgehenden.
       In Die  deutsche Ideologie,  im Manifest sowie im ersten Band des
       Kapital  (3.   Abschnitt)   arbeitet   Marx   heraus,   daß   die
       "Bourgeoisie",  d.h.  "die  Kapitalistenklasse"  sich  nicht  als
       Klasse konstituieren  kann, wenn sie sich nicht auf der Ebene des
       Staates organisiert, um die Bedingungen für die erweiterte Repro-
       duktion des  Kapitals aufrechtzuerhalten. Könnte man nicht sagen,
       daß die   E n t ä u ß e r u n g  d e r  f r a n z ö s i s c h e n
       B o u r g e o i s i e  z u m  S t a a t  durch die Revolution ge-
       nau diese  Notwendigkeit  i n  s p e z i f i s c h e r  W e i s e
       zum Ausdruck  gebracht hat?  Nach dem Sieg war es nötig, die enge
       korporative Vertretung  der bürgerlichen  Interessen  aufzugeben,
       um, vermittelt  über unvermeidliche  und heftige Klassenauseinan-
       dersetzungen, die  Gesamtinteressen des  Kapitals, einschließlich
       seiner Zukunftsinteressen, wahrzunehmen.
       
       Die wichtigste  und komplizierteste theoretische Arbeit, die aber
       gleichzeitig die  meisten neuen methodologischen Ansätze beinhal-
       tet, besteht  darin, zwei Dinge zusammen zu denken: Die sozio-po-
       litische Revolution,  die die Herrschaft der führenden Klasse be-
       gründet, und  die technisch-ökonomische  Revolution, die die Ent-
       wicklung des  vormonopolistischen Industriekapitalismus begleitet
       und trägt. Über dieses notwendige Konzept einer organisch verbun-
       denen "doppelten Revolution" hat die von W. Markov gegründete und
       von Manfred  Kossok geführte  Leipziger Historiker-Schule seit 20
       Jahren sehr gute Untersuchungen vorgelegt; dieses Konzept reflek-
       tiert je  nach den  gesellschaftlichen und  nationalen Strukturen
       die konjunkturellen  und zeitlichen Dimorphismen, die Divergenzen
       und Verschiebungen,  die Modellwirkungen, die Antizipationen, die
       Verzögerungen -  denkt also  die zeitliche  Dimension, d.  h. den
       langen "Zyklus"  der  modernen  Revolutionen,  zusammen  mit  der
       Struktur und  den allgemeinen  Merkmalen. Allein diese Erkenntnis
       der historischen  Dialektik bei  der konkreten  Herausbildung der
       bürgerlichen kapitalistischen  Gesellschaften erlaubt es uns, die
       Einheit der  Prozesse in  der  wachsenden,  ja  widersprüchlichen
       Vielfalt ihrer Realisierung zu denken.
       
       In Frankreich  konnte nur  die Verschmelzung des kapitalistischen
       Bürgertums mit  einer herrschenden  Klasse, die  aus  Klein-  und
       Großeigentümern sowie  aus Trägern staatlicher Funktionen auf al-
       len Ebenen bestand, seine kulturelle und politische Hegemonie als
       Realität garantieren  und zugleich  verschleiern, d.h.  seine ge-
       sellschaftliche Herrschaft  als Bedingung  für die  Erhaltung der
       Macht des Kapitals. Damit wäre letztlich auch das Wesen der poli-
       tischen Autorität  des Führers  in der  französischen Bourgeoisie
       umrissen: Es ist eine Mischung aus gesellschaftlichem Prestige im
       traditionellen Sinne,  einer aus der Rationalität des Denkens und
       Handelns erwachsenen  Überzeugungskraft und  eines Charismas, das
       in dem  durch die Verwirklichung des Prinzips der nationalen Sou-
       veränität gewonnenen  Vertrauen wurzelt.  Hier decken sich unsere
       Ausführungen teilweise  wieder mit  denen von Max Weber. Aber ist
       die politische  Autorität nicht deswegen zu einem Bestandteil un-
       seres öffentlichen  Lebens geworden,  weil die Revolution die er-
       sten Formen der modernen Demokratie ins Leben gerufen hat?
       Demokratie, Bourgeoisie,  Kapitalismus -  zum Schluß  möchte  ich
       feststellen, daß  dies unsere ältesten und klassischsten analyti-
       schen Kategorien sind.
       
       Bibliographie
       -------------
       
       Jacobinisme et Revolution, autourdu bi-centenaire de 1789, Claude
       Mazauric, Paris,  1984, insbesondere  die Seiten  75-114 und 114-
       141. Das  Kolloquium von  Bamberg wurde  von E.  Schmitt  und  R.
       Reichhardt unter dem Titel Die Französische Revolution - zufälli-
       ges  oder  notwendiges  Ereignis?  veröffentlicht,  München/Wien,
       1983.
       Kapital, 1.  Band, neue  Übersetzung, Ed.  Soc. 1983, S. 178-179.
       Dictionnaire du  Marxisme, hrsg.  von Georges  Labica, PUF, 1983.
       Revolution and  Red  Tape:  the  French  Ministerial  Bureaucracy
       (1770-1800), C. Church, Oxford, CP. 1981.
       Oberkampf, un  entrepreneur capitaliste au siede des Lumieres. S.
       Chassagne, Paris, Aubier 1980.
       Les hauts fonctionnaires en France au XIXe siede, Ch. Charle, Pa-
       ris, 1980, col. "Archives".
       Grands notables  du Premier  Empire, notices de biographie socia-
       les, L.  Bergeron und  G. Chaussinand-Nogaret, Bd. 1-5 (insgesamt
       23 Departements). Einen informativen Vergleich über die Radikali-
       sierung/Transformation einer  Gruppe und  einer Revolution bietet
       der Beitrag  "Mouvements revolutionnaires  dans l'Europe moderne,
       un modèle"  von E. Barnavi, Revue historique 1984, 549, S. 47 so-
       wie "Debats  et combats, la Ligue à Paris" von R. Descimon, Anna-
       les E.S.C. Januar-Februar 1982, S. 83.
       Zu Daunou  siehe das  Referat von  E.  Guibert-Sledziewski,  ,Les
       ideologues, une  approche de  rHomme un  et indivisible, Daunou",
       Seminar über  die Geschichte  des Materialismus von O. Bloch, 26.
       Februar 1983.
       Erwartet wird die Herausgabe von Anthologien **) von Marx und En-
       gels über  die Französische  Revolution durch Claude Mainfroy bei
       Editions Sociales  und durch  F. Furet  bei Flammarion. 1985 wird
       das Institut für marxistische Forschungen (I.R.M.) ein Kolloquium
       über "Marx und die Französische Revolution" veranstalten.
       
       Übersetzung aus dem Französischen: Ilse Utz
       
       _____
       *) Anmerkung der  Herausgeber: Auf die Bitte des Autors hin brin-
       gen wir  im folgenden  den Text des Referats, das Claude Mazauric
       auf einem  Kolloquium in Grenoble im Jahre 1984 gehalten hat (Les
       bourgeoisies provinciales  à l'epoque de la Révolution française,
       Grenoble, PUG, 1987). In diesen Text wurden drei schriftliche Er-
       gänzungen aus dem Jahre 1987 eingefügt, die kursiv gedruckt sind.
       Sie haben lediglich den Zweck, die methodologische Vorgehensweise
       von Claude Mazauric zu verdeutlichen.
       **) Als dieses  Referat veröffentlicht  wurde, waren  diese Bände
       erschienen; der  erste 1984,  der zweite 1986. Das Kolloquium des
       I.R.M. fand  in Zusammenarbeit  mit dem  C.N.R.S. statt,  die Be-
       richte wurden  in den Cahiers d'Histoire de l'I.R. M. (im Septem-
       ber 1985) sowie in La Pensée (im Februar 1986) veröffentlicht.
       

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